Volume 20, No. 1, Art. 6 – Januar 2019



Ethnografisches Protokollieren – Erkenntnisabsichten und sprachlich-stilistische Gestaltungsprinzipien

Katharina Bock

Zusammenfassung: In ethnografischen Protokollen werden Beobachtungen, persönliche Eindrücke und individuelle Erlebnisse geschildert, um möglichst nah an das jeweils interessierende Geschehen heranzuführen und es nachvollziehbar zu machen (BREIDENSTEIN 2012). Ethnografische Protokolle sollen die Leser/innen in die Lage versetzen, mit ihrer "eigenen Aufmerksamkeit jene Aufmerksamkeiten zu verfolgen, die die untersuchten Kulturmitglieder im kompetenten Gebrauch der Bezeichnungen für sich und für einander organisieren" (MAEDER & BROSZIEWSKI 1997, S.340). Mein Anliegen ist es, die Möglichkeiten der sprachlich-stilistischen Ausgestaltung ethnografischer Protokolle auszuloten, mit deren Hilfe sich das im Rahmen der Feldforschung Beobachtete, Gehörte, Erlebte, Empfundene und/oder Wahrgenommene schriftsprachlich fixieren und adäquat zum Ausdruck bringen lässt. In diesem Zusammenhang werden wesentliche Stilmittel (z.B. Formen der Redewiedergabe und Stimmenvielfalt, die Verwendung bildhafter Sprache, stilistische Wechselspiele oder Verbalisierungen des Verstehens) zusammengetragen und deren Einsatz an ethnologisch-anthropologischen und soziologischen Textbeispielen erläutert.

Keywords: Ethnografie; Beobachtungsprotokoll; ethnografisches Schreiben; Stilmittel

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ethnografie betreiben: Erkenntnisabsichten und Vorgehen

2.1 Was soll durch Ethnografie wie erfasst werden?

2.2 Welche Rolle spielt das (Be-)Schreiben im Forschungsprozess?

3. Prinzipien der Textgestaltung

3.1 Zum Zusammenhang von Feldforschung und dem Gebrauch von Sprache in der method(olog)ischen Literatur

3.2 Zum Einsatz von Stilmitteln an praktischen Beispielen

4. Zusammenfassung und Schlusswort

Danksagung

Anmerkungen

Literatur

Zur Autorin

Zitation

 

1. Einleitung

Beim ethnografischen Protokollieren führt man sich das im Feld beobachtete und erlebte Geschehen vor Augen; man macht es erinnerbar und versucht es so wiederzugeben, dass es auch für Nicht-Anwesende nachvollziehbar wird (BREIDENSTEIN 2012, S.32). Dementsprechend hat man sich einer Sprache zu bedienen, die einen ganz bestimmten Text produziert – einen Text, der das im Rahmen der Feldforschung Beobachtete, Erlebte, Gelesene, Gehörte, Empfundene und/oder Wahrgenommene möglichst adäquat und präzise beschreibt, es "zum Leben erweckt" und dadurch glaubwürdige, nachvollziehbare (bildliche) Vorstellungen, Gedanken, Wahrnehmungen und/oder Emotionen erzeugt. Wie ich ausführen werde, haben solche Texte unterschiedliche Anforderungen zu erfüllen, sind daher auf bestimmte Weise anzulegen und können sich dafür wiederum besonderer Techniken und Mittel bedienen, um die es in diesem Artikel gehen soll. Mein Anliegen ist es, die Möglichkeiten der sprachlich-stilistischen Ausgestaltung ethnografischer Protokolle auszuloten und daraus Schreibprinzipien abzuleiten. [1]

Ich fokussiere im Folgenden also eines der wichtigsten Elemente ethnografischer Forschungsprozesse, und zwar das Protokollieren. Ziel ist es einerseits, die mit den Eigenheiten unterschiedlicher ethnografischer Traditionen, Disziplinen und Forschungsdesigns variierenden Protokollweisen1) aufzuzeigen und andererseits praktikable stilistische Textgestaltungsoptionen herausarbeiten. Dabei rücke ich insbesondere solche Protokollarten in den Mittelpunkt, die 1. einzelne Szenen, Aspekte und (besondere) Ereignisse detailliert und präzise zu beschreiben, 2. Atmosphäre und Anschaulichkeit herzustellen, 3. nicht-sprachliches Wissen zu generieren und zu verbalisieren sowie 4. persönliche Sichtweisen, Sinneswahrnehmungen und/oder begleitende innere Zustände der Forscher/innen zu erfassen haben. Damit sollen Forscher/innen für die eigene Wahrnehmung im Feld sensibilisiert und ihr Blick für sprachlich-stilistische Gestaltungsweisen geschärft werden. Darüber hinaus sollen die Ausführungen vor allem Noviz/innen in der Anwendung der ethnografischen Forschungsstrategie als Inspiration und Schreibhilfe dienen. Dafür wird im Folgenden zunächst ausgeführt, welche Absichten durch ethnografisches Forschen verfolgt werden, welche Rolle das (Be-)Schreiben dabei spielt, und welchen Anforderungen man beim ethnografischen Protokollieren gerecht werden muss. Davon ausgehend wird anschließend aufgezeigt, wie die im ethnografischen Forschungsprozess erfassten Vorgänge in schriftlichen Texten eingefangen werden können und welcher stilistischen Mittel man sich dabei bedienen kann. Hierzu greife ich auch Schreibtechniken und -impulse aus der journalistischen Reportage auf.2) [2]

2. Ethnografie betreiben: Erkenntnisabsichten und Vorgehen

2.1 Was soll durch Ethnografie wie erfasst werden?

Ethnografie hat die Erkundung, die Beschreibung und das Verstehen des Eigen-Sinns sozialer Lebenswelten zum Ziel (HITZLER & GOTHE 2015, S.9). Bis Ende des 19. Jahrhunderts waren es zunächst Verwaltungsbeamt/innen, Missionar/innen, Händler/innen und Reisende, die über ihre Erfahrungen mit indigenen Völkern berichteten. Deren Meldungen, Schilderungen, Erlebnis-, Abenteuer- und Reiseberichte aber waren noch nicht durch wissenschaftliche Hypothesen gestützt. Erst mit Bronislaw MALINOWSKI (1922), Alfred R. RADCLIFFE-BROWN (1922) und Margaret MEAD (1939) etablierten sich an der Universität ausgebildete wissenschaftliche Gelehrte und Feldforscher/innen, die anders als bis dahin selbst vor Ort waren, um die aus erster Hand gewonnenen Erkenntnisse mit theoretischen Annahmen zu verknüpfen (BREIDENSTEIN, HIRSCHAUER, KALTHOFF & NIESWAND 2015 [2013], S.13ff.; CLIFFORD 1993 [1983], S.115ff.; VAN MAANEN 2011 [1988], S.14ff.). Diese ersten Feldforscher/innen besuchten fremde Stammes- und Dorfgemeinschaften und suchten dort nach Situationen und Aktivitäten, um am sozialen Leben teilzunehmen und die Zusammengehörigkeit als Praxis zu beobachten. Dabei galt es, das System der beobachteten und tagebuchartig protokollierten Praktiken und ihre Relationen zu verstehen, zu bestimmen und zu beschreiben. Es ging darum, das Zeichensystem der jeweils untersuchten Gemeinschaft, deren Sprache, Rituale, Symbole, Embleme und Artefakte zu erfassen und in die Sprache der Forschung, in Beschreibungen und Hypothesen zu übertragen (MAEDER & BROSZIEWSKI 1997, S.336). [3]

Als der Soziologe Robert E. PARK um 1915/1920 die Chicagoer Schule begründete, vertrat er die Auffassung, dass sich auch Soziolog/innen mit den Lebensumständen und Lebensweisen der Beforschten aus nächster Nähe vertraut machen sollten (PARK 1915; PARK & BURGESS 1922). Aber anders als Ethnolog/innen und Kulturanthropolog/innen nahmen Soziolog/innen nun die Kulturen der eigenen Gesellschaft in den Blick und versuchten, das Fremde in der Nähe zu entdecken und zu beschreiben. Damit legte PARK den Grundstein für die soziologische Ethnografie. Dies alles geschah vor dem Hintergrund einer sich hochgradig ausdifferenzierenden, pluralisierten Gesellschaft, in der die eigene Existenzform zunehmend nur noch als eine Option neben anderen erschien und in der Fremdheitserlebnisse in vielfältiger Form zur alltäglichen Erfahrung wurden. Und so wuchs auch hier nicht nur die Neugierde, sondern auch die Nachfrage nach seriöser Beschreibung und Analyse des gar nicht mehr so Selbstverständlichen und Neuen. Es ging hierbei um die Frage, wie die jeweiligen Wirklichkeiten (etwa die von Einwanderer/innen, Straßengangs, Dieb/innen, Obdachlosen) praktisch erzeugt werden; darum, eine Innenperspektive zu entwickeln und so die Wissensbestände, Interaktionen, Praktiken und Diskurse der als befremdlich erachteten Kulturen und Gruppen zu erfassen. Ethnografie wurde demnach gewissermaßen zu einem Medium gesellschaftlicher Selbstbeobachtung (LÜDERS 2010 [2000], S.390; MAEDER & BROSZIEWSKI 1997, S.336f.; VAN MAANEN 2011 [1988], S.17ff.). Wesentlicher Forschungsbereich war hier also zunächst die Stadtforschung, denn Chicago wurde, neben anderen US-amerikanischen Großstädten, infolge der Einwanderungswelle aus Europa und Asien in dieser Zeit zu einem Zentrum des Kulturkontakts, dessen Vielfalt nicht nur für die Bewohner/innen eine fremdartige und aufregende Erfahrung darstellte, sondern auch für die dort ansässigen Soziolog/innen. Die Möglichkeiten von Fremdheitserfahrungen in der eigenen Gesellschaft wurden zudem durch Expert/innengemeinschaften und Subkulturen erweitert, sodass aus der Chicago School später z.B. auch die Berufssoziologie, die Medizinsoziologie oder die Jugendsoziologie entstanden (BREIDENSTEIN et al. 2015 [2013], S.21ff.).3) [4]

Was genau heißt es, ethnografisch zu forschen? Mit John VAN MAANEN (2011 [1988]) lässt sich diese Frage zunächst wie folgt beantworten:

"Fieldworkers, it seems, learn to move among strangers while holding themselves in readiness for episodes of embarrassment, affection, misfortune, partial or vague revelation, deceit, confusion, isolation, warmth, adventure, fear, concealment, pleasure, surprise, insult, and always possible deportation. Accident and happenstance shapes fieldworkers' studies as much as planning or foresight; numbing routine as much as living theatre; impulse as much as rational choice; mistaken judgements as much as accurate ones. This may not be the way fieldwork is reported, but it is the way it is done" (S.2). [5]

