Volume 8, No. 3, Art. 25 – September 2007

Gedächtnis und Kultur – Anmerkungen zum Konzept der "Erinnerungskulturen" in den Kulturwissenschaften

Nina Leonhard

Review Essay:

Günter Oesterle (Hrsg.) (2005). Erinnerung, Gedächtnis, Wissen. Studien zur kulturwissenschaftlichen Gedächtnisforschung. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 685 Seiten, ISBN 3-525-35585-8, EUR 98

Zusammenfassung: Der aus dem Gießener DFG-Sonderforschungsbereich Erinnerungskulturen hervorgegangene Sammelband bietet einen breiten Überblick über Forschungsansätze und -ergebnisse aus verschiedenen Disziplinen rund um das Themenfeld Erinnerung und Gedächtnis. Trotz vieler interessanter Einzelbetrachtungen fehlt jedoch ein übergeordneter Rahmen, durch den die thematisierten Aspekte eingeordnet und aufeinander bezogen werden könnten. Die Schwächen einer kulturwissenschaftlichen Gedächtnisforschung, verstanden als ein interdisziplinäres, multiperspektivisches Forschungsprogramm, werden auf diese Weise deutlich.

Keywords: Erinnerung und Gedächtnis, Erinnerungskultur(en), Identität, Interdisziplinarität, Intermedialität, Kulturwissenschaften, Wissensordnung(en), Zeit und Raum

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Eine Sammlung von Aufsätzen zum Themenfeld Erinnerung und Gedächtnis: Zum Aufbau und Inhalt des Buches

3. Auf dem Weg zu einer kulturwissenschaftlichen Gedächtnisforschung?

3.1 Zur Relevanz der Gedächtnisforschung im interdisziplinären Vergleich

3.2 Kulturwissenschaftliche Gedächtnisforschung zwischen Interdisziplinarität und Transdisziplinarität

3.3 Gedächtnis = Kultur und/oder Wissen?

4. Schlussbetrachtung

Anmerkungen

Literatur

Zur Autorin

Zitation

 

1. Einleitung

"Wenn die Beschäftigung mit dem Thema Erinnerung heutzutage als Mode erscheint, so indiziert das nichts anderes, als dass das Erinnern in ein Stadium der Selbstreflexion eingetreten ist, das das Vergessen nicht vergessen lässt." (OESTERLE, S.12) Folgt man dieser These von Günter OESTERLE, dem Herausgeber des hier zu besprechenden Sammelbandes, muss als Symptom und Effekt des "mittlerweile erreichten selbstreflexiven Niveaus der Erinnerung" (a.a.O.) auch der seit 1997 bestehende DFG-Sonderforschungsbereich 434 Erinnerungskulturen der Justus-Liebig-Universität Gießen selbst gelten, dessen Forschungsleistungen der letzten Jahre mit diesem Buch dokumentiert werden. Auf knapp 700 Seiten wird in 25 Beiträgen von 8 Autorinnen und 25 Autoren ein breites Spektrum von Themen und Ansätzen aus unterschiedlichen Disziplinen behandelt. Eine inhaltliche Synthese fällt angesichts des Umfangs und der offenen Ausrichtung des Bandes schwer. Ich werde daher zunächst anhand ausgewählter Beispiele einen Überblick über die im Buch versammelten Zugänge zum Thema Erinnerung und Gedächtnis1) geben, um anschließend auf dieser Grundlage einige Probleme und Chancen einer kulturwissenschaftlichen Gedächtnisforschung, wie sie sich durch die im Sammelband vertretenen Arbeiten abzeichnen, zu diskutieren. [1]

2. Eine Sammlung von Aufsätzen zum Themenfeld Erinnerung und Gedächtnis: Zum Aufbau und Inhalt des Buches

Der Sammelband ist in vier große Themenblöcke gegliedert, die unterschiedliche, im Rahmen des Sonderforschungsbereichs bearbeitete Forschungsachsen abbilden. Um einen schnellen inhaltlichen Überblick zu bekommen, bietet es sich an, die Lektüre des Bandes mit den Einführungstexten zu beginnen, die den einzelnen Teilabschnitten vorangestellt sind. Diese umreißen den gemeinsamen Fokus und geben einen Ausblick auf die zugeordneten Beiträge. Die Einleitung des Herausgebers reflektiert dagegen ganz allgemein, d.h. ohne direkten Bezug zu den im Buch versammelten Aufsätzen, über Stand und Zukunft der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Erinnerungskulturen. Sie ist daher eher als allgemeiner Kommentar zur Problematik der Erinnerungs- und Gedächtnisforschung anzusehen, der im Prinzip auch am Ende des Bandes stehen könnte. [2]

