Volume 7, No. 3, Art. 22 – Mai 2006

Erzähltheorie als Möglichkeit eines gemeinsamen Nenners von Humanwissenschaften

Harald Weilnböck

Review Essay:

Vera Luif, Gisela Thoma & Brigitte Boothe (Hrsg.) (2006). Beschreiben – Erschließen – Erläutern. Psychotherapieforschung als qualitative Wissenschaft. Lengerich: Pabst Science Publishers, 474 Seiten, ISBN 3-89967- 279-8, 25 Euro

Zusammenfassung: Es liegt ein Konferenzband vor, der verschiedene Arbeitsfelder der Psychotherapie-, Beratungs- und Sozialforschung in einen narratologischen Rahmen stellt. Dabei nehmen die Autor/inn/en in interdisziplinärer Weise nicht nur auf qualitativ-soziologische und tiefenpsychologische, sondern mitunter auch auf literaturwissenschaftliche sowie gesprächslinguistische Ressourcen Bezug.

Die Bandbreite der Einzelprojekte ist groß; sie reicht von der narratologischen Analyse von Psychotherapiesitzungen, von Interviews mit Nachkommen von an Psychosen erkrankten Eltern oder von Tagebuchaufzeichnungen einer unter Schizophrenie leidenden Person bis hin zu einer biografiewissenschaftlichen Untersuchung der lebensgeschichtlichen Verlaufskurve von spezifischen psychopathologischen Symptomen, zu einer genographischen Mehrebenenanalyse der qualitativen Familienforschung. Ferner wird eine tiefenhermeneutische Erzählanalyse von mehrgenerationalen Gesprächskreisen von ehemaligen Anhängern des Nationalsozialismus vorgestellt, die allerdings einer größeren methodischen Transparenz bedürfte; auch erfolgt die Erörterung von interkultureller Kommunikation unter dem psychoanalytischen Aspekt des kulturspezifischen Gegenübertragungswissens. Aus dem organisationspsychologischen Bereich wird über die Entwicklung von Methoden des Erzählens berichtet, die die Weitergabe der für Wirtschaftsbetriebe wichtigen informellen persönlichen Praxiserfahrung fördern.

Der Band von LUIF, THOMA und BOOTHE macht das große wissenschaftliche Entwicklungs- und Anwendungspotenzial einer bereichsübergreifenden handlungswissenschaftlichen Narratologie erkennbar, die sich sicherlich zukünftig noch weiterhin theoretisch konsolidieren wird. Ein interdisziplinäres Highlight stellt die Arbeit zweier Literaturwissenschaftler/innen dar, die mit einem gesprächslinguistischen und tiefenpsychologischen Ansatz anhand von Psychotherapie-Transkripten einen überzeugenden Lösungsvorschlag für das Problem des Nachweises von narrativer (In-) Kohärenz vorlegen. Umso mehr erscheint wünschenswert, dass die hier nur indirekt beteiligten Geisteswissenschaften ihren immensen interdisziplinären Nachholbedarf einlösen, zumal ein von Medizinern vorgelegter Beitrag erkennen lässt, wie problematisch die sog. "dekonstruktiven" Ansätze sind.

Keywords: Narratologie, Psychotherapie-, Beratungs- und Sozialforschung, klinische Psychoanalyse, Schizophrenie, Literaturwissenschaft, Gesprächslinguistik, Familienforschung, interkulturelle Kommunikation, Operationalisierte Psychodynamische Diagnostik

Inhaltsverzeichnis

1. Synergien zwischen Therapie- und Kulturwissenschaften

2. Psychose und Persönlichkeitsstörungen als Grenzbereiche menschlichen Erzählens

3. Narratologische Anwendungen und/oder tiefenpsychologische Fundierung

4. Diskussion: Qualitative Psychotherapie- und Interaktionsforschung im Konzert der narratologischen Wissenschaften vom Menschen

Anmerkung

Literatur

Zum Autor

Zitation

 

1. Synergien zwischen Therapie- und Kulturwissenschaften

Der Konferenzband versammelt 22 Beiträge aus verschiedenen Bereichen der Psychotherapie-, Beratungs- und Sozialforschung. Die Konferenz wurde von der Züricher Arbeitsgruppe klinische Narrativik um Brigitte BOOTHE veranstaltet und war von der Absicht getragen, der empirisch-narratologischen Forschung eine Plattform des theoretischen und praxeologischen Austausches zu bieten. Dabei sollte ferner "eine Bestandsaufnahme der qualitativen Psychotherapieforschung im deutschsprachigen Raum" erfolgen, die auch als monographischer "Forschungsatlas der qualitativen Psychotherapieforschung" intendiert war (STEFFEN, S.460) und inzwischen in Form einer universitätseigenen akademischen Abschlussarbeit vorliegt (DAHLER & AG QPT 2005). Der Hauptschwerpunkt dieser Unternehmung, die Psychotherapieforschung, steht im Kontext der in jüngster Zeit zunehmend energisch vorangetriebenen empirischen Beforschung von Prozessen der psychischen Heilung (POSCHESCHNIK 2005), der Entwicklung von interdisziplinären Weiterungen mit und für andere Fächer (BUCHHOLZ 2004) sowie der Professionalisierung von Psychotherapie. [1]

Die Beiträge des Konferenzbandes sind jedoch durch eine weiter gehende, grundlagentheoretische Frage nach dem institutionellen Rahmen, den Methoden sowie den theoretischen Konzeptionen einer qualitativen Wissenschaft von menschlicher Narration und Interaktion miteinander verbunden. Die vielfältigen Arbeitsproben wurden in der Hauptsache von Psycholog/inn/en, Psychotherapieforscher/inne/n und Sozialwissenschaftler/inne/n vorgelegt; verschiedentlich waren auch Mediziner/innen und Geisteswissenschaftler/innen beteiligt. – Der Fokus meiner Darstellung wird vor allem diejenigen Beiträge erfassen, die aus ihrem konkreten Arbeitsbereich heraus übergreifende Perspektiven im Fragenhorizont einer interdisziplinären Narratologie enthalten und auch für die Gesellschafts- und Kulturwissenschaften anschließbar sind. [2]

Dass die wissenschaftliche Perspektive auf Prozesse des Erzählens die gemeinsame Basis des Bandes bildet, kommt in den einzelnen Beiträgen, die auf eine Tagung zurückgehen, allerdings in unterschiedlich expliziter Weise zum Ausdruck. Am deutlichsten wird dieser unvermerkte gemeinsame Schwerpunkt in Brigitte BOOTHEs Einleitung zum Konzept der "narrativen Intelligenz", das zunächst in einer spezifischen, textsorten-bezogenen Weise entworfen zu sein scheint. Denn es hebt auf die Kenntnis von typischen narrativen Verlaufsformen oder -modellen ab, wie z.B. das Modell der "Approbation/bestandenen Herausforderung" oder der "restitutio ad integrum" nach Ereignisverläufen von Desintegration (S.22f.). Auch hinsichtlich der interaktiven, "persuasiven Wirkungen" des Erzählens, deren Kenntnis als zentraler Teil des "Erwerbs von Erzählkompetenz" begriffen wird, schlägt BOOTHE eine Typologie von spezifischen Effekten vor, wie z.B. den "Scheherazade-Effekt, d.h. die "erzieherische Wirkung" von Erzählen, oder den "Werther-Effekt", d.h. den "Sog zur Identifikation mit dem Sympathieträger" (a.a.O.). Dabei zeichnet sich die Ambition einer Systematik von Genres und Funktionen des menschlichen Erzählens in Literatur und Therapie ab, die mitunter ein wenig an die rein deskriptiven Genre-Ordnungen der Philologien denken lässt. Jedoch werden hier, anders als in den Geisteswissenschaften, die textsorten-bezogenen Typen selbstverständlich handlungstheoretisch aufgefasst und konsequent als "Verlaufsformen thematischer Leerstellen" begriffen, die deshalb von jedem Erzähler – und die Erzähler sind hier Patient/inn/en – individuell gestaltet und als Medium der Modellierung von persönlichen Konfliktdynamiken genutzt werden. [3]

