Volume 13, No. 1, Art. 2 – Januar 2012

Rekonstruktive und andere Metaphernanalysen

Rudolf Schmitt

Review Essay:

Jan Kruse, Kay Biesel & Christian Schmieder (2011). Metaphernanalyse. Ein rekonstruktiver Ansatz. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 128 Seiten, ISBN 978-3-531-17356-6, 14,95 Euro

Zusammenfassung: KRUSE, BIESEL und SCHMIEDER stellen die Metaphernanalyse im Anschluss an die kognitive Metapherntheorie von LAKOFF und JOHNSON vor und verorten sie in einem "rekonstruktiven Basisverfahren". Im Vergleich mit acht weiteren metaphernanalytischen Vorgehensweisen in den Sozialwissenschaften, den ich nach Vorstellung des Bandes unternehme, zeigt sich als Qualität die didaktisch überzeugende Vorstellung der zentralen Ideen, es fehlen jedoch Anknüpfungen an den aktuellen Stand der Literatur. Dem vielversprechenden Anfang ist eine umfangreichere Publikation zu wünschen.

Keywords: Metaphernanalyse; rekonstruktive Interpretation

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Darstellung: Rekonstruktive Basis-Methodologie und Metaphernanalyse

2.1 Einleitung (S.7-11)

2.2 Erkenntnistheoretische Grundlagen einer rekonstruktiven (Metaphern-) Analyse (S.12-29)

2.3 Allgemeine Grundlagen rekonstruktiver Analyse (S.30-62)

2.4 Metapherntheoretische Grundlagen (S.63-92)

2.5 Methodik und Praxis der Metaphernanalyse (S.93-117)

2.6 Ausblick: Texte eröffnen und (metaphorischen) Sinn erschließen (S.118-120)

3. Die vorgestellte Methode im Feld anderer Metaphernanalysen

3.1 KOCH, DEETZ

3.2 BUCHHOLZ, von KLEIST

3.3 JÄKEL, DRULAK

3.4 PRAGGLEJAZ, MIPVU

3.5 ANDRIESSEN

3.6 STRAUB, SEITZ

3.7 MAASEN

3.8 SCHMITT

3.9 Fazit des Vergleichs der metaphernanalytischen Methoden

4. Diskussion: Ein großer Anspruch ...

5. Fazit: ... braucht mehr Raum

Danksagung

Anmerkungen

Literatur

Zum Autor

Zitation

 

1. Einführung

Rezensionen spielen mit der Idee des unabhängigen Kommentars und der Objektivität – ein Anspruch, der, wie wir wissen, grundsätzlichen Einsichten in das Verstehen des Fremden widerspricht. Es ist noch kaum eine gute Praxis geworden, die eigenen Beziehungen zu dem zu besprechenden Text offenzulegen – eine schöne Ausnahme stellt SCHRÖER (2009) dar. Im vorliegenden Fall handeln das zu besprechende Buch und ich als Rezensent im gleichen Feld der sich auf die kognitive Linguistik berufenden Metaphernanalyse als Teil qualitativer Forschung; das Buch beruft sich auch auf meine Arbeiten – das kann zu einer einseitigen Wahrnehmung führen. Die strikte Aufteilung der Besprechung in Darstellung und Kommentar vermag hoffentlich diese Nähe ein wenig zu entschärfen, es muss den Lesenden überlassen bleiben, dieses cave! bei der Lektüre im Sinn zu behalten. Der reflexive Umgang mit der Nähe gewinnt auch von einer Kontextualisierung: Welche Alternativen zu den im zu besprechenden Buch vorgeschlagenen Varianten einer Metaphernanalyse gibt es noch? Über die Rezension hinaus wird dieser Rezensionsaufsatz also das gegenwärtige Feld der qualitativen Metaphernanalysen skizzieren. [1]

2. Darstellung: Rekonstruktive Basis-Methodologie und Metaphernanalyse

Der VS Verlag will mit der Reihe "Qualitative Sozialforschung: Praktiken – Methodologien – Anwendungsfelder" eine "Grundlage handlicher und überschaubarer Texte" (Klappentext) für die Praxis qualitativer Sozialforschung bereitstellen, die auf gedrängtem Format (meistens um 110 Seiten) in eine spezifische Methodik einführen. In dieser Reihe ist von Jan KRUSE, Kay BIESEL und Christian SCHMIEDER der Band "Metaphernanalyse. Ein rekonstruktiver Ansatz" erschienen. Die Diskussion über eine Methodologie der Metaphernanalyse hat begonnen (KÖVECSES 2008; JUNGE 2010, S.274ff., 2011), und so ist die Lektüre auch ein Anlass, eine Übersicht über das Feld zu erstellen. Die folgende Rezension stellt das Buch von KRUSE et al. vor, bettet die vorgeschlagene Methodik der Metaphernanalyse in das Feld derzeit existierender Ansätze der Auswertung von Metaphern ein und diskutiert im dritten Abschnitt das Buch vor diesem Hintergrund. [2]

2.1 Einleitung (S.7-11)

Eine kurze Einleitung führt in den zentralen Gedanken der kognitiven Metapherntheorie nach LAKOFF und JOHNSON ein: Wir denken, fühlen und handeln in metaphorischen Übertragungen von älteren Erfahrungen auf unbekannte oder komplexe Sachverhalte. Die Autoren äußern die Skepsis, die sich auf LAKOFF und JOHNSON berufende Metaphernanalyse könnte wie viele Methodologien der qualitativen Sozialforschung den Weg einer Schulenbildung nehmen. Sie wollen daher die Methode von Anfang an in ein "offenes, d.h. rekonstruktionslogisch-analytisches, [sic] Basisverfahren" (KRUSE et al., S.10) einbauen. [3]

2.2 Erkenntnistheoretische Grundlagen einer rekonstruktiven (Metaphern-) Analyse (S.12-29)

Um die erkenntnistheoretischen Voraussetzungen des "Basisverfahrens" zu skizzieren, holen die Autoren weit aus: Sie diskutieren zunächst das Problem des Fremdverstehens (S.12-19). Dass wir immer nur mit dem eigenen Relevanzsystem verstehen könnten, setze dem Fremdverstehen prinzipielle Grenzen – statt einer "künstlichen Dummheit" brauche es eher eine "theoretische Sensibilisierung für die eigenen impliziten präsuppositiven Konzepte" (S.17). Irritationen des eigenen Relevanzsystems könnten daher Hinweise auf ein Verstehen des Fremden sein – und die Metaphernanalyse müsse daher auch das eigene Relevanzsystem befremden. Das zweite Problem sehen KRUSE et al. darin, dass Interviewsituationen komplexe, widersprüchliche Verständigungssituationen seien und spezifischen Sinn generierten. Metaphern müssten also sowohl in dieser Spezifität der Situation der Datenerhebung bzw. Sprechsituation, aber auch im Hinblick auf ihre kulturell gewachsene Bedeutung interpretiert werden (S.19-24). Die rekonstruktive Analyse beinhalte das Problem des habituellen Standpunkts oder gar einer "Habitusgefangenschaft": Forschende seien selbst in disziplinären, theoretischen und sozialräumlichen Milieus sozialisiert, Forschung setze also eine Veränderung bei den Forschenden selbst in Gang, wenn tatsächlich Fremdes verstanden würde (S.24-27). Die Autoren ziehen daraus ein "konstruktivistisches Fazit", das sie mit drei Axiomen fassen: "Wirklichkeit ist stets konstruierte Wirklichkeit!", "Alles hat bzw. ergibt einen Sinn!" und "Nichts ist selbstverständlich!" (S.27-29) [4]

2.3 Allgemeine Grundlagen rekonstruktiver Analyse (S.30-62)

Das dritte Kapitel schildert sprachwissenschaftliche und methodologische Grundannahmen des "Basisverfahrens". Unter der Überschrift "Linguistische Grundlagen" finden sich Unterscheidungen wie die zwischen Zeichen-Index-Ikon, Signifikant-Signifikat und die Einbettung von Zeichen in Kontexte (Indexikalität) (S.30-38). Als "methodologische Grundannahmen rekonstruktiver Analyseverfahren" (S.38-46) gelten ein über den sprachlichen Ausdruck hinausgehender Sinn, dass Regeln und Relevanzen sprachliche Äußerungen bestimmten und dass diese rekonstruierbar seien. Es folgt die Aufforderung, die Sinnhaftigkeit von Texten zu unterstellen, Analyse und Interpretation klar zu trennen und einen strikten Gegenstandsbezug (konsequentes Belegen von Interpretationen) zu wahren. Schließlich werben die Autoren für eine Rekonstruktionshaltung, die eigene Interpretationen aufschiebt, und fordern dazu auf, Deutungen transparent darzustellen. [5]

