Volume 7, No. 4, Art. 26 – September 2006

Rezension:

Birgit Griese

Werner Fuchs-Heinritz (2005). Biographische Forschung. Eine Einführung in Praxis und Methoden (3. überarbeitete Auflage). Opladen: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 402 Seiten, ISBN 3-531-43127-7, 25,90 EUR

Zusammenfassung: Werner FUCHS-HEINRITZ verschreibt sich dem Ziel, in die Grundlagen der Biographieforschung einzuführen. Konturiert werden Formen biographischer Kommunikation im Alltag und in institutionellen Kontexten sowie Besonderheiten biographischer Kommunikation im wissenschaftlichen Setting (Interview). Die Geschichte dieses speziellen Zugangs zu subjektiven Konstruktionsleistungen im Bereich "Welt und Ich" findet ebenso Berücksichtigung wie Forschungsziele, die mittels Erhebung und Auswertung biographischer Materialien verfolgt werden. Die Themen Forschungsdesign/-prozess, Güte/Validität qualitativer Verfahren werden verhandelt und verschiedene Auswertungsverfahren vorgestellt.

Während FUCHS-HEINRITZ oftmals eine auf (Alltags- oder Wissenschafts-) Praxis bezogene, didaktisch hervorragend ausgearbeitete Einführung von Novizinnen und Novizen gelingt, überzeugt der strukturelle Aufbau der Arbeit häufig nicht. Das den gesamten Text durchziehende Anliegen, Rezipientinnen und Rezipienten umfassend zu informieren, reibt sich mit Anforderungen an eine kohärente Darstellung und einen transparenten Aufbau, denen einführende Texte auf besondere Weise verpflichtet sind.

Keywords: qualitative Sozialforschung, Biographieforschung, biographisch-narratives Interview, biographische Kommunikation, Erhebungsformen, Auswertungsverfahren, Forschungsdesign, Forschungsprozess, biographietheoretisch und -analytisch angelegte Studien, Validität

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biographische Kommunikation

3. Geschichte, Forschungsziele, Kontroversen

4. Forschungspraxis

5. Fazit

Literatur

Zur Autorin

Zitation

 

1. Einleitung

Biographieforschung konnte sich in den letzten Jahrzehnten (nicht nur) im Feld qualitativer Sozialforschung etablieren. In diesem Kontext ist es nicht weiter verwunderlich, dass der VS Verlag in 2005 die dritte Auflage des Einführungstextes von FUCHS-HEINRITZ veröffentlichte. Im Vorwort bzw. Klappentext wird angemerkt, dass in der 3. Auflage keine konzeptionellen Änderungen vorgenommen wurden, sondern dass die aktuelle Fassung jüngst erschienene Publikationen im Themenfeld berücksichtigt und der neuen deutschen Rechtsschreibung angepasst wurde. Vom Aufbau gestaltet sich die Abhandlung wie folgt: Einer grundständigen Auseinandersetzung mit Formen biographischer Kommunikation (S.13-84) schließen sich Ausführungen zur geschichtlichen Entwicklung der Biographieforschung, zu theoretischen Grundlagen, unterschiedlichen Forschungsansätzen und zentralen Debatten an (S.85-194). Im letzten übergeordneten Kapitel steht die Umsetzung biographietheoretisch und -analytisch angelegter Forschungsprojekte auf dem Programm (S.214-343) – insgesamt ein ehrgeiziges Projekt, das in vielen Punkten gelungen umgesetzt, in einigen Aspekten allerdings Ansprüchen nicht gerecht wird, die an die "Textgattung Einführung" adressiert werden können. Während das Kapitel Biographische Kommunikation im Alltag einen überzeugenden Einstieg in das Thema bietet und trefflich unter didaktischen Gesichtspunkten aufbereitet wird, gilt dies nur zum Teil für den zweiten großen Abschnitt Geschichte, Forschungsziele, Kontroversen. Die Ausführungen zur Geschichte sind ebenso wie das Einstiegskapitel informativ und gelungen aufbereitet, die weiteren Themenblöcke indessen vom Aufbau und den vermittelten Informationen her zu kritisieren. Zudem überschneiden sich hier präsentierte Inhalte häufig und ohne Verweisstruktur mit Ausführungen im Kapitel Schritte der Forschungsarbeit – ein Problem, das nicht nur für temporär enttäuschte Erwartungshorizonte des informierten Lesers und der informierten Leserin sorgt, sondern auch für mangelnde Klarheit im Aufbau, die vor allem Einsteigerinnen und Einsteigern den Überblick erschweren dürfte. Wenn es dem Verfasser auch im letzten Themenblock erneut gelingt, grundständiges Wissen im Bereich Erhebung/Gesprächsführung zu vermitteln, sind doch die Anmerkungen zu unterschiedlichen Auswertungsverfahren nicht so aufgebaut, dass sich Noviz(inn)en problemlos orientieren könnten. Reibungen, die durch inhaltliche Dopplungen sowie die (zu knappen) Skizzen diverser Verfahren verursacht werden, bleiben bestehen. Mittels Fokussierung auf einzelne methodische Verfahren und methodologische Rahmungen – so schwer dies im Einzelnen fallen mag – hätte der Text hinsichtlich Kohärenz und bezüglich des anvisierten Charakters (Einführung) gewinnen können. Zudem sind gelegentlich wichtige Debatten innerhalb der Biographieforschung nicht extensiv genug bearbeitet, manchmal auch ignoriert worden, wie in dieser Besprechung, die vom Ablauf dem Aufbau der Monographie folgt, ausgearbeitet wird. Doch das Lob soll kritische Kommentare überwiegen: FUCHS-HEINRITZ führt vielfach Schritt für Schritt in die Thematik ein und eröffnet mit sachkundigen Informationen einen Zugang zur Biographieforschung. [1]