Am Beispiel einer Patientenerzählung in der "typischen Rhetorik der Reue" rekonstruiert BOOTHE eine narrative "Dramaturgie" bzw. "Spielregel", die auf den in der Psychoanalyse beschriebenen Abwehrmechanismus der Aktiv-Passiv-Wendung bzw. der Wendung gegen das Selbst zurückgeht, d.h. die Person begegnet einer verletzenden Erfahrung der Versagung oder Enttäuschung, indem sie sie selbst noch aktiv verstärkt oder in ähnlicher Weise wiederholt herbeiführt. Die Konfliktdramaturgie betrifft bei dieser Patientin die Dimension "Versorgung versus Autarkie" (nach der Operationalisierten Psychodynamischen Diagnostik, OPD) und wird von dieser Patientin vermittels einer "narzisstisch großartigen Inszenierung einer Selbstbezichtigung" erzählerisch umgesetzt (S.34). Diese funktionale und psychodynamische Bestimmung der Erzählepisode eröffnet auch die Möglichkeit, jenseits der Genrebestimmung eine Einschätzung der relativen Kosten solcher und anderer Formen der narrativen Reorganisation von Erlebnissen der persönlichen Vergangenheit zu vollziehen und Einschätzungskriterien der (Un-) Zuträglichkeit von Handlungs- und Narrationsformen zu formulieren. [4]

Von der Fallgeschichte abhebend systematisiert BOOTHE drei Komponenten von narrativer Intelligenz: die Fähigkeit zur kognitiven Organisation der Ereignisse/Erlebnisse in einer erzählerischen Form; die Fähigkeit zur persönlichen Involvierung des Selbst entlang der individuellen Relevanzen, die die Wahl dieser Form leiten; und die Beziehungskompetenz der narrativen Vermittlung an ein Gegenüber (S.36). Die Formulierung eines Narrationsbegriffs in einer kompetenztheoretischen Dimension ist darüber hinaus geeignet, Anschlussmöglichkeiten zu den zukunftsweisenden Bereichen der Coping- und Resilienzforschung bzw. zur Pädagogik zu eröffnen, die sich um die Beschreibung von Potenzialen der Handlungsfähigkeit und Widerstandskraft in der biografischen Entwicklung bemühen. [5]

Während bei BOOTHE, wie auch später bei LUIF, aufgrund der literarisch orientierten Begrifflichkeit ("Dramatisierung", Werther-Effekt etc.) bzw. der teilweise schriftlichen Materialgrundlage (Tagebuch) bereits kultur- und sprachwissenschaftliche Fragen mit aufgerufen waren, sind sie im Beitrag von JESCH, RICHTER und STEIN theoretisch und methodologisch eingelöst, und zwar mit einer Stringenz und Überzeugungskraft, wie sie im psychotherapiewissenschaftlichen Bereich noch nicht erreicht wird und in den Literatur- und Kulturwissenschaften infolge von grundsätzlichen epistemologischen und habituellen Selbstblockierungen im Moment außer Reichweite zu sein scheint. Diese spezifische Leistung springt nicht gleich ins Auge, denn die für den Beitrag maßgeblichen Germanist/inn/en JESCH und STEIN nehmen nicht literarische Texte, sondern die Transkripte zweier psychotherapeutischer Erstgespräche zum Gegenstand. Sie entwickeln daran jedoch eine im Kontext eines größeren Forschungsprojekts erarbeiteten Theorie und Methodologie des Erzählens, die sowohl auf gesprächslinguistische und -pragmatische sowie tiefenpsychologische Ressourcen zugreift und Gültigkeit sowohl für mündliche als auch schriftlich-literarische Narrationen beansprucht. [6]

Vorausgesetzt wird dabei ein "interaktiver Textbegriff", der in einer Erzählung eine "durch zahlreiche Teilakte konstituierte kommunikative Handlung" erkennt (S.41ff.); ferner ein differenzierter Begriff des narrativen Anlasses bzw. der "Erzählwürdigkeit", der nicht nur in einem überraschenden Inhaltsmoment der Geschichte, sondern auch in formalen Darbietungsphänomenen wie z.B. unvermerkten Stilbrüchen, unerwarteten Sprechpausen etc. liegen kann und von bewusstseinsfernen Erlebensimpulsen herrühren mag. Und schließlich basiert dieser handlungstheoretische Erzählbegriff auf der Prämisse der "textuellen Mitarbeit des Rezipienten" (a.a.O.), dessen Erwartungshorizont, gemessen an dem allgemeinen lebensweltlichen Kontext des Lesers wie auch an den spezifischen textuellen Erwartungsanbahnungen auf kognitionspsychologischer bzw. strukturanalytischer Grundlage rekonstruiert werden kann. Zentral ist die aus der Theorie des fiktionalen Erzählens abgeleitete heuristische Differenzierung zwischen dem "Patienten als Kompositionssubjekt und als Erzähler". Sie geht davon aus, dass ein Autor "uno actu zweifach sendet", d.h. eine beständige "Doppelkommunikation" betreibt, in der er immer sowohl als (Erzähler-) Figur und Rolle wie auch "als er selbst" spricht, so dass eine narrative Entfaltung von bewusstseinsfernen Konflikten stattfinden kann (S.44). [7]

Um diese "konfligierenden Mitteilungstendenzen" in methodenkontrollierter Weise aufzeigen und auf spezifische, biografisch geprägte Erlebnis- und Interaktionsschemata des Subjekts zurückführen zu können, entwerfen JESCH, RICHTER und STEIN ein bestechend transparentes und erschöpfendes Verfahren der narratologischen Analyse. Im Durchgang durch drei verschieden hohe Ebenen von narrativer Kohärenzbildung – (1) zeitliche/räumliche Geschehens- und Inhalts-Relationen (zuerst/dann; wo/dort, (2) korrelative Erwartbarkeitsrelationen (wenn/dann) sowie letztlich (3) finale, kausale und konsekutive Geschehensverknüpfungen (weil; damit; sodass), die die erzählten Ursachen, Motive und Folgen von Handlungen und Ereignissen darbieten (S.45) – werden Inkohärenzen und Brüche von Implikationen und Erwartungshorizonten ermittelt. Die nonverbalen Aspekte der Darbietungsweise werden mit einbezogen. Ziel ist die Formulierung von Schlussregeln über die Erzählung als Set von bewussten und unbewussten Komponenten einer komplexen intentionalen Handlung. Die Anwendung auf zwei psychotherapeutische Erstgesprächstranskripte macht die Transparenz und Leistungsstärke des Verfahrens deutlich. [8]

