Volume 14, No. 1, Art. 10 – Januar 2013

"Was bedeutet ein Wal für Sie?" – Divergenzen von Walperzeptionen in Deutschland, Japan und Grönland

Frank Sowa

Zusammenfassung: In sozial- und kulturwissenschaftlichen Studien der 1990er Jahren fanden unterschiedliche Wahrnehmungen von Natur ihren Ausdruck in den Kategorien "Nation" und "Kultur". Auch in wissenschaftlichen und öffentlichen Diskursen zum Thema Walfang werden häufig unterschiedliche Einstellungen in kulturellen oder nationalen Kategorien ausgedrückt. Daraus resultieren Essentialisierungen, die sich begrifflich als Antiwalfangnationen vs. Walfangnationen oder fleischbasierte vs. fischbasierte Ernährungsweise fassen lassen. Der Konflikt um die Fortführung des internationalen Walfanges generiert auf diese Weise dichotomische Esskulturen. Doch unklar bleibt, welche Bedeutung eigentlich Wale für Menschen haben. Im Rahmen eines Feldforschungsprojektes wurden Menschen in Deutschland, Grönland und Japan die Abschlussfrage "Was bedeutet ein Wal für Sie?" gestellt. Es zeigt sich, dass die Antworten die dominante Perzeption von Walen, wie sie sich für euro-amerikanische Gesellschaften rekonstruieren lässt, infrage stellen und die Unterschiedlichkeit der Narrationen sich nicht entlang von kulturellen oder nationalen Grenzen begründen lässt.

Keywords: Feldforschung; Ethnografie; multi-sited ethnography; Kultur; Walfang; Perzeption von Walen; Naturwahrnehmung; Umweltschutz; kulturelle Identität

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Eine kurze Historie des Walfanges und der Walperzeption

2.1 Von den Anfängen des Walfanges und seiner Kommerzialisierung: der Wal als Seeungeheuer (4000 v. Chr. bis 18. Jh. n. Chr.)

2.2 Kommerzieller Walfang und beinahe Ausrottung von Walen: der Wal als Ressource und reales Wesen (19. Jh. n. Chr. bis 1945)

2.3 Erste Beschränkungen des Walfanges: der Wal als endliche Ressource (1946 bis 1969)

2.4 Zwischenspiel: Walfang und der Nachhaltigkeitsdiskurs: der Wal als Objekt des "Aquariums" (1970 bis 1985)

2.5 Vom Walfang zum Walschutz: der Wal als ein Symbol des Umweltschutzes (1986 bis heute)

2.6 Eine "abendländische" Geschichte des Walfanges und der Walperzeption: Simplifizierung und Dichotomisierung

3. Methodisches Vorgehen

4. Eine Heuristik der Walperzeption

4.1 Der Wal als ästhetisch-moralisches Wesen

4.2 Der Wal als ethnisches, kulturelles oder nationales Symbol

4.3 Der Wal als kulinarisches und ästhetisches Wesen

4.4 "Der Wal ist mein Leben": Wale als integraler Bestandteil der persönlichen (beruflichen) Biografie

4.5 Der Wal als Ressource für nachhaltige Nutzung

5. Schluss

Danksagung

Anmerkungen

Literatur

Zum Autor

Zitation

 

1. Einleitung

"Was bedeutet ein Wal für Sie?" – Mit dieser Frage beendete ich viele Interviews, die ich während meiner Feldforschung in Deutschland, Japan und Grönland führen durfte. Alle Erzählpersonen hatten in irgendeiner Weise eine Beziehung zu diesen "Giganten der Meere", sei es, dass sie sie im Rahmen ihrer Umweltschutzaktivitäten schützen wollen, sei es, dass sie sie mit persönlichen Erlebnissen auf dem Meer verbinden, sei es, dass sie Walfleisch im Alltag gerne zubereiten und essen oder sei es, dass sie Wale im Rahmen ihrer Tätigkeit auf einem Walfangschiff fangen und weiterverarbeiten. Meine Frage löste häufig am Ende des Gespräches noch einmal eine persönliche, längere Narration der Interviewten aus, die die im wissenschaftlichen Diskurs bekannten Walperzeptionen und ihre dichotomischen Konstruktionen infrage stellten. Daher entschied ich mich im Rahmen dieses Beitrags dafür, dieser vorherrschenden Konstruktion eine nicht auf Vollständigkeit drängende Heuristik der Walperzeption entgegenzusetzen. [1]

Anfang der 1990er Jahre sind Studien über die Wahrnehmung der wild lebenden Tiere mit dem Namen Stephen R. KELLERT verbunden, der Länder vergleichend Einstellungen, Haltungen und Wissen zur Tierwelt mithilfe von quantitativen Erhebungen sowie qualitativen Interviews analysierte (KELLERT 1991, 1993). In seinem Aufsatz "Attitudes, Knowledge, and Behavior Toward Wildlife Among the Industrial Superpowers: United States, Japan, and Germany" kommt er zu dem Schluss, dass Amerikaner/innen paradoxerweise eine große Zuneigung und Sorge für einzelne Tierarten wie Haustiere entwickeln würden, bei pragmatischer und indifferenter Haltung gegenüber den meisten anderen Tierarten (KELLERT 1993, S.65). Die Forschungen in Japan ergaben, dass die japanische Wertschätzung für Natur und Tiere zwar eingeschränkt für bevorzugte Arten vorhanden sei, jedoch insgesamt Indifferenz und ein Fehlen von ökologischen und ethischen Bedenken überwiegen würden (a.a.O.). Die Affinität für Natur zeige sich häufig in einer Neu-Schöpfung oder künstlerischen Wiedergabe von bestimmten, mit Wert beladenen Aspekten der natürlichen Umwelt. Dagegen stellte KELLERT in Deutschland "a very idealistic and romanticized German attitude toward animals and the natural environment" (S.66) fest. Bei den Befragten überwogen hohe Ausprägungen von moralistischen, humanistischen, naturalistischen und ökologischen Einstellungen im Gegensatz zu utilitaristischen und herrschaftsbezogenen Einstellungen (a.a.O.). Die hohe Bevölkerungsdichte und die weit zurückliegende Besiedlungsgeschichte führten – so KELLERT – zu einer "verwalteten Landschaft" mit vielen beheimateten Tierarten. Daher schlussfolgert er:

"Most Germans are removed from direct contact or responsibility for wildlife, and they tend to appreciate animals and the natural environment from a relatively distant position. Germans rarely confront the need for exploiting or controlling wildlife, and for many people, animals and nature constitute more an aesthetic and symbolic than utilitarian resource" (a.a.O.). [2]

Aufgrund dieser Analyse könnte man leicht zu dem Schluss kommen, dass die "geborenen" Umweltschützer/innen ausschließlich in Deutschland zu finden wären. Lässt sich diese beschriebene Sorge um Natur und Tierwelt auch in der Perzeption von Walen wiederfinden? [3]

Eine weitere Studie, die in sechs Ländern – darunter in den drei bereits erwähnten – durchgeführt wurde, untersuchte die öffentliche Einstellung zu und das Wissen über Wale und Walfang (FREEMAN & KELLERT 1994; NAGASAKI 1994). Dabei zeigte sich beispielsweise, dass das Wissen der Interviewten über Wale und Walfang in allen Ländern nur begrenzt vorhanden war. Die Befragten aus den Ländern, die Walfang betrieben, beantworteten tendenziell die Fragen über Wale jedoch eher richtig im Vergleich zu Befragten aus Ländern, die keinem Walfang nachgingen (FREEMAN & KELLERT 1994, S.298). Auf den Walfang bezogen stellten die Autoren fest, dass substanzielle Unterschiede zwischen den Antworten der Befragten aus Walfangländern und Nicht-Walfangländern festzustellen waren: Die Mehrheit in den Nicht-Walfangländern lehnte Walfang ab (S.300). Fukuzo NAGASAKI interpretiert diese in der Studie festgestellten Unterschiede als Kulturunterschiede: "These differences in culture may be characterised as the dichotomy between eating or not eating whale meat, or that between dependence on marine resources or on livestock farming" (1994, S.20). Aus dieser Perspektive lässt sich der Konflikt um die Fortführung des internationalen Walfanges, der jährlich innerhalb der Internationalen Walfangkommission (IWC) ausgetragen wird, als Kampf der Esskulturen konstruieren, als Auseinandersetzung zwischen Kulturen der Meerestiernutzer/innen und anderen Kulturen, die keine Meerestiere nutzen (KOMATSU & MISAKI 2003, S.26; MISAKI 1993, S.22f.; NAGASAKI 1994, S.20) bzw. Rinder-Kultur (KOMATSU & MISAKI 2004, S.67). In anderen japanischen Veröffentlichungen ist die Rede von einer fischbasierte Ernährungsweise, die auf eine fleischbasierte trifft (NAGASAKI 1993, S.9) bzw. eine Walfleisch essende Kultur vs. einer Anti-Walfang-Kultur (MISAKI 1994). Die japanischen Essgewohnheiten werden in diesen Darstellungen auf Reis und Fisch reduziert, während Amerikaner/innen (oder Europäer/innen) als "Fleischesser" tituliert werden (a.a.O.). [4]

Der Kampf der Esskulturen erinnert an den viel beschworenen "Clash of Civilizations" (HUNTINGTON 1993, 1997), der durch das Aufeinandertreffen von unterschiedlichen Kulturen geprägt ist. Vor dem Hintergrund, dass in den Sozial- und Kulturwissenschaften die Vorstellung von einer gemeinsam geteilten Kultur kritisiert wurde (BARTH 1998 [1969]; BREINIG & LÖSCH 2002; MATTHES 1992; STRAUB & SHIMADA 1999; WELSCH 1992), erscheint es geradezu unmöglich, die Perzeption von Walen mit nationalen oder kulturellen Kategorien in Verbindung zu bringen. Um sich der Frage "Was bedeutet ein Wal für Dich?" anzunähern, möchte ich zunächst mithilfe von Dokumenten- und Literaturanalysen eine Rekonstruktion der dominanten Walperzeption in euro-amerikanischen Gesellschaften vornehmen, die die Politik der IWC beeinflusste und zu einem Moratorium des Walfanges im Jahr 1986 führte. Meiner Ansicht nach kann diese Perzeption nicht losgelöst von den jeweiligen gesellschaftlichen Verhältnissen und Diskursen betrachtet werden und ist somit in einem hohen Maße Veränderungen unterworfen. Die Wahrnehmung von Walen in diesen Gesellschaften ist daher eng mit der – wenn man so will – "abendländischen" Geschichte des Walfanges verbunden, die ich kurz zu skizzieren versuche. Anschließend wird das methodische Vorgehen erläutert, um schließlich anhand der qualitativen Interviews eine Heuristik der Walperzeption vorzustellen. Der Beitrag endet mit einem kultursoziologisch begründeten Plädoyer dafür, eine Verabschiedung von kulturellen oder nationalen Zuschreibungen vorzunehmen. Die Perzeption von Walen lässt sich keineswegs entlang von kulturellen oder nationalen Grenzen begründen. [5]

2. Eine kurze Historie des Walfanges und der Walperzeption

Vergegenwärtigen wir uns also zunächst in Grundzügen die Geschichte des Walfanges und die historische Perzeption von Walen in euro-amerikanischen Gesellschaften (vgl. ausführlich SOWA 2011). Es werden typischerweise fünf Phasen vorgestellt, die sehr grob strukturiert sind. Die Geschichte des Walfanges lässt sich selbstverständlich in weitere und feinere Untergliederungen (BARTHELMEß 1992; ELLIS 1993) einteilen bzw. auf die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg fokussieren (vgl. ANDRESEN 1989, 1993; D'AMATO & CHOPRA 1991; FREEMAN 1990a). Die Idee, die mit der Bildung dieser fünf Phasen verbunden war, ist, die Entwicklung des Walfanges mit der Perzeptionsgeschichte von Walen zu verbinden. Als Hintergrundfolie dient also die gesellschaftliche Wahrnehmung von Walen in den euro-amerikanischen Gesellschaften, die die Politik der Regulierung des Walfanges nachhaltig geprägt hat. Chronologisch geht es von den Anfängen des Walfanges (4000 v. Chr. bis 18. Jh.), in der der Wal als Seeungeheuer angesehen wurde, über den freien Walfang (19. Jh. bis 1945), in der er als nutzbare Ressource konzipiert wurde, zum regulierten Walfang (1946 bis 1969), in der der Wal schließlich immer noch als Ressource, jedoch als endliche perzipiert wurde. Mit der Diffusion des ökologischen Diskurses kommt es zu einer kurzen Periode des nachhaltigen Walfanges (1970 bis 1985); der Wal wurde als Objekt des Aquariums konstruiert. In der heutigen Situation des Verbots des internationalen Walfanges (1986 bis heute) wird der Wal zum Symbol des Umweltschutzes. [6]

2.1 Von den Anfängen des Walfanges und seiner Kommerzialisierung: der Wal als Seeungeheuer (4000 v. Chr. bis 18. Jh. n. Chr.)

