Volume 7, No. 2, Art. 17 – März 2006

Plädoyer gegen den Luxus des Missverstehens. Zur Debatte zwischen Carl Ratner und Barbara Zielke um den Sozialen Konstruktionismus Kenneth J. Gergens

Jürgen van Oorschot & Lars Allolio-Näcke

Zusammenfassung: Carl RATNERs und Kenneth J. GERGENs Debatte in Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research (FQS), letzterer vorwiegend vertreten durch Barbara ZIELKE, wird im vorliegenden Beitrag revisited. Ausgehend von der Diskussion der unausgesprochenen Prämissen beider Ansätze werden die jeweiligen Psychologien vorgestellt. Diese ergeben sich konsequent aus den bereits freigelegten Prämissen und zwangsläufig aus der inhärenten Fundamentalanthropologie. Im Anschluss daran wird ein integratives Wissenschaftsverständnis vorgeschlagen, welches über die emotional geführte und bisher weitgehend auf Anschuldigungen beruhende Debatte hinausgeht. Es wird für einen produktiven Dialog der durch GERGEN und RATNER vertretenen Wissenschaftsauffassungen plädiert und gleichzeitig skizziert, wie ein solcher gelingen kann.

Keywords: Fundamentalanthropologie, Tätigkeitstheorie, Sozialer Konstruktionismus, Kulturpsychologie, integratives Wissenschaftsverständnis, Vico

Inhaltsverzeichnis

1. Die Debatte

2. Fundamentalanthropologie

2.1 Carl RATNER und der Materialismus

2.2 Kenneth J. GERGEN und der Idealismus

3. Das Selbst und sein Verhältnis zur Gemeinschaft/Kultur

3.1 Die Tätigkeit als Schlüsselkonzept der Psychologie

3.2 Die Sprache als Schlüsselkonzept der Psychologie

4. Plädoyer für eine theoriegeleitete Pragmatik des Verstehens

4.1 Tätigkeit und Sprache

4.2 Plädoyer für ein integratives Wissenschaftsverständnis

Anmerkungen

Literatur

Zu den Autoren

Zitation

 

Die Sozialen Konstrukti/v/on/isten interpretieren die Welt nur verschieden; es kommt aber darauf an, sie zu verändern.1)

1. Die Debatte

Was dürfen Lesende des Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research (FQS) von einer kritischen Debatte zum social constructionism erwarten? Kritisch soll sie sein und damit im ursprünglichen Sinn des griechischen Wortes zu einem krínein, zum "Entscheiden" und "Urteilen" verhelfen. Die prüfende Beurteilung fragt nun aber nach Kriterien und einem begründeten Maßstab. Nichts anderes hat Carl RATNER (2005) – wenn auch überzogen polemisch – im Sinn gehabt. Wer aber verstehen will, um welchen Maßstab es sich handelt, von dem aus er argumentiert, und welchen anderen Maßstab er in Form des GERGENschen Konstruktionismus (MATTES & SCHRAUBE, 2004) kritisiert, bedarf eines Blicks hinter die Kulissen. Es muss dorthin geschaut werden, wo Wissenschaft scheinbar endet, oder besser, immer erneut ihren Anfang nimmt: im "belief"2) oder Glauben. [1]

2. Fundamentalanthropologie

Die Debatte macht erneut deutlich, wie entscheidend die grundlegenden Annahmen zum Verständnis von Realität, Wirklichkeit und Erkenntnis sind, die sich im vorausgesetzten Menschenbild konkretisieren. Existiert Realität als Größe jenseits des Menschen und/oder ist sie diesem (nicht) zugänglich? Ist der Gewinn von Erkenntnis ausschließlich ein produktiver Vorgang, gesteuert durch Einzelne und/oder eine Gemeinschaft? Oder schließt er auch rezeptive Elemente in der Ausrichtung auf eine außerhalb des Subjekts oder der sozialen Bezugsgruppe liegende Wirklichkeit ein? Welche Reichweite hat die begriffliche Erfassung von Realität bzw. Erzeugung von Wirklichkeit; und ist sie die zu bevorzugende Methode oder bedarf es darüber hinaus weiterer physischer oder gar metaphysischer Zugänge? Muss Wissen notwendigerweise im Rahmen ein und derselben Hermeneutik und in den dazugehörigen Zitationsgemeinschaften produziert und erhalten werden? Oder lassen sich die neben und gegeneinander existierenden intellektuellen Ressourcen füreinander öffnen? [2]

Um was es im Hinter- und Untergrund aller wissenschaftlichen Diskussion immer auch geht, ist der Glaube, also das unbedingte Vertrauen oder Sich-Verlassen auf etwas oder jemanden, wissenschaftlich relevant meist in Gestalt der selbstverständlichen Voraussetzungen eigenen Denkens, Fühlens und Lebens, thematisierbar in der Frage nach der fundamentalen Anthropologie3). Dass diese Frage an den Grundfesten menschlicher Überzeugung rührt, zeigt die Emotionalität, mit der die Debatte geführt wird. Infrage steht nichts Geringeres als die je eigene Existenz und die je eigene Handlungsfähigkeit. Dass sich Antworten an dieser Stelle nicht allein begrifflich und wissenschaftlich geben lassen, zeigen die Beiträge recht anschaulich. Behauptungen, es gäbe "no individual knowing subject" (GERGEN, 1991, 1994, 1999), ebenso wie Behauptungen, der Mensch sei vernunftbegabt und verfüge über Handlungsfähigkeit (RATNER, 2005 – Überschrift 5), sind mit wissenschaftlich anerkannten Methoden nicht zu entscheiden. [3]

Im Unterschied zum Konstrukti/v/on/isten wird dem Materialisten sein Glaube, sprich die grundlegenden Annahmen seiner fundamentalen Anthropologie, zur unhintergehbaren Gewissheit: "Es gibt Realität und wir können sie erfassen." Oder in RATNERs Worten: "[T]here is a common reality to be understood, and also [...] a common way to understand it" (RATNER, 2004, Abs.7). Der Konstrukti/v/on/ist trägt dem hingegen dadurch Rechnung, dass er seinen Glauben als Teil eines unhintergehbaren Relativismus verpackt: "Es gibt zwar Realität, aber diese können wir nicht erfassen. Beschreiben können wir nur die von Menschen gemachte Wirklichkeit." Oder in GERGENs Worten:

"Entsprechend sollte auch der soziale Konstruktionismus nicht als eine universelle Wahrheit betrachtet werden. Auch er stellt eine Sichtweise dar, die aus sozialen Prozessen heraus entsteht. Der Konstruktionismus zielt daher nicht auf 'Wahrheit' als dem Resultat der wissenschaftlichen Tätigkeit, oder zumindest nicht auf Wahrheit im Sinne von universellen oder transzendenten propositionalen Systemen. Es mag lokale Wahrheiten geben, die in verschiedenen wissenschaftlichen Gebieten, in Religionen oder in den verschiedenen menschlichen Gemeinschaften etabliert sind, und diese müssen aus der Tradition dieser Gemeinschaften heraus sicherlich respektiert werden" (MATTES & SCHRAUBE, 2004, Abs.14). [4]

So besehen mangelt es der Debatte vor allem an einem: Über das, um was es geht, wird nicht miteinander gesprochen: über den je eigenen Glauben, also die zugrunde liegenden Denkvoraussetzungen im Welt- und Menschenbild sowie das begrifflich nicht fassbare Erleben4). Diese offen zu legen, böte die Chance, zu begründeten Maßstäben zu finden, an deren Prämissen sich das Gegenüber selbst klarer versteht und doch zumindest eine Ahnung für das/den Andere(n) bekommt. Wird die Differenz akzeptiert, so eröffnet dies eine neue Perspektive: Verharren und als Fortschreibung getarnte Verteidigung des geschlossenen eigenen Denksystems ließe sich durch eine Grundhaltung ersetzen, die sich durch eine gemeinsame Problemstellung herausfordern lässt und welche die prinzipielle Begrenztheit eigener Erkenntnis sowie die vorgefundene Multiperspektivität als produktives Movens bejaht. Ansonsten verbleibt die Debatte auf einem Niveau, das über Anschuldigungen nicht hinausgeht und sich nicht mit den zugrunde liegenden Problemen auseinandersetzt. Viel mehr noch, es wird ein pseudowissenschaftlicher Streit geführt, bei dem es zwangsläufig zum Nicht- bzw. Miss-Verstehen kommen muss. Insofern versuchen wir hier zunächst das fundamentum, den Glauben und die Grundlagen des unbedingt Vertrauten bei GERGEN und RATNER, offen zu legen, um zu verstehen, warum die Protagonisten so argumentieren, wie sie argumentieren. [5]

2.1 Carl RATNER und der Materialismus

Carl RATNER lässt sich paradigmatisch dem Materialismus zuordnen, mehr noch, dem historischen Materialismus, wie er von Karl MARX begründet wurde. Insofern ist es wohl zulässig, RATNER als Marxisten zu bezeichnen. Der Marxismus basiert vor allem auf zwei Grundideen: (1) dem historischen Materialismus, einer geschichtlich begründeten positivistischen Entwicklungstheorie, und (2) der Umkehrung der idealistischen Dialektik wie sie von Georg Wilhelm Friedrich HEGEL ausgearbeitet wurde (HEGEL, 1830, S.118ff.). Nach der HEGELschen Dialektik ist unsere Welt von Gegensätzen geprägt, die, wenn sie "verschmelzen", eine "absolute Wahrheit" ergeben, in der keine Widersprüche mehr vorhanden sind. Diese Synthesen treiben die "objektive Wirklichkeit" voran und "bestimmen" damit die Zukunft. MARX geht hierbei mit, wobei er aber die Welt nicht von den Ideen, sondern von der Praxis her begreift: "Das gesellschaftliche Sein bestimmt das Bewusstsein." [6]