Auf S.46-62 skizzieren die Autoren das "integrative Basisverfahren der rekonstruktiven Analyse", in das die Metaphernanalyse als eine von vielen möglichen Auswertungsmethoden integriert werden soll. Es wird wie folgt charakterisiert:

"Eine Vielzahl analytischer Werkzeuge in einem offenen Auswertungsprozess integrativ verfolgen zu können – dies ist der Kerngedanke der nun vorzustellenden integrativen texthermeneutischen Analysemethode. [...] Das hier vorgestellte analytische Basisverfahren steht damit nicht in Konkurrenz zu anderen methodischen Verfahrensanleitungen – wie bspw. der Inhaltsanalyse (exemplarisch Mayring 2003) oder der dokumentarischen Methode (exemplarisch Bohnsack 2000) – oder speziellen analytischen Techniken (z.B. der Gesprächsanalyse, exemplarisch Deppermann 2001) oder Forschungsprogrammen (z.B. der Diskursanalyse, exemplarisch Keller 2004). Es stellt vielmehr eine Basis für die offene Anwendung verschiedener analytischer Perspektiven dar" (S.48). [6]

Zunächst werden in diesem Verfahren fünf (S.50f.; auf S.53 werden dann nur vier erwähnt) Aufmerksamkeitsebenen unterschieden: 1. Inhalt (thematisch-inhaltliches Gerüst), 2. Interaktion (z.B. in einem Interview), 3. Syntax, 4. Wortsemantik und zuletzt 5. die Erzählfiguren. Die Praxis des Auswertungsprozesses wird sehr kurz geschildert (S.55ff.): Es handle sich im ersten Auswertungsgang um eine sequenzielle Analyse nach STRAUSS und CORBIN (dies wird ohne weitere Erläuterung in einer Fußnote vermerkt; S.56). Insbesondere der Anfang eines Interviews solle auf allen Aufmerksamkeitsebenen analysiert werden. In dieser Phase könnten erste metaphorische Konzepte "festgehalten werden". Weitere Passagen und deren Interpretationen würden dann mit den Interpretationen der ersten Analyse abgeglichen, um unterschiedliche Lesarten auf der Grundlage einer textimmanenten komparativen Analyse zu gewinnen. Damit könnten auch Erzählungen anderer Befragter verglichen werden, auch eine "reflexive Dekonstruktion vermeintlicher Selbstverständlichkeiten im Bezugsrahmen sowohl der Befragten als auch der Analysierenden" werde angestrebt (S.57). In weiteren Fußnoten werden zur Erläuterung weitere kurze Verweise auf STRAUSS und CORBIN (1996 [1990]) und die objektive Hermeneutik (WERNET 2006) gegeben. Ziel dieses Vorgehens sei die Bündelung zentraler Motive (KRUSE et al., S.57) eines Texts und die Herausarbeitung von Thematisierungsregeln (S.59). Die letzten drei Seiten dieses Abschnitts beschäftigen sich mit der Bedeutung der Gruppe für den Analyseprozess. Diese Überlegungen nehmen etwas mehr als die Hälfte des Buches ein; dann beginnen die Abschnitte zur Metaphernanalyse. [7]

2.4 Metapherntheoretische Grundlagen (S.63-92)

Auf den ersten fünf Seiten dieses Abschnitts (S.63-68) findet sich eine gedrängte, aber sehr gut lesbare Einführung in die zentrale und von klassischen Definitionen abweichende Fassung des Begriffs der Metapher nach LAKOFF und JOHNSON: Die metaphorische Übertragung von alten Erfahrungen auf neue oder komplexe Phänomene sei keinesfalls ein rein sprachliches Phänomen, daher biete sich die kognitive Metapherntheorie als Hintergrundannahme qualitativer – oder rekonstruktiver – Forschung an (S.68-73). Die impliziten Schlussregeln metaphorischen Denkens werden am Beispiel des Redens über Anglizismen in der Sprache diskutiert: Wenn Formulierungen in einer anderen Sprache als der eigenen als Krankheit, als Eindringen oder als Verunreinigung metaphorisiert werden, werden nicht nur Bilder übertragen, sondern Handlungshorizonte und Werte. Kultur ließe sich daher als Gemeinschaft metaphorisch strukturierter Diskurse verstehen (S.73-75). Eine Stärke der Metaphernanalyse sehen die Autoren in der Analyse, "welche Konzeptualisierungen [...] als selbstverständlich wahrgenommen werden" (S.76). Auf vier Seiten werden die verschiedenen Formen der Metapher nach LAKOFF und JOHNSON (1980) dargestellt. Kurz und konzentriert werden das Verhältnis der kognitiven Metapherntheorien zu ihren Vorläufern (ARISTOTELES, RICHARDS, BLACK, SEARLE und WEINRICH) in der Darstellung u.a. nach JÄKEL (1997) skizziert (KRUSE et al., S.80-83). Das Kapitel thematisiert im Weiteren die Implikationen der sehr weiten Definition von Metapher und das Problem der Unterscheidung von Metaphorischem und Nicht-Metaphorischem. Kurze Skizzen umfassen ferner die historische Veränderung von Metaphern, die Diskussion um die "linguistische Relativitätstheorie" (bestimmt die Sprache die Weltsicht?) und die Vermutung, dass die von LAKOFF und JOHNSON formulierte "Unidirektionalitäts-Hypothese" zu einfach sei: Es sei nicht nur eine Übertragung von einfachen, gestalthaften Erfahrungen auf komplexe und neue zu denken, sondern auch eine Ausstrahlung komplexer Gegenstände auf jene einfacheren Modelle, mit denen sie in der Metapher implizit verglichen würden. Zuletzt folgt eine reflexive Wendung: Auch Forschung oder eine Einführung in die Metaphernanalyse sei durch Metaphern strukturiert – auch Paradigmen enthielten im Kern Metaphern (KUHN 1993). Dies sei problematisch: Metaphern immunisierten, wo sie eine Verständigung über Erkenntnis suggerierten, die Analyse aber noch nicht geleistet sei (KRUSE et al., S.83-88). [8]

2.5 Methodik und Praxis der Metaphernanalyse (S.93-117)

Auf zehn Seiten werden vier praktische Schritte einer Metaphernanalyse vorgestellt (S.93-103), wobei die Autoren sich auf von mir verfasste ältere Texte stützen. Insbesondere das vierstufige Verfahren aus SCHMITT (1997) wird genutzt, während in SCHMITT (2003) fünf Schritte vorgeschlagen werden. Die Autoren wählen dafür neue Überschriften und bauen die Vorlage entsprechend um:

  • "Ausschneiden und Sammeln": Dieser Schritt umfasst die Identifikation von Metaphern in den auszuwertenden Primärtexten, die mithilfe ihres unmittelbaren Textumfelds in eine separate Datei kopiert werden. KRUSE et al. beschränken die Identifikation von Metaphern nicht auf den Bereich der Forschungsfrage, sondern scheinen alle Metaphern eines Textes identifizieren zu wollen und schlagen die Nutzung einer Auswertungsgruppe vor.

  • "Kategorisieren": Mit "Kategorien" meinen die Autoren metaphorische Konzepte, die in diesem Vorgang aus der Liste metaphorischer Redewendungen rekonstruiert werden: "Es geht in diesem Schritt darum, die Metaphern inhaltlich, semantisch und logisch zu gliedern" (S.97). Vor allem an den Beispielen wird gut deutlich, dass hier Übereinstimmungen einer bildlichen Übertragung von einem Quellbereich auf einen Zielbereich gesucht werden. (Ein Beispiel: Zur metaphorischen Redewendung "die überlebenden Spermien" rekonstruieren KRUSE et al. den Quellbereich "Krieg" und den Zielbereich "Befruchtung".)

  • "Abstrahieren und Vervollständigen": Hier werden die Implikationen der metaphorischen Konzepte im Hinblick auf Akteure, Absichten und Verlauf der Erzählungen entfaltet sowie implizite Kausalitätsvermutungen benannt, die in den metaphorischen Konzepten enthalten sind.

