Volume 11, No. 2, Art. 9 – Mai 2010

Das Dispositiv – die andere Seite des Diskurses

Barbara Birkhan

Review Essay:

Andrea D. Bührmann & Werner Schneider (2008). Vom Diskurs zum Dispositiv. Eine Einführung in die Dispositivanalyse. Bielefeld: transcript, 176 Seiten; ISBN 978-3-89942-818-6, EUR 15,80

Zusammenfassung: Vom Diskurs zum Dispositiv will eine im Aufschwung der Diskursforschung spürbare Lücke füllen: Motiviert von der Unzufriedenheit mit einer zu ausschließlich auf Diskurse gerichteten Perspektive in den Sozialwissenschaften, greifen BÜHRMANN und SCHNEIDER nicht auf bestehende Alternativen zur Diskursanalyse zurück, sondern weiten von dieser ausgehend den Blick machtanalytisch auf nicht-diskursive Praktiken, symbolische wie materiale Objektivationen und Subjektivation/Subjektivierung in gesellschaftstheoretischer, historischer Rahmung. Dabei soll die von FOUCAULT gelegte Basis mit soziologischen Ansätzen (besonders der Wissenssoziologie) ausgebaut werden. Die hier entwickelte Konzeption der Dispositivforschung wird diesem Anspruch – wenn auch knapp einführend gehalten – umfassend gerecht, indem sowohl theoretische und epistemologische Voraussetzungen elaboriert als auch entsprechende methodologische Überlegungen und methodisch-praktische Umsetzungen exemplarisch vorgestellt werden.

Keywords: Diskurs; Dispositiv; Foucault; Poststrukturalismus; Wissenssoziologie; Theoriebildung; Methodologie; Praxis; Macht

Inhaltsverzeichnis

1. Überblick

2. Synopsis der Dispositivforschung

2.1 Diskursforschung und Dispositivkonzept

2.2 Das Dispositivkonzept als Forschungsperspektive

2.3 Dispositivanalyse als Forschungsstil

2.4 Methodische Umsetzungen: Zur dispositivanalytischen Forschungspraxis

2.5 Dispositivforschung – Zusammenfassung und Ausblick

3. Diskussion

3.1 Die Wahl der Grenzen des Dispositivs

3.2 Die Instanzen des Dispositivs

3.3 Die analytische Ebene

4. Fazit

Literatur

Zur Autorin

Zitation

 

1. Überblick

Das Buch von BÜHRMANN und SCHNEIDER kommt zu einer Zeit, wo der Dispositivbegriff in den Sozialwissenschaften immer häufiger auftaucht. Dabei bleibt er zum Teil derart vage, dass er nach ihrem Dafürhalten in Gefahr gerät, ein one concept fits all zu werden und – ähnlich wie es dem Diskursbegriff in der Kultur- und Sozialanthropologie nachgesagt wird (so BOYER 2003) – primär als Identitätsmarker und weniger als theoretisch-konzeptionell klar definiertes wissenschaftliches Instrument zu fungieren. Während jedoch, so BÜHRMANN und SCHNEIDER, die Diskursforschung in vielen Sozialwissenschaften bereits vergleichsweise konzise ausgearbeitet wurde, steht dies für die Dispositivforschung noch weitgehend aus. Selbstverständlich gibt es, besonders auch von philosophischer Seite, einiges an Literatur zum Dispositiv bzw. apparatus, wie die englische Übersetzung häufig lautet (wichtig z.B. DELEUZE 1991 oder AGAMBEN 2008; vgl. auch die Literatur zu den verwandten Begriffen agencement bzw. assemblage). Das nun vorliegende Buch ist aber, soweit ich sehe, der erste über Artikellänge hinausgehende Text, der "das Dispositiv" theoretisch-methodologisch weit ausgreifend herausarbeitet. [1]

Die Autorin und der Autor haben vor, einen nicht zu eng gesteckten, aber dennoch konsequenten Forschungsansatz zu formulieren. Zwar wollen sie das Konzept für verschiedene methodische Zugänge empirischer Forschung offen halten, aber die beiden Aspekte der Dispositivforschung, nämlich Dispositivkonzept und Dispositivanalyse, hängen natürlich zusammen – vor allem wenn, wie im Buch beabsichtigt, ein objektivistischer, verdinglichender Fehlschluss vermieden werden soll, der "das Dispositiv" erfassen will und dabei die sozialen Phänomene mit den darauf gerichteten Analysekategorien gleichsetzt ohne zu sehen, dass diese die sozialen "Merkmale und Formen überhaupt erst analytisch zum Vorschein bringen" (S.111). Obwohl also für die Dispositivforschung das Dispositivkonzept als Forschungsperspektive gewisse methodologische Überlegungen nach sich zieht und somit auch Implikationen für das methodische Vorgehen in der Forschungspraxis hat, so sind diese Vorgaben jedoch nicht derart eng, dass die Dispositivanalyse als eine Methode zu verstehen wäre, sondern es handelt sich für BÜHRMANN und SCHNEIDER vielmehr um einen Forschungsstil. [2]

Die Klärung der Dispositivforschung teilt sich in zwei Schritte, die als Kapitel 2 und 3 das Kernstück des Buches ausmachen. In Kapitel 2 wird zunächst die Relevanz der Dispositivforschung vermittelt und der Zusammenhang zwischen Forschungsfragen und Erkenntnisinteressen hergestellt. Daran anschließend geht es um die erkenntnistheoretische Fundierung. Die Identifikation des Gegenstandsbereichs und dessen theoretisch-konzeptionelle Fassung bilden den Hauptteil dieses Kapitels. Das nächste große Kapitel widmet sich methodologischen Überlegungen zur Rolle der wissenschaftlichen Dyade im Forschungsprozess sowie der Verortung des Gegenstandes und dem entsprechenden Forschungszugang. Darüber hinaus werden Leitfragen für die Bestimmung von Dispositiven formuliert. Diesen Kapiteln geht ein einleitendes 1. Kapitel voraus, das um die Diskursanalyse als Ausgangspunkt für die Dispositivforschung kreist. Es folgt ein 4. Kapitel, in dem die Autorin und der Autor den Leitfragen entsprechende Instrumente der Datenerhebung und Datenauswertung sowie dann Beispiele für die methodisch-praktische Forschung mittels Dispositivkonzept aus ihren Arbeitsbereichen skizzenhaft aufzählend präsentieren. [3]

In der Synopsis konzentriere ich mich auf die zentralen Eckpunkte der Dispositivforschung aus den beiden Hauptkapiteln. Denn hier wird ein Forschungsprogramm ausgebreitet, das zumindest in dieser Form offenbar auch in den Untersuchungen der Autorin und des Autors noch nicht zum Tragen gekommen ist. Ebenso streife ich die Ansätze anderer Autor/innen, denen im Buch viel Raum gegeben wurde, nur ganz kursorisch, um ihre Relevanz für den Entwurf der Dispositivforschung anzudeuten. [4]

Die Gliederung des Buches ist ausgesprochen klar und einsichtig. In der Zusammenfassung strukturieren BÜHRMANN und SCHNEIDER dann die Dispositivforschung selbst als Diskurs und charakterisieren diese Forschungsrichtung, den vier Dimensionen bei FOUCAULT (1981) entsprechend, durch einen bestimmten Gegenstand respektive Erkenntnisbereich, durch eine bestimmte Begriffskonzeption, durch bestimmte Äußerungsmodalitäten und durch bestimmte Ziele und Interessen. Auch dies hätte wohl eine reizvolle Möglichkeit für den Aufbau des Buchs geboten – wenngleich vielleicht allzu sehr auf FOUCAULTs Heuristik beruhend. Allerdings ist sofort zu bemerken, dass die Dispositivforschung grundsätzlich von der Diskursforschung her gedacht wird, und zwar von einer wesentlich auf FOUCAULT basierenden Richtung. Dies ist im Fortgang der Argumentation von BÜHRMANN und SCHNEIDER auch insofern konsequent, als primäre Quelle des Dispositivkonzepts ebenfalls die Überlegungen von FOUCAULT sind. Hierbei ist man mit der Tatsache konfrontiert, dass der Dispositiv-Begriff von FOUCAULT ab Mitte der 1970er Jahre verwendet, aber nicht allzu deutlich ausformuliert wurde. Auch wenn BÜHRMANN und SCHNEIDER betonen, keine detaillierte FOUCAULT-Exegese betreiben zu wollen, zeigt der durchgängige Bezug auf FOUCAULT, dass sie mit seinen Arbeiten bestens vertraut sind. So steht das Vorhaben, FOUCAULTs mangelnde eigene Ausführungen konsistent weiterzudenken, auf festem Fundament (siehe auch frühere Publikationen u.a. in FQS, z.B. BÜHRMANN & SCHNEIDER 2007). [5]

2. Synopsis der Dispositivforschung

2.1 Diskursforschung und Dispositivkonzept

Das erste Kapitel bietet zunächst in Form eines Literaturüberblicks eine kurze Skizze der Diskursforschung, wie sie in den (deutschsprachigen) Sozialwissenschaften bereits klar ausformuliert und fest etabliert ist. Reflexiv einen Schritt zurücktretend und damit auch ihr eigenes Vorhaben verortend, fassen BÜHRMANN und SCHNEIDER dann die Formierung von Wissenschaft grundsätzlich entlang wissenschaftstheoretischer Paradigmen, für die besonders die Namen FLECK und KUHN stehen. [6]

