Volume 1, No. 1, Art. 10 – Januar 2000

Qualitative Forschung und Prozeßanalyse. Überlegungen zu einer "Qualitativen Entwicklungspsychologie"

Günter Mey

Zusammenfassung: Nachdem zunächst drei Phasen entwicklungspsychologischer Forschung hinsichtlich der darin vorherrschenden methodischen Orientierungen skizziert werden, und nur für die erste Phase eine Verwendung und Analyse qualitativer Dokumente als kennzeichnend festgehalten wird, werden dann einige Bemühungen innerhalb entwicklungspsychologischer Arbeiten aufgezeigt, die unter Rekurs auf diese Frühphase wieder stärker auf Analysen (para-) literarischer Zeugnisse, Beobachtungen oder Interviews abheben. Abschließend wird mit dem Ziel, den genuinen Gegenstandsbereich der Entwicklungspsychologie – nämlich Veränderungsprozesse und Transformationen – angemessen zu untersuchen und "abzubilden", für den stärkeren und gleichberechtigten Einbezug einer am qualitativen Paradigma ausgerichteten Forschungsperspektive plädiert; wobei insbesondere einige Implikationen der Forschenden-Gegenstands-Interaktion herausgehoben werden, die ermöglichen, die in und durch die Erhebungssituationen hervorgerufenen Prozesse und Veränderungen einer entwicklungspsychologischen Analyse zugänglich zu machen.

Keywords: qualitative Forschung, Mikrogenese, Entwicklungspsychologie, narrative Psychologie, Prozeßanalyse

Inhaltsverzeichnis

1. Vorbemerkung

2. Eine kurze Skizze methodischer Orientierungen in der Entwicklungspsychologie

2.1 Erste Phase: Vorläufer einer qualitativen Entwicklungspsychologie

2.2 Zweite Phase: Die methodische Zeitenwende

2.3 Dritte Phase: Neue Programme, alte Methoden

2.4 Erstes Fazit: Fehlende Bezugnahmen zur qualitativen Forschung

3. Neu-Anfänge einer "Qualitativen Entwicklungspsychologie"

3.1 Qualitative Dokumente: Gedichte und Tagebücher

3.2 Beobachtungen und Tagebuchstudien

3.3 Interviews

3.4 Zweites Fazit: Qualitative Forschung – quantitative Logik

4. Perspektiven einer "Qualitativen Entwicklungspsychologie"

5. Schlußbemerkung

Literatur

Zum Autor

Zitation

 

1. Vorbemerkung

Die Bezeichnung "Qualitative Entwicklungspsychologie" zielt nicht auf ein neues Leitprogramm für eine (Sub-) Disziplin; dies wäre angesichts des von Gerd JÜTTEMANN (1983) zurecht an die quantitativ-arbeitende Psychologie adressierten Vorwurfs der "Methodeninversion" auch für den hier interessierenden Fall einer Qualitativen Entwicklungspsychologie durch die A priori-Setzung einer Methode vor jedweder inhaltlichen Bestimmung eher fragwürdig. Vielmehr ist intendiert, unterschiedliche Potentiale qualitativer Forschung in der und für die Entwicklungspsychologie aufzuzeigen. Denn auch wenn (nicht nur im deutschsprachigen Raum) die Fronten zwischen einer sogenannten quantitativen und einer sogenannten qualitativen Forschungsorientierung nicht mehr so verhärtet wirken mögen wie noch vor Jahrzehnten – z.B. schreibt Jaan VALSINER (2000), daß seine Überlegung, 1980 eine Zeitschrift mit dem Titel "Journal for Qualitative Developmental Psychology" zu gründen, wegen des Terminus "qualitativ" auf Ablehnung gestoßen sei – kann dennoch für die deutschsprachige Entwicklungspsychologie, die hier vornehmlich betrachtet wird, festgehalten werden, daß ein "qualitatives Denken" in diesem Fachgebiet bisher höchstens in Ansätzen vorhanden ist (für die anglo-amerikanische Entwicklungspsychologie siehe SMITH & DANWORTH 2000/in Vorbereitung). Die Anfänge einer solchen Orientierung in der Frühzeit der Entwicklungspsychologie wurden nicht konsequent weiterverfolgt, und sie werden bis heute weitgehend vernachlässigt. So unterbleibt in den einschlägigen Lehr- und Handbüchern die Darstellung qualitativer Verfahren, und bei der im Turnus von zwei Jahren stattfindenden "Tagung Entwicklungspsychologie", in deren Rahmen Forschungsarbeiten aus dem deutschsprachigen Raum präsentiert werden, dominieren nach wie vor Fragebogen-Studien und experimentelle Untersuchungen. [1]

Zwar ist mittlerweile festzustellen, daß die überwiegende Zahl der Vertreter(innen) des Faches für einen Methodenpluralismus votiert und anerkennt, daß methodische Vorab-Setzungen sich verbieten, aber Forschungsorientierungen, die am qualitativen Paradigma ausgerichtet sind, scheinen weiter einen schweren Stand zu haben: Sie werden nicht selten als "weich" (statt auf "harten" Daten basierend) und "ungenau" (statt durch "exakte" Messungen hervorgebracht/belegt) diskreditiert, und wenn sprachliches bzw. textliches Material (Interviews, Aufsätze, Beobachtungsprotokolle usw.) die Datengrundlage bildet, dann in der Regel so aufbereitet, daß Quantifizierungen möglich sind, um damit den innerhalb der (Entwicklungs-) Psychologie weitgehend akzeptierten Forderungen quantitativ-empirischer Forschung nach Validität, Reliabilität und Objektivität Rechnung zu tragen. Dagegen unterbleibt eine Ausrichtung auf eine genuin qualitative Forschungslogik (inklusive der darin diskutierten "methodenangemessenen" Geltungsbegründungen) und die Nutzung der dort entwickelten Verfahren meist selbst dann, wenn vereinzelt und teilweise auch von namhaften Entwicklungspsycholog(inn)en dafür plädiert wird, die Vielfalt "qualitativer Dokumente" in entwicklungspsychologischen Studien (wieder mehr) zu berücksichtigen. [2]

Anliegen des vorliegenden Beitrags ist es, zunächst in groben Zügen Phasen entwicklungspsychologischer Forschung im Hinblick auf methodische Orientierungen und die darin aufscheinende (Nicht-) Kenntnisnahme eines "qualitativen Denkens" nachzuzeichnen (Abschnitt 2). Anschließend werden einige Perspektiven einer qualitativ-orientierten Entwicklungspsychologie aufgezeigt, indem zunächst kursorisch Hinweise auf vorliegende Bemühungen innerhalb entwicklungspsychologischer Arbeiten um eine stärkere Berücksichtigung qualitativer Dokumente gegeben werden (Abschnitt 3). Zum Schluß werden dann für zukünftige Arbeiten Möglichkeiten einer fruchtbareren Verknüpfung von Prozeßanalyse und qualitativer Forschungslogik skizziert, die ansetzt an der Reflexion der gemeinsamen Konstruktion des Forschungsprozesses durch das forschende und das beforschte Subjekt (Abschnitt 4). [3]