Ausgerechnet also zwei Mittelbau-Vertreter/innen aus den Literaturwissenschaften, wo doch dergleichen Ansätze gemeinhin so gar nicht wertgeschätzt werden, unterbreiten hier einen überzeugenden Lösungsvorschlag dafür, was die narratologische Therapiewissenschaft als die größte Herausforderung der kommenden Jahre bezeichnet, nämlich "narrative Kohärenz und Inkohärenz zu beschreiben und erforschen" (McLEOD & ANGUS, S.373); – eine wissenschaftsgeschichtliche Ironie, die eigentlich hoffnungsvoll ist. [9]

2. Psychose und Persönlichkeitsstörungen als Grenzbereiche menschlichen Erzählens

Vera LUIF beschäftigt sich mit den über viele Jahre von einer an Schizophrenie erkrankten Person hinweg aufgezeichneten Tagebuchnotizen und nimmt dabei eine Theorie- und Methodenkombination von qualitativer Inhaltsanalyse (MAYRING), narratologischer Text- und Erzählanalyse (BOOTHE et al.), narratologischer Positionierungsanalyse (LUCIUS-HOENE & DEPPERMANN) sowie von einigen Begriffen der literaturwissenschaftlichen Rezeptionsästhetik zur Grundlage (ISER). Die Synopse von 40 Tagebuchausschnitten (nach Datenreduktion mithilfe von Atlas/ti) erfolgt in textgeleiteter, induktiver Weise und zielt auf Rückschlüsse über eine "Dramaturgie" des psychotischen Erlebens (S.87). [10]

Verschiedene formale und textimmanent-induktive Kennzeichnungen des Akteurstatus des Tagbucherzählers, des Affektgeschehens, der Textkohärenz und der souveränen gedanklichen Relativierung durch den Icherzähler werden isoliert und anhand einer Episode anschaulich dargestellt: Der Ich-Akteur dieses an Schizophrenie leidenden Tagebuchautors ist zumeist interaktionsabstinenter Beobachter; er nimmt das Affektgeschehen nicht so sehr als innersubjektives Erleben wahr, als dass er es konkretistisch und projektiv in eine idiosynkratisch wahrgenommene Umgebung auslagert, wobei dieses szenisch perspektivierte Affektpanorama zur Spaltung und Polarisierung von Attributen des Beruhigenden versus Bedrohlichen neigt. Zwar vermag der schizophrene Tagebuchautor die Textkohärenz weitgehend aufrechtzuerhalten und auch dadurch zusätzlich zu stützen, dass er mitunter souveräne Kommentierungen und Relativierungen seines halluzinatorischen Erlebens einfügt. Jedoch ist die narrative Souveränität und Kohärenz auf signifikante Weise periodisch von "unaufgelösten Setzungen" perforiert, die "intersubjektiv nicht teilbar sind", weil sie paranormale Wahrnehmungen als wirkliche erzählen; dadurch geht zwangsläufig der Bezug zum Leser verloren (S.80). Gerade die präzise Feinteiligkeit von dergleichen Befunden lässt wünschen, dass auch Forschung über die mündlichen Interaktionen von Schizophrenen angeschlossen wird. [11]

Die Frage nach erzählerischen Dynamiken im Umfeld von psychose-logischen Interaktionssphären wird von SOLLBERGER, BYLAND und WIDMER aufgenommen, die sich mit den Narrativen der Nachkommen von an Psychosen erkrankten Eltern beschäftigen. Vor dem Hintergrund der jüngeren Fragestellung der Coping- und Resilienz-Forschung werden – jenseits der bisherigen quantitativen Risikoforschung über die Heredität von schweren Persönlichkeitsstörungen – die narrativen Bewältigungsmechanismen der Personen untersucht. Dabei gehen die Autor/inn/en auch der Frage nach, inwiefern für die Nachkommen bereits das Erzählen selbst zu einem protektiven Faktor werden kann. Mit Verweis auf LUCIUS-HOENE (2002) wird die identitätsstiftende Funktion des Erzählens – ähnlich BOOTHEs Konzept der narrativen Kompetenz – auf zwei Ebenen angesetzt: (1) in der sprachlichen und kognitiven Organisation, die die Erlebnisse erfahren, wenn sie zur Textsorte "Erzählung" geformt werden und wenn dadurch die "Alteritäts- und Abweichungserfahrung", also die Erfahrung des Verrückt-Seins von existenziellen Orientierungen, in den kulturellen Kanon des Erzählbaren einbettet wird. (2) Die zweite Ebene ist die der interaktiven Gestaltung der Erzählsituation, in der eine Unterstützung der "selbstexplorativen Anstrengungen" erwirkt werden kann, wie auch die Hervorrufung von Empathie, die "Dezentralisierung egozentrischer Perspektiven" und damit letztlich die heilsame "Sozialisierung des Erlebten" vor einem "generalisierten, sozial anerkennungsfähigen Anderen" (S.134, 142, vgl. auch ROSENTHAL 2002 und REDDEMANN 2001). "Kognitive Ordnungsleistung" und "soziale Positionierung" des Erlebnisses im Erzählen verschränken sich zu einem interaktiven Prozess der narrativen, biografischen Identitätsarbeit. [12]

SOLLBERGER, BYLAND und WIDMER weisen an vier, wenngleich recht sparsam belegten und ausgeführten Beispielen nach, wie "die zentrale[n] Schwierigkeit[en] der betroffenen Nachkommen" narrativ bewältigt werden, nämlich (1) die "Loyalitätskonflikte" mit psychosekranken Eltern bezüglich belastender Lebensaspekte (Gewalterlebnisse/Suizid, Klinikeinweisungen, Betreuungsvernachlässigungen etc.), (2) "die damit zusammenhängenden Schuld- und Schamgefühle" sowie (3) die Desorientierungen in der eigenen Herstellung von Identitäts- und Realitätskonstruktionen. Lohnend wäre auch hier, in der Auswertung die Frage der unterschiedlichen psychosozialen Kosten zu berücksichtigen, die in die verschiedenen Erzähl- und Bearbeitungsverfahren eingehen, und eine kriteriengestützte Modellierung von qualitativen Differenzen zwischen unterschiedlich nachhaltigen narrativen Bewältigungsmodi zu unternehmen. Eine weitere interessante Anschlussperspektive dieses narratologischen Projekts bestünde darin, eine Vernetzung mit Fragen und Befunden zur Psychose als interaktiver Kommunikationsform herzustellen, etwa im Kontext der bedauerlicherweise vollkommen außer Konjunktur geratenen Doppelbindungs-Theoreme, der psychoanalytischen Begriffe der Gegenübertragung (KÖNIG 1998; MENTZOS 1992, 2000) und projektiven Identifizierung (ROHDE-DACHSER 2004; KERNBERG, DULZ & SACHSSE 2000). Hingegen ist der Versuch einer Systematik nach den rhetorischen Grundverfahren der Metapher und der Metonymie seit der im Wesentlichen von LAKOFF und JOHNSON in den 1970er Jahren angestoßenen Diskussion zwar stets grundsätzlich bedenkenswert, wie man an der älteren und jüngeren Metaphernforschung ablesen kann (vgl. BUCHHOLZ 1993, 2003; ferner SCHMITT 2000, 2003); für das vorgelegte Material hingegen ist sie jedoch nicht wirklich schlüssig und eigentlich auch nicht notwendig. [13]

