Volume 11, No. 3, Art. 19 – September 2010

Rezension:

Anna-Lisa Müller

Elisa T. Bertuzzo (2009). Fragmented Dhaka. Analysing Everyday Life with Henri Lefebvre's Theory of Production of Space. Stuttgart: Steiner Verlag, 246 Seiten, ISBN: 978-3515094047, 59 Euro

Zusammenfassung: Elisa T. BERTUZZO setzt es sich in ihrem Buch "Fragmented Dhaka. Analysing Everyday Life with Henri Lefebvre's Theory of Production of Space" zum Ziel, das von Henri LEFEBVRE entwickelte Konzept des Raums und seine Vorschläge zur Untersuchung räumlicher Strukturen und Gewohnheiten in einer empirischen Fallstudie anzuwenden. Die Stadt Dhaka, nach Auffassung von BERTUZZO eine stark rural geprägte mega city, dient als Ort der Untersuchung räumlicher Alltagspraktiken und spezifischer Repräsentationen der Stadt. Die qualitative Studie wirkt damit fehlender Forschungsliteratur über Dhaka entgegen und nimmt eine postmoderne Perspektive auf den Urbanisierungsprozess in Bangladeshs Hauptstadt ein, die Heterogenitäten und Mehrdeutigkeiten betont. Dabei findet in zumeist überzeugender Weise eine Übertragung der LEFEBVREschen Raum-Konzepte in ein qualitatives Forschungsdesign statt. Obwohl die Darstellung der Ergebnisse in einigen Fällen wegen ihrer Fülle an Übersichtlichkeit verliert und einige begriffliche Unschärfen enthält, liegt hiermit eine innovative Studie vor.

Keywords: Alltagspraktiken; Interviews; Lefebvre; mega city; mental maps; Raum; teilnehmende Beobachtung

Inhaltsverzeichnis

1. Lefebvres Raum-Theorie in der Anwendung: Dhaka im Blick

2. Dhaka als Fallbeispiel: eine qualitative Annäherung

2.1 Stadt und Raum: Theoretischer Hintergrund

2.2 Städtischer Raum und sozialer Alltag: Methodische Umsetzung der Forschungsfragen

2.3 Fragmentierter Stadt-Raum und spezifische Repräsentationen des Städtischen

3. Erhellende Erkenntnisse über eine fragmentierte mega city und Grundsätzliches

Literatur

Zur Autorin

Zitation

 

1. Lefebvres Raum-Theorie in der Anwendung: Dhaka im Blick

BERTUZZOs Buch über Dhaka, Bangladeshs Hauptstadt, hat zwei Anliegen: Zum einen möchte die Autorin die von Henri LEFEBVRE (1998) entwickelten Konzepte eines maßgeblich sozial konstituierten Raums in die wissenschaftliche Praxis übertragen und für die Untersuchung räumlicher Alltagspraktiken fruchtbar machen. Zum anderen möchte sie Einsichten über eine bislang wenig untersuchte Stadt (BERTUZZO, S.18f.) erlangen. Im Blick ist die Urbanisierung – verstanden als ein räumlicher Prozess (S.15) – einer Stadt, welche unter Berufung auf Nazrul ISLAM als "'possibly the world's poorest and most ruralized megacity'" (BERTUZZO, S.15) beschrieben wird. Die Herausforderung besteht dabei, wie die Autorin zu Recht hervorhebt, nicht zuletzt darin, eine westlich geprägte Perspektive auf den Urbanisierungsprozess kritisch zu kontextualisieren und zu überwinden. Die Anwendung eines in einem westlich-industrialisierten Kontext entstandenen Konzepts wie das von LEFEBVRE auf städtische Prozesse, die in einem vollständig anderen kulturellen Kontext zu verorten sind, erhält so eine weitere herausfordernde Komponente. [1]

Obwohl BERTUZZO gerade die "euro-centric perspective" (S.22) der derzeit prominenten stadtsoziologischen Konzepte kritisiert, stellt sie vor allem die Anwendbarkeit der sogenannten Klassiker der Stadtsoziologie des 19. und 20. Jahrhunderts, wie Max WEBER (1956 [1920/21]) und Louis WIRTH (1938), infrage. Konzepte des ausgehenden 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts dagegen, die die Stadt als sich stetig verändernden Prozess begreifen und somit Heterogenität, Simultanität und Hybridität in den Blick nehmen, zieht die Autorin trotz deren Verortung im westlich-industrialisierten Kontext explizit heran und weist implizit auch LEFEBVRE seinen Platz innerhalb dieser postmodernen TheoretikerInnen zu (BERTUZZO, S.23). Ausschlaggebend ist dafür die Betonung der Gleichzeitigkeit von verschiedenen Raum-Vorstellungen seitens der StadtbewohnerInnen und damit die Fokussierung von Heterogenität und Fragmentiertheit, wie BERTUZZO sie auch für ihr Untersuchungsbeispiel Dhaka als maßgeblich beschreibt. [2]

Formal ist die Hälfte des Buches der Darstellung der Ergebnisse der qualitativen Untersuchung gewidmet (Kapitel 4-6), während die ersten beiden Kapitel der Kontextualisierung der Fragestellung und das dritte Kapitel der Darstellung der verwendeten Methoden dienen. Kapitel 2 stellt dabei die Einführung in LEFEBVREs Raum-Konzepte dar. Das abschließende Kapitel 7 dient der Zusammenfassung und der Verortung der Studie innerhalb der urban studies und der Arbeiten zu LEFEBVRE. [3]