Wale1) wurden seit jeher von fast allen Küstenbewohner/innen der Erde genutzt.2) Da anfangs nicht überall die technischen Mittel zur aktiven Jagd ausreichten, verwendete man – sozusagen passiv – gestrandete Wale als Nahrungsmittel. In diesen Zeiten der ersten Kontakte zwischen Mensch und Tier machten Geschichten und Mythen über Seeungeheuer die Runde3). Das Motiv des "großen Fisches" war es, das über Jahrhunderte hinweg bis weit in die abendländische Neuzeit eher Schrecken verbreitete. Bereits in der Bibel ist von einem Wesen die Rede, das Jona verschlang und später wieder an Land spuckte4). In einer anderen überlieferten Geschichte berichtet im 6. Jahrhundert n. Chr. ein irischer Mönch mit Namen St. BRENDAN ebenfalls von einer Furcht einflößenden ozeanischen Tierwelt. Bei einem Landgang auf eine Insel entdeckten St. BRENDAN und weitere achtzehn Mönche, dass sich die Insel, auf der sich die Seeleute am Feuer ein Mahl zubereiteten, plötzlich bewegte. Nun war also die angenommene "Insel" in Wahrheit ein riesiger Walfisch, vor dem sich die Besatzung gerade noch auf ihr Schiff flüchten konnte (ELLIS 1997, S.186). [7]

In frühzeitlichen Kosmografien und alten gezeichneten Landkarten wurden drachenhafte Wesen dargestellt mit "feurige[n] Augen, mörderischen Zähnen und schrecklichen Rückenkämmen auf schuppigen Leibern" (BARTHELMEß 1982, S.2). Der Historiker Klaus BARTHELMEß folgert aus diesen Abbildungen, dass es sich bei dieser Art von monströser Verfremdung und Überzeichnung um das "frühe abendländische Bild des Wals" handelte (a.a.O.). Diese Illustrationen der Wale zeigten die lebendigen Tiere auf hoher See, oft in einer sehr unrealistischen Art und Weise. Mit den späteren Zeichnungen von gestrandeten Walen änderte sich dies. Die Wale wurden zoologisch realistischer gezeichnet und nicht mehr in dieser monströsen Form. Dennoch wurden die Tiere nach wie vor überdimensional dargestellt, ihre ungenaue zeichnerische Reproduktion ist wohl – so BARTHELMEß – dem Verwesungsprozess geschuldet (a.a.O.). [8]

Seit 1059 n. Chr. findet sich professioneller5) Walfang bei den Bask/innen (BARTHELMEß 1992, S.14; ELLIS 1993, S.53). Walfleisch galt als das wichtigste Produkt im Rahmen der Jagd auf nordatlantische Glattwale, auch Barten und Knochen wurden verwendet. Während Wale bei den Bask/innen bis dahin vorwiegend als Nahrungsmittel6) angesehen wurden, kommerzialisierte sich im 16. Jahrhundert der Walfang. Ein Beiprodukt des Fanges, das baskische Walöl, das aus dem Hautspeck der Wale gewonnen wurde, entwickelte sich zu einem europäischen Exportschlager7). Aufgrund der immer seltener vorfindbaren Wale in den bisherigen Fanggründen kam es in der Folgezeit zu einer regionalen und personellen Expansion des Baskenwalfanges: Mit Kanada (Neufundland) und Labrador kamen neue Walfanggebiete hinzu. Außerdem wurden immer mehr baskische Walfänger im fremden Auftrag angeheuert. Ab dem frühen 17. Jahrhundert nahmen englische und holländische Schiffe bei Spitzbergen den Walfang auf. Insofern wurde die Ära des baskischen Walfanges langsam durch eine zunehmende Internationalisierung abgelöst. Das Walfleisch wurde nun nicht mehr verwertet, da der Fang ausschließlich das Walöl8) zum Ziel hatte. Walöl wurde in Europa benötigt, um Öllampen zu befeuern und Maschinen zu schmieren. Die Jagd auf Wale war nun ein Geschäft geworden, das zunehmend andere Nationen veranlasste, Flotten in den Atlantik zu schicken. Da die Wale in heimischen Gewässern durch die steigende Zahl der Walfänger wiederum seltener wurden, mussten die Fanggebiete erneut ausgedehnt werden, was folglich längere Fangreisen verursachte. Am mehrmonatigen Walfang in der Arktis, der sogenannten "Grönlandfahrt", nahmen neben Basken, Engländern und Holländern auch Deutsche, Dano-Norweger, Schotten und Amerikaner teil. Später wurden in den europäischen Kolonien ebenfalls zahlreiche Walfangstationen errichtet. Das Geschäft des Walfanges umspannte nun den gesamten Globus. [9]

Neben der regionalen bis globalen Ausweitung der Fanggebiete und dem neuen Auftreten vieler Nationen als Walfänger ist eine zunehmende Rationalisierung und Technisierung des Walfanges erkennbar. Größere Segelboote ermöglichten die Jagd auf schneller schwimmende Walarten wie beispielsweise den Pottwal. Des Weiteren ist der Fortschritt in der Verarbeitung von Walen und der Aufbewahrung von Walöl zu nennen. Der Walspeck oder "Blubber", aus dem das Öl ausgekocht wurde, musste bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts an Landstationen weiterverarbeitet werden. Für den Transport zum Heimathafen wurde der Speck in Fässer gepackt. Hitze und Wärme konnten während der längeren Rückfahrt das Öl im Blubber verderben9). Durch die Einführung von Eisenkesseln, die in einen Ziegelsteinofen eingelassen waren, war es Walfängern möglich, Walöl direkt an Deck ihrer Segelschiffe zu gewinnen. Der Rohstoff Wal ließ sich so auf hoher See fast vollständig verwerten und machte die Landstationen überflüssig. Insofern löste der sogenannte "pelagische Fang"10) den Küsten- und Baienbetrieb11) ab. Großbritannien und Norwegen dehnten aufgrund der verbesserten Technologie ihr Jagdgebiet bis in die Antarktis aus12). [10]

Wale wurden während dieser Zeit immer noch als Ungeheuer, als Leviathan, angesehen, die oftmals ganze Schiffe zum Kentern brachten und komplette Schiffsmannschaften auslöschten. Der Pottwal, genauer der Pottwalbulle, schien über lange Zeit so etwas wie der Prototyp einer Ausgeburt des Schreckens für europäische Küstengemeinden zu sein. Immer wieder strandeten Herden dieser bis zu 18 Meter langen und 50 Tonnen schweren Kolosse an den Küsten, und ihre Kadaver sahen so "merkwürdig" für die einheimischen Bevölkerungen aus, dass sie Angst verbreiteten. In vielen niederländischen Stichen und Skizzen sind diese Ereignisse künstlerisch festgehalten worden (BARTHELMEß 1982, S.2; ELLIS 1993, S.402f.; 1997, S.189f.). Überall auf der Welt wurden auch Walskelette ausgestellt, die das Bild des Wals als Seeungeheuer aufrechterhielten. [11]

2.2 Kommerzieller Walfang und beinahe Ausrottung von Walen: der Wal als Ressource und reales Wesen (19. Jh. n. Chr. bis 1945)

Die moderne Walfangindustrie ist eng mit dem Norweger Svend FOYN verbunden, der im Jahr 1863 die Methode des Walfangs mit Dampfer, Harpunenkanone und Explosivharpune revolutionierte. FOYN war ein Walexperte, der das Wissen seiner Zeit sammelte und immer effizientere Methoden für die Waljagd zu entwickeln versuchte. Schließlich erfand er die Harpunenkanone, die bewirkte, dass die Harpune nun nicht mehr von einem geschulterten Gewehr, sondern von einer fest stehenden Kanone aus abgefeuert wurde. Norwegen avancierte mit dieser neuen Walfangtechnologie schnell zum "Marktführer", und die norwegischen Harpunierer waren bei anderen Nationen sehr begehrt. [12]

Wale mutierten zur Ressource für die Bedürfnisse der industriellen europäischen Gesellschaften. Große Furchenwale wie der Blauwal waren nun Dank der neuen Schiffs- und Waffentechnologie nicht mehr vor der Verfolgung sicher. FOYN wird mit den Worten zitiert: "Gott hat die Wale zum Nutzen und Segen der Menschheit erschaffen, und folglich betrachte ich es als meine Aufgabe, den Fang der Tiere voranzutreiben" (ELLIS 1993, S.227). Perzeptionsgeschichtlich wurden die schrecklichen Geschichten und Mythen über die Seeungeheuer mit der Beherrschbarkeit der Wale nach und nach "entzaubert". Die Angst vor dem Wal als Seeungeheuer ließ mit zunehmendem Wissen13) über Wale nach. Wale wurden als real existierende Wesen wahrgenommen, die dank wissenschaftlich-technischer Rationalität kontrollierbar und damit zu einer leichteren Beute wurden. Die Wal-Illustrationen wurden ebenfalls immer realitätsnäher, nicht zuletzt durch das Aufkommen der biologischen Systematik im 18. Jahrhundert. Die Erkenntnisse über die Tiere wuchsen, da es immer mehr wissenschaftliche Expeditionen gab und Naturkundemuseen eingerichtet wurden. Klaus BARTHELMEß ist der Auffassung, dass mit der Veröffentlichung von 32 Abbildungen von Walen und Delfinen durch Robert HAMILTON (1861) ein Meilenstein gelungen sei: "Seitdem liegt der Fortschritt der zoologischen Waldarstellung im Detail. Die alten Monster tauchen nur noch als Kuriosum auf" (BARTHELMEß 1982, S.5):

"Als Walfänger, Seeleute und Navigatoren immer vertrauter mit dem Meer und seinen Bewohnern wurden, begann sich der Schleier einiger Geheimnisse zu lüften. Die Seefahrer trafen auf Wale und stellten fest, daß diese gigantischen Kreaturen recht harmlos waren; damit verschwand auch ihre Furcht vor dem schrecklichen Leviathan" (ELLIS 1997, S.197). [13]

Das Ziel der Fahrten nach Spitzbergen war beispielsweise der Grönlandwal, ein Bartenwal, der durch seine Barten als zahnloses Geschöpf keine Angst mehr verbreitete. Die Gefahr ging nicht mehr von der Beute aus, sondern von den Umständen, unter denen die Jagd stattfand14). Insofern erschienen Wale als harmlose Giganten, während die unruhige See und andere "wilde" Tiere wie Eisbären und Walrosse als bedrohlich wahrgenommen wurden (ELLIS 1997, S.197f.). [14]

2.3 Erste Beschränkungen des Walfanges: der Wal als endliche Ressource (1946 bis 1969)

Die unausweichliche Ausbeutung der Meere respektive der Walbestände durch immer effizientere Technik und Methodik führte allerdings nur schleppend zu Selbstbeschränkungen der Walfangindustrie. Es gab zwar auf politischer Ebene mit dem Genfer Walfangabkommen (1931) und ersten internationalen Konferenzen frühe Versuche zur Regelung des Walfangs15), ein Schutzgedanke im modernen Sinne des Wortes war diesen Bemühungen jedoch sehr fremd. Es dauerte bis 1946, bis während der Internationalen Walfangkonferenz in Washington im "Internationalen Abkommen zur Regelung des Walfangs" der Aufbau einer internationalen Organisation beschlossen wurde, die sich für eine Erhaltung der Walbestände sowie die geordnete Entwicklung der Walfangindustrie einsetzte (ELLIS 1993, S.344). Drei Jahre später wurde die Internationale Walfangkommission (IWC) als "ein Club von Walfängern" (KOCK 2002, S.9) gegründet (zur Entstehungsgeschichte vgl. GAMBELL 1977): eine Regulierungsbehörde, deren formulierte Hauptaufgaben in der Festlegung von Höchstmengen der zu fangenden (Groß-) Wale16) sowie der Beschränkung der Fangzeiten lagen. Während der Zeit von 1949 bis Ende der 1960er Jahre beeinflussten ausschließlich ökonomische Aspekte die Entscheidungsfindung der Kommission (FREEMAN 1990a, S.107). Daher kam es während dieser Zeit zu einer weiteren Expansion des industriellen Walfanges: Das vereinbarte Quotensystem orientierte sich nicht an den tatsächlich vorhandenen Walbeständen, sondern an einer Gesamtfangquote, die in der sogenannten "Blauwaleinheit" festgeschrieben wurde. Diese legte den Umfang der Ölausbeute fest und ließ sich in andere Walarten "umrechnen": Die Ölausbeute des Blauwals entsprach demnach derjenigen von zwei Finnwalen, zweieinhalb Buckelwalen oder sechs Seiwalen. Da es keine individuellen (nach Nationalitäten gesplitteten) Quoten gab und die Fangsaison noch dazu begrenzt war, entstand ein Wettkampf um den größten Anteil an der Gesamtfangquote. Die "Walfang-Olympiade" (ANDRESEN 1989, S.103; BARTHELMEß 1992, S.38; GAMBELL 1993, S.99) war eröffnet: Um möglichst effizient die kurze Jagdsaison zu nutzen, setzte man immer größere und schnellere Fangdampfer ein, zudem wurden diese Teil einer größeren Flotte. Sie jagten die Wale, während ein großes "Mutterschiff" als Kochereischiff diese auf See verarbeitete. Die Menge der jährlich festgelegten Fangquote in der "Blauwaleinheit" war ökologisch völlig unsinnig und über Jahrzehnte viel zu hoch (BARTHELMEß 1992, S.38). In der Fangsaison 1961/62 wurden mit über 66.000 Walen weltweit so viele Wale wie nie zuvor getötet. Dennoch wurde das Industriegeschäft mit dem Wal nach und nach unrentabel, da in immer weiter entfernte Regionen gefahren werden musste, um überhaupt noch große Wale zu erbeuten. Ersatzprodukte lösten das Walöl für Lampen oder für die Seifenproduktion ab. Infolgedessen kam es zum weltweiten Rückzug der führenden Walfangreedereien. Im antarktisch-pelagischen Walfang waren 1960 nur noch die Sowjetunion und Japan tätig. Erst 1974 wurde die umstrittene "Blauwaleinheit" durch ein neues Bewirtschaftungsverfahren abgelöst. [15]

Perzeptionsgeschichtlich wurden Wale in dieser Zeit immer noch als ökonomische Ressource angesehen, deren Endlichkeit jedoch drohte. Um den Fortgang der internationalen Walfangindustrie zu gewährleisten, mussten innerhalb des "Clubs von Walfängern" erste Beschränkungen der Fangmengen sowie eine Begrenzung der Fangzeiten für die Walfangnationen eingeführt werden. Im Grunde genommen blieben Wale eine von vielen anderen zu nutzenden Meeresressourcen. [16]