In ähnlichem Zusammenhang widmet sich Irene KÜHNLEIN in einer biografisch-narrativen Langzeitstudie der Frage, wie ehemalige Klienten einer Psychotherapiestation Jahre später ihre Störung und ihren stationären Aufenthalt beurteilen und ihr weiteres Leben perspektivieren. Der Überblick über eine monografisch veröffentlichte Untersuchung verweist auf vier Typen und spezifiziert sie anhand der Aspekte (1) der biografischen Konstruktionsmuster sowie Deutungs- und Handlungsschemata, (2) der Einschätzung der psychischen Störung und der Psychotherapie und (3) der Handlungsorientierung für die Zukunft. Die biografischen Erzählungen blieben über mehrere langfristige Zeitintervalle hinweg stabil. [14]

Vor dem Hintergrund seiner Arbeit mit schweren Beziehungs- und Persönlichkeitsstörungen konzentriert sich Ulrich STREECK auf die nichtsprachliche (bzw. präsymbolische) Interaktionsebene des "körperlichen und gestischen Verhaltens" und visiert dabei eine Mikroethnografie von psychotherapeutischen "Mikrowelten" an (S.176). Dabei bezieht STREECK eine klare Position für die detailgenaue Übertragungsanalyse des (Aus-) Agierens im Hier und Jetzt (versus dem klassisch-analytischen Insistieren auf dem Schlüsselbegriff der "verschütteten Kindheitserinnerung", S.177) und formuliert einen Narrationsbegriff, der alle Ebenen der menschlichen Interaktion gleichberechtigt mit einbezieht, auch das nonverbale, paralinguistische Körperinteraktionsverhalten. STREECK verweist auf die Boston Change Process Study Group (NAHUM & CPSG 2002), die, in der Tradition der phänomenologischen Soziologie und des symbolischen Interaktionismus stehend, die videografierten Mikroereignisse der "split-second-world" neben den manifesten Erzählungen der Psychotherapie beleuchtet (S.179). Anhand des Transkripts eines therapeutischen Dialogs mit einer Patientin, die unter schweren Angststörungen leidet, werden einige exemplarische Distanzsicherungs- und Zugänglichkeitssignale aufgeführt. In dieser notwendigen Spannweite des Narrationsbegriffs weiß STREECK sich einig mit der jüngeren analytischen Körperpsychotherapie (vgl. GEIßLER 2002). [15]

Wer die Unerlässlichkeit von video-gestützter Psychotherapieforschung erkennt, muss freilich auch den Einfluss des triadifizierenden Elements von Tonband/Videokamera auf die Interaktion in der Therapiesitzung bedenken. In ersten, explorativen Beobachtungen richten GRIMMER und SPOHR den Blick auf die Aushandlungssequenzen, in denen Therapeut/in und Patient/in über die Präsenz der Aufnahmekameras und die verdeckte Teilnahme des Aufzeichnungstechnikers sprechen. Dabei wird zumeist versäumt, bereits diese Vorgespräche als interaktionsanalytisch hoch aufschlussreiche Schlüsselszene zu erkennen, was vielleicht auch mit unartikulierten Unsicherheiten seitens der Therapeut/inn/en zu tun hat, die dergleichen Dokumentationsmöglichkeiten überwiegend ablehnend gegenüberstehen – zu unangenehm ist die Aussicht, "das professionelle Ich-Ideal" in unliebsame Konfrontation mit der Wirklichkeit zu bringen (S.195). Eine profunde Erforschung dieser wichtigen Frage steht noch aus. In theoretischer Hinsicht könnte sich der psychoanalytische Begriff der Triangulierung (SCHON 1995, 2000) als hilfreich erweisen. [16]

3. Narratologische Anwendungen und/oder tiefenpsychologische Fundierung

Eine interessante praktische Anwendung und Erweiterung der narrativen Erhebungsverfahren kommt aus dem Bereich der betrieblichen Organisationsberatung. Michael DICK stellt ein Verfahren des triadischen Gesprächs vor, das das Ziel hat, die Weitergabe von auf komplexen Praxiserfahrungen basierendem, nicht formalisiertem Wissen in der Planungs- und Produktionsarbeit von Wirtschaftsbetrieben zu unterstützen. Dabei wird auch hier das Erzählen als derjenige Äußerungsmodus erkannt und genutzt, der den relativ besten Zugang zum informellen persönlichen Erfahrungswissen hat. Die klassische Struktur des narrativen Interviews, das Zwiegespräch, wird erweitert zu einem Triadengespräch. Es besteht aus einem "Experten/Erfahrungsträger", einem "Novizen" und einem "Laien"/"methodischen Zuhörer", der mittels verschiedener Interventionen das optimale Verstehen zwischen den beiden betrieblichen Teilnehmer/inne/n sichert. Das empirische Material unterstreicht, dass die intensivere Interpunktion durch Nachfragen und Kommentare von dritter Seite aus den Erzählfluss des "Experten" nicht stört, sondern im Gegenteil den Austauschprozess und die Erfahrungsvermittlung bestmöglich optimiert: Triadische Narration sichert die Erschließung und Vermittlung von Erfahrungswissen. Der psychoanalytische Begriff der Triangulierung, der die tiefenpsychologische Dimension der intrapsychischen Beziehungsrepräsentanzen ergänzen könnte, wird auch hier nicht herangezogen, wäre aber sicherlich hilfreich, um die verschiedenen persönlichkeitsbedingten Wechsel- und Störfälle, die bei der Umsetzung auftauchen mögen, besser zu begreifen. [17]

Die Unverzichtbarkeit der tiefenpsychologischen Forschungsdimensionen wird an einem bemerkenswerten Kommunal-Projekt der tiefenhermeneutischen Interview-Erhebung deutlich, die Stephan MARKS mit dem Personenkreis der "[ehemaligen] Anhänger und Unterstützer des Nationalsozialismus" durchführt. Die außeruniversitäre Initiative "Geschichte und Erinnerung" führt Zeitzeugen-Interviews sowie ergänzend mehrgenerationale Gesprächs- und Erzählkreise zum Thema durch. Im Zentrum des Aufsatzes steht die Beobachtung, dass viele Interviewer/innen starke Gegenübertragungsgefühle der Scham empfanden. Klinisch-theoretisch und intuitiv plausibel ist dabei die Anwendung eines Begriffs der Schamkultur und seine Ableitung aus endemischen, die gesamte Alterskohorte betreffenden frühen Beziehungsstörungen im nonverbalen (Augen-) Kontakt. Das klinische Wissen um die intensiven Aggressions- und Spaltungsübertragungen, die im Bereich der so genannten Frühstörungen auftreten können, lassen das Konzept der Schamgesellschaft (das mitunter auch in Debatten über religiösen Extremismus Verwendung findet) in der Tat als aussichtsreich erscheinen, um die unerhörte Erniedrigungs- und Destruktionsdynamik des Nationalsozialismus psychoanalytisch vertieft begreiflich zu machen. [18]