2. Eine kurze Skizze methodischer Orientierungen in der Entwicklungspsychologie

2.1 Erste Phase: Vorläufer einer qualitativen Entwicklungspsychologie

Die Frühphase der Entwicklungspsychologie am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts war gekennzeichnet durch detaillierte Beobachtungs- und Tagebuchstudien. Zu nennen sind etwa die umfassenden Aufzeichnungen von Wilhelm PREYER (1882/1923), in denen er Beobachtungen an seinem Kind festhält, oder die akribischen Beschreibungen des Ehepaares Clara und William STERN (1907/1965) zu den Entwicklungsprozessen ihrer Kinder in ihren Forschungstagebüchern (zu den Arbeiten der STERNs speziell siehe BEHRENS und DEUTSCH 1991; einen generellen Überblick vermittelt Siegfried HOPPE-GRAFF 1989). Auch zu erwähnen sind die Tagebuchanalysen Adoleszenter von Charlotte BÜHLER (1929) und der häufig innerhalb der Entwicklungspsychologie unerwähnt gelassene Siegfried BERNFELD (1931/1978), der Tagebuchmaterialien via hermeneutischem Forschungsansatz, psychoanalytischer Methodik und unter Berücksichtigung einer sozialgeschichtlichen Perspektive zu deuten versuchte. Neben diesen Autor(inn)en, die zu wichtigen Einblicken in Kinder- und Jugendbiographien verholfen haben, ist für diese frühe Zeit auch der wohl prominenteste Entwicklungspsychologe des 20. Jahrhunderts, Jean PIAGET, zu nennen, der neben vielen Beobachtungen auch Gespräche mit Kindern mittels des von ihm entwickelten Interviewverfahrens, etwas irreführend als "klinische Methode" bezeichnet, führte. [4]

Diese und andere, hier nicht genannte Pionier(inn)e(n) entwicklungspsychologischer Forschung lassen sich sicherlich als "Vorläufer(innen)" (und je nach Perspektive auch als "Vordenker[innen]") für eine Qualitative Entwicklungspsychologie reklamieren, gleichwohl soll nicht unerwähnt bleiben, daß deren Selbstverständnis zuweilen durchaus ein anderes war: So verstand etwa PIAGET selbst sein Vorgehen mittels der klinischen Methode und ihrer später revidierten Fassung als "experimentell", wenn auch durch das besondere Prozedere – lediglich die Anfangsfrage war standardisiert vorgegeben, jeweils die Antworten der Kinder aufgreifend wurden dann die Anschlußfragen formuliert – die Gefahr gebannt werden sollte, "systematischen Fehlern zum Opfer zu fallen, was beim reinen Experimentator so oft der Fall ist" (PIAGET 1926/1978, S.18). [5]

Doch trotz dieser Einschränkung und der in dieser Zeit üblichen Akzentuierung universalistischer Denkweisen und reifungsorientierter Erklärungsansätze wurden in dieser ersten Phase entwicklungspsychologischer Forschung Verfahren auf das je spezifische Forschungsinteresse hin abgestimmt bzw. eigens entwickelt: So wie es PIAGET mit seiner Methode darum ging, sukzessive (Wissens-) Veränderungen "hervorzurufen" und "festzustellen", wurde die Wahl der Tagebuchanalyse etwa damit begründet, aufgrund des spezifischen Gegenstandes – das "Seelenleben" junger Menschen in einer Umbruchphase des Lebenslaufs – einer Methode den Vorrang zu geben, die gestatte, die Einzigartigkeit dieser Lebensphase angemessen abzubilden, wozu, so die damalige Auffassung, die psychologisch-experimentellen Verfahren in diesem Forschungsfeld nur begrenzt tauglich erschienen. [6]

2.2 Zweite Phase: Die methodische Zeitenwende

Diese ersten Forschungsbemühungen fanden mit der Zäsur durch den deutschen Faschismus und daran anschließend – sozusagen in der zweiten Phase der Entwicklungspsychologie – keinen (bzw. richtiger: kaum noch) Widerhall. Wie in der Psychologie überhaupt, wurden durch die Orientierung an der nordamerikanischen Psychologie und durch die Ausweitung und Etablierung der quantitativen Methodenlehre auch in der Entwicklungspsychologie qualitativ orientierte Arbeiten zurückgedrängt: Sie wurden – und werden seitdem beinahe ausnahmslos – in allen einschlägigen entwicklungspsychologischen Hand- und Lehrbüchern mit den Attributen "anekdotisch" und "unwissenschaftlich" versehen oder als "altmodisch" deklariert. Dieser Logik folgend haben (auto-) biographische Materialien (aus Tagebüchern oder durch Gespräche gewonnen) und die für die frühe Entwicklungspsychologie charakteristischen Beobachtungsstudien von Kleinkindern, wie Siegfried HOPPE-GRAFF (1998, S.262) feststellt, "an Reputation verloren, weil sie nicht mehr zu einem sich wandelnden Begriff von akzeptablen Daten paßten". Abgesehen von vereinzelten Bemühungen wie z.B. von Hans THOMAE (1956, 1959), eine psychologische Biographik zu fundieren und die biographische Methode gleichgewichtig zu anderen Verfahren in der Entwicklungspsychologie zu etablieren, verschwanden qualitative Forschungsansätze weitgehend aus der Entwicklungspsychologie. Es wurde das in weiten Teilen der Psychologie (und nicht auf diese Disziplin beschränkt) noch heute vorherrschende Verständnis von qualitativer als bestenfalls vorbereitender Forschung festgeschrieben, die durch quantitative Prüfungen erst ihre wissenschaftliche Sicherung erhalten könne; eine Position, die – dies sei der Vollständigkeit halber erwähnt – auch von nicht wenigen Vertreter(inne)n der Frühphase, so etwa von Charlotte BÜHLER oder ihrem Schüler Paul LAZARSFELD bereits vertreten worden war. [7]

2.3 Dritte Phase: Neue Programme, alte Methoden

Die ganz überwiegend quantitativ-empirische Ausrichtung hat fortgedauert trotz der in der dritten Phase der Entwicklungspsychologie formulierten Programmatiken: Hierzu gehört etwa die seit Mitte der sechziger Jahre einsetzende Konzeptualisierung einer "Entwicklungspsychologie der Lebensspanne" (siehe dazu zusammenfassend BALTES 1979) und die darin implizierte method(olog)ische Herausforderung, den je angesprochenen (Lebens-) Zeitraum in einen Untersuchungsplan angemessen einzubeziehen, ebenso wie die (zumindest dem Anspruch nach) formulierte Absage an universalistisches Denken durch die sogenannte "differentielle Entwicklungspsychologie". Ungeachtet dieser programmatischen Neuerungen und trotz der (im Vergleich zu den Gründerjahren zunehmenden) Vielgestaltigkeit an Themen, Forschungsfeldern und (divergierenden) theoretischen Bezugnahmen (wie alle einschlägigen Lehr- und Handbücher zu dokumentieren bemüht sind) galt und gilt die methodische Aufmerksamkeit vor allem der Frage nach für entwicklungspsychologische Studien adäquaten (= quantifizierbaren) Designs, und dies, obwohl seit den 70er und 80er Jahren – wenn auch etwas verspätet im Vergleich zu anderen Disziplinen – in der deutschsprachigen Psychologie von einer Renaissance qualitativer Methodologie(n) gesprochen werden kann (vgl. dazu KLEINING 1991, MAYRING 1993; zu den Phasen qualitativer Forschung in Deutschland siehe LÜDERS & REICHERTZ 1986, für die amerikanische Sozialforschung DENZIN 1999). [8]

Gegenüber dieser alles dominierenden Debatte um Untersuchungspläne wirken andere methodische Fragen als nachrangig bzw. vorentschieden. Dies ist besonders erstaunlich, wenn die vor drei Jahrzehnten geäußerte Kritik am Fach durch prominente (und auch durch die vorgetragene Kritik prominent gewordene) Vertreter mit in Betracht gezogen wird, die auf die Grenzen einer am experimentellen Paradigma ausgelegten Forschung aufmerksam gemacht haben (ohne daß diese allerdings wegen ihrer ausgewiesenen Vorlieben für varianzanalytische Verfahren verdächtig wären, Proponenten einer qualitativen Forschungsorientierung zu sein). So kritisierte Joachim WOHLWILL (1973/1977) die bis in die 70er Jahre hinein übliche entwicklungspsychologische Forschung heftig (u.a. mit dem Hinweis, daß sich aufgrund der fehlenden experimentellen Manipulierbarkeit der Altersvariablen das Entwicklungsgeschehen im experimentellen Design nicht angemessen untersuchen lasse). Urie BRONFENBRENNER (1977/1978) problematisierte die Grenzen der Laboratoriumspsychologie mit seiner mittlerweile viel zitierten Kritik, "daß die gegenwärtige Entwicklungspsychologie zu einem großen Teil die Wissenschaft fremdartigen Verhaltens von Kindern in fremden Situationen mit fremden Erwachsenen in kürzstmöglichsten Zeitabschnitten ist" (BRONFENBRENNER 1977/1978, S.33; Herv. im Orig. unberücksichtigt gelassen), und er plädierte infolge seiner Auseinandersetzung mit experimentellen Vorgehensweisen und im Hinblick auf ökologische Validität dafür, Experimente nicht wie üblich zur Hypothesentestung einzusetzen, "sondern zu heuristischen Zwecken" (a.a.O., S.40; Herv. im Orig.). [9]