Hierbei bedienen sich ethnografische Forscher/innen, jeweils abhängig von Forschungsdesign und Feld, verschiedener Verfahren der Datengewinnung und -analyse, weshalb es sich bei der Ethnografie auch um eine Forschungsstrategie und nicht um eine einzelne Methode handelt. Diese Strategie beinhaltet mehrere Elemente: 1. die Teilnahme, 2. die Beobachtung, 3. die Beschreibung von Beobachtungen (das ethnografische Protokollieren) und 4. die analytische Reflexion dieser Beobachtungen. Teilnahme und Beobachtung müssen miteinander vereinbart werden, denn: "Wer nur beobachtet ohne teilzunehmen, dem fehlt die eigene Erfahrung mit der zu beforschenden Kultur, die ein entscheidendes Erkenntnispotenzial ethnographischer Forschung darstellt" (BREIDENSTEIN 2006, S.21). Deshalb gilt es, sich auch selbst in die fremde Praxis involvieren zu lassen, sich also aktiv in eine "praxisnahe Lage" (HIRSCHAUER 2001, S.443) zu bringen, um zu erfahren, was es heißt, den Anforderungen dieser Praxis ausgesetzt zu sein. Dabei hat die Teilnahme einerseits die materiellen Dimensionen des Feldes zu berücksichtigen, d.h. das komplexe Zusammenspiel von Körpern, Dingen und Räumen – denn schließlich sind Ethnograf/innen wie Beforschte immer "körperliche" Subjekte und sie bewegen sich "in Räumen", die wiederum "von Artefakten unterschiedlicher Art bevölkert" sind (ALKEMEYER, KALTHOFF & RIEGER-LADICH 2015, S.16). Teilnehmen und Sich-Involvieren erstreckt sich damit also auch auf das Sich-Aufhalten in bedeutsamen Räumen, das Sammeln von und Sich-Umgeben mit bedeutsamen Dingen bzw. Objekten. Andererseits beinhaltet Teilnahme auch, die Mitglieder der untersuchten Praxis kennenzulernen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Dies wiederum erfordert es, "'zugelassen' zu werden vom Feld" (BREIDENSTEIN 2006, S.22), wobei der Feldzugang etwas Prozesshaftes und deshalb einen keineswegs nur einmal zu bewältigenden Schritt darstellt. Die "wesentlichen Verhaltensregeln" (S.23), nach denen sich Ethnograf/innen dabei zu richten haben, entstammen dem jeweiligen Forschungsdesign, insbesondere jedoch dem jeweiligen Feld. [6]

Beobachten meint: "We observe what people do (cultural behavior); we observe things people make and use such as clothes and tools (cultural artifacts); and we listen to what people say (speech messages)" (SPRADLEY 1980, S.10). Beobachten heißt darüber hinaus auch, sich selbst zu beobachten, d.h., die selektiven Entscheidungen, die man trifft, oder die Interpretationsleistungen, die man erbringt, in den Blick zu nehmen. Unterschiedliche Felder ermöglichen zudem unterschiedliche Beobachter/innenrollen, und die Formen der Beobachtung sind situativ immer neu auszuhandeln: Als günstig erweist sich zum Beispiel oft die Rolle des/der unbedarften, aber wohlwollenden und interessierten "Fremden", dem/der bereitwillig einiges gezeigt und erklärt wird (BREIDENSTEIN 2006, S.23).4) [7]

2.2 Welche Rolle spielt das (Be-)Schreiben im Forschungsprozess?

Das Schreiben ist "das wichtigste Geschäft der ethnografischen Forschung" (BREIDENSTEIN 2006, S.24) – und dennoch, so stellt VAN MAANEN (2011 [1988]) fest, halte sich unter Sozialwissenschaftler/innen die hartnäckige Überzeugung,

"that the problems of ethnography are merely those of access, intimacy, sharp ears and eyes, good habits of recording, and so forth. It is not a straightforward matter, however, because a culture or cultural practice is as much created by the writing (i.e., it is intangible and can only be put into words) as it determines the writing itself" (S.6). [8]

Die Funktion des Schreibens im ethnografischen Forschungsprozess besteht zuallererst im "Konservieren" von Situationen und Eindrücken. Die im und über das Feld erstellten Notizen, Beobachtungs-, Gesprächsprotokolle und sonstigen Aufzeichnungen bilden in ihrer Gesamtheit die (Daten-) Grundlage für spätere Analysen und Interpretationen. Deshalb gilt es im Feld nicht nur möglichst genau zu beobachten, zu (hinter-) fragen, zuzuhören und wahrzunehmen, sondern Abläufe und Wahrnehmungen möglichst ebenso genau zu notieren, ggf. zu transkribieren oder auf andere Weise festzuhalten (MAEDER & BROSZIEWSKI 1997, S.336). Im Zuge des Protokoll-Schreibens führt man sich das beobachtete und erlebte Geschehen dann vor Augen; man macht es erinnerbar und versucht es so wiederzugeben, dass es auch für Nicht-Anwesende nachvollziehbar wird (BREIDENSTEIN 2012, S.32). Und hierfür gilt es, das im Rahmen der Feldforschung Beobachtete, Erlebte, Gelesene, Gehörte, Empfundene und Wahrgenommene so adäquat und präzise wie möglich zu beschreiben, es zum Leben zu erwecken und dadurch möglichst glaubwürdige5), nachvollziehbare (bildliche) Vorstellungen, Gedanken, Wahrnehmungen und/oder Emotionen zu erzeugen. Über das Erfassen von Vorgängen hinaus kommt dem Schreiben im ethnografischen Forschungsprozess eine weitere, genau genommen übergeordnete Funktion zu: die Herstellung von Daten. Denn Daten werden von Ethnograf/innen nicht einfach "gefunden", sondern durch das schriftliche Explizieren des Beobachteten und Erlebten, durch das Übersetzen des im direkten Kontakt mit dem Feld erworbenen Wissens der Beforschten in Sprache und durch das (Er-)Finden von Worten und Begriffen für diese Vorgänge erst "hergestellt". (Be-)Schreibungen sind also "Versuche, Dokumente zu erzeugen, die sich im weiteren Forschungsprozess als hilfreich erweisen" sollen (BREIDENSTEIN et al. 2015 [2013], S.9).6) [9]

Wie sich in den vorangegangenen Ausführungen bereits andeutet, hat das ethnografische Protokollieren ganz unterschiedlichen Anforderungen gerecht zu werden. Dazu gehört zum einen, die Selektivität des/r Beobachter/in abzubilden, d.h., Protokolle sollen Relevanzen setzen, sich dem beschriebenen Geschehen immer weiter annähern und gleichzeitig Distanz herstellen (BREIDENSTEIN 2006, S.24).7) Diese Distanzierung ist wichtig, um ein neues, ein "befremdendes" Verhältnis zum vertrauten Geschehen zu schaffen (BREIDENSTEIN 2012, S.33). Das, womit es ethnografische Forschung zu tun hat, ist "eine Vielfalt komplexer, oft übereinandergelagerter oder ineinander verwobener Vorstellungsstrukturen, die fremdartig und zugleich ungeordnet und verborgen sind" (GEERTZ 1994a, S.15). Deshalb besteht eine weitere Anforderung an vor allem elaborierte Protokolle darin, genau diese Bedeutungsstrukturen herauszuarbeiten, also verstehend zu beschreiben. Das Konzept der "dichten Beschreibung"8) (GEERTZ 1994a [1987]) hat eben dies zum Ziel. Dichte Beschreibungen müssen vorgenommen werden unter Zuhilfenahme jener Deutungen oder Erklärungsformen, die (unserer Vorstellung nach) die Beforschten ihrem Leben geben (S.22). Elaborierte Protokolle in Form dichter Beschreibungen haben also auch die interpretierende und verstehende Leistung der Ethnograf/innen zu enthalten, um sie für den weiteren Forschungsprozess zur Verfügung zu stellen (BREIDENSTEIN 2006, S.24). [10]

3. Prinzipien der Textgestaltung

Deutlich geworden sein dürfte, dass unterschiedliche Erkenntnisinteressen sowohl unterschiedliche Rollen im Feld als auch unterschiedliche Grade der Involviertheit erfordern. Daraus wiederum leiten sich jeweils verschiedene Protokollweisen ab, um die es im Folgenden gehen soll. Dafür werde ich zunächst den Zusammenhang von Feldforschung und dem Gebrauch von Sprache in der method(olog)ischen Literatur skizzieren und einen Überblick über die wichtigsten Schreib- bzw. Erzählstrategien geben. Anschließend werde ich den Blick auf den Einsatz konkreter Stilmittel richten, wobei insbesondere solche Protokollweisen fokussiert werden, die einzelne Szenen und Ereignisse detailliert und präzise beschreiben, Atmosphäre und Anschaulichkeit herstellen, nicht-sprachliches Wissen generieren bzw. verbalisieren sowie persönliche Sichtweisen, Sinneswahrnehmungen und/oder begleitende innere Zustände der Forscher/innen erfassen sollen. [11]

3.1 Zum Zusammenhang von Feldforschung und dem Gebrauch von Sprache in der method(olog)ischen Literatur

Vor dem Hintergrund sprachlicher Vielfalt (die sich sowohl auf Varietäten innerhalb einer Sprache beziehen kann als auch auf verschiedene Einzelsprachen) diskutiert James P. SPRADLEY (1980, S.65) die Wahl des Sprachgebrauchs in ethnografischen Protokollen. So lässt sich fragen, wessen Sprache für den jeweiligen Text überhaupt zu wählen ist: die der Ethnograf/innen, der Wissenschaft, der Beforschten, etwaiger weiterer Informant/innen? SPRADLEY betont, dass der jeweilige, individuell unterschiedliche Sprachgebrauch für die späteren Analysen kultureller Bedeutungen unabdingbar sei. Weil dieser Sprachgebrauch wesentliche Anhaltspunkte für Deutungen liefert, sei ein ethnografisches Protokoll notwendig, "that reflects the same differences in language usages as the actual field situation" (S.66). Demnach, so lässt sich schlussfolgern, hat in den eigenen Protokollen ein natürlich-selbstverständlicher Umgang mit der Sprache des Feldes zu erfolgen – ein Umgang, der beispielsweise Fach- oder Spezialsprachen, Jugendsprache und Slang ebenso einbezieht wie dialektale Wendungen oder fremdsprachliche Ausdrucksweisen. [12]