Freilich lässt die mangelnde Verfahrenstransparenz von Arbeiten, die in der Tradition der LORENZERschen Tiefenhermeneutik stehen, auch hier die methodologischen Schwierigkeiten der angemessenen Erhebung und Erarbeitung von tiefenpsychologischen Befunden erkennen. Kein noch so hoher Aufwand an Einzel- und Teamsupervision kann die Äußerung von bestimmten Gegenübertragungsgefühlen zu mehr machen als sie sind: subjektive Feststellungen, die nicht weiter geprüft und trianguliert sind; deshalb ist der geringe Geltungsanspruch einer – stets potenziell grandiosen – hermeneutischen Setzung auf diese Weise nicht zu überbieten. Umso bedauerlicher ist, dass sich die Tiefenhermeneutik seit den 1970er Jahren nicht wesentlich weiterentwickelt hat und z.B. die so nahe liegende Möglichkeit eines engeren Austausches mit den qualitativen Methoden wahrnahm.1) Die zentrale Frage der Zukunft ist hier, wie sich die Perspektiven und Ressourcen der Psychoanalyse mit denjenigen Ansätzen der qualitativen Sozialforschung verbinden lassen, die hohen Standards der methodischen Kontrolle und intersubjektiven Prüfbarkeit genügen. Ein Beitrag, der hierzu wegweisend ist, ohne das Stichwort der Psychoanalyse oder Tiefenhermeneutik auch nur nennen zu müssen, ist der oben dargestellte von JESCH, RICHTER und STEIN. [19]

Dass die allgemeine methodologische Entwicklung in den Gesellschaftswissenschaften die älteren Hermeneutiken zu mehr Verfahrenskontrolle und -transparenz animiert und im Austausch dafür bereit ist, sie in hoch formalisierte Operationen der qualitativen Forschung mit einzubeziehen, zeigen Matthias SCHMUTZ und Reinhard E. GANZ, die anhand ihrer Studie über dissoziative Anfälle die methodologischen Dimensionen des diagnostischen Arbeitens mit der Operationalisierten Psychodiagnostischen Diagnostik (OPD) darstellen. Die "Mittelstellung zwischen idiographischer Darstellung" von individueller Psychodynamik einerseits und "kategorial-beschreibender psychiatrischer Diagnostik" andererseits (S.383) macht die OPD zu einem "semi-quantitativen/semi-qualitativen Erfassungsinstrument", das sowohl empirischen als auch psychoanalytisch-psychodynamischen Kriterien genügen kann (S.396), wenngleich freilich von beiden wissenschaftstraditionell sehr unterschiedlichen Bereichen methodologische Kritik eingebracht wird. Während aber die einen erwartungsgemäß die eingeschränkte "empirische Überprüfbarkeit" und die anderen die mangelnde "historisch-biografische Dimension und das Fehlen der Berücksichtigung des dynamisch Unbewussten" monieren (S.388), werden doch auch die analytischen Potentiale der OPD für die Narrationsanalyse deutlich. Die in den gängigen diagnostischen Manualen verwaisten Hysterien bzw. die "psychogenen nicht-epileptischen Anfälle" stellen eine geeignete Herausforderung für die Arbeit mit der OPD dar, denn sie bilden offensichtlich "keine nosologische Einheit" und gehören "unterschiedlichen Störungsbildern" an, in denen jedoch die "Versorgungs-Autarkie-Konflikte" und die "ödipal-sexuellen Konflikte" auf allen psychischen Strukturniveaus eine herausragende Rolle spielen (S.395). [20]

Peter KAISER stellt sein Verfahren der "genografischen Mehrebenenanalyse" zur "qualitativen Familienforschung" in einen ausdrücklich narratologischen Kontext. In induktiver, einzelfallbezogener Arbeit wird die "Funktionstüchtigkeit" und "Lebensqualität" in Familien – bezüglich der Bewältigung von entstandenen existenziellen "Situationen" und eigenen, selbstdefinierten "Vorhaben" (S.402) – rekonstruiert. Für den Aspekt der Erzählung ist zentral, dass dies nicht nur durch die Herstellung eines formalen Familiengenogramms geschieht, sondern durch eine umfassende "Lebensweltanalyse" auf verschiedenen Mikro-, Meso- und Makroebenen der Familie, deren wichtigstes methodisches Instrument das genografische (Gruppen-) Interview darstellt. Hierbei wird im narrativen, mitunter frei assoziativen Gespräch mit Familienangehörigen ein Genogramm und eine Familienzeittafel erarbeitet, wobei auch auf nonverbale Interaktionsebenen geachtet wird. Ferner kommen Skulpturtechnik, Traumanalyse, Focusing und weitere therapeutische Verfahren zur Anwendung, so dass eine erschöpfende Sicht auf die spezifischen, mehrgenerational bedingten Funktionsregeln der familialen Interaktion gewonnen werden kann, anhand derer die jeweiligen Ausgangsbedingungen für die "Funktionsfähigkeit, Gesundheit und Kompetenz der Angehörigen" erkennbar werden (S.415). KAISER unterstreicht die Bedeutung einer "fundierten psychotherapeutischen Kompetenz" für Erhebung und Auswertung (a.a.O.), was im Allgemeinen einleuchtend sein mag, jedoch an methodologischer Transparenz zu wünschen übrig lässt. Auch wirken die rekurrenten Verweise auf "genetische Dispositionen" und "biologische Faktoren und Prozesse, vor allem des Gehirns," etwas anschlusslos (S.409). Sie berühren aber die Substanz des Ansatzes nicht und sind wohl konjunkturellen Verpflichtungsgefühlen in einer von medizinalen Institutionen und Ideologien bestimmten Wissenschaftslandschaft geschuldet. [21]

Die narratologische Perspektive führt Jörg FROMMER zur Anwendung eines biografiewissenschaftlichen Konzepts der lebensgeschichtlichen Verlaufskurve auf Phänomene depressiven Erlebens (S.297f.). Übergreifendes Ziel ist es, "Biografie, Persönlichkeit, verstanden als geronnene Form biografischer Erfahrung, und Symptomentwicklung", verstanden als sozialer und interaktionaler "Prozess", in einem Zusammenhang zu begreifen und für die Interaktions- und Therapieforschung fruchtbar zu machen. Die eindrücklich dokumentierte Fallgeschichte einer depressiven Patientin erweist die Psychodynamik der Größenselbstbildung, Idealisierung und Entwertung anderer wie auch von unbewussten Beziehungsambivalenzen, dem Fixiertsein an feste Rollen- und Wertvorstellungen bei gleichzeitiger Verdrängung von aggressiven Impulsen gegen die idealisierten Konstrukte (S.306f.). Diese psychodynamischen Kennzeichnungen werden ausdrücklich in einen lebensgeschichtlichen Zusammenhang mit den "frühen Kommunikationsstrukturen" der Herkunftsfamilie, insbesondere des "mütterlichen Gegenübers" (S.300) gestellt, die in diesem Fall als "enge, unaufgelöst-symbiotische Beziehung" einer überfordernden Parentifizierung des Kindes gestaltet waren. Diese Beziehungsstruktur konnte sich auch in der späteren biografischen Entwicklung der Patientin kaum erweitern und bedarf deshalb eines – zu dokumentierenden – "Wandlungsprozesses" des therapeutischen Durcharbeitens. [22]