2.4 Erstes Fazit: Fehlende Bezugnahmen zur qualitativen Forschung

Entlang der hier im groben Zügen nachgezeichneten Geschichte der Entwicklungspsychologie kann festgehalten werden, daß sich für das Gros entwicklungspsychologischer Forschung ungeachtet methodischer Diskussionen – und den kontroversen Debatten um ein dem Gegenstand entwicklungspsychologischer Forschung angemessenes Untersuchungsvorgehen – mit Ausnahme der Frühphase kaum Bezugnahmen auf eine qualitative Methodologie finden, obschon (ohne es hier weiter ausführen zu können) Berührungspunkte zwischen einigen Prämissen qualitativer Forschung wie Ganzheit oder Historizität und einigen Leitsätzen entwicklungspsychologischer Forschung mit den dort vollzogenen Revisionen in Richtung einer ökologischen und kontextuellen Betrachtungsweise von Entwicklung erkennbar sind. [10]

Diese Nichtzurkenntnisnahme zeigt sich anschaulich etwa in dem Beitrag "Was wird aus der Entwicklungspsychologie" von Rainer SILBEREISEN (1996) in dem Band "Perspektiven der Psychologie" oder in dem Standardwerk der Entwicklungspsychologie, dem von Rolf OERTER und Leo MONTADA herausgegebenen, weit über 1000 Seiten umfassenden Lehrbuch in seiner vierten Auflage von 1998. Nicht nur, daß in beiden Publikationen qualitative Positionen unerwähnt bleiben, sondern es scheint darüber hinaus, daß eine method(olog)ische Perspektive ausschließlich in mathematisch komplexen Verfahren – insbesondere Strukturgleichungsmodellen – gesehen und deren Ausweitung begrüßt und forciert wird. Beide Tendenzen (der Ausschluß einer qualitativen Perspektive bei gleichzeitiger Präferenz für statistische Verfahrensweisen), die für die aktuelle Entwicklungspsychologie kennzeichnend sind, verwundern, da gerade etwa im Hinblick auf Strukturgleichungsmodelle die Kritik lauter wird, daß entwicklungspsychologischer Forschung wenig gedient ist mit einer "unkritische[n] Übernahme gängiger Methoden aus anderen Bereichen der Psychologie" (KELLER 1989, S.229), und daß Entwicklungspsychologie ihren genuinen Gegenstand – nämlich Transformation und Prozesse – kaum (mehr) zu fassen in der Lage ist. Und selbst wenn der "Königsweg" entwicklungspsychologischer Forschung beschritten wird und zur Untersuchung intraindividueller Veränderungen Längsschnittstudien durchgeführt werden, wird Entwicklung in aller Regel nicht als Prozeßgeschehen thematisch: So wird in der Forschungspraxis Entwicklung zumeist als (Nicht-) Veränderung von Subjekten zwischen zwei (oder mehreren) Meßzeitpunkten verhandelt, wobei die (Nicht-) Veränderungen auf angenommene Prozesse zurückgeführt werden, ohne allerdings diese Prozesse selbst zum empirischen Gegenstand der Untersuchung zu machen bzw. sie können aufgrund des methodischen Vorgehens erst gar nicht dazu gemacht werden. – Eine Position, die etwa Jaan VALSINER (1987, 1997) vertritt, der seit zwei Jahrzehnten nicht müde wird, die Entwicklungspsycholog(inn)en zu mahnen, Entwicklungspsychologie statt Nicht-Entwicklungspsychologie zu betreiben. Entsprechend werden Forderungen laut(er), Studien so anzulegen, daß tatsächlich Veränderungen (und die dazu gehörigen Entwicklungsprozesse) erfaßt und der Analyse zugänglich gemacht werden können (siehe etwa die synoptisch zusammengestellte Kritik von Ingrid JOSEPHS 1997 im "Newsletter Entwicklungspsychologie", dem "Organ" der Fachgruppe Entwicklungspsychologie in der Deutschen Gesellschaft für Psychologie). [11]

3. Neu-Anfänge einer "Qualitativen Entwicklungspsychologie"

Eingedenk der kritischen Stimmen, Entwicklungspsychologie wieder in ihrem ureigensten und im wörtlichen Sinne zu betreiben, lassen sich neben den in den vorangegangenen Abschnitten als dominierend herausgehobenen Forschungsperspektiven vereinzelt Anzeichen für eine Ablösung von dem (naturwissenschaftlichen) Ideal der "strikt kontrollierten und deshalb standardisierten Bedingungen" (HOPPE-GRAFF 1998, S.268) erkennen. Für die methodische Neu-Orientierung gilt dabei gerade auch die eigene entwicklungspsychologische Tradition als herausragender Anknüpfungspunkt. [12]

Die Notwendigkeit einer Rückbesinnung auf die Frühphase der Entwicklungspsychologie, ohne allerdings lediglich eine Kopie vergangener Forschungsarbeiten sein zu wollen, wird unter zwei Gesichtspunkten diskutiert. So wird zum einen erinnert, daß "die Großeltern der heutigen Entwicklungspsychologie bereits über ein eigenständiges Instrumentarium verfügten" (KELLER 1989, S.229), zum anderen erhofft, einige Korrekturen innerhalb der entwicklungspsychologischen Forschung einleiten zu können: Entgegen einer "modernen" (variablen-orientierten statt personen-orientierten) Entwicklungspsychologie mit ihren Fokus auf beobachtbarem (meßbarem) Verhalten und auf Problembewältigung, die die Erforschung der "Innenseite" menschlicher Entwicklung bzw. des "Seelenlebens" vernachlässigt (bzw. vernachlässigen muß), wird wieder stärker auf jene Betrachtungsperspektive der frühen Entwicklungspsychologie abgehoben, die sich nach Helmut FEND (1990, S.8) mit "der altersbezogenen Reorganisation des 'ganzen Kindes' und des 'ganzen Jugendlichen'" befaßte, eine Zielrichtung die bei der Wendung hin zur "modernen" Entwicklungspsychologie weitgehend verloren gegangen zu sein scheint. Im Zuge dieser Neuausrichtung entwicklungspsychologischer Forschung erhalten auch qualitative Dokumente mehr Aufmerksamkeit, insbesondere sind dies ganz im Sinne der Gründerjahre (para-) literarische Zeugnisse (etwa Tagebücher), Tagebuch- und Beobachtungsstudien, Interviews und Gespräche. Es wird von einigen Forschenden – und wie im folgenden auch gezeigt und kommentiert wird: zuweilen zu vorsichtig – Entwicklungspsychologie unter einer qualitativen Forschungsperspektive (ohne allerdings diesen Terminus zu verwenden) betrieben. [13]