2.4 Zwischenspiel: Walfang und der Nachhaltigkeitsdiskurs: der Wal als Objekt des "Aquariums" (1970 bis 1985)

Die Charakteristika des ökologischen Diskurses – "globale Umwelt" in der Astronautenperspektive, Naturentfremdung durch die Subjekt-Objekt-Spaltung, Weltrisikogesellschaft, Naturalismus und Verwissenschaftlichung, Errichtung eines rational-wissenschaftlichen Management-Systems (Geburt des Aquariums) (vgl. SOWA 2011) – setzten sich zunehmend in der IWC durch. Die Vorstellung, dass der Planet und seine natürlichen Ressourcen aufgrund menschlicher Aktivitäten gefährdet seien und für zukünftige Generationen geschützt werden sollte – wie sie beispielsweise während der ersten internationalen Konferenz der Vereinten Nationen über die menschliche Umwelt in Stockholm im Jahr 1972 geäußert wurde (HÜNEMÖRDER 2005) –, fand Ausdruck in den Management-Aktivitäten der Walfangkommission. Der Wissenschaftsausschuss der Walfangkommission gewann zunehmend an Bedeutung. Ein von der Stockholmer Konferenz gefordertes zehnjähriges Aussetzen des kommerziellen Walfanges wurde vom diesem Gremium zwar abgelehnt. Dennoch kann man von einer kurzen Ära des wissenschaftlichen Managements der Kommission sprechen (FREEMAN 1990a, S.107): Ausgelöst durch die erschöpften südlichen Walbestände wurden die bisherigen ökonomischen Kalküle durch die Einführung eines wissenschaftlich basierten Leitbilds ersetzt. Die Verwissenschaftlichung der Regulierung des Walfanges ist vergleichbar mit der Verwissenschaftlichung des globalen Umweltschutzes mit Unterstützung der ökologischen Wissenschaft. Durch die implizite Annahme, die "Umwelt" (bzw. in diesem Fall: die Wale) könne mithilfe der (Natur-) Wissenschaft adäquat beschrieben werden, wurden weltweit Walpopulationen modelliert, deren Kennziffern, wie beispielsweise Bestandszugehörigkeit, Verbreitungsgebiet, Altersstruktur der Population, durchschnittliche Lebenserwartung, natürliche Sterblichkeit oder Fortpflanzungsrate als schätzbar angenommen wurden. Bis in die heutige Zeit gibt es Versuche, mithilfe hochkomplexer Computerprogramme, die alle vorliegenden Fangzahlen seit Anbeginn des Walfanges sowie alle verfügbaren Charakteristika der Populationen sammeln, wissenschaftlich fundierte Aussagen über die Entwicklung der Walpopulationen auf der Erde zu gewinnen. Das 1994 verabschiedete revidierte Bewirtschaftungsverfahren, die sogenannte "Revised Management Procedure" (RMP) (ARON, BURKE & FREEMAN 2000; HEAZLE 2004; TANAKA 1997), ist ein Beispiel für das fortwährende Bemühen, mittels der neutralen Sprache "realistischer" Wissenschaft ein Modell der Wirklichkeit zu erstellen, das gleichzeitig als deren Abbild und alternativlos zu betrachten sei: "Weltweit wird es als das führende Modell angesehen, um die nachhaltige Nutzung einer marinen Säugetierpopulation zu gewährleisten" (KOCK 2002, S.11). Das Modell erinnert an die von PÁLSSON (2006) eingeführte Metapher des "Aquariums", in dem ein definierter Ausschnitt der Natur der vollständigen Planung und Kontrolle durch den Menschen unterworfen wird. Perzeptionsgeschichtlich bedeutet dies, dass der Wal ein Objekt des Aquariums wird, eine durch Berechnung der Naturwissenschaften definierte Größe, die ihren Ausdruck in Populationen findet. [17]

Obwohl der Wissenschaftsausschuss seit den 1980er Jahren bis heute über ein umfassendes Managementsystem von Walpopulationen diskutiert, das die nachhaltige Nutzung von Großwalen ermöglichen soll, sind valide wissenschaftliche Informationen über Migration und Bestände von Walen nicht immer verfügbar. Aufgrund der häufig schwachen Datengrundlage gibt es unter den Wissenschaftler/innen selten Übereinstimmung. FREEMAN zufolge ermöglichte diese Uneinigkeit unter den beteiligten Wissenschaftler/innen das Verfassen von Gutachten, die mehr auf Mutmaßungen und Voreingenommenheiten der Autor/innen als auf wissenschaftlich-rationalen Erkenntnissen basierten (1990a, S.107). Dass das Zählen von Walen und Schätzen von Walbeständen eine schwierige Sache und sowohl abhängig von der gewählten Methode als auch den Annahmen der Forschenden ist, bestätigt auch ELLIS (1993, S.375). Für ihn wurde deutlich, dass sich Wissenschaft, anstatt objektiv, berechenbar und nachvollziehbar zu sein, entweder in den Dienst des Umweltschutzes oder in den Dienst der Walfangindustrie stellte (a.a.O.). Infolgedessen spricht die rationale Wissenschaft nicht immer mit einer Stimme, mehr noch: Sie verliert durch innere Spaltung und widersprüchliche Expertisen an Glaubwürdigkeit, ihre Befunde werden als nicht mehr legitim betrachtet. Die Krise der Wissenschaft ermöglichte den Aufstieg einer Ideologie über die Einzigartigkeit des Wals. [18]

2.5 Vom Walfang zum Walschutz: der Wal als ein Symbol des Umweltschutzes (1986 bis heute)

Während der Wissenschaftsausschuss seine Arbeit bis heute fortsetzt, spielen seine Ratschläge immer weniger die entscheidende Rolle in der Willensbildung der Kommission. Seit Mitte der 1970er Jahre dominieren politische Beweggründe anstatt "objektiver" Fakten die Politik der IWC (FREEMAN 1990a, S.107). Durch die fehlenden wissenschaftlichen Expertisen über Walpopulationen blieb in der politischen Sphäre viel Raum für Spekulationen und Interpretationen. Dank der Stimmenmehrheit der Walfanggegner/innen17) in der IWC wurde 1982 ein Moratorium verabschiedet, das 1986 in Kraft treten und die Schonung der Tiere für fünf Jahre gewährleisten sollte (BIRNIE 1983). Die Beendigung des kommerziellen Walfangs wurde als "eine[r] der größten Siege in der Geschichte des Umweltschutzes" (ELLIS 1993, S.381) gefeiert. Die japanische Regierung kritisierte das Moratorium, da es mit dem "Eingeborenenwalfang" (vgl. ausführlich SOWA 2013) eine Ausnahmeregelung zuließ: Bedrohte Arten wie der Grönlandwal in Alaska durften aufgrund von kulturellen Gründen weiterhin gejagt werden, während die Jagd auf Zwergwale in der Antarktis, deren Bestand mehrere Hunderttausend beträgt, selbst in "überschaubaren" Mengen verboten wurde. Insofern begann Japan den "Walfang zu wissenschaftlichen Zwecken" mit einer jährlichen Fangquote von etwa 300 Zwergwalen. Umweltschutzgruppen kritisierten diese Art des Walfanges, da aus ihrer Sicht unter dem "Deckmantel der Wissenschaft" (BECHER-KETTERER 1992, S.123; ELLIS 1993, S.431; LEMKE & ROCHÉ 2002, S.29) der kommerzielle Walfang fortgeführt wurde. [19]

Das Moratorium wurde auf der Tagung der IWC im Jahr 1990 nicht aufgehoben, da die Unsicherheit blieb, ob die Bestände sich wirklich erholt hatten. Die Quoten stellten aus der Sicht von Umweltschutzgruppierungen ohnehin nur einen politisch festgelegten Wert dar (BECHER-KETTERER 1992, S.118), und es müsse "im Zweifel für die Wale" (S.119) entschieden werden. Durch die bis heute andauernde Nichtaufhebung des Moratoriums hatte sich die IWC allmählich von einer Walfangregulierungs- hin zu einer Walschutzbehörde verwandelt (FREEMAN 1990a, S.106; KALLAND 1998, S.15; MISAKI 1993, S.30; NAGASAKI 1993, S.16; PETERSON 1992, S.184). Nicht mehr der Erhalt der Wale, welcher eine nachhaltige Nutzung möglich machen würde, sondern der Schutz der Wale, welcher das Verbot der Tötung impliziert, stand nun im Vordergrund. Der beschriebene Politikwechsel kann als Expression des Zeitgeistes in den euro-amerikanischen Gesellschaften bewertet werden und ist eng mit der Perzeptionsgeschichte der Wale verbunden. Wale erschienen nicht mehr als bedrohliche, sondern als bedrohte Wesen. Die öffentliche Meinung in diesen Gesellschaften entdeckte ihre Zuneigung zu Walen und Delfinen. Dies lag in erster Linie an der Art und Weise, wie sie im Fernsehen und Film dargestellt wurden: als sensible, intelligente Geschöpfe. Diese Tiere wurden gleichzeitig zu Tausenden getötet, was in wissenschaftlichen Artikeln erstmals 1966 der amerikanischen Öffentlichkeit bekannt gemacht wurde.18) Erst auf diesem Nährboden konnten Greenpeace-Aktivist/innen erfolgreich sein, wie in den Abenteuerberichten der sogenannten "Greenpeacer" nachzulesen ist (BARTOS 1989; BROWN & MAY 1989; HUNTER & WEYLER 1994; STREICH 1986)19). Die mediale Präsenz der Greenpeace-Aktionen, die seit 1975 mit ihren Protesten in Schlauchbooten gegen gigantische, schwimmende Walfangfabriken das Bild "David gegen Goliath" wachriefen, hatte einen bleibenden Eindruck im öffentlichen Bewusstsein hinterlassen. Die Wahrnehmung des Walfanges wandelte sich – wie BARTHELMEß anmerkt – grundlegend: "Walfang, einst abenteuerliche Rohstoffgewinnung, war nun 'Mord', und das schwerwiegende Urteil erging vom Fernsehsessel aus. Die Gegenseite wurde nicht mehr gehört, hatte sie doch jegliche Glaubwürdigkeit verspielt, in verantwortlicher Weise den Walfang selbst regulieren zu können" (1992, S.46). [20]

Neue Mythen wurden geschaffen (FREEMAN 1990a, 1990b; LYNGE 1990), die Wale zu kulturellen Symbolen und Ikonen für den Umweltschutz erhoben (EINARSSON 1993; FREEMAN & KREUTER 1994; KALLAND 1994; LYNGE 1990; ORESKOV & SEJERSEN 1993; PETERSON 1993; RIS 1993) oder, wie es der norwegische Anthropologe Arne KALLAND (1993) formuliert, zu Totems der euro-amerikanischen Umweltbewegung. Da Wale intelligente Wesen sind, enorm große Gehirne haben und sich durch ihre ausgeprägte Kommunikation auszeichnen (FREEMAN 1990a, S.112f.), wurden sie als eine besondere Tierart angesehen. Alle Eigenschaften, die verschiedene Wale haben, wurden subsumiert zu einer neuen menschlichen Erfindung: Eine Art Super-Wal ist kreiert worden, der biologisch, ökologisch, kulturell, politisch und symbolisch besonders sei (KALLAND 1993, S.125f.). Herausgekommen ist der Wal als ein einzigartiges Wesen. Die öffentlichen Darstellungen der Wal-Kampagnen übersahen bzw. ignorierten, dass es diesen einen Wal überhaupt nicht gibt:

"[W]e are told that the whale is the largest animal on earth (this applies to the blue whale), that the whale has the largest brain on earth (the sperm whale), that the whale has a large brain to body weight ratio (to bottlenose dolphin), that the whale has a pleasant and varied song (the humpback), that the whale is friendly (the gray whale), that the whale is endangered (the bowhead and blue whales), and so on. By talking about the whale, an image of a single whale possessing all of these traits emerges. But such a creature does not exist. It is a mythic creation – a 'super-whale', which has come to represent all species of cetaceans" (S.126). [21]

ORESKOV und SEJERSEN sprechen in diesem Zusammenhang ebenfalls von dem einzigartigen "Super-Wal":

"The singing humpbacks, smiling dolphins and enormous blue whales have gradually crystallized into a single 'super whale'. This super-whale is a unique animal, highly intelligent, sentient and a peaceful God of the sea and keeper of the Earth. All whales melt into one animal (the super-whale) which must be saved, the public is told, because it is 'the most threatened animal on earth' " (1993, S.10). [22]

Als Erfindung des menschlichen Geistes bewertet KALLAND die Betonung der Fähigkeiten von Walen. Es gebe keine einzigartigen Eigenschaften der Wale per se, sondern diese Zuschreibung ist das Ergebnis unserer Walperzeption (1993, S.126). Für KALLAND spielt die monetäre Verwertbarkeit von Walen als Kampagnentiere eine entscheidende Rolle, die dazu führte, dass Umweltorganisationen die "Rettet den Wal"-Kampagne als "strategischen Opportunismus" initiierten, um Erfolg, Geld und Anhänger/innen zu sichern (S.127)20). Als "Totem" bezeichnet er den (Super-) Wal, da der Wal, sozusagen "unser Ebenbild" im Meer, der "Mensch der Ozeane", sich auf einer Stufe mit den Menschen befinde (wenn nicht sogar darüber) (S.128). Der Schutz dieses Totems entwickelte sich zu einer "heiligen Pflicht" für viele Menschen (S.129). Süffisant merkt KALLAND an, dass man heutzutage Wale nicht nur schützen, sondern auch treffen und sogar berühren kann, wenn Tourist/innen mit Schiffen hinaus auf das Meer fahren, um Wale zu beobachten (a.a.O.). Das Whale-Watching-Business21) ermöglicht in diesem Sinne die Pilgerfahrt zu den heiligen Walen. [23]

Als Konsequenz der veränderten Walperzeption kam es zur Nichtaufhebung des Moratoriums durch die IWC nach 1990. D'AMATO und CHOPRA (1991) stellen fest, dass durch die Fortführung des Moratoriums eine neue Stufe der Walfangpolitik eingeläutet wurde: Walen werde von nun an ein eigenes Recht auf Leben zugesprochen, sie stehen damit auf einer vergleichbaren Stufe wie Menschen. [24]

2.6 Eine "abendländische" Geschichte des Walfanges und der Walperzeption: Simplifizierung und Dichotomisierung

Die Rekonstruktion der "abendländischen" Geschichte des Walfanges und der Walperzeption mithilfe der Dokumenten- und Literaturanalyse hat aufgezeigt, wie sich eine dominante Position der Wahrnehmung – der Wal als ein Symbol des Umweltschutzes – in euro-amerikanischen Gesellschaften entwickeln konnte. Erst die "Krise der Wissenschaft", die keine gesicherten Daten über Walpopulationen liefert, führte zur Durchsetzung einer Ideologie des Walschutzes. Seitdem teilt sich der öffentliche Diskurs in Walfanggegner/innen und -befürworter/innen. Die jährlich innerhalb der IWC ausgetragenen Kämpfe leben von diesen dichotomischen Konstruktionen und sind nachvollziehbar, wenn es in politischen Arenen darum geht, Interessen durchzusetzen. Damit werden komplexe Sachverhalte simplifiziert, indem eine einfache Antwort auf eine Verwaltungsfrage gefunden werden muss: Die Frage "Ist eine Nutzung von Walarten derzeit möglich?" kann aus einer Management-Perspektive nur mit "ja" oder "nein" beantwortet werden. [25]

Umso überraschender ist es jedoch, dass wissenschaftliche Studien sich dieser Dichotomisierung anschließen und den Konflikt zwischen Gegner/innen und Befürworter/innen des Walfangs reproduzieren, indem sie mit den Kategorien "Nation" und "Kultur" operieren. Wie eingangs erwähnt, stellen wissenschaftliche Studien substanzielle Unterschiede zwischen dem Antwortverhalten von Befragten aus Walfangländern und Nicht-Walfangländern fest. Diese dichotomischen Konstruktionen münden schließlich in einem Kampf der Esskulturen: fischbasierte vs. fleischbasierte Ernährungsweise bzw. Walfleisch essende Kultur vs. einer Anti-Walfang-Kulturen. [26]