Der erste, mit neun Aufsätzen größte und zugleich heterogenste Teilabschnitt "Theoretische Dispositionen" ist der theoretischen Fundierung der Erforschung von Erinnerungskulturen gewidmet. Unter den hier vertretenen Ansätzen lassen sich im Wesentlichen zwei Perspektiven unterscheiden. Von der einen Gruppe von Autorinnen und Autoren wird die Bedeutung des Gedächtnisansatzes für eine bestimmte Fachdisziplin (Literaturwissenschaft, Geschichtswissenschaft; siehe weiter unten) diskutiert. Die anderen stellen dagegen, ohne sich disziplinär explizit zu positionieren, das Werk eines/r bestimmte/n Autors/Autorin oder einen Begriff in den Mittelpunkt: Jens MATTERN erörtert beispielsweise den Erinnerungsbegriff bei PLATON und HEIDEGGER, Andreas HOESCHEN konzentriert sich auf die Gedächtniskonzeption in den Arbeiten des russischen Literaturkritikers Michail M. BACHTIN, während Stephanie WODIANKA die Bezüge zwischen Mythos, Geschichte und Erinnerung herausarbeitet. [3]

Der zweite Teilabschnitt des Buches ist mit "Wissensordnungen" überschrieben und umfasst sechs Aufsätze, die um die Produktion von Wissen innerhalb eines bestimmten kulturellen Kontextes und somit um das Verhältnis zwischen Erinnerung und Wissen kreisen. So gehen Günter BUTZER, Joachim JACOB und Gerhard KURZ am Beispiel der Lyrik der Entwicklung des Verhältnisses von kulturellen Wissensbeständen ("Gedächtnis") und individueller Erinnerung nach. Herbert GRABES und Margit SICHERT analysieren die Funktionsweisen des Literaturkanons als "Wissensspeicher" und "Kommunikationsbasis" (S.392). Während Helmut KRASSER Formen und Funktionen der Wissenskodifikation im kaiserlichen Rom aufzeigt, untersucht Werner RÖSENER am Beispiel des mittelalterlichen Adels den Zusammenhang zwischen Erinnerungskultur und Identität sozialer Gruppen. [4]

Die drei Beiträge des dritten, mit "Intermedialität" überschriebenen Themenblocks beschäftigen sich mit der Rolle unterschiedlicher Medien für die Rekonstruktion, Transmission und Bewahrung von Erinnerung. Am deutlichsten kommt dieser Fokus im Beitrag von Rolf REICHARDT zum Tragen, der um 1800 entstandene Karikaturen sowohl auf ihren Mediengehalt als auch auf ihre internen Erinnerungsbezüge hin untersucht. [5]

Im vierten und letzten Themenblock, dem sieben Aufsätze zugeordnet sind, werden unter der Überschrift "Zeit und Identität" Erinnerungskonstruktionen "zwischen Nation und Transnation" behandelt. Winfried SPEITKAM arbeitet in diesem Zusammenhang das Verhältnis von Geschichtspolitik und nationbuilding für den Fall Afrikas heraus. Dietmar RIEGER geht am Beispiel von Jeanne d'Arc dem Bedeutungswandel von traditionellen Nationalmythen in einer globalisierten Welt nach, während Andreas LANGENOHL die Bedeutung des Verhältnisses von Ort und Zeit für die soziale Konstruktion und Wirkung von Vergangenheit analysiert und dabei den Begriff der Diaspora als Ausgangspunkt für eine "heuristische Kategorienbildung" in der "transnationalen Konstellation" (S.629) einführt. [6]

Bereits diese kurze Aufzählung lässt die Vielfalt, aber in gewisser Weise auch Beliebigkeit dieser Aufsatzsammlung erkennen. Sicherlich sind die Beiträge um bestimmte Kernbegriffe – Medien, Wissen, Identität bzw. Nation – gruppiert. Diese werden jedoch, sieht man einmal von der Einführung zum Abschnitt "Wissensordnungen" ab, zumeist nicht genauer, d.h. auf eine bestimmte Fragestellung hin, definiert und zudem auch nicht von allen Autoren und Autorinnen aufgegriffen. Selbst wenn die Qualität der Einzelbeiträge – die, wie so oft, auch im vorliegenden Fall einmal mehr und einmal weniger überzeugt – dadurch nicht berührt wird, bleibt die Aussagekraft des Sammelbandes als Ganzes eher diffus.2) [7]

3. Auf dem Weg zu einer kulturwissenschaftlichen Gedächtnisforschung?

Diese Feststellung gilt vor allem dann, wenn man die Ankündigung auf dem Bucheinband ernst nimmt, nach der "Vertreter aus elf verschiedenen Disziplinen [...] in diesem Band gemeinsam die Grundzüge einer kulturwissenschaftlichen Gedächtnisforschung" entwickeln. Nun sollten solche werbewirksamen Aussagen eines Verlages nicht überbewertet werden. Ausgehend vom Untertitel des Bandes lässt sich dennoch zu Recht die Frage stellen, worin die Charakteristika einer kulturwissenschaftlichen Beschäftigung mit Erinnerung und Gedächtnis bestehen könnten oder sollten. [8]

