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Volume 1, No. 3 Dezember 2000
Das JAKOB-Archiv: Psychodynamische Psychotherapieforschung an der Universität Zürich
Präsentation der Datenbank und der Forschungsmethoden im Bereich der klinischen Narrativik unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Brigitte Boothe
Marc Luder, Marius Neukom & Bruno Thomann
Zusammenfassung: Die Abteilung Klinische
Psychologie I ist die psychoanalytisch orientierte Fachgruppe des
Psychologischen Instituts der Universität Zürich. Seit zehn Jahren liegt der
Forschungsschwerpunkt der Abteilung auf inhaltsanalytischen, qualitativen
Untersuchungen von Patientenerzählungen. Sie werden an der abteilungseigenen
psychotherapeutischen Praxisstelle gewonnen und mit der zu diesem Zweck
entwickelten Erzählanalyse JAKOB untersucht. Für die Datenerhebung steht eine
technisch hochwertige Videoanlage zur Verfügung. Sämtliche Daten und
Forschungsergebnisse werden systematisch im JAKOB-Archiv verwaltet.
Keywords: Qualitative Forschung, Erzählanalyse, Patientenerzählungen, Psychotherapieforschung, Datenarchiv, Datenschutz, Linguistische Verfahren, Textwissenschaft, psychodynamische Diagnostik, Psychoanalyse
1. |
Einführung |
2. |
Das JAKOB-Archiv |
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2.1 |
Überblick |
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2.2 |
Der Aufbau des JAKOB-Archivs im Detail |
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2.3 |
Recherchen im Archiv |
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2.4 |
Der aktuelle Stand des Archivs |
3. |
Die Regelung des Zugriffs auf audiovisuell erhobene Daten und Datenschutzprobleme |
4. |
Aufzeichnung und Transkription von audiovisuellem Datenmaterial |
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4.1 |
Die Methodik der Datenerhebung |
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4.2 |
Die Technik der Datenaufnahme |
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4.3 |
Die Transkription von audiovisuellem Datenmaterial |
5. |
Die Forschungsarbeit im Bereich der Klinischen Narrativik |
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5.1 |
Die Erzählanalyse JAKOB |
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5.2 |
Der Anwendungsbereich der Erzählanalyse JAKOB |
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Das JAKOB-Archiv integriert die
Forschungsergebnisse zur klinischen Narrativik der Abteilung Klinische
Psychologie I an der Universität Zürich. Im Vordergrund dieser psychodynamisch
ausgerichteten Forschungsaktivität steht die wissenschaftliche Untersuchung
psychischer Störungen und ihrer Behandlungsmethoden. Wir untersuchen die
sprachlichen Strukturen innerhalb der psychotherapeutischen Kommunikation; unser
Hauptinteresse liegt auf einem differenzierten Verständnis subjektiven Erlebens
und dessen Auswirkungen auf psychotherapeutische Verläufe. [1]
Die Abteilung betreibt eine psychotherapeutische
Praxisstelle, welche der Öffentlichkeit zu günstigen Konditionen
Abklärungsgespräche und psychotherapeutische Behandlungen anbietet. Ihre
MitarbeiterInnen sind psychoanalytisch oder verhaltenstherapeutisch orientiert
und stehen teilweise noch in Ausbildung. Die zu Forschungszwecken verwendeten
Ton- und Videoaufzeichnungen werden aus Beratungen und Therapien dieser
Praxisstelle gewonnen. Nach Möglichkeit zeichnen wir jede Sitzung nach einem
Standardverfahren auf. Dies geschieht in unserem Videostudio mit fünf Kameras,
die in einem separaten Regieraum gesteuert werden. In den letzten dreissig
Jahren wurden mehr als 10.000 Stunden auf Video aufgenommen, von denen ca. 5.000
Stunden archiviert sind. Zusätzlich sind im Archiv mehrere tausend Stunden
reine Tonaufzeichnungen vorhanden. [2]
Die an dieser Abteilung entwickelte
Erzählanalyse JAKOB ist ein qualitatives Untersuchungsinstrument (siehe Kap.
5.1 sowie BOOTHE 1994; BOOTHE et al. 1998; BOOTHE 2000). Mit diesem Verfahren
werden Erzählungen von Patienten systematisch untersucht. Die Erzählanalyse
JAKOB ist sowohl ein Kodierverfahren als auch ein Auswertungssystem für
Alltagserzählungen im psychotherapeutischen Kontext. Sie konzeptualisiert
Erzählungen als dramaturgisch aufgebaute, sprachliche Inszenierungen und
interpretiert sie im Hinblick auf das darin enthaltene unbewusste
Konfliktmaterial des Erzählers. Die Analyse der Narrative zielt auf eine
psychoanalytisch orientierte klinische Konfliktdiagnose hin. Die Kodierung und
Auswertung der Erzählungen wird von dem hierfür entwickelten Computerprogramm
AutoJAKOB unterstützt. [3]
Im Rahmen der langjährigen Forschungstradition
hat sich eine grosse Menge von Datenmaterial angesammelt. Es handelt sich nicht
nur um audiovisuelle Datenträger, sondern auch um Patientenkarteien,
Transkripte von Therapiesitzungen, extrahierte Erzählungen, Publikationen,
Dissertationen, Lizentiats- und Studienarbeiten. Ziel ist es, dieses Material in
einer Archivdatenbank dem JAKOB-Archiv zentral zusammenzufassen, zu
klassifizieren, mit Schlüsselbegriffen zu versehen und für Forschungszwecke
zugänglich zu machen. [4]
Die nachfolgende Präsentation unserer Datenbank
und der Forschungsmethoden gliedert sich in vier Teile. Wir stellen als erstes
das JAKOB-Archiv und die Verwaltung der Daten vor, erklären im dritten Kapitel
die Prinzipien der Regelung des Datenschutzes und stellen im vierten Kapitel die
Technik der Datenerhebung und Transkription vor. Den Schluss bildet eine
Übersicht über die Methode und die bereits geleistete Forschungsarbeit im
Umfeld der Erzählanalyse JAKOB. [5]
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Die Abteilung Klinische Psychologie I hat sich in
den letzten zehn Jahren besonders im Bereich qualitativer Erzähltextanalyse
spezialisiert. Für die an Umfang ständig zunehmenden Forschungsaktivitäten
wird es immer entscheidender, dass das umfangreiche Datenmaterial aus diesem
Themenbereich (Videokassetten, Tonbänder, Transkripte und Publikationen)
geordnet und durch eine geeignete Systematik den Mitarbeitern und Studierenden
in beschränktem Umfang auch Interessierten ausserhalb der Universität
über das Internet zugänglich gemacht und übersichtlich verwaltet wird.