2. Biographische Kommunikation

Nachdem der Autor geklärt hat, dass umfassende autobiographische Darstellungen bzw. Stegreiferzählungen, die auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft einer Person, auf "lebensgeschichtliches Gewordensein" abstellen, selten in alltäglicher Praxis "performt" werden, sondern primär Resultat biographisch-narrativer Interviews sind, kommt er auf Strukturen und Inhalte biographischer Kommunikation im Alltag zu sprechen und präsentiert interdisziplinäres Wissen. Überzeugend arbeitet er heraus, in welchen sozialen Situationen, welchen institutionellen Kontexten, mit welchen Intentionen biographisch kommuniziert wird und welche konventionellen, sozial-kulturell verankerten Strukturmuster biographischer Artikulation zugrunde liegen. Aufgrund der exemplarischen Erörterungen theoretischer Grundlagen ist es auch dem/der Neueinsteiger(in) möglich, Dimensionen biographischer Artikulation/Kommunikation nachzuvollziehen. Diese Darstellungsstruktur, die das gesamte erste Kapitel durchzieht, ist unter didaktischen Gesichtspunkten hervorragend gewählt. Aufgrund der organisierten Wissensvermittlung ist diesem Kapitel eine Qualität zu bescheinigen, die nicht alle Lehrbücher in Anspruch nehmen können: Der Text eignet sich zum Selbststudium, da sich die Bedeutung immer zugleich auf zwei Ebenen darbietet: auf Ebene des wissenschaftlichen Diskurses und in Manier des (reflektierten) "Alltagsverstandes". Systematisch werden soziale Anlässe biographischer Kommunikation vorgestellt, so unter anderem:

  • Kennen lernen (S.14f.) oder Wiedersehen nach langer Zeit (S.17),

  • Krisen bzw. kritische Lebensereignisse, die biographische Reflexionen oder Erzählungen virulent werden lassen (S.15, 18),

  • erlebtes Glück oder Unglück (S.17, 21),

  • (vermeintlich) verspätete oder verfrühte Entwicklungen im Leben (S.16),

  • Familienfeiern und Feste jeglicher Art (S.17, 21),

  • Kontakt mit der "älteren Generation", die Erinnerungen als Lehrbeispiele nutzt, kurz: der es um Übermittlung von Lebenserfahrungen oder "Erziehung" geht (S.17f., 69),

  • Veränderungen im Leben (Wandlungen) (S.16),

  • Bewährung im Leben (S.18). [2]

Darüber hinaus werden gesellschaftliche Institutionen bzw. Organisationen in ihrer Funktion als Biographiegeneratoren vorgestellt (zum Begriff und zum Konzept der Biographiegeneratoren vgl. ausführlich HAHN 1988, S.51; 2000, u.a. S.59f., 64f.; WILLEMS & HAHN 1999, S.15f.; BOHN & WILLEMS 2001, S.10; LINK-HEER 1999, S.180ff.; ALHEIT & HANSES 2004, S.8ff.; LEITNER 1990, S.363f.), von denen nachstehend einzelne angeführt werden:

  • Betriebe bzw. Arbeitgeber im weitesten Sinne: Bewerbungs-/Vorstellungsgespräche (u.a. S.22),

  • die Beichte (S.27f.),

  • das Anwalt-/Klientengespräch (S.28),

  • das psychoanalytische bzw. -logische Setting (S.27),

  • das Arzt-Patient(inn)engespräch im Kontext Anamnese/Diagnose (S.22, 27f.),

  • Beratungssituationen im Allgemeinen. [3]

Die Auseinandersetzung mit biographischer Kommunikation in Institutionen veranlasst den Autor, alltagskommunikative Strukturbedingungen abzugrenzen. Die Gegensatzpaare freiwillig (Alltag)/abverlangt (Institution) und einseitig (Institution)/reziprok (Alltag) verweisen auf unterschiedliche Artikulationsformen und -bedingungen des Biographischen (S.46ff.). Auch fällt das "Recht", Biographisches zu kommentieren oder zu beurteilen, unterschiedlich aus, wie FUCHS-HEINRITZ unter anderem am Beispiel der Rechtsprechung illustriert (S.48f.). Die besonderen Eigenschaften der aus der Perspektive eines/einer Anderen formulierten biographischen (Teil-) Informationen und der Umgang mit ihnen wird konturiert: Auf Dossiers, Gutachten und (Personal-) Akten, die nur gelegentlich Stellungnahmen der Betroffenen dokumentieren, geht der Autor explizit ein (u.a. S.25, 34f., 77f.). [4]

Detailliert arbeitet FUCHS-HEINRITZ heraus, dass die Strukturen, die biographische Kommunikation ermöglichen, mit sozial-kulturellen Wissensbeständen korrespondieren. Der Autor thematisiert als "Applikationsvorlagen" bzw. als Strukturwissen für Sprechende, das Sprechenden zur Verfügung steht

  • schriftlich fixierte literarische Formen wie Märchen, Schwank und Sage, Heiligenviten, Memoiren, Autobiographien, Romane oder Briefe, Tagebücher, Familienchroniken (S.27-35),

  • oral kommunizierte Formen wie den Nachruf oder die Laudatio (u.a. S.35), die Beichte oder Kommunikation im psychoanalytischen Setting. [5]