3.1 Qualitative Dokumente: Gedichte und Tagebücher

Nachdem lange Zeit gegen Tagebuchanalysen viele method(olog)ische Einwände vorgebracht wurden (siehe zusammenfassend FUCHS-HEINRITZ 1993, S.263f exemplarisch für die sozialwissenschaftliche Jugendforschung), gilt dieser Forschungszugang, der die erste Blüte der Jugendentwicklungspsychologie beförderte, einigen Forschenden wieder als bedeutsame Quelle zur Erforschung adoleszenter Selbst- und Weltsichten (ohne daß Tagebuchanalysen ausschließlich auf dieses Forschungsfeld zu begrenzen wären). Exemplarisch ist für die Rückbesinnung etwa die Längsschnittstudie von Helmut FEND zu erwähnen, der im Zuge seiner zunächst rein quantitativ-empirischen Forschung zur "Entwicklungspsychologie der Adoleszenz in der Moderne" mehr und mehr qualitative Dokumente hinzugezogen hat. FEND begründet diesen vermehrten Einbezug qualitativer Daten damit, daß "diese phänomenologischen Materialien ... eine unentbehrliche Grundlage für eine lebensnahe Analyse des Jugendalters [sind], die keine bloße Spekulation vom Schreibtisch aus sein will" (1994, S.19f), und er versucht – eingedenk der Begrenztheit der "Vermessungen" jugendlichen Denkens – wieder stärker der klassischen Tradition der Gründerjahre Juventologie a la BÜHLER bei der Rekonstruktion von Innenwelten der Adoleszenz Raum zu geben,

"indem wir die Inhalte des Denkens, hier den Vorstellungen und Konzepten gegenüber der eigenen Person, nachgehen. ... Wir müssen Quellen dieses Denkens erschließen und spontane Äußerungen selber anregen, um so Einblicke in das selbstbezogene Denken in der Früh- und Mitteladoleszenz zu bekommen" (a.a.O., S.31). [14]

Doch trotz der Berücksichtigung qualitativer Dokumente muß einschränkend angemerkt werden, daß sich FEND bei seinem Rekurs auf Forscher(innen) der Frühphase – wie auch Marianne SOFF (1989) in ihrer Arbeit "Jugend im Tagebuch" – im konkret empirischen Vorgehen nach einigen inhaltsanalytischen Betrachtungen auf die quantitative Analyse der Tagebuchmaterialien konzentriert und sich zum größten Teil auf die Wiedergabe der prozentualen Häufigkeit von Themen kapriziert. Insofern bezieht sich die Erweiterung des methodischen Verständnisses auf die offenere Gestaltung der Erhebungssituation, wie dies auch für den wohl wichtigsten Vertreter der biographischen Methode in der Psychologie, Hans THOMAE gilt. Dagegen ist, wie Wolfgang HEGENER (1998, S.93) in seiner Rezension zur dritten Auflage von THOMAEs Band "Das Individuum und seine Welt" kommentiert, "wenn es um die Auswertung geht, ...alles wieder beim alten: Hier sind dann nur die 'harten Methoden' erlaubt und sakrosankt". Bei einer solchen Betrachtungs- und Auswertungsperspektive ist allen guten Absichten zum Trotz zu befürchten, daß der inhaltliche Formenreichtum weitgehend verschlossen bleibt und daß mittels eines solchen quantifizierenden Zugangs (richtiger: Ausgangs) die zu erschließenden innerpsychischen Prozesse "auf der Oberfläche" belassen werden, statt diese in ihren (Un-) Tiefen auszuleuchten. Möglicherweise könnte in diesem Zusammenhang eine Rückbesinnung auf Siegfried BERNFELD helfen, der nicht nur eine interpretativ-deutende Auseinandersetzung mit dem Material einforderte (und praktizierte), sondern auch die Notwendigkeit des Verstehens jugendlicher Ausdrucksformen einforderte und auf einen Zugang verwies, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts als legitim galt und innerhalb der qualitativen Forschung mehr und mehr an Bedeutung gewinnt, den der Introspektion (siehe dazu JOURNAL FÜR PSYCHOLOGIE 1999a; KLEINING & WITT in diesem Band): Denn nach BERNFELD ist diese

"das einzige Verfahren, das uns unmittelbare Erfahrungen vom psychischen Leben vermittelt ... Ohne introspektive Erinnerung bleibt uns alles, was wissenschaftliche Beobachtung vom Kinde und dem Jugendlichen festzustellen vermag, letztlich unverständlich, oder wir sind in Gefahr, es im Sinne des erwachsenen Seelenlebens aufzufassen. Das kann eine treu bewahrte Erinnerung an die eigene Jugend und Kindheit verhindern (BERNFELD 1922, S.5; zitiert nach ERDHEIM 1988, S.220). [15]

Auch wenn die in BERNFELDs Plädoyer für die Introspektion zum Ausdruck kommende Euphorie einige problematische Implikationen der Retrospektion verdecken mag – so etwa die Frage der Nachträglichkeit und die in ihr zum Ausdruck gebrachte (Um- und Neu-) Bewertung lebensgeschichtlicher Ereignisse aufgrund der Aktualgeschichte (dazu MEY 1999, S.88ff); zu Schwierigkeiten der Rückgewinnung der Introspektion als (eigenständige) Methode (siehe auch BREUER 1999) – sollte dies nicht dazu verleiten, die Potentiale dieses Ansatzes nolens volens zu negieren. [16]

3.2 Beobachtungen und Tagebuchstudien

An frühere Arbeiten schließt auch Siegfried HOPPE-GRAFF (1989) an, indem er sich bemüht, den Tagebuchstudien a la STERN und STERN oder PIAGET ihren über Jahrzehnte hin zugewachsenen Malus zu nehmen. Er plädiert dafür, die Tagebuchaufzeichnungen als genuin längsschnittliche Datenerhebungsstrategie zurückzugewinnen; zudem legte er erste methodische Vorschläge rückgreifend auf Überlegungen zu Beobachtungsstudien vor, um eine "Methodenlehre der Tagebuchaufzeichnung" vorbereiten zu helfen. Wenn es auch das vordringliche Anliegen von HOPPE-GRAFF zu sein scheint, zunächst die "Unverzichtbarkeit der Tagebuchaufzeichnungen" im Rahmen theorieprüfender Studien nachzuweisen, mahnt er zugleich an, deren "heuristische[n] Wert bei der Theoriebildung und Hypothesengenerierung" nicht zu vernachlässigen. In diesem Zusammenhang ist auch die längsschnittliche Forschungsarbeit von Lothar KRAPPMANN und Hans OSWALD anzuführen. In ihrer langjährigen Studie zum "Alltag der Schulkinder" haben sie u.a. mittels (teilnehmender) Beobachtung und offenen, nicht standardisierten Interviews (von den Forschern als "semi-strukturiert" bezeichnet) gearbeitet. Mit dem Anspruch, die Interaktionsprozesse zwischen den Kindern zu analysieren, heben diese beiden Forscher explizit auf eine qualitative Forschungsmethodologie ab:

"Uns lag daran, die der Kinderwelt eigenen sozialisatorischen Kräfte herauszuarbeiten, deshalb wollten wir den kaum erforschten feinen Prozessen der Handlungsabstimmung nachgehen. In einer derartigen Forschungssituation ist es naheliegend, qualitative Methoden zu wählen, weil diese ermöglichen, neue und unerwartete Phänomene und Zusammenhänge zu entdecken und Konzepte aus den Daten heraus zu entwickeln" (KRAPPMANN & OSWALD 1995, S.25). [17]

Wenn auch, wie an den beiden Beispielen verdeutlicht, eine Rückbesinnung auf die bzw. eine Neubewertung der Gründerjahre entwicklungspsychologischer Forschung mit ihren an Einzelfällen vorgenommenen (Langzeit-) Beobachtungen eingeleitet scheint, unterbleibt bisher ein konsequenteres In-Beziehung-Setzen dieser die damaligen Arbeiten auszeichnenden Beobachtungsbreite (statt des heute eher üblichen, thematisch eng umgrenzten Fokus) mit der in der qualitativen Forschung postulierten Einzelfallbezogenheit, verbunden mit einem "holistischen Menschenbild". Dies jedoch erscheint notwendig, weil es helfen würde zu verdeutlichen, daß die in der Entwicklungspsychologie üblichen Differenzierungen in Funktions- und Lebens(alters)bereiche lediglich analytische Hilfsmittel bilden, und vor allem weil die Betrachtung einzelner isolierter Merkmale und ihrer Beziehungen zu anderen (isolierten) Variablen nur begrenzt tauglich scheint, die Einbettung von Erleben oder von Handlungen in den Strom des seelischen Geschehens zu erfassen. [18]

