Volume 10, No. 1, Art. 3 – Januar 2009

Eine "virtuelle Insel für Qual-Frösche": Erfahrungsbericht einer netzbasierten qualitativen Arbeitsgruppe im Rahmen des NetzWerkstatt-Konzepts

Christine Moritz in Zusammenarbeit mit der
Leuchtfeuer-Arbeitsgruppe der NetzWerkstatt

Zusammenfassung: In diesem Beitrag werden die Arbeitsprozesse der netzbasierten qualitativen Arbeitsgruppe "Leuchtfeuer" (NetzWerkstatt-Konzept, Institut für Qualitative Forschung, Internationale Akademie an der Freien Universität Berlin) aus lernender Perspektive ins Blickfeld genommen. Nach der Vorstellung der Arbeitsgruppe und deren Rahmenbedingungen (Abschnitt 1 bis 4) werden auf der Basis in der Gruppe erhobener qualitativer Daten und entlang einer im Gruppenprozess explorierten Metapher, der des "Insellebens" (Abschnitt 5.1.), drei wesentliche Eigenschaften der Gruppe zusammengefasst: "Freiwilligkeit im Kommen und Gehen und Geben und Nehmen" (Abschnitt 5.1.1), "Spezifik der Lebensphase Promovierender" (Abschnitt 5.1.2) und "Abgrenzungs- und Schutzmechanismen der virtuellen Inselwelt" (Abschnitt 5.1.3).

Der Frage, inwieweit das "Inselleben" den spezifischen Erfordernissen eines qualitativen Forschungsstiles gerecht wird, widmet sich Textabschnitt 5.2: Die explorativen Phasen qualitativen Forschens erfordern fachlichen Austausch in Bereichen des "Entwurfhaften und Vorläufigen" (Abschnitt 5.2.1), welches durch die in der "Inselwelt" erworbene Bereitschaft zu "Spontaneität" (Abschnitt 5.2.2) und "Fluidität" (Abschnitt 5.2.3) der Kommunikationshandlungen expliziert werden kann. Diese Situation einer erhöhten Kommunikationsaktivität von Promovierenden regt auf der einen Seite produktive Kognitionen und abduktive Denkprozesse an, auf der anderen Seite werden innerhalb eines langwierigen "Denk-, Auseinandersetzungs- und Produktionsprozesses" (Abschnitt 5.2.4) (selbst-) reflexive und selektive Fähigkeiten der Forschenden hinsichtlich der eigenen Forschungsthematik erforderlich.

Die Rahmenbedingungen des NetzWerkstatt-Konzepts – insbesondere Schutz und Kontinuität der Gruppe – konstatieren demnach aus Perspektive der Teilnehmenden ein im virtuellen Raum potenziell funktionsfähiges und lebensweltlich abgrenzbares Kommunikationsfeld. Die Möglichkeiten, die über die permanente und quasi-automatische Fixierung der als Gegenwartshandlung zu bezeichnenden schriftsprachlichen Kommunikationshandlungen der Arbeitsgruppe hinsichtlich wissenschaftlicher Reflexions- und Produktionsprozesse eröffnet werden, wurden in den entsprechenden Fachdiskursen bisher noch nicht ausreichend wahrgenommen.

Keywords: "NetzWerkstatt"; Netzkommunikation; Lehren und Lernen qualitativer Methoden; qualitative Forschung; Qualifikationsarbeit; Selbstreflexivität; Interdisziplinarität

Inhaltsverzeichnis

1. Vorstellung der qualitativen Arbeitsgruppe "Leuchtfeuer" der NetzWerkstatt

2. Technische Rahmenbedingungen und Art der Arbeitsinhalte

3. Arbeitsprinzipien der netzbasierten qualitativen Arbeitsgruppe

4. Ausgangssituationen und Gründe für die Teilnahme an der NetzWerkstatt-Gruppe

5. Zusammenfassung wesentlicher Erfahrungen aus der NetzWerkstatt

5.1 "Virtuelles Inselleben"

5.1.1 Freiwilligkeit im Kommen und Gehen und Geben und Nehmen

5.1.2 Spezifik der "Lebensphase Promovieren"

5.1.3 Abgrenzungs- und Schutzmechanismen der "Inselwelt"

5.2 Spezifische Bedürfnisse eines qualitativen Forschungsstils

5.2.1 Entwurfhaftes, Vorläufiges, Unbestimmtes

5.2.2 Spontaneität

5.2.3 Fluidität

5.2.4 Produktionsprozesse

6. Fazit

Anhang

Anmerkungen

Literatur

Zur Autorin

Zitation

 

Gewidmet Katja Mruck, Günter Mey
und dem NetzWerkstatt-Team

In diesem Artikel soll die lernende Perspektive einer netzbasierten qualitativen Arbeitsgruppe der NetzWerkstatt – einem Angebot des Instituts für Qualitative Forschung der Internationalen Akademie an der Freien Universität Berlin – ins Blickfeld genommen werden. Ziel ist es, einen Einblick in die online-spezifische Zusammenarbeit zu geben sowie Erfahrungen der Arbeitsgruppe "Leuchtfeuer" zu bündeln, um diese anschließend in Bezug zu den qualitativen Forschungsprozessen der Einzelarbeiten zu setzen. [1]

Während die Zahl methodischer Veröffentlichungen zu den Stichworten "kollektive Auswertungsprozesse" und "Selbstreflexivität" aus lehrender Sicht in den letzten Jahren nicht nur in forschungsreflexiver (z.B. BREUER 1996; MRUCK & MEY 1998; BREUER & REICHERTZ 20011)), sondern auch in forschungspragmatischer Hinsicht erfreulich zunimmt (z.B. BREUER & SCHREIER 2007; KNOBLAUCH 2007; DAUSIEN 2007), ist weiter ein Mangel an Veröffentlichungen aus der lernenden Perspektive festzustellen. Erst wenige Einzelbeiträge (z.B. DIERIS 2007; GRAMESPACHER, KUHN & MEISTER 2004; GRAMESPACHER, ALBERT, HUNGER & LÜSEBRINK 2009) füllen einen bislang verhältnismäßig unerforschten Raum. [2]

Aus diesem Grund wurde ab Februar 2008 die Idee zu einem gemeinsamen Artikel verwirklicht, der die Erfahrungen der Zusammenarbeit der NetzWerkstatt-Gruppe "Leuchtfeuer" – eine Arbeitsgruppe aus derzeit acht DoktorandInnen – bündeln sollte. Notwendig für dieses Vorhaben war zunächst die Einigung über eine mögliche "Datenerhebung" innerhalb der Arbeitsgruppe, auf welcher der vorliegende Artikel basieren sollte. Es wurde zu diesem Zweck im Sinne eines Einstiegs in die Thematik ein "Kurzfragebogen" erstellt2), und im Anschluss daran wurden zwei Gruppen-Chats durchgeführt. Der erste Chat enthielt als Arbeitsmaterial die tabellarisch aufgeführten und anonymisierten Antworten des Fragebogens, Chat II enthielt als Arbeitsmaterial einen fortgeschrittenen Entwurf dieses Artikels. Auf diese Weise konnten die entstehenden Aspekte diskutiert und sukzessive verdichtet werden. Zusätzlich wurden in geringem Umfang Daten aus dem Chat-Archiv und der Mailingliste der Arbeitsgruppe im Zeitraum 01/07 bis 06/08 verwendet. Die Einigung auf die Rahmenbedingungen des Vorgehens belief sich auf die Aufgabenverteilung im Zusammenhang mit dem Schreiben des Artikels und die Form der Anonymisierung der entstehenden Daten. Die Doppelrolle meiner Person als Teilnehmende am Arbeitsgeschehen und die Ereignisse gleichzeitig Steuernde und Interpretierende wurde angesprochen und über die Kennzeichnung meiner Beiträge entweder als TN (Teilnehmende) oder als A (= Autorin) differenziert. Die Redigierung des entstehenden Artikels durch alle Teilnehmenden wurde im Sinne einer konsensuellen Validierung (MRUCK 2000, [32]) bis zum Stadium der Einreichung des Artikels zur Veröffentlichung vereinbart3). [3]

Im Folgenden möchte ich die Ergebnisse dieser Zusammenarbeit darstellen. Hierbei war ich auf der Grundlage eines subjektorientierten Forschungsverständnisses (BREUER 1996; KURT 2002) bemüht, die explorierten Kategorien nicht etwa "zugunsten eines (Ab)Bildes des anderen, des Objekts, das wieder ein bisschen wirkt wie ein Foto ohne Kamera und ohne Fotograph(in)" (MRUCK 1999, S.5) darzustellen, sondern deren Hervorbringung durch mich als Forschungssubjekt und Forscherin unter Bezugnahme auf die Daten durchgehend zu kennzeichnen. [4]

1. Vorstellung der qualitativen Arbeitsgruppe "Leuchtfeuer" der NetzWerkstatt

Die NetzWerkstatt wurde als Pilotprojekt im Januar 2003 durch die Unterstützung der Freien Universität Berlin und eine Anschubfinanzierung der Hans-Böckler-Stiftung ins Leben gerufen (siehe zu [Online-] Vorarbeiten und Angeboten MRUCK & MEY 1998; MEY, OTTMAR & MRUCK 2006). Inzwischen ist die NetzWerkstatt Bestandteil des Instituts für Qualitative Forschung in der Internationalen Akademie an der Freien Universität Berlin. Das Konzept der NetzWerkstatt ermöglicht die hochschulübergreifende Bildung von interdisziplinären Online-Arbeitsgruppen für an einer qualitativen Qualifikationsarbeit (überwiegend Dissertationen) arbeitende Personen. Die Arbeitsabläufe der Gruppen werden auf der Basis des Peer-Support-Prinzips überwiegend selbst organisiert. Das NetzWerkstatt-Team des Instituts für Qualitative Forschung übernimmt jedoch nach wie vor neben der Einführung neuer TeilnehmerInnen die Moderation nach Anfrage und den technischen Support bei Bedarf. [5]

Die Teilnahme an einer der Arbeitsgruppen ist einem gewissen "Aufnahmeprozedere" unterworfen. Wohl wichtigstes Element ist eine "Kurzbewerbung", welche in enger Rücksprache mit der jeweiligen Gruppe durchgeführt wird. Die schriftliche Unterzeichnung einer "Schweigepflicht" über in der Gruppe stattfindende Ereignisse und verwendetes Material bei Gruppeneintritt stellt ein zweites wesentliches Element der Aufnahme dar. Diese beiden Elemente üben einen nicht unerheblichen Einfluss auf das Gruppengeschehen aus, wie weiter unten ausgeführt wird. Jede derzeitige Gruppe hat darüber hinaus über einen längeren Zeitraum eine eigene Moderatorin, die die Gruppe bei Bedarf unterstützt.4) [6]

