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Mit der Zielsetzung, Kontakte und Kooperationen auszubauen, zeichnet sich für das 21. Jahrhundert eine Vielzahl von Aktivitäten für mexikanische Sozialwissenschaftler ab, die eine qualitative Orientierung bevorzugen: [25]
Politische Aktion:
d.h. die notwendigen Verbindungen zu Gruppen und sozialen Akteuren aufzubauen mit dem Ziel einer Schärfung der Wahrnehmung im Sinne von GLASER (1999, p.840) als Weiterführung der Grounded Theory bis in ihre äußerste Konsequenz. Die Herausforderung besteht darin, uns mit unserem konzeptionellen Gepäck, geformt durch die Beiträge von Barney GLASER und Anselm STRAUSS (1967), Anselm STRAUSS (1987), Anselm STRAUSS & Juliet CORBIN (1990) und Norman DENZIN & Yvonna LINCOLN (1994), einzubringen in die rebellische Kritik und in die Konstruktion der möglichen Welten, welche die soziale Aktion lenken. Es geht auch darum, die zugrundeliegenden Modelle der im alltäglichen Leben der Bevölkerung etablierten Machtstrukturen zu entdecken, unter deren Einfluß sich die narrative Fiktion konstruiert - mit ihren kulturellen Projekten und der zunehmend partizipativeren Zivilgesellschaft, die aus der Misere und dem Schmerz der Straßenkinder, der arbeitenden Mütter, der erziehenden Frauen, der Migranten und der Indigenas erwächst. Es ist wichtig, hier die Anstrengungen der Schaffung eines nützlichen sozialen Wissens über Mexiko-Stadt von Seiten einiger der sozialen Akteure zu erwähnen; sowohl von Bürgerinitiativen als auch durch öffentliche Körperschaften (NOVIB/GDF 1999), wenngleich es auch an der erwähnten Schärfung der Wahrnehmung nach wie vor mangelt. [26]
Zeitschriften:
Es haben sich im Rahmen der gemeinsamen Herausgabe z.B. von Zeitschriften Gruppen gebildet, die sich der qualitativen Forschung im Bereich der Alltagswelt widmen. Unter diesem Aspekt ist die Initiative zu einer Diskussion (FERNANDEZ & CISNEROS 1994) über Theoretische Psychologie herausragend, die als Disziplin verstanden wird, deren Kriterium der Wahrheit sich weder aus Daten noch aus der Anwendung von Wissen konstituiert, sondern aus der Argumentation. Wegen des Fehlens einer Zeitschrift über qualitative Forschung zerstreuen sich die Anstrengungen und wir kennen einander nicht - dies gilt nicht nur für Mexiko, sondern für ganz Lateinamerika. Zum Beispiel wird bei Betrachtung der Artikel, die in der Zeitschrift "Psicologia e Sociedade" (Vol 10, Nr.2) enthalten sind, welche von der brasilianischen Vereinigung für Sozialpsychologie (ABRAPSO) herausgegeben wird, die Notwendigkeit deutlich, nationale und kontinentale Foren aufzubauen. Das bedeutet also programmatisch: Im Lateinamerikanischen Raum ist eine sozialwissenschaftliche Zeitschrift zu qualitativer Forschung notwendig. [27]
Netzwerke:
d.h., professionelle Assoziationen zu bilden, die interdisziplinär organisiert eine gegenseitige Bereicherung verschiedener Forschungsprojekte ermöglichen. In diesem Bereich läßt sich bezüglich der institutionell integrierten Forschergruppen, die in Universitäten und Forschungsinstitute eingebunden sind, diagnostizieren, daß die Zukunft nicht allzu desorganisiert sein wird. Hier sind unterschiedlichste Bemühungen sinnvoll: assoziierte Gruppen, Mailinglisten, Projekte im WWW, virtuelle Gemeinschaften usw. [28]
Bürgerlicher Journalismus:
Hier geht es darum, Berufsprofile zu entwickeln, die unsere qualitativen Forschungsstrategien mit denen realer Akteure des alltäglichen Lebens verbinden. Über die Projekte der Verbreitung wissenschaftlicher Veröffentlichungen hinaus müssen wir von der Unverzichtbarkeit der Aufgabe überzeugt sein, auch "ohne die Spezialisierung der wissenschaftlichen Konzepte" zu schreiben; oder den von DENZIN (1997) formulierten Begriffen folgend: Ethnographie wie bürgerlichen Journalismus machen. Es gibt hierzu bereits Beispiele in der qualitativen mexikanischen Sozialforschung, wir müssen uns allerdings noch mehr der Gesellschaft gegenüber öffnen. Es ist notwendig, daß wir für die gewöhnlichen Menschen über die gewöhnlichen Menschen in alltäglichen Situationen schreiben. [29]