Dass Carl RATNER sich in dieses Paradigma einordnen lässt, zeigt sich in seiner faszinierenden quasi relecture der so genannten MARXschen "FEUERBACHthesen", in denen sich MARX mit den Gedanken des Philosophen Ludwig Andreas FEUERBACH auseinander setzt. So wirft RATNER GERGEN Scientismus vor, d.h. eine Auffassung von Wahrheit, die durch Axiome bestimmt und nicht in der Realität verankert ist (vgl. das Beispiel RATNERs, 2005, Abs.28, über die Diagnose der Geisteskrankheit, um zu verdeutlichen, dass es eine Realität/Wahrheit jenseits dieser Sprachspiele gibt, die nicht unberücksichtigt bleiben kann und die "in fact" reale Auswirkungen hat; eine konstruktionistische Position hierzu vertritt ZIELKE, 2006, Abs.7). Dies entspricht der These: "Die Frage, ob dem menschlichen Denken gegenständliche Wahrheit zukomme, ist keine Frage der Theorie, sondern eine praktische Frage. In der Praxis muß der Mensch die Wahrheit [...] beweisen" (ENGELS, 1962, S.263). Die dritte FEUERBACHthese findet sich in RATNERs Kritik am Wahrheitsrelativismus GERGENs (vgl. RATNER 2004, Abs.7) und in RATNERs "erzieherischem" Impetus – "daß der Erzieher selbst erzogen werden muß" (ENGELS, 1962, S.263) – mit dem er für seine Variante "objektiver Wahrheit" wirbt (RATNER, 2005, Abs.13-14). Wenn RATNER solipsistische Systeme ablehnt und vielmehr darauf verweist, dass jedes Individuum in gesellschaftliche und/oder kulturelle Zusammenhänge eingebunden ist, liest sich dies im Sinne der These 6, nämlich "dass das abstrakte Individuum, das er analysiert, in Wirklichkeit einer bestimmten Gesellschaftsform angehört" (ENGELS, 1962, S.263). Dem Vorwurf der bourgeoisen Haltung, deren Erfüllungsgehilfe der Soziale Konstruktionismus sein soll (vgl. RATNER, 2005, Abs.18), entsprechen die Thesen 9 und 10 zur "bürgerlichen" Gesellschaft: "Der Standpunkt des alten Materialismus ist die 'bürgerliche' Gesellschaft; der Standpunkt des neuen die menschliche Gesellschaft, oder die vergesellschaftete Menschheit" (ENGELS, 1962, S.264). Und schließlich gipfelt die Kritik im Neutralitäts- und in seiner Konsequenz im Intoleranzvorwurf (vgl. RATNER, 2004, Abs.5), der die abschließende 11. These wiederholt (vgl. Anm.1). [7]

Was sich also in RATNERs Argumentation offenbart ist ein Realismus5), der sich an das naturwissenschaftliche Forschungsparadigma anlehnt. Nicht nur aus diesem Grund sind RATNERs Beispiele – bis auf jenes von den menschlichen Genen – der Physik oder Chemie entlehnt. Insofern kann RATNER gar nicht anders als mit einer "objektiven" Wahrheit zu argumentieren (vgl. ZIELKE, 2006, Abs.2), die es lediglich der "Natur der Sache" abzulesen oder zu entreißen gilt. Gemeinsam mit seiner Kritik gelesen, könnte man als Kernsatz der RATNERschen Psychologie formulieren: "Wenn die Verhältnisse in der Realität stimmen, dann stimmt es auch im Kopf." [8]

2.2 Kenneth J. GERGEN und der Idealismus

Der Begriff "Konstruktivismus" wird in den Sozialwissenschaften zumeist auf die wissenssoziologische Arbeit von BERGER und LUCKMANN (1966) zurückgeführt. Der erkenntnistheoretische Gedanke ist jedoch viel älter und verweist zurück auf das frühe 18. Jahrhundert – auf Giovanni Battista VICO. Dieser lehnte eine Erforschung des Menschen durch naturwissenschaftliche Methoden ab und wendet sich damit gegen die einseitig mathematisch-naturwissenschaftlich ausgerichtete Philosophie DESCARTES. Eine derartige Anthropologie und die ihr entsprechende Heuristik verkenne den Menschen als Selbsterzeuger kultureller Bedeutungs- und Symbolsysteme.6) Oder in den Worten Paul WATZLAWICKs: Der Konstruktivismus ist die "Untersuchung der Art und Weise, wie wir Menschen unsere eigenen Wirklichkeiten erschaffen" (1986, S.115). [9]

Ein konstruktivistisches Weltbild impliziert demnach nicht per se, wie oft falsch gedeutet, dass eine objektive Welt, die sich nach naturwissenschaftlichen Prinzipien erklären lässt, nicht existiere.7) Vielmehr steht die Grunderkenntnis im Mittelpunkt, dass wir die Wirklichkeit subjektiv "erfinden" (konstruieren) und nicht die Realität objektiv "entdecken". Oder anders gesagt: verum und factum fallen im begrenzten menschlichen Handeln und Erkennen nicht einfach zusammen.8) Der Mensch erkennt das Wahre nur in dem Maße, in dem er es in Gedanken, in Sprache oder in der Geschichte erschafft. Die Begrenztheit des menschlichen Erkennens wird damit zum Ausgangspunkt der verstehenden (percipiendi), verbindenden und unterscheidenden (componendi secernendique) sowie argumentierenden (ratiocinandi) Wissenschaft (vgl. VICO, 1982, S.83). Die Welt dieser Produktivität ist damit die Welt der Wahrscheinlichkeit. Sie gilt es in einer integrativen Vorgehensweise zu erschließen, womit VICO sich gegen die Dominanz der Kritik bei DESCARTES wendet. Vernunft und Phantasie, Logik und Handeln dürfen danach nicht voneinander geschieden werden.9) Die Welt – als Welt des Menschen – ist interpretierte und vom Menschen konstruierte Welt; übrigens eine Erkenntnis, die aus der Geschichte der akademischen Psychologie (fast) mit Erfolg getilgt wurde. In der akademischen Psychologie, insbesondere der Lernpsychologie, fungiert der Begriff "konstruktivistisch" lediglich noch als Worthülse, der in Rechnung stellen soll, dass jeder Lernende etwas Eigenes lernt und dies von der eigenen Erfahrung abhängt und/oder von einer weiteren Person unterstützt wird (siehe z.B. das scaffolding-concept10)). [10]

Nur außerhalb der akademischen Psychologie konnte sich die Annahme halten, der Mensch könne sich lediglich auf die von ihm geschaffenen Fakten und Artefakten beziehen – und zwar in Form der Systemischen Psychotherapie, die den konstruktivistischen Grundgedanken in die Praxis umsetzt. So beschäftigt sich diese mit den Beziehungsproblemen, Bedingungen und Wechselwirkungen in einer menschlichen (Klein) Gruppe – Problemen, die von Menschen selbst geschaffen wurden und für die es keine allgemeinen Erklärungsprinzipien à la Psychoanalyse gibt. "Allein die Frage ist ausschlaggebend, welche Konstruktion sich als die nützlichste und menschlichste erweist" (WATZLAWICK, 2001, S.22). [11]

Eben aus letzterem Kontext, der Systemischen Therapie, entstammt Kenneth GERGEN. Ihn interessiert tatsächlich nicht, wie die Welt funktioniert, solange man intelligibel erklären kann, dass sie funktioniert. Folgendes Beispiel kann dies verdeutlichen:

"One audience group had commented that the couple seemed to have an addiction to crisis. Another group, referring to a local spot that was known as the Bungee Capital of North America, likened their relationship to a pair of married bungee jumpers. The couple objected to the first idea but warmly accepted the second. Operations like this replace the usual expert model for diagnosis with a less pejorative one" (GERGEN, HOFFMAN & ANDERSON, 1996, S.109). [12]

Problem gelöst. Warum sich das Paar streitet, scheint vollkommen egal, solange sie ihr Bild akzeptieren und sich in ihre Situation so einfügen, dass sie mit ihrem Problem zurecht kommen und damit leben können. Analog zu RATNER ließe sich die GERGENsche Psychologie auf folgenden Satz reduzieren: "Wenn es im Kopf stimmt, dann stimmt auch die Wirklichkeit."11) [13]

Insofern lässt sich GERGEN in das konstruktivistische Paradigma einordnen, auch wenn er sich gern von diesem absetzen möchte, was schon die Wahl der Bezeichnung "Konstruktionismus" belegt. "In den achtziger Jahren hat er für seinen Ansatz den Begriff Sozialkonstruktionismus geprägt, hauptsächlich um sich gegen sozialkonstruktivistische Handlungstheorien im Sinne von Berger und Luckmann (1966) sowie gegen psychologische Konstruktivismen, etwa im Sinne Piagets (1954, 1955), abzugrenzen" (ZIELKE, 2004, S.204). Hauptargument dieser Abgrenzung ist, dass diese Konstruktivismen das Materielle und das Mentale "essentialisiert" (GERGEN, 1994, S.67) hätten. Somit versteht sich auch, warum GERGEN jeden Bezug auf eine materielle Welt in seiner Argumentation ausschließen möchte, auch wenn ihm das schon rein sprachlich nicht gelingt. So kommt er nicht umhin, als Erfahrungswissenschaftler "zu sprechen und auf die Realität alltagsweltlicher Kontexte und empirischer Studien hinzuweisen, um Begriffe einzuführen, zu veranschaulichen, zu plausibilisieren" (ZIELKE, 2004, S.227). Im Interview deutet er an, dass er darum weiß:

"Wer nun schreibt, bevorzugt notgedrungen bestimmte Begriffe und Redewendungen, und diese beanspruchen natürlich einen Bezug zur Realität. Das mag als ein 'verbliebener Substanzialismus' erscheinen" (MATTES & SCHRAUBE, 2004, Abs.21).

