Volume 1, No. 2, Art. 40 – Juni 2000

Tagungsbericht:

Ulf Brüdigam

Gemeinsame Tagung der AG Erziehungswissenschaftliche Biographieforschung der DGfE und der Sektion Biographieforschung der DGS

Vom 10.-12. Februar 2000 fand an der Martin-Luther-Universität Halle die gemeinsame Jahrestagung der AG Biographieforschung der DGfE und der Sektion Biographieforschung der DGS statt. Koordiniert wurde die Veranstaltung von Prof. Dr. Ursula Apitzsch (Universität Frankfurt/M.) und Prof. Dr. Heinz-Hermann Krüger (Universität Halle). Im Mittelpunkt der Veranstaltung, an der rund 130 WissenschaftlerInnen teilnahmen, standen die Lebenswelt Universität und Methodologische Fragen der Biographieforschung.

Zu jedem der beiden Themen fanden neben Plenarvorträgen in jeweils zwei Panels moderierte Arbeitsgruppen statt. Im Kontext von Fragen der Hochschulsozialisationsforschung ging es um die Lebenswelten von DiplompädagogInnen, Biologie- und MedizinstudentInnen sowie um Verfremdungen und Lernprozesse. Die ReferentInnen im einzelnen waren:

  • Fritz Schütze (Magdeburg): Studienfallen und das Studium als kreative Selbstreflexion

  • Peter Alheit (Göttingen): Am Schnittpunkt zweier Lebenswelten: Biographische Strategien von "Non-traditional students" beim Übergang in die Universität

  • Cathleen Grunert (Halle): Studierendenbiographien von DiplompädagogInnen im gesellschaftlichen Umbruch

  • Bettina Dausien (Bielefeld): Zwischenräume: Auf den Spuren von Bildungsprozessen im Arbeitsalltag der Reformuniversität

  • Birte Egloff (Frankfurt/M.): Zum Umgang mit Praxis in der Universität aus studentischer Perspektive am Beispiel Dipl.-Päd. und Humanmedizin

  • Lena Inowlocki (Frankfurt/M.): Biographisches Wissen und soziologische Thematisierung von Migrationsprozessen durch Studierende

  • Robert Kreitz (Göttingen): Wie die Wissenschaft zur Lebenswelt wird: Identitätsbildungsprozesse im Studium der Biologie

Im Zusammenhang mit methodischen und methodologischen Forschungsfragen standen Hermeneutische Verfahren der Biographieforschung und Probleme des Narrativen im Mittelpunkt. Hierzu referierten:

  • Hans-Dieter König (Frankfurt/M.): Nationalsozialismus in der Schule. Zur Triangulation von Unterrichtsforschung und Biographieforschung mit Hilfe der Tiefenhermeneutik

  • Jutta Ecarius (Koblenz): Möglichkeiten und Grenzen des narrativen Verfahrens

  • Sabine Reh (Hamburg): Die Textualität der Lebensgeschichte - hermeneutische Verfahren der Biographieforschung

  • Andreas Böttger (Bremen): Zur Funktion des Dialogs im biographischen Interview

  • Regina Klein (Marburg): Am Anfang steht das letzte Wort ... - zur Annäherung an die "Wahrheit" der tiefenhermeneutischen Erkenntnis

  • Andreas Hanses (Bremen): Narration und Institution - Methodologische und methodischeImplikationen einer anwendungsbezogenen "biographischen Diagnostik" im institutionellen Kontext

  • Susan Bittkau/Ulf Brüdigam/Winfried Marotzki (Magdeburg): Internet Research - Annäherung an ein neues Gebiet qualitativer Sozialforschung

  • Bettina Völter (Berlin): Autobiographien und andere Selbstzeugnisse als Quellen für die Rekonstruktion von biographischer Arbeit in Mehrgenerationenfamilien

  • Ingrid Miethe (Greifswald): Zur Strukturkongruenz biographischer Interviews am Beispiel des Vergleichs themenzentrierter und lebensgeschichtlicher Interviews

  • Simone Kreher (Neubrandenburg): Familienbiographische Forschung wider den familiensoziologischen Zeitgeist von Individualisierung und Pluralisierung der Lebensformen?

  • Helma Lutz (Münster): Sind wir uns denn so fremd? Biographieforschung aus erziehungswissenschaftlicher und soziologischer Sicht

  • Theodor Schulze (Bielefeld): Ereignisse und Erfahrung. Vorschläge zur Analyse biographischer Topoi

  • Roundtables fanden zum forschenden Lernen an der Hochschule und zu Gemeinsamkeiten und Differenzen der Biographieforschung in Erziehungswissenschaft und Soziologie statt.

Die einführenden Vorträge und Referate zu Detailfragen haben ebenso wie die Berichte aus Forschungsvorhaben die enge Verzahnung der Biographieforschung in Erziehungswissenschaft und Soziologie und das gemeinsame Interesse an methodischen Fragen deutlich hervortreten lassen. Trotz der unterschiedlichen Theorietraditionen wurde in forschungspraktischer Hinsicht die unkomplizierte Zusammenarbeit beider Bereiche sichtbar. Kontroversen entwickelten sich weniger entlang fachdisziplinärer Grenzen, sondern vor allem themenbezogen auf der Basis spezifischer grundlagentheoretischer Positionen. Mit dem Roundtable über die Gemeinsamkeiten und Differenzen der Biographieforschung in Erziehungswissenschaft und Soziologie wurde die Diskussion über die disziplinäre Abgrenzung Erziehungswissenschaftlicher Biographieforschung vorangebracht, aber keineswegs abgeschlossen. Möglicherweise könnte sich an dieser Stelle ein fruchtbarer Diskurs mit der Biographieforschung im Rahmen der Psychologie anschließen.

Zum Autor

Ulf BRÜDIGAM

Kontakt:

Ulf Brüdigam

E-Mail: UBruedigam@aol.com

Zitation

Brüdigam, Ulf (2000). Tagungsbericht: Gemeinsame Tagung der AG Erziehungswissenschaftliche Biographieforschung der DGfE und der Sektion Biographieforschung der DGS. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 1(2), Art. 40, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs0002402.



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