Sinnsysteme bzw. -universa (LUCKMANN 1991) – wie die "Allegorien des Lebensalters" (S.35f.), astrologische Deutungen des Ich und der Welt oder religiöse Deutungsmuster des Seienden – werden als soziale Interpretations- und Darstellungsrahmen des Biographischen eingeholt, wenngleich bei FUCHS-HEINRITZ der Rekurs auf "allzu Theoretisches" entfällt, mit anderen Worten: die Ausführungen bleiben meist deskriptiv. In diesem Zusammenhang werden auch Erklärungsmodelle der Wissenschaft – insbesondere aus dem Bereich der Psychologie (Entwicklungspsychologie, Persönlichkeitstheorie) – angeführt, Wissensstrukturen, die der Konstruktion des Selbst in biographischer Kommunikation zugrunde liegen können. Allerdings fehlen auch an dieser Stelle Hinweise auf Fachliteratur oder Erörterungen zu "Wissenstransfers", die sich zwischen Alltags- und Wissenschaftsdiskursen abspielen (S.45f.). Trotz relativ oberflächlicher Darstellung bringt der Autor im Rekurs auf psychologische Deutungshorizonte die Verwobenheit zwischen wissenschaftlichen und alltagssprachlichen Diskursen zur Sprache, ein Aspekt, der in der Biographieforschung − obgleich im wissenschaftlichen Identitätsdiskurs verankert (BORMANN 2001, S.13; KEUPP 1996, S.380f.; GRATHOFF 1988, S.22; HALL 1994, S.66) − oft vernachlässigt wird. Lobenswert ist auch der Hinweis auf "kollektive Lebensentwürfe" (soziale Bewegungen, religiös motivierte Auslegungen des Seins oder politische Weltanschauungen), die auf Form und Inhalt biographischer Artikulation Einfluss nehmen können, sowie der Verweis auf Zeitgeschichte, die Anlässe zu biographischer Kommunikation liefert und Darstellungen mitstrukturiert, auch wenn die biographische Artikulation des Geschichtlichen nicht mit der kanonischen Geschichtsdarstellung übereinstimmen muss (u.a. S.62, 65f.). Klassisch, sprich: in Anlehnung an KOHLI, wird auf die so genannten Normalbiographien, auf Karrieremuster, Laufbahnmodelle, Berufs- und Bildungswege in ihrer Eigenschaft als Strukturierungselemente verwiesen (S.38ff.). [6]

Im Horizont des "Problems der Zeitgebundenheit" biographischer Artikulation – sie ist an das Hier und Heute gebunden und per se mit einer Restrukturierung des Vergangenen verwoben – kommt FUCHS-HEINRITZ auf einzelne Zeit- bzw. Darstellungsmodelle zu sprechen, die für Kohärenz sorgen. Die Strukturierung einzelner Ereignisse/Erlebnisse in Anfang/Mitte/Schluss, die thematisch mögliche Strukturierung über ein Thema der Lebensführung, die Wandlung (Vorher/Nachher) werden, neben anderen Mustern, unter dem Gesichtspunkt der (sozialen) Strukturierung des Biographischen thematisiert (S.56ff.). Ferner werden soziale "Funktionen biographischer Kommunikation" (S.66ff.) präsentiert, die Einfluss auf die Darstellung nehmen, wie unterhalten, informieren, bilanzieren, Vertrauen schaffen, Solidaritäten her- und Individualität/Identität darstellen, Lebenserfahrungen transportieren, soziale Kompetenzen demonstrieren, soziale Anerkennung erhalten, Urteile fällen etc. (S.73-77). Und schließlich arbeitet der Verfasser die besonderen Bedingungen biographischer Kommunikation in der Moderne aus (S.78ff.), die, um es in Anlehnung an FISCHER zu pointieren, "biographische Strukturierung" oder "biographische Arbeit" (2002), die angesichts ausdifferenzierter Gesellschaftssysteme dem/der Einzelnen abverlangt wird. [7]

