Budapest Open Access Initiative:
Frequently Asked Questions

Diese Seiten sind auch in Englisch, Französisch und Russisch verfügbar.

Letzte Überarbeitung: 17. August 2002

Diese FAQ sind nur vorrübergehend auf qualitative-research.net untergebracht; sie werden nach dem Ende des Überarbeitungsprozesses zusammen mit den anderen BOAI-Dateien auf soros.org zugänglich sein.


Hintergrund

Wie ist die Budapest Open Access Initiative (BOAI) zustande gekommen?

Am 1. und 2. Dezember 2001 veranstaltete das Open Society Institute (OSI) ein Treffen in Budapest mit einigen führenden Vertreterinnen und Vertretern des open access für wissenschaftliche Fachzeitschriften. Ziel war es u.a. herauszufinden, in welcher Weise die zahlreichen aktuellen Initiativen einander unterstützen und wie Ressourcen des OSI für die gemeinsamen Ziele sinnvoll eingesetzt werden können.

Handelt es sich um eine ost-europäische Initiative?

Nein, um eine weltweite Initiative. Der Name "Budapest" wurde gewählt, weil das Open Society Institute (OSI) dort seinen Hauptsitz hat und weil dort das Treffen stattfand, in dessen Verlauf die Initiative geplant wurde.

Die Namenswahl geht zurück auf eine Tradition, Initiativen, öffentliche Erklärungen usw. nach den Städten zu nennen, in denen sie formuliert und veröffentlicht wurden. So wurden, wenn man sich nur auf das uns interessierende Feld beschränkt, wesentliche öffentliche Bekanntmachungen z.B. nach Aarhus, Havana, Lund, Okinawa, San José, Sante Fe und Tempe benannt. Wir sind dieser Tradition bewusst gefolgt.

In welchem Verhältnis stehen das Open Society Institute und die BOAI zueinander?

Das OSI hat das Treffen initiiert, aus dem heraus die BOAI entstanden ist, und ist zugleich der erste institutionelle Unterzeichner der BOAI. Das OSI wird seine Ressourcen nutzen, um zu dem gemeinsamen Ziel des open access beizutragen, und es wird sich bemühen, andere Institutionen für dieses Ziel zu gewinnen.

Wie unterscheidet sich die BOAI von der Public Library of Science?

Ziel der Public Library of Science (PLoS) ist es, bestehende (insbesondere naturwissenschaftliche) Fachzeitschriften zu ermutigen, freien Zugang zu den dort publizierten Beiträgen zu gewähren – in öffentlich verfügbaren Archiven und spätestens sechs Monate nach Erscheinen der Erstveröffentlichung. Die PLoS bittet die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, für Fachzeitschriften, die dem nicht zustimmen, weder als Autor/Autorin, Reviewer/Reviewerin noch als Herausgeber/Herausgeberin tätig zu werden, und solche Zeitschriften auch nicht zu abonnieren. Die wesentlichen Merkmale der BOAI im Unterschied zu der PloS sind: (1) Die BOAI wendet sich an alle akademischen Felder und Disziplinen, nicht nur an die Naturwissenschaften. (2) Die BOAI bemüht sich gleichermaßen um frei zugängliche Fachzeitschriften und um Self-Archiving als wesentliche Mittel, das Ziel des open access zukünftig zu realisieren. (3) Die BOAI fordert bereits bestehende Zeitschriften nicht auf, ihre Zugangspolitik zu verändern, obwohl wir natürlich hoffen, dass sie dies tun werden. Stattdessen wird die BOAI sich zum einen darum bemühen, Gelder für die Übergangskosten aufzubringen, die für bereits bestehende Fachzeitschriften entstehen, die ihre Artikel perspektivisch ohne Zugangsbeschränkungen für alle Interessierten veröffentlichen wollen, zum anderen wird sie die Neugründung von open access-Zeitschriften unterstützen. (4) Unterzeichner und Unterzeichnerinnen des Offenen Briefes der PLoS wenden sich an Zeitschriften und Verlage, damit diese ihre Zugangspolitik ändern. Diejenigen, die das Initiativschreiben der BOAI unterzeichnen, erklären sich bereit, all jene für open access relevanten Veränderungen selbst auf den Weg zu bringen, die in ihrer Macht liegen. Wir danken der PLoS für die Erlaubnis, die dort verwendete Software zum Sammeln und Verwalten der Unterschriften für unsere Zwecke nutzen und anpassen zu dürfen.

Wie unterscheidet sich die BOAI von der Open Archives Initiative?

Die Open Archives Initiative (OAI) hat einen Standard für Metadaten kreiert, der dazu verhilft, dass Daten in unterschiedlichen lokalen Archiven z.B. von Suchmaschinen so behandelt werden, als wären sie in einem einzigen riesigen Archiv gespeichert. (Technisch ausgedrückt geht es bei der OAI um Interoperabilität.) Die BOAI unterstützt die OAI für alle Arten frei-zugänglicher Literatur, aber die BOAI ist kein Teil der OAI und umgekehrt.

Wie unterscheidet sich die BOAI von anderen Initiativen, die sich bemühen, unterschiedliche Arten digitaler Informationen für Nutzerinnen und Nutzer frei zugänglich zu machen?

Die BOAI ist durch einen eindeutigen und begrenzten inhaltlichen Rahmen definiert, und sie besteht auf dem Einverständnis der jeweiligen Autoren und Autorinnen für alles, was innerhalb dieses Rahmens frei zugänglich gemacht werden soll: (1) Die BOAI bemüht sich um den kostenfreien Zugang zu wissenschaftlicher Zeitschriftenliteratur, die das Peer Review erfolgreich durchlaufen hat (bzw. im Falle von Preprints: durchlaufen soll), es geht uns also nicht um den freien Zugang z.B. zu Software, Musik, Filmen oder anderen Medien. (2) Für die BOAI ist dieser freie Zugang unbedingt vom Einverständnis der jeweiligen Autorin bzw. des jeweiligen Autors abhängig, nicht von den Wünschen oder Bedürfnissen der Nutzer und Nutzerinnen. Zu letzterem siehe auch die Anmerkungen zu Einverständnis und Copyright weiter unten.

Wird die BOAI selbst einen Verlag gründen?

Nein. Die BOAI wird open access-Zeitschriften unterstützen und ebenso open access-Archive, in denen Beiträge frei zugänglich gemacht werden, die in anderen Fachzeitschriften erstveröffentlicht wurden.


Wissenschaftliche Literatur

Für welche Art wissenschaftlicher Literatur möchte die BOAI den freien Zugang ermöglichen?

