Volume 12, No. 2, Art. 19 – Mai 2011

Lebenswege und politisches Feld. Eine Analyse der Machtstruktur der SPD

Max Reinhardt

Zusammenfassung: Dieser Artikel thematisiert Methoden und Ergebnisse einer explorativen Studie über zwei Generationen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD). Dabei handelt es sich zum einen um ältere und jüngere Mitglieder der Nachkriegsgeneration, die als junge Soldaten oder als Kinder den Zweiten Weltkrieg miterlebten, und zum anderen um die Generation, die in den 1950er Jahren geboren wurde und seit einigen Jahren die Politik der SPD maßgeblich gestaltet. Ziel der Arbeit war es, die Repräsentationsfähigkeit der SPD am Beispiel ihrer Spitzenpolitikerinnen und Spitzenpolitiker im Generationenvergleich über eine Habitus‑/Feld-Analyse nach Pierre BOURDIEU mithilfe eines typologischen Stichprobeverfahrens herauszuarbeiten. Grundlage dieser Analyse waren teils biografische, teils themenzentrierte Interviews sowie zahlreiche Quellen und bereits erschienene Literatur über die Biografien der Spitzenpolitikerinnen und Spitzenpolitiker.

Der folgende Artikel, der auf meiner Dissertationsschrift basiert, konzentriert sich auf eine ausgewählte Darstellung der theoretischen Implikationen meines methodischen Vorgehens, auf die wesentlichen Kriterien für die Auswahl des Samples und einen Teil der angewendeten Methoden. Dazu zählen eine Analyse der Lebenswege, der Lebensweg- und Feldeffekte, der Faktionen und die Typenbildung von Spitzenpolitikerinnen und Spitzenpolitikern. Zur Veranschaulichung der Methoden präsentiere ich einige ausgewählte Ergebnisse. So zeigt sich, dass sich die Repräsentationsfähigkeit und Machtstruktur der SPD gewandelt haben und dadurch ihr Status als milieuübergreifende Volkspartei gefährdet ist.

Keywords: Biografie; Lebenswegeffekte; Einstellungsforschung; Feldforschung; Bourdieu; teilstandardisierte Interviews; Typenbildung; Parteien

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Implikationen und sozialer Wandel

3. Sample

3.1 Auswahlkriterien

3.2 Ältere Generation

3.3 Jüngere Generation

3.4 Geschlecht

4. Methode der Lebensweganalyse

4.1 Interviewmethode

4.2 Auswertungsmethoden und Typenbildung

5. Ausgewählte Ergebnisse

5.1 Ältere Generation

5.2 Jüngere Generation

5.3 Vergleich und abschließende Typenbildung

6. Schlussbetrachtung

Danksagung

Anmerkungen

Literatur

Zum Autor

Zitation

 

1. Einleitung

Die Ausgangshypothese meiner Dissertation war, dass die milieuübergreifende Repräsentation, wie sie für eine Volkspartei typisch ist, im Falle der SPD in der Zeit der rot-grünen Koalition auf der Bundesebene seit dem Rücktritt Oskar LAFONTAINEs, der dem linken Parteiflügel angehörte und Finanzminister und SPD-Vorsitzender war, im Jahre 1999 in eine Krise geraten sein könnte. Da es eine Krise der SPD auf der Ebene der Repräsentation durch die Spitzenpolitikerinnen und Spitzenpolitiker zu sein schien, die vor allem durch die gegen erheblichen Widerstand durchgesetzten Agenda 2010-Reformen ab 2003 verursacht wurde, habe ich mich entschieden, eine Untersuchung anhand von Interviews (2003-2006) mit SpitzenpolitikerInnen der Nachkriegsgeneration und der UrenkelInnengeneration1) durchzuführen (vgl. REINHARDT 2011). Eine Erklärung für die Wahlniederlagen und den Mitgliederschwund der SPD könnte sein, dass maßgebliche SpitzenpolitikerInnen der SPD Modernisierungsformen der sozialen Milieus und damit sozialen Wandel, der aus der Perspektive sozialer Milieus bereits schlüssig erforscht wurde (vgl. VESTER, VON OERTZEN, GEILING, HERMANN & MÜLLER 2001), aus ihrer Position heraus und vor dem Hintergrund ihrer Lebenswege (miss-) interpretiert haben. Für die WählerInnen spielen nach Michael VESTER und Heiko GEILING (2009) weiterhin die historisch entstandenen kulturell, regional, religiös und ökonomisch geprägten Konfliktlinien sowie das soziale Kapital der Parteien, das sich "immer nur persönlich in glaubwürdiger Rückkopplung mit der Praxis der sozialen Milieus" (S.45) realisiert, eine entscheidende Rolle für die Stimmabgabe. Demnach ist die SPD weiterhin die Partei, deren Kernklientel die ArbeitnehmerInnenmilieus sind, auch wenn sie als Volkspartei über diese Milieus hinaus auch weitere soziale Milieus mobilisieren kann. Die SPD hat allerdings einen erheblichen Teil ihrer Kernklientel enttäuscht und deshalb zahlreiche Wahlen seit 1998 und besonders deutlich die Bundestagswahl 2009 verloren, weil ihre StammwählerInnen sich der Wahl enthalten oder aber Grüne oder die Partei DIE LINKE gewählt haben (vgl. GARDEMIN & GEILING 2009, S.16-22; REINHARDT 2011). [1]

Ich habe deshalb die Repräsentationsfähigkeit der SPD anhand der Lebenswege, der Habitus sowie der politischen und religiösen Einstellungen von SpitzenpolitikerInnen untersucht. Ziel der Untersuchung war, Aufschluss darüber zu erhalten, inwieweit die SPD auf der Ebene der Spitzenpolitik noch zu einer milieuübergreifenden Repräsentation in der Lage ist und inwiefern sie ihre Kernklientel mobilisiert. Die Untersuchung war als explorative Studie angelegt, um Generalisierungen zur Repräsentanz, gemessen an den Positionen der SpitzenpolitikerInnen im politischen Feld, formulieren zu können (vgl. MAYRING 2007; KLUGE 1999). [2]

In Abschnitt 2 befasse ich mich mit den theoretischen Implikationen meines methodischen Vorgehens.2) Die Auswahlkriterien für das Sample werden in Abschnitt 3 ausgeführt. In Abschnitt 4 wird das methodische Vorgehen wie die Analyse der Lebenswege und die Typenbildung dargestellt.3) Die Typologien sollen nicht dazu dienen, "eine endlose Reihe von Ausnahmen von 'Realtypen' zu erfassen" (BOURDIEU 2000 [1971], S.15), sondern ihre Relationen herauszuarbeiten, um ein Feld von SpitzenpolitikerInnen zu erstellen.4) In Abschnitt 5 stelle ich einige ausgewählte Ergebnisse meiner Arbeit vor. [3]

2. Theoretische Implikationen und sozialer Wandel

Die Biografieanalyse ist ein wesentlicher Bestandteil meiner Arbeit, erfolgte aber nicht als Selbstzweck. Ich habe zwar biografisch gearbeitet und wesentliche Phasen der Biografien, die in Abschnitt 4.1 ausgeführt werden, rekonstruiert. Ziel der Arbeit war es, anhand eines Vergleichs des Interviewmaterials die "relative Stellung" der PolitikerInnen herauszuarbeiten, um keiner "biografischen Illusion" (BOURDIEU 1990 [1986], S.76) zu erliegen und Lebensgeschichten lediglich als linearen Ablauf zu interpretieren, dem ein konsistenter und konstanter Sinn innewohnt (BOURDIEU 1985, S.9f.). Ich habe Lebenswege5) im Sinne von Pierre BOURDIEU (1990 [1986]) als Bewegungen im sozialen Raum interpretiert, "die von einer Position zu einer anderen führen" (S.80), und die durch die Konstruktion der jeweilig historisch gegebenen Machtstruktur nachvollziehbar sind. Der vorliegende Artikel versteht Biografien nach BOURDIEU (1987 [1981]) als "akkumulierte Geschichte", die als Dispositionen im Habitus und den Einstellungen inkorporiert wird bzw. sich herausbildet (S.99-101). Nach VESTER et al. (2001) beginnt

"die Herausbildung des Habitus […] in den vordiskursiven Phasen der frühen Kindheit, in denen sich die Grundorientierungen der Körperhaltungen, der emotionalen Energie, des Geschmacks, der moralischen Prinzipien usw. entwickeln. Wenn hierfür Beruf und Habitus der elterlichen Familien wichtig sind, dann auf eine weniger bewusste, vorsprachliche Weise" (S.163-165). [4]

Um die Bedingungen der frühen Herausbildung der Habitus zu analysieren, habe ich auch die soziale Herkunft der SpitzenpolitikerInnen untersucht. Inkorporiert werden unterschiedliche Dimensionen des sozialen Raums. Nach VESTER et al. (2001, S.24f.) handelt es sich bei den Dimensionen im sozialen Raum

  • um das Feld der beruflichen Positionen im Erwerbssystem,

  • das Feld der korporativen Interessenvertretungen,

  • das Feld der politisch-staatlichen Repräsentationen und Institutionen,

  • das Feld des Habitus der verschiedenen Milieus,

  • das Feld der gesellschaftspolitischen Bewegungen und ideologischen Lager

  • und das Feld der Geschichte. [5]

