Volume 1, No. 2, Art. 34 – Juni 2000

Geschichte als Erinnerung

Nina Leonhard

Review Essay:

Elisabeth Domansky & Harald Welzer (Hrsg.) (1999). Eine offene Geschichte. Zur kommunikativen Tradierung der nationalsozialistischen Vergangenheit (Studien zum Nationalsozialismus in der edition diskord, Bd.4.). Tübingen: Edition diskord, DM 28.- / sFr 28.- / öS 204.-, ISBN 3-89295-672-3

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Inhalt und Aufbau des Buches

3. Zur Untersuchung der Schnittstellen zwischen individueller und sozialer Erinnerung

4. Zur Bedeutung des Begriffs der Tradierung von Geschichte

5. Fazit

Anmerkungen

Literatur

Zur Autorin

Zitation

 

1. Einleitung

Das Thema "Erinnerung und Geschichte" hat – wie auch die beiden Herausgeber Elisabeth DOMANSKY und Harald WELZER zu Beginn des Buches anmerken – schon seit einiger Zeit Hochkonjunktur. Der vorliegende Band selbst zeugt nun ein weiteres Mal davon. Erklärungsansätze für diesen "Erinnerungs- und Geschichtsboom" (S.9) werden in der Einführung allerdings nur kurz gestreift. In diesem Buch stehen nicht die Ursachen der aktuellen Präsenz des Vergangenem im Mittelpunkt (vgl. z.B. JOHNSTON 1991), sondern vielmehr die unterschiedlichen Manifestationen der alltäglichen "Gegenwart von Vergangenem" (AUGUSTINUS) und ihre Folgen für die individuelle bzw. kollektiv geteilte Sicht auf die Vergangenheit. Ziel des Bandes ist es, die "komplexen Prozesse, in denen sich individuelles und soziales Gedächtnis wechselseitig konstituieren" (S.23), von verschiedenen Seiten zu beleuchten. Aus politischer, kultureller und wissenschaftlicher Perspektive sind Fragen von Erinnerung und Vergessen, von Geschichte und Gedächtnis bereits auf vielfache Weise behandelt worden, wobei jedoch in der Regel entweder nur die politisch-gesellschaftliche Ebene oder allein der individuelle Bereich betrachtet wurden. Zu Recht weisen die Herausgeber daher darauf hin, dass die Schnittstellen zwischen offiziell-öffentlicher Erinnerungspraxis und individueller Erinnerung, die hier nun im Vordergrund stehen sollen, bislang noch kaum genauer untersucht worden sind. [1]

Ausschlaggebend für die Wahl des Nationalsozialismus als zentralen Bezugspunkt der Untersuchung für Deutschland ist für die hier versammelten Autoren dabei die faktische Präsenz der NS-Vergangenheit im öffentlichen und privaten Bereich. Normative bzw. moralische Gesichtspunkte wie etwa die Frage nach dem ("richtigen") Umgang mit dem Nationalsozialismus und der "Schuldfrage" (z.B. BRENDLER & REXILIUS 1991, GIORDANO 1987, SCHWAN 1997) spielen somit keine Rolle. Im Mittelpunkt steht die Vermittlung von Geschichte, die – so DOMANSKY und WELZER – "fester Bestandteil von Alltagspraxen ist, in denen ganz unterschiedliche Institutionen, Medien und Individuen sich gemeinsam darüber verständigen, was zur Geschichte bzw. zu 'ihrer' Geschichte gehört" (S.8). Nach einer kurzen Präsentation von Inhalt und Aufbau des Buches möchte ich deshalb im Folgenden einige Anmerkungen zur Behandlung der "Schnittstellen" zwischen individueller und kollektiver Erinnerung und zur Verwendung des Begriffs der Tradierung in den einzelnen Aufsätzen machen. [2]