Die "abendländische" Geschichte des Walfanges und der Walperzeption würde jedoch missverstanden werden, wenn sie als eine Essentialisierung der Kategorien "Nation" oder "Kultur" interpretiert werden würde. Vielmehr – so ist deutlich geworden – ist ein gesellschaftlicher Wandel in euro-amerikanischen Gesellschaften zu beobachten: Diese Walfangnationen wurden zu Anti-Walfangnationen aufgrund einer veränderten, dominanten Walperzeption. "Dominant" bedeutet in diesem Zusammenhang, dass nicht davon auszugehen ist, dass alle Menschen dieser Gesellschaften diese Walperzeption besitzen. Vielmehr entspricht diese Perzeption derjenigen, die innerhalb der IWC vertreten wird. Wenn jedoch die Walperzeption nicht von allen geteilt wird, tritt die Frage auf, ob "Nation" oder "Kultur" überhaupt die richtigen Kategorien sind und ob eine Frage wie "Sind Sie für oder gegen den Walfang?" einen Verstehensprozess über divergente Walperzeptionen in Gang setzt. [27]

Daher ist im Folgenden in einer mikrosoziologischen Perspektive zu untersuchen, in wieweit interviewte Erzählpersonen aus Deutschland, Japan und Grönland, die alle auf die eine oder andere Art und Weise einen direkten Bezug zu Walen haben, ihre Wahrnehmung explizieren. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht nicht eine geschlossene Frage, die mit "ja" oder "nein" beantwortet werden kann, sondern mit der Frage "Was bedeutet ein Wal für Sie?"22) eine offene Fragestellung, die eine Erzählung generiert und damit erst die Voraussetzungen für Fremdverstehen schafft. [28]

3. Methodisches Vorgehen

Während der Feldforschungsaufenthalte23) in Grönland und Japan im Jahr 2002 und in Deutschland im Jahr 2003 stellte ich während meiner Interviews die abschließende Frage "Was bedeutet ein Wal für Sie?" Ich machte meine jeweiligen Gegenüber darauf aufmerksam, dass ich nun zum Ende des Interviews kommen würde und noch eine letzte, persönliche Frage stellen möchte. Die offene Fragestellung ermunterte viele Gesprächspartner/innen – oft nach einer ungläubigen Nachfrage: "Ein Wal?" – selbstständig und zuweilen sehr persönlich ihre Antwort zu strukturieren. So gab es neben wenigen kurzen Auskünften die erhofften subjektiven Sichtweisen, die sich in ausführlichen Erlebniserzählungen rund um den Wal ausdrückten. [29]

Die Interviews wurden im Rahmen meines Dissertationsprojektes (SOWA 2011) erhoben, in dem ich Feldforschung in Deutschland (Bonn, Frankfurt/M., Hamburg), Japan (Tokio, Taiji, Toyohashi) und Grönland (Nuuk, Ilulissat, Oqaatsut) unternahm. Dabei hegte ich große Sympathie mit GIRTLERs Ansatz der freien Feldforschung (1989, 1992, 2001, 2004), nach dem sich durch das Prinzip der Offenheit der zu erforschende Gegenstand erst während des Forschungsprozesses in der Auseinandersetzung mit dem Feld strukturiert. Die wichtigste Art, Daten zu gewinnen, blieb für mich das Interview. Meine gewählte Interviewform bewegt sich zwischen ero-epischem Gespräch (GIRTLER 2001, 2004), verstehendem Interview (KAUFMANN 1999) und leitfadengestütztem Expert/inneninterview (BOGNER, LITTIG & MENZ 2005; BRINKMANN, DEEKE & VÖLKEL 1995; LIEBOLD & TRINCZEK 2002; MEUSER & NAGEL 2009). In meinem qualitativen Sample befanden sich Politiker/innen, Verwaltungsbeamte, Verbandsträger/innen, Journalist/innen, Wissenschaftler/innen, Studierende, Selbstständige in der Tourismusbranche, Tourist/innen, Jäger/innen, Fischer/innen, Walfänger/innen und Umweltschützer/innen. Unter den Erzählpersonen waren Deutsche, Dän/innen, Grönländer/innen und Japaner/innen.24) Mein Vorgehen unterscheidet sich durch die Kürze der Aufenthalte vor Ort dennoch deutlich von ethnologischen Zugängen, eher ist es der fokussierten Ethnografie (KNOBLAUCH 2001) zuzuordnen, die sich bislang jedoch nur intrakulturellen Phänomenen annimmt. Es dürfte offensichtlich sein, dass der Untersuchungsgegenstand immer auch durch die zu seiner Untersuchung verwendeten Methoden begründet wird (FLICK 2004), insofern meine offene, unstrukturierte Vorgehensweise im Vergleich zur Anwendung von anderen Methoden zu anderen Ergebnissen führt. [30]

Die für diesen Beitrag aufbereiteten Interviewdaten wurden ursprünglich nicht zur Beantwortung der in diesem Artikel gestellten Frage nach der Walperzeption erhoben, vielmehr handelt es sich hierbei gewissermaßen um eine Sekundäranalyse des empirischen Materials.25) Daher konzentriert sich die Auswertung auch ausschließlich auf die abschließende Interviewfrage. Die Antworten der Erzählpersonen wurden mithilfe inhaltsanalytischer Verfahren (MAYRING 2008) zu einer Heuristik gruppiert. Zudem wurde eine Rekonstruktion der jeweiligen Bezüge, die die Erzählpersonen herstellen, vorgenommen. Damit unterscheidet sich dieses inhaltsanalytische Verfahren von der herkömmlichen Typenbildung (KELLE & KLUGE 1999; KLUGE 2000; KUCKARTZ 2010), da kein Merkmalsraum gebildet und eine Kombination von Merkmalen angestrebt wurde. Vielmehr wurde der Versuch unternommen, die jeweilige Erzählung über den Wal zu analysieren und eine Interpretation vorzunehmen, welche Perspektive auf den Wal von den Erzählpersonen eingenommen wird. Es fanden sich recht ähnliche Aussagen in den Interviews, die sich in fünf Walperzeptionen einordnen ließen: der Wal als ästhetisch-moralisches Wesen, der Wal als ethnisches, kulturelles oder nationales Symbol, der Wal als kulinarisches und ästhetisches Wesen, "Der Wal ist mein Leben" und schließlich der Wal als Ressource für eine nachhaltige Nutzung. Im Anschluss wurden alle verwertbaren Interviews den Walperzeptionen zugeordnet. In insgesamt 36 Interviews stellte ich die Frage "Was bedeutet ein Wal für Sie?" Im Analyseprozess konnten 31 Interviewaussagen den Walperzeptionen zugeordnet werden. Die nicht zugeordneten Fälle stellten Ausnahmen dar oder die gegebene Antwort der Erzählpersonen war zu kurz, um aussagekräftig zu sein. Diese Perzeptionsheuristik erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Der Wal als ästhetisch-moralisches Wesen

Nationalität

Funktion

Ort

Interview_12G

Frau Em.

Dänin

Umweltjournalistin

Nuuk

Interview_15G

Herr Nu.

Däne

Naturwissenschaftler

Nuuk

Interview_25G

Frau I.

Deutsche

Touristin

Oqaatsut

Interview_32J

Herr Li.

Japaner

Umweltschützer

Tokio

Interview_44D

Herr A.

Deutscher

Umweltschützer

Frankfurt

Interview_45D

Herr J.

Deutscher

Deutscher Vertreter in der IWC

Bonn

Interview_46D

Herr B.

Deutscher

Umweltschützer

Hamburg

Der Wal als ethnisches, kulturelles oder nationales Symbol

Nationalität

Funktion

Ort

Interview_09G

Herr P.

Grönländer

Sozialwissenschaftler

Nuuk

Interview_33J

Frau Ka.

Japanerin

Übersetzerin

Toyohashi

Interview_34J

Herr Zu.

Japaner

Gemeindebeamte

Taiji

Interview_43J

Herr Ro.

Japaner

Schriftsteller

Taiji

Der Wal als kulinarisches und ästhetisches Wesen

Nationalität

Funktion

Ort

Interview_11G

Herr T.

Grönländer

Politiker

Nuuk

Interview_14G

Frau Q.

Grönländerin

Studentin

Nuuk

Interview_18G

Frau Za.

Grönländerin

Studentin

Nuuk

Interview_19G

Frau N.

Deutsche

Umweltschützerin, Unternehmerin

Ilulissat

Interview_20G

Frau S.

Deutsche

Restaurantbesitzerin

Oqaatsut

Interview_20G

Herr S.

Deutscher

Restaurantbesitzer

Oqaatsut

Interview_21G

Herr U.

Grönländer

Jäger

Oqaatsut

Interview_29J

Herr He.

Japaner

Umweltschützer

Tokio

Interview_31J

Herr To.

Japaner

Walfanginteressierte Person

Tokio

"Der Wal ist mein Leben"

Nationalität

Funktion

Ort

Interview_35J

Frau Na.

Japanerin

Frau eines ehem. Walfängers

Taiji

Interview_36J

Herr Wu.

Japaner

ehemaliger Walfänger

Taiji

Interview_37J

Herr L.

Japaner

Beamter

Taiji

Interview_38J

Herr E.

Japaner

Walfänger und Delfintrainer

Taiji

Interview_39J

Herr Mo.

Japaner

ehemaliger Walfänger

Taiji

Der Wal als Ressource für nachhaltige Nutzung

Nationalität

Funktion

Ort

Interview_10G

Herr Fo.

Grönländer

Verbandsfunktionär KNAPP, Jäger

Nuuk

Interview_17G

Herr Es.

Grönländer

Verbandsfunktionär ICC

Nuuk

Interview_24G

Herr Pi.

Grönländer

Dorfbewohner, Jäger

Oqaatsut

Interview_41J

Herr Z.

Japaner

Verbandsfunktionär JSTWA

Taiji

Interview_42J

Herr F.

Japaner

ehemaliger Walfänger

Taiji

Interview_28J

Frau Sa.

Japanerin

Beraterin Walfangverband

Tokio

Abbildung 1: Walperzeption bezogen auf die qualitativen Interviews [31]

4. Eine Heuristik der Walperzeption

Das mithilfe der Dokumenten- und Literaturanalysen rekonstruierte Bild des Wals als ein Symbol des Umweltschutzes findet sich in dem erhobenen qualitativen Material in der Wahrnehmung von Walen als ästhetisch-moralische Wesen wieder. Typischerweise wird diese Perzeption von Umweltschützer/innen artikuliert. Darüber hinaus lassen sich aus dem Interviewmaterial weitere Walperzeptionen herausdestillieren. Im Folgenden werden fünf Walperzeptionen näher erläutert. [32]

4.1 Der Wal als ästhetisch-moralisches Wesen

In den Interviews ist häufig von der Faszination von Walen die Rede. Wale sind in dieser Perspektive besondere, einzigartige Wesen, die sich von allen anderen Tieren unterscheiden und vielleicht – aus der Sicht der Erzählpersonen – neben dem Menschen die intelligentesten Lebewesen auf der Erde sind. Herr Li., ein Vertreter von Greenpeace Japan26), vergleicht den Wal mit einem nuklearen Atomreaktor, wie es in einem Buch, das er zuvor gelesen hatte, geschieht. In diesem Buch springt ein Wal aus dem Meer heraus, und im Hintergrund ist das Atomkraftwerk zu sehen. Während das Atomkraftwerk der Gigant der Wissenschaft ist, so handelt es sich bei dem Wal um den Giganten der Natur. Beide haben seiner Meinung nach etwas gemeinsam: Sie sind "außergewöhnliche Riesen". Herr A., ein Vertreter des World Wide Fund for Nature (WWF) in Deutschland27), äußert seine Affinität zu Walen wie folgt:

"Wal hat immer noch etwas sehr Mystisches, in dem er nämlich sehr viel seines Lebens, die Zeit seines Lebens in einem Medium verbringt, wo ich mich gar nicht auskenne, also wo ich mich auch nicht bewegen kann, wo ich keinen Sauerstoff atmen kann. Wo mir auch ganz viel verborgen ist, was macht denn der eigentlich da? Der lebt da, der ernährt sich da, der funktioniert ganz anders als ein Mensch das tut. Das heißt, es ist ein ganz phantastisches Lebewesen, was man irgendwie gar nicht erfinden kann, wenn's den nicht geben würde, dann würde man sich vielleicht schwer tun, so was zu erfinden (...). Der kann ganz phantastische Sachen, so tief tauchen und kommunizieren, und Gesänge und so. Wale haben ja auch Hits zum Beispiel hat man festgestellt, (...) die Buckelwale kommunizieren über sehr weite Entfernungen, sie singen und dieser Gesang wechselt von Jahr zu Jahr. Der wird von einem zum anderen Wal übernommen, das heißt wir haben den Hit des Jahres und das nächste Jahr machen wir einen neuen. Das ist echt, also das sind ganz super Sachen irgendwie, das fasziniert mich schon, ja." [33]

Durch die besonderen Eigenschaften und Fähigkeiten der Wale ist ein Verlust einzelner Walarten nicht wieder gutzumachen, Wale müssen in den Kreis der zu schützenden Tiere aufgenommen werden. Herr J., ein Vertreter der Bundesregierung in der IWC28), spricht im Interview eher rational-nüchtern zur Notwendigkeit des Schutzes der Wale:

"Was bedeutet ein Wal für mich? Es ist ein Lebewesen, (...) natürlich in dem Fall ein besonders großes Lebewesen und ich würde sagen auch in dem Fall ein intelligentes Lebewesen, jedenfalls intelligenter als – würde ich mal sagen – ein Fisch, wenn ich das mal vergleiche mit den sonstigen Meeresressourcen. Und (...) ein Lebewesen in dem Fall, das durch die Dezimierung der vergangenen Jahrzehnte besonders zu schützen gilt". [34]

Schließlich müssen diese einzigartigen, gigantischen, fantastischen, intelligenten Wesen – so die Sicht der dänischen Umweltjournalistin Frau Em.29) – für den Menschen erfahrbar werden. In einer längeren Erzählung berichtet sie von einem sehr emotionalen Erlebnis mit Buckelwalen (engl.: humpback whales) in Alaska, das ihr nachhaltig in Erinnerung geblieben ist.

