Volume 8, No. 2, Art. 25 – Mai 2007

Die Geburt der (technischen) Netze aus den Vorstellungen von Subjektivität

Willy Viehöver

Review Essay:

Tanja Paulitz (2005). Netzsubjektivität/en. Konstruktionen von Vernetzung als Technologien des sozialen Selbst. Eine empirische Untersuchung in Modellprojekten der Informatik. Münster: Verlag Westfälisches Dampfboot, 322 Seiten, ISBN 3-89691-609-2, 29,90 EUR

Zusammenfassung: Tanja PAULITZ untersucht aus einer konstruktivistischen Mikroperspektive Technikentwicklungsprozesse im Feld der Vernetzungstechnologien. Das Kernthema der innovativen Studie ist die Bestimmung des Verhältnisses von (technischer) Vernetzung und Subjektivität. Vernetzung und Subjektivierung stehen dabei nicht in einem Verhältnis instrumenteller Nutzung, sondern in einer produktiven Wechselbeziehung. PAULITZ' Arbeit nimmt eine Herstellungsperspektive ein, die ihr Hauptaugenmerk einerseits auf die Frage nach der sozialen Konstruktion von Subjektivität im Internet und andererseits aber auch auf die Subjektivitätskonzepte richtet, die der Konstruktion des Netzes – und den darin inhärenten produktiven Machtwirkungen – zugrunde liegen. Die Pointe des Buches liegt in dem Versuch, Vernetzungstechnologien im Sinne FOUCAULTs als Technologien des Selbst zu begreifen.

Keywords: Netzwerke, Techniksoziologie, Diskurs, technische Vernetzung, Subjektivität, Technologien des Selbst

Inhaltsverzeichnis

1. Das Verhältnis von Netz-Technik und Subjektivität: Eine Frage der Macht!

2. Eine neue theoretische Perspektive auf "vernetzte" Subjektivitäten

2.1 Eine kurze Übersicht über die Studie

2.2 Vernetzungstechnologien als Technologien des Selbst

2.3 Eine ethnographische Fährtensuche im Reich der Techniksozialitäten: Der methodische Zugriff auf vernetzte und vernetzende Subjektivitäten

2.4 Ausgewählte Ergebnisse: Zur Sozialität technisch vernetzter Subjektivitäten

3. Fazit und kritische Würdigung

Anmerkungen

Literatur

Zum Autor

Zitation

 

1. Das Verhältnis von Netz-Technik und Subjektivität: Eine Frage der Macht!

Der Umstand, dass Tanja PAULITZ' Studie Netzsubjektivität/en in diesem Themenschwerpunkt von FQS besprochen wird, bedarf einer kurzen Begründung. Auf den ersten Blick untersucht die Autorin Technikentwicklungsprozesse im Feld der Vernetzungstechnologien aus einer konstruktivistischen Mikroperspektive (S.48-54)1). Dabei geht es PAULITZ allerdings explizit nicht darum, eine weitere Studie über die Chancen und Risiken der instrumentellen Nutzung des Internets hinzuzufügen (S.11-12). Das Kernthema ihrer Studie ist vielmehr eine Neubestimmung des Verhältnisses von (technischer) Vernetzung und Subjektivität. Vernetzung und Subjektivierung stehen in einer wechselseitigen produktiven Beziehung. PAULITZ nimmt dabei eine Herstellungsperspektive ein, die ihr Augenmerk sowohl auf die Frage nach der Konstruktion von Subjektivität im Internet als auch auf jene Subjektivitätskonzepte richtet, die der Konstruktion des Netzes zugrunde liegen (S.14). [1]

Der erkenntnisleitende theoretische Blick ihrer Arbeit geht demnach von der "Verwobenheit" technischer Konstruktionen einerseits und den Vorstellungen über Menschen2) andererseits aus (S.15). In einem Bereich der Technikentwicklung, der "vernetzte Subjekte mit ins Geschehen zieht" und funktional auf deren Netzwerkbildung angewiesen ist, möchte PAULITZ (S.17) einen Einblick in die epistemischen und materiellen Konstruktionen von Vernetzung bieten, in die "Maschinenhaftigkeit von sozialen Austauschprozessen" einerseits sowie in die "Rekonzeptualisierung des Maschinenhaften als Netz" andererseits (S.15). Insbesondere die Frage nach der bedeutsamen Rolle, welche gesellschaftliche Konzepte der Subjektivität bei der Konstruktion des Netzes spielen, hält PAULITZ bislang für unbeantwortet (S.14). [2]

Die Pointe des Ansatzes liegt nun aber darin, dass PAULITZ den konstruktivistischen Blick auf Vernetzungs- und Subjektivierungsprozesse mit der Machtperspektive FOUCAULTs zu verbinden beansprucht (S.16-19). Sie unternimmt diesen mutigen Versuch jedoch mit einer besonderen Ausrichtung des machttheoretischen Ansatzes, wodurch dieser über eine bloße Verknüpfung von Macht und konstruktionsleitendem Wissen hinausgetrieben wird.3) PAULITZ kritisiert vielmehr bereits in der Einleitung jene sozialwissenschaftlichen Studien, die die Bedeutung des Internets wesentlich unter dem Aspekt der repressiven und exklusiven Macht beleuchten (S.12). Nun legen FOUCAULTs Studien zu Machttechnologien (FOUCAULT 2005; LEMKE 2005) auf den ersten Blick ebenfalls eine Perspektive auf Vernetzungstechnologien nahe, die auf Disziplinierung oder Kontrolle abstellt (S.16). PAULITZ interessiert sich hingegen für das Konzept der Technologien des Selbst, das bei FOUCAULT nur ansatzweise ausgearbeitet worden ist und unter die er jene Technologien fasst,

"die es dem Einzelnen ermöglichen, aus eigener Kraft oder mit Hilfe anderer eine Reihe von Operationen an seinem Körper oder seiner Seele, seinem Denken, seinem Verhalten und seiner Existenzweise vorzunehmen, mit dem Ziel, sich so zu verändern, daß er einen gewissen Zustand des Glücks, der Reinheit, der Weisheit der Vollkommenheit oder der Unsterblichkeit erlangt" (FOUCAULT, MARTIN, MARTIN, PADEN, ROTHWELL, GUTMAN & HUTTON 1993, S.26; vgl. auch FOUCAULT 2005). [3]

Die eigentlich innovative Frage, der PAULITZ demnach nachgeht, ist also die nach der "in die Netze hineinkonstruierte[n] produktive[n] Macht, die sich [...] u.a. in den Vorstellungen von Subjektivität niederschlägt und die NetznutzerInnen adressiert [...]" (S.17), so etwa zur Herstellung eines Kooperationsbewusstseins der Nutzerinnen und Nutzer. Inwieweit werden in den Vernetzungsprozessen in produktiver Weise neue Technologien des Selbst wirksam und strukturieren auf machtvolle Weise Vernetzung ebenso wie die Genese von (aktiven) Netzsubjektivitäten? Dies ist in einer technisierten Welt, wie ich meine, eine spannende Frage und verdient in der Tat eingehendere sozialwissenschaftliche Aufmerksamkeit. [4]

2. Eine neue theoretische Perspektive auf "vernetzte" Subjektivitäten

2.1 Eine kurze Übersicht über die Studie

Schon in der Einleitung formuliert PAULITZ die These, dass Netz und Subjektivität in einem Verhältnis wechselseitiger Produktivität stehen. Dieses wechselseitige Verhältnis lässt sich, so die Autorin, am besten herausarbeiten, indem eine machttheoretische Perspektive eingenommen wird, die Machtverhältnisse nicht als repressiv oder exklusiv, sondern – im Sinne FOUCAULTs – als produktive Ermöglichungsverhältnisse sieht, in deren Zentrum Vernetzungstechnologien als Technologien des Selbst stehen. [5]

Die Einleitung des Buches, obwohl gehaltreich und anspruchsvoll, ist ein Parforceritt durch einige Bereiche der Organisationssoziologie, der Informatik, der Medienerziehung sowie der (sozial-) wissenschaftlichen Technik(-genese-)diskussion, die, vom Umstand abgesehen, dass sie wenig versierte Lesende leicht überfordern könnte, bereits viele Informationen enthält, die eigentlich schon wesentliche Ergebnisses der Studie darstellen. Dies gilt insbesondere eingedenk des Umstandes, dass die Autorin einen ethnographischen Zugang zum empirischen Feld wählt. Man hätte also erwarten können, dass sie ihre Untersuchung stärker theoriegenerierend angelegt hätte. So hingegen wirken die restlichen 300 Seiten nach der Lektüre der Einleitung oft eigentümlich überraschungslos. [6]

Ich kann den Lesenden daher empfehlen, mit dem 1. Kapitel in die Lektüre einzusteigen. Denn hier destabilisiert die Autorin auf verständliche Weise zunächst unser mögliches Vorverständnis der Begriffe Netz, Vernetzung und Subjektivität und führt uns anschließend zu den vernetzten Subjektivitäten, verstanden als "spezifische Problematisierungsform [...] der Sozialität von Subjektivität" (S.22). So entführt PAULITZ' Studie behutsam in die Welt der technischen Vernetzung,4) verstrickt auf kunstvolle Weise in den Netzen und Vernetzungsformen moderner (Internet-) Sozialitäten, führt in die techniksoziologische Perspektive ein und verbindet zwei interessante Fragen: die technische Frage der Konstruktion des Netzes mit jener nach der Konstruktion des Subjekts. In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage des Mensch-Maschine-Verhältnisses sowie jene nach der Problematik der Entgrenzung von Mensch und Maschine im Kontext technologischer Entwicklungen und Entwicklungsschübe gleichsam von selbst (S.42ff., siehe dazu auch die Seiten 154-167 und 231-246). Technisches und soziales Konstruieren müssen, so die interessante These, als einander überlagernde Prozesse verstanden werden. "Netze lassen sich eigentlich nicht nutzen – Vernetzung kann nur hergestellt werden" (S.268). [7]

