Volume 16, No. 1, Art. 21 – Januar 2015

Methodologische Überlegungen und methodisches Vorgehen bei einer intersektionalen Dispositivanalyse

Stefan Paulus

Zusammenfassung: Dieser Beitrag beschäftigt sich mit methodologischen Überlegungen und dem methodischen Vorgehen zur Analyse von Dispositiven. Nach Siegfried JÄGER ist eine explizite Methode "bisher dafür noch nicht entwickelt worden und kann dies wohl auch erst in Verbindung mit konkreten Forschungsprojekten" (2001, S.111). In der Zwischenzeit haben weitere Wissenschaftler_innen zusätzliche theoretische Überlegungen vorgelegt (BÜHRMANN & SCHNEIDER 2007, 2008; KELLER 2007). In diesem Artikel möchte ich nun methodische Vorgehensweisen vorstellen und diese anhand eines konkreten Forschungsprojekts darlegen. Genaugenommen verbindet diese Vorgehensweise methodologische Überlegungen der intersektionalen Mehrebenenanalyse nach WINKER und DEGELE (2009) mit Ansätzen einer Dispositivanalyse im Anschluss an FOUCAULT. Diese Überlegungen beziehen sich auf das abgeschlossene Forschungsprojekt zur intersektionalen Dispositivanalyse des postfordistischen Geschlechterregimes der BRD (PAULUS 2012).

In diesem Rahmen werde ich auf folgende Punkte eingehen: Erstens wird die Dispositivanalyse im Anschluss an FOUCAULT erläutert. Zweitens folgen methodologische Überlegungen zur Intersektionalität. Davon ausgehend werden dann drittens beide Ansätze trianguliert, sodass der theoretische Aufbau einer intersektionalen Dispositivanalyse verdeutlicht werden kann. Der theoretische Aufbau wird in einem vierten Schritt operationalisiert und am historisch-konkreten Beispiel eines Geschlechterregimes expliziert. Die schematische Darstellung der Wechselwirkungen der intersektionalen Dispositivanalyse wird in dem fünften Schritt stattfinden. Das Fazit bezieht sich auf die Relevanz einer intersektionalen Dispositivanalyse sowie auf weitere Forschungsmöglichkeiten.

Keywords: Dispositivanalyse; Intersektionalität; Geschlechterregime; Postfordismus; Regulationstheorie; Poststrukturalismus; Diskursanalyse; intersektionale Mehrebenenanalyse

Inhaltsverzeichnis

1. Die Dispositivanalyse im Anschluss an FOUCAULT

2. Methodologische Überlegungen zur Intersektionalität

3. Aufbau einer intersektionalen Dispositivanalyse am Beispiel von Geschlechterregimen

4. Operationalisierung der intersektionalen Dispositivanalyse

4.1 Strukturebene

4.2 Symbolebene

4.3 Subjektebene

5. Auswertung der Wechselwirkungen in der intersektionalen Dispositivanalyse am Beispiel des Geschlechterregimekonzeptes

6. Fazit

Anmerkungen

Literatur

Zum Autor

Zitation

 

1. Die Dispositivanalyse im Anschluss an FOUCAULT

Der Begriff Dispositiv, wie er hier verwendet wird, geht auf Michel FOUCAULT zurück. FOUCAULT beschreibt das Dispositiv als heterogenes Ensemble von Diskursen, Institutionen, architekturalen Einrichtungen, reglementierenden Entscheidungen, Gesetzen, administrativen Maßnahmen und wissenschaftlichen Aussagen sowie von philosophischen, moralischen oder philanthropischen Lehrsätzen. Nach FOUCAULT stellt das Dispositiv ein Netz dar, welches zwischen diesen Elementen geknüpft ist. Das Dispositiv besitzt hierbei eine strategische Funktion. Diese unterstellt, dass es sich bei dem Dispositiv um eine bestimmte Regulierung zur Kontrolle von Kräfteverhältnissen handelt, um diese in eine bestimmte Richtung zu entwickeln, zu blockieren oder zu stabilisieren. Einfach gesagt ist das Dispositiv die Strukturierung des heterogenen Ensembles sowie dessen Entwicklung (vgl. FOUCAULT 1978, S.119f.). Die Bedeutung des Dispositivs lässt sich in diesem Zusammenhang in der Anordnung (Hierarchisierung, Ein- und Ausschluss von Elementen) und in der Beschaffenheit (Mechanismen, Funktionsweise der Elemente) sowie in der Ausführung (Effekte, Maßnahmen der Elemente) verstehen (vgl. AGAMBEN 2008, S.16f.). Ein Dispositiv besitzt dementsprechend eine je spezifische Formation und Ausprägung bzw. Disposition sowie dazugehörige Dispositivelemente – im Sinne von grundlegenden Kategorien für das jeweilige Dispositiv. In den entsprechenden Arbeiten zu den Inhaftierungs-, Sexualitäts-, oder Wissensdispositiven (vgl. FOUCAULT 1977,1978, 1983, 1989) beschreibt FOUCAULT die Funktion von Dispositiven damit, dass diese in einem je bestimmten historischen Zeitraum auf Krisen von Gesellschaftsformationen zu reagieren versuchen (vgl. 1978, S.123, 2003, S.393ff.). Michel FOUCAULTs Vorgehensweise zur Analyse von Dispositiven charakterisiert Andrea BÜHRMANN wie folgt:

"Er untersucht nämlich – ausgehend von der Frage nach dem (Trans-) Formierungsgeschehen moderner Subjektivierungsweisen – zum einen, welcher Wissensgegenstand bzw. Erkenntnisbereich diskursiv hervorgebracht wird, nach welcher Logik die Begrifflichkeiten konstruiert werden, wer autorisiert ist, über den Gegenstand zu reden, und schließlich welche strategischen Ziele in dieser diskursiven Praxis verfolgt werden. Zum anderen aber geht es ihm auch darum zu untersuchen, über welche Autorisierungsinstanzen sowie Machttechniken diese diskursiven Praktiken in welchem Feld der Machtverhältnisse gestützt bzw. durchgesetzt werden und welchen machtstrategischen Zielen sie dienen. Ausgehend von vielfältigen Kräfteverhältnissen und Aussagen tritt also im Verfahren der hier rekonstruierten FOUCAULTschen Dispositivanalyse neben die Analyse von Diskursbeziehungen eine Analyse der Machtbeziehungen und eine Analyse ihres Zusammenspiels in Form von Diskurs- und Machtformationen" (2004, §36). [1]

Nach Andrea BÜHRMANN und Werner SCHNEIDER bezeichnet eine Dispositivanalyse allerdings keine eigene, schematisch anwendbare Methode, sondern vielmehr einen Forschungsstil. Sie muss sich aus dem jeweiligen Erkenntnisinteresse entlang der Forschungsfragen, der begrifflich-theoretischen Grundlagen und der methodologischen Fundierungen sowie der Methodik zusammensetzen (2008, S.17; BÜHRMANN 1998a, 1998b). Das bedeutet, dass zu Beginn des praktischen Forschungsprozesses eine grundlegende konzeptionelle Darstellung des Untersuchungsgegenstands erforderlich ist, wodurch erst die methodologischen Eckpunkte einer empirischen Dispositivanalyse entfaltet werden können (vgl. BÜHRMANN & SCHNEIDER 2008, S.18ff). [2]

Zusammenfassend kann die Dispositivanalyse im Anschluss an FOUCAULT wie folgt beschrieben werden: Ein Dispositiv ist die Gesamtheit und das Netz von sozialen Praxen, Maßnahmen und Anordnungen, deren Ziel es ist, das Verhalten von Individuen so zu regulieren, dass die Verhaltensweisen in einem relationalen Verhältnis zum Regulierten stehen. Folglich produziert das Dispositiv Subjektivierungen und reagiert bzw. antwortet auf Subjektivierungen1). Die Existenz eines Dispositivs ist zeitlich und räumlich begrenzt. Es kann nur existieren, wenn seine Maßstäbe befolgt und seine jeweiligen Einrichtungen benutzt werden. Das Dispositiv wird zum Wahrnehmungs-, Denk-, Entscheidungs- und Handlungsschemata für Subjekte. Es bringt Subjekte hervor bzw. reguliert diese, indem die Einrichtungen durch die jeweiligen Regelsysteme stabilisierenden Einfluss auf das Verhalten von Individuen und Gemeinschaften haben (vgl. FOUCAULT 1978). Die Dispositivanalyse untersucht Ereignisse, Prozesse und Verbindungen, die mit Subjektivierungsweisen einhergehen. [3]

2. Methodologische Überlegungen zur Intersektionalität

Der Begriff der Intersektionalität bezieht sich auf die Überschneidungen bzw. Kreuzungen von unterschiedlichen Diskriminierungs- bzw. Differenzierungskategorien wie Rassismus, Sexismus, Bodyismus oder Klassismus2). Helma LUTZ und Norbert WENNING (2001) schlagen sogar 13 Differenzierungskategorien vor, um die Analyse von Herrschaftsverhältnissen zu erweitern: Geschlecht, Sexualität, "Rasse"/Hautfarbe, Ethnizität, Nation/Staat, Klasse, Kultur, Gesundheit, Alter, Sesshaftigkeit/Herkunft, Besitz, Nord-Süd/Ost-West sowie gesellschaftlicher Entwicklungsstand. Besonders die aktuellen Debatten zur Intersektionalität berücksichtigen die Verwobenheit und das Zusammenwirken verschiedener Differenzkategorien sowie unterschiedlicher Dimensionen sozialer Ungleichheit, ohne dabei die Analyse von Herrschaftsverhältnissen auf eine Ableitung von Klasse oder Geschlecht zu reduzieren (vgl. KNAPP 2006; WINKER & DEGELE 2007, 2008, 2009). [4]