"Yes. To me it means what I mentioned the Danish poet said about, about certain animals that they simply are so awe inspiring, if you know this expression. Wonderful creatures. And it comes from an experience I had in Alaska in 95. [...] And suddenly they [whales] were there and we had them three hours. They were doing this bubble net, where they come up with the whole body up in the water. And they all stand on the surface before they, very softly sink back in the water again. And then they put a microphone in the water and you can hear the communication, their song. I tell you, this is the most extraordinary experience I ever had. It, it makes you, well, your hairs stand up and your heart stop. And there was a young humpback whale that did not took, take part in this. They said he was too young to know what to do. [...] This young one sprang up and he almost waved one of his flukes at me and it was an extraordinary experience. And, and suddenly they disappeared as quietly as they came. They weigh 40 tonnes. And they were only a few meters away from the boat. And try that in counter, well, it's beyond your wildest imagination. And therefore for me, humpback whales are something very special, very special. I don't say that it should not be hunted, but generally animals were hunted are very shy. And I feel it's very important for people to have experiences in nature like this. Everybody. Because as the poet says it gives you an experience that you can get nowhere else, of a link between animals and you, or a respect for them, love for them. And you can only get that if you're fairly close. But if you hunt a species it's very shy, and it will run away when you are maybe 1500 meters from them." [35]

Zwar will die Befragte die Jagd auf die Tiere nicht gänzlich verbieten, allerdings sollte ihrer Meinung nach jeder Mensch in der Welt die Gelegenheit haben, diese besonderen Tiere mit eigenen Augen zu sehen und zu erleben. Diese Perzeption von Walen respektive Natur erinnert an moralische Naturvorstellungen, wie sie beispielsweise Friedrich SCHILLER oder Ernst RUDORFF vertraten. So schreibt SCHILLER, dass das Erhabene als das unfassbare Werk der Natur den Menschen – in besonderer Weise den Städter/innen – zugänglich bleiben müsse (2009 [1801]). Auch in der musealen Landschafts- und Naturkonzeption (KNAUT 1990, S.117; RAFFELSIEFER 1999, S.106) des Musikers und Komponisten Ernst RUDORFF, der als einer der ersten "Naturschützer" in Deutschland gilt, finden sich ästhetische und moralische Gesichtspunkte für den Schutz der Natur. In seinem "Beitrag Über das Verhältniß des modernen Menschen zur Natur" (1990 [1880]) prangert der von der Romantik beeinflusste RUDORFF anlässlich des geplanten Baus einer Eisenbahnlinie auf den rheinischen Drachenfels den schwindenden menschlichen Naturbezug an. Der menschliche Eingriff würde Natur zerstören, da "das Malerische und Poetische der Landschaft [nur dort] entsteht, wo ihre Elemente zu zwangloser Mischung verbunden sind, wie die Natur und das langsame Walten der Geschichte sie hat werden lassen" (S.119). Übertragen auf die Begegnung mit Walen bedeutet dies, dass der von der Natur entfremdete Mensch eine besondere Naturerfahrung (des Naturschönen) erleben kann, die sich fernab von täglichen Erfahrungen als das Erhabene bzw. als das unfassbare Werk der Natur ereignet. In dieser Perzeption von Walen als ästhetisch-moralische Wesen werden Wale zu besonderen Tierarten erhöht: Sie sind "Giganten der Natur", fantastische "Lieder-Komponisten", besonders intelligente Tiere, die aus der Artenvielfalt hervorstechen. Jeder Mensch sollte prinzipiell die Möglichkeit haben, Wale zu erleben und zu beobachten. Diese Perzeption von Walen respektive Natur hat zum Bezugspunkt eine universale Umweltethik30), in der Natur einen Wert an sich darstellt und Naturschutzbegründungen legitimiert (MEYER 2003). [36]

4.2 Der Wal als ethnisches, kulturelles oder nationales Symbol

Interviewpartner/innen in Grönland und Japan bringen ihre Wahrnehmung von Walen immer wieder mit der eigenen Nation bzw. Kultur in Verbindung. In dieser Walperzeption wird der Wal bzw. der Konsum von Walfleisch zu einem Ausdruck einer kollektiven Identität. Herr P., der als Sozialwissenschaftler im grönländischen Naturinstitut arbeitet31), berichtet beispielsweise von einer Gelegenheit, neu gewonnene Freunde bei einer abendlichen Einladung in seinem Haus mit einer lokalen Spezialität zu überraschen. Auf die Frage, was ein Wal für ihn bedeute, antwortet er:

Herr P.: Food. Mattak32). We are going to have whale meat tonight for instance. Some Danish friends are coming and every time we meet new people and new friends usually after a couple of weeks we ask: "Have you ever tasted whale meat?" – No, they haven't. "O.K., then you are going to taste it". That's a part of being a Greenlander to invite foreigners to taste this huge animal.

I.: Why?

Herr P.: First of all it tastes good.

I.: No, why do you offer it to new friends?

Herr P.: [Lacht]. Come on! [Lange Pause]. For me personally it just has become the, well it can't be reindeer meat because it's so common. You can buy it. But whale meat. I've been hunting whales once. I joined them hunting. It's a very large animal, so huge, very fast. It's a beautiful animal, very tasty. And I think it's because I have this picture of a painting (...), it is painted by a mad guy, former hunter who moved to Greenland (...). But he is describing a hunting in this fjord from, from skin boats, where a guy is wearing skin shoes. We had them years ago those water-proofed shoes. He's jumping up the animal, a whale, from his boat [lacht]. It's amazing. The guy is crazy, how can he do that. But he did it, that's the way they did it. And that's why the animal, by eating the animal is a special thing for me. It's a picture from my childhood. [Pause]. That is my, if you ask me very simply: what does it mean to be a Greenlander? Then I would say: That's eating whale meat both the skin mattak and the meat, frozen, raw, fried, cooked. [37]

Herr P. stellt in dieser Sequenz eine Verbindung zur alten Jagdkultur der Eskimos her, die mit heutigen Jagdpraktiken der grönländischen Inuit nicht mehr viel zu tun hat (SOWA 2012). Der imaginierte, heroische Kampf des Menschen mit dem Wal macht das Konsumieren des Walfleisches zu etwas Besonderem für ihn: Grönländischsein drückt sich im Verzehr von Walfleisch aus. Damit nimmt er Bezug auf ihre kollektive Identität. Ausländischen Gästen bietet Herr. P. "traditionelles Essen" (PARS, OSLER & BJERREGAARD 2001; PETERSEN 1991) an. Walfleisch als Bestandteil des grönländischen Essens Kalaalimernit33) avanciert in dieser Darstellung zu einem ethnischen Symbol (KLEIVAN 1996, S.155), mit dem sich ein Distinktionsgewinn (BOURDIEU 1999) zu im Land lebenden Dän/innen erzielen lässt (SOWA 2004). Auf diese Weise wird der Wal zu einer Projektionsfläche für die Kollektividentität der grönländischen Inuit. [38]

In den Aussagen der Erzählpersonen in Japan wird der Wal ebenfalls in Beziehung zur kollektiven Identität gesetzt: Der Wal wird als kulturelles oder nationales Symbol wahrgenommen. Für manche der Interviewten gibt es eine Verbindung zwischen ihnen selbst, den Walen und der Kultur. So wird der in der Walfangstadt Taiji tätige Herr Zu.34) an Geschichte und Kultur erinnert, wenn er über Wale nachdenkt, schließlich sei er mit Walen aufgewachsen. Ein weiterer Befragter, der Schriftsteller Herr Ro.35), ist stolz auf seine Vorfahren, da diese in Taiji die Walfangindustrie aufgebaut und so der Gemeinde zu Wohlstand verholfen hätten. Diese Interviews mit Erzählpersonen aus der Walfangstadt Taiji verdeutlichen, dass der Wal ein starkes Symbol für die kulturelle Kollektividentität der Gemeinde darstellt. [39]

Eine andere Erzählperson stellt durch ihre Walperzeption ihre Verbindung zur japanischen Nation her. Die Beschränkungen des Walfanges sieht Frau Ka.36) als Eingriffe in Japans Autonomie, als Angriffe auf ihre Kultur. Sie spricht von ihrer liebevollen Zuneigung zu ihrem Land ("loving affection"). Diese werde gestört durch die Attacken von anderen Ländern im Walfangkonflikt. Ihrer Meinung nach muss die (National-) Kultur ebenfalls geschützt werden, und zu dieser gehöre Walfang: "We have to protect our environmental and we have to conserve the whales but I think we should, we must conserve our culture, too". KALLAND und MOERAN sehen im Walfleisch ein mächtiges Nationalsymbol:

"In this vacuum of national symbols whale meat has provided a particularly powerful image. As most Japanese are fond of whale meat and believe that the whales saved them from starvation after the war, there is little disagreement about the value of such meat. Moreover, since few other peoples eat whale meat, this habit also sets the Japanese apart from others. The Japanese thus become unique, and the whaling issue serves to strengthen the much cherished Japanese myths about their identity (nihonjinron), which itself helps fuel one form of Japanese nationalism" (1992, S.194f.). [40]

Die Perzeption des Wals als ethnisches, kulturelles oder nationales Symbol markiert eine Grenzziehung in Relation zu Anderen. Frederik BARTH sprach in diesem Zusammenhang von Idiomen, die die kulturellen Grenzen zwischen Gruppen aufrechterhalten: "[M]uch of the activity of political innovators is concerned with the codification of idioms: the selection of signals for identity and the assertion of value for these cultural diacritica, and the suppression or denial of relevance for other differentiae" (1998 [1969], S.35). Erzählpersonen mit dieser Walperzeption kommen aus Grönland und Japan, verfügen über höhere Bildung (Wissenschaftler/innen, Übersetzer/innen, Gemeindebeamte, Schriftsteller/innen) und sind nicht direkt in den Walfang involviert; ihre Beziehung zu Walen ist eher abstrakter Natur. [41]

4.3 Der Wal als kulinarisches und ästhetisches Wesen

Vielen Narrationen der Erzählpersonen enthalten lust- und genussvolle Äußerungen über Wale. Die Wahrnehmung von Walen als ästhetische Wesen ist nicht Umweltschutzaktivist/innen und Wissenschaftler/innen aus Europa vorbehalten, sondern findet sich beispielsweise auch bei Einheimischen in Grönland. Herr U., der als Jäger und Fischer in Grönland tätig ist37), beschreibt Wale als schöne Tiere, die er gerne sieht: "When they come in front of us (...) it is beautiful to look at, when they are in the TV they are beautiful to look at". Ein japanischer Umweltschützer spricht über Wale als Nahrungsmittel: Im Interview mit Herr He., einem japanischen Vertreter des World Wide Fund For Nature (WWF)38), erzählt dieser, dass er natürlich ("of course") Walfleisch gegessen habe und in Japan das Thema "Wal" anders gesehen werde: "You know, it is quite kind of normal food for us and we have no psychological barrier to avoid eating whales [lacht]". Für eine junge grönländische Studentin, Frau Za.39), bedeutet der Wal "gutes" Essen und einen "schönen" Anblick:

"A whale? It means mattak [lacht]. Whale meat. (...) But I've never been whale hunting myself but I really like eating whale, meat and also the mattak. So, I don't know. And then because I've been sailing so much and I've seen so many whales I just, I think of them as a nice view [lacht], to see a whale coming up or something". [42]

Deutsche, die bereits längere Zeit in Grönland leben und arbeiten, teilen diese Auffassung, so zum Beispiel Frau N., die in Grönland als Touristikunternehmerin und Umweltschützerin40) aktiv ist. Sie hält die Spannung aus, die Tiere schön und schützenswert, aber auch schmackhaft und verzehrenswert zu finden. Solange tierschützerische Maßnahmen eingehalten würden, sei ihrer Meinung nach gegen den Walfang nichts einzuwenden:

Frau N.: Ein Wal? Oh, viele verschiedene Dinge. Solange er noch lebt, ist [er] ein wunderschönes Tier, majestätisch, singt schön, aber das Fleisch schmeckt auch gut. Wenn er dann erst mal erlegt ist und ja irgendwo hat so ein, so ein Walschlachten hat irgendwo was Faszinierendes an sich. Wenn die Rodebayer41) 12 Stunden und mehr bis zu den Gummistiefeln im Blut stehen und schneiden. Und es hat irgendwo ne ganz besondere Atmosphäre. Und Du kannst mir glauben, die Touristen, die hier in Ilulissat sich im Sommer aufhalten, wenn da jemand aus Rodebay anrief und sagt, es sei grad ein Wal angelandet. Und da können die Leute noch so tierschützerisch und tierfreundlich sein, dann springen sie alle auf die Boote und fahren raus um das zu filmen und zu fotografieren und sich das anzusehen. Es gibt ganz wenige, die dann sagen, nein, also, mach ich nicht.

I.: Was ist da so faszinierend dran?