Sprache ist also eng mit der jeweiligen Beforschten-Welt verwoben. Sie ist "zugleich Fundament und Instrument eines kollektiven Wissensbestandes" (BERGER & LUCKMANN 2012 [1966], S.72f.).9) Mit der Anerkennung der Bedeutung von Sprache für die Erforschung fremder Kulturen folgt SPRADLEY (1979, 1980) der linguistischen Kulturanthropologie, die mithilfe sogenannter Komponentenanalysen kognitive Systeme untersucht (PSATHAS 1981 [1973], S.266) und hiermit den Weg für die Methode der ethnografischen Semantik ebnet – ein von SPRADLEY propagiertes Analyseverfahren für terminologische Systeme, mit dessen Hilfe ermittelt werden soll, "wie die Leute ihre Erfahrungswelt aus ihrer Sprechweise über sie konstituieren" (FRAKE 1981 [1980], S.324). [13]

Den Umgang mit konkreter, präziser Sprache thematisiert SPRADLEY (1980) wie folgt:

"Writing in concrete language is difficult because most people have had years of training to condense, summarize, abbreviate, and generalize. We have learned to avoid writing that is 'too wordy'. In writing up fieldnotes we must reverse this deeply ingrained habit of generalization and expand, fill out, enlarge, and give as much as specific detail as possible" (S.68). [14]

Hierfür schlägt er vor, während der Beobachtung im Feld Wortlisten anzufertigen:

"One way to help expand the concrete language of description in taking fieldnotes is make lists of verbs and nouns which can be expanded later. For example, let's say you made observations of people standing in line and listed these verbs: standing, shifting, looking up, looking down, searching pockets, wagging head, nodding head, scratching, glaring, raising eyebrows, backing up, beelining, walking. This would enhance a concrete description in your fieldnotes. If you observed people walking their dogs in a park, you could list nouns like chain leash, leather leash, dirt path, sidewalk, curb, asphalt path, leaves, grass, fire plug, tree, stick, purse, coats, and so on" (a.a.O.). [15]

Für das Verfassen ethnografischer Protokolle gilt es, "unterschiedliche Schreibstrategien zu entwickeln und zu kombinieren" (BREIDENSTEIN 2006, S.24), von denen im Folgenden zunächst die wichtigsten zusammengetragen werden. STRECK, UNTERKOFLER und REINECKE-TERNER (2013) beispielsweise befassen sich mit der Gesamtgestalt von Protokollen und unterscheiden dabei drei Arten: Dazu gehört zum einen die Beschreibung des gesamten Geschehens während eines Feldaufenthaltes als "kontinuierlicher Interaktionszusammenhang" (§14). Dabei stehen nicht einzelne, sondern verschiedene zeitgleich stattfindende Interaktionen unter Einbezug eines spezifischen Kontextes im Vordergrund. Als zweite Protokollart nennen die Autorinnen "detaillierte Beschreibungen einzelner Interaktionsepisoden" (§15). Folglich steht hier die einzelne Situation im Vordergrund und weniger der Gesamtzusammenhang; Übergänge, Rahmungen und andere Verbindungen treten in den Hintergrund. Und schließlich, so die Autorinnen, könne "ein spezifischer Fokus auf ein Element des Geschehens" (§16) die Gesamtgestalt eines Protokolls bestimmen – etwa dann, wenn während eines Feldaufenthaltes der Fokus auf den Handlungen eines/r spezifischen Akteur/in liegt. Das Differieren der Protokollarten führen die Autorinnen auf jeweils unterschiedlich gelegte Forschungsfokusse zurück10). [16]

EMERSON, FRETZ und SHAW (1995) – auf die im Zusammenhang mit ethnografischem Schreiben am häufigsten verwiesen wird – stellen verschiedene Schreibmodi vor. Dabei finden sich Hinweise auf zu verwendende Schreibutensilien (small notepads, folded sheets of paper, pens or pencils); außerdem werden Möglichkeiten der Anfertigung von Feldnotizen diskutiert (how, where, and when) (S.19f.). Den Autor/innen geht es vor allem um die Frage danach, was es im Feld zu registrieren gilt:

"First, ethnographers should take note of their initial impressions. These impressions may include those things available to the senses – the tastes, smells, and sounds of the physical environment, the look and feel of the locale and the people in it. Such impressions may include details about the physical setting, including size, space, noise, colors, equipment, and movement, or about people in the setting, such as number, gender, race, appearance, dress, movement, comportment, and feeling tone" (S.26).

"Ethnographers learn to experience through the senses in anticipation of writing: to remember dialogue and movement like an actor; to see colors, shapes, textures, and spatial relations as a painter or photographer; and to sense moods, rhythms, and tone of voice like a poet. Details experienced through the senses turn into jottings with active rather than passive verbs, sensory rather than analytic adjectives, and verbatim rather than summarized dialogue" (S.35). [17]

Hinweise auf die sprachliche Ausgestaltung von Beschreibungen finden sich andeutungsweise (active verbs, sensory adjectives, verbatim dialogue). Welche konkreten Stilmittel sich aber einsetzen lassen, um zum Beispiel die genannten Sinneseindrücke (tastes, smells, sounds) präzise erfassen und eindringlich beschreiben zu können, bleibt offen. [18]

HAMMERSLEY und ATKINSON (1995) weisen auf den Gebrauch von Bildsprache hin, deren Bedeutung sie für das ethnografische Schreiben vor allem darin sehen, (größere) soziale Zusammenhänge greifbar zu machen und theoretischen Annahmen und Konzepten Ausdruck zu verleihen. Als ein prominentes Beispiel dafür führen die Autoren die Theatermetapher von GOFFMAN (1959) an: "Goffman's well-known 'dramaturgical' metaphor – treating everyday social action in the guise of theatrical performances – may have lost its initial novelty, but it is still immediately recognized as a borrowing from one domain and an application to another" (HAMMERSLEY & ATKINSON 1995, S.245). Als weitere bildliche Ausdrucksformen nennen sie Synekdochen (eine Form der Repräsentation, bei der ein Teil für etwas Ganzes steht) und Metonymien (diese fokussieren auf ein hervorstechendes Teil eines Ganzen). Bildsprache wird bei HAMMERSLEY und ATKINSON also nicht konkret auf die Satzebene bezogen betrachtet, sondern als ein für das Textganze relevantes und somit textüberspannendes narratives Mittel (FLUDERNIK 2013 [2006], S.89) thematisiert. [19]

HIRSCHAUER (2001) widmet sich dem Problem der "Schweigsamkeit des Sozialen" (S.437). Dabei handelt es sich um Aspekte des Sozialen, zu denen die Verbalisierungen der Teilnehmer/innen keinen Zugang bieten, z.B. materielle Settings, wortlose Alltagspraktiken, bildhafte Performativität, Stimmlosigkeit aufgrund scharfer Hierarchien, Selbstverständliches und Offensichtliches. HIRSCHAUER skizziert hierfür unterschiedliche Techniken und Bewältigungsstrategien. Dazu gehört beispielsweise, sich selbst in eine praxisnahe Lage zu bringen, und zwar einerseits, um Verbalisierungsprobleme auch an sich selbst zu erzeugen und andererseits, um implizites Wissen zu generieren. Genannt wird auch die Einrichtung besonderer Räume der Versprachlichung, d.h. die Empfehlung, neben der heimischen Schreibstube auch ausgewählte Öffentlichkeiten wie Arbeitskreise oder Kolloquien aufzusuchen. Um etwa der Flüchtigkeit des Sozialen entgegenzuwirken, schlägt HIRSCHAUER die Rumination von Erfahrungen im Schreiben vor. Um das Selbstverständliche und Offensichtliche zu erfassen, rät er zu Befremdungen des Gegenstands und Entfremdungen von den eigenen Sprachprodukten. [20]

Von BREIDENSTEIN et al. (2015 [2013]) liegt inzwischen eine umfassende deutschsprachige Publikation zur Ethnografie als Forschungsstrategie vor, in der die Autoren sich sowohl mit methodologischen Grundlagen als auch mit konkreter Forschungspraxis auseinandersetzen. In Bezug auf das ethnografische Schreiben befassen sie sich vor allem mit Darstellungsstilen, Repräsentationsmodi und der Haltung ethnografischer Autor/innen. BREIDENSTEIN et al. unterscheiden vier verschiedene Aspekte der ethnografischen Autor/innenschaft:

  • Unter dem "Modus der Theoretisierung" (S.179) verstehen sie das Sich-Entscheiden zwischen Abstraktion und Generalisierung oder Konkretion und Kontextualisierung.

  • Unter der Form der "(Re-)Präsentation der Feldforschung" (S.180) werden das (direkte) Zitieren aus den eigenen Protokollen oder aus Interviews sowie Bezugnahmen auf die digitale Fotografie und Videografie verhandelt; außerdem die Rolle, die Ethnograf/innen dabei als Feldforscher/in und/oder Analytiker/in einnehmen können.

  • Unter der "Perspektive des Textes" (S.181) werden diese Rollen dann konkretisiert. Dabei unterscheiden die Autoren das "realistische Narrativ" (entpersonalisiert; ohne Anzeichen von Gefühlen, persönlicher Betroffenheit oder Teilhabe der Feldforscher/innen; im Präsens verfasst), das "prozessuale Narrativ" (S.181) (das vom Erkenntnisprozess der Ethnograf/innen bestimmt, deshalb auch in der Ich-Perspektive verfasst ist und über persönliche Erlebnisse, Überraschungen oder Fehlschläge berichtet – und zwar ebenfalls meist im Präsens) und das "reflexive Narrativ" (S.182) (das sehr viel weniger klar konturiert ist, weil es alternative Sichtweisen, Brüche und Widersprüche in der Darstellung nicht glättet, sondern bewusst markiert).

  • Und schließlich diskutieren die Autoren die "Haltung […] gegenüber den Beforschten" (S.183), verbunden mit der Frage nach dem Zweck und den Effekten einer spezifischen Repräsentationsweise. [21]

Ähnlich und deutlich konkreter widmet sich auch VAN MAANEN (2011 [1988]) ethnografischen Schreib- bzw. Erzählweisen und verweist in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung der Stilistik für das ethnografische Schreiben:

"The narrative and rhetorical conventions assumed by a writer also shape ethnography. Ways of personal expression, choice of metaphor, figurative allusions, semantics, decorative phrasing or plain speaking, textual organization, and so on all work to structure a cultural portrait in particular ways. Style is just as much a matter of choice when the experimentalist writes in a self-conscious, hyper-realistic, attention-grabbing dots-and-dashes fashion – where, for instance, ellipses are used to simulate (and stimulate) the effect of a … skipped heartbeat – as when the traditionalist falls back on the neutral, pale-beige, just-the-facts fashion of scientific reporting" (S.5). [22]

Davon ausgehend stellt VAN MAANEN drei narrative Konventionen vor: "realist", "confessional" und "impressionist tales":

  • Realist tales sind durch die Abwesenheit der Autor/innen gekennzeichnet und werden in der dritten Person verfasst (S.46). Außerdem ist ihnen ein dokumentarischer Stil eigen; es gehe um detaillierte, aber eben möglichst sachlich-nüchterne, neutrale Ereignisbeschreibungen ohne Wertung. Und es gehe vor allem darum, den "native's point of view" (S.49) zu präsentieren. Ein weiteres Merkmal dieser Erzählweise ist die interpretative Omnipotenz, d.h. es obliege allein den Ethnograf/innen zu entscheiden, wie die untersuchte Kultur präsentiert und interpretiert wird.11) VAN MAANEN zufolge lässt sich eine solche Allmacht etwa durch die Verknüpfung exemplarischen ethnografischen Datenmaterials mit namhaften und daher unzweifelhaften theoretischen Konzepten herstellen.

