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Die Q-Methodologie entspricht in ihren konstruktivistischen Grundannahmen einem modernen Wissenschaftsverständnis. Sie kann als innovatives Verfahren in den Sozialwissenschaften angesehen werden und sowohl qualitative als auch quantitative Forschungsmethoden sinnvoll ergänzen (vgl. auch BROWN 1993). Besonders in der Markt-, Meinungs- und Medienforschung zeigen sich vielfältige Anwendungsmöglichkeiten der Q-Methode. Sie ist dabei besonders wegen des heuristischen Werts von generierten Strukturtypen von Nutzen. [63]
Deshalb wird die Methode als Instrument für die explorative Erhebung von operanten qualitativen Typen von Meinungsströmen, Einstellungen und Bewertungen von Bevölkerungsgruppen verwendet. Gewöhnlich wird mit kleinen Stichproben gearbeitet (10-50 Probanden) und die Repräsentativität nicht in den Vordergrund gestellt. Besonders geeignet ist die Anwendung des Q-Verfahrens, wenn Sachverhalte schwer verbal kommunizierbar sind und noch keine bewussten Standpunkte oder Entscheidungen bzgl. eines Gegenstandsbereichs vorherrschen, wie beispielsweise bei der Studie zu Konsumeinstellungen in der Russischen Föderation. [64]
Die Q-Methode kann in diesem Zusammenhang als exploratives Tool auch als Vor- oder Begleitstudie für qualitative und quantitative Studien unterschiedlichster Prägung verwendet werden. Sie ist aber keineswegs als alternative Methode für Surveystudien zu sehen, in denen die repräsentative Verteilung von Typen (z.B. in der Marktsegmentforschung) im Vordergrund steht. Das Erkenntnisinteresse der Q-Methode ist ein anderes, nämlich das aktive Aufspüren und Vergleichen subjektiver "Weltanschauungen". [65]
Die besondere Qualität der Q-Methode ist darin zu sehen, dass sie als ipsatives Verfahren die Erhebung komplexer Strukturen ermöglicht und als eigenständiger oder ergänzender Zugang für "single case studies" im Rahmen von Intensivanalysen geeignet ist. So können unterschiedliche Perspektiven zu einem Gegenstandsbereich (durch verschiedene Instruktionen für die Sorter) kontrastiert werden oder Folgeuntersuchungen wie Interviews (in Sinne von Post-Interviews) die subjektiven Begründungen einer individuellen q-Sortierung eruieren. [66]
Bei aller Vielfältigkeit der Anwendungsmöglichkeiten der Q-sort Technik und der metatheoretischen Überschneidungen der Q-Methodologie mit der qualitativen Forschung hat sich der Ansatz im deutschsprachigen Raum bisher allerdings nicht etabliert und ist nur wenigen Sozialforschern bekannt. Die vorliegenden Ausführungen sollten einen Beitrag leisten, die Grundzüge der Technik und Methodologie vorzustellen und forschungspraktische Optionen aufzuzeigen. [67]
Neben dem geringen Bekanntheitsgrad scheinen allerdings auch einige Aspekte in der Grundkonzeption der Q-Methodologie noch entwicklungsfähig zu sein. Zwei Aspekte sind in diesem Zusammenhang vorrangig: Erstens ist die methodologische Diskussion um die Grundlegung der Methode noch im Gange und müsste im Sinne einer systematischen Gesamtkonzeption weiterentwickelt werden. Zweitens steht eine systematische konzeptionelle Verbindung der Q-Methode mit Formen traditioneller Methoden qualitativer Sozialforschung noch weitgehend aus. Hierzu sind vermehrte forschungspraktische Erfahrungen in den unterschiedlichen Anwendungsfeldern eine entscheidende Voraussetzung. [68]
Insgesamt ist die Q-Methode nicht nur als eigenständiges Verfahren zu betrachten, sondern auch als Ergänzung von bekannten methodischen Verfahren sowie als mögliches Brückenglied zwischen traditionellen qualitativen und quantitativen Verfahren (SELL & BROWN 1984). Die Q-Methode ist besonders dann interessant, wenn die menschliche Subjektivität Gegenstand der Untersuchung ist. Denn letztlich sollte es in der Diskussion um Forschungsmethoden um eine adäquate Methodenwahl bzgl. der Forschungsfrage gehen und nicht um ideologische Auseinandersetzungen zwischen unterschiedlichen Forschungsparadigmen. Die Q-sort-Technik und Q-Methodologie können unseres Erachtens einen innovativen Beitrag dazu leisten, das Methodenrepertoire vor allem für qualitativ arbeitende Forscherinnen und Forscher zu erweitern, um noch besser die Erkenntnispotentiale zu nutzen, die eine alltagsnahe Forschung bietet. [69]
Die Autoren bedanken sich bei Peter SCHMOLCK M.A. für wertvolle Kooperation bei allen Frage um die Q-Methode (siehe auch: http://www.rz.unibw-muenchen.de/~p41bsmk/qmethod/).