Die BOAI bemüht sich um open access für diejenigen wissenschaftlichen Texte, die Autoren und Autorinnen publizieren, ohne dafür irgendeinen finanziellen Gegenwert zu erhalten. Wie in dem Initiativschreiben der BOAI erwähnt, gehören zu dieser Kategorie "zunächst Beiträge in Fachzeitschriften, die ein reguläres Peer-Review durchlaufen haben, aber auch z.B. Preprints, die (noch) nicht begutachtet wurden, und die online zur Verfügung gestellt werden sollen, um Kollegen und Kolleginnen über wichtige Forschungsergebnisse zu informieren bzw. deren Kommentare einzuholen". Die BOAI bemüht sich also nicht um die freie Zugänglichkeit von Büchern, deren Autoren und Autorinnen sich aus der Veröffentlichung Einkünfte erhoffen. Ebenfalls nicht gemeint sind im engeren Sinne nicht wissenschaftliche Arbeiten, also z.B. Romane, Informationsschreiben usw.

Obwohl sich die BOAI insbesondere um den freien Zugang zu wissenschaftlicher Zeitschriftenliteratur und zu Preprints bemüht, kann dieses Anliegen selbstverständlich auch andere Arten wissenschaftlichen Schreibens betreffen, für die die Autoren und Autorinnen keine Bezahlung erhalten oder erwarten. Hierzu gehören z.B. wissenschaftliche Monographien, Tagungsbände, Diplomarbeiten und Dissertationen, von staatlichen Stellen veröffentlichte wissenschaftliche Schriftenreihen, Gesetzestexte und juristische Kommentare.

Sind alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bereit, ihre Arbeiten kostenfrei zugänglich zu machen?

Nein. Die BOAI unterscheidet ausdrücklich zwischen Arbeiten, die von Forschenden frei zugänglich gemacht werden sollen und Arbeiten, für die dies nicht gewünscht wird. Die BOAI betrifft lediglich die erste Gruppe: Wenn wissenschaftliche Autorinnen und Autoren ihre Veröffentlichungen zugänglich machen, ohne hierfür vergütet zu werden, dann dürfen potentielle Leserinnen und Leser nicht verpflichtet werden, für deren Nutzung zu zahlen. Unsere Bemühung um open access gilt genau dieser Gruppe von Veröffentlichungen. Es ist auch nicht unser Interesse einzuschätzen, wie viele Autoren und Autorinnen ihre Veröffentlichungen kostenfrei oder gebührenpflichtig zugänglich machen wollen, und es ist vor allem nicht unser Interesse, freien Zugang zu Arbeiten zu gewähren ohne das ausdrückliche Einverständnis der jeweiligen Autoren und Autorinnen.

Autoren und Autorinnen, die Beiträge in Lehrbüchern veröffentlichen, erwarten zumeist, hierfür auch vergütet zu werden. Insoweit fallen Lehrbücher in der Regel nicht in den die BOAI interessierenden Bereich. Die meisten Autorinnen und Autoren wissenschaftlicher Monographien hoffen ebenfalls, an deren Veröffentlichung zu verdienen, unabhängig von den tatsächlichen Verkaufsaussichten. Insoweit berührt unsere Initiative auch viele wissenschaftlichen Monographien nicht. Im Unterschied hierzu erwarten die meisten Autoren und Autorinnen, die in wissenschaftlichen Fachzeitschriften veröffentlichen, keine Bezahlung für ihre Arbeit bzw. sie sind bereit, in diesen Zeitschriften ohne Erhalt von Lizenzgebühren oder anderen Einkünften zu publizieren. Genau diese Artikel bilden den Kern der Literatur, um deren freie Zugänglichkeit die BOAI sich bemüht.

Angemerkt sei, dass auch viele Autoren und Autorinnen, die ihre Arbeiten kostenfrei zugänglich machen wollen, sich um den Erhalt des Copyrights für ihre Arbeit bemühen. Was uns am Herzen liegt, ist die Abschaffung des kostenpflichtigen Zugangs zu dieser Gruppe wissenschaftlicher Veröffentlichungen, nicht jedoch das Abschaffen geistigen Eigentums. Unsere Bemühung gilt ebenfalls nicht Arbeiten, die von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern urheberrechtsfrei im Internet veroeffentlicht werden.

Wie soll mit älteren, bereits veröffentlichten Beiträgen in wissenschaftlichen Fachzeitschriften ungegangen werden?

Der BOAI geht es vor allem anderen um die freie Zugänglichkeit der wissenschaftlichen Zeitschriftenliteratur in der Zukunft. Wenn jedoch Mittel zur Verfügung stehen, wenn die Veröffentlichung von den Copyright-Inhabern erlaubt wird und wenn bestimmte Standards gewahrt werden, dann halten wir die nachträgliche Digitalisierung und die freie Zugänglichkeit auch älterer Fachveröffentlichungen für wünschenswert.


Open Access

Was versteht die BOAI unter "open access"?

Die BOAI definiert open access wie folgt: "Open access meint, dass diese Literatur kostenfrei und öffentlich im Internet zugänglich sein sollte, so dass Interessierte die Volltexte lesen, herunterladen, kopieren, verteilen, drucken, in ihnen suchen, auf sie verweisen und sie auch sonst auf jede denkbare legale Weise benutzen können, ohne finanzielle, gesetzliche oder technische Barrieren jenseits von denen, die mit dem Internet-Zugang selbst verbunden sind. In allen Fragen des Wiederabdrucks und der Verteilung und in allen Fragen des Copyrights überhaupt sollte die einzige Einschränkung darin bestehen, den jeweiligen Autorinnen und Autoren Kontrolle über ihre Arbeit zu belassen und deren Recht zu sichern, dass ihre Arbeit angemessen anerkannt und zitiert wird."

Ist open access mit geltenden Copyright-Regelungen vereinbar?

Unbedingt. Kurz zusammengefasst obliegt es nach den gesetzlichen Regelungen dem Copyright-Inhaber bzw. der Copyright-Inhaberin, ob er oder sie das jeweilige Produkt frei zugänglich macht oder den Zugang Restriktionen unterwirft. Ziel der BOAI ist es, dass das Copyright in den Händen der Autoren und Autorinnen bleibt bzw. in der Verfügung von Institutionen, die sich auf open access verpflichten. Eine ausführlichere Antwort auf diese Frage ist davon abhängig, ob es um Praktiken des Self-Archiving oder um open access-Zeitschriften geht.