2. Inhalt und Aufbau des Buches

Das Buch ist aus einem Workshop zum Thema "Kommunikative Tradierung von Geschichte: Das Beispiel des Nationalsozialismus" hervorgegangen. Anders als es bei Tagungsbänden gelegentlich der Fall ist, gibt es hier zwischen den Beiträgen keine gravierenden Qualitätsunterschiede. Mehrheitlich handelt es sich um Teile bereits veröffentlichter oder zum damaligen Zeitpunkt noch nicht abgeschlossener größerer Untersuchungen der jeweiligen Autoren, die in der Regel gut für sich selbst stehen können.1) Auch der einleitende Artikel ist eine gekürzte und entsprechend modifizierte Form eines Aufsatzes von Harald WELZER aus dem Jahr 1998. [3]

In den ersten fünf Artikeln werden jeweils eine bestimmte Generation bzw. bestimmte Generationenverhältnisse in ihrem Bezug zur NS-Vergangenheit behandelt. So stehen etwa für Michael KOHLSTRUCK die Angehörigen der dritten Generation, also die Enkel der Zeitzeugen, im Mittelpunkt. Wie KOHLSTRUCK zeigt, kann der Vergangenheitsbezug eine wichtige Rolle für die persönliche Emanzipation von Elternhaus und Herkunftsmilieu spielen; von Bedeutung für die Entwicklung der individuellen Sichtweise sind dabei dominante Geschichtsmedien wie Filme oder im Schulunterricht verwendete Bücher, vor allem jedoch die Konfrontation mit widersprüchlichen Deutungen. [4]

Die Aufsätze im zweiten Teil des Bandes beschäftigen sich mit der Deutung der Vergangenheit in unterschiedlichen Medien im zeitlichen Verlauf. Judith KEILBACH zeichnet zum Beispiel die Entwicklung der Darstellung von Nationalsozialismus und Holocaust im US-amerikanischen und bundesdeutschen Fernsehen seit 1945 nach. Sie weist nach, dass die Behandlung dieser Thematik im Fernsehen nicht nur durch die aktuellen gesellschaftlichen und politischen Konstellationen geprägt ist, sondern auch von der Entwicklung der technischen Möglichkeiten sowie insbesondere durch den Wandel der Ansprüche, die das "Wesen" des Fernsehens definieren. [5]

Aus verschiedenen Blickwinkeln werden somit interessante Einsichten hinsichtlich der Art und Weise präsentiert, in der die NS-Zeit im privat-familialen Bereich einerseits und andererseits im öffentlichen Raum – jenseits der offiziell-politischen Verlautbarungen (vgl. etwa KIRSCH 1999 für den 8. Mai; DOMANSKY 1992 und REICHEL 1995 für den 9. November) – thematisiert wird. Die Beiträge zur Rolle der Medien liefern dabei neue Informationen zur Entwicklung der "Geschichtserinnerung" (MEIER) seit 1945 und bestätigen die bislang vorgenommene Phaseneinteilung der offiziell-öffentlichen Vergangenheitsinterpretation (DANYEL 1995, KOCKA & SABROW 1994, MEIER 1990, REICHEL 1995, WÖLL 1997). [6]

Insgesamt wird durch die unterschiedlichen Aufsätze verdeutlicht, dass es sich bei der Interpretation des Nationalsozialismus – wie im Buchtitel angekündigt – tatsächlich um eine "offene Geschichte" handelt: Diese umfasst unzählige Elemente, die stets von neuem zusammengesetzt werden und somit ein Bild formen, das sich ständig wandelt. Der Charakter von "Geschichte" als ein Ergebnis des "Prozesses der permanenten Refiguration" (S.13) von Deutungen, in dem sich Erinnerung (und Vergessen) konstituiert, wird anschaulich illustriert. Letztlich verschwindet mit dieser soziologisch-psychologisch fundierten Betrachtungsweise von "Geschichte" die Unterscheidung zwischen Erinnerung und Geschichte: Geschichte, bestehend aus vielen verschiedenen Geschichten, wird zu einer Form von Erinnerung. Historikern mag eine solche konstruktivistische Perspektive nicht unproblematisch erscheinen, bleibt hier doch kaum noch Raum für "wissenschaftlich belegte Fakten" und "historische Tatsachen".2) [7]

