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FQS-Newsletter September 2003 Liebe Leserinnen und Leser, wir freuen uns sehr, Ihnen mitteilen zu können, dass FQS 4(3) "Doing Biographical Research" erschienen ist. Das Inhaltsverzeichnis und Zugangsmöglichkeiten zu den Volltexten finden Sie unter http://www.qualitative-research.net/fqs/fqs-d/inhalt3-03-d.htm. Mit "Doing Biographical Research" sind in FQS zwischen Januar 2000 und heute in insgesamt 13 Schwerpunktausgaben knapp 450 Artikel veröffentlicht worden; einige kurze Anmerkungen hierzu: Ausgangspunkt für "Doing Biographical Research" war ein Interview mit Hülya, einer türkischen Arbeitsmigrantin, das 1986 im Rahmen eines von Christa Hoffmann-Riem geleiteten Projekts an der Universität Hamburg durchgeführt wurde. Gerhard Riemann, Herausgeber von FQS 4(3) und Bruder der 1990 verstorbenen Christa Hoffmann-Riem, hat den Schwerpunkt unter die Überschrift "A Joint Project Against the Backdrop of a Research Tradition" gestellt. Gemeint ist eine Forschungstradition "connected with Fritz Schütze, which initially led to the development of this type of interview – the narrative interview. Although today this type of interview is widely used it seems necessary to remind people of its history in order to avoid an undue and narrow focus on 'method' or 'technique'." Gerhard Riemann hat für die dieser Tradition verpflichtete Bemühung des "understanding the 'other'" auch einen "anderen" Weg zu gehen versucht: Entgegen dem "regular format of conference sessions" initiierte er im Rahmen des 14. Weltkongresses für Soziologie, der 1998 in Montreal stattgefunden hat, einen Forschungsworkshop in der Intention, dass "what is actually occurring in biographical research should become visible and should thereby become a matter of open discussion and self-reflection". Die Veröffentlichung des Originalinterviews mit Hülya und von Beiträgen, in denen sich Wissenschaftler(innen) unterschiedlicher disziplinärer und nationaler Herkunft um das Verstehen von Hülya's Biographie und um das Transparentmachen der je eigenen qualitativen Deutungspraxis bemühen, ist zugleich eine Einladung: "Importantly", so Robert Faux, ein amerikanischer Kollege, der die Arbeit an diesem Schwerpunkt begleitet hat, "the work presented in this issue continues as scholars from around the world are invited to offer their insights to Huelya's interview in future issues of FQS". Dass die unmittelbar dem Schwerpunktthema zugehörigen Beiträge allesamt in englischer Sprache verfügbar sind, lässt dieses "Joint Project Against the Backdrop of a Research Tradition" zugleich ein "Joint Project Against the Backdrop of a German Research Tradition" werden: Vor einiger Zeit hat ein amerikanischer Verleger mir geschrieben, es gäbe "a distinct bias in North America against qualitative work coming from Europe. Americans would much rather read their own authors and tend to ignore good things coming out of Germany, England, Sweden, etc. and that would be another barrier to overcome." Ich habe ihm geantwortet: "They should get their chance to overcome their biases, and as I know from the subscribers of FQS some of them already did." "Doing Biographical Research" und seine Veröffentlichung in FQS dürfte ein nächster Schritt auch auf diesem Weg sein: FQS als – an der Freien Universität Berlin angesiedelte und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte – mehrsprachige Zeitschrift wäre undenkbar ohne die vielen Kolleg(inn)en überall auf der Welt, die das Projekt "Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research / Foro: Investigación Social Cualitativa" durch ihr Interesse und ihre Arbeit mitragen und die mit dazu verholfen haben, dass einige 1999 noch zutreffende Diagnosen heute bereits veraltet wirken, denn Wissen um und Austausch zwischen unterschiedlichen Disziplinen und Kulturen ist ein Teil unseres Alltags geworden. Dies wiederum brauchte ein Medium – das Internet – und dessen kreative und offensive Nutzung für die Fachdiskussion und für den nationalen und internationalen Dialog und Austausch zwischen Wissenschaftler(inne)n. Und es brauchte eine Philosophie, ein weiteres "Joint Project", das derzeit immer mehr an Kontur gewinnt: Initiativen wie die Budapest Open Access Initiative (http://www.soros.org/openaccess/) oder die Public Library of Science (http://www.publiclibraryofscience.org/) stehen mit dem Insistieren auf der Möglichkeit der Verbindung von hochwertigen und kostenfrei zugänglichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen einerseits mit den Potenzialen des