  1. Self-Archiving: Autorinnen und Autoren verfügen im Falle von Preprints über das Copyright, d.h. sie können diese ohne rechtliche Probleme in open access-Archiven zugänglich machen. Wird ein solches Preprint später von einer Zeitschrift als Publikation akzeptiert, und verlangt diese Zeitschrift, dass das Copyright von dem Autor/der Autorin an die Zeitschrift/den Verlag übergeht, dann liegt es in der Folge bei der Zeitschrift/dem Verlag, ob die Erlaubnis gegeben wird, das nun begutachtete und veröffentlichte Postprint in einem open access-Archiv zugänglich zu machen. Wird dies erlaubt, existiert wiederum kein Copyright-Problem. Wird die Erlaubnis nicht gegeben, kann das Preprint in dem Archiv frei zugänglich bleiben, da es mit dem Postprint nicht identisch ist und weil der Autor/die Autorin das Copyright für das Preprint keinem Dritten überlassen hat. Zusätzlich kann eine Liste mit Korrekturen bzw. Differenzen zwischen Preprint und Postprint zugänglich gemacht werden. Dies ist für Leser und Leserinnen sicher nicht so bequem, als wenn das Postprint selbst online verfügbar wäre, aber es sind doch alle in dem Postprint veröffentlichten Informationen enthalten, und es ist meist sehr viel nützlicher, diesen Zugang als gar keinen Zugang zu haben. Für weitere Informationen hierzu siehe den Abschnitt über Self-Archiving.

  2. Fachzeitschriften: Open access-Zeitschriften werden das Copyright entweder bei den Autoren und Autorinnen belassen oder um die Übertragung des Copyrights an die Zeitschrift bitten. In beiden Fällen ist gewährleistet, dass der jeweilige Inhaber/die jeweilige Inhaberin des Copyrights für den freien Zugang zu der Veröffentlichung sorgt. Liegt das Copyright auf Seiten des Verlages/der Fachzeitschrift, ist open access im Falle alternativer Zeitschriften unmittelbar sichergestellt. Bleibt das Copyright bei den Autoren oder Autorinnen, autorisieren diese den Verlag/die Zeitschrift, die Veröffentlichung online kostenfrei zugänglich zu machen. Verlage und Zeitschriften, die open access praktizieren, werden solche Lizenzvereinbarungen für ihre Autoren und Autorinnen bereits vorbereitet haben. Es gibt selbstverständlich unterschiedliche Arten, solche Lizenzen zu gestalten. Als ein Beispiel sei an dieser Stelle auf die Vereinbarung der Public Library of Science verwiesen.

Die BOAI wünscht keinen freien Zugang zu wissenschaftlicher Literatur gegen den Willen des/der Copyrightinhaber(in) oder gegen gültige gesetzliche Regelungen. Es geht uns ebenfalls nicht um die Änderungen von Copyright-Gesetzen. Vielmehr bemühen wir uns um die Maximierung der Möglichkeiten des open access im Rahmen bestehender rechtlicher Regelungen, und in Übereinstimmung mit den Inhabern bzw. Inhaberinnen des Copyrights.

Sind open access und die Begutachtung von Beiträgen im Rahmen des regulären Peer Review-Verfahrens miteinander vereinbar?

Unbedingt. Die BOAI bemüht sich ja gerade um die freie Zugänglichkeit von Zeitschriftenbeiträgen, die das Peer Review erfolgreich durchlaufen haben. Hinzu kommen Preprints, die vor Begutachtung online verfügbar gemacht werden sollen, für die aber eine Veröffentlichung in einer Fachzeitschrift geplant ist, die Peer Review praktiziert. Peer Review ist medienunabhängig und als wichtiges Evaluationsverfahren wissenschaftlicher Fachliteratur für Online-Zeitschriften ebenso notwendig wie für Print-Zeitschriften (es bedarf im Falle von Online-Zeitschriften auch keines zusätzlichen Aufwandes). Online-Publikationen von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen, die auf diesem Wege das Peer Review umgehen wollen, gehören nicht zu den Feldern, für die die BOAI sich um open access bemüht.

Sind open access und Print-Veröffentlichungen vereinbar?

Unbedingt. Open access meint den freien Zugang via Internet, aber damit ist keineswegs ausgeschlossen, dass auch gedruckte Versionen der gleichen Veröffentlichung existieren. Open access bedeutet den kostenfreien Online-Zugang für interessierte Leser und Leserinnen, aber zugleich können auch kostenpflichtige Print-Versionen einer Veröffentlichung vertrieben werden. (Da Print-Veröffentlichungen in ihrer Herstellung sehr viel teurer sind als Online-Veröffentlichungen, ist es naheliegend, dass hier eher kostenpflichtige als kostenfreie Veröffentlichungen zu erwarten sind.) Open access schließt keine Printouts durch Benutzer und Benutzerinnen aus, ebenso wenig gedruckte Archive zu Sicherungszwecken oder für dauerhafte Aufbewahrung. Zwar gehen einige Verlage davon aus, dass open access mit Print-Veröffentlichungen unvereinbar ist, aber die Umkehrung dieser Überlegung ist keinesfalls zwingend.

Ist open access mit hohen wissenschaftlichen Standards und mit hochwertiger Qualität vereinbar?

Unbedingt. Zusammengefasst kann man sagen, dass genau die Faktoren, die für die wissenschaftliche Qualität im Falle traditioneller Print-Veröffentlichungen ausschlaggebend sind, auch für die von uns angezielte Art wissenschaftlicher Literatur wirksam sind und zum Tragen kommen. Um dies zu präzisieren, sei noch einmal zwischen Self-Archiving und open access-Zeitschriften unterschieden.

  1. Self-Archiving: Dies betrifft entweder noch nicht begutachtete Preprints oder Postprints von bereits begutachteten und veröffentlichten Zeitschriftenbeiträgen. (A) Nicht begutachtete Preprints bedeutet nur, dass ein Artikel noch nicht das Peer Review durchlaufen hat, d.h. seine Güte wurde noch nicht von Peers evaluiert bzw. seine Veröffentlichung wurde noch nicht empfohlen. Aber nur aus diesem Grund werden sie als nicht-begutachtete Preprints bezeichnet, nicht jedoch, weil sie in einem Archiv öffentlich zugänglich sind. Solange sie Preprints heißen, wissen Leser und Leserinnen, worum es geht, und der Begriff des Peer Review bzw. des mit ihm verbundenen Evaluationsverfahrens wird nicht verwässert. (B) Begutachtete und veröffentlichte Postprints sind durch Reviewer und Reviewerinnen der entsprechenden Fachzeitschriften evaluiert worden. Die Standards, nach denen sie evaluiert und für eine Veröffentlichung empfohlen werden, sind eben die Standards des Feldes, denen diese Fachzeitschrift zugehört: Sie sind unabhängig von dem gewählten Medium (Print- oder elektronische Veröffentlichung) und sie sind unabhängig davon, ob für den Zugang zu der Veröffentlichung Gebühren erhoben werden oder nicht. Die Qualität dieser Veröffentlichungen hängt vollständig von den Standards in dem entsprechenden wissenschaftlichen Feld selbst ab, nicht davon, ob ein Archiv öffentlichen Zugang zu ihnen gewährt.

