|
Volume 1, No. 2 Juni 2000
Alltagsfigurationen
ein kulturpsychologisches Forschungsprogramm
Herbert Fitzek
Zusammenfassung: Mit dem
psychologischen Konzept der Alltagsfigurationen wird die Auffassung
vertreten, daß Zusammenhänge des Erlebens und Verhaltens weniger von
individuellen Eigenheiten als von kulturgeschichtlich gewordenen Mustern
bestimmt werden. Mit Hilfe weiterentwickelter gestalt- und
tiefenpsychologischer Methoden wird es möglich, die Sehgewohnheiten und
Selbstverständlichkeiten von Handlungsroutinen aufzubrechen und in den
gelebten Alltagskulturen spezifische Muster oder Verhältnisse transparent
zu machen. In einem Forschungsprojekt der Universität Köln wurden auf
der Grundlage von Tiefeninterviews und ihrer psychologischen Beschreibung
und Rekonstruktion verschiedene Trends und Zeiterscheinungen des modernen
Lebensalltags untersucht: z.B. die "Girlie"-Kultur,
"Seifenopern", der "Fitneß"-Kult, die
"Sonntagsneurose" sowie moderne Unterrichtskulturen. Dabei
zeigten sich nicht nur vielfältige Lebensbilder, sondern darüber hinaus
charakteristische Konturen der Gegenwartskultur im Ganzen.
Keywords: Figuration, Alltag,
Kulturpsychologie, Gestaltpsychologie, Tiefeninterview, Qualitative
Methoden, Gegenwartskultur
1.
Einführung
2.
Überwindung des Gegensatzes von Theorie und Praxis
3.
Revision wissenschaftlicher Selbstverständlichkeiten
4.
Auseinandersetzung mit der historischen und mit der modernen Kultur
5. Psychologie beginnt
mit der Beschreibung konkreter Alltagskulturen ...
6. ... und dringt zu
einer Rekonstruktion der seelischen Wirklichkeit vor
7. Kulturwissenschaften
bedürfen eines fächerübergreifenden Austauschs von der Sache her
|
Die folgende kurze Übersicht über die
Psychologie der Alltagsfigurationen soll zum einen das Konzept in seinem
Herkommen, seinen Grundzügen und der konkreten Untersuchungspraxis
vorstellen. Es ist zugleich nach Punkten gegliedert, die zur Diskussion
qualitativer Forschung im Ganzen beitragen sollen. [1]
|
|
|
Überwindung des
Gegensatzes von Theorie und Praxis
|
|
Die Alltagsfigurationen sind ein
praktisches Konzept. Sie gehen vom Alltag aus. Sie stehen für eine phänomenologische
Orientierung und wenden sich gegen den Methoden-Monismus. Sie leiten sich
von der Forderung nach gegenstandsangemessenem Vorgehen ab und gehen von
der Notwendigkeit einer Passung von theoretischer Modellierung und
methodischer Erschließung aus. [2]
Die Alltagsfigurationen basieren auf
einem theoretischen Bezugssystem. Sie gehen aus tiefen- und
gestaltpsychologischen Seherfahrungen hervor. Sie sehen die seelische
Wirklichkeit als vielschichtig und überdeterminiert an und ordnen Erleben
und Verhalten danach, was darin als zusammengehörig oder dissonant
erfahren wird. Einer Figurationspsychologie erschließen sich die
Alltagsphänomene dadurch, daß sich in ihnen spezifische
Kultivierungsmuster herausstellen lassen. [3]
|
|
|
Revision wissenschaftlicher Selbstverständlichkeiten
|
|
Die Zwänge der szientifischen
Wissenschaftstheorie haben uns beinahe vergessen lassen, was die
Generation von Kurt LEWIN noch zusammenbringen konnte: "Nichts ist so
praktisch wie eine gute Theorie!" Entsprechend
beansprucht die Psychologie der Alltagsfigurationen Praxisnähe und
Theoriebezug für sich. Demgegenüber ist das wissenschaftliche
Selbstverständnis heute vielfach von unversöhnlichen Gegensätzen
umzingelt: Alltagsnähe steht gegen Systematik, quantitative gegen
qualitative Forschung, harte gegen weiche Methoden. Es wird dabei häufig
übersehen, daß solche Einteilungen auf geschichtlich gewordenen
Konventionen beruhen. Um ihnen nicht aufzusitzen, bedarf es der Revision
der Wissenschaftsgeschichte und der Auseinandersetzung mit unbequemen und
daher verdrängten Aspekten Aspekten wie der Hergestelltheit
wissenschaftlicher Gegenstände (vgl. HOLZKAMP 1968), der Begründung von
Forschung in menschlichen Problemlöseprozessen (vgl. HERMANN 1979) und
der Verschränkung von Forschungssubjekt und Forschungsobjekt (vgl.