Die TeilnehmerInnen der Arbeitsgruppe mit dem Namen "Leuchtfeuer" arbeiten zurzeit an Themen aus dem Bereich der Pädagogik (Erwachsenenpädagogik, Sonderpädagogik, Instrumentalpädagogik, Biologiedidaktik), Humangeografie und Journalistik. Dieses Themenspektrum beinhaltet auch ein breites Spektrum an methodischen Herangehensweisen, die von der Grounded-Theory-Methodologie (GTM) und Qualitativer Heuristik bis zur Qualitativen Inhaltsanalyse reichen. Im April 2008 gehören acht aktive TeilnehmerInnen (sieben weibliche, ein männlicher) der Gruppe "Leuchtfeuer" an. Die durchschnittliche Promotionsdauer beträgt zum Zeitpunkt der Datenerhebung für diesen Artikel 28,5 Monate. Die Leuchtfeuer-Gruppe wurde in zwei Fällen zu Beginn der Promotion, in den anderen Fällen zu einem späteren Zeitpunkt aufgesucht. Vier der TeilnehmerInnen befinden sich im "Endspurt" vor der Verteidigung. Drei der TeilnehmerInnen verfügten vor der Zugehörigkeit zur Gruppe über E-Learning-Erfahrungen, fünf jedoch nicht: als "positiver Nebeneffekt" wurde das Lernen im Bereich der Netzkommunikation von fünf TeilnehmerInnen in den offenen Fragen des Fragebogens erwähnt.5) [7]

2. Technische Rahmenbedingungen und Art der Arbeitsinhalte

Die Kommunikation der Arbeitsgruppe wird technisch durch das Center für Digitale Systeme (CeDiS) der Freien Universität Berlin unterstützt.6) Zu den verwendeten elektronischen Werkzeugen gehört die Lernplattform Blackboard (Dokumentenablage, Archivfunktion, Kalenderfunktion, Nutzung eines "Chat rooms" als zeitsynchrone schriftliche Kommunikationsform) und eine Mailingliste, über die in zeitlich asynchroner schriftlicher Kommunikation der größte Teil der anfallenden Verständigungsarbeit geleistet wird. Hier werden Datenmaterialien, methodische Detailfragen, verfasste Textabschnitte, Forschungsantragsentwürfe, Teile der Dissertation, Modellentwürfe u.v.a. expliziert, kommuniziert und interpretativ bearbeitet. Beide Kommunikationswege sind passwortgeschützt und ausschließlich den TeilnehmerInnen der Gruppe "Leuchtfeuer" sowie denjenigen MitarbeiterInnen aus dem NetzWerkstatt-Team, die in der Gruppe Moderations- oder Koordinationsaufgaben (technischer Support) wahrnehmen, zugänglich. Zusätzlich zu den virtuellen Kommunikationsweisen werden in regelmäßigen Abständen (derzeit etwa ein- bis zweimal jährlich) durch die Teilnehmenden "reale" Treffen, sogenannte "Offline-Treffen", organisiert. [8]

3. Arbeitsprinzipien der netzbasierten qualitativen Arbeitsgruppe

Die Gruppe arbeitet nach dem Konzept der "Projektwerkstatt qualitativen Arbeitens" (MRUCK & MEY 1998), das u.a. auf die Prinzipien und Postulate der "Themenzentrierten Interaktion" (TZI) zurückgreift (COHN 1975) und diese auf die Kommunikationsprozesse qualitativer Forschungsgruppen überträgt. Die beiden Grundpostulate "Störungen haben Vorrang!" und "Be your own Chairperson!" spielen in der NetzWerkstatt, bedingt durch den netzspezifischen Kommunikationshabitus, eine große Rolle. Auch im Rahmen der Gruppenkommunikation wurden während des Erhebungszeitraumes für diesen Beitrag die beiden Postulate immer wieder erwähnt. [9]

Die "Prinzipien" spielen darüber hinaus im Vorfeld einer Bewerbung eine nicht unerhebliche Rolle: an der NetzWerkstatt interessierte Personen können (und sollen) Überlegungen hinsichtlich einer persönlichen Passung des Arbeits- und Forschungsstils anstellen.7) Die "Prinzipien" wurden in Chat I mit der Zuschreibung "Teil des Auswahlprozederes"8) versehen, welches jedoch weniger nach Leistungskriterien als vielmehr nach einer offenen und selbstreflexiven Haltung der Forschenden fragt: "Ich denke, dass durch das Aufnahmeprozedere eine Auswahl stattfindet. Nur Menschen, die sich wirklich auf einen intensiven Austausch einlassen möchten, melden sich." Die "Prinzipien" scheinen nicht nur im Zusammenhang mit einer eventuellen Aufnahme in eine der Arbeitsgruppen, sondern nachhaltig zu prägen. Ein langjähriges Mitglied der Gruppe erwähnt: "Die E-Kommunikation erfordert einige Spezifika. Dadurch, dass die einführenden Texte z.B. zu TZI gegeben sind, sind von vornherein ganz bestimmte Kommunikationsregeln und -stile klar." Die Teilnehmenden der Arbeitsgruppe berichten überwiegend über positive Erwartungen im Zusammenhang mit der Einführung durch die "Prinzipien": "Als ich das gelesen habe, war mir klar: da muss ich hin." [10]

Neben den "Prinzipien" sorgt eine sogenannte "Netiquette"9) für die Konstitution eines funktionsorientierten Kommunikationsstils. Sie regelt konfliktpräventiv den störungsanfälligen, sensiblen Frage- und Antwortmodus einer Netzkommunikation, denn als Neuling müsse man "anfangs erst lernen, dass Internetkommunikation bedeutet, dass man sich noch expliziter ausdrücken muss, da andere nonverbale Kommunikationskanäle wegfallen". Die "Netiquette" hebt aus diesem Grund insbesondere die Notwendigkeit hervor, alle non- und paraverbalen Kommunikationsinhalte schriftlich zu explizieren. Besonders wichtig ist Kommunikation über Nichtkommunikation, also über "verschiedene Formen von Abwesenheit" aus der Gruppe, sei es in Form einer ausbleibenden Einzelantwort auf eine Anfrage, sei es in Form einer Abwesenheit über mehrere Tage oder Zeitabschnitte. Denn nichts sei so wichtig wie das "Vermeiden dieses scheußlichen leeren Fleckens" (Chat I: 21:14:07), und besonders die Netzkommunikation lasse "Schweigen [als] immer vieldeutig – aber im Netz besonders gefährlich" (Chat I: 21:17:22) erscheinen. Durch diese Vereinbarung entsteht demnach ein "Gefühl der Sicherheit, dass jemand antwortet [auf eigene Mails]", was die Bereitschaft erhöht, Inhalte in den Gruppenmodus einzubringen. [11]

Die "Prinzipien" und die "Netiquette" lassen sich in der Arbeitsgruppe als bereits zu Beginn die Kommunikationsprozesse lenkende und förderliche Faktoren bezeichnen, die zum Gelingen derselben erheblich beitrugen. [12]

4. Ausgangssituationen und Gründe für die Teilnahme an der NetzWerkstatt-Gruppe

Es lassen sich erwartungsgemäß heterogene Gründe für das Aufsuchen einer netzbasierten Arbeitsgruppe finden, wobei einem erlebten Mangel an qualitativ-methodischer Anleitung im eigenen Forschungsumfeld eine erhöhte Bedeutung zuzukommen scheint: Die Antworten in den Fragebögen reichen von verhältnismäßig gelassenen Feststellungen wie: "In meiner Hochschule gibt es kein Quali-Kolloquium" bis zu drastischeren Äußerungen wie "fehlende Unterstützung in forschungsmethodischen Fragen durch die eigene Hochschule". Die zur Verfügung stehenden Ressourcen im eigenen Umfeld werden teilweise (und zusätzlich in spezifischen Forschungsphasen) als unzureichend oder nicht-zugänglich erlebt: "Nach der Erhebungsphase fühlte ich mich von meinem Betreuer in Methodenfragen allein gelassen." Darüber hinaus werden emotionale Faktoren wie "Not und Schwellenangst, mit Methodenfragen auf Andere zuzugehen" genannt. Ein weiterer Grund zur Teilnahme ist in der Haltung der GutachterInnen zur Mitarbeit "ihrer" DoktorandInnen in der NetzWerkstatt zu sehen, die diese in allen Fällen zumindest duldeten. Das Antwortspektrum reicht von "Da gibt es keine Haltung" oder "gleichgültig und eher erleichtert über die Entlastung von einer Aufgabe, der er sich nicht gewachsen fühlt" bis hin zu einer teilnehmend-interessierten Haltung: "Meine Gutachter sind beide sehr offen und befürwortend." Weiter werden ein Bedürfnis nach spezifischem Austausch (dies wird unten ausgeführt) und nicht zuletzt pragmatische Aspekte genannt: Die Netzkommunikation biete den Vorteil der Schnelligkeit: "(…) Ich kann alle Fragen stellen und auch noch sofort"10), und auch die "räumliche Unabhängigkeit [sei] als ein großer Vorteil" zu sehen, denn: "Ich reiste vorher von Uni zu Uni zu Kolloquien, die sich über Gäste freuten – aber das ging ganz schön ins Geld (…)", und somit spielen nicht zuletzt auch ökonomische Gründe eine Rolle bei der Wahl einer Online-Arbeitsgruppe. [13]

5. Zusammenfassung wesentlicher Erfahrungen aus der NetzWerkstatt

Nach dieser kurzen Einführung der Arbeitsgruppe möchte ich im Folgenden versuchen, auf der Basis des oben genannten Datenmaterials einige Erfahrungen der Arbeitsgruppe Leuchtfeuer zu bündeln. Dazu werde ich mithilfe einer im Chat entstandenen Metapher – "dem Inselleben" – versuchen, drei qualitative Eigenschaften der Kommunikationsprozesse zu beschreiben (Abschnitte 5.1.1 bis 5.1.3). Die Auswahl der drei Eigenschaften ist weder vollständig noch in dieser Weise festgelegt, sondern ein (Zwischen-) Ergebnis des geschilderten Auseinandersetzungsprozesses mit der Arbeitsgruppe und den in diesem Prozess entstandenen Daten. Im Anschluss an die Beschreibung der drei Eigenschaften habe ich die Daten dahingehend untersucht, inwieweit diese hinsichtlich der qualitativen Forschungsprozesse in den Einzelarbeiten der Gruppe für relevant erachtet wurden (Abschnitt 5.2). [14]

5.1 "Virtuelles Inselleben"