BOURDIEU und WACQUANT (1996, S.124-131) unterscheiden verschiedene Felder wie z.B. das akademische, das künstlerische, das literarische, das politische und das religiöse Feld. "Die Grenzen des Feldes liegen dort, wo die Feldeffekte aufhören" (S.131). Der vorliegende Artikel analysiert in diesem Sinne die Machtstruktur des Felds der SPD nach Pierre BOURDIEU (2000 [1971]) als "Gesamtsystem der objektiven Relationen zwischen den Positionen" (S.15). Die Besonderheit des politischen Felds nach BOURDIEU (2001 [1981]) ist, dass zwischen Repräsentierten (WählerInnen) und RepräsentantInnen (PolitikerInnen) ein Bruch besteht, der umso größer ist, je abgeschlossener das politische Feld gegenüber der Partizipation der WählerInnen ist (S.68-72).6) [6]

Eine Veränderung der Feldstrukturen kann zu Lebenswegeffekten führen, die BOURDIEU (1987 [1979]) als kollektive Erfahrungen einer oder mehrerer Klassenfraktionen versteht, von denen auch individuelle Abweichungen möglich sind. Aus der Veränderung von Feldstrukturen, auf die ich in Abschnitt 5 eingehen werde, insoweit sie für die Lebenswege relevant waren, resultieren oftmals Ab- oder Aufstiegserfahrungen einzelner oder mehrerer Klassenfraktionen (vgl. S.707-719). [7]

VESTER et al. (2001) haben im Sinne der praxistheoretischen Methode BOURDIEUs für West- und Ostdeutschland anhand von repräsentativen Befragungen herausgearbeitet, dass sich die Traditions- und Distinktionslinien sozialer Milieus (Avantgarde, Bildungs- und WirtschaftsbürgerInnentum, FacharbeiterInnenschaft, KleinbürgerInnentum und Jugendmilieus) im Sinne einer Ungleichzeitigkeit und einer Koexistenz ständischer und facharbeiterischer Traditionen erhalten haben. Die sozialen Milieus haben sich aber in den letzten Jahrzehnten modernisiert. Das traditionelle, männlich geprägte Arbeitermilieu und der alte Mittelstand sind im Schrumpfen begriffen. Gleichzeitig haben sich infolge einer höheren Bildungsqualifikation und ‑anforderung sowie einer höheren Beschäftigungsquote von Frauen modernisierte ArbeitnehmerInnenmilieus der FacharbeiterInnenschaft und des KleinbürgerInnentums herausgebildet, die eine selbstbewusstere und weniger patriarchalische Form der Partizipation befürworten sowie ihre Ressentiments z.B. gegenüber AusländerInnen oder gegenüber Frauen abgemildert oder sogar abgelegt haben. Trotz höherer Bildungsqualifikationen und -anforderungen sind die Aufstiegswege weiterhin eingeschränkt und unterliegen den Distinktionsmechanismen im sozialen Raum, die nur von wenigen überwunden werden können (S.23-57 und 155-169). Das politische Feld bietet nach BOURDIEU (1987 [1979]) einigen AufsteigerInnen eine solche Aufstiegsperspektive, die aber wiederum unter dem Aspekt von Lebenswegeffekten analysiert werden sollte, um Fehlschlüsse bei der Interpretation von Biografien zu vermeiden. Diese Lebenswegeffekte infolge sozialen Wandels können zu einem Wandel politischer Einstellungen führen, die aus kollektiven oder individuellen Erfahrungen mit sozialem Wandel resultieren (vgl. S.707-719), wie ich in Abschnitt 5 exemplarisch ausführen werde. [8]

3. Sample

3.1 Auswahlkriterien

Die Auswahl des Samples erfolgte nach dem Kriterium der Zugehörigkeit zur Gruppe von SpitzenpolitikerInnen auf Bundesebene, den sozialstrukturellen Kriterien Generation, Geschlecht und der sozialen Herkunft sowie nach dem Kriterium der politischen Zugehörigkeit zu einer Strömung/Faktion der SPD. Ich habe die Auswahl der SpitzenpolitikerInnen aber nicht vor dem ersten Scouting der InterviewpartnerInnen, also der Anfrage für ein Interview, sondern im Sinne einer explorativen Studie Schritt für Schritt festgelegt, sodass erste Interpretationen der Interviews zur weiteren Auswahl wesentlich beigetragen haben. Die InterviewpartnerInnen haben die von mir verwendeten Interviewzitate autorisiert.7) [9]

Das Kriterium Spitzenpolitik lässt sich nicht einfach eingrenzen. In meiner Arbeit fasse ich darunter vor allem Ämter in der Exekutive und Legislative wie OberbürgermeisterInnen in den Kommunen, MinisterInnen in den Bundesländern und im Bund, MinisterpräsidentInnen, BundeskanzlerInnen, BundespräsidentInnen, BundestagspräsidentInnen, Vorsitzende der Bundestagsfraktion und Parlamentarische GeschäftsführerInnen. Präsidiumsmitglieder auf der Bundes- und Mitglieder des geschäftsführenden Vorstands auf der Landesebene haben Spitzenämter in der Partei inne und sind ebenfalls SpitzenpolitikerInnen, die in der Regel auch hohe Ämter in der Exekutive oder Legislative ausüben. Die Übergänge von SpitzenpolitikerInnen zu PolitikerInnen der mittleren Ebene und zu SpitzenbeamtInnen wie den StaatssekretärInnen sind allerdings zum Teil fließend, sodass es sich um eine idealtypische Einteilung handelt. Die Besonderheit von SpitzenpolitikerInnen ist aber, dass sie einen verfassungsrechtlichen Rang haben und über politische Entscheidungsbefugnisse verfügen, während SpitzenbeamtInnen, beispielsweise StaatssekretärInnen, eher TechnokratInnen sind, die allerdings mehr Entscheidungsbefugnisse als sonstige BeamtInnen haben. Sie unterliegen aber wie sie einer Verwaltungs- und Sachzwanglogik (vgl. WEBER 1988 [1919], S.524f.). Die Auswahl erfolgte vor allem nach dem Kriterium der Spitzenpolitik im Berliner Machtzentrum, wo die Bundespolitik maßgeblich entschieden wird, die auch zur Krise der Repräsentation durch die SPD geführt hatte. In einigen Fällen bin ich von der Definition der SpitzenpolitikerInnen abgewichen, insoweit es aufgrund anderer Faktoren angebracht schien, wie ich in Abschnitt 3.2-3.4 ausführen werde. [10]

Ich verwende den Begriff Generation im Sinne von Karl MANNHEIM (1970 [1928]), der zwischen dem potenziell gemeinsamen Schicksal ("Generationslagerung"), der gemeinsamen Partizipation ("Generationszusammenhang") und dem einheitlichen Reagieren ("Generationseinheit") unterscheidet (S.547-555). Der Begriff Generation sollte allerdings nicht die einzige Erklärung für gemeinsame Erfahrungen sein, da er ansonsten überinterpretiert werden könnte (vgl. REINHARDT 2002). Der Generationenbegriff kann helfen, sozialen Wandel und Modernisierungsformen zu analysieren. VESTER et al. haben in Zwei-Generationen-Interviews herausgearbeitet, dass sich Habitus und Einstellungen durch Reflexionen modernisieren können, jedenfalls innerhalb bestimmter Grenzen (2001, S.215-218). Deshalb habe ich auch die soziale Herkunft der SpitzenpolitikerInnen untersucht, soweit diese mir bekannt war, um den Startpunkt des Lebensweges herauszuarbeiten. Zwar sind nach BOURDIEU (1987 [1979]) "die Individuen nicht vollständig durch ihre Merkmale zu definieren, die sie zu einem bestimmten Zeitpunkt besitzen" (S.187). Die "Erwerbsbedingungen" "überdauern" aber, so BOURDIEU, "im jeweiligen Habitus" (a.a.O.). [11]

Ich verwende den Begriff der Generation als gemeinsame historische Erfahrung.8) Ich habe zwei Generationen von SPD-SpitzenpolitikerInnen ausgewählt: zum einen die Nachkriegsgeneration (1924-1937) und zum anderen eine UrenkelInnengeneration (1953-1959), um die Repräsentationsfähigkeit der SPD zu überprüfen und ihre Krise erklären zu können, die anhand der sinkenden Mitglieder- und WählerInnenzahlen deutlich wurde. Ich habe vor allem diejenigen ausgewählt, die die SPD-Politik auf Bundesebene maßgeblich mitbestimmt haben. Durch die innerparteiliche Balance war bei der Auswahl in der älteren Generation eine größere Heterogenität sinnvoller als bei der jüngeren Generation. Die Konflikte in der EnkelInnengeneration kumulierten in der Auseinandersetzung zwischen Oskar LAFONTAINE und Gerhard SCHRÖDER, bei der Letzterer nach dem Rücktritt von LAFONTAINE die SPD-Politik weitestgehend dominieren und eine Politik der Neuen Mitte gegen eine geschwächte SPD-Linke weitestgehend ohne innerparteiliche Kompromisse durchsetzen konnte. Diese Dominanz schien vor allem in der UrenkelInnengeneration noch deutlicher als in der EnkelInnenkohorte zum Tragen gekommen zu sein. Zudem war die UrenkelInnengeneration noch nicht untersucht worden, was den Anreiz für eine Untersuchung erhöhte. Es erfolgte bei der Auswahl der jüngeren Generation eine Konzentration auf diejenigen, die die Agenda 2010 maßgeblich befürwortet hatten. [12]