Die Aktualität der Arbeit von BÜHRMANN und SCHNEIDER verdeutlicht in ihrem Buch der Hinweis auf eine Reihe von Untersuchungen, die ab den 1990er Jahren und vermehrt seit 2000 verfasst wurden. Die Thematik der Forschungen reicht vom Geschlechterdispositiv und Kindheitsdispositiv über das Regierungsdispositiv, das Autoritätsdispositiv oder das Behandlungsdispositiv bis zum Stadtteildispositiv und zu Technikdispositiven. Diesen heterogenen Arbeiten kann man entnehmen, wie wenig die Dispositivforschung im Sinne der von KUHN und FLECK skizzierten Wissenschaftsentwicklung kanonisiert/"normalisiert" ist. Und diese Unschärfe des Dispositivbegriffs birgt im sich andeutenden Stellenwert eines leeren Signifikanten für die Autorin und den Autor des Buches die Problematik, dass sein (kritisch) produktives Potenzial nicht zum Tragen kommt. [7]

2.2 Das Dispositivkonzept als Forschungsperspektive

Im zweiten Kapitel geht es darum, das theoretisch-konzeptionelle Fundament der Dispositivforschung zu erarbeiten. Für den Zugang von BÜHRMANN und SCHNEIDER ausschlaggebend ist, dass die Konzeption des Dispositivs auf der Diskursanalyse basiert. [8]

Der Abschnitt "Diskurs, Wissen, Macht und gesellschaftliches Sein" soll die Ausgangspunkte der Dispositivkonzeption bestimmen. Der hier eingeführte Diskursbegriff folgt dem im Strukturalismus vertretenen gesellschaftstheoretischen Konzept des Diskurses als institutionalisierte Aussage-Praxis auf einer überindividuellen (Meso-) Ebene und hebt sich somit von eher auf die Mikro-Ebene einzelner Sprechsituationen und subjektive Sinnsetzungen fokussierten Diskursbegriffen ab. Das Diskursive bei FOUCAULT – worauf sich BÜHRMANN und SCHNEIDER im Weiteren beziehen – bilden die regulierten Produktionsprozesse von Aussagesystemen, die geltendes Wissen über die Wirklichkeit und in diesem Sinn Wahrheit produzieren und legitimieren. Wie BÜHRMANN und SCHNEIDER explizit hervorheben, macht ein solches Verständnis von Wahrheit als Grenze auch deren Überschreitung prinzipiell denkbar und ist daher offen für Kritik. [9]

Die Notwendigkeit, davon ausgehend die Wissenschaft trotzdem machtanalytisch in Richtung Dispositivforschung zu entwickeln, beruht auf dem Argument, dass der Diskurs und seine Ordnung nicht alles sind. Die Dispositivforschung beinhaltet daher unter Bezugnahme auf FOUCAULTs Konzeption des Sexualitätsdispositivs in "Der Wille zum Wissen" (1983) eine Analytik von Machtbeziehungen und Machtpraktiken, die gemäß BÜHRMANN und SCHNEIDER diskursive wie nicht-diskursive Praktiken erfasst und dabei auf mehr als nur das Diskursive zielt. [10]

Da FOUCAULT einen Praxisbegriff verwendet, der insbesondere auch die Lebensführung und die Wirkung auf den eigenen Körper meint, ist Individualisierung und Subjektivierung prinzipiell integraler Bestandteil jeder Frage nach einem Dispositiv – so BÜHRMANN und SCHNEIDER. Unter dem Begriff "gesellschaftliches Sein" sind aber auch soziale Beziehungen und Handlungen sowie die "Faktizität der Dinge" als symbolische und materiale Objektivationen Gegenstand ihrer Dispositivforschung. [11]

Diese Ansatzpunkte der Dispositivforschung verbinden BÜHRMANN und SCHNEIDER erkenntnistheoretisch mit einer sozialkonstruktivistischen Perspektive. Hier bringen sie neben FOUCAULT unter anderem auch wissenssoziologische Ansätze, v.a. von BERGER und LUCKMANN, ein: gesellschaftliche Phänomene (hinter denen keine universal gültigen Strukturen stehen) verlaufen nicht nach einer historischen Gesetzmäßigkeit, sondern sind in ihrer historischen Spezifizität zu betrachten. Davon ausgehend orientiert sich die Dispositivforschung an einer von FOUCAULT elaborierten kritischen Ontologie, die das transzendente Apriori in ein historisches verwandelt und sieht es als ihre Aufgabe, das Geworden-Sein des Selbstverständlichen "als Resultat grundsätzlich kontingenten menschlichen Handelns" aufzuweisen und "(sozial-) wissenschaftlich in seinen Bedingungen, Möglichkeiten und Auswirkungen empirisch zu rekonstruieren" (S.35). [12]

Und weil – wie BÜHRMANN und SCHNEIDER zu bedenken geben – auch der Blick der Forschenden im Sinne der von MANNHEIM betonten Seinsverbundenheit jeglichen Wissens in einem historischen Kontext steht, ist die wissenschaftliche Wirklichkeit nicht neutral oder objektiv. Ein in der französischen Epistemologie geforderter, ähnlich aber etwa von der Hermeneutik thematisierter epistemologischer Bruch solle und könne zwar den wissenschaftlichen Blick distanzieren. Aber auch die darauf fußende Objektivierung könne nicht beanspruchen, das Sein als solches (einzig) adäquat zu repräsentieren. Denn dieser distanzierte Blick stellt wiederum nur eine spezifische, diskursiv produzierte Erkenntnisposition dar, die allerdings ein systematisches und methodisch kontrolliertes Erkennen sein sollte – um sich in der Diskurs- wie Dispositivforschung somit des "(Selbst-) Anteils bei der Herstellung" (S.39) des Forschungsgegenstandes bewusst zu sein. Damit verknüpft ist gemäß der weiteren Argumentation von BÜHRMANN und SCHNEIDER, die eigene Forschungstätigkeit zu historisieren und zu kontextualisieren. Eine solche Historisierung von (wissenschaftlicher) Wahrheit unter den Vorzeichen einer kritisch-dekonstruktiven (de-ontologisierenden) Ontologie hat Implikationen für die Möglichkeiten und Grenzen von Kritik in der Wissenschaft. Da auch die Kritik nicht mehr mittels Bezug auf eine universelle Wahrheit verfahren könne, greifen BÜHRMANN und SCHNEIDER die Idee von ZIMA auf, Aussagen über ihr Zustandekommen, über die Verfahren der Objektkonstruktion, also über die Form des Diskurses zu begründen. Dies stellen sie im Gegensatz zu HABERMAS jedoch nicht vor den Horizont einer Übereinkunft im Rahmen einer idealen Sprechsituation, denn die Lebenswelt sei grundsätzlich konflikthaft. Folglich ist der Rekurs auf bestimmte Werte und Normen nicht zu unterbinden, er ist aber eine vorher zu treffende "Wertentscheidung außerhalb der Analyse", so BÜHRMANN und SCHNEIDER (S.41). [13]

Nach dieser grundlegenden Erweiterung des Gegenstandsbereichs der Dispositivforschung im Bezug zum Diskurs widmen sich BÜHRMANN und SCHNEIDER einer Reihe von Fragen, die sie daraus ableiten. Im Abschnitt "Diskurs und Dispositiv – eine erste konzeptionelle Verhältnisbestimmung" klären sie zunächst in Hinblick auf die bei FOUCAULT zentralen Begriffe der "diskursiven Formation" und der "diskursiven Praxis", dass dementsprechend auch für die Dispositivforschung die Logik der Grenze gilt, wonach in Abgrenzung zum Ungesagten und Unsagbaren die tatsächlich formulierten Aussagenmengen Objekt der Analyse sind. Und es gelte auch weiterhin, dass diskursive Praktiken, dass Diskurse produktiv für ihre Gegenstände sind. Jedoch führen BÜHRMANN und SCHNEIDER hier einen Unterschied zwischen "Strukturierung" und "Konstruktion" ein. Aus Sicht der Diskursanalyse könne zwar alles durch Diskursives strukturiert "und somit auf Diskurse rückführbar" konzipiert werden, "aber nicht alles kann deswegen empirisch-analytisch hinreichend als diskursive Konstruktion gefasst werden" (S.43). Wie sie darüber hinaus betonen, können "Dinge" (z.B. materiale Erscheinungen, im Tun tradiertes Erfahrungswissen) "als Objektivationen von im umfassenderen Sinn dispositiven Herstellungs- und Hervorbringungsprozessen dem diskursiven Prozess vorenthalten bleiben" (S.43), diesen aber beeinflussen. BÜHRMANN und SCHNEIDER wollen somit die Unterscheidung zwischen konstruiertem Gegenstand und strukturierenden Praktiken seiner diskursiven, aber auch nicht-diskursiven Herstellung nicht aufgeben. [14]

Dem folgt die meines Erachtens zentrale Frage, was nicht-diskursive Praktiken überhaupt sein können, und ob es eine Praxis außerhalb des Diskursiven schlechthin gibt. Eine besonders von LACLAU und MOUFFE vertretene Antwort, die BÜHRMANN und SCHNEIDER nun ins Spiel bringen, lautet, dass nichts Soziales außerhalb des Diskursiven steht. Durch solch eine Totalität des Diskursiven werde jedoch die Differenzierung von diskursiven und nicht-diskursiven Praktiken letztlich sinnlos – und damit auch der Dispositivbegriff. BÜHRMANN und SCHNEIDER sehen darin die Problematik, nicht-diskursive Folgen diskursiver Prozesse in ihrer Faktizität auszublenden und so zugleich diese Ebene der Historisierung zu entziehen. [15]