"Wir sind gefordert eine alternative Wirklichkeit zu schaffen, eine die uns miteinander verbindet und uns unzertrennlich macht. Eine Schwierigkeit, die sich mir bei der Entwicklung eines solchen Bildes immer wieder stellt, ist, dass unsere Sprache über Beziehungen eng mit dieser individualistischen Tradition verknüpft ist. Wir verstehen Beziehung als 'zwischen zwei oder mehreren unabhängigen Wesen'. Als theoretischer Dichter stellt mich diese Tradition vor echte Probleme, aber sie ermöglicht auch Wege, das Selbst als ein immer schon in ein Beziehungsgefüge eingebettetes Phänomen zu konzeptualisieren" (a.a.O., Abs.22). [14]

Wenn es keiner materiellen Basis, in Form eines sinnlich erfahrenden und handelnden Subjektes bedarf, versteht sich auch, dass GERGEN allein mit sprachlichen Analysen auskommt. Dies gipfelt in einem apersonalen Diskursbegriff (vgl. ZIELKE, 2004, S.255f.). Dass dabei, wie das obige Beispiel sehr schön verdeutlicht, die pragmatische Semantik der Bedeutung zugunsten ihrer sozialen Funktionalität vernachlässigt wird (vgl. a.a.O., S.255), stört GERGEN herzlich wenig. Psychologie, so das Credo, bedarf weder des menschlichen Subjekts noch dessen Agens in einer gegenständlichen Welt. Was zählt ist der Geist und dessen Produktionen.12) [15]

Insofern RATNER einen Materialismus vertritt, könnte man sagen, GERGEN vertrete einen Idealismus13), d.h. dem materiellen Sein liegt ein geistiges zu Grunde und nicht umgekehrt. Insofern ist es korrekt, dass RATNER solchen Ansätzen eine "mentalistic view of culture" vorwirft:

"A good deal of scholarship in cultural psychology construes culture as shared concepts and understanding of things. These social concepts are seen as molding psychological processes. From this perspective, both culture and psychological processes are mental. The relationship between culture and psychology is an interaction of mental processes" (RATNER, 1996, S.407). [16]

Dass sich GERGENs "Psychologie" damit als reine Text- bzw. Sprachwissenschaft (vgl. ZIELKE, 2004, S.228) entpuppt, die Individuum, Kultur und Handlung als Ideen, als Texte im Text begreift, liegt auf der Hand: "The semantic link between world and word, signifier and signified, is broken" (GERGEN, 1994, S.44). So gewinnen Texte rein aus Differenz zu anderen Zeichen Bedeutung und bedürfen somit keiner Vorstellung von Wissen, Erfahrung oder anderen psychologisch relevanten Konstrukten, denn "if the texts of the culture are without authors, actions are without underlying agents" (GERGEN, 1991, S.106). Man könnte also abschließend schlussfolgern: Der GERGENschen "Psychologie" liegt ein geisteswissenschaftliches Forschungsparadigma als Vorbild zu Grunde. [17]

Insofern wiederholt sich hier nicht nur der Positivismusstreit vergangener Jahrhunderte,14) sondern es spiegelt sich auch der Gegensatz bzw. das Verhältnis zwischen Kultur und Zivilisation/Gesellschaft beziehungsweise zwischen cultural patterns und social structures wider. Er fand seine Entsprechung in der Spaltung der Ethnoscience vor nunmehr fast einhundert Jahren und führte zur Etablierung einer amerikanischen (vertreten durch Alfred KROEBER) und einer britischen (vertreten durch William H. RIVERS) Ausprägung. Während erstere sich auf die Untersuchung von Kulturen unter historischem und vergleichendem Blickwinkel im Rahmen der cultural anthropology konzentrierte, begründete RIVERS' Schüler Alfred R. RADCLIFFE-BROWN die social anthropology, die sich auf die vergleichende Untersuchung sozialer Strukturen spezialisierte. [18]

Darüber hinaus spiegelt sich hier auch jener clash, den Charles Percy SNOW 1959 erstmals treffend als einen Streit "zweier Kulturen" (1967) bezeichnet hatte. Statt gemeinsam Perspektiven zu entwickeln, trennten sich Natur- und Geisteswissenschaften im Laufe der Wissenschaftsgeschichte soweit, dass sich zwischen ihnen eine Kluft gegenseitigen Nicht- bzw. Missverstehens aufgetan hat. Ignoranz und Spezialisierung auf beiden Seiten ließen sogar eine gewisse Feindseligkeit entstehen, die sich immer unheilvoller auf das geistige Leben auswirkt. Auch politisch bleibt dies nicht ohne Folgen, so wenn beide Seiten nicht mehr in der Lage sind zu beurteilen, ob die Ratschläge des jeweils Anderen "richtig" oder "falsch" sind. Dieses Nicht-Mehr-Verstehen zwischen den zwei Kulturen ist nach SNOW das Haupthindernis, die Probleme der Welt zu lösen. Nicht umsonst sind es gerade politische Fragen, mit denen RATNER die GERGENsche Position herausfordert:

"This subjectivistic turn has alarming implications. It frees psychiatrists to express their prejudices in diagnosing women as irrational. It frees any woman to make reckless charges that a man is sexist or abusive. It frees police and judges to express their prejudices in regarding Arabic people as terrorists. It frees teachers to express their prejudices that lower class students are incapable of learning" (RATNER, 2005, Abs.24). [19]

Sollte man sich jedoch einseitig auf die Seite SNOWs schlagen, der naturwissenschaftlich orientierte Forscher für die "moralisch […] gesündeste Gruppe von Intellektuellen" hält (SNOW, 1967, S.20)?15) [20]

3. Das Selbst und sein Verhältnis zur Gemeinschaft/Kultur

Bevor wir danach fragen, wie diese "Kluft" zwischen den beiden Kulturen überbrückt und somit auch der Streit zwischen GERGEN und RATNER aus dem Luxus des Missverstehens geführt werden kann, sollen noch die jeweiligen Psychologien der beiden vorgestellt werden. Sie ergeben sich logisch konsequent aus den bereits freigelegten Prämissen sowie zwangsläufig aus der inhärenten Fundamentalanthropologie. [21]

3.1 Die Tätigkeit als Schlüsselkonzept der Psychologie

Carl RATNERs Psychologie wird bereits in seinem Aufsatz Activity as A Key Concept for Cultural Psychology (1996) erläutert und findet sich in ausführlicher Version in seiner "Cultural Psychologie"-Trilogie (vgl. RATNER, 1997, 2002, 2006). Dabei sollte man sich jedoch nicht durch den Titel täuschen lassen, denn obwohl culture drauf steht, ist keine culture drin. Carl RATNER vertritt keine Kulturpsychologie im engeren Sinne, sondern vielmehr eine gesellschaftswissenschaftliche Psychologie, die ihr Kondensat in der Rede von der menschlichen Tätigkeit findet. [22]

Die sowjetische Tätigkeitspsychologie wurde durch die so genannte kulturhistorische Schule vertreten, die sich mit den Namen LEONTJEW, LURIA und WYGOTSKI verbindet. Als erste marxistisch-psychologische Strömung (als eine daran anschließende könnte man die subjektwissenschaftliche Psychologie Klaus HOLZKAMPs [1985] benennen) reichte ihr Einflussbereich in den 1920er Jahren nicht über die Grenzen der Sowjetunion hinaus. Erst die Publikation vor allem LEONTJEWs Werk Tätigkeit, Bewusstsein, Persönlichkeit (1979) in der DDR und später dessen gleichlautender Nachdruck in der Bundesrepublik (1982) lösten eine Art "Wieder"entdeckung der "verschollenen Klassiker" aus, die mit einiger Verzögerung in den 1990er Jahren auch die USA erreichte – und hier u.a. auch von RATNER aufgegriffen wurden. [23]

Tätigkeit als einer der zentralen MARXschen Begriffe steht im Zentrum der Tätigkeitstheorie. Laut dieser lässt sich jeder Handlung ein individuelles Ziel zuordnen (z.B.: Ich studiere, um Psychologe zu werden). Da aber mit jeder individuellen Handlung auch ein gesellschaftliches Motiv erfüllt wird, spricht man auf dieser Ebene von Tätigkeit (z.B.: Die Gesellschaft benötigt Psychologen, um Menschen zu helfen). Insofern trägt die Tätigkeitstheorie mittels dieser begrifflichen Trennung der gesellschaftlichen Existenz des Menschen Rechnung: Das Individuum kann demnach nicht als ein asoziales, sondern muss immer als sozial eingebundenes und mitbestimmtes Wesen gedacht werden. Insofern vollziehen sich gesellschaftliche Entwicklungen immer zuerst auf individueller Ebene, eben dann, wenn die zielgerichteten Handlungen in Konflikt mit den zu realisierenden Motiven geraten. Bevor ein solcher Konflikt jedoch entstehen kann, bedarf es kontinuierlicher Entwicklungsprozesse, "denn die Entwicklung der Persönlichkeit setzt die Entwicklung der Zielbildung und der Handlungen voraus. Dabei werden die Handlungen immer reicher, wachsen über jenen Kreis von Tätigkeiten hinaus, die sie realisieren können, und geraten somit in Widerspruch zu deren Motiven" (LEONTJEW, 1982, S.200). Über diesen Widerspruch kommt es zur Entstehung von "Knotenpunkten", an denen sich die beiden Entwicklungslinien der realisierten Beziehungen kreuzen und an denen "sich eine Verschiebung der Motive auf die Ziele, eine Änderung ihrer Hierarchie und die Entstehung neuer Motive vollzieht" (a.a.O., vgl. dazu auch WYGOTSKI, 1972). Dabei bedeutet die Entstehung neuer Motive gesellschaftliche Entwicklung – so zumindest das Idealmodell, das bisher unseres Wissens nicht empirisch belegt wurde. [24]

Mit den Zielen ist die Erfüllung eines persönlichen Sinns, mit den Motiven sind gesellschaftliche Bedeutungen verbunden (vgl. LEONTJEW, 1982, S.101ff. u. 144ff.), eine Unterscheidung, die in der heutigen Kulturpsychologie ebenfalls eine wichtige Rolle spielt (vgl. ALLOLIO-NÄCKE, 2005a). Insofern lag es nahe, nach dem Zusammenbruch des Sozialismus und dem damit (fast) vollständigen Relevanzverlust der Tätigkeitstheorie hierüber den Anschluss an die cultural psychology zu rechtfertigen, wie das RATNER in der Tat gemacht hat. Dieser turn ist in der ihm eignenden Logik nur konsequent, lassen sich doch die auf den ersten Blick sehr ähnlichen Ideen auch mit dem Begriff der Kultur verdeutlichen: Kultur als einem System, an dem alle teilhaben und mitwirken, das sich jedoch nicht auf den Einzelnen reduzieren lässt. Damit vertritt RATNER eine Variante der Kulturpsychologie, deren Fokus ein ganz anderer ist als die Variante GERGENs, die sich vor allem auf den linguistic turn und damit auf den Sprachtheoretiker Ludwig WITTGENSTEIN stützt (s. Abschnitt 3.2). [25]