  2. Fachzeitschriften: Die Qualität einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift ist abhängig von den dort Verantwortlichen, d.h. von den Herausgebern und Herausgeberinnen, von den Mitgliedern des Wissenschaftlichen Beirates und von den Reviewern und Reviewerinnen, die bei der Begutachtung tätig werden. Diese Qualität hat umgekehrt Konsequenzen für die Qualität der Beiträge, die Autoren und Autorinnen zur Veröffentlichung einreichen. Open access-Zeitschriften können sich insoweit dieselben Qualitätssicherungsmechanismen zunutze machen wie traditionelle Print-Zeitschriften. Ausschlaggebend ist, wer mit welchen Kriterien/Standards am Prozess der Herausgabe und des Publizierens beteiligt ist, auch hier spielt das Medium (Print vs. Online) und spielen die Kosten (gebührenpflichtig vs. frei zugänglich) keine Rolle. Dies wird besonders deutlich in den Fällen, in denen eine Person als Herausgeber bzw. Herausgeberin einer kostenpflichtigen Print-Zeitschrift und einer open access Zeitschrift tätig ist, entweder, weil diese Zeitschrift eben in beiden Versionen erscheint oder weil ein Herausgeber/eine Herausgeberin einen Verlag wegen dessen restriktiver, open access feindlicher Politik verlassen hat und eine neue open access-Zeitschrift gründet, die sich an den gleichen Adressatenkreis richtet. Open access-Zeitschriften unterscheiden sich von kostenpflichtigen Zeitschriften eben nicht darin, dass sie dem Verfahren des Peer Review weniger Bedeutung beimessen oder es in grundsätzlich anderer Art und Weise praktizieren, sondern lediglich in dem Modell, das sie für die Deckung ihrer Kosten wählen, und dieses Modell ist für die Qualität der publizierten Beiträge nicht ausschlaggebend.

Wenn die eigentliche Frage also ist, ob diejenigen, die sich um die Realisierung des open access bemühen, vorhaben, das Verfahren des Peer Review zu umgehen oder abzuschaffen, dann ist unsere Antwort nein. Beachten Sie in diesem Zusammenhang bitte auch unsere Antwort auf die Frage nach dem Umgang mit Peer Review.

Ist open access vereinbar mit einer Sperrfrist?

Nein. Open access bedeutet einen unbeschränkten Zugang, und eine Sperrfrist beschränkt den Zugang. Viele Vorteile von open access sind nicht gegeben, wenn es zeitweilige Beschränkungen gibt. Dennoch kann ein verspätet in Kraft tretender open access, obwohl nicht sämtlichen Zielen der BOAI dienlich, zumindest für einige der Ziele hilfreich sein: So wie open access besser ist als ein aufgeschobener open access, so ist ein aufgeschobener open access besser als ein dauerhaft kostenpflichtiger Zugang. Zu beachten ist zum einen, dass Autor(inne)n durch eigenständige Archivierung den sofortigen open access sicherstellen können. Zum anderen können sie in Zeitschriften publizieren, die freien Zugang gewähren. Siehe auch die folgende Antwort.

Warum fordert die BOAI Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen nicht auf, ihre Arbeiten unter Verzicht auf ihre Urheberrechte im Internet abzulegen und zugänglich zu machen?

Werden Veröffentlichungen direkt von einzelnen Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen als urheberrechtsfreie Texte (Public domain) im Internet veröffentlicht, so ist dies sicher ein Weg, um deren freie Zugänglichkeit zu erreichen. Aber diese Vorgehensweise belässt den Autorinnen und Autoren in der Regel deutlich weniger Rechte und Verfügungsmöglichkeiten, als ihnen lieb sein dürfte, also z.B. Schutz vor Plagiaten oder vor der Veröffentlichung von verfälschten Versionen ihrer Arbeit. Die Nutzung der Copyright-Gesetzgebung zum Schutz der grundlegenden Rechte von Autoren und Autorinnen steht nicht in Widerspruch zu der von uns empfohlenen Art des open access im Bereich von Wissenschaft und Ausbildung. Das vorrangige Ziel der BOAI ist es, zur Verbreitung und Beschleunigung wissenschaftlicher Forschung beizutragen. Forscher und Forscherinnen benötigen keine Rechte, um verschandelte oder plagiierte Versionen der Arbeit anderer zu veröffentlichen. Deshalb ist das Anliegen, dass Autoren und Autorinnen die Kontrolle über ihre Arbeit und deren angemessene Zitation behalten sollen, unbedingt mit der Art des open access vereinbar, den die BOAI unterstützt.

Müssen Nutzer und Nutzerinnen jedes Mal, wenn sie auf einen Text zugreifen wollen, die Erlaubnis der Autor(inn)en (bzw. Copyright-Halter[innen]) einholen?

Nein. Die Zustimmung des Autors/der Autorin, dass kostenfrei auf einen Beitrag zugegriffen werden kann, folgt aus der Tatsache, dass dieser Beitrag in einem open access-Archiv verfügbar ist, in einer open access-Zeitschrift veröffentlicht wird, oder aus einem Statement, dass unmittelbar mit dem Beitrag zugänglich ist. Üblicherweise informieren open access-Archive und -Zeitschriften, wenn die dort gesammelten Beiträge frei zugänglich sind, und sie werden den Willen der Autoren und Autorinnen respektieren und lediglich Material veröffentlichen, mit dessen Veröffentlichung die Autoren und Autorinnen einverstanden sind. Wenn allerdings eine dem Copyright unterliegende Arbeit im Internet zugänglich ist jenseits von elektronischen Archiven oder von open access-Zeitschriften und ohne einen expliziten Hinweis des Autoren/der Autorin, dann sollten für jede Art der Nutzung das Einverständnis eingeholt werden, die über den üblichen/fairen Gebrauch hinausgeht.

Ist open access nicht nur eine nette Utopie? Können Online-Archive und -Zeitschriften wirklich dauerhaft kostenfrei zugänglich sein?