Was Kulturwissenschaft ist bzw. was Kulturwissenschaften sind und was eine kulturwissenschaftlich ausgerichtete Forschung ausmacht, lässt sich, wie einschlägige Definitionsversuche zeigen, nicht eindeutig beantworten. Häufig wird die Vieldeutigkeit und Pluralität von Ansätzen und Begriffen sogar als ein wesentliches Charakteristikum kulturwissenschaftlicher Arbeiten deklariert (z.B. ALEKSANDROWICZ et al. 2004, S.8). In der Tat steht "Kulturwissenschaft" sowohl als Sammelbegriff "für einen offenen und interdisziplinären Diskussionszusammenhang" (NÜNNING 2004, S.368) als auch für eine bestimmte Ausrichtung innerhalb einer Disziplin. Je nach fachwissenschaftlichem Standort und Verständnis werden in kulturwissenschaftlichen Studien unterschiedliche Forschungstraditionen in Anspruch genommen und unterschiedliche Forschungsfragen in den Mittelpunkt gestellt.3) Dies gilt auch für den vorliegenden Sammelband. Bei dem Versuch zu bestimmen, was kulturwissenschaftliche Gedächtnisforschung in diesem Fall bedeutet, rücken drei Problembereiche in den Vordergrund. Diese betreffen die Form der Auseinandersetzung mit Erinnerung und Gedächtnis innerhalb verschiedener Fachdisziplinen, die Möglichkeiten und Grenzen des wissenschaftlichen Austauschs über "Erinnerung" über disziplinäre Grenzen hinweg sowie, last but not least, die Frage der Definition und Abgrenzung des Gedächtnis- bzw. Erinnerungsbegriffs von anderen Konzepten. [9]

3.1 Zur Relevanz der Gedächtnisforschung im interdisziplinären Vergleich

Der erste Problembereich betrifft den Stellenwert, den die Beschäftigung mit Phänomenen von Erinnerung und Gedächtnis in den verschiedenen Einzeldisziplinen einnimmt. Der vorliegende Band gibt zumindest für die Literaturwissenschaft und die Geschichtswissenschaft eine erste Antwort: Während Astrid ERLL und Ansgar NÜNNING präzise und anschaulich darlegen, dass und warum literarische Texte einen bevorzugten Zugang zur Erforschung von Erinnerungskulturen darstellen und auf diese Weise exemplarisch den Anspruch der Literaturwissenschaft vertreten, die Königsdisziplin der Kulturwissenschaften zu sein,4) analysieren Marcus SANDL und Hartmut BERGENTHUM jeweils das Verhältnis von Gedächtnis und Geschichte. Im Vergleich zu anderen einschlägigen Standortbestimmungen der Historiographie gegenüber den Herausforderungen durch die Gedächtnisforschung5) ist vor allem der erste Beitrag hervorzuheben. SANDL bleibt nicht bei der These stehen, dass sich Gedächtnis und Geschichte nicht als die beiden Seiten einer Medaille, sondern als konkurrierende, sich theoretisch gegenseitig ausschließende Zugriffsweisen auf ein und denselben Gegenstand darstellen, sondern greift diese auf, um sie für eine neue, selbstreflexive historiographische Konzeption von Erinnerungskulturen fruchtbar zu machen. [10]

Über diese beiden Fächer hinaus gibt es jedoch keine weitere fachspezifische Auseinandersetzung mit dem so genannten Erinnerungsparadigma (vgl. J. ASSMANN [1992]2000, S.11; ERLL 2003, S.156-158), obwohl dieses – und das zeigt ja der Sammelband – auch in anderen Disziplinen einen (wichtigen?) Platz eingenommen hat. Mit Blick auf die Arbeiten zu Erinnerung und Gedächtnis der inzwischen am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) angesiedelten Forschergruppe um Harald WELZER6) fällt vor allem die selektive Thematisierung von Ansätzen aus dem Bereich der Psychologie auf. Günther LOTTES greift zwar als Historiker in seinem Beitrag "Erinnerungskulturen zwischen Psychologie und Kulturwissenschaft" psychoanalytische Überlegungen auf und geht z.B. unter Berufung auf die Arbeiten von Jürgen STRAUB (1998a, 1998b sowie RÜSEN und STRAUB 1998) auch auf die Beschaffenheit von Erinnerung auf der individuellen Ebene ein. Bezüge zu den Funktionsweisen des autobiografischen Gedächtnisses, wie sie WELZER (2002) bzw. WELZER und MARKOWITSCH (2001, 2005) u.a. auf der Grundlage neurowissenschaftlicher Erkenntnisse herausgearbeitet haben, werden dabei jedoch nicht hergestellt. LOTTES' Beitrag behandelt also letztlich eher die Frage, welche psychoanalytischen Erkenntnisse relevant für eine geschichtswissenschaftliche Erinnerungsforschung sind, als dass er Einblicke in die Probleme und Kontroversen der psychologische Gedächtnisforschung als solche gibt. [11]