  • "Interpretation und Einbindung": Die kritische Außensicht auf die metaphorischen Konzepte bzw. Kategorien kommt im vierten Schritt zur Geltung: Welche Sichtweisen sind mit den Sprachbildern verbunden? Welche Handlungsmacht wird den Akteuren in diesen Metaphern gegeben/genommen? Was wird durch sie ausgeblendet? Welche metaphorischen Konzepte kollidieren miteinander? [9]

Diese vier Schritte werden anhand eines populärwissenschaftlichen Internet-Textes über die Befruchtung plastisch demonstriert (vgl. auch SCHMITZ & SCHMIEDER 2006). Es folgt eine kurze, sehr praxisnahe Einleitung in die computergestützte Metaphernanalyse mit MaxQDA, die sich an MARSCH (2007) anlehnt (KRUSE et al., S.103-106). Diese wird vorgeführt an einem weiteren Beispiel einer Re-Analyse von Interviews, die in einem Projekt zum Umgang mit Handlungsfehlern in zwei Jugendämtern im Bereich des Kinderschutzes erhoben wurden: In welchen metaphorischen Konzepten werden Fehler von den Professionellen aufgefasst, welche Implikationen für den Umgang mit Fehlern haben diese Konzepte? Die vier Schritte werden mit Beispielen ihrer Kodierung in MaxQDA durchgeführt, und einzelne metaphorische Konzepte wie z.B. "Fehler sind ungeplante Reisen" im Hinblick auf ihre Folgen für ihre Bewältigung diskutiert (S.107-117). [10]

2.6 Ausblick: Texte eröffnen und (metaphorischen) Sinn erschließen (S.118-120)

KRUSE et al. betrachten die Metaphernanalyse als "Schlüssel" zur Erschließung metaphorischen Sinns; als verbindender "Schlüsselring" soll das "integrative Basisverfahren" für weitere sprachlich-kommunikative Phänomene sensibilisieren. Den Verfassern ist eine Festlegung auf die Metaphernanalyse zu eng und die gegenstandsbezogene Auswahl von Analysemethoden ein wichtiges Anliegen. Noch einmal ihr Selbstverständnis:

"Unser Ansatz beruht im Prinzip auf einem 'spezialisierten Generalismus': Dieser provoziert einerseits Omnipotenz-Fantasien. Er kann andererseits aber auch Überforderung und Ohnmachtsgefühle auslösen. Diese können gerade daraus resultieren, dass im Vordergrund nicht eine Beherrschung des Verfahrens steht. Wir betonen die Erfordernis einer stetigen Erweiterung und Verfeinerung des analytischen Schlüsselbundes, um den Sinn von Texten offen erschließen zu können. Die Metaphernanalyse ist in diesem Prozess ein mächtiger Schlüssel" (S.119f., Hervorhebung im Original). [11]

3. Die vorgestellte Methode im Feld anderer Metaphernanalysen

Für die konkrete Technik der Metaphernanalyse beziehen sich KRUSE et al., wie bereits erwähnt, auf eine Mischung von Vorschläge aus meinen Texten (SCHMITT 1997, 2003), welche ihrerseits auf SCHMITT (1995) beruhen. Diese Fokussierung versperrt den Blick darauf, dass es auch konkurrierende und weiterentwickelte, aber nicht erwähnte Ansätze gibt, die hier kurz vergleichend skizziert werden sollen, denn die Debatte um die "richtige" Metaphernanalyse ist nicht neu. Sie dreht sich um die Ausarbeitung einer Methodologie, die Rolle des Vorwissens (top down oder bottom up), den Schema-Begriff, die Rolle der körperlichen Mitbedingung metaphorischen Denkens und die Rolle der Kultur (KÖVECSES 2008) oder um die Unausweichlichkeit metaphorischen Sprechens auch in der Reflexion der Metapher und der eigenen Theoriebildung (JUNGE 2010, S.274). Da m.W. noch keine größere Übersicht über metaphernanalytische Methoden publiziert wurde, sollen an dieser Stelle acht Entwürfe sozialwissenschaftlicher Metaphernanalysen vergleichend skizziert werden. [12]

3.1 KOCH, DEETZ

Zunächst ist an die leider zu wenig rezipierten Pioniere einer sozialwissenschaftlichen Metaphernanalyse aus der Organisationssoziologie KOCH und DEETZ (1981) zu erinnern, welche die Analyse der sozialen Realität in Organisationen in Begriffen der kognitiven Metapherntheorie vornehmen (vgl. SCHMITT 2011a). Sie fassen die Struktur der Organisationsrealität als geteilte Interpretationen über die Natur der Organisation auf, es geht ihnen um das taking for granted Verstehen der Organisation (KOCH & DEETZ 1981, S.4), welche eine hermeneutische Entschlüsselung erfordere. Ihre sehr kurze Einführung in LAKOFF und JOHNSON enthält fast alle relevanten Bestimmungsstücke für eine Metaphernanalyse:

  • die Nutzung des metaphorischen Konzepts als Kernelement der Analyse,

  • den Hinweis, in der Erhebung ein metaphorisches Priming (z.B. metaphorisch lenkende Fragen) zu vermeiden,

  • dann in der eigentlichen Analyseprozedur die Metaphern zu identifizieren,

  • bevor die Konzepte gebildet werden,

  • und diese dann im Hinblick auf ihre Implikationen zu interpretieren. [13]

Diese Vorgehensweise wird an den Metaphern, in denen die Organisation als eine Maschine oder ein Organismus erscheint, exemplarisch vorgeführt. Danach werden die übereinstimmenden und divergierenden Aspekte entfaltet und weitere Metaphern (Organisation als Person, als "Trainer") diskutiert. Spätere metaphernanalytische Ansätze haben hier nur die Diskussion der Schemata und die Revision des Begriffsapparats in den Publikationen LAKOFFs (1987) und JOHNSONs (1987) sowie Überlegungen zu den Gütekriterien hinzugefügt. Selbst eine Heuristik der Interpretationsfindung wird ansatzweise entwickelt:

"The central questions are:

  • If particular metaphor structures are present, whose and which interests do they serve?

  • If metaphors guide thinking in one way rather than others, who stands to gain from that direction and who tends to lose?

  • Which metaphors tend to enhance the presentation of alternative positions, and thus enhance change and adaption, and which do not?

  • What kind of changes do certain metaphorical structures allow, and which ones do they make difficult?

  • What is the relationship between power and economic interests and the selection and perpetuation of metaphors?" (DEETZ 1986, S.181; Gliederung R.S.) [14]

Diese Heuristik bietet eine klare Inbezugsetzung von metaphorischen Deutungsmustern und gesellschaftlichen Machtrelationen und ist bei der Entfaltung der Bedeutung der gefundenen metaphorischen Muster sicher sinnvoll, jedoch als ausschließlicher Fokus einschränkend: Phänomene jenseits von Machtrelationen bleiben unberührt. DEETZ (1986) bindet in diese Methodik die Wissenssoziologie von BERGER und LUCKMANN als Referenzrahmen ein und expliziert ein Verständnis der Metaphernanalyse als Hermeneutik, die einer "critical science of organizations" zuarbeitet. [15]

Im Vergleich zum rezensierten Buch findet sich also ein anderer erkenntnistheoretischer Hintergrund (Hermeneutik, Wissenssoziologie), und es wird eine explizite, freilich etwas enge Heuristik vorgeschlagen, in welcher Weise Metaphern im Hinblick auf Machtfragen interpretiert werden können. [16]

3.2 BUCHHOLZ, von KLEIST

In der deutschen Diskussion ist das Vorgehen von BUCHHOLZ und von KLEIST (1995) bekannter, welches psychoanalytisch-klinische, konversationsanalytische und kognitiv-linguistische Annahmen zu verbinden versucht (vgl. SCHMITT 2010a). Sie formulierten zunächst sieben methodische Schritte einer Metaphernanalyse für die Analyse von psychotherapeutischen Gesprächen. BUCHHOLZ (1996, S.90-101) nennt dann abweichend davon, aber zusammenfassend vier Auswertungsregeln1):

  • Konstruktion eines metaphorischen Prototyps der Prozessvorstellung einer Therapie aus den ersten ein bis zwei längeren Patient/innenäußerungen auf die Frage, mit welchen Erwartungen der/die Klient/in die Kur begann (z.B.: Therapie als Beichte, als Lernen, als Training etc.);

  • Untersuchung der Implikationen des Prototyps der Prozessvorstellung: Welche Rolle, welches Programm wird dem/der Therapeut/in/, welches sich selbst in diesen Metaphern zugewiesen?