2. Dhaka als Fallbeispiel: eine qualitative Annäherung

Dhaka ist in BERTUZZOs Studie das Fallbeispiel für die qualitative Untersuchung und wird (westlich geprägten) Lesenden zunächst in seinen historischen, geografischen und sozialen Besonderheiten vorgestellt. Zentral für die Studie sind zum einen die historischen Bedingungen – Kolonialisierung durch die Briten und Unabhängigkeitskrieg gegen Pakistan – und zum anderen die sozialen Veränderungen – Migration der Landbevölkerung in die Hauptstadt Dhaka; beide beeinflussen, wie die Untersuchung zeigt, die räumlichen Praktiken der BewohnerInnen sowie die Repräsentation der Stadt. [4]

2.1 Stadt und Raum: Theoretischer Hintergrund

Wenn es um die Frage des Zusammenhangs und der möglichen Wechselwirkung von Sozialem und (städtischem) Raum geht, ist Henri LEFEBVREs "The Production of Space" eine zentrale Referenz für (sozial-) wissenschaftliche Arbeiten. Trotzdem fehlen empirische Studien, die sich an einer konsequenten Umsetzung von LEFEBVREs Raumbegriff versuchen. BERTUZZO macht es sich zum Ziel, diese Lücke zu schließen und aufbauend auf LEFEBVREs Verständnis des Raums als sozialem Produkt (vgl. z.B. LEFEBVRE 1998, S.26) die unterschiedlichen Räume und Raumrepräsentationen in Dhaka in den Blick zu nehmen. Ausgangspunkt ist das Alltagsleben ("everyday life"), das auch LEFEBVRE als zentraler Kern seiner Theorie dient: Alltägliche Praktiken, die konstitutiv für den jeweiligen sozialen Raum sind, können sich verändern und gesellschaftliche Transformationen nach sich ziehen. Sozialer Wandel und städtisches Leben werden damit aneinander gekoppelt (BERTUZZO, S.26). BERTUZZO fragt in ihrer Studie danach, welche verschiedenen Räume die BewohnerInnen Dhakas hervorbringen und wie sich diese überlagern. Dabei dienen ihr die drei von LEFEBVRE unterschiedenen Räume als Referenzrahmen: sozialer, physischer und mentaler Raum, auch bezeichnet als gelebter ("lived"), wahrgenommener ("perceived") und konzipierter ("conceived") Raum (LEFEBVRE 1998, z.B. S.40). Von besonderer Bedeutung sind für BERTUZZO in diesem Konzept die Wechselwirkungen und gegenseitigen Abhängigkeiten dieser drei Raumformen. Zur Visualisierung der Interdependenzen greift BERTUZZO auf eine kegelförmige Helix zurück (S.32). Wie in den allermeisten solcher Versuche stellt sich allerdings das Problem der Zweidimensionalität der Darstellung. Zudem erweckt die Kegelförmigkeit der Helix den Eindruck einer teleologischen Bewegung. Da es der Autorin aber gerade um die Prozesshaftigkeit der Urbanisierung und die ständige Transformation der Stadt geht, kann dies weder Sinn ihrer eigenen noch der LEFEBVREschen Überlegungen sein (BERTUZZO, S.28). [5]

Um eine Studie zu räumlichen Alltagspraktiken durchführen zu können, wie es Ziel der Autorin ist, bedarf es einer Definition von Alltagsleben. Für LEFEBVRE sei dieses maßgeblich für die Konstitution der Repräsentationsräume und zeige sich vor allem in der Arbeit, der Freizeit und an Orten des alltäglichen Lebens ("living spaces"). Kontrastiert wird dieses Verständnis mit je einem Vertreter eines marxistischen und eines phänomenologischen Ansatzes, nämlich Georg LUKACS (1963, 1970 [1923]) und Alfred SCHÜTZ (1967), deren Ansätze aber nicht weiter verfolgt werden (BERTUZZO, S.35). Michel DE CERTEAU, dessen Konzepten von Alltagsleben und Raum mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird (vgl. DE CERTEAU 1988), verortet sie inhaltlich nah bei LEFEBVRE; aufgrund seines Verständnisses von sozialem Raum als Mediator zwischen den drei LEFEBVREschen Raumformen sei er so für die Analyse von Raum zu berücksichtigen (BERTUZZO, S.37). [6]

Die Autorin scheint sich schließlich für die LEFEBVREschen Konzepte von Alltagsleben und Raum zu entscheiden; bezüglich des Letzteren ist dies aus dem Text herauszulesen, bezüglich Ersterem bleibt es weitaus offener. [7]

2.2 Städtischer Raum und sozialer Alltag: Methodische Umsetzung der Forschungsfragen

BERTUZZOs Blick richtet sich auf die räumlichen Alltagspraktiken und die von den StadtbewohnerInnen produzierten Räume. Die Forschungsfragen beziehen sich dementsprechend 1. auf die Kontexte, in denen die Produktionen von Raum zu sehen sind, 2. auf die Formen von und die Einflüsse auf die Repräsentationen und Bedeutungen des Raums und 3. auf die Mehrdeutigkeit und Fragmentiertheit des städtischen Raums und seinen Bezug zur Urbanisierung (S.17f.). [8]