In Chat I wird zur Charakterisierung der Arbeit in der NetzWerkstatt-Gruppe eine Metapher verwendet: die Arbeitsgruppe Leuchtfeuer sei "so eine Art Insel des Vertrauens und der Zuverlässigkeit" (Chat I 20:42:59). Fast alle Teilnehmenden berichteten in irgendeiner Form von einem "Gefühl der Zugehörigkeit zu einer fachlichen Gruppe, verbunden mit dem Gefühl des 'Aufgehobensein[s]' ". Die "Insel" biete einen "Schonraum" (Chat I: 20:44:28) im Sinne einer "Vertrauensbasis auf der wir zusammen arbeiten, kommunizieren und uns begegnen". Zu betonen ist: "Schonraum nur in gewisser Hinsicht nicht in Sachen Arbeitspensum" (Chat I: 20:44:28). [15]

Die Metapher der "Insel" wird verwendet, um die Funktion und Bedeutung einer subjektiven Lebenswelt11) zu umfassen, zu der die Teilnehmenden eine emotionale Bindung aufbauen, und die in spezifischer Weise abgegrenzt und parallel zu den "realen" Lebensbereichen der Forschenden über das Medium Internet konstituiert wird. Drei Aspekte möchte ich im Folgenden hervorheben, die für die Charakterisierung der gruppenspezifischen Kommunikations- und Arbeitsprozesse relevant sind: für uns acht westlich orientierte MitteleuropäerInnen beinhaltet die Vorstellung eines Insellebens Aspekte der Freiwilligkeit im Kommen und Gehen und Geben und Nehmen, den Aspekt einer gewissen Spezifik, die die Promotionszeit für uns darstellt, und schließlich den Aspekt einer gewissen Distanz zur eigenen beruflich-alltäglichen Lebenswelt, und sie eignet sich daher zur Veranschaulichung der gruppenspezifischen Arbeitsprozesse. [16]

Im Folgenden werden diese Aspekte ausgeführt. Wie sich zeigen wird, bietet das "virtuelle Inselleben" der Gruppe Rahmenbedingungen, die hinsichtlich des qualitativen Arbeits- und Forschungsstils als günstig bezeichnet werden. [17]

5.1.1 Freiwilligkeit im Kommen und Gehen und Geben und Nehmen

Der erste Aspekt des "Insellebens", der in diesem Beitrag rekonstruiert werden soll, ist der der Freiwilligkeit im Kommen und Gehen, welcher sich in ganz unterschiedlicher Weise auf allen Kommunikationswegen der Arbeitsgruppe (Chat, Listenbeteiligung, Offline-Treffen) beobachten lässt. So wird zunächst der Ein- und Austritt in eine oder aus einer Kommunikationshandlung als freiwillig gestaltet bezeichnet: "Es ist ein Kommen – und Gehen – dürfen, und das wird auch akzeptiert, d.h. wenn jemand viel um die Ohren hat, dann wird dies verstanden." Auch die "Teilnahme und Teilgabe" an der Gruppenkommunikation geschieht nicht auf der Basis von determinierten Regel- oder Leistungsvereinbarungen, wie es sonst im wissenschaftlichen Betrieb eher üblich ist, sondern über kommunikative Aushandlungsprozesse entlang der Bedürfnisse rund um die Dissertationsprojekte der Teilnehmenden. Dieses Prinzip der Freiwilligkeit führt in seiner Konsequenz zu höchst dynamischen und flexiblen Gruppenprozessen, die sich zunächst in Form eines beständigen Wechsels zwischen eher dichten Phasen – "Ich habe mir nur einmal gedacht, uh je, jetzt haben aber gerade viele ganz schön viel um die Ohren, ob es dann nicht eng wird mit den Chats und der E-Mail-Beteiligung, aber irgendwie klappt es immer!"und eher ruhigeren Abläufen – "Es ist ja momentan recht ruhig bei uns in der Liste, wahrscheinlich seid ihr alle schwer am Denken und Schreiben. Weiter so!!!" (Mailingliste) – äußerlich charakterisieren lassen. Das Prinzip der Freiwilligkeit bewährt sich dabei auch in den immer wieder als arbeitsintensiv bezeichneten Phasen: "Dadurch, dass eine Rückzugsmöglichkeit jederzeit gegeben ist, entsteht auch nie ein Druck, etwas tun zu müssen, was ich nicht selbst für gut halte." Es ist daher nicht erstaunlich, dass die Anfrage eines noch "jungen" Leuchtfeuermitgliedes im Juni 2007, leistungseinfordernde Rituale12) in der Gruppe einzuführen, von den Teilnehmenden nicht befürwortet wurde. [18]

Diese zunächst ausschließlich als angenehm beschriebene Freiwilligkeit wurde in Chat I und II durch mich als Autorin mittels direkter Nachfragen vertieft. Zunächst nur zögerlich wird als die Arbeitsabläufe störend mangelnde Effektivität genannt, wobei immer wieder betont wird, dass ein solcher Mangel die Ausnahme bilde und in allen Fällen den Teilnehmenden selbst zuzuschreiben sei: "Bei anderen Chats frage ich mich manchmal ob es eine positive Erfahrung war, wenn a) zum Beispiel mehrmals der Faden verloren geht, wir uns im Kreis drehen oder b) wenig Zeit zum Vorbereiten war." Nur sehr wenige Aussagen waren kritisch, z.B. wenn "Gruppenmitglieder nicht oder wenig vorbereitet waren, hat das schon gestört. Es besteht dann keine gemeinsame Basis zum Diskutieren"; ebenso, wenn gleich mehrere Personen in einem Chat keinen Anschluss an vorangehende Arbeitssitzungen finden konnten: "Das Chatten hat in einem Fall bei mir nur dazu geführt, Grundbegriffe zu erklären, und es war auch nach 2 Stunden kein inhaltlicher Fortschritt zu erkennen für mich. Aber das war nur ein einziger Chat." [19]

Die Balancierung der starken Wechselhaftigkeit im gruppendynamischen Prozess wird aber gerade nicht durch eine äußere Strukturierung der Kommunikationshandlungen, sondern durch einen gruppeninternen und – trotz Auseinandersetzung mit dem TZI-Konzept (s.u.) bei Eintritt in die Arbeitsgruppe – eher wenig bewussten Mechanismus gesteuert: der "Freiheit im Kommen und Gehen" (Chat II: 20:32:05) stünde nämlich, so eine Teilnehmerin, eine "Bindung durch Geben und Nehmen" (Chat II: 20:32:05) gegenüber. Im Sinne der "Bourdieuschen Sozialen Kapitalien erhält Gegenleistung, wer Leistung in die Gruppe einbringt" (Chat II: 20:32:49), äußert ein NetzWerkstatt-Mitglied, ohne dass dies "jedoch explizit gegeneinander aufzurechnen" (Mailingliste) sei. Während das Einholen von Unterstützung in anderen Offline-Kolloquien mit "Schmarotzen" assoziiert wird – "Fragen Sie doch mal drüben bei den Soziologen" – wird hier der Aspekt der Gegenseitigkeit in Form einer "Balance aus Geben und Nehmen" als angenehm wahrgenommen. [20]

Bei der Betrachtung dieses bewegten Leistungsaustausches ist bemerkenswert, dass Konflikte auffallend selten auftreten. "Die Leuchtfeuergruppe ist für mich eine gelingende Gemeinschaft, wie ich sie selten erlebe – und die Fragebogen-Antworten13) haben das wie ein dreifaches ECHO bestätigt" (Chat I: 20:40:21). Obwohl der Leistungsaustausch ausschließlich über die Orientierung an den jeweiligen Erfordernissen der gemeinsamen Gegenstände (Qualifikationsarbeiten) abgestimmt wird, sind nahezu keine Reibungsstellen ausfindig zu machen, sondern ein hintergründiger Konsens bestimmt das "Inselleben": "Ich sehe das so wie in meinem [Forschungsfeld] – da sind auch so unterschiedliche Menschen zusammen, die über ein Thema zusammen kommen. Da gibt es kaum Probleme, einfach deshalb weil sie den Inselcharakter des [Forschungsfeldes] erhalten wollen (…)" (Chat I: 20:56:23). [21]

Dieser Mechanismus der Freiwilligkeit im Kommen und Gehen auf der einen, im Geben und Nehmen auf der anderen Seite wurde auch bei mehrmaligem Nachfragen in Chat I und II von allen Teilnehmenden in der Gesamtbewertung als "wirklich sehr befriedigend" erlebt und nur in seltenen Fällen hinterfragt:

"Da man ja keine Ansprüche stellen kann, sondern alles freiwillig ist, kann es schon dazu führen, dass manchmal der Eindruck entsteht, dass eigentlich gar keine innere Ressource für den Chat da ist. Der jeweils Bechattete ist natürlich voller Druck und Erwartung – für die Teilnehmenden ist es manchmal nicht leicht, dann wirklich in das gleiche Tempo hineinzukommen. Aber: meist hat sich im Nachhinein doch viel Nutzen für den Jeweiligen ergeben." [22]

Den Teilnehmenden scheint bewusst zu sein, dass Freiwilligkeit gleichzeitig einhergeht mit der Übernahme von Selbstverantwortung. "Die Erfahrung, dass nur ich selbst als Forscherin letztlich entscheiden und handeln muss – sonst macht's keiner für mich" lässt sich bestätigend wie ein Echo auf das TZI-Prinzip "Be your own Chairperson!" lesen. [23]

5.1.2 Spezifik der "Lebensphase Promovieren"

Die zweite Eigenschaft des "Insellebens" deklariert die Promotionsphase als eine spezifische, zeitlich abgrenzbare Lebensphase, welche besondere, in der alltäglichen Berufs- und Lebenswelt der Teilnehmenden nicht unbedingt einlösbare Anforderungen und Bedürfnisse aufwirft. [24]

Hervorgehoben wird die Besonderheit der Promotionsphase als "differenzierte, fachspezifische Auseinandersetzung mit [m]einem (…) sehr individuellen Forschungsthema". Im eigenen beruflichen wie persönlichen Umfeld finde sich eher selten ein Interesse der Anderen an den "(…) fachspezifischen, teilweise verschlungenen Detailfragen", die sich rund um das Promovieren stellen. Emotionale Distanz sei die Folge: "Das einsame Promovieren ist grässlich". Die Teilnahme an der Leuchtfeuer-Gruppe führe daher zum "Aufheben von Vereinzelung und Vereinsamung im Forschungsprozess" und zu einer Möglichkeit der Einlösung eines spezifisch erhöhten Bedarfs an Kommunikation. "Raus aus dem stillen Kämmerlein und dem Exotenstatus einer systematisch qualitativ Forschenden rein in eine Gruppe Gleichgesinnter mit einem gesunden Gleichgewicht von Unterstützung, Geben und Nehmen (…)." Drastischer kommt dieser Aspekt der Abgrenzung zur realen Umgebung in der Aussage "Diesen Wahnsinn versteht ja sonst kein Mensch" (Feldnotiz Offline-Treffen 28.3.08) zum Ausdruck. Der folgende Auszug aus Chat I (Chat I: 21:06:12ff) verdeutlicht die lebensweltliche Distanz, die die Promovierenden zuweilen von ihrem alltäglichen Umfeld erleben:

(…)

TN 01: (…) Genau (…) sie schütteln alle nur den Kopf über meine Listen an den Wänden - aber ich hab ja euch, drum kann ich das gut aushalten.