  • Suche nach weiteren Beispielen für diesen Prototyp;

  • Rekonstruktion der Beeinflussung der konkreten Interaktion durch diese Fantasie des Behandlungsprozesses. [17]

Auf die Kritik, dass mit dieser Form der Analyse vor allem auffällige Metaphern fokussiert und andere Metaphern übersehen würden, ein mögliches Gemisch gegensätzlicher Metaphern künstlich vereindeutigt und auch die Übertragbarkeit der Methode auf andere Themenstellungen begrenzt erscheine, entgegneten BUCHHOLZ und von KLEIST (1997), dass metaphernanalytische Untersuchungen nur den "rules of the thumb" (S.295) gehorchten und also ohne feste Regeln verfahren könnten (ähnlich: BUCHHOLZ & GÖDDE 2005, S.685 f.). In BUCHHOLZ, LAMOTT und MÖRTL (2008) werden Konversationsanalyse, Narrationsanalyse und Metaphernanalyse als "methodische Einheit" (S.141) innerhalb einer computergestützten Auswertung ("KANAMA" für Konversationsanalyse, Narrationsanalyse und Metaphernanalyse) verschmolzen. Die angegebenen vier Schritte der Auswertung sind Kodierregeln innerhalb des verwendeten Computerprogramms, welche nicht spezifisch für die einzelnen Methoden sind (S.140f.). [18]

Für eine Metaphernanalyse, deren Vorgehensweise einer kritischen Reflexion standhalten soll, ist hieran schwer anzuknüpfen. Hervorzuheben ist aber gegenüber dem oben besprochenen Buch, dass die Sprechhandlung im Gespräch selbst auf ihre latente metaphorische Steuerung hin untersucht wird, weil konversationsanalytische Überlegungen in das Verfahren eingewoben sind. Dies wird bei KRUSE et al. (S.53) als separate Aufmerksamkeitsebene losgelöst von der Metaphernanalyse behandelt. [19]

3.3 JÄKEL, DRULAK

JÄKEL (1997, 2003) untersucht abstrakte Diskursdomänen (Geistestätigkeit, Wirtschaft, Wissenschaft, Religion) und nähert sich in seiner Forschungsfrage, in welchen sprachlichen Mustern diese Phänomene gedacht werden, von linguistischer Seite dem Phänomen der "Alltagstheorien" oder "Alltagspsychologie", ohne diese jedoch auszuführen (vgl. SCHMITT & KÖHLER 2006). Er stellt eine "onomasiologisch-kognitive Metaphernanalyse" (JÄKEL 1997, S.153, 2003, S.142) vor, die sich eng an das linguistische Rahmenwerk von LAKOFF und JOHNSON anschließt, jedoch keine Heuristik zur Gewinnung von Interpretationen und Theorien entwickelt. Die von JÄKEL vorgeschlagenen elf Schritte sollen kurz skizziert werden:

  • Wahl des (abstrakten) Diskursbereiches als Zielbereich, der untersucht werden soll;

  • Zusammenstellung des zu untersuchenden Korpus;

  • Identifikation aller zum gesuchten Zielbereich passenden Metaphern;

  • Streichung aller idiosynkratischen Metaphern, Fokussierung auf konventionelle Metaphern;

  • Suche nach den Quellbereichen der verwendeten Metaphorik des o.g. Zielbereiches;

  • Formulieren der metaphorischen Konzepte;

  • Suche nach weiteren Metaphern, welche die gefundenen Konzepte ebenfalls realisieren;

  • eventuell notwendige Reformulierung und Spezifizierung der Formulierung der metaphorischen Konzepte;

  • Systematisierung der gefundenen Konzepte im Hinblick auf die Begrifflichkeit der (frühen) kognitiven Metapherntheorie (was allerdings in JÄKEL 2003, S.137 problematisiert wird);

  • Zusammensetzung mehrerer metaphorischer Konzepte zu einem idealized cognitive modell (ICM), einer Konstruktion aus LAKOFF (1987);

  • vergleichende Analyse der jeweiligen metaphorischen Fokussierungen. [20]

Vom hier besprochenen Buch (und von SCHMITT 1995, 1997) unterscheidet sich JÄKEL zunächst durch die klare Bestimmung eines Zielbereichs als Fokus der Analyse und der klaren Ausgrenzung auffälliger bzw. bewusst gesetzter Metaphern (die jedoch in sozialwissenschaftlicher Hinsicht so unspannend nicht sein müssen). Neu ist ebenfalls ein rekursiver Schritt, nach der ersten Formulierung von Konzepten sensibilisiert das Material erneut zu analysieren, um weitere Metaphern zu finden und Konzeptformulierungen zu ergänzen oder zu korrigieren. Vor allem der Einbezug des idealized cognitive modell ist ein Alleinstellungsmerkmal: Damit wird versucht, mehrere metaphorische Konzepte untereinander zu ordnen, was mit wenigen Ausnahmen (SCHMITT 1995; BUCHHOLZ, LAMOTT & MÖRTL 2008) kaum in sozialwissenschaftlicher Literatur übernommen wurde. Die eigentliche Interpretation interessiert in der pragmatischen Linguistik dann weniger. Neben DÖRING (2005) hat sich auch DRULÁK (2008) auf JÄKELs Vorgehensweise bezogen. Letzterer fordert jedoch, dass (insbesondere in sprach- und kulturvergleichender Forschung) der Zielbereich für unterschiedliche Sprecher/innengruppen auch unterschiedlich formuliert werden müsse; und er will auch eine deduktive Analyse ermöglichen, also von vornherein nach bestimmten Metaphern suchen, um auch ihr Fehlen interpretieren zu können. Auf dieses Problem werde ich in Abschnitt 3.8 eingehen. [21]

3.4 PRAGGLEJAZ, MIPVU

Die derzeit in der pragmatischen Linguistik am stärksten beachtete Methodik der Identifikation von Metaphern ist nach mehreren Vorläufer-Publikationen (CAMERON & LOW 1999; STEEN 2004; SEMINO, HEYWOOD & SHORT 2004; PRAGGLEJAZ 2007) in einer vorerst abschließenden Fassung erschienen ("MIPVU" für "Metaphor Identification Procedure Version Amsterdam"), STEEN et al. 2010). Ihnen gemeinsam ist die Kritik an einer nicht immer nachvollziehbaren Identifikation von Metaphern und der Versuch, mit einem ausgearbeiteten Set von Regeln valide Bestimmungen von Metaphern zu ermöglichen. In der Fassung bei STEEN und Kolleg/innen (2010) umfasst allein das weitgehend beispielfreie Regelwerk 17 Seiten (S.25-42), die Erläuterungen in Beispielen das ganze Buch, sodass hier nur eine grobe Übersicht gegeben werden kann:

  • Auf der Wortebene wird nach möglichen Metaphern gesucht.

  • Die dabei erhaltenen Funde werden daraufhin untersucht, ob sie Bedeutung aus einem Bereich üblicher Bedeutung des Worts auf einen anderen übertragen ("cross domain mapping", S.25), und als indirekte Metaphern gekennzeichnet. Die Üblichkeit der Bedeutung ("basic meaning", a.a.O.) wird auch mithilfe von Wörterbüchern operationalisiert.

  • Explizit mit dem Kontext inkongruente Worte werden ebenfalls dahin gehend untersucht, ob eine Bedeutungsübertragung aus einem Bereich auf einen anderen stattfindet.

  • Als Ellipsen gebrauchte Pronomen für eine metaphorische Redewendung werden ebenfalls als Metaphern identifiziert.

  • Lexikalische Markierungen als Vergleich werden ebenfalls als Metaphern ernst genommen.