Internet andererseits gegen das Gespenst elektronischer "junk science": weil nur begutachtete Beiträge veröffentlicht werden, weil dieser Informationsweg schnellere und aktuellere Ergebnisse hervorbringt als traditionelles Printpublizieren, weil er letzterem in seiner Reichweite und mit seinen Möglichkeiten der Durchdringung und Vernetzung nationaler und internationaler Diskursfelder überlegen ist. Und es ist möglicherweise ein interessantes Zeichen für die qualitative Sozialforschung, dass FQS sowohl gegen die vergleichsweise geringe Teilhabe deutscher Forschungseinrichtungen in dieser Bewegung des "Open Access" steht als auch für die Perspektiven, die eröffnet werden, wenn so viele Wissenschaftler(innen) gemeinsam an einem Projekt arbeiten bzw. es nutzen können. "It is hoped that the contributions to this issue will reveal to readers what insights and understanding can be gained from other cultures, academic and others", so Robert Faux am Ende seiner "Reflections". Dies gilt für den Schwerpunkt "Doing Biographical Research", und es gilt für die anderen Artikel, die in FQS 4(3) veröffentlicht werden: es geht um Modernisierung und Wandel, um die Kulturwissenschaften und ihre Auseinandersetzung mit aktuellen Entwicklungen der Arbeitswelt, um mediatisierte Paarkommunikation, um das Lernmedium Computer, um Problemlösefähigkeiten in der Anästhesie, um HIV/AIDS und visuelle Körperbilder, um fremdenfeindliche Gewalttäter und hermeneutische Polizeiforschung, um die Dialektik von Ethnographie und um die Rekonstruktion narrativer Identität, um nur einige Stichworte zu den Beiträgen zu nennen, die als Einzelbeiträge oder in den Rubriken FQS Reviews und FQS Tagungen ebenfalls Teil von FQS 4(3) sind. Ein ausführliches Inhaltsverzeichnis finden Sie im Folgenden, und wir wünschen Ihnen wie immer eine anregende Lektüre! Katja Mruck FQS 4(3) DOING BIOGRAPHICAL RESEARCH Gerhard Riemann (Deutschland): Ein gemeinsames Projekt vor dem Hintergrund einer Forschungstradition: Eine Einführung in "Doing
Biographical Research" Rita Franceschini (Deutschland): Unfokussierter Spracherwerb? Die Darstellung von Spracherwerbssituationen in einer biographischen
Erzählung Neval Gültekin, Lena Inowlocki & Helma Lutz (Deutschland): (Unter-)Suchen und (Be-)Fragen: Zur Interpretation eines biographischen
Interviews mit einer türkischen Arbeitsmigrantin in Deutschland Kaja Kazmierska (Polen): Migrationserfahrungen und Identitätsveränderungen. Die Analyse einer Erzählung Setsuo Mizuno (Japan): Transformative Erfahrungen einer Türkin in Deutschland: ein fallvermittelter Ansatz zur Analyse eines
autobiographisch-narrativen Interviews Fritz Schütze (Deutschland): Hülyas Migration nach Deutschland als Selbstopferung aus Liebe zu ihren Eltern und ihr späterer
biographischer Individualisierungsprozess. Biographische Probleme und biographische Arbeit der Marginalisierung und Individualisierung
einer jungen türkischen Frau in Deutschland Bärbel Treichel & Birgit Schwelling (Deutschland): Ausgedehnte Prozesse biographischen Erleidens und der andeutende Ausdruck
von Enttäuschung in der autobiographischen Erzählung einer Arbeitsmigrantin in Deutschland Robert Faux (USA): Reflections: Doing Biographical Research Einzelbeiträge Linda Andersen (Dänemark): Wenn das Unbewusste ins Spiel kommt: Eine psychoanalytische Lesart von Modernisierung und Wandel
Cornelius Bürschaper, Holger Harms, Gesine Hofinger & Marcus Rall (Deutschland): Problemlösefähigkeiten in der Anästhesie
Nicola Döring & Christine Dietmar (Deutschland): Mediatisierte Paarkommunikation: Ansätze zur theoretischen Modellierung und
erste qualitative Befunde Odis E. Simmons & Toni A. Gregory (USA): Grounded Action: Strategien für optimierten und nachhaltigen Wandel Brigitte Smit (Südafrika): Was kann qualitative Forschung zur Implementation von Erziehungsprogrammen beitragen? Evidenzen
und Argumente aus der Perspektive eines Entwicklungs- und Übergangslandes Nelson Varas-Díaz & Jose Toro-Alfonso (Puerto Rico): Stigma-Inkarnation: HIV/AIDS und visuelle Körperbilder Holger von der Lippe & Urs Fuhrer (Deutschland): Erkundungen zum männlichen Kinderwunsch. Ergebnisse einer psychologischen
Interviewstudie mit 30-jährigen ostdeutschen Männern zur Familiengründung Harald Weilnböck (Deutschland): Leila: Dissoziative (Medien-) Interaktion und Lebensweg einer jungen Erwachsenen. Eine (medien-)
biografische und psychotraumatologische Fallstudie FQS Reviews Thorsten Berndt (Deutschland): "Auf den Leib gekommen." Fortschritte in der phänomenologisch-soziologisch fundierten Identitätstheorie.