Insgesamt liefert das erste Kapitel einen gelungenen Überblick über Strukturen und Bedingungen biographischer Kommunikation im Alltag und in institutionellen Kontexten. Die herausragende didaktische Aufbereitung des Stoffs ist bereits erwähnt worden, und die verwendete Literatur verweist auf kanonische Texte und einen überaus fundierten Kenntnisstand. Es ist allerdings zu fragen, ob nicht beispielsweise die von STRAUB vorgenommene Differenzierung in "formal-strukturelle" und "inhaltlich-qualitative" Dimensionen der Konstruktion von Identität (1994/95, S.1; 2000, S.171) an der einen oder anderen Stelle zum Verständnis beigetragen hätte. Zu kurz greifen meines Erachtens die Erörterungen zum "Problem der Zeitlichkeit", da es sich hier um einen wesentlichen Diskussionspunkt in der Biographieforschung handelt, der unter anderem zu unterschiedlichen Konzeptionalisierungen von Identität oder Erfahrung führt. Ein Hinweis auf philosophische Abhandlungen im Themenfeld (soziale) Zeit und Identität, wie sie im Konzept der "narrativen Identität" vorliegen (RICOEUR 1991, 1988, 1996, 2005; POLTI 1997; WAGNER 1998; STRAUB 1994/95, 2000; BÖHME 1996; STRAUB & SICHLER 1989; KIMMINICH 2003; PATZEL-MATTERN 2002; LEITNER 1990; BAMBERG 1999; LUCIUS-HOENE & DEPPERMANN 2004; BRUNER 1998; POLKINGHORNE 1998; GRIESE 2006), wäre in einer interdisziplinär konzipierten Einführung angebracht. Auch der eher implizite Verweis auf Kohärenzstrukturen verbleibt im Fragmentarischen: "Kulturelle Traditionen und soziale Regeln verlangen, dass wir alle Abschnitte und Teile der Lebensführung aus einem übergreifenden Sinnzusammenhang heraus erzählen (können)" (S.63). Hier bieten sich unterschiedliche theoretische Bezüge an, um den Kohärenz- bzw. Gestaltaspekt lebensgeschichtlichen Erzählens zu skizzieren (u.a. ROSENTHAL 1995; STRAUB 1994/95). Allerdings, und hier zeigt sich einmal mehr der sachkundige Blick, wird auch auf nicht-lineare und nicht-kohärente Erzählungen verwiesen (S.58f.), ein Hinweis, der selten formuliert wird (im Kontext Forschung vgl. LUCIUS-HOENE & DEPPERMANN 2004, S.285; JUREIT 1999, S.89). Knapp fallen indessen die Ausführungen zu Gesellschafts-/Zeitgeschichte und biographischer Kommunikation aus, deren Zusammenspiel in den Fachdebatten kontrovers diskutiert wird (vgl. diesbezüglich FRIEDRICH 2000, S.51; BERTRAUX & BERTRAUX-WIAME 1985, S.151; STRAUB 1998, S.81, 92f.; LEITNER 1990, S.361; insbesondere FISCHER-ROSENTHAL 1995; BRUNER 1998; HOERNING 1989; kritisch vor allem NIETHAMMER 1995, S.34). Auch der Rekurs auf das Konzept des sozialen Gedächtnisses (HALBWACHS) findet in diesem Zusammenhang seinen Ort, die Thematisierungen lassen jedoch den Verweis auf die prominenten Arbeiten ASSMANNS zum kulturellen Gedächtnis (u.a. 1995, 2000) vermissen. Grundsätzlich bleiben die Dimensionen Moral/Ethik, die konstitutiv für die Herstellung von Identität sind, unberücksichtigt. Gerade der Hinweis auf Lebensführung als Strukturierungsprinzip biographischer Kommunikation lässt den Rekurs auf ethisch-moralische Maxime notwendig erscheinen. Ethik und Moral im Kontext (sprachlich) dargestellter Handlung sind Faktoren, die Identität erst entstehen lassen (stellvertretend vgl. TUGENDHAT 1993, S.37f.; STRAUB 1994/95: u.a. S.10, 17ff.). Doch soll die hier formulierte Kritik keinesfalls missverstanden werden: Die Leistungen des Kapitels, die Qualität als "Selbstlernmaterial" sowie das präsentierte Überblickswissen lassen kaum zu wünschen übrig. [8]

3. Geschichte, Forschungsziele, Kontroversen

Die Geschichte der "Biographieforschung" bzw. der Arbeit mit (auto-) biographischen Materialien im Laufe der Zeit wird kundig und detailliert präsentiert: von den Anfängen der soziologischen Disziplin, die den Fokus auf das "gesellschaftliche Ganze" richtet (S.85f.), über die Psychoanalyse, die unter spezifischen Prämissen (Trieblehre, Theorie des Unbewussten) auf das Individuelle fokussiert, hin zu Spielarten des symbolischen Interaktionismus, die Individuelles und Soziales synthetisch konzipieren. Im Spannungsfeld qualitativer und quantitativer Methodologien gelingt die Vermittlung des Geschichtlichen, im Horizont der Spannung zwischen allgemein Sozialem und Individuellem − Stichworte für den deutschen Verlauf sind unter anderem Positivismus, Kritische Theorie, Feminismus − organisiert der Autor die Vermittlung. Und auch hier gelingt es erneut, das Abstrakte so aufzubereiten, dass der Novize/die Novizin problemlos und interessiert folgen kann. Der/die Leser(in) kann, insbesondere aufgrund des teilweise narrativen Darstellungsstils, die Anfänge biographischer Forschung (THOMAS & ZNANIECKI), inklusive der Probleme und sich anschließender Diskussionen/Weiterentwicklungen, plastisch nachvollziehen. Der Geschichtsteil bezieht sich nicht ausschließlich auf amerikanische Debatten, sondern skizziert Entwicklungen im internationalen Maßstab. Der interdisziplinäre Charakter der sich im 20. Jahrhundert herausbildenden Biographieforschung − Volkskunde, Anthropologie, Geschichtswissenschaften, Soziologie, Psychologie, Pädagogik, um wichtige disziplinäre Verortungen zu erwähnen − wird beschrieben, erste Forschungsfelder, wie Migration, Beruf, Krankheit, Religion, Identität, Sozialisation, Devianz, Schicht, werden umrissen (S.123ff.). [9]

Im Kapitel Charakteristische Forschungsziele (S.128ff.) stellt FUCHS-HEINRITZ interdisziplinäre Forschungsausrichtungen vor. Biographieforschung verfolgt das Ziel

  • unterschiedliche Lebens- und Weltauffassungen zu analysieren/verstehen, was dazu beiträgt, (vorschnelle) Typisierungen/Klassifizierungen zu vermeiden und Horizonte im Hinblick auf die Vielfältigkeit sozialen Lebens zu erweitern (S.128f.). Rekonstruiert werden soziale Welten, Milieus, Lebenswelten, aber auch Strukturen des (sozialen) Handelns, der Orientierung und Lebensführung (S.131ff., 149f.). Problemlagen, Deutungsmuster und Handlungsorientierungen bestimmter sozialer Gruppen geraten in den Blick (S.137f.);