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Die Q-sort Technik (oder kurz Q-sort) ist ein Rangordnungsverfahren, indem üblicherweise Items (als Karten) entlang einer Skala (z.B. einer 9er Skala von "zutreffend" bis "nicht zutreffend") in Relation zueinander geordnet werden.
Die Q-Technik bezieht sich darauf, dass Personen und nicht Variablen oder Tests miteinander korreliert werden. Q-Korrelationen bilden die Basis für die sog. Q-Faktorenanalyse, welche der Typenbildung zugrunde liegt.
Die Q-Methodologie bezeichnet die metatheoretische Fundierung der Q-sort Technik, der Q-Korrelationen sowie der Q-Faktorenanalyse und beschreibt einen spezifischen Weg zur Erforschung menschlicher Subjektivität in der Tradition von W. STEPHENSON (1953).
Das Q-sample (oder Q-set) bezieht sich auf die in einer Untersuchung verwendeten Items (Statements, Adjektive, Bilder usw.), die von den Probanden unter vorgegebenen Instruktionsbedingungen in Relation zueinander geordnet werden (vgl. Abb. 1).
Literatur für den Einstieg:
Brown, Steven R. (1976). Die Q-Technik: Verstehen messbar gemacht. Transfer, 2, 221-226.
Brown, Steven R. (1993). A Primer in Q Methodology. Operant Subjectivity, 16, 91-138 (siehe auch: http://facstaff.uww.edu/cottlec/QArchive/Primer1.html).
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McKeown, Bruce & Thomas, Dan (1988). Q methodology (Series: quantitative applications in the social sciences). Newbury Park: Sage.
Weiterführende Quellen und interessante Links:
Dr. Florian H. MÜLLER; Forschungsschwerpunkte: Empirische Pädagogik und Pädagogische Psychologie: Lehr-Lernforschung (Design und Evaluation von Lehr-Lernumwelten, Interesse und Lernmotivation), berufliche Sozialisation (Analyse von Berufswahlprozessen), Umwelt und Gesundheitsverhalten, Umweltbildung.
Kontakt:
Florian H. Müller
Universität der Bundswehr München
Fakultät für Pädagogik
Werner Heisenberg Weg 39
D-85577 Neubiberg
E-Mail: Florian.Mueller@unibw-muenchen.de
URL: http://www.unibw-muenchen.de/campus/Paed/we1/tes/2.htm
Prof. Dr. Elisabeth KALS; Forschungsschwerpunkte: Sozialpsychologie und Pädagogische Psychologie in ihren unterschiedlichen Anwendungsbezügen: Gesundheits- und Umweltverhalten, Konfliktanalyse, Mediation, Einstellungs- und Verhaltensänderung in schulischen und außerschulischen Kontexten, Analyse und Steuerung von Emotionen.
Kontakt:
Elisabeth Kals
Katholische Universität Eichstätt
Philosophisch-Pädagogische Fakultät
Organisations- und Sozialpsychologie
D-85071 Eichstätt
E-Mail: elisabeth.kals@ku-eichstaett.de
URL: http://www.ku-eichstaett.de/Fakultaeten/PPF/fachgebiete/Psychologie/lehrstuehle/psycho3/
Bitte zitieren Sie diesen Beitrag wie folgt (und zusätzliche Absatznummern, wenn notwendig):
Müller, Florian H. & Kals, Elisabeth (2004, Mai). Die Q-Methode. Ein innovatives Verfahren zur Erhebung subjektiver Einstellungen und Meinungen [69 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research [On-line Journal], 5(2), Art. 34. Verfügbar über: http://www.qualitative-research.net/fqs-texte/2-04/2-04muellerkals-d.htm [Datum des Zugriffs: Tag, Monat, Jahr].
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