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Volume 1, No. 3 Dezember 2000
Editorial Note: Wozu Rezensionen? oder: warum Rezensionen eigenständige
Beiträge sein sollten
Günter Mey
Zusammenfassung: In dem Beitrag werden zunächst
die Potentiale, die mit Rezensionen verbunden sein können,
skizziert. Dazu gehört zuvorderst, dass sich auch
mittels Rezensionen wenn diese über eine
nachzeichnende Besprechung von Medieneinheiten hinausreichen
Diskurse eröffnen (lassen) und ihnen damit eine
ähnliche Funktion zuzusprechen ist, die ansonsten
Abhandlungen vorbehalten scheint. Dass Rezensionen diese
Funktion in der Regel jedoch kaum erfüllen, ist zum Teil auf
bestehende Restriktionen im Rahmen von
Print-Veröffentlichungen zurückzuführen. Hinzu
kommen Standards der Scientific Community, nach denen Rezensionen
nicht selten als Beiträge minderer Qualität bewertet
werden. Von diesen Überlegungen ausgehend wird deutlich
gemacht, dass mit den besonderen Eigenschaften des Internet
insbesondere die Flexibilität hinsichtlich der
Platzressourcen, Veröffentlichungszeiten und
Darstellungsformen einerseits sowie die Möglichkeit eines
direkten Austausches z.B. via Discussionboards andererseits
eine Aufwertung von Rezensionen möglich und sinnvoll
scheint.
Keywords: Rezensionen, Rezensionsaufsatz, Dialog, wissenschaftlicher Austausch, Perspektivität, Online Publishing
1. |
Vorbemerkung |
2. |
Warum Rezensionen lesen? Warum Rezensionen schreiben? |
3. |
Einige Gründe für den schwierigen Stand von Rezensionen |
4. |
FQS-Rezensionen |
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4.1 |
Akzentuierungen und erste Erfahrungen |
|
4.2 |
Erweiterungen, die zur Diskussion stehen |
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Seit dem Erscheinen der zweiten Ausgabe von FQS im Juni
2000 gehört die Rubrik FQS-Rezension zum festen
Bestandteil der Zeitschrift. Anlässlich der ersten, in
Band 2 veröffentlichten Rezensionen und
Rezensionsaufsätze hatte ich eine kurze
Editorial Note verfasst, dies aber eher im Sinne einer
"Begrüßung". Das Erscheinen der neuesten Ausgabe
möchte ich zum Anlass nehmen, etwas
grundsätzlicher und ausführlicher einige mit der Rubrik
verbundenen Potentiale, Probleme und Perspektiven darzulegen.
[1]
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Warum Rezensionen lesen? Warum Rezensionen schreiben?
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Rezensionen mögen in erster Linie dazu dienen, auf neue
Medieneinheiten (Bücher, CD-Roms etc.) aufmerksam zu machen
und angesichts steigender Publikationszahlen auch im
wissenschaftlichen Sektor Orientierung zu geben. In diesem Sinne
beziehen Rezensionen unterschiedliche Personenkreise ein: Den
Autor(inn)en bzw. Editor(inn)en einer Medieneinheit mag es
vielleicht insbesondere darum gehen, dass ihr Werk in der
Scientific Community publik gemacht wird; für den die
Medieneinheit vertreibenden Verlag dürfte zuvorderst wichtig
sein, dass sich diese (gegenüber anderen) am Markt
durchsetzt (was deren Bekanntheit voraussetzt); und den Lesenden
von Rezensionen mag insbesondere daran gelegen sein, über
sie interessierende Neuerscheinungen informiert zu werden und
eine (Kauf-, zumindest eine Lese-) Empfehlung zu erhalten. Als
Book Review-Editor habe ich mit diesen drei Interessenkreisen zu
tun, und ich bemühe mich, diese in angemessener Weise zu
berücksichtigen. Zugleich möchte ich jedoch noch ein
eigenes Interesse einbringen, das mir auch als Schreiber von
Rezensionen wesentlich erscheint: dass Rezensionen so
verfasst werden, dass sie zusätzliche Perspektiven
fördern und möglicherweise sogar wissenschaftliche
Diskurse neu eröffnen helfen. [2]
Mit dem zuletzt genannten Verständnis geht einher,
dass Rezensionen möglichst über reine
Inhaltswiedergaben hinausgehen sollten zugunsten einer in
den jeweiligen Forschungskontext eingebetteten,
konstruktiv-kritisch vorgetragenen Auseinandersetzung mit der
jeweiligen Medieneinheit. Rezensionen und Rezensionsaufsätze
sollten unter einer so pointierten Perspektive drei Funktionen
erfüllen:
Inhaltsdarstellung: Den Lesenden sollten erste
Anhaltspunkte über die in der Medieneinheit behandelten
Inhalte und Themen geboten werden. Hierzu gehört auch,
(explizite/implizite) Zielsetzungen, die mit der Medieneinheit
verfolgt werden und die (enge oder weite) Zielgruppe von
Lesenden, die angesprochen werden soll, zu verdeutlichen.