Ein weiteres Kriterium für die Auswahl und für die Relationen der Positionen im politischen Feld sind die Parteiflügel einer Partei. KÖLLNER und BASEDAU unterscheiden politische Strömungen von "personalisierten" oder "institutionalisierten Strömungen", die sie als Faktionen bezeichnen (2006, S.19). Die Genese des politischen Felds am Beispiel der Faktionen der SPD zeigt den Wandel der Machtstruktur des politischen Feldes anhand des Wandels der Relationen der Positionen der SpitzenpolitikerInnen auf. Für die ältere Generation sind die konservativen, regierungstreuen Seeheimer und der linke Frankfurter Kreis (FK) relevant. Beide entwickelten sich zu "institutionalisierten Strömungen" mit einem eigenen Programm, einem Vorstand oder einem SprecherInnengremium. Das Netzwerk Berlin wurde erst nach der Bundestagswahl 1998 gegründet und verfügt ebenfalls über ein SprecherInnengremium und eine Geschäftsstelle. Die Berliner Republik, die seit 1999 herausgegeben wird, ist die Zeitung der Netzwerker (vgl. SOLDT 2005). Sie unterscheiden sich von den Seeheimern in ihrem individualisierten Lebensstil und grenzen sich von dem "starr-hierarchischen Denken" der SPD-Linken ab (FORKMANN 2007, S.67). Das Forum Demokratische Linke 21 wurde 2000 als Verein gegründet und löste den FK als Faktion ab. Eine Analyse der innerparteilichen Balance der Faktionen gibt Aufschluss über die Machtstruktur der SPD und ihre Repräsentationsfähigkeit, auf deren Analyse ich in Abschnitt 5 noch näher eingehen werde. [13]

3.2 Ältere Generation

Als Erstes habe ich ein Interview mit Peter VON OERTZEN9) (1924-2008) als Repräsentanten einer sozialistisch-reformerischen SPD geführt, der zum Frankfurter Kreis zählte. Er war u.a. niedersächsischer Kultusminister mit dem Zuständigkeitsbereich Schule und Hochschule, Vorsitzender der niedersächsischen SPD und als Mitglied der Programmkommissionen der SPD maßgeblich für das Berliner Programm 1989 verantwortlich. Er war von der Bildungspolitik der SPD in Niedersachsen und der Sozial- und Wirtschaftspolitik der SPD auf Bundesebene so enttäuscht, dass er 2005 aus der SPD austrat und in die Partei Arbeit und soziale Gerechtigkeit – Die Wahlalternative (WASG) eintrat, die er 2006 wieder verließ, als sich eine Fusion mit der Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) zur Linkspartei abzeichnete, die er ablehnte. Er stammte mütterlicherseits aus einer bildungsbürgerlichen Familie mit Professoren und Künstlern sowie väterlicherseits aus einer Familie des niedrigen Adels mit Beamten- und Offizierstraditionen.10) [14]

Das zweite Interview habe ich mit dem früheren Vorsitzenden der sozialpartnerschaftlich orientierten IG Chemie – Papier – Keramik (IG CPK) und Seeheimer Hermann RAPPE (*1929) geführt, der eine eher konservative SPD repräsentiert(e) und als führender Gewerkschafter linke innergewerkschaftliche Oppositionsbildungen heftig bekämpfte. Er hatte zwar als Bundestagsabgeordneter kein Spitzenamt für die SPD inne, nahm aber als Vorsitzender des Bundestagsausschusses Arbeit und Sozialordnung sowie der Mitbestimmungskommission der SPD-Bundestagsfraktion entscheidenden Einfluss auf die Sozialpolitik der SPD. Er stammt aus einer Mündener Familie mit SozialdemokratInnen der ersten Stunde im 19. Jahrhundert. [15]

Die dritte Interviewpartnerin, Anke FUCHS (*1937), ist wie Hermann RAPPE Seeheimerin. Sie ist aber anders als dieser eine traditionelle Sozialdemokratin geblieben und tat bzw. tut sich mit wirtschaftsliberalen Reformen schwerer als Hermann RAPPE. Sie war u.a. Mitglied im Vorstand der IG Metall, Bundesministerin, Geschäftsführerin der SPD und Bundestagsvizepräsidentin. Der Vater von Anke FUCHS, Paul NEVERMANN, war Hamburger Senator und Erster Bürgermeister. [16]

Der vierte Interviewpartner, Hans-Jochen VOGEL (*1926), zählte wie Hermann RAPPE und Anke FUCHS ebenfalls zu den Seeheimern; er war sogar maßgeblich an ihrer Gründung beteiligt. Er stammt aber nicht wie die beiden aus einem sozialdemokratischen Elternhaus, sondern mütterlicherseits aus einer staatsloyalen, katholischen Familie mit einer Tradition staatlicher Ämter bis hin zum bayerischen Minister. Sein Vater war Privatdozent für Tierzucht an der Göttinger Universität und später Professor in Gießen. Hans-Jochen VOGEL war in seiner Zeit als Münchener Oberbürgermeister und Vorsitzender des SPD-Unterbezirks München ein entschiedener Gegner der linken JungsozialistInnen, die zum Teil systemüberwindende Vorstellungen vertraten. Er war u.a. Bundesminister, Regierender Bürgermeister von Berlin, Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, Kanzlerkandidat und SPD-Vorsitzender. [17]

Der fünfte Interviewpartner war Hans KOSCHNICK (*1929) als Vertreter einer unabhängigen linken SPD-Mitte, der Willy BRANDTs Kurs unterstützte und einen sozialintegrativen Kurs sowohl als Bremer Bürgermeister als auch als stellvertretender SPD-Vorsitzender vertrat. Der Vater von Hans KOSCHNICK war Redakteur der Arbeiter-Zeitung und Gewerkschaftssekretär der kommunistischen Revolutionären Gewerkschaftsopposition (RGO). Auch seine Mutter war für die RGO aktiv. [18]

Der sechste Interviewpartner war Ernst BREIT (*1924) als Repräsentant der Spitzengewerkschafter in der SPD, der zwar keine Ämter in der SPD innehatte, aber nach seiner Zeit als Vorsitzender der Deutschen Postgewerkschaft (DPG) und des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) stellvertretender Vorsitzender der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung wurde. Er stammt zudem anders als FUCHS und RAPPE aus keinem sozialdemokratischen Elternhaus: Ernst BREITs Vater war Werkzeugmachermeister und Mitglied der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP). Sein Fall ermöglichte insofern eine Kontrastierung11), sodass ich ihn ausgewählt habe, obwohl er nicht der Definition eines Spitzenpolitikers auf Bundesebene entsprach. [19]

3.3 Jüngere Generation

Da das Ziel meiner Untersuchung eine Analyse der Krise der SPD am Beispiel von SpitzenpolitikerInnen war, war die Zugehörigkeit zu einer Generation ein entscheidendes Kriterium für die Auswahl. Bislang habe ich vor allem die RepräsentantInnen der älteren Generation genannt. Im zweiten Schritt erfolgte eine Auswahl von SpitzenpolitikerInnen der jüngeren Generation. [20]

Ich habe als ersten Interviewpartner der jüngeren Generation Thomas OPPERMANN (*1954) als Repräsentanten der SPD-PolitikerInnen ausgewählt, die eine sozialdemokratische Angebotspolitik nach dem Vorbild Tony BLAIRs vertreten und die bisherige Verteilungs- und Bildungspolitik der SPD revidieren wollten und zum Teil auch revidiert haben. Er hatte sich als niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur erfolgreich für stärkere Hochschulleitungen, für die Einführung von (Langzeit-) Studiengebühren und für Stiftungsuniversitäten eingesetzt. Zum Zeitpunkt des Interviews (2004) war zwar nicht entschieden, dass er in der Politik weiter aufsteigen würde, da die SPD die Landtagswahlen in Niedersachsen 2003 verloren hatte. Dennoch war es wahrscheinlich, dass er als Politiker weiter Karriere machen würde, da er wie Frank-Walter STEINMEIER und Brigitte ZYPRIES zum SCHRÖDER-Netzwerk aus Niedersachsen zählt(e). Er wurde 2005 Bundestagsabgeordneter und 2007 1. Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion. Der Vater von Thomas OPPERMANN war Molkereimeister. [21]