Abgesehen davon wäre es ebenfalls interessant gewesen zu erfahren, was zum Beispiel eine spezifisch philosophische, was eine soziologische Betrachtungsweise von Gedächtnis auszeichnet. Welchen Stellenwert nimmt das Thema Erinnerung gegenüber anderen Themenkomplexen in diesen (und anderen) Fächern ein? Aus welchen Gründen scheint es Politik- sowie Medien- und Kommunikationswissenschaftler/innen vergleichsweise leicht zu fallen, sich den Erinnerungsbegriff anzueignen, während man sich in der Soziologie – abgesehen von einigen Ausnahmen, für die z.B. der schon erwähnte Beitrag von Andreas LANGENOHL steht – offenbar nur zögerlich dazu entschließen kann, sich mit der Gedächtnistheorie des Soziologen Maurice HALBWACHS ([1925]1985, [1950]1991) auseinander zu setzen, auf den zumindest formal sonst stets verwiesen wird, wenn von Erinnerung und Gedächtnis die Rede ist? Eine interdisziplinär vergleichende Erörterung der Relevanz der Forschung zu Erinnerung und Gedächtnis in den im Buch vertretenen Disziplinen hätte es erlaubt, die Prägnanz und die Reichweite des Gedächtnisansatzes für die kulturwissenschaftliche Forschung genauer zu bestimmen. [12]

Dies führt zu einem zweiten Punkt, der für die Begründung einer kulturwissenschaftlichen Gedächtnisforschung von Bedeutung ist. Er betrifft den Disziplinen übergreifenden Anspruch, der mit kulturwissenschaftlicher Forschung verbunden ist. [13]

3.2 Kulturwissenschaftliche Gedächtnisforschung zwischen Interdisziplinarität und Transdisziplinarität

Für die kulturwissenschaftliche Forschung, so Aleida ASSMANN (2002, S.27) in ihrem programmatischen Aufsatz "Gedächtnis als Leitbegriff der Kulturwissenschaften", bestehe die Attraktivität des Themas Gedächtnis darin, einen Problemzusammenhang zu erschließen, "der von keiner Einzeldisziplin aus monopolisiert werden kann und der für die Einzelfächer neue Perspektiven eröffnet". Die allgemeine Konjunktur von Erinnerung und Gedächtnis und ihre Inanspruchnahme durch die Kulturwissenschaften hat nicht zuletzt zu deren institutioneller Etablierung und Profilierung als eigenständige "interdisziplinäre Disziplin" beigetragen. Auch dafür steht der Gießener Sonderforschungsbereich Erinnerungskulturen auf exemplarische Weise. Er kann in diesem Sinne als Versuch aufgefasst werden, die Möglichkeiten und Grenzen eines fächerübergreifenden Dialogs über Erinnerung und Gedächtnis auszuloten. Die im vorliegenden Band dargestellte Praxis zeigt jedoch, dass die Grenzen gegenüber den Möglichkeiten deutlich überwiegen. In den Aufsätzen des Sammelbandes werden interdisziplinäre Problemstellungen oder Einsichten nämlich bestenfalls am Rande thematisiert. Eine der wenigen Ausnahmen stellt – neben dem schon genannten Aufsatz von Günter LOTTES – der Beitrag von Kirsten DICKHAUT dar, die am Ende ihrer Analyse der Bibliothek als Wissensspeicher und Institution von Erinnern und Vergessen interdisziplinäre Anknüpfungspunkte explizit aufzeigt. Ob es interdisziplinäre Überschneidungen oder Erweiterungen darüber hinaus noch gibt und welche dies sind, müssen sich Leser/innen ansonsten selbst überlegen. Wie Günter OESTERLE (S.14f.) nicht ohne Ernüchterung feststellt, lässt sich daran erkennen, dass die Möglichkeiten eines "transdisziplinären" Austausches, wie er es nennt, im Zuge einer zunehmenden Spezialisierung innerhalb der Disziplinen (hier: mit Bezug zu Fragen von Erinnerung und Gedächtnis) eher kleiner als größer werden.

"Ein Historiker, der erinnerungskulturell im Bereich des historischen Machtdispositivs arbeitet, kann zwar mit einem Literaturwissenschaftler, der beispielsweise Kanonisierungsprobleme in der Literatur behandelt, unschwer kooperieren, ästhetische Studien aber, die Ersterinnerungen oder Erinnerungsauslöser wie Geruch, Geschmack bearbeiten, dürften für ihn eher exotisch fern liegen. Oder um ein anderes Beispiel zu nennen: Literaturwissenschaftler und Historiker werden sich inzwischen im Arbeitsfeld Narratologie und Erinnerung verständigen können; sehr viel schwerer wird es Historikern aber fallen, der zwischen Kunst- und Literaturwissenschaft geführten Diskussion über den Zusammenhang von Erinnerung und Undarstellbarem zu folgen." (S.15) [14]