Bewertung: Ebenso sollte die Rezension eine kritische
Würdigung der besprochenen Arbeit beinhalten, d.h. es sollte
Lesenden, soweit möglich, deutlich gemacht werden, inwieweit
die mit der Medieneinheit verfolgten Zielsetzungen erfüllt
wurden. Die Rezension sollte zugleich auch um eben diese
kritische Würdigung tatsächlich entfalten zu
können eine
Kontextualisierung leisten, also eine
Einführung in und Auseinandersetzung mit einem
Forschungsgebiet bieten. Hierunter ist zu verstehen, daß
bezogen auf das jeweilige Forschungsfeld die in der zu
besprechenden Medieneinheit vollbrachten Leistungen
gewürdigt und die noch zu erbringenden deutlich akzentuiert
werden. Insofern gilt es, die Medieneinheit zum Anlass zu
nehmen, nicht nur in ein Themengebiet/Forschungsfeld
einzuführen, sondern auch Schwierigkeiten und
Entwicklungsmöglichkeiten in diesem Feld
aufzuzeigen/kritisch anzumahnen (wobei es hier insbesondere
wichtig ist, die Differenz zwischen dem Besprochenen und der
besprechenden Person im Text nachvollziehen können). Dies
erfordert, zumindest ansatzweise den Stand der Forschung (in
einem Bereich) entlang der jeweiligen Medieneinheit zu
diskutieren (indem die Medieneinheit als "Repräsentant" des
Forschungsfeldes aufzufassen wäre) ein Anspruch, der
wohl nach sich zieht, dass die Rezensent(inn)en in dem
Themengebiet "beheimatet" sind und Positionierungen vornehmen
können (und wollen). [3]
Rezensionen und Rezensionsaufsätze1)
zu erhalten und zu veröffentlichen, die diese Ansprüche
erfüllen, muss aus meiner Sicht langfristiges Ziel
einer Zeitschrift wie FQS sein, die sich als
(Informations- und Austausch-) Forum versteht. Leider haben
Rezensionen nicht immer diesen Fokus, da sich kürzere
Rezensionen (auch in FQS) auf eine mehr oder weniger
zusammenfassende Inhaltswiedergabe beschränken, und
Rezensionsaufsätze zwar darüber hinausgehen,
zuweilen aber auch nur kursorisch eine Einbettung der
Medieneinheit in das betreffende Forschungsfeld leisten. [4]
Seitdem ich als Mitherausgeber von FQS die spezielle
Funktion als Book Review-Editor einnehme, beschäftigen mich
von den zuvor skizzierten Überlegungen ausgehend
zwei Fragen:
Warum berücksichtigen Rezensionen, aber auch
Rezensionsaufsätze, eher selten die drei beschriebenen
Funktionen angemessen?