Der zweite Interviewpartner war der Netzwerker Olaf SCHOLZ (*1958). Er verteidigte als Generalsekretär die Politik des Bundeskanzlers und SPD-Vorsitzenden Gerhard SCHRÖDER. Er war und ist von der Agenda 2010 überzeugt und hatte sich wie auch Thomas OPPERMANN für eine Revision der traditionellen Verteilungspolitik eingesetzt. Olaf SCHOLZ war u.a. Hamburger Senator, Vorsitzender der Hamburger SPD, Bundestagsabgeordneter und Generalsekretär der SPD. Er war 2005 bis 2007 1. Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion und 2007-2009 Bundesminister. Er wurde 2009 stellvertretender SPD-Vorsitzender, stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion und Vorsitzender der Hamburger SPD. Die Eltern von Olaf SCHOLZ waren Angestellte im Textilgewerbe. Sein Vater stieg später zum Manager in der Textilindustrie auf. [22]

Der dritte Interviewpartner war der Netzwerker Sigmar GABRIEL (*1959), der als SCHRÖDERs Zögling aus Niedersachsen galt12), dem zurückgetretenen Ministerpräsidenten Gerhard GLOGOWSKI nachfolgte, schulpolitisch in einem Alleingang die Abschaffung der Orientierungsstufe befürwortete und die Agenda 2010 unterstützte. Er war u.a. Vorsitzender der SPD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag, niedersächsischer Ministerpräsident und Vorsitzender des SPD-Bezirks Braunschweig. Er wurde erst 2005 Bundestagsabgeordneter und 2009 Vorsitzender der SPD. Er war von 2005-2009 Bundesumweltminister. Der Vater von Sigmar GABRIEL war Beamter im mittleren Dienst und wurde als Beamter im gehobenen Dienst pensioniert; seine Mutter war Krankenschwester. [23]

Die vierte Interviewpartnerin war Brigitte ZYPRIES (*1953), die wie GABRIEL von SCHRÖDER gefördert worden war und die sozialdemokratische Angebotspolitik nach dem Vorbild Tony BLAIRs befürwortet(e). Sie war lange Jahre vor allem Spitzenbeamtin in Niedersachsen und im Bund. Sie wurde erst 2002 Bundesministerin. Insofern unterscheidet sie sich auch von Thomas OPPERMANN, Olaf SCHOLZ und Sigmar GABRIEL, die ihre Karriere als Abgeordnete begonnen haben. Ihr Vater war Einzelhändler und besaß und führte ein Drogerie- und Fotogeschäft (vgl. ZYPRIES 2003). [24]

Der fünfte Interviewpartner, Frank-Walter STEINMEIER (*1954), ist das männliche Pendant zu Brigitte ZYPRIES. Auch er zählt(e) zum Vertrautenkreis von SCHRÖDER und war Spitzenbeamter in Niedersachsen und im Bund. Er hatte als Leiter der niedersächsischen Staatskanzlei sowie des Bundeskanzleramts Ämter inne, die eine Scharnierfunktion zwischen Spitzenpolitik und Verwaltung haben. Als Kanzleramtsminister war er der Architekt der Agenda 2010. Ihm fehlte bis zu seiner Nominierung zum Kanzlerkandidaten die Erfahrung als Politiker, der sich gegenüber den WählerInnen legitimieren muss. Er war 2005-2009 Außenminister, 2007-2009 stellvertretender SPD-Vorsitzender, 2008/2009 Kanzlerkandidat. Er wurde 2009 in den Bundestag und zum Vorsitzenden der Fraktion gewählt. Der Vater von Frank-Walter STEINMEIER hat erst auf dem Hof des Großvaters mitgearbeitet und wurde nach 1945 Tischler. [25]

3.4 Geschlecht

Die Repräsentanz war bei der bisherigen Auswahl des Samples hinsichtlich des Geschlechterverhältnisses für beide Generationen und hinsichtlich der Zugehörigkeit zu einer Faktion bei der jüngeren Generation noch nicht in ausreichender Weise gegeben. Deshalb habe ich zwei weitere Spitzenpolitikerinnen ausgewählt, die das bisherige Sample erweiterten. [26]

Die siebte Interviewpartnerin für die ältere Generation war Inge WETTIG-DANIELMEIER (*1936), die als linke Reformerin sowohl in der Bildungs- als auch in der Frauenpolitik eine entschiedene Reformpolitik für mehr Gleichheit vertrat und maßgeblich Einfluss auf die Verabschiedung der Frauenquote der SPD und als Mitglied der Programmkommission auf das Berliner Programm der SPD genommen hatte. Zum Zeitpunkt des Interviews (2006) war sie Schatzmeisterin, ein Amt, das sie seit 1991 innehatte und aus dem sie 2007 ausschied. Der Vater von Inge WETTIG-DANIELMEIER war gelernter Maurer und Bauingenieur. Die Mutter war ausgebildete Einkäuferin und Verkäuferin in einem Konfektionsgeschäft. [27]

Ich habe Andrea NAHLES (*1970) ausgewählt, da sie als Gründungsvorsitzende des Forums Demokratische Linke 21 die führende Repräsentantin der SPD-Linken war und zu den KritikerInnen der Agenda 2010 zählte. Deshalb bin ich in ihrem Fall von der Generation der 1950er abgewichen. Sie übte zwar zum Zeitpunkt des Interviews (2006) noch kein Amt als Spitzenpolitikerin aus. Aber auch bei ihr war es wahrscheinlich, dass sie als führende SPD-Linke Spitzenpolitikerin werden würde. Sie war 2007-2009 stellvertretende SPD-Vorsitzende und wurde 2009 Generalsekretärin der SPD. Der Vater von Andrea NAHLES war Maurermeister und die Mutter Angestellte im Finanzamt. [28]

Ich habe für die ältere Generation zwei Frauen und fünf Männer sowie für die jüngere Generation zwei Frauen und vier Männer ausgewählt. Auf der Ebene der Spitzenpolitik dominieren weiterhin vor allem Männer, sodass diese Auswahl durch die Geschlechterverteilung bei den Spitzenämtern zu begründen ist. Die Ungleichverteilung der Geschlechter gilt vor allem noch für die ältere Generation, während die nachfolgenden Generationen durch die Einführung der 40%-Quote auf dem SPD-Parteitag 1988 in Münster eine ausgeglichenere Geschlechterverteilung vorzuweisen haben. Die höchsten Ämter wie Bundeskanzler, Außenminister oder Parteivorsitzender wurden bzw. werden in der SPD allerdings weiterhin von Männern besetzt, sodass diese Überrepräsentation auch die Auswahl für die vorliegende Untersuchung beeinflusst hat. [29]

4. Methode der Lebensweganalyse

4.1 Interviewmethode

Bei den Interviews handelte es sich um leitfadengestützte, teilstandardisierte Interviews, die so gestaltet waren, dass ich einzelne vorformulierte Fragen als Impulse für das Interview verwendet, gleichzeitig aber möglichst viel Raum zum Erzählen gelassen habe (vgl. HOPF 2008). Ich habe davon abgesehen, rein narrative Interviews zu führen, da diese eine Vergleichbarkeit erschwert hätten, während eine Teilstandardisierung diese besser gewährleistete (S.351-360). Dies war auch deshalb notwendig, weil vor allem für PolitikerInnen ihr öffentlicher Ruf ein entscheidendes Kapital ist, weshalb sie dazu neigen können, ihre Biografien nach Stimmungslage und Situation variabel anzupassen. Der Leitfaden half dabei, die SPD-PolitikerInnen zu entscheidenden Fragen zurückzuführen, die sie selbst eventuell nicht angesprochen hätten. Die Grundstruktur der Leitfäden war:

  • Kindheit: Berufe, Qualifikationen und Religion der Eltern, Erziehung

  • Schulzeit

  • Ausbildung

  • Politisches Engagement (Motive, Eintritt in die SPD, Themen)

  • Berufseinstieg nach Ausbildung/Studium, Berufsweg/Funktionen in der Partei und spätere Mandate für die Partei

  • Historische Bedingungen

  • Politisches Feld (Staatsverständnis, Einstellung zur SPD, Unterscheidung der Tätigkeiten, Bewertung von Politikern wie Rudolf SCHARPING, Oskar LAFONTAINE, Gerhard SCHRÖDER, Johannes RAU, Willy BRANDT, Herbert WEHNER und Helmut SCHMIDT)

  • Familie (Erziehung der eigenen Kinder, Partnerschaft)

  • Politische Ziele/Einstellungen (z.B. zur Agenda 2010)

  • Schlussfrage: Was ist heute die größte Ungerechtigkeit und was wünschen Sie sich für die Zukunft? [30]

Einige InterviewpartnerInnen neigten dazu, Fragen möglichst parteikonform oder konform mit der ihrer Meinung nach herrschenden Meinung zu beantworten und möglichst wenig über sich preiszugeben. Aber auch dieses Verhalten offenbart einen bestimmten Habituszug, sodass die Analyse zwar erschwert wurde, aber dennoch durchführbar war.13) [31]

Ich hatte auch vorgesehen, mithilfe von Fragebögen sozialstatistische Daten zu erfassen. Da sich dies aber als kaum durchführbar erwies, weil die InterviewpartnerInnen mit einer Ausnahme diese nur ungern ausfüllen wollten, habe ich davon abgesehen, diese Befragungsmethode fortzuführen. [32]