TN 02: Vor allem stellen die Leute immer die nervige Frage "Wann bist Du endlich fertig?"

TN 03: Genau!!!! die "Hassfrage"

TN 01: JAAAAA!!!!! JEDEN TAG!!!! FRAGEN SIE

TN 03: "Wie viele Seiten hast Du schon???"

TN 01: ;-)))))))

TN 01: Wenn ichs genau überlege: von euch hats mich noch keiner gefragt, oder?????

TN 02: (Name TN01) genauso eine Frage, aber Dir beantworte ich sie gerne (350 Seiten)

TN 02: wir DÜRFEN das !!!

TN 01: (das kommt in den Artikel!!! einschließlich Schreibfehlern")

(…) [25]

Über die Notwendigkeit der Dissertationsbewältigung scheint ähnlich einer Subkultur über die "virtuelle Insel" eine Gemeinsamkeit im Anderssein konstruiert zu werden: "Wir sind quasi eine marginalisierte Gruppe innerhalb unserer subjektiven Lebenswelten (…) und haben uns gefunden!" (Chat I: 21:05:37) [26]

5.1.3 Abgrenzungs- und Schutzmechanismen der "Inselwelt"

Als dritte Eigenschaft der "virtuellen Inselwelt" möchte ich Mechanismen zur funktionellen Abgrenzung beschreiben: die lebensweltliche Abgrenzung der NetzWerkstatt-Gruppe zum sonstigen Wissenschaftsbetrieb und die Aktivierung äußerer und innerer Schutzvorkehrungen zum Erhalt der "Insel". [27]

Die lebensweltliche Abgrenzung der "Inselwelt" wird von den Gruppenmitgliedern als eine Distanzierung zum sonst üblichen Wissenschaftsbetrieb beschrieben: "Ich halte schon die Ferne für wichtig und dass wir keine Überschneidungen im Arbeitsalltag haben" (Chat II: 20:31:18). Abgrenzung und somit Gruppenidentität erhält die "Inselwelt" aber nicht nur durch räumliche und inhaltliche Distanzierung, sondern auch durch die Ausbildung eines eigenen Kommunikationshabitus im Verhältnis zum üblichen Wissenschaftsbetrieb. Einige Teilnehmende beschreiben die Kommunikation der NetzWerkstatt als gegensätzlich oder komplementär zum üblichen Wissenschaftsbetrieb. Die NetzWerkstatt sei "nicht so furchtbar elitär wie andere Kolloquien ja oft sind", wobei hier bei der Beschreibung des "elitären" Charakters der Wettbewerbsdruck unter KollegInnen und das in wissenschaftlichen Kreisen dominierende Konkurrenzdenken unter Aktivierung starker Selbstdarstellungstendenzen genannt werden: "Ich erlebe in Kolloquien teils gewisses Balzverhalten (…)" (Chat II: 20:33:17): da es in dieser Arbeitsgruppe keinen realen Konkurrenzkampf gibt, bleiben diese Faktoren außen vor. [28]

Mechanismen zum Schutz der "Inselwelt" ("Wie schützen wir unsere schöne Insel vor Räubern?" Chat I: 20:52:37) lassen sich in vielfältiger Weise rekonstruieren. Der oben beschriebene Schutz von "außen" (z.B. Zugriff auf Daten durch Dritte) wird von allen Teilnehmenden im Rahmen des Erhebungszeitraums durch die genutzte Technologie zunächst (siehe unten) als vollständig gegeben verbalisiert. Als bedeutsam wird auch immer wieder die eindeutige Verbindlichkeit der schriftlich erklärten Schweigepflicht [siehe Paragraph 6] genannt: "Es ist [durch die schriftliche Schweigepflicht] eine Klarheit vorhanden, auf die man sich immer berufen kann. An dieser Schweigepflicht gibt es nichts zu rütteln oder zu interpretieren. Sie ist einfach so. Basta." (Chat I: 20:43:38) [29]

Schutz vor "inneren" Störfaktoren, die das "Inselleben" gefährden könnten, werden dagegen weniger thematisiert. Umschreiben lässt sich ein durchgängig konfliktpräventives Verhalten, das als "vorsichtiger Kommunikationsstil" bezeichnet wird. Eine Teilnehmerin äußert in Chat I: "Wir nehmen schon auch eine besonnene Haltung ein und feuern nicht gleich." (Chat I: 20:54:06) Diese Vorsichtigkeit wird durch die schriftliche Kommunikationsform begründet: "Wenn man da nicht vorsichtig ist, kommt's gleich falsch rüber."(Chat I: 20:55:43) Der vorsichtige Kommunikationsstil beruht teilweise auf Erfahrungen: "Die Sache mit (…)14) hat mir gezeigt: die Insel-Atmosphäre kann schnell platzen" (Chat I: 20:48:24), denn "fordernd und drängend auftreten – das geht hier nicht" (Chat I: 20:50:06). Der netzspezifische Kommunikationsmodus kommt diesem Anliegen entgegen, denn es ist möglich, die "(…) Reaktion durch die zeitliche Verzögerung des Mediums Internet/email ja [zu] steuern" (Chat I: 21:01:50). Der vorsichtige Kommunikationsstil wird überwiegend im Falle von (potenziellem) Dissens angewendet und geschieht im Bewusstsein um das Vermeiden von Konflikten im Vorfeld: "Ja, diese Art der Kommunikation verhindert auch Konflikte, glaub ich." (Chat I: 20:59:54) Denn: "Wir wollen diese kostbare Insel auch nicht zerstören mit irgendwelchen Nichtigkeiten" (Chat I: 21:01:13). Die TeilnehmerInnen reagieren umgehend durch verschiedene Handlungsweisen (s.u.), "wenn jemand diesen unausgeprochenen Konsens unserer Insel stört" (Chat I: 20:49:08), wenn auch keinesfalls vordergründig und explizit: "Tragen wir diese 'Irritationen' aus oder lassen wir sie 'ausklingen'?" (Chat II: 20:47:26)15) Die Vertiefung in die Frage der Kommunikation konflikthaltiger Inhalte in Chat I und II deckte eine latente und bislang, so die Auskunft der Teilnehmenden, wenig bewusste Skepsis gegenüber dem Medium Internet auf: "Das scheint mir (…) eine der Achillesfersen des Projekts zu sein, was mich auch schon manchmal hat stocken lassen nach der Devise, weiß man wirklich, wer das mal lesen wird?" (Chat II: 20:49:29) Beim Versuch, Befürchtungen durch vertiefende Fragen im Chat zu explizieren, wurde eingeräumt: "Meine kriminelle Phantasie, gebe ich zu, ist ehrlich begrenzt. Aber vielleicht sollte ich nicht zu sorglos sein?" (Chat II: 20:57:59) Die Angst, es "könnte (...) sich [jemand] schlicht hier einschleichen, die Daten kopieren, veröffentlichen", deutet für ein Mitglied auf ein "aus meiner Sicht – ungelöste[s] Datenschutzproblem" (Chat II: 20:58:06) hin. Denn "jeder, der das Internet nutzt, hinterlässt Spuren darin – wir wussten das, bevor wir uns zur Mitgliedschaft entschlossen haben (…) und es ist beängstigend – aber ich möchte deshalb nicht auf die Netzwerkstatt verzichten." (Chat II: 20:58:14/21:00:04) Die Frage nach dem Stellenwert der latenten und hintergründigen Sorge bezüglich der Vertrauenswürdigkeit des Mediums Internet konnte im Rahmen dieses Kleinprojekts nicht abschließend behandelt werden. Festzuhalten bleibt an dieser Stelle lediglich, dass Mechanismen zum Erhalt der "Inselgemeinschaft" durch Distanz und Schutz eine "existentielle" Rolle spielen und permanent neu konstruiert werden. [30]

5.2 Spezifische Bedürfnisse eines qualitativen Forschungsstils

In diesem Abschnitt möchte ich der Frage nachgehen, inwieweit die Gruppenmitglieder die drei oben genannten Eigenschaften der Kommunikation (Freiwilligkeit im Kommen und Gehen und Geben und Nehmen, Spezifik der "Lebensphase Promovieren" sowie Abgrenzungs- und Schutzmechanismen der "Inselwelt") für den qualitativen Forschungsstil als förderlich oder hinderlich bezeichnen. [31]

5.2.1 Entwurfhaftes, Vorläufiges, Unbestimmtes

Empirisch-qualitative Forschungsfragen, die entgegen hypothetico-deduktiver Verfahren durch das Offenheitspostulat (HOFFMANN-RIEM 1980) naturgemäß in eine "sehnsuchtsvoll-gefürchtete" deskriptive Unerschöpflichkeit (KELLE 1994) führen, stellen das forschende Subjekt vor die Aufgabe, Merkmale und Eigenschaften des jeweiligen empirischen Datenmaterials – je nach Forschungsmethode über unterschiedliche methodische Vorgehensweisen – zu erkennen, zu sortieren, zu gewichten und zu benennen, aber vor allem auf Eignung und Stellenwert hinsichtlich des Forschungszieles auszuwählen16), um sie schließlich im Rahmen der entstehenden Theorie (Exploration/Skizze…) zu lokalisieren. Es gibt in diesem Forschungsprozess, so eine Teilnehmende der Gruppe, "(…) keine Ja-Nein-Antworten (…), sondern immer ein Labyrinth an Zusammenhängen, aus denen ich selbst die Schwerpunkte und Zusammenhänge finden muss". [32]

Der Austausch mit anderen Gruppenteilnehmenden führt mitten hinein in dieses Labyrinth, nämlich zu der "Erfahrung: ich gehe auf die anderen zu und es gibt ein Riesen Spektrum an Möglichkeiten (…)". Die Konfrontation der eigenen Thematik im Gruppenprozess stellt Forschende somit im Sinne der Perspektivenvielfalt vor die Wahl: "Ich bekomme meistens mehrere verschiedene Antworten" (Chat II: 21:25:46). Dies betrifft zum einen die "ständige Reflexion der eigenen Arbeit", zum anderen weiterführende Hinweise im Bereich methodischer Möglichkeiten. "Konkrete Tipps zum methodischen Vorgehen waren und sind immer sehr wertvoll für mich." Das in der Perspektivenvielfalt entstehende prinzipiell Unerschöpfliche mit seinen nicht enden wollenden Detailfragen wird – je nach Forschungsmethode – über den "Austausch von Forschungsstrategien", über die "Diskussion der Daten in einer Gruppe", aber auch in der Auseinandersetzung mit dem zur Verfügung stehenden Fachwissen gelöst: Die Leuchtfeuergruppe bietet "enorm viele Anregungen zur Methode, zur Literatur". Etliche Antworten des Fragebogens bezogen sich auf den Erwerb von Literaturhinweisen oder theoretischen Anregungen: Die Arbeitsgruppe übernimmt in diesen Arbeitsphasen häufig die Rolle eines "(…) Wissens-Multiplikator[s]: dadurch, dass viel Offenheit zur Verfügung steht, können wir unser in der Vergangenheit erworbenes Wissen gegenseitig teilen, ohne das Gefühl zu haben, etwas zu vergeben oder so". [33]

Der Austausch detaillierter Fachfragen ist mit hoher Expertise und ökonomischen Aufwänden verbunden, daher ist es " 'draußen' (…) schwieriger für mich, anderen mit dem, was ich an Wissen vorrätig habe, weiterzuhelfen. 'Drin' da kann ich im Modus der schriftlichen Kommunikation viel leichter mein Wissen teilen" (Chat II: 1:23:26). Wissen wird über die Schriftsprache des Chats und der Mailingliste für einen direkten und schnellen Austausch zugänglich.