Frau N.: Ja, die ganze Atmosphäre. Wie die, wie die da mit ihren großen Messern stehen und das ausschneiden und. Ja, wir schneiden meistens da nicht mit, wir warten dann bis der, der ausgeschlachtet ist und schneiden dann die Barten raus, die ja (...) [dann] verwendet (...) [werden für] Bastelarbeiten. [43]

Frau und Herr S., deutsche Restaurantbesitzer/innen aus der Ortschaft Oqaatsut42), beschreiben Wale ebenfalls als faszinierende Wesen und als gutes Fleisch. Auch sie unterscheiden zwischen lebenden und toten Tieren. Wenn Wale leben, sind sie "herrliche Tiere", die sie mit Freuden mit dem Fernglas beobachten. Von Finn- und Buckelwalen sind beide besonders fasziniert. Während Frau S. Wale nicht als "Fleischberg" sieht und sie nur kauft, um in ihrem Restaurant einheimische Fleischprodukte anzubieten, bewertet Herr S. Walfleisch als "feines Fleisch" und einen toten Wal als "Fleischberg". Beide sehen allerdings Parallelen zu Deutschland, denn an der Fleischtheke im Supermarkt nehme man auch nicht mehr das ganze Tier wahr, sondern nur noch die Sorte Fleisch ("Du denkst dann in dem Moment auch nicht an das Tier"; Frau S.). [44]

Quer durch alle Interviews äußern Erzählpersonen ihre lust- und genussvollen Erlebnisse mit Walen: Wale werden als kulinarische und ästhetische Wesen wahrgenommen. Dabei sind unter den Interviewten dieser Walperzeption Student/innen, Restaurantbesitzer/inn, ein Politiker, ein Jäger und Umweltschützer/innen. Nationale Zugehörigkeiten spielen dabei keine Rolle, die Ästhetik von Walen wird von Deutschen, Dän/innen, Grönländer/innen und Japaner/innen betont. Alle Erzählpersonen haben regelmäßig Kontakt zu Walen, sei es, dass sie Wale auf ihren Fahrten auf dem Meer beobachten, sei es, dass sie Walfleisch konsumieren. Der Bezugspunkt ihrer Narration sind ihre persönlichen Erfahrungen: Sie finden Wale schön und Walfleisch schmackhaft. Der Wal wird damit nicht zu einem symbolisch aufgeladenen Wesen, sondern ist Teil der persönlichen Alltagserfahrung. Damit wird er zu einem Bestandteil eines gemeinsamen Handlungs- und Erfahrungsraumes, der sich durch intersubjektive Normalitätskonstruktion auszeichnet (SOEFFNER 2004). Bezogen auf das kulinarische Genießen stellt auch BARLÖSIUS fest, dass die Wertschätzung für bestimmtes Essen sich auf Konstruktion von Normalität – sie spricht von "Üblichkeiten" – gründe:

"In den Regional- und Alltagsküchen wird die Art des Kochens häufig mit Sitten und Bräuchen begründet. Die Koch- und Zubereitungsweise gründet somit auf Üblichkeiten, und es werden keine kulturellen Begründungen angegeben, warum etwas so und nicht anders zubereitet wird, außer denen, daß es so am besten schmecke" (1999, S.86). [45]

4.4 "Der Wal ist mein Leben": Wale als integraler Bestandteil der persönlichen (beruflichen) Biografie

Viele der japanischen Interviews, die in der Walfanggemeinde Taiji geführt wurden, lassen sich einer Walperzeption zuordnen.43) Auf die Frage, was ein Wal persönlich bedeute, antworteten die Befragten häufig mit "alles" und "Der Wal ist mein Leben". Dies ist nicht verwunderlich, da Taiji eine aktive Walfanggemeinde war und immer noch ist (AKIMICHI et al. 1988; BEATTY & TAKAHASHI o.J.; KALLAND & MOERAN 1992; NICOL 1979).44) Nahezu jede Familie hat seit Generationen einen konkreten (beruflichen) Bezug zur Walfangindustrie. So beispielsweise Frau Na., die Frau eines ehemaligen Walfängers45), die im Interview angibt, Wale seien "ihr Leben", obwohl sie selbst kein Walfleisch mag und keine direkte Beziehung zum Walfang hat. Dies liege daran, dass sie in Taiji aufwuchs, ihr Vater und ihr Mann Walfänger waren und sie immer noch in das Walgeschäft involviert ist, da sie bis heute Walschmuck (Ohrringe und Ringe aus Fischbein) verkauft. [46]

Ein ehemaliger Walfänger, Herr Mo.46), beschreibt die Familientradition des Walfanges, die ihn zum Walfänger und den Wal zum Teil seiner persönlichen Biografie werden ließen. Selbst nach Beendigung seiner beruflichen Tätigkeit in der Walfangindustrie bleiben Wale und Walfang Bestandteile seines Lebens. Er erzählt, dass er kurz vor seinem Tod wahrscheinlich sagen würde: "I wonna eat whale meat. So, please let me eat whale meat!" Ein weiterer ehemaliger Walfänger, Herr Wu.47), ist ebenfalls der Auffassung, dass Wale sein Leben stark beeinflusst und geprägt haben. Seit seinem 22. Lebensjahr war er in der Walfangindustrie tätig, und noch heute lässt ihm der Walfang in seinen Träumen keine Ruhe: Er träumt, sein Schiff sei gestrandet, auf Grund gelaufen, und vergleicht dieses gestrandete Boot mit der japanischen Walfangindustrie. Die heutigen Entwicklungen des reduzierten Walfanges in Japan frustrieren ihn sehr. [47]

Diese Aussagen von ehemaligen mit dem Walfang involvierten Erzählpersonen werden vor dem Hintergrund nachvollziehbar, dass die befragten Männer im antarktischen Walfang tätig waren. Die Teilnahme an diesem Walfang bedeutete, dass man mehrere Monate bis zu einem halben Jahr in den antarktischen Gewässern verbrachte. Wale wurden mit einer Flotte von Fängerschiffen gejagt und zu einem Mutterschiff gebracht, wo sie sofort weiterverarbeitet wurden. Für die im Walfang Tätigen hatte diese Art der Erwerbsarbeit zur Folge, dass sie monatelang ihre Familien nicht sahen. Auf der anderen Seite hatten Walfangstädte wie Taiji ihren Wohlstand dem Walfang zu verdanken, sodass die Walfänger ein gutes Einkommen erzielen konnten. Die Erwerbsarbeit in der Walfangindustrie strukturierte auf diese Weise das Leben der Walfänger und ihrer Familien. [48]

Die Perzeption von Walen als integraler Bestandteil des Lebens ist jedoch nicht nur ehemaligen Walfängern vorbehalten. Eines der Interviews wurde mit einem aktiven Walfänger geführt, der gleichzeitig Delfintrainer ist48). Herr E. interessiert sich seinen Ausführungen zufolge für Wale und Delfine, ob als Fischer, Walfänger oder Trainer. Natürlich denke er ab und zu, dass ein Delfin "niedlich" sei, allerdings sei das für ihn kein Widerspruch, Delfine oder Wale dennoch zu jagen. Vielmehr empfindet er das Wissen über Wale als Bereicherung für seine Walfangtätigkeit. Der Simultanübersetzer hat die Sequenz wie folgt wiedergegeben:

"Because he was a trainer and he, sometimes he does training, for example last year he went to an aquarium in Nagoya and, for three months to train dolphins. And sometimes like when the driving whalers got whales, when they want to sell some dolphins to aquarium or someone, he can be a trainer in Taiji to train dolphins before they sell dolphins to someone. So, yes, he is very interested in whales. Like as a trainer, as a fisherman (...). Sometime he felt his dolphin he is in charge of is cute or you know interesting (...). But anyway he is very interested in whales. So, being a whaler it's a good job, it's a good opportunity to watch dolphins or whales and so, he can get knowledge of whales. And to be a good whaler it's good to know the, how do they move, how do they leave, so, it's kind of good job, it's a good position. From several points of view: as a trainer, as a fisherman, as a whaler, he is interested in whales." [49]

Auf die Frage "Was bedeutet ein Wal für Sie?" antworten ausschließlich Japaner/innen aus der Stadt Taiji "Der Wal ist mein Leben". Die Aussagen beziehen sich auf die persönliche Erwerbsbiografie sowie die identitätsstiftende und Sinn gebende Bedeutung ihrer Arbeit. Walfang als Erwerbsarbeit ist in den individuellen Identitätskonstruktionen der Erzählpersonen positiv verankert. Sie legen persönliche Sinnkriterien, Wahrnehmungen, Deutungen und Optionen an die Arbeit an und wollen ihre Fähigkeiten und Neigungen in sinnvollen Tätigkeiten entfalten (BAETHGE 1991). Die Arbeit der Walfänger ist nicht nur durch das monatelange Leben auf See gekennzeichnet. Es ist auch zu vermuten, dass für die verschiedenen Tätigkeiten auf einem Fängerschiff eine besondere Form von implizitem Wissen49) notwendig ist und dass es sich bei der Arbeit v.a. um körperliche Arbeit handelt. Verschiedene industriesoziologische Untersuchungen stellten immer wieder heraus, dass die Körperlichkeit von Arbeit, die aufgrund ihrer hohen physischen Beanspruchung und Belastung häufig als diskriminierend beschrieben wurde, durch die Arbeiter selbst eine soziale Aufwertung erfuhr: Sie wurde zu einem Bezugspunkt individueller und kollektiver Identität (BÖHLE 1988), und mit ihr wurde eine positiv interpretierte Verbindung von Körperlichkeit und Männlichkeit hergestellt (WILLIS 1979). [50]

4.5 Der Wal als Ressource für nachhaltige Nutzung

Einige der grönländischen und japanischen Erzählpersonen strukturieren die Schlussfrage dahin gehend, dass sie sich auf die Fortführung des Walfanges in einer nachhaltigen Art und Weise beziehen. Wale werden als Nutzwesen wahrgenommen, dessen Bestände auch für zukünftige Generationen als Ressource gesichert werden sollen. Der Jäger und Verbandsfunktionär der lokalen Jägervereinigung Kalaallit Nunaanni Aalisartut Piniartullu Peqatigiiffiiat (KNAPP), Herr Fo.50), gibt beispielsweise an, die Jagd sei ein wichtiger Teil seines Lebens, den er nicht vermeiden könne. Falls es die Notwendigkeit zur Einschränkung der Jagd gibt, beispielsweise bei Belugawalen, so müsse man diese durchsetzen. Ein weiterer Jäger in Oqaatsut51) bemerkt, dass Wale auch für seine Kinder noch vorhanden sein sollen, damit diese sie essen und sehen können:

"The smaller whales are very important for us Greenlandic hunters, of course because we eat it and like it. We cannot live without the different whales, narwhales or beluga whales as we eat them when the winter pass by and it is very important for the hunters that they come to our area here. But I would like to mention that I also am for sustainable hunting, and it is important our children should be able to taste and also see those animals." [51]

Der ehemalige japanische Walfänger Herr F.52) argumentiert, dass es wichtig sei, die Gesetze einzuhalten: "We need to live with whales. We will be good while whales are good, while whales are healthy"; der wirtschaftliche Profit solle nicht im Vordergrund stehen. In einem anderen Interview äußert sich Herr Z., ein Vertreter53) der Small-Type-Coastal-Association, die sich für den Küstenwalfang einsetzt, sehr nachdenklich über den Fortgang des Walfangs in Japan. Walfleisch ist sehr bedeutsam für ihn, und wenn es eine Möglichkeit der nachhaltigen Jagd gibt, die gewährleistet, dass die Arten nicht aussterben, möchte er den Walfang fortsetzen. Diese Sequenz wurde vom Simultanübersetzer wie folgt übersetzt:

"Whale meat! [lacht] It's something important. It's kind a strange to say like it tastes good, he likes to eat whale meat but in the same time it's something to take care of. We have, have to take care of. It's kind of ambivalent but still he thinks it's something important. If it's possible if they not gonna extinct, make an extinction, if it's possible to hunt whales sustainably he wants to continue whaling. Whales are something important and something we should take care of. We can't help killing other lives to survive. We can't, we should not wild animals make to extinction but as long as we can use sustainably and respect life. It's so sad, if we cannot, in the future if we cannot eat whale meat [lacht]. It's really sad for him." [52]

Auch die Beraterin des japanischen Walfangverbandes, Frau Sa.54), betont die Bedeutung der "Ressource Wal" für Japan und die Menschen in Japan, die das gesunde Walfleisch gerne konsumieren möchten. Dabei wird die "Wissenschaft" als legitimes Mittel angesehen, um zu beweisen, dass einige Walarten im Überfluss vorhanden sind:

"Whales. Whales mean to me? O.k. Whales is very important for the resource and it's a very good healthy food and Japan should continue to supply people who would like to eat. Once, it is established that certain whale species that we hunt from are abounded. And if the science could help to establish this fact then we should really resort to this science to determine whether or not whaling should continue or not. So, what we are doing is right I think. To establish the science in population assessment and also the status of the whale population of variety of different kinds." [53]

Die Betonung des Wals als Ressource für eine nachhaltige Nutzung betont die Weiterführung der Jagd oder des Fanges in einer kontrollierten Art und Weise. Unter den Interviewpartner/innen dieser Walperzeption sind Verbandsfunktionäre (von Jagd- und Walfangorganisationen sowie der Inuit Circumpolar Conference55)), aber auch ein ehemaliger Walfänger, ein Jäger und eine Beraterin eines japanischen Walfangverbandes. Die Erzählpersonen streiten nicht, ob Walfang gut oder schlecht sei, für sie ist Walfang ein unhinterfragter Teil ihrer Gesellschaft. In ihrer Walperzeption nehmen sie Bezug auf die universale Idee der nachhaltigen Nutzung von Wildtieren. Der Begriff sustainable development 56) ist ein etablierter Begriff im Sprachgebrauch der Interviewten. Die Idee der Nachhaltigkeit wurde in den 1980er und 1990er Jahren als globale Lösungsformel vorgeschlagen, um Naturschutz und Entwicklung zu vereinen (IUCN, UNEP & WWF 1980, 1991). Mit dem Brundtland-Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung (HAUFF 1987) und den Erdgipfeln von Rio de Janeiro (1992) und Johannesburg (2002) verbreitete sich die Idee der Nachhaltigkeit als politisch anerkanntes universales Konzept. Diese Entwicklung wird als "Globalisierung von Umweltpolitik" (JÄNICKE, KUNIG & STITZEL 2000) oder als Entstehen einer "globale[n] Weltumweltordnung" (BIERMANN 2001) interpretiert. MEYER, FRANK, HIRONAKA, SCHOFER und TUMA (2005, S.239) sprechen in diesem Zusammenhang von der Errichtung eines globalen Umweltschutzregimes. Wie die Antworten der Erzählpersonen zeigen, diffundierte die Idee der Nachhaltigkeit in die Alltagssprache. In deren Perspektive wird Nachhaltigkeit in erster Linie als "nachhaltige Nutzung" verstanden; falls Gesetze und Fangregulierungen notwendig werden, will man diese zum Wohle künftiger Generationen akzeptieren. [54]

5. Schluss

Ländervergleichende Studien haben in den 1990er Jahren Einstellungen, Haltungen und Wissen zur Tierwelt erhoben und kamen zu dem Ergebnis, dass unterschiedliche Einstellungen sich in nationalen oder kulturellen Kategorien ausdrücken lassen. Daraus resultieren Essentialisierungen, die sich im Rahmen des Konfliktes um die Fortführung des internationalen Walfanges zu einem Kampf der Esskulturen konstruieren lassen. Auf diese Weise werden dichotomische Esskulturen generiert: Scheinbar stehen sich Kulturen der Meerestiernutzer/innen (Walfangnationen) und andere Kulturen, die nicht Meerestiere nutzen (Antiwalfangnationen), unvereinbar gegenüber. Kulturelle Unterschiede erscheinen damit als "Kulturstandards" (THOMAS 1996). [55]

Zunächst wurde mithilfe der Dokumenten- und Literaturanalysen eine Rekonstruktion der dominanten Walperzeption in euro-amerikanischen Gesellschaften erzielt, in der der Wal als ein Symbol für den Umweltschutz gesehen wird: In einem gesellschaftlichen Wandlungsprozess in euro-amerikanischen Gesellschaften veränderte sich allmählich die Perzeption von Walen und führte zur Transformation von Walfangnationen in Anti-Walfangnationen. Wie die empirische Feldforschung in Deutschland, Grönland und Japan aufgezeigt hat, wäre es jedoch falsch, diese Wahrnehmung von Walen pauschal Nationen oder Kulturen zuzuordnen. Die in den Interviews geschilderten Walperzeptionen erfuhren eine größere intrakulturelle als interkulturelle Differenzierung, was zu der Annahme führt, dass andere Kriterien für die Wahrnehmung von Walen eine Rolle spielen müssen. Demnach widersprechen die hier präsentierten mikrosoziologischen Ergebnisse dem Konstruktionscharakter von binären, oft kulturellen oder nationalen Oppositionen in politischen Arenen, wie sie sich beispielsweise im Kampf der Esskulturen offenbaren. [56]

Es zeigt sich, dass die unterschiedlichen Walperzeptionen der Interviewten durch verschiedene Bezugspunkte hergestellt werden: Meiner Interpretation zufolge nimmt die jeweilige Wahrnehmung von Walen Bezug auf etwas anderes. Durch den Wal wird etwas Abstraktes oder Abwesendes imaginiert: Der Wal wird zu einem Symbol bzw. Ausdruck einer spezifischen (universellen) Ethik oder von spezifischen (personalen oder kollektiven) Identitäten (zum Begriff der Identität vgl. STRAUB 1998).