Sie bestimmen dann nicht-diskursive Praktiken als Praktiken, aber auch Artikulationen und sogar Äußerungen, "die als nicht-sprachliche zu einem gegebenen Zeitpunkt keinen Bestandteil einer geregelten, institutionalisierten Redeweise bilden, d.h. noch keinem Diskurs zugehörig sind oder nicht mehr diskursiv vermittelt werden" (S.47), und die sich mehr oder weniger eigendynamisch entwickeln, jedoch auch mit diskursiven Praktiken oder Diskursen in erforschbarem Bezug stehen können. BÜHRMANN und SCHNEIDER verweisen hier auf eine der wenigen Schlüsselstellen, wo sich FOUCAULT im Kontext von Überlegungen zum Dispositiv etwas genauer zum Verhältnis respektive zur Unterscheidung von diskursiven versus nicht-diskursiven Praktiken äußert. Demgemäß halten sie fest, dass FOUCAULT mit dem Dispositiv auf das Netz zwischen diesen verschiedenen Praktiken zielt. Allerdings ist ihm, so referieren sie FOUCAULT weiter, diese Differenzierung nicht sehr wichtig. Und sie zitieren in diesem Sinn auch WALDENFELS' Analyse, wonach es bei FOUCAULT nämlich letztlich unklar bleibt, wie und wo respektive ob überhaupt eine Grenze zwischen diskursiven und nicht-diskursiven Praktiken zu ziehen ist. WALDENFELS kommt daher zu dem Schluss, dass es sich bei FOUCAULTs Thematik eigentlich um Ordnungen aller Verhaltens- und Wahrnehmungsregister handeln müsste. Angesichts dessen stellen sich BÜHRMANN und SCHNEIDER die Aufgabe, die Dispositivforschung auf alle Bereiche menschlicher Praxis zu beziehen, dabei die Differenzierung dieser Bereiche aber nicht zu verlieren. Sie charakterisieren ihre Position wie folgt:

"Das Diskursive kann als eine je angebbare Formierung von sprachlichen wie nicht-sprachlichen Praktiken bezeichnet werden, [...] die zwar keine prinzipiell außer-diskursiven, aber [...] neben diskursiven gleichwohl möglicherweise nicht-diskursive Folgen im Sozialen – in den Selbstverhältnissen von Menschen wie in deren Austauschprozessen – aufweist. Dabei können nun diskursive und nicht-diskursive Praktiken, ihre Ursachen, Wirkungen, Folgen und Verflechtungen entlang ihrer analytischen Trennung systematisch beschrieben werden" (S.49). [16]

Unter Verweis auf KELLER treffen die Autorin und der Autor eine Reihe analytischer Unterscheidungen der Praktiken: 1. diskursive und nicht-diskursive (z.B. symbolische Gesten) Praktiken im Rahmen des Diskursgeschehens sowie 2. diskursgenerierte diskursive (z.B. Beichte) und nicht-diskursive (z.B. Müll-Sortieren) Modellpraktiken als Praktiken noch im Rahmen des Diskurses; 3. diskursive, zeichenförmige (z.B. Alltagsklatsch) und nicht-diskursive, nicht-zeichenförmige (z.B. Essen, Körperpflege) diskursexterne Praktiken als Alltagsroutinen auf einer relativ diskursunabhängigen Ebene. [17]

Der Gewinn dieser Differenzierung ist für BÜHRMANN und SCHNEIDER, dass diskursive und nicht-diskursive Handlungsmuster nicht prinzipiell entkoppelt werden, sondern ihre Bestimmung empirisch aufgeklärt werden kann und muss. Da das Dispositiv den Diskurs ebenso wie diskursexterne Bereiche betrifft, distanzieren sie sich auch von einer Auffassung, die das Dispositiv als (ideelle wie auch materielle) Infrastruktur des Diskurses versteht. Das bedeute aber, dass es zweierlei Prinzipien der Aktivität geben muss – solche innerhalb des Diskurses und solche, die zwar nicht außerhalb stehen, aber auch nicht innerhalb, sondern in einem ebenfalls empirisch zu klärenden Verhältnis; dies allein schon, weil das Dispositiv (im Französischen) ganz allgemein ein System beschreibt, das etwas bewirken soll. Das Dispositiv gilt FOUCAULT nämlich als Antwort auf einen "Notstand" (urgence) – zu verstehen weniger als objektiv gegeben, denn als historisch/kulturell spezifische Problematisierung. Es entsteht demnach also nicht zufällig, sondern aus einer bestimmten historischen Konstellation, jedoch nicht intentional und ohne universale Notwendigkeit. [18]

Dem strategischen Aspekt des Dispositivs wiederum entnehmen BÜHRMANN und SCHNEIDER, dass es (wiewohl selbst Möglichkeitsraum) seinerseits bereits Effekt von Machtbeziehungen ist. Und durch seine Formation verhindert oder de-formiert es andere Dispositive – insofern ist es mit Widersprüchen verknüpft. Die Dimensionen des Dispositivs vereinen gemäß BÜHRMANN und SCHNEIDER somit diskursanalytische Fragen mit der Analyse von Machtstrategien, wo der Diskurs nur ein Teilelement z.B. neben Praktiken und Institutionen ist, die durch die Anordnungen des Dispositivs (ähnlich den Formationsregeln der Aussagen im Diskurs) verknüpft werden. Daher ist das Dispositiv produktiv für materiale Vergegenständlichungen und symbolische Objektivationen diskursiver Prozesse sowie für bestimmte Subjektivierungstypen. [19]

Nach diesem grundlegenden Entwurf des Dispositivkonzepts vor allem mit Bezug auf FOUCAULT öffnen die Autorin und der Autor im Abschnitt "Theoretische Fundierungen und Ansätze der Dispositivanalyse" den wissenschaftlichen Horizont. [20]

Zunächst betrachten sie Dispositivforschungen von JÄGER, BÜHRMANN und LINK unter dem Aspekt des jeweils maßgeblichen diskurstheoretischen Fundaments: des poststrukturalistischen, des kritischen und des wissenssoziologischen. Dies ist allerdings nicht nur eine Rekapitulation und Blickweitung, sondern damit stellen BÜHRMANN und SCHNEIDER – ob gewollt oder ungewollt – die bereits erfolgte Klärung des Dispositivs durch die Einführung divergierender Begriffsdefinitionen zu einem gewissen Grad wieder infrage. [21]

Auch bei der konkreteren Ausformulierung der Dimensionen für die Dispositivanalyse gehen BÜHRMANN und SCHNEIDER dann zum Teil von FOUCAULT ab, indem sie offenbar durchgängig die subjektive Perspektive miteinbeziehen wollen. [22]

Unter Subjektivation/Subjektivierung verstehen sie zum einen Subjektformierungen bzw. -positionierungen (die diskursive Adressierung von Individuen als Subjekte, das Wissen um soziale Vorgaben zum Verhältnis des oder der einzelnen zu anderen und die entsprechenden Praktiken), andererseits Subjektivierungsweisen (formierende und darstellende Praktiken des Selbst-Verhältnisses und -Verständnisses wie Inszenierungen und das Bewusstsein als Selbst). Ersteres werde in der Gouvernementalitätsforschung und der Kultursoziologie intensiv debattiert; zunehmend fänden auch Subjektivierungsweisen als in das Individuum verlagerte Regierung in Form von Technologien des Selbst, der normativen Selbst-Formation Beachtung. Jedoch sei bisher das Selbst-Verständnis (die Selbst-Deutung, das Selbst-Erleben) noch kaum systematisch integriert. Die Dispositivforschung solle aber beide Aspekte der Subjektivation/Subjektivierung umfassend ansprechen (so scheint es jedenfalls S.71). Eine im (Post-) Strukturalismus nicht vorkommende subjektive Erfahrung bzw. Erfahrbarkeit von Welt thematisierten hingegen wissenssoziologische Positionen (wie diejenige von MANNHEIM), wo die grundsätzliche Perspektivität auf die Erfahrungs-Verankerung bezogen wird. [23]

Desgleichen verweisen BÜHRMANN und SCHNEIDER in Hinblick auf die machtanalytische Frage nach Formation und Institutionalisierung des Wissens auf die Wissenssoziologie (etwa von BERGER und LUCKMANN). Sie betrachten die Bestimmung der funktionalen Bedeutung von Institutionen im umgebenden Praxis-Feld als erkenntnistheoretische Basis der Macht-Analytik. Am Modus der Dynamik als Verschiebung des gesamten Relationsgefüges durch Änderung eines seiner Elemente (von BÜHRMANN und SCHNEIDER als "Emergenz" benannt) werde wiederum insofern der Unterschied zum Strukturalismus deutlich, als Teil der Objektivierung von Institutionen die subjektive Vermittlung und Aneignung sein soll. Diese subjektive Ebene erlaube es, "symbolische Objektivierungen wie materiale Vergegenständlichungen als Effekte institutionalisierter Praxen sowohl in der Ambivalenz von Handlungsmöglichkeiten/-begrenzungen als auch in ihren potenziellen Unbestimmtheiten [...] sowie Eigensinnigkeiten für ihre abweichende Aneignung zu diskutieren" (S.74). [24]

2.3 Dispositivanalyse als Forschungsstil

Das dritte Kapitel behandelt methodologische Fragen. In der Dispositivforschung sei also keinesfalls jegliche (diskursanalytische) Methodologie abzulehnen. Für die Selbstreflexion in der Wissenschaft und die Bestimmung von Qualitätskriterien sei sie sogar unabdingbar. [25]

Im Abschnitt über "Methodologische Basisannahmen der Diskurs- und Dispositivanalyse" rekurrieren BÜHRMANN und SCHNEIDER zunächst auf Ansätze der sozialwissenschaftlichen Diskursanalyse von ANGERMÜLLER, KELLER und DIAZ-BONE und befragen sie auf Implikationen für die Dispositivanalyse – etwa bezüglich der Materialität symbolischer Formen, des rekonstruktiven Zugangs der Analyse oder eines methodologischen Holismus. [26]

Wichtig ist BÜHRMANN und SCHNEIDER, mit der Dispositivanalyse nicht nur – wie die genannten Ansätze – über die Diskursanalyse hinauszuweisen, sondern das Andere des Diskurses dabei auch nicht vom Primat diskursiver Praxis aus zu betrachten. Denn obgleich Diskurse ihre Gegenstände produzieren, könnten diese in ihrer materiellen Umsetzung ein Eigen-Leben mit Eigen-Sinnigkeiten bekommen und gemäß der Macht-Wissens-Verquickung als Elemente in Dispositiven Machtwirkungen entfalten. Für die dispositivanalytische Forschungspraxis gibt es also keine unidirektionalen Erklärungen. [27]