Das hier angesprochene Problem der Anschlussfähigkeit stellt sich bei der Lektüre des Sammelbandes an der einen oder anderen Stelle ebenfalls ein. Aus der sozialwissenschaftlichen Perspektive der Rezensentin betraf dies beispielsweise den Beitrag von Thomas LANGER über die "Annäherung von exakter Wissenschaft und bildender Kunst am Beispiel von Philipp Otto Runges Konstruktion der 'Farbenkugel' (1810)" oder die Analyse muslimischer Selbst-Inszenierung in Endzeitnarrationen von Sabine DAMIR-GEILSDORF und Béatrice HENDRICH. Umgekehrt werden kunst- bzw. islamwissenschaftlich interessierte Leser/innen z.B. mit den Überlegungen von Claus LEGGEWIE und Erik MEYER zu "Geschichtspolitik in der Mediengesellschaft" oder mit Claudia ALTHAUS' Analyse des Wechselverhältnisses von individuellen "Erinnerungsresiduen und Offizialkultur" am Beispiel der Erinnerung an den Nationalsozialismus womöglich wenig anfangen können. Solche Beispiele lassen sich beliebig ergänzen. Und doch zeigt Günter OESTERLE in seiner Einleitung trotz aller Einschränkungen am genannten Beispiel der Undarstellbarkeit zugleich auf, wo und wie "Transdisziplinarität" entstehen könnte:

"Gleichwohl dürfte etwa William Turners Gemälde der 'Schlacht von Waterloo' auch ein großes Anregungs- und intensives Aussagepotential für Historiker haben. Im Vergleich mit Byron lässt sich nämlich zeigen, dass kaum mehr Details der Schlacht auf Turners Bild zu sehen sind, sondern allein Farbe und nichts als die Farbe das Undarstellbare der die Vorstellung sprengenden Vernichtung anzeigt." (S.15) [15]

Ist die Aufgabe einer kulturwissenschaftlichen Gedächtnisforschung also nicht zuletzt darin zu sehen, sich auf die Identifizierung und Vermittlung solcher "transdisziplinärer" Anregungen und Erkenntnisse zu konzentrieren und von anderen Aspekten abzugrenzen, die nur bzw. vorwiegend für eine bestimmte Fachrichtung von Interesse sind? Falls dem so ist, wurde mit dem vorliegenden Sammelband ein erster kleiner Schritt in diese Richtung getan – dem allerdings noch viele weitere folgen müssten. [16]

3.3 Gedächtnis = Kultur und/oder Wissen?

Verständigung an und für sich und vor allem über disziplinäre Fachgrenzen hinweg setzt das gegenseitige Verständnis von zentralen Begriffen voraus. Diese Voraussetzung ist, wie dieser Sammelband belegt, auch im Fall der kulturwissenschaftlichen Forschung zu Erinnerung und Gedächtnis nicht unbedingt erfüllt – obwohl Jan ASSMANNs Modell des "kulturellen Gedächtnisses" ([1992]2000) zumindest implizit für die Mehrheit der Autoren und Autorinnen weiterhin die Leitreferenz zu sein scheint. In Ergänzung und Weiterentwicklung dieses Ansatzes hat sich hierzulande in der Wissenschaft wie auch im öffentlichen Sprachgebrauch inzwischen der Begriff der Erinnerungskultur(en) durchgesetzt. Auch in der Einleitung des Herausgebers wie in den meisten Aufsätzen des Sammelbandes wird dieser Terminus verwendet. Eine gemeinsame Definition oder zumindest ein mehrheitlich geteiltes Verständnis, was damit gemeint ist, ist dabei jedoch nicht zu erkennen. Versteht man mit CORNELIßEN (2003, S.555) unter Erinnerungskultur einen "Oberbegriff", der ganz unterschiedliche Formen und Prozesse der Bezugnahme zur Vergangenheit umfasst, mag das nicht erstaunen. Um einen fundierten Einblick in die Merkmale und Funktionsweisen von "Erinnerungskulturen" zu erhalten, ist jedoch zu klären, wie sich die einzelnen in diesem Zusammenhang betrachteten Elemente zueinander verhalten, und auf welchen Ebenen bzw. in welche Weise sie untersucht werden können. Gerade das leistet der Sammelband jedoch nicht. Ohne Zweifel liefert er mit den verschiedenen Aufsätzen eine Fülle von theoretischen Einsichten und empirischen Erkenntnissen, doch fehlt ein übergeordneter Rahmen, nach dem diese eingeordnet und gegebenenfalls miteinander in Beziehung gesetzt werden könnten. Das ist vor allem deshalb schade, da, wie Marcus SANDL in seinem Beitrag (S.99-111) rekapituliert, für die Einrichtung des Gießener Sonderforschungsbereiches ein umfassendes Konzept von Erinnerungskulturen erarbeitet wurde, auf das man hierfür hätte zugreifen können. [17]