DEVEREUX 1984). [4]
Die historische Perspektive gilt aber nicht
nur für die Konzeptualisierung von Wissenschaft, sondern auch für ihre
Inhalte. Da die Gegenstände der Kulturwissenschaften selbst historisch
entwickelt sind, müssen Soziologie und Psychologie um die Wandlungen
ihres Gegenstandes in der Geschichte wissen. Die Figurationspsychologie
ist immer historische Psychologie gewesen, zentriert auf die Gestaltungen
und Wandlungen der Kultur: NIETZSCHE sah die höchsten und die niedrigsten
menschlichen Kultivierungsformen der Griechen und aller nachfolgender
Generationen als Ausdruck eines vorwärts treibenden formenschaffenden
Gestaltungs-"Willens" (NIETZSCHE 1969). FREUD brachte die
Chancen und Begrenzungen der Kultivierung mit dem Rückgriff auf
geschichtlich frühe kollektive Kultivierungsmuster und ihrem
Entwicklungspotential in Zusammenhang (FREUD 1930). [5]
|
|
|
Auseinandersetzung mit der historischen und mit der modernen Kultur
|
|
Von der Diskussion um Gestalt- und
Tiefenpsychologie beeinflußt, ging Norbert ELIAS in den dreißiger Jahren
der Manifestation von Kulturen in den scheinbar banalen Alltagshandlungen
des Essens und Trinkens, in Benimmregeln und Umgangsformen nach. Nach
ELIAS sind es immer komplette Bilder oder "Figurationen", die
eine Kultur kennzeichnen. Von ihren Figurationen erhalten alle
lebensweltlichen, institutionellen und individuellen Manifestationen ihren
Sinn. Der Gebrauch von Messer und Gabel hat demnach weniger mit
psychomotorischen Möglichkeiten oder soziohygienischen Notwendigkeiten zu
tun als mit der Entwicklung von kulturtragenden Peinlichkeitsstandards im
Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit (ELIAS 1969). [6]
Von grundlegenden Gestaltverhältnissen
oder Figurationen her rekonstruiert auch Wilhelm SALBER die Geschichte des
Psychischen und der Psychologie. Es sind immer Entwürfe von Wirklichkeit
im Ganzen, von denen das Nacheinander der menschlichen Kulturgeschichte
in frühen Phasen der Menschheitsgeschichte ebenso wie in Zeiten der
"Hochkultur" zusammengehalten und vorangetragen wird (SALBER
1993). Das Entstehen der von ELIAS beschriebenen Peinlichkeitsstandards würde
demnach mit dem Wandel der mittelalterlichen
"Vereins"-Figurationen in neuzeitliche Figurationsvarianten
zusammenhängen, in denen die Modellierung von Individualität mit der
Herstellung von Übergriffs- und Schamgrenzen einhergeht. [7]
Das Konzept der Alltagsfigurationen
schreibt die psychologische Charakterisierung von Kulturen in die moderne
Lebenswelt fort. In den Kultivierungsformen von heute leben die gelernten
Muster der Kulturgeschichte weiter. Zugleich hat die Gegenwartskultur
quer durch die Vielfalt der Kultivierungsmuster ihre eigene zeitgenössische
Figurationsvariante entwickelt. Die Psychologie der Alltagsfigurationen
ist somit eine historische und moderne Kulturpsychologie (FITZEK & LEY
1999). [8]
|
|
|
Psychologie beginnt mit der Beschreibung konkreter Alltagskulturen ...
|
|
Die psychologische Analyse des Alltags
beginnt immer bei den konkreten Lebensverhältnissen der Menschen. Wer wir
sind, erfahren wir nicht nur an unseren eigenen Leistungen und
Fehlleistungen, sondern auch über die Gegenstände, mit denen wir uns
umgeben, über wohnliche Verhältnisse, über Medien, Kleidung, Kunst. In
den Requisiten der Lebenswelt ist das System des Alltags zu entdecken.