Kapitel 2 führt in die beiden Fallbeispiele ein und erläutert kurz die empirische Vorgehensweise bei der Datenerhebung sowie das Verfahren der Datenanalyse. Bei den beiden analysierten Fallbeispielen, anhand derer die Fragestellung expliziert wird, handelt es sich um drittmittelgeförderte Projekte im Bereich der Konstruktion von Informations- und Kommunikationstechnologien (S.61-69). Die Autorin bevorzugt (zunächst) eine ethnographische Perspektive, die sie schrittweise durch die methodische Vorgehensweise der Grounded Theory Methodologie präzisiert. Die ethnographische Arbeit PAULITZ' (S.70) richtet sich auf die Rekonstruktion des Wissens, das sich in der informationstechnischen Vernetzung manifestiert und das sich als subjektivierendes Machtwissen verstehen lässt (S.15-19). Überdies geht es um die Vorstellungen, die Netzkonstrukteur(inn)e(n) davon haben, was Vernetzung heißt oder heißen soll und was vernetzte Menschen sind oder sein sollen. Eine Frucht dieser theoriegenerierenden und konzeptbildenden Arbeit der schrittweise vergleichenden Analyse sind fünf Vergleichsdimensionen: die erste Dimension verweist auf die Netzprogrammatik der Befragten, d.h. auf die Artikulation ihrer Zielvorstellungen; in der zweiten Dimension liegen die Netzmodelle, d.h. u.a. die spezifischeren Strukturmuster des jeweiligen Netzwissens. Netzmodelle umfassen aber auch die Problematisierung vorhandener Strukturmuster. In der dritten Dimension – der der Netzentwürfe – artikulieren sich die von den Akteur(inn)en anvisierten Problemlösungen. Dagegen geht es im Hinblick auf die vierte Dimension um die praktischen Verfahren der Herstellung von Vernetzung (Netzverfahren). In der fünften Dimension kommt schließlich die Grenzziehungsarbeit der Akteur(inn)e(n) zur Sprache, d.h. die Art und Weise, in der die jeweiligen Projektmitglieder zwischen virtuellen und nicht-virtuellen Formen der Vernetzung unterscheiden (Grenzziehungen). Diese fünf konzeptionellen Dimensionen (S.80-81) bilden in den beiden folgenden umfangreichen empirischen Kapiteln 3 und 4 ein empiriegestütztes Gerüst für die Darstellung der Ergebnisse der Fallstudien. Die einzelnen Unterkapitel folgen den genannten fünf Vergleichsdimensionen und schließen jeweils mit einem kurzen Fazit ab, was den eiligen Lesenden die Lektüre erleichtert. Kapitel 5 (S.247-263) bündelt, durch den Ausweis von Analogien und Unterschieden zwischen den beiden Fällen, den Erkenntniskern der Studie und verdient daher, trotz der auffälligen Kürze des Kapitels, einige Aufmerksamkeit. Kapitel 6 schließlich nimmt einige der in der Einleitung und im ersten Kapitel diskutierten theoretischen Fragen noch einmal auf und formuliert abschließende Forschungsdesiderate. Zum einen wird diskutiert, wie Vernetzung und Subjektivität in den epistemischen und konstruktiven Praxen aufeinander bezogen werden (S.264-268). Zum anderen wird die eingangs formulierte Frage der Macht (S.11, 15-19, 46-48, 268-270), durch die Vernetzung letztlich in eine Technologie des Selbst transformiert wird, erneut aufgegriffen. [8]

2.2 Vernetzungstechnologien als Technologien des Selbst

Das theoretische Ausgangsmotiv für PAULITZ' Studie scheint die eigentümlich eindeutige Stellung zu sein, welche die Faktoren Netz und Subjektivität in der bisherigen wissenschaftlichen Diskussion über Netzentwicklung und -nutzung gespielt haben. Dort werden zumeist entweder die Nutzung(s-Chancen) des Netzes durch Anwenderinnen und Anwender (Exklusion; ungleicher Zugang zu Medien) oder aber die positive oder negative Wirkung der Netztechnologien auf die Subjekte (Demokratisierung; Repression) untersucht (S.11). Was die Autorin problematisch findet, ist der Umstand, dass die Faktoren Netz/Vernetzung und Subjekt/Subjektivierung so konzipiert werden, als seien sie unabhängige Entitäten (S.40ff.). Dies hält PAULITZ berechtigterweise für problematisch. Die von PAULITZ dagegen in Anschlag gebrachte Herstellungsperspektive orientiert sich zunächst an einer netzwerktheoretischen Perspektive auf das Technische, das Subjektive und das Soziale (S.22-40). [9]

Gelungen und sehr verständlich ist das erste Kapitel des Buches, in dem PAULITZ die Lesenden für die unterschiedlichen Thematisierungsweisen und -möglichkeiten in populärer und sozialwissenschaftlich zeitdiagnostischer Hinsicht sensibilisiert und so die vermeintliche Evidenz der Größen Netz, Vernetzung und Subjektivität problematisiert (Kap. 1.1). Interessant ist auch die Diskussion der unterschiedlichen Arten und Weisen, in denen Netzwerke bei SIMMEL über MORENO und VON WIESE bis zu BARNES Gegenstand sozialwissenschaftlicher Analyse waren (S.29-34) sowie die Diskussion der aktuellen Verwendungsweisen des Begriffes Vernetzung in der aktuellen Netzwerkforschung. In dieser geht es nicht wie in der Netzwerkanalyse um latente Strukturen, vielmehr sind Netzwerke im Hinblick auf die praktische Herstellung nützlicher sozialer Beziehungen (Allianzen, Solidarnetzwerke und strategische Bündnisse) von Interesse (S.35). PAULITZ zeichnet nach, wie in den vergangenen Jahren soziale Netzwerke eine "ökonomische" Umdeutung erfahren haben (Vernetzung als Ressource). Gleichwohl funktioniert diese strategische Haltung nur, sofern man weiß, "was ein Netz jeweils ist und wie es zustande kommt" (S.37). Man muss, so PAULITZ, wissen, wie Vernetzung herzustellen ist und welches Selbstverständnis von Netz-Subjektivität darin eingeht. "Das herzustellende soziale Miteinander lässt sich folglich als Technologie der Vernetzung [...] interpretieren, das auf handlungsleitendem Wissen über das Soziale als Netzwerk basiert und sich hinsichtlich vernetzter Subjektivität als produktiv erweist" (S.37). Das Wissen von der "Existenz von Netzwerken" sowie den "Möglichkeiten ihrer Nutzung und Optimierung" (S.37) wird dann von PAULITZ in den Kontext informationstechnischer Netzwerke gestellt (S.37-40). [10]

Im Anschluss daran diskutiert die Autorin, nach kurzem Durchgang durch die aktuelle Literatur zu Technik und Subjektkonstruktion (S.40-48), die Verstehensformen der Subjektivität im Zusammenhang mit technischer Vernetzung und zwar auf der Ebene des konstruktionsleitenden Wissens einerseits und der Ebene des Orientierungswissens der Praxis der materiellen Herstellung andererseits. Eine konstruktivistische, oder sollte man besser sagen, Gestaltungs-Perspektive bietet sich aus der Sicht der Autorin schon deshalb an, weil bestehende Vorstellungen von Netz und Subjektivität problematisiert werden sollen. Eine solche Perspektive der sozialen Konstruktion von Technik hat, im Gegensatz zu den Ingenieurswissenschaften, in der die Konstruktionsaufgabe nach wie vor auf die technisch beste Lösung beschränkt bleibt (S.49), in den letzten Jahren in den Sozialwissenschaften zunehmend Gestalt angenommen (z.B. RAMMERT, NOWOTNY, SCHULTZ-SCHAEFFER, FELT, TASCHWER). Hier werden Konzepte vorgeschlagen, nach denen die Anforderung an eine Technik im kommunikativen Prozess mit den (potenziellen) Anwendern/Anwenderinnen entwickelt wird, wobei dieser Prozess der Technikgenese durchaus konflikthaft verlaufen kann. Insbesondere in lokalen Prozessen der Technikgenese werden das Technische und das Soziale aufeinander bezogen. PAULITZ schlägt aber überdies vor, nicht nur die in diesem Prozess entstehenden Produktentwicklungen im Blick zu halten, sondern auch die gleichzeitig sich verändernden oder entwickelnden Subjektivitätskonstruktionen sowie die Vorstellungen von sozialen Beziehungen, die die Konstrukteur(inn)e(n) haben. Zudem wird nicht (nur) das Wissen der Konstrukteur(inn)e(n), sondern es werden in pragmatistischer Perspektive, u.a. in Anlehnung an Bettina HEINTZ, deren Handeln bzw. Handlungssettings ins analytische Visier genommen (S.51-53). Damit hat PAULITZ schließlich ihr Untersuchungsfeld auf die (alltäglichen) lokalen Kulturen der Vernetzung und deren Praktiken eingegrenzt. Erwartet wird, dass in den materiellen Praktiken und der epistemischen Deutungsarbeit am Projekt Vernetzungstechnologien "auch vernetzte Subjektivität hervorgebracht wird" (S.53). [11]