Und doch soll dieses Buch nicht nur ein (weiterer) Band über Erinnerung an den Nationalsozialismus sein, sondern speziell Einblicke in die Verschränkung öffentlicher und privater Vergangenheitsinterpretation geben. Auch bei diesem Sammelband stellt sich also die Frage, inwiefern die einzelnen Beiträge in ihrer Gesamtheit eine Einheit bilden. [8]

3. Zur Untersuchung der Schnittstellen zwischen individueller und sozialer Erinnerung

Die Schnittstellen zwischen sozialer und individueller Vergangenheitsdeutung, die eigentlich der gemeinsame Fokus der Einzelbeiträge darstellen sollen, werden im Prinzip nur im Rahmen des ersten Teils der Beiträge analysiert. Diese stützen sich alle – wenn auch nicht ausschließlich – auf Interviews und können auf diese Weise die individuelle Sichtweise einbeziehen. Sehr deutlich zeigt sich das beispielsweise bei Alexander von PLATO, der sich in seinem Aufsatz mit den Gründen für die Konkurrenz zwischen den Verfolgten des NS-Regimes und der sowjetischen Besatzungsmacht in Ost- und Westdeutschland beschäftigt. Er legt dabei dar, wie die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die sich in den beiden deutschen Staaten gegenläufig entwickelten, das Reden über die Vergangenheit befördert bzw. behindert und so auch die individuelle Erinnerung der Betroffenen beeinflusst haben. [9]

Bei den Untersuchungen zur Art der Behandlung des Nationalsozialismus in den Medien bleibt die individuelle Ebene hingegen ausgeblendet – sofern man nicht die Medien per se als eine solche Schnittstelle auffasst, bei der dann zwischen "Sender, "Mitteilung" und "Empfänger", um hier auf ein einfaches Kommunikationsschema zurückzugreifen, nicht mehr differenziert werden kann bzw. muss. Unbestreitbar ist, dass die Frage, was "nachgefragt" und vor allem wie das "Angebot" empfangen wird, nur schwer – etwa über Einschaltquoten (KEILBACH) oder Zuhörerzahlen und Umfragen (MARSSOLEK)3) – zu untersuchen ist. Ebenso gilt es einzuräumen, dass wiederum im ersten Teil des Buches der soziale bzw. kollektive "Input" mitunter deutlich schwächer beleuchtet wird als die Empfängerseite. Die Schwierigkeit, die Art und Struktur der Verschränkung zwischen kollektiver und individueller Ebene empirisch zu analysieren, tritt hier deutlich hervor. Solche Probleme, wie auch methodische Fragen allgemein, werden allerdings von den Herausgebern oder den einzelnen Autoren so gut wie gar nicht thematisiert. [10]

Insgesamt lässt sich also festhalten, dass alle Seiten des genannten Kommunikationsmodells betrachtet werden, wenngleich auch nur von einem Teil der Aufsätze in ihrem gemeinsamen Verhältnis zueinander. Dies ist schließlich nicht zuletzt im Hinblick auf das Verständnis von "Tradierung von Geschichte" – so der Untertitel des Buches – von Relevanz. [11]

4. Zur Bedeutung des Begriffs der Tradierung von Geschichte

In der Einführung zu Beginn wird darauf hingewiesen, dass in der öffentlichen wie geisteswissenschaftlichen Diskussion häufig mit "unscharfen Begriffen von 'Erinnerung', 'Gedächtnis', 'Gedenken', 'historischem Wissen', 'Geschichtsbewusstsein' und auch 'Tradierung' gearbeitet" (S.11) wird. Die Herausgeber legen daraufhin eigene Definitionen vor. Dabei werden insbesondere die wichtigsten Aspekte von Erinnerung – des am besten und ausführlichsten behandelten Begriffs – zugleich sehr präzise und nuanciert zusammengefasst. Eine genaue Bestimmung von "Gedächtnis" (in Abgrenzung zur Erinnerung) und – was noch bedeutender ist – von "Tradierung" erfolgt jedoch nicht. [12]