  • das Verhältnis Institution/Biographie zu rekonstruieren: In diesem Zusammenhang weist der Autor ausdrücklich auf die Analysen RIEMANNs zum Fremdwerden der eigenen Biographie in und durch Institutionen und weist auf Effekte in strafenden bzw. resozialisierenden Einrichtungen hin (S.135f.). Auch die "entschlüsselnden Eigenschaften" biographischer Materialien im Kontext der Organisationsgeschichte und -entwicklung werden angesprochen (S.137). Umso verwunderlicher ist es, dass nicht an neuere Arbeiten zum Verhältnis Biographie/Institution angeschlossen wird, wie sie beispielsweise in dem von HANSES herausgegebenen Sammelband (2004) präsentiert werden. So wird von ALHEIT und HANSES – ausgehend von der These, dass in der Spätmoderne nicht "mehr die Institutionen [...] als 'Stichwortgeber' für Biographien [fungieren]", sondern "die Biographien der Individuen" als " 'Institutionsgeneratoren' ernst genommen werden müssen" (2004, S.23) – die reizvolle Annahme vertreten, dass Institutionen (insbesondere der Sozialen Arbeit) aufgrund der geringeren Formalitäts-Informalitäts-Spanne (ELIAS) im Kontext der Entwicklung adäquater, personenbezogener Dienstleistungen über ein großes Modernisierungspotenzial verfügen. In dieser Abhandlung werden also nicht nur negative, sondern auch positive Seiten der Integration biographischer Perspektiven in Institutionen konturiert (vgl. diesbezüglich auch HANSES 2000, 2003; HANSES & SANDER 2004; FISCHER 2002, 2004);

  • Erfahrungsaufschichtungen (SCHÜTZE) oder Fallstrukturen (OEVERMANN) zu rekonstruieren (S.138ff.): Vorgänge der Persönlichkeits- und Identitätsbildung, Lern- oder Bildungsprozesse (S.139f.) werden mittels biographischer Materialien empirischer Betrachtung zugänglich. Das der Biographieforschung innewohnende Professionalisierungspotenzial (über Fallverstehen und hermeneutisch-reflexive Haltung) wird zwar an den Beispielen implizit ersichtlich, jedoch an keiner Stelle explizit thematisiert, auch wenn es beispielsweise um feinanalytische Betrachtungen von Karrieremustern (mit ungewissem biographischem Ausgang) angesichts "problematischer" Lebenslagen − Prostitution, Kriminalität, Krankheit, Sucht (u.a. S.139, 143ff.) − geht. Hier bleibt der Text deutlich hinter den Arbeiten SCHÜTZEs (u.a. 1992, 1996, 1999, 2000), der den Praxisbezug und die teils Paradoxien produzierenden Verschränkungen mit institutionellen Perspektiven thematisiert, oder dem innerhalb der Objektiven Hermeneutik eingenommenen Standpunkt der stellvertretenden Deutung (HAUPERT 1995, S.43; HELSPER, KRÜGER & RABE-KLEEBERG 2000, S.7) zurück;

  • Geschichte aus Sicht der Erlebenden bzw. der Erlebnisgeneration zu rekonstruieren (Oral History): In diesem Zusammenhang sollen "Lebensbedingungen und Alltag des Volkes" (S.132), aber auch Sozialisationsgeschichte oder die Geschichte sozialer Bewegungen aus der Binnenperspektive der Beteiligten eingeholt werden. Ziele sind unter anderem, zur Entwicklung einer demokratischeren Geschichtsauffassung beizutragen oder lebensweltliche Räume detailliert zu erfassen (vgl. u.a. S.131, 133);

  • Theorien zu entwickeln statt Hypothesen zu testen: Zum einen schließt Biographieforschung aus Sicht des Autoren die Kluft zwischen Theorie und empirischer Wirklichkeit, zum anderen sollen neue Forschungsperspektiven generiert werden (S.129f.). Übergeordnetes Ziel ist allerdings die Entwicklung neuer theoretischer Ideen/Modelle (S.143), hypothesentestende Funktionen werden, so FUCHS-HEINRITZ, nur in Einzelfällen wahrgenommen (S.145). Vielmehr gehe es grundlegend darum, "Identitätskonstruktionen und ihre Wandlungen, basale Orientierungsmuster in der Lebenswelt, Deutungssysteme von der Sozialwelt und vom Ich darin, Ablaufstrukturen beruflicher und anderer Karrieren, Entstehung und Veränderung gesellschaftlichen Bewusstseins bei einzelnen Sozialgruppen" (S.146) zu analysieren und theoretisch zu kondensieren. [10]

FUCHS-HEINRITZ liefert einen Einblick in Ziele und Untersuchungsfelder der Biographieforschung, führt auch hier die Lesenden über das Beispielhafte ein, wenngleich der strukturelle Aufbau nicht immer überzeugt. Eine enger an Disziplinen orientierte Darstellung (Oral History, soziologische und erziehungswissenschaftliche Biographieforschung, Volkskunde, methodologische Perspektiven als Sonderpunkt etc.) hätte vielleicht für einen klareren Aufbau gesorgt. Irritationen rufen auch die Einschübe zu erzähltheoretischen Annahmen in der Biographieforschung (S.141f.) hervor, die von der Platzierung in den Ausführungen zum SCHÜTZEschen Forschungsparadigma einen angemesseneren Ort hätten finden können. [11]