  • Im Falle von Wortzusammensetzungen wird geprüft, ob ein Teil des Worts die bisherigen Bestimmungen erfüllt. [22]

Für diese Regeln werden Differenzierungen im Grad der Metaphorizität und Spezifikationen im Hinblick auf unterschiedliche Wortklassen angeboten. Die Fokussierung auf die Identifikation von Metaphern ist offensichtlich, die Rekonstruktion von metaphorischen Konzepten unterbleibt, da die Autor/innen sich keine verlässlichen Regeln dafür vorstellen können (S.8). Für ihre Forschungsfragen sind metaphorische Konzepte auch nicht relevant: Sie suchen nach einer reliablen und validen Operationalisierung, welche quantitative Vergleiche des Metapherngebrauchs zwischen verschiedenen Genres (poetische Texte, Wissenschaftstexte, Zeitungen etc.) erlaubt. Die Analyse der Übertragung von Bedeutung, welche vor allem qualitativ Forschende interessiert, steht nicht im Zentrum. Mit dieser Fokussierung könnte man diesen Ansatz in der qualitativen Forschung übergehen, wenn er nicht den Finger in die Wunde gar zu beliebiger Metaphernidentifikationen legen würde (vgl. auch die Kritik in SEMINO et al. 2004). Allerdings hat die Genauigkeit einen weiteren Preis: Mit der Fokussierung auf die Wortebene sind szenische Erzählungen, die als Beispiel für eine metaphorische Übertragung dienen könnten, aus der Analyse ausgeschlossen (vgl. Fußnote 4). [23]

3.5 ANDRIESSEN

Ein Ansatz zur Rekonstruktion metaphorischer Konzepte ist von ANDRIESSEN (2006) unabhängig von der deutschen und angelsächsischen Methodendiskussion entwickelt worden: Er löst verblüffend einfach zunächst die Subjekt-Prädikat-Achse eines Satzes heraus und befragt sie auf ihre versteckten ontologisierenden Metaphorisierungen: Mit welchen Verben wird das zuvor ausgewählte Zielwort (aus der Forschungsfrage) genutzt, welche implizite metaphorische Zuschreibung ergibt sich daraus? Erst in einem zweiten Durchgang wird untersucht, ob es Substantive und Adjektive gibt, die Aspekte des zu untersuchenden Phänomens metaphorisch transportieren, dann werden die Konzepte bestimmt. Eine quantitative Auswertung nach unterschiedlichen Nutzer/innengruppen schließt sich an. Leider verzichtet er unnötigerweise auf die Terminologie von LAKOFF und JOHNSON ("Modelle" statt "Konzepte") und vergibt damit Anschlussmöglichkeiten. Seine Methode besticht im Vergleich zum oben rezensierten Buch durch das Tempo der Analyse und den schnellen Zugriff auf verdinglichende Metaphern. Voraussetzung dazu ist aber die Klärung der Forschungsfrage. [24]

3.6 STRAUB, SEITZ

Für die Kulturpsychologie haben STRAUB und SEITZ (1998) Metaphern erhoben, um eine vergleichende Typik im Erleben und der Beschreibung historischer Umbrüche zu entwickeln (vgl. SCHMITT 2010b). Diese Autoren geraten in die Gefahr, ohne systematische Methodik komplexe metaphorische Szenarien zu verkürzen, wenn in ihrer historisch-psychologischen Analyse z.B. der "Anschluss" Österreichs an das nationalsozialistische "Großdeutschland" im Jahr 1938 metaphorisch als "Einverleibung" und als "Aufspringen auf einen fahrenden Zug" rekonstruiert wird – es dürfte weitere metaphorische Konzepte dieses Ereignisses gegeben haben. Ihre Fokussierung auf "resonante", d.h. auffällige Metaphern birgt das Risiko einer weiteren Verkürzung:

"Geht man mit Black davon aus, dass es die so genannten resonanten Metaphern sind, die 'ein hohes Maß an implikativer Elaboration gestatten' (Black 1979, S.29), so legt der Interpret fest, welche Metaphern als besonders reichhaltig oder resonant gelten können und sollen" (STRAUB & SEITZ 1998, S.250). [25]

"So legt der Interpret fest [...]": An diesem Punkt unterscheidet sich das rezensierte Buch am stärksten wohltuend von diesen und älteren Metaphernanalysen. Einsame Entscheidungen einsamer Interpret/innen für eine einsame Metapher scheinen keine angemessenen Voraussetzungen für differenzierte und den Texten wie ihren Produzent/innen gerecht werdende Interpretationen zu sein. Es sind Regeln der Textauslegung möglich, welche alle für eine Fragestellung relevanten Metaphern rekonstruieren und ihre eventuell auch widersprüchlichen Sinngehalte bündeln. SEITZ (2004) thematisiert unverändert den gleichen, sich auf RICOEUR beziehenden Ansatz der Unterscheidung von "toten" und "lebendigen" Metaphern (S.274f.) Diese Unterscheidung ist selbst eine metaphorische und, wie LAKOFF und JOHNSON (1980) zeigen, wirken die angeblich "toten" Metaphern als "Untote" weiter. LAKOFF und JOHNSON werden gegen ihre erklärten Ansichten von SEITZ (2006) als Theoretiker der "lebendigen" Metapher diskutiert (S.275), zudem bezieht sich auch SEITZ noch immer (S.278) auf die alte Unterscheidung von konzeptuellen, Orientierungs- und ontologischen Metaphern von 1980, die späteren Revisionen der kognitiven Metapherntheorie (LAKOFF 1987; JOHNSON 1987) sind nicht eingeflossen. Die wenig trennscharfe Einteilung in situative, episodische, periodische und lebensübergreifende Metaphern (SEITZ 2004, S.279-286) verdeckt Bezüge, dass nach den bisherigen Interpretationserfahrungen (SCHMITT 1995) die gleichen konzeptuellen Metaphern sowohl situativ wie lebensübergreifend auftauchen. [26]

3.7 MAASEN

MAASEN erwähnt in ihrer Einführung in die Wissenssoziologie explizit die Metaphernanalyse als Methode (2009, S.70-74; vgl. MAASEN & WEINGART 1995; SCHMITT 2011a ). Ihr Metaphernbegriff ist breit und heterogen, LAKOFF und JOHNSON werden wie andere nur summarisch genannt. Stärker als die Entwickler der kognitiven Metapherntheorie interessiert sie sich dafür, wie der Eintritt einer Metapher in einen Diskurs als "neue" und ihre Assimilation zur unauffälligen "toten" Metapher zu beschreiben sei (MAASEN 2009, S.72). Ferner bezieht sie sich auf LUHMANNs Konzept der Evolution von Semantiken und auf FOUCAULTs Orientierung an den Mechanismen und Praktiken, durch die Diskurse reguliert werden. Dieses besondere Interesse an der Veränderung von Bedeutungen wird in ihrer Methodik deutlich, die als quantitative, bibliometrische Methode darauf zielt, große Korpusbestände zu durchsuchen. Ihre Methodik enthält die folgenden Schritte (S.73):

  • Entscheidung für ein"Wissenselement", d.h., einen metaphorischen Begriff in seinen unterschiedlichen Stadien als unmetaphorisches Wort, als neue und dann als verdinglichte Metapher, die zu beforschen ist (z.B. "Chaos");

  • Verfolgen der Karriere dieses Wissenselements mit computergestützten bibliometrischen Methoden im Hinblick auf seine Häufigkeit und Diffusion bzw. Konzentration auf mehr bzw. weniger Disziplinen;

  • Selektion der Diskurse, die für die Fragestellung relevant erscheinen;

  • Durchführung einer Diskursanalyse der Interaktionen des Begriffs mit einzelnen Kontexten in einzelnen Zeiten und Disziplinen, dabei werden Besonderheiten der Aneignung und des Bedeutungswandels rekonstruiert;

  • zuletzt Klärung der Frage, ob die verschiedenen Bedeutungsnuancen einen Topos bzw. ein Dispositiv (i.S. FOUCAULTs) ergeben. [27]

Die Vorgehensweise von MAASEN ist als Korpusanalyse auf eine erheblich größere Materialmenge als bei qualitativen Metaphernanalysen bezogen. Den unbezweifelbaren Möglichkeiten einer quantitativen Vorgehensweise in sehr großen Textbeständen, die qualitative Verfeinerungen im Laufe der Interpretation hinzunimmt, ist die folgende Kritik entgegenzuhalten: Die Entscheidung für einen zu untersuchenden Begriff, der als Metapher gelten soll, wird vor dem empirischen Forschungsprozess getroffen. Statt der Erschließung vorgängiger Denkmuster gibt eine willentliche Setzung einer bestimmten Metapher als Fokus den folgenden Verlauf der Analyse vor. Damit gerät die heterogene Vernetzung von Metaphern im Verbund mit anderen, konträren und ergänzenden Bildern aus dem Blick. Eine Überschätzung der Bedeutung der jeweiligen untersuchten Metapher im Vergleich zu anderen ist mit der Methode nicht auszuschließen. Weil nicht auf den Konzeptbegriff von LAKOFF und JOHNSON Bezug genommen wird, kann das Verhältnis zwischen einzelnen metaphorischen Redewendungen und ihren gemeinsamen Sinnmustern nicht ausformuliert werden. Freilich ist für Korpusanalysen und deren Textvolumina eine Methodik wie die des rezensierten Buchs (oder die von mir vorgeschlagene, s. den nächsten Abschnitt) wegen des nicht einlösbaren Umfangs von Arbeitszeit nicht anwendbar.2) [28]