Um diese Fragen empirisch zu untersuchen, greift BERTUZZO auf ein Set an Methoden zurück und bezeichnet diese Herangehensweise als "an ad hoc application of various 'tools' used by ethnographic researchers" (S.42; Hervorh. i.O.): teilnehmende Beobachtung, mental maps, Interviews, Fotos, Analyse von Tagesabläufen und sogenannte "associative walks" (S.40). Vor einer ausführlichen Darstellung der verwendeten Methoden findet eine kurze Reflexion der urban ethnography, angefangen bei der Chicago School, statt. Aufgrund deren Fokus auf westliche urbane Subkulturen sei eine Anpassung im genannten "ad hoc way" nötig. [9]

Die Darstellung der verwendeten Methoden orientiert sich dann in überzeugender Weise an den drei verschiedenen Raumformen, die es mithilfe dieser Methoden zu untersuchen gilt. So werden für den physischen Raum assoziative Spaziergänge, Fotografie, Interviews und teilnehmende Beobachtung an zentralen Knotenpunkten der Stadt ausgewählt (S.44f.). Die "associative walks" dienen dabei der Erfassung dieses Raums und seiner Gestaltung und beinhalten in erster Linie Reisen durch die Stadt mit verschiedenen Fortbewegungsmitteln, mehrheitlich aber zu Fuß. [10]

Der mentale Raum wird – allerdings ohne entsprechende methodologische Referenzen – mithilfe von halbstandardisierten, narrativen und ExpertInneninterviews, mental maps und Fragebögen untersucht (S.45ff.). Für den sozialen Raum greift die Autorin schließlich unter Bezugnahme auf AGAR (1996) und GIRTLER (1984) auf die teilnehmende Beobachtung zurück (BERTUZZO, S.54f.). Diese Triangulation verschiedener qualitativer Methoden (vgl. FLICK 2008) ist im Fall der vorliegenden Studie sehr plausibel, lässt aber ebenfalls eine methodologische Anbindung vermissen. Überzeugend sind dagegen die Ausführungen zu den potenziellen Problemen, die insbesondere bei den Interviews und der teilnehmenden Beobachtung auftreten können. Zur Überwindung sprachlicher Unzulänglichkeiten wurde im ersten Fall ein Übersetzer hinzugezogen; dieser Assistent, ethnografisch gesprochen der erste Informant, wie BERTUZZO zu Recht betont, begleitete die Autorin und diente in sprachlicher und kultureller Hinsicht als Übersetzer. Zur Durchführung der Interviews wurden Leitfäden und Fragebögen mit seiner Hilfe auf einschlägig westlich geprägte Konzepte und Vorstellungen hin untersucht und es wurde eine Übertragung in den kulturellen Kontext Bangladeshs versucht (S.49). Der zweite Fall, die teilnehmende Beobachtung, wurde aufgrund der dann vorliegenden Sprachkompetenz als letzter Schritt der Annäherung an die Empirie durchgeführt. Um zu betonen, dass die teilnehmende Beobachtung keinerlei zeitlichen o.ä. Beschränkungen unterliegt, nennt die Autorin diese Form "free participant observation" (S.54; Hervorh. i.O.), ohne aber eine methodologische Verortung vorzunehmen. [11]

Problematisch erscheint BERTUZZOs an die (auf Komplementarität zielende) Triangulation (KELLE & ERZBERGER 1999) angelehnter, aber nicht explizit dort verorteter Versuch, die verwendeten qualitativen Methoden mit quantitativen Daten anzureichern (BERTUZZO, S.43f.). So wurden die halbstandardisierten Interviews mit BewohnerInnen der Stadt mit dem Ziel geführt, eine Porträtierung von Dhakas EinwohnerInnen zu vollziehen (S.45); dafür wurde ein repräsentatives Sample auf Grundlage des Dhaka Census angestrebt (S.46). Aus dem Text heraus entsteht allerdings der Eindruck, dass die Auswahl nach dem Zufallsprinzip vonstattenging. Das gleichzeitige Bestreben nach Repräsentativität macht damit zumindest eine von beiden Herangehensweisen fragwürdig. [12]

Leider fehlt, abgesehen von einem kurzen Verweis auf eine an die Erhebung anschließende Interpretation der transkribierten Interviews und Notizen (S.45f.), eine Darstellung und Reflexion der Auswertung der erhobenen Daten. Somit entsteht eine Lücke zwischen der methodischen Konzeption der Untersuchung und der Ergebnispräsentation, die zumindest für methodologisch interessierte Lesende bedauerlich ist. [13]

2.3 Fragmentierter Stadt-Raum und spezifische Repräsentationen des Städtischen

Die drei zentralen Kapitel der Studie, in denen die Ergebnisse vorgestellt werden, gliedern sich nach den drei Raum-Konzepten: dem physischen, dem mentalen und dem sozialen Raum. Die Ergebnisse der empirischen Untersuchung werden in dem Band – und entsprechend in der Rezension daran orientiert – zunächst einzeln vorgestellt und abschließend zueinander in Bezug gesetzt. [14]