Warum haben Rezensionen/Rezensionsaufsätze einen eher
schweren Stand, denn auch in FQS zeigt sich, daß
diese verglichen mit anderen Beiträgen
seltener aufgerufen bzw. heruntergeladen werden. [5]
Beides steht nicht nur im Widerspruch zu den zuvor
aufgezeigten Möglichkeiten, mit einer Rezension eine
Diskussion anzuregen, sondern auch die eingangs erwähnten
Hoffnungen und Erwartungen von Autor(inn)en bzw. Editor(inn)en
und von Seiten der Verlage werden nur bedingt erfüllt, da
die Medieneinheiten via Rezension weniger zur Kenntnis genommen
werden als erwünscht. [6]
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Einige Gründe für den schwierigen Stand von Rezensionen
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Mir scheinen für die geringe Kenntnisnahme von
Rezensionen zumindest drei teilweise miteinander
verknüpfte Gründe besonders
erwähnenswert:
Mit wenigen Ausnahmen2)
führen Rezensionen in vielen
Zeitschriften ein Schattendasein, es finden sich zumeist nur
wenige und dann auch überwiegend nur sehr kurz gehaltene
Besprechungen. Zum
Teil liegt dies schon an den Restriktionen, die durch den Umfang
von Zeitschriften auferlegt werden, und entsprechend werden sehr
strikte (Zeichen- bzw. Wortanzahl-) Vorgaben seitens der
Zeitschrift-Editor(inn)en ausgegeben. Dass auch in
FQS einige Rezensionen eher knapp und nur den Inhalt
wiedergebend verfasst werden, führe ich u.a. auch
darauf zurück, dass viele Rezensent(inn)en bislang
vornehmlich durch das Veröffentlichen in Printmedien
sozialisiert sind (und verinnerlicht haben, dass bei zu
ausführlichen Rezensionen die Gefahr besteht, daß
diese keinen Eingang in die Zeitschrift finden bzw. nur dann,
wenn aufgrund der jeweiligen Heftzusammenstellung der Umfang dies
zulässt: mehrmals habe ich selbst erlebt, daß
gerade Rezensionen immer wieder von Ausgabe zu Ausgabe verschoben
werden, zuweilen verging weit mehr als ein Jahr zwischen
Fertigstellung und Druck der Rezension). [7]
Vielleicht auch vor dem Hintergrund dieser
Erfahrungen hat sich scheinbar durchgesetzt, von einer Rezension
eine über das reine Abhandeln eines Bandes geführte
Diskussion in der Regel gar nicht zu erwarten.
Möglicherweise werden solche Rezensionen, die als
Aufsätze und Abhandlungen verfasst sind, auch nur
(noch) in den wenigen (etablierten und auf Rezensionen
spezialisierten) Organen wie etwa "Contemporary Psychology"
vermutet. In deren fünfseitigen "Guidelines" für
Rezensent(inn)en heißt es dann auch: "Do not abstract the
book. Talk about it and in doing it so indicate the range and
nature of its content." (S.1)3) [8]
Schließlich möchte ich noch eine dritte,
gravierende Schwierigkeit erwähnen, nämlich daß
das Schreiben von Rezensionen verglichen mit anderen
publikatorischen Aktivitäten innerhalb der
Scientific Community wenig anerkannt ist. Dies wurde mir zum
einen deutlich an dem empörten Kommentar einer Kollegin,
jemand habe bei seiner Bewerbung in seiner
Veröffentlichungsliste sogar "gewagt", Buchbesprechungen
aufzuführen. Zum anderen bleiben Rezensionen in der Regel
bei Evaluationen, die für die Zuweisung von Haushaltsmitteln
eingesetzt werden, unberücksichtigt: So sind in einer gerade
laufenden "Erfassung von Leistungsdaten in Forschung und Lehre"
an der Technischen Universität Berlin Rezensionen nicht
eigens aufgeführt. Ein Mitglied der mit der Evaluation
beauftragten Kommission merkte auf meine Nachfrage hierzu an,
dass zwar die Frage, ob Rezensionen als "Leistung(sdaten)"
anzusehen seien, strittig diskutiert worden sei, die Kommission