3.8 SCHMITT

Da KRUSE et al. auf meine Arbeiten, jedoch in einer veralteten Fassung, zurückgreifen, scheint es sinnvoll, die zuletzt vorgeschlagene siebenstufige Vorgehensweise (SCHMITT 2007, 2010a, 2010b, 2011b) kurz zu skizzieren. Sie setzt, wie die meisten hier genannten Verfahren, eine Kenntnis der Publikationen von LAKOFF und JOHNSON voraus und verortet sich in einer hermeneutischen Tradition (GADAMER 1986 [1960]; HABERMAS 1967, 1968, 1970). [29]

3.8.1 Klärung der Forschungsfrage

Zunächst sollte als Forschungsfrage entwickelt werden, welche Phänomene als Zielbereich einer Metaphorisierung untersucht werden sollen (z.B. Selbst, Wissen, Bildung, Drogengebrauch, soziale Abweichung etc.). Mit dieser spezifischen Formung von Forschungsfragen wird deutlich, dass nicht alle Forschungsfragen bearbeitbar sind, sondern nur solche, in denen zumindest teilweise die spezifische soziale Konstruktion eines Phänomens interessiert. [30]

3.8.2 Sammlung der kulturellen Hintergrundmetaphern, Eigenanalyse

  • Um die kulturell übliche Metaphorisierung eines Themas zu erfassen, wird ein Horizont von möglichen Metaphernfeldern zu den Zielbereichen aus heterogenen Materialien gesammelt (Lexika, Broschüren, Zeitungen, Protokolle, Publikationen u.a.). Diese Sammlung dient als kultureller Vergleichshorizont, um das Fehlen, eine besondere Häufigkeit oder eine Ähnlichkeit der metaphorischen Konstruktionen im untersuchten Feld beschreiben zu können.

  • Die eigenen Metaphern der Interpret/innen für das Thema werden erhoben (Analyse eigener Texte), da sie sonst als gegeben hingenommen und übersehen werden. Diese Vorbereitung ermöglicht eine Reflexion der Standortgebundenheit der Interpret/innen. [31]

3.8.3 Erhebung des Materials

Da die hier vorgeschlagene Metaphernanalyse durchaus aufwendig ist, wird ein sparsames Sampling (theoretical sampling im Sinne der Grounded-Theory-Methodologie; vgl. GLASER & STRAUSS 1998 [1967]) oder eine "maximale Variation der Perspektiven" (KLEINING 1995) vorgeschlagen. Metaphernanalysen können alle schriftlichen Dokumente nutzen (Gesprächsaufnahmen, Interviews, Internetkommunikation, Briefe, Gerichtsurteile, theoretische Literatur u.a.). [32]

3.8.4 Systematische Analyse einer Gruppe bzw. eines Einzelfalls

  • Die Texte werden in einer Wort-für-Wort-Analyse in ihre metaphorischen Bestandteile zergliedert; alle bildlichen Wendungen, welche in den Fokus der Forschungsfrage fallen, samt ihres unmittelbaren Text-Kontextes werden in einer separaten Liste erfasst. Szenische Erzählungen werden hier ebenfalls notiert.

  • Kulturelle bzw. individuelle metaphorische Konzepte werden aus dieser Liste durch systematischen Vergleich rekonstruiert und stellen die Grundlage für die weitere Interpretation dar. Dieser zentrale und als Hermeneutik zu fassende Schritt identifiziert die in einem lokalen Text vorkommenden Muster. [33]

Die beiden Schritte sind zu trennen, um vorschnelle und "überinterpretierende" Deutungen zu vermeiden. Je nach Forschungsfrage erfolgen sie einzelfall- oder gruppenbezogen. Für beide Schritte liegen Beispielsätze und Listen von typischen Problemen vor.3) [34]

3.8.5 Interpretation mithilfe einer Heuristik

Die Rekonstruktion der in den metaphorischen Konzepten verdichteten Sinnstrukturen bedient sich einer Heuristik, in der typische Ausgangspunkte von möglichen Interpretationen genannt werden: der Vergleich der Konzepte untereinander, die Analyse von aufmerksamkeitsfokussierenden und -ausblendenden Funktionen des jeweiligen metaphorischen Konzepts etc., die analytische Rekonstruktion der dadurch perspektivierten Handlungen, Einstellungen, Emotionen, Selbst- und Fremd-Definitionen, das Fehlen von Konzepten u.a. (SCHMITT 2003). [35]

3.8.6 Triangulation, Gütekriterien

Die Notwendigkeit einer Auswertungsmethoden-Triangulation ist von der Forschungsfrage abhängig: Zielt die Forschungsfrage über Phänomene hinaus, die von der Metaphernanalyse rekonstruiert werden können, ist die Einbeziehung anderer Methoden sinnvoll; so z.B. bei einer Analyse von Gesprächsabläufen die Kontrastierung mit der Konversationsanalyse (Beispiele in SCHMITT 2003), mit der Grounded-Theory-Methodologie (SCHULZE 2007) oder mit ethnografischen Methoden (ARMSTRONG, DAVIS & PAULSON 2011). Gütekriterien einer Metaphernanalyse werden in Anlehnung an die neuere Diskussion von Gütekriterien in der qualitativen Forschung in SCHMITT (2005) diskutiert (u.a. Ausdifferenziertheit der gefundenen metaphorischen Konzepte, Ausmaß ihrer Sättigung mit Material, Ausführlichkeit der Rekonstruktion ihrer Implikationen). [36]

3.8.7 Darstellung

Diesem Punkt ist in bisherigen Darstellungen metaphernanalytischer Methoden wenig Aufmerksamkeit geschenkt worden, obschon die Vermittlung oft auf Widerstände stößt, wenn dem Publikum der erweiterte Metaphernbegriff nicht vertraut ist und eine Darstellung überlegt sein will: Möglich sind narrative, tabellarische und visuelle Darstellungen typischer metaphorischer Konzepte, die Entfaltung ihrer (konkurrierenden) Sinngehalte, die Diskussion der Bedeutung auffälliger und der im Vergleich zur kulturellen Hintergrundmetaphorik (Schritt 2; Abschnitt 3.8.2) fehlenden Metaphorik sowie die Rekonstruktion sozialer und/oder biografischer Sinnzusammenhänge. [37]

Im Vergleich zu der von KRUSE et al. genutzten Vorlage sind also hinzugekommen: die Reflexion der Forschungsfrage im Hinblick auf ihre Beantwortbarkeit mit der Methode, der kritische Vergleich der zu erhebenden Metaphern mit dem kulturellen Hintergrund, die Eigen-Analyse der metaphorischen Vorstrukturierung der Interpret/innen, Überlegungen zu einer passenden Form der Erhebung, zur Triangulation, zu den Gütekriterien sowie zur Darstellung der Ergebnisse (vgl. SCHMITT 2007). [38]

3.9 Fazit des Vergleichs der metaphernanalytischen Methoden

Der Durchgang durch die eigenständigen metaphernanalytischen Verfahren4) dürfte vor allem eines gezeigt haben: Die Diskussion ist unabgeschlossen. Zwischen der Einzelfallanalyse und der Analyse großer Korpora von mehreren Millionen Worten, zwischen wissenssoziologischen, psychoanalytischen, hermeneutischen oder rekonstruktiven Ansätzen, zwischen strikt induktiven und in unterschiedlichem Ausmaß mit deduktiven Vorgehensweisen operierenden Verfahren, zwischen dem Ausmaß des Rückgriffs auf LAKOFF und JOHNSON und damit der Nutzung des metaphorischen Konzepts als Kernelement der Analyse und im Grad der pragmatischen Ausgereiftheit gibt es große Unterschiede zwischen den Verfahren. Aufgrund heterogener Aufgabenstellungen wird es unterschiedliche metaphernanalytische Vorgehensweisen geben müssen – und ein kurzer Verweis auf diese Heterogenität wäre in einem einführenden Buch durchaus sinnvoll gewesen. [39]

4. Diskussion: Ein großer Anspruch ...

Der Anspruch des kleinen Buchs ist groß: Es will sowohl in eine universelle Methodik einführen wie in eine spezifische Metaphernanalyse, die aufgrund ihrer linguistischen Grundlagen sich bisher als Fremdkörper im Kontext qualitativer Forschungen gehalten hat – trotz vielfältiger Versuche ihrer Adaptation, welche die Leseroutinen des qualitativen Felds bisher kaum beeinflusst hat. Und es ist vieles gelungen: Die Einführung in die zentralen Ideen von LAKOFF und JOHNSON auf den Seiten 63-75 ist schön zu lesen und didaktisch gut aufgebaut. Das Gleiche gilt für die einprägsamen Beispiele (Diskurs zu Anglizismen; Beispiele zur populärwissenschaftlichen Darstellung von Befruchtung; Wahrnehmung von Fehlern im professionellen Handeln im Jugendamt). In diesem Stil – und allein auf die Metaphernanalyse bezogen – hätte man sich das ganze Buch gewünscht. Stattdessen sind kritische Anmerkungen zu notieren:

  • Die Rolle der Forschungsfrage wird nicht bedacht; stattdessen soll das Basisverfahren ermöglichen, sich "auf die Gesamtheit sprachlich kommunikativer Phänomene einlassen zu können" (KRUSE et al., S.62). Was aber, wenn die Forschungsfrage dieses Ziel gar nicht hat, sondern – vor allem in angewandter Forschung – sehr viel spezifischer ist? Die Forschungsfrage als zentraler Operator des Forschungsprozesses wird nicht thematisiert.