"Wo sonst könnte ich einmal ausführlich und insistent über so komplexe und schwierige Fragen laut nachdenken? Da dreht sich doch jeder weg, weil ihm nicht gleich eine passende Antwort einfällt. Online gefragt haben die Angefragten die Chance mal in ihren Ressourcen nachzublättern und können mir nach geraumer Zeit etwas Stichhaltiges dazu schicken – schriftlich noch dazu." (Chat II: 21:21:57) [34]

Eine Teilnehmerin berichtet darüber, es gäbe "eigentlich offline gar keine Gelegenheiten, so komplexe und schwierige Sachen zu vermitteln – außer halt bei den Tagungen, wenn ich selbst einen Vortrag halte (…)" (Chat II: 21:24:52). [35]

Da viele NetzWerkstatt-TeilnehmerInnen interdisziplinäre Fragestellungen verfolgen, ist nicht zuletzt unter dem Aspekt des Wissenstransfers das interdisziplinäre Fachwissen in der Gruppe von inhaltlicher Bedeutung: "Mit meinem interdisziplinären Thema brauche ich die Expertise einer interdisziplinären Gruppe." [36]

Während diese Möglichkeiten des Austausches auf der einen Seite als "Erweiterung des eigenen Horizonts" angesehen werden, besteht die Kehrseite im Problem der Bewältigung dieser Vielgestaltigkeit: "(…) [da] frage ich mich manchmal ob es eine positive Erfahrung war, wenn (…) zum Beispiel mehrmals der Faden verloren geht, wir uns im Kreis drehen (…)". Die Auseinandersetzung mit den neu auftauchenden Perspektiven und Impulsen aus interdisziplinären Forschungsfeldern führe nämlich, so die Teilnehmenden, nahezu zwangsweise in die Situation, als qualifizierte Fachpersonen kurzfristig und partiell zu "AnfängerInnen im fremden Terrain" zu werden, wodurch die Arbeit auf hohem fachlichen Niveau mit dem Gefühl eines gleichzeitigen Unvermögens einhergehe. Gerade diese, im qualitativen Forschungsprozess unausweichlichen Stadien der Dissertation wurden jedoch als problematisch in der Kommunikation mit der sonstigen Wissenschaftswelt bezeichnet: "Man sucht [draußen] zwar Rat, will aber auch nicht ungünstig dastehen. Es werden schöne Folien aufgelegt, und zugleich Chancen der Unterstützung und der Arbeit an Schwachstellen vertan." (Chat II: 20:33:17) Auffallend ist also der Stellenwert, den die Offenlegung von Schwächen, Forschungsfehlern und inhaltlich-fachlichen Defiziten im Rahmen der NetzWerkstatt-Gruppe einzunehmen scheint: "Für mich ist es etwas Besonderes, auch in Krisenzeiten in die Gruppe gehen zu können" (Chat II: 20:27:51). Natürlich sei die "Offenlegung von Schwächen immer begrenzt. Aber ich fühle mich schon sehr gut aufgehoben, mich auch über Zweifel und Befürchtungen mitzuteilen." (Chat II: 20:37:16) Dies steht teilweise im Gegensatz zu anderen Kolloquien:

"Ich erlebe da einen Kontrast: Vertrauen, ernstes Arbeiten und ehrliches Suchen nach ehrlichen Antworten. Draußen die Wissenschaftswelt ist für mich eine völlig andere, eher politische Kategorie, wo ich jedes Wort abwägen muss, aufpassen muss, was ich sage. Nein, dort zeige ich keine Schwächen." (Chat II: 21:22:09) [37]

An dieser Stelle taucht übrigens nahezu einmalig im Datenmaterial die Geschlechterthematik auf: "Ich kenne nur wenige Männer, die gemeinsam in der Gruppe an ihren 'Defiziten' arbeiten würden."17) Die Akzeptanz von Krisen und Krisenzeiten wird an mehreren Stellen sowohl im Fragebogen als auch in Chat I zum Ausdruck gebracht: "Der vielfältige Zuspruch aus allen Richtungen und die spürbare, tatkräftige Anteilnahme an den geäußerten Problemen sowohl aus der Gruppe als auch durch die NetzWerkstatt-Moderatorinnen hat mich viele Male auf überzeugende und glaubwürdige Weise zum Weitermachen angespornt." [38]

Die nachträgliche Betrachtung der Chats im genannten Zeitraum zu diesem Aspekt lässt tatsächlich in einem nicht unerheblichen Ausmaß die weniger präsentationsfähigen Stadien, die Bearbeitung vorläufiger, entwurfhafter Arbeitsabschnitte "gerade in Phasen der Orientierung" oder gar die "blinden Flecken" rekonstruieren. Man "darf ins 'Unreine' schreiben" (Chat II: 21:26:16) oder einmal "Probehandeln" (Chat II: 21:30:06); die Gruppe wird aufgesucht, wenn man "ratlos vor einer Unmenge von Daten" sitzt oder sein Tun als "blindes Herumtasten in unbekanntem Terrain" erlebt. Ein Beispiel:

"Das Material, das ich euch heute gegeben habe finde ich ehrlich gesagt ziemlich peinlich. Ich habe aber wirklich einfach keine Minute mehr herausschinden können (…) So ist wenigstens 'viel daran zu nörgeln', das ist doch letztlich besser, als wenn ich euch schon so einen aalglatten Text vorgelegt hätte?" (Archiv-Chat) [39]

Die Begleitung der teilweise recht verschlungenen oder sogar problematischen Suche nach dem Forschungsziel wird übrigens in keiner Äußerung als belastend bezeichnet, sondern als Bereicherung erlebt18). Die "Auseinandersetzung mit den anderen Fragen hilft auch für die eigenen Fragen". Ein Leuchtfeuer-Mitglied äußert unter Berücksichtigung auch emotionaler Faktoren sogar die Notwendigkeit, "hin und wieder gemeinsam zu leiden". In anderen Fällen führt die Teilnahme an den Problemphasen anderer zu Kompetenzerleben, welches eigene Schwierigkeiten relativieren und nicht zuletzt darüber hinweghelfen kann: "Die Erfahrung, dass ich von denen, die mich beraten, auch um Rat gefragt werde, hält mich bei der Stange!" Gerade das "Miterleben von weiteren Doktorarbeiten von der Themenfindung bis zur Prüfung" wird als ein informeller Wissenserwerb bewertet, der häufig erst retrospektiv geschätzt wird:

"Enormer Nutzen – vor allem dadurch, da sich die Mitglieder in unterschiedlichen Diss.-phasen befinden. Am Anfang habe ich die 'Denk- und Arbeitsweise' qualitativen Forschens in der Gruppe gelernt oder man kann auch sagen, die Gruppe hat mich in diese Community eingeführt. Das hat mir bei meiner Erhebungsphase geholfen – da nicht nur 'mit gesundem Menschenverstand' ins Feld reinzugehen, sondern auch immer reflektierend die eigene Forscherinnenrolle betrachtend (…)." [40]

Die Arbeitsgruppe stellt daher eine verlässliche, zugängliche und kontinuierliche Unterstützung auch in den Phasen dar, in denen die eigene Arbeit in eine Krise mündet. [41]

Gerade in diesem Raum des Experiments, des Vorläufigen, des "Bastelns" und "Werkelns" mit anderen, noch fremden oder neuen Perspektiven, der angelehnt an LEVY-STRAUSS (1973) Bricolage19) genannt werden könnte, kann die "Inselwelt" der Leuchtfeuer-Gruppe schnell zu einer "Insel mit Leuchtturm" (Chat I 20:47:50) werden, welche für manche Teilnehmenden Zugangswege zu "neuen Horizonte[n]" in Form bislang fremd gebliebener Fachgebiete wenn auch nicht ebnet, so doch eröffnet. Dieses mehrfach als "Horizonterweiterung" bezeichnete subjektive Erlebnis führt laut den Äußerungen der Teilnehmenden zu einer Veränderung der eigenen Perspektiven auf die Forschungsgegenstände. Dadurch wird die "Bricolage" interessant für qualitative Forschungsarbeiten. Der hier aufscheinende Transfer20) von Perspektiven und Einsichten Anderer im Prozess des Forschens stellt für die Exploration "neuer"21) Zusammenhänge meiner Ansicht nach einen unschätzbaren Wert dar. Daher versuche ich weiter unten, diese "entdeckenden" Kommunikationsabläufe innerhalb der Arbeitsgruppe etwas zu spezifizieren. [42]