Herstellung meint bei PAULITZ also nicht nur die kollektive Produktion eines technischen Artefaktes, zum Beispiel des Internets. Auch Subjektivität wird hergestellt, sie ist nicht schon per se verfügbar (S.40ff.). Netzwerktheoretische Ansätze legen eine theoretische Vorstellung vom Subjekt nahe, die dieses "von seinen sozialen Beziehungen her versteh- und entzifferbar" macht (S.34). Die Lesenden stoßen in der verwendeten netzwerkanalytischen Theoriesprache bereits auf jene Subjekt- und Subjektivitätsmetaphern wie beispielsweise "multidimensionaler und zugleich partialer Netzknoten" (S.34). Die Subjektivität von Akteur(inn)en wird u.a. als "Schnittpunkt vielfacher gesellschaftlich situierter Zugehörigkeiten und Verhältnisse ohne Zentrierung und Vereinheitlichung" beschrieben (S.20). Ähnliche symbolische Formen der Subjektivität begegnen den Lesenden später im empirischen Material wieder. Vergleichbares gilt auch für die Beschreibungen sozialer Beziehungen. Diese erscheinen als "komplexes, mehr-dimensionales, funktionales und kartographierbares Netzwerk" (S.34). Die Koordination der sozialen Beziehungen im Bereich der Internetentwicklung wird aus Prozessen der Vernetzung erklärt, wobei diese Koordination aber nicht aus den latenten Netzwerkstrukturen resultiert, sondern sich vielmehr erst aus strategischen Zusammenschlüssen und Bündnissen der Akteur(inn)e(n) ergibt, welche Vernetzung als Ressource umdeuten (S.34-37). Ein Netzwerk "erscheint als gestaltbare Gemeinschaft von LeistungsträgerInnen" (S.37). Diese kollektive strategische Handlungsorientierung setzt aber voraus, so PAULITZ, dass die Akteur(inn)e(n) normalisierte Vorstellungen über die Existenz von Netzwerken und über Möglichkeiten ihrer Instrumentalisierung und Optimierung haben (S.37). Diese theoretische Grundlegung erlaubt es der Autorin zufolge auch, das durch Prozesse der Vernetzung herzustellende "Miteinander" als "Technologie der Vernetzung" zu verstehen (S.37). Von da aus ist es dann nur noch ein kleiner Schritt zu fragen, welche "Thematisierungen der Netzwerkmetapher" (S.37) in dem neuen technischen Artefakt, das das Internet darstellt, zum Ausdruck kommen. Hier sind es die Konstrukteurinnen und Konstrukteure der spezifischen Internetprojekte, die die "Verstehensformen von Subjektivität" sowohl auf der Ebene des konstruktionsleitenden Wissens als auch in der Praxis materieller Herstellung nutzen – dort auf der Ebene pragmatischer Orientierungen (S.40). [12]

Bei der Analyse der netzbezogenen Praktiken der Herstellung geht es der Autorin insbesondere um den Ausweis der subjektiven Herstellungspraktiken der Vernetzung und der diese speisenden Vernetzungsvisionen (S.40ff.). Es geht ihr um mehr als nur den Verweis darauf, dass mehr oder weniger stabile Subjektivitäten durch Nutzung von Netzressourcen und Angeboten entstehen; aus Sicht der Autorin muss zugleich immer im Auge behalten werden, dass auch in die Herstellung des Netzes und seiner Dienste gesellschaftliche Vorstellungen von vernetzten Menschen und deren sozio-technischen und sozialen Lebensverhältnissen eingehen. Wir wissen nicht, so beklagt PAULITZ, welche Subjektivitätsvorstellungen Internetkonstrukteur(inn)e(n) anleiten, wie sie diese im Prozess der Herstellung reflektieren und über welche Netzverfahren sie diese Vorstellungen praktisch umsetzen. Ihre Ausgangsvermutung ist jedoch, dass im Zusammenhang mit der Ausweitung neuer Internettechnologien die moderne Konzeption von Subjektivität (erneut) unter Druck gerät und der Mensch in Auseinandersetzung und in Abgrenzung zu den Maschinen zur aktiven Deutungsarbeit gezwungen ist, die schließlich nicht nur Vorstellungen des menschlichen Denkapparates, sondern auch "die Verstehensformen der Gesellschaftlichkeit von Subjektivität" affiziert (S.45).5) Deshalb ist für PAULITZ' Herstellungsperspektive das Wissen über das sozial auf andere bezogene Selbst von besonderem Interesse (S.17). [13]

Während die Einnahme einer Herstellungsperspektive (S.12), aus der die Genese von Vernetzungs- und Subjektivierungsprozessen auf eine für die Techniksoziologie recht neue Weise betrachtet werden kann (S.13-15; 47ff.), sehr einleuchtend ist, ist das zweite zentrale theoretische Anliegen, wonach das oft in Anschlag gebrachte Modell repressiver Macht (der Medien) durch eine produktive Machtperspektive im Feld der Vernetzungstechnologien substituiert werden soll, schwieriger zu verstehen (S.15-19). PAULITZ besteht zunächst darauf, Technik wohl als Teil diskursiver Verhältnisse, aber nicht als Folge von Diskursen betrachten zu wollen (S.16). Entscheidend sei aber, und dies sei eine Leerstelle der diskurstheoretischen Technikforschung, dass die produktive Macht erkannt werden müsse, die (etwa in Form von Subjektivitätsvorstellungen) in die Netzentwicklung hineinkonstruiert und an die potenziellen, "virtuellen" Nutzer(innen) adressiert werde. [14]

In Absetzung von den Subjektkonstruktionen, wie sie zumeist in der aktuellen Technikforschung mitlaufen, zeigt PAULITZ dann, dass die Entwicklung von Subjektivität sinnvollerweise als "ambivalentes Projekt" zu verstehen und in den Rahmen produktiver Machbeziehungen zu stellen ist (S.42). So haben Forschungen über neoliberale Steuerungsverfahren gezeigt, dass sich subjektbezogene Attribute wie Eigenständigkeit, Kreativität, Reflexivität oder Improvisation als gewinnversprechende Humanressourcen deuten und instrumentalisieren lassen. Diese Deutungen erklären, warum es aus PAULITZ' Sicht Sinn macht, die FOUCAULTsche Machtperspektive aufzugreifen und mit der mikrotheoretischen Herstellungsperspektive zu verbinden. Wenn sich nämlich zeigen ließe, dass solche subjektbezogenen Attribute über die Vorstellungen und Praktiken der Netzkonstrukteur(inn)e(n) in die konkreten Vernetzungsprojekte einfließen und diese wiederum auf die Vorstellungen von Subjektivität zurückwirkten, so ließen sich die diesbezüglichen Vernetzungstechnologien berechtigterweise als Technologien des Selbst im Sinne FOUCAULTs bezeichnen (S.47). [15]

Für die mit FOUCAULT vertrauten Lesenden ist es entsprechend leicht zu akzeptieren, dass sich im Reich der Netzsubjektivitäten Technologien der Vernetzung als Technologien des Selbst (FOUCAULT 2005) verstehen lassen. Was der genaue Charakter der Technologien des Selbst ist, bleibt jedoch unklar. Man erfährt auf PAULITZ' ethnographischer Reise ins Reich der Netzsubjektivitäten, dass jene Kategorien, mit denen technologische Entwicklungen in den beiden Vernetzungsprojekten beschrieben werden, die gleichen sind, die auch Subjektivitätsdeutungen zugrunde liegen (S.20, 266). Der Link, so lernt man schon eingangs, ist "zum universalen Symbol und Mechanismus der sozialen Beziehung" und das "Computernetz" zur "Sozialmaschine" geworden, Subjektivität schließlich "erscheint als Schnittpunkt vielfacher gesellschaftlich situierter Zugehörigkeiten und Verhältnisse ohne Zentrierung und Vereinheitlichung" – daher versteht sich auch der Plural der Titels "Netzsubjektivität/en" (S.20, 266). [16]

Wenn man solche metaphorischen Zuschreibungen, die schon die Theoriesprache mit imprägnieren, liest, dann stellt sich nicht nur die Frage, von welchen Technologien die Autorin gerade spricht – sind dies nicht eher Technologien von Zeichensystemen? –, sondern wünschenswert wäre zugleich eine genauere Bestimmung des Begriffes der Technologie des Selbst im Verhältnis zu anderen von FOUCAULT (2005) zur Analyse von Machtbeziehungen nominierten Technologien. In jedem Falle wäre hier eine Referenz auf FOUCAULTs komplementäre Begrifflichkeit der "Technologie der Zeichensysteme" notwendig gewesen, denn sie sind es, so FOUCAULT et al. (1993, S.26), die es erlauben, mit Symbolen, Zeichen, Sinn und Bedeutung umzugehen. Als Lesender habe ich mich daher gefragt, wie genau diese Technologien von Zeichensystemen mit den Selbsttechnologien verknüpft werden? [17]

Sicherlich ist es richtig zu vermuten, dass in den Vernetzungstechnologien Deutungen des sozial bezogenen Menschen verarbeitet werden und darin Netzsubjektivität mitkonstruiert wird (S.47). Aber wenn das Internet ein Subjektivierungsmodus ist und Vernetzung eine Technik der Individuierung, so ist damit noch nicht geklärt, ob es sich nun um Technologien der Macht (eine Technologie, die "das Verhalten von Individuen" prägt und es "Zwecken oder einer Herrschaft" unterwirft; siehe FOUCAULT et al. 1993, S.26) handelt oder um Selbsttechnologien? Oder sind letztere nur eine Subkategorie der ersteren? Gerade wenn man – wie es PAULITZ unternimmt – in diesem Zusammenhang den Aspekt der Arbeit am Selbst von "Herrschaftstechnologien" absetzen will (S.47), sollte die empirische Beschreibung des "Links" als einem universalen Symbol und Mechanismus sozialer Beziehungen doch kritischer kommentiert werden, denn sonst lässt sich die Verwendung solcher und anderer Begrifflichkeiten kaum widerspruchslos als Erweiterung der Vorstellungen von Subjektivität (in der Techniksoziologie) verkaufen; sie fördert eher die Gefahr einer machtvollen trivialisierenden Reduktion von Subjektivität.6) Es hätte, wenn der Begriff der Technologien des Selbst so zentral gestellt wird, weiterhin geklärt werden müssen, ob die Arbeit am Selbst im Netz nur eine neue Form der "Selbst-Vermachtung" (im Sinne einer freiwilligen "Unterwerfung" als Adaption von Selbsttechniken)ist, die das Individuum in der Illusion lässt, es sorge sich um das eigene Selbst, oder aber eine Form oder Ermöglichung der Selbstbefreiung aus Herrschaftsverhältnissen. Für beide Varianten gibt es im Text Hinweise, aber für die Angemessenheit der einen oder anderen Interpretation werden von PAULITZ keine Kriterien angegeben. Der Begriff bleibt, was angesichts des mutigen Versuchs schade ist, so ambivalent wie bei FOUCAULT selbst. Erlauben es Vernetzungstechnologien dem sich vernetzenden Subjekt durch bestimmte Operationen an "Körper" und "Seele" sich selbst so zu transformieren, dass es einen Zustand von Vollkommenheit, Glück Reinheit oder gar übernatürlicher Kraft erlangen kann? – Mich überzeugt schon die morgendliche Lektüre von E-Mails eher vom Gegenteil. [18]