Wir haben uns entschlossen, für den ganzen Bereich der Erzählanalyse ein
umfassendes Datenarchiv zu erstellen, das Auskunft über alle möglichen Fragen
gibt und Recherchen erlaubt, die zu diesem Thema in Beziehung stehen. Die
Benutzer sollen schnell und unkompliziert die vorhandenen Daten zu den
gewünschten Stichworten, Krankheitsbildern und Publikationen finden können und
auch die nötigen Informationen über Transkripte, Video- und Tonbänder
erhalten. [6]
Die nachstehende Abbildung zeigt den Aufbau und
die Gefässe unseres Archivs im Überblick:

Abbildung 1: Der Aufbau und die Gefässe des JAKOB-Archivs [7]
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Der Aufbau des JAKOB-Archivs im Detail
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Das Archiv wurde als Microsoft Access®-Datenbank
realisiert und ist in zwei Datengefässe aufgeteilt: Das
erste Datengefäss enthält die anonymisierten Angaben zu den Klienten,
deren Videoaufnahmen und Transkripte im Archiv dokumentiert sind. Diese
Informationen sind so verfremdet, dass aus den gespeicherten Daten keine
Rückschlüsse auf die wirklichen Personen möglich sind. Einzig die ehemaligen
Therapeuten haben aufgrund des Pseudonyms und der Therapiekennzeichnung die
Möglichkeit, auf die Originaldaten zuzugreifen. Die Patientendaten der
psychotherapeutischen Praxisstelle sind in einer separaten Datenbank
gespeichert, die nur dem Leiter der Praxisstelle zugänglich ist. [8]
Die für Forschungszwecke relevanten Daten werden
für jede Person gespeichert. Dazu gehören Therapiebeginn und -ende, die Anzahl
der Sitzungen, das Geschlecht des Patienten und die Diagnosen zu Beginn und Ende
der Behandlung. Ferner wird festgehalten, wie viele Sitzungen auf Videoband
aufgenommen wurden und ob die Sitzungen auch auf Tonbändern (für allfällige
Transkription!) festgehalten sind. Eine für die praktische Datensuche wichtige
Information ist die Angabe, ob bereits Transkripte bestehen und wenn ja, für
welche Stunden, resp. wie viele Erzählungen gesamt vorhanden sind. Zentral
für Mitarbeiter und Studierende ist die Auflistung der Publikationen und
Forschungsprojekte, in denen das Textmaterial eines bestimmten Klienten bereits
verwendet wurde. Zu diesem Zweck werden zu jedem Personeneintrag im JAKOB-Archiv
die mit dieser Person verknüpften Dokumente und Einträge angezeigt. Wenn für
die Erzählungen der Klienten Auswertungen mit dem Computerprogramm AutoJAKOB
(siehe Kap. 5.1) gemacht wurden, wird dies ebenfalls in den Personendaten auf
einem speziellen Register angezeigt. Benutzer mit der entsprechenden
Zugriffsberechtigung können diese Auswertungen direkt aus dem Archivprogramm am
Bildschirm anzeigen lassen und ausdrucken. [9]
Das zweite Datengefäss enthält die
Einträge zu den vorhandenen Dokumenten. Darunter verstehen wir alle Typen von
Informationen, die im weitesten Sinn zur Erzählanalyse JAKOB gehören. Ein
Eintrag wird für eine Video- oder Tonbandaufnahme erstellt, ebenso für ein
Transkript, aber auch für die einzelnen, aus Videos oder Transkripten
extrahierten Erzählungen. Ebenfalls in diesem Datengefäss sind alle
Publikationen aus dem Umfeld der Erzählanalyse JAKOB enthalten. Dies sind
sowohl Bücher und Zeitschriftenartikel als auch Dissertationen,
Lizentiatsarbeiten und Studienarbeiten. [10]
Die Informationen zum letzten Bearbeitungsdatum
und zum Autor werden in jedem einzelnen Dokument festgehalten; ebenso das Medium
(z.B. gedrucktes Transkript, Datei auf Diskette oder Server) und der
Aufbewahrungsort. Textdateien auf dem Abteilungsserver können mit der
entsprechenden Zugriffsberechtigung direkt durch Anklicken eines Hyperlinks
geöffnet werden (Text-, Word- oder Pdf-Format). Jeder Datensatz enthält ein
grosses Textfeld für die Zusammenfassung des Dokumentinhalts. Kurze
Patientenerzählungen für Untersuchungen mit der Erzählanalyse JAKOB können
direkt in dieses Feld aufgenommen werden; ein Verweis auf das Originaldokument
ist sodann nicht mehr nötig. In zusätzlichen Feldern können Bemerkungen,
Datum, Änderungen und bibliographische Angaben festgehalten werden. Die
bibliographischen Angaben werden so formatiert, dass ein Datenaustausch mit der
Software Endnote® möglich ist. [11]
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Eine übergeordnete Suchfunktion verbindet die beiden Datengefässe und ermöglicht eine Informationssuche über die ganze Datenbasis. Die Suche erfolgt durch Auswahl der Schlüsselwörter aus dem Thesaurus oder Eingabe von beliebigen Suchbegriffen. Bei der Dateneingabe können die Schlüsselwörter ebenfalls aus dem Thesaurus ausgewählt oder frei erfunden werden. Die Erzählanalyse JAKOB ist ein diagnostisches Instrument. Daher beinhaltet der Thesaurus Begriffe aus der Psychodiagnostik und aus der Klassifikation psychischer Störungen. Daneben gibt es auch formale und inhaltliche Suchbegriffe wie "Dissertation" oder "Traum". Die Qualität der Suchmöglichkeiten ist vom Aufbau eines Thesaurus abhängig, der aussagekräftige und trennscharfe Schlüsselbegriffe enthält. [12]