In diesem Sinn verschieben die Autorin und der Autor den Blickwinkel von der interpretativen zur re-konstruktiven Analytik, die auch auf das deutende Verstehen nicht-diskursiver Praktiken ziele (S.87). Damit wenden sie sich der in meinen Augen fundamentalen Problematik zu, dass nicht-diskursive Praktiken Vergegenständlichungen ohne Stimme sind. Erst die Rekonstruktion des in ihnen verborgenen Wissens ermöglicht es daher, wie BÜHRMANN und SCHNEIDER sagen, ihre Funktionen im Dispositiv herauszufinden. Damit sei aber nicht der subjektive Sinn angesprochen, sondern die in der Praxis wirksam gewordenen Wissenselemente und dahinter liegenden Wissensordnungen, die in einer dispositivanalytisch-wissenssoziologischen Phänomenologie der Dinge erschlossen werden sollen. Ein materialer (Re-) Konstruktivismus sollte von der Faktizität der "Dinge" ausgehend untersuchen, welches Verhalten mit welchem Beziehungsnetz sich darauf bezieht. [28]

Auch hier soll methodologisch die Rolle der Forschenden miteinbezogen werden. Um " 'das Fremde' zum Sprechen zu bringen" (S.99), sollen die Deutungs- und Erfahrungsstruktur der Forschenden und jene der Erforschten respektive des Deutungsgegenstandes objektiv möglichen, das heißt intersubjektiv nachvollziehbaren Kontexten und Bedeutungen zugeordnet werden. Man soll sie also jeweils über ihre Kontextualisierung – sowohl konkret situativ als auch umfassend kulturell – positionieren. [29]

Der Logik des methodologischen Holismus folgend wenden BÜHRMANN und SCHNEIDER somit die theoretischen Vorgaben auf ihren eigenen Zugang an. Denn die Theorie entwerfe ein Modell der Realität, das deren Erkennbarkeit und somit Erforschbarkeit bestimmt. Daher ist die Theorie in der rekonstruierten Realität einerseits beinhaltet, kann sie zugleich aber auch erklären und muss in der methodologischen Umsetzung der Forschung ihre Wiederholung finden. Folglich ist auch in der empirischen Sozialforschung der konstruktive Vorgang zu reflektieren und das Verstehen der Forschenden durchsichtig zu machen. [30]

Damit hängen dann die von BÜHRMANN und SCHNEIDER vertretenen Gütekriterien einer sozialwissenschaftlichen Dispositivanalyse zusammen. Wiewohl beide in der Dispositivanalyse durchaus Spielraum für quantitative Forschungen sehen, wollen sie nicht Validität, Reliabilität und Objektivität auf die qualitative Sozialforschung übertragen. Denn sie lehnen (mit MANNHEIM, SCHÜTZ und HABERMAS) eine positivistische Verkürzung ab, weil diese dem sinnhaften Charakter des sozialen Handelns nicht gerecht werde. Als darauf abgestimmte Gütekriterien nennen sie (unter Verweis auf STEINKE): Visibilität und Viabilität des Forschungsprozesses sowie interne und externe Validität der Forschung. [31]

In Hinblick auf die methodische Operationalisierung formulieren BÜHRMANN und SCHNEIDER vier "Leitfragen der Dispositivanalyse" – auch wenn nicht immer alle gleichermaßen tiefgehend behandelt werden müssten. [32]

Die Leitfrage nach den Praktiken betrifft das Verhältnis von Diskursen (Spezialdiskursen, Interdiskursen, Elementar- bzw. Alltagsdiskursen; gemäß LINK) zu entsprechenden nicht-diskursiven Praxisfeldern. Dabei sollen die manifesten und latenten Unterscheidungspraktiken der Diskursformation mit nicht-diskursiven Praktiken in Beziehung gesetzt werden. So erweise sich das (Macht-) Verhältnis zwischen konkurrierenden Deutungen oder Handlungsnormen und unhinterfragten, unhinterfragbaren Deutungsgewissheiten oder Handlungssicherheiten, die erstere von unterhalb des explizierten und explizierbaren Wissens her ausrichten (vgl. S.97f.). [33]

Die Leitfrage nach den Objektivationen interessiert sich für das Verhältnis zwischen den Praktiken und der Manifestation der vorherrschenden Wissensordnungen in symbolischen und materialen Objektivationen, wobei aber auch deren (Macht-) Wirkungen zu bedenken seien. Dabei wären die in den Dingen selbst eingelassenen Wissensformen und Handlungsskripte ihres rechten Gebrauchs als sichtbares Bedeutungsfeld zu dem in Beziehung zu setzen, was tatsächlich damit getan wird (vgl. S.103). [34]

Die Leitfrage nach den Subjektivationen/Subjektivierungen erforscht das Verhältnis diskursiver wie nicht-diskursiver Praktiken und ihrer Objektivationen insgesamt zu diskursiven Subjektformierungen sowie alltagspraktischen Subjektivierungsweisen als vierter Dimension – einer Dimension allerdings, die nicht zur Gänze im Dispositiv aufgehe, da die Subjektivierungsweisen insoweit außerhalb stünden, als das Selbstverständnis auch mit widerständigen Praktiken der Selbstformierung einhergehen könne (vgl. S.94, Abb.9). [35]

Die Leitfrage nach dem sozialen Wandel thematisiert die historisch spezifischen Voraussetzungen der gegenständlichen Dispositive als quer zu den anderen Fragen liegende, zeitdiagnostische und gesellschaftstheoretische Verortung. Hierbei wäre zu unterscheiden zwischen dem, was sich notwendig im Zeitablauf ändert und dem Wandel selbst sowie den Ursachen bzw. Prinzipien des Wandels. Angesichts der Polyvalenz von Dispositiv wie Diskurs ist der Wert des Dispositivs, sind die intendierten wie nicht-intendierten Folgen und Nebenfolgen stets nur im Kontext konkreter Machtformationen (inklusive der Positionierungen von Widerstand) und Wissens(an)ordnungen festzustellen. [36]

2.4 Methodische Umsetzungen: Zur dispositivanalytischen Forschungspraxis

Das vierte Kapitel geht auf Forschungsmethoden und Forschungsdesign ein. Zudem illustrieren Autorin und Autor die Dispositivforschung anhand ihrer eigenen Forschungsfelder. [37]

Der Abschnitt "Zur methodischen Praxis: Ein kursorischer Überblick" beschäftigt sich mit Methoden zur Beantwortung der vier Leitfragen der Dispositivanalyse. Aufgrund der vorangehenden Überlegungen definieren BÜHRMANN und SCHNEIDER die Dispositivanalyse nun knapp als Bündel von Forschungsfragen, "die auf die Verhältnisbestimmungen zwischen Diskurs, Nicht-Diskurs, Subjektivation und Objektivation in Bezug auf sozialen Wandel zielen" (S.109). Und hinsichtlich der einzelnen Bereiche gehe es in der empirischen Forschungspraxis um die Explikation der überindividuellen Formierungsregeln des Gesagten versus des Ungesagten im Horizont des Sagbaren in Verbindung mit dem Getanen (als Praktiken, Vergegenständlichungen, Sichtbarkeiten) versus dem Ungetanen vor dem Horizont des Machbaren und seinen ("vor-bewussten", präreflexiven) Strukturierungen als für Individuen Denkbares/Undenkbares (vgl. S.110). [38]

Für die Forschung an der ersten Leitfrage dienen, so BÜHRMANN und SCHNEIDER, "natürliche" (unabhängig von der Forschung erstellte) Textdaten wie z.B. Spezialdiskurse, ebenso Feldforschungsnotizen oder Videoprotokolle, aber auch die kontrollierte Datenproduktion aus Laborsituationen oder interaktiv erzeugte Interviewdaten. Genauso komme zur Erfassung von Technologien respektive Techniken des Selbst sowie einem präreflexiven im Gegensatz zu einem reflektierten doing body oder einer aktiven Körperpolitik eine ganze Palette an Methoden in Betracht: von konversationsanalytischen über ethnomethodologische bis hin zu beobachtenden Verfahren oder einer Biografieforschung, die nicht einem universalen Subjekt verbunden ist. Die Untersuchung der Objektivationen als dritte Leitfrage könne z.B. mittels Artefaktenanalyse geschehen, wobei die thematisch relevanten Objekte durch Beobachtung, Interviews usw. identifiziert werden, und durch die kontrollierte, systematische Loslösung aus dem Kontext, also durch De- und dann Re-Kontextualisierung Rückschlüsse auf die damit verbundenen sozialen Prozesse gezogen werden sollen. Herstellungsgeschichte, Verwendungsbedingungen, materielles Umfeld seien etwa mittels Sequenzanalyse oder Bildanalyse zu erschließen. Für die Frage nach dem sozialen Wandel, also den (Dis-) Kontinuitäten wären zwar nicht unbedingt diachrone Datenerhebungsverfahren einzusetzen, jedoch hat die Dispositivanalyse sehr wohl eine historisch-vergleichende Dimension. [39]

Im Abschnitt " 'The Making of ...' – Dispositivanalytische Beispiele aus der eigenen Forschungspraxis" entwickelt BÜHRMANN die Analyse des Geschlechterdispositivs, SCHNEIDER die des Sterbe-/Todesdispositivs entlang dem Leitfaden des Buches. Dabei gehen sie knapp auf bereits bestehende Ergebnisse ein und formulieren weitere konkrete Fragen für einen dispositivanalytischen Zugang zu den Themen. [40]

2.5 Dispositivforschung – Zusammenfassung und Ausblick

Im letzten Kapitel konzipieren BÜHRMANN und SCHNEIDER ihren Beitrag "Zum Diskurs um das Dispositiv" gemäß FOUCAULTs (1981) Vorgaben. Es gilt demnach: [41]