Zudem wären mit einem stärkeren Akzent auf Einzelfallbetrachtungen (statt den häufig auf relativ großen Stichprobe abhebenden Versuchsplänen) zugleich einige methodologische Implikationen teilnehmender Beobachtung zu reflektieren, so den "Vorteil deskriptiver Herangehensweisen in der Nähe der Beteiligten zum 'Gegenstand'" (SCHURIAN 1989, S.38) und die damit einhergehende "Interpretationskompetenz" (HOPPE-GRAFF 1998, S.271), statt immer wieder das als Nachteil diskutierte "Going native" zu strapazieren. Mit einer solchen Akzentuierung geht allerdings auch einher, entgegen der die heutigen Beobachtungsstudien vornehmlich charakterisierenden quantitativen Auswertung (in Form von deskriptiv- und inferenzstatistischen Analysen) wieder verstärkt qualitativ-interpretative Vorgehensweisen aufzugreifen, die erst "dichte Beschreibungen" (GEERTZ 1973/1991) der Phänomenvielfalt erlauben. Auch wären (viel deutlicher als in den Arbeiten der Gründerjahre) entsprechend einer genuinen qualitativen Forschungsprogrammatik, die Reaktionen der Forschenden mit in die Analyse einzubeziehen. Hier erscheint die Forderung von Franz BREUER (in den gemeinsam mit Jarg BERGOLD vorgetragenen Überlegungen zum Verhältnis von Gegenstand und Forschungsmethoden in der Psychologie) zwingend, die Stellung der Forschenden endlich "als Bestandteil des Feldes, das zur Untersuchung steht" anzuerkennen und deren Stellung "als Bestandteil der Theorie" aufzufassen (BERGOLD & BREUER 1992, S.26). [19]

3.3 Interviews

Entgegen der beinahe völligen Vernachlässigung von (para-) literarischen Zeugnissen und Tagebuchstudien, hatten und haben Interviews innerhalb entwicklungspsychologischer Forschung ihren Platz; vor allem auf der Grundlage der PIAGETschen Überlegungen wurden und werden Gespräche und Interviews für die Erforschung von individuellen Strukturen, Wissens- und Argumentationszusammenhängen als konstitutiv eingeschätzt, so daß im Rahmen strukturgenetischer Untersuchungen die "klinische Methode" ihren Einsatz fand und findet (wenn nun mehr auch häufig unter dem Label "halb-" bzw. "semi-strukturiert" oder "partiell standardisiert"). Ebenso läßt sich als mittlerweile "klassisch" das auf Lawrence KOHLBERG im Rahmen von Studien zur Moralentwicklung entwickelte Struktur-Dilemma-Interview nennen, in dem den untersuchten Personen eine Geschichte (Dilemma) vorgestellt wird, und die Interviewten aufgefordert werden, das Dilemma zu "lösen" und ihre Antwort zu begründen (diese Interviewvariante wird auch von Rolf OERTER in mehreren Studien zu "Entwicklungskonzeptionen" angewandt; siehe zusammenfassend OERTER 1999). In anderen Themenfeldern der Entwicklungspsychologie finden sich Bemühungen, für das jeweilige Themenfeld spezifische Verfahrensvarianten zu entwickeln und zu etablieren, exemplarisch seien erwähnt für die Bindungsforschung das Adult-Attachment-Interview und das mittlerweile in Teilen der Identitätsforschung etablierte und auf James MARCIA zurückgehende "Identity status interview". [20]

Die besondere Stellung von Interviews im Rahmen entwicklungspsychologischer Forschung läßt sich auch daran erkennen, daß diese heute in vielen Studien recht selbstverständlich als Zugang gewählt und eingesetzt werden und z.T. unter explizitem Verweis auf ein kombiniertes qualitatives und quantitatives Vorgehen ergänzend neben Fragebogenerhebungen Anwendung finden. Gleichwohl beschränkt sich das Gros der Entwicklungspsycholog(inn)en auf die Verwendung von "halbstrukturierten" Interviews und bezogen auf die Auswertung ist hier – wie schon in Bezug auf die zuvor erwähnten qualitativen Dokumente – eine Haltung und Auswertungspraxis vorherrschend, das Material so aufzubereiten, daß am Ende eine Quantifizierung vollzogen werden kann. Entsprechend dominieren Prozeduren, bei denen in Form von Manualen mit Anleitungen, Definitionen und Ankerbeispielen eine Einordnung in jeweils theoretisch abgeleitete (bzw. begründete) "Zustände" (Stadien, Phasen, Niveaus) erfolgt, um daran den "Entwicklungsgang" zu beschreiben. [21]

Gegenüber diesem Zuschnitt entwicklungspsychologischer Forschung auf halbstrukturierte Interviews und standardisierte Auswertungsverfahren finden sich kaum Bezugnahmen auf in anderen (Teil-) Disziplinen elaborierte und genuin einer qualitativen Forschungsperspektive verpflichtete Methodiken, wie etwa das von dem Soziologen Fritz SCHÜTZE (1983) entwickelte (aber in Teilgebieten der Psychologie häufiger verwandte) narrativ-biographische Interview oder das stärker dialogisch-diskursive Elemente akzentuierende, von Andreas WITZEL (1982, 1985 und in diesem Band) entwickelte "problemzentrierte Interview". Beide Verfahren bieten interessante Perspektiven, nicht zuletzt, da sie in ihrer theoretisch-methodologischen Fundierung weit über die in der entwicklungspsychologischen Forschung gebräuchlichen halbstrukturierten Leitfadeninterviews hinausgehen (für eine detaillierte und vergleichende Darstellung beider Interviewformen siehe MEY 1999, S.138ff). Zudem liegen für beide Interviewvarianten detaillierte Vorschläge zur Auswertung vor. Im Fall des narrativen Interviews wurden in Ergänzung zum Vorgehen von SCHÜTZE (1983) Vorschläge zur Textanalyse vor allem im Rahmen der vom Arbeitskreis um Ulrich OEVERMANN entwickelten Objektiven Hermeneutik (hier insbesondere die Sequenzanalyse) unterbreitet, bei der jedes Datum bewertet und entsprechend den explizierten Deutungsregeln ausgelegt wird (ROSENTHAL 1987, zur Objektiven Hermeneutik siehe auch BOHNSACK 1993, REICHERTZ 1997). Für die "Auswertung problemzentrierter Interviews" (WITZEL 1996) wird u.a. angeknüpft an den von Barney GLASER und Anselm STRAUSS entwickelten Forschungsstil der Grounded Theory (siehe auch GLASER & STRAUSS 1967/1998, STRAUSS 1987/1991, GLASER 1998, STRAUSS & CORBIN 1990/1996). Die hier vorgeschlagenen Prozeduren erlauben nicht nur, material- und phänomennah auszuwerten, um so "die 'Inhaltsstruktur' der Phänomene möglichst lange bewahren und für sich sprechen [zu] lassen" (FEND 1994, S.19), sondern auch, daß die Daten "mikroskopisch untersucht werden" (STRAUSS 1987/1991, S.61) können. Schließlich ermöglicht der Forschungsansatz der Grounded Theory auch, die Auswertenden und deren Intuition in den Forschungsprozeß einzubeziehen, wie dies Franz BREUER (1996) und Mitarbeiter(innen) verdeutlichen, die Elemente der Grounded Theory mit Überlegungen von Georges DEVEREUX (1967/1973) zur Selbstreflexivität der Forschenden kombiniert haben. [22]