Im Unterkapitel Kontroversen und Probleme (S.147ff.) geht der Verfasser grundlegend auf Fragen qualitativer Sozialforschung ein und orientiert sich hier vor allem an den Dualismen subjektiv/objektiv und qualitativ/quantitativ. In diesem Zusammenhang greift er nicht nur die wichtige Frage nach Fiktion oder Wahrheit autobiographischer Erzählungen auf (S.149), sondern konturiert Positionen, die Antwort auf philosophische bzw. methodologische Fragen nach dem Zusammenhang von Individuellem/Allgemeinem geben. Im Prinzip werden in diesem Passus auch Fragen der Triangulation (vgl. diesbezüglich insbesondere KELLE 2001; FLICK 2004) verhandelt, ohne den Terminus Technicus zu verwenden; ebenso wird das theoretical sampling vorgestellt (S.157f.), ohne dezidiert auf GLASER und/oder STRAUSS zu verweisen oder den Fachbegriff einzuführen. Probleme, die bei der Umsetzung dieser Forschungsstrategien auftauchen, werden hinreichend konturiert, leider ohne zentrale Konzepte/Begriffe einzubeziehen, die zur Kondensierung hätten beitragen können. Stattdessen wird erneut darauf hingewiesen, dass sich der "Verallgemeinerungsgrad" über die Anlage und theoretische Ausrichtung einer empirischen Studie klärt, die auf allgemein Gesellschaftliches, auf Milieu, Lebenswelt oder Person Bezug nehmen kann (S.184ff.). Anmerkungen zur Rekrutierung von Interviewpartner(inne)n, zu Unterschieden hinsichtlich geschriebener und gesprochener Materialien (S.166ff.) oder zu unterschiedlichen Erhebungsformen (leitfadenbasiert versus offen) sind informativ; jedoch werden diese Themenbereiche auch im 3. Kapitel abgehandelt, so dass sich hier, ebenso wie bei den Themen Geltungsbereich, Triangulation oder theoretisches sampling, Redundanzen ergeben. Doch vor allem die bislang nicht thematisierten Teilkapitel sind kritisch zu kommentieren. [12]

Das Unterkapitel Das Problem der Retrospektive (S.162ff.), das auf die "Jetztgebundenheit" der Artikulation des Vergangenen fokussiert, greift zu kurz und trivialisiert erkenntnistheoretische Dimensionen des Problems. Zwar erwähnt der Autor, dass im Forschungsansatz der narrativen Identität − ohne, wie bereits angemerkt, den Ansatz als eigenständige Forschungsrichtung mit Namen zu markieren − der Fokus auf dem Prozess der Herstellung von Identität im je aktuellen Vollzug liegt (S.163), blendet philosophische Betrachtungen aber aus. Ihm scheint an einer (einfachen) Kontrastierung des SCHÜTZEschen Konzepts gelegen, in dem die Vergangenheit über die Annahme einer rekonstruierbaren Erlebnis- und Erfahrungsaufschichtung auf spezifische Weise eingeholt wird. Nicht nur, dass in diesem Abschnitt die (zu) kurzen Anmerkungen zur Homologiedebatte, die sich im Kapitel Spezielle Ansätze (S.195ff.) finden, besser platziert wären (fraglich ist, ob die Informationen dieses Unterkapitels insgesamt nicht kohärenter in andere Kapitel hätten eingearbeitet werden können), die Art des rudimentären Verweises auf ein Forschungsparadigma kann informierte Rezipient(inn)en verärgern. Diese Form der Verärgerung setzt sich bei der Lektüre fort. Zwar ist nach wie vor zu konstatieren, dass bezüglich der Analyse biographischer Erzählungen zwei Verfahren dominieren, die mit je eigenen Prämissen verwoben sind: das von SCHÜTZE entwickelte narrationsstrukturelle Verfahren sowie die Interpretation der Daten gemäß der Objektiven Hermeneutik – was methodologische Grundlagen und Handhabung betrifft, sind diese Verfahren am dezidiertesten ausgearbeitet (JUREIT 1999, S.70f.). Steht jedoch die (Re-) Konstruktion von Identität im Zentrum forschender Betrachtung, bietet sich das Konzept der narrativen Identität an, das u.a. aus (sprach-) philosophischer und psychologischer Perspektive oder schlicht unter erzähltheoretischen Vorzeichen Strategien zur Analyse bereit stellt. Obwohl das Forschungskonzept bislang nicht so systematisch erprobt wurde, bezeichnet WOHLRAB-SAHR diesen Zugang unter dem Motto Lebensgeschichte als Diskurs als dritte Option im Feld der Analyse autobiographischer Stegreiferzählungen (2002, S.17f.). Mit der Abhandlung von LUCIUS-HOENE und DEPPERMANN (2004), die von FUCHS-HEINRITZ (??) wiederholt in älterer Auflage zitiert wird, liegt mittlerweile eine Arbeit vor, die eine systematische Darstellung der Rekonstruktion im Paradigma der narrativen Identität verfolgt. Auch wenn Kritik hinsichtlich methodologischer Unklarheiten geäußert wird (u.a. LIEBSCH 2002, S.142ff.) oder MEY zu Recht moniert, dass theoretische Erörterungen vor praktischen Auswertungsperspektiven rangieren (1999, S.83), sollte eine Einführung in das Thema Biographieforschung diese Entwicklungen berücksichtigen. Insgesamt stellt der Passus zu den speziellen Methoden eine Verkürzung dar, denn auch die Objektive Hermeneutik nimmt unterschiedliche Formen an. Zum einen ist an ROSENTHAL zu erinnern, deren Rekonstruktionen auf einem Abgleich objektiver Daten mit subjektiven Sinnkonstruktionen und Analyseschritten des narrationsstrukturellen Verfahrens basieren (u.a. ROSENTHAL 1995; ähnlich, wenn auch mit anschließender Sequenzanalyse HAUPERT & KRAIMER 1991; speziell zur Interpretation objektiver Daten REICHERTZ 1994), zum anderen an die klassischen sequenzanalytischen Verfahren (bezüglich unterschiedlicher Verfahren innerhalb der Objektiven Hermeneutik vgl. REICHERTZ 2000). Nun lässt sich der Verfasser an anderer Stelle ausführlicher auf differente Auswertungsverfahren innerhalb der Objektiven Hermeneutik (S.318ff.) und auf den narrationsstrukturellen Ansatz (S.310ff.) ein, konkret im Kapitel Schritte der Forschungsarbeit und hier im Unterkapitel Auswertung und Interpretation. Insgesamt überzeugt aber der Aufbau nicht. Ausführungen zu den speziellen Ansätzen hätten einen überzeugenderen Platz im Praxisteil gefunden. Auf diese Weise wären Wiederholungen und enttäuschte Erwartungshorizonte, die teilweise anderenorts eingeholt werden, vermieden worden. Und obwohl FUCHS-HEINRITZ neben den "klassischen" Verfahren auf Grounded Theory (S.208ff.) und analytische Induktion (S.212f.) verweist, bleibt letztlich Wesentliches ungesagt. So diskutiert beispielsweise JUREIT (1999) Verfahren (szenisches Verstehen, Rhetorik), die sich in den Sprach- und Literaturwissenschaften oder der Psychologie etablieren konnten. Aus informierter Perspektive stellt sich also punktuell Verärgerung ein, wenngleich meine Kritik mit Blick auf den Charakter der Publikation (Einführung) relativiert werden könnte. [13]