"Kostenfrei" ist an dieser Stelle mehrdeutig. Wissenschaftliche Zeitschriftenbeiträge sollten kostenfrei für Leserinnen und Leser verfügbar sein, aber sicher werden Kosten für die Herstellung und für den Unterhalt dieser Angebote entstehen. Wir wissen, dass es unmöglich ist, frei zugängliche wissenschaftliche Literatur ganz ohne Kosten zu produzieren. Aber dies bedeutet nicht, dass es nicht möglich wäre, sie ohne Gebühren für Nutzern/Nutzerinnen bzw. Lesern/Leserinnen zugänglich zu machen. Und die Kosten, die für die Erstellung und Verbreitung von im Internet frei zugänglicher wissenschaftlicher Literatur entstehen, sind deutlich niedriger als die Kosten für Print-Veröffentlichungen oder für gebührenpflichtige Online-Veröffentlichungen. Diese vergleichsweise niedrigen Kosten können durch eine Vielzahl verschiedener Finanzierungsmodelle gedeckt werden, die BOAI hat in dieser Frage keine bestimmten Präferenzen. Für genauere Informationen hierzu siehe die Antworten auf die Frage, wie Fachliteratur, die nicht ohne Kosten herzustellen ist, trotzdem frei zugänglich gemacht werden kann und wie open access-Zeitschriften ihre Ausgaben decken können.

Wenn open access-Veröffentlichungen nicht kostenfrei produziert werden können, wie können sie dann ohne Kosten für Leser und Leserinnen zugänglich gemacht werden?

Open access erfordert nicht, dass zusätzliche Mittel notwendig werden über die Mittel hinaus, die derzeit für traditionelle Fachzeitschriften aufgebracht werden, sondern es geht uns um eine Umlenkung des Mittelflusses. Gegenwärtig ist es so, dass Zugang nur für diejenigen Nutzer und Nutzerinnen möglich ist, die sich diesen Zugang erkaufen, deshalb ist er auf Personen und Einrichtungen beschränkt, die sich die jeweils geforderten Preise leisten können. Wenn stattdessen Mittel für die Deckung der Kosten aufgebracht werden, die anfallen, um wissenschaftliche Publikationen online zugänglich zu machen und zu verbreiten, dann können diese Publikationen für alle Interessierten kostenfrei zugänglich sein. Zusammengefasst besteht unser Vorschlag darin, dass vorhandene Mittel für die Veröffentlichung und Verbreitung wissenschaftlicher Beiträge aufgebracht, nicht aber für den Zugang zu ihnen erhoben werden. Die Kosten, die für die Veröffentlichung und Verbreitung entstehen, können von den Universitäten übernommen werden, die die Autorinnen oder Autoren beschäftigen, von Stiftungen oder Fördereinrichtungen, die deren Forschungsarbeit finanzieren, oder aus weiteren möglichen Quellen.

Hierfür wird das Geld, das aktuell ohnehin für Fachzeitschriften ausgegeben wird, bei weitem ausreichen. Einer Schätzung zufolge liegen die Abonnement- und Lizenzgebühren bei durchschnittlich $4000 je Zeitschriftenartikel, andere Schätzungen gehen von sogar noch höheren Durchschnittswerten aus. Im Unterschied hierzu ist die Hauptkostenquelle im Falle von open access-Zeitschriften das Peer Review, das sich auf zwischen $200-500 je Zeitschriftenartikel beläuft.

Es gibt aber auch weitere Gründe, die nahelegen, dass die Mittel, die notwendig sind, um open access zu gewährleisten, signifikant niedriger sind als die Kosten, die entstehen, um Zugangsbeschränkungen zu realisieren.

Woher wissen wir, dass open access-Veröffentlichung wirtschaftlich tragfähig ist?

Unsere Zuversicht entspringt (1) dem Beispiel existierender Zeitschriften, das zeigt, dass dies möglich ist, und (2) gibt es einiges, was dafür spricht, dass open access-Publikationen in der Lage sein werden, sich wirtschaftlich zu sichern.

Hier sind vor allem zwei Dinge gemeint: Zum einen sind die Kosten für online verfügbar open access-Publikationen signifikant niedriger sind als die Kosten für das traditionelle Publizieren von Print-Veröffentlichungen, und zum zweiten sind diese sehr viel niedrigeren Kosten bereits dadurch auszugleichen, dass die Quellen umgeleitet und genutzt werden, aus denen derzeit Gelder für die viel höheren Kosten für Print-Veröffentlichungen fließen. Wir werden beides genauer ausführen in unserer Antwort auf die Frage, wie open access-Zeitschriften ihre Kosten decken können.

Das Modell des open access ist dem traditionellen Publikationsmodell weit überlegen, denn letzteres ist dafür verantwortlich, dass die Zeitschriftenpreise in den letzten drei Jahrzehnten schneller gestiegen sind als die Inflationsraten und die Zeitschriftenbudgets. Das open access-Modell wird hingegen fallende Zeitschriftenkosten zur Folge haben. Diese Kosten werden selbst dann einfacher zu bewältigen sein, wenn keine zusätzlichen Fördermittel einfließen. Die Gelder, die derzeit für die wissenschaftliche Literatur ausgegeben werden, werden für open access-Lösungen mehr als ausreichend sein, statt – wie im Falle der traditionellen Print-Lösung – zunehmend unzureichend.

Was unterscheidet open access von Open Source?

Open Source Software ist wie freie Softwareüberhaupt eine bestimmte Art von Software, deren Quellcodes zur Ansicht und zur Anpassung an individuelle Zwecke frei zugänglich sind. Bei open access geht es hingegen um Arten der Zugänglichkeit bzw. der Verfügbarkeit. Dies betrifft zunächst alle digitalen Informationen, also Software, Musik, Filme, Nachrichten usw. Der BOAI geht es um den freien und öffentlichen Zugang zu bestimmten Informationen, nämlich zu bestimmten Arten wissenschaftlicher Literatur. Sehen Sie hierzu auch unsere Antwort auf die Frage, in welcher Weise sich die BOAI von anderen Initiativen unterscheidet, die digitale Informationen kostenfrei für Nutzer und Nutzerinnen zugänglich machen.


Self-Archiving

Sehen Sie bitte das Self-Archiving FAQ mit Antworten zu vielen in diesem Zusammenhang gestellten Fragen. Hier ist eine Auswahl der wichtigsten:

Was ist Self-Archiving?

Antwort

Wie kann ich selbst oder wie kann die Institution, in der ich tätig bin, ein elektronisches Archiv aufbauen?

Antwort

Wer sollte selbst archivieren?