Trotz der Schwächen bezüglich einer wünschbaren weitergehenden Klärung des Begriffs der Selbsttechnologien machen die theoretischen Kritiken und Ausführungen neugierig auf einen genaueren Blick in das argumentative Innenleben, um zu erfahren, wie genau sich in den untersuchten Projekten die produktive Macht der Vernetzungstechnologien als Selbsttechnologien in den Vorstellungen von Subjektivität niederschlägt (S.17, 266ff.). Im Folgenden werde ich dabei zunächst auf den methodischen Zugriff zu sprechen kommen, anschließend einige Ergebnisse der Studie zusammenfassen, um abschließend eine Bewertung vorzunehmen. [19]

2.3 Eine ethnographische Fährtensuche im Reich der Techniksozialitäten: Der methodische Zugriff auf vernetzte und vernetzende Subjektivitäten

PAULITZ wählt als empirisches Feld Herstellungskontexte von Vernetzungstechnologien (zwei lokale Projekte), in denen die Grenzen zwischen Alltags- und wissenschaftlichem Wissen fließend sind. Methodologisch bietet sich für die Analyse von Mikropraktiken der Vernetzung, so die Autorin, die Grounded Theory Methodologie als theoriegenerierendes Verfahren an7). Die forschungsrelevanten empirischen Daten sind u.a. durch teilnehmende Online-Beobachtung (S.71-72), im Wesentlichen aber durch semi-strukturierte Einzelinterviews mit aktiv an der technischen Entwicklung beteiligten Personen erhoben worden (S.72-75). Die Wissensbestände von Einzelpersonen werden dabei in pragmatistischer Perspektive als Teil "umfassenderer Wissensordnungen" verstanden (S.57), wobei zudem angenommen wird, dass die Akteur(inn)e(n) in den Herstellungspraktiken der Vernetzung gegebenen kollektiven Wissensbeständen nicht ausgeliefert sind, sondern in eben diesen lokalen Praktiken auf sie reagieren, sie reinterpretieren und lösungsbezogen neu zusammenfügen – DEWEY lässt grüßen! Ausgestattet mit einem ethnographischen Brevier (und einer Anleitung zur methodischen Befremdung des Vertrauten) führt die Autorin Lesende sodann in die "kuriose" Welt der Konstruktion von Netztechnologien (S.57ff.). Weil sich PAULITZ für Vernetzung als Organisationsform vernetzter sozialer Beziehungen interessiert (Kapitel 1.1.3), ist es fast zwangsläufig, dass die ethnographische Reise in Projekte führen muss, in denen Kooperation zwischen Produzierenden und "virtuellen" Nutzern und Nutzerinnen groß geschrieben wird, ja werden muss (S.61-62). Es handelt sich um zwei universitäre drittmittelgeförderte Projekte im Bereich des E-Learning bzw. der computergestützten kooperativen Arbeit im medienindustriellen Bereich. Die erste Fallstudie untersucht das Projekt Die virtuelle internationale Frauenuniversität – Communities bilden, Strukturen für Wissen anbieten (Vifu). Mithilfe informationstechnischer Medien sollte das Projekt die Vorbereitung, Begleitung und Fortführung der internationalen Frauenuniversität unterstützen (Aufbau eines Internetservers mit zahlreichen Angeboten). Das zweite Modellprojekt Der virtuelle Druck- und Medienverbund – IuK-Technologie im Dienste unternehmensübergreifender Kooperation (VDM) ist im Feld des E-Commerce lokalisiert und versammelt Akteur(inn)e(n) aus dem Bereich der Forschung, der betrieblichen Praxis und der Interessenvertretungen. Durch dieses Projekt sollte kleinen und mittleren Unternehmen der Druck- und Medienbranche der Einstieg in den E-Commerce erleichtert werden. PAULITZ konzentriert ihre Untersuchung auf ein Teilprojekt des VDM, bei dem via Internet neue Kooperationsformen verbreitet und entfaltet werden sollten (Entwicklung einer netzbasierten Kooperationsplattform). Für das Gelingen beider Projekte, dies wird den Lesenden sofort klar, war auch die Motivierung zur Kooperation entscheidend. Nicht ganz unproblematisch ist aber, insbesondere unter dem machttheoretischen Aspekt der Arbeit am Selbst (S.47), der Umstand, dass PAULITZ (S.70) lediglich die Äußerungen von Netzkonstrukteurinnen und -konstrukteuren in den Blick nimmt; dadurch ist sie gezwungen, auch die Reaktionen der Nutzerinnen und Nutzer nur "durch die Brille der KonstrukteurInnen" zu betrachten (S.70). [20]

Ich persönlich halte diese forschungsstrategische Einschränkung für recht unglücklich, nimmt sie sowohl der interaktionischen Perspektive ebenso wie dem im Programm der Grounded Theory Methodologie angelegten Forschungsstil als auch der produktiven machttheoretischen Perspektive (S.47) die eigentliche Pointe. Es wäre doch gerade interessant gewesen zu wissen, ob und wie die Subjektivitäts- und Netzvorstellungen von Konstrukteur(inn)en und den in die Projekte eingebundenen Nutzenden (und Interessensvertreter[inne]n) divergieren, und wie und in welcher Weise auch die Vorstellungen der Nutzenden zumindest in Modellprojekten in der Lage sind, Einfluss auf die Gestaltung von Vernetzungsmodellen und -verfahren zu nehmen. PAULITZ konzentriert sich hingegen auf die Problematisierung und Begründung von konstruktiven Lösungen im Prozess der Herstellung von Vernetzungen sowie auf die Reflexion erreichter und nicht erreichter Ziele. Hinzu kommen auch jene Vorstellungen der Konstrukteure und Konstrukteurinnen, die über den Projektrahmen hinausweisen (Pläne, Ziele, Vorhaben) (S.70). [21]

Die durch teilnehmende Beobachtung (online) und durch leitfadengestützte mündliche Befragung der Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter (in Einzel- und Gruppeninterviews) erhobenen Daten zielen auf die Erschließung der subjektiven Dimension des Expert(inn)enwissens, welches wiederum den Ausgangspunkt für die Theoriegenerierung im Sinne der Grounded Theory Methodologie bildet (S.73). PAULITZ ist darum bemüht, nicht nur das technische Erfahrungswissen in Vernetzungsfragen zu erheben, sondern auch die Deutungsmuster der Expertinnen und Experten über das Soziale, sowie die Art und Weise, wie diese im Projekt praxisrelevant gemacht werden (S.70). Dort, wo Lesende erwarten könnten, dass nun genauer erläutert wird, wie mit den erhobenen Daten umgegangen wurde, um sie im Sinne der Fragestellung auszuwerten, wartet die Autorin mit einigen methodologischen Überraschungen auf.8) [22]

Die Autorin scheint zu merken, dass eine Analyse von kollektiven Wissensordnungen nur bedingt mit der Rekonstruktion der subjektiven Dimension des Expert(inn)enwissens zurechtkommt. PAULITZ reagiert einerseits damit, dass sie das Programm der Grounded Theory Methodologie um FOUCAULTsche diskursanalytische Elemente "erweitert" und diese auf lokale epistemische Verhältnisse (S.77) anwendet. Dies scheint mir durchaus plausibel, kommt aber recht unvermittelt daher und wird ohne hinreichende Diskussion eingeführt (S.76-77). Andererseits ist die Autorin gezwungen, die sie interessierenden "Orientierungsmuster" im Spannungsfeld von subjektiver Artikulation und kollektivem Erzählgut der Projektgruppe zu reflektieren (Kapitel 2.4.2). Deshalb entscheidet sich PAULITZ dafür, wissenssoziologische Konzepte aufzugreifen und die kollektive Diskurs- und Handlungspraxis in den Projektgruppen – im Anschluss an MANNHEIM – als konjunktive Erfahrungsräume zu fassen, in denen, in der konstruktiven Praxis, Wissen generiert und reflektiert wird (S.78). Über die Form der Erzählung wird in den konjunktiven Erfahrungsräumen mehr oder weniger einheitliches bzw. gemeinsames Orientierungswissen erzeugt. Gleichwohl habe ich mich dann bei der Lektüre gelegentlich gefragt, warum die Autorin nicht gleich auf das Verfahren der Gruppendiskussion zurückgegriffen hat, das zudem bei einer pragmatistischen Perspektive auch methodologisch nahegelegen hätte.9) [23]