Im Prinzip lassen sich drei unterschiedliche analytische Zugänge zur Intersektionalität unterscheiden (vgl. McCALL 2005, S.1771ff.):

  • der antikategoriale Zugang als Kritik der Diskriminierungskategorien bzw. Differenzkategorien und Identitätskonstruktionen,

  • der intrakategoriale Zugang als Analyse der Differenz und Ungleichheit im Rahmen einer jeweiligen Kategorie,

  • der interkategoriale Zugang als Analyse der Wechselwirkungen zwischen den Differenzkategorien. [5]

Auf den intra- und interkategorialen Zugang zur Intersektionalität beziehe ich mich im Folgenden. Dies ist ganz im Sinne der intersektionalen Mehrebenenanalyse nach WINKER und DEGELE (2009) zu verstehen, denn diese bezieht sich sowohl auf die Wechselwirkung zwischen den Kategorien als auch auf die Analyse der Kategorien der unterschiedlichen Ebenen: Die intersektionale Mehrebenenanalyse versucht, die Schnittmengen der Kategorie Geschlecht in der Wechselwirkung mit anderen Ungleichheitskategorien wie Klasse, "Rasse" oder Körper auf den gesellschaftlich strukturgebenden Ebenen von Ökonomie, Politik, Diskurs und Subjekt darzustellen (vgl. WINKER & DEGELE 2009, S.29ff.). Eine Forschungsfrage, die sich bei intersektionale Mehrebenenanalyse stellt, ist: Wie lassen sich überhaupt die verschiedenen Verhältnisse, Dimensionen und Differenzkategorien intersektional verbinden? Bzw.: Wie wirken die unterschiedlichen Kategorien und ihre Differenzlinien zusammen?3) [6]

WINKER und DEGELE weisen darauf hin, dass bei intersektionalen Ansätzen noch weitgehend Konzepte fehlen, wie die verschiedenen Ebenen miteinander in Beziehung gesetzt werden können. Als Ausweg schlagen sie eine Anlehnung an Pierre BOURDIEUs praxeologische Erkenntnisweise4) vor (vgl. WINKER & DEGELE 2009, S.63ff.). WINKER und DEGELE schließen daraus, dass Herrschaftsverhältnisse – wie Klassismen, Heteronormativismen, Rassismen oder Bodyismen – sich in Strukturen materialisieren, die gleichzeitig aber von Menschen hergestellt werden. Durch diese Sichtweise ergibt sich folgende Überlegung zur intersektionalen Analyse: Die Autorinnen berücksichtigen sowohl gesellschaftliche Sozialstrukturen inklusive Organisationen und Institutionen als auch subjektive Prozesse der Identitätsbildung sowie die Wirkmächtigkeit von Normen und Diskursen im Sinne einer kulturellen Symbolebene. Der Fokus hierbei liegt nicht auf den Ebenen allein, sondern auf den Wechselwirkungen und den Prozessen zwischen den Ebenen. Diese Überlegungen verdeutlichen drei zentrale Momente innerhalb einer intersektionalen Vorgehensweise:

"Erstens müssen wir Wechselwirkungen hinsichtlich der Wirkungsrichtungen und der zueinander in Beziehung gesetzten Ebenen unterscheiden. Zweitens können wir nicht von einer Gleichförmigkeit der Wirkungen ausgehen, sondern müssen Widersprüche und Gegenläufigkeiten berücksichtigen. Drittens müssen wir auch und gerade solche Widersprüche und Gegenläufigkeiten empirisch spezifizieren und konkretisieren, um daraus im Idealfall Verallgemeinerungen ableiten zu können" (S.77f.). [7]

Das Besondere an dieser intersektionalen Mehrebenenanalyse ist, dass eine Methode zur Verfügung steht, welche die Wechselwirkungen zwischen den unterschiedlichen Ebenen empirisch erfassbar macht. Das liegt m.E. auch im Forschungsinteresse von BÜHRMANN und SCHNEIDER:

"Nicht 'das Dispositiv' kann empirisch erforscht werden, sondern mit der Dispositivanalyse können Wechselwirkungen zwischen vorherrschenden Wissensordnungen, diskursiven und nicht-diskursiven Praktiken (im Alltag), ihre symbolischen wie materialen Objektivationen sowie die damit verbundenen Subjektivationen/Subjektivierungen empirisch untersucht und entsprechend (macht und herrschafts-) theoretisch gedeutet werden" (2008, S.111). [8]

Dies möchte ich in den folgenden Abschnitten am konkreten Beispiel des Geschlechterregimes verdeutlichen, wobei ich auf meine abgeschlossene Promotion zur intersektionalen Dispositivanalyse von Geschlechterregimen zurückgreife (vgl. PAULUS 2012). Diese intersektionale Dispositivanalyse im Anschluss an Michel Foucault richtet sich auf die Beziehungen zwischen den Formationsebenen des Dispositivs, um aktuelle geschlechtsspezifische Machtverhältnisse zu untersuchen, um die geschlechtsspezifische symbolische Architektur ihrer zugrunde liegenden Diskurse und Ideologien offenzulegen sowie die damit verbundenen Subjektivierungsweisen darzustellen. Dementsprechend ist der Aufbau einer intersektionalen Dispositivanalyse dreigeteilt: Es werden auf der Struktur-, Symbol- und Subjektebene des Geschlechterregimes die jeweiligen Dispositivelemente analysiert. Ziel dieser Herangehensweise ist die Darstellung von Wechselwirkungen zwischen der jeweiligen Ebenen. Je nach Standpunkt ergibt sich ein bestimmtes Analyseraster der wechselseitig in Beziehung tretenden und beeinflussenden (↔) Ebenen: Struktur↔Symbol, Struktur↔Subjekt, Symbol↔Subjekt. Die Darstellung der jeweiligen Wechselwirkungen ermöglicht m.E. eine differenzierte und valide Analyse von Subjektivierungsweisen. [9]

Im Folgenden werden die Begrifflichkeiten und Konzepte bzw. der Aufbau und die Vorgehensweise einer Dispositivanalyse näher vorgestellt: Abschnitt 3 bezieht sich zunächst auf den konzeptionellen Aufbau einer intersektionalen Dispositivanalyse (vgl. Paulus 2012, S.25-50, 173-179). Abschnitt 4 verdeutlicht die Operationalisierung an historisch-konkreten Beispielen. und Abschnitt 5 zeigt die schematische Auswertung der Wechselwirkungen bei einer intersektionalen Dispositivanalyse (S.393-430). [10]

3. Aufbau einer intersektionalen Dispositivanalyse am Beispiel von Geschlechterregimen

Nach BÜHRMANN und SCHNEIDER ist zu Beginn des praktischen Forschungsprozesses eine grundlegende konzeptionelle Darstellung des Untersuchungsgegenstands erforderlich (2008, S.18ff.). Daher möchte ich zuerst den Begriff "Geschlechterregime" festlegen. Bei dem Konzept des Geschlechterregimes handelt es sich um ein Herrschaftsdispositiv, in dem verschiedene geschlechtsspezifische Politiken, Ideologien und Diskurse aufeinandertreffen, ineinandergreifen und in dessen Kreuzungen identitäre und heteronormativ-vergeschlechtlichte Subjektivierungsweisen stattfinden, welche wiederum die Wirkmächtigkeit eines Geschlechterregimes (re-)konstruieren. (Für eine ausführliche Ableitung des Begriffes vgl. PAULUS 2012, S.25-175.) [11]

Wie schon beschrieben, dient der Begriff des Dispositivs als Darstellung einer Anordnung von unterschiedlichen Strukturen, Diskursen, Institutionen, Normen, Entscheidungen, Gesetzen, administrativen Maßnahmen, wissenschaftlichen Aussagen sowie moralischen oder ideologischen Denkweisen. Die Dispositivanalyse zielt auf die Erfassung und Beschreibung dieses spezifischen Regimes. In Triangulation mit dem vorgestellten Ansatz der Intersektionalität nach WINKER und DEGELE (2009) kann dieser methodische Rahmen genutzt werden, um das hier zu skizzierende Dispositiv Geschlechterregime auf den Ebenen Struktur (Ökonomie, Politik), Symbol (Diskurse, Ideologien) und Subjekt (Handlungen, Selbstverhältnisse) zu ordnen sowie diese Ebenen wechselseitig in Verbindung bringen. Auf das Dispositiv Geschlechterregime angewendet ergibt sich daher folgende Analysemöglichkeit:

  • Auf der Strukturebene geraten die ökonomischen geschlechtsspezifischen Elemente und Verbindungen zwischen der Produktions- und Reproduktionssphäre in den Blick. Weiter können geschlechtsspezifische Regulierungsweisen staatlicher Institutionen in Form von Gesetzen, Anleitungen, Maßnahmen etc. untersucht werden.

  • Auf der Symbolebene geraten geschlechtsspezifische Verbindungen von Diskursen und Ideologien in den Blick, welche ein historisch-konkretes Geschlechterregime unterstützen.

  • Auf der Subjektebene können die geschlechtsspezifischen Verbindungen zwischen den unterordnenden bzw. normierenden und selbstermächtigenden Subjektivierungsweisen untersucht sowie Praxen herausgestellt werden, welche zu den Materialisierungen eines historisch-konkreten Geschlechterregimes beitragen.