Antwort

Welche Copyright-Regelungen sind zu beachten?

Antwort

Ist Self-Archiving legal?

Antwort


Alternative Fachzeitschriften

Wie können open access-Fachzeitschriften ihre Kosten decken?

Die Antwort auf diese Frage besteht aus zwei Teilen. (1) Die Herstellungskosten von open access-Zeitschriften sind sehr viel niedriger als die entsprechenden Kosten für vergleichbare Print-Zeitschriften oder für kostenpflichtige Internet-Veröffentlichungen. (2) Es existieren Finanzierungsmodelle, mit denen keine Zugangsbeschränkungen verbunden sind, so dass Leser und Leserinnen bzw. deren Einrichtungen für die Nutzung nicht zahlen müssen:

  1. Die Herstellungskosten für Open access-Zeitschriften sind signifikant niedriger, weil diese in der Regel nur online zugänglich sind, und weil Kosten für das Handling der Abonnements und für die sehr aufwendigen Mechanismen entfallen, die notwendig sind, um autorisierte und nicht-autorisierte Nutzer und Nutzerinnen zu unterscheiden und letztere am Zugang zu hindern. Zusätzlich steht mittlerweile freie oder preisgünstige Software zur Verfügung, die nahezu den gesamten Prozess des Online-Publizierens automatisiert (bis auf Entscheidungen, die von den Herausgebern und Herausgeberinnen bzw. von den Reviewern und Reviewerinnen getroffen werden müssen).

  2. Jedes Finanzierungsmodell, das die Kosten nicht auf die Leser und Leserinnen oder auf die Einrichtungen, denen sie zugehören, abwälzt, sollte probiert bzw. genutzt werden. Das heißt: keine Subskriptionsgebühren, keine Lizenzgebühren, kein "pay-per-view". Woher soll dann das Geld kommen? Es gibt viele mögliche Quellen, und die BOAI favorisiert hier keine bestimmte: Wie in dem Initiativaufruf bereits erwähnt, "sind zahlreiche alternative (Misch-) Finanzierungen möglich, z.B. durch private und staatliche Stiftungen und Fördereinrichtungen, durch Universitäten und andere Institutionen, die Forschende beschäftigen, durch Stiftungs- und Fördergelder, die disziplinär gebunden vergeben werden, durch Spenden von Einzelpersonen oder Einrichtungen, die sich der Vision des open access verpflichtet fühlen, durch Einnahmen aus Werbe-Add-ons auf den Texten, durch Mittel, die frei werden, indem überteuerte Zeitschriften, die nicht bereit sind, freien Zugang zu gewähren, abbestellt werden, oder durch finanzielle Beiträge, die die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen selbst zu zahlen bereit sind. Es ist wenig sinnvoll, eine der hier genannten Varianten jenseits nationaler und/oder disziplinärer Besonderheiten anderen vorzuziehen, und die Aufzählung soll zusätzliche, kreative Finanzierungsmodelle keinesfalls ausschließen."


Implementation

Meine Universität ist bereit, ein institutionelles Archiv für das Self-Archiving der hier tätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aufzubauen. Wie müssen wir vorgehen?

Lesen Sie zu dieser Frage bitte den entsprechenden Abschnitt über Self-Archiving.

Ich würde gerne eine neue open access-Zeitschrift gründen. Was muss ich tun?

Ich bin Herausgeber/Herausgeberin einer Fachzeitschrift, und der Verlag sperrt sich gegen ein freies Zugänglichmachen der Beiträge. Was kann ich tun?

Sie können einen Verlag suchen, der der Idee des open access gegenüber aufgeschlossener ist und sich, wenn sie ihn gefunden haben, von Ihrem Verlag trennen. Hier finden sich Beispiele für einige Fachzeitschriften, die diesen Schritt bereits vollzogen haben.

Ich veröffentliche eine Zeitschrift, die bisher nicht frei zugänglich ist, es aber in Zukunft werden soll. Wie können wir den Übergang von Abonnements und Lizenzgebühren zu alternativen Finanzierungsmodellen schaffen?

Ein Teil ist durch Kostenreduzierung möglich, indem Sie sich für eine reine Online-Zeitschrift entscheiden anstelle einer Print-Zeitschrift, indem sie kostenfreie Software nutzen, um wesentliche Teile des Publikationsprozesses zu automatisieren, und indem Sie dafür sorgen, dass alles, was für wissenschaftliche Zeitschriften essentiell ist, realisiert wird, und indem Sie sich von all dem verabschieden, was nicht nötig ist. Ein solches Essential ist auch für open access-Fachzeitschriften das Peer Review. (Zu dem Verzichtbaren gehört für Verlage und Zeitschriften-Herausgeber/-Herausgeberinnen, die sich für open access entscheiden, dass sie kein Geld für die Abwicklung von Abonnements oder für immer neue Versuche, Personen, die nicht abonniert haben, am Zugang zu hindern, benötigen.) Ein Teil der Deckung der verbleibenden, niedrigeren Kosten kann durch Förder- und Stiftungsgelder gesichert werden: Im Falle einiger Zeitschriften können Kosten dadurch gedeckt werden, dass die Universitäten, denen die Autoren oder Autorinnen zugehören bzw. die Institution, die die Forschungsarbeiten fördern, Gelder hierfür zur Verfügung stellen (im Falle von Autoren und Autorinnen, die nicht über derartige Quellen verfügen, sollte hierauf verzichtet werden). Dies kann z.B. als Verkauf elektronischer Reprints veranschlagt werden (wie von Thomas Walker ausgeführt) oder es können Kosten für die Verbreitung von Forschungsergebnissen als Teil der für Forschungsprojekte notwendigen Mittel deklariert werden (so praktiziert von BioMed Central). Im Laufe der Zeit werden viele Zeitschriften Wege finden, Subskriptions- und Lizenzgebühren durch solche Gebühren für die Herstellung und Verbreitung von Veröffentlichungen zu ersetzen und auf diese Weise wachsende Teile ihres Inhalts kostenfrei verfügbar machen. Für detaillierte Hinweise siehe auch unsere Antwort auf die Frage, wie neue open access-Zeitschriften gegründet werden können und die dort erwähnten Links.

Wo kann ich Fördermittel von dem OSI oder von anderen Institutionen, die die BOAI unterstützen, beantragen?

Wir bitten um ein wenig Geduld, da wir derzeit dabei sind, ein Verfahren zur Vergabe von Fördermitteln zu implementieren. Sie können jedoch bereits jetzt Ihren Namen und Ihre Email-Adresse an Melissa Hagemann (MHagemann@sorosny.org) schicken, und wir werden Kontakt zu Ihnen aufnehmen, sobald Anträge auf Förderung entgegengenommen werden.