Review Essay: Robert Gugutzer (2002). Leib, Körper und Identität. Eine phänomenologisch-soziologische Untersuchung zur personalen
Identität Rainer Diaz-Bone (Deutschland): Entwicklungen im Feld der foucaultschen Diskursanalyse. Sammelbesprechung: Glyn Williams (1999).
French Discourse Analysis. The Method of Post-structuralism; Johannes Angermüller, Katharina Bunzmann & Martin Nonhoff (Hrsg.)
(2001). Diskursanalyse. Theorien, Methoden, Anwendungen; Reiner Keller, Andreas Hirseland, Werner Schneider & Willy Viehöfer
(Hrsg.) (2001). Handbuch Sozialwissenschaftliche Diskursanalyse. Band 1: Theorien und Methoden; Patrick Charaudeau & Dominique
Maingueneau (Hrsg.) (2002). Dictionaire d'analyse du discours; Reiner Keller (2003). Diskursforschung. Eine Einführung für
SozialwissenschaftlerInnen Mary Gergen (USA): Review Note: Ross Gray & Christina Sinding (2002). Standing Ovation: Performing Social Science Research
about Cancer Dagmar Hoffmann & Markus Wiemker (Deutschland): Review Note: Rainer Winter & Lothar Mikos (Hrsg.) (2001). Die Fabrikation
des Populären. Der John-Fiske-Reader; Udo Göttlich, Lothar Mikos & Rainer Winter (Hrsg.) (2001). Die Werkzeugkiste der Cultural
Studies. Perspektiven, Anschlüsse und Interventionen Andreas Klärner (Deutschland): Review Note: Wolfgang Frindte & Jörg Neumann (Hrsg.) (2002). Fremdenfeindliche Gewalttäter.
Biografien und Tatverläufe Anja Mensching (Deutschland): Überzeugende Zweifel statt zweifelhafte Überzeugungen – ein verstehender Blick auf die Hermeneutische
Polizeiforschung. Review Essay: Jo Reichertz & Norbert Schröer (Hrsg.) (2003). Hermeneutische Polizeiforschung Klaus Niedermair (Austria): Review Note: Christina Schachtner (2002). Entdecken und Erfinden. Lernmedium Computer Matthias Otten (Deutschland): Review Note: Helga Kotthoff (Hrsg.) (2002). Kultur(en) im Gespräch Wolff-Michael Roth (Canada): "Wenn jemand mit irgendetwas jeden Tag verbringt, muss er was lernen – oder er ist ganz neben
der Kappe": Die Dialektik von Ethnographie als eine Seinsart. Review Essay: Harry F. Wolcott (1999). Ethnography: A Way of
Seeing Meike Schwabe (Deutschland): Review Note: Gabriele Lucius-Höhne & Arnulf Deppermann (2002). Rekonstruktion narrativer Identität.
Ein Arbeitsbuch zur Analyse narrativer Interviews Dirk vom Lehn (UK): Review Note: Michaela Goll (2002). Arbeiten im Netz. Kommunikationsstrukturen, Arbeitsabläufe, Wissensmanagement
Tilmann Walter (Deutschland): Review Note: Karin Flaake (2001). Körper, Sexualität und Geschlecht. Studien zur Adoleszenz
junger Frauen FQS Tagungen Lars Allolio-Näcke (Deutschland): Den Alltag unter die Lupe genommen. Tagungsbericht: Alltag im Aufbruch. Ein psychologisches
Profil der Gegenwartskultur Manfred Seifert (Deutschland): Perspektiven – Positionierungen – Methoden. Die Kulturwissenschaften und ihre Auseinandersetzung
mit aktuellen Entwicklungen der Arbeitswelt. Tagungsbericht: Neue Medien und Arbeitswelt. Translokale Arbeits- und Organisationsformen
als Herausforderung für die ethnographische Praxis Letzte Änderung: 30.07.2007 Volume 9, No. 1 Inhaltsverzeichnis [qualitative-research.net]
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