Die fehlende konzeptionelle Präzision ist aus einem weiteren Grund problematisch. Für die Entwicklung der Grundzüge einer kulturwissenschaftlichen Gedächtnisforschung wäre es erforderlich, das Spezifische der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Phänomenen von Erinnerung und Gedächtnis im Vergleich zu anderen Gegenständen herauszuarbeiten. Aleida ASSMANN hat in ihrem schon erwähnten Aufsatz vier Merkmale, darunter den Prozesscharakter von Erinnerung sowie die Konzentration auf Repräsentationsformen, als Faktoren hervorgehoben, die das "integrativ[e], Disziplinen übergreifend[e] Potential" des Gedächtnisansatzes für die Kulturwissenschaften begründen (2002, S.27). Was damit genau gemeint ist, wird deutlich, wenn man sich das Verständnis von "Kultur" vergegenwärtigt, das den (meisten) kulturwissenschaftlichen Ansätzen zugrunde liegt. Kultur wird dort als ein symbolisch und textuell vermittelter Prozess der Selbstauslegung sowie der Sinn- bzw. Bedeutungskonstruktion definiert, der unterschiedliche (materiale, soziale, mentale) Dimensionen umfasst (so z.B. NÜNNING 2004, S.370). Als bevorzugte Gegenstände kulturwissenschaftlicher Forschung werden entsprechend Objektivationen sozialen Handelns identifiziert, wie sie sich in literarischen und künstlerischen Werken, in Symbolen, Sprache oder Ritualen niederschlagen (vgl. SCHWELLING 2004a, S.13). Vor diesem Hintergrund liegt die Attraktivität von Konzepten wie Erinnerung und Gedächtnis, die sich ja gerade durch ihren Bezug zu Darstellungsformen und Sinnbildungsprozessen auszeichnen, auf der Hand. Diese Nähe kann jedoch auch zu einem Problem werden. Wenn Sinnbildungsprozesse sowohl mit "Kultur" als auch mit "Gedächtnis" in Zusammenhang stehen, worin besteht dann ihr Unterschied? Dass Kultur und Erinnerung bzw. die damit bezeichneten Phänomene zunehmend als ein und dasselbe angesehen werden, könnte ein Grund für die Karriere des Begriffs der Erinnerungskulturen sein, durch den die Grenzen zwischen Kultur und Gedächtnis begrifflich ja bereits aufgehoben sind. Aus literatur-, kunst-, religions- oder geschichtswissenschaftlicher Sicht mag dies, sofern man Aleida ASSMANNs an anderer Stelle vorgetragenen Erläuterungen zum Verhältnis von Kultur und Gedächtnis folgt (2004, S.46-47), nicht weiter problematisch sein, da Kultur im Bereich von Religion, Geschichte und den Künsten ohnehin "die Form des Gedächtnisses" annehme. Für andere Dimensionen von Kultur, mit denen sich die Kulturwissenschaften – verstanden als interdisziplinärer Diskussionszusammenhang und nicht als bloße Variante der Literatur- bzw. Geschichtswissenschaft – beschäftigen, müsste man jedoch auch nach dieser Definition zwischen Kultur und Gedächtnis weiterhin differenzieren – was den Spielraum für die Verwendung von Ausdrücken wie Erinnerungskultur deutlich einschränken bzw. eine genauere Definition voraussetzen würde, was damit im Einzelnen gemeint ist. [18]

Wie der Titel des Sammelbandes schließlich anzeigt, drohen die Konturen des Erinnerungs- bzw. Gedächtnisbegriffes noch auf andere Weise, nämlich zugunsten wissensbezogener Konzepte, verloren zu gehen. So kommt beispielsweise Manfred LANDFESTER in seinem Aufsatz über die Entwicklung religiöser Wissensordnungen und ihrer Deutung in der griechischen Antike praktisch ohne Bezug zu "Erinnerung" aus und spricht mit Blick auf die untersuchten Mythen und Riten stattdessen stets von "Wissen". Thematisiert er damit trotzdem eine Form von Erinnerungskultur? Was unterscheidet Wissen von Erinnerung, welchen Stellenwert hat Wissen für Kultur? Auch wenn die Sektion "Wissensordnungen" hierzu letztlich keine (erschöpfende) Antwort gibt, gebührt dem Band immerhin das Verdienst, diese Fragen aufgeworfen zu haben. Vielleicht ist nämlich damit schon das nächste "Paradigma" genannt, dem sich die Kulturwissenschaften nach dem Gedächtnis zuwenden werden. [19]