  • Im Kontrast dazu fokussieren confessional tales ganz auf die subjektive Wahrnehmung der Feldforscher/innen. Es geht hierbei also nicht um die native Perspektive, sondern um die der jeweiligen Ethnograf/innen. Charakteristisch seien hierfür "stories of infiltration, fables of fieldwork rapport, and accounts of what fieldwork did to the fieldworker" (S.73). Es gehe darum, "emotional reactions, new ways of seeing things, new things to see, and various mundane but unexpected occurrences that spark insight" (S.76) darzustellen. Ein wichtiges Merkmal dieser Erzähl- bzw. Schreibkonvention sei deshalb die personalisierte Autor/innenschaft – ein erzählerisches Ich, zu dem sich Intimität aufbauen lässt, das sich als Identifikationsschablone eignet, das sich als Charakter entfaltet, mit dem man quasi gemeinsam durch das Feld streift, um stereotypen Annahmen, persönlichen Vorurteilen, (W)Irrungen, Unsicherheiten, Grenzen, Fehlwahrnehmungen, Charakter- oder anderen Schwächen zu begegnen, diese zu bearbeiten und (im besten Fall sogar) zu überwinden (S.74ff.). Solche offen geäußerten Eingeständnisse allerdings seien eher selten, und auch selten konsequent ehrlich12) (S.79; für ein recht eindrucksvolles Textbeispiel hierfür siehe S.82-91).

  • Impressionist tales fokussierten dagegen auf herausstechende Ereignisse oder Aspekte, die Ethnograf/innen als besonders interessant und wichtig erachteten, weil sie die beforschte Welt auf einzigartige Weise darzustellen vermögen. Die in impressionist tales dargestellten Vorgänge würden auf dramatische Weise inszeniert, wobei von äußerst detailreichen Beschreibungen Gebrauch gemacht werde. Hierfür wird eine Vielzahl stilistischer Mittel genutzt, auf die ich im weiteren Verlauf dieses Beitrags näher eingehen werde. [23]

3.2 Zum Einsatz von Stilmitteln an praktischen Beispielen

Im Folgenden soll es nun um die Frage nach dem konkreten Einsatz von Stilmitteln gehen – um sprachliche Mittel zur Ausgestaltung ethnografischer Protokolle. Mit deren Hilfe soll sich das im Rahmen der Feldforschung Beobachtete, Gehörte und Erlebte präzise erfassen, eindringlich beschreiben und schriftsprachlich fixieren lassen. Neben der (Re-)Präsentation des aus Inter-/Intraaktionen und Konversationen gewonnenen Wissens sollen darüber hinaus auch wahr- und aufgenommene Sinneseindrücke erfasst werden. Zu diesen Sinneseindrücken zähle ich Geschmäcker, Gerüche, Geräusche, Raumwahrnehmungen, Gefühle, begleitende innere (Erregungs-) Zustände wie Freude, Glück, Begeisterung, Stolz, Erstaunen, Angst, Verzweiflung, Trauer oder auch körperliche Schmerzen. Hierfür werden wesentliche Stilmittel zusammengetragen und deren Einsatz an ethnologischen wie soziologischen Textbeispielen erläutert. Dazu gehören Formen der Redewiedergabe, die Verwendung konkreter bildhafter Sprache, Steigerungen, Übertreibungen, Lautmalerei, Einschübe, Verweise, stilistische Wechselspiele oder Verbalisierungen des Verstehens. [24]

3.2.1 Formen der Redewiedergabe und Stimmenvielfalt

Vor dem Hintergrund der Bedeutung von Sprache für das Erforschen fremder (oder eigener) Kulturen ist für SPRADLEY (1980) der Gebrauch wörtlicher Rede zentral:

"Both native terms and observer terms will find their way into the fieldnotes. The important thing is to carefully distinguish them. The native terms must be recorded verbatim. Failure to take these first steps along the path to discovering the inner meaning of another culture will lead to a false confidence that we have found out what the natives know. We may never even realize that our picture is seriously distorted and incomplete" (S.67f.). [25]

An einem Auszug aus einem von mir selbst verfassten Beobachtungsprotokoll über einen Skateboard-Contest (so werden in der Skateszene Wettkämpfe bezeichnet) lässt sich das verdeutlichen:

"Es beginnen die Finalrunden. Drei von zwölf Fahrern werden nun ins sogenannte 'Super Final' einziehen. Ein 80er-Jahre-Gitarrenrock-Song wird aufgelegt und wie bei einem Boxkampf läuten drei kurz aufeinanderfolgende Gongschläge 'zum Angriff'. [...] Auf dem 'Streetcourse' herrscht eine spannungsgeladene Stimmung. [...] Plötzlich rast nun einer der Teilnehmer auf eine 'Transition' [schräge oder runde Fläche, z.B. bei Rampen] zu, dann in sie hinein und befördert sich durch die Fliehkraft steil nach oben in die Luft. Alles geht wahnsinnig schnell. In der Flugphase greift er nach dem vorderen Teil seines 'Boards', dreht sich um die eigene Körperachse und landet sicher ohne einen einzigen Wackler. 'Three sixty mit Nosegrap [Griff an das vordere Teil des Skateboards], geil!', kommentiert eines der Szenemitglieder neben mir. 'Three sixty' – eine 360-Grad-Drehung also. Beeindruckend. Wieder jubelt die Zuschauermenge. Wenig später wiederholt sich das Manöver auf ähnliche Weise am anderen Ende des Raums. Hier befindet sich direkt hinter einer 'Transition' eine Backsteinmauer. Dank Fliehkraft saust der Fahrer nun hoch in Richtung Mauer, greift nach seinem 'Board', bleibt dann für einen kurzen Augenblick Spiderman-mäßig an der Mauer kleben, stößt sich von ihr ab und hopst zurück in die 'Transition'. Unglaublich! Scheinbar genötigt nachzulegen, springt nun auch die Konkurrenz höher, die 'Tricks' werden noch technischer und die Fahrstile noch aggressiver. Wieder werden 'Skateboards' anerkennend auf 'Copings' [Kante am oberen Rand einer Transition] gedonnert. Höher, weiter, schneller lautet das Motto, das hier nicht nur gelebt, sondern regelrecht zelebriert zu werden scheint" (BOCK 2017, S.96f.). [26]

Die Verwendung nativer Feldbegriffe und Ausdrucksformen ist hier besonders auffällig ("Super Final", "Skater", "Trick", "Streetcourse", "Three sixty mit Nosegrap, geil!", "Boards", "Transition", "Copings" usw.). Hier zeigt sich, was SPRADLEY (1980) unter einem ethnografischen Protokoll versteht, "that reflects the same differences in language usages as the actual field situation" (S.66). [27]

Stimmenvielfalt

In Ergänzung dazu lässt sich auf James CLIFFORD13) verweisen, der dazu anregt, abwechselnd "dialogische" und "polyphone" Formen zum Einsatz kommen zu lassen (1993 [1983], S.151). Gerade weil sich die Feldforschung ganz wesentlich aus Sprachereignissen zusammensetze, so betont CLIFFORD, sollte die multisubjektive Tätigkeit des ethnografischen Schreibens auch all jene vielfältigen Sichtweisen unterschiedlicher Beteiligter zu Wort kommen lassen (S.150). Dies lässt sich am nachstehenden Textauszug exemplifizieren. Dieser Auszug lässt mehrere Personen des Feldes sprechen: 1. einen Jungen, der sich als Novize zum Zwecke des Erlernens in einen Skateboardkurs begeben hat, 2. die Ethnografin (Ich), die es dem Jungen gleichgetan hat und 3. einen erfahrenen Skater (Jan), der als Übungsleiter fungierte. In dem Protokoll versuchte ich (wenngleich nur im Ansatz), sowohl meine eigene als auch die Erfahrungsperspektive des Jungen einzufangen und gab dabei die Dialoge mit dem Übungsleiter wieder.

"Daraufhin setzt sich Jan hinter einen der Jungen, der inzwischen Beine baumelnd auf dem 'Coping' […] sitzt. Er hält den Jungen fest, während er ihn langsam in die 'Rampe' hinablässt und sichergeht, dass Po und Oberkörper des Jungen an der Wand anliegen. 'Wenn ich jetzt loslasse, dann rutschst du einfach runter, okay?' Im gegenseitigen Einvernehmen lässt er den Jungen los und nun saust dieser die 'Transition' hinunter. Unten angekommen blickt er freudestrahlend zu uns hoch – 'voll cool!'. Das Ganze wird solange wiederholt, bis alle Jungen gerutscht sind. Jeder von ihnen scheint hellauf begeistert und so überwinde ich mich – auch, um vor den Kindern nicht als Angsthase dazustehen. Jan, der scheinbar nicht damit gerechnet hat, dass ich mich traue, schaut überrascht, als ich neben ihm auf den 'Coping' Platz nehme. 'Ich probier das auch, aber mich wirst du wohl nicht halten können', sage ich. 'Nee', antwortet er lächelnd" (BOCK 2017, S.84). [28]

Polyphonie ergibt sich im Übrigen außerdem, wenn im weiteren Forschungsverlauf aus einzelnen ethnografischen Protokollen (Beobachtungs-, Partizipations-, Gesprächs-, Gedächtnisprotokollen usw.) eine elaborierte, "dichte Beschreibung" (GEERTZ 1994a [1987]) angefertigt wird. [29]

Innere Stimmenvielfalt

Wie Gail SIMON (2012) zeigt, lassen sich polyphone Momente auch mittels Darstellungen inneren Reflektierens, etwa über krisenhafte Situationen im Feld, erzeugen:

"At the end of a supervision group with therapists, I noticed something in my intonation that made me uncomfortable. It kept coming to mind. The next day I tried to write about the episode to see what I could learn.