Neben der übergeordneten Suche im ganzen Archiv,
die sich auf die Schlüsselbegriffe abstützt, gibt es auch für die einzelnen
Personen- oder Dokumentendaten eine Suchfunktion. Mit ihr kann in allen Feldern
gesucht werden. Eine Volltextsuche in den verknüpften elektronischen
Textdokumenten ist zur Zeit nicht vorgesehen, könnte aber für das Durchsuchen
von Transkripten nützlich sein. [13]
Der momentan eingesetzte Prototyp des
JAKOB-Archivs besteht aus einer Microsoft Access® Datenbank. Wir beabsichtigen
jedoch, diesen Prototyp schon bald durch eine internetbasierte Anwendung zu
ersetzen, um das JAKOB-Archiv vom Betriebssystem unabhängig zu machen,
umständliche Installationsprozeduren zu vermeiden und auch Aussenstehenden
einen Teil der Informationen über das Internet zur Verfügung stellen zu
können. [14]
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Der aktuelle Stand des Archivs
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Die ersten Schritte für die Erstellung des
JAKOB-Archivs wurden bereits 1998 gemacht, damals zunächst mit dem Fernziel
einer computerunterstützten Verwaltung. Aktuell sind wir im Begriff, die
einzelnen Gefässe des Archivs aufzufüllen und zu vernetzen sowie den Thesaurus
mit den Schlüsselbegriffen zu versehen. Inzwischen liegen Verbatimtranskripte
von 460 Therapiestunden sowie über 400 extrahierte, segmentierte und kodierte
Erzählungen von insgesamt über 40 Patienten aus psychotherapeutischen
Beratungen und Behandlungen vor. Unser Archiv umfasst über hundert
Forschungsarbeiten Publikationen, Abteilungsberichte, Lizentiats- und
Studienarbeiten zum Thema "Klinische Narrativik", die im Zeitraum von
1989 bis 2000 entstanden sind. [15]
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Die Regelung des Zugriffs auf audiovisuell erhobene Daten und Datenschutzprobleme
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Die Persönlichkeits- und Datenschutzregelung der
Abteilung umfasst einerseits Regelungen im Zusammenhang mit
Einverständniserklärungen der aufgenommenen Personen, anderseits Regelungen in
Bezug auf den Zugriff auf Aufnahmen (THOMANN & BRAUN 1990). Die Patienten
der Praxisstelle werden in jedem Erstgespräch gefragt, ob sie mit der
Aufzeichnung der Gespräche einverstanden sind. Wir bitten sie, eine
Einverständniserklärung zu unterschreiben, in der sie nach Wunsch abgestufte
Einsichtsrechte festlegen können, z.B. einen Ausschluss der Verwendung ihrer
Aufnahmen in Lehrveranstaltungen der Abteilung. Die Behandlung von Patienten
wird nicht von einer Zusage zu Videoaufnahmen oder auch nur Tonaufnahmen
abhängig gemacht. Die Patienten haben das Recht, ihr Einverständnis jederzeit
zu widerrufen oder den potentiellen Verwendungszweck der Aufzeichnungen
einzuschränken. Das Widerrufs- und Einschränkungsrecht gilt im übrigen auch
für die Therapeuten an der Praxisstelle. Therapeuten sind immer zugleich
Mitarbeiter an der Abteilung; eine massvolle Zurverfügungstellung ihrer
Therapieaufnahmen für Forschungs- und Lehrzwecke ist grundsätzlich Teil ihres
Pflichtenhefts. [16]
Für den Bereich der Lehre gilt, dass alle
Studierenden der Vertiefungsrichtung Klinische Psychologie eine
Schweigepflichterklärung zu unterschreiben haben. Bei Antritt ihres Studiums
werden die Studierenden zudem eigens von einem Mitarbeiter in die Handhabung der
Schweigepflicht und des Datenschutzes eingewiesen. Die meisten unserer
Lehrveranstaltungen sind nur diesem relativ kleinen Kreis von Personen
zugänglich. Als sensibles Material gelten bei uns alle Arten von klinischen
Daten: Bewusst wird darauf verzichtet, mit inflationären Kategorisierungen wie
"geheim" oder "streng geheim" zu operieren (THOMANN &
BRAUN 1990). [17]
In Bezug auf den Zugriff auf Videoaufnahmen
seitens dazu legitimierter Benutzer gilt die Regelung, dass jeder Benutzer
grundsätzlich nur so viele Informationen erhalten soll, wie er für sein
Vorhaben benötigt. Videoaufnahmen werden nur dann zur Verfügung gestellt, wenn
die visuellen Informationen tatsächlich gebraucht werden. Wer ausschliesslich
sprachliches Material untersuchen will und dazu keine zusätzlichen
audiovisuellen Informationen benötigt, arbeitet nur mit Transkripten. Sind
solche noch nicht vorhanden, so erfolgt deren Erstellung anhand von
Tonaufnahmen, ohne das zugehörige Bild. [18]
Die für die Forschungsarbeit erstellten
Transkripte werden anonymisiert (Elimination von Eigen- und Ortsnamen). Für die
Leser ist es praktisch unmöglich, Rückschlüsse auf reale Personen zu ziehen.