Abbildung 1: Intersektionale Dispositivanalyse eines Geschlechterregimes

  • Die Wechselwirkungen (in Abbildung 1 und im Folgenden durch das Symbol "↔" dargestellt) zwischen der Struktur- und der Subjektebene verdeutlichen, welchen Effekt "Herrschaftsverhältnisse auf die Identitätsebene haben" (S.94), wie Individuen den "Herrschaftsstrukturen unterliegen und inwieweit sie diese akzeptieren, in ihre Identitätskonstruktionen einbauen oder sich zur Wehr setzen" (a.a.O.).

  • Die Wechselwirkungen zwischen der Symbol- und der Subjektebene verdeutlichen, welche Auswirkungen Normen auf die Selbstbilder von Individuen haben, und "inwieweit die Menschen im untersuchten Feld die herausgearbeiteten symbolischen Repräsentationen akzeptieren" (S.95).

  • Die Wechselwirkungen zwischen der Struktur- und der Symbolebene verdeutlichen, wie "strukturelle Gegebenheiten Auswirkungen auf Normen und Ideologien haben und [wie] sich dementsprechend symbolische Repräsentationen darstellen" (a.a.O.). [12]

Durch die Darstellung von Wechselwirkungen wird im Allgemeinen verdeutlicht, welche Querverbindungen oder Dominanzverhältnisse in einem historisch-konkreten Dispositiv vorherrschen. Im Idealfall lassen sich hier Aussagen treffen, inwieweit Strukturen und/oder Diskurse und Ideologien sowie subjektive Praxen sich gegenseitig stützen oder sich Verschiebungen abzeichnen (vgl. a.a.O.). Ferner entwickelt sich durch die Analyse der verschiedenen Ebenen eine "Geschichte der Gegenwart" (DREYFUS & RABINOW 1994, S.147), welche die wechselseitige Beziehung der jeweiligen Ebenen und der dazugehörigen Elemente und Anordnungen des Geschlechterregimes offenlegt. Mit diesem Vorgehen können einerseits geschlechterregimerelevante Verbindungen auf den einzelnen intersektionalen Ebenen verdeutlicht werden, und andererseits können die Elemente, welche das Herrschaftsdispositiv verknüpfen, anhand von aktuellen Ereignissen, Verhältnissen sowie Entwicklungen nachgezeichnet werden. [13]

Zusammenfassend ist das Dispositiv Geschlechterregime partiell und temporär aufgebaut, sodass die Gültigkeit dieses Konzeptes sich in seiner konkreten Verwendung als operationalisierbar oder nicht operationalisierbar erweisen kann. Die theoretischen Eckpunkte zur Konstitution von Geschlechterregimen und wie diese Ebenen zu benennen sind, ist durch den intersektionalen Analyserahmen und die Dispositivelemente vorgegeben. So gesehen bewegt sich das Konzept des Geschlechterregimes in zwei Dimensionen: Einerseits beschreibt es eine historisch-konkrete Dimension, durch die das Geschlechterregime seine je spezifisch-historische Ausformung erlangt und Geschlechterverhältnisse innerhalb der Gesellschaftsformation normt, sanktioniert, reguliert oder verändert. Andererseits ist eine theoretisch-abstrakte Dimension ablesbar, die das Geschlechterregime als Theorem beschreibt, um diese normierenden und regulierenden Strategien empirisch fassbar zu machen. Im Folgenden möchte ich nun weiter auf die theoretisch-abstrakte Dimension der intersektionalen Dispositivanalyse eingehen. [14]

4. Operationalisierung der intersektionalen Dispositivanalyse

Siegfried JÄGER (2001) schlägt zur Analyse von Dispositiven eine bestimmte Reihenfolge vor. In Anlehnung hieran lässt sich die Ausrichtung der empirischen Untersuchung des Geschlechterregimes wie folgt festlegen: Es bedarf

  • einer Betrachtung und Herausarbeitung der historischen Krisenprozesse und der strategischen Funktionen des Dispositives. Ferner müsste dies

  • eine Ausweitung dieser Analyse hin zur ideologischen Ausrichtung der Macht autorisierenden Diskurse bedeuten, um anschließend

  • nicht-diskursive Praxen5) sichtbar und gegenständlich zu machen (S.106f.). [15]

Auf die Analyse des Geschlechterregimes angewendet bedeutet dies:

  • zu 1.) Auf der Strukturebene können die Rekonstruktion von historisch-spezifischen Machtformationen und deren Krisen und Gegenmaßnahmen dargestellt werden, welche wiederum ein historisch-spezifisches Geschlechterregime zu stabilisieren versuchen.

  • zu 2.) Auf der Symbolebene können Diskurse analysiert werden, welche ein historisch-konkretes Geschlechterregime normativ stützen.

  • zu 3.) Auf der Subjektebene können Artikulation von Subjektivierungsweisen herausgestellt werden, um die Wirkungen von Diskursen und strukturellen Maßnahmen auf die alltäglichen Praxen bzw. um subjektive Sicht- und Handlungsweisen sowie Verarbeitungsweisen gesellschaftlicher Realität aufzuzeigen, welche wiederum zu Materialisierungen eines historisch-konkreten Geschlechterregimes beitragen. [16]

Für die Untersuchung sind wiederum spezifische Vorgehensweisen notwendig, um die jeweiligen Dispositionen – im Sinne der Aufstellung bzw. Ausformung der Elemente des Dispositivs (s.o.) – untersuchen zu können. In Bezug auf die intersektionale Dispositivanalyse von Geschlechterregimen hat sich folgende Vorgehensweise als sinnvoll erwiesen (vgl. PAULUS 2012, S.173-421): Die Strukturebene lässt sich mit dem politökonomischen Forschungsprogramm der Regulationstheorie erfassen, da dieses für die Herausarbeitung von historischen Krisenprozessen entwickelt wurde (vgl. Hübner 1990, Abschnitt 4.1). Für die symbolische Ebene ist die kritische Diskursanalyse das geeignete Mittel, da diese wesentlich Macht autorisierende Diskurse untersucht und kritisch bewertet (vgl. JÄgER 1993, Abschnitt 4.2). Für die Subjektebene lassen sich subjektive Sicht- und Handlungsweisen sowie Verarbeitungsweisen von gesellschaftlicher Realität über die Erfahrungen von gesellschaftlichen Akteur_innen erfassen, welche mittels Interviewaussagen zum Ausdruck kommen (vgl. WITZEL 2000, Abschnitt 4.3). [17]

Mit dieser Vorgehensweise kann auf die "Verhältnisbestimmungen zwischen Diskurs, Nicht-Diskurs, Subjektivation und Objektivation in Bezug auf sozialen Wandel" (BÜHRMANN & SCHNEIDER 2008, S.109) aufmerksam gemacht werden. Damit ist auch das Ziel der intersektionalen Dispositivanalyse umschrieben: Die Sichtbarmachung der Wechselwirkungen von Subjektivierungsweisen und dem jeweiligen autorisierenden oder dissidenten Umgang damit. Auf die theoretische Vorgehensweise zur Sichtbarmachung werde ich nun eingehen. [18]

4.1 Strukturebene

Zur Erfassung der Strukturebene des Geschlechterregimes habe ich das politökonomische Forschungsprogramm der Regulationstheorie gewählt, da dieses auf die Transformationsprozesse und Krisenerscheinungen gesellschaftlicher Verhältnisse fokussiert. Für die Dispositivanalyse des aktuellen Geschlechterregimes bedeutet dies, zunächst die historischen und sozialen Voraussetzungen und Ausgangspunkte des Dispositivs darzustellen. Wesentliche Bausteine hierzu sind die Veränderungen und Krisenerscheinungen des Geschlechterregimes. Die Darstellung der historischen Rahmenbedingungen ist wesentlich, um dessen Konstitutionsprozesse offenlegen zu können. Auf der Basis der regulationstheoretischen Analysekonzeptionen des Akkumulationsregimes (Organisation der kapitalistischen [Re-] Produktionsverhältnisse) und von dessen Regulationsweisen können verschiedene Dispositivelemente des Geschlechterregimes charakterisiert werden. [19]

Im Kern ist die Regulationstheorie an der Analyse von gesellschaftlichen Entwicklungsprozessen sowie historisch-spezifischen Machtformationen interessiert. Die Fragestellungen richten sich in erster Linie auf den Bereich der Reproduktion von Gesellschaftsformationen und auf die Regulation und Funktionsweise kapitalistischer Produktionsverhältnisse in Korrespondenz mit strukturellen und institutionellen Formen. Die Besonderheit des Regulationsansatzes ist darin begründet, dass ein Set von verschiedenen miteinander verwobenen Theorieansätzen nicht eine homogene Theorie begründet, sondern ein wissenschaftliches Forschungsprogramm (vgl. HÜBNER 1990, S.19). Grundsätzlich bezieht sich das regulationstheoretische Forschungsprogramm auf die Kritik der politischen Ökonomie (MARX) und reflektiert dabei die Ebenen der Struktur, also die Zusammensetzung von Staat und Kapital, Organisation der Lohn- und Reproduktionssphäre, Krise von Reproduktionsprozessen, Regulationsweisen durch institutionelle Herrschaftsformationen usw. (vgl. JESSOP 2001, S.17ff.). Die Forschungsfragen des regulationstheoretischen Forschungsprogramms lauten:

  • Welche Machtverhältnisse, Bedingungen und Prozesse transformieren Gesellschaftsformationen oder garantieren einen langfristigen Zusammenhang?