2.3.1 Der physische Raum: urbane und alltägliche Realität

Für die Untersuchung des physischen Raums identifiziert die Autorin sechs "major structural areas with pronounced identities" (S.69), in denen Interviews geführt wurden, die die Nutzung dieses Raums erfragten, und die die "urban reality" darstellen sollen (S.86). Dabei stellt sich Erwerbsarbeit als bedeutsamster Grund und Anlass für die Nutzung des physischen Raums heraus. Drei Momente werden von der Autorin als zentral für die Hervorbringung des alltäglichen physischen Raums – und damit als Element der "everyday reality" (S.86) – erachtet: der Tagesablauf, der Markt und die Mobilität. Dabei sind die sich zeigenden Unterschiede zwischen den RespondentInnen in erster Linie von deren sozio-ökonomischem Status und Gender abhängig. Diese Ergebnisse werden von der Autorin auf die von LEFEBVRE entwickelten raumzeitlichen sozialen Ebenen übertragen (BERTUZZO, S.91ff.). Demnach zeigen sich räumliche Praktiken im Zusammenhang mit den Repräsentationsprozessen (bei LEFEBVRE die übergeordnete globale Ebene). Hier ist die Ebene der Urbanisierung angesprochen, die auch die Stadtplanung selbst betrifft: Schlechte Planung führt zu großer Informalität, u.a. von Arbeit und Siedlungen. Auf der Ebene der Stadt zeigen sich heterogene Strukturen, die ihren Ausdruck u.a. in Segregation finden. Auf der privaten Ebene, auf der spezifische Orte im Blick sind, zeigen sich Zentren urbanen Lebens und urbaner Entwicklung. Die Verknüpfung der empirischen Ergebnisse mit diesen LEFEBVREschen Ebenen tritt durch die Länge der Beschreibungen der Ergebnisse allerdings hinter diese zurück, was für den thematischen Fokus der Studie bedauernswert ist. Interessant sind die Momente, in denen aufgrund der Ergebnisse Empfehlungen an StadtplanerInnen ausgesprochen werden (BERTUZZO, z.B. S.93f.). [15]

2.3.2 Der mentale Raum: Repräsentationen der Stadt

In einem weiteren Schritt beschäftigt sich die Autorin mit der Konzeption von (städtischem) Raum, d.h. mit dem mentalen Raum. Dazu kombiniert sie drei Elemente: die Repräsentation der Stadt, die Repräsentation der Räume sowie die Form der Raumrepräsentation. Im Fall der "konzipierten" Stadt gelangt sie zu sechs verschiedenen, empirisch auffindbaren Formen der Repräsentation (S.103ff.): 1. als Heimat, 2. als sozialer und politischer Ort, gleichbedeutend mit 3. Infrastruktur oder 4. gesteigerten Lebenschancen im Vergleich zum Herkunftsdorf (im Fall von MigrantInnen), aber auch 5. als Ort der Ungleichheit oder 6. als äquivalent zu Gebäuden, d.h. einer spezifischen Materialität. Die Autorin stellt heraus, dass die Stadtrepräsentationen stark emotional geprägt seien und maßgeblich mithilfe von Werten und Vergleichen hergestellt würden (S.117f.). Im Fall der Repräsentation von Räumen lassen sich vor allem Räume der politischen Macht und der Kommunikation nachzeichnen; wenige Befragte stellten dagegen einen Zusammenhang zwischen städtischen Räumen und öffentlicher Meinung her (S.137). Dies mag, wie BERTUZZO zu Recht anmerkt, daran liegen, dass es sich hierbei um Aspekte handelt, die aus dem europäisch-westlichen Kontext stammen, sodass die Studie an dieser Stelle an ihre Grenze stößt. Um drittens spezifischen Formen von Raumrepräsentationen auf den Grund zu gehen, werden mental maps, die die Autorin in Anlehnung an Amos RAPOPORT (1977) als kognitive Karten und "spatial images" (BERTUZZO, S.142; Hervorh. i.O.) konzipiert hat, herangezogen. Im Kontext der Studie betrachtet die Autorin diese mental maps gleichermaßen als Produzenten und Produkte der Stadt (S.143). Die RespondentInnen sollen dabei das von ihnen als alltäglich wahrgenommene Dhaka zeichnen. In der Auswertung identifiziert die Autorin Ähnlichkeiten und Unterschiede, die sie in zehn verschiedenen Gruppen zusammenfasst (S.145ff.). Hier seien nur einige exemplarisch erwähnt: Die Darstellungen zeigen Planungs- oder AutofahrerInnenperspektiven, beinhalten Orte der (Erwerbs-) Arbeit und des Verlangens ("desire"), sie zeigen Territorien, Identifikationen und Exklusionen. Auch hier werden sowohl die ausgeprägten Heterogenitäten des städtischen Raums als auch die Fragmentiertheit der Stadt selbst sichtbar; beides wird durch die eher narrative Beschreibung und ausgewählte mental maps noch betont. [16]

In einer Reflexion der benutzten Methoden stellt BERTUZZO die ethnografischen Methoden als wertvoll heraus und kommt u.a. zu dem Ergebnis, dass, entgegen landläufiger Meinungen, rurale MigrantInnen im Vergleich zu schon immer ansässigen StadtbewohnerInnen vom urbanen Leben nicht überfordert(er) seien (S.165): Nach BERTUZZO unterscheiden sich Praxen des Umgangs mit der Stadt von ruralen MigrantInnen und urbanen BewohnerInnen nicht so stark, wie oft vermutet wird. [17]