Die transkribierten Gespräche erhalten eine verschlüsselte Identifikation mit
dem Decknamen für den Patienten und der genauen numerischen Bezeichnung des
jeweiligen Textausschnitts (Nummer der Sitzung und des Redebeitrages). In dieser
Form werden die Transkripte archiviert und sind auch für eine Wiederverwendung
etwa in Nachfolgeuntersuchungen oder Lehrveranstaltungen zugänglich.
[19]
Wenn das JAKOB-Archiv teilweise öffentlich
zugänglich gemacht werden soll, stellen sich verschiedene zusätzliche Probleme
des Datenschutzes, die in der abteilungsinternen Anwendung nicht bestehen. Wir
sind gezwungen, die Daten und Einträge im Archiv entweder in die Kategorie
"öffentlich" oder "intern" einzuteilen. In die Kategorie
"öffentlich" fallen alle Datenbankeinträge zu Publikationen, zu
Berichten aus der Abteilung, zu Arbeiten von Mitarbeitern und Studierenden, von
denen es erwünscht ist, dass sie über das Internet verbreitet werden, weil sie
unsere Forschungsarbeit dokumentieren. Datenbankeinträge, die Transkripte,
Erzählungen und Personen betreffen, sind nicht für die Veröffentlichung
vorgesehen. [20]
Dokumente mit der Kennzeichnung
"intern" können nur innerhalb des Netzwerkes der Abteilung Klinische
Psychologie I eingesehen werden. Für diesen Zugang ist ein Passwort
erforderlich. Wer dieses Passwort hat, kann für eine bestimmte Zeit alle
Archiveinträge einsehen. Er kann sich über die Anzahl und die Angaben zu den
Transkripten und Erzählungen informieren und auch die Angaben zu den Personen
einsehen. Um jedoch ein bestimmtes Transkript öffnen zu können, sind wiederum
spezielle Berechtigungen erforderlich, die nur die Mitarbeiter der Abteilung
erhalten. Es ist indes unser Bemühen, möglichst wenig Daten im
JAKOB-Archiv unter Geheimhaltung zu stellen, d.h. sie von Anfang an für den
Dokumentationszweck entsprechend aufzubereiten und zu verfremden. [21]
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Aufzeichnung und Transkription von audiovisuellem Datenmaterial
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Die Methodik der Datenerhebung
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Die Aufzeichnung von klinischem Datenmaterial
erfolgt entweder im Rahmen einer audiovisuellen Aufnahme im Videostudio oder als
reine Tonaufnahme in den Beratungs- und Therapieräumen der Abteilung. Die
Videoaufnahmen sind nicht von einem spezifischen Untersuchungsdesign
geleitet, sondern sie basieren auf einer Standardkonfiguration. Diese
Vorgehensweise basiert auf folgenden Überlegungen:
Feste Mehrkamera-
und Polymikrophonieverfahren gewährleisten eine gleichbleibend hohe
Aufnahmequalität.
Die für eine
lückenlose Aufzeichnung langer Aufnahmeserien (z.B. mehrjährige
Therapien) besonders wichtige geräte- und bedientechnische
Pannensicherheit ist bei festen Aufnahmesettings wesentlich höher als
bei variablen.
Gleichbleibende
Settings verbessern die Vergleichbarkeit verschiedener Aufnahmeserien
und sind günstig hinsichtlich beobachterseitiger
Reliabilitätsanforderungen und Artefaktefreiheit.