Doch wird dies überlagert von Klischees und Konventionen. [9]
Um ein Profil der Gegenwartskultur zu
entwickeln, interessierten wir uns in einem Forschungsprojekt besonders für
neue und auffällige Phänomene der modernen Lebenswelt. In einer Reihe
von psychologischen Diplomarbeiten wurden psychologische Untersuchungen
von Trends, Moden und Zeiterscheinungen durchgeführt. In einer aus diesem
Projekt hervorgegangenen Veröffentlichung konnten schließlich
Untersuchungen vorgestellt werden zum "Girlie"-Look, zu
"Internet"-Sitzungen, zum "Fitneß-Kult", zu
"Jeans" als Kleidungsdauerbrenner, zu "Mitarbeitergesprächen"
als belebendem Element in modernen Unternehmen und zu Störungen des
modernen Kultivierungsbetriebes wie der "Sonntagsneurose" und
der "Migräne" (vgl. FITZEK 1999a). [10]
Es ist erstaunlich, wie vielschichtig die
Alltagskulturen erscheinen, wenn sie aus dem Selbstverständnis der
Handlungsroutinen herausgehoben werden. Allerdings bedarf es, um
herauszuarbeiten, was die einzelnen Kultivierungsform motiviert, was sie
zusammenhält und was sie gefährdet, einer gründlichen methodischen
Schulung (vgl. FITZEK 1999b). Das gilt bereits für den ersten
methodischen Schritt, der in aufwendigen ein- bis zweistündigen Tiefeninterviews
besteht. Schon die beim Interviewen erfahrenen Eindrücke und Qualitäten
führen zu grundlegenden, durchgehenden, markanten Zügen des befragten Phänomens
hin. Entsprechend der von der Gestaltpsychologie ermittelten Bedeutung des
Vorgestaltlichen und seiner (Gestalt-) Qualitäten folgen die Interviews
keinem vorgegebenen Leitfaden, sondern dem sich im Entwicklungsprozeß
konturierenden Bild der befragten Alltagsform. [11]
Bei einer Untersuchung zum
"Girlie"-Phänomen erwies sich dieses Einlassen auf
Gestaltqualitäten zunächst als Problem. Der Gesamteindruck des "Flüchtigen"
machte sich schon in der Ansprache der Interviewpartnerinnen störend
bemerkbar. Indem solche Qualitäten aber als zur Sache gehörend
wahrgenommen wurden, war es möglich zu zeigen, wie sich die
"Girlie"-Kultur gerade im "Flüchtigen" auf ein Bild
hin verdichtet, das später als "Blickfang" charakterisiert
werden konnte (vgl. FITZEK 1999a). Ähnliche Qualitäten zeigten sich im
Fall der Sendereihe "Gute Zeiten, schlechte Zeiten", die als
Beispiel von "Soap Operas" untersucht wurde. "Glattes"
und "Unverfängliches" wurde in diesem Fall zum Anhaltspunkt dafür,
welche Funktion Unterhaltungssendungen im Tageslauf zukommt (DOMKE 1999).