Aus einer architektursoziologischen Perspektive sind die Ergebnisse interessant, die die Rolle der Architektur und des Designs für die Konzeption und Wahrnehmung des Raums betreffen. Letztere treten in der Bedeutung stark hinter emotionale und symbolische Aspekte zurück; eine wichtige Rolle spielen beispielsweise Erinnerungen an Ereignisse, die mit bestimmten Orten verbunden werden. Für die Raumsoziologie ist bedeutsam, dass die Autorin bei ihren RespondentInnen eine Tendenz feststellte, Raum als multifunktional und mehrschichtig wahrzunehmen und damit "as a flexible, transformable 'container' of religious or in general abstract thoughts" (S.166; Hervorh. i.O.). Allerdings bleibt unklar, ob sich die Autorin bewusst ist, welche Debatte der Raumwissenschaft sie mit der Verwendung des Container-Begriffs berührt; wenn sie sich dessen bewusst ist, wären weitergehende Ausführungen und Kontextualisierungen nötig und fruchtbar gewesen. [18]

Ein letzter interessanter Aspekt sei hervorgehoben: In der Konzeption der Stadt Dhaka als Infrastruktur sieht die Autorin Parallelen zu den Beschreibungen der global cities mit ihren ausgebauten Infrastrukturen und weltweit ähnlich wirkenden Bürokomplexen, und sie fasst Dhaka nach Marc AUGE (1994) als einen möglichen non-place und nach Rem KOOLHAAS (1995) als eine generic city – beides Konzepte, die die Eigenschaftslosigkeit bestimmter Orte als Resultat von Globalisierung und Homogenisierung hervorheben. Allerdings bleiben auch hier weitere Ausführungen aus, was den Mehrwert dieser Verbindungen schmälert. [19]

2.3.3 Der soziale Raum: Alltagsleben in Dhaka

In einem letzten Schritt stellt die Autorin die Ergebnisse zum gelebten Raum ("lived space") dar, der auch als sozialer Raum bezeichnet wird. Hier stützt sie sich auf ihre teilnehmende Beobachtung in Dhaka, u.a. in verschiedenen Familien. Auch hier wählt sie eine plastische narrative Beschreibung, diesmal von sechs ausgewählten sozialen Räumen, die sie auf der Grundlage ihrer Beobachtungen identifiziert hatte. Für den sozialen Raum gilt nach BERTUZZO, dass dort "social actors interact, adapt and transform their environment" (S.168). Dabei setzt sie gelebten Raum resp. sozialen Raum und soziale Praxis gleich; dies ist ein von LEFEBVRE übernommenes Problem, das das Verständnis seiner und auch ihrer Konzeption erschwert. Zu fragen ist nämlich, inwiefern sozialer Raum und soziale Praxis äquivalent sind – und wie dies mit LEFEBVREs Konzeption des sozialen Raums als sozialem Produkt einhergeht. Damit wäre die soziale Praxis gleichzeitig ein soziales Produkt, und spätestens hier ergeben sich begriffliche und konzeptionelle Schwierigkeiten. Folgt man BERTUZZOs Ausführungen, ergibt sich stärker das Bild, dass Raum durch soziale Praxis von den StadtbewohnerInnen konstituiert wird und sich so spezifische soziale Räume – hier mit Fokus auf alltägliche soziale Praktiken und Räume – ergeben. Im Gegensatz zum physischen Raum erhalten die Objekte und damit die Materialität als solche symbolische Bedeutung, und ähnlich wie im Fall des mentalen Raums wird dem Verlangen ("desire") eine maßgeblich konstitutive Rolle zugesprochen (S.168). Problematisch ist an dieser einleitenden theoretischen Einbettung der Ergebnisse, dass die begriffliche Bestimmung dieses Raumes der Repräsentationen unklar bleibt. [20]

Der Fokus der vorgestellten Fallstudien liegt auf Räumen, die durch alltägliches und rituelles Handeln hervorgebracht werden. Die sozialen Praktiken, die die Räume konstituieren, werden kondensiert auf einen Tag dargestellt und folgen dabei der LEFEBVREschen Rhythmusanalyse, die die Nutzung des Raums relativ zur Zeit betrachtet. Exemplarisch seien hier einige vorgestellt: das Bett stellt, je nach Nutzung und Tageszeit, einen Kommunikations- und Stauraum oder Schlafort dar; die Einzimmerwohnung ist Treffpunkt für die Frauen der Umgebung, Küche, Kommunikations- oder privater Rückzugsraum für die Familie. Durch bestimmte religiöse und rituelle Handlungen findet eine Transformation derselben Räume in rituelle Räume bzw. in "sacred space" (BERTUZZO, S.183) statt; eine ähnliche Transformation, diesmal des öffentlichen Raums, findet bei religiösen Feiern statt, die auf Straßen und Plätzen zelebriert werden und die alltäglichen städtischen Räume so in außeralltägliche verändern. [21]