Anstelle von Tradierung wird häufig von Über- oder Vermittlung, gelegentlich auch von Weitergabe von Geschichte gesprochen. Unklar bleibt dabei, ob Vermittlung und Weitergabe tatsächlich Synonyme für Tradierung sind oder Teile eines Prozesses bezeichnen, der Tradierung genannt wird. Bezieht sich der Ausdruck "Tradierung von Geschichte" also nur auf das Zusammenspiel verschiedener Ebenen (etwa von "Sender", "Mitteilung" und "Empfänger" und deren Schnittstellen) oder beschäftigen sich auch Untersuchungen einzelner Teilbereiche bereits mit der Tradierung von Geschichte? [13]

Von den einzelnen Autoren wird dies zumindest unterschiedlich gehandhabt: Sabine MOLLER und Karoline TSCHUGGNALL bezeichnen in ihrem Aufsatz Tradierung als ein "interaktives Geschehen" (S.59), also als das Zusammenspiel verschiedener Akteure (oder auch Ebenen). In ihrer Untersuchung des Familiengedächtnisses gehen die beiden Autorinnen daher nicht nur auf die Gesprächssituation und die Rolle der einzelnen, am Gespräch beteiligten Familienmitglieder (des Großvaters als Erzähler sowie der Großmutter, der Tochter und der Enkelin als seine Zuhörer) ein. Sie berücksichtigen auch die tradierte Geschichte aus Sicht des Erzählers und der Zuhörer, d.h. die Art und Weise, wie diese ihrerseits das Erzählte weitersagen. [14]

Auch Dorothee WIERLING spricht bei ihrer Untersuchung der Rolle von Nationalsozialismus und Kriegszeit für die erste Nachkriegsgeneration der DDR von Tradierung. Wie sie an einer Stelle jedoch erklärt, übernehme sie diesen Ausdruck nur ungern. Eigentlich ziehe sie es vor, von "Überlieferung" zu sprechen, da sich ihre Ansicht nach dieser Begriff stärker darauf beziehe, "was weitergegeben" wird "aber weniger definier[e], wie das Weitergegebene angenommen und verändert wird" (S.37, Fußnote 5). Was in diesem Aufsatz also als Tradierung der NS- und Kriegs-Vorgeschichte bezeichnet wird, sind diejenigen familialen oder offiziellen Vergangenheitsdeutungen, welche die Angehörigen der ersten DDR-Nachkriegsgeneration in dieser Form – also ohne die Interpretation zu verändern – in ihr eigenes Leben integriert haben. [15]

Klaus NAUMANN schließlich verwendet den Begriff der Tradierung für seine Analyse von Pressetexten aus dem "Gedenkjahr" 1995 gar nicht. Ähnlich wie KEILBACH für das Fernsehen und MARSSOLEK für den Hörfunk betrachtet NAUMANN die Printmedien als Spiegel kollektiv geteilter "Wahrnehmungsmuster und Deutungsperspektiven" (S.176). – Über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten dieser drei verschiedenen Medien wird leider kein Wort verloren. Die drei Autoren ziehen untereinander keinerlei Verbindungen, was vor allem deshalb etwas schade ist, da jeweils alle auf die gleichen Eigenschaften der Medien hinweisen. – Die Medien als "Bote und Botschaft" (NAUMANN, S.178) bzw. "Konstrukteure und Transporteure" (MARSSOLEK, S.146) nennen bestimmte Ereignisse und verschweigen andere. Sie bringen Vergangenheitsinterpretationen zum Ausdruck und schreiben sie auf diese Weise fort. Dies könnte dann ebenfalls als "Tradierung" von Geschichte bezeichnet werden. [16]

5. Fazit

Ein aus einem Kolloquium hervorgegangener Sammelband ist keine Veröffentlichung von Beiträgen aus einem gemeinsamen Forschungsprojekt. Die Herausgeber sprechen selbst an einer Stelle von "Überlegungen zu einer Theorie der kommunikativen Tradierung von Geschichte" (S.8), die hier vorgelegt werden sollen. Daher ist die unterschiedliche Anwendung des Begriffs der Tradierung bzw. eine weitgehend fehlende, übergreifende Positionierung der einzelnen Untersuchungen zu dieser Problematik sicherlich nicht überzubewerten. Durch eine solche Positionierung würden freilich die Qualität und Originalität, die im Konzept der Tradierung enthalten sind bzw. sein könnten (vgl. auch WELZER 1998 und WELZER, MONTAU & PLASS 1997), noch deutlicher hervortreten. [17]