4.2 Auswertungsmethoden und Typenbildung

Die dargestellten Auswahlkriterien verdeutlichen, dass Repräsentanz im Sinne der Zugehörigkeit zur Gruppe von SpitzenpolitikerInnen auf Bundesebene, der sozialstrukturellen Kriterien Generation, Geschlecht und der sozialen Herkunft sowie nach dem Kriterium der politischen Zugehörigkeit zu einer Strömung/Faktion der SPD wesentlich für die Auswahl war, um repräsentative Typen herausarbeiten zu können. Es handelte sich also um ein "typologisches Stichprobenverfahren", für das eine vergleichsweise kleine Stichprobe ausreichte (vgl. LANGE-VESTER 2007, S.71). [33]

Zur Auswertung der Interviews habe ich im ersten Schritt eine hermeneutische Analyse nach Michael VESTER, Peter VON OERTZEN, Heiko GEILING, Thomas HERMANN und Dagmar MÜLLER (2000 [1992]) vorgenommen, indem ich die Interviews wortwörtlich, einschließlich aller Versprecher, "Äh's" und "Mmh's" transkribiert. In einem zweiten Schritt habe ich die Interviews sequenziell interpretiert und zur weiteren Auswahl, die ich im nächsten Abschnitt beschreibe, mit Stichworten versehen, die den Inhalt zusammengefasst haben. Alle Elemente der Äußerungen haben einen manifesten und einen latenten Sinn. Kontextwissen wurde zurückgehalten, um den Eigensinn der einzelnen Passagen zu verstehen und nachzuvollziehen. Jede neue Sequenz konnte aber dazu führen, dass ich vorgehende Interpretationen "verworfen, konkretisiert, ergänzt oder revidiert" (S.203) habe.14) Mithilfe dieser Interpretationen habe ich erste Fallstudien erstellt, die "noch unverbunden nebeneinander" (KLUGE 1999, S.127) standen. [34]

Zur Herausarbeitung von Typen habe ich in einem dritten Schritt die Fallstudien entlang folgender Kriterien miteinander verglichen:

  • Startvoraussetzungen des Lebenswegs,

  • berufliche Traditionslinien des Herkunftsmilieus,

  • berufliche Milieu(s) vor der Karriere als BerufspolitikerIn,

  • Habitus der Verwandten,

  • religiöse Einstellungen der SpitzenpolitikerInnen,

  • Militärzeit und Kriegserlebnisse,

  • Habitus, religiöse und politische Einstellung im Herkunftsmilieu,

  • Einstieg in das politische Feld,

  • politische Einstellungen und einzelne berufliche "Stationen" vor allem im politischen Feld sowie daraus resultierende politische Konflikte. [35]

Dadurch habe ich erste Unterschiede und Gemeinsamkeiten herausarbeiten und so einzelne Gruppen von Typen bilden können. Da diese aber noch stark auf der individuellen Ebene verblieben, habe ich anschließend in einem vierten Schritt eine eingehende Analyse des politischen Feldes anhand von ExpertInneninterviews über die SPD-Faktionen, die niedersächsische Bildungs- und Hochschulpolitik in den 1970er Jahren und die IG CPK sowie von Literatur und einigen Quellen durchgeführt (vgl. REINHARDT 2011). Sie dienten vor allem als Hintergrundinformationen und als Ergänzung zur Auswertung von Quellen wie z.B. Reden von Hermann RAPPE (vgl. WEBER 1989) oder Dokumente über den innergewerkschaftlichen Konflikt der IG CPK (vgl. MICHEL 1979) sowie von Literatur über die Hochschulpolitik (vgl. z.B. GROLLE 1989), die in die weitere Überarbeitung der Fallstudien über Hermann RAPPE und Peter VON OERTZEN einflossen. Für die elf weiteren Fallstudien habe ich mich auf Quellen und vorhandene Literatur konzentriert, um die jeweils relevanten, lebensweg- und regionalspezifischen Bedingungen des politischen Feldes herauszuarbeiten. [36]

Die 13 Fallstudien enthalten eine Analyse zur sozialen Herkunft, zu den beruflichen Traditionslinien der Familie und zum Habitus sowie zu politischen und religiösen Einstellungen von Verwandten, soweit es das Material ermöglichte. Es handelte sich also weder um eine rein deduktive noch eine rein induktive Vorgehensweise, sondern "um eine Verbindung von Empirie und Theorie", die auch als "Abduktion" bezeichnet wird (KLUGE 1999, S.77). Sowohl bei der religiösen als auch bei der politischen Einstellung handelt es sich um eine Klassifikation der sozialen Welt, die sich wiederum im sozialen Raum verorten lässt (vgl. BOURDIEU 2001 [1981], S.81-85, 2000 [1971]). Die Typenbildung erfolgte dann bei dem abschließenden Vergleich der einzelnen SpitzenpolitikerInnen entlang folgender Kriterien:

  • Vergleich der beruflichen Traditionslinien der Eltern,

  • der historisch gewachsenen parteipolitischen Lager und der Zuordnungen der Verwandten,

  • der politischen Einstellungen der älteren SpitzenpolitikerInnen zum Nationalsozialismus,

  • der religiösen Einstellungen der Eltern,

  • des Habitus und der Einstellungen der SpitzenpolitikerInnen zur sozialen Gerechtigkeit. [37]

5. Ausgewählte Ergebnisse

Ich präsentiere im Folgenden einige ausgewählte Ergebnisse zu den Lebenswegeffekten, politischen Einstellungen, Faktionskämpfen, Regeln des Felds (Feldeffekte) und der Typenbildung zur Herausarbeitung eines sozialen Raums von SpitzenpolitikerInnen der SPD auf Bundesebene. [38]

5.1 Ältere Generation

Der maßgebliche Einschnitt für die ältere Generation waren der Zweite Weltkrieg und die Kapitulation der Deutschen. Die Alliierten und die politische Bildung veränderten das politische Feld in der Bundesrepublik Deutschland maßgeblich. Politik hatte in den ersten Jahrzehnten nach 1945 einen hohen Stellenwert insofern, als grundlegende Entscheidungen getroffen wurden, angefangen bei der Beratung und Verabschiedung des Grundgesetzes bis zum Ausbau des Sozialstaats. Die meisten PolitikerInnen teilten die Ablehnung von Nationalsozialismus und Kommunismus. Ein gemeinsames Ziel war der Wiederaufbau Deutschlands und einer auf Parteienebene im Vergleich zur Weimarer Republik vergleichsweise entpolarisierten Demokratie, in der die demokratischen Parteien miteinander koalitionsfähig sein sollten. Dies erschien vielen SozialdemokratInnen noch nicht gesichert zu sein. Sie sahen sich durch Diffamierungen Willy BRANDTs durch CDU-PolitikerInnen oder durch die SPIEGEL-Affäre 1962 bestätigt. Dieses Misstrauen gegenüber dem Fortbestand der Demokratie wandelte sich vor allem mit der Regierungsbeteiligung der SPD. Die beschriebenen Feldbedingungen waren auch für die einzelnen Lebenswege entscheidende gesellschaftliche Bedingungen. [39]

Peter VON OERTZEN steht stellvertretend für diejenigen, die aus Elternhäusern stammen, die der SPD gegenüber kritisch eingestellt waren, und ihren Weg zur SPD nach 1945 gefunden haben. Er war ein Wissenschaftler in der SPD und demokratischer Sozialist mit deutlichen Vorbehalten gegenüber kommunistischen Parteien. Er repräsentierte die PolitikerInnen, die eine Linkswende in der SPD befürworteten und die SPD-Diskussionskultur stärker partizipatorisch gestalten wollten und gestalteten. Er war Ansprechpartner für SozialistInnen innerhalb und außerhalb der SPD, für linke GewerkschafterInnen und für sozialliberal eingestellte SozialdemokratInnen, die seine Hochschulreformen in Niedersachsen unterstützten. [40]

Auch Hans-Jochen VOGEL steht stellvertretend für diejenigen, die aus SPD-fernen Elternhäusern stammen. Er war aber ein entschiedener Befürworter des Godesberger Programms, während Peter VON OERTZEN 1959 gegen das neue Programm votiert hatte. VOGEL wurde Mitglied der SPD in Bayern, die ohnehin eine reformistische Tradition und sich vergleichsweise früh vom Marxismus distanziert hatte. Er war maßgeblich dafür verantwortlich, dass sich die SPD-Rechte (Seeheimer) gründete, um der SPD-Linken, vor allem der marxistisch orientierten, nicht nur organisatorisch, sondern auch theoretisch etwas entgegensetzen zu können. Er wandelte sich vor allem als Regierender Bürgermeister von Berlin 1981 zu einem Politiker, der Verständnis für die HausbesetzerInnenszene entwickelte und als Kanzlerkandidat (1982/83) die Friedensbewegung als Bündnispartnerin der SPD bezeichnete. Hans-Jochen VOGEL repräsentiert in der SPD diejenigen, die aus konservativen Elternhäusern stammen und sich von konservativen SozialdemokratInnen zu den Neuen Sozialen Bewegungen aufgeschlossenen SozialdemokratInnen gewandelt haben. [41]