3.4 Zweites Fazit: Qualitative Forschung – quantitative Logik

Als vorläufige Diagnose kann für die Entwicklungspsychologie festgehalten werden, daß das Aufkeimen qualitativer Forschung – also ihre breitere Rezeption sowie ihre zunehmende Anwendung im Vergleich zu vorangegangenen Jahrzehnten – nicht im Sinne einer gleichberechtigten Akzeptanz in der entwicklungspsychologischen Forschungslandschaft (miß-) zu verstehen ist. Auch kann wohl nur zum Teil ein Verständnis für die besondere Logik qualitativer Forschung vorausgesetzt werden. Dieses gilt ganz sicher mit Blick auf den – die Forschungslandschaft bestimmenden – quantitativen Mainstream des Faches, aber auch für qualitativ-arbeitende Wissenschaftler(innen) selbst (und dies nicht nur in der Entwicklungspsychologie). Kennzeichnend scheint nach wie vor zu sein, wie etwa Werner FUCHS-HEINRITZ beklagt, daß in der qualitativen Forschung bei so "manche[m] Forscher ein unsicheres, ein unnötig ehrfurchtsvolles Verhältnis zur ungeliebten quantitativen Methodenlehre" (1993, S.254) vorherrscht. Anzeichen dafür sind im Anschluß an FUCHS-HEINRITZ u.a. "die heimliche (manchmal auch explizite) Befolgung einer quantitativen Logik der Auswertung" (a.a.O., S.255), wenn etwa in Studien trotz geringer Fallzahl unzulässige Verallgemeinerungen vorgenommen werden, vielleicht auch, um dem (antizipierten und realen) "'Vorwurf' die vorgelegten Ergebnisse könnten Gültigkeit nur für die analysierten Einzelfälle beanspruchen'" (a.a.O.), Paroli bieten zu können. So wird immer wieder mit Häufigkeiten argumentiert, was nicht nur aufgrund der unsicheren Datenbasis den Hauch des Unseriösen aufweist. Auch führt die Tendenz, den angestrebten und möglicherweise falsch verstandenen Anspruch der Generalisierbarkeit zu erfüllen (der nicht selten auch im Sinne von Repräsentativität ausgelegt wird) dazu, daß die Studien mit hohen Fallzahlen ausgestattet werden. (Nur am Rande sei notiert, daß nicht wenige Autor[inn]en wohl als Ausdruck ihrer unhinterfragten Akzeptanz quantitativer Forschung, von "Probanden", lexikalisch also Testpersonen, sprechen, womit sie entgegen ihrer postulierten epistemologischen Haltung das selbst-reflexive Subjekt als "Datenträger" be- bzw. als Forschungsobjekt abwerten). Mit solchen Vorgehensweisen, die geleitet sind von einem großen N, handeln sich die Forscher(innen) gleichzeitig ein, "einen erheblichen Teil des Erkenntnisgewinns [zu verschenken]" (a.a.O.). Denn in der Regel wird damit eine Entscheidung für eine themenzentriert-komparative Vorgehensweise getroffen; dagegen unterbleibt beinahe ausnahmslos, das Textmaterial in seiner inneren Sequenziertheit zu analysieren, ebenso häufig wird die Betrachtung der Interaktion von forschendem und beforschtem Subjekt unterlassen. Insofern findet sich nicht selten in Bezug auf den konkreten Umgang mit dem Fallmaterial die Gepflogenheit, dieses "im Sinne von Belegen für Verallgemeinerungen in die Ergebnisdarstellung einzustreuen" (a.a.O.), ohne die Kontextualität des Materials zu berücksichtigen. Zudem werden mit einem solchen Beleg-Zitations-Modus "die Textstellen ... meist nicht gründlich interpretiert" und "das Spektrum möglicher Varianten wird selten vorgestellt" (a.a.O.). [23]

Für die entwicklungspsychologische Forschung ist zudem problematisch, daß von den je konkreten inhaltlichen Bezügen in den Daten sehr häufig keine Notiz genommen wird. Die Antworten werden lediglich im Hinblick auf ihre formale Gestaltung betrachtet (und eingeordnet), die in den Aussagen enthaltenen Inhalte werden aufgrund des Erkenntnisinteresses in einem solchen Maße abstrahiert bzw. beinahe wie lästiges (erzählerisches) Beiwerk für die Erforschung von Strukturmerkmalen behandelt, daß die Gefahr besteht, Aussagen über ges(ch)ichtslose Subjekte zu treffen (vgl. dazu die Darlegungen von Bea LINDNER [2001], die auf die im Rahmen strukturgenetischer Forschungsarbeiten aufgrund der verwandten, von Mathematiker(inne)n entwickelten Methodik der "Formalen Begriffsanalyse" eingehandelten Reduktionen eingeht). [24]

4. Perspektiven einer "Qualitativen Entwicklungspsychologie"

Die bis hier in der zusammengetragenen Umschau akzentuierten Kritikpunkte können auch helfen, die Perspektiven und Potentiale und Stärken einer Qualitativen Entwicklungspsychologie deutlicher zu konturieren, als dies bislang kursorisch vorgenommen wurde. Dabei sind insbesondere die innerhalb der qualitativen Forschung vorgetragenen Überlegungen zum Prozeßcharakter von Gegenstand und Forschung herauszuheben und zu den Vorstellungen von Entwicklung als Veränderungsgeschehen in Beziehung zu setzen. Diese vorgeschlagene Verknüpfung von Prozeßanalyse und qualitativer Forschung geht vor allem von der forschungsprogrammatischen Leitlinie aus, daß jedes Datum in einer (Erhebungs-) Situation das Ergebnis eines gemeinsamen Herstellungsprozesses der an der Situation Beteiligten ist. Demnach sind also ("hervorgerufene") Handlungen und Aussagen nicht als statische Repräsentationen (miß-) zu deuten. Innerhalb der qualitativen Forschung ist mit der Ausgangsannahme, daß jede "Messung" ein Eingriff und damit eine Veränderung des Gegenstandsbereiches bedeutet, sich also im Forschungsprozeß sowohl die Forscher(innen) als auch ihre "Gegenstände" ändern, impliziert, die Subjektivität der Forschenden nicht als "Störvariable" zu verstehen; entsprechend gelten Versuch(ung)e(n), die Subjektivität "meßtechnisch" zu kontrollieren oder auf anderem Wege zu neutralisieren bzw. die Vorstellung, diese überhaupt eliminieren zu können, als gegenstands- und methodologisch unangemessen. (Zu dem für die quantitative Forschung charakteristischen "Phantom der Störungsfreiheit", das auch der qualitativen Forschungspraxis oft genug inhärent ist, siehe ausführlich MRUCK & MEY 1996). [25]

Das Verständnis von wechselseitigen Bezugnahmen im Forschungsprozeß und vom "Konstruktions-Charakter" von Daten findet sich auch innerhalb der entwicklungspsychologischen Forschung und hier vornehmlich in jenem Arbeitsfeld, das an die Tradition von Lev WYGOTSKI (1985, 1987), den Begründer der kulturhistorischen Schule, anschließt und in dem der Terminus "Ko-Konstruktion" produktiv gewendet wurde (z.B. von VALSINER 1998). Gleichwohl gilt auch hier, daß zumeist eine direkte Bezugnahme auf eine qualitative Forschungsmethodologie unterbleibt; zum Teil wird die eigene methodische Position auch als "ein nicht-dogmatischer qualitativer Ansatz" (HUNGERIGE & JOSEPHS 1997) deklariert. In diesen Arbeiten, häufig unter Bezugnahme auf WYGOTSKIs Konzept der "Zone der nächsten Entwicklung", zum Teil auch basierend auf Überlegungen zu Transformationsexperimenten, die auf Urie BRONFENBRENNER und dessen Leitsatz "Wenn Sie etwas verstehen wollen, versuchen Sie es zu ändern" (BRONFENBRENNER 1979/1981, S.58) zurückgehen, wird herausgestellt, daß jede Untersuchung (ungeachtet ihrer konkret verwandten Methoden) eine Ko-Konstruktion beinhaltet (siehe dazu VALSINER 2000). Dies bedeutet nicht nur, daß die Forschenden immer Assistent(inn)en bei der Herausarbeitung von (neuen) Strukturen sind, sondern auch, daß diese in die Analyse der Daten und ihre Interpretation eingehen und entsprechend zu beachten sind (siehe dazu auch die Darlegungen von Rolf OERTER [1999], der in seinem Aufsatz vornehmlich die von den Forschenden vorgenommenen Vor- und Nachstrukturierungen, also die Rekonstruktionen, thematisiert und die daraus abgeleiteten Vorkehrungen einer argumentativen und konsensuellen Validierung erörtert). [26]