2.4 Ausgewählte Ergebnisse: Zur Sozialität technisch vernetzter Subjektivitäten

Ich greife im Folgenden, wie ich vorausschicken muss, nur selektiv einige Ergebnisse heraus, andere müssen, obwohl ebenfalls diskussionswürdig, hier unerwähnt bleiben. Bei der Darstellung der Fallstudien orientiert sich PAULITZ entlang der im Kodierprozess gewonnenen fünf zentralen Dimensionen. Zunächst wird jeweils die Netzprogrammatik der Projekte dargestellt. Die Netzakteur(inn)e(n) geben mithin eine Antwort auf die Frage, wie sie Vernetzung verstehen und welche Leistungen und Grenzen der Vernetzung in ihrem Erwartungshorizont verortet sind. Wie zu erwarten, umfasst das Projekt der virtuellen Frauenuniversität eine gesellschaftspolitische Dimension. Somit wird eine scharfe Trennung von Lernenden und Lehrenden preisgegeben. Die Lernenden selbst erscheinen als aktiv kooperierende "Subjekte der Wissensbildung" (S.91), während Wissen als unabgeschlossenes Projekt verstanden wird, wobei das Internet aus der Sicht der Konstrukteurinnen erlaubt, die raumzeitlichen Grenzen des Wissens zu überwinden. [24]

In dem im Bereich der lokalen Wirtschaft anzusiedelnden VDM-Projekt wird Vernetzung wesentlich unter dem Aspekt der Rationalisierung der Unternehmensbeziehungen verstanden. Rationalisierung wird in diesem Zusammenhang zum einen als durch effizientere Kommunikation und zum anderen durch Verbesserung des Informationsmanagements erreichbares Ziel verstanden. Die Netzprogrammatik zielt auf eine Verbesserung des Informationsmanagements durch einen gemeinsam und prozessual gestalteten, virtuellen Arbeitsbereich (virtuelle Kooperationsplattform) (S.176). Programmatisch gesehen ermöglicht Vernetzung in beiden Projekten die Option raum-zeitlicher Entgrenzung und erlaubt zugleich die Überwindung organisatorischer, kommunikativer und individueller Grenzen (Kooperation als Vernetzung). [25]

Im Modell der Virtuellen Internationalen Frauenuniversität erscheint das informationstechnische Netz als durch und durch soziales Phänomen. Die Zielgruppe wird zwar grundsätzlich als technikinteressiert, aber als heterogen im Hinblick auf Interessen und Kompetenzen der Nutzerinnen konzipiert (S.100ff.). Parallelen zu einer derartigen "Sozialisierung" des Technischen finden sich auch in der zweiten Fallstudie. Das VDM-Projekt orientiert sich an vernetzten Computern (Netzwerkfähigkeit) und kooperierenden Klein- und mittelständischen Unternehmen als den zentralen Wissensobjekten bei der vernetzungsbezogenen Modellbildung. Die Entwicklung von Netzwerkfähigkeit erhält im Projekt-Modell gleichsam den Charakter einer Erziehung, die die inhärenten "sozialen Potenziale" der Technik fördern soll. Auffallend ist auch, dass in beiden Projekten die eingangs von den Konstrukteurinnen und Konstrukteuren als Problem empfundene Heterogenität nun von den Nutzerinnen und Nutzern als produktiv bewertet wird; teilweise wird sogar eine aktive Heterogenisierung der Nutzenden anvisiert. [26]

Ebenso interessant finde ich die von der Autorin zusammengetragenen Ergebnisse der Netzentwürfe, also jene Lösungsvorschläge und Prototypen, die die Konstrukteur(inn)e(n) auf der Basis ihres Wissen für plausibel erachten. In den Deutungen der Netztechnikkonstrukteur(inn)e(n) scheinen sowohl die Grenzen des Technischen und der Subjektivität als auch jene von Netztechnik und Interaktion zu verschwimmen. Das Vifu-Projekt entwickelt ein Wunschbild eines multidimensionalen Servers mit "Ecken und Nischen", der verschiedene Anwendungsmöglichkeiten und -weisen erlaubt (S.124-126). Die Entwurfsstrategie der Projektmitglieder setzt auf die doppelte Strategie einer "Interaktivierung des Web und die Webisierung der Interaktion" (S.126). Dies hat, so PAULITZ' doppeltes Argument, auch Konsequenzen für die Konstruktionen der Subjektivität, welche die Akteurinnen und Akteure haben: "Die Netzentwürfe konzipieren somit einerseits Subjektivität als komplexen Knoten in einem Beziehungsnetzwerk. Insbesondere die Form der Selbstdarstellung in der Expertinnen-Datenbank kann exemplarisch als Technologie verstanden werden, die Subjektivität als Schnittpunkt mehrerer Zusammenschlüsse und Verortungen [...] hervorbringt." (S.126) [27]

Andererseits, so die Autorin, lösen die "offenen Möglichkeiten [...] einzelne Repräsentationen, Zugehörigkeiten, Wissensaspekte oder auch Dimensionen von Akteurinnen in unterschiedlichen Konstellation miteinander zu verbinden [...] Subjektivität auf" (S.126). [28]

Nachdem Lesende einiges über die im Virtuellen sich kondensierenden und verstreuenden Subjekte der Frauenuniversität gehört haben (S.120ff.), ist im Vergleichsprojekt der klein- und mittelständischen Unternehmen zu erfahren, dass der "Hyperlink [...] gleichermaßen für menschliche Kontaktaufnahmen, wie für Bezüge zwischen Dateien und ihren pluralisierten Informationen" (S.208) steht. Hier wird in einem Entwurf, der das Web als Vorlage für die Organisation der Kommunikationsplattform nimmt (S.199ff.), von den Konstrukteur(inn)en vorgeschlagen, "Interaktionen heterogener AkteurInnen in Anlehnung an das Hypertextverfahren des Web nach einem allgemeinen Prinzip der 'Knoten und Kanten' " zu strukturieren.

"Konkret gehört dazu zum einen, die Knoten, d.h. Bezeichnungen von Datenobjekten und AkteurInnen, als mehrdimensional zu entwerfen. Jeder Knoten kann auf mehrfache Weise im Raum repräsentiert sein. Der Pluralität solcher Dimensionen, die ein Knoten aufweist, entspricht zum anderen die Betonung der Ausschnitthaftigkeit einer jeden Repräsentation. Sie ist abhängig von der Perspektive, aus der ein Knoten betrachtet wird. Eine solche Perspektive gilt den KonstrukteurInnen nicht als beliebige Sicht, sondern als in den jeweiligen Arbeitskontexten der Kooperierenden verankert. Jeder pluralisierte Knoten ist folglich über verschiedene, multiperspektivische Kanten mit anderen verbunden. Kanten verbinden ihrerseits immer nur ausschnitthafte Aspekte der Knoten miteinander." (S.208) [29]

Manchmal habe ich mir bei der Lektüre gewünscht, die Autorin hätte trotz des für die dichte Beschreibung notwendigen Rückgriffs auf die technische Sprache der Konstrukteur(inn)e(n) sprachlich etwas mehr ironische Distanz zu deren "Slang" gewonnen. Die von ihnen verwendete Sprache hätte dabei genügend Ansatzpunkte geboten, in ihr machtvolle Technologien von Zeichensystemen zu sehen, die die Wirkung von Vernetzungstechnologien als Selbsttechnologien noch verstärken. PAULITZ scheint diese Sprache hingegen ziemlich unkritisch zu adaptieren. [30]

In der vierten Dimension kommen die Netzverfahren zur Sprache, also die Praktiken der Herstellung von Vernetzung. Für das auf die klein- und mittelständischen Medienunternehmen bezogene VDM-Projekt ging es dabei im Wesentlichen um die Entwicklung der Kompetenzen, die es den (Pilot-) Anwender(inne)n erlauben, die Internetkooperationsplattform als virtuellen Arbeitsraum zu definieren, diesen zu nutzen und weiterzuentwickeln. In diesem Projekt ist neben der technischen Gestaltungsebene10) und der Ebene der technischen Qualifizierung der Anwender und Anwenderinnen11) insbesondere diejenige Ebene von zentraler Bedeutung, die von der Autorin als Ebene der "Ko-Konstruktion" bezeichnet wird. Dabei handelt es sich um "soziale" Kompetenzen, dazu gehören u.a. die Fähigkeit zum sozialen Zusammenschluss, Fähigkeiten, die ein kooperatives Verhältnis zum virtuellen Arbeitsraum ermöglichen sowie jene, die die Entwicklung oder Generierung eines reflexiven Verhältnisses zu den eigenen Kooperationsweisen erlauben (S.209-231). Im Falle der Herstellung und Nutzung des Servers der Internationalen Frauenuniversität werden diese drei Ebenen zur Generierung von Vernetzung ebenfalls miteinander verbunden (S.127-154). Auch hier ist die Ebene der Ko-Konstruktion augenscheinlich zentral, weil es das erklärte Anliegen der Konstrukteurinnen ist, "die permanente Vernetzungsaktivität bei den Nutzerinnen anzuregen" (S.127) und sie so erst zu Ko-Konstrukteurinnen zu machen. Statt permanenter Revolution, wie es einmal ein rebellischer Slogan forderte, wird hier auf die fortwährende Praxis virtueller Kooperation und Herstellung von Vernetzung im globalen dezentralisierten Raum gesetzt. Damit sich die "Modellbürgerinnen des Internets" in ihrer virtuellen Welt auch heimisch einrichten, werden zwar auch hier partizipative Software, Anwendungsentwicklung und Qualifizierung der Nutzerinnen großgeschrieben, entscheidend ist aber im Vifu-Projekt eine ko-konstruktive Praxis, die das Besondere jeder Nutzerin (S.154) zur Entfaltung bringen soll. Hier weht ein wenig Geist der Aufklärung in den Internetwelten der global zu vernetzender "Menschinnen".