sei schließlich allerdings zu dem Ergebnis gekommen,
Rezensionen nicht als solche anzuerkennen (und damit auch nicht
mit Leistungspunkten zu "belohnen"), weil sich die Autor(inn)en
innerhalb einer Rezensionen "nur" mit der Arbeit anderer
beschäftigten. Mein Gesprächspartner fügte hinzu,
ein(e) Wissenschaftler(in) möge doch eigene Werke schreiben,
statt über die anderer zu "berichten". In solchen Haltungen
wird überhaupt nicht in Erwägung gezogen, daß
Rezensionen auch anders als eben in Form knapper
Inhaltswiedergaben verfasst werden und damit einen eigenen
Stellenwert haben könnten, wie dies für
Contemporary Psychology in Anspruch genommen wird: "CP reviews
are not infrequently cited as sources of ideas." (a.a.O., S.2)
[9]
Vor diesem Hintergrund mag es nicht verwundern, dass hier
ein Kreislauf eröffnet ist, der dazu führt, daß
es verglichen mit anderen wissenschaftlichen Leistungen nicht nur
nicht lohnenswert erscheint, Rezensionen in dem eingangs
angemahnten Sinne zu verfassen, sondern dass das Schreiben
von Rezensionen beinahe abträglich erscheint, weil in der
gleichen Zeit ein eigener (bepunkteter) Beitrag geschrieben
werden kann (zumal auch in Berufungskommissionen nicht selten die
Gepflogenheit herrscht, die von den Bewerber[inne]n in den
Publikationslisten aufgeführten Rezensionen zu streichen,
sozusagen eine "milde" [Umgangs-] Form, die schroffere Variante
hierzu ist, das Aufzählen von Rezensionen argumentativ gegen
die Bewerbenden zu wenden). [10]
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Akzentuierungen und erste Erfahrungen
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Bei der Einrichtung der Rubrik FQS-Rezensionen war es
von Beginn an ein wesentliches Anliegen, den Stellenwert von
Rezensionen zu erhöhen. Dies erscheint im Rahmen einer
Online-Zeitschrift aus mehrerlei Gründen möglich (und
vielleicht leichter umsetzbar als in traditionellen
Zeitschriften), allesamt Gründe, die schon mit der
Konzeption von FQS als einem Online-Journal einher
gehen:
Flexible Platzressourcen: Entgegen dem genau
kalkulierten Platz in Print-Zeitschriften ist es im Falle von
Online-Veröffentlichungen möglich, jeden Beitrag (also
auch Rezensionen) so zu gestalten, wie es aus Sicht der
schreibenden Autor(inn)en und bezogen auf die jeweils behandelten
inhaltlichen Gegenstände notwendig und sinnvoll
erscheint. Zwar gibt es auch für Online-Beiträge
Angaben zum Umfang, diese sind aber eher als
Richtgrößen zu verstehen. Hier zeigt sich, daß
viele Autor(inn)en wohl auch aus ihrer teilweisen
Unerfahrenheit mit dem Veröffentlichen von
Online-Beiträgen heraus immer wieder auf die von uns
als Orientierungsmaß vorgegebenen Angaben rekurrieren und
sich etwa entschuldigen, dass sie diese nicht haben ganz
einhalten können. [11]
Flexible Darstellungsmöglichen: Zu den
Besonderheiten von Online-Medien gehört obschon noch
weitgehend ungenutzt in den Veröffentlichungspraxen
auch für die Abfassung von Rezensionen die speziellen
Darstellungsmöglichkeiten zu verwenden. So könnte eine
Rezension (auch der Übersichtlichkeit wegen) zwar auf einer
ersten Textebene kurz gehalten werden, optional könnten den
Lesenden dann aber zusätzliche Tiefeninformation (durch
Hyperlinks auf weitere Textebenen) zur Verfügung gestellt
werden, d.h. die Lesenden können selbst entscheiden, wann
sie mehr Information einsehen möchten. In diesem Sinne
wäre denkbar, dass spezifische Zusatzinformationen zu
einzelnen Kapiteln einer Monographie oder zu einzelnen
Beiträgen in einen Herausgeber[innen]band separat