[12]
Gestalt heißt zunächst, über die am
Material erfahrenen Qualitäten zu einem Bild der Sache zu kommen. Bilder
sind vieldeutig, ambivalent, zerlegbar in Haupt- und Nebenbild (Ambivalenz
des "Blickfangs"; das Rein und Raus von "Soap
Operas"). Die Logik von Gestalten bringt daher verschiedene aktive und produktive Tendenzen in einem jeweils spezifischen Wirkungsraum zusammen mit
jeweils spezifischen Seiten, Momenten, Markierungen, Stützpunkten. In
einem zweiten methodischen Schritt wird dieses Spannungsfeld für die
jeweilige Alltagsform, Interview für Interview, beschrieben: Was paßt
zusammen? Was stützt sich? Was fordert sich heraus? Was steht sich polar
gegenüber? Es bedarf der Beschreibung einer ganzen Reihe von
Tiefeninterviews, ehe die verschiedenen Perspektiven als Varianten eines
Wirkungsspektrums deutlich werden und im Ganzen einer vereinheitlichenden
Beschreibung darzustellen sind. [13]
Im Fall von "Gute Zeiten, schlechte
Zeiten" setzte sich das "Seifige" in Gliederungszügen fort
wie: "Halten im Unverbindlichen", "Rein- und Raus-Können",
"lockeres Weiterdrehen", "Endlos-Kreisen" (DOMKE
1999). Bei einer Untersuchung zum "Fitneß"-Kult wurde die
Gesamtqualität "Formstrenge" (Fitneß = Paßend-Machen,
In-Form-Bringen, "gute Gestalt") in Beschreibungszüge
aufgegliedert wie "Halt-Finden", "Bewirken-Können",
"lustvolle Steigerungen", aber auch den "Zwang" einer
vorgegebenen Richtschnur (MILLER 1999). [14]
|
|
|
... und dringt zu
einer Rekonstruktion der seelischen Wirklichkeit vor
|
|
Die Schritte der Datenerhebung
Interview und Beschreibung werden in der weiteren Auswertung nun auf
grundlegende Züge der seelischen Konstruktion bezogen. Das Konzept der
Figurationen geht davon aus, daß sich Seelisches in den konkreten
Kultivierungsformen gleichsam selbst behandelt und dabei jeweils
spezifische Konstruktionsprobleme aushandelt. Schon FREUD hatte das
"Unbehagen in der Kultur" daran festgemacht, daß die Ansprüche
und Möglichkeiten von Kultivierung nur in spezifischen unvollkommenen
Formen gelebt werden können. In der Rekonstruktion werden demnach, von
Fall zu Fall, dominante Behandlungsmuster oder Grundverhältnisse
herausgehoben. Bei der Konstruktionsanalyse folgt das Konzept der
Alltagsfigurationen den konstruktiven Zügen von Gestalten. Es sind
unterschiedliche gestalthafte Muster oder Verhältnisse, die sich in einem
dritten methodischen Schritt aus den Beschreibungen herausrücken lassen:
Eigenes/Fremdes, Ganzheit/Gliederung, Teilhabe/Distanzierung,
Fortsetzen/Kippen. [15]
Der "Fitneß"-Kult dreht sich um
die Suche nach einem Maß für das Ganze und die Toleranz gegenüber
Ungeformtem. Dabei kann man den Kampf um die Form wörtlich nehmen oder
auch im übertragenen Sinne als Ringen um eine Richtschnur im unüberschaubar
gewordenen Alltag (MILLER 1999). Bei Untersuchungen zur sogenannten
"Sonntagsneurose" fanden wir Tendenzen, alles Alltägliche auf
den Kopf zu stellen und dabei gleichsam immer am guten Ende der Sache
auskommen zu wollen (Muster von Wechsel und Eingriff; vgl. FITZEK 1999a).