In dieser forschungsprogrammatischen Konzeption des ko-konstruktivischen Charakters von Daten und in der Berücksichtigung der kontextuellen Verfaßtheit der Untersuchungssituation (also des jeweils in einer Untersuchungseinheit unterbreiteten Beziehungsangebots und der in der Folge stattfindenden Beziehungsgestaltung), vor allem aber in deren forschungspraktischer Umsetzung erscheint – neben anderen bereits vermerkten Anknüpfungspunkten zu einer qualitativen Forschungsorientierung – der Dreh- und Angelpunkt einer Qualitativen Entwicklungspsychologie lokalisierbar. So hat zunächst die Überlegung, daß die jeweilige Erhebungssituation ein einmaliges (und damit nicht wiederholbares) Interaktions-Geschehen zwischen zwei (oder mehreren) forschenden und beforschten Subjekten ist, eine große Bedeutung für eine entwicklungspsychologische Perspektive, wenn die Erhebungssituation nicht als eine Ereigniseinheit, sondern als eine Ereigniskette – selbst wenn nur zu einem Erhebungszeitpunkt – verstanden wird. Angesichts der Temporalität der in den jeweiligen Studien untersuchten Entwicklungsaspekte – ob nun Erfahrungen, Handlungen, Deutungsmuster, Orientierungen, Motive etc. – sind die fokussierten Phänomene dann nämlich nicht mehr als isoliert (noch als isolierbar) und punktuell zu verstehen, sondern als ein zeitlich strukturiertes Ensemble (siehe dazu etwa Jürgen STRAUB 1989, S.115ff. für die Biographieforschung). In diesem Sinne lassen sich die in einer (Erhebungs-) Situation hintereinander stattfindenden (Inter-) Akte verstehen als ein (Zwischen-) Produkt-Produkt-Abfolge-Prozeß, in dem ein Phänomen aus einem "Zustand" (wohl richtiger: Prozeßgeschehen) heraus einen anderen "Zustand" (ein anderes Prozeßgeschehen) konfiguriert bzw. in ihm transformiert wird. Verlaufsanalysen (mit einer genauen Betrachtung des Konstitutionsprozesses des je interessierenden Phänomens) können entgegen einer (vorschnellen) Zusammenschau der (abrufbaren) Ergebnis-Inhalte dazu beitragen, die Prozeßperspektive in entwicklungspsychologischen Forschungen zugänglich zu machen. [27]

Damit wäre ein Zugang zur Erforschung von Entwicklungsprozessen (wieder) frei gelegt, den bereits weitestgehend vergessene und vernachlässigte theoretisch-methodologische Ansätze der frühen Entwicklungspsychologie als genuin entwicklungspsychologische Betrachtungsperspektive formierten: die Aktualgenese (in der Terminologie von Friedrich SANDER 1927, 1932) bzw. die Mikrogenese (im Sprachgebrauch von Heinz WERNER 1926, 1937). Mit ihnen wird eine Aufwertung der (Untersuchungs-) Situation für entwicklungspsychologische Studien möglich, indem diese selbst als Analyseeinheit, in der sich Entwicklung ereignet, betrachtet wird – auch wenn Ingrid JOSEPHS (1997) wohl zurecht festhält: "Natürlich sind mikrogenetische Ansätze kein Allheilmittel, schließlich bleibt zu fragen, wie Mikrogenese und Ontogenese miteinander zusammenhängen, eine Frage, der notwendigerweise nachgegangen werden muß. Doch zumindest steht die Prozeßanalyse und damit die explizite Entwicklungsperspektive auf ihrem Programm". [28]

Ein möglicher innovativer Bezugspunkt für die Frage nach dem Zusammenhang zwischen mikrogenetischen und ontogenetischen Veränderungen könnte in dem gerade prosperierenden Forschungsfeld "narrative Psychologie" liegen. Denn dort lassen sich für die Grundannahme, daß Subjekte sich im Prozeß des Erzählens verändern, (erzähl-) theoretische Überlegungen zum Zusammenhang von Lebensgeschichte und Aktualgeschichte finden. Bei dem Versuch, die erlebte und erzählte Lebensgeschichte und damit die Zeithorizonte Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aufeinander zu beziehen, werden die Phänomene in ihrer inhaltlichen Ausprägung und zugleich in ihrer zeitlichen Dimensionierung thematisch, wobei weder die Inhalte noch die Formen von Erzählungen unabhängig voneinander, sondern nur in ihrer Bezogenheit aufeinander verstanden und interpretiert werden. Mit einem Rekurs auf die narrative Psychologie wäre zudem möglich, die experimentelle Ausrichtung mikrogenetischer Studien zu rekonzeptualisieren (dies würde auch die im Absatz [9] erwähnte Kritik BRONFENBRENNERs an experimentellen Designs berücksichtigen helfen), vor allem aber könnte die Rolle der Forschenden als Kompliz(inn)en im Konstruktionsprozeß angemessen berücksichtigt und die (aktive und gemeinsame) Akteurschaft als Ko-Konstruktion auch empirisch faßbar gemacht werden. [29]

Ziel und Ausgangspunkt eines solchen Vorgehens sind die sequenziellen Analysen des Materials, entlang derer versucht wird zu verstehen, wie Subjekte Zug um Zug (Interakt für Interakt) ihre Antworten entwickeln, diese im Fortgang der Darlegungen miteinander in Beziehung setzen und die Interventionen (bei Interviews also die Fragen, Kommentare, Anmerkungen des Interviewenden) (nicht) aufgreifen. Bei dieser kurzzeitlichen Aktivität des Konstruierens wird wiederum unter Rückgriff auf die eigene Erfahrungsgeschichte (Biographie) diese ihrerseits eingebettet in die Aktualgeschichte (-situation), wodurch zurückliegende Erfahrungen in den jeweiligen Kontext eingepaßt werden bzw. eingepaßt werden müssen. Die in solchen sequenziellen Betrachtungen erkennbaren Erzähl-, Darstellungs- und Argumentationsketten verweisen mitunter auf einige Umschriften, also veränderte Erzählungen, Darstellungen und Argumentationen, die dann vor dem Hintergrund der gesamten Sequenzen zu interpretieren sind. Damit kann vor allem versucht werden, die einzelnen Sequenzen in ihrer jeweiligen Kontextgebundenheit zu verstehen und die Ausgestaltung der (möglicherweise verschachtelten und nebeneinander verlaufenden) Themen über die (Erhebungs-) Zeit zu rekonstruieren. Zudem richtet sich die Aufmerksamkeit auf das Erzählte und erzählerische Handeln bzw. (Inter-) Agieren, insofern bildet die konkrete Erhebungssituation den rekursiven Bezugspunkt für das Erzählte und damit eine erste Möglichkeit der Validierung. (Eine detaillierte Darstellung, wie Mikrogenesen einzelner Situationen und die darin vorliegenden Interaktionen zwischen beforschtem und forschendem Subjekt in den Kontext des Gesamtinterviews eingebunden sind und wie Praktiken des Erzählens mit dem Erzählinhalt korrespondieren, findet sich in MEY 1999 anhand einiger Falldarstellungen Jugendlicher, die im Abstand von einem Jahr zweimal interviewt wurden. Zu narrativen Ansätzen siehe die Monographien z.B. von BRUNER 1990/1997 oder von POLKINGHORNE 1988, die von Peter MATTES und Jens BROCKMEIER editierte Aufsatzsammlung im Themenheft "Diskurs und Erzählung" des JOURNALs FÜR PSYCHOLOGIE 1999b oder die auf Theoriepositionen bezogenen Beiträge in STRAUB 1998; für zusammenfassende Darlegungen siehe auch KRAUS 1996 oder MEY 1999.) [30]