Gegenstand und Erkenntnisbereich ist nicht ein für sich existierendes, empirisch zu erfassendes Dispositiv, sondern die in Form der vier skizzierten Leitfragen zu explorierende Thematik, welche (Wissens-) Elemente aus den über Spezial-, Inter- und Elementardiskurse vermittelten Wissensordnungen inwieweit machtvolle Effekte zeitigen, so "dass sie in der kollektiven wie individuellen Vermittlung im Selbst- wie Weltbezug handlungswirksam werden und dadurch (erst) auf jene Wissensordnungen rückwirken können" (S.152). [42]

Die Begriffskonzeption strukturiert die Analyse durch: Diskurs, Dispositiv, diskursive wie nicht-diskursive Praktiken, Subjektivation/Subjektivierung, Objektivation/Vergegenständlichung. Insofern sind die Begriffe nicht wahre Definitionen der "Dinge", sondern bringen den Gegenstand diskursiv hervor. [43]

Äußerungsmodalität der Dispositivanalyse ist die re-konstruktive Analyse, in der die Forschenden als Teil der Forschung die Position der Re-Konstruierenden einnehmen. Die Haltung dieses Forschungsstils ist es, im Rahmen einer kritischen Ontologie aufgrund eines epistemologischen Bruchs Evidenzen zu hinterfragen und deren Herkunft zu erforschen. Die der Forschungsfrage entsprechend gewählten methodischen Verfahren sollen Visibilität und Viabilität des Forschungsprozesses sowie externe und interne Validität der Ergebnisse gewährleisten. [44]

Ziele und Interessen der Dispositivforschung liegen in der Erkenntnis machtvoller dispositiver Effekte und deren De-Naturalisierung und De-Konstruktion. Das Dispositivkonzept vermittelt dabei zwischen Makro- und Mikro-Ebene durch die gesellschaftstheoretische Einbettung in Hinblick auf die Motivation eines Dispositivs sowie die Auslotung von dessen spezifischen Folgen nicht zuletzt für die Selbst-Definition des Individuums. [45]

BÜHRMANN und SCHNEIDER beanspruchen nicht, die Dispositivforschung bereits vollständig ausgelotet zu haben, sondern nennen im Gegenteil zuletzt "Zukünftige Forschungsdesiderata im Feld der Dispositivforschung": In der Theoriearbeit wäre zum einen das Verhältnis zwischen diskursiven und nicht-diskursiven Praktiken "stärker machttheoretisch auszubuchstabieren" (S.155), und dabei seien die beiden Seiten des Subjekts – wiewohl historisch spezifisch vermittelt – so anzusetzen, dass auch Eigen-Sinnigkeiten der Handelnden theoretisch-konzeptionell fasslich sind. Zum anderen könnten z.B. der gesellschaftstheoretischen Deutung von Dispositiven Anschlüsse an sozialwissenschaftliche Theorien dienen (etwa von BOURDIEU, GIDDENS, LATOUR, ELIAS, LUHMANN und des Neo-Institutionalismus). Für die empirische Forschungspraxis wären die methodologischen Grundannahmen vor allem für die Untersuchung von Praktiken, Vergegenständlichungen und Subjektivationen/Subjektivierungen weiter auszubauen und ihre Umsetzung z.B. in multimethodischen Forschungsansätzen zu konkretisieren. Schließlich wäre die Dispositivforschung in ihrer Reflexivität für die Forschungspraxis voranzutreiben. [46]

3. Diskussion

Das Buch wird in jedem Fall dem von BÜHRMANN und SCHNEIDER selbst gestellten Anspruch gerecht und bietet einen "einführenden und konturierenden Reflexions- wie Orientierungsrahmen der Dispositivforschung sowie eine methodologisch-methodische Präzisierung des dispositiven Analysekonzepts" (S.158). Besonders wertvoll ist, dass dieser Entwurf wirklich alle Aspekte eines Forschungsansatzes beinhaltet und diese systematisch integriert. Vor allem die konsistente Positionierung von Gegenstandsebene und wissenschaftlicher Arbeit respektive Forschenden ist in meinen Augen ausgesprochen gut durchdacht und formuliert. Somit wird die Dispositivforschung sofort auf ein epistemologisch anspruchsvolles Niveau gehoben. Durch die relativ ausführliche Darstellung unterschiedlicher anderer Zugänge sowohl zum Diskurs als auch zum Dispositiv erhält man zudem eigentlich nicht nur eine, sondern mehrere Einführungen zu gegenwärtig im deutschsprachigen Raum der Sozialwissenschaften wichtigen Ansätzen. Zugleich zeigen diese von mir in der Synopsis nur ganz kurz genannten anderen Konzeptionen, wie sich der Ansatz von BÜHRMANN und SCHNEIDER im fraglichen Wissenschaftsfeld verortet. [47]

Wenn im Folgenden einige Punkte, die entweder unklar, strittig oder vielleicht noch offen sind, herausgegriffen und breiter ausgeführt werden, soll die Tatsache, dass dies mehr Raum beansprucht, nicht bedeuten, dass die Kritik am Buch überwiegt. Im Gegenteil sind die folgenden Anmerkungen zum Teil eher Haarspaltereien in Kontrast zu dem bei aller Kompaktheit großen Wurf dieses Buches. [48]

Es sollen nun drei Fragen der Dispositivforschung nochmals angesprochen werden: die Grenzen des Dispositivs als Gegenstand der Forschung, die unterschiedlichen Aspekte des Dispositivs in ihrem Zusammenhang und die Gegenstandsebenen der Dispositivanalyse. [49]

3.1 Die Wahl der Grenzen des Dispositivs

Hinsichtlich der Abgrenzung des Dispositivs könnte man vielleicht den Ansatz von BÜHRMANN und SCHNEIDER noch in eine Richtung etwas konkreter ausführen, die besonders relevant für die Konzeption des Forschungsdesigns ist. Dies kreuzt sich auch mit ihren erkenntnistheoretischen Überlegungen. [50]

Die im Gesamtaufbau der Forschung sehr konsequent eingeführte Definition von Forschenden und Forschungsgegenstand impliziert, dass das Dispositiv als solches Produkt der Forschungsinstrumentarien ist.

"Nicht 'das Dispositiv' kann empirisch erforscht werden, sondern mit der Dispositivanalyse können Wechselwirkungen zwischen vorherrschenden Wissensordnungen, diskursiven und nicht-diskursiven Praktiken (im Alltag), ihre symbolischen wie materialen Objektivationen sowie die damit verbundenen Subjektivationen/Subjektivierungen empirisch untersucht und entsprechend (macht- und herrschafts-) theoretisch gedeutet werden" (S.111). [51]

Diese Perspektive vorantreibend wäre allerdings zu fragen, ob damit das Problem nicht nur auf eine andere Ebene verlagert wird. Denn auch etwa Wissensordnungen gibt es nicht "als solche", sondern als Gegenstand einer spezifischen Analyse. Die Grenzziehung in der Forschung ist in jedem Fall ein konstitutiver Akt. [52]

Und deshalb ist es, ganz im Sinne von BÜHRMANN und SCHNEIDER, in theoretischer und vor allem in methodisch-praktischer Hinsicht wichtig, dieses Prozedere auch für die Abgrenzung des Gegenstandes zu bedenken. Beispielsweise ist sowohl an den Ausführungen zum Diskurs als auch an den beiden im Buch exemplarisch angesprochenen Forschungsthemen sehr auffällig, dass die Religion de facto fehlt. Dies ist offenbar (ob bewusst oder nicht) bereits im Forschungsinstrumentarium angelegt. Denn obwohl die Diskurs- und dann Dispositivforschung eine gewisse historische Tiefe und Allgemeingültigkeit beansprucht, besteht der Spezialdiskurs nur aus Wissenschaft. Diese Auslassung mag einer Vernachlässigung dieses Bereichs bei FOUCAULT entsprechen – und bleibt doch erstaunlich. Vor allem aber belegt es die konstruktivistische Perspektive von BÜHRMANN und SCHNEIDER. Diese mündet in die Forderung, sich in der Diskurs- wie Dispositivforschung des "(Selbst-) Anteils bei der Herstellung der von ihr beforschten Wirklichkeit" zu vergewissern (S.39). Die Rede von einem "Anteil", dessen man sich zu vergewissern hat, könnte allerdings das Ziel insinuieren, sich dieses Anteils zu entledigen oder zumindest zu wissen, was der andere, objektiv gegebene Teil ist. In dieselbe Richtung zu interpretieren wäre vielleicht die Forderung von BÜHRMANN und SCHNEIDER, die "Vor-Urteile der Forschenden zu kontrollieren, auszuweisen und so 'unschädlich' zu machen" (S.88). Das Bestreben, "ein Vorurteil unschädlich zu machen", könnte meinen, es – sobald erkannt – wegzunehmen und dann erst richtig zu sehen. [53]

Dies würde jedoch dem Konstruktivismus zuwiderlaufen – jedenfalls dem Konstruktivismus von FOUCAULT (und auch dem der französischen Epistemologie z.B. von BACHELARD; vgl. u.a. DIAZ-BONE 2007, Abs.18). Denn es ist vielmehr die relationale Explikation der Forschungsinstrumentarien, die die Erkenntnis der Forschungsobjekte in ihrer Positivität bestimmt. Demnach weist die Analyse mit oder ohne Bezug etwa auf die Religion jeweils andere Zusammenhänge, Verhältnisse auf, da der Gegenstandsbereich anders herausgegriffen wurde. Wichtig ist also auch hier, sich auf die Formation des Gesagten innerhalb des Sagbaren zu beziehen, und außerdem das Sagbare als nur vorläufig Vorausgesetztes für alternative Differenzierungen offenzuhalten. [54]