RATNERs Kulturpsychologie unterscheidet sich insoweit, da als primäre Analyseeinheit die menschliche Tätigkeit – und nicht wie in den meisten Kulturpsychologien Sinn- und Bedeutung – angenommen wird. Auch wenn RATNER sich bemüht, die Differenz zwischen Psyche/Sozialem und Psychologie/Soziologie zu überwinden, indem er beide als zwei Seiten derselben Medaille ausweist, bleibt dennoch die Frage unbeantwortet, wie beide miteinander verbunden sind: Wie erwächst das Psychische aus dem Sozialen? RATNER selbst sagt: "Social activity causes psychological phenomena in the sense of eliciting them and being their objective or raison d'etre" (RATNER, 1996, S.423 – unsere Herv.). Was sich hierin äußert, ist also ein dem physio-psychischen Parallelismus nachempfundenes Konzept, das man als sozio-psychischen Parallelismus bezeichnen könnte. Ebenso ungeklärt, wie aus dem Soma die Psyche entspringt bzw. welche Verbindungen zwischen beiden bestehen, bleibt bei RATNER – und so auch bei HOLZKAMP – unklar, wie das eliciting aussieht, wie es sich vollzieht. Marxisten überspringen dieses Dilemma dadurch, dass sie den HEGELschen Dialektischen Sprung annehmen, bei dem dann aus der Synthese etwas Neues, vorher nicht Dagewesenes entsteht: "The interdependence and reciprocal influence of language thought, and activity and psychological phenomena is a dialectical relationship. From a dialectical perspective, activity and psychological phenomena are interdependent, interpenetrating moments of one relation" (a.a.O., S. 424). Das gleiche wird beschrieben, wenn die Denkfigur der Widerspiegelung16) in Anschlag gebracht wird. [26]

Insofern ist es verwunderlich, dass RATNER diesem Konzept mehr Erklärungskraft zuspricht als bspw. dem GEERTZschen "erfahrungsnahen Konzept" (vgl. a.a.O., 1996, S.410), in dem z.B. ZIELKE (2004) die adäquate Analyseeinheit kulturpsychologischer Forschung sieht. Letzteres zeichnet sich u.E. gegenüber RATNERs Konzept nämlich dadurch aus, dass es eine rekonstruierbare historische Dimension der kulturellen Gewordenheit – sprich in Erfahrung transformiertes Handlungswissen bzw. Handlungen begleitende Interpretationen – beinhaltet und ohne den blinden Fleck des dialektischen Sprungs auskommt. Erfahrung jedoch spielt bei RATNER nur eine untergeordnete Rolle. Sie tritt quasi hinter die "objektive" Analyse gesellschaftlicher Strukturen zurück, ebenso wie die Seite der individuellen Selbstkonstitution ganz von den gesellschaftlichen Prozessen in den Schatten gestellt wird (vgl. ALLOLIO-NÄCKE, 2005b, S.7). [27]

Kulturpsychologie aber beschäftigt sich u.E. primär mit dem Bereich der subjektiven Erfahrungen, welche nicht durch die sozialen Gegebenheiten hervorgerufen werden, wie das bei RATNER anklingt, sondern die mittels Interpretation aktiv konstruiert und in die eigene Psyche integriert werden – und hierbei stimmen wir einer integrativ verstandenen konstruktivistischen Argumentation zu. Zu diesen subjektiv-ablesbaren Phänomenen gehören auch kulturelle, die aus RATNERs logisch-pragmatischem Ansatz menschlicher Tätigkeit ausgeklammert werden. Als wirkmächtige Erscheinungen zählen dazu Phantasie, Glaube an Gott oder Übersinnliches, kulturelle Mythen und Ästhetik, die einem Zweckrationalismus nicht untergeordnet werden können und nur mit Mühe durch RATNERs Konzeption erfassbar sind. Wenn aber diese Phänomene in Alltagskategorien versprachlicht werden,

"erfahren wir uns selbst und andere. Nur durch ihre Alltagspsychologie können Menschen einander beurteilen und vorhersagen, Schlüsse über den Wert ihres Lebens ziehen usw. Ihre Macht über den menschlichen Geist und das menschliche Leben insgesamt liegt gerade darin, dass sie die Mittel bereitstellt, mit denen die Menschen den Erfordernissen einer Kultur gemäß geformt werden" (BRUNER, 1997, S.32f.). [28]

Mehr noch, diese ideellen Inhalte haben faktisch oft Vorrang vor den sozialen Gegebenheiten, den objektiv erkennbaren Strukturen, die doch bei RATNER den wichtigsten Bezugsrahmen darstellen: "Die Situation des Handelnden orientiert sich offensichtlich nur teilweise an objektiven Inhalten. […] Das bedeutet aber auch, dass die Situationswahrnehmung nicht nur von materiellen Gegebenheiten, sondern auch von ideellen Inhalten gesteuert wird" (BOESCH, 1988, S.238f.). Zudem, und dies ist bisher ein nicht gehobener Schatz der BOESCHen Konzeption für die Psychologie, entgeht auch RATNER, dass selbst jenes Handlungsrelevanz aufweist, was bei einer zielgerichteten Handlung notwendigerweise außen vor bleiben muss: das Bewusstseins um alternative Handlungsoptionen (vgl. a.a.O., S.242), die zum Zwecke der Handlungsfähigkeit als aktuelle Handlungsmöglichkeit ausgeschlossen doch im Handlungsprozess quasi präsent bleiben. Würde man dies in einer psychologischen Konzeption ausschließen, wäre ein Handlungsanschluss an eine auswegslose Situation nicht vorstellbar: "Die Intention wird […] progressiv den Antizipationen angepasst, die sich auf Grund neuer Situationseinschätzungen wandeln" (ebd., S.241). [29]

3.2 Die Sprache als Schlüsselkonzept der Psychologie

Kenneth J. GERGENs Psychologie stellt das genaue Gegenteil zur RATNERschen dar, denn bei ihm gibt es weder ein intentionales Subjekt, das über Handlungsfähigkeit verfügt, noch gibt es scheinbar objektive Gegebenheiten – seien es soziale Strukturen oder eine materielle Umwelt, die nicht "Gegenstand der Dekonstruktion werden können" (MATTES & SCHRAUBE, 2004, Abs.21). GERGENs Ansatz, der jede Frage nach Objektivität scheinbar ablehnt, kann somit, wenn auch als Extremposition, zu jenen Psychologien gezählt werde, die sich von der Klärung der Frage nach dem Verhältnis zwischen dem Biologischen (Natur) und dem Psychischen (Kultur) verabschiedet haben, und deren Hauptaugenmerk auf Sprache als Ausdruck des Psychischen gerichtet ist (vgl. GERGEN, 1991, 1994, 1999; BRUNER, 1997; SHWEDER, 1990; SHWEDER & SULLIVAN, 1990, 1993; HARRÉ & GILLET, 1994). [30]

Während es für viele (Kultur-) Psychologen wichtig erscheint, dieses Verhältnis zu klären (vgl. z.B. BOESCH, 1980)17) – nicht zuletzt, um die Frage nach der Einheit der Menschheit positiv zu beantworten –, argumentiert BRUNER, dass es sich beim Verhältnis von Biologie (Natur) und Kultur sowie dem damit einhergehenden Begründungszwang lediglich um einen "weitverbreiteten und ziemlich altmodischen Fehlschluss handelt, den die Humanwissenschaften seit dem 19. Jahrhundert mitschleppen" (BRUNER, 1997, S.39). Zwar führt BRUNER aus, dass sich der Fehlschluss darin äußere, dass "die Kultur eine Art 'Überbau' der biologisch determinierten menschlichen Natur [sei], die Ursachen des menschlichen Verhaltens lägen dagegen im biologischen Substrat" (a.a.O.). Eine tatsächliche Begründung für diesen Fehlschluss liefert er jedoch nicht. Stattdessen setzt er parallel oder vielmehr ersetzt er den Fehlschluss durch die Sicht, "daß Kultur und die Sinnsuche innerhalb einer Kultur die eigentlichen Ursachen menschlichen Handelns sind" (a.a.O.). Ähnlich argumentiert auch SHWEDER (1990), wenn er die menschliche Umwelt als intentional world bezeichnet. [31]

HARRÉ und GILLET äußern sich zu dieser Problematik gar nicht, sondern verweisen lediglich auf BRUNER, und wie BOESCH auch, auf LÉVI-STRAUSS18). Für HARRÉ und GILLET ist die Umwelt des Menschen konstitutiv eine sprachlich vermittelte und personal-relationale. So wird bei ihnen die NEWTONsche Ontologie, die auch der RATNERschen Konzeption zugrunde liegt, abgelehnt und verabschiedet. Statt ihrer inaugurieren HARRÉ und GILLET vielmehr eine "'vygotscian' ontology for psychology" (HARRÉ & GILLET, 1994, S.30), die sie im folgenden Schema (Abb.1) der NEWTONschen Ontologie entgegensetzen:

 

Ontologies

Locative Systems

Entities

Relations

Realität – RATNER

Newtonian

Space and time

Things and events

Causality

Wirklichkeit – GERGEN

Discursive

Arrays of people

Speech acts

Rules and story lines

Abb.1: Widerstreitende Ontologien innerhalb der Psychologie (nach HARRÉ & GILLET, 1994, S.29) [32]

Dem NEWTONschen Bezugssystem von Zeit und Raum stellen HARRÉ und GILLET das der "arrays of people" (a.a.O.) entgegen, denn der Mensch handele immer in Bezug auf eine bestimmte hierarchische, aber auch horizontale Stellung innerhalb eines sozialen Bezugssystems. "People are things specified something like special points, defined in terms of interpersonal, social, and political frameworks" (a.a.O., S.31). Für diese Stellung des Einzelnen wählen HARRÉ und GILLET den Begriff der Position, womit ein Positioniert-Werden durch die sozialen und politischen Verhältnisse genauso wie die Aktivität des Individuums gedacht ist, sich zu diesen Feststellungsversuchen zu positionieren und somit den sozialen Bezugsrahmen zu verändern (vgl. auch ALLOLIO-NÄCKE & KALSCHEUER, 2003). Damit wird klar einem (bedingten) Verhalten eine Absage erteilt und einer sinnvollen und an Bedeutungen orientierten Handlung der Vorzug gegeben. Diese Positionierungen, so HARRÉ und GILLET, erfolgen mittels Sprechakten, womit wiederum auf den Aushandlungscharakter solcher diskursiver Strategien verwiesen ist. Dass sich diese Akte des Sprechens und des sozialen Handelns nicht willkürlich ereignen – jede menschliche Wirklichkeit weist eine spezifische Kontinuität auf –, sichern die (sozialen) Regeln und Handlungsstränge spezifischer Erzählgenres (z.B.: Diskurs, Erzählung, Autobiografie usw. – vgl. BROCKMEIER & HARRÉ, 2005). "Norms and rules emerging in historical and cultural circumstances operate to structure the things people do" (HARRÉ & GILLET, 1994, S.33). Damit deuten HARRÉ und GILLET darauf hin, dass selbst diese Normen und Regeln historische und damit kulturelle Artefakte sind, die zwar über längere Zeiträume konsistent, jedoch grundsätzlich veränderbar sind. [33]

In diesen Kontext also muss auch die GERGENsche Konzeption einer Kulturpsychologie eingeordnet werden, auch wenn wir mit RATNER glauben, dass es sich hierbei um eine unzulässig weit gedrehte Spirale handelt, indem sie, um Essentialismen zu vermeiden, "das Kind mit dem Bade ausschüttet": das Subjekt – und damit die Entität der Agens, der Intentionalität und Handlungsfähigkeit. Hierin unterscheidet sich auch GERGENs Ansatz im Wesentlichen von den anderen hier angesprochenen Psychologien. U.E. liegt GERGENs Auffassung eine Missinterpretation der frühen WITTGENSTEINschen Theorie zu Grunde, indem GERGEN WITTGENSTEINs Satz: "Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt" (WITTGENSTEIN, 2003, S.86, §5.6), buchstäblich nimmt. Mehr noch, er verwechselt Sprache und Sprechen (vgl. MICHAELER, 2005, S.27).