4. Schlussbetrachtung

Insgesamt fällt die Bewertung des Buches somit zwiespältig aus. Wissenschaftler/innen, die selbst zu einer speziellen Problemstellung auf dem Gebiet der Gedächtnisforschung arbeiten, können in den einzelnen Fachartikeln, je nachdem, wie sehr sich die darin behandelten Aspekte mit ihren Forschungsinteressen decken, wichtige Anregungen für ihre eigene Arbeit erhalten. Der Sammelband gibt darüber hinaus einen plastischen Einblick in die Breite und Vielseitigkeit des Themenkomplexes Erinnerung und Gedächtnis. Wer sich allerdings von der Lektüre eine theoretische und methodische Verortung der kulturwissenschaftlichen Gedächtnisforschung erwartet, wird enttäuscht werden. Zwar macht der Herausgeber in seiner Einleitung auf eine Reihe wichtiger Entwicklungen in diesem Forschungsfeld aufmerksam. Seine Überlegungen sind letztlich jedoch zu allgemein, um damit ein "erinnerungskulturelles Forschungsprogramm" zu begründen. Daran zeigt sich eine zentrale Schwäche der kulturwissenschaftlichen Gedächtnisforschung, wie sie durch den hier vorgelegten Sammelband repräsentiert wird. Zwar hat man mit "Erinnerungskultur" einen Oberbegriff gefunden, der von sehr unterschiedlichen Standpunkten aus aufgegriffen werden kann und aufgegriffen wird. Eine konkrete und vor allem gemeinsame Vorstellung davon, was dahinter steht, existiert jedoch nicht. [20]

Diese Feststellung soll nun weniger dazu dienen, von der Verwendung dieses Begriffs grundsätzlich abzuraten oder die Entwicklung eines neuen Metabegriffs einzuklagen, sondern eher Anlass dazu geben, noch einmal darüber nachzudenken, welche Phänomene mit dem Erinnerungs- bzw. Gedächtnisbegriff auf welche Weise sinnvoll erfasst und untersucht werden können (und welche nicht). Zumindest aus sozialwissenschaftlicher Perspektive sind Erinnerung und Gedächtnis nicht nur als Metaphern, sondern als Bezeichnungen für in der realen sozialen Welt existierende Phänomene anzusehen, die es zu identifizieren, verstehen und erklären gilt. Unabhängig davon, ob eine solche Sichtweise tatsächlich als "kulturwissenschaftlich" bezeichnet werden darf – denn wenigstens nach ALESKANDROWICZ (2004, S.32-36) betreiben Sozialwissenschaftler/innen per definitionem keine Kulturwissenschaft im engeren Sinne –, wäre es daher m.E. für die zukünftige Forschung zum Themenfeld Erinnerung und Gedächtnis wünschenswert, dass die jeweiligen Forschungsgegenstände nicht nur thematisch für sich bestimmt, sondern vor allem mit Blick auf die Fragestellung bzw. das übergeordnete Erkenntnisinteresse sowohl in theoretischer wie methodischer Hinsicht stärker reflektiert werden. [21]

Um das eigene Forschungsgebiet in seiner Besonderheit und Originalität, aber auch Begrenztheit erfassen zu können, ist es dabei häufig hilfreich, über nationale Grenzen hinaus zu blicken. Die jüngsten Diskussionen um Erinnerung und Gedächtnis in Frankreich, die einerseits um die Opposition von Geschichte und Gedächtnis, andererseits um die Pflicht zu und den Missbrauch von Erinnerung kreisen,7) lassen den in Deutschland mittlerweile vorherrschenden multiperspektivischen Charakter der Gedächtnisforschung deutlich hervortreten. Gegenüber der dortigen Dominanz geschichtswissenschaftlicher Zugänge, die namentlich mit Pierre NORA und seinem Projekt der Lieux de mémoire ([1984-1992]1997) verbunden ist, fällt bei uns neben der engen Verbindung von "Kultur" und "Gedächtnis" vor allem die starke Präsenz literaturwissenschaftlicher Ansätze und Konzepte auf. Auch mit Blick auf den anglo-amerikanischen Kontext scheint zunächst – etwa auf der begrifflichen Ebene – der spezifische "kulturalistische" Charakter der deutschen Gedächtnisforschung hervorzutreten: wo man hierzulande von "Erinnerungskulturen" spricht, ist dort ganz allgemein von "memory studies" oder zum Teil sogar von "social memory studies" (vgl. OLICK & ROBBINS 1998) die Rede. Dass der Historiker Alon CONFINO (2006) für seine letztes Jahr erschienene Aufsatzsammlung den Titel "Germany as a culture of remembrance" gewählt hat, erhält aus dieser Perspektive eine ganz eigene Bedeutung. Anders als in Frankreich beschäftigt man sich allerdings im englischsprachigen Raum – und dafür stehen die genannten Arbeiten von CONFINO im eigentlichen Sinne – explizit mit den kulturellen Dimensionen von Erinnerung.8) Die Fruchtbarkeit, aber auch die exklusive Stellung des von Jan ASSMANN ([1992]2000) und Aleida ASSMANN ([1999]2003) vertretenen Verständnisses des kulturellen Gedächtnisses innerhalb der deutschsprachigen Auseinandersetzung mit der Erinnerungsproblematik wird auf diese Weise sichtbar – und zumindest zum Teil relativiert, werden dort doch Möglichkeiten aufgezeigt, Erinnerung als kulturelle Praxis in den Blick zu nehmen, ohne auf die Berücksichtigung der sozialen Komponenten zu verzichten.9) Für die Erfassung der "kollektiven" Seiten von Erinnerung wird man – so meine eigene These – letztlich nicht umhin kommen, den Fokus stärker auf die Interaktions- bzw. Kommunikationsprozesse zwischen "Produzent/innen", "Konsument/innen" und den visuellen und narrativen Objekten und Traditionen der Repräsentation von Vergangenheit zu legen (KANSTEINER 2002, S.197; 2004, S.136; vgl. hierzu auch LAVABRE 1995, 1998). Erkenntnisse zu den einzelnen Elementen liegen – nicht zuletzt aufgrund der Forschungsarbeiten des Sonderforschungsbereichs Erinnerungskulturen – in vielerlei Hinsicht vor. Was nun ansteht, ist ihre Verknüpfung – in theoretischer, methodischer, thematischer Hinsicht. [22]