Projekte der
Datenauswertung im Rahmen der Psychotherapieforschung, insbesondere
der Psychotherapieprozessforschung und Einzelfallforschung,
können in der Regel unmittelbar nach ihrer Konzeption begonnen
werden, ohne das Ergebnis einer u.U. jahrelangen Datenaufnahme
abwarten zu müssen. [22]
Das Problem unserer
"Datenerhebungs-Philosophie" liegt darin, dass es schwierig ist,
abzuschätzen, inwiefern eine bestehende Aufnahmekonfiguration auch für
künftige Projekte verwendbar ist. Es besteht die Gefahr, dass sich z.B. die
Aufzeichnung einer ganzen Therapie als unbrauchbar erweist, weil der gewählte
Bildausschnitt ungeeignet ist. Auf möglichst einwandfreie Aufnahmetechnik
bedacht, baut die Abteilung ihre Installationen seit den 70er Jahren sukzessive
aus. Dabei wurde entsprechend der therapeutischen Ausrichtung der Abteilung
(schwerpunktmässig psychoanalytische und verhaltenstherapeutische Settings mit
1 Patienten und 1 Therapeuten) entschieden, in erster Linie die Aufnahme von
(sitzenden) Dyaden visuell und auditiv zu optimieren. [23]
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Die Technik der Datenaufnahme
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Die Abbildung 2 zeigt die Aufnahmekonfiguration
im abteilungseigenen Videostudio mit 5 Kameras, mit der gleichzeitig Mimik,
Gestik und 'Totale' standardisiert erfasst werden können. [24]
In einem zugehörigen Regieraum werden die
Kameras und Mikrophone ferngesteuert und die Bild- und Toninformationen gemischt
und gespeichert. Als Speichermedien sind mehrere professionelle digitale
Videorecorder (DVCPro) und analoge Videorecorder (S-VHS) nebst einigen
Tonkassettenrecordern im Einsatz. Die Aufzeichnung des Tons im Videostudio
erfolgt ebenfalls sowohl digital als auch analog mit insgesamt vier
Richtmikrophonen zur akustischen Erfassung von sich im Raum bewegenden Personen
und mit zwei bis vier Ansteckmikrophonen für sitzende Personen. Für
audiovisuelle Nachbearbeitungen steht eine separate Hard-Disc-Schnitteinrichtung
zur Verfügung. (Weitere technische Informationen finden sich unter
http://www.klipsy.unizh.ch/thomann/index.htm#audiovision [Broken link, FQS, December 2004].)

Abbildung 2: Aufnahmekonfiguration Videostudio Abteilung Klinische Psychologie I [25]
Die Aufzeichnung von
klinischem Datenmaterial erfolgt entweder im Rahmen einer audiovisuellen
Aufnahme im Videostudio mit z.T. paralleler Tonaufnahme auf separaten Tonträger
oder als reine Tonaufnahme in den Beratungs- und Therapieräumen der Abteilung.
Nicht nur der Bild- sondern auch der Tonqualität wurde von Anfang an vor
allem im Hinblick auf akustische Phänomene für spätere Transkriptionen
besondere Bedeutung beigemessen. Die Probleme der Tonerfassung, -speicherung und
-wiedergabe von Gesprächen sind im wesentlichen gelöst, soweit sie gerätetechnischer
Natur sind. Die heute noch relevanten Probleme liegen nach wie vor in der
Beherrschung der Raumakustik und in der Wahl eines angemessenen
Aufnahmeverfahrens. Hierzu wurden im Videostudio einige aufwendige bauliche und
aufnahmetechnische Lösungen realisiert (Anmerkung 1). [26]
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Die Transkription von audiovisuellem Datenmaterial
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Für die Erstellung von Transkripten werden
vorerst noch Tonkassetten verwendet, da es gegenwärtig nur dafür ergonomisch
brauchbare Abspielgeräte gibt. Die Entwicklung von kostengünstigen
Speichermedien hoher Kapazität mit kurzen Zugriffszeiten machen indessen einen
Wechsel zu bandfreien Transkribiereinrichtungen entscheidungsreif. Vorgesehen
für das Jahr 2001 ist zu diesem Zweck eine jeweils parallele Aufzeichnung der
Gespräche auf die Hard-Disc eines PC mit der nachfolgenden Abspeicherung der
Audiofiles auf dem abteilungseigenen Server. Für Untersuchungsprojekte greifen
wir, wie bereits erwähnt, auf das im Zusammenhang mit der psychotherapeutischen
Praxisstelle gewonnene Video- und Tonbandmaterial zurück. Die Abklärungs- oder
Therapiegespräche werden aber nur in Ausnahmefällen vollständig
transkribiert. Da der Schwerpunkt in unserer Forschungsarbeit auf dem Redeformat
"Erzählung" liegt, werden auch aus finanziellen Überlegungen
heraus nur ausgewählte Redebeiträge transkribiert. [27]
Unsere Transkriptionen richten sich nach den
Regeln der Ulmer Textbank (MERGENTHALER 1992; BOOTHE 2000, S. 26f.). Die in
Mundart geführten Gespräche bieten freilich besondere Schwierigkeiten und
erfordern zuweilen regelrechte Übersetzungsarbeit. Das Schweizerdeutsch besitzt
nicht nur eine grosse Reihe von schwierig zu übersetzenden Ausdrücken, sondern
zeichnet sich auch durch eine gegenüber der deutschen Schriftsprache stark
abweichende Syntax aus. Das für Forschungszwecke verwendete audiovisuelle
Material stammt in der Regel aus abgeschlossenen Behandlungen. Die behandelnden
Therapeuten befinden sich in fortgeschrittener psychoanalytischer Ausbildung.
[28]
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Die Forschungsarbeit im Bereich der Klinischen Narrativik
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Das wichtigste Arbeitsinstrument für die
Forschung im Bereich der klinischen Narrativik ist die an der Abteilung
Klinische Psychologie I entwickelte Erzählanalyse JAKOB (BOOTHE 1994; BOOTHE et
al., 1998; BOOTHE 2000). Dieses qualitative Analyseinstrument wird nachfolgend
in aller Kürze vorgestellt. [29]
Das dramaturgische Verfahren JAKOB ist eine
psychoanalytisch orientierte Erzählanalyse. Ihr Name leitet sich aus der
zentralen Bedeutung der in den Erzählungen der Patienten auftretenden Figuren
der Objekte und deren
Aktionen ab. Sie konzipiert die psychoanalytische Situation als
Bühnenmodell und geht davon aus, dass sich auf dieser Bühne Inszenierungen
unbewusster Konflikte des Erzählers vollziehen. Methodisch und theoretisch
bezieht sie sich vielfältig auf die literaturwissenschaftliche
Erzähltextanalyse wie auch auf soziologische Theorien und linguistische
Ansätze (BOOTHE et al. 1998; BOOTHE & VON WYL 1999, S.18). [30]
Was sind Erzählungen? Es sind die Mitteilungen
von Begebenheiten, zumeist aus dem Alltag, welche die Patienten dem Therapeuten
als Geschichten präsentieren. Diese Mitteilungen sind abgeschlossene
Sprachsequenzen, welche fast immer eine klar erkennbare Struktur (Anfang
Mitte Schluss) besitzen und sich daher als Untersuchungseinheiten besonders
gut eignen. Als ein spannungsgeladenes, dynamisches Ganzes erfüllen (Alltags-)
Erzählungen eine Reihe von kommunikativen und psychischen Funktionen: Sie
schaffen soziale Verbundenheit und machen zugleich die Individualität sichtbar.