Anke FUCHS repräsentiert den Typus der großstädtischen traditionell-gewerkschaftsorientierten SozialdemokratInnen aus einem sozialdemokratischen Elternhaus. Für sie war der Tag der Kapitulation ein Tag der Befreiung, zumal ihr Vater 1944 im Konzentrationslager Fuhlsbüttel inhaftiert gewesen war. Sie war eine entschiedene Gegnerin einer Zusammenarbeit mit KommunistInnen und sprach sich für eine enge Zusammenarbeit mit der 1989 gegründeten Sozialdemokratischen Partei in der DDR (SDP) aus, statt eine Kooperation mit der SED anzustreben oder fortzuführen. Sie war als Mitglied im Vorstand eine führende Gewerkschafterin in der IG Metall und hatte Spitzenämter in der Bundesregierung, im Bundestag und in der SPD inne. Für sie ist die SPD mehr als nur eine politische Partei. Sie ist auch Ort der Vergemeinschaftung nach Max WEBER (1922, S.21) und damit des geselligen Miteinanders. Ihr ist die individualisierte Einstellung der jüngeren Generation fremd. Für sie ist Frauenpolitik vor allem Sozialpolitik. Sie verteidigt den traditionellen Sozialstaat gegen eine neoliberale Politik, die ihr fremd geblieben ist. [42]

Hans KOSCHNICK repräsentiert den Typus der großstädtischen, traditionell-gewerkschaftlich eingestellten SozialdemokratInnen aus einem kommunistisch-gewerkschaftlichen Elternhaus. Seine Eltern haben sich nach dem Hitler-Stalin-Pakt 1939 und der Auslieferung von Freunden15) an das nationalsozialistische Deutschland von der kommunistischen Partei distanziert und mit ihr gebrochen. Sein Vater, der als Soldat im Zweiten Weltkrieg verstarb, hat mit Hans KOSCHNICK während seines Fronturlaubs offen gesprochen und ihm seine politische Lehre aus seinen Erfahrungen vererbt, mit dem politischen Gegner Gemeinsamkeiten zu suchen, statt das Trennende zu betonen. Seine Mutter riet ihm, sich gewerkschaftlich zu engagieren. KOSCHNICK entwickelte sich von einem sozialistisch-gewerkschaftlich eingestellten zu einem kommunitaristisch, gewerkschaftsorientiert eingestellten Sozialdemokraten nach dem Vorbild der Bremer sozialliberalen Koalition von ArbeiterInnen und Kaufleuten. Er hat sich gemeinsam mit seiner katholischen Frau Christine KOSCHNICK, auch aufgrund seines christlichen Glaubens in der Tradition reformierter Lehren wie die von ZWINGLI oder CALVIN, dafür eingesetzt, die Distanz von Kirchen und Sozialdemokratie abzubauen. Für ihn ist die Möglichkeit zu mehr Eigenverantwortung im Sinne des Kommunitarismus auch für sein politisches Handeln ein wichtiges Ziel geworden, da der Staat nicht bevormundend sein dürfe. Eigenverantwortung setzt für ihn aber Solidarität voraus. [43]

Hermann RAPPE repräsentiert den Typus des kleinstädtischen, traditionell-gewerkschaftsorientierten Sozialdemokraten aus einem sozialdemokratischen Elternhaus mit Verwandten, die SozialdemokratInnen der ersten Stunde im 19. Jahrhundert waren. Auch für Hermann RAPPE war das Kriegsende ein Tag der Befreiung, zumal Verwandte von ihm in nationalsozialistischen Konzentrationslagern eingesperrt worden waren. Er war ein entschiedener Gegner des Nationalsozialismus und Kommunismus. Er setzte sich bis in die 1960er Jahre für eine Sozialisierung, vor allem aber für eine Demokratisierung von Wirtschaft und Gesellschaft und für eine Teilhabe von ArbeitnehmerInnen ein. Die Regierungsbeteiligung der SPD auf Bundesebene war für ihn eine entscheidende Erfahrung, da sie für ihn der Beweis der Stabilität der Demokratie und der Integration der Arbeiterbewegung war, denen er sich verpflichtet fühlt(e). Er vertrat in der IG CPK einen entschiedenen Kurs gegen eine innergewerkschaftliche Opposition, von der er eine Unterwanderung, Radikalisierung und Gefährdung der Sozialpartnerschaft von Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden befürchtete. [44]

Ernst BREIT steht stellvertretend für diejenigen, die während der nationalsozialistischen Diktatur vom Nationalsozialismus überzeugt waren, in den ersten Jahren nach 1945 zu den ParteienskeptikerInnen zählten und ihren Weg zur SPD über die konkrete Arbeit im Betriebs- und Personalrat sowie über die Gewerkschaftsarbeit fanden (vgl. NIETHAMMER 1983). [45]

Inge WETTIG-DANIELMEIER repräsentiert den Typus der partizipatorisch eingestellten Frauen- und Bildungspolitikerinnen aus einer SPD-kritischen, freiheitlich-calvinistischen Familie. Sie ist der SPD erst nach ihrer organisatorischen Öffnung, die die Delegierten des Stuttgarter Parteitags 1958 beschlossen haben, beigetreten. [46]

5.2 Jüngere Generation

Die gesellschaftspolitischen Bedingungen und Erfahrungen der SpitzenpolitikerInnen der jüngeren Generation unterscheiden sich von denen der Nachkriegsgeneration. Sie wuchsen ab den 1950er Jahren auf und profitierten von der Öffnung der Bildungssysteme. Es war die SPD, die für eine Politik der "Öffnung des sozialen Raums" (MERLEAU-PONTY 1966, S.395) eintrat. Sie eröffnete so neue Aufstiegswege, erreichte eine weitergehende Demokratisierung von Wirtschaft und Gesellschaft und baute den Sozialstaat aus (vgl. VESTER et al. 2001, S.69). Die jüngere Generation unterschied sich hinsichtlich ihrer Lebenswege von ihren Eltern. Viele verarbeiteten diesen Generationenkonflikt, ähnlich wie die 68er, politisch. [47]

Ein wesentliches Ergebnis der Untersuchung war, dass die untersuchten jüngeren PolitikerInnen ihren Bildungsaufstieg und ihr Engagement in entschieden sozialistischen und basisdemokratischen Gruppen wie den Juso-Faktionen Stamokaps und Antirevisionisten oder bei den Falken begannen. Ihnen ist gemeinsam, dass sie aus kleinbürgerlichen oder ländlich-arbeiterischen Verhältnissen stammen und sich aus den konservativen und beengten Verhältnissen ihres Herkunftsmilieus emanzipierten. Sie engagierten sich deshalb in sozialistischen oder basisdemokratischen Gruppen oder fühlten sich diesen verbunden, weil sie sich von ihnen eine Emanzipation aus beengten Verhältnissen versprachen. Ein weiterer Lebenswegeffekt ist, dass sie sich im weiteren Verlaufe ihrer politischen Karriere von ihrer sozialistischen Vergangenheit distanzierten. Ihr Leitbild wurde die sozialdemokratische Angebotspolitik Gerhard SCHRÖDERs. Sie orientierten sich wieder stärker an ihrem Herkunftsmilieu, auch wenn sie dessen konservative Haltungen ablehnten. Insofern haben sie sich gegenüber ihrem Herkunftsmilieu modernisiert. Sie wollen Gerechtigkeit im Wesentlichen über die gleiche Verteilung von Bildungschancen herstellen, wie sie sie selbst bekamen. Sie interpretieren rückblickend ihren Bildungsaufstieg als entscheidende Weichenstellung ihres Lebens und '68 als notwendige Liberalisierung der Gesellschaft. Sie unterscheiden sich zwar zum Teil hinsichtlich ihres beruflichen Lebensweges. So haben ZYPRIES und STEINMEIER erst eine Karriere als Beamte/Beamtin bis hin zu SpitzenbeamtInnen eingeschlagen, während GABRIEL, OPPERMANN und SCHOLZ als Abgeordnete begonnen haben. Dennoch können diese SpitzenpolitikerInnen aufgrund ihres Politikverständnisses als Neue ManagerInnen bezeichnet werden, die das freiheitlich-individuelle, unternehmerische Denken und Handeln hervorheben, Bildungsgerechtigkeit betonen und sich von der traditionellen Verteilungspolitik abgrenzen. Sie interpretieren sozialen Wandel vor allem als Individualisierung, der der alte Verteilungsstaat nicht mehr gerecht werden könne. Sie repräsentieren insbesondere eher konservativ eingestellte kleinbürgerliche ArbeitnehmerInnenmilieus und "neue Aufsteigermilieus der innovativen Kultur- und Medienberufe und der kleinen Unternehmen der neuen Technologien und symbolischen Dienstleistungen" (VESTER et al. 2001, S.39). [48]