I glance at the clock – last couple of minutes. Jane is looking tired. I wonder, if as a group, we have focused too much on suggesting there may be other things she can do with a couple who are behaving disrespectfully towards her. I wonder if she wants to find a way of ending the work with them. Her wince, when I ask about this, seems to say 'I am torn.' Perhaps our discussion has been too respectful to the clients and not enough to the therapist. Our time to talk is running out. Perhaps a quick example from my own work life might create another option. I tell the group how I have, on a couple of occasions, spoken directly to couples where I have felt I can no longer tolerate their rudeness. As I repeat what I might have said to the couple at the time, I am surprised and a little alarmed by the sound of real irritation in my voice – as if I am back in the moment of directness with the couple. I wonder if the group is hearing this too. I have a flash-over of inner reactions.

'Did I intend to sound that irritated? I don't think so. So how did that happen?'

'Maybe I am tired. I thought I felt fine. Am I making good judgments now?'

'I want to discuss this with someone. When is my next supervision?'

'It's not an event that is worthy of major worry.'

'Nevertheless, how are the supervisees reacting to how I have just spoken? Is their apparent lack of visual response an indication of their sophistication or disinterest or am I unable to notice them at this very minute while I feel taken aback?'

'Do I need to do anything else at this ending point in the group?'

I try to qualify what I have just said in a more reflective tone. It has the intention of casting a stitch to end a row neatly but I wonder how I became a little unraveled in that moment" (§4). [30]

SIMON sieht darin vor allem einen forschungsethischen Gewinn in Bezug auf die Herstellung von Transparenz. [31]

Multiple Sichtweisen auf das eigene Selbst

Wie Eileen DAY (2002) überdies zeigt, lassen sich auch multiple Sichtweisen auf das eigene Selbst in ethnografische Beschreibungen integrieren. Hierzu können, wie in DAYs Fall, verschiedenste Texte herangezogen werden – etwa Einträge aus den eigenen Feldtagebüchern, eigene Veröffentlichungen und deren Rezensionen oder auch die Perspektiven nahestehender Personen auf die Forscher/innen während des Forschungsprozesses (sowie darüber hinaus):

"Another approach was to incorporate non-traditional forms of both textual and non-textual material, for instance, a poem (crafted by my sister, a poet) and a painting (courtesy of my mother, an artist) introduced the narrative. They created their own construction of my emergence as a social researcher and their art then becomes an innovative form of disclosure about my*self and a subsequent element in my construction of my*self as both an author and a narrator" (Abstract). [32]

Das Darstellen dieser Vielfalt an Sichtweisen auf die forschende Person selbst, so die Autorin, "serve to encourage, teach and legitimise the inclusion of a more honest and reflexive sense within research writings" (§6). Außerdem wird es so möglich, die eigene Geschichte und Entwicklung als (Sozial-) Forscher/in zu beschreiben (MRUCK & BREUER 2003). [33]

3.2.2 Präzision, Anschaulichkeit und Atmosphäre

Robert E. PARKs Arbeits- und Forschungsprinzipien orientierten sich an zwei unterschiedlichen Berufsdisziplinen – an der Sozialwissenschaft und dem Journalismus. Wissenschaftlich bot ihm die Universität Chicago ein erfahrenes ethnologisch-kulturanthropologisches sowie ein soziologisches Kollegium – beide vereint unter einem Dach, am Institut für Anthropologie und Soziologie. Darüber hinaus waren PARKs Arbeits- und Lehrmethoden durch seinen publizistischen Hintergrund und die damit verbundenen Handlungsroutinen als Reporter und Redakteur geprägt (CHRISTMANN 2007, S.12f.,101; LINDNER 2007 [1990], S.11, 143f.). Wie Gabriela CHRISTMANN (2007, S.97) herausarbeitet, sollten PARKs Studierende ins Feld gehen und sich durch gründliche Beobachtungen einen eigenen Eindruck von der Lebenswirklichkeit der Beforschten verschaffen. Sie sollten außerdem Lebensgeschichten, informelle Interviews mit Informant/innen und verschiedenste Dokumente (z.B. statistische Daten, räumliche Kartierungen, Zeitungsartikel, Polizeiberichte, Gerichtsakten, Aufzeichnungen von sozialen Diensten) heranziehen. PARK lehrte seine Studierenden also "genau das Herumbummeln und Herumschnüffeln, das ihn selbst als ehemaligen Reporter umtrieb[en]" hatte (BREIDENSTEIN et al. 2015 [2013], S.23). So kam mit PARK die Zeitungspraxis an die Chicago School, die die Sozialwissenschaftler/innen lehrte, hinter den Vorhang vorgefasster Meinungen über Tugend und Laster zu gucken und einen selbständigen und illusionsfreien Blick hinter die Kulissen zu tun. Gerade für Soziolog/innen war es schwer, etwas unvoreingenommen zu betrachten, denn in den 1920er Jahren war die sogenannte evangelikale Soziologie an US-amerikanischen Universitäten verbreitet. Soziologie war damals eine mit einer christlichen Morallehre verbundene und an sozialen Problemen orientierte Wissenschaft (BREIDENSTEIN et al. 2015 [2013], S.24; LINDNER 2007 [1990], S.241). PARK dagegen plädierte für die Verbindung von Empathie und Objektivität als Standard der Forschung. So habe er seinen Studierenden vermittelt, dass sie beides anstreben sollten: Empathie sei notwendig, um die Bedeutungen zu eruieren, die Menschen den Dingen geben; Objektivität hingegen sei erforderlich, um die analytische Perspektive bewahren zu können. Ziel sollte es also sein, so intensiv wie möglich in die beforschten sozialen Welten einzutauchen; gleichzeitig sollten die Studierenden jedoch Objektivität bewahren (CHRISTMANN 2007). Damit habe PARK, so LINDNER (2007 [1990], S.143), ein methodologisches Prinzip soziologischer Forschung formuliert, das zuvor bereits als Ethos des Journalismus gegolten habe. [34]

PARK habe "Soziologie aus der Erfahrung der Reportage" (LINDNER 2007 [1990]) betrieben. "Für Park war die Feldforschung eine in die Tiefe gehende Reportage. Er meinte, dass ein Soziologe nichts anderes als ein wissenschaftlicher Reporter sei, der nur genauer und verantwortlicher vorgehe als ein Journalist" (BREIDENSTEIN et al. 2015 [2013], S.23). Die damalige, sehr spezifisch gelagerte Vorbildfunktion der journalistischen Reportage hat für Ethnografie-Treibende heute inzwischen an Bedeutung verloren. Dennoch verweist die einstige Patenschaft auf bestimmte (Be-)Schreibprinzipien, die sich für das Anliegen des vorliegenden Beitrags als gewinnbringend erwiesen haben. Es ist der Einsatz von Stilmitteln, die sich aus dem Wesen und der Machart der journalistischen Reportage ableiten und für das ethnografische Protokollieren fruchtbar machen lassen: [35]

Die Reportage löst Ereignisse in Handlungen auf und vermittelt sie als Erlebnisse. Dabei sollen die Leser/innen sinnlich und unmittelbar am Geschehen teilhaben. Dies wird vor allem dadurch erreicht, dass Reporter/innen in die Tiefe gehen, und zwar durch präzise und aussagekräftige Detailschilderungen, die der Reportage eine bildstarke, fassbare Atmosphäre geben (KURZ, MÜLLER, PÖTSCHKE, PÖTTKER & GEHR 2010 [2000], S.166). Atmosphäre und Anschaulichkeit werden erreicht über die Beschreibung von Details – scheinbar beiläufige Angaben über Wetter, Lichtverhältnisse, den Straßenzustand, die Wohnungseinrichtung oder die Redeweise eines Menschen. Als Beispiel für eine solche atmosphärische Beschreibung lässt sich ein Auszug aus SPRADLEYs und MANNs "The Cocktail Waitress" anführen.

"It is an ordinary evening. Outside a light spring rain gives softness to the night air of the city. Inside Brady's the dim lights behind the bar balance the glow from the low-burning candles on each table. A relaxed attitude pervades the atmosphere. Three young men boisterously call across the room to the waitress and order another round of beer. For one of them, recently come of age, tonight marks his legal entry into this sacred place of adult drinking. A couple sits at a secluded corner table, slowly sipping their rum and Cokes, whispering to one another. An old man enters alone and ambles unsteadily toward the bar, joining the circle of men gathered there. The bartender nods to the newcomer and takes his order as he listens patiently to a regular costumer who talks loudly of his problems at home" (1975, S.1). [36]

SPRADLEY und MANN beschreiben hier ein Setting, das sie in einer US-amerikanischen College Bar vorfinden: das Wetter ("spring rain"), die Tageszeit ("night"), die Lichtverhältnisse ("dim lights", "low-burning candles"), bestimmte Bereiche ("bar", "secluded corner table"), die Stimmung ("relaxed", "boisterous"), einige Requisiten ("bar", "table", "low-burning candles", "rum and Cokes", "beer"), die Personen ("three young men", "a couple", "an old man", "the bartender", "a regular costumer") und deren vordergründige Handlungen ("call across the room", "order", "a couple sits", "slowly sipping", "whispering", "enters and ambles unsteadily toward the bar, joining the circle of men gathered there", "the bartender nods to the newcomer and takes his order as he listens patiently to a regular costumer who talks loudly of his problems at home"). Der Einsatz solcher Details hat sinnvoll und zielführend zu erfolgen; sie sollen wegen ihrer Charakteristik für die zu beschreibende Sache, Person14) oder Räumlichkeit aufgegriffen werden (KURZ et al. 2010 [2000], S.167ff.; LA ROCHE 2003 [1975], S.140). Dazu sind aussagekräftige Verben und Adjektive notwendig: Ein Blatt falle nicht einfach vom Baum; es könne "hinabschweben, hinabsegeln, hinabwehen" (KURZ et al. 2010 [2000]); es könne sich dabei zum Beispiel um ein "schmächtiges Buchenblatt handeln, das, vom leichten Windstoß gepackt, meterweit durch die Landschaft geweht wird" (S.185). Auch der Gang eines Menschen sei nicht einfach nur ein Gehen: "Wenn der Gang eines Menschen auffällt, dann nicht geht, sondern stapft, stolziert, schlurft, watschelt" (a.a.O.) dieser. Gleiches betrifft auch Sinneswahrnehmungen:

"Ist die Farbe des Kleids der Frau zartgrün, giftgrün, buchsbaumgrün, olivgrün? Oder beim Essen: Mag sein, dass etwas 'gut' schmeckt und daher lecker ist. Aber lecker ist die Wertung des Reporters und kann den Geschmack nicht transportieren. Hingegen: süß, sauer, scharf, ölig, deftig, cremig, oder aber abgestanden, nach Zahnarzt [...] Gleiches gilt für den Duft: Das Gehirn braucht ein konkretes Geruchsbild, um etwas nachvollziehen zu können, z.B. durch einen Vergleich: sanft wie Vanille, würzig wie Kiefer, nach Teer, wie frisch gemähte Wiese [...] Wenn etwas stinkt, reicht dieses Wort nicht als Beschreibung. Wie stinkt es denn? Und wonach? Riecht es nach Kuhfladen? Wie in einer überfüllten S-Bahn im Hochsommer? Nach länger benutzten Socken? Oder so vermodert, dass man das Gefühl hat, gleich krabbeln die Maden aus den Löchern?" (S.185f.). [37]