"Die Verwechslung der Analyseebenen von Sprache und Sprechen verführt Gergen schließlich zu einem ausschließlichen Sprachbezug. Statt sich dem gemeinschaftlichen Akt der Wirklichkeitskonstruktion zu widmen, behandelt er immer mehr nur das schon gegebene Sprachsystem in seiner Funktionsweise. Mit den Individuen verliert er so auch den Bezug zu den Objekten, obwohl er diese anfangs für die Herstellung von Wahrheit noch vorgesehen hatte" (a.a.O., S.40; vgl. GERGEN, 2002, S.52). [34]

GERGEN bezieht sich in seiner theoretischen Position weiterhin auf WITTGENSTEIN19) und dessen Aussage: "Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache" (WITTGENSTEIN, 1995, S.262, §43). Das viel zitierte, sich hieraus ableitende meaning-as-use findet in einem sozialen Kontext statt, den GERGEN als "social practices" oder einfach "social use" oder "patterns of ongoing exchange" bezeichnet. Diese Gebrauchs- und Interaktionspraktiken sind der Ort, an dem Wörter ihre Bedeutung erhalten, und zwar "within what Wittgenstein metaphorically terms 'language games'" (GERGEN, 1994, S.52f.). Da GERGEN aber kein Interesse daran hat, wie Individuen in ihrer kulturellen Gewordenheit und Intentionalität die Bedeutungen in individuellen Sinn übersetzen, werden Individuen zu "an diesen Praktiken Partizipierenden" (ZIELKE, 2004, S.242). Sie "sind eher passive Übernehmer als aktive Mitgestalter von Bedeutung" (a.a.O). Mehr noch, haben für GERGEN Wörter keine dahinter liegenden Objekte, die durch sie bezeichnet werden, sondern "[v]ielmehr scheint sich die Bedeutung des Wortes Aggression in seiner Darstellung allein aus dem sozialen Kontext ihres Gebrauchs zu ergeben" (a.a.O., S.243). Das gilt, weil sich "dasjenige, was der oder die Einzelne zu wissen oder zu verstehen glaubt, sich nicht in seinem Besitz befindet, nicht ihr Wissen ist, sondern lokalisiert in den sozialen, sprachlichen Praktiken ist" (a.a.O., S.242). Und weiter: "Damit präsentiert Gergen eine einerseits radikale, andererseits aber auch ungenaue Aufnahme des Wittgensteinschen Bedeutungskonzepts (Familienähnlichkeit)" (a.a.O., S.243). [35]

Meaning-as-use erfordert nämlich genuin sprechende Subjekte, die im Sprachspiel "mitmachen" (vgl. SCHNEIDER, 2000, S.313). Auf diese Weise erlernen wir die Bedeutung der Begriffe, die in diesem Sprachspiel eine Rolle spielen. Bedeutung ohne ein interpretierendes Subjekt wäre bedeutungs- wie sinnlos. Sprache allein jedoch bedarf keines Akteurs. Aber darauf scheint WITTGENSTEIN eben gerade nicht abzuzielen, wenn er von "Gebrauch" (use) spricht. Die Handlungsform von Sprache ist eben nicht die formale Sprache, sondern Sprechen. Und hieran scheitert GERGEN. In den smart-verhüllenden Worten ZIELKEs: "Die komplexe Beziehung zwischen Akteur, Handlung und Interaktion ist nicht übersetzbar in die Saussuresche Opposition von Signifikant und Signifikat" (2004, S.297, vgl. auch S.248). [36]

Und überhaupt geht ZIELKE sehr höflich mit der GERGENschen Theorie um – auch in Form ihrer in FQS veröffentlichten "Verteidigungsrede" (vgl. ZIELKE, 2005) –, obwohl dieselbe Theorie in ihrem Buch Kognition und soziale Praxis (2004) systematisch und mit hervorzuhebender Brillanz dekonstruiert und desavouiert wird. So will der Soziale Konstruktionismus keine Erfahrungswissenschaft sein, sondern lediglich Diskurse über Erfahrung analysieren (vgl. GERGEN, 1994, S.71). Er kommt laut ZIELKE jedoch nicht umhin, als Erfahrungswissenschaft "zu sprechen und auf die Realität alltagsweltlicher Kontexte und empirischer Studien hinzuweisen, um Begriffe einzuführen, zu veranschaulichen, zu plausibilisieren" (ZIELKE, 2004, S.227). Zudem wirft ZIELKE GERGEN zu Recht eine etwas schräge Lesart der WITTGENSTEINschen Gebrauchstheorie und des Konzepts der Familienähnlichkeit vor (a.a.O., S.248f.; s.o.); sowie eine Inkonsistenz in Bezug auf seine Wissenskonzeption. Denn bei GERGEN gäbe es relativiertes Wissen über die empirische Realität, das über Diskurse sei jedoch objektiv, sonst könne er gar nicht in dieser Weise über die Diskurse und ihre Regeln sprechen (a.a.O., S.250); die pragmatische Semantik werde zudem zugunsten ihrer sozialen Funktionalität vernachlässigt (a.a.O., S.255). Und schließlich ließe sich der emanzipatorische Anspruch, den auch GERGEN im Interview vertritt (MATTES & SCHRAUBE, 2004, Abs.24), weder aus seiner Theorie begründen, noch wüsste man gar, für wen diese Emanzipation angedacht sei. Schließlich gibt es bei ihm kein "indivdual knowing subject" (GERGEN, 1991, 1994, 1999) und damit auch kein Wissen bzw. kritisches Wissen, das um den eigenen Missstand weiß (ZIELKE, 2004, S.256). Dass eine solche Konzeption von kritischem Bewusstsein keinen Sinn ergibt, formuliert Zielke charmant:

"Gergens Kritikbegriff lässt sich [...] wie folgt reformulieren: Möglich und wünschenswert ist die kritische Analyse und die Entlarvung des Althergebrachten und Etablierten als perspektivisch und ideologisch – aber nur mit dem Ziel, einen neutralen Boden für den wertfreien Dialog mit möglichst vielen anderen Positionen zu bereiten. [...] Jedes emanzipatorische Ziel und jeder kritische Einwand ist ideologisch und muss relativiert werden, allein die Richtigkeit des Zweifels, die Tatsache, dass überhaupt kritisiert und hinterfragt werden soll, scheint unhinterfragt zu gelten. Und das ist selbst ein normativer Anspruch, der begründet werden müsste. Zweitens verliert der kritische Anspruch, wenn man diesen Kritikbegriff ernst nimmt, seinen Sinn" (a.a.O., S.261; unsere Herv.).

[...] "Drittens läuft der kritische Anspruch ins Leere, wenn er nur formal, nicht inhaltlich legitimiert werden kann, d.h. wenn er sich nicht an konkreten Thesen, die mit Geltungsansprüchen verbunden sind, festmachen kann. Kritik hebt sich dann selbst auf. [...] In irgendeinem Sinne erfordert eine kritisch-emanzipatorische Position die Annahme eines Subjektes dieser Kritik und damit auch einen legitimen Nutznießer der angestrebten Emanzipation. Das sind Vorstellungen, die der Sozialkonstruktionismus [...] von sich weist" (a.a.O., S. 262). [37]

4. Plädoyer für eine theoriegeleitete Pragmatik des Verstehens

Wie deutlich geworden sein dürfte, diskutieren hier zwei unterschiedliche Wissenschaftsparadigmen in Gestalt zweier Psychologen miteinander, die eigentlich nicht miteinander reden können bzw. wollen. Positivismus und Idealismus stehen sich ebenso unverbunden gegenüber wie Universalismus und Relativismus. Bisher haben wir uns mit den Grenzen der jeweiligen Positionen beschäftigt und deren zu Grunde liegende Denkvoraussetzungen kritisch befragt. In einem weiteren Schritt wollen wir nun die Fragerichtung umkehren: Was bringen beide Positionen jenseits dieser Grenzen positiv in die Debatte ein? Welche Bezüge bzw. Ergänzungen lassen sich benennen, die Inhalt eines sich wechselseitig befördernden Dialogs sein können – eines Dialogs, der die Teilnehmenden über ihre mitgebrachten Grenzen hinausführt? Diese Perspektive wird Eckpunkte eines Wissenschaftsverständnisses freilegen, dass in praxi über den Luxus des Missverstehens hinausführen kann. [38]

4.1 Tätigkeit und Sprache

Die Tätigkeits- und Handlungstheorien und mit ihnen RATNER halten vier wichtige Einsichten fest, die für uns unverzichtbar zu einer Kulturpsychologie bzw. einer Fundamentalanthropologie gehören:

  • Unabdingbar verweisen diese Theorien auf die Verantwortlichkeit des Menschen. Damit fordern sie in der Konsequenz ein auf diese Verantwortung hin ansprechbares Subjekt. Die theoretische Begründung beider Postulate kann ausweislich der Religions- bzw. Theologie- und Philosophiegeschichte unterschiedlich erfolgen. Im Rahmen der abendländischen Tradition wird an dieser Stelle der Rekurs auf Immanuel KANT nahe liegen. Auch im Spätwerk Michel FOUCAULTs – der Theoretiker, auf den sich die Diskursiven Psychologen primär berufen – wird das Subjekt in Form eines Entwurfs zur "Kunst der Existenz" (FOUCAULT, 1986, S.60) oder auch einer "Ästhetik der Existenz" (FOUCAULT, 2005, S.902ff; vgl. KÖGLER, 1990) als notwendiges Pendant zu anonymen Macht-Wissenskonstellationen "wieder" eingeführt. Geben wir dieses a priori zu Gunsten des sich in Relationen auflösenden, an vielfältigen Distributionen beteiligten Subjektes oder zu Gunsten anonymer und determinierender Strukturen auf, sind wir nicht mehr in der Lage, zugefügtes Leid zu adressieren, Verantwortlichkeiten zuzuschreiben, sondern bewegen uns in einem Feld von Nichtzuständigkeit und als Konsequenz daraus in der Welt eines anything goes. Leid würde damit beim Opfer individualisiert und Verantwortung ausschließlich innerhalb selbstregulativer Bezugsgruppen ansprechbar. Kulturgeschichtlich gesehen fände eine Regression auf ein kleinteiliges Clan- und Sippenwesen statt – jedenfalls wenn man bestimmten "westlichen" Interpretationsmustern solcher antiker und/oder außereuropäischer Gesellschaftsstrukturen hier einmal folgt.