  • Sind Krisen Folgeerscheinungen anderer historischer Wandlungen innerhalb des Kapitalismus und liefern sie eine Argumentationsbasis über gesellschaftliche Widersprüche (vgl. AGLIETTA 1979, S.16f.)? [20]

Die Regulationstheorie benutzt zur Analyse von Gesellschaftsformationen eine Analysekonzeption, nämlich Beschreibung des Akkumulationsregimes, der Regulationsweise und Klassifizierung der hegemonialen Struktur. Mit dem Akkumulationsregime wird u.a. die Organisation der Produktions- und Reproduktionssphäre beschrieben, welche mit staatlichen, ideologischen und/oder sozialen Regulationsweisen stabilisiert bzw. destabilisiert werden. Die jeweiligen Gesellschaftsformationen werden nach ihrer hegemonialen Struktur und Wirtschaftsform (vorindustriell, fordistisch, postfordistisch) klassifiziert. Z.B. wird die postfordistische Gesellschaftsformation anhand der erforderlichen Flexibilität in Bezug auf die Arbeits- und Lebensorganisation beschrieben (vgl. PAULUS 2012, S.182-252). Diese Vorgehensweise zur Analyse entspricht der von JÄGER (2001) geforderten Betrachtung und Herausarbeitung von historischen Krisenprozessen und den strategischen Funktionen des Dispositives (s.o.). [21]

Da Dispositivelemente je nach dem zu untersuchenden Dispositiv und dem Untersuchungsfokus bzw. der Fragestellung variieren können, beinhaltet die Strukturebene in Anlehnung an das regulationstheoretische Forschungsprogramm die geschlechtsspezifische Analyse folgender Dispositionen und deren Dispositivelemente:

  • Reihe 1: Analyse des Akkumulationsregime des Geschlechterregimes durch Darstellung der historisch-spezifischen Gesellschaftsformation, der Organisation von Lohn- und Reproduktionsarbeit, der Klassen- und Geschlechterzusammensetzung sowie der Krise der Reproduktionsprozesse;

  • Reihe 2: Analyse der Regulationsweisen des Geschlechterregimes mittels der Darstellung von ideologischen, institutionellen und sozialen Herrschaftsformationen (Familie, Ehe etc.), der Familien- und Bevölkerungspolitik und Demografie. [22]

Die konkrete Fragestellung für die Strukturebene lautet: Wie sehen die theoretisch-abstrakten Dispositivelemente historisch-konkret aus? Das heißt, die Strukturanalyse verdeutlicht die Dispositivelemente anhand gesellschaftlicher Krisen und wirtschaftlicher Konjunkturzyklen sowie von Dispositionen in Form von Gesetzten, Statistiken, Prognosen, Politiken etc. Aufgrund der Vorgehensweise des regulationstheoretischen Forschungsprogramms wird einerseits auf die Art und Weise der Mehrwertproduktion, die Organisation von Lohnarbeit und Reproduktionsarbeit im Rahmen des Akkumulationsregimes fokussiert. Andererseits werden die politisch-institutionellen Ebenen in Wechselwirkung mit den verschiedenen Formen der internen Organisationen und Institutionen des Staates einschließlich der rechtlichen, ideologischen und ökonomischen Ausformungen der Staatsintervention auf die Sphäre der Reproduktion im Rahmen der Regulationsweise untersucht. In Erweiterung dessen werden mithilfe des "symptomatischen Lesens" in Bezug auf die Kategorie Geschlecht die spezifischen Dispositionen herausgearbeitet. Das symptomatische Lesen ist eine strukturale Methode und bedeutet das Herausarbeiten spezifischer Elemente innerhalb von Texten bzw. Daten. Diese Arbeitsweise geht auf Louis ALTHUSSER und Etienne BALIBAR (1972) zurück, die mit ihrer symptomatischen Lesart die Strukturebene des Marxschen Kapitals herausgearbeitet haben. Der Methode liegt die Annahme zugrunde, dass unter bestimmten Umständen die Entwicklung der von einer Problematik produzierten Frage – in diesem Zusammenhang die Frage nach der geschlechtsspezifischen Akkumulation und Regulation – "dazu führt, die flüchtige Anwesenheit eines Aspekts des Unsichtbaren im sichtbaren Feld der Problematik hervorzubringen"(S.31ff.). Anders gesagt, werden durch den symptomatischen Fokus auf Geschlecht Abstraktionen gesellschaftlicher Entwicklungen differenziert und konkretisiert. Die symptomatische Untersuchung ist daher ein Herausarbeiten geschlechtsspezifischer Produktions- und Reproduktionsmuster entlang von Krisen- und Konjunkturzyklen, demografischen Statistiken, Heirats-, Familien- und Arbeitsgesetzen, betriebs- und personalwirtschaftlichen Maßnahmen mit dem Effekt der Darstellung von geschlechtsspezifischen Dispositionen des Akkumulationsregimes sowie der Regulationsweise. [23]

Beispielhaft haben sich zwei Punkte in dieser Analyse herausgestellt. Zum einen haben soziale, politische und wirtschaftliche Krisen sowie Konjunkturzyklen Einfluss auf die Geschlechtersegregation des Arbeitsmarkts mit dem Effekt einer Entformalisierung der traditionellen Geschlechterverhältnisse, einer zunehmenden Frauenerwerbstätigkeit sowie einer "Unterjüngung" bzw. "Überalterung" der Gesellschaft. Zum anderen haben sich sogenannte Work-Life-Balance-Maßnahmen als Regulationsweise der demografischen und wirtschaftlichen Krise herausgestellt. (Eine ausführliche historisch-konkrete Darstellung der Dispositionen lässt sich im Detail bei PAULUS 2012, S.239-252 nachlesen.) [24]

Mit der Darstellung der Strukturebene kann dann im nächsten Schritt auf die symbolische Ebene fokussiert und symptomatisch analysiert werden, welche Ideologien bzw. Diskurspositionen in den Strukturen enthalten sind und welche Effekte diese zu produzieren versuchen. [25]

4.2 Symbolebene

Auf der Symbolebene lassen sich mittels der Methode der kritischen Diskursanalyse wirkmächtige und herrschaftsrelevante Diskurse und Ideologien zur Konstitution von Geschlechterregimen untersuchen. [26]

Als diskursives Ereignis im Kontext des postfordistischen Geschlechterregimes bzw. als einflussreichen Diskurs habe ich als Forschungsgegenstand für die kritische Diskursanalyse die zentrale Publikation "Work-Life-Balance als Motor für wirtschaftliches Wachstum und gesellschaftliche Stabilität" (vgl. BMFSFJ 2005) der gleichnamigen und bundesweit operierenden Initiative gewählt. Diese ist aus Staat und Kapital bzw. aus Bundesministerien und börsennotierten Unternehmen zusammengesetzt und lässt sich als wirkmächtiger Herrschaftsdiskurs zur Konstitution von postfordistischen Geschlechterverhältnissen beschreiben, weil sie zentrale "Anrufungen" bezüglich einzunehmender Geschlechtsidentitäten formuliert (vgl. PAULUS 2011). [27]

Die kritische Diskursanalyse bezieht sich auf das Sichtbarmachen der Macht-Wirkung von Diskursen, auf Diskurspositionen, die Kollektivsymbolik6) und vor allem auf die Funktion von Diskursen als herrschaftslegitimierende und -sichernde Techniken. Um dieses Ziel zu erreichen, ist der Untersuchungsbereich der kritischen Diskursanalyse das jeweils gültige Wissen, das durch Wissenschaften produziert wird sowie das Wissen, das über Staatsapparate wie Medien, Schule und Familie etc. vermittelt wird. Weiter ist die Methode der kritischen Diskursanalyse darauf angelegt, das Verhältnis von Diskurs und gesellschaftlichen Verhältnissen zu verdeutlichen und zu fragen, wie in diesen gesellschaftlichen Verhältnissen Macht verankert ist, wer sie ausübt, über wen sie ausgeübt wird und wodurch sie ausgeübt wird (vgl. JÄGER 1993, 2001; KELLER 2007; LINK & LINK-HEER 1990 sowie zusammenfassend HIRSELAND & SCHNEIDER 2001, S.373ff.). [28]

Mittels der Theorie der Anrufung oder Interpellation, welche von Louis ALTHUSSER (1977, S.140ff.) aufgenommen und durch Judith BUTLER weiterbearbeitet wurde, lässt sich die Subjektivierung auf sprachlicher Ebene verdeutlichen; "sie bietet ein Erklärungsmodell für ein Subjekt, das als Konsequenz aus der Sprache entsteht, jedoch immer innerhalb von deren Begriffen" (BUTLER 2001, S.101). Anrufungen charakterisieren spezifische Weisen des Anredens innerhalb diskursiver Praxen, z.B. durch die Verleihung eines Namens oder einer sozialen Bezeichnung (Mann\Frau, Inländer_in\Ausländer_in), die wiederum auf Identitäten bezogen sind. Als diskursive Praxis kann wiederum das gesamte Ensemble spezieller Wissensproduktion, bestehend aus Institutionen und aus Verfahren der Wissenssammlung und -verarbeitung sowie aus Regelungen der Versprachlichung, Verschriftlichung und Medialisierung verstanden werden (vgl. LINK & LINK-HEER 1990, S.90). Die Anrufung kann somit aus mehreren Aussagen bestehen, um eine diskursive Formation als ein Feld von Möglichkeiten entstehen zu lassen. Folglich ist die Anrufung in ein Feld aus Formationsgesetzen, Formulierungstypen, Begriffen und theoretischen Optionen eingebettet, das sich in Institutionen, Techniken, individuellen oder kollektiven Verhaltensweisen, politischen Operationen, wissenschaftlichen Aktivitäten, literarischen Fiktionen oder theoretischen Spekulationen ausdrückt (vgl. FOUCAULT 2001, S.920). Anrufungen oder Anfragen können auch wörtlich verstanden werden: Durch Anrufungen wie "Du bist Deutschland!" oder Anfragen wie "Bist Du schwul oder was?" werden Individuen aufgefordert, die jeweilige Bezeichnung zu hinterfragen, anzunehmen oder abzulehnen bzw. sich mit dieser zu identifizieren. Das bedeutet, dass Anrufungen durch je historisch-konkrete Ideologien mit ihren je eigenen konkreten Bedeutungen die Hervorbringung von individuellen und/oder kollektiven Identitäten ermöglichen. Die durch Annahme oder Ablehnung vollzogene "Wendung zum Subjekt" (REINFELD & SCHWARZ 1994, S.51) ist somit selbst Teil des Prozesses der Subjektivierung. Das heißt, leere Subjektformen werden durch "Ideologien mit ihren je eigenen konkreten Inhaltsformen" (S.52) angefüllt. Durch das Zurufen einer sozialen Bezeichnung kann die Geschlechtsidentität strukturiert werden oder ein Individuum zu einer nationalen Identität gelangen, sofern das Individuum diesen Vorgang und die zugesprochene Identität für sich annimmt und reproduziert: "Wie Althusser selbst betont, kann diese performative Anstrengung des Benennens nur versuchen, den Angesprochenen ins Sein zu bringen: Es besteht immer ein Risiko einer gewissen Missachtung. Missachtet man diesen Versuch zur Hervorbringung eines Subjekts, dann gelingt diese Hervorbringung nicht" (BUTLER 2001, S.92f.). [29]