Ende diesen Jahres soll der Abschlussbericht einer von der Volkswagen-Stiftung geförderten Studie unter Leitung von Harald WELZER zum Thema "Tradierung von Geschichtsbewusstsein", aus der übrigens auch der in diesem Band enthaltene Beitrag von MOLLER und TSCHUGGNALL zum Familiengedächtnis hervorgegangen ist, vorliegen. Offene theoretische sowie methodische Fragen speziell zu dieser Problematik, die ich hier zum Teil kurz angeschnitten habe, werden vielleicht dann geklärt werden. [18]

In jedem Fall können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich für die Rolle der Medien innerhalb der öffentlichen Vergangenheitsdeutung interessieren, in diesem Band eine Reihe von Anregungen für eigene Fragestellungen erhalten. Dies gilt ebenso für diejenigen, die selbst qualitativ empirisch arbeiten und sich mit Generationsfragen oder der Haltung insbesondere jüngerer Generationen zur NS-Vergangenheit beschäftigen: z.B. im Hinblick auf die Art und Weise, wie über den Vergleich von verschiedenen Mitgliedern einer Generation hinaus das gesellschaftliche Umfeld in seiner Bedeutung für den einzelnen berücksichtigt werden kann, oder wie sich das individuelle Verhältnis zur NS-Vergangenheit vorwiegend analytisch untersuchen lässt – ohne vorschnellen Rückgriff auf psychoanalytische Konzepte und unabhängig von moralisierenden Beurteilungen, wie es insbesondere beim Thema NS-Vergangenheit nicht selten der Fall ist. [19]

Wahrscheinlich besteht der Vorteil diese Buches also gerade darin, die vielen verschiedenen Ebenen, die die individuelle und kollektive Erinnerung an den Nationalsozialismus umfasst, anzudeuten – auch wenn die Gesamtkonzeption des Bandes deshalb nicht ganz so einheitlich ist. [20]

Anmerkungen

1) Allein der Beitrag von Heinz BUDE über den Zusammenhang von Kriegskindheit und Jugendrevolte bei der achtundsechziger Generation als Basis eines gemeinsamen "Wir-Gefühls" – der bei weitem kürzeste Aufsatz des ganzen Buches – ist so knapp gehalten, dass es ohne Kenntnis der zu Grunde liegenden ausführlicheren Studie (BUDE 1997) unter Umständen nicht ganz einfach ist, die vom Autor gezogenen Schlussfolgerungen nachzuvollziehen. <zurück>

2) Allerdings wird auch in der neueren Geschichtsschreibung Geschichte nicht mehr als Abbild der vergangenen Ereignisse sondern als Konstruktion des Vergangenen betrachtet. Lutz NIETHAMMER (1993) beispielsweise versteht Geschichte sogar als Gedächtnis, was der von den Herausgebern dieses Buches skizzierten Konzeption sehr nahe kommt. <zurück>

3) Inge MARSSOLEK beschäftigt sich in ihrem Beitrag mit der Rolle des Hörfunks im Hinblick auf die Geschichtsinterpretation in der Nachkriegszeit sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland. <zurück>

Literatur

Augustinus (1955). Bekenntnisse. Berlin-Darmstadt-Wien: Deutsche Buchgemeinschaft.

Brendler, Konrad & Rexilius, Günter (Hrsg.) (1991). Drei Generationen im Schatten der NS-Vergangenheit. Wuppertal: Bergische Universität-Gesamthochschule Wuppertal.

Bude, Heinz (1997). Das Altern einer Generation. Die Jahrgänge 1938 bis 1948. Frankfurt/M: Suhrkamp.

Danyel, Jürgen (Hrsg.) (1995). Die geteilte Vergangenheit. Zum Umgang mit Nationalsozialismus und Widerstand in beiden deutschen Staaten. Berlin: Akademie Verlag.