Anmerkungen

1) Da es hier nicht um eine theoretisch-konzeptionelle Erörterung dieses Themenkomplexes geht, werden die Begriffe "Erinnerung" und "Gedächtnis" im Folgenden als Synonyme verwendet. <zurück>

2) Dadurch unterscheidet sich dieses Buch von anderen Veröffentlichungen des Sonderforschungsbereiches wie z.B. dem von Astrid ERLL und Ansgar NÜNNING (2004) herausgegebenen Band zu "Medien des kollektiven Gedächtnisses", der trotz einer ähnlich interdisziplinären Anlage und Themenvielfalt aufgrund der durchgängigen Fokussierung auf eine gemeinsame Problemstellung von der Gesamtkonzeption her eher überzeugt. <zurück>

3) Als Beispiel für eine literaturwissenschaftliche Perspektive siehe NÜNNING und NÜNNING (2003), für einen geschichtswissenschaftlichen Blick DANIEL (2001), LUTTER, SZÖLLŐSI-JANZE und UHL (2004), für die Politikwissenschaft SCHWELLING (2004b) sowie für eine Disziplinen übergreifende Herangehensweise JÄGER (2004) oder KITTSTEINER (2004). <zurück>

4) Siehe hierzu die instruktiven Ausführungen von EBERT (2004). <zurück>

5) Als Beispiel seien hier nur HÖLSCHER (1995), NIETHAMMER (1993), NORA (1990) sowie RÜSEN (1995) genannt. <zurück>

6) Für weitere Informationen zum Center for Interdisciplinary Memory Research im KWI und den dort bearbeiteten Forschungsprojekten siehe http://www.memory-research.de/. <zurück>

7) Siehe z.B. GENSBURGER und LAVABRE (2005), HARTOG und REVEL (2001), LAVABRE (2000), LEONHARD (2006) und RICOEUR ([2000]2004). <zurück>

8) Siehe z.B. WAGNER-PACIFIC und SCHWARTZ ([1991]1994); OLICK (1999); SCHWARTZ (1996). <zurück>

9) Siehe hierzu die – wenngleich auch aus einem ganz anderen Kontext stammenden – Überlegungen von Wolfgang KASCHUBA (1994) zum "Verschwinden des Sozialen". <zurück>

Literatur

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Zur Autorin

Nina LEONHARD, Dr. phil., Wissenschaftliche Angestellte am Sozialwissenschaftlichen Institut der Bundeswehr in Strausberg. Forschungsschwerpunkte u.a.: Geschichtspolitik und das Verhältnis von individuellen und kollektiven Erinnerungen; Kultursoziologie; Militärsoziologie. Habilitationsprojekt zu soziokulturellen Integrationsprozessen infolge der deutschen Vereinigung am Beispiel des Militärs. In FQS findet sich von Nina LEONHARD eine weitere Besprechung zum Sammelband Eine offene Geschichte. Zur kommunikativen Tradierung der nationalsozialistischen Vergangenheit (hrsg. von DOMANSKY & WELZER 1999).

Kontakt:

Nina Leonhard

Sozialwissenschaftliches Institut der Bundeswehr
Prötzeler Chaussee 20
D-15344 Strausberg

Tel.: 03341-58-1825
Fax: 03341-58-1802

E-Mail: nina.leonhard@berlin.de

Zitation

Leonhard, Nina (2007). Gedächtnis und Kultur – Anmerkungen zum Konzept der "Erinnerungskulturen" in den Kulturwissenschaften. Review Essay: Günter Oesterle (Hrsg.) (2005). Erinnerung, Gedächtnis, Wissen. Studien zur kulturwissenschaftlichen Gedächtnisforschung [22 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 8(3), Art. 25, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs0703259.



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