5.2.2 Spontaneität

Ein Phänomen, das sich in der Gruppenkommunikation beobachten lässt, ist die Spontaneität der Teilnehmenden, die in unkomplizierten, verhältnismäßig repressionsfreien Äußerungen über alle Fragen und Antworten des Forschungsvorgehens sowohl in den Chats als auch in der Mailingliste zum Ausdruck kommt. Während einige Mitglieder die für sie als im Wissenschaftsbetrieb 'unüblich' empfundene spontane Umgangsweise sofort schätzten "Was mich betrifft: ja, ich war gleich von Anfang an beeindruckt und habe mich gleich beim ersten Chat – (…) hineingestürzt in die schöne Flut" (Chat I: 20:41:49) –, fanden andere eher allmählich in diesen Kommunikationshabitus der Gruppe hinein. Begründet wird die kommunikative Spontaneität der Netzkommunikation von den Teilnehmenden in den beiden Chats durch die bereits oben genannten Faktoren des "Inselklimas". Aber noch ein weiterer Aspekt scheint eine Rolle zu spielen: die netzspezifische körperliche Distanziertheit der ausschließlich über das Medium Internet verbundenen Teilnehmenden scheint – zumindest im Bereich fachlicher Arbeit zu einer gewissen "Enthemmung" der Kommunikationsprozesse zu führen: "Ich bin nicht ganz sicher, aber vermute, dass ich schon freier mal blödele, Unfertiges präsentiere, etwas halbwegs Peinliches preisgebe, weil ich in meiner stillen Kammer sitze und immer ein bisschen geschützt bin." (Chat II: 21:32:53) Der netzspezifische Aspekt körperlicher Entfernung bzw. Abwesenheit wird dabei als ein weiterer Faktor deklariert, der spontane Äußerungen ermöglicht:

"Und weil ihr mir leiblich nicht wehtun könnt, kann ich auch etwas mehr "geben", als ich das sonst vielleicht tun würde. Und weil ich so viel gebe und nehme, entsteht im Laufe der Zeit dieses 'Guthaben' und die 'Beziehung' zu euch." (Chat II: 21:35:47) [43]

Während, wie weiter oben ausgeführt wurde, im Bereich metakommunikativer – insbesondere kritischer – Inhalte ein vorsichtiger Kommunikationsmodus zu beobachten ist, scheint also im Bereich des fachlichen Austauschs eine spontane Kommunikationsaktivität der Teilnehmenden vorzuherrschen: "Nichtfeuern im Dissens grenzenlos feuern im Konsens" (Chat I: 20:54:22)22) benennt eine TeilnehmerIn unter Einbeziehung des Gruppennamens "Leuchtfeuer" diesen Zusammenhang. [44]

Spontaneität ist – in Chats, aber auch bei der Mailingliste – wie die verbale Face-to-face-Kommunikation im Gegensatz zum sonstigen schriftsprachlichen Austausch als eine Gegenwartshandlung zu betrachten. Interessant für die Forschungsarbeit ist nun, dass die explikativen Komponenten der spontanen Kommunikationshandlungen über das schriftliche Medium des Chat und der Liste in Form von Chat-Protokollen resp. E-Mails aufgezeichnet werden und somit gegenwärtiges Kommunikationshandeln – ähnlich einer Video- oder Audioaufzeichnung – auf ökonomische Weise fixiert wird23). "Das ist für mich in fachlicher Hinsicht noch ein wesentlicher Unterschied [zur sonstigen Kommunikation im Wissenschaftsbetrieb] – gerade in Phasen der Orientierung, des gemeinsamen Nachdenkens waren meine Chats für mich hilfreich, weil ich alles nachlesen konnte." (Chat II:21:23:34) Dies ist in gegenwärtigem Handeln nicht immer der Fall: "Neulich bei einer Tagung: ein so wichtiger Gedanke – trotz Forschungstagebuch: er war verflogen. Ich habe ihn nicht mehr 'holen' können. Er war einfach fort (….)" (Chat II: 21:32:39). Man "müsste (…) in Kolloquien schon jemand anderen an der Seite haben, der viel protokolliert, oder womöglich aufnehmen, was viel Arbeit macht – diese Form des Diskurses ist klasse, weil sie sofort dokumentiert ist und weiter verwertbar ist" (Chat II: 21:23:34). [45]

Die Fixierung der Gegenwartskommunikation ermöglicht deren retrospektive Bearbeitung und Analyse, wodurch sie zum Forschungsgegenstand wird. "Die Chat-Protokolle sind Gold wert. Fixierte Zeit eben, Datenmaterial eben, nicht vergänglich durch schriftliche Fixierung" (Chat II: 21:25:33). Und an mehreren Stellen wird bestätigt: "Alte Chatprotokolle sind sowieso DIE Erleuchtung!" (Chat II: 21:27:21) Denn oft käme "(…) der Nutzen an einem Austausch erst Monate später: 'Wie war das beim X noch mal? Da hatten wir das Thema doch schon mal'." [46]

5.2.3 Fluidität

Während der spontane Kommunikationshabitus in den Chats als ein recht konstantes Merkmal der Gruppenkommunikation zu bezeichnen ist, sind in unregelmäßiger, aber verlässlicher Wiederkehr Phasen einer kommunikativen Verdichtung zu beobachten, die ich mit der vorläufigen Bezeichnung "Fluidität" versehen möchte. Der Begriff wird in Analogie zum physikalischen Begriff der "Fluidität24)" im Sinne der Fließgeschwindigkeit und Beweglichkeit kommunikativer Prozesse metaphorisch verwendet: "Aber wir haben hier ja oft verschiedene 'Dichten' und 'Langeweilen'das kommt und geht so wie es will aber wir haben es immer fixiert" (Chat II: 21:32:00). [47]

Die Teilnehmenden begründen die Entstehung der fluiden Phasen netzspezifisch:

"Weil es uns eben [sonst] nichts bringt zum Beispiel auch Leibliches. Geschribsel macht nur Lust und Spaß, wenn kognitiv etwas dabei entsteht sonst ist es uns zu langweilig. Weil alles leibliche, genüssliche, sinnliche nicht da ist, MÜSSEN wir, damit uns nicht langweilig wird, kognitive oder geistige Inhalte einbringen!" (Chat II: 21:38:39) [48]

Die Kombination der beiden Elemente "Leibferne – kognitiver Schwerpunkt" (Chat II: 21:44:27)25), wie sie die virtuelle Kommunikation erfordert, wird also in diesem Fall als ein förderlicher Faktor genannt, der eine kognitive Dichte evoziert: "(…) Gedankenintensität als Gegensatz zur fehlenden körperlichen Sinnlichkeit oder so ähnlich" (Chat II: 21:54:07) lässt sich als ein durch den virtuellen Kommunikationshabitus durchaus erwünschter Effekt bezeichnen. [49]

Empirisch sind die fluiden Phasen durch das schriftliche Medium verhältnismäßig leicht zu erfassen: wenn "eine Idee die andere jagt" (Feldnotiz Offline-Treffen 28.03.2008), sind auf den ersten Blick schnelle, gleichzeitige und sich gegenseitig überlagernde Äußerungen im Chat-Protokoll zu rekonstruieren. Sie unterscheiden sich von den "nicht-fluiden" Phasen – im Rahmen dieser begrenzten Datenmaterialien – also bereits deskriptiv durch eine beschleunigte und quantitativ erweiterte Kommunikationsaktivität26). Ein weiteres Merkmal der fluiden Phasen ist, dass die Aufmerksamkeitsleistung in auffallend geringem Maß auf die explikativen Komponenten der Kommunikationshandlung gerichtet zu sein scheint. Dies zeigt sich schlichtweg durch eine hohe Anzahl an Tippfehlern und die Verwendung eines schnell zugänglichen, alltagssprachlichen Vokabulars zur Beschreibung von Inhalten oder Phänomenen. Die fluiden Phasen weisen darüber hinaus in fast allen Fällen Emotionalität der Beteiligten auf. Sie sind fast immer, und zwar hauptsächlich zu Beginn, von positiven Emotionen wie "Freude" oder Humor begleitet: "Unbedingt zu erwähnen: Grotesk Witziges, Selbstironie und (Galgen-) Humor". Eine Verstärkung der zur Verfügung stehenden Ausdrucksmittel ist – wie das oben aufgeführte Beispiel aus einem Chat zeigt – die Folge: die Häufung von Ausrufungszeichen, Großbuchstaben und "Emoticons"27) findet sich in schneller Abfolge. Auch eine metaphernreiche(re) Sprache, meist aus dem visuell-kognitiven Bereich "Du sprühst ja vor Unternehmungsgeist" (Archiv-Chat: 22:01:36) ist sehr häufig anzutreffen28). [50]

Die in dieser Weise spontanen, in hoher Geschwindigkeit geäußerten, von Tippfehlern, alltagssprachlichen, metaphernreichen Umschreibungen geprägten und nicht zuletzt von Lustgefühlen begleiteten inhaltlichen Kommunikationsstränge der Teilnehmenden im Chat (und teilweise auch in den Mailinglisten) führen zu einer Situation, in welcher quasi unbeabsichtigt die Äußerungen parallel oder mit leichter zeitlicher Versetzung auf-, in- und übereinander treffen. Auf diese Weise geraten die unterschiedlichsten Aspekte, die die Teilnehmenden aus ihren Wissens-, Erfahrungs- und Assoziationsbeständen einbringen, in Kontakt zueinander. Ergänzende, kontrastierende oder gänzlich neue Perspektiven werden im Sinne einer Multiperspektivität auf den jeweiligen Gegenstand geworfen, die sich in Form eines einzelnen Beitrages, in Kettenform aufeinander aufbauend oder als kleiner Diskurs in den Chat-Protokollen nachlesen und analysieren lassen. [51]

Das Aufspüren von bislang noch nicht bekannten Beziehungen und Zusammenhängen im Datenmaterial, wie es qualitative Forschungsarbeit permanent auf unterschiedlichem Abstraktionsniveau erfordert29), wird durch diesen fluiden Austausch also erheblich angeregt, manchmal erst ermöglicht. Aus diesem Grund regen fluide Phasen die Denkleistung der ForscherInnen in einem teilweise strapaziösen Ausmaß an – oder fordern diese zumindest heraus. In nahezu allen Fällen ist in fluiden Phasen ein hohes Maß an produktiven Kognitionen zu finden: "Geistesblitze" und "Aha-Erlebnisse" die in der Ausformulierung der Forschungsfrage oder der zentralen Hypothese, der lange gesuchten Entdeckung der Kernkategorie oder einer abstrakten Eigenschaft des beforschten Phänomens zum Ausdruck kommen, werden von den Teilnehmenden häufig erwähnt. [52]