Wirksamkeit und Konsequenzen

Was erwächst aus der Unterzeichnung der BOAI?

Die Unterzeichner und Unterzeichnerinnen verpflichten sich, das Anliegen der BOAI auf den unterschiedlichen Wegen zu unterstützen und voranzubringen, die ihnen als Einzelpersonen oder als Institutionen möglich sind. Insoweit ist unser Hauptgrund, um die Unterzeichnung des Initiativaufrufs der BOAI zu bitten, die Bemühung um Ihre Selbstverpflichtung zur Unterstützung und Teilhabe an der Realisierung des open access. Ein zweiter wichtiger Grund ist, dass die Personen, die die BOAI bereits unterzeichnet haben und die sicher schnell wachsende Zahl folgender Unterzeichner und Unterzeichnerinnen für uns alle Stärke und Ermutigung bedeutet. So mögen einzelne Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die unsere Vision teilen, sich wirkungslos fühlen, solange sie sich mit diesem Anliegen alleine glauben; die Liste der Unterzeichner und Unterzeichnerinnen soll jede einzelne und jeden einzelnen zum Handeln ermutigen, indem sie/er sich um das Self-Archiving von Zeitschriftenbeiträgen bemüht und/oder Veröffentlichungen bei Zeitschriften einreicht, deren Inhalte kostenfrei online zugänglich sind. Zeitschriften und Verlage werden wahrscheinlich versuchen, Veränderungen hinauszuschieben, solange sie annehmen, dass der Bedarf für open access gering ist – die Liste der Unterzeichner und Unterzeichnerinnen sollte die Entscheidung in Richtung des open access unterstützen und beschleunigen helfen.

Die lange öffentliche Liste an Unterstützern und Unterstützerinnen des Offenen Briefes der Public Library of Science (PLoS) hat allen Befürworterinnen und Befürwortern des open access zu dieser Art der Ermutigung verholfen. Und obwohl sich unsere Initiative von der der PloS unterscheidet, war die PLoS an der Formulierung des Initiativaufrufes der BOAI beteiligt und wir bitten deshalb all jene, die den Offenen Brief der PLoS unterstützt haben, auch unseren Initiativaufruf zu unterzeichnen.

Welche Konsequenzen sind aus den Bemühungen der BOAI zu erwarten?

Zunächst gehen wir davon aus, dass sehr viele Einzelpersonen und Institutionen unsere Initiative unterzeichnen werden. Wir gehen auch davon aus, dass diejenigen, die unterzeichnen, unsere gemeinsamen Ziele auf die Art und Weise, die für sie jeweils möglich und naheliegend ist, voranzubringen versuchen. Wir erwarten, dass eine wachsende Zahl an Universitäten institutionelle Archive für das Self-Archiving der dort Tätigen schaffen wird, und dass universitäre Politik vermehrt dahingehen betrieben werden wird, Fakultätsmitglieder zu ermutigen, ihre Preprints und ihre begutachteten Postprints in diesen Archiven frei zugänglich zu machen. Wir gehen davon aus, dass in allen Wissenschaftsfeldern neue Zeitschriften entstehen werden, die der Idee des open access verpflichtet sind. Wir vermuten auch, dass wir einen beachtlichen Geldbetrag zusammentragen werden, um die Expansion des Self-Archiving, die Gründung neuer open access-Zeitschriften und die Umwidmung traditioneller Zeitschriften in Zeitschriften ohne Zugangsbeschränkungen unterstützen und forcieren zu können. Wir erwarten, dass der Anteil der frei zugänglichen Literatur am Gesamt der durch Peers begutachteten wissenschaftlichen Literaturkontinuierlich wachsen wird. Wir erwarten, dass immer mehr jüngere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in die Universitäten kommen, für die open access selbstverständlich ist – sowohl was das Verfügbarmachen ihrer eigenen Arbeiten angeht als auch ihren Wunsch, die Arbeiten anderer kostenfrei für ihre Forschungen nutzen zu können. Wir hoffen auch, dass Steuerzahlerinnen und Steuerzahler die freie Zugänglichkeit aller Veröffentlichungen aus staatlich finanzierten Mitteln fordern werden. Und wir wünschen uns, dass die, die von diesen Forschungsarbeiten profitieren, zum Beispiel Patienten und Patientinnen, sich für den Wegfall unnötiger und künstlicher Grenzen einsetzen werden, damit die Erträge der Wissenschaft, die einzelne ohne Entgelt an Zeitschriften geben, für andere Forschende überall auf der Welt ebenfalls ohne Entgelt zugänglich sind.

Welchen Einfluss möchte die BOAI auf Fachzeitschriften ausüben, die ihre Inhalte nicht kostenfrei zugänglich machen?

Das Einzige, was diese Zeitschriften von der BOAI zu "fürchten" haben, ist Konkurrenz. Wir fördern keine Arten der Piraterie oder Enteignung von deren geistigem Eigentum. Wir fordern nicht, dass sie ihre Zugangspolitik ändern und bedrohen sie nicht mit Boykott oder anderen Sanktionen, wenn sie an ihrer bisherigen Praxis festhalten. Wir ermutigen sie allerdings, sich für open access zu entscheiden, und wir werden helfen, finanzielle Mittel zu finden, die den Übergang zum open access für diejenigen Zeitschriften erleichtern, die diesen Übergang vollziehen wollen. Und wir hoffen, dass Zeitschriften, die keinen freien Zugang gewähren, sich gegenüber denjenigen Autoren und Autorinnen kooperativ verhalten werden, die sich für das Self-Archiving ihrer Veröffentlichungen entscheiden. Wir werden auch bei der Gründung neuer open-access Zeitschriften helfen, die Wettbewerber für jene Zeitschriften sein werden, die sich gegen open access entscheiden. Unser Ziel ist es nicht, Verlage, die für ihren Gewinn arbeiten, vom Markt zu verdrängen, sondern wir wollen dafür Sorge tragen, dass so viele wissenschaftliche Zeitschriftenveröffentlichungen wie nur irgend möglich kostenfrei zugänglich sein werden. Wenn Verlage dieses Ziel unterstützen wollen, sind sie uns willkommen. Wenn sie es nicht wollen, werden wir ohne ihre Hilfe an der Verwirklichung dieses Ziels arbeiten.