Nicht auf den ersten Blick erkennbar ist die tiefenpsychologische Dimension in Cornelia FISCHERs und Jürgen STRAUBs Untersuchung zu Interaktionen der interkulturellen Beratung im Bereich der Integration von Russlanddeutschen in der Bundesrepublik Deutschland. Auf der Basis eines konsequent handlungstheoretischen Begriffs von Kultur als explizitem und implizitem Interaktionswissen (S.251) wird die narrativ erhobene Fallgeschichte einer seit vielen Jahren in der Beratung tätigen Russlanddeutschen geschildert und auf einen Begriff der "transitorischen Identität" gebracht, die, "mehr als bloße Rollendistanz", eine "Distanz zu sich selbst" impliziert, basierend auf Identifizierungen, die "vielfach 'durchkreuzt' und unterminiert" sind (S.269f.). Die hierdurch grob bezeichnete "interkulturelle Kompetenz" ist freilich für "moderne Gesellschaften" überhaupt typisch und müsste genauer spezifiziert werden, um sagen zu können, ob sie von BOOTHEs "narrativer Kompetenz" oder von anderen psychoaffektiv versierten Handlungs- und Reflexionskompetenzen überhaupt prinzipiell zu unterscheiden ist bzw. unterschieden werden muss. [23]

Dies beklagt auch Barbara ZIELKE, deren Erörterung die theoretischen Implikationen einer "psychoanalytischen interkulturellen Psychotherapie" sondiert und dabei die Bedeutung der Kenntnis von "typischen Übertragungs- und Gegenübertragungsszenen in interkulturellen Konstellationen" hervorhebt (S.286). Das implizite Wissen und prozedurale Können von im interkulturellen Feld tätigen Psychotherapeut/inn/en beinhaltet deshalb neben dem "Kulturstandardwissen" ein "kulturspezifisches Gegenübertragungswissen" (S.291), insbesondere die Kenntnis über die stets von Spaltungsprozessen bedrohte Kompetenz des Fremdverstehens. Damit freilich sind im Grunde auch alle theoretischen Ressourcen der jüngeren psychoanalytischen und experimentellen Entwicklungs- und Bindungsforschung aufgerufen. Und dies spricht m.E. letztlich gegen alle übergroßen Ambitionen der eigenständigen grundlagentheoretischen Abgrenzung von Einzelbereichen der Interaktionsforschung, die ja häufig auch institutionsdynamisch bedingten Impulsen der Profilierung und strategischen Markierung von eigenen Forschungsdomänen geschuldet sind. Zielführender scheint es mir, sich auf der Grundlage einer gemeinsamen, tiefenpsychologisch versierten narratologischen Metatheorie in verschiedenen Anwendungsfeldern mit vereinten Kräften um eine möglichst genaue und transparente Erarbeitung von empirischem Material aus narrativen Interaktionen zu bemühen und deren feinanalytische Auswertung auf der "Zug-um-Zug"-Ebene (S.285) bzw. in der "split-second-world" des Geschehens (STREECK, S.179) voranzutreiben. Die Geistes-, Sprach- und Literaturwissenschaften würden sich hier durch eine Besinnung auf die textnah arbeitenden Verfahrenstraditionen der Interpretation und sprachwissenschaftlichen, interaktionalen Analyse einbringen können (vgl. JESCH et al.), die dann jedenfalls keinem textimmanenten oder deskriptiven Ansatz mehr folgten. [24]

4. Diskussion: Qualitative Psychotherapie- und Interaktionsforschung im Konzert der narratologischen Wissenschaften vom Menschen

Die vorgelegte Sammlung von Konferenzbeiträgen folgt einem erfreulich weiten Begriff von "qualitativer Psychotherapieforschung", der es erlaubt, in explorativer Weise die Fühler in ganz verschiedene Bereiche von Interaktionsforschung auszustrecken. Insgesamt wird deutlich, dass qualitative Narratologie als bereichsübergreifende Wissenschaft vom menschlichen Erzählen das am meisten geeignete theoretische und methodologische Bindeglied der verschiedenen Arbeitsfelder darstellt. [25]

Darin spiegelt sich auch ein Aspekt der jüngsten Wissenschaftsentwicklung wieder, die doch inzwischen in verschiedenen akademischen Feldern dazu geführt hat, dass sich eigenständige Ansätze und Methodologien der Erzählforschung gebildet haben. In der Biografieforschung war ein narratologisches Gegenstands- und Methodenverständnis schon immer selbstverständlich. Denn diese erarbeitete ihre Schlussfolgerungen über Lebensläufe auf der Grundlage von ausführlichen biografischen Stehgreiferzählungen, d.h. von mündlich gegebenen Interviewäußerungen von Personen, die ihr Leben erzählen und dadurch unwillkürlich in eine bedeutsame narrative Gestalt bringen (vgl. z.B. SCHÜTZE 1976, 1977, 1983; ROSENTHAL 1995 oder LUCIUS-HOENE & DEPERMANN 2002). Dabei konnte auf der narratologischen Psychologie (POLKINGHORNE 1988, 1998) und auch auf der Philosophie (RICOEUR 1991) aufgebaut werden, die den Grundsatz von der narrativen Verfasstheit des menschlichen Selbst am konsequentesten formuliert hat. Hier nämlich wurden die mentalen und interaktionalen Prozesse der Narration als der Grundeinheit des menschlichen Wahrnehmens, Denkens und Handelns überhaupt erkannt und der Mensch als "Homo Narrator" begriffen (BOESCH 2000). [26]

Die narratologisch-rekonstruktive Interaktionsforschung umfasst seither auch junge Forschungsbereiche wie z.B. die experimentelle Entwicklungspsychologie und die Kleinkind- und Säuglingsforschung, die sich in jüngerer Zeit konsequent auf eine narratologische Theorieplattform begeben haben und in feinteiliger, video-analytisch gestützter Rekonstruktion der interaktionalen Dynamik zwischen dem Kleinkind und seiner Umgebung nachgehen (STERN 1992, 2005; DORNES 1993; GROSSMANN 2001). Mithin wurde schon für Kleinkinder vor dem Spracherwerb eine narrative Struktur der Psyche angenommen und von "proto-narrativen Hüllen" ("proto-narrative envelops") gesprochen, unter denen man einfache narrationsähnliche Denk- und Wahrnehmungsmodi versteht. [27]