4. Forschungspraxis

Im Abschnitt Schritte der Forschungsarbeit (S.214ff.) erörtert der Autor unter anderem Fragen des Forschungsdesigns, des rekursiven Forschungsprozesses und der Validität qualitativer Forschung. Neuerlich wird betont, dass (Forschungs-) Interessen und die anvisierte Reichweite empirischer Rekonstruktion (z.B. Typenbildung, vgl. S.317f.) Einfluss auf Design und Forschungsprozess nehmen. Ebenso wie der Hinweis, dass Profile in Anlehnung bzw. Auseinandersetzung mit bereits realisierten Projekten entwickelt werden können (S.215) und Forschungstagebücher bzw. Memos oder Interviewerberichte anzufertigen sind (S.233f., 275ff.), informieren auch hier die Ausführungen Einsteiger(innen) auf vorbildliche Weise. Dass Interviewende einen Anteil an der Datenproduktion besitzen, wird genauso geklärt wie etwaige emotionale Belastungen, die im Forschungsprozess auftreten können (S.218f.) oder asymmetrische Machtbeziehungen zwischen Wissenschaftler(inne)n und Befragten (S.245). Forschungsethik wird unter anderem auch im Horizont der Frage "[W]ird der Befragte als Partner bei der Datenherstellung und der Produktion von Wissen angenommen, oder wird er als Objekt der Sozialforschung behandelt?" (S.227) diskutiert, die Möglichkeit des kooperativen Miteinanders für die Situation der Erhebung, über die gemeinsame Interpretation bzw. Rücksprache bezüglich der Interpretationsergebnisse bis hin zur Publikation erörtert. In diesem Zusammenhang ist FUCHS-HEINRITZ nicht an einem einfachen moralischen Appell gelegen, sondern an einer differenzierten Diskussion, die um die Frage kreist, ob bzw. inwieweit Forschungsteilnehmende "integriert" werden können/sollten. Wege der Rekrutierung (S.235ff.) und die (nicht nur in diesem Zusammenhang) notwendige Feldkenntnis werden thematisiert (S.240), Formen des theoretical samplings (S.240) und die empirische Sättigung angesprochen (S.241f.). Plastisch werden Lesende mit der Gesprächsführung im Rahmen biographischer Interviews vertraut gemacht (S.259-275), auf die face-to-face Begegnung mit den "Anderen", "Fremden" vorbereitet, im Hinblick auf technische Erfordernisse informiert, bezüglich der Anonymisierung der Daten aufgeklärt, sowie auf Transkriptionsregeln und Protokollmöglichkeiten verwiesen (u.a. S.247f., 256, 285ff.). Auf die Option, Fotos, Dokumente oder Akten in den Interpretationsprozess zu integrieren, wird gesondert hingewiesen (S.279f.). Leider wird hier wie anderenorts die Qualität/Güte qualitativer Forschung primär unter dem Gesichtspunkt Validität diskutiert, was erhebliche Einschränkungen bedeutet (ausführlich zu Gütekriterien qualitativer Sozialforschung vgl. BREUER & REICHERTZ 2001). Informativ sind wiederum Ausführungen, die dokumentieren, dass die Teilnahme an einem narrativen Interview seitens der Befragten interessengeleitet ist. Es wird zwischen den folgenden Motiven differenziert:

  • sich der Wissenschaft verpflichtet fühlen,

  • den Forschenden helfen wollen,

  • ein geteiltes Interesse am Forschungsgegenstand besitzen/unterstellen,

  • der "Wille" zur Selbsterkenntnis,

  • die Interviewsituation nutzen, um Kontakt oder Freundschaft zu schließen,

  • die Option, die eigene Lebensgeschichte veröffentlicht zu sehen,

  • die Möglichkeit der Belehrung/Erziehung anderer,

  • die Präsentation weltanschaulicher Positionen (S.253ff.). [14]

Auch in diesem Kapitel kommt FUCHS-HEINRITZ auf Auswertungsmethoden zu sprechen. Neben der Objektiven Hermeneutik (S.318ff.) und der narrationsstrukturellen Analyse (S.310ff.) werden journalistische Auswertung (S.300ff.), sozialwissenschaftliche Paraphrasierung (S.307ff.) und Querschnittsauswertungen (304ff.) skizziert. Und bei der Skizze bleibt es: Die Verfahren werden relativ oberflächlich abgehandelt, Interpretationsbeispiele finden sich nicht. Dass schließlich zusätzlich die dokumentarische Methode nach BOHNSACK integriert und neuerlich auf das Prinzip Typenbildung – ohne Bezug auf den klassischen WEBERtext (2004), aber wieder mit Verweis auf Validität – hingewiesen wird, trägt zu gesteigerter Komplexität und mangelhafter Übersichtlichkeit bei. Welche Motive der Wahl für ein methodisches Instrumentarium zugrunde liegen (können), bleibt gänzlich unthematisiert. So wird dem/der Neueinsteiger(in) keinerlei Vorstellung davon vermittelt, wieso beispielsweise einmal mittels Objektiver Hermeneutik, ein anderes Mal mittels narrationstrukturellem Verfahren oder dokumentarischer Methode analysiert wird. Um dies zu plausibilisieren, müsste einerseits noch einmal auf Forschungsfragen/-interessen aufmerksam gemacht, andererseits müssten methodologische Grundlagen der einzelnen Ansätze konturiert werden. Identität ist eben nicht Identität, und auch zugrunde liegende theoretische Konzeptionalisierungen von sozialer Zeit, sozialer Struktur oder Erfahrung unterscheiden sich – um nur einige wichtige theoretische Bezugsgrößen der Biographieforschung zu nennen (vgl. ausführlicher GRIESE 2006). [15]