Interdisziplinarität:
Auf dem Gebiet multikultureller Bevölkerung und den in unseren Zeiten so wichtigen multiethnischen Demokratien dürfen wir die Möglichkeiten der ethnographischen Forschung nicht aus den Augen verlieren, die uns die Positionierung zeigt, welche die sozialen Akteure in ihrer Interaktion entwickeln. In diesem Sinne sind die von Enrique HAMEL umgesetzten Arbeiten besonders bedeutsam. Darin entwickelt er seit einiger Zeit eine qualitative Soziolinguistik, die sich u.a. auf die Probleme der Zweisprachigkeit der indigenen Bevölkerung und der Sprachpolitik bezieht (HAMEL 1995). Er hat stets den Kontakt zu Sozialpsychologen, Anthropologen, Ärzten und anderen Berufsgruppen gesucht, die sich ebenfalls mit qualitativer Methodik beschäftigen. [30]
Konzeptionelles Erbe:
Unter dem Gesichtspunkt, daß wir in letzter Zeit beginnen, unser Erbe zu schätzen, ist es wichtig, unter einer kontrastierenden Perspektive zu überlegen, wie z.B. das Verhältnis zwischen Fokusgruppen (MORGAN 1988) und Diskussionsgruppen (IBANEZ 1992) ist; welche Rolle die Gedanken von Alfred SCHÜTZ in unseren Geschichten über Gemeindepsychologie und politischen Psychologie (MONTERO 1994) besonders in Bezug auf die Intersubjektivität spielen. Ebenso wichtig ist es, das Modell von partizipativen Forschungsaktionen im Licht des mit den qualitativen Methoden einhergehenden kritischen Ansatzes neu zu überdenken; und ebenfalls zu überlegen, wie die narrativen Fokussierungen zu behandeln sind (RIESSMAN 1993), wenn im interkulturellen Bereich die in den Konversationsprozessen impliziten Konzepte des Ich nicht erforscht sind. [31]
Sammlung/Archivierung:
Hierzu gehört es Datenbasen zu schaffen, die es erlauben, verschieden Aspekte der Forschung kennenzulernen, seien sie für nationale private Firmen, internationale Organisationen, soziale organisierte Gruppen, Finanzfirmen, Regierungsorganisationen oder politische Parteien erarbeitet. Es gibt ausreichend Erfahrungen in der Forschung, daß sehr ergiebige Arbeiten, wenn sie nicht öffentlich zugänglich gemacht werden, für immer zwischen den Papieren der Auftraggeber liegen bleiben. Im Falle Mexikos wissen wir von Studien, über deren Ergebnisse nicht gesprochen werden kann, da sie zu wenig bekannt sind. In diesen wurden qualitative Herangehensweisen entwickelt. Sie behandeln unter vielen anderen Themen den sozialen Wissenserwerb, die Konstituierung von Bürgerschaft, die Risikowahrnehmung und medizinische Notfallsituationen. [32]
Neue Themen:
Zu guter letzt gilt es Forschungszweige aufzubauen, die als kurzfristige Prioritäten für neue Themen Aspekte wie Kriminalität und Unsicherheit im öffentlichen Raum, neue Technologien im ländlichen Bereich, Stadtplanung und nachhaltige Entwicklung behandeln. Die Arbeiten über Kunst und ihr Publikum werden weiterhin von Bedeutung sein, ebenso Studien über Museumsbesuche. Die multilokalen Ethnographien werden weiter an Interesse gewinnen und mit Sicherheit wird die Qualität der Studien immer besser werden. Die Grounded Theory wird in weiteren Wissensgebieten angewendet werden. Jedoch werden die Themen mit dem Ziel der Überwindung der Armut ebenso wie in anderen Ländern des peripheren Kapitalismus vorrangig bleiben - wenn ich mich hier auch diesbezüglich lediglich auf Gesundheit und soziale Identität konzentriert habe. [33]
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César A. CISNEROS PUEBLA
UAM Iztapalapa
E-Mail: csh@xanum.uam.mx
Bitte zitieren Sie diesen Beitrag wie folgt (und Absatznummern, wenn notwendig):
Cisneros Puebla, César A. (2000, Januar). Qualitative Sozialforschung in Mexiko [33 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research [On-line Journal], 1(1).
Verfügbar über: http://www.qualitative-research.net/fqs-texte/1-00/1-00cisneros-d.htm [Datum des Zugriffs: Tag, Monat, Jahr].
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