Das theoretische Konzept von der Narration als Grundstruktur der menschlichen Psyche und Interaktion hat sich als so fächerübergreifend erfolgreich erwiesen, dass sich inzwischen vor allem die neueren psychotherapie- und sozialwissenschaftlichen Bereiche wie z.B. die Therapie der schweren Persönlichkeitsstörungen (vgl. oben STREECK) oder die analytische Körperpsychotherapie (GEIßLER, insbes. 2002) ausdrücklich in die narratologische Nachfolge Daniel STERNs stellen. Also auch eine Therapierichtung, die sich vorwiegend mit körperlichen und körperagierenden Äußerungsformen von Patient/inn/en beschäftigt und körpertherapeutische Interventionen in der analytischen Behandlung einsetzt, begreift die mutmaßlich so konkreten Phänomene der körperlichen und gestischen Reflexe als proto-symbolische Ausdrucksformen in einem narrations- und übertragungstheoretischen Zusammenhang der Ko-Narration. Für den Bereich der psychoanalytisch orientierten Psychosomatik lässt sich Ähnliches feststellen: Hier wird dem eigentlich genuin narratologischen Begriff der Symbolisierung bzw. Mentalisierung von erlebter (Früh-) Erfahrung gefolgt (vgl. HIRSCH 2002, dort insbes. BÖHME-BLOEM), worunter diejenigen Prozesse verstanden werden, in denen interaktionale und körperliche Erfahrungen in verschiedenen Entwicklungsschritten mentalisiert werden, d.h. in psychische und narrative Strukturen umgesetzt und damit erst ausdrucksfähig und für die sprachgeleitete Auseinandersetzung zugänglich werden. [28]

Diese narratologische Theorieperspektive beginnt heute auch in den Gesellschaftswissenschaften im engeren Sinn Früchte zu tragen. So z.B. formulierte der Psychohistoriker Jürgen STRAUB "Grundzüge einer narrativen Psychologie historischer Sinnbildung" und begreift das "historisch-narrative Denken als einen spezifischen Modus menschlicher Intelligenz", die wie jede Form von Intelligenz der aktiven Entwicklung und Pflege bedarf (1998, S.93). Im Verweis auf den bereits genannten POLKINGHORNE wie auch auf Jerome BRUNER (1997, S.19) unterstreicht STRAUB, dass "Erleben bzw. die gelebte Erfahrung eine pränarrative Qualität besitzen" und bezieht sich auf die Erkenntnisse über die "vorsprachliche Bereitschaft zu erzählen". Narration ist also "nicht nur Struktur des Handelns, sondern kognitives Schema und Modus des Denkens" (a.a.O., S.83). Mithin ist Narration auch der Modus, in dem sich "historische Sinnbildung und aktive Konstruktion [von] historische[n] Wirklichkeiten" vollzieht (a.a.O.). [29]

Für die Geschichtswissenschaft im Speziellen bedeutet dies, dass sie nicht mehr nur mit der großen Welt- und Staatengeschichte, sondern auch mit den kleinen Geschichten und Anekdoten beschäftigt, die von Zeitzeugen einer historischen Phase berichtet werden und Aufschlüsse weniger über die makrologischen und institutionsdynamischen Ereignisverläufe, als über die Bandbreite der subjektiven Wahrnehmungen und persönlichen Motive der Beteiligten geben. Dabei soll der narrative Turn zu verhindern helfen, dass die Historiografie nur als eine "subtile Form von Legitimationswissenschaft" agiert (KROVOZA 2003, S.933.), eine Befürchtung, mit der sich sicherlich auch alle anderen Text- und Geisteswissenschaften auseinandersetzen müssen. Die "Änderung der Art und Weise, wie Geschichte betrieben wird" (a.a.O.), bezieht also die subjektiven Geschichtsnarrative mit ein; und erst so kann sie der ihr abgeforderten Funktion, "eine kulturelle Praxis der Enttraumatisierung" zu sein, in effektiver Weise nachkommen (KROVOZA 2003, S.933). [30]

Von dieser Perspektive aus besehen wird deutlich, was den Band von Vera LUIF, Gisela THOMA und Brigitte BOOTHE zusammenhält und dass, wem die Beiträge mitunter als (zu) heterogen erscheinen mögen, zu berücksichtigen hat, dass jene bereichsübergreifende Narratologie sich erst voll entwickeln muss. Und in welchem Umfeld sollte die genannte Ambition der kulturellen Enttraumatisierung fruchtbarere Anbindung finden als im weit gefassten Feld der qualitativen Psychotherapieforschung? – Stellt sie doch, wenngleich nach wie vor unerkanntermaßen, eine Basiswissenschaft für alle Gesellschafts- und Geisteswissenschaften dar, freilich nur insofern diese sich als handlungs- und nicht nur als texttheoretische Wissenschaften begreifen. Würden doch z.B. die Literaturwissenschaften, insbesondere in ihrem pädagogischen und schuldidaktischen Anspruch, ohne Frage für sich beanspruchen, nicht nur eine kultivierende/zivilisierende Kraft, sondern auch "eine kulturelle Praxis der Enttraumatisierung" zu sein (KROVOZA 2003, S.933). [31]

Nirgends so wie in diesem Bereich jedoch wird auch augenscheinlich, wie weit der zu gehende Weg noch ist, um eine bereichsübergreifende handlungstheoretische und interdisziplinäre Wissenschaft vom menschlichen Erzählen und Interagieren zu konstituieren. Wenn nämlich STRAUB beklagt, dass die "narrative Psychologie […] im deutschsprachigen Raum vergleichsweise unterentwickelt" ist (S.103), trifft dies insbesondere auch auf ihre Anwendungen in den Geschichts- und Gesellschaftswissenschaften zu. Wenn ferner JESCH, RICHTER und STEIN (S.47) im hier besprochenen Band an die Mahnung der Linguistin Uta QUASTHOFF (1980, S.131) erinnern, dass sich die literaturwissenschaftliche Erzählforschung nicht darin einrichten sollte, "den großen und wichtigen Bereich menschlicher Handlungen als wissenschaftlicher Erklärung nicht zugänglich zu deklarieren", dann ist dies doch genau das, was bis in die jüngste Zeit der Fall ist. Und wenn selbst ein renommierter Fachvertreter wie Thomas ANZ dazu auffordert, über die Frage hinauszugehen, "was literarische Texte bedeuten und wie sie ihre Bedeutung hervorbringen", wenn er des Weiteren fordert, sich vielmehr handlungstheoretisch "mit Texten und mit Menschen" zu befassen und dabei zu untersuchen, welche "Lustangebote", d.h. Angebote der spezifischen psycho-affektiven Befriedigung von individuellen und kollektiven Bedürfnissen Texte bereitstellen (ANZ 1998 S.229f.), dann ist dies genau das, was nicht geschieht, oder wenigstens nicht in systematischer, interdisziplinär vernetzter und angemessen methodengesicherter Weise. Tief verwurzelte philologische Verfahrenstraditionen verhindern, sich mit ANZ zu erinnern, dass die Philologie schon seit den Ursprungszeiten neuzeitlicher Ästhetik, z.B. mit Carl Philipp MORITZ' Erfahrungsseelenkunde, "von Beginn an auch eine psychologische Disziplin war" und dass deshalb das "dritte Fundament literaturwissenschaftlicher Forschungen" die "empirische Psychologie" sein muss (a.a.O.). [32]