Diese Konkretisierung sollte die bei BÜHRMANN und SCHNEIDER an sich deutlich formulierten Erkenntnisprinzipien der Dispositivanalyse für die Definition des Forschungsgegenstandes exemplifizieren. Die beiden anderen genannten Diskussionspunkte, nämlich die unterschiedlichen Aspekte des Dispositivs in ihrem Zusammenhang und die Gegenstandsebene der Analyse, beziehen sich auf Fragen, die meines Erachtens zum Teil noch nicht ganz ausgeleuchtet sind. [55]

3.2 Die Instanzen des Dispositivs

Der Aufbau und die Wahl des wissenschaftlichen Duktus führen vor allem gegen Ende des Buchs zu gewissen Redundanzen. Dies ist insofern bei einer Einführung nicht von Nachteil, als manche Gedankengänge für einen breiteren Adressat/innenkreis vielleicht etwas schwierig zu verstehen sind. [56]

Bis zu einem gewissen Grad liegt dies zum einen möglicherweise daran, dass BÜHRMANN und SCHNEIDER stark von ihrem eigenen Bezug auf die Diskursforschung ausgehen. Sie stellen zwar die Diskursanalyse vor allem im deutschsprachigen Raum (der Sozialwissenschaften) als Kanon dar, der weitgehend "normalisiert" ist. Und sie schreiben in diesem Rahmen nicht tastend, sondern vertreten im Sinne einer basalen Einführung klare Positionierungen. Vielleicht ist aber gerade dieser verallgemeinernde Blick ein Grund, dass beide ihre spezifische Lesart weniger einheitlich verstandener Aspekte kaum explizit thematisieren. Dies gilt insbesondere für die dann in Zusammenhang mit der Dispositivforschung wichtige Verknüpfung von Macht und Wissen sowie für die Auffassung der Wissensebene. Und es kommt auch im Begriffsverständnis zum Ausdruck. Wenn man z.B. gewohnt ist, unter "Wissensordnung" Episteme zu verstehen, überrascht die Gleichsetzung mit "Wissen", das meist FOUCAULTs savoir übersetzt. [57]

Andererseits scheinen gewisse Unklarheiten auch auf nicht weiter kommentierten Divergenzen im Begriffsverständnis zitierter Literatur zu beruhen. Das sehr deutliche Bemühen, im wissenschaftlichen Feld nicht als "Alleinerfinder" aufzutreten, birgt vielleicht die Gefahr, die Konsistenz der Argumentation von BÜHRMANN und SCHNEIDER selbst etwas brüchig zu machen. Dies geschieht z.B., wenn sie sich bezüglich der Differenzierung von diskursiven und nicht-diskursiven Praktiken KELLER anschließen, der jedoch den Alltag auch in seinen diskursiven Praktiken außerhalb des Diskurses stellt – Vorgaben, die sie an anderen Stellen, wo sie sich eher auf LINK berufen, nicht beibehalten (vgl. S.49f. und 94, Abb. 9). Die Orientierung an KELLER ist auch zu betonen, weil BÜHRMANN und SCHNEIDER damit ein Analysemodell übernehmen, in dem zum einen diskursive Praktiken nicht nur im Diskurs verortet sind, zum anderen aber zum Diskurs auch nicht-diskursive Praktiken gehören können. Dabei bleibt jedoch meines Erachtens offen, was nun Gegenstand der Diskursforschung ist: der Diskurs (mit diskursiven und nicht-diskursiven Praktiken oder nur mit diskursiven) oder die diskursiven Praktiken (im Diskurs wie auch im relativ diskursunabhängigen Bereich); und was diese Gliederung dann für den jeweils umfassenderen Bereich der Dispositivforschung vorsieht. [58]

Das Dispositivkonzept – im Gegensatz zum Diskurs ja noch nicht kanonisiert – wird sehr wohl beispielhaft aus verschiedenen Blickwinkeln diskutiert und von BÜHRMANN und SCHNEIDER selbst in alle Richtungen hin abgewogen. Wenn sich dabei Bestimmungen des Dispositivs unter etwas verlagerten Vorzeichen mehrfach wiederholen, so ist manchmal nicht leicht zu verstehen, was die in der Wiederholung auftretenden Verschiebungen bedeuten. Innerhalb der einzelnen Abschnitte arbeiten BÜHRMANN und SCHNEIDER natürlich mit verschiedenen Thesen und deren Verwerfung oder Differenzierung; im Grundsatz ist der Aufbau des Buches jedoch additiv. Das heißt, spätere Abschnitte klären andere Aspekte als die vorhergehenden, und alle zusammen konturieren die Dispositivforschung. [59]

In dieser Hinsicht ist aber z.B. das Verhältnis zwischen einigen Grafiken nur schwer nachvollziehbar (vgl. insbes. die Grafiken zur "Analyseprogrammatik des Dispositivbegriffs", Abb. 2, mit den "Dimensionen des Dispositivbegriffs nach FOUCAULT", Abb. 3 und den "Dimensionen der Dispositivanalyse", Abb. 9). Auch im Text scheinen die Aspekte des Dispositivs als Differenzierungen und Zusammenhänge etwa von Diskurs, Diskursivem und Wissensordnung sowie dann vor allem zwischen diesen und nicht-diskursiven Praktiken und Macht bzw. Machtanalyse etwas unscharf. So bleibt die Stellung von Wissensordnung zu Diskurs doppeldeutig. Die Wissensordnung wirkt offenbar in der Praxis strukturierend – wird aber einerseits von Diskursen (oder auch diskursiven Praktiken) prozessiert, sodass über sie vermittelt Diskurse ihre Machtwirkungen entfalten (vgl. S.28f.). Andererseits sind alle Formen gesellschaftlichen Seins "als historisch konkrete Aktualisierungen von diskursiv vermittelten Macht-/Wissensordnungen zu verstehen" (S.38). Und direkt weiter heißt es: "Deren zugrunde liegende Bedingungen, ihre sie (re-) produzierenden oder verändernden Praktiken und ihre (Aus-) Wirkungen wie Folgen gilt es für eine Dispositivforschung empirisch zu bearbeiten" (S.38f). Die Machtanalyse wiederum soll ihren Gegenstand innerhalb des Diskursiven ansiedeln, das auch nicht-sprachliche Praktiken umfasst und offenbar nicht mit dem Diskurs und den diskursiven Praktiken gleichzusetzen ist (vgl. S.28, 49). Das Diskursive würde demnach im Umfang der Macht-/Wissensordnung entsprechen. Jedoch gilt an anderer Stelle: Die Analytik von Machtbeziehungen und Machtpraktiken soll auf mehr als nur auf das Diskursive zielen (S.29). Zugleich ist die Macht (-formation) ein eigener Bereich neben Diskurs (-formation) und neben gesellschaftlichem Sein (welche alle über die Wissensordnung/das Wissen in wechselseitigem Zusammenhang stehen) (vgl. S.32, Abb.2). [60]

Im Bereich der Begriffsbildung könnte man sich also noch eine gewisse Vereinheitlichung wünschen. Zumindest sind die Leser/innen aufgefordert, diesbezüglich selbst eine den eigenen gesellschaftstheoretischen Anforderungen entsprechende Wahl zu treffen. Insofern bietet die nicht ganz eindeutige Festlegung etwa für eine sozial- und kulturanthropologische Perspektive die Option, der für dieses Fach z.B. problematischen Charakterisierung von Spezial-, Inter- und Elementardiskursen nicht unbedingt zu folgen. [61]

3.3 Die analytische Ebene

Trotz gewisser Unwägbarkeiten ist die grundsätzliche Definition des Gegenstandes der Dispositivforschung jedoch klar genug formuliert. Es wird deutlich, dass das Dispositiv sich nicht auf den Bereich diskursiver Praxis beschränkt, sondern auch nicht-diskursive Praktiken, symbolische und materiale Objektivationen sowie Subjektivation/Subjektivierung umfasst. Darüber hinaus kann man entnehmen, dass die Strukturierungen vom Diskurs und seiner Praxis oder dem Diskursiven oder der Wissensordnung ausgehen, die anderen Bereiche jedoch eine gewisse Eigendynamik haben, die ihrerseits auf die Diskurse wirkt. [62]

Nicht-diskursive Praktiken sind demnach primär solche, die einerseits nicht mehr Gegenstand von Diskursen sind, sondern bei denen sich Diskurse als Selbstverständlichkeit sedimentiert haben, und die andererseits noch nicht Gegenstand des Diskurses sind – und so als ein Tun wirken, in dem das Selbst aufgeht, sich erlebt, und die in dieser Funktion zu untersuchen sind. Insofern die Erfahrung des In-der-Welt-Seins auch über Objekte als Objektivationen läuft, die als gegenständliche Welt den Akteur/innen gegenübertreten, hätte ein materialer (Re-) Konstruktivismus zudem die symbolischen Konstruktionsprozesse in ihren materialen Auswirkungen und dann deren Eigen-Sinnigkeiten zu beachten (vgl. S.104). Wie aber sind diese Eigen-Sinnigkeiten aufzufassen? Diese Frage nach der Gegenstandsebene der Analyse wird nun ausgehend von BÜHRMANN und SCHNEIDER nochmals fokussiert angesprochen. [63]

Soll die Beziehung der diskursiven Praktiken respektive der Wissensordnungen zur "Ordnung der Dinge" erschlossen werden, so sei – wie BÜHRMANN und SCHNEIDER betonen – die "Faktizität der Dinge" zu beachten und von da aus zu untersuchen, welches Verhalten mit welchem Beziehungsnetz sich darauf bezieht. Die Frage, die hier den Unterschied etwa zu LACLAU und MOUFFE ausmacht, ist, wie diese Faktizität anders denn wiederum nur als ein Bedeutungsfeld entsprechend dem Diskursiven zu sehen wäre. [64]