Andrea NAHLES repräsentiert hingegen den Typus der entschiedenen sozialdemokratischen Reformerin, die Verteilungs- und Bildungspolitik nicht als Gegensatz versteht. Vielmehr befürwortet sie neue Wege der Sozialstaatlichkeit wie die Einführung einer Arbeitsversicherung16) oder die Bürgerversicherung nach dem Vorbild der Grundidee des skandinavischen Wohlfahrtsstaatspfades, um die Unabhängigkeit vom Markt zu erhöhen (vgl. ESPING-ANDERSEN 1998, S.41, 44-46). Sie war eine entschiedene Kritikerin der Hartz IV-Gesetze hinsichtlich der fehlenden sozialen Ausbalancierung. Sie stammt aus einer katholischen Bergarbeiterfamilie und zählt zu den Sozialdemokratinnen, die ihren Weg zur SPD aufgrund ihrer Sozialpolitik und ihrer emanzipatorischen Frauenpolitik gefunden haben. Sie interpretiert sozialen Wandel als Emanzipation und eine Zunahme des Anspruchs auf Emanzipation, die durch Verteilungs- und Vorsorgegerechtigkeit gefördert werden soll. Diese Einstellung entspricht auch der Modernisierung sozialer Milieus, wie sie VESTER et al. (2001, S.40f.) für die traditionellen und modernen ArbeitnehmerInnenmilieus festgestellt haben. [49]

5.3 Vergleich und abschließende Typenbildung

Ein Ergebnis der Analyse der Faktionskämpfe17) war, dass die innerparteiliche Balance im Falle der älteren Generation, deren RepräsentantInnen anders als einige bereits verstorbene VertreterInnen der Generation um Willy BRANDT auch noch zu interviewen waren18), erheblich ausgeglichener war als in der jüngeren Generation. Während sich in der älteren Generation mehrere Typen von SpitzenpolitikerInnen fanden, dominierte in der jüngeren Generation der Typus, der einen Kurs der Neuen Mitte verfolgt. [50]

Eine Regel des politischen Feldes ist, dass PolitikerInnen einer Volkspartei versuchen, möglichst viele WählerInnen zu mobilisieren und zu repräsentieren, wie ich anhand der Interviews herausarbeiten konnte. Sie bemühen sich deshalb auch darum, ihre Biografie möglichst breitenwirksam und damit anschlussfähig an Integrationsideologien darzustellen. [51]

Eine Feinanalyse der politischen Einstellungen ergab aber, dass die Volkspartei SPD, für die die älteren SpitzenpolitikerInnen stehen, alle Leitmilieus bis hinein in die ArbeitnehmerInnenmilieus repräsentiert, während die jüngere Generation stärker den rechten Raum in Konkurrenz zu CDU/CSU und FDP mobilisieren kann. Die gemeinsame Integrationsideologie der älteren Generation war trotz aller Unterschiede die ArbeitnehmerInnengesellschaft mit mehr Teilhaberechten für ArbeitnehmerInnen und für Frauen im Allgemeinen nach dem Vorbild Willy BRANDTs, während die jüngere Generation keine gemeinsame Integrationsideologie vertritt. Es lassen sich sechs Typen von SpitzenpolitikerInnen herausarbeiten, deren Nähe und Distanz anhand ihrer Positionen im politischen Feld deutlich werden, die im nächsten Absatz überblicksartig ausgeführt werden:

  • Der sozialistische Intellektuelle (Peter VON OERTZEN)

  • Die emanzipativ eingestellte Liberal-Intellektuelle (Inge WETTIG-DANIELMEIER)

  • Die ArbeitnehmerInnenintelligenz (Ernst BREIT, Anke FUCHS, Hans KOSCHNICK und in modernisierter Form Andrea NAHLES)

  • Der traditionelle Arbeiterführer (Hermann RAPPE)

  • Der konservative Sozialdemokrat (in modernisierter Form: Hans-Jochen VOGEL)

  • Die Neuen ManagerInnen (Sigmar GABRIEL, Thomas OPPERMANN, Olaf SCHOLZ, Frank-Walter STEINMEIER und Brigitte ZYPRIES) [52]

Peter VON OERTZEN und Inge WETTIG-DANIELMEIER haben trotz mancher Unterschiede vor allem in der Bildungs- und Frauenpolitik zusammengearbeitet. Hermann RAPPE fühlt sich Hans-Jochen VOGEL, aber auch den Neuen ManagerInnen nach ihrer Abkehr von ihren früheren, entschieden sozialistischen Einstellungen verbunden. Die ArbeitnehmerInnenintelligenz ist in sich auch noch vergleichsweise heterogen und bildet so etwas wie ein Scharnier zwischen egalitär eingestellten PolitikerInnen wie Peter VON OERTZEN und Inge WETTIG-DANIELMEIER und eher konservativ oder individualistisch eingestellten PolitikerInnen (Typus 4-6). Die Heterogenität der ArbeitnehmerInnenintelligenz wird auch dadurch deutlich, dass zum Beispiel Inge WETTIG-DANIELMEIER und Andrea NAHLES als modernisierter Typus der ArbeitnehmerInnenintelligenz sich politisch verbunden fühlen, während Anke FUCHS sich in ihrer vergleichsweise traditionelleren Anschauung von Parteiarbeit (Partei als Ort der Vergemeinschaftung und der Wahrung von Traditionen) zum Beispiel von Inge WETTIG-DANIELMEIER unterscheidet, die eine modernisiertere Auffassung von Parteiarbeit (mehr Teilhabe und Öffnung der Partei) befürwortet. [53]

6. Schlussbetrachtung

Die Krise der SPD auf der Ebene der SpitzenpolitikerInnen konnte anhand der Biografien untersucht werden, die mithilfe der "typologischen Stichprobe" die Repräsentanz veranschaulichten. Diese verdeutlichte anhand verschiedener Einstellungsmuster sowie biografischer und sozialstruktureller Kriterien, dass die untersuchte ältere Generation vergleichsweise heterogen zusammengesetzt ist. Diese Heterogenität kam durch die innerparteiliche Balance der Faktionen zum Tragen, während sich die Repräsentationsfähigkeit bei den SpitzenpolitikerInnen der jüngeren Generation durch die Dominanz eines Typus verengt hat. Deshalb konzentrierte sich die Untersuchung auf diesen Typus und wurde ergänzt durch einen weiteren kontrastierenden Typus (Andrea NAHLES). Eine breiter angelegte Studie könnte eine Aufgabe für ein künftiges Forschungsprojekt sein, das auch über das Berliner Machtzentrum hinausgehen könnte. [54]

Die Neuen ManagerInnen waren bereits zum Zeitpunkt der Interviewerhebung (2003-2006) in entscheidende Spitzenpositionen auf Bundesebene aufgerückt. Sie besetzen vor allem seit dem Rückzug SCHRÖDERs nach der Bundestagswahl 2005 und verstärkt seit der verlorenen Bundestagswahl 2009 die entscheidenden Ämter in der Bundestagsfraktion (Vorsitzender: STEINMEIER; Stellvertreter: Olaf SCHOLZ19); 1. Parlamentarischer Geschäftsführer: Thomas OPPERMANN und Justitiarin: Brigitte ZYPRIES) und in der SPD (Vorsitzender: Sigmar GABRIEL). Andrea NAHLES ist zwar Generalsekretärin, sodass sich die innerparteiliche Balance verbessert hat. Die Dominanz der Neuen ManagerInnen besteht aber auf der Bundesebene weiterhin. [55]

Die Neuen ManagerInnen wollen die SPD zur Neuen Mitte hin öffnen und damit Milieus jenseits der traditionellen und modernen ArbeitnehmerInnenmilieus, also vor allem kleinbürgerliche und postmodern-innovative AufsteigerInnenmilieus ansprechen. Die Repräsentationsfähigkeit der SPD hat sich gewandelt, weil sie ihre frühere und zum Teil enttäuschte Kernklientel, die traditionellen und modernen ArbeitnehmerInnen, in deutlich geringerem Ausmaß repräsentiert. Biografieanalysen können hierbei einen Aufschluss darüber geben, wen die SPD fördern sollte, wenn sie ihre frühere Repräsentationsfähigkeit in ihrer Breite wiederherstellen will. Dies sind nach den Ergebnissen meiner Arbeit vor allem diejenigen, die eine partizipatorisch-emanzipative Einstellung vertreten und die der SPD von anderen Parteien, vor allem den Grünen und der Partei DIE LINKE, streitig gemacht werden. Ob die Krise der Repräsentation der SPD nur vorübergehend ist oder ob die SPD sich dauerhaft gewandelt hat, wird auch davon abhängen, inwieweit sie in der Lage sein wird, sich wieder stärker zu öffnen und die Heterogenität der Lebenswege und politischer Einstellungen personalpolitisch und programmatisch zu repräsentieren. [56]

Danksagung

Ich möchte Prof. Dr. Michael VESTER für seine Betreuung und Prof. Dr. Andrea LANGE-VESTER für ihre Methodenausbildung während meines Studiums sowie der Friedrich-Ebert-Stiftung für die Finanzierung meiner Dissertation danken. Danken möchte ich auch den Organisatorinnen des Workshops Biografie und Politik und Herausgeberinnen dieser Ausgabe.