Die im vorliegenden Band von JESCH et al. aufgewiesene Möglichkeit einer interdisziplinären narratologischen "Kooperation", von der "sowohl die [philologische] Erzählforschung als auch die Psychotherapieforschung profitieren [könnte]" (S.40) – sie liegt eigentlich so nahe und ist dann doch auch wieder so unerreichbar fern (vgl. WEILNBÖCK 2005, 2006a, 2006b). Bezüglich der allgemeinen geistes- und literaturwissenschaftlichen Fachtraditionen muss hier also mit einiger Aufrichtigkeit und Illusionslosigkeit eingestanden werden, dass z.B. die Mainstream-Literaturwissenschaft, von vereinzelten und zukunftsweisenden Ausnahmen wie JESCH et al. abgesehen, kaum in der Lage und vor allem auch nicht recht willens scheint, sich mithilfe ihrer psycho- und pragma-linguistischen sowie literaturpsychologischen Randbereiche im Kontext einer qualitativ-empirischen Interaktions- und Kulturforschung einzubringen. [33]

Darüber hinaus findet sich sogar Anlass zur Überlegung, ob jenseits der allgemeinen philologischen Nicht-Beteiligung abträgliche Streuwirkungen der Philologien auf andere Fächer zu befürchten stehen. Denn manchmal werden geisteswissenschaftliche Theoreme und Interpretationstraditionen, gerade solche, die von sich als kulturtheoretische Avantgarden verstehenden Denkschulen stammen, von empirischen Forscher/inne/n aufgegriffen. Und diese scheinen den angezielten Erkenntnisgewinn nicht selten eher zu behindern als zu befördern. Z.B. verweist im hier besprochenen Band das Autorenteam um den Arzt und Psychosomatiker Burkhard BROSIG für die Auswertung von Interviews mit Langzeitüberlebenden eines malignen Melanoms auf die "dekonstruktive psychoanalytische Hermeneutik", wie sie sonst nur von einigen Kulturwissenschaftler/inne/n eingesetzt wird; und man wendet sich hierbei mit ausdrücklich kritischer Emphase gegen die "objektivierende Pose in der qualitativen Forschung" (BROSIG, PAPAVASSILIS & MÖHRING, S.418f.) und möchte dem Text "möglichst wenig Gewalt [antun]", im Sinne der "Zurichtung […] auf die eigenen Begriffe" (S.419). [34]

Nichtsdestoweniger oder gerade deshalb jedoch hätte man dem Projekt gerne eine andere, nüchternere theoretische Inspiration gewünscht, die zu konkreteren und intersubjektiv prüfbaren Ergebnissen führt. Denn der hier eingesetzte dekonstruktive Gestus will, mit dem DERRIDA der 1970er Jahre, die Text-"Betrachtung […] auf die Spitze [treiben], bis sich die Logik des Textes, radikal weitergesponnen, zum Kollaps hinbewegt", wobei "sich diese Verwerfungen des Textes als Sinnbrüche, als tektonische Spannungen […] beschreiben lassen" sollen (S.421). Dies ist eine nicht wenig "Gewalt"-latente methodische Absichtserklärung! Umso mehr hätte der Gegenstand von BROSIG et al., der hier eben nicht nur philosophische und literarische Texte sind, etwas mehr "objektivierende" Denkverfahren und qualitative Methodenkontrolle verdient, und die Darstellung der interessanten Fallgeschichte mehr als eine Textseite. [35]

Umso hoffnungsvoller ist, dass im Rahmen der qualitativen Forschung in den verschiedenen psycho- und sozialwissenschaftlichen Untersuchungsbereichen auf der grundlagentheoretischen Basis der Narratologie sich eine handlungstheoretische Hermeneutik herauszubilden beginnt, die für die Gesellschaftswissenschaften insgesamt impulsgebend und integrierend sein kann. Freilich wäre dann FROMMERs Feststellung, dass die "Biografie, die Persönlichkeit, verstanden als geronnene Form biografischer Erfahrung, und die Symptomentwicklung" einer Person zusammen zu denken sind, durch eine vierte Komponente zu ergänzen, nämlich durch die kulturellen, ästhetischen und medialen Interaktionen, an denen diese Persönlichkeit sich beteiligt und mithilfe derer sie ihre "Biografie" als narratives Konstrukt herausbildet. Einschränkungslos zuzustimmen ist jedenfalls, dass dergleichen Zusammenhänge bisher nicht "befriedigend phänomennah und interdisziplinär anschlussfähig konzeptualisiert und empirisch erforscht werden" (S.300). Der Auftakt ist also gesetzt. Integriert-interdisziplinäre Tagungen wie die der drei Wissenschaftlerinnen LUIF, THOMA und BOOTHE werden für die zu leistende Theorie- und Methodenentwicklung eine wichtige Rollen spielen. [36]

Anmerkung

1) Eine genaue wissenschaftstheoretische Einschätzung und Kritik der sozialwissenschaftlichen Anwendungen der Tiefenhermeneutik findet sich bei HECHLER (2005); für die literaturdidaktischen und literaturwissenschaftlichen Anwendungen vgl. JESCH (2003), WEILNBÖCK (2006a, 2006b) sowie HECHLER und WEILNBÖCK (2002). <zurück>

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Zum Autor

Harald WEILNBÖCK ist Germanist, Literatur- und Filmwissenschaftler sowie Gruppenanalytiker in freier Praxis; er hat am German Studies Department der University of California in Los Angeles mit einer literaturpsychologischen Arbeit über Friedrich HÖLDERLIN promoviert, habilitiert derzeit zum Thema "Borderline, literarische Interaktion in frühen Kriegsschriften Ernst Jüngers" an der philosophischen Fakultät der Universität Leipzig und führt in der Abteilung der klinischen Psychologie und Narratologie der Universität Zürich ein qualitativ-empirisches Forschungsprojekt der Europäischen Union (sechstes Rahmenprogramm, Marie-Curie) im Bereich der Literatur- und Medienforschung durch: "Narrative media interaction and psycho-trauma therapy". Hierbei werden Methoden und Ansätze der qualitativen Sozialwissenschaft, Tiefenpsychologie und Psychotraumatologie für Fragen der qualitativ-empirischen Literaturforschung in den Sektoren der Rezeptions- und Textanalyse furchtbar gemacht. In der vorangegangenen Ausgabe von FQS findet sich von Harald WEILNBÖCK der Rezensionsaufsatz: Auf dem steinigen Weg zur Einlösung eines lange währenden literaturwissenschaftlichen Desiderats.

Kontakt:

Dr. Harald Weilnböck (Ph.D.)

Institut für klinische Psychologie II
Universität Zürich
Schmelzbergstraße 40
8044 Zürich
Schweiz

E-Mail: hweilnboeck@gmx.de

Zitation

Weilnböck, Harald (2006). Erzähltheorie als Möglichkeit eines gemeinsamen Nenners von Humanwissenschaften. Review Essay: Vera Luif, Gisela Thoma & Brigitte Boothe (Hrsg.) (2006). Beschreiben – Erschließen – Erläutern. Psychotherapieforschung als qualitative Wissenschaft [36 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 7(3), Art. 22, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs0603226.



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