  • Zudem fokussieren die Beispiele und die Logik der ersten Kapitel sehr stark Interviews, z.B., dass der Eingangspassage eines Interviews eine besondere Bedeutung zukomme (S.55f.). Andere Dokumente und deren Eigenlogik werden nicht explizit bedacht – aber als erstes Beispiel für die Metaphernanalyse wird später (S.96) ein Text aus einem Internetforum genutzt, für den sich z.B. die Frage nach der Sequenzialität noch einmal ganz anders stellt. Das sieht nach Brüchen aus, es drängt sich auf, dass die hier vorgestellte Metaphernanalyse, bei der die Sequenzialität nur bei entsprechender Forschungsfrage eine Rolle spielt, zu sperrig für den Rahmen der Basismethodologie wäre.

  • Das integrative Basisverfahren wird für eine Einführung viel zu kurz gefasst (S.46-62), zumal es ja als Rahmen eines weiteren Verfahrens dienen soll. Fußnoten mit Anspielungen auf die Grounded-Theory-Methodologie und die Objektive Hermeneutik klären nicht nur für die Zielgruppe eines dünnen Einführungsbands nicht, wie die unterschiedlichen Techniken und Methodologien zusammenhängen sollen. Die Zahl der zitierten Klassiker von BOURDIEU und BUBER über FOUCAULT und GARFINKEL, HABERMAS und MANNHEIM bis hin zu WATZLAWICK und WHORF ist beeindruckend, aber in einer Einführung, die zudem nur eine Ouvertüre für ein anderes Verfahren ist, scheint es kaum möglich, deren Gedanken wirklich zu entfalten und sinnvoll aufeinander zu beziehen. Auch erscheint nicht alles nötig: Die Unterscheidung von Signifikant/Signifikat nach SAUSSURE (S.32) spielt für die Metaphernanalyse, deren Initiatoren LAKOFF und JOHNSON in einem anderen Theoriestrang der Linguistik verortet sind, keine Rolle. Und: Ist diese "Basis-Methodologie" nicht etwas, das man früher eine "Propädeutik", eine "Vorschule" der qualitativen Forschung genannt hätte? [40]

Trotz einer vorzüglichen Einführung in die Kerngedanken der Metapherntheorie der kognitiven Linguistik sind auch zu diesem Textteil kritische Anmerkungen notwendig: Das Buch bezieht sich auf LAKOFF und JOHNSON (1980) bzw. die unveränderten deutschen Übersetzungen ab 1998. Die Veränderung der Terminologie in den Werken von JOHNSON (1987) und LAKOFF (1987) ist in der deutschen Fassung nicht enthalten, ebenso wenig das umfangreiche selbstkritische Nachwort der Autoren in den englischen Fassungen ab LAKOFF und JOHNSON (2003). So wird im rezensierten Buch die veraltete Aufteilung der Metaphern (Strukturmetaphern, Orientierungs-, ontologische Metaphern) aufgezählt (KRUSE et al., S.76-80). Diese Klassifizierung mutet verwirrend und wenig systematisch an, was die Autoren auch selbst bemerken (S.80). Aber die neue einfachere Terminologie (Einzelmetaphern, metaphorische Konzepte, einfachste Bild-Schemata) der späteren kognitiven Metapherntheorie wird nicht rezipiert. Das verwundert, da die Autoren sich mit JÄKEL (1997) auf einen Autor beziehen5), der die Theorie auf einem neueren Stand beschreibt, und auch einführende Publikationen frei zugänglich sind, welche auf diese Probleme hinweisen (SCHMITT 2004). [41]

Ebenfalls wie nicht bis zu Ende gelesen wirken die Überlegungen zur linguistischen Relativitätstheorie, zu der es in LAKOFF (1987, S.304-337) eine skeptisch-differenzierte Diskussion gibt, dass unser Denken keineswegs allein durch die (gesellschaftlich vermittelte) Sprache bestimmt sei. Die kognitive Metapherntheorie ergänzt die kulturelle Vorstrukturierung individueller Kognitionen durch die Annahme des embodiment, d.h., den sensorischen Einfluss der Erfahrung auf Denk- und Sprachmuster. Dies ist schon im Buch von 1980 ein wichtiges Anliegen; in nicht ganz unproblematischer Betonung findet es sich in LAKOFF und JOHNSON (1999; vgl. SCHMITT 2009a, 2009b; STADELBACHER 2010). Ähnliches gilt für die Diskussion der o.g. Unidirektionalitätshypothese der alleinigen Übertragungen von einfach-sinnlichen Erfahrungen auf komplex-abstrakte (KRUSE et al., S.87). Die Autoren vermuten, es müsse Rückkopplungseffekte von komplexeren metaphorischen Projektionen auf die Ausgangsbedeutungen geben, was aber in der metapherntheoretischen Diskussion nicht neu ist: Anders als im Text dargestellt bezweifelt auch JÄKEL (1997; vgl. auch JÄKEL 2002, 2003) die Unidirektionalitätshypothese in ihrer strengen Lesart. Zudem wird als Blending-Theorie schon seit Längerem als Alternative diskutiert, dass die Interaktion von Quell- und Zieldomäne eigene Bedeutungsräume stifte (FAUCONNIER & TURNER 2002; zur Übersicht: EVANS & GREEN 2007 [2006], S.368 ff., 404 ff.). [42]

Im 5. Kapitel verwirrt der Begriff der "Kategorien" (KRUSE et al., S.97f.), wenn metaphorische Konzepte gemeint sind. Und hier lässt sich eine weitere Fehlstelle eines Buchs für Noviz/innen feststellen: Was sind metaphorische Konzepte, sozialwissenschaftlich gedacht? – Habitus? (bei SCHACHTNER 1999); Deutungsmuster? (bei WIEDEMANN 1989), soziale Repräsentationen? (bei WAGNER, F. 2007; WAGNER, W. & HAYES 2005); Suborganisationen eines Diskurses im Foucaultschen Sinn? (bei KARL 2006). Diese Bestimmung, wie metaphorische Konzepte im Vergleich mit üblichen sozialwissenschaftlichen Begriffen eingeordnet werden können, steht noch aus (SCHMITT 2004, 2011a). [43]

Zuweilen findet sich ein Rückfall in einen vortheoretischen Metaphernbegriff, z.B.: "Wir sehen die Metaphernanalyse als eines unter vielen Verfahrenselementen einer offenen rekonstruktiven Analysemethodik. Die vorgestellte Methode kann bspw. im Rahmen einer dokumentarischen Methode (Bohnsack 2000) bei der Analyse von Textstellen mit besonderer metaphorischer Dichte angewandt werden" (KRUSE et al., S.93). [44]

Genau das ist der Rückfall in eine literaturwissenschaftliche Beliebigkeit, die nach auffälligen Metaphern sucht6). Zwei Gegenargumente lassen sich finden:

  • Zwei Seiten später weisen die Autoren selbst darauf hin (S.95), dass die hier interessierenden Metaphern stark konventionalisiert und leicht zu übersehen sind. Sie haben selbst sehr schön im Anfangsteil herausgearbeitet, dass Fremdverstehen nur im Rahmen unserer eigenen Annahmen und Konstruktionen (zunächst) funktioniert. Wenn also keine Metaphern in einem Text auffallen, liegt es nahe, dass die dortigen metaphorischen Konzeptualisierungen unseren eigenen entsprechen – und daher aufklärungsbedürftig sind.