Dies kann auch wörtlich verstanden werden, wenn eine Person gegen einen Namen oder eine Bezeichnung protestiert, die ihr zugerufen wurde (vgl. BUTLER 1998, S.54). Dieser Protest wiederum kann nur funktionieren, wenn das Subjekt sich selbst anspricht und reflektiert, sich selbst als ein Ich herbeiruft, denn "erst durch Rückwendung gegen sich selbst erlangt das Ich überhaupt den Status eines Wahrnehmungsobjekts" (BUTLER 2001, S.158). Demnach bringt die Anrufung das Subjekt als eine machtvolle Konstruktion im doppelten Sinne hervor: Einerseits wird das Subjekt durch Sprechakte geformt und unterworfen, und andererseits wird es dadurch mit einer Handlungsmacht ausgestattet (vgl. BUTLER 1998, S.198). [30]

Zur Erfassung der hegemonialen Anrufungen habe ich die Methode der kritischen Diskursanalyse gewählt, da die Anrufungen kritisch in einen sozialen Kontext gesetzt werden und dadurch Mystifizierungen aufgedeckt, auf Widersprüchlichkeiten hingewiesen und herrschende Interessen und Subjektivierungsweisen freilegt werden können. Die Symbolebene beinhaltet daher die Untersuchung und Darstellung der folgenden Reihe von Dispositivelementen:

  • Reihe 3: Analyse von Diskursen und Ideologien durch die Darstellung von geschlechtsspezifischen Anrufungen, Bedeutungen, Normierungen, der kulturellen Stereotypen und der vorherrschenden sozialen Geschlechtsmerkmale bzw. -konstruktionen. [31]

Die konkrete Fragestellung für die Symbolebene lautet: Welche Diskurspositionen werden in einem Dispositiv hegemonial bzw. sind in der Initiative "Work-Life-Balance als Motor für wirtschaftliches Wachstum und gesellschaftliche Stabilität" in Bezug auf Geschlechterregime enthalten? [32]

Wie schon beschrieben, ist ein wesentliches Ziel der kritischen Diskursanalyse das Ermitteln von Diskurspositionen: Unter einer Diskursposition versteht Margret JÄGER "den Ort, von dem aus eine Beteiligung am Diskurs und seine Bewertung für den Einzelnen und die Einzelne bzw. für Gruppen und Institutionen erfolgt" (1996, S.47). Anders gesagt ist die Diskursposition als eine bestimmte ideologische bzw. weltanschauliche Position einer Person oder Institution zu verstehen. Zur Bestimmung der geschlechterregimerelevanten Diskurspositionen orientiere ich mich an der von Siegfried JÄGER (1993, S.188ff.) vorgeschlagenen Vorgehensweise zur Diskursanalyse. Die methodische Vorgehensweise in sechs Schritten wird ab dem vierten Schritt durch geschlechterregimerelevante Analyseschritte erweitert bzw. modifiziert. Die Modifikation liegt darin, dass auch hierbei der Diskurs symptomatisch auf geschlechtsspezifische Dispositivelemente hin untersucht wird:

  • Der erste Analyseschritt fokussiert die Charakterisierung des institutionellen Rahmens. Hier wird die politische Verortung des Diskurses aufgezeigt und bibliographische Daten werden erfasst.

  • Der zweite Analyseschritt umfasst die Text-Oberfläche. Hierbei wird die Gestaltung des Textes thematisiert und im Artikel angesprochene Themen bzw. Themenkomplexe werden geclustert.

  • Der dritte Analyseschritt bezieht sich auf die sprachlich-rhetorischen Mittel innerhalb des Diskurses. Das bedeutet eine Analyse der Argumentationsstrategien, der Kollektivsymbolik und der Referenzbezüge.

  • Der vierte Analyseschritt bezieht sich auf die inhaltlich-ideologischen Aussagen zum Menschen- und Gesellschaftsbild, welches im Diskurs angesprochen wird. Hierbei wird auf geschlechtsspezifische Anrufungen fokussiert.

  • Im fünften Analyseschritt werden die Diskurspositionen als geschlechtsspezifische Anrufungen geordnet und interpretiert. Das heißt, hier wird die Interpretation des gesamten untersuchten Diskursstrangs mit abschließender kritischer Einordnung der Untersuchungsergebnisse vollzogen.

  • Der sechste Analyseschritt beinhaltet die zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse bzw. der Diskursposition mit dem Fokus auf geschlechtsspezifische Dispositivelemente. [33]

Als wesentlich haben sich folgende Punkte in der eigenen Diskursanalyse herausgestellt: Das Konzept "Work-Life-Balance" fungiert als Katalysator eines postfordistischen Geschlechterregimes, als symbolische Chiffre und gleichsam als ein strukturelles Versprechen, neue Geschlechterverhältnisse herzustellen. Versprochen wird ein Ausgleich zwischen einer geschlechtergerechten Arbeitsteilung und den ökonomischen Interessen einer flexibilisierten Produktion. Die Anrufungen an die Geschlechter spiegeln weniger Thematiken von "Vereinbarkeit von Beruf und Familie" auf der gesellschaftlichen und politischen Ebene wider, sondern zielen vielmehr auf Formen der Selbstregulation in der Reproduktionssphäre ab. Die zentralen Diskurspositionen sehen vor, dass Work-Life-Balance-Maßnahmen als Investitionen in das sogenannte Humanvermögen Deutschland die Chance bieten, die Produktivität der Beschäftigten zu steigern. Die Position lässt sich auf folgende Gleichung bringen: Integration in das Unternehmen = Steigerung der Arbeitsproduktivität. Gesunde Lohnabhängige = weniger Lohnnebenkosten = weniger Fehlzeiten = mehr Wettbewerbsfähigkeit. Mehr Kinder = mehr Arbeitskräfte = mehr privater Konsum. Mehr Konsum = mehr Erwerbsarbeit = mehr Profit. Auch hier lässt sich die historisch-konkrete Darstellung der Dispositionen bei PAULUS (2012, S.261-306) im Detail nachlesen. [34]

Mit der Darstellung der Symbolebene kann dann im nächsten Schritt auf die subjektive Ebene fokussiert und symptomatisch analysiert werden, welche Subjektivierungsweisen durch die strukturellen und symbolischen Dispositionen entstehen. [35]

4.3 Subjektebene

Gegenstand der empirischen Dispositivanalyse ist neben der strukturellen und der symbolischen Ebene auch die subjektiven Verhältnissen zu untersuchen, die durch bestimmte politische Regulierungen bzw. Technologien des Regierens sowie die je eigenen Handlungsfähigkeiten hervorgebracht werden. Konkret geht es also darum, die komplexen Beziehungen zwischen Struktur-, Symbol- und Subjektebene, die identitätsgenerierenden Regimestrategien, die graduellen Verschiebungen und Umwendungen der Diskurse und Ideologien durch das Subjekt zu verdeutlichen und darzustellen, welche subjektiven Geschlechterpraktiken und -formen entstehen und wie das Geschlechterregime durch subjektive Praxen reproduziert wird. Hierfür bieten sich die Methode des problemzentrierten Interviews nach Andreas WITZEL (vgl. 1985, 1996, 2000) und die intersektionale Auswertung nach Gabriele WINKER und Nina DEGELE (2009) an. [36]

Ziel des problemzentrierten Interviews ist die Darstellung subjektiver Sichtweisen, die Erfassung individueller Handlungen sowie Verarbeitungsweisen gesellschaftlicher Realität. Problemzentrierte Interviews sind offen gestaltet und lassen Platz für Narrationen. Während des Interviews werden keine festen Dimensionen und Kategorien abgefragt, sondern Leitfragen formuliert. Dies ermöglicht es, an die Narrationen der Interviewpartner_innen anzuknüpfen und durch weitere Nachfragen das Problem zu zentrieren (vgl. WITZEL 1985, 2000). Da je nach gesellschaftlichem Kontext für die Interviewpartner_innen je unterschiedliche Einstellungen oder Verhaltensweisen in Bezug auf das Geschlechterregime entstehen können, sind Fallvergleiche (vgl. WITZEL 2000, §25) zur Erarbeitung fallübergreifender Dispositionen relevant. Fallvergleiche ermöglichen zugleich Hinweise zu Wechselwirkungen mit der Struktur- und Symbolebene, d.h., wie sozioökonomische Bedingungen oder diskursive Anrufungen angenommen oder verworfen werden. Wesentliche Problembereiche, Querverbindungen oder Verkettungen zwischen diesen Fall übergreifenden Dispositionen können hierbei herausgearbeitet werden, um so bisherige Aussagen zum Dispositiv zu erweitern, zu ergänzen oder zu verbessern. [37]