BÜHRMANN und SCHNEIDER halten für ihren Zugang fest, dass die Praxis oder das Gegenständliche nicht als solches analytisch in den Blick genommen werden soll, sondern was der Dispositivanalyse als Praxis und Gegenständliches gilt, ist das, was aus den Wissensordnungen "handlungswirksam wird" (S.93). Und diese "Ordnung der Dinge" sei empirisch zu untersuchen als Rekonstruktion eben jenes Wissens, das in Handlungen einfließt bzw. sich in Gegenständen materialisiert – und zwar, wie es heißt, vor dem Hintergrund der (alltäglichen) Wissensordnungen und der darin vollzogenen Alltagspraktiken (vgl. S.116). Die Rekonstruktion des "verborgenen Wissens" soll es dann ermöglichen, die Funktionen von nicht-diskursiven Praktiken wie materialen Objektivationen im Dispositiv herauszufinden (vgl. S.103). Demnach geht es also um die Funktion, jedoch sind die Handlungen nicht unmittelbar in ihrer Funktion zu sehen, sondern ihre Erkenntnis läuft über die Ebene des darin verborgenen Wissens. Die darauf hin ausgerichtete re-konstruktive Analyse zielt "auf das deutende Verstehen nicht-diskursiver Praktiken und [...] [die] Erklärung ihres Zusammenspiels mit diskursiven Praktiken" (S.87). Der Zugang zur Ebene nicht-diskursiver Praxis, zum verborgenen Wissen, ist hier als "deutendes Verstehen" benannt (wenn auch nicht der subjektiven Sinnsetzungen). Ziel der in diesem Zusammenhang eingeführten dispositivanalytisch-wissenssoziologischen Phänomenologie der Dinge ist dann, "die in den Dingen selbst eingelassenen Wissensformen und Handlungsskripte ihres 'rechten Gebrauchs' zu dem in Beziehung [zu] setz[en], was 'tatsächlich' damit getan wird" (S.103). Dies scheint aber die Situation noch zu verkomplizieren. Sind die in den Dingen eingelassenen Wissensformen und Handlungsskripte nun das an anderer Stelle als Gegenstandsebene bestimmte verborgene oder in Handlungen eingeflossene Wissen? Das klärt jedoch nicht, woraus der hier eingelassene Sinn im Gegensatz zum tatsächlichen Tun zu erschließen ist, wenn es nicht die Ebene der expliziten Reflexion sein soll. Und dies lässt zudem offen, wie das "Tatsächliche" epistemologisch und dann auch methodologisch eingeholt werden kann, wenn nicht direkt über seine Funktion. [65]

In Hinblick auf dieses "Sinnproblem" verweisen BÜHRMANN und SCHNEIDER darüber hinaus darauf, dass es möglich sei, nicht-diskursive Praktiken in ihrem intersubjektiv gültigen Sinn bzw. dem generativen Wissensprinzip, dem Hervorbringungsmuster zu erfassen (vgl. S.78). Und in der empirischen Forschungspraxis ginge es dann um die Explikation der überindividuellen Formierungsregeln des Gesagten versus des Ungesagten im Horizont des Sagbaren in Verbindung mit dem Getanen (als Vergegenständlichungen, Sichtbarkeiten) versus dem Ungetanen vor dem Horizont des Machbaren "und seinen ('vor-bewussten', präreflexiven) Strukturierungen als für Individuen Denkbares/Undenkbares" (S.110, im Orig. kursiv). Diese Ordnungen wären ihrerseits wiederum Effekt und nicht Voraussetzung der Wechselwirkung der diskursiven wie nicht-diskursiven Praktiken. Diese Explikation des Gegenstandes respektive der Analyseprogrammatik entspricht also weitestgehend dem Strukturalismus und seiner Ausdifferenzierung auf spezifisch archäologischer Ebene. Die zuvor immer wieder genannte Ebene der Eigen-Sinnigkeiten scheint dabei zwar als produktiver Faktor mitgedacht – insofern wären Strukturierung und Konstruktion, wie es BÜHRMANN und SCHNEIDER wollen, sehr wohl als unterschiedliche Instanzen beibehalten. Wie aber dieser Einfluss des Nicht-Diskursiven (seien es Praktiken oder Materialisierungen) zu verstehen ist, wie also der Übergang des "Tatsächlichen", der "Faktizität der Dinge" in den Raum des Sprachlichen im weitesten Sinne geschieht, ist meines Erachtens ebenso wie die umgekehrte Frage nicht restlos geklärt – und dies bleibt auch als Problem der Dispositivanalyse offen, nicht etwa nur in von der Autorin und dem Autor abgelehnter objektivistischer Weise als Eigenheit des Gegenstandes außerhalb der Analyse. Die Divergenz zwischen LACLAU, MOUFFE und WALDENFELS sowie BÜHRMANN und SCHNEIDER wäre dann aber eher eine der Begriffswahl: was erstere das Diskursive nennen, bezeichnet WALDENFELS als Ordnung. Um eine tiefere Kluft zu sehen, müsste vielleicht noch deutlicher untersucht werden, ob WALDENFELS' Ordnungsbegriff und die in den Dingen selbst eingelassenen Wissensformen und Handlungsskripte, das generative Wissensprinzip, das Hervorbringungsmuster, der intersubjektiv gültige Sinn, das verborgene Wissen und letztlich wohl auch das tatsächliche Tun oder die (alltäglichen) Wissensordnungen und darin vollzogenen Alltagspraktiken bei BÜHRMANN und SCHNEIDER eine wesentlich andere Ebene erreichen als der Begriff des Diskursiven bei LACLAU und MOUFFE. Und es wäre zu überlegen, ob dieses Diskursive bei letzteren tatsächlich einen unbegründet eingeschränkten Gegenstandsbereich hat. [66]

Die hier auftauchenden Ambivalenzen sind meines Erachtens auch auf FOUCAULT zurückzuführen. So sagt FOUCAULT etwa an der von BÜHRMANN und SCHNEIDER zitierten Schlüsselstelle zum Dispositiv nicht nur, ihm sei nicht so wichtig, festzulegen, was diskursiv ist und was nicht, sondern er antwortet auf den Einwand, dass auch Institutionen doch diskursiver Natur sind: "Von mir aus" (FOUCAULT 1978, S.125). Insofern ist es nachvollziehbar, wenn BÜHRMANN und SCHNEIDER es explizit offen lassen, ob sich die Dispositivanalyse, indem sie weitere Bereiche erschließt, anders ansiedelt als die Diskursanalyse oder bloß deren Ausweitung ist (z.B. S.7). [67]

Damit ginge aber die Dispositivanalyse wiederum über die Archäologie eigentlich nicht hinaus, beziehungsweise sie geht nur insoweit über die Diskursanalyse hinaus, als sie das, was am Ende der "Archäologie des Wissens" als der Archäologie zu erschließendes Gebiet genannt wird, miterfasst. FOUCAULT spricht hier von "anderen Archäologien" als jener der epistemologischen Figuration. So könne man z.B. im politischen Verhalten erforschen, welches Wissen es durchzieht, und es in "Richtung der Verhaltensformen, der Kämpfe, der Konflikte, der Entscheidungen und der Taktiken analysieren" (FOUCAULT 1981, S.277). In dieser Hinsicht ist also die Dispositivforschung eine Ausweitung gegenüber einer das Diskursive/Sprachliche nur im Diskurs respektive sogar nur in der Episteme wahrnehmenden Diskursforschung. Sie befindet sich aber immer noch im Rahmen der Archäologie – und tatsächlich hat FOUCAULT die Archäologie ja nie ganz aufgegeben. Er hat sie aber durch die genealogische Perspektive ergänzt und somit differenziert. Die Dispositivforschung kann daher nur schwer unter die Vorzeichen allein der Genealogie oder einer genealogischen Phase gestellt werden (zumal man dieser Betonung der Brüchigkeit von FOUCAULTs Denken ohnehin nicht unbedingt folgen muss). Die Dispositivforschung wäre ein auf die Integration dieser beiden Herangehensweisen bauender Zugang. Im Zusammenhang mit dem Sexualitätsdispositiv spricht FOUCAULT, wie in der "Archäologie des Wissens", von "Wissen" (savoir), das er an seiner Wurzel, nämlich genealogisch von den Verhaltensweisen in den verschiedenen Institutionen her, fassen möchte (FOUCAULT 1983, S.7). [68]

Insofern ist es auch nicht evident, dass die Strukturierungen der nicht-diskursiven Praxis zunächst vom Diskurs ausgehen. Der Diskurs könnte sehr wohl als eine, wenngleich ihrerseits an Kohärenz gebundene Reflexion des nicht-diskursiven Bereichs gesehen werden. Jedoch bezieht sich das Dispositiv noch auf eine andere Art der Abhängigkeit zwischen diskursiven und nicht-diskursiven Praktiken. BÜHRMANN und SCHNEIDER sprechen davon, dass Gegenstand der Analyse das Verhältnis zwischen den verschiedenen Aspekten des Dispositivs ist. Dies birgt aber eine bei ihnen nicht so klar hervorgestrichene Funktion des Dispositivs respektive der Dispositivanalyse in Bezug auf den Diskurs und die Diskursanalyse, die den Begriff des Verhältnisses noch stärker in seiner Produktivität versteht. Meiner Auffassung nach geht es beim FOUCAULTschen Dispositiv nämlich vor allem auch darum, den Diskurs zu kontextualisieren, und das heißt, den jeweiligen sozialen Wert eines Diskurses festzustellen – ihn also nicht nur insoweit an die nicht-diskursive Praxis zu binden, dass man an dieser untersucht, welche Elemente des Diskurses handlungsrelevant sind und einen Eigen-Sinn bekommen können, der gegebenenfalls auf den Diskurs Einfluss nimmt. Sondern es wäre darüber hinaus zu sehen, dass auch der Diskurs selbst erst angesichts der nicht-diskursiven Praxis in vollem Umfang zu spezifizieren ist. Es ist also der Stellenwert eines Diskurses oder diskursiver Praktiken im gesamten Feld sozialer Praxis, denke ich, was FOUCAULT mit dem Dispositivbegriff systematischer als in den frühen Arbeiten zu bestimmten gesellschaftlich relevanten Institutionen zu konzipieren versuchte. Natürlich lässt sich dann das Bild auch anders herum lesen und demgegenüber fragen, wie denn die nicht-diskursive Praxis und die Objektivitäten sind, dass sie den Diskurs in jeweils kulturspezifischer Brechung erscheinen lassen. Und hier wäre entgegen dem aktuell vorherrschenden Forschungsstand im Rückgriff auf die Archäologie doch festzustellen, dass die Logik dieser Integration dem Modell der Sprache folgt (wie es überhaupt interessant sein kann, FOUCAULTs Ansatz stärker vor dem Hintergrund von SAUSSURE und seiner Konzeption der Semeologie [vgl. 2001] zu sehen). Denn die Elemente des Dispositivs insgesamt haben nun ihren jeweiligen Wert – ganz im Sinn von SAUSSURE – als Elemente eines Netzes. [69]