Wahrnehmung von Walen

Bezugspunkt

Wal als ästhetisch-moralisches Wesen

universale Umweltethik

Wal als ethnisches, kulturelles oder nationales Symbol

kollektive Identität

Wal als kulinarisches und ästhetisches Wesen

personale Identität

"Der Wal ist mein Leben"

personale Identität

Wal als Ressource für nachhaltige Nutzung

universale Idee der nachhaltigen Nutzung von Wildtieren

Abbildung 2: Erzählte Wahrnehmung von Walen und ihr jeweiliger Bezugspunkt [57]

Aus dem empirischen Material ergeben sich fünf verschiedene Walperzeptionen: der Wal als ästhetisch-moralisches Wesen, der Wal als ethnisches, kulturelles oder nationales Symbol, der Wal als kulinarisches und ästhetisches Wesen, "Der Wal ist mein Leben" und schließlich der Wal als Ressource für eine nachhaltige Nutzung. Diese Heuristik zeigt, dass der Wal als Projektionsfläche gesehen werden kann: In der Perzeption des Wals als ästhetisch-moralisches Wesen nehmen die Erzählpersonen Bezug auf eine universale Umweltethik. Die Artikulation des Wals als ethnisches, kulturelles oder nationales Symbol hat zum Bezugspunkt die jeweilige kollektive Identität. Interviewte, die den Wal als kulinarisches und ästhetisches Wesen beschreiben, haben als Referenz ihre personale Identität. Die Aussage "Der Wal ist mein Leben" verdeutlicht, dass Wale, Walfang und Walprodukte zum integralen Bestandteil der persönlichen, beruflichen Biografie gehören. Daher wird in diesem Fall auf die personale Identität verwiesen. Schließlich konnte die Walperzeption "Der Wal als Ressource für nachhaltige Nutzung" analysiert werden, deren Bezugspunkt die universale Idee der nachhaltigen Nutzung von Wildtieren darstellt. Je nach Narration wird der Wal zu einem Symbol bzw. Ausdruck einer spezifischen (universellen) Ethik oder spezifischen (personalen oder kollektiven) Identität. Entscheidend für die jeweilige Walperzeption scheinen, dies legen meine Ergebnisse nahe, die jeweils gemachten persönlichen Erfahrungen der Erzählpersonen sowie ihre Nähe bzw. Ferne zu Walen in ihrem jeweiligen Alltag zu sein. [58]

Insofern zeigt die hier präsentierte Heuristik der Walperzeption, dass die Wahrnehmungen von Walen nicht zu nationalen oder kulturellen Essentialisierungen gruppiert werden können. Diese Feststellung ist jedoch nur ein erster Schritt. Um eine Vertiefung der Analyse von Walperzeptionen vorzunehmen, sollte sich zukünftige Forschung den Alltagserfahrungen und v.a. den Praktiken (des Jagens, des Teilens, des Beobachtens) von Menschen zuwenden, zu deren Alltagswelt Wale gehören. [59]

Danksagung

Ganz herzlich bedanken möchte ich mich bei meinen Interviewpartnerinnen und -partnern in Deutschland, Grönland und Japan für ihre Erzählbereitschaft und ihr mir entgegen gebrachtes Vertrauen. Für die finanzielle Förderung der Feldforschung bin ich dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Graduiertenkolleg "Kulturhermeneutik im Zeichen von Differenz und Transdifferenz" an der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg sowie dem Deutschen Akademischen Austausch Dienst (DAAD) zu Dank verpflichtet. Ebenfalls danke ich Ronald STAPLES für die Durchsicht und Kommentierung einer früheren Version dieses Manuskriptes sowie Simone HIEBER für Endkorrekturen.

Anmerkungen

1) Wale sind Säugetiere. Das bedeutet, dass sie lebende Jungen gebären, die mit Muttermilch ernährt werden. Obwohl sie im Meer leben, atmen sie Luft und halten ihre Körpertemperatur konstant. Waltiere gab es bereits lange vor dem Menschen auf dem Planeten Erde, die Rede ist von 50 Millionen Jahren. Die Vorläufer der Wale lebten an Land, was heute noch an der Skelettstruktur zu erkennen ist: Sie besitzen stark verkümmerte Gliedmaßenknochen an der Stelle, an welcher die Hintergliedmaßen sein müssten, sowie eine fünfstrahlige Hand an der Stelle der Vordergliedmaßen. Der Weg der Evolution führte sie irgendwann wieder zurück ins Meer, über die Gründe ist sich die Wissenschaft jedoch nicht einig, wie überhaupt das Wissen über Wale immer noch sehr lückenhaft und begrenzt ist (vgl. ELLIS 1993, S.17). <zurück>

2) Es wird in der Literatur davon ausgegangen, dass Wale – sei es nun aktiv oder passiv – bereits seit 4000 v. Chr. von Menschen genutzt wurden (BARTHELMEß 1992, S.8; ELLIS 1993, S.43). Viele archäologische Felsbilder geben Zeugnis über die Walnutzung von verschiedenen Küstenkulturen in der Stein-, Bronze- und Eisenzeit. Häufig sind Jagdszenen mit Harpunen oder Netzen darauf zu sehen, was auf einen aktiven Walfang schließen lässt. Diese auf Felsen bzw. auf Knochen geritzten Darstellungen fand man u.a. in Skandinavien, Korea, Japan, Namibia und Sibirien (BARTHELMEß 1992, S.8f.). <zurück>

3) Nicht alle Wale wurden jedoch als Monster und Seeungeheuer angesehen. So nährte das männliche Tier des Narwals den Mythos vom zauberhaften See-Einhorn, da sein linker Schneidezahn sich zu einem gedrehten "Einhorn" mit einer Länge bis zu 2,70 Meter entwickelte (BARTHELMEß 1982, S.12). <zurück>

4) Während in den frühen Bibelschriften die Rede von einem "großen Fisch" ist, soll LUTHER diesen Fisch als "Walfisch" interpretiert haben (BARTHELMEß 1982, S.14). <zurück>

5) Unter professionellem Walfang ist hier die organisierte und systematische Form der Jagd auf Großwale zu verstehen. Als Pionier/innen der Walfangindustrie begründeten die Bask/innen den modus operandi. Getreu der Vorstellung BACONs, die Natur sei ein riesiges, unerschöpfliches Warenlager, nutzten sie die Wale in exzessiver Art, sodass die Bask/innen vermutlich für die einzige Ausrottung einer Walart, des atlantischen Grauwals, verantwortlich sind (ELLIS 1993, S.52). Da sich eine wirtschaftliche Nutzung der Wale in der Region bald nicht mehr lohnte, folgte die internationale Expansion des baskischen Walfanges. <zurück>

6) Es gibt unterschiedliche Bewertungen des baskischen Walfanges. BARTHELMEß ist davon überzeugt, dass bei den Bask/innen anfänglich der Fleischkonsum im Vordergrund stand, besonders die Zunge der Glattwale wurde geschätzt (1992, S.15). ELLIS schreibt dagegen, dass die Bask/innen "möglicherweise Walfleisch gegessen" (1993, S.60) haben, hauptsächlich sei es ihnen aber um Walöl gegangen. <zurück>

7) In der historischen Perspektive hat der frühe Walfang eine besondere Bedeutung für die industrielle Entwicklung Europas, da das Walöl nicht nur als "Leuchtstoff", Heiz- und Schmiermittel verwendet wurde, sondern als ein Grundstoff für die Herstellung von Seifen, Lacken, Farben und Textilien fungierte (ELLIS 1993, S.58f.). <zurück>

8) Die Öle der Zahnwale und Bartenwale sind fettchemisch sehr verschieden. Während bei Bartenwalen der Hautspeck in Tranöfen zu Öl verkocht wurde ("Specköl"), findet sich beim Pottwal, einem Zahnwal, das besondere Walrat (auch Spermazeti genannt), eine "Art flüssiges Wachs, das sich im gesamten Körperfett des Tieres befindet, aber besonders hoch konzentriert in bestimmten Gewebshöhlen des Kopfes" (BARTHELMEß 1992, S.30). Dieses "Kopf-Fett" wurde zu Öl verkocht und war zwei- bis dreimal so ergiebig wie Bartenwalöl. <zurück>

9) Während das kalte Klima als eine "natürliche Kühlanlage" in den Fanggründen vor Spitzbergen und Grönland das Walöl schützte, war die Tropenhitze in der Karibik oder in Äquatornähe ein wirkliches Problem für die Aufbewahrung des Walspecks (BARTHELMEß 1992, S.30; ELLIS 1993, S.133). <zurück>

10) Das griechische Wort pelagos beschreibt den Tatbestand "auf hoher See". Mit pelagischem Walfang ist der Pottwalfang gemeint. Diese Art des Walfanges war gekennzeichnet durch schwimmende Jagd- und Verarbeitungsbasen und konzentrierte sich ausschließlich auf das Walprodukt Öl, während Fleisch und Knochen als unnütz angesehen wurden (BARTHELMEß 1992, S.30f.). <zurück>

11) Unter Baienwalfang wird Walfang mit besegelten Fangschiffen verstanden (BARTHELMEß 1992, S.33). <zurück>

12) Andere Staaten wie die USA, die Sowjetunion, Japan, Deutschland, Südafrika und Panama traten erst in den 1930er Jahren als Neulinge im pelagischen Walfang dazu. <zurück>

13) Das Wissen über Wale kumulierte und differenzierte sich immer weiter aus. Nach heutigem Wissen umfassen die Waltiere, auch Cetacea genannt, etwa 75 bis 81 Arten (vgl. CARWARDINE 1998; CARWARDINE, HOYT, FORDYCE & GILL 2000; DARLING, NICKLIN, NORRIS, WHITEHEAD & WÜRSIG 2000; GILL & GIBSON 1997; WATSON 1985). Sie lassen sich grob in Bartenwale bzw. Mysticeti ("Schnurrbartwale") und Zahnwale bzw. Odontoceti einteilen. Die Klassifizierung der Cetacea ist ein fortwährender Prozess, bei dem sich je nach Stand der Forschung bzw. nach wissenschaftlicher Perspektive Unterschiede in der Taxonomie sowie der Zuordnung zu verschiedenen Familien ergeben. Es gibt etwa 11 Bartenwal-Arten, 23 Zahnwal-Arten und 46 Delfin- und Tümmler-Arten (DARLING 2000, S.135; WHITEHEAD 2000, S.79; WÜRSIG 2000, S.199). Das dominante Unterscheidungskriterium stellt in dieser Kategorisierung die Art der Nahrungswerkzeuge dar. Während Bartenwale mithilfe von Hornplatten, den sogenannten Barten, kleine Planktonorganismen aus dem Meer filtern und diese mit ihrer Zunge aufnehmen, haben alle anderen Waltiere in irgendeiner Form Zähne. Weitere Differenzierungskategorien wären die Nasenöffnungen bzw. Blaslöcher. Bartenwale besitzen zwei davon auf dem Scheitelpunkt des Kopfes, während Zahnwale nur ein einziges Blasloch haben. Häufig wird zwischen großen Walen und kleinen Delfinen und Tümmlern unterschieden, die drei Begriffe geraten jedoch immer wieder durcheinander. Delfine und Tümmler sind kleine Zahnwale, deren Bezahnung sich entweder kegelförmig (Delfin) oder spatenförmig (Tümmler) beschreiben lässt. Insgesamt lassen sich die Cetacea in neun (Über-) Familien einteilen: in die Bartenwalfamilien der Glatt-, Furchen- und Grauwale, die Zahnwalfamilien der Pott-, Gründel- und Schnabelwale sowie die kleineren Zahnwalfamilien der Delfine, Tümmler oder Schweinswale und Flussdelfine (ELLIS 1993, S.16-41). Die Zahl der Überfamilien schwankt ebenfalls gewaltig: Während ELLIS von neun Überkategorien ausgeht (S.16), finden sich in anderen Veröffentlichungen insgesamt dreizehn Cetacea-Familien: vier Bartenwalfamilien (DARLING 2000, S.135), drei große Zahnwalfamilien (WHITEHEAD 2000, S.79) und sechs kleiner Zahnwalfamilien (WÜRSIG 2000, S.199). <zurück>

14) Als die Jagd auf den Pottwal begann, häuften sich Abbildungen des mächtigen Pottwals, der ganze Mannschaften verunglücken ließ. Die Jagd auf diesen Zahnwal galt als lebensgefährlich und insofern stellt auch die Perzeption dieses Wals eine Ausnahme dar. Die überwiegende Beute waren langsame Bartenwale, die ohne größere Probleme gejagt werden konnten. Glattwale wurden so beispielsweise auch als die "richtigen Wale" bezeichnet, weil sie für die Walfänger einfach zu fangen waren. <zurück>