  • In der Diskussion über Gütekriterien der Metaphernanalyse (SCHMITT 2005, 2007) zeigte es sich als sinnvoll, im Rahmen des Metaphernbegriffs der kognitiven Metapherntheorie die Vollständigkeit der Auswertung von Materialien als Gütekriterium zu formulieren, um selektiven Wahrnehmungen wie der einer "besonderen metaphorischen Dichte" zu begegnen. [45]

Diese Kritik berührt ein Problem, das die Autoren selbst ansprechen: "Auch kann kritisiert werden, dass die Transparenz und Intersubjektivität sowie die methodische Kontrolle bei der im Prinzip zeitgleichen Anwendung verschiedener Analyseverfahren verloren gehen" (KRUSE et al., S.119) [46]

Hier zeigt sich am stärksten die Misslichkeit, die Metaphernanalyse als "kleine Technik" in ein größeres Verfahren einzubauen – das ist mit dem Verlust ihrer eigenen Gütekriterien verbunden. So sympathisch der Ansatz von KRUSE et al. ist, einer Schulenbildung im Allgemeinen und der Metaphernanalyse im Besonderen entgegenstehen zu wollen, so problematisch wirkt sich das auf die Qualität – ganz einfach auch im Sinne einer Gründlichkeit – an dieser Stelle aus. [47]

Zuletzt bleiben die Fragen: Wird dem textanalytischen Basisverfahren nicht zu viel zugemutet? Heißt "gegenstandsbezogene Auswahl von Zugängen" nicht unter Umständen auch, bei einer spezifischen Forschungsfrage ganz andere, nicht-qualitative Erhebungsmethoden einzubeziehen, z.B. bei einer Analyse der Metaphern für Alkoholkonsum ganz unmetaphorische Leberwerte aus dem Labor, Videos und Bilder aus der alkoholbezogenen Werbung und quantitative Daten zu verbrauchten Alkoholmengen? Das würde allerdings der Auffassung der Autoren widersprechen, in der ein Interview oder Text als "autonome Gestalt" (S.9) hypostasiert wird, dessen Verwicklung in die Lebenswelt bei der Analyse keine Rolle spielt bzw. spielen soll. Wird hier nicht qualitative Forschung – oder auch rekonstruktive Forschung – auf eine Textwissenschaft reduziert, die sich in eine unproduktive Opposition zu quantitativer Forschung begibt? Wäre es nicht sinnvoller, am Primat der Forschungsfrage festzuhalten und die Forschungsfrage als Organisator der Datenerhebung wie Auswertung zu nutzen, welche die unterschiedlichen Methoden problembezogen verbindet? [48]

5. Fazit: ... braucht mehr Raum

Das Buch will vieles auf einmal ansprechen – zu viel auf knappen 120 Seiten. Trotz der im Einzelnen genannten Kritiken wünscht man sich, dass das Buch rezipiert wird – die Einführung in die Grundgedanken von LAKOFF und JOHNSON ist, wie erwähnt, wirklich lesenswert. Und man wünscht sich, dass den Autoren Zeit und Raum gegeben ist, in einer nächsten Fassung eine deutlich umfangreichere Buchfassung (oder mehrere Einzelpublikationen) zu erstellen,

  • in der die rekonstruktive Basismethodologie deutlich ausführlicher entfaltet wird,

  • die Ausführungen zu LAKOFF und JOHNSON auf dem inzwischen erreichten Stand der kognitiven Metapherntheorie basieren,

  • und die Verbindung zwischen Basismethodologie und Metaphernanalyse mit mehr Raum expliziert werden kann.

  • Auch die bisher nicht publizierte Skizze zu den Metaphern, in denen Fehler im Jugendamt wahrgenommen werden, verdient als fachliche Neuigkeit eine separate und umfangreicher ausgeführte Publikation. [49]

Das Projekt einer rekonstruktiv eingebetteten Metaphernanalyse verspricht im Diskurs mit anderen metaphernanalytischen Vorgehensweisen eine aufschlussreiche Ergänzung zu werden, wenn es die genannten Weiterentwicklungen vornimmt. [50]

Danksagung

Für wertvolle Hinweise danke ich Anne-Kathrin HOKLAS, Anne BISCHOFF, Maria SCHUMANN und Sebastian SCHRÖER.

Anmerkungen

1) Ein drittes, davon abweichendes Vorgehen findet sich bei BUCHHOLZ (1996) auf S.210. <zurück>

2) KOLLER (2004) praktiziert ebenfalls eine Korpusanalyse mit einer Mischung aus qualitativen und quantitativen Elementen, welche die zu den Forschungshypothesen passenden Metaphern im Text sucht (vgl. kritisch SCHMITT 2009a, 2009b). <zurück>

3) Aktualisiert im Forum zur Metaphernanalyse: http://de.groups.yahoo.com/group/Metaphernanalyse/ [Zugriff: 23.9.2011]. <zurück>

4) Eine nicht von LAKOFF und JOHNSON ausgehende Thematisierung der Metapher im Rahmen der "dokumentarischen Methode" entwickelt BOHNSACK (2003). Er unterscheidet "begriffliche" Metaphern, die er dem Metaphernverständnis von LAKOFF und JOHNSON zuordnet, und "szenische" Metaphern im Sinn von "Beschreibungen und Erzählungen von (relativ) hohem Detaillierungsgrad, in denen zentrale Orientierungen ihren metaphorischen Ausdruck finden" (BOHNSACK 2003, S.67). Letztere nehmen als "Fokussierungsmetaphern" einen prominenten Platz in der von ihm vertretenen Forschungsmethode ein. Weiterentwicklungen in der Anwendung der systematischen Metaphernanalyse haben dazu geführt, die von BOHNSACK genannten szenischen Texte ebenfalls als Metapher (genauer: als Allegorie bzw. exemplarische Narration) zu fassen, zumal sie in aller Regel durch andere metaphorische Redewendungen validiert werden können. Insofern ist BOHNSACKs Abgrenzung gegen LAKOFF und JOHNSON für die systematische Metaphernanalyse nicht hilfreich. Darüber hinaus verleitet diese Definition der Fokussierungsmetapher dazu, eine einzige Metapher für zentral zu halten. <zurück>

5) Leider beziehen sich die Autoren nicht auf die deutlich erweiterte Auflage des Buchs (JÄKEL 2003). <zurück>

6) Vgl. Anmerkung 4 zur dokumentarischen Methode. <zurück>

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Zum Autor

Rudolf SCHMITT, Prof. Dr., Dipl.-Psych., Germanist (M.A.). Arbeitsschwerpunkt: Beratung, Soziale Arbeit mit psychisch kranken Menschen / mit stoffgebundenen Abhängigkeiten. Forschungsschwerpunkt: Metaphernanalyse.

Rudolf SCHMITT hat in FQS weitere Bände zu Metaphernanalyse besprochen (BRÜNNER & GÜLICH 2002, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs020382; GEIDECK & LIEBERT 2003, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs050340; LAKOFF & JOHNSON 2003, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs0402190; KUPERBERG & GREEN 2005, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs060256; HROCH 2005, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs070183; GANSEN 2010, MARSCH 2009 und NIEBERT 2010, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs1103195) sowie die Bände "Sozialwissenschaftliche Hermeneutik" (HITZLER & HONER 1997, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs0003444) und "Qualitative Forschung. Ein Handbuch (FLICK, VON KARDORFF & STEINKE 2000, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs010135) rezensiert. Beiträge zur Metaphernanalyse von SCHMITT sind in FQS 10(2) – Metaphernanalyse und die Konstruktion von Geschlecht (http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs0902167), in FQS 4(2) – Methode und Subjektivität in der Systematischen Metaphernanalyse (http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs0302415) – und FQS 1(1) – Skizzen zur Metaphernanalyse (http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs0001206) – zu finden. Zur Lehre qualitativer Forschung existiert ein Praxisbericht in FQS 8(2) (http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs0701D4S8).

Kontakt:

Prof. Dr. Rudolf Schmitt

Hochschule Zittau/Görlitz
Fakultät Sozialwissenschaften
Brückenstr. 1., G1
D- 02826 Görlitz

E-Mail: r.schmitt@hs-zigr.de
URL: http://www.hs-zigr.de/~schmitt

Zitation

Schmitt, Rudolf (2011). Review Essay: Rekonstruktive und andere Metaphernanalysen [50 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 13(1), Art. 2,
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs120124.



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