"Nicht ein gemeinsames Produkt, auch nicht ein mehr oder weniger gemeinsamer Wissensfundus, sondern ein Gebilde aufeinander bezogener, sich wechselseitig ergänzender, miteinander streitender oder auch zusammengehörender, individueller Beiträge ist gewünscht, in dem jeder gefordert ist, das je einzigartige Profil in Beziehung zu anderen zu entwickeln und auszuprägen." (S.154) [31]

Es scheint, so könnte in ironischer Anlehnung an FOUCAULTs Begrifflichkeit formuliert werden, als forderten die virtuellen "Pastoralmächte"12) eine Befreiung aus der selbstverschuldeten Nichtvernetzung. In den Kapiteln über die Netzverfahren wird in PAULITZ' Studie in der Tat noch am besten erkennbar, weshalb sie der Überzeugung ist, man könne im Bereich der Herstellung von Vernetzungen in den Projekten sinnvollerweise von Technologien des Selbst sprechen. [32]

Abschließend diskutiert die Autorin die Frage der "Virtualität". Was schon für die Entitäten Netz und Subjektivität galt, gilt auch für den Begriff der Virtualität. "Virtualität und vor allem auch Nicht-Virtualität werden damit entlang ausgewählter Kategorien erst spezifiziert und als epistemische Alltagskonstruktion vorgebracht, mit denen das Neue und sein Verhältnis zum Gewohnten charakterisiert wird" (S.261). Die jeweilige Bedeutung von Virtualität ist also selbst das Resultat von Praktiken. Genauer gesagt handelt es sich dabei um Praktiken, in denen die Grenze zwischen Virtuellem und Nicht-Medialem, zwischen virtuellen und nicht-virtuellen Typen des Kommunizierens von den Projektteilnehmenden immer wieder neu gezogen wird (S.155ff., 231ff.). Im Rahmen dieser Grenzziehungspraktiken wird nicht nur zum Thema gemacht, was jeweils das Spezifische der neuen Medien ist, vielmehr reflektieren die Netzkonstrukteur(inn)e(n) im Rahmen der Herstellungspraxis auch das bisherige Wissen über nicht-virtuelle Formen der Interaktion und deren Besonderheiten (u.a. Präsenz; Körperlichkeit). In Form normativ verfasster Äußerungen findet dieses Wissen dann wiederum Eingang in die Konstruktionspraxis der Internetkonstrukteur(inn)e(n), etwa dadurch, dass die virtuelle Kommunikation um Aspekte der nicht-virtuellen Kommunikation ergänzt wird (Hybridisierung) (vgl. auch S.260-262). Dabei geht PAULITZ (S.154) davon aus, dass die jeweiligen Kategorien der Grenzziehung, wie auch deren Destabilisierung und Hybridisierung, Effekt eines situierten Hervorbringens sind. Bezeichnend ist in diesem Zusammenhang die produktive Nutzung und die eigentümliche Verschränkung von virtuellen und nicht-virtuellen Typen des Kommunizierens in der Grenzziehungspraxis der Internetkonstrukteur(inn)e(n), denn diese ist folgenreich für die Subjektkonstruktionen. Die vernetzenden Akteur(inn)e(n) erscheinen als hybride Schnittpunkte zwischen den Sphären (S.262-263). [33]

3. Fazit und kritische Würdigung

Die Kapitel 5 und 6 bieten sich an, um ein Resümee der Arbeit zu ziehen. Ich möchte diese daher nicht inhaltlich detailliert darstellen, sondern zur Reflexion der Kernaussagen von PAULITZ' Studie nutzen. In Kapitel 5 formuliert die Autorin im Rückgriff auf die fünf genannten analytischen Dimensionen (Netzprogramme, Netzmodelle, Netzentwürfe, Netzverfahren, Grenzziehungen) ein vergleichendes Fazit, während das sechste Kapitel beansprucht, Schlussfolgerungen für die im Theorieteil formulierten Forschungsfragen in Bezug auf das spezifische Verhältnis von Netz und Subjektivität zu formulieren. Diese "Zweiteilung" ist meines Erachtens nicht ganz unproblematisch, sie offenbart einige dramaturgische Probleme, an denen die Arbeit aus meiner Sicht leidet. [34]

Zum einen fällt auf, dass die beiden abschließenden Kapitel im Verhältnis zu den "Theorie-" und "Methoden-/Methodologie"-Kapiteln doch recht kurz ausfallen. Und was schwerer wiegt: es ist gegenüber den anderen Kapiteln, was den theoretischen Mehrwert anbetrifft, nicht mehr wirklich Neues zu erfahren – die wichtigsten theoretischen Erkenntnisse der Studie sind in der Einleitung und im Theoriekapitel schon sehr deutlich benannt worden. [35]

Zum anderen scheint die eingangs ins Zentrum gestellte Machtfrage, die im sechsten Kapitel noch einmal kurz (S.268-270) aufgenommen wird, doch ein bisschen wie ein überflüssiger Appendix, die Abhandlung des Problems produktiver Macht bleibt letztlich im Buch ein Nebengleis, das immer einmal wieder, aber nicht systematisch befahren wird (S.15-19, 47-48, 268-270). Dies wäre unter Umständen vermeidbar gewesen, vielleicht hätte aber auch die Ausarbeitung der Herstellungsperspektive allein schon genug interessante Ergebnisse offenbart. [36]

Zur Dramaturgie im Allgemeinen: Obwohl die Autorin sich mit der Grounded Theory Methodologie ein theoriegenerierendes Verfahren zu eigen macht, beginnt sie ihre Arbeit mit ausgiebigen Reflexionen und Kritiken der aktuellen Theorieangebote, etwa im Bereich der Technikforschung, der Diskursforschung und der Netzwerkanalyse. Ich hätte es für textstrategisch klüger gehalten, Lesende einleitend bescheidener mit einer ethnographischen Perspektive auf die (Internet-) Technikgenese vertraut zu machen, um dann – gemäß des Forschungsstiles der Grounded Theory Methodologie (siehe etwa TITSCHER, WODAK, MEYER & VETTER 1998) – am Material jene theoretischen Perspektiven zu entwickeln, die es abschließend erlaubt hätten, die aktuelle Diskussion der Technikforschung aufzurollen und kritisch zu bewerten. [37]

Vieles, was in der Einleitung und im "Theoriekapitel" (Kap. 1) als Perspektivenwechsel und als Perspektivenerweiterung vorgeschlagen wird, ist eigentlich schon das doch bemerkenswerte Ergebnis der Arbeit. Auch das Verhältnis von Theorie und Methodologie (Kap. 1 und 2) wäre bei einer solchen Vorgehensweise als weniger spannungsreich erschienen. So wirkt es bisweilen, als solle über die Grounded Theory Methodologie nur bestätigend aus dem Material herausgearbeitet werden, was die Autorin in theoretischen Reflexionen ohnehin schon erarbeitet oder entschieden hat. [38]

Man kann die beiden letzten Kapitel gleichwohl gewinnbringend als eine sozialwissenschaftliche Botschaft lesen, die weniger an die Sozialwissenschaften selbst als an die Informatik und jene Technikforschung gerichtet ist, die das "Netz" wesentlich unter dem Aspekt der Nutzung betrachten oder – in pädagogisch-disziplinierender Einstellung – lediglich technische Qualifikationen vermitteln wollen. Denn dass die Entwicklung neuer Medien, damit diese von Menschen auch genutzt werden können, soziale Kompetenzen, die Entwicklung eines aktiven und kreativen Technikverhältnisses und insofern immer auch Arbeit am Selbst verlangt, leuchtet unmittelbar ein (S.257f.). [39]

Dass das ökonomisch ausgerichtete VDM-Projekt dabei auf Formen der betrieblichen und individuellen Weiterbildung setzt, während das wissen-schaftspolitisch orientierte Projekt der virtuellen Frauenuniversität bezüglich der Herstellung von Kompetenzen auf prinzipiell unabgeschlossene Verfahren der gegenseitigen Unterstützung setzt, überrascht wenig. Wichtiger ist die normative Botschaft der Studie: Sofern die Computertechnologien auf dem Wege sind, zunehmend zu Interaktionstechnologien zu avancieren, muss sich auch die Informatik (d.h. hier die Netzkonstrukteur[inn]e[n]) theoretisch und methodisch stärker den Menschen und dem Problem der Sozialität ihrer Subjektivität zuwenden; dies illustrieren die beiden Fallbeispiele sehr gut, auch wenn PAULITZ diese normative Botschaft nicht klar ausspricht.13) PAULITZ zeichnet dezidiert nach, wie in der projektinternen Konstruktion von Vernetzungstechnologien die Funktionsweise des Sozialen zum Objekt des Wissens der Konstrukteur(inn)e(n) wird. Die Studie stellt zudem fest, dass die Effektivität des Netzes, der Netzdienste wesentlich von der Aktivität der Netzwerkenden, von deren Organisationen und kooperativen Zusammenschlüssen abhängt – dies wird unter dem Aspekt der Ko-Konstruktion behandelt (S.258-260). Die Projektstudien zeigen in diesem Zusammenhang aber auch, dass der Prozess der Netztechnologieentwicklung schließlich durch partizipative Verfahren "demokratisiert" werden kann (Verzahnung von Konstruktion und Nutzung), wodurch schließlich die Rollen von Konstrukteur(inn)en und Anwender(inne)n (S.256), von virtueller und nicht-virtueller Sozialität aufgeweicht14) werden (S.259). Bisweilen wird sogar die Serveradministration sowie die Einrichtung und Moderation von Kommunikationsforen an die Teilnehmenden/Anwendenden übergeben oder sie könnte übergeben werden (S.259). Auch die technische Vernetzung erscheint tendenziell als selbststeuernde kooperative Praxis (S.260). Ko-Konstruktion durch Kooperation zielt schließlich auch auf die (Selbst-) Anleitung zur Selbstpräsentation – heterogene Netzsubjektivitäten erscheinen dabei als mögliche Effekte. Ob allerdings die Auffassung einiger Vifu-Teilnehmerinnen generalisiert werden darf, wonach letztlich erst die Artikulationen der Nutzerinnen das Netz "herstellen", ist eine spannende weiterführende Frage.15) [40]