Zentrales Ergebnis ist die Feststellung, dass die sozialen Räume dynamisch und emotional sind; in der Interaktion der StadtbewohnerInnen miteinander werden die sozialen Räume hergestellt und die physischen Räume verändert, indem auf soziale Regeln, Traditionen, Erfahrungen und Wünsche zurückgegriffen wird (S.195). [22]

Zwei Merkmale dienen der Autorin abschließend als Vergleich dieser verschiedenen für den Raum konstitutiven Typen sozialer Praxis: die Dynamik des Raums und das Ausmaß der jeweiligen Komponenten von sozialem, physischem und mentalem Feld. Hier offenbart sich noch einmal die Problematik der begrifflichen Unschärfen: Soziale Praxis, sozialer Raum, soziales Feld werden an dieser Stelle unterschieden, ohne dass die jeweiligen Merkmale erläutert und in Bezug zueinander gesetzt werden. Den Lesenden erschließt sich dabei nicht, inwiefern sich beispielsweise Feld und Raum voneinander unterscheiden. So bleibt auch die auf dieser Unterscheidung aufbauende Analyse unscharf, auch wenn die präsentierten Ergebnisse schlüssig sind: Mentale Akte sind demnach zentral für die Transformation von Raum. Dabei sind zeitliche und nicht so sehr materielle Aspekte maßgeblich für diese Veränderungen, wie es die Transformationen innerhalb des Wohnraums zeigen (abhängig von der Tageszeit vom privaten Familienraum zur Küche zum Kommunikationsraum). Auf diese Weise ist Raum dynamisch. [23]

Je nach Kontext überwiegen zudem unterschiedliche Komponenten bei der sozialen Praxis der Konstitution von Raum. So spielen in erster Linie mentale Akte eine Rolle, wenn das alltägliche Leben z.B. durch die Transformation von alltäglichem in rituellen Raum geprägt ist. Dagegen sind soziale Praktiken und Interaktionen entscheidend, wenn es sich um besondere physische Bedingungen handelt, wie im Fall des Flüchtlingslagers Geneva Camp (S.185ff.). [24]

Grundsätzlich muss leider gesagt werden, dass dieses letzte inhaltliche Kapitel die größten Schwächen und begrifflichen Unklarheiten enthält. Dies liegt auch an der Unschärfe der LEFEBVREschen Theorie als solcher, allerdings hätte ich mir von einer derartigen Studie auch entsprechende Klärungen erhofft. Besonders betrifft dies das Verhältnis von Alltagsleben ("everyday life") und sozialem Raum resp. sozialer Praxis. [25]

2.3.4 Der Doppelzoom zur Kontextualisierung der Ergebnisse

Die genannten begrifflichen Unschärfen wirken sich auch auf BERTUZZOs Fazit zum Verhältnis der drei Raumformen aus: "The contrasting effects of physical, mental and social space produce social reality (or social space), whole and at the same time broken, global and at the same time fragmentary" (S.204). Zieht man eine an früherer Stelle vorgenommene Begriffsbestimmung hinzu, nach der soziale Interaktionen im Alltagsleben den sozialen Raum konstituieren (S.34), zeigt sich eine Doppelung des Begriffs, die, folgt man SCHMID (2005, S.210), bei LEFEBVRE genau so angelegt ist. Dieses Wissen scheint BERTUZZO bei den Lesenden vorauszusetzen – eine Tatsache, die dem Verständnis der Studie abträglich ist. [26]

In einem von ihr als "double-zoom" (BERTUZZO, S.205) bezeichneten Verfahren werden nun die Ergebnisse auf drei von LEFEBVRE formulierte Ebenen bezogen: Im "Heranzoomen" werden sie zum globalen, urbanen und lokalen Level in Beziehung gesetzt und im "Herauszoomen" mit einer privaten, intermediären und kollektiven Ebene kontextualisiert. Dies zeige, so BERTUZZO abschließend, dass die Stadt als Mittler zwischen globalen und lokalen Perspektiven fungiert; in den Räumen dieser Stadt werden die Konflikte, Bedürfnisse, Wünsche der StadtbewohnerInnen ausgetragen, womit sie die Rolle übernimmt, die auch LEFEBVRE ihr zuspricht (BERTUZZO, S.209). Dabei wirkt die Urbanisierung auf die Materialität der Stadt, produziert neue Werte und Mythen und zeigt gleichzeitig in Dhaka stärker als in anderen Fällen Spuren traditioneller Werte. Auf diesen Ergebnissen aufbauend fordert BERTUZZO eine Revision der Stadtplanungskonzepte, welche die Aufgabe haben sollten, die Handlungsweisen der BewohnerInnen dieser fragmentierten und durch mehrdeutige Räume gekennzeichneten Stadt ernst zu nehmen (S.212f.). [27]

Bezüglich der urban studies fordert die Autorin auf der Grundlage ihrer Studie, die Peripherie und die Außenbereiche von Städten in den Blick zu nehmen, da ein adäquates Verständnis nicht ohne eine solche Ausweitung gewährleistet sei. Außerdem sei das Potenzial der Philosophie für stadtwissenschaftliche Untersuchungen nicht zu unterschätzen, wie ihre Studie zeige, die mit LEFEBVRE explizit einen Philosophen zum Thema einer stadtwissenschaftlichen Arbeit gemacht habe. [28]