Erzählend vergewissert sich der Sprecher vor seinem teilnehmenden und
kritischen Publikum der Kontinuität seiner eigenen Person. Die erzählerische
Thematisierung persönlichen Erlebens gleicht der Errichtung einer Probebühne,
auf welcher der Erzähler auftretend als Ich-Figur aktualisierend
nachinszeniert, was ihm als Schritt, Station oder Etappe auf dem bisher
zurückgelegten Lebensweg gilt. Das Erzählte unterliegt dabei immer einer
nachträglichen, egozentrisch-interessengeleiteten Dramaturgie: "Das
kunstvolle wie das alltägliche Erzählen und das kindliche Spiel leben von der
möglichst lebendig inszenierten Darstellung dramatischer Begebenheiten [...]
wobei Motive der Reorganisation wie der nachträglichen Wunscherfüllung in eine
möglichst wohlgestaltete Story eingebaut werden" (BOOTHE 1994, S. 59).
[31]
Alltagserzählungen offenbaren als kompakte
Formulierungen emotional bedeutsames Selbst- und Beziehungserleben. In der
Situation des psychotherapeutischen Gesprächs sind sie besonders dazu
prädestiniert, konflikthaftes Material zu transportieren. Diese Konflikte
kommen in der Dramaturgie der Erzählungen zur Darstellung. Dabei verraten die
Erzählungen nicht nur etwas über die Beschaffenheit eines Konfliktes, sondern
auch über die Art und Weise, wie der Erzähler mit ihm umgeht. In
Untersuchungen mit der Erzählanalyse JAKOB interessieren die Erzählungen nicht
als Mitteilungen von Fakten, "sondern als szenische Struktur, als besondere
Form einer Inszenierung von Handeln und Geschehen" (BOOTHE 1994, S. 58f.).
Damit eröffnet sich die Möglichkeit, dieses Material textimmanent zu
untersuchen, d.h. unabhängig vom Kontext zu analysieren. In ihrer
verhältnismässig leichten identifizier- und überblickbaren Geschlossenheit
sind Patientenerzählungen daher für die psychoanalytische
Psychotherapieforschung von beinahe noch grösserem Interesse als Träume, die
bedeutend weniger häufig berichtet werden. [32]
Mit der Erzählanalyse JAKOB können
Patientenerzählungen systematisch untersucht werden. Im Rahmen einer zunehmend
interpretativer werdenden Analyse der Struktur gelangt man zu fundierten
Aussagen bezüglich der Konfliktlage und Beziehungsmuster der Sprechenden.
Nachdem eine Patientenerzählung im mündlichen Dialog identifiziert und
transkribiert wurde, wird sie nach Subjekt-Prädikat-Verknüpfungen segmentiert
(die Anzahl der Segmente bewegt sich zwischen zehn und hundert). Danach wird das
Personal, die Requisiten, Kulissen und das Bühnengeschehen mittels eines
Kodiersystems für lexikalische Wortwahlen erfasst. Das Zentrum der Analyse
bildet die interpretative Erschliessung des dramaturgischen Potentials: Hier
geht es darum, Wunscherfüllung, Angstspannung, Konflikt, Abwehr und Kompromiss
auf der Grundlage des Textes zu erschliessen. Das Ziel der Analysen besteht in
einer wissenschaftlich fundierten und systematisierten psychodynamischen
Konflikt- und Beziehungsdiagnostik, sowohl für den Bereich der Forschung als
auch der therapeutischen Praxis. [33]
Die erste Version dieses Verfahrens entstand 1989
(BOOTHE 1989), seither wurde es laufend weiterentwickelt und ausgebaut (BOOTHE
1994; BOOTHE et al. 1998). Das aktuelle Manual ist an der Abteilung Klinische
Psychologie I als Abteilungsbericht zu beziehen (BOOTHE 2000). Inzwischen
wurden auch grosse Anstrengungen darauf verwendet, die Erzählanalysen über ein
eigens dafür entwickeltes Computerprogramm abwickeln zu können (LUDER 1999).