Meine Vorgehensweise zur Verdeutlichung von Selbstverhältnissen waren problemzentrierte Interviews mit Arbeitnehmer_innen in Work-Life-Balance-Maßnahmen bezüglich den darin für sie enthaltenen restriktiven bzw. verallgemeinerten Handlungsperspektiven. Das qualitative Sample setzte sich dabei aus acht Arbeitnehmer_innen zusammen, deren Unternehmen Maßnahmen zur Work-Life-Balance anbieten bzw. mit der oben angesprochenen Initiative kooperieren. [38]

Grundlage der Auswertung der problemzentrierten Interviews ist das vollständig transkribierte Interview, welches entlang der schon vorgestellten intersektionalen Mehrebenenanalyse nach WINKER und DEGELE (2009) ausgewertet wird. WINKER und DEGELE haben zur Auswertung von Interviews ein intersektionales Analysemodell entworfen, das die Idee der Fallvergleiche von WITZEL aufnimmt (vgl. WINKER & DEGELE 2009, S.79ff.). Die Analyse bezieht sich auf acht methodische Schritte: [39]

Im ersten Block zielt die Methode darauf ab, Identitätskonstruktionen zu beschreiben (Schritt 1), symbolische Repräsentationen zu identifizieren (Schritt 2) und Bezüge zu Sozialstrukturen (Schritt 3) zu finden. Abschließend sollen Wechselwirkungen zentraler Kategorien auf den drei Ebenen benannt und damit die Subjektkonstruktionen der Interviewpartner_innen herausgearbeitet werden (Schritt 4). [40]

Der zweite Block der intersektionalen Mehrebenenanalyse dient zum Fallvergleich der Subjektkonstruktionen (Schritt 5), zur Vertiefung von symbolischen und ideologischen Repräsentationen (Schritt 6) sowie zur Analyse der Herrschaftsstrukturen (Schritt 7). Im letzten Schritt (Schritt 8) sind dabei die Wechselwirkungen aller Ebenen in einer Gesamtschau herauszuarbeiten (S.79-97). Am Ende der Interviewauswertung steht in diesem Sinne die Subjektkonstruktion als "Zusammenschau der analysierten sozialen Praxen einer Person" (S.88) bzw. richtiger: der Repräsentation der Interviewpartner_innen von ihren sozialen Praxen. Auch diese Vorgehensweise entspricht der von JÄGER (2001) geforderten Analyse von den sogenannten nicht-diskursiven Praxen (s.o.). [41]

Diese Subjektebene beinhaltet somit die Untersuchung und Darstellung der folgenden Reihe von Dispositivelementen:

  • Reihe 4: Analyse der Selbstverhältnisse mittels der Darstellung von körperlichen und diskursiven Subjektivierungsweisen, des Habitus, der Geschlechtsidentität sowie des Verhaltens bezüglich Anpassung und/oder Widerstand zum Geschlechterregime. [42]

Die konkrete Fragestellung für die Subjektebene lautet: Welche subjektiven Geschlechterpraktiken und -formen entstehen durch Work-Life-Balance-Maßnahmen bei Erwerbstätigen, und wie wird das Geschlechterregime durch subjektive Praxen reproduziert? [43]

Die Frage danach, wie Geschlechterpraktiken durch Subjekte übernommen und verinnerlicht werden, habe ich mithilfe von Interviewleitfragen versucht einzugrenzen. Die Interviewleitfragen berühren dabei die Themenkomplexe nach der Wirkmächtigkeit des Work-Life- Balance-Diskurses und nach der Fremdkonstitution und Selbstkonstitution von Arbeitnehmer_innen durch Work-Life-Balance. Die Fragen des Gesprächsleitfadens sind aber nicht wortgetreu gestellt worden, sondern im Sinne der problemzentrierten Interviewdurchführung sinngemäß in das Gespräch eingeflossen (vgl. WITZEL 2000, §8). [44]

WINKER und DEGELE schlagen zur Analyse der Subjektkonstruktionen unter anderem vor zu fragen, "mit welchen sozialen Praxen Personen auf bestimmte Herausforderungen reagieren, die ihnen gemeinsam sind" (2009, S.90). Bei der Auswertung hat sich bei allen Interviewpartner_innen gezeigt, dass sich die eigene Lebensführung darum dreht, "am Ball zu bleiben" und dass ökonomische Vorgaben sowie Handlungskonzepte der Work-Life-Balance-Maßnahmen als Handlungsprämissen akzeptiert werden – um nicht zu scheitern oder um den sozialen Status zu verbessern. Allerdings äußerten die Interviewpartner_innen auch verbale Gegenanrufungen an Unternehmen und Politik sowie Forderungen nach "richtigen" Work-Life-Balance Maßnahmen (vgl. PAULUS 2012, S.325). [45]

Bei der Analyse der strukturellen Repräsentationen geht es darum, zusätzliche Datenquellen in die Analyse einfließen zu lassen. "Denn Befragte sprechen zwar sehr oft Rahmenbedingungen an, vertiefen sie dann aber nicht oder stellen sie sachlich falsch dar" (WINKER & DEGELE 2009, S.92). In diesem kritischen Review der Aussagen lässt sich beispielhaft festhalten, dass die je subjektiven strukturellen Lösungspraktiken zur Vereinbarkeit von Familie, Beziehung, Freizeit und Erwerbsarbeit keine Lösungspraktiken enthalten, die von staatlichen und betrieblichen Regulationsweisen zu unterscheiden wären (vgl. PAULUS 2012, S.366). [46]

Die Analyse der symbolischen Repräsentationen bezieht sich auf Normen und Werte, mit denen sich die Interviewpartner_innen auseinandersetzen. Hierbei werden vorherrschende Ideologien durch die Hinzuziehung der schon gewonnenen Erkenntnisse analysiert. In diesem Zusammenhang gilt es beispielsweise, Geschlechterideologien "zu differenzieren und ihre unterschiedlichen Bedeutungen darzustellen (wenn sie in sozialen Praxen eine wichtige Orientierung darstellen), sich auf ihre Genealogie zu besinnen" (WINKER & DEGELE 2009, S.92f.). Laut WINKER und DEGELE können wir so "umfassend verstehen, in welchen gesellschaftlichen Zusammenhängen diese Normen und Werte aufgerufen und immer wieder neu am Leben gehalten werden" (S.92). Am Beispiel der Selbst- und Fremdbilder der Interviewpartner_innen möchte ich dies verdeutlichen: In den symbolischen Repräsentationen treten bei Interviewpartner_innen heteronormative Selbst- und Fremdbilder sowie konservative Geschlechtsstereotypen als Ideologien auf. Bestimmt werden diese Repräsentationen dadurch, dass die Interviewpartner_innen z.B. ein Abweichen von der geschlechterstereotypischen Norm des männlichen Familienernährers negative Reaktionen erfahren bzw. selbst reproduzieren (vgl. PAULUS 2012, S.327ff). [47]

Weitere Schritte der Auswertung sind die Zusammenfassung der jeweiligen Ebenen sowie die Darstellung der Wechselwirkungen der Ebenen. In den letzten Schritten geht es darum, die unterschiedlichen Dispositionen "noch mal im Lichte zusätzlicher Informationen und Daten auf der Struktur- und der Repräsentationsebene zu betrachten" (WINKER & DEGELE 2009, S.93). Mit dem Kontextwissen aus der regulationstheoretischen und diskursanalytischen Untersuchung hat sich herausgestellt, dass die Interviewpartner_innen auf die Entgrenzung von Erwerbsarbeit und Reproduktionsarbeit mit unterschiedlichen Strategien reagieren. Hier stehen veränderte Formen bzw. die Entwicklung neuer sozialer Formen von Familien- und Paarbeziehungen im Vordergrund (z.B. Sorgearbeit durch Dienstleistungen rationalisieren). Dies deckt sich wiederum mit den Diskurspositionen der Initiative "Work-Life-Balance als Motor für wirtschaftliches Wachstum und gesellschaftliche Stabilität" (BMFSFJ 2005) in Bezug auf ihr Menschen- und Gesellschaftsbild (vgl. PAULUS 2012, S.316). Für die Subjektkonstruktion lässt sich sagen, dass die Interviewpartner_innen hegemoniale Identitätsangebote durch Work-Life-Balance-Maßnahmen in ihre Identitätskonstruktionen einbauen. Allerdings konnten die Aufschlüsselung der Bewältigungsstrategien der Subjekte gegenüber Herrschaftsverhältnissen und die damit verbundenen Handlungs- und Denkmöglichkeiten nicht eindeutig erklärt werden. Die Gefahr einer Überinterpretation meinerseits hierbei wäre zu groß gewesen. Auf diese Schlussfolgerung einer möglichen Überinterpretation wird allerdings nochmals im Fazit eingegangen. Insgesamt lässt sich auch hier eine detaillierte Darstellung der Dispositionen und Fallvergleiche bei PAULUS (S.315-386) im Detail nachlesen. [48]

Abschließend lässt sich die Methodentriangulation der intersektionalen Dispositivanalyse inklusive der Dispositivelemente wie folgt bildlich darstellen:



Abbildung 2: Intersektionale Dispositivanalyse des Geschlechterregimes (erweiterte Darstellung) [49]

5. Auswertung der Wechselwirkungen in der intersektionalen Dispositivanalyse am Beispiel des Geschlechterregimekonzeptes

Der letzte Auswertungsschritt der intersektionalen Dispositivanalyse ist eine Gesamtschau der Dispositionen sowie die Darstellung der Wechselwirkungen aller Ebenen. Das heißt, wurden in den einzelnen Auswertungsschritten zuvor die Mikroebenen des Geschlechterregimes im Einzelnen untersucht, werden zum Abschluss die Wechselwirkungen dieser Subebenen als Gesamtschau dargestellt. Wie schon beschrieben, lässt sich durch die Darstellung von Wechselwirkungen verdeutlichen, welche Querverbindungen oder Hegemonien in einem historisch-konkreten Dispositiv vorherrschen. Im Idealfall lassen sich hier Aussagen treffen, inwieweit Strukturen und/oder Diskurse sowie subjektive Praxen sich gegenseitig stützen oder sich Verschiebungen abzeichnen. [50]

Der Auswertungsvorgang, der hier schematisch dargestellt wird, verfolgt das Ziel, das Netz zwischen den Elementen zu verdeutlichen und die konkreten Ergebnisse der empirischen Forschung in eine abschließende Bewertung zu transformieren.7) [51]

Zur Erfassung der Wechselwirkungen stehen u.a. PC-Programme zur Verfügung: z.B. ATLAS/ti oder MAXQDA. ATLAS/ti hat sich für die intersektionale Auswertung bewährt (vgl. SCHRADER 2013, S.190), da hierbei eine nicht-hierarchische und netzwerkartige Darstellung von Dispositionen zugelassen wird – im Gegensatz von MAXQDA, welches Dispositionen in einem hierarchischen System anordnet. Zu Beginn dieses Analyseschrittes werden die Ergebnisse aus den je einzelnen Analyseschritten zur Struktur-, Symbol- und Subjektebene in Form von Abstraktionen bzw. Dispositionen kodiert.8) Denn

"der grundlegende Vorgang qualitativer Datenanalyse ist die Kodierung der Daten. Gleichgültig, welcher Methodologie man sich verschrieben hat: Der erste Schritt, um sich das Material zu erschließen, besteht immer darin, dass man einzelne Passagen der Textdaten in irgendeiner Weise als sinnhafte Einheit identifiziert und dieser Einheit ein Label zuordnet, das vielleicht zunächst nur paraphrasierend-deskriptiv gemeint ist, später aber u.U. eine ausgearbeitet analytische Abstraktion darstellt" (a.a.O). [52]

Dieser Auswertungsschritt zur Erfassung der Wechselwirkungen lässt sich schematisch wie folgt darstellen:



Tabelle 1: Auswertungsschema. Bitte klicken Sie hier oder auf die Abbildung für eine Vergrößerung [53]

Die Gesamtschau beinhaltet die Dispositivelemente und die dazugehörigen Dispositionen. Diese Darstellung ermöglicht, die einzelnen Ebenen in ihren Wechselwirkungen zu erklären und eine abschließende Bewertung der intersektionalen Dispositivanalyse vorzunehmen. Die vertikalen Reihen der jeweiligen Ebenen zeigen die Ergebnisse aus den vorausgegangenen einzelnen Analysen bzw. die Dispositionen der jeweiligen Ebenen an. Wechselwirkungen und Intersektionen sind theoretisch zwischen allen Dispositionen möglich. Im Idealfall werden die wechselseitigen Beziehungen (hier mittels Pfeilen dargestellt) systematisiert, aufeinander bezogen und ausformuliert. Durch die genutzte Software lässt sich der Überblick der Dispositionen und ihrer Zusammenhänge behalten, da durch die Vielzahl der Dispositionen und der daraus resultierenden exponentiellen Zunahme der Verknüpfungen hochkomplexe Gebilde entstehen können, die in einem Fließtext nicht mehr zu beschreiben und zu erfassen sind. In dem network view von ATLAS/ti lassen sich diese Dispositionen visuell aufeinander beziehen und die Wechselwirkungen werden sichtbar.9)



Abbildung 3: Schematische Darstellung der Wechselwirkungen in ATLAS.ti. Bitte klicken Sie hier oder auf die Abbildung für eine Vergrößerung [54]

Um Dopplungen in der Darstellung in der Auswertung der jeweiligen Ebenen zu vermeiden, wird in diesem Artikel auf die historisch-konkrete Darstellung der Wechselwirkungen zwischen Struktur-, Symbol- und Subjektebene verzichtet. (Für eine ausführliche Darstellung der historisch-konkreten Wechselwirkungen vgl. PAULUS 2012, S. 421-435.) Vielmehr möchte ich auf die methodologische Intention der Analyse von Wechselwirkungen verweisen: Im Prinzip beschreiben die Wechselwirkungen Effekte von hegemonialen Regulationsweisen und die jeweiligen Reaktionen darauf. Die Wechselwirkungen zwischen der Strukturebene und der Symbolebene beschreiben ökonomische und politische Auseinandersetzungen um Regulationen. Das heißt, hier wird herausgestellt, welchen Einfluss politökonomische Regime auf Normen und Ideologien haben, wie sich dementsprechend symbolische Repräsentationen darstellen bzw. wie Regime ideologisch materialisiert sind. Die Wechselwirkungen zwischen der Strukturebene und der Subjektebene beschreiben den Umgang mit diesen Regulationen. Das heißt, hier wird verdeutlicht, welchen Einfluss Herrschaftsverhältnisse auf die Individuen ausüben, ob Individuen den Herrschaftsstrukturen unterliegen, sie akzeptieren, als Identitätskonstruktionen benutzen oder ob Widerstände und Gegenbewegungen entstehen. Die Wechselwirkungen zwischen der Subjektebene und der Symbolebene fokussieren auf die diskursiven Verschiebungen der Regulationen. Hierbei wird dargelegt, welche Auswirkungen hegemoniale Normen auf die Selbstbilder der Individuen haben und/oder ob sie Gegenanrufungen bzw. Gegendiskurse produzieren. [55]

6. Fazit

Die intersektionale Dispositivanalyse, welche die wechselseitige Vermittlung von Struktur-, Symbol- und Subjektebenen und die dazugehörigen je spezifischen Dispositivelemente untersucht, bietet vielfältige Möglichkeiten, hierarchische Humandifferenzierungen durch antikategoriale, intrakategoriale oder interkategoriale Zugänge darzustellen. Die intersektionale Untersuchung der Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Ebenen und den Dispositionen erlaubt mannigfaltige Verschaltungen und Verkettungen von subjektiven und gesellschaftlichen Verhältnissen. Die dadurch entstehende Vervielfältigung von Interpretationsmöglichkeiten eröffnet gleichzeitig neue Sichtweisen auf gesellschaftliche "Realitäten" einerseits und Entwicklungen wissenschaftlicher Erkenntnisweisen durch Denkalternativen andererseits (vgl. FEYERABEND 1986, S.50). Zusammenfassend bietet eine intersektionale Dispositivanalyse den Rahmen und die Möglichkeit, den Fokus auf eine Kritik sowie Erweiterung der gesellschaftlichen Lebensverhältnisse durch das Begreifen der Verwobenheit unterschiedlicher Unterdrückungsmechanismen zurichten (vgl. WINKER & DEGELE 2009, S.145). Meines Erachtens liegt hierin auch der wesentliche Bezugspunkt einer intersektionalen Dispositivanalyse – die Möglichkeit zur Beschreibung von gesellschaftlichen als auch subjektiven Verhältnissen mittels eines Theorien- und Methodenpluralismus. [56]

Selbstkritisch muss ich an diesem Punkt einfügen, dass neben den vielfältigen Zugängen und Ergebnissen, die ein intersektionales Vorgehen aufgrund oder trotz der Verwendung als "eklektizistische Bricolage" (vgl. KNAPP 2013, S.350) bietet, ich vor allem auf Probleme in der Interaktion mit der Subjektebene bzw. mit meinen Interviewpartner_innen gestoßen bin: Durch die Intention der intersektionalen Dispositivanalyse – die Heraushebung der Beschränkungen individueller Lebensmöglichkeiten durch Herrschaftsverhältnisse und die Herausarbeitung subjektiver Befindlichkeiten sowie die subjektive Problematisierung von restriktiven gesellschaftlichen Verhältnissen – wurden auch die (beschränkten) Möglichkeiten des methodischen Vorgehens deutlich: Die Untersuchung der Subjektebene beinhaltet die Interpretation der Selbstverhältnisse mittels der Darstellung von körperlichen und diskursiven Subjektivierungsweisen, des Habitus, der Geschlechtsidentität sowie des Verhaltens bezüglich Anpassung und/oder Widerstand zum Geschlechterregime. In diesem Zusammenhang blieben die Auswertungen der Aussagen nach den körperlichen und diskursiven Subjektivierungsweisen sowie zur Anpassung und/oder zum Widerstand vage (vgl. Abschnitt 4.3). Folglich wurden die Reaktions- und Bewältigungsstrategien der Subjekte gegenüber Herrschaftsverhältnissen nicht eindeutig erfasst. Die Gefahr der Überinterpretation meinerseits war zu groß, weil die Befragten nicht in den Prozess der Auswertung ihrer jeweiligen Realitäten eingebunden wurden (vgl. PAULUS 2012, S.312, 391). Das heißt, damit ein intersektionaler Ansatz nicht selbstreferenziell und reduktionistisch auf einer deskriptiven Ebene von gesellschaftlichen Strukturbestimmungen agiert, bedarf es weiterer Überlegungen und Handlungsperspektiven der intersektionalen Dispositivanalyse, um die Handlungsmöglichkeiten und -beschränkungen von Subjekten berücksichtigen zu können. [57]

Meine Schlussfolgerung und Konsequenz aus dieser Erfahrung ist, dass eine intersektionale Vorgehensweise, die das Ziel hat, Herrschaftsverhältnisse und Widersprüche zum Vorschein zu bringen, Abhängigkeitsstrukturen offenzulegen und paternalistische Handlungsvorschläge (z.B.: wie Unterdrückte Widerstand zu leisten haben) zu vermeiden, als Methode die Forschung vom Subjektstandpunkt nutzen sollte (vgl. MARKARD 2000, §18ff.; PAULUS 2013, S.442f.). Dies würde bedeuten, dass die "Unterdrückten" nicht "beforscht", sondern dass sie zu Mitforschenden werden (vgl. MARKARD 2000, §29f.). Durch das Eingreifen der "Untersuchten" in die Auswertung und in die Darstellung gesellschaftlicher Herrschaftsverhältnisse ergeben sich wiederum Bezugspunkte und Reflexionen eigener Standpunkte und wissenschaftlicher Vorgehensweisen. [58]

Abschließend lässt sich im Sinne von FOUCAULT sagen, dass – genau wie ein Dispositiv sich zeitlich und räumlich begrenzt formiert (vgl. 1978, S.119f.) – eine Dispositivanalyse auch nur strategisch, situationsbezogen, partiell und temporär aufgebaut werden kann und die Anwendung der intersektionalen Dispositivanalyse daher eine sorgfältige Reflexion der jeweiligen Theorie- und Methodenentwicklung bedarf. Unterstützung für eine Weiterentwicklung der Dispositivanalyse bieten neben den genannten Konzepten besonders die Überlegungen von BÜHRMANN und SCHNEIDER (vgl. 2007, S.45ff.) oder LUTZ und WENNING (2001). Vorstellbar ist auch eine intersektionale Anbindung an die noch zu leistende Untersuchung der Kontrollmechanismen und Herrschaftsformen von Einschließungsmilieus wie die der Gefängnisregime, der Schulregime, der Krankenhausregime oder der Unternehmensregime, wie Gilles DELEUZE (1993, S.261f.) sie vorschlägt. [59]

Anmerkungen

1) In einem poststrukturalistischen und einem strukturalistisch-marxistischen Kontext besitzt das Wort Subjekt einen doppelten Sinn: Einerseits ist es ein Wesen, das einer Autorität untergeordnet ist und "daher keine andere Freiheit hat als die der freiwilligen Anerkennung seiner Unterwerfung" (ALTHUSSER 1977, S.148). Andererseits bedeutet der Begriff Subjekt, durch die Freiheit des Bewusstseins und der Selbsterkenntnis mit der je eigenen Identität verhaftet zu sein (vgl. FOUCAULT 1994, S.246f.). Es hat zur gleichen Zeit eine aktive und passive Bedeutung. Als Subjektivierung lässt sich die Erschaffung eines Subjekts bzw. sein Reglementierungsprinzip verstehen, "nach dem ein Subjekt ausformuliert oder hervorgebracht wird" (BUTLER 2001, S.81). Die Subjektivierung wirkt nicht einseitig repressiv auf ein Individuum, sondern durch die Subjektivierung aktiviert und formt sich ein Individuum. In diesem Sinne ist das Individuum, welches in einer Doppelbewegung von Unterwerfung und Selbstermächtigung auftritt, "als produziertes und zugleich aktives, Macht ausübendes und zur Selbstführung fähiges Subjekt" (PIEPER & GUTIÉRREZ-RODRÍGUEZ 2003, S.8; vgl. auch GUTIÉRREZ-RODRÍGUEZ 2003, S.165ff.) zu verstehen. <zurück>

2) Diese Diskriminierungskategorien beziehen sich auf historisch-spezifische Rassismen (Rassismus), auf den projizierten ungleichen sozialen Status aufgrund einer Geschlechtsidentität (Sexismus), auf den projizierten ungleichen sozialen Status durch Alter, körperliche Verfasstheit, Gesundheit und Attraktivität (Bodyismus) und auf den projizierten ungleichen sozialen Status aufgrund der sozialen Position (Klassismus). <zurück>

3) Lothar BÖHNISCH beschreibt, dass beim Intersektionalitätsparadigma vieles in der Deskription "stecken geblieben" sei und dialektisch angelegte Versuche kaum unternommen würden (2013, S.364). Eine Methode, die jedoch systematisch versucht Wechselwirkungen intersektional zu analysieren, haben m.E. erst Gabriele WINKER und Nina DEGELE (2009) vorgelegt. Mittlerweile ist die wissenschaftliche Arbeit mit dem intersektionalen Handwerkszeug von WINKER und DEGELE weiterführend erprobt und belegt. Beispielhaft sind hier die Arbeiten von Melanie GROß (2010) zu jugendkulturellen Differenzartikulationen aus intersektionaler Perspektive und vor allem Kathrin SCHRADERs intersektionale Betrachtungen der Exklusion und Viktimisierung Drogen gebrauchender Sexarbeiterinnen (2013) zu nennen. <zurück>

4) BOURDIEUs Ansatz ist sowohl eine Auseinandersetzung mit dem Begriffspaar Objektivismus und Subjektivismus als auch mit dem Verhältnis von Strukturalismus und Konstruktivismus. BOURDIEU (2009) betont die Wechselwirkung zwischen Struktur und sozialer Praxis. Dabei versucht er, Elemente des Strukturalismus und des Konstruktivismus in einem zusammenführenden dritten Ansatz der praxeologischen Erkenntnisweise zu verbinden. Diese Erkenntnisweise ist auf Struktur, Habitus und Praxis aufgebaut. Mit dem Habitusbegriff versucht BOURDIEU dabei die Verkürzungen des Objektivismus, der das Handeln ausschließlich aus materiellen Bedingungen herleitet, und des Subjektivismus, der das Handeln aus der inneren Welt oder einer Idee ableitet zu vermeiden. <zurück>

5) Einfach gesagt, lässt sich Praxis als Handlung, Tätig sein oder Agieren verstehen. Auf die problematische Bestimmung von Diskurs und nicht-diskursiver Praxis haben WRANA und LANGER (2007) hingewiesen. In diesem Zusammenhang wird im Folgenden Diskursives und Nicht-Diskursives in der gesellschaftlichen Praxis als untrennbar verbunden verstanden und demzufolge ist Nicht-Diskursives bzw. Nicht-Sprachliches nur in der Relation zum Diskursiven bzw. zum Sprachlichen zu verstehen (vgl. WRANA & LANGER 2007, §61f.). <zurück>

6) Jürgen LINK und Rolf PARR verstehen unter Kollektivsymbolik "die gesamte kollektiv verankerte, mehr oder weniger stereotype 'Bildlichkeit' einer Kultur: nicht bloß Symbole im Sinne Goethes (Sinn-Bilder), sondern auch alle Allegorien und Embleme, Vergleiche und metaphorae continuatae [ausgeführte Metaphern, d.V.], Exempelfälle, anschaulichen Modelle und Analogien" (2007, §10). <zurück>

7) Kathrin SCHRADER (2013, S.189-197) hat diesen Schritt anschaulich und ausführlich in ihrer intersektionalen Betrachtung zur Handlungsfähigkeit von Drogen gebrauchenden Sexarbeiterinnen erörtert. <zurück>

8) Für eine Einführung in ATLAS/ti vgl. MÜHLMEYER-MENTZEL (2011, §6ff.) und für Möglichkeiten des Programms KONOPÁSEK (2008). <zurück>

9) ATLAS/ti bietet einen weiteren Vorteil, indem dort spezifische supercodes und code families erfasst und unterschieden werden können. Supercodes beschreiben die Dispositionen der jeweiligen Ebenen und die code family die jeweiligen Dispositivelemente. Alle Wechselwirkungen innerhalb von ATLAS/ti lassen sich zurückverfolgen, weil eine Unterscheidung jederzeit möglich ist, da ein supercode mit "*" und eine code family immer mit "CF" gekennzeichnet ist (vgl. SCHRADER 2013, S.197). Außerdem lassen sich die kodierten Textstellen in dem network view wechselseitig in Beziehung setzen und können gegebenenfalls paraphrasiert werden. Die Wechselwirkungen können dann in einem darauffolgenden Schritt ausformuliert werden. <zurück>

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Zum Autor

Stefan PAULUS, Dr. rer.pol., hat in der Arbeitsgruppe "Arbeit-Gender-Technik" der Technischen Universität Hamburg-Harburg zum Thema "Das Geschlechterregime. Eine intersektionale Dispositivanalyse von Work-Life-Balance-Maßnahmen" promoviert. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in der Arbeits-, Geschlechter- und Gouvernementalitätsforschung. 

Kontakt:

Stefan Paulus

FHS St.Gallen
Fachbereich Soziale Arbeit
Rosenbergstrasse 59
9001 St.Gallen, Schweiz

Tel.+41 71 226 18 51
Fax.+41 71 226 14 01

E-Mail: stefan.paulus@fhsg.ch

Zitation

Paulus, Stefan (2015). Methodologische Überlegungen und methodisches Vorgehen bei einer intersektionalen Dispositivanalyse [59 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 16(1), Art. 21,
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs1501210.



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