  • Mit den Kategorien der Handlung bzw. Tätigkeit wird kontextualisiertes, in sozialen Strukturen verankertes Wissen – propositionales wie prozedurales – erkenn- und beschreibbar. Vielen (kultur-) psychologischen Positionen mangelt es an der Rückbindung ihrer Erkenntnisse an diesen sozialen Entstehungskontext.

  • Die Frage danach, zu welchem Zweck bestimmte Bedeutungen geschaffen werden bzw. entstehen, ist aus einer rein sprachzentrierten Perspektive – also aus einer Spezialform menschlicher Handlung – nicht hinreichend beantwortbar. Auch non-verbale Phänomene sind ohne eine konkrete kontextualisierte Vorstellung von Handlung nicht erfassbar. Die Berücksichtigung der Pragmatik schließt demgegenüber notwendigerweise die Dimension von Körper, Sinnlichkeit und Emotionalität mit ein. Die Defizienz einer rein sprachzentrierten Anthropologie wird auch nicht dadurch beseitigt, dass die präsenten Phänomene durch sprachliche Sinnzuschreibung dargestellt werden. Erfahrung und Bedeutung des Weinens ist eben – anders als Jonathan POTTER dies postuliert – nicht anhand von bebender Stimme, Schniefen und Schluchzen als Teil kultureller Inszenierung und Konvention von Weinen erschöpfend dargestellt (vgl. POTTER, 2005).

  • Dadurch, dass die Vorstellung von Realität und Wahrheit aufrechterhalten wird, kann überhaupt erst die Frage nach dem, was ist und nicht ist bzw. nach "wahr" und "falsch", gestellt werden. Realität und Wahrheit können dabei u.E. allerdings nur im Sinne von Grenzbegriffen verwandt werden, da sie dem Menschen nicht als solche zuhanden sind. Aus der Zurückweisung einer oft als naiver Realismus, Essentialismus oder Dogmatismus bezeichneten Position kann nicht der Verzicht auf derartige Leitideen abgeleitet werden.20) Die Konsequenz eines solchen Kurzschlusses läge in einem Verzicht auf Fallibilität, was – gesellschaftlich gesprochen – zu einer Selbstimmunisierung separierter Diskurs- und Interessengemeinschaften führen würde. [39]

Ein integrativ verstandener Konstruktivismus trägt hinsichtlich eines produktiven Dialoges ebenfalls in vierfacher Weise bei. Dass der Konstruktivismus dabei von uns nicht im Sinne GERGENs integrierbar erscheint, dürfte in der Argumentation deutlich geworden sein. Es legt sich vielmehr eine durch den heutigen Verstehenskontext modifizierte Anknüpfung an die Grundstrukturen der konstruktivistischen Theorie bei VICO nahe. Sie leistet eine Integration der Konstruktionsleistung menschlichen Handelns und Erkennens, der es dadurch gelingt, jene bei GERGEN sichtbaren Reduktionismen zu vermeiden. Zur Dimension menschlichen Zusammenfügens und Erschaffens, also zur Wirklichkeit, tritt die außermenschliche Realität, sprich Natur, sowie eine vom Menschen vorgefundene und durch ihn in ihrer Totalität nicht bestimmbare Realität hinzu.

  • Menschliches Erkennen vollzieht sich als ein produktiver Vorgang und lässt sich nicht auf die Deduktion von Einsichten aus den materiellen Gegebenheiten oder Strukturen reduzieren. Menschliches Denken und Handeln weist demnach über die Aneignung (Widerspiegelung) von materiellen wie sozialen Gegebenheiten hinaus; es ist auch nicht notwendigerweise zweckrational. An dieser Stelle wäre auch über eine angemessene Berücksichtigung einer Vorstellung menschlicher Freiheit zu reden, um die Grenzen der Ableitbarkeit menschlichen Handelns und Erkennens zu benennen.

  • Produktives Handeln und Erkennen des Menschen ereignet sich als soziales Geschehen. Wissen und Erkenntnis wird notwendigerweise in Sprachgemeinschaften, die als Rezeptions- und Fortschreibungsgemeinschaften agieren, hergestellt, denn der Mensch greift auf vorgefundene Sprache zurück und ist auf eine Akzeptanz innerhalb von – zunächst – abgrenzbaren kleineren Sprachgemeinschaften angewiesen. Dabei ereignet sich zugleich, was ZIELKE treffend als Evozierung von Alterität umschreibt: "Die Grenzen der Kommunizierbarkeit von Bedeutung machen die Grenzen zwischen Sprachspielen oder 'Kulturen' erst sichtbar und dadurch werden manche Menschen für andere zu 'Fremden'" (2005, Abs.4). In einem integrativ verstandenen Konstruktivismus bilden diese Sprachgemeinschaften nicht wie bei GERGEN nach außen tendenziell abgeschlossene "Inseln", sondern sie sind, wie dies realiter immer wieder gilt, an einem Ganzen teilhabende Subsysteme, entgrenzt und offen hinsichtlich anderer Gemeinschaften. Insofern ist die Vorstellung von Grenze nicht die von border, sondern von boundary, also nicht die einer Grenzlinie, sondern eines Grenzraumes, d.h. eine Anschluss- und nicht Ausschlusszone.

  • Fundamentale Einsicht des Konstruktivismus ist die Begrenztheit menschlichen Handelns und Erkennens. Die Konstruktivisten waren "die ersten, die darauf bestanden, daß wir das Leben anderer durch Linsen aus unserer eigenen Glasschleiferei betrachten, und daß sie auf unseres wiederum durch ihre jeweils eigenen zurückblicken" (GEERTZ, 1996, S.286; vgl. ZIELKE, 2005, Abs.4). Dadurch wurde ein "Sprechen von den Dingen, die unbedingt so sein müssen, nicht länger möglich. Wenn wir hausbackene Wahrheiten gewollt hätten, dann hätten wir zu Hause bleiben müssen" (GEERTZ, 1996, S.286f.). Oder anders und in Nachfolge VICOs formuliert, wird der Mensch als erkennendes Subjekt ernst genommen, dann werden Wahrheit und Realität nur in dem Maße erkennbar, indem sie in seinen Gedanken, in seiner Sprache oder in seiner Geschichte erscheinen. Situation, Perspektive und Horizont bleiben demnach prinzipiell begrenzt. Das Ganze ist weder durch eine Schau oder theoria noch durch die Addition von Einzelperspektiven bzw. durch die Verschmelzung einzelner Horizonte zu erfassen. Als Leitvorstellung von Wissenschaft ergibt sich daraus diejenige einer "Welt der Wahrscheinlichkeit" (CACCIATORE, 2002, S.48). Wissenschaftliches Erkennen vollzieht sich dann immer als asymptotische Annäherung an Realität mittels Modellbildung (z.B. Kategorien, Theorien) und wissenschaftlichem Diskurs. Für den Kulturbegriff legt sich damit nahe, "Kultur" als die "Bewahrung des Möglichen" (KONERSMANN, 1996, S.354) zu verstehen. Im Raum des Möglichen bliebe auch das gegenwärtig Unwahrscheinlichere aufbewahrt und stünde somit einer kommenden Erkenntnisbemühung weiterhin zur Verfügung.

  • Weitere Konsequenz der Begrenztheit menschlichen Handelns und Erkennens ist die Erweiterung eines auf DESCARTES zurückgehenden, rein kritischen hin zu einem integrativen Wissenschaftsverständnis. Erkennen kann nicht allein eingegrenzt werden auf die kritische Reduktion auf ein sicheres Minimum. Vielmehr gilt es die davor liegenden Wahrscheinlichkeiten ebenfalls im Spiel zu halten. In gleicher Weise gilt es, wissenschaftlich verantwortet Logik und Handeln sowie Vernunft und Phantasie integrativ aufeinander zu beziehen. Dass nach annähernd vier Jahrhunderten der Dominanz cartesianischer Wissenschaftstradition vielen eine solche Forderung als schlichtweg unsinnig erscheinen wird, ist u.E. nach eher als Indiz zu verstehen, sich dieser Herausforderung zu stellen.21) [40]

4.2 Plädoyer für ein integratives Wissenschaftsverständnis

Wissenschaft integrativ zu verstehen, wird nicht allein die bewahrenswerten Elemente des Positivismus und des Konstruktivismus neu miteinander ins Spiel bringen, wie wir dies im vorangehenden Abschnitt herauszuarbeiten versucht haben. Darüber hinaus wird ein Diskurs vorgeschlagen, der die bisher bestehenden Grenzen des Verstehens zwischen den beiden SNOWschen Kulturen – Geistes- und Naturwissenschaft – überbrückt. Lässt sich Wissenschaft derart auf eine gemeinsame Verstehensbemühung ein, so wird sie fähig, Orientierung für das Handeln anzubieten, wie zunehmend von ihr gefordert. Von SNOW ausgehend, sind beide Kulturen dazu aufgerufen, gemeinsam an Problemstellungen zu arbeiten, um den zweckrationalen Herausforderungen ebenso zu entsprechen wie jenseits von Rationalität und Utilität für Menschen und Gesellschaften Räume zu öffnen. [41]