Manchmal führen die fluiden Phasen in eine überschwängliche Äußerungsfülle, die von den Teilnehmenden selbst als ein "Ausgleich" zur kognitiven Denkarbeit bezeichnet wird: "Genau – und dass es nicht zu kopflastig wird, darum machen wir so gern Quatsch (…) Ja, das ist eine gute Theorie: Quatschmachen, wenn's zu anstrengend wird. Manchmal war ich am Ende von intensiven Chats richtiggehend übermütig!" (Chat II:21:43:23/21:43:47 ) Es lässt sich darüber spekulieren, welche Bedeutung die humorvollen, teilweise auch mit bitterem Galgenhumor getränkten Wortschöpfungen am Ende von fluiden Phasen haben. Wenn die Vertiefung in die "Konsequenzen" des beforschten Phänomens entlang des STRAUSSschen Kodierparadigmas (STRAUSS 1991) eine "Kosequenz" (folgende Formulierungen sind alle aus Chat I und dem anschließendem Mail-Austausch), also "eine Quenz zum Kosen", wird und man nach gemeinsamem "offenen Kodierrausch" doch besser "… selektieren [solle], um wieder genügend Anstand zu bekommen"denn auch wenn "das Material befroscht" wird, dürfe man niemals zu einem "Qual-Frosch!"30) werden ist es fraglich, ob dies dem Erkenntnisgewinn der betreffenden Personen dienlich ist oder schlicht eine Ventilfunktion innerhalb der Gruppe übernimmt. Während manche Teilnehmenden berichten, "Grotesk Witziges, Selbstironie und (Galgen-) Humor gehören zu den außerordentlich anregenden und befreienden Qualitätsmerkmalen des Netzwerkens in Leuchtfeuergruppe –", werden von anderen Abgrenzungs- oder Überforderungssignale in oder nach den fluiden Phasen formuliert:

"Ein konkreter Chat – das war für mich [in seiner Fülle] sehr demotivierend, weil ich nur noch wenige Tage bist zur Abgabe meiner Diss hatte (…). Einige Tage später habe ich mir einen Bandscheibenvorfall zugezogen – das war wirklich die schwerste Zeit in meiner ganzen Diss." [53]

Fast immer enden Chats mit fluiden Phasen am Ende mit Aussagen wie: "Das war wirklich ein toller Chat (…) Also erst mal bedanke ich mich bei Euch allen – ich könnte euch jetzt umarmen" (Chat II: 21:53:32). [54]

5.2.4 Produktionsprozesse

Auch wenn das "Inselklima" und die spontanen/fluiden Kommunikationshandlungen helfen, "Not und das Leiden" der Promotionsphase zu lindern, besteht doch in der Arbeitsgruppe Konsens darüber, dass weniger die blitzartig im Chat erworbenen "genialen Ideen", als vielmehr die grundlegenden Denk-, Auseinandersetzungs- und Produktionsprozesse, wie wir sie im Rahmen einer Promotion für gerechtfertigt halten, zur Entstehung der eigenen Arbeit beitragen. Die Antworten der Fragebogenfragen acht und neun31) bestätigen dies: weniger einzelne Erfahrungen "Wenn ich jeden einzelnen [besonders ereignisreichen] Vorfall nennen wollte, würde ich Stunden brauchen" –, als vielmehr die kontinuierliche Zusammenarbeit sind bedeutend: "eher weniger konkrete Vorfälle, sondern das gesamte Eingebundensein in eine langfristige Struktur". [55]

Die fluiden Phasen lassen sich im Rahmen dieser kontinuierlichen Arbeit als besonders wertvolle Momente der Verdichtung der Gruppenkommunikation bezeichnen, die sich insbesondere für explorierende Phasen der Dissertation (die jedoch in allen Entwicklungsstadien von der Datenerhebung bis zur Fertigstellung auftreten) eignen. [56]

Die explorierten Inhalte bedürfen jedoch einer strengen Reflexion durch die WissenschaftlerInnen: Zum einen ist es notwendig, die meist bildhaften, metaphernreichen Inhalte analytisch auf abstrakter Ebene zu differenzieren und sich über deren Stellenwert und Bedeutung innerhalb der eigenen Arbeit Klarheit zu verschaffen.32) Zum Anderen sind Prozesse zur Begriffsbildung unerlässlich, um die im empirischen Material als relevant erachteten Inhalte hinsichtlich des eigenen Berufs- und Professionswissens anschlussfähig zu machen. Gerade in interdisziplinären Themenkomplexen ist dies von nicht unerheblicher Schwierigkeit. Schließlich werden in der Gruppe mehrfach pragmatische Gründe zur Notwendigkeit einer Begrenzung fluider Phasen formuliert. Hinsichtlich zeitökonomischer Erfordernisse liegt es in der Verantwortung der Teilnehmenden, die explorierten Inhalte einzudämmen und in Balance zu den Auswertungsprozessen zu setzen. Nur unter diesen Bedingungen lassen sich in unserer Arbeitsgruppe die im Chat erworbenen "Geistesblitze" im Sinne von "Rohmaterial" als "elementare Bausteine" (Archiv-Chat) der entstehenden Theorien verwenden. [57]

6. Fazit

Am Ende dieses Artikels möchte ich zusammenfassen, aus welchen Gründen die Teilnehmenden die NetzWerkstatt-Gruppe als günstiges Arbeitsumfeld für die Bewältigung der Dissertation bezeichnen. [58]

Ein wesentlicher Faktor für das Gelingen der Arbeitsprozesse der qualitativen NetzWerkstatt-Gruppe liegt in einem Spannungsverhältnis, welches im NetzWerkstatt-Konzept begründet ist und durch die beständige Hintergrundtätigkeit des Instituts für Qualitative Forschung konstituiert wird. Während Steuerungshandlungen durch das Institut vor allem in Phasen struktureller Veränderung (Initiieren einer neuen Gruppe, Neuaufnahme und Austritt einzelner Mitglieder) sowie hinsichtlich des Datenschutzes vorgenommen werden, sind die Arbeitsphasen der Teilnehmenden selbst nahezu vollständig dem "Peer-to-Peer-Prinzip" überlassen. Die vergleichsweise strengen Regelungen bei Eintritt in die Gruppe (vgl. oben: "Prinzipien", "Aufnahmeprozedere", "Netiquette") stehen demnach in einem komplementären Verhältnis zur offenen und selbstbestimmten Arbeit der Gruppe, die im Zusammenhang mit virtueller Kommunikation eher selten anzutreffen ist: "Das alles gibt mir eigentlich einen 'festen Rahmen', der dem der 'virtuellen Unendlichkeit' eigentlich entgegensteht." (Chat II: 20:39:54) [59]

Die Kontinuität der Arbeitsgruppen (mehrere Monate bis Jahre) ist ein weiterer Faktor, der zur gelingenden Gruppenarbeit beiträgt, da die zwar durchaus auftauchenden "genialen Einfälle" eingebettet sein wollen in alltägliche und vor allem kleinschrittige Produktionsprozesse. Auch hier entsteht ein Spannungsfeld: die "Sternstunden" des qualitativen Forschens stehen in einem Verhältnis zur Umsetzung der "Ideen" in das jeweilige Forschungsgebiet über zeitlich ungleich umfangreichere Arbeitsprozesse. Die gegenseitige Begleitung in allen Phasen des Dissertationsprozesses stellt im Laufe der Zeit einen informellen Wissensfundus dar, auf den nicht zuletzt im späteren Berufsleben permanent zurückgegriffen werden kann. [60]

Diese Aspekte, die das NetzWerkstatt-Konzept von anderen virtuellen und nicht-virtuellen Interpretationsgemeinschaften unterscheiden, sind für die Gruppenteilnehmenden wesentlich für das Gelingen der Arbeitsprozesse und für die eigene Zufriedenheit. Das zusammenfassende Resümee eines Leuchtfeuermitgliedes möge an dieser Stelle stellvertretend für diese Aussage stehen: "Die Leuchtfeuergruppe brachte den festen Zusammenhang, die kontinuierliche Begleitung und die mit den dokumentierten Chats aus meiner Sicht am klarsten dokumentierte Form der Diskussion." [61]

Erst diese Rahmenbedingungen konstituieren im virtuellen Raum ein funktionsfähiges Kommunikationsfeld, welches in lebensweltlicher Weise potenziell außerhalb des konkurrenzgeprägten Wissenschaftsbetriebs stehen kann. Der Bedarf nach repressionsarmem Austausch von Fachwissen ist im Zusammenhang mit selbständig zu verfassenden Qualifikationsarbeiten (Magisterarbeiten, Dissertationen, Habilitationen) einleuchtend. Jedoch auch im Zuge des anschnellenden Bedarfs an internationalen und interdisziplinären Diskursen könnte ein weiterer Nutzen des Konzepts auch für Forschende entdeckt werden, die sich nicht (mehr) in der Qualifikationsphase befinden. Der Frage, welchen besonderen Nutzen die spontanen Kommunikationshandlungen von Forschenden für die Forschung haben, wurde meines Wissens bislang noch nicht hinreichend nachgegangen; sie könnte für weitere Reflexionen des Forschungsprozesses und seiner Ergebnisse interessant sein. Hier öffnet sich schnell ein weiter Horizont an Fragen zum Schutz der übers Netz versendeten und teilweise vertraulichen Daten und zur Sicherung des geistigen Eigentums der ForscherInnen, die die Ergebnisse ihrer Arbeit in einer Arbeitsgruppe auf diese Weise vor der Publikation kommunizieren. [62]

Letztlich möchte ich auf den Vorteil der permanenten Dokumentation der Kommunikations- und Arbeitsprozesse hinweisen, die sich durch die Nutzung einer Plattform und eines Listenarchivs auf ökonomische Weise quasi automatisch vollziehen. Die Vorteile, die die Fixierung schriftsprachlich vermittelter Gegenwartskommunikation insbesondere der Chats gerade hinsichtlich des Austauschs von ExpertInnenwissen bedeutet, wurde bislang meines Wissens in einer Gesellschaft, die ExpertInnenwissen teuer zu handeln weiß, ebenfalls noch nicht ausreichend wahrgenommen, geschweige denn hinsichtlich der Möglichkeiten für Forschungsarbeiten reflektiert. [63]

Erfreulicherweise wird derzeit das Konzept der NetzWerkstatt ausgebaut: das Interesse an interdisziplinären, aber auch an methodenspezifischen Arbeitsgruppen ist steigend. Eine interdisziplinäre Alumni-Arbeitsgruppe für qualitative ForscherInnen in der Postdoc-Phase mit dem Namen "Leuchtposten" wurde bereits initiiert. [64]

Anhang

Fragebogen (PDF-Datei)

Anmerkungen

1) Vgl. die Beiträge in der FQS-Rubrik "Lehren und Lernen qualitativer Methoden" und in den Schwerpunktausgaben "Subjektivität und Reflexivität im qualitativen Forschungsprozess" (MRUCK, ROTH & BREUER 2002; ROTH, BREUER & MRUCK 2003). <zurück>

2) Der Fragebogen (vgl. Anhang) wurde von mir unter Einsicht in die bisherigen Chats und Gruppendiskussionen erstellt. Er diente nicht einer quantifizierenden Überprüfung von Variablen, sondern lediglich in begrenzter Weise dem Einstieg in die Thematik. Ein Vorteil dieser Vorgehensweise war, vor der Durchführung von Gruppen-Chats Einzelaussagen zu erhalten. <zurück>

3) Alle acht derzeit aktiven Gruppenmitglieder beantworteten die Fragebögen. An Chat I nahmen fünf, an Chat II vier Personen teil, zwei waren dabei bei beiden Chats anwesend. <zurück>