Das Analyseprogramm AutoJAKOB leistet freilich keine automatische Abwicklung
interpretativer Schritte. Es ist allerdings in der Lage, den grössten der Teil
der Kodierungen automatisch zu erledigen und die sehr aufwendige
Interpretationsarbeit zu erleichtern. AutoJAKOB erlaubt es, die Erzählungen zu
erfassen, eine partielle linguistische Morphologie- und Syntaxanalyse
durchzuführen und aufbauend auf diese Schritte eine Kodierung des
Textes mit den vorgegebenen Kategorien vorzunehmen. Für die nachfolgende
Interpretation stehen vorgefertigte Auswertungsschemata zur Verfügung, die den
Ablauf vereinfachen und standardisieren. [34]
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Der Anwendungsbereich der Erzählanalyse JAKOB
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Die Forschungsarbeit und die (Weiter-)
Entwicklung des Verfahrens geschieht in einem klinischen und
literaturwissenschaftlichen Kontext. Die bisher umfangreichste Untersuchung
ein vom Schweizer Nationalfonds unterstütztes Projekt befasste sich mit der
Initialerzählung in der Psychotherapie (BOOTHE et al. 1998). In dieser Studie
konnte anhand von sechs detaillierten kasuistischen Analysen gezeigt werden, wie
bedeutsam und konfliktdiagnostisch aufschlussreich die Initialerzählungen in
fünfstündigen Abklärungs- und Beratungssitzungen sind. [35]
Knapp hundert Publikationen, Dissertationen und
Lizentiatsarbeiten im Zusammenhang mit der Erzählanalyse JAKOB belegen den
breiten Anwendungsbereich dieses Untersuchungsverfahrens: Neben verschiedenen
Untersuchungen zu einzelnen Konzepten und zu Vergleichen mit anderen
Analyseverfahren, gibt es Einzelfallstudien zu dem Erzählstil von Patienten mit
narzisstischen, dysthymen und Zwangs-Störungen, zum Erzählstil von Patienten
mit Bulimie, Anorexie und Schizophrenie, sowie zu Patienten aus der
Herzinfarktrehabilitation. Es gibt Verlaufsuntersuchungen von Kurz- und
Langzeittherapien. Zur Zeit sind mehrere interdisziplinäre,
multiperspektivische Einzelfallstudien in Zusammenarbeit mit den Universitäten
Saarbrücken (Prof. Dr. R. KRAUSE) und Ulm (Prof. Dr. H. KÄCHELE) sowie dem
Krankenhaus für Psychotherapie und psychosomatische Medizin Tiefenbrunn bei
Göttingen (Prof. Dr. U. STREECK) im Entstehen. [36]
Aufgrund ihrer Herkunft aus dem literatur- und
geisteswissenschaftlichen Bereich eignet sich die Erzählanalyse auch für
Projekte aus angrenzenden Forschungsdisziplinen: Verschiedene Studien befassen
sich im Rahmen der Erforschung von Spracherwerb und Erzählkompetenz von
Kindern, mit der Märchenproduktion und Märchenrezeption. Schliesslich gibt es
eine Reihe von Analysen literarischer Texte, wie zum Beispiel Traumerzählungen
und Tagebucheinträge Franz KAFKAs oder ein Mikrogramm von Robert WALSER (NEUKOM
1997; BOOTHE & VON WYL 1999, S.137ff.). [37]
Hinsichtlich der Beziehung zwischen Forschung und
psychotherapeutischer Praxis versuchen wir, das Verfahren auch für letztere
nutzbar zu machen. Im Rahmen der psychotherapeutischen Praxisstelle und des
Unterrichts im Postgraduiertenstudiengang in psychoanalytischer Therapie kommen
Teile der Erzählanalyse JAKOB direkt zum Einsatz. Die hierbei gemachten
Erfahrungen dienen der Weiterentwicklung des Untersuchungsinstruments. [38]
1) Bezüglich der Raumakustik
sind geeignete, bauliche Nachhalldämmungsmassnahmen zur Vergrösserung
des Bereiches, in welchem Mikrophone möglichst viel direkten Schall und
möglichst wenig diffusen Schall aufnehmen, noch immer durch kein elektronisches
Verfahren ersetzbar. Aus diesem Grunde haben wir verhältnismässig grossen
Aufwand zur raumakustisch adäquaten Gestaltung des Videostudios betrieben, um
die für Transkriptionen entscheidende Konsonantenverständlichkeit zu
optimieren (Möblierungen zur Verhinderung von Raumresonanzen und tieffrequentem
Nachhall = Strukturbildung im Dezimeter- und Meterbereich; ein einzelnes,
wandfüllendes Büchergestell mit Büchern, deren Rücken eine unregelmässige
Oberfläche bilden und Vorhänge zur Enthallung mittelfrequenter Sprechanteile =
Strukturbildung im Zentimeterbereich; Akustikdecken im Verbund mit einem
textilen Bodenbelag zur Absorption hoher Frequenzen = Strukturbildung im
Millimeterbereich).
Die von uns eingesetzte Tonaufnahmetechnik
besteht im wesentlichen aus einem stereophonen Polymikrophonieverfahren. Damit
lassen sich zwei grundsätzliche Probleme der Aufnahme von Gesprächen lösen
wenn auch mit vergleichsweise hohem Aufwand: (1) Die für eine zuverlässige
Transkription unabdingbare Sicherstellung einer ausreichenden Separierbarkeit gleichzeitig
sprechender Personen. (2) Sprachverständlichkeit der Aufnahmen unter Wahrung
der Bewegungsfreiheit der Sprecher: Ansteckmikrophone sind infolge ihrer
minimalen Distanz zum Sprecher hinsichtlich Sprechertrennung, Hallfreiheit und
Klangtreue nach wie vor durch kein anderes Aufnahmeverfahren zu übertreffen.