So wird die Qualität medizinischer Versorgung gerade innerhalb der enger werdenden ökonomischen Gestaltungsspielräume dadurch befördert werden können, dass etwa durch die Beteiligung von Kommunikationswissenschaft die Arzt-Patient-Beziehung analysiert und verbessert wird (vgl. VOGD, 2004). Zweckrationales medizinisches Handeln – z.B. die somatisch orientierte Sorge um das Leben (vgl. DIECKHÖFER, 2005) – kann mittels geisteswissenschaftlicher Perspektive um die subjektive Sicht des Betroffenen ergänzt und damit zu einem notwenigen Korrektiv des "Machbaren" werden (vgl. LERCH & DIERKS, 2001). Auch wenn sich z.B. psychosoziale Betreuung und Seelsorge nur schwer in Fallpauschalen abrechnen lassen oder deren Einfluss auf den Genesungsprozess nicht eindeutig messbar ist, so verankern sie im technisierten Klinikbetrieb doch den Blick auf einen Menschen, der mehr ist als sein Körper. [42]

Umgekehrt wird sich alles geistes- und kulturwissenschaftliches Bemühen nicht von der Leistungsfähigkeit der Naturwissenschaften abtrennen wollen, befördert diese in ihrer methodischen Reduktion doch weiterhin bestaunenswerte Einsichten und Handlungsoptionen für die verschiedensten gesellschaftlichen Bereiche. Auch der kritische Einspruch der Geistes- und Kulturwissenschaft, etwa auf dem Feld der Genetik, muss dies anerkennen. Zudem kann Naturwissenschaft auch als Korrektiv geisteswissenschaftlichen Erkenntnisgewinns wirksam werden, wie die so genannte SOKAL-Affäre zeigte. Alan SOKAL veröffentlichte 1996 in der renommierten Zeitschrift Social Text einen mehrfach gereviewten Beitrag mit dem Titel Transgressing the Boundaries: Toward a Transformative Hermeneutics of Quantum Gravity, in dem er nach postmoderner Manier mit naturwissenschaftlichen Metaphern jonglierte. Anschließend bekannte er in der Zeitschrift Lingua Franca, dass der Beitrag lediglich eine Parodie darstelle und er somit geisteswissenschaftlicher Forschung einen Spiegel vorhalten wollte, die mathematisch-naturwissenschaftliche Metaphern inadäquat und ohne Rückbindung an naturwissenschaftliche Sachkenntnis verwende. [43]

Für die Psychologie würde dies bedeuten, das Plädoyer STAEUBLEs zu beherzigen, die gesellschaftstheoretische wie Kulturpsychologie zu ihren Propria zurückruft. So ließe sich verhindern, dass gesellschaftstheoretische Psychologie, um heute anschlussfähig zu bleiben, mit einem "schwachen Kulturbegriff" operiert und Kulturpsychologie aus dem gleichen Grund ihr Tätigkeitsfeld über den genuinen Gegenstand subjektiven Erlebens hinaus erweitert. STAEUBLE will zeigen,

"dass der Kulturbegriff kein schwacher Ersatz für den Gesellschaftsbegriff sein muss, sondern diesen um eine handlungsrelevante Dimension, um die Perspektive der Akteure selbst, ergänzen kann. […] Hatte gesellschaftstheoretisch inspirierte Psychologie gegen den Naturalismus der Disziplin eingewandt, dass Konstruktionen des Psychologischen von soziohistorisch spezifischen Subjektivitätsformen ausgehen müssten, könnte kulturtheoretisch inspirierte Psychologie die Spezifik von Fühlen, Wünschen, Wissen oder Handeln aus der soziokulturellen Perspektive der Handelnden selbst ermitteln" (STAEUBLE, 2002, S.1f.). [44]

Eine integrativ verstandene Wissenschaft führt notwendigerweise dazu, den Hinter- und Untergrund der wissenschaftlichen Diskurse immer erneut zu thematisieren. Dies konkretisiert sich etwa in der Anthropologie und trägt zu einer Offenlegung impliziter Moralvorstellungen und Menschenbilder bei (vgl. ZIELKE, 2005, Abs.9). Wie bereits oben hergeleitet, basiert der hier vorgeschlagene integrative Ansatz auf folgenden anthropologischen Fundamentalbestimmungen: Der Mensch agiert und versteht als endliches, begrenztes und unabgeschlossenes Wesen. Dabei – und dies verknüpft die bisherige Rede von der Begrenztheit des Menschen mit seinem Handeln und Tätigsein – neigt er dazu, sowohl sich selbst als auch seinen Mitmenschen zu verfehlen. Zugleich bleibt er befragbar und wird zur Verantwortung gerufen. Schon deshalb steht er in einem Dialog, der über seine Rechenschaftspflicht hinaus auch zum Erkenntnisgewinn und zur Handlungsorientierung unabdingbar ist. Die dialogische Existenz des Menschen ist damit mehr als der unverbindliche Austausch von Denkmöglichkeiten, wie dies bei GERGEN und ZIELKE durch das Nebeneinander von "Polyphonie und der Pluralität von Perspektiven" (a.a.O., Abs.5) zum Ausdruck kommt.22) Es kann demnach nicht um den Ausschluss der gemeinsamen Suche nach "der 'Wahrheit'" oder der "geteilten Perspektive" gehen (vgl. a.a.O.). Vielmehr muss die Suche nach "anthropologischen Konstanten", philosophisch gesprochen die Frage nach dem Wesen des Menschen, Thema in einer Verständigung bleiben, die sich kommunikativ (im Sinne vom communio) um die Entwicklung von Kriterien bemüht. [45]

Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler selbst bringen dabei implizit oder explizit letzte und unableitbare Gewissheiten in die Debatte ein, das also, was wir eingangs als Glauben bestimmt hatten. Dieses unbedingte Vertrauen oder sich Verlassen schafft den Hintergrund dafür, sich konstruktiv im Raum der bleibenden Unsicherheit und Offenheit von Wissenschaft zu bewegen und darin Inter- und Transdisziplinarität produktiv und rezeptiv zu gestalten. Je gewisser die Beteiligten dabei ihres eigenen Glaubens sind oder je selbstverständlicher sie diesen kommunizieren, desto besser wird das erforderliche Wagnis und der notwendige Grenzgang in solchen Prozessen gelingen. Letzteres erschließt die Basis, um den heuristischen Gehalt der je anderen Position wertschätzen zu können, dessen Perspektivität anzuerkennen und in der eigenen Begrenztheit die Fremdartigkeit des Eigenen wie des Anderen zu sehen. Besser als in einer harschen Debatte gegenseitiger Vorwürfe wird in diesem Raum von acceptance23) Wissenschaft und damit auch kritische Urteilsbildung gelingen. Und diesen Luxus sollten wir uns leisten. [46]

Anmerkungen

1) Dem kundigen Leser wird sicher auffallen, dass dies eine leicht veränderte Version der 11. MARXschen FEUERBACHthese ist, die da lautet: "Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt aber darauf an, sie zu verändern" (ENGELS, 1962, S.264). <zurück>

2) RATNER verwendet den Begriff "belief" mehrfach, um die impliziten Voraussetzungen des social constructionism anzufragen. Eine schlichte Übertragung des Terminus in den deutschen Sprachraum mit "Glaube" würde den hermeneutischen und wissenschaftstheoretischen Debatten nicht gerecht. Eine alleinige Verwendung des Begriffs als "religious belief" (ZIELKE, 2006, Abs. 4) aber trifft den Punkt hier ebenso wenig. <zurück>

3) Fundamentalanthropologie fragt nicht nach einzelnen materialen Aspekten des Menschenbildes, sondern thematisiert die Grundannahmen sowie die erkenntnistheoretischen Voraussetzungen ihres Zustandekommens. Der Begriff wird gelegentlich im Gegenüber zu HEIDEGGERs Fundamentalontologie oder in Analogiebildung zur Rede von einer Fundamentaltheologie verwendet. <zurück>

4) Der Begriff steht bei Wilhelm DILTHEY für das Maximum der dem Menschen verfügbaren Wirklichkeit, inklusive derjenigen, die nicht oder noch nicht begrifflich fassbar ist (vgl. DILTHEY, 1922, S.177ff; 1992). <zurück>

5) "Erkenntnistheoretisch bedeutet der Realismus im Gegensatz zum Idealismus die Annahme eine vom erkennenden Subjekt unabhängig bestehenden Dingwelt" (Philosophisches Wörterbuch, 1974, Stuttgart: Kröner). <zurück>

6) VICOs Konstruktivismus ist in eine Geschichtsphilosophie eingeordnet, in der die göttliche Vorsehung sich des menschlichen Konstruierens zur Erreichung ihrer Ziele bedient. Dieses Ineinander von menschlichem und göttlichem Wirken in der Weltgeschichte lässt ihn als Vorläufer HEGELs erscheinen. <zurück>

7) Bei VICO entspricht dem die Trennung von Natur und Geschichte. Nur für letztere und damit für den Gestaltungsraum des Menschen entwirft er seinen Konstruktivismus, der sich wiederum analog zum göttlichen Handeln versteht: "Wie das göttliche Wahre das ist, das Gott, indem er es erkennt, anordnet und erzeugt, so ist das menschliche Wahre das, was der Mensch, während er Kenntnis von ihm gewinnt, zusammenfügt und zugleich auch schafft: auf diese Weise wird Wissenschaft zur Erkenntnis der Art oder der Modalität, in der die Sache zur Entwicklung kommt, zu einer Erkenntnis, in der der Geist, während er diese Modalität begreift, weil er die Elemente der Sache zusammenfügt, die Sache erschafft" (et quemadmodum verum divinum est quod Deus, dum cognoscit, disponit ac gignit, ita verum humanum sit, quod homo, dum novit, componit item ac facit: et eo pacto scientia sit cognitio generis, seu modi, quo res fiat, et qua, dum mens cognoscit modum, quia elementa componit, rem faciat) (VICO, 1979, S.36f.). So kann er sagen: "'Verum esse ipsum factum' – Das Wahre ist das Geschaffene selber" (a.a.O., S.34f.). <zurück>

8) Dies bleibt bei VICO dem Gottesbegriff und seinem schöpferischen Zusammenklang von Handeln und Erkenntnis vorbehalten (vgl. VICO, 1979, S.37). <zurück>