Bedauernswert ist, dass BERTUZZO erst auf den letzten Seiten eine explizite Auseinandersetzung mit Christian SCHMID sucht; schließlich ist er der maßgebliche Wissenschaftler, der sich in letzter Zeit im deutschsprachigen Raum ausgiebig mit LEFEBVREs Raum-Theorie beschäftigt hat (SCHMID 2005). Ein Einbezug seiner Arbeit schon zu Beginn hätte dazu beitragen können, den begrifflichen Apparat der Studie zu schärfen. Abschließend verteidigt die Autorin LEFEBVRE (1998) gegen Kritik an der Doppeldeutigkeit seines Konzepts des sozialen Raums (sie verwendet hier allerdings den Begriff des sozialen Feldes; BERTUZZO, S.215f.). Da die Autorin den Begriff des sozialen Raums ebenfalls in doppelter Weise benutzt, hätte die Studie allerdings davon profitiert, wenn die diesbezügliche Positionierung zu Beginn der Studie gestanden hätte. [29]

3. Erhellende Erkenntnisse über eine fragmentierte mega city und Grundsätzliches

Dass Städte keine homogenen Gebilde sind, ist keine neue Erkenntnis. Trotzdem zeigen die Ergebnisse der Studie eindrücklich, was Heterogenität in einem ausgewählten urbanen Kontext bedeuten kann. Dies mag durch die Fremdheit der vorgestellten Stadt für westlich geprägte Lesende noch verstärkt werden; interessant wäre nicht zuletzt deswegen eine ähnliche Studie in einer mega city mit einem stärker westlich-industriell geprägten Hintergrund. Die Narrationen, die oft linearer sind, als es die Autorin aufgrund der angekündigten Rhythmusanalyse versprochen hatte, leiten Lesende durch die verschiedenen Räume der Stadt, in denen sie sich auch dann und wann verlieren. Sie machen aber sehr anschaulich, wie sich die verschiedenen Räume des Städtischen überlagern und auf welche Weise sie simultan in unterschiedlichen Weisen produziert werden; Fragmentierung und Mehrdeutigkeit sind so zentrale Merkmale der Stadt Dhaka. Damit zeigt sich einmal mehr, welchen Beitrag eine fundierte qualitative Untersuchung zu leisten imstande ist. [30]

Die Studie stellt eine in zweifacher Hinsicht gelungene Arbeit dar: Zum einen gelingt der Versuch der Übertragung von LEFEBVREs theoretischem Konzept auf die Ebene der empirischen Untersuchung und trägt damit zur Weiterentwicklung der empirischen Komponente der urban studies bei. Da derzeit kaum empirische Studien vorliegen, die sich an einer Anwendung der LEFEBVREschen Konzepte versuchen, ist der Innovationscharakter der vorliegenden Arbeit kaum zu überschätzen. Auch die Kombination der unterschiedlichen Methoden, die BERTUZZO vornimmt, kann Anregungen für weitere empirische Arbeiten geben. Sie macht den Mehrwert derartiger Kombinationen von verschiedenen methodischen Herangehensweisen für solch komplexe Phänomene wie Leben in und Konstruieren von städtischen Räumen sehr deutlich. Zum anderen zeigen die Ergebnisse – und dies ist besonders für die Raumwissenschaften interessant –, dass die theoretisch begründete Gegenüberstellung von absolutem und relationalem Raum in der sozialen Praxis nicht immer zu halten ist. So stellt das von den StadtbewohnerInnen formulierte Verständnis von Raum als Container (z.B. S.140) eine Herausforderung für diejenigen (Sozial-) WissenschaftlerInnen dar, die gerade in letzter Zeit Anstrengungen unternommen haben, sich von dieser Vorstellung zu lösen (vgl. bspw. LÖW 2001). Für die Architektursoziologie ist diese Arbeit wiederum fruchtbar, da die Wirkungen der Architektur und insgesamt der Materialität der Stadt auf Einzelne zur Sprache kommen und die empirischen Ergebnisse interessante Einsichten für die Mensch-Objekt-Beziehung in Städten bereithalten. [31]

Gleichwohl wünscht man sich am Ende der Studie eine stärkere Zusammenführung der einzelnen Stränge und eine explizite Bezugnahme auf die zu Beginn formulierten Leitfragen. Damit hätten die Ergebnisse auf eine abstraktere Ebene gehoben und ihr Wert für die urban studies insgesamt deutlicher gemacht werden können. Dazu gehört auch eine Reflexion der Entscheidung, LEFEBVREs Raum-Konzepte anzuwenden. Für nachfolgende Untersuchungen bildet diese Studie daher durchaus eine Basis; gleichwohl scheinen einige Aspekte und methodische Herangehensweisen vor einer erneuten Anwendung der Überarbeitung und Modifikation zu bedürfen. [32]