Domansky, Elisabeth (1992). "Kristallnacht", the Holocaust and German Unity: The meaning of the November as an anniversary in Germany. History & Memory, 1, 60-94.

Giordano, Ralph (1987). Die zweite Schuld oder Von der Last, Deutscher zu sein. Hamburg: Rasch und Röhrig Verlag.

Johnston, William M. (1991). The cult of anniversaries in Europe and the United States today. New Brunswick (New Jersey): Transaction Publishers.

Kirsch, Jan-Holger (1999). "Wir haben aus der Geschichte gelernt". Der 8. Mai als politische Gedenktag in Deutschland. Köln-Weimar-Wien: Böhlau.

Kocka, Jürgen & Sabrow, Martin (Hrsg.) (1994). Die DDR als Geschichte. Fragen – Hypothesen – Perspektiven. Berlin: Akademie Verlag.

Meier, Christian (1990). Vierzig Jahre nach Auschwitz. Deutsche Geschichtserinnerung heute. München: C.H. Beck.

Niethammer, Lutz (1993). Die postmoderne Herausforderung. Geschichte als Gedächtnis im Zeitalter der Wissenschaft. In Wolfgang Küttler, Jörn Rüsen & Ernst Schulin (Hrsg.), Geschichtsdikurs. Band I: Grundlagen und Methoden der Historiographiegeschichte (S.31-49). Frankfurt/M: Fischer.

Reichel, Peter (1995). Politik mit der Erinnerung. Gedächtnisorte im Streit um die nationalsozialistische Vergangenheit. München-Wien: Carl Hanser.

Schwan, Gesine (1997). Politik und Schuld. Die zerstörerische Macht des Schweigens. Frankfurt/M: Fischer.

Welzer, Harald (1998). Erinnern und weitergeben. Überlegungen zur kommunikativen Tradierung von Geschichte. BIOS, 11(2), 155-170.

Welzer, Harald; Montau, Robert & Plaß, Christine (1997). "Was wir für böse Menschen sind!" Der Nationalsozialismus im Gespräch zwischen den Generationen. Tübingen: Edition diskord.

Wöll, Andreas (1997). Vergangenheitsbewältigung in der Gesellschaftsgeschichte der Bundesrepublik. Zur Konfliktlogik eines Streitthemas. In Gary S. Schaal & Andreas Wöll (Hrsg.), Vergangenheitsbewältigung. Modelle der politischen und sozialen Integration in der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte (S.29-42). Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft.

Zur Autorin

Nina LEONHARD, Dipl.-Pol., deutsch-französisches Diplom in Politik- und Sozialwissenschaften; geboren 1972; Studium der Politikwissenschaft in Berlin und Paris; seit 1998 Promotion in Politikwissenschaft zum Thema "Politik- und Geschichtsbewusstsein im intergenerativen Vergleich: Entwicklung von Erinnerung an die Zeit von 1933 bis 1945 im Verlauf von drei Generationen in Ost- und Westdeutschland" an der Freien Universität Berlin und am Institut d'Etudes Politiques de Paris; Mitarbeit in einem von der Volkswagen-Stiftung geförderten Forschungsprojekt zum Thema "Verläufe und Faktoren der Konstitution von demokratischer politischer Identität in nachdiktatorischen Gesellschaften".

Forschungsschwerpunkte: (vergleichende) Politische Kulturforschung, Verhältnis von individueller und kollektiver Erinnerung, Vergangenheitsbewältigung, Generationenbeziehungen, Sowjetische Gefängnisse und Lager in der SBZ bzw. DDR.

Kontakt:

Nina Leonhard

Sonnenallee 26
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Tel.: +49 / 30 / 688 48 90

E-Mail: ninaleon@zedat.fu-berlin.de

Zitation

Leonhard, Nina (2000). Geschichte als Erinnerung. Review Essay: Elisabeth Domansky & Harald Welzer (Hrsg.) (1999). Eine offene Geschichte. Zur kommunikativen Tradierung der nationalsozialistischen Vergangenheit [20 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 1(2), Art. 34, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs0002348.



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