[16]
Vom einmal gefundenen Grundmuster her wird
es schließlich möglich, die Alltagskulturen mit grundlegenden
historischen Vorbildern zu konfrontieren. Mit ELIAS, FREUD und SALBER
gehen wir von der Annahme aus, daß die zeitgenössischen
Kultivierungsformen historische Vorbilder aufgreifen (vgl. besonders
SALBER 1993). Diese historischen Vorbild-Kulturen können in einem vierten
methodischen Schritt dabei helfen, das gefundene Verhältnis mit der
Vielfalt anschaulicher Lebensformen zusammenzubringen. In einer Typisierung
werden, quer durch die befragten Personen hindurch, bestimmte Bewältigungstypen
der jeweiligen Konstruktion aufgezeigt, die mit dem jeweiligen
historischen Kultivierungsmuster vielfach im Sinne von "komischen
Analogien" korrespondieren. [17]
So weisen die verschiedenen Umgangsformen
mit "Fitneß" Ähnlichkeiten zu spätmittelalterlichen Praktiken
auf, in denen es gleichfalls um den Umgang mit einem alles beherrschenden
Maß (der Glaubenspraxis) ging. In den Übungen der Fitneß-Treibenden blühen
Sünd- und Bußpraktiken ebenso auf wie Ablaßhandel und geheime
Verrechnungen (MILLER 1999). Dagegen zeigen Typisierungen von aktuellen
Unterrichtsformen gleichsam nebeneinander in ein und derselben Institution
"idealistische", "revolutionäre" und
"restaurative" Bewegungen (FITZEK 1996; LEY 1999). [18]
Eine Methode, wie sie hier beschrieben
wurde, ist nicht mechanisch erlernbar. Sie bedarf vielmehr einer gründlichen
Einübung. Bei der geschilderten schrittweisen Modellierung von
Alltagsfigurationen ist zudem darauf zu achten, daß sich Erfahrungen nie
in einem einfachen Nacheinander ergeben, sondern immer als
Entwicklungswerk im Vor und Zurück verdichten. Dabei ergibt sich eine
Kontrolle durch die Abstimmung der rekonstruierten Figuration mit Märchenerzählungen.
In Mythen und Märchen erzählt sich die Kultur immer wieder ihre
Konstruktionsprobleme. Daher läßt sich in Märchenfigurationen
gegenlesen, was in den verschiedenen Kultivierungsformen gelebt, gesucht
und gemieden wird (vgl. SALBER 1999). [19]
Überblickt man die Vielzahl der am
Psychologischen Institut der Universität Köln geleisteten
Alltagsuntersuchungen, so zeigen sich in den gelebten Kulturen des
modernen Alltags nicht nur historische Vorbilder. Darüber hinaus werden
Konturen der Gegenwartskultur im Ganzen deutlich. Der moderne Lebensalltag
experimentiert mit einer ungeheuren Vielfalt gleichzeitig und
nebeneinander gelebter Kultivierungsmuster. In ihnen zeigt sich aber auch
die Kehrseite der Vielfalt: als Zwang eines unentschiedenen Lavierens und
Manövrierens und als Sucht nach Einheit und Einfachheit (vgl. SALBER
1993; FITZEK 1999a). [20]
|
|
|
Kulturwissenschaften bedürfen eines fächerübergreifenden Austauschs von der Sache her
|
|
Man sollte sich klarmachen, daß die
Forderung nach Zusammenarbeit und Integration um jeden Preis selbst eine
Mode der modernen Wissenschaften ist. Auch hier geht es um ein
beschleunigtes Zirkulieren von allem in allem vielfach ohne ein überzeugendes
Integrationskonzept. Darüber vergißt man häufig die Vorzüge eines
dezidierten methodologischen Standpunktes. Das Konzept der
Alltagsfigurationen stellt dem eine entschieden psychologische
Standortbestimmung entgegen. [21]
Genauso schädlich wie ein Verschwimmen von
Fragestellungen wäre nun aber ein Rückzug in die tradierten Monopole und
Reservate der Einzelwissenschaften. Es kommt einer enormen Verschwendung
von Ressourcen gleich, daß sich die Kulturwissenschaften gegenseitig so
wenig zur Kenntnis nehmen. Auch hier handelt es sich nur scheinbar um Alternativen: Denn Zusammenarbeit ist in der Wissenschaft von größtem
Vorteil. Sie sollte allerdings nicht von geheimen Einheitsutopien, sondern
in jedem Fall von der Sache getragen sein. FREUD kann dabei wiederum als
Vorbild dienen: Sein psychologisches Konzept hat mehr Gemeinsamkeiten zu
anderen Kulturwissenschaften entwickelt als die um Integration in die
zeitgenössische Wissensschaftslandschaft bemühten Konzepte der
akademischen Psychologen. [22]
Devereux, Georges (1984). Angst und
Methode in der Verhaltenswissenschaft. Frankfurt: Suhrkamp.
Domke, Andrea (1999). Gute Zeiten,
schlechte Zeiten: Eine Daily Soap als Sammlungsritual. In Herbert Fitzek
& Michael Ley (Hrsg.), Alltags-Figurationen. Grundlinien einer
psychologischen Kulturtheorie (S.122-135). Bonn: Bouvier.