Das sechste Kapitel will nochmals die zentralen Anliegen der Arbeit unterstreichen, also a) hervorheben, wie in der Herstellungsperspektive Netz und Subjektivität produktiv miteinander verwoben sind und b) zeigen, dass sich Vernetzungen als machtvolle Technologien des Selbst verstehen lassen. Die Vernetzung, so macht die Autorin ausgangs noch einmal deutlich, ist auf die Beziehungsarbeit der Projektmitarbeiterinnen bzw. -mitarbeiter angewiesen (S.269). Es überrascht dabei nicht mehr wirklich, dass auch bei der Herstellung von Kooperation mittels Vernetzungstechnologien (S.61) in Netzverfahren Selbstdeutungen produktiv (eingebunden) werden (S.269). Jede interaktionistische und praxistheoretische Theorie des Selbst könnte von ihren Prämissen her kaum anders, als derartiges auch im Felde der Technikentwicklung anzunehmen. Die von PAULITZ in Anschlag gebrachten theoretischen Ressourcen der pragmatistischen Laborforschung (KNORR-CETINA; HEINTZ etc.) sind daher sicher nicht die einzig möglichen Theorieangebote. [41]

Dennoch zeichnet PAULITZ' Arbeit detailliert nach, wie im Bereich der Vernetzungstechnologie aus pragmatistischer Perspektive Netz und Subjektivität zu kontingenten Netzsubjektivitäten verknüpft werden (können), wie die Technikkonstrukteur(inn)e(n) aus und in der nicht-virtuellen Sozialität situationsbezogen lernen können und wie die Grenzen zwischen Virtualität und leiblich strukturierter Sozialität (neu) gezogen werden. In den beiden bearbeiteten Fällen ist es in der Tat unter funktionalen Gesichtspunkten evident, dass der Faktor Sozialität in der Herstellung der Netztechnologie und der vernetzten Subjektivitäten eine entscheidende Rolle spielt. Die Soziologie der Technikgenese kann daraus, wie PAULITZ vorschlägt, die Lehre ziehen, dass sie – sofern sie sich mit Vernetzung beschäftigt – a) "die Sozialität der Menschen als Netzwerktechnik" und b) die " 'Menschwerdung' des Netzes durch seine Sozialität" analysieren müsste (S.265). Der Titel der Arbeit hätte sogar "Netzsozialität(en)" lauten können, denn es sind ja letztlich die sozialen Beziehungen selbst, die Netze und (Netz-) Subjektivitäten in der (materiellen) Praxis der Projekte mittels spezifischer Technologien der Vernetzung hervorbringen und jeweils flexibel und multidimensional verknüpfen (vgl. auch S.265ff.). Das Netz ist eben eine "Sozialmaschine" geworden, wie PAULITZ betont (S.265). [42]

Am Ende des sechsten Kapitels wird der Faktor Macht (nochmals) "rekapituliert". Die Autorin versucht abschließend in Bezug auf selektive Ergebnisse ihrer Fallstudien (siehe dazu explizit die Kapitel über Netzverfahren) nochmals zu verdeutlichen, dass Vernetzungen sich in der Perspektive der Herstellung als Technologien des Selbst fassen lassen, welche die Arbeit am sich vernetzenden Selbst "anleiten". In den Netzverfahren werden – nur bedingt intentional – (Selbst-) Deutungen der sozialen Subjektivität (der Konstrukteurinnen und Konstrukteure) produktiv verknüpft (S.269). Die Konstruktion funktionierender informationstechnischer Vernetzungen konstituiert demnach mittels (flexibler) Technologien des Selbst Netze ebenso wie (Netz-) Subjektivitäten (S.269). Anregungen, pädagogische Interventionen und normative Regulierungen werden von den Akteur(inn)en augenscheinlich nicht als Zwang, sondern als Ermöglichung und Garantie vernetzter sozialer Handlungsfähigkeit aufgefasst. Es ist diese eigentümliche Arbeit am vernetzten und sich vernetzenden Selbst, die PAULITZ an den beiden Projekten augenscheinlich so fasziniert hat. [43]

Nun hat PAULITZ die Machtwirkungen der virtuellen Technologien des Selbst in den lokalen Kontexten zweier Projekte untersucht, die das Wissen über vernetzte Menschen in die Gestaltungspraxis informationstechnischer Vernetzung aufnehmen. Allerdings hat die Autorin zwei Fallbeispiele ausgewählt, die der Plausibilisierung ihrer These doch sehr entgegenkommen. Es handelt sich um Fälle, in denen die Internetkonstrukteurinnen und -konstrukteure, schon weil es drittmittelgeförderte Modellprojekte sind, die unter einem gewissen Legitimationsdruck stehen, Subjekte mit ins Geschehen ziehen und diese zur Kooperation anregen müssen, damit Vernetzung hier überhaupt erfolgreich funktionieren kann. Insofern ist für die Konstrukteur(inn)e(n) das Wissen über Subjektivität und deren (vernetzte) Sozialität natürlich eine entscheidende Entwicklungsressource. Es wäre wichtig, in künftigen Studien zu zeigen, ob solche Erkenntnisse über die von der Autorin explorativ gewählten Beispiele hinaus generalisiert werden können (siehe Ausblick, S.270-272). [44]

Abschließend bleibt festzuhalten, dass der Arbeit zwar eine hochinteressante Übertragung des FOUCAULTschen Begriffs der Selbsttechnologien auf das Feld des Internets gelingt, aber eine intensive Auseinandersetzung mit der FOUCAULTschen Machtterminologie (vgl. etwa FOUCAULT 2005, S.240-263; LEMKE 2005, S.338ff.) am Ende fehlt. PAULITZ führt den Terminus der Selbsttechnologien in ein prima facie technisches Feld ein und verknüpft somit Technologien der technischen Produktion mit Technologien des Selbst. Dabei geht die Autorin davon aus, dass Vernetzungstechnologien Deutungen sozialbezogener Menschen verarbeiten und sie nimmt an, dass sich in dem Prozess des Herstellens heterogene Netzsubjektivitäten konstituieren. Sie vermutet in den Vernetzungstechnologien produktive Machtwirkungen, die nicht in herkömmlichen disziplinierenden Herrschaftstechnologien aufgehen, sondern sich angemessener als Technologien des Selbst verstehen lassen (S.47). Ihre Antwort lautet am Ende sehr ambivalent, dass Netztechnologien als machtvolle Technologien des subjektiven Gestaltens verstanden werden könn(t)en, obwohl dem vernetzten Individuum "bestimmte Ausprägungen von Sozialität […] nicht vollständig verfügbar sind" (S.269-270). Die aus den Vernetzungsbeziehungen resultierenden Machtverhältnisse lassen sich dabei, so PAULITZ (S.270), weder als eindeutige Effekte neuer Unterdrückungstechniken noch von Befreiungstechnologien verstehen, "sondern als historisch spezifische Verstehensweisen des sozialen Selbst mit kontextbezogenen Varianzen". Das sind große, aber auch unklare Worte! [45]

Ich glaube nicht, dass es die Ergebnisse zweier explorativer Fallstudien erlauben, hier von historischen Verstehensformen des Selbst zu sprechen, dazu hat die Studie zu wenig über die genauen historischen Bedingungen aufgeklärt, die eine spezifische Begriffsbildung von Subjektivität ermöglichen. [46]

Mir bleiben daher einige Zweifel, ob sich eine Machtperspektive, die sich lediglich auf die FOUCAULTschen Technologien des Selbst konzentriert, im Feld der Netztechnologien, jenseits der kleinen Internet-Projektwelten, nicht doch als zu eng erweist. Man könnte sogar grundlegende Zweifel anmelden, ob es sich hier überhaupt noch um eine Perspektive handelt, in der in legitimer Weise von Macht die Rede sein kann, insbesondere auch eingedenk des Umstandes, dass der Machtbegriff bei FOUCAULT ziemlich verschwommen bleibt (FOUCAULT 2005, S.240-263). Hier wäre es notwendig gewesen, FOUCAULTs weitere Technologien (der Produktion, der Macht und der Zeichensysteme) und dessen Machtkonzept systematischer vorzustellen und auf die empirischen Ergebnisse zu beziehen. Es ließe sich aber auch, auf den Terminus der Macht letztlich verzichtend, von einem Prozess der internet-bezogenen Erziehung zur Selbsterziehung sprechen, in dem die Autorität und Kompetenz zur kreativen vernetzenden Konstruktion graduell auf die sich kooperativ vernetzende Subjekte übertragen wird.16) [47]

Trotz dieses Wermutstropfens ist die Studie über die Genese von vernetzten und vernetzenden Techniken sowie Subjektivitäten sehr lesenswert. Sie ist dort besonders stark, wo sie wichtige neue Fragen stellt. Die Antworten, die PAULITZ gibt, lassen jedoch noch viele die Macht, die Subjektkonstituierung und die Technikkonstruktion betreffende Fragen offen. So gelingt es der Studie nicht, eine kohärente netzbezogene Machtperspektive zu entwickeln oder die von FOUCAULT ins Spiel gebrachte Familie der Technologien (Technologien der Produktion, Technologien der Zeichensysteme, Technologien der Macht und Technologien des Selbst) sinnvoll zu vereinen (FOUCAULT et al. 1993, S.26ff.). Aber die richtige Frageperspektive hat PAULITZ' Studie eröffnet. [48]

Anmerkungen

1) Die Seitenangaben in runden Klammern ohne Jahresangabe beziehen sich jeweils auf die Studie von PAULITZ (2005). <zurück>

2) Das Wissen und/oder die Vorstellungen von Subjekten – PAULITZ spricht auch von Verstehensformen der Subjektivität – sind freilich ihrerseits Konstruktionen (S.40ff.), die wiederum auf den Ebenen des konstruktionsleitenden Wissens wie auf der Ebene pragmatischer Orientierungen in den Herstellungspraxen der Vernetzung wirksam sind. <zurück>