15) Es war ein langwieriger Prozess, den Walfang zu kontrollieren und zu reglementieren. Die industriellen Walfänger akzeptierten erst spät die Notwendigkeit für eine Beschränkung der Jagd. War eine Art bedrohlich zurückgegangen, so wandte man sich einer anderen Art oder Region zu, um weiter effizient Walfang zu betreiben. Die ersten Gesetze zur Regulierung des Walfangs stammen aus dem Jahr 1929, in dem Norwegen ein erstes Walfanggesetz erließ, das den Fang von Glattwalen, von Kühen und Kälbern aller Arten und von Blauwalen, die kürzer als 18 Meter waren, verbot (ELLIS 1993, S.341). Ab 1934 fanden in unregelmäßigen Abständen Weltkonferenzen über den Walfang statt, in der sich die teilnehmenden Staaten jedoch nicht auf eine deutliche Reduktion des Walfangs einließen. <zurück>

16) Die IWC kümmerte sich von Anfang an um die Regulierung des Fanges von Großwalen. 1992 wurde aufgrund von unbefriedigenden Entwicklungen innerhalb der IWC (aus der Sicht der walfangenden Akteure) die North Atlantic Marine Mammal Commission (NAMMCO) gegründet, weshalb von einer Regionalisierung der internationalen Walfangregulierung gesprochen werden kann (HOEL 1993). Bisher gibt es keine Konflikte zwischen beiden Institutionen, da die NAMMCO nur die Kleinwalpopulationen – hinzu kommen noch andere Tierarten wie Seehunde und Walrosse – verwaltet (HOEL 1993; SANDERSON 1997). <zurück>

17) Ende der 1970er Jahre kam es zu einer fundamentalen Änderung der Stimmenverteilung innerhalb der IWC von "Pro Walfang" zu "Kontra Walfang". Entscheidend für den Politikwechsel war der Beitritt von 17 Nichtwalfangländern in den Jahren 1979 bis 1982, die gegen die Fortsetzung des Walfangs stimmten (BARTHELMEß 1992, S.46). <zurück>

18) McVAY informierte die amerikanische Bevölkerung über die Problematik der Artengefährdung von Walen. In seinen Artikeln "The Last of the Great Whales" und "Can Leviathan Long Endure so Wide a Chase?", die in den Zeitschriften Scientific American (1966) und Natural History (1971) erschienen, berichtete er über die verfehlte Politik der Internationalen Walfangkommission, die nicht zu einer Reduzierung, sondern zu einer Erweiterung des Walfanges und damit zu einer erheblichen Dezimierung der Wale an sich geführt habe (vgl. ELLIS 1993, S.382). <zurück>

19) Die Aktionen der Umweltschutzorganisation Greenpeace sind nicht mehr unumstritten. So werden beispielsweise in dem Buch "Umweltschutz ohne Gewähr" (AUNE & PRASCHMA 1996) die emotionsgeladenen Kampagnen kritisiert, die wissenschaftlich fundierten Ergebnissen widersprächen und damit die Glaubwürdigkeit der Organisation in Zweifel zögen. <zurück>

20) Die symbolische Macht und Anziehungskraft der Wale wird KALLAND zufolge durch die Tatsache gestützt, dass Wale "weder das eine noch das andere" sind. Einst mit vier Füßen an Land laufend und lebend, sind sie heute Bewohner des Meeres (sie besitzen noch einen Beinansatz im Inneren ihres Körpers). Außerdem entwickelten sich ihre Gehirne lange vor der Entwicklung der Menschen, daher wird Walen eine reiche und altertümliche Kultur zugesprochen (während die Wale in friedlicher Koexistenz mit ihrer Umgebung für über 25 Millionen Jahre lebten, zerstörten die Menschen diese in einem Bruchteil dieser Zeit). Schließlich stehe dieses für uns Menschen ungewöhnliche Leben im salzigen Ozean als Symbol der Reinheit, der unberührten Natur (KALLAND 1993, S.127f.; KALLAND & MOERAN 1992, S.5ff.). <zurück>

21) Walbeobachtungen als Tourismus gibt es seit den 1980er Jahren. Walfanggegner/innen befürworten diese wirtschaftliche "Nutzung" von Walen als Alternative für den Walfang, da strukturschwache Küstengemeinden eine Kompensation für die Beendigung der Walfangaktivitäten erzielen könnten (HOYT 2000, 2003; LEMKE & ROCHÉ 2002). <zurück>

22) Die pauschale Frage nach "dem" Wal und "seiner" Bedeutung verengte nicht das Antwortverhalten der Erzählpersonen, da sie sehr wohl die Möglichkeit hatten, nach verschiedenen Walarten zu differenzieren und oft persönliche Erlebnisse mit einer bestimmten Walart erzählten. <zurück>

23) In Anlehnung an George E. MARCUS (1995) kann man von einer multi-cited ethnography sprechen. Eine derartige Forschung hat in einer zunehmend globalisierten Welt nicht mehr einen einzigen Ort als Untersuchungsgegenstand. Vielmehr wird durch die Ausdehnung der Feldforschung auf verschiedene Orte eine Beschreibung möglich, welche "moves out from the single sites and local situations of conventional ethnographic research designs to examine the circulation of cultural meanings, objects, and identities in diffuse time-space" (S.96). Insofern können auch makrotheoretische Konzepte und Erzählungen der Weltgesellschaft Berücksichtigung finden. Das Thema Walfang und Wale ist ein solches globales Thema; lokale Äußerungen sind nur vor dem Hintergrund der Debatte um die Fortführung des internationalen Walfanges nachvollziehbar. <zurück>

24) Einige der Interviews mit Grönländer/innen und Japaner/innen wurden mithilfe von Laienübersetzer/innen in der Muttersprache geführt. In der Vergangenheit wurden fehlende Sprachkompetenzen der Feldforscher/innen häufig nicht thematisiert, um deren Autorität nicht infrage zu stellen (BORCHGREVINK 2003; STOCKING 1983). Insofern hat die Forderung der kulturwissenschaftlichen Forschung, eine Qualitätskontrolle von durch Laienübersetzer/innen direkt übersetzten Interviews durch professionelle Übersetzer/innen durchzuführen (ENZENHOFER & RESCH 2011), ihre Berechtigung. Eine Beteiligung von sprachkompetenten Interpret/innen während des Auswertungsprozesses wäre wünschenswert (PRZYBORSKI & WOHLRAB-SAHR 2009, S.308). Diese Forderungen sind nur dann zu erfüllen, wenn ausreichend finanzielle Mittel für ein derartig aufwendiges, internationales Feldforschungsprojekt zur Verfügung stehen. In der Regel sind Forschungsstipendien für Qualifizierungsarbeiten nicht in der Weise ausgestattet, um diesen Anforderungen gerecht zu werden. Interessante Auszüge aus den grönländischen Interviews ließ ich im Nachhinein von einer Studentin noch ein zweites Mal transkribieren und übersetzen. Die in diesem Beitrag verwendeten japanischen Interviewsequenzen (aus der Walfangstadt Taiji) geben die direkten Aussagen des Simultanübersetzers wieder (für eine ausführlichere Darstellung der Interviews mit Übersetzer/innen vgl. SOWA 2011). <zurück>

25) Die empirische Erhebung fand im Rahmen meiner Doktorarbeit "Kalaalimernit. Die kulturelle Identität der grönländischen Inuit im Spannungsfeld von Natur und Kultur" (SOWA 2011) statt. Eine Heuristik der Walperzeption spielte im Rahmen dieser Arbeit keine Rolle. <zurück>

26) Interview 32, geführt im Juli 2002 in Tokio, Japan. <zurück>

27) Interview 44, geführt im Februar 2003 in Frankfurt/M., Deutschland. <zurück>

28) Interview 45, geführt im März 2003 in Bonn, Deutschland. <zurück>

29) Interview 12, geführt im März 2002 in Nuuk, Grönland. <zurück>

30) Auf eine Unterscheidung zwischen Natur und Umwelt wird in diesem Zusammenhang verzichtet, auch eine systematische Trennung zwischen Naturschutz und Umweltschutz wird wissenschaftlich als nicht zu rechtfertigen angesehen (vgl. auch ENGELHARDT 1995). <zurück>

31) Interview 9, geführt im März 2002 in Nuuk, Grönland. <zurück>

32) In dem Buch "Grönländisch für Reisende" ist zu lesen: "'Mattak' is whale skin. It is eaten raw, after being cut into small pieces and lightly sprinkled with salt (or 'Aromat') and served with rye bread. It is chewy, tastes like avocado or (some say) nuts and is considered a delicacy. It is sometimes fried or boiled as is described in Greenlandic cook books" (HERTLING 1993, S.34). <zurück>

33) Erfolgt eine Annäherung über die Sprache, so ist im Grönländischen die Rede von Kalaalimineq, im Plural Kalaalimernit. Wörtlich übersetzt handelt es sich um einen "sprachlichen Kannibalismus" (ROEPSTORFF 1997, S.99), da Kalaaleq "ein Grönländer" und mineq "ein (kleines) Stück von" bedeutet; zusammengesetzt also ein "Stück von einem Grönländer" (BERTHELSEN 2002, S. 143, 182). Hier liegt ein zentraler Unterschied zum importierten Essen, das Qallunaamineq, im Plural Qallunaamernit, genannt wird. Qallunaamineq bedeutet Essen des "weißen Mannes" (HIGH NORTH ALLIANCE 1997, S.7). <zurück>

34) Vertreter der Gemeinde Taiji, Interview 34, geführt im August 2002 in Taiji, Japan. <zurück>

35) Interview 43, geführt im September 2002 in Taiji, Japan. <zurück>

36) Übersetzerin, Interview 33, geführt im August 2002 in Toyohashi, Japan. <zurück>

37) Interview 21, geführt im April 2002 in Oqaatsut, Grönland. <zurück>

38) Interview 29, geführt im Juli 2002 in Tokio, Japan. <zurück>

39) Interview 18, geführt im März 2002 in Nuuk, Grönland. <zurück>

40) Interview 19, geführt im April 2002 in Ilulissat, Grönland. <zurück>

41) Die Ortschaft Oqaatsut trägt im dänischen den Namen Rodebay. Die Interviewpartnerin bezieht sich auf die Einwohner/innen dieser Ortschaft, wenn sie von "Rodebayer" spricht (ausführlich zum Forschungsaufenthalt in Oqaatsut vgl. SOWA 2012). <zurück>

42) Interview 20, geführt im April 2002 in Oqaatsut, Grönland. <zurück>

43) Das Fehlen grönländischer Interviews, die dies ebenfalls widerspiegeln, liegt vermutlich darin begründet, dass keine aktiven oder ehemaligen Walfänger befragt werden konnten. Die Interviewpartner in Grönland waren (Teilzeit-) Jäger und Fischer. <zurück>

44) Heute wird in Japan in den vier Küstenstädten Abashiri (Präfektur Hokkaidō), Ayukawa (Präfektur Miyagi), Taiji (Präfektur Wakayama) und Wadaura (Präfektur Chiba) Walfang praktiziert. <zurück>

45) Interview 35, geführt im August 2002 in Taiji, Japan. <zurück>

46) Interview 39, geführt im August 2002 in Taiji, Japan. <zurück>

47) Interview 36, geführt im August 2002 in Taiji, Japan. <zurück>

48) Interview 38, geführt im August 2002 in Taiji, Japan. <zurück>

49) PÁLSSON (1994a, 1994b, 2006) fand beispielsweise heraus, dass das reichhaltige Wissen der Isländischen Kapitäne über das Ökosystem nicht von einer formalen Ausbildung herrührt, sondern das Resultat jahrelanger praktischer Auseinandersetzung mit der Umwelt ist. <zurück>

50) Interview 10, geführt im März 2002 in Nuuk, Grönland. <zurück>

51) Herr H., Jäger, Interview 24, geführt im April 2002 in Oqaatsut, Grönland. <zurück>

52) Interview 42, geführt im September 2002 in Taiji, Japan. <zurück>

53) Interview 41, geführt im August 2002 in Taiji, Japan. <zurück>

54) Interview 28, geführt im Juli 2002 in Tokio, Japan. <zurück>

55) Die Inuit Circumpolar Conference (ICC) ist eine transnationale Nichtregierungsorganisation, die sich für die Durchsetzung von Rechten der Inuit in internationalen Foren einsetzt. Sie repräsentiert etwa 160.000 Inuit in Alaska, Kanada, Grönland und Russland (Tschukotka). Seit 2006 nennt sich die Organisation Inuit Circumpolar Council (ICC). <zurück>

56) Im Originalbericht ist die Rede von "sustainable development" (WORLD COMMISSION ON ENVIRONMENT AND DEVELOPMENT 1987). Volker HAUFF (1987) hat dies mit "dauerhafte Entwicklung" übersetzt. Die Autoren BRAND und JOCHUM (2000, S.32) weisen darauf hin, dass ein wesentliches Hindernis für die Etablierung des Nachhaltigkeitsdiskurses in Deutschland in der Schwierigkeit der Übersetzbarkeit des Begriffes zu sehen sei. Im Begriff "dauerhafte Entwicklung" fehlte die ökologische Komponente völlig, sodass der RAT VON SACHVERSTÄNDIGEN FÜR UMWELTFRAGEN (1994, S.46) von einer "dauerhaft-umweltgerecht[en] Entwicklung" sprach (zur Rezeptionsgeschichte des Leitbilds sustainable development vgl. BRAND & JOCHUM 2000; TREMMEL 2003). Der heutige, ins Deutsche übersetzte Begriff "nachhaltig" stammt von Hans Carl von CARLOWITZ (1640-1714), der damit ein Prinzip der Forstwirtschaft beschreiben wollte, nach dem so viel genutzt werden sollte, wie wieder nachwächst. Dieser Begriff war der Brundtland-Kommission, in der auf Englisch diskutiert wurde, gänzlich unbekannt (TREMMEL 2004, S.27). <zurück>

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Zum Autor

Frank SOWA, M.A., Studium der Soziologie, Pädagogik und Psychologie in Erlangen und Aberdeen. Von 2001-2004 Doktorand in dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Graduiertenkolleg "Kulturhermeneutik im Zeichen von Differenz und Transdifferenz" und von 2004-2007 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Erlangen-Nürnberg. Seit September 2007 wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Kontakt:

Frank Sowa

Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)
Regensburger Straße 104
D-90478 Nürnberg

Tel.: +49-(0)911-179-3064
Fax: +49-(0)911-179-3380

E-Mail: frank.sowa@iab.de, frank.sowa@gmx.net
URL: http://www.frank-sowa.de/

Zitation

Sowa, Frank (2013). "Was bedeutet ein Wal für Sie?" – Divergenzen von Walperzeptionen in Deutschland, Japan und Grönland [59 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 14(1), Art. 10,
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs1301100.



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