Elias, Norbert (1969). Über den Prozeß
der Zivilisation. Soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen.
Frankfurt: Suhrkamp.
Fitzek, Herbert (1996). Education =
Information ? Plädoyer für die Impertinenz des Lehrens und
Unterrichtens. In Gerhard Theewen (Hrsg.), Education Information
(S.7-22). Köln: Odeon.
Fitzek, Herbert (1999a). Trends, Moden,
Zeiterscheinungen. Kulturpsychologie als Psychologie der Gegenwartskultur.
In Herbert Fitzek & Michael Ley (Hrsg.), Alltags-Figurationen.
Grundlinien einer psychologischen Kulturtheorie (S.24-53). Bonn:
Bouvier.
Fitzek, Herbert (1999b). Beschreibung und
Interview. Entwicklungen von Selbstbeobachtung in der morphologischen
Psychologie. Journal für Psychologie 7 (2), 19-26.
Fitzek, Herbert & Ley, Michael
(Hrsg.)(1999). Alltags-Figurationen. Grundlinien einer psychologischen
Kulturtheorie. Bonn: Bouvier.
Freud, Sigmund (1930). Das Unbehagen in
der Kultur. Wien: Psychoanalytischer Verlag.
Herrmann, Theo (1979). Psychologie als
Problem. Stuttgart: Klett-Cotta.
Holzkamp, Klaus (1968). Wissenschaft als
Handlung. Berlin: Springer.
Ley, Michael (1999): Schule als
Kultur-Fall. Probleme der Schule und des Unterrichtens am Ende des 20.
Jahrhunderts. In Herbert Fitzek & Michael Ley (Hrsg.), Alltags-Figurationen.
Grundlinien einer psychologischen Kulturtheorie (S.55-71). Bonn:
Bouvier.
Miller, Birgit (1999). "Dann ist der
Moment die ganze Welt". Kulturpsychologische Untersuchung über das
Bild und Erleben von Fitneß. In Herbert Fitzek & Michael Ley (Hrsg.),
Alltags-Figurationen. Grundlinien einer psychologischen Kulturtheorie
(S.70-83). Bonn: Bouvier.
Nietzsche, Friedrich (1969). Umwertung
aller Werte. Aus dem Nachlaß zusammengestellt und herausgegeben von
Friedrich Würzbach. München: dtv.
Salber, Wilhelm (1993). Seelenrevolution.
Komische Geschichte des Seelischen und der Psychologie. Bonn: Bouvier.
Salber, Wilhelm (19992). Märchenanalyse.
Bonn: Bouvier.
Herbert FITZEK
Disziplin: Psychologie
Arbeitsschwerpunkte: Kulturpsychologie,
Gestaltpsychologie, Qualitative Methoden, Geschichte der Psychologie
Kontakt:
Dr. Herbert Fitzek
Psychologisches Institut der Universität Köln
Lehrstuhl: Allgemeine und Kulturpsychologie
Herbert-Lewin-Straße 2
D - 50931 Köln
Tel.: +49 / 0221 / 470 2732
Fax: +49 / 0221 / 470 5002
E-Mail: h.fitzek@uni-koeln.de
Bitte zitieren Sie diesen Beitrag wie folgt (und zusätzliche Absatznummern, wenn notwendig):
Fitzek, Herbert (2000, Juni).
Alltagsfigurationen ein kulturpsychologisches Forschungsprogramm [22
Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative
Social Research [On-line Journal], 1(2).
Verfügbar über: http://www.qualitative-research.net/fqs-texte/2-00/2-00fitzek-d.htm [Datum des Zugriffs: Tag, Monat, Jahr].
|
Letzte Änderung: 03.02.2003
Volume 1, No. 2 Inhaltsverzeichnis
[qualitative-research.net]
[Home] [Über
FQS] [Rubriken]
[Service]
[Beitragseinreichung]
[FAQ] [Presse
+ Werbung] [Suche]
[Newsletter]
[Impressum]
© 2000 Forum Qualitative Sozialforschung
/ Forum: Qualitative Social Research
(ISSN 1438-5627)
|