vorgestellt werden, die im eigentlichen Haupttext nur kursorisch
gestreift werden. [12]
Flexible Veröffentlichungszeiten: Ganz anders als
das in Print-Medien übliche (und teilweise notgedrungen
erforderliche) Verschieben von Beiträgen können
eingegangene Rezensionen unmittelbar, nachdem sie begutachtet,
gegebenenfalls überarbeitet und medial aufbereitet sind,
veröffentlicht werden. So haben wir etwa im September zwei
Rezensionen und einen Rezensionsaufsatz vorab
veröffentlicht, die dem nun erschienenen 3. Band zugeordnet
sind. Wir werden diese Veröffentlichungspraxis auch in
Zukunft weiter betreiben, weil damit nicht nur gewährleistet
ist, dass die Besprechungen eine gewisse Aktualität
behalten, sondern auch um Rezensionen aus dem sonstigen Angebot
von FQS herauszuheben und die Aufmerksamkeit der Lesenden
auf diese Form wissenschaftlichen Publizierens und Diskutierens
zu lenken. Aus dem gleichen Grund ist es auch denkbar, daß
zukünftig Sonderausgaben mit Rezensionen zu
unterschiedlichen Themenbereichen in dem Feld qualitativer
Sozialforschung zwischen den eigentlichen
FQS-Schwerpunkt-Ausgaben veröffentlicht werden. [13]
Direkter Austausch: Anders als im Falle von Print-Medien erlaubt eine Online-Zeitschrift aufgrund der technischen
Möglichkeiten die unmittelbare Interaktion zwischen dem/der
Autor(in) einer Rezension, dem/der Autor(in) / Herausgeber(in)
des rezensierten Bandes und den Lesenden. So können
über das Discussionboard etwa der/die Autor(in) / Editor(in)
einige Aspekte aus der Rezension aufgreifend Erwiderungen
schreiben oder Anmerkungen und Ergänzungen vornehmen;
Lesende können spezifische Nachfragen stellen oder -
sofern ihnen die Medieneinheit bekannt ist - auch
zusätzliche Perspektiven einbringen. Aber auch hier zeigt
sich, dass das mit dem Discussionboard verbundene Potential
des Austausches bisher noch selten genutzt wird. Auch hier werden
in Zukunft weitere Angebote von uns zu entwickeln sein: dazu
gehört etwa, Chats mit dem/der Autor(in) / Editor(in) der
Medieneinheit, mit verschiedenen Rezensent(inn)en und mit
interessierten Lesenden abzuhalten. [14]
Über diese mit dem Online-Publishing eröffneten
Spielräume hinaus sei zuletzt noch auf eine weitere
Entwicklungsmöglichkeit für die Rubrik Rezensionen
verwiesen. [15]
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Erweiterungen, die zur Diskussion stehen
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Neben den zuvor genannten Potentialen, die vor allem den
besonderen Eigenschaften des Internet geschuldet sind und die
helfen können, die Gestaltung von Rezensionen zu
verändern und diese damit auch inhaltlich aufzuwerten, sind
zusätzliche Varianten denkbar. Hier sehe ich im
Moment drei Perspektiven: (a) die Mehrfachbesprechung einer
Medieneinheit, (b) die Besprechung von "Klassikern" und anderen
"älteren" (weniger "bekannten") Medieneinheiten, sowie (c)
kommentierte Reprints von bereits veröffentlichten
Rezensionen. Diese drei Vorschläge möchte ich kurz
erläutern, um zu veranschaulichen, wie Rezensionen
verstanden als am Beispiel einer Medieneinheit in ein
Forschungsfeld kritisch einführende Abhandlungen im
Sinne von Stellungnahmen oder Positionierungen Diskurse
eröffnen können. [16]
Mehrfachbesprechungen sind z.B. möglich, indem wir
Rezensionen zu bestimmten Medieneinheiten aus mit uns
kooperierenden Print-Zeitschriften in FQS aufnehmen. Durch
die Veröffentlichung verschiedener Rezensionen zu jeweils
einer Medieneinheit hoffen wir deutlich zu machen, dass auch
und gerade Rezensionen eine eigene Lesart darstellen, d.h.