Die bekannten Nachteile der temporären Störungen bei der Applikation der
Mikrophone, bei heftigen Bewegungen der Sprechenden und die eingeschränkte
Bewegungsfreiheit der Sprechenden werden durch den Einsatz von zusätzlichen,
fest an der Decke installierten Richtmikrophonen aufgefangen, die den Raum
gleichmässig 'ausleuchten' (vgl. Abb. 2). Der Aufnahmeregisseur schaltet sie
ein, wenn Therapeut und Klient den Aufnahmeraum betreten, sich setzen und die
Ansteckmikrophone an ihrer Kleidung befestigen (gleichzeitig 'verfolgt' er sie
visuell mit einer der 5 Kameras). Dann überblendet er auf die Ansteckmikrophone
(und schaltet gleichzeitig visuell auf eine vorbereitete 'Split
screen'-Standardkonfiguration um). Am Ende der Aufnahme blendet er wieder auf
die Richtmikrophone zurück, bis die Gesprächsteilnehmer den Raum verlassen
haben.
Dieses Verfahren ist unser Standardverfahren für
bis zu vier Personen. Sind mehr als vier Personen aufzunehmen, oder sind
Bewegungen von Personen im Raum essentiell, werden nur die Richtmikrophone
eingesetzt.
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Boothe, Brigitte (1989). Zur psychoanalytischen
Konfliktdiagnostik. Entwicklung eines hermeneutischen Verfahrens
zur diagnostischen Auswertung von Erstinterview- und
Therapieprotokollen. Bern: P. Lang.
Boothe, Brigitte (1994). Der Patient als Erzähler in
der Psychotherapie. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.
Boothe, Brigitte (2000). Manual der
Erzählanalyse JAKOB.
Berichte aus der Abteilung Klinische Psychologie I, Nr.
48. Psychologisches Institut der Universität Zürich.
Boothe, Brigitte & von Wyl, Agnes (Hrsg.)
(1999).
Erzählen als Konfliktdarstellung. Im therapeutischen Alltag
und im literarischen Kontext. Bern: P. Lang.
Boothe, Brigitte, von Wyl, Agnes & Wepfer,
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Psychisches Leben im Spiegel der Erzählung. Eine narrative
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Luder, Marc (1999). Kategorien und Codes: Auf dem Weg zu
einer computerunterstützten Fassung der
Erzählanalyse JAKOB. Unveröffentlichte Lizentiatsarbeit,
Universität Zürich, Abteilung Klinische Psychologie I.
Mergenthaler, Erhard (1992). Die Transkription von
Gesprächen [on-line]. Verfügbar über:
http://sip.medizin.uni-ulm.de/.
Neukom, Marius (1997). Franz Kafkas Tagebucheintrag
"Verlockung im Dorf". Eine erzählanalytische Untersuchung
mit dem Verfahren JAKOB. Bern: P. Lang.
Thomann, Bruno & Braun, Urs (1990). Zum
Datenschutz bei Videoanlagen und die Videodatenbank der Abteilung Klinische
Psychologie. Berichte aus der Abteilung Klinische Psychologie,
Nr. 26. Psychologisches Institut der Universität Zürich.
Lic.phil. Marc LUDER
Assistent an der Abteilung Klinische Psychologie
I.
Schwerpunkte in Forschung und Lehre:
Erzählanalyse, linguistische und computerlinguistische Aspekte der Untersuchung
von Narrativen, Weiterentwicklung der computerunterstützten Erzählanalyse
JAKOB (AutoJAKOB), Psychotherapieforschung, Entwicklung der Erzählanalyse JAKOB
und des JAKOB-Archivs.
E-Mail: mluder@klipsy.unizh.ch
Lic. phil. Marius NEUKOM
Assistent an der Abteilung Klinische Psychologie
I. Mitarbeiter an der psychotherapeutischen Praxisstelle.
Schwerpunkte in Forschung und Lehre:
Psychoanalyse, psychoanalytische Therapie, Erzähltheorie, Erzähltextanalyse,
Entwicklung der Erzählanalyse JAKOB und des JAKOB-Archivs,
wissenschaftstheoretische Grundlagen, Literaturwissenschaft, Philosophie und
Kulturanalyse.
E-Mail:
mneukom@klipsy.unizh.ch
Dr. sc. techn. ETH Bruno THOMANN
Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Oberassistent
an den Abteilungen Klinische Psychologie I + II
Schwerpunkte in Forschung, Lehre und Technik:
Videogestütztes klinisches Beobachten und Urteilen, Methodik psychodynamischer
Grundlagenforschung, Operationalisierung und Messung psychodynamischer
Variablen, Schnittstelle qualitative/quantitative Verfahren, Videotechnik in der
klinischen Psychologie, Entwicklung audiovisueller Analyseprogramme
E-Mail:
thomann@klipsy.unizh.ch
Kontakt:
Psychologisches Institut der Universität Zürich
Klinische Psychologie I
Schmelzbergstr. 40
CH - 8032 Zürich
Bitte zitieren Sie diesen Beitrag wie folgt (und zusätzliche Absatznummern, wenn notwendig):
Luder, Marc, Neukom, Marius & Thomann, Bruno
(2000, Dezember). Das JAKOB-Archiv: Psychodynamische Psychotherapieforschung an
der Universität Zürich. Präsentation der Datenbank und der Forschungsmethoden
im Bereich der klinischen Narrativik unter der Leitung von Frau Prof. Dr.
Brigitte Boothe [38 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum Qualitative Social Research (Online-Journal), 1(3).
Verfügbar über: http://www.qualitative-research.net/fqs-texte/3-00/3-00luderetal-d.htm [Datum des Zugriffs: Tag, Monat, Jahr].
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Revised 8/2005
Letzte Änderung: 09.08.2005
Volume 1, No. 3 Inhaltsverzeichnis
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(ISSN 1438-5627)
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