Kritisch zu bewerten sind darüber hinaus die begrifflichen Ungenauigkeiten und formalen Schwächen. Erstere sind außer im Fall des Konzepts des sozialen Raums nicht so gravierend, dass sie Lesende ratlos zurückließen, legen aber dennoch eine begriffliche Schärfung und Positionierung nahe. Die von der Autorin vorgenommene Differenzierung zwischen dynamischem und veränderlichem Raum hätte zudem mehr Beachtung verdient (BERTUZZO, S.197), ebenso wie die Beziehung der beiden zentralen Konzepte Raum und Alltagsleben (z.B. S.34ff.). Inwiefern außerdem die Benennung ihrer verwendeten Methode als "free participant observation" (S.54; Hervorh. i.O.) einen inhaltlichen Mehrwert hervorbringt, bleibt offen. Die teilnehmende Beobachtung als zeitlich unbeschränkt zu beschreiben, erscheint mir allerdings problematisch, unterliegen doch sowohl die zu beobachtenden Handlungen und Ereignisse als auch die Beobachtung selbst zeitlichen Restriktionen. [33]

Die formalen Schwächen fallen leider dann ins Gewicht, wenn man sich von der Studie Vorschläge zur Überwindung lang währender Fragen erhofft. Dazu gehört die Frage nach einer produktiven Einbindung von Bildmaterial in den Text. BERTUZZO wählt mehrere Fotos, die zu Beginn in den Text eingeschoben werden – erst auf den letzten Seiten findet sich ein Hinweis, worum es sich bei diesen Bildern handelt. Nicht nur kommt dieser Hinweis für Lesende zu spät, es wird auch keine weitere Information zu den Bildern geliefert. Sie dienen wiederum – wenn überhaupt – als nebengeordnete Illustration und leider nicht als Vorschlag, wie Bild und Text sich gerade bei solchen Studien ergänzen können, obwohl es dafür höchste Zeit ist – und sich in diesem Fall auch angeboten hätte. Auch lückenhafte Angaben in der Bibliografie hinterlassen einen bitteren Nachgeschmack, vermögen den grundsätzlichen Wert dieser Studie aber nicht nachhaltig zu schmälern. [34]

Insgesamt ist es ein empfehlenswertes Buch für StadtforscherInnen der verschiedenen Disziplinen, die komplexe soziale Phänomene mithilfe von ebenso komplexen empirischen Verfahren untersuchen wollen, sich dabei nicht von disziplinären Grenzen einschränken lassen und an entsprechenden Ergebnissen interessiert sind. [35]

Literatur

Agar, Michael H. (1996). The professional stranger. An informal introduction to ethnography. San Diego: Academic Press.

Augé, Marc (1994). Orte und Nicht-Orte. Vorüberlegungen zu einer Ethnologie der Einsamkeit. Frankfurt/M.: Fischer.

Certeau, Michel de (1988). Kunst des Handelns. Berlin: Merve.

Flick, Uwe (2008). Triangulation. Wiesbaden: VS Verlag.

Girtler, Roland (1984). Methoden der qualitativen Sozialforschung. Wien: Böhlau.

Kelle, Udo & Erzberger, Christian (1999). Integration qualitativer und quantitativer Methoden. Methodologische Modelle und ihre Bedeutung für die Forschungspraxis. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 51(3), 509-531.

Koolhaas, Rem (1995). The generic city. In Rem Koolhaas, Jennifer Sigler & Hans Werlemann (Hrsg.), S, M, L, XL (S.1238-1269). Rotterdam: 010 Publ.

Lefebvre, Henri (1998). The production of space. Oxford: Blackwell.

Löw, Martina (2001). Raumsoziologie. Frankfurt/M.: Suhrkamp.

Lukacs, Georg (1963). Die Eigenart des Ästhetischen. Neuwied: Luchterhand.

Lukacs, Georg (1970 [1923]). Geschichte und Klassenbewusstsein. Neuwied: Luchterhand.

Rapoport, Amos (1977). Human aspects of urban form. Towards a man-environment approach to urban form and design. Oxford: Pergamon Press.

Schmid, Christian (2005). Stadt, Raum und Gesellschaft. Henri Lefebvre und die Theorie der Produktion des Raum. Stuttgart: Franz Steiner Verlag.

Schütz, Alfred (1967). The phenomenology and the social world. New York: Northwestern University Press.

Weber, Max (1956 [1920/21]). Die Stadt. In Max Weber, Wirtschaft und Gesellschaft (S.735-822). Tübingen: Mohr.

Wirth, Louis (1938). Urbanism as a way of life. The American Journal of Sociology, 44(1), 1-24.

Zur Autorin

Anna-Lisa MÜLLER ist Soziologin und derzeit Stipendiatin an der Bielefeld Graduate School in History and Sociology der Universität Bielefeld. Sie arbeitet schwerpunktmäßig in den Bereichen Stadt- und Kultursoziologie, ein Fokus liegt dabei auf der Materialität und räumlichen Gestalt(ung) von Städten. Das aktuelle Forschungsprojekt behandelt die Planung und Ausformungen so genannter creative cities in Europa.

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Anna-Lisa Müller

Universität Bielefeld
Bielefeld Graduate School in History and Sociology
P.O. Box 10 01 31
D-33501 Bielefeld

Tel.: 0049-521-106 6513

E-Mail: anna-lisa.mueller@uni-bielefeld.de
URL: http://www.uni-bielefeld.de/bghs/

Zitation

Müller, Anna-Lisa (2010). Rezension: Elisa T. Bertuzzo (2009). Fragmented Dhaka. Analysing Everyday Life with Henri Lefebvre's Theory of Production of Space [35 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 11(2), Art. 19, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs1003199.



Copyright (c) 2010 Anna-Lisa Müller

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