Anmerkungen

1) Ich verwende den Begriff UrenkelInnengeneration, weil er die SPD-PolitikerInnen meint, die den EnkelInnen Willy BRANDTs (vgl. MICUS 2002) nachgefolgt sind und spätestens seit dem Rückzug SCHRÖDERs aus der Bundespolitik die Politik der SPD maßgeblich bestimmen. Es handelt sich dabei vor allem um diejenigen, die in den 1950er Jahren geboren wurden. Nur Andrea NAHLES ist 1970 geboren. Ich habe sie aber ausgewählt, weil sie als Vorsitzende des Forums Demokratische Linke 21 die maßgebliche Politikerin der SPD-Linken war und auch nach ihrer Wahl zur stellvertretenden SPD-Vorsitzenden und Generalsekretärin geblieben ist, wie ich noch in Abschnitt 3.4 ausführen werde. <zurück>

2) Einen Anspruch auf vollständige Repräsentativität hatte die explorativ angelegte Untersuchung nicht, zumal es schwierig ist, diese Repräsentativität angesichts der Veränderungen der Anzahl an Ämtern von SPD-SpitzenpolitikerInnen infolge von Wahlen genau festzulegen. Die qualitative Vorgehensweise hatte gegenüber einem quantitativen Vorgehen den Vorteil, Lebenswege, Habitus und Einstellungen tiefer gehend analysieren zu können. Zudem habe ich die Erfahrung gemacht, dass ein Fragebogen über sozialstatistische Daten nicht ausgefüllt wurde, sodass ich deshalb Zweifel daran habe, ob eine quantitative Befragung von SpitzenpolitikerInnen überhaupt möglich wäre. <zurück>

3) Die gesamte Untersuchung enthält Analysen des politischen Felds, der Lebenswege und einzelner Muster des Habitus sowie von politischen und religiösen Einstellungen, die eine Aussagefähigkeit zur Repräsentanz ermöglichten. <zurück>

4) Die Feldanalyse erfolgte mehrteilig: Einerseits habe ich die Erosion des Parteiensystems der Weimarer Republik und die Strömungs- bzw. Faktionskämpfe der SPD nach 1945 anhand von Literatur und anhand eines ExpertInneninterviews über die SPD-Flügel analysiert. Andererseits habe ich einen abschließenden Vergleich der biografischen Fallstudien vor dem Hintergrund einer Analyse des sozialen Wandels der Sozialstruktur sowie der Regeln im politischen Feld erstellt. <zurück>

5) Pierre BOURDIEU (1990 [1986]) verwendet den Begriff trajectoire, der in der deutschen Übersetzung als Laufbahn (S.80) an die BeamtInnenlaufbahn erinnert und dadurch zu stark konnotiert ist. Deshalb ziehe ich den Begriff Lebensweg vor, der umfassender ist und sich sprachlich nicht nur auf die Berufswelt beschränkt. <zurück>

6) Robert MICHELS (1957 [1911]) hat diesen Bruch zwischen Gewählten und WählerInnen als "Verehrungsbedürfnis der Masse" weginterpretiert, obwohl er gleichzeitig die Oligarchisierung der SPD kritisierte und eine Demokratisierung einforderte (S.55-57). BOURDIEU (2001 [1981]) hingegen folgte dem Elite-Masse-Schema nicht, sondern analysierte "die sozialen und damit historischen Bedingungen des Phänomens der Konzentration, ja der Monopolisierung der politischen Macht, vor allem innerhalb derjenigen Apparate, die die Interessen der Beherrschten verteidigen sollen" (S.68). Eine entscheidende Voraussetzung zur Teilhabe am politischen Feld ist politische Kompetenz oder ein Sinn für Politik. BOURDIEU hinterfragt politische Kompetenz als Voraussetzung für Partizipation, da sie diejenigen ausschließe, die sich nicht den Regeln des politischen Feldes entsprechend artikulieren könnten (S.68 f.). <zurück>

7) Einige haben die Verwendung des gesamten Interviewtranskripts autorisiert. Andere wollten die von mir verwendeten Zitate teils mit Paraphrasen, teils ohne vorgelegt bekommen und haben sie autorisiert, in einigen Fällen mit leichten Veränderungen und einigen wenigen Streichungen. In einem Fall habe ich auf Wunsch die gesamte Fallstudie vorgelegt. Diese Möglichkeit wurde allerdings nicht dazu missbraucht, in die Interpretationen einzugreifen. <zurück>

8) Zu einer anderen Verwendung des Begriffs Generation vgl. HAREVEN (1997, S.43-47). <zurück>

9) Peter VON OERTZEN erfüllte zwar hinsichtlich seiner Funktion nicht unbedingt die Vorgaben eines Spitzenpolitikers auf Bundesebene. Sein Einfluss war aber in programmatischer und personeller Hinsicht so groß, dass ich ihn als Repräsentanten der SPD-Linken ausgewählt habe. <zurück>

10) Soweit ich es nachprüfen konnte, handelt es sich um durchweg männliche Verwandte, auf die sich die genannten beruflichen Traditionen beziehen. Deshalb wähle ich hier die männliche Form. <zurück>

11) Zur Kontrastierung vgl. KLUGE (1999, S.121-130). <zurück>

12) Sigmar GABRIEL war zwar zum Zeitpunkt des Interviews (2005) "nur" Vorsitzender der SPD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag und per definitionem kein Spitzenpolitiker des Berliner Machtzentrums der SPD. Da er aber als Zögling SCHRÖDERs galt, war absehbar, dass er im Berliner Machtzentrum bald aufrücken würde. <zurück>

13) In einem Fall habe ich allerdings davon abgesehen, die Zitate zu verwenden, und mich auf öffentlich zugängliche Quellen und Literatur konzentriert, weil der Autorisierungsprozess sich schwierig gestaltete und zu lange hinauszögerte (vgl. REINHARDT 2011). <zurück>

14) BREMER (2004) bezieht sich auf die Kurzdarstellung der Regeln der hermeneutischen Methode von VESTER et al. (2000 [1992]) und stellt die hermeneutische Methode zur Analyse der Habitus, einschließlich politischer und religiöser Einstellungen und der Typenbildung ausführlich dar (2004, S.61-87). Er erläutert sie am Beispiel unterschiedlicher Interviewmethoden (wie dem themenzentrierten oder dem lebensgeschichtlichen Interview) sowie der Gruppendiskussion und der Gruppenwerkstatt (S.88-219). Ich habe die habitushermeneutische Methode um die Analyse der Lebenswege erweitert. <zurück>

15) Ob auch Freundinnen der Eltern ausgeliefert wurden, habe ich leider nicht herausfinden können. <zurück>

16) Die Arbeitsversicherung wurde zwar in Skandinavien noch nicht erprobt (vgl. RÜNKER 2008, S.42). Sie entspricht aber dem Paradigma des skandinavischen Wohlfahrtsstaates, die Autonomie von ArbeitnehmerInnen vom Markt zu erhöhen, da sie sich gezielt weiterbilden können, um Arbeitslosigkeit vorzubeugen. <zurück>

17) Auseinandersetzungen über personelle und programmatische Fragen wie den Orientierungsrahmen '85, das Grundsatzprogramm, die Sozial- und Wirtschaftspolitik, die Umweltpolitik, die Sicherheitspolitik u.a. <zurück>

18) Nicht bereinigte Interviews geben die Sprache und das Denken der Personen am authentischsten wieder, während bereits publizierte Interviews oder (Auto-) Biografien zwar auch zur Analyse herangezogen werden können. Sie sind aber in der Regel sprachlich geglättet und zum Teil auch von MitarbeiterInnen oder LektorInnen sprachlich verändert worden. <zurück>

19) Olaf SCHOLZ wurde im März 2011 zum Ersten Bürgermeister von Hamburg gewählt und hat sein Bundestagsmandat niedergelegt. <zurück>

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Weber, Hermann (Hrsg.) (1989). Hermann Rappe. Für eine Politik der Vernunft. Beiträge zu Demokratie und Sozialstaat. Köln: Bund-Verlag.

Weber, Max (1922). Wirtschaft und Gesellschaft. Tübingen: J.C.B. Mohr (Paul Siebeck).

Weber, Max (1988 [1919]). Politik als Beruf. In Johannes Winckelmann (Hrsg.), Max Weber. Gesammelte Politische Schriften (S.505-560). Tübingen: J.C.B. Mohr (Paul Siebeck).

Zypries, Brigitte (2003). Kassel, wo es am schönsten ist – Die Friedrich-Ebert-Straße. Vielleicht eine Liebe auf den zweiten Blick. In Georg Lewandowski (Hrsg.), Leben in Kassel. Eine Liebeserklärung (S.161-164). Kassel: euregioverlag.

Zum Autor

Max REINHARDT studierte Politikwissenschaft, Geschichte und Soziologie in Marburg und Hannover, 2002 Magister Artium; ab 2003 Promotion an der Leibniz Universität Hannover (LUH), 2009 Disputation; ab SoSe 2010 Lehrbeauftragter Politische Soziologie, Institut für Politische Wissenschaft der LUH. Seine Forschungsschwerpunkte sind Habitus-/Feld- und Lebensweg-, Parteien- und Hochschulforschung.

Kontakt:

Max Reinhardt

Leibniz Universität Hannover
Institut für Politische Wissenschaft
Schneiderberg 50
D-30167 Hannover

Tel.: +49 (0)511 3947361

Fax: +49 (0)511 762-4199

E-Mail: max.reinhardt@arcor.de
URL: http://www.ipw.uni-hannover.de/personen_az.html

Zitation

Reinhardt, Max (2011). Lebenswege und politisches Feld. Eine Analyse der Machtstruktur der SPD [56 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 12(2), Art. 19, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs1102197.



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