Stellungnahmen beinhalten, die von einem (je individuellen,
disziplinären oder schulischen) Standpunkt aus geschrieben
werden. Ziel eines solches Vorgehens ist es wie die
Ko-Kommentierung via Discussionboard , die mit einer
Medieneinheit verbundene Rezeptions- und Darstellungsbreite zu
erhalten. [17]
Die Überlegung, nicht nur Rezensionen zu aktuellen
Medieneinheiten zu veröffentlichen, sondern nach und nach
auch Rezensionen einzubeziehen, die zeitlich (mitunter weit)
zurückliegende Medieneinheiten betreffen, zielt in die
gleiche Richtung, nämlich deutlich werden zu lassen,
dass jede Medieneinheit/jedes Buch eine eigene
Rezeptionsgeschichte hat/haben kann. Aus diesem Grunde halten wir
zwei Vorgehensweisen für denkbar: Neben der Neubesprechung
sogenannter Klassiker (und solcher Medieneinheiten, die zu
Klassikern avancieren könnten, allerdings bislang wenig
Beachtung gefunden haben), könnten auch (lang)
zurückliegende Rezensionsveröffentlichungen als Reprint
Eingang finden, versehen mit einer Kommentierung durch den/die
Rezensierende(n) aus heutiger Perspektive. Mit beiden Formen der
"Neubetrachtung" könnte vermittelt und zur Debatte gestellt
werden, wie und auch warum (ehemals positiv oder negativ
vorgetragene) Einschätzungen im Fortgang der
(Wissenschafts-) Geschichte sich relativieren bzw. sich sogar ins
Gegenteil verkehren können. [18]
Viele der in dieser Editorial Note angerissenen
Bemühungen, mit denen wir zu einer Aufwertung von
Rezensionen beitragen wollen, um deren Potential für
wissenschaftliche Diskurse zu nutzen, werden Zeit benötigen,
mehr aber noch die Unterstützung aller an FQS
beteiligen Personen(kreise), d.h. von den
Autor(inn)en/Herausgeber(inne)n von Medieneinheiten, den
Rezensent(inn)en und den Lesenden. Ohne deren aktive Teilhabe
werden die mit einer Online-Zeitschrift verbundenen Potentiale
nicht ausgeschöpft werden können, was letztlich
bedeutet, sich auf die elektronische Variante eines
Offline-Mediums zu beschränken. [19]
In diesem Sinne hoffe ich, dass wir mit den in diesem
Band veröffentlichen Rezensionen und
Rezensionsaufsätzen eine Auswahl getroffen haben, mit der
wir Ihr Interesse wecken und einen ersten Schritt in die hier
skizzierte Richtung gehen können. [20]
1) Wobei Rezensionsaufsätze
stärker als Kurzrezensionen auf die Bewertungs- und
Kontextualisierungsfunktion hin ausgerichtet sind. <zurück>
2) Zu den Ausnahmen zählen im deutschsprachigen Raum etwa die Zeitschrift "Handlung Kultur Interpretation", in der Rezensionsaufsätze als kritischer Dialog zwischen den Disziplinen verstanden und eingefordert werden; im angelsächsischen Raum z.B. "Culture & Psychology".
<zurück>
3) Diese Guidelines sind nicht
öffentlich zugänglich; sie werden Reviewer(inne)n als
Anleitung für deren Arbeit zugeschickt.
<zurück>
Günter MEY
Bitte zitieren Sie diesen Beitrag wie folgt (und zusätzliche Absatznummern, wenn notwendig):
Mey, Günter (2000, Dezember). Editorial Note: Wozu
Rezensionen? oder: Warum Rezensionen eigenständige
Beiträge sein sollten [20 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum Qualitative Social Research (Online-Journal), 1(3).
Verfügbar über: http://www.qualitative-research.net/fqs-texte/3-00/3-00mey-d.htm [Datum des Zugriffs: Tag, Monat, Jahr].
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Letzte Änderung: 03.02.2003
Volume 1, No. 3 Inhaltsverzeichnis
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