3) Es geht PAULITZ gerade nicht um die Analyse der Regelhaftigkeit der Internetdiskurse (S.16), um eine Diskursanalyse, die letztlich Diskurse als Technologien versteht. Diskurse werden bei PAULITZ zudem nicht als "vorgängige Prägungsinstanzen" (S.17) verstanden. Die Studie ist also keine Diskurs- oder Dispositivanalyse im engeren Sinne und will dies auch nicht sein. <zurück>

4) PAULITZ geht es also nicht um Netze im Sinne technischer Objekte, sondern im Wesentlichen um Vernetzung als "verwickelten Prozess" (S.15). <zurück>

5) Die Problematisierung und Erweiterung der Subjekt- und Subjektivitätsvorstellungen erfolgt bei PAULITZ schon aus der theoretischen Auseinandersetzung mit den Konzepten der Subjektkonstruktion in der Technikforschung (SCHACHTNER, BÖHLE, BOLTE), insbesondere aber mit den Texten der Philosophin MEYER-DRAWE (S.42ff.), und nicht erst aus dem empirischen Material heraus. Diese sieht in der Dezentralisierung der elektronischen Datenverarbeitung augenscheinlich eine Herausforderung für ein Subjektkonzept, "das vom Modell des Denkens als Tätigkeit eines 'einsamen' Geistes ausgeht" (S.45). Sicherlich kann man dies so machen, ich frage mich allerdings, wo in diesen philosophischen Überlegungen zum Beispiel die gesamte Tradition des symbolischen Interaktionismus von George Herbert MEAD über Hans JOAS bis hin zu Jürgen HABERMAS verblieben ist. Relationale Subjektkonstruktionen kennt diese Tradition schon lange. Warum die Autorin hier einen philosophischen Ankerpunkt wählt, wo doch die Soziologie seit Langem über pragmatistisch ansetzende Subjekt-Konzepte verfügt (vgl. etwa JOAS 1989), ist mir nicht ganz klar geworden. <zurück>

6) Vgl. dazu FOUCAULT et al. (1993, S.26). <zurück>

7) Die Lektüre des Methoden- bzw. Methodologiekapitels ist bisweilen ein wenig verwirrend, weil zunächst das Verfahren der Grounded Theory Methodologie angesprochen, dann aber eine ethnographische Perspektive (GEERTZ, AMANN, HIRSCHAUER) entfaltet wird – was nicht unbedingt das Gleiche ist (später gesellen sich auch diskurs- und narrationsbezogene Perspektiven hinzu; S.75ff.) – und die Autorin nach einem recht umfassenden theoretischen Kapitel (Kapitel 1) weitere theoretische Perspektiven nachlegen muss. Ich hätte es weitaus glücklicher gefunden, wenn die Autorin bereits in der Einleitung verraten hätte, dass sie beabsichtigt, Lesende – mit dem Leitfaden des ethnographischen Verfahrens (inklusive Kulturbegriff und pragmatistischer Perspektive) – in das Feld der Netztechnologieproduktion zu entführen. Das Ergebnis dieser Reise in die fremde Welt der eigenen Technikgesellschaft wäre dann ein ethnographisches Notizbuch gewesen, das es erlaubt hätte, aktuelle techniksoziologische Ansätze und deren Subjektivitätskonzepte zu problematisieren. <zurück>

8) Lesende dürften auch überrascht sein, wenn plötzlich die interaktionstheoretische Logik der Grounded Theory Methodologie problematisiert wird (S.77). Freilich kann man anmerken, dass die vom symbolischen Interaktionismus vorgeschlagene Konzeption des Sozialen hier selbst Teil des Analysegegenstandes ist, aber ich meine, dies sollte dann nicht in wenigen Zeilen abgehandelt werden, zumal es hier nicht mehr um methodologische und methodische Fragen geht, sondern um handfeste theoretische Fragen, die die Autorin im Übrigen nicht beantwortet oder zu beantworten beabsichtigt. <zurück>

9) Gruppendiskussionen hätten es auch erlaubt, die Differenzen in den Vorstellungen von Subjektivität herauszuarbeiten (vgl. dazu LAMNEK 1998). <zurück>

10) Das Ziel auf dieser Ebene ist es, die Arbeitslogiken einer informellen Struktur in technische Strukturen der Kooperationsplattform zu übersetzen. <zurück>

11) Hier geht es im Wesentlichen um die Anleitung zur aktiven Kompetenzentwicklung im Umgang mit dem Medium. <zurück>

12) FOUCAULT vermutete, dass der moderne westliche Staat eine individualisierende und auf das Seelenheil abstellende Machttechnik, die in christlichen Institutionen entstanden war, in neuer Form wieder aufgriff. Zum Begriff der Pastoralmacht siehe FOUCAULT (2005, S.247ff.). <zurück>

13) Anhand der beiden Projekte zeigt PAULITZ, dass hier unterschiedliche Wege gegangen wurden. Während in einem Projekt (VDM) noch recht traditionell auf individuelle Aneignung und betriebliche Weiterbildung gesetzt wurde, setzt das Projekt der Internationalen Frauenuniversität auf kontinuierliche Verfahren der dezentralen wechselseitigen Unterstützung der vernetzten Akteure und Akteurinnen (S.257-258). Vernetzungstechnologie wird hier stärker über Vernetzung angeeignet. <zurück>

14) Es ist ein wenig erstaunlich, dass PAULITZ die Arbeiten von Bruno LATOUR (1995, 2000a, 2000b) zur Aktor-Netzwerk-Theorie nicht erwähnt. Dies hätte angesichts der Perspektive auf hybride Konstellationen sehr nahe gelegen (vgl. etwa S.267, wo hervorgehoben wird, dass materiale Strukturen und Ausstattungen an der Konstruktion von Welt mitwirken). <zurück>

15) Es fällt gerade in dem zusammenfassenden Kapitel über Netzverfahren (S.256-260), in dem es um die Netz- und Vernetzungstechnologien des Selbst geht, auf, dass gänzlich auf die FOUCAULTsche Terminologie verzichtet wird. Auch dies ist ein Hinweis auf den Umstand, dass die FOUCAULTsche Machtperspektive nur angeheftet ist, aber auch darauf, dass es ohne sie ebenso geht oder gegangen wäre. <zurück>

16) Manchmal ist eine Technologie des Selbst eben mit dem Begriff Selbst-Erziehung besser bezeichnet. Nicht zufällig greift ja auch die Autorin gelegentlich auf den Begriff der Erziehung zurück. <zurück>

Literatur

Foucault, Michel (2005). Analytik der Macht. Frankfurt/M.: Suhrkamp.

Foucault, Michel; Martin, Rux; Martin, Luther H.; Paden, William E.; Rothwell, Kenneth S.; Gutman, Huck & Hutton, Patrick H. (1993). Technologien des Selbst. Frankfurt/M.: Fischer.

Joas, Hans (1989). Praktische Intersubjektivität. Die Entwicklung des Werkes von G.H. Mead. Frankfurt/M.: Suhrkamp.

Lamnek, Siegfried (1998). Gruppendiskussion. Theorie und Praxis. Weinheim: Beltz.

Latour, Bruno (1995). Wir sind nie modern gewesen. Versuch einer symmetrischen Anthropologie. Frankfurt/M.: Fischer.

Latour, Bruno (2000a). Die Hoffnung der Pandora: Untersuchungen zur Wirklichkeit der Wissenschaft. Frankfurt/M.: Suhrkamp.

Latour, Bruno (2000b). Politiques de la nature. Paris: La Découverte.

Lemke, Thomas (2005). Geschichte und Erfahrung. Michel Foucault und die Spuren der Macht. In Michel Foucault, Analytik der Macht (S.319-347). Frankfurt/M.: Suhrkamp.

Titscher, Stefan; Wodak, Ruth; Meyer, Michael & Vetter, Eva (1998). Methoden der Textanalyse. Leitfaden und Überblick. Wiesbaden: Opladen.

Zum Autor

Willy VIEHÖVER, Studium der Soziologie, Psychologie und Pädagogik an der Heinrich-Heine-Universität zu Düsseldorf. Promotionsstudium am Europäischen Hochschulinstitut Florenz mit Abschluss eines Ph.D. Seit 1999 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Augsburg im DFG-Projekt Vergesellschaftung der Natur und Naturalisierung der Gesellschaft – unter der Leitung von Prof. Dr. Christoph LAU – im Rahmen des SFB-536 Reflexive Modernisierung. Arbeitsschwerpunkte: Kultur- und Umweltsoziologie, Policy-Analyse, qualitative Methoden, soziologische Theoriebildung.

Kontakt:

Dr. Willy Viehöver

Lehrstuhl für Soziologie
Philosophisch-Sozialwissenschaftliche-Fakultät
Universität Augsburg
Universitätstrasse 6
D-86159 Augsburg

Tel.: 0821-598-4072
Fax: 0821-598-4218

E-Mail: viehoever@libero.it; wilhelm.viehoever@phil.uni-augsburg.de
URL: http://www.philso.uni-augsburg.de/de/lehrstuehle/soziologie/sozio1/mitarbeiter/viehoever/

Zitation

Viehöver, Willy (2007) Die Geburt der (technischen) Netze aus den Vorstellungen von Subjektivität. Rezensionsaufsatz: Tanja Paulitz (2005), Netzsubjektivität/en. Konstruktionen von Vernetzung als Technologien des sozialen Selbst. Eine empirische Untersuchung in Modellprojekten der Informatik [48 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum Qualitative Social Research, 8(2), Art. 25, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs0702252.



Copyright (c) 2007 Willy Viehöver

Creative Commons License
This work is licensed under a Creative Commons Attribution 4.0 International License.