5. Fazit

Die Abhandlung von FUCHS-HEINRITZ ist eine über weite Strecken gelungene Einführung in die Biographieforschung, die Neueinsteiger(inne)n Möglichkeiten bietet, sich weitgehend selbstständig in die Materie einzuarbeiten. Besonders die ersten etwa 80 Seiten zur biographischen Kommunikation führen gelungen ein. Die Anmerkungen zur geschichtlichen Entwicklung sind ähnlich aufschlussreich und einführend im Charakter; von ebendieser Qualität sind auch die Abschnitte zu Gesprächsführung/Erhebung. Angesichts der Umstrukturierungen in Hochschule und Fachhochschule, angesichts der Selbstlernphasen, die zunehmend eine Rolle spielen, ist der Wert dieser Kapitel bzw. Unterkapitel kaum zu hoch zu veranschlagen, können sich doch zum Beispiel Studierende auf Basis von Textauszügen selbstständig informieren, orientieren und einarbeiten. Was jedoch nicht überzeugt, sind Ausführungen zur Auswertung und zu theoretischen Grundlagen, die sich über zwei Kapitel verteilen. Wieso erfolgt beispielsweise eine kursorische Abhandlung zur Objektiven Hermeneutik, wenn etwa 100 Seiten weiter das Thema erneut abgehandelt wird? Neben Redundanzen, die sich durch Wiederholung einstellen, ist mangelnde Transparenz die Folge. Ähnliches gilt für den narrationsstrukturellen Ansatz oder Auslassungen zur Typenbildung. Wieso unter speziellen Methoden die Grounded Theory erwähnen, die dann im Kapitel zur Umsetzung als Einzelmethode oder als methodologischer Rahmen narrationsstruktureller Verfahren unerwähnt bleibt? Oder warum auf die dokumentarische Methode eingehen, ohne sie im Unterkapitel Spezielle Ansätze zu erwähnen? Mangelnde Übersichtlichkeit beklagt auch CORSTEN, der in seiner Rezension zu FUCHS-HEINRITZ konstatiert: "zu viel Information und zuwenig Übersicht […]. Wäre ich ein Neuling auf diesem Gebiet [also der Biographieforschung, B.G.], so würde ich mich unweigerlich fragen, an welchen theoretischen oder methodologischen Ansatz ich mich halten solle" (2005, o.S.). Obwohl ich mit CORSTEN in diesem Punkt übereinstimme, bin ich im Gegensatz zu ihm der Ansicht, dass gerade Ein- und Ansichten hinsichtlich theoretischer Grundlagen bzw. methodologischer Rahmung zum Verständnis der Einzelmethoden und ihrer Differenzen beigetragen hätten. Nur so lässt sich verdeutlichen, wieso in einem spezifischen Fall der eine, in einem anderen Fall ein anderer Ansatz gewählt worden bzw. zu präferieren ist. Diese Art von Wissensvermittlung setzt allerdings zwingend eine (begründete) Auswahl voraus, die FUCHS-HEINRITZ implizit dann thematisiert, wenn er von den beiden in der Biographieforschung "etablierten" Verfahren spricht. Weniger ist eben manchmal mehr – auch wenn ich in diesem Fall ebenfalls das von mir bevorzugte Paradigma der narrativen Identität vermisst hätte. Könnte ich aber davon ausgehen, dass Studierende oder Interessierte einen fundierte(re)n Einblick in das Verfahren nach SCHÜTZE oder OEVERMANN (vielleicht noch in die Typenbildung) bekommen hätten, wäre ich mehr als zufrieden gewesen, vor allem dann, wenn bei der Vermittlung das didaktische Geschick eines FUCHS-HEINRITZ zum Einsatz gekommen wäre. [16]

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Zur Autorin

Birgit GRIESE absolvierte 1999 ein Studium der Germanistik, Linguistik und Soziologie an der Universität Bremen. Die Promotion folgte 2005 an der Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen. Als Lehrbeauftragte ist sie an der Universität Bremen, Fachbereich 11 (Human- und Gesundheitswissenschaften), und der Alice-Salomon Fachhochschule Berlin aktiv. Zurzeit arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Pädagogischen Institut der Universität Mainz. Arbeitsschwerpunkte in der Lehre liegen im Bereich Erwachsenenbildung und Soziale Arbeit und hier unter anderem im Feld qualitativer Forschungsmethoden. In der Forschungspraxis beschäftigt sie sich schwerpunktmäßig mit narrativen Interviews bzw. Biographieforschung.

Kontakt:

Birgit Griese

Johannes Gutenberg-Universität Mainz
FB 02/Pädagogisches Institut
D-55099 Mainz

Tel.: 06131/39-26521

E-Mail: griese@uni-mainz.de

Zitation

Griese, Birgit (2006). Rezension zu: Werner Fuchs-Heinritz (2005). Biographische Forschung. Eine Einführung in Praxis und Methoden (3. überarbeitete Auflage) [16 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 7(4), Art. 16, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs0604262.

Revised: 08/06



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