Zudem sollten auch Zahlen- und Größenangaben nicht abstrakt bleiben, sondern durch Vergleiche verdeutlicht werden (z.B. "kaum größer als eine Garage, riesig wie ein Palast", "knöcheltief, hüfthoch, so klein wie ein Fingernagel", S.186). Den Autoren zufolge sind auch solcherart Formulierungen denkbar: "mit fünf Schritten erreiche ich von der Tür aus das Fenster"; "auf Inline-Skates braucht es nur zwei, drei Minuten, bis ich die gesamte Fußgängerzone durchquert habe"; "mit dem Fahrrad kann ich den gesamten See in 20 Minuten umfahren" (a.a.O.). Derart präzise und eindringlich geschilderte Eindrücke und Wahrnehmungen erwecken Situationen zum Leben und rufen in den Leser/innen nachvollziehbare Bilder, Gedanken oder gar Emotionen auf. Entsprechend macht auch der zuvor zitierte Textauszug Gebrauch von Vergleichen und sprachlichen Bildern. Dort hieß es: "wie bei einem Boxkampf", "es herrscht eine spannungsgeladene Stimmung", "Spiderman-mäßig an der Mauer kleben" (BOCK 2017, S.96f.). Spannung und Dramatik werden hier darüber hinaus mithilfe von Steigerungen (Klimaxe) erzeugt: "Scheinbar genötigt nachzulegen, springt nun auch die Konkurrenz höher, die 'Tricks' werden noch technischer und die Fahrstile noch aggressiver. Höher, weiter, schneller lautet das Motto, das hier nicht nur gelebt, sondern regelrecht zelebriert zu werden scheint" (S.97). [38]

Ein weiteres Beispiel liefert ein Auszug aus Clifford GEERTZ' balinesischem Hahnenkampf:

"Es geschah mitten im dritten Zweikampf – Hunderte von Leuten, darunter (immer noch körperlos) meine Frau und ich, waren rund um den Ring zu einem einzigen Körper, einem wahren Superorganismus, verschmolzen –, als ein Lastwagen voll Polizisten mit Maschinenpistolen herandonnerte. Unter dem Schreien und Kreischen der Menge 'pulisi! pulisi!' sprangen die Polizisten herunter in die Mitte des Rings, wo sie sogleich wie Filmgangster mit ihren Gewehren herumfuchtelten, obwohl sie nicht soweit gingen, tatsächlich zu schießen" (1994b [1987], S.205). [39]

Auch GEERTZ macht hier von Bildsprache Gebrauch. Diese baut er langsam auf und nutzt dafür eine Mischung aus Steigerung und Übertreibung: So befanden er und seine Frau sich nicht nur unter "Hunderte[n] von Leuten", sondern sie waren mit diesen "zu einem einzigen Körper, einem wahren Superorganismus, verschmolzen". GEERTZ zeichnet damit das Bild einer Art riesigen organischen Systems; einer lebenden, sehr komplexen zusammenhängenden Masse. Mit dem "herandonnerte[n]" Lastwagen bedient sich GEERTZ zusätzlich der Lautmalerei (Onomatopöie) und beschreibt eine besondere Geräuschkulisse, die verursacht wird durch ein großes, schweres Fahrzeug, das sich auf einem unwegsamen Gelände schnell fortbewegt und dabei laute, grollende – eben donnerähnliche – Geräusche produziert. Und schließlich macht GEERTZ noch von einem Vergleich Gebrauch und beschreibt damit die "wie Filmgangster" mit ihren Gewehren herumfuchtelnden Polizisten. [40]

Präzision in Beschreibungen lässt sich außerdem mithilfe von Einschüben (Parenthesen) und Verweisen erzeugen. Der eben zitierte GEERTZsche Textauszug macht davon Gebrauch – und zwar gleich in dreifacher Form mit jeweils unterschiedlichen Funktionen: "[...] – Hunderte von Leuten, darunter (immer noch körperlos) meine Frau und ich, waren rund um den Ring zu einem einzigen Körper, einem wahren Superorganismus, verschmolzen – [...]". Die erste Parenthese, die wir hier vorfinden, wird durch zwei Gedankenstriche getrennt. Was macht dieser Einschub? Er konkretisiert das Setting; er liefert Detailinformationen zur Situation und den Personen. Der zweite Einschub wird durch zwei Kommata getrennt: "[…], darunter (immer noch körperlos) meine Frau und ich, [...]". Hiermit gibt GEERTZ sich als Autor zu erkennen und markiert seine Teilnahme an der Situation. Und eine dritte Parenthese findet sich dazwischengeschoben, in Klammern, nämlich: "[...] (immer noch körperlos) [...]". Hier referiert GEERTZ auf eine frühere Textstelle, in der er bereits schon einmal zu dem Schluss kam, dass er quasi "körperlos" sei: "Sie schauen weiter in die Luft, tragen Körbe herum, während man ziellos umherirrt und das Gefühl nicht loswird, körperlos zu sein" (S.203). [41]

Als Beispiel für einen Verweis lässt sich dagegen erneut eine eigene Textstelle anführen. Hier bediene ich mich in der Beschreibung der Vorgänge auf einem Skateboard-Contest einer Fußnote: "Die beiden zuvor aufgerufenen 'Skater' setzen sich per 'Drop-in' in Bewegung". Die an diesen Satz geknüpfte Fußnote lautet: "Zur Erinnerung: Als 'Drop-in' wird die Einfahrt in eine 'Transition' (eine schräge, oft auch abgerundete Flache) bezeichnet" (BOCK 2017, S.93f.). Der Verweis in Form einer Fußnote unterstützt den Lesefluss, und gleichzeitig erlaubt er einen selbstbestimmten, ungezwungenen Zugriff auf die Erläuterungen der gebrauchten nativen Begriffe. [42]

Einzigartigkeiten und Besonderheiten des Feldes

An dieser Stelle möchte ich den Blick noch einmal auf die bereits angesprochene Impressionist-Erzählweise richten. Wie erwähnt, fokussieren impressionist tales auf herausstechende Einzelereignisse, die Ethnograf/innen als interessant und bedeutsam erachten, weil sie auf besondere Weise zum Ausdruck bringen, wie komplex, fragmentiert, zerrissen, facettenreich, ungeordnet, ambivalent, fragwürdig usw. die beforschte Welt sich ihnen darstellt. Impressionist tales werden im Präsens verfasst, um den Leser/innen das Gefühl des Dabei-seins zu geben.15) Hierfür werden die dargestellten Ereignisse auf dramatische Weise inszeniert, wobei von äußerst detailreichen Beschreibungen Gebrauch gemacht wird.

"Their materials are words, metaphors, phrasings, imagery, and most critically, the expansive recall of fieldwork experience. When these are put together and told in the first person as tightly focused, vibrant, exact, but necessarily imaginative rendering of fieldwork, an impressionist tale of the field results. [...] The idea is to draw an audience into an unfamiliar story world and allow it, as far as possible, to see, hear, and feel as the fieldworker saw, heard, and felt. [...] Moans, cackles, and epithets, for example, are used to suggest the emotional involvement of the fieldworker in the tale and to intensify the events. The audience is asked to relive the tale with the fieldworker, not interpret or analyze it. The intention is not to tell readers what to think of an experience but to show them the experience from beginning to end and thus draw them immediately into the story to work out its problems and puzzles as they unfold" (VAN MAANEN 2011 [1988], S.102f.). [43]

Repräsentativität sei deshalb zweitrangig; es gehe in erster Linie um Plausibilität und Glaubwürdigkeit. VAN MAANEN betont wiederholt die Bedeutung dieser Erzählweise. Deren Potenzial sieht er offenbar vor allem darin, an die verborgenen Tiefenschichten einer Kultur zu gelangen; an das, was die Menschen in der beforschten Welt im Innersten ausmacht. [44]

Der Einstieg

Für das Erzeugen von Atmosphäre und Anschaulichkeit sei der Einstieg in eine Beschreibung bedeutsam, denn mit ihm lege sich die Klangfarbe, der Ton des gesamten Textes fest, so KURZ et al. (2010 [2000], S.171). Dieser könne beispielsweise als "szenischer Einstieg" (S.172) erfolgen. Hierbei führe der erste Satz direkt an den Ort einer Handlung, an eine bestimmte Person heran oder in eine konkrete Situation ein, wodurch sich die Leser/innen sofort eine plastische Vorstellung davon machen könnten. Als Beispiel hierfür lässt sich der weiter oben zitierte Textauszug von SPRADLEY und MANN (1975) anführen. Ebenso möglich ist ein "reflektorisch[er]" Einstieg (KURZ et al. 2010 [2000], S.172). Hierbei wird mit dem ersten Satz ein abstrakter Gedanke formuliert oder rückblickend erzählt, ohne das Beschriebene in Szene zu setzen. Als Beispiel für einen solchen Einstieg eignen sich die Gedanken Ronald HITZLERs bei der Bewältigung seines Feldzugangs in der Technoszene: "Ich habe keine Ahnung, was da auf mich zukommen wird, ja: was das überhaupt sein könnte. Aber ich bin mir ganz sicher: Irgendetwas Erschreckendes, nein, etwas Schreckliches wird mir widerfahren" (2015, S.76). Zudem kommen für den Einstieg auch direkte Zitate in Frage, z.B.: "'Loch 7, Loch 11, Loch 14.' Mit über zehn Stundenkilometern rauschen wir mit dem Golfcart über den Platz" (KURZ et al. 2010 [2000], S.172). Aber auch (rhetorische) Fragen eignen sich laut KURZ et al. (z.B.: "Ich [...] frage mich, ob ich eigentlich verrückt war zu glauben, ich könne tatsächlich 'skaten' lernen" [BOCK 2017, S.88]). [45]