5. Schlußbemerkung

Innerhalb der Entwicklungspsychologie steht eine Diskussion aus, in der die Frage nach den Gründen der Nicht-Zurkenntnisnahme einer qualitativer Forschungslogik und qualitativer Verfahren zu stellen bleibt. Daß diese Diskussion nicht einfach sein wird, legt schon die Kluft zwischen der Forderung an entwicklungspsychologische als "theoriegeleitete" Forschung nahe, daß also Daten theoriegeleitet zu erheben und zu analysieren seien, die schwer vereinbar zu sein scheint mit dem Prinzip der Offenheit, das sich wie ein roter Faden quer durch alle methodischen Ansätze qualitativer Forschung zieht und das dort angezielte Verhältnis von Theorie-Empirie betrifft. Hier wird gegenüber einem deduktiven Ansatz eine "verzögerte Strukturierung" gefordert und "auf Hypothesenbildung ex ante" verzichtet (HOFFMANN-RIEM 1980, S.343). [31]

Aber statt mit einer solchen – möglicherweise "ideologieträchtigen" – Debatte um das richtige Paradigma zu verhindern, daß eine qualitative Forschungsperspektive gleichberechtigt und d.h. jenseits der zugeschriebenen Rolle als explorativ bzw. hypothesengenerierend innerhalb der entwicklungspsychologischen Forschung installiert werden könnte, sollte in dieser Diskussionen immer wieder die Frage ins Zentrum gerückt werden, wie sich entwicklungspsychologische "Gegenstände" angemessen hervorrufen, beschreiben und "abbilden" lassen. Aus der Perspektive der qualitativ orientierten Entwicklungspsychologie lautet eine mögliche Antwort darauf, daß es sich um ein methodisches Vorgehen handeln muß, das vorsieht, Entwicklung als Prozeß zu erhalten; wichtig scheint eine entwicklungspsychologische Perspektive, die Phänomene nicht in einzelne Variablen "zerlegt" und damit letztlich Entwicklung aus den Beschreibungen der Entwicklungspsychologie eliminiert. [32]

Daraus ergibt sich, künftig auch solche Verfahren stärker aufzugreifen und für entwicklungspsychologische Fragestellungen (weiter) zu entwickeln, die helfen können, longitudinale Versionen des sich Ereignens zu evozieren. Dies bedeutet zum einen die Notwendigkeit der Berücksichtigung von Erhebungs- und Auswertungsverfahren, die insbesondere ihre breite Anwendung und Weiterentwicklung im Rahmen biographischer Studien erfahren haben, und die für die Entwicklungspsychologie besonders interessant sein könnten, weil dort ähnlich dem entwicklungspsychologischen Fokus auf temporale Strukturen abgehoben wird. Zum anderen wird es darum gehen müssen, bereits vorliegende Verfahren und Konzepte entwicklungspsychologischer Forschung zu nutzen, allerdings unter der Maßgabe, daß ihre Bezüge zum "Entwicklungsgedanken" wieder herausgearbeitet und auch in der Forschungspraxis befolgt werden. Dies setzt seinerseits eine Auseinandersetzung mit den im Laufe der Geschichte der Entwicklungspsychologie eingehandelten (Selbst-) Beschränkungen voraus, die folgenreich waren für eine Fachdisziplin, deren selbst gestecktes Ziel ist, Aussagen zu treffen über die (Genese der) Subjektentwicklung (weiterführende und differenzierende Erörterungen dazu finden sich in VALSINER & VAN DER VEER 2000/im Druck). [33]

Eine Entwicklungspsychologie, die nicht nur deutlicher ein "qualitatives Denken" berücksichtigt, sondern sich auch wieder stärker auf die eigenen Tradition des Entwicklungsdenkens besinnt, könnte – dies sei abschließend nur noch kurz notiert – auch Anstöße liefern für eine qualitative Forschung, die ihrerseits noch weit davon entfernt ist, in der konkreten Forschungsarbeit die Leistungsfähigkeit zu entfalten, die ihre Programmatiken zum Prozeßcharakter von Forschung und Gegenstand nahelegen. Dazu gehört m.E. ernst zu nehmen und sich im Zuge des Arbeitens immer wieder im Klaren zu sein, daß die gewonnenen Materialien als Dokumente sozialer Interaktion in der Zeit zu betrachten sind. Entsprechend ist gefordert eine systematische Reflexion der evozierten Veränderungen des beforschten Subjekts durch die Erhebungssituation und durch die Interaktion mit dem forschenden Subjekt, als auch die Reflexion von Veränderungen auf Seiten des forschenden Subjekts durch die Kontaktaufnahme mit dem beforschten Subjekt und mit dem produzierten Material. Denn so wie nach einer Erhebungssituation, in der eine (Tat-) Sache verhandelt, entwickelt und gebildet wurde, die Subjekte nicht mehr jene sind, die sie zuvor waren, so wenig ist eine Interpretations- und Verstehensleistung möglich ohne Veränderung (Entwicklung) des verstehenden und interpretierenden Subjekts. [34]

Danksagung

Hilfreich für die vorgestellten Überlegungen waren die vielen nachmittäglichen Gespräche mit Jaan VALSINER während seines Aufenthalts im Sommer 1999 als Gastprofessor an der Technischen Universität Berlin, gerade weil er häufiger in Fragen qualitativer Forschung einen anderen Akzent setzt (und z.T. andere Vorlieben hat). Besonderer Dank gilt meiner Partnerin und Kollegin Katja MRUCK für ihre hilfreichen Anmerkungen und vorgeschlagenen Korrekturen. Ebenso sei Franz BREUER gedankt für seine kritischen Kommentare zu einer früheren Fassung des Beitrags.

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Zum Autor

Günter MEY ist wissenschaftlicher Assistent an der Technischen Universität Berlin im Fachgebiet Entwicklungspsychologie. Er hat dokumentarische Filmarbeiten zu jugendkulturellen Lebensorten und Lebensstilen erstellt und in verschiedenen Forschungsprojekten zu Jugendentwicklung und kindlichen Lebenswelten gearbeitet. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der sozialwissenschaftlichen Adoleszenzforschung (insbesondere Identitätsentwicklung), der ökologischen Psychologie (insbesondere als entwicklungspsychologische Stadtforschung in der Tradition von Martha MUCHOW) und qualitativer Forschung. Als wichtige Publikationen sind neben mehreren (gemeinsam mit Katja MRUCK verfaßten) Artikeln zu qualitativer Methodologie und Methoden sein 1999 erschienenes Buch "Adoleszenz, Identität, Erzählung" (Berlin: Köster) zu nennen und der gemeinsam mit Dietmar GÖRLITZ, Hans Joachim HARLOFF und Jaan VALSINER editierte Band "Children, cities, and psychological theories. Developing relationsships" (Berlin/New York: de Gruyter, 1998).

Kontakt:

Dr. Günter Mey

Technische Universität Berlin
Psychologie im Institut für Sozialwissenschaften – HAD 40
Hardenbergstraße 4-5
D-10623 Berlin

E-Mail: mey@gp.tu-berlin.de
URL: http://www.tu-berlin.de/fb7/ifs/psychologie/entwicklung/mey

Zitation

Mey, Günter (2000). Qualitative Forschung und Prozeßanalyse. Überlegungen zu einer "Qualitativen Entwicklungspsychologie" [34 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 1(1), Art. 10, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs0001107.

Revised 7/2008



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