4) An dieser Stelle besonderer Dank an unsere Moderatorinnen Asita BEHZADI und Anja HERRMANN, die uns bei wesentlichen methodischen Fragen und insbesondere im fortgeschrittenen Stadium unserer Dissertationen stets wegweisend unterstützt haben! <zurück>

5) Siehe auch die Vorstellung des NetzWerkstatt-Konzepts und der Arbeitsgruppen unter http://www.qualitative-forschung.de/netzwerkstatt/arbeitsgruppen/. <zurück>

6) An dieser Stelle ein herzlichen Dank für die beständige Unterstützung an Katja MRUCK, Günter MEY und CeDiS, deren Tätigkeiten tlw. im Hintergrund ablaufen und uns daher vermutlich nur zu einem kleinen Teil bekannt sind. <zurück>

7) Vgl. erste Überlegungen zum Thema der persönlichen Passung eines Forschungsstils: DAUSIEN (2007, [15]) und BREUER und SCHREIER (2007, [29]ff.). <zurück>

8) Anmerkungen zur Zitation aus dem Datenmaterial: Aus den Fragebögen zitierte Antworten werden ohne Quellenangabe in doppelte Anführungszeichen und kursiv gesetzt, Zitate aus Chat-Protokollen werden mit Quelle (Chat I/II: h:min:sec) versehen und hinsichtlich auftauchender Tippfehler korrigiert, Archiv-Chats werden als solche in Klammern bezeichnet. Groß- und Kleinbuchstaben wurden an die umgebende Satzstellung angepasst und Tippfehler korrigiert. Einfügungen durch mich wurden mit eckigen Klammern markiert. <zurück>

9) Wortschöpfung aus den beiden Wortbestandteilen "Net" und "Etiquette". <zurück>

10) Siehe auch BREUER und SCHREIER (2007, [39]) zur "Jederzeitigkeit". <zurück>

11) Zum phänomenologischen Begriff der "Lebenswelt" in der empirischen Forschung vgl. z.B. die Ausführungen von KURT (2002). <zurück>

12) Wie z.B. regelmäßige Terminvorgaben, Chat-Protokolle, "Hausaufgaben" u.a. <zurück>

13) Auf Frage 14 (Übertragung von Erfahrungen) und 16 (Übertragung von Kompetenzen) antworteten alle acht TeilnehmerInnen mit "Ja". Auf Frage 15 (Übertragung von Wissen) antworteten sieben TeilnehmerInnen mit "Ja" und eine Person mit "Teilweise". Frage 17 (Zufriedenheit gesamt) beantworteten fünf TeilnehmerInnen mit "sehr zufrieden" ("Schulnote 1") und drei mit "zufrieden" ("Schulnote 2"; vgl. Anhang). <zurück>

14) Einige Jahre nach Austritt eines Gruppenmitglieds ergab sich ein Konflikt: Das ehemalige Mitglied äußerte die Sorge über den Schutz der persönlichen Daten im Archiv der Mailingliste und auf der Kleingruppenplattform. Die Kommunikation zwischen dem ehemaligem Mitglied und den neuen Mitgliedern zu dieser Frage gestaltete sich schwierig. Ergebnis ist, dass in dieser Gruppe beide Archive nun in einem regelmäßigen Turnus gelöscht werden. <zurück>

15) Das TZI-Postulat "Störungen haben Vorrang!" wird weiter unten im Text aufgegriffen. <zurück>

16) Vgl. hierzu HITZLER (2007) und FLICK (2002). <zurück>

17) Die Tatsache, dass überwiegend Frauen in den Gruppe(n) mitarbeiten, wurde nur andeutungsweise reflektiert. So wurde erst auf intensives Nachfragen geäußert: "Natürlich wäre es schön, wenn mehr Männer ihre Perspektive einbringen würden, es ist nämlich schon oft ein anderer Blick, das merke ich auch in der Diskussion mit Kollegen im Haus" (Chat I: 21:39:05). Andere Teilnehmende äußern die Vermutung: "Wer weiß: wenn wir mehr Männer hätten vielleicht würde dann eine andere Dynamik dominieren?" (Chat I: 21:41:59)Insgesamt einigte sich die Arbeitsgruppe auf die Aussage: "Wir leben ein klassisches Undoing Gender." (Chat II: 21:59:24) <zurück>

18) Seit Bestehen der Gruppe 2003 haben sich insgesamt drei Mitglieder vor Abschluss der Qualifikationsarbeit aus der Gruppe verabschiedet. Als Grund wurde eine fehlende Passung des Gruppen-Kommunikationsstils zum eigenen Arbeitsstil benannt. <zurück>

19) Der Begriff Bricolage (franz: basteln, werkeln) wurde von Claude LEVI-STRAUSS (1973) im Zusammenhang mit ethnografischen Studien als der Raum des "wilden Denkens", des Entwurfhaften und Vorläufigen, verwendet. <zurück>

20) Da an dieser Stelle nicht auf die fachlichen Themen eingegangen wird, können die Qualitäten des Transfers nicht differenziert werden. Es ist möglich, dass die durch die Arbeitsgruppe erhaltene Perspektivenvielfalt in den entstehenden Dissertationen unter dem Gesichtspunkt der Nachvollziehbarkeit der eigenen Theorie zu finden sein wird. <zurück>

21) Vergleiche zu Abduktion und der Definition des "Neuen" unter Bezug auf Charles Sanders PEIRCE: REICHERTZ (2002). <zurück>

22) Die Annahme, virtuelle, leiblich-distanzierte Kommunikation bedinge Beziehungsdistanz, kann also hier nicht bestätigt werden. Sondern über lange Zeitstrecken ist Verbundenheit und Involviertheit der TeilnehmerInnen zu beobachten, die über die fachlichen Aspekte hinausgehen, und zwar auch dann, wenn sich die TeilnehmerInnen (noch) nicht persönlich ("offline") begegneten. So berichtete ein Außenstehender über die Gruppe nach einem Offline-Treffen: "Als ich euch zusammen gesehen habe, dachte ich, dass das eine sehr intensive Verbindung ist, die ihr da habt. Ich meine, ihr 'kennt' euch ja nur übers Netz, manche haben sich zum ersten mal gesehen – und trotzdem quasselt und lacht und gackert ihr da rum wie uralte Freunde." (Feldnotiz 30.03.2008) <zurück>

23) Anmerkung: Die Chats können mit und ohne Aufzeichnung durchgeführt werden. Um einen Chat aufzuzeichnen, muss die Aufzeichnung gestartet werden. Alle Chats der NetzWerkstatt wurden aufgezeichnet. <zurück>

24) Fluidität bezeichnet in der Physik das Fließverhalten von Flüssigkeit im Gegensatz zur "Zähigkeit". Ich habe diesen Begriff im Auswertungsprozess meiner Dissertation herausgearbeitet: dort ist Fluidität eine Eigenschaft der Kernkategorie. <zurück>

25) Ein humoresker Querschlag zum Weiblichkeitsüberschuss der Arbeitsgruppe konnte auch in dieser Gruppe nicht ausbleiben: "Darum ist wohl auch der Genderaspekt so niedrig!! – "Oder wir Frauen stehen 'unsern Mann' und sind völlig gender-indifferent und [Name männliches Mitglied] denkt er arbeitet unter Männern, weil er hat uns ja nicht vor Augen" "Hat diese Gruppe Dein Bild als Mann dekonstruiert [Name des Mannes]? :-))" <zurück>

26) Quantität ist hier also eine qualitative Eigenschaft der Kommunikationshandlung (OSWALD 2003). <zurück>

27) "Emoticons" sind Tastenkombinationen, die in der Netzkommunikation zum Ausdruck nicht wahrnehmbarer Emotionen verwendet werden. Sie deuten symbolhaft Gesichtsausdrücke (wie die Drehung um 90° nach rechts erkennen lässt) oder Körpergesten an: :-) (Lachen), ;-) (verschmitzt Lachen), :-( (negative Emotion), (()) (Umarmen). <zurück>

28) "Metaphern sind Seismografen des Neuen und in eben dieser Funktion für den Professionellen von großer Bedeutung: Sie können die mehr erspürte als gewusste neue Wirklichkeit zugänglich machen, indem sie dem Praktiker helfen, einen ersten Schritt in die sich erst noch formierende Wirklichkeit zu tun und damit die Flüchtigkeit und Emergenz des Geschehens einzufangen." (NITTEL 2006, S.327) <zurück>

29) Vgl. hierzu GLASER und STRAUSS (1998), GLASER (1978), KELLE (1994), FLICK (2002) u.a. <zurück>

30) Abkürzung für Qualitative Forschung in den Chats: = Qual.forsch. <zurück>

31) Frage nach den bedeutsamsten Erlebnissen in der Arbeitsgruppe (siehe Anhang). <zurück>

32) Über die Frage, welchen Stellenwert präexplikative Komponenten verbaler und nonverbaler Kommunikation hinsichtlich wissenschaftlicher "Gültigkeit" haben, besteht ein teilweise polemischer Diskurs. Interessante Aspekte zur Reflexion der Wissenschaftssprache hinsichtlich der Vieldeutigkeit von beispielsweise Metaphern bietet die Metaphernanalyse: "In Metaphern steckt ein großes Potenzial, neue Erkenntnisse zu stiften und die Selbstverständigung über berufliche Fragen anzustoßen; gleichzeitig darf nicht ignoriert werden, dass Metaphern nicht nur Sinnhorizonte öffnen und Verstehen ermöglichen, sondern auch Dinge zudecken, verhüllen und Phänomene verschließen" (NITTEL 2006, S.328); vergleiche auch SCHMITT (2003). <zurück>

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Zur Autorin

Christine MORITZ, Studium der Instrumental- und Gesangspädagogik an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellenden Kunst Frankfurt/Main, Doktorandin an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg; Stipendiatin des Landes Baden-Württemberg und des EU Sozialfonds; Lehrbeauftragte an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Forschungsschwerpunkte: qualitativ-empirische Unterrichtsforschung in der Instrumental- und Musikpädagogik; LehrerInnen-SchülerInnen-Relation; qualitative Methoden.

Kontakt:

Christine Moritz

Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Abteilung Musik
Reuteallee 46
D-71634 Ludwigsburg

E-Mail: Moritz@ph-ludwigsburg.de

Zitation

Moritz, Christine in Zusammenarbeit mit der Leuchtfeuer-Arbeitsgruppe der NetzWerkstatt (2008). Eine "virtuelle Insel für Qual-Frösche": Erfahrungsbericht einer netzbasierten qualitativen Arbeitsgruppe im Rahmen des NetzWerkstatt-Konzepts [64 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 10(1), Art.3, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs090134.



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