Volume 20, No. 1, Art. 3 – Januar 2019



Methodenpolizei oder Gütesicherung? Zwei Deutungsmuster im Kampf um die Vorherrschaft in der qualitativen Sozialforschung

Jo Reichertz

Zusammenfassung: Ausgehend von dem Befund, dass die qualitative bzw. interpretative Sozialforschung sich in den letzten Jahren massiv gewandelt hat und ein deutliches Mehr an neuen methodischen Ansätzen zu verzeichnen ist, nehme ich in dem Artikel die sich daran anschließende Debatte in den Blick. Ich skizziere zwei idealtypische Positionen, nämlich die der auf Ordnung bedachten Methodenpolizei und die der auf Güte bedachten Qualitätssicherer*innen, um dann die gemeinsamen Grundlagen dieser Ansätze in Erinnerung zu rufen. Entwickelt wird im Anschluss ein Vorschlag für eine ansatzübergreifende Praxis der Sicherung von Güte, der im Wesentlichen darauf beruht, den Gebrauch qualitativer/interpretativer Methoden als Kunstlehre zu begreifen.

Keywords: qualitative Sozialforschung; interpretative Sozialforschung; Gütesicherung; Methodenpolizei; Standards

Inhaltsverzeichnis

1. Die neue alte Unübersichtlichkeit der qualitativen/interpretativen Sozialforschung

2. Methodenpolizei vs. Gütesicherung

3. Forschen als Kunstlehre

4. Unstrittige Gemeinsamkeiten

5. Nicht alles, was neu und originell ist, ist auch fruchtbar und wertvoll

Anmerkungen

Literatur

Zum Autor

Zitation

 

"Die Philosophen sehen das ganz richtig, wenn sie sagen, dass wir zur Formulierung von Theorien nicht nur Kriterien verwenden, die auf Beobachtung beruhen." (HOSSENFELDER 2018, S.52)

1. Die neue alte Unübersichtlichkeit der qualitativen/interpretativen Sozialforschung1)

In den letzten Jahren hat sich das Feld der qualitativen/interpretativen Sozialforschung erneut stark ausdifferenziert – bedingt u.a. durch den Generationenwechsel, neue Medien, neue Theorieansätze, ein neues Selbstverständnis und die weitere Internationalisierung der Sozialforschung (ausführlich dazu REICHERTZ 2017). Wurden bislang vor allem Texte als Ausdruck von kommunikativen Handlungen und subjektiven Deutungen von Welt und die (stillen wie bewegten) Bilder Gegenstand der Analyse, so ist die aktuelle Entwicklung der qualitativen Sozialforschung durch unterschiedliche, teils sich widersprechende, teils sich überschneidende Tendenzen gekennzeichnet: So werden zum Ersten mithilfe neuer Medien kommunikative Phänomene auf der Mikro- und Nanoebene sichtbar, fixierbar und analysierbar (ausführlich dazu REICHERTZ 2016). Zum Zweiten werden bei der Nutzung der neuen Medien (eigenständig) riesige Mengen von neuen und neuartigen Daten produziert (zur Besonderheit von Big Data siehe z.B. REICHERT 2014; zum Prozess der Datafizierung siehe z.B. BREITER & HEPP 2018). In einigen Handlungsfeldern werden Daten automatisch mittels Algorithmen ausgewertet (zu einer solchen rechnerischen Konstruktion von Wirklichkeit siehe z.B. SEYFERT & ROBERGE 2017) und niemand weiß so recht, wie man Algorithmen qualitativ oder gar interpretativ analysieren kann oder welche Daten man erheben sollte, um eine Theorie zu diesem Handlungsfeld konstruieren zu können. [1]

Zum Dritten werden neue Gegenstände wie Gerüche, Sounds, Stoffe, Atmosphären und Stimmungen als bedeutsam erkannt und untersucht (KRITZMOELLER 2015; MAEDER 2013; SEYFERT 2011; STERNE 2012). Zum Vierten erkundet man verstärkt die Grenzen des Sozialen und der Kommunikation (Koma, Maschinen, Tiere, Demente; siehe HITZLER 2017, 2018; LINDEMANN 2002, 2009). Zum Fünften interessieren sehr viel mehr als früher Prozesse und übersituative Entwicklungen (multisited ethnography, transsequenzielle bzw. intersituationale Analyse, Diskurse, Dispositive; vgl. BUEHRMANN & SCHNEIDER 2008; HIRSCHAUER 2014; MARCUS 2016; SCHEFFER 2015). Und sechstens betrachtet man Dinge, Artefakte und Praktiken und fragt nach deren Handlungs- und Kommunikationsmacht (HILLEBRANDT 2014; LUEGER & FROSCHAUER 2018; REICHERTZ 2009). [2]

Nicht minder wichtig: Forschung wird (wieder) als Kommunikation mit den Beforschten angesehen (BREUER & ROTH 2003, BREUER, MUCKEL & DIERIS 2018), weshalb einerseits ethische Verpflichtungen und Datenschutz gegenüber den Beforschten, andererseits aber die Subjektivität der Forscher*innen relevanter werden (MRUCK & BREUER 2003; ROTH & VON UNGER 2018). Zudem fordert immer öfter die angemessene Analyse interkultureller Daten die qualitative bzw. interpretative Sozialforschung heraus (OTTEN et al. 2009; ROTH 2018; SCHITTENHELM 2017). Last but not least: Bei der Präsentation von Forschungsergebnissen wird zunehmend mit performativen Formaten experimentiert – um nur die wichtigsten Entwicklungen zu nennen (MEY 2018). [3]

Um dieses und vieles andere mehr zu erfassen und zu analysieren, werden neue Methoden geboren, oft im Monatstakt. Das hat zu einer (neuen) Unübersichtlichkeit geführt, die besonders dann augenfällig wird, wenn man an Veranstaltungen wie dem Berliner Methodentreffen teilnimmt, oder wenn man die zentrale Online-Zeitschrift für qualitative Sozialforschung, FQS, aufruft und die letzten Jahrgänge Revue passieren lässt. [4]

Im Weiteren möchte ich, ausgehend von dem Befund, dass es in der qualitativen bzw. interpretativen Sozialforschung zu einer neuen alten Unübersichtlichkeit gekommen ist, die damit verbundene, neu aufgeflammte Debatte im Feld der qualitativen/interpretativen Sozialforschung2) über die Güte von Forschung in den Blick nehmen. Erst werde ich zwei idealtypische Positionen im Feld, nämlich die der auf Ordnung bedachte Methodenpolizei und die der auf Güte bedachten Qualitätssicherer*innen entwerfen, um dann die gemeinsamen Grundlagen aller dieser Ansätze in Erinnerung zu rufen. Ziel des Artikels ist es nicht, Kriterien dafür zu entwickeln, was in der Forschung erlaubt ist und was nicht. Denn solche Versuche, bestimmte Gütekriterien zu entwickeln und vorzuschreiben, bevorteilen bestimmte (mit den Kritiken kompatible) Ansätze bzw. entlegitimieren andere – