Volume 17, No. 3, Art. 1 – September 2016



Warum will Charles Bovary kein Hausarzt mehr sein? – zur Medialität von Interviews mit angehenden Allgemeinmediziner_innen

Niklas Barth & Antonius Schneider

Zusammenfassung: Im Zentrum dieses Beitrags stehen Interviews mit Ärzt_innen in Weiterbildung (ÄiW) zum Facharzt/zur Fachärztin für Allgemeinmedizin. Aus der Analyse dieser Texte kann man erstens lernen, wie sich Motive überhaupt als plausible Motive darstellen lassen. Dabei sieht man zweitens, dass die Kommunikation von Kontingenz in diesen Erzählungen geradezu als Ressource benutzt wird, die Kontingenz einer zu erzählenden Geschichte zu bewältigen. Vor allem aber gerät drittens in den Interviews die Medialität des Forschungsprozesses selbst in den Blick. In der selektiven Form dieser Erzählungen liegt selbst schon ihr Befund. Eine Soziologie, die die Erzählungen ihrer Informant_innen fast trotzig für Krücken hält, um zum Leben selbst durchzustoßen, kann von diesem medientheoretischen Hinweis womöglich profitieren.

Keywords: Hausarztmangel; Narrationsanalyse; Medientheorie; systemtheoretische Hermeneutik; episodisches Interview; Grounded-Theory-Methodology

Inhaltsverzeichnis

1. Warum will Charles Bovary kein Hausarzt mehr sein?

2. Die Selektivität von Selektionen

3. Studiendesign, Sample, Erhebungs- und Analysemethoden

4. Motivgeschichten

4.1 Tatsachenberichte der "Söhne und Töchter": "Ich habe es halt gesehen bei meinen Eltern"

4.2 Bildungsromane "moderner Kritiker_innen": "Ich wäre gerne mein eigener Chef"

4.3 Reflexionen, Meditationen der "Unsicheren": "Ich möchte das eher noch rausschieben"

4.4 Generationenportraits der "Authentischen": "Wir müssen hier nicht Florence Nightingale … sein"

5. Die Medialität des Forschungsprozesses

Anhang: Transkriptionsschlüssel

Anmerkungen

Literatur

Zu den Autoren

Zitation

 

1. Warum will Charles Bovary kein Hausarzt mehr sein?

FLAUBERT (1976 [1856]) führt uns in einer Episode der Madame Bovary ein Motiv der innerständischen Arztkritik vor, das aktueller denn je ist. Seine Parodie moderner ärztlicher Professionalität entfaltet sich gerade an dem Problem, dass die Motive schwinden, noch als "einfacher" Landarzt tätig zu sein. Der Landarzt Charles Bovary verfällt vielmehr der Idee, selbst in dem kleinen Dorf Yonville müsse es nun spezialisierte "strephopodische Operationen" geben, damit es auf der Höhe der Kultur bleibe (S.236). Charles Bovary und sein Kompagnon, der Apotheker Homais, versuchen die Erfindungen der großen Männer aus der großen Stadt auf das flache Land bringen. Diese zwei "Fortschrittler" wollen deshalb einem einfachen Burschen eine Operation aufschwatzen, die er gar nicht braucht. Die Episode um den Klumpfuß des armen Pferdeknechts Hippolyte ist schnell erzählt: Hippolyte wird zum Spielball von unternehmerischem Ruhmstreben und ärztlichem Ethos, von eitlem Pioniergeist und edlem Altruismus. Am Ende muss der Chirurg Canivet dem Hausarzt auf Abwegen zur Hilfe kommen und amputiert den Fuß. Und so hebt Canivet zu einer reflexiven Schimpftirade auf die moderne Medizin an, um Charles seinen Irrtum im Bewusstsein zurechtzurücken: "Wir andern aber, wir sind rückständig. Wir sind keine Gelehrten, keine Zauberkünstler, keine Salonhelden. Wir haben unsere Praxis, wir heilen lumpige Krankheiten, aber es fällt uns nicht ein, Leute zu operieren, die kerngesund herumlaufen" (S.246). Man muss nun gar nicht die Kritik an den selbstbezüglichen Erfindungen des "Kapitalunfugs" (a.a.O.) bemühen, die Canivet den beiden in seiner Standpauke vorwirft und gegen das Ethos des "ehrbaren Arztes" in Stellung bringt. Spannender ist, vor welchem Horizont sich diese Episode aufspannt. Die Geschichte von Charles' Scheitern ist nur vor dem Hintergrund verstehbar, dass gleichzeitig in den urbanen Kliniken die Erfolgsgeschichte des modernen ärztlichen Blicks beginnt (FOUCAULT 1973). Das Bühnenbild ist die Moderne selbst. Hippolyte gerät nicht nur in den Konflikt bürgerlicher Autoritäten und deren Ringen um Deutungshoheit, Prestige und Anerkennung, er gerät vor allem auch in den perspektivischen Kampf einer sich ausdifferenzierenden Medizin, in der der Spezialist den Generalisten des ganzen Menschen ablöst. Gerade die hausärztliche Funktion, vor zu viel Medizin auch einmal zu warnen (BARTH, NASSEHI & SCHNEIDER 2014), und das Kurieren "lumpiger Krankheiten" ist Charles zu wenig. Charles Bovary will kein Hausarzt mehr sein. FLAUBERTs Erzählung liefert uns die Blaupause für ein aktuelles Problem: Auch heute schwinden die Motive, als Hausarzt/-ärztin tätig zu sein. [1]

Wieso kommt die Erzählung des Hausarztes/der Hausärztin auch heute gewissermaßen wieder ins Stottern? In manchen ländlichen Regionen Deutschlands ist der strukturelle Mangel an Hausärzt_innen bereits konkrete Realität und damit eine der gesundheitspolitischen Herausforderungen der Stunde. Die letzten Schätzungen der Bundesärztekammer (BÄK) prognostizieren bundesweit einen Schwund an Hausärzt_innen von rund 7.000 in den nächsten zehn Jahren (BÄK 2014). Gerade ein Gesundheitssystem aber, das in der hausarztzentrierten Versorgung einen seiner wesentlichen Stützpfeiler hat, gerät durch diese sozialstrukturelle Entwicklung in Schieflage. Wieso aber erscheint die Tätigkeit als Hausarzt/-ärztin immer weniger attraktiv? Die medizinische Versorgungsforschung hat zu den Motivstrukturen angehender Allgemeinmediziner_innen bereits tiefenscharfe Antworten geliefert. Dort stellt sich der Hausarztmangel vor allem als ein Problem der Landflucht dar, das sich genereller noch als ein Problem der Arbeitsmigration reformulieren lässt. Gleichzeitig werden Imageprobleme der hausärztlichen Profession in einer sich differenzierenden modernen Gesellschaft, Unsicherheits- und Arbeitsbelastungseffekte, geschlechtssensible sowie soziodemografische Veränderungen und Effekte eines intra-medizinischen Strukturwandels als mögliche Ursachen bemerkt (BARTH, LINDE & SCHNEIDER 2015). [2]

Dieser Beitrag tritt nun einen Schritt hinter die konkreten Analysen der Versorgungsforschung zurück. Indem er sich der Frage nach dem Hausarztmangel widmet, versucht er soziologisch zugleich viel allgemeiner etwas über narrative Muster der Motivgenese zu sagen. Denn aus der Analyse dieser Motive kann man gesellschaftstheoretisch lernen, wie sich heute Motive überhaupt als plausible Motive darstellen lassen. Wir haben deshalb Interviews mit Ärztinnen und Ärzten in Facharztweiterbildung für Allgemeinmedizin (ÄiW) geführt, um Motivstrukturen für oder gegen eine Niederlassung als Hausarzt/-ärztin zu ermitteln. [3]

Die These dieses Beitrags ist es, dass sich in diesen Erzählungen unterschiedliche narrative Strategien der Kontingenzdomestikation finden, die sich gleichsam als Vollzug einer funktional differenzierten Gesellschaft lesen lassen (NASSEHI 2011). Dabei können drei unterschiedliche Plausibilisierungsstrategien unterschieden werden, die sich theoretisch wiederum entlang traditionaler, moderner und postmoderner Gesellschaftsbegriffe aufschlüsseln lassen. Innerhalb dieser postmodernen Plausibilisierungsstrategie wollen wir mit diesem Beitrag jedoch einen Umbau sichtbar machen: einen Umbau von der narrativen Betonung von Unsicherheit zur narrativen Betonung von Authentizität. Das lässt sich wiederum wunderbar an der Form der Erzählung ablesen, die von den befragten ÄiW gewählt wurde. Diese wechselte vom traditionellen Tatsachenbericht über in die Erzählung eines modernen Bildungsromans und führte von der individuellen Reflexionserfahrung schließlich bis hin zum Genre des Generationenportraits. Vor allem aber geriet in den Interviews die Medialität des Forschungsprozesses selbst in den Blick: Die Interviews erzeugen Potenzialitätsräume, die bestimmte Plausibilitäten dafür bereit hielten, wie sich überhaupt von einer Welt erzählen lässt, in der ein Motiv reift. [4]

Im folgenden Abschnitt wird zunächst der narratologische Hintergrund für die Geschichten der angehenden Hausärzt_innen aufgespannt. Abschnitt 3 klärt dann die methodologischen Prämissen der Studie. In Abschnitt 4 werden die unterschiedlichen Motivgeschichten unserer Interviewpartner_innen nach Typen aufgefächert. Der letzte Abschnitt reflektiert schließlich auf die Medialität des Forschungsprozess selbst.1) [5]

2. Die Selektivität von Selektionen

Eine Gesellschaft, die in ihren unterschiedlichen Erzählungen mit ihrer eigenen Kontingenz konfrontiert wird, beginnt modern zu werden (LUHMANN 1992). Sie stößt dabei vor allem auf unterschiedliche Erzählbarkeiten der Welt, die, aus ihrer unbedingten Geltung herausgelöst, nicht nur darauf verweisen, dass sich diese Geschichten dann immer auch anders erzählen lassen, sondern auch darauf, dass sie sich überhaupt erzählen lassen müssen. Die Moderne generiert also zunächst einen Überschuss an Handlungs- und Erzählalternativen – und damit ein "Steigerungsverhältnis von Bestimmtheit und Unbestimmtheit" (GAMM 1994, S.236). [6]

Im Erzählen lagen deshalb seit jeher auch gesellschaftliche Feststellungsversuche begründet (WHITE 1981). Ob man nun die erzählende Rede vor Publikum als performative Rhetorik einer mythischen Gemeinschaft (NANCY 1988) begreift, moderne Staatlichkeit überhaupt als narratologischen Effekt fasst (FRANK, KOSCHORKE, LÜDEMANN & De MAZZA 2002) oder mit der Erzählung des Endes der großen Erzählungen nicht zuletzt das Ende gesellschaftlicher Feststellungsversuche feststellt (LYOTARD 1986), stets stellen die sozialen Techniken des Narrativen darauf ab, Bestimmtheit in eine unbestimmt gewordene Welt zu bringen. Bei Hans BLUMENBERG (1990) heißt es, Geschichten würden erzählt, um etwas zu vertreiben: entweder nur die Zeit, oder gar die Furcht (S.40). Die Funktionalität dieser modernen Techniken des Erzählens liegt genau in dieser Entlastungsfunktion. Erzählen meint "Kontingenzbewältigung" (KOSCHORKE 2012, S.11). Die Moderne lässt sich derart also als die Steigerung von Erzählanlässen begreifen, die nun aber allesamt vor dem Problem stehen, die Kontingenz einer zu erzählenden Geschichte zu bewältigen. Dass sich das eigene Motiv nicht mehr von alleine versteht, sondern eben erzählt werden will, ist also selbst schon der Ausweis von Modernität. Modernität geht dann aber auch mit der Erfahrung einher, dass narrative Kulturen als Reservoir generalisierter semantischer Formen unterschiedliche Plausibilitäten für erzählbare Motive bereithalten (LUHMANN 1992). [7]

In einer Studie über Motive auf Motive zu stoßen, ist dann zunächst einmal trivial. Soziologisch interessant wird es, wenn man sich fragt, wie Motive eigentlich entstehen. Klassischerweise setzt man ein Motiv voraus, das sich dann in einer Handlung Bahn brechen kann. Das Motiv zieht also einen Anfangspunkt in eine Kette noch folgender Handlungen ein. Bereits seit WEBERs Rekonstruktion einer kapitalistisch-okzidentalen Motivgenese kann man wissen, dass Motive ausschließlich in ihrer Kulturbedeutung verstehbar sind, ja durch diese erst geschaffen werden (SAAKE & NASSEHI 2004). Der pragmatistischen und operativen sowie der psychoanalytischen Denktradition kann man den Hinweis entnehmen, dass es forschende Beobachter_innen oftmals nicht mit sich selbst transparenten Subjekten zu tun haben, deren Handlungen sich durch einen subjektiv gemeinten Sinn, also ein sich selbst bewusst gemachtes Motiv strukturieren (NASSEHI 2011). Man sieht dann vielmehr, dass Subjekte im Blindflug ihrer Praxisgegenwarten operieren, und die Motive ihrer Handlungen eigentlich erst im Nachhinein benannt werden können, vielmehr sogar: über das Erzählen erst entstehen (NASSEHI 2006a). Motive bewähren sich erst in und durch Erzählanlässe. In diesem Beitrag fragen wir nun danach, wie sich das Motiv, sich als Hausarzt/-ärztin niederzulassen, überhaupt erzählen lässt. [8]

Die qualitative Sozialforschung ist im Zuge eines narrative turn auf die Unterscheidung zwischen small stories und big stories gestoßen (BERNHARD 2014). Einerseits interessiert sich ein Forschungsstrang nun auch für die kleinen Geschichten des Alltags ihrer Informant_innen, um daraus situative Identitätskonstruktionen zu erzeugen (BAMBERG 2007, 2010). Andererseits versucht gerade die Biografieforschung aus den "großen Erzählungen" ihrer Protagonist_innen zum "eigentlichen Leben" und dessen gesellschaftlichen Strukturdeterminanten durchzustoßen (ROSENTHAL 2011; SCHÜTZE 1983). Auch wenn sich die Ausdifferenzierung einer small story-Perspektive als Sensibilisierung für Textsorten jenseits der Repräsentationsansprüche und Erzählzwänge konsistenter großer Erzählungen lesen lässt, so bleiben beide Perspektiven dabei eigentümlich blind für die spezifisch ästhetische Form von Erzählungen. Hier setzt unser Argument ein: Wir stoßen in den unterschiedlichen Formen der Erzählung unserer Interviewpartner_innen vielmehr auf den mediatisierten Vollzug von Gesellschaft. Das Konzept einer "Gesellschaft der Gegenwarten" (NASSEHI 2006a, S.375), das das theoretische Fundament dieses Beitrags darstellt, buchstabiert Gesellschaftstheorie als Theorie kommunikativer Praxis aus. Gesellschaft firmiert hier nicht als der aggregierte Setzkasten unterschiedlicher Funktionssysteme, sondern als eine kommunikative "Echtzeitmaschine" (NASSEHI 2003, S.159ff.), die je kontextuelle Plausibilitäten für sagbare Sätze entfaltet. Dieser Begriff von Gesellschaft kann dann Gegenstand und Theorie als Funktionen des beobachtenden wissenschaftlichen Blicks fassen, da er in der "Einsicht in die epistemologische Verschlingung von Forschung und Gegenstand" (NASSEHI & SAAKE 2002, S.81) gründet. [9]

Es ist gerade eine Frage der kanonisierten Biografieforschung, was eigentlich der Referent biografischer Erzählungen ist (FISCHER-ROSENTHAL 1997; ROSENTHAL 2011; SAAKE 2005; SAMMET 2014; SCHÜTZE 1983; WOHLRAB-SAAR 1999). Das authentisch verbürgte Leben? Die mehr oder weniger methodisch kontrollierte Interviewsituation? Überzeitliche Fallstrukturen idealisierter Typen? Das zentrale Argument, das wir aus SAAKEs (2005) Diskussion der Biografieforschung aufgreifen, setzt mit der Frage ein, wie die Kontingenz einer zu erzählenden Geschichte getilgt wird. Einer solchen Perspektive geht es dezidiert nicht darum, in den Sätzen der Interviewpartner_innen das Leben selbst zu finden. Es geht auch nicht um die konkreten Sätze, die unterschiedliche Interpretand_innen dann, an einer Hermeneutik des Verdachts geschult, unterschiedlich "begnadet" (BOURDIEU 1980, S.13f.) interpretieren könnten, um "latente Sinnstrukturen" (OEVERMANN, ALLERT, KRONAU & KRAMBECK 1979, S.380) aus der Tiefe des Textes zu bergen. SAAKEs (2005) systemtheoretischer Lesart geht es stattdessen um die Analyse der "Selektionsrahmen" (S.103) des Erzählbaren. Sie liest die Selbstbeschreibungen biografischer Interviews als Weltbeschreibungen, die über die Form der Verortung des Selbst in einer Welt keine homologischen Schlüsse auf die Identität des Erlebten oder gar psychotypische Erzählfiguren liefern, sondern vielmehr auf die Welthaftigkeit des narrativen Rahmens abstellen2). [10]

Dass es der rekonstruktiv-hermeneutischen Sozialforschung bis heute schwer fällt, von der Homologie-Annahme zumindest als Hintergrundannahme Abstand zu nehmen, haben HINRICHSEN, ROSENTHAL und WORM (2013) vor Kurzem auf beeindruckend hohem Reflexionsniveau vorgeführt. Im methodischen Vorlauf zu ihren biografisch-narrativen Interviews mit Palästinenser_innen im Westjordanland und deren Selbstpräsentationen im Rahmen eines "Wir-Bildes" wird zunächst analytisch strikt zwischen der "erzählten und der erlebten Lebensgeschichte" getrennt (S.158). Über "Stegreiferzählungen" solle der/die Erzählende dann aber in eine Art "Erinnerungsfluss" (a.a.O.) kommen – und man muss zunächst vermuten: ihn/sie zu den eigentlichen Daten mitreißen. Unter Rekurs auf HUSSERLs "Ideen zur reinen Phänomenologie" meinen HINRICHSEN et al., dass in diesem Erinnerungsfluss dann ein "Erinnerungsnoema" (a.a.O.) gesetzt werde. HUSSERL (1993 [1913]) stellt mit dem Begriff des Noema auf den tatsächlich gemeinten Sinngehalt eines Bewusstseinsaktes ab. Davon unterscheidet er den Begriff der Noesis. Während Noesis sich auf das Wie der Zuwendung des Bewusstsein zu etwas bezieht, also zum Beispiel die Wahrnehmung, Erinnerung oder Vorstellung, meint Noema gerade das Was der Darbietung von Etwas. Über den in der Interviewsituation evozierten Erinnerungsvorgang solle es dann möglich werden, "dass das sich darbietende Erinnerungsnoema sich der intendierten Zuwendung geradezu widersetzt" (HINRICHSEN et al. 2013, S.158), also "Bestandteile der erlebten Situation vorstellig werden, die entsprechend der Gegenwartsperspektive nicht intendiert waren und sogar inkongruent dazu sein können" (S.158f.). Die Idee dahinter scheint also zu sein, dass die Informant_innen durch ihre Stegreiferzählungen selbst überrascht werden, sich gewissermaßen versprechen, und Forschende dadurch einen Einblick in die eigentlich interessanten Daten erhaschen können. Zwar wird nun betont, dass derart gerade nicht von einer "Homologie zwischen (Stegreif-) Erzählung und dem Erleben in der Vergangenheit" (S.159) ausgegangen wird. Die Idee dieser Methode bleibt dennoch die methodisch kontrollierte, ja fast asymptotische Annäherung an tatsächlich Erlebtes, gerade weil ebendiese, wie sie nochmals ausführen, eben doch die "stärkere Nähe zur damals erlebten Vergangenheit" ermögliche (a.a.O.). Auch wenn hier die Homologie-Annahme explizit verworfen wird, sieht man dennoch, wie die Sozialforschung den Erzählungen ihrer Interviewpartner_innen eigentlich nicht über den Weg traut und zu den eigentlich interessanten Daten "hinter" der Erzählung will. [11]

Dennoch lässt sich der Vorschlag von HINRICHSEN et al. für unsere Analyse der Interviews mit den ÄiW produktiv nutzen. Es kann in der hier vorgeschlagenen Analysepraxis also nicht darum gehen, zu einem subjektiven Noema der Erzählung vorzustoßen. Im Zentrum unserer Ausführungen steht vielmehr die Medialität der Interviews selbst, die erst Plausibilitäten für ein bestimmtes Wie der Erzählung bereithält. Während die Hermeneutik lediglich darauf stößt, dass die Weltauslegung kontingent wird – sonst müsste man sie ja nicht verstehen –, reflektiert diese Form einer systemtheoretischen Hermeneutik gerade auf die Kontingenz eines kommunikativen Verstehensprozesses (KNEER & NASSEHI 1991, S.352). Richtet man den Blick auf die durch eine getroffene Unterscheidung ausgeschlossenen Möglichkeiten, bekommt man "nicht nur zu sehen, was der Fall ist, sondern vor allem, was nicht der Fall ist. Gegenstand der Sozialforschung [...] ist dann die Frage nach der Kontingenz ihres Gegenstandes" (NASSEHI & SAAKE 2002, S.70). Was wird in der Interviewsituation wie erzählt, und was dadurch gerade nicht? Der kommunikative Verweis in die eigene Biografie kann mit dieser Methodik dann als nur eine Möglichkeit unter anderen gelesen werden. Welchen Spielraum gibt sich eine Erzählung selbst? Wie bringt sich ein Selbst, das auf Zugzwänge einer Welt kommunikativ reagieren muss, narrativ in Stellung? Als Handelnde_r? Oder als Erlebende_r? Was wird für erzählbar gehalten? Die eigene Herkunft? Bestimmte Themen, Kritik, oder Stimmungen? So wie es die Kunst vermag, die Medialität ihrer Medien vorzuführen, besteht die Kunst dieser Methodologie als Erkenntnistheorie darin, die Selektivität von Selektionen sichtbar zu machen und als empirischen Befund der "Kontingenzvernichtung" (NASSEHI & SAAKE 2002) ernst zu nehmen. Die Tatsache, dass bestimmte Selektionen selektiert wurden – und andere nicht, dass sich ihre Kontingenz also selbst vernichtet hat, ist bereits der Befund. Erst vor dem Hintergrund unbestimmt vieler anderer möglicher Sätze erhalten die erzählten Sätze ihr Gewicht. Genau darin liegt ihr Informationswert. [12]

3. Studiendesign, Sample, Erhebungs- und Analysemethoden

Im Rahmen eines vom Bayerischen Ministerium für Umwelt und Gesundheit geförderten Forschungsprojekts gingen wir der Frage nach, welche Faktoren ÄiW zu einer Niederlassung als Hausarzt/-ärztin auf dem Land motivieren. In einem weiter gefassten Kontext interessierten wir uns dabei für die Frage, wie sich Motive überhaupt erzählen lassen. Zur Analyse der narrativen Motivplausibilisierungen angehender Allgemeinmediziner_innen wurde ein qualitatives Untersuchungsdesign gewählt. Dazu wurden im Zeitraum von April 2013 bis Oktober 2013 drei moderierte Fokusgruppeninterviews (ca. 120 Minuten) mit insgesamt 13 Teilnehmer_innen und 24 episodischen Interviews (FLICK 2000) mit einer Dauer zwischen 45 und 60 Minuten geführt. Die Befragten wurden gemäß den Einsichten der Grounded-Theory-Methodologie über ein theoretisches Sampling (STRAUSS 2004, S.443) aus dem Ausbildungsnetzwerk des Instituts für Allgemeinmedizin der TU München ausgewählt. [13]

Um einen ersten Einblick in die Motivstruktur des Samples zu erhalten, begann das Projekt mit drei Fokusgruppeninterviews. Dabei konnten wir auf BOHNSACKs (2000, 2003) methodologische Arbeiten zu Gruppendiskussionen zurückgreifen. Der Leitfaden der Fokusgruppeninterviews blieb zunächst bewusst relativ unbestimmt, um den Horizont des Erzählbaren der Befragten möglichst groß halten zu können. Dabei wurde mit der Frage nach der Alltagspraxis der Befragten eingesetzt, um wiederum selbst gesetzte Relevanzen sichtbar zu machen. Auf Grundlage dieser ersten analytischen Sondierungen wurden mit Ärzt_innen in Weiterbildung zum Facharzt/zur Fachärztin für Allgemeinmedizin episodische Einzelinterviews geführt (FLICK 2000). Eine Frage zum Berufswunsch der Untersuchungspersonen funktionierte als Eingangsstimulus für die Erzählung des "narrativ-episodischen Wissens" (FLICK 2005, S.158). An die erzählenden Phasen des Interviews schlossen immer wieder problembezogene immanente und theoretisierende Fragen an. Ziel war, Erzählungen der Motivplausibilisierung zu evozieren, um dann auf Leitunterscheidungen zu stoßen, vor deren Hintergrund sich das Motiv, sich als Hausarzt/-ärztin niederzulassen, bewähren musste. Die hier vorliegenden Interviewtexte wurden dabei als durch Gesellschaft vermittelter Vollzug von Gesellschaft gelesen, der je kontextuelle Freiräume und Zugzwänge des Erzählbaren entfaltet. Der Sinn kommunikativer Praxen wird derart gerade nicht hermeneutisch aus einem Interviewtext geborgen, sondern es wird auf die Medialität des Interviews selbst reflektiert. [14]

Die Interviews und die Protokolle der Fokusgruppen wurden vollständig transkribiert und anonymisiert. Anschließend wurden einzelne Passagen der Einzel- sowie der Fokusgruppeninterviews im Sinne der Grounded-Theory-Methodologie kodiert, zu Kategorien zusammengefasst, um dann einzelne Interviewpassagen zwischen unterschiedlichen Interviews zu vergleichen und zu unterschieden. Die Analyse verdichtete sich dann zu "Schlüsselkategorien" (STRAUSS 2004, S.448) der narrativen Motivplausibilisierung. Letztlich konnte über die Kontrastierung minimaler und maximaler Vergleiche eine Theorie erzählbarer Motive generiert werden (S.446). Wir haben dabei vier unterschiedliche Typen der "Kontingenzvernichtung" ausgemacht: die "Söhne und Töchter", die "modernen Kritiker_innen", die "Unsicheren" sowie die "Authentischen". Datenerhebung und -auswertung erfolgten iterativ, bis sich eine theoretische Sättigung einstellte (STRAUSS 1991; PRZYBORSKI & WOHLRAB-SAHR 2009, S.240ff.). [15]

4. Motivgeschichten

Unsere Interviewpartner_innen generierten in den Erzählanlässen zu ihren Berufswünschen, die wir ihnen mit den Interviews boten, zunächst einmal sehr unterschiedliche Erzählungen. Das verwundert nicht weiter, wenn man bedenkt, dass gerade bei biografisch weitreichenden Entscheidungen wie einer Niederlassung in eigener Praxis die Reflexion über Entscheidungen und somit immer auch die Reflexion über Entscheidungsalternativen geradezu erzwungen wird. Das Aufbrechen von kontingenten Alternativen kann, wie wir weiter oben gesehen haben, als das Signum der modernen Gesellschaft gelesen werden. Umso überraschender war es dann, dass diese Kontingenz in den Selbstbeschreibungen des ersten Typus der "Söhne und Töchter" gar nicht thematisiert wurde. Im Folgenden werden nun unterschiedliche Motivgeschichten herausgearbeitet. [16]

4.1 Tatsachenberichte der "Söhne und Töchter": "Ich habe es halt gesehen bei meinen Eltern"

In den Erzählungen der "Söhne und Töchter" zeigte sich auf der formalen Ebene, dass hier starke Motive auftauchen, die in einer Logik des "Immer schon" verbürgt sind. Sie sind in der Latenz ihrer unhintergehbaren lebensweltlichen Sicherheit schlicht gegeben. Ist im persönlichen Umfeld ein ärztliches Vorbild vorhanden oder besteht sogar die Möglichkeit, die elterliche Praxis zu übernehmen, so weiß man aus der arbeitssoziologischen Forschung, dass auch die Wahrscheinlichkeit steigt, ein Niederlassungsmotiv zu entwickeln (BARTH et al. 2015). Diese Wahrscheinlichkeit steigt gerade deshalb, so müsste man pragmatistisch formulieren, weil man ja schon in starke Praxiszusammenhänge eingelassen ist, die das Motiv, das sie benötigen, selbst hervorbringen. Die Frage nach den eigenen Berufswünschen verweist die Erzählung der folgenden Ärztin dann auch erst einmal weit zurück in die Vergangenheit:

"Ja, also ich bin in einer Kleinstadt aufgewachsen, in einer ostdeutschen Provinz, (.)3) habe da mein Abi gemacht und so weiter und bin dann zum Medizinstudium nach Dresden gegangen, habe das soweit da durchgezogen, relativ geradlinig und die erste Stelle habe ich dann hier in Oberbayern angetreten, weil meine Schwester wohnt hier in der Nähe und da hatten wir so ein bisschen Kontakt und haben uns dafür entschieden, mal was Neues auszuprobieren. (.) Genau, also jetzt erst mal so ganz grob. (.) Ansonsten so: Meine Eltern sind beide Allgemeinmediziner, (.) und von daher hatte ich schon relativ zeitig Kontakt (.) zu dem Ganzen und hatte mir eigentlich immer vorgenommen, was Anderes zu machen, und es wurde mir auch von meiner Mutter immer so gesagt: 'Ja, fühle dich nicht gezwungen und so weiter', aber habe mich dann letzten Endes doch für Medizin entschieden [...]" (IHAKLehmann(w), Z.40-49).4) [17]

Schon anhand der Form eines Berichts, der sich zunächst an biografischen Fakten orientiert und über die Erzählung einer Abfolge von Ereignissen Sicherheiten schafft, indem er Kausalitäten in die Welt bringt, zeigt sich, dass in dieser Erzählung Kontingenz nicht einmal als Problem auftaucht. Der Pragmatismus des Eingelassenseins in Strukturen lässt das Hausarztproblem gar nicht zu einem Problem werden. Zwar hatte sich diese Ärztin vorgenommen, "etwas Anderes zu machen", aber der "relativ zeitig[e] Kontakt" entfaltet eine bestechende Eigenwirkung. Die Ärztin betont zwar, es gab keinen Zwang der Eltern, sich für die Allgemeinmedizin entscheiden zu müssen. Die Erzählung rechnet aber förmlich immer schon mit einer ausgedeuteten Welt. Alleine die Nähe eines gemeinsam geteilten Erfahrungszusammenhangs ist hier für die narrative Plausibilisierung des Motivs entscheidend. In dieser Nähe ist die Entscheidung selbst schon aufgehoben. Nachdem diese angehende Ärztin den Grund für das, was sie will, in der familiären Vergangenheit verortet hat, führt sie diesen Bericht nun folgendermaßen fort:

"Das war schon auch immer eigentlich die Maßgabe, auch schon während des Studiums (mich) später mal niederzulassen, ich habe es halt gesehen bei meinen Eltern [...]" (IHAKLehmann(w), Z.208-210). [18]

"Ich habe es halt gesehen" – die Faktizität des Erlebten wird so zum Hintergrund, vor dem alles Geplante ausgelegt wird. So entsteht eine Form biografischer Sicherheit, die sich auch auf die formale Ebene der Erzählung niederschlägt. Die Erzählung kennt eigentlich keine Motiventwicklung, hier bleiben die Motive konstant stark, weil sie schlicht vorgelebt werden. Gerade Theorien der Latenz haben diese Sicherheit stiftende Wirkung lebensweltlich oder kulturell verbürgter Selbstverständlichkeiten stets betont. Und auch die folgende Passage betont exakt die Funktionalität dieser lebensweltlichen Verankerung:

"Ich bin recht beeinflusst durch meine Eltern, weil Mama Krankenschwester und Papa Arzt. Ich hatte also mein Leben lang schon Einblick in den medizinischen Bereich. Ich fand das immer sehr, sehr interessant (.) und (.) eine meiner Stärken war, glaube ich, schon immer, mit Menschen umzugehen, hatte ein ganz gutes Abitur, habe mich, wie gesagt, auch von meinen Eltern beeinflussen lassen natürlich und habe dann gedacht: Okay, das kann ich mir schon vorstellen und weil es einfach Arbeit am Menschen ist, das zu machen. (.) Und dann habe ich das dann, sehr naiv damals, einfach auch angefangen" (IHAP1Boateng(w), Z.39-44). [19]

In den Interviewsituationen mit den "Söhnen und Töchtern" hat bereits die Frage nach den eigenen Berufswünschen den großen narrativen Bogen zu den eigenen Wurzeln evoziert. Diese Frage erscheint im Kontrast zu den Antworten dieses Typus fast selbst merkwürdig, da die Antwort einen patenten Bericht vorlegt, der von einer Welt erzählt, in der "schon immer" die Weichen gestellt waren. Im Grunde wäre es schon semantisch falsch, hier von einer "Erzählung" zu sprechen. Eine Erzählung kennt Kontingenzen, da sie auf Entscheidungen beruht, die so oder anders ausfallen könnten, sonst könnte man sie nicht erzählen. Im folgenden Bericht einer Ärztin aber sind selbst die noch unbestimmten Kontingenzen, also der Spielraum anstehender möglicher Entscheidungen, immer schon durch den gemeinsamen Erfahrungszusammenhang mit den Eltern geklammert:

"Ja, natürlich war das immer Thema am Mittagstisch, also mein Vater hat viel erzählt vom Krankenhaus, viel aus dem OP, also der ist Anästhesist. (.) Meine Mutter war lange Zeit zu Hause, also 14 Jahre, hat dann aber auch wieder angefangen, es war einfach auch immer Thema zu Hause und dementsprechend habe ich mich damit auch recht früh auseinandergesetzt, habe dann mal ein Schulpraktikum auch gemacht, in der 10. Klasse, glaube ich, (.) im Krankenhaus meines Vaters (.) und fand das sehr interessant, (.) das natürlich eher von pflegerischer Seite, aber schon etwas mit Menschen zu tun und das hat mir unheimlich viel zurück gegeben und so (.) entstand auch das Interesse daran" (IHAP1Boateng(w), Z.55-62). [20]

Die Erzählung handelt eher von den Erzählungen der Eltern "am Mittagstisch", die stets Thema waren: Es gibt eigentlich nur zu berichten, was evident ist. Das Motiv ist immer schon im unhinterfragten Boden der Lebenswelt narrativ grundiert. Natürlich entsteht das Motiv der "Söhne und Töchter", gewissermaßen auf der Weltseite, durch die Asymmetrie der Eltern, die ihrem Kind durch Bildung die Einsicht vermitteln, dass es das, was es soll, selbst noch will. Auch Traditionszusammenhänge müssen ja einmal gestiftet werden. In der Erzählung taucht dieser Vermittlungsprozess jedoch nicht auf. Die Kontingenz einer zu erzählenden Geschichte ist hier tatsächlich immer schon getilgt – indem man von einer Welt berichtet, in der Kontingenz gar kein Problem ist. [21]

4.2 Bildungsromane "moderner Kritiker_innen": "Ich wäre gerne mein eigener Chef"

Funktionalistisch formuliert ist es entscheidend, Asymmetrien in eine Erzählung zu bringen, die Entscheidungen gewissermaßen wegarbeiten und so die Erzählung vorantreiben. Ein zentrales Motiv des zweiten Typus der "modernen Kritiker_innen" besteht deshalb darin, dass sich die Motivation zur eigenen Niederlassung oftmals am Wert der Selbstbestimmung orientiert, der ein freies Ich gegen eine vermachtete Welt in Stellung bringt. Die Motivgenese kann so als Entwicklungsprozess beschrieben werden. Ein plausibles Motiv zur Niederlassung reift hier über die Artikulation von Kritik an zu starken Asymmetrien (SAAKE & KUNZ 2006). Diese Asymmetrien werden entweder in der hierarchischen Organisation des Krankenhauses und seinen polykontexturalen Zugzwängen oder in einer Form bürokratischer Fremdbestimmung des Praxisalltags wahrgenommen, wie die folgende Ärztin ausführt:

"Der Klinikeinstieg war auch ziemlich hart, weil mir hat eben dieser Perfektionismus gefehlt, dieses 'Ja, jetzt werde ich allen Patienten zuhören und untersuchen und wirklich so ein Vorbild sein' und dann kommst du rein, auf (die) kardiologische Station, du hast 22 Patienten am Tag, teilweise kommen 8 rein, 8 gehen und ich kam mir das erste halbe Jahr vor, dass ich nur beim Briefe schreiben war" (FGIK2(w), Z.188-192). [22]

Indem der Klinikeinstieg die hohen Autonomieerwartungen der jungen ÄiW konsequent enttäuscht, geht der Beginn der Weiterbildung gleich einmal mit einer Desillusionierung ihres medizinischen Perfektionismus einher. Schlimmer: die medizinischen Sachzwänge organisierter Krankenbehandlung werden als stupider bürokratischer Verwaltungsakt, Briefeschreiberei und Stress erfahren und damit gegen eine reine Form allgemeinmedizinischer Praxis in Stellung gebracht.

"Den Stress kriegt man schon auch ab, also den juristischen Stress kriegt man ab, man kriegt den Abrechnungsstress ab, von dem medizinisch-sachlichen Stress, ich meine, jeder von uns will doch dem Patienten helfen, der da kommt und will nichts vergessen, nichts übersehen, also von dem spreche ich gar nicht. Das ist der Standard, das gehört bei uns dazu, aber diese Umgebungsparameter. Ich glaube, dass es die auch schaffen einen zu killen, was die Motivation betrifft" (FGIK6(w), Z.289-294). [23]

Was hier als Abhängigkeit thematisiert wird, ist die Erfahrung, dass auch andere – nicht genuin medizinische – Erwartungen an Mediziner_innen gestellt werden. Dabei will man "dem Patienten [doch nur] helfen". Es scheint aber gerade für angehende Allgemeinmediziner_innen im klinischen Abschnitt der Weiterbildung besonders schwierig, sich auf diese verwaltungstechnischen "Umgebungsparameter" der organisierten Krankenbehandlung einzulassen. So setzt eine andere Ärztin ihre Erzählung ganz im Stile einer Art Schamanismus-Autonomie fort, die von einer auf sich selbst gestellten allgemeinmedizinischen Heilerin und den Widerständen dieser Welt handelt. Was hier beschrieben wird, ist ein Bild der ärztlichen Altruistin, die an "Umgebungsparametern" einer kalten Welt scheitert:

"Weil wir müssen aus uns selber die Motivation nehmen. Es gibt von außen keine. Im Gegenteil, wir müssen noch aushalten, dass wir schlecht bezahlt werden, dass Regressansprüche kommen, für irgendeinen Club, was man vorher gar nicht weiß, das kann einen ruinieren so was. Ich meine, Planungsunsicherheit auf allen Ebenen. Ich wüsste keine einzige äußerlich geschaffene Ebene, die in dem Beruf attraktiv ist. Man geht nicht mit Schönheit um, man geht auch mit Dreck um, man geht mit Negativem um, also es gibt so Vieles, was da negativ ist. Das Einzige, was positiv ist und was man selber aus sich nehmen kann, ist der Wunsch mit Menschen in Beziehung und in der Nähe zu sein und denen helfen zu wollen in einer Situation, in der sie Hilfe brauchen" (FGIK6(w), Z.1315-1324). [24]

Im Motiv der Nähe, in dem die Erzählung letztlich mündet, wird ein Anspruch an die Autonomie medizinischer Praxis formuliert, der in der existenziellen Situation der Hilfsbedürftigkeit wurzelt. Was motiviert, ist die eigene Vorstellung einer reinen Allgemeinmedizin. Diese müsse sich gerade aus der inneren Überzeugung speisen, laufe jedoch stets Gefahr, durch ihre empirische Entfremdung korrumpiert zu werden. Die Erzählung spielt gewissermaßen das authentische Innen der Medizin gegen dessen Bedrohung von außen aus: "Wir müssen aus uns selber die Motivation nehmen" – weil: "Ich wüsste keine einzige äußerlich geschaffene Ebene, die in dem Beruf attraktiv ist". [25]

Diese Form der Erzählung erinnert an den klassischen Bildungsroman. In seinen Vorlesungen zur Ästhetik hat HEGEL (1984 [1835]) dessen innere Dramaturgie fast schon zum poetologischen Prinzip des Romans selbst aufgehoben. In den modernen Romanen, so HEGEL, lesen wir vom "Konflikt zwischen der Poesie des Herzens und der entgegenstehenden Prosa der Verhältnisse" (S.983). Die Innerlichkeit eines Heldensubjekts wird dabei gegen Verhältnisse der wirklichen Welt in Stellung gebracht. Nach den Lehrjahren des Individuums an der Wirklichkeit besteht sein Reifeprozess darin, dass das Subjekt sich "die Hörner abläuft und sich in die Vernünftigkeit der bestehenden Verhältnisse hineinbildet" (S.557). Das Motiv der Selbstbestimmung und damit die Kritik an zu starken Asymmetrien bilden in dieser Erzählung den Horizont des potenziell Möglichen ab. Pointiert ließe sich also formulieren, dass die Entscheidung für die Niederlassung für diese "modernen Kritiker_innen" immer auch eine Entscheidung gegen Verhältnisse der Fremdbestimmung im Krankenhaus oder auf behördlich-institutioneller Ebene ist. Individuelle Motive bilden sich in dieser Form der Erzählung an den Widerständen der modernen Welt. [26]

Einerseits besteht diese Modernität gerade darin, biografische Entscheidungen nicht mehr der Welt selbst abverlangen zu können, wie dies ja die "Söhne und Töchter" noch vermögen, sondern vielmehr stets darauf zurückgeworfen zu werden, selbst zu entscheiden. Andererseits war Bildung seit jeher das Medium bürgerlichen Aufstiegs. Indem sie gebildete Sprecher_innen dazu in die Lage versetzte, vernünftige Kritik zu üben, konnten diese sich überhaupt erst gegen eine Welt in Stellung bringen. Die Kommunikation von Asymmetrie nimmt in den Interviews also die Funktion ein, "Auftraggeber für jene Motive zu sein, die das hervorbringen, was die Grundnarration der europäischen Moderne als selbstverantwortliche Bürger beschrieben hat" (NASSEHI 2006b, S.272). Die normative Selbstbeschreibung der Moderne formuliert den Anspruch auf symmetrische Verhältnisse: auf demokratisierte politische Entscheidungen oder zumindest die Legitimität der Verfahren, auf freie Märkte mit selbstverantwortlichen Entscheidungen und gleichen Chancen oder auf die kulturelle Gleichwertigkeit unterschiedlicher Lebensformen. Und sie stößt empirisch immer wieder auf soziale Asymmetrien, auf Hierarchien, Fremdbestimmung und soziale Ungleichheiten. So konnte das Postulat nach mehr Symmetrie überhaupt erst zum zentralen normativen Narrativ werden, gerade weil es sich eigentlich immer schon an der faktischen Asymmetrie abarbeiten musste, ja sie geradezu voraussetzt. Vor diesem Hintergrund verweist die Erzählung der "modernen Kritiker_innen" dann gar nicht in die biografische Vergangenheit, sondern formuliert Kritik am Bestehenden. Über die Kommunikation konkreter Asymmetrie bilden sich die ÄiW in Sprechkulturen des Kritischen erst hinein. In FLAUBERTs Episode um den Landarzt Charles Bovary wollte dieser lieber Spezialist werden als nur lumpige Krankheiten zu heilen. Die Interviews mit unseren ÄiW erzählen davon, dass der Beruf als Hausarzt/Hausärztin heute wieder attraktiv erscheint: Die Erzählungen handeln von einem Beruf, dessen Reiz gerade darin liegt, eine Art medizinische Medizinkritik (gegen medizinische Überversorgung, zunehmende Technisierung etc.) nicht von außerhalb als Institutionenkritik zu formulieren, sondern innerhalb der Medizin selbst zu praktizieren. Und durch diese Artikulation von Kritik kann dann wiederum auch die Erzählung reifen, sich als Hausarzt/-ärztin niederzulassen. [27]

4.3 Reflexionen, Meditationen der "Unsicheren": "Ich möchte das eher noch rausschieben"

In den Erzählungen des Typus der "Unsicheren" lässt sich das Problem, ein plausibles Motiv zu erzählen, weniger als eines des Umgangs mit sozialen Asymmetrien ausmachen, als vielmehr als ein Problem symmetrischer Entscheidungen reformulieren. Die Individualisierungsthese stellt nun gerade darauf ab, dass Entscheidungen, die sich vormals dem Raum selbst treffbarer Entscheidungen entzogen, den Individuen nun als Freiheit und als Zwang gleichzeitig zugemutet werden (BECK 1996). Das kann man daran erkennen, dass noch die Weigerung, diese individuellen Entscheidungen für sich anzunehmen, sofort unter individuellen Legitimationsdruck gerät. Die gesellschaftliche Zumutung besteht also darin, in unterschiedlichen Lebenslagen stets als individuelle_r Entscheider_in angerufen zu werden. Im Hinblick auf die Frage der Motivgenese wird in den Erzählungen der "Unsicheren" einerseits immer wieder die Irreversibilität der eigenen Entscheidung und andererseits der Zeitpunkt der Entscheidung als neuralgischer Punkt der Erzählung markiert. Auch so in der folgenden Passage:

"Und ich denke mir durchaus auch, einfach mit der Perspektive, dass wir (.) in meinem Alter vermutlich mal bis 70 arbeiten werden, halte ich es momentan noch nicht so für erstrebenswert wirklich die nächsten 40 Jahre in einer Praxis zu sein, sondern eher verschiedenes gesehen zu haben, bevor ich mich niederlasse. Weil wenn man mal eine Niederlassung gemacht hat, dann denke ich, wird man das nicht unbedingt leichtfertig aufgeben. (.) Dann denke ich 'Warum reicht es nicht, wenn ich mich mit 40 oder 45 niederlasse?'. (..) Wäre gut, wenn (.) das Leben bricht auch nicht weg. Also das ist jetzt noch sehr weit weg. Ich habe einen Kollegen, der macht jetzt gerade das Weiterbildungsjahr, hat jetzt dann einen Job als Weiterbildungsassistent in der Praxis und hat aber dann auch schon eine Praxis, die er dann übernehmen wird. Das heißt, bei dem ist es (.) sehr, sehr klar vorgezeichnet. Der ist auch 33, so kann ich es mir momentan nicht vorstellen. Wäre aber vielleicht anders, wenn ich jetzt Eltern, Bekannte hätten, die sagen 'Du, übernimm meine Praxis', dann wäre es vielleicht auch anders. Aber solange ich die freie Entscheidung habe, möchte ich das eher noch eher rausschieben" (IHAKSand(w), Z.154-167). [28]

Im Hinblick auf fragmentierte und prekäre Berufsbiografien, die nicht mehr auf die Sicherheit einer verbürgten Zukunft zurückgreifen können, sondern darauf zurückgeworfen werden, nicht nur Alles als mögliche Entscheidung zu behandeln, sondern sich diese Entscheidung immer auch als eigene Entscheidung zurechnen lassen zu müssen, sind Motive stets prekär. Diese Ärztin entscheidet sich deshalb gerade dafür, sich zunächst noch nicht zu entscheiden. Eine andere Ärztin spitzt diese Form der Erzählung auf das Motiv der Unsicherheit weiter zu:

"Also ich habe das Gefühl, dass, also generell habe ich das Gefühl, da habe ich mir auch in letzter Zeit viele Gedanken darüber gemacht, dass die Weiterbildungsassistenten für Allgemeinmedizin zunächst sehr unsicher sind und sich eigentlich erst rausbilden während der Klinik. Also nach (dem) Examen. Es gibt eigentlich vor dem Examen nur sehr wenige Kommilitonen, die sagen, ich will unbedingt Allgemeinmedizin machen. Und je weiter man fortschreitet in der Ausbildung jetzt, in der Weiterbildung, desto mehr kommen dann auf die Idee 'Allgemeinmedizin ist eigentlich auch nicht schlecht'. Also das habe ich jetzt von ganz vielen schon mitbekommen" (TELKMpenza(w), Z.178-186). [29]

Zum einen liefern beide Erzählungen gewissermaßen Meditationen, indem sie ihre Innenwelten vor einem Publikum ausbreiten und gerade ihre Gedanken und ihr "Gefühl" zum Thema der Erzählung machen. Zum anderen rechnen die beiden hier zitierten Ärztinnen damit, dass sich diese Gedanken und Gefühle permanent ändern können. Beide kalkulieren förmlich immer schon mit ein, dass biografische Entscheidungen auf Alternativen verweisen, sonst müsste man sich gar nicht entscheiden. Auf die Frage, worauf sie sich einmal beruflich festlegen wolle, setzt die Ärztin Sand mit einer Erzählung des Sich-noch-nicht-festlegen-Wollens und der Unsicherheit ein. "Sich Freiräume zu schaffen" erscheint auch der Ärztin Mpenza als Leitwert der Motivgeschichte. Die Erzählung wird dabei weder in die Vergangenheit verwiesen, wie im Bericht der "Söhne und Töchter", noch findet sie Halt in der Artikulation von Kritik, wie es die narrative Strategie der "modernen Kritiker_innen" war. Sie extrapoliert vielmehr die eigene Gegenwart immer wieder neu zu unterschiedlichen Versionen der Zukunft. Diese Reflexionsgeschichten kalkulieren stets unterschiedliche Möglichkeiten mit ein und betonen so die Beobachtbarkeit – und damit auch die Kontingenz – der eigenen Entscheidung, wodurch die Erzählung aber gerade erst in den Tritt kommt: Indem die Erzählung auf ihre eigene Unsicherheit reflektiert, also im Erzählen auf die Unmöglichkeit stößt, eine konsistente Geschichte erzählen zu können, spinnt sie sich gerade fort. Charakteristisch dafür ist ein Zustand des In-der-Schwebe-Seins, des "Dazwischen" und des Passagenstatus:

"Also das ist ein Thema, worüber ich mir die letzten Jahre den Kopf zerbreche, weil man wird nicht jünger und das Berufliche steht an, irgendwie die biologische Uhr tickt, ich habe ja auch keine richtige Lösung, außer, dass ich weiß, es muss irgendwie gehen. Also dann denke ich, ich denke ständig: Was mache ich jetzt? Die Weiterbildung fertig und dann ein Kind? Das ist auch wieder blöd, weil die Praxis gründen schwanger ist auch blöd und das ist blöd, also es ist eigentlich ..." (FGIK5(w), Z.539-544). [30]

Erzählungen wie diese finden sich viele. Und man bekommt schnell den Eindruck, dass darin nicht schlicht ein Leiden an Unentschlossenheit stilisiert wird, sondern sich das Motiv für/gegen die Niederlassung erst aus dieser Unentschlossenheit speist. In der folgenden Passage einer jungen Ärztin koppelt sich das Motiv der "zu frühen Entscheidung" noch einmal an die erlebte Differenz von eigener prekärer Lebensrealität und zugemuteter Entscheidungssicherheit:

"Ja, ich finde, dass diese frühen Entscheidungen, die einem da irgendwie abverlangt werden, dass die einfach nichts bringen. (.) [...] Weil es geht letztendlich auch völlig an der Lebensrealität der Leute (.) vorbei, weil einfach die Facharztausbildungszeit, also das Alter, in dem man da ist, ja einfach davon geprägt ist, dass sich da große Veränderungen, oder meistens große Veränderungen ergeben und ich kann mich einfach nicht mit 23 irgendwie festlegen, wo ich mit 30 bin, also ich denke, das ist einfach unrealistisch. Dann vielleicht nach 30 dann vielleicht wieder, aber gerade dieser Zeitraum zwischen 20 und 30 ist irgendwie nicht dafür geeignet, die Leute in starre Strukturen einzupferchen" (IHAKThon(w), Z.488-503). [31]

Als problematisch benennt diese Ärztin das Einpferchen in zu "starre Strukturen". Die ÄiW, die dem Typus der Unsicheren zugehören, entscheiden sich, Entscheidungen zunächst zu vertagen, ja noch hinauszuschieben. Sie nutzen dieses Zaudern eher als Ressource, um ihre Erzählungen zu plausibilisieren (VOGL 2008).

"Ja, das lief schon ein bisschen chaotisch, aber ich hatte schon 1 1/2 Jahre Innere Medizin gemacht in der Klinik, (.) damals noch in Gedanken, dass ich wahrscheinlich Internistin werden will, erst mal vom Facharzt her, vielleicht aber auch Allgemeinmedizin, es war so offen, war halt beides möglich" (TELNADraxler(m), Z.114-117). [32]

Diese "Unsicheren" liefern dann auch Erzählungen, die einerseits in ihrer Form selbst sehr prekär wirken und die andererseits diese Kontingenz der Erzählung stets noch betonen. Die im Interview als Reflexionserfahrungen dargebotenen inneren Monologe versehen jede Entscheidung mit einem Zeitindex, da sie stets wissen, dass bestimmte Phasen im Lebenslauf eben nur Phasen sind, die in andere Phasen münden. Im Hintergrund schwingt immer Unsicherheit mit. Immer lässt sich noch einmal zweifeln, noch einmal überlegen, was jetzt richtig wäre. In der hier zitierten Passage des Interviews spricht Herr Draxler als ein Erzähler, der alles Erzählte an seiner eigenen Innenwelt, an seinen Reflexionen und Erfahrungen abgleicht. Im Grunde ist dies das Gegenteil von Kritik. Die Referenz auf eine objektive Lebensrealität, die dann auch kritisierbar wäre, entfällt. Die "Unsicheren" betonen in ihren Meditationen gerade die Unbestimmtheit ihrer Erzählungen, um narrativ zu plausiblen und erzählbaren Sicherheiten zu kommen. [33]

4.4 Generationenportraits der "Authentischen": "Wir müssen hier nicht Florence Nightingale … sein"

In den Erzählungen der "Authentischen" finden sich viele Motive der "Unsicheren" wieder. Gerade Werte wie Selbstbestimmtheit, Freiheit und Flexibilität werden auch hier immer wieder thematisiert. Dennoch liefert der Blick auf die Form der Erzählung einen Hinweis, der eine Verschiebung innerhalb der narrativen Plausibilisierungsstrategie sichtbar werden lässt. Der Erzählmodus wechselt dabei von der Betonung individueller Unsicherheit zu einer Art Generationenportrait. Die Erzählung der folgenden Ärztin beginnt dann auch damit, dass sie die Andersheit der eigenen Erwartungen schildert:

"Wir müssen nicht hier Florence Nightingale, Albert Schweitzer und der Papst in einer Person sein, ganz sicher nicht. [...] Also, wenn ich so meine Biographie und (die) von jüngeren Kolleginnen sehe, wir sagen schon 'Wir sind eine neue Generation', die ich auch gar nicht verkehrt finde. Wir sagen schon, also ich will hier auch ganz klar ein Privatleben haben, (.) woran es scheitert ist aber, dass wir uns nicht durchsetzen. Also das (?) der Leute, wir haben hier ja auch 3 Töchter, die sind genauso. Ja, ich arbeite schon. Die bringen sich auch ein, die sind auch fleißig und die stellen sich auch nicht madig an, wenn mal Not an der Frau ist. Aber auf der anderen Seite sagen sie 'Moment, hallo? Ich will hier auch noch Party machen.' Und das ist aber eine vernünftige Einstellung. Also da ist der Job einfach nicht mehr das non plus ultra, sondern der ganz klare Wunsch, Freizeit und Familienreiz zu haben (.) und auch zu verteidigen" (TELNAKuzorra(w), Z.309-311, 318-327). [34]

Als Genre erfährt das Generationenportrait seit Jahren eine ungeheure Popularität (siehe z.B. ILLIES 2001). Auch wenn man dem grundlegenden Anspruch auf Diskontinuität und Differenz einer jeden Generationendiagnose aus sozialstrukturellen Gründen eher skeptisch gegenüberstehen sollte, so muss man doch deren Semantik ernst nehmen. Und gerade darauf kommt es an dieser Stelle an: Die Plausibilisierungsstrategien dieser Erzählungen funktionieren gerade über den Verweis auf die "Lebensrealität der Leute". Entscheidend ist, dass die Erzählung von Selbst- auf Fremdreferenz umstellt. Das Genre des Generationenportraits bezieht seine narrative Plausibilisierungsfunktion aus der semantischen Unbestimmtheit sich veränderter Erwartungshaltungen. Im Unterschied zu den "Unsicheren" wechselt die Erzählung jedoch hier von der Reflexion individueller Unsicherheit zur Reflexion einer kollektiven Erwartungshaltung und von der Betonung von Unsicherheit hin zur Betonung von Authentizität. Der Wunsch, "Freizeit und Familienreiz" zu vereinen, wird als "vernünftige Einstellung" beschrieben, aber nicht begründet. Im Unterschied zu den "modernen Kritiker_innen" muss er das auch nicht, da er in der Reflexion als authentischer Wunsch ausgewiesen wird, der sich selbst völlig plausibel ist. In diesem Sinne liefert diese Semantik eine Kulturalisierung des eigenen Motivs. Die kommunikative Funktion kultureller Motive liegt darin, Sprecher_innenpositionen zu erzeugen, deren Legitimität fraglos gegeben ist und die in ihrer Authentizität dann nicht mehr geleugnet werden kann (SAAKE & NASSEHI 2004). Derart lässt sich das Kontingenzerleben der eigenen Biografie über die Semantik der Generation narrativ in kollektiven Erfahrungsbezügen verankern. [35]

Die Generationenforschung hat früh darauf hingewiesen, dass die Konjunktur der Generationensemantik selbst eine Reaktion auf die Optionssteigerungen der Moderne und die damit einhergehende Selbstverunsicherung ist (BUDE 1995). Wo ehemals Nation und Klasse als Kollektivierungssemantiken relativ verlässlich bereit standen, verzeitlicht die Semantik der Generation den Sozialisierungsprozess. Derart nimmt sie die Selbstverunsicherung der Moderne selbst noch in ihre unbestimmte Form mit auf. Denn einerseits versieht diese Verzeitlichung jede Generation mit dem Index der Kontingenz – sie weiß also immer schon darum, dass Generationen auf andere Generationen folgen, die sich von diesen unterscheiden. Und andererseits stellt sie statt auf die Objektivität der Klassenlage oder die Chronologie der Kohorten vielmehr auf die Unbestimmtheit eines gemeinsam geteilten Erfahrungszusammenhangs ab, der sich eben nicht bemessen, sondern nur erfahren lässt. Interessanterweise bildet sich in den Erzählungen der "Authentischen" ein erstaunlich reflexives Wissen um diese Unbestimmtheiten der Semantik ab, indem sie stets das eigene "Beobachtetwerden mitbeobachten" (MÜLLER 2015, S.14) – und dieses Mitbeobachten dann noch kommunikativ ausstellen. Die folgende Erzählung einer Ärztin führt exakt dieses Wissen um kollektive Erwartungen und die Differenz der eigenen Erwartungen dazu vor:

"Und dann ist es natürlich schon so, (.) hier in der Stadt kann man eher das auch durchsetzen, und das machen die Kollegen auch so, dass man das Ganze ein bisschen begrenzt, (.) das heißt, klar kriegt ein Patient mal die Telefonnummer (.) oder man fährt mal am Samstag hin, aber es ist keine 7 Tage die Woche, 24-Stunden-Dienst. Und das ist, denke ich schon, auch ein Punkt, wenn man jetzt in eine kleine Gemeinde geht, wo man der einzige Arzt ist, ist (es) schon zum Teil noch (so), (.) dass die erwarten, dass man rund um die Uhr zur Verfügung steht und ehrlich gesagt, dazu bin ich nicht bereit. (.) Also ich weiß, ein Hausarzt ist das eher, aber ich denke, unsere Generation (.) hat sich da auch ein bisschen emanzipiert, dass sie sagen 'Okay, ich habe auch noch ein anderes Leben' und (.) das, denke ich, ist schon auch ein wichtiger Punkt" (Z, TELNAMatip(w), Z.176-185). [36]

Auch diese Erzählung beginnt damit, dass die Arbeitsanforderungen für Hausärzt_innen im ländlichen Kontext mit den Erwartungen einer neuen Generation von Ärzt_innen kollidieren. Der Webersche Persönlichkeitsheros des Etwas-um-der-Sache-selbst-Tun und die Totalidentifikation mit der Figur des bürgerlichen Professionellen erscheint dieser Ärztin als Motivmotor nicht plausibel. Unvorstellbar erscheint beiden Ärztinnen das Sauerbruchsche Familien-Setting, wo das Gebrechen der Patient_innen noch am Mittagstisch des Arztes ein Thema ist. ATZENI (2014) hat in diesem Zusammenhang gerade den Wandel ärztlicher Selbstbeschreibungen beschrieben, die heute aktiv professionelle Gewissheiten infrage stellen, um zu erzählbaren professionellen Sätzen über die eigene Arbeit zu kommen. Entscheidend ist dabei, wie der kommunikative Verweis auf ein "anderes Leben" funktioniert. Die Erzählung übt ja keine Kritik an bürgerlichen Professionalitätskriterien des Heros oder der Persönlichkeit, die im "24-Stunden-Dienst" ihren Patient_innen dient. Die Erzählung gewinnt ihr ordnendes Moment vielmehr, indem einfach die "Andersheit" der eigenen Erwartungen betont wird. Einerseits bleibt dieses Generationenportrait dann notwendigerweise unbestimmt. Andererseits entfaltet es über diese Unbestimmtheit auch einen Sog des Authentischen. Diese Authentizität wird in der folgenden Passage nochmals variiert. Statt auf generationsspezifische Erwartungshaltungen zu setzen, stabilisiert sich die Erzählung hier über den unbestimmten Verweis auf ein "Menschsein":

"Obwohl ich im Moment, so wie meine Lebenssituation jetzt ist und ich denke 'Okay, ich bin ein Mensch, der einfach auch flexibel bleiben möchte’, ich könnte im Moment, wenn ich jetzt sagen würde, morgen müsste ich mich entscheiden, ob ich mich niederlasse oder nicht, würde ich irgendwo angestellt arbeiten wollen, weil (.) ich glaube, alles andere bringt ja schon auch diesen Effekt mit, dass man sagt, man möchte gerne langzeitig eine Praxis aufbauen, das ist ja halt auch am Anfang wirtschaftlich gesehen eine Herausforderung und ich denke, das macht dann schon Sinn, dass man längerfristig an einem Standpunkt bleibt und da wäre ich im Moment einfach überhaupt noch nicht so weit. Wer weiß, wie das ist, wenn ich meine Facharzt habe, aber (.) im Moment ist das so, dass ich dieses Konzept, so wie es halt auch in meiner letzten Weiterbildungspraxis war, mich irgendwo anstellen zu lassen und dann (.) so zu arbeiten" (IHAP1Asamoah(w), Z.706-714). [37]

Eine weitere Ärztin stellt in ihrer Erzählung ebenso auf die Authentizität eines unbestimmten Menschseins ab:

"Ja, für mich wäre das jetzt gut. Ich bin auch ein Mensch, der gerne im Voraus plant und ich hätte einfach gerne auch den Respekt von der Wirtschaft, von der Politik, dass mir das auch transparent dargelegt wird" (FGIK4(w), Z.561-563). [38]

DIEDERICHSEN (2013) sieht in der Alltagsredewendung des "Ich bin ein Mensch, der ..." eine zentrale nachmoderne Semantik, der es gelingt, die Authentizität des "Ich" mit seiner eigenen Unbestimmtheit zu vereinen. Die Rede vom "Ich bin ein Mensch, der ..." definiere ein Potenzial, weniger eine Essenz, so DIEDERICHSEN (S.224). Gerade daraus generiert die Semantik einen zukünftigen Entscheidungsspielraum. Einerseits geht man auf Distanz zu sich. Man adressiert mit der Redewendung ja nicht die Innerlichkeit des Selbst, sondern beobachtet sich gewissermaßen dabei, so ein "Mensch zu sein, der gerne ...". Andererseits stellt diese Semantik aber auch kein ironisches Spiel mit den Brechungen der eigenen Biografie dar, indem es das Mitbeobachten des Sich-Beobachtens noch ausstellt. Mit der Semantik gewinnt man vielmehr wieder festen Boden unter den Füßen in einer Welt, in der das sprechende Ich schon um die Kontingenzen der Motiv- und Identitätsgenese weiß (S.223). Der Verweis auf das "Menschliche" generiert eine Art Authentizität, die kaum geleugnet werden kann. Und wenn dieser Mensch nun jemand ist, der einfach auch flexibel bleiben möchte oder nicht gerne plant, so fällt es sehr schwer, diesem Menschen in seiner Authentizität zu widersprechen. Widersprüche können hier nicht mehr kritisiert werden, sondern werden über das Menschsein integriert. In dieser Hinsicht lässt sich der Verweis auf die allgemeine Menschlichkeit als Version eines Generationenportraits lesen. [39]

5. Die Medialität des Forschungsprozesses

Wir haben damit begonnen, dass Modernität mit der Optionssteigerung von Erzählanlässen einhergeht. Im Hinblick auf die soziologische Beschreibung von Gesellschaft lassen sich also in den empirischen Erzählungen unserer Ärzt_innen einerseits Figuren der Ordnung finden, die sich entlang der kanonisierten Trias von traditionalen, modernen und postmodernen Gesellschaftsbegriffen aufreihen lassen. Andererseits lassen sich darin neue Semantiken studieren, die geradezu rekursiv auf Folgeprobleme der Moderne reagieren – und darin alte soziologische Selbstbeschreibungen der Moderne irritieren können. Damit soll nun gerade nicht nahe gelegt werden, dass das "postmoderne" Generationenportrait eine irgendwie avanciertere Geschichte wäre als beispielsweise die Berichte der traditionalen "Söhne und Töchter". Vielmehr rücken wir mit unserem Befund der Gleichzeitigkeit unterschiedlicher narrativer Selektionskulturen das diagnostische Potenzial einer "Gesellschaft der Gegenwarten" (NASSEHI 2011) in den Mittelpunkt. Diese etabliert unterschiedliche Kontexte des Sprechens und Erzählens, innerhalb derer unterschiedliche Selektionskulturen des Sagbaren nebeneinander existieren. Das hat den Vorteil, Gesellschaftstheorie reflexiv zu wenden und sich gerade für unterschiedliche gesellschaftliche Selbstbeschreibungen interessieren zu können – ohne dafür gleich den Begriff der modernen funktionalen Gesellschaft verabschieden zu müssen. [40]

In der Analyse der Interviews und Gruppendiskussionen konnten vier Typen kommunikativer Letztbegründungsfiguren unterschieden werden. Die Plausibilitätsstrukturen der Kommunikation bauen in den Erzählungen gleichzeitig auf Tradition ("Söhne & Töchter"), auf Kritik ("moderne Kritiker_innen"), auf Reflexivität ("Unsichere") und auf Authentizität ("Authentische"). Funktionalistisch betrachtet stellen alle Typen auf das Bezugsproblem ab, die Kontingenz einer zu erzählenden Geschichte zu domestizieren. [41]

Der eher traditionale Typus der "Söhne und Töchter" lässt sich einem phänomenologischen Begriff der "Lebenswelt" zuordnen (SCHÜTZ 1981 [1932]): Gesellschaft und Lebenswelt fallen hier letztlich in eins, ein Motiv muss sich nicht plausibilisieren, weil es in der Latenz unhinterfragter lebensweltlicher Gewissheiten stets verbürgt ist. So gibt es für die "Söhne und Töchter" letztlich auch nichts zu erzählen, sondern nur zu berichten. [42]

Die "modernen Kritiker_innen" bilden sich durch die Kommunikation konkreter Asymmetrie in eine Sprechkultur des Kritischen hinein. Der Selektionsmechanismus funktioniert stark in der Sozialdimension. Gerade ein moderner Gesellschaftsbegriff, der auf die vernünftige Integration sozialer Asymmetrien abstellt, lässt sich hier sichtbar machen (HABERMAS 1982). Aus der Artikulation von Kritik reift dann ein erzählbares Motiv. Dieser Reifeprozess wird als klassischer Bildungsroman erzählt, der die Innerlichkeit des erzählenden Ich gegen die Asymmetrien der Welt in Stellung bringt – und dadurch ironischerweise selbst erst zum modernen kritikfähigen Subjekt wird. [43]

Während dieses klassisch moderne Verfahren der Kontingenzdomestikation gerade darauf setzt, ein Motiv aus der Versöhnung mit sozialen Asymmetrien zu generieren, betonen die "Unsicheren", dass es ihnen darauf ankomme, sich mit ihren eigenen Erwartungen zu versöhnen. Ihre Erzählungen ruhen in sich, in ihren Reflexionen kreisen sie um ein unsicheres Motiv – und gewinnen gerade durch die reflexive Betonung von Kontingenz Sicherheit in ihrer Erzählung. An dieser Reflexivität lässt sich dann ein klassisch postmoderner Gesellschaftsbegriff festmachen, der auf die Unsicherheit einer "reflexiven Moderne" abstellt (BECK 1996). [44]

Im Unterschied zu den "Unsicheren", die ihre individuelle Erzählung darüber im Gang halten, dass sie in der individuellen Reflexion Kontingenz betonen, verweisen die "Authentischen" eher auf die unbestimmte Plausibilität eines "authentischen Anderen". Dieser Andere kann die Erwartungshaltung einer "Generation" oder die "Menschlichkeit" des eigenen Ich-Entwurfs sein. Die "Unsicheren" halten individuelle Unsicherheit aus, indem sie diese betonen. In den Erzählungen der "Authentischen" ist die Individualisierungsthese selbst wiederum in eine reflexive Phase eingetreten. Anstelle der Betonung von Reflexivität tritt hier die Betonung von Authentizität. Aus den Erzählungen der "Unsicheren" und der "Authentischen" lässt sich also viel über die soziologischen Erzählungen von Gesellschaft lernen: Hier wird die Kommunikation von Unbestimmtheit nicht zum Problem, sondern vielmehr als Ressource für die Erzählung genutzt (MÜLLER & V. GRODDECK 2013). Seit der von GAMM (1994) diagnostizierten "Positivierung des Unbestimmten" war es schon fast philosophischer Kanon, Unbestimmtheit nicht mehr nur pejorativ wahrzunehmen, sondern begrifflich-analytisch in allen Variationen durchzuspielen oder gar als Emanzipations- und Subversionsprogramm zu feiern: "Schwankungen, Unordnung, Unschärfe und Rauschen sind keine Niederlagen der Vernunft, sie sind es nicht mehr" (SERRES 1987, S.27f.). Dennoch: die soziologische Selbstbeschreibung der westlichen gesellschaftlichen Moderne kapriziert sich bis heute vor allem darauf, die empirische Unbestimmtheit ihrer eigenen Bestimmung stets als Krise zu reflektieren (BAUMAN 1992; BECK 1996; HABERMAS 1985; HONNETH 2001; LYOTARD 1986; RORTY 1989). In den Erzählungen der Ärzt_innen taucht Unbestimmtheit aber nun gar nicht als Problem oder ein Anlass zur Krise auf. [45]

Das Grundthema des Forschungsprogramms, das MÜLLER und V. GRODDECK (2013) entwerfen und deren Einsichten wir hier explizit aufgreifen, ist vielmehr die Frage danach, wie unbestimmte Kommunikationsformen selbst als Problemlösungsgeneratoren funktionieren und womöglich auch strategisch in Kommunikationsprozessen genutzt werden können. Sie betonen, dass es soziologisch keineswegs selbstverständlich ist, Unbestimmtheit gewissermaßen empirisch zu würdigen. In methodischer Konsequenz heißt das aber, den soziologischen Blick nicht nur für kommunikative Formen der "Kontingenzvernichtung" (NASSEHI & SAAKE 2002) offen zu halten, oder gar für mehr "Kontingenzfreudigkeit" (HIRSCHAUER & BERGMANN 2002) zu plädieren, sondern sich auch für die kommunikative "Funktion von Unbestimmtheit" selbst zu interessieren (MÜLLER & V. GRODDECK 2013, S.12). Diese kontingenztheoretisch tiefer gelegte Analyse bekommt dann selbst noch die Frage in den Blick, ob und wie der narrative Umgang mit Unbestimmtheit in den Erzählungen der Ärzte überhaupt zum Problem gerät. Man sieht dann, dass in den Erzählungen der "Unsicheren" Unbestimmtheit geradezu als narrativer Katalysator funktioniert. [46]

Beim Lesen unseres eigenen Aufsatzes stellte sich bei uns der Eindruck ein, man würde zwischen der Ebene des Textes und der Ebene der Welt springen, wenn sich die Erzählungen in der Analyse zu Typen verdichten, die dann scheinbar einen Alltag jenseits der Interviewsituation mitmeinen. Und das ist ja genau das Problem der bisweilen fast naiv gedachten Homologie-Annahme, die vehement darauf beharrt, in den Texten ihrer Interviewpartner_innen geradezu das Andere des Textes finden zu können. Wir haben hier das Argument vorgeschlagen, dass nicht nur Subjekte eine Lebenswelt haben, sondern gewissermaßen auch Erzählungen. Analytischer: Erzählungen müssen sich innerhalb eines bestimmten Mediums erzählen lassen, das die Plausibilitäten für ein bestimmtes Wie der Erzählung erzeugt. Die Interviewtexte führen vor, was das forschungspraktisch bedeutet: Erst im Erzählen entstehen Motive, die dann rückwirkend als solche benannt werden können. Und um diese Motive können sich dann in diesem Erzählen Subjekte mit ihren Lebenswelten kristallisieren. In den soziologischen Blick gerät dann aber gar nicht die Frage nach der Welthaftigkeit dieser Motive, sondern das Verschlingungsverhältnis zwischen forschendem Blick und erzählender Praxis – und damit die Medialität des Forschungsprozesses selbst. Die von uns geführten Interviews sind also Medien der narrativen Welterzeugung, die Räume für bestimmte Erzählbarkeiten eröffnen. Schon die Frage nach den Motiven der ÄiW schränkt den möglichen Antworthorizont ein. Diese Antworten können dann konsistent oder brüchig sein, sie können von sich oder von anderen erzählen, in die Zukunft weisen oder auf Vergangenes rekurrieren – entscheidend daran ist: Sie können nur erzählt – und das mag nun fast trivial klingen: aber eben nicht getanzt, gesungen oder gemalt werden. In der Analyse der Interviews wurden wir dann davon überrascht, wie sauber die Kontingenz dieser Erzählungen gewissermaßen in den Typen aufgeht und sich entlang etablierter soziologischer Gesellschaftsbegriffe aufschlüsseln lässt. Man könnte dies nun zum Anlass nehmen, methodologisch feiner zu arbeiten oder innerhalb der Typen genauer hinzusehen. Vielversprechender erschien es uns jedoch, diese Passgenauigkeit schon als Befund zu werten. Dabei geht es gerade nicht darum, wie KELLER (2014) kürzlich in seinen Fragen an die qualitative Sozialforschung formulierte, dass die Daten einem "postqualitativen Theorismus" heute wieder lediglich zur Illustration der Theorie dienten. Vielmehr sieht man, dass sich in der Konstruktion dieser Daten Gesellschaft operativ vollzieht. Womöglich kann man diese Geschichten eben einfach gar nicht anders erzählen, als so, wie sie eben erzählt wurden. Die Befragten stehen in den Interviews vor dem Problem, zu erzählbaren Sätzen zu kommen. Sie müssen es in der Situation leisten, dass die Kommunikation auf- und weitergeht. Dafür bietet eine Gesellschaft bestimmte Genres der Kontingenzdomestikation an. Die "Söhne und Töchter" legten dann Berichte vor, die "modernen Kritiker_innen" erzählten gewissermaßen Bildungsromane, die Unsicheren stellten ihre Reflexionen und Meditationen narrativ aus und die "Authentischen" lieferten eine Art Generationenportrait oder betonten die allgemeine Menschlichkeit ihres Ich-Entwurfs. Darin liegt schon der gesellschaftstheoretisch interessante Befund. In Anlehnung an McLUHANs medientheoretisches Diktum müsste man also etwas überspitzt formulieren: The research medium is the message (LIEGL & WAGNER 2014, S.241). Die Medialität des Interviews und der Kontext der Befragung produzieren jene Bedingungen mit, deren Sinn sie dann entfalten. Dabei können narrative Formen aktualisiert werden, die eine Gesellschaft dafür bereithält, wie sich ein Motiv als plausibles Motiv darstellen lässt. [47]

Abschließend lässt sich festhalten, dass man das alte Problem der Biografieforschung geradezu medientheoretisch verschärfen muss: Die radikale Beobachter_innenabhängigkeit alles Beobachteten gilt es im Forschungsprozess nicht als Mangel zu kurieren, sondern vielmehr zum Herzstück der Analyse zu machen. Derart lässt sich dann in den Blick nehmen, wie sich die Unbestimmtheitsrelation zwischen forschendem Blick und der Praxis der Akteur_innen empirisch immer wieder neu herstellt. Welche Selektivitätsspielräume ermöglichten Forschende sich und ihren Beforschten? Es geht mithin um eine performative Theorie des Beobachtens, die in den Interviews erst das erzeugt, was sie sieht. Dieser konstruktivistische Hinweis kann heute nicht mehr erstaunen. Erstaunlich ist jedoch, wie wenig die Soziologie das mediale Substrat ihrer Analysen reflektiert. Eine Soziologie, die die Erzählungen ihrer Informant_innen fast trotzig für Krücken hält, um zum Leben selbst durchzustoßen, kann von diesem medientheoretischen Hinweis womöglich profitieren. [48]

Anhang: Transkriptionsschlüssel5)

"(.)"

kurzes Absetzen bzw. kurze Pause

"(4)"

Anzahl der Sekunden einer längeren Pause

"Nein!"

besondere Betonung

"brau"

Abbruch des Wortes

"so=ne"

Wortverschleifung

Ja:::"

Dehnung von Lauten

"(doch)"

Unsicherheit bei der Transkription / schwer verständliche Äußerung

"( )"

unverständliche Äußerung

"@ja@"

lachend gesprochene Äußerung

"@(.)@"

kurzes Auflachen

Anmerkungen

1) Wir möchten an dieser Stelle dem Colloquium Sociologicum am Lehrstuhl Prof. Armin NASSEHI (LMU München) sowie und insbesondere Adrian RENNER (Yale) und Wolfgang HOTTNER (HU Berlin) für zahlreiche Hinweise, Anregungen und ihre produktive Kritik danken. <zurück>

2) Wobei natürlich auch besonders die ethnomethodologische und konversationsanalytische Forschung um die interaktive Erzeugung des Textes durch Sprecher_in und Hörer_in innerhalb der Interviewsituation weiß (HIRSCHAUER & BERGMANN 2002; siehe für einen Überblick DEPPERMANN 2013). <zurück>

3) Siehe den Anhang für eine Transkriptionslegende. <zurück>

4) Es handelt sich bei allen Namen und Orten im Text um Pseudonyme, beziehungsweise anonymisierte Orte. Der Kodierschlüssel setzt sich wie folgt zusammen: "IHA" (Einzelinterview "Hausarztstudie") oder "FKI" (Fokusgruppeninterview) / + "Bezeichnung des Weiterbildungsabschnitts" + "Pseudonym" + "Geschlecht" (m/w) + Zeilenangabe. Abkürzungen für Weiterbildungsabschnitte sind: K: Klinischer Abschnitt; P1: Praxis 1. Jahr; P2: Praxis 2. Jahr; NA: Nach Ablegen der Facharztprüfung. <zurück>

5) Nach PRZYBORSKI und WOHLRAB-SAHR (2009, S162f.). <zurück>

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Zu den Autoren

Niklas BARTH, Dipl.-Soz., ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Soziologie der Ludwig Maximilians Universität München (Prof. Armin NASSEHI) und am Lehrstuhl für Allgemeinmedizin der Technischen Universität München (Prof. Antonius SCHNEIDER).

Kontakt:

Dipl.-Soz. Niklas Barth

Technische Universität München
Institut für Allgemeinmedizin
Orleansstraße 47
81667 München

Tel.: +49 (0)171 677 3444
Fax: +49 (0)89 614 6589-15

E-Mail: niklas.barth@tum.de

 

Antonius SCHNEIDER, Univ. Prof., Dr. med, ist Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin der Technischen Universität München.

Kontakt:

Prof. Dr. med. Antonius Schneider

Technische Universität München
Institut für Allgemeinmedizin
Orleansstraße 47
81667 München

Tel.: +49 (0)89 614 6589-13
Fax: +49 (0)89 614 6589-15

E-Mail: antonius.schneider@tum.de

Zitation

Barth, Niklas & Schneider, Antonius (2016). Warum will Charles Bovary kein Hausarzt mehr sein? – zur Medialität von Interviews mit angehenden Allgemeinmediziner_innen [48 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 17(3), Art. 1,
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs160317.



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