9) Orginalton VICO, der sich in Vom Wesen und Weg der geistigen Bildung gegen eine Trennung dieser Bereiche sowie gegen die Unterordnung von Phantasie bzw. Handeln unter Vernunft bzw. Logik wendet: "Damit nun beide Fehler vermieden werden, sollte man, meine ich, die jungen Leute in allen Wissenschaften und Künsten, ohne ihrem Urteil vorzugreifen, unterrichten, so dass sie für die Gemeinplätze der Topik reichen Gehalt gewinnen können, und inzwischen durch den Allgemeinsinn zur Klugheit und zur Redekunst heranwachsen, und in der Phantasie und Gedächtnis sich für die Künste, deren Stärke diese Geisteskräfte sind, befestigen; dann sollten sie das kritische Denken lernen, und nun erst damit anfangen, über das, was man sie gelehrt hat, selbstständig zu urteilen, und sich üben, sowohl dafür wie dagegen zu sprechen" (1947, S.36f.). <zurück>

10) Da seit der "Wieder"entdeckung WYGOTSKIs in den USA die hierzu publizierte Literatur geradezu ausufernde Ausmaße angenommen hat, sei hier nur exemplarisch auf die Beiträge in MOLL (1990) sowie in WINEGAR und VALSINER (1992) verwiesen. <zurück>

11) Im Gegensatz zum Realitätsbegriff bei RATNER verwenden wir hier den Wirklichkeitsbegriff, da das, was GERGEN als Realität benennt, nicht deckungsgleich mit dem ist, was RATNER darunter versteht. <zurück>

12) Sowohl bei GERGEN als auch bei RATNER findet sich lediglich eine biologistische Engführung des Geistbegriffs, wenn sie von "mental processes" sprechen. <zurück>

13) "Erkenntnistheoretisch der Standpunkt, der die Dinge als Komplexe von Vorstellungen auffaßt, das Sein nur als Bewusstsein anerkennt: Sein = Wahrgenommenwerden" (Philosophisches Wörterbuch, 1974, Stuttgart: Kröner). <zurück>

14) Klassisch lassen sich immer wieder variierte Positionen in diesen Auseinandersetzungen anhand des frühmittelalterlichen Universalienstreits ablesen. In ihm wurde durch ANSELM VON CANTERBURY und WILHELM VON CHAMPEAUX im 11. Jh. ein extremer Realismus vertreten, nach dem den Ideen eine objektive Realität zukomme ("universalia sunt ante rem" bzw. "universalia sunt realia"). Beeinflusst durch den Aristotelismus etablierte sich ab dem 12. Jh., vertreten durch Pierre ABÉLARD, ALBERTUS MAGNUS und THOMAS VON AQUIN, ein gemäßigter Realismus, der weiterhin für eine Dominanz des Geistigen in der Materie eintrat ("universalia sunt in re"). Unter den Nominalisten des 13. Jhs., besonders Johannes DUNS SCOTUS und WILHELM VON OCKHAM, werden die Allgemeinbegriffe nur mehr als Namen für Gattungen angesehen ("universalia sunt nomina" bzw. "universalia sunt post rem"). <zurück>

15) "So sind zum Beispiel die meisten unserer Mitmenschen unterernährt und sterben vorzeitig. Das ist unsere soziale Lage, wenn man es brutal ausdrückt. Nur zu leicht wird die Einsicht in die menschliche Einsamkeit zu einer moralischen Falle: zur Versuchung nämlich, die Hände in den Schoß zu legen, sich mit der eigenen unüberbietbaren Tragödie zufrieden zu geben und die anderen ungespeist zu lassen. Als Gruppe erliegen die Naturwissenschaftler dieser Versuchung weniger leicht als andere. Sie neigen dazu, ungeduldig zu fragen, ob sich da nicht etwas tun lasse, und sie neigen weiter zu einer Meinung, man könne etwas tun, solange das Gegenteil nicht bewiesen ist. Das ist ihr eigentlicher Optimismus, und diesen Optimismus können wir anderen dringend gebrauchen" (SNOW, 1967, S.14). <zurück>

16) Als Widerspiegelung bezeichnet man die marxistische Erkenntnistheorie, die als solche theoretisch zuerst von Wladimir I. LENIN ausgearbeitet wurde. Es kommt LEONTJEW zu, diese – in Form der psychischenWiderspiegelung – für die Psychologie fruchtbar gemacht zu haben: "Die Leninsche Widerspiegelungstheorie betrachtet sinnliche Abbilder im Bewußtsein des Menschen als Abdrücke, als Fotografien der unabhängig existierenden Realität. [...] Aber das ist nur die eine Seite der Charakteristik der psychischen Widerspiegelung; die andere Seite besteht darin, daß die psychische Widerspiegelung zum Unterschied von der Spiegelung und anderen Formen der passiven Widerspiegelung subjektiv ist, und das bedeutet, daß sie nicht passiv, sondern aktiv ist, daß das menschliche Leben, die Praxis in ihre Definition eingeht und daß sie durch die Bewegung des ständigen Überfließens des Objektiven in das Subjektive charakterisiert wird" (LEONTJEW, 1982, S.57). <zurück>

17) So widmet Ernst E. BOESCH den ersten Teil seines Buches Kultur und Handlung – also 100 Seiten (!) – der Diskussion um das Verhältnis von "Natur" und "Kultur". <zurück>

18) Die Autoren rekurrieren deshalb auf LÉVI-STRAUSS, da dieser die natürliche Umwelt selbst schon als kulturell geprägte verstand. Eine Kluft zwischen Realität und Wirklichkeit ergibt sich nicht, weil "das natürliche Biotop des Menschen immer auch schon Kultur sei, in dem Sinne nämlich, daß er es nach strukturellen Schemata des Handelns und Denkens wahrnimmt, die nicht in der Natur schon vorgegeben sind" (BOESCH, 1980, S.27). Stimmt man dem zu, dann braucht man sich tatsächlich nicht zu fragen, wie Natur/Biologie beschaffen sei, um den kulturell geprägten Menschen zu erklären: Natur ist so, wie wir sie durch unsere kulturelle Brille wahrnehmen. Natur ist damit Teil der Kultur (vgl. LÉVI-STRAUSS, 1962, S.125f.). <zurück>

19) Zur Einführung in die WITTGENSTEINsche Theorie s. BEZZEL (2000). <zurück>

20) Dieses Diktum trifft auch das, was nach ZIELKE "im Sinne der konstruktionistischen Metatheorie tatsächlich auszuschließen [ist]: Die Bindung der Möglichkeit einen Dialog zu führen an die Suche nach der 'Wahrheit' oder einer anderen von allen beteiligten 'geteilten Perspektive'" (2005, Abs.5). <zurück>

21) In Auseinandersetzung mit der wissenschaftlich dominanten Sinnproduktion hat Hans Ulrich GUMBRECHT mit seinem Buch Diesseits der Hermeneutik (2004) dazu eine lebhafte Debatte ausgelöst. <zurück>

22) Zugespitzt wird dies etwa in der Arbeit der wenigen bisher etablierten Ethikkonsile an Universitätskliniken und Krankenhäusern sichtbar. Darin arbeiten unterschiedliche Professionen zusammen, um Patienten, Angehörigen, Pflegenden und Ärzten in schwierigen Entscheidungssituation beratend Angebote zu machen. Damit kommen im höchsten Maße unterschiedliche Perspektiven zusammen, die in begrenztem Zeitraum gravierende Entscheidungen mit beeinflussen. <zurück>

23) Wir verwenden hier den engl. Begriff acceptance, denn er schließt sowohl die personale Wertschätzung als Beziehungsqualität als auch die sachliche Offenheit für den Inhalt mit ein. <zurück>

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Zu den Autoren

Jürgen VAN OORSCHOT, Dr. theol. habil., Professor für Altes Testament an der Theologischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität in Jena, Forschungsschwerpunkte im Bereich kultureller und literarischer Transformationsprozesse (u.a. Tod- und Todesbewältigung), Weisheit und Wissenskultur, Anthropologie und Wissenschaftsgeschichte. Mitherausgeber der internationalen Fachzeitschrift Zeitschrift für die Alttestamentliche Wissenschaft (ZAW), de Gruyter, Berlin und New York, und Fachherausgeber des Internet-Lexikons WiLAT, Stuttgart.

Kontakt:

Jürgen van Oorschot

Theologische Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Fachgebiet Altes Testament
Fürstengraben 6
D-07743 Jena

Tel: +49 (0)3641 / 941111
Fax: +49 (0)3641 / 941112

E-Mail: juergen.van.oorschot@uni-jena.de

 

Lars ALLOLIO-NÄCKE, Dipl.-Psych., promovierte im November 2005 zum Dr. phil., Wiss. Angestellter im DFG-Schwerpunktprogramm Bildungsqualität von Schule am IPN in Kiel. Dissertation über ostdeutsche Identität im Rahmen des von der DFG geförderten Graduiertenkollegs Kulturhermeneutik im Zeichen von Differenz und Transdifferenz an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Mitherausgeber der Zeitschrift Psychologie & Gesellschaftskritik. Gründungsmitglied der Gruppe Culture, Development & Psychology an der Freien Universität Berlin. Hauptforschungsgebiete: Identität, Subjektphilosophie, Postmoderne Theorie, Kulturpsychologie. Publikationen zur Ostdeutschen Identität, Kulturpsychologie und Transdifferenz. In zurückliegenden Ausgaben von FQS hat ALLOLIO-NÄCKE zwei Tagungsberichte geschrieben zu Alltag im Aufbruch. Ein psychologisches Profil der Gegenwartskultur und zu 100 Jahre Deutsche Gesellschaft für Psychologie.

Kontakt:

Lars Allolio-Näcke

Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften an der Universität Kiel
Abteilung Erziehungswissenschaften
Olshausenstraße 62
D-24098 Kiel

Tel.: +49 (0)431 / 880 – 3497
Fax: +49 (0)431 / 880 – 5211

E-Mail: allolio@ipn.uni-kiel.de
URL: http://www.ipn.uni-kiel.de/persons/allolio.html

Zitation

van Oorschot, Jürgen & Allolio-Näcke, Lars (2006). Plädoyer gegen den Luxus des Missverstehens. Zur Debatte zwischen Carl Ratner und Barbara Zielke um den Sozialen Konstruktionismus Kenneth J. Gergens [46 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 7(2), Art. 17, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs0602175.



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