Die Genealogie wiederum klärt, auf welchen Fundus die Dispositivbildung zurückgreift, um in der Differenz der Transformation die Reaktion auf einen Notstand als kulturspezifische Problematisierung einschätzen zu können. Dieses Netz dispositiv arrangierter Elemente als Ausdruck produktiver Kräfteverhältnisse stellt das Dispositiv und die Dispositivanalyse meines Erachtens unter die Perspektive der Macht. Die Macht wäre daher als Existenzweise in Anlehnung an den Diskurs zu verstehen und nicht als ein Aspekt, der zu Diskurs und Nicht-Diskurs (vermittelt über die Wissensordnung) hinzukommt oder nur in der nicht-diskursiven Praxis zu finden ist ("Die Macht befindet sich also nicht außerhalb des Diskurses. [...] Die Macht vollzieht sich über den Diskurs, denn der Diskurs ist selbst ein Element in einem strategischen Dispositiv aus Machtbeziehungen." FOUCAULT 2003, S.595). In diesem Sinn ist die Dispositivanalyse FOUCAULTs machttheoretischer Phase zuzuordnen. Allerdings fußt der Gedanke der produktiven Macht in den diskurstheoretischen Arbeiten – und zwar als kulturtheoretische Grundannahme und nicht bloß als historisches Spezifikum. (Dies zeigt sich in "Der Wille zum Wissen" [1983], wo FOUCAULT die produktive Macht wie in "Die Ordnung der Dinge" [1974] die Sprache historisch positioniert, sie aber zugleich als Blickwinkel für jedweden Gegenstand der Analyse einführt – was die Verwandtschaft mit der Rolle der Diskontinuität, des Bruchs, der Differenz in FOUCAULTs Diskursansatz erweist.) [70]

All das impliziert jedoch in meinen Augen auch, dass man die Dinge und nicht-diskursiven Praktiken immer nur in ihrer kulturellen Dimension auffassen kann – eine andere Faktizität ist in der (wissenschaftlichen) Repräsentation auch nicht kommunizierbar. Wenn BÜHRMANN und SCHNEIDER also zwischen den Dingen in ihrer Faktizität und dem jeweils kulturspezifischen Umgang damit unterscheiden, so beziehen sie sich demnach eigentlich nicht auf zwei ontologisch, sondern hierarchisch unterschiedliche Ebenen der Differenzierung. Denn – um bei ihrem Beispiel zu bleiben – ein Formular kann sicherlich ganz Verschiedenes "bedeuten", es können sich ganz unterschiedliche Handlungen damit verknüpfen. Aber: was ist ein Formular? Es ist nicht außerkulturell, sondern angesichts der Differenzierung nur auf einer allgemeineren Ebene als Globales gegenüber seiner Lokalisierung zu sehen. [71]

Diese Überlegungen sollten ganz kursorisch die von BÜHRMANN und SCHNEIDER genannten Aspekte der Dispositivforschung und ihre analytische Konzeption unter den Auspizien eines von der (strukturalen) Linguistik her gedachten systematischen Zusammenhangs ansprechen. Dieser Blickwinkel wird im Buch kaum expliziert, er lässt sich aber mit der Erforschung des Dispositivs als Bündel von Verhältnisbestimmungen assoziieren (eine weitere Verbindung von Diskurs und sozialen Beziehungen wird im Buch [vgl. v.a. S.60ff.] durch die parallele Gliederung der beiden Bereiche im Ansatz von BÜHRMANN nahe gelegt). Sicherlich kann ein, wie hier von FOUCAULT her konzipierter Dispositivbegriff in verschiedene Richtungen weitergedacht werden. BÜHRMANN und SCHNEIDER beschränken ihren Entwurf der Dispositivforschung ohnehin nicht ausschließlich auf FOUCAULTs Instrumentarien, sondern ergänzen diese insbesondere durch Aspekte einer wissenssoziologischen Phänomenologie. Interessante Anregungen für zukünftige Proliferationen bieten auch die am Ende des Buchs genannten Ansätze. Abhängig davon, wie weit die Dekontextualisierung vorangetrieben und dennoch von Dispositiv in Anlehnung an FOUCAULT gesprochen werden soll, können sich die Anschlüsse allerdings sehr unterschiedlich schwierig gestalten. Aufgrund gewisser basaler Gemeinsamkeiten besonders viel versprechend scheint eine Kombination des Dispositivkonzepts mit LATOURs sowie BOURDIEUs Arbeiten. Es ließe sich beispielsweise der (von ANGERMÜLLER 2007, S.57 angedeutete) Gedanke verfolgen, wieweit sich die Ebene des Habitus und jene der archäologischen Formation – insbesondere bezüglich der für die Dispositivforschung ausschlaggebenden Subjektivierung – überschneiden. Der Zugang von LATOUR (z.B. 2009) könnte wiederum speziell für die Frage wichtig sein, wie die "Dinge" zu Gehör kommen können. [72]

4. Fazit

Die Blickweitung "Vom Diskurs zum Dispositiv" ist als Arbeit an einem offensichtlichen Desiderat ausgesprochen wertvoll und treibt die sozialwissenschaftliche Forschung innovativ voran. Von größter Bedeutung ist der Perspektivenwechsel, nun nicht nur den Diskurs, sondern alle Bereiche kultureller Praxis mit FOUCAULT zu denken. BÜHRMANN und SCHNEIDER leisten hier auch mehr, als der Untertitel "Eine Einführung in die Dispositivanalyse" nahe legt. Denn das Buch führt nicht etwa nur in einen bereits bestehenden Ansatz der Sozialwissenschaften ein, sondern sein wichtiger Beitrag ist, dass es in vieler Hinsicht diesen synthetischen Schritt erst vollzieht – ein insgesamt wissenschaftlich sehr produktives Buch also. [73]

Literatur

Agamben, Giorgio (2008). Was ist ein Dispositiv? Zürich-Berlin: diaphanes.

Angermüller, Johannes (2007). Diskurs als Aussage und Äußerung – Die enunziative Dimension in den Diskurstheorien Michel Foucaults und Jacques Lacans. In Ingo H. Warnke (Hrsg.), Diskurslinguistik nach Foucault. Theorie und Gegenstände (S.53-80). Berlin: Walter de Gruyter.

Boyer, Dominic (2003). The medium of Foucault in anthropology. The Minnesota Review (New Series), 58-60, http://www.theminnesotareview.org/journal/ns58/boyer.htm [Datum des Zugriffs: 13.01.10].

Bührmann, Andrea D. & Werner Schneider (2007). Mehr als nur diskursive Praxis? – Konzeptionelle Grundlagen und methodische Aspekte der Dispositivanalyse. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 8(2), Art. 28, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs0702281 [Datum des Zugriffs: 12.11.08].

Deleuze, Gilles (1991). Was ist ein Dispositiv? In François Ewald & Bernhard Waldenfels (Hrsg.), Spiele der Wahrheit. Michel Foucaults Denken (S.153-162). Frankfurt/M.: Suhrkamp.

Diaz-Bone, Rainer (2007). Die französische Epistemologie und ihre Revisionen. Zur Rekonstruktion des methodologischen Standortes der Foucaultschen Diskursanalyse. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 8(2), Art. 24, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs0702241 [Datum des Zugriffs: 29.08.08].

Foucault, Michel (1974). Die Ordnung der Dinge. Frankfurt/M.: Suhrkamp.

Foucault, Michel (1978). Ein Spiel um die Psychoanalyse. In Michel Foucault, Dispositive der Macht. Michel Foucault Über Sexualität, Wissen und Wahrheit (S.118-175). Berlin: Merve.

Foucault, Michel (1981). Archäologie des Wissens. Frankfurt/M.: Suhrkamp.

Foucault, Michel (1983). Der Wille zum Wissen. Sexualität und Wahrheit 1. Frankfurt/M.: Suhrkamp.

Foucault, Michel (2003). Gespräch über die Macht. In Daniel Defert & François Ewald (Hrsg.), Michel Foucault: Dits et Écrits. Schriften Band III, 1976-1979 (S.594-608). Frankfurt/M.: Suhrkamp.

Latour, Bruno (2009). Das Parlament der Dinge. Frankfurt/M.: Suhrkamp.

Saussure, Ferdinand de (2001). Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft. Berlin: de Gruyter.

Zur Autorin

Barbara BIRKHAN, Mag., PhD. Cand. am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie, Universität Wien; Forschungsschwerpunkte im Bereich der Theoriebildung sowie kultureller Differenzen von Natur-/Kultur-Konzeptionen (Inwertsetzung und Kapitalisierung von Biodiversität vor allem auch durch eigentumsrechtliche Regime der Wissensökonomie wie Patentrecht und Sortenschutz). Thema der Dissertation war FOUCAULTs ethnologische Positionierung.

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Zitation

Birkhan, Barbara (2010). Das Dispositiv – die andere Seite des Diskurses. Review Essay: Andrea D. Bührmann & Werner Schneider (2008). Vom Diskurs zum Dispositiv. Eine Einführung in die Dispositivanalyse [73 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 11(2), Art. 9, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs100298.



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