Stilistische Wechselspiele

In Reportagen kommen außerdem stilistische Wechselspiele zum Einsatz. Diese dienen der Dramaturgie und werden eingesetzt, um Vielfalt zu bewirken, Bewegung zu schaffen und so die Aufmerksamkeit der Leser/innen aufrechtzuhalten. So gibt etwa der Wechsel zwischen direkter und indirekter Rede Erzählenden die Möglichkeit, Perspektive und Tempo zu variieren und so der Monotonie entgegenzusteuern. Besonders die direkte Rede verleiht dem Text den nötigen Erzähl- und Erlebnischarakter: Durch sie werden Äußerungen lebendiger wiedergegeben, weil sie den Ausdruck von spontanen, schnell wechselnden Gedanken und Gefühlen erleichtert. Außerdem wird durch sie die Unmittelbarkeit und Dynamik, die Geschichten interessant macht, verstärkt (KURZ et al. 2010 [2000]). Bewegung und Dynamik entstehen darüber hinaus auch durch Tempuswechsel. Wie MAST (2004 [1952]) deutlich macht, kann ein Wechsel der Zeitform innerhalb einer Beschreibung dem Beschleunigen bzw. Verlangsamen des Tempos dienen: Dabei steigere das Präsens das Tempo und mache den Text mitreißender und lebendiger; in der Vergangenheitsform Geschriebenes dagegen verlangsame den Text. In ethnografischen Protokollen bieten sich Tempuswechsel für Erläuterungen, Einschübe oder Hinweise an, mittels derer sich in der Vergangenheit gemachte Erfahrungen oder zuvor erworbenes Wissen aufrufen und stilistisch markieren lassen.16) So etwa im folgenden Textbeispiel:

"Zwischendrin versuche ich mich immer mal wieder am Aufnehmen des 'Boards': Ich hatte bereits mehrfach beobachtet, wie 'Skater' ihr 'Board' im Stand vom Boden aufnehmen, ohne sich dabei bücken zu müssen [...] Im Selbstversuch stelle ich fest: Je härter man das 'Tail' [hinteres Ende eines Skateboards] tritt, desto stärker und schneller springt einem das 'Board' entgegen" (BOCK 2017, S.86). [46]

Ich schildere hier im Präsens, dass ich mich an einem bestimmten Körperhandeln versucht hatte. Dabei erinnere ich mich an zurückliegende Beobachtungen, eben dieses Körperhandelns, vollzogen von Personen aus der beforschten Welt. Hierbei wechselt der Text ins Präteritum. Ein Wechsel zurück ins Präsens markiert sodann den Wechsel zurück in die aktuelle Situation, in der mit den Erfahrungen beim Selbstversuch fortgefahren wird. [47]

3.2.3 Felderfahrungsmodi und Verstehen

Wie deutlich geworden sein dürfte, gibt es Situationen im Feld, die man beobachtet und/oder denen man beiwohnt, und es gibt Situationen, in denen man sich selbst in eine "praxisnahe Lage" (HIRSCHAUER 2001, S.443) bringt. Je nach dem Grad der Involviertheit – beobachten, mitmachen, selbstmachen usw. – nehmen Ethnograf/innen also unterschiedliche Rollen im Feld ein und können unbeteiligte, teilnehmend-beiwohnende oder teilnehmend-praktizierende Beobachter/innen sein. Während im oben zitierten Textauszug von SPRADLEY und MANN (1975) die Beobachter/innen unbeteiligt erscheinen und GEERTZ (1994b [1987]) und seine Frau dem geschilderten Geschehen teilnehmend beiwohnen, verweist der folgende Textausschnitt auf meine Rolle als teilnehmend-praktizierende Beobachterin:

"Mir wird außerdem schnell klar, wie wichtig es ist, den Oberkörper beim Fahren stets leicht nach vorne zu beugen. Dies aber beachte ich genau nicht. Einen kurzen Moment lang ist mein Schwerpunkt etwas zu weit nach hinten verlagert und so verliere ich umgehend die Kontrolle über das 'Skateboard', weil dieses mir unter meinem Fuß wegrutscht. Dass ich den anderen Fuß noch immer auf dem Boden habe, nutzt mir wenig, da er ja leicht nach hinten versetzt steht und so den Rückwärtsfall nur noch begünstigt. Auf diese Weise stürze ich mehrere Male äußerst schmerzhaft zu Boden. Dabei falle ich ein Mal direkt auf mein Steißbein, wobei ein übler Ruck durch meine gesamte Wirbelsäule geht. Ich bin wie gelähmt" (BOCK 2017, S.87). [48]

Ich befinde mich hier im Prozess des Verinnerlichens (BOURDIEU 1992 [1983], S.55) von Körperbewegungen mit einem Skateboard. Ich stelle eine Ich-Erzählerin dar, die sehr präsent ist, und zwar in jedem einzelnen Satz ("mir", "ich", "mein"). Neben mir gibt es keine weitere Handlungsfigur. Der Fokus liegt allein auf meinem Tun, meinen Gedanken und Empfindungen. Hieran wird deutlich: Das Beobachten, in diesem Fall von Skater/innen, ist ein völlig anderer Felderfahrungsmodus, als wenn man sich selbst im Skaten versucht. Und dieser Modus lässt sich stilistisch markieren, indem man das erzählende, teilnehmend-praktizierende Ich durch ständige Wiederholungen (Repetition) in den Fokus rückt. [49]

Was sich an diesem Textbeispiel außerdem zeigt, ist die Bedeutung sprachlicher Mittel für die Verbalisierung nicht-sprachlicher Felderfahrungen – Wissen, das sich nicht durch Recherchen, Beobachtungen oder Gespräche generieren lässt, weil es sich dabei um implizites, nonverbales Wissen handelt, für das es erst noch Worte zu (er-)finden gilt. Und mit dem zitierten Textbeispiel versuche ich genau dies: fehlendes Wissen über Körperbewegungen mit einem Skateboard zu artikulieren, und zwar mithilfe bestimmter Stilmittel. Dazu zählt 1. eine versprachlichte Selbstbeobachtung: Das erzählende, teilnehmend-praktizierende Ich bedient sich hier einer Beobachter/innensprache – einer Sprache, mit der die eigene Körperhaltung und die Fußstellungen festgehalten werden und den Leser/innen vorgeführt wird, was genau in dieser Situation mit dem Körper passiert: "Einen kurzen Moment lang ist mein Schwerpunkt etwas zu weit nach hinten verlagert und so verliere ich umgehend die Kontrolle über das 'Skateboard', weil dieses mir unter meinem Fuß wegrutscht" (BOCK 2017, S.87). Daneben wird ein Stilmittel verwendet, das sich als 2. inneres Reflektieren in Verbindung mit einem Selbstinstruieren bezeichnen lässt: "Mir wird außerdem schnell klar, wie wichtig es ist [= reflektieren], den Oberkörper beim Fahren stets leicht nach vorne zu beugen [= Selbstinstruktionen]" (a.a.O.). Und als letztes Stilmittel kann hier 3. die Artikulation einer Misslingens-Erfahrung identifiziert werden: "Auf diese Weise stürze ich mehrere Male äußerst schmerzhaft zu Boden" (a.a.O.). Mit dieser Schilderung kommt zum Ausdruck, dass es mir an intuitiven körperlichen Routinen fehlt – Routinen, die ich erst im Verlauf eines langwierigen Verinnerlichungsprozesses erwerben konnte. [50]

Wie bereits erwähnt, sollten (insbesondere elaborierte) ethnografische Protokolle auch die verstehende und interpretierende Leistung der Ethnograf/innen enthalten; das also, was in der jeweiligen Feldsituation intuitiv oder praktisch verstanden wurde, oder das, was gerade noch im Verstehen begriffen ist, lässt sich auch im Protokoll verbalisieren (BREIDENSTEIN 2006, S.24). Solche Gedankenvorgänge lassen sich zum Beispiel durch Kommentieren (wie oben: "'Three sixty' – eine 360-Grad-Drehung also" (BOCK 2017, S.97), durch explizites Schlussfolgern (z.B. Ich schlussfolgere, dass ...) oder durch einen inneren Monolog (z.B.: Ich bin nicht sicher, ob ich ihn richtig verstehe. – Ist damit gemeint, dass ...?) zum Ausdruck bringen. [51]

Wie STRECK et al. (2013) herausarbeiten, gilt in diesem Zusammenhang zu bedenken, dass der Umgang mit der Präsenz der Ethnograf/innen und ihren Innensichten unterschiedliche Perspektiven auf das Material in der Auswertung eröffnen und begrenzen kann. Durch die Integration eigener Wahrnehmungen und Empfindungen eröffne sich eine "Reflexionsmöglichkeit der eigenen Herangehensweise an das Feld" (§28). Die eigene Perspektivengebundenheit und das Empfinden in der Situation würden also nicht durch eine quasi objektivierende Sprache verschleiert, sondern offen zutage treten und könnten so Gegenstand der Interpretation werden. Gleichzeitig rückt durch eine solche Fokussierung das übrige Geschehen in der Situation in den Hintergrund. [52]

4. Zusammenfassung und Schlusswort

In meinem Beitrag habe ich ein wichtiges Element ethnografischer Forschungsprozesse in den Fokus gerückt, und zwar das Protokollieren. Anliegen war es, die Möglichkeiten der stilistisch-sprachlichen Gestaltung ethnografischer Protokolle auszuloten und zu zeigen, wie das im Rahmen der Feldforschung Beobachtete, Erlebte, Gelesene, Gehörte, Empfundene und Wahrgenommene adäquat und präzise beschrieben, zum Leben erweckt und dadurch glaubwürdige, nachvollziehbare bildliche Vorstellungen, Gedanken, Wahrnehmungen usw. erzeugt werden können. Hierfür habe ich zunächst ausgeführt, welche Erkenntnisabsichten durch ethnografisches Forschen verfolgt werden und welche Rolle das (Be-)Schreiben dabei spielt. Vor diesem Hintergrund habe ich aufgezeigt, wie die im ethnografischen Forschungsprozess erfassten Vorgänge und Eindrücke in schriftlichen Texten eingefangen werden können und welcher stilistischen Mittel man sich dabei bedienen kann. [53]

Ich habe betont, dass der Einsatz stilistischer Mittel nicht beliebig erfolgt. Entscheidend sind hierbei das jeweilige Forschungsdesign, die Erkenntnisinteressen und Feldspezifika. Aus diesen ergeben sich dann unterschiedliche Forschungsfokusse, und unterschiedliche Grade der Involviertheit lassen sich ableiten, die wiederum unterschiedliche Protokollgestaltungsweisen bedingen. [54]

Im Mittelpunkt meines Beitrags standen insbesondere solche Protokollarten, mit denen 1. einzelne Szenen und (herausstechende) Ereignisse detailliert und präzise beschrieben, 2. Atmosphäre und Anschaulichkeit hergestellt, 3. nicht-sprachliches Wissen generiert und verbalisiert sowie 4. persönliche Sichtweisen, Sinneswahrnehmungen oder begleitende innere Zustände der Forschenden erfasst werden sollen. Als hierfür relevante Stilmittel habe ich unterschiedliche Formen der Redewiedergabe, die Verwendung bildhafter Sprache, Steigerungen, Übertreibungen, Lautmalerei, Einschübe, Verweise, stilistische Wechselspiele und Verbalisierungen des Verstehens herausgearbeitet. [55]

Mit diesem Beitrag wurden praktikable Textgestaltungsmöglichkeiten offeriert, die zugleich als Inspiration und Schreibhilfe vor allem für Noviz/innen in der Anwendung der ethnografischen Forschungsstrategie dienen können. Ich wollte zeigen, dass sich ethnografisches (Be-)Schreiben einer Vielfalt an Gestaltungsmitteln bedienen kann – und sollte. Insofern ist dieser Beitrag letztlich auch als ein Appell an Ethnograf/innen zu verstehen, sich die Bedeutung von Sprache bewusst zu machen und die Potenziale des Umgangs mit ihr auszuschöpfen. [56]

Danksagung

Für die Unterstützung bei der Themenentwicklung und den inspirierenden Austausch danke ich Michael CORSTEN.