Unsere Initiative ist konstruktiv, nicht destruktiv. Während wir zum einen die Gründung alternativer Zeitschriften unterstützen und fördern, und ebenso deren Bemühen, neue, kostendeckende Modelle zu probieren und weiterzuentwickeln, werden wir zum anderen dabei helfen, dass kostenfrei zugängliche Online-Archive eingerichtet werden. Beide Wege liegen in den Händen und obliegen der Entscheidungsfreiheit und den Handlungsmöglichkeiten der Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen selbst. Damit unsere Initiative erfolgreich ist, müssen keine Institutionen und keine Unternehmen ihre Politik ändern. Aber selbstverständlich sind alle willkommen, die uns bei der Realisierung unserer Vision unterstützen wollen.

Wird open access "guten Zwecken" schaden, die durch Einnahmen aus kostenpflichtigen Zeitschriften subventioniert werden?

Nein, und zwar in dem Sinne, dass Zeitschriften, die z.B. die Aktivitäten von Fachgesellschaften zu subventionieren helfen (oder andere herausgehobene Ziele verfolgen), nicht auf Einnahmen aus Subskriptionen verzichten müssen.

Ja, und zwar in dem Sinne, dass frei zugängliche Fachzeitschriften auf alle kostenpflichtigen Fachzeitschriften als Mitbewerber Druck ausüben werden.

Auch unabhängig von der BOAI nimmt der Druck auf Subventionierungen durch Zeitschriften zu. So zeigen etwa die Daten der Association of Research Libraries, dass die Bibliothekenbudgets mit den steigenden Kosten nicht mithalten können, so dass Bibliotheken gezwungen sind, Zeitschriften abzubestellen. Auch aus diesem Grunde ist es für viele Fachgesellschaften seit längerem klar, dass sie von eventuellen Subventionierungen aus Abonnements von Zeitschriften unabhängiger werden müssen.

Wir glauben, dass die Möglichkeiten, die mit dem Internet einhergehen, um den freien Zugang zu der gesamten wissenschaftlichen Zeitschriftenliteratur zu öffnen, genutzt werden sollten, selbst wenn Einkünfte von kostenpflichtigen Fachzeitschriften für "gute Zwecke" verwandt werden. Wenn ein so bedeutsames Gemeingut wie der Fundus des in Fachveröffentlichungen gesammelten weltweiten wissenschaftlichen Wissens für alle frei zugänglich gemacht werden kann, dann sollte dieser Zugang nicht beschnitten werden, um ein anderes Gut zu subventionieren. Wenn dieses andere Gut wirklich so bedeutsam ist, müssen zusätzliche Wege gefunden werden, es zu unterstützen.

Welchen Einfluss möchte die BOAI auf Bibliotheken ausüben, die alle Arten wissenschaftlicher Literatur beschaffen und pflegen wollen?

Wir rufen Bibliotheken nicht auf, die Anschaffung und Pflege kostenpflichtiger Literatur aufzugeben. Wir rufen sie nicht auf, ihre Politik im Umgang mit Zeitschriftenabonnements zu verändern, auch weil wir wissen, dass Kosten (neben anderen Kriterien wie Nutzung und Impact) bereits eine wesentliche Rolle in der Bibliothekspolitik spielen. Wir erwarten nicht, dass Bibliotheken nur auf der Grundlage eventueller Kosten zu Entscheidungen kommen bzw. dass diese Kosten in ihren Entscheidungen die einzige Rolle spielen. Und wir bitten die Bibliotheken schließlich auch nicht, irgendeine Art von Literatur oder bestimmte Verlage zu boykottieren.

Anliegen der BOAI ist eine ganz bestimmte Zugangsart zu einem ebenfalls klar definierten Teil wissenschaftlicher Literatur. Dieses konkrete Anliegen ist mit anderen Zugangsweisen zu anderen Arten von Literatur durchaus vereinbar. Und selbst für die Art von Literatur, um die wir uns bemühen, wird vieles (zumindest für einige Zeit) nicht auf die Weise verfügbar sein, die wir uns wünschen. Bibliotheken sollten ihren Nutzern und Nutzerinnen heute helfen, damit sie an die Literatur kommen, die sie für ihre Arbeit benötigen, und sie sollten sie zukünftig darin unterstützen, dass sie uns helfen, damit immer größere Anteile der wissenschaftlichen Zeitschriftenliteratur tatsächlich frei zugänglich werden. Neben der Hilfe für open access-Zeitschriften können sie ihre Nutzer und Nutzerinnen in allen Belangen des Self-Archiving unterstützen und institutionelle Archive aufbauen und unterhalten.

Welchen Einfluss möchte die BOAI auf Forschende, Lehrende und andere Nutzer und Nutzerinnen wissenschaftlichen Wissens ausüben, die gerne kostenpflichtige Literatur kaufen und benutzen wollen?

Unser Ziel ist es nicht, Forschende, Lehrende oder irgendjemanden sonst zu veranlassen, bestimmte Arten von Literatur oder bestimmte Verlage zu boykottieren. Wenn die Literatur, die sie für ihre Forschungsarbeit, für ihre Kurse oder für ihr eigenes Vergnügen benötigen, online nicht frei zugänglich ist, sollen sie sie kaufen oder ausleihen, was ihnen wichtig ist. Worum es uns geht, ist, dass sie diese Initiative unterstützen, indem sie ihre eigenen Arbeiten kostenfrei online zugänglich machen. Worum es uns nicht geht ist, dass sie ihrer Forschung oder ihren Kursen usw. schaden, indem sie frei zugängliche Literatur nutzen, die möglicherweise für ihre Bedürfnisse unzureichend ist.

Welchen Einfluss möchte die BOAI auf Initiativen ausüben, die sich darum bemühen, wissenschaftliche Literatur preiswerter als bisher statt frei zugänglich zu machen?

Wir hoffen, dass die Initiativen erfolgreich sind, weil dies dazu verhelfen wird, dass wissenschaftliche Literatur besser zugänglich sein wird, als dies heute der Fall ist. Dennoch ist und bleibt unser Hauptanliegen für die Art von Literatur, der unsere besondere Aufmerksamkeit gilt, nämlich Zeitschriftenbeiträge jeglicher disziplinärer Herkunft, die das Peer Review durchlaufen haben (bzw. durchlaufen sollen), dass genau diese Literatur für Leserinnen und Leser kostenfrei zugänglich sein kann und sollte. Alle Initiativen, die sich um kostengünstigere Literatur bemühen und von unserem Anliegen überzeugt sind, sind herzlich eingeladen, an der BOAI teilzuhaben. Wenn sie dies (noch) nicht wollen, wünschen wir ihnen jeden denkbaren Erfolg für ihr Bemühen um eine breitere Zugänglichkeit von Forschungsliteratur.


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