Anmerkungen

1) "To be sure, ethnography has a long history, and its techniques, goals, and representational styles mean different things, not always complementary, to its many curious readers" (VAN MAANEN 2011 [1988], S.1). Ethnografische Forschung, und damit auch das ethnografische Schreiben, wird (seit jeher) von unterschiedlichsten Akteur/innen und deren Interessen determiniert – finanziellen, politischen, disziplingebundenen, method(olog)ischen, individuell-personengebunden etc. (für eine ausführliche Auseinandersetzung mit den Unterschieden zwischen der anthropologischen und der soziologischen Tradition der Ethnografie einschließlich der damit verbundenen Implikationen siehe S.21ff.). <zurück>

2) Bei diesem Beitrag handelt es sich um die gedankliche Weiterentwicklung eines Vortrags, den ich 2016 auf der Tagung "Ethnographie der Praxis – Praxis der Ethnographie" an der Stiftung Universität Hildesheim gehalten habe und für den ich von germanistischen, publizistischen und praktisch-journalistischen Werken inspiriert wurde – eine interdisziplinäre Perspektive, die sich für meine eigene Arbeit als überaus nützlich erwiesen hat. <zurück>

3) Zu den Weiterentwicklungen der soziologischen Ethnografie zählt außerdem die "lebensweltliche Ethnographie" (z.B. HITZLER & HONER 1988; HONER 1993), die sich der Diversifikation von Lebensstilen im Rahmen von Milieu- und Szenenforschung widmet. Neben der ethnologischen und soziologischen ist die "Ethnographie als Alltagssoziologie" eine weitere wichtige Traditionslinie. Begründet von Alfred SCHÜTZ (SCHÜTZ & LUCKMANN 1984 [1979]), widmeten sich ihr zunächst insbesondere GOFFMAN (1973 [1961], 1986 [1971], 1982 [1971]) mit seinen zahlreichen Studien zu Alltagsritualen sowie GARFINKEL (1967) mit Untersuchungen zur Herstellung alltäglicher Normalität. <zurück>

4) Im Zeitalter der Digitalisierung aber sind Teilnahme und Beobachtung längst nicht mehr nur auf physisch-reale Räume und Dingwelten beschränkt. Vor allem jüngere Menschen suchen häufiger online nach Möglichkeiten zur Vergemeinschaftung und nach online-medialen Alternativen für die eigene öffentliche oder teilöffentliche Artikulation. Hierfür eröffnen zahlreiche medientechnische Entwicklungen im Online-Bereich neuartige sozio-technische Möglichkeitsräume, die ebenso relevante Forschungsfelder offerieren wie die Offline-Welt (HUGGER 2014 [2010]). In diesem Zusammenhang ist zum Beispiel auf Andreas WITTEL (2000) zu verweisen, der sich der Feldforschung im virtuellen Raum widmet und forschungspraktische Implikationen einer Online-Ethnografie diskutiert. Winfried MAROTZKI (2003) wendet den Begriff Online-Ethnografie auf virtuelle Communities an und arbeitet Merkmalsbereiche zu ihrer Beschreibung heraus. Darüber hinaus befassen sich Maurizio TELI, Francesco PISANU und David HAKKEN (2007) mit neuen Dimensionen ethnografischer Forschung in computervermittelten Settings und diskutieren den Begriff Cyberethnografie. Natalia RYBAS und Radhika GAJJALA (2007) präsentieren cyberethnografische Forschungsmethoden zur Untersuchung digital vermittelter Identität. Heike Mónika GRESCHKE (2007) bietet methodologische Reflexionen zur ethnografischen Forschung in einem plurilokalen, computervermittelten Feld an. Und Simona ISABELLA (2007) untersucht ein Online-Rollenspiel, wobei sie sich mit der Bedeutung virtueller und realer Wettbewerbe in der Konstruktion des Feldes befasst. <zurück>

5) Über die Frage nach Glaubwürdigkeit bzw. Authentizität im ethnografischen Schreiben wurde eine ganze Debatte geführt (vgl. dazu BERG & FUCHS 1993 sowie CLIFFORD & MARCUS 1986). <zurück>

6) Für Autoethnograf/innen kann das Schreiben noch weitere Funktionen erfüllen, z.B. therapeutisch und entlastend wirken oder helfen, sich selbst und die eigenen Erfahrungen zu verstehen (ELLIS, ADAMS & BOCHNER 2010, S.350). <zurück>

7) Daraus wiederum ergeben sich unterschiedliche Protokollweisen, die im weiteren Verlauf dieses Beitrags näher betrachtet werden. <zurück>

8) Das von Clifford GEERTZ (1994a [1987]) entwickelte Konzept der "dichten Beschreibung" fußt auf einem semiotischen Kulturbegriff: "Ich meine mit Max Weber, daß der Mensch ein Wesen ist, das in selbstgesponnene Bedeutungsgewebe verstrickt ist, wobei ich Kultur als dieses Gewebe ansehe. Ihre Untersuchung ist daher keine experimentelle Wissenschaft, die nach Gesetzen sucht, sondern eine interpretierende, die nach Bedeutungen sucht. Mir geht es um Erläuterungen, um das Deuten gesellschaftlicher Ausdrucksformen, die zunächst rätselhaft erscheinen" (S.9). <zurück>

9) Die Betrachtung von Sprache und Kommunikation als "bedeutsames Handeln" geht zurück auf die Sprechakttheorie (AUSTIN 1963; SEARLE 1969). Hiernach sind sprachliche Äußerungen nicht nur Aussagen über die Dinge in der Welt, sondern intentionale Handlungen, die sich an jemanden richten (LINKE, NUSSBAUMER & PORTMANN 1996 [1991]). Der Kernpunkt der Sprechakttheorie lautet wie folgt: "Wenn wir davon ausgehen, dass einen Satz sagen bedeutet: eine Äusserung machen, d. h. in einer Situation und zu einem Gegenüber etwas sagen, dann müssen wir damit rechnen, dass jede Äusserung dazu bestimmt ist, eine Handlung zu vollziehen, dass Sprechende mit jeder Äusserung 'etwas tun'. Und zwar auch dann, wenn einer vermeintlich bloss etwas feststellt" (S.186). <zurück>

10) "Beim Beobachten und Schreiben müssen Forschende [...] nicht nur entscheiden, auf welche Handlungsverläufe sie ihre Aufmerksamkeit richten, sondern auch, welchen Aspekten von Handlungen besonders viel Platz eingeräumt wird: dem gesprochenen Wort, dem Gesichtsausdruck und dem Tonfall, der Bewegung oder der Platzierung im Raum, dem räumlichen, zeitlichen oder akustischen Kontext einer Handlungsabfolge?" (STRECK et al. 2013, §24). <zurück>

11) Diese (Re-)Präsentationsweise sei, in einer reinen Form, in gegenwärtigen ethnografischen Texten allerdings eher selten zu finden, denn durch fehlende subjektive und multivokale Bezugsrahmen erschienen die Texte weniger "dicht" (i.S.v. GEERTZ 1994a [1987]); außerdem gehe damit die Gefahr einher, implizit einen zu starken Anspruch auf Objektivität, Glaubwürdigkeit und damit Autorität zu erheben (VAN MAANEN 2011 [1988], S.51ff.). <zurück>

12) "Though confessional writers are forthcoming with accounts of errors, misgivings, limiting research roles, and even misperceptions, they are unlikely to come to the conclusion that they have been misled dramatically, they got it wrong, or that they have otherwise presented falsehoods to their trusting audience. [...] We rarely read of unsuccessful field projects where the research was presumably so personally disastrous to the fieldworker that the study was dropped or failed ever to find its way to publication. While there may be some nervous indications that things are not so certain as they appear in print or that future voyagers into similar research worlds may see things in different ways, confessional tales usually end on an upbeat, positive, if not fully self-congratulatory, note" (VAN MAANEN 2011 [1988], S.79). <zurück>

13) James CLIFFORD ist ein US-amerikanischer Historiker, dessen Ansehen innerhalb der ethnografischen Forschung auf sein Konzept der "Writing Culture" (CLIFFORD & MARCUS 1986) zurückgeht, das einen bedeutsamen Einfluss auf die erkenntnistheoretische Neuorientierung der Ethnologie ausgeübt hat. <zurück>

14) Die Nähe zu Personen wird in der Reportage als besonders wichtig erachtet, denn durch Menschen und die Nähe zu ihnen würden Anschaulichkeit und Tiefe erzeugt (KURZ et al. 2010 [2000], S.174). <zurück>

15) VAN MAANEN selbst präferiert zudem, den Stil gesprochener Sprache in der Schriftlichkeit zu bewahren (2011 [1988], S.123, Fußnote 8). <zurück>

16) Tempuswechsel fungieren dann ähnlich wie die in Filmproduktionen für Rückblenden verwendete Veränderung der Farbgebung (Farbe wechselt zu Schwarzweiß). <zurück>

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Zur Autorin

Dr. Katharina BOCK ist Linguistin, Publizistik-/Kommunikationswissenschaftlerin und promovierte Soziologin. Derzeit ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Dozentin am Institut für Sozialwissenschaften der Stiftung Universität Hildesheim tätig. Dort forscht sie mit und lehrt zu ethnografischen Forschungsmethoden.

Kontakt:

Dr. Katharina Bock

Stiftung Universität Hildesheim
Institut für Sozialwissenschaften
Universitätsplatz 1
31141 Hildesheim

E-Mail: bockkat@uni-hildesheim.de
URL: https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/soziologie/mitglieder/wissenschaftliche-angestellte/dr-katharina-bock/

Zitation

Bock, Katharina (2019). Ethnografisches Protokollieren – Erkenntnisabsichten und sprachlich-stilistische Gestaltungsprinzipien [56 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 20(1), Art. 6, http://dx.doi.org/10.17169/fqs-20.1.2933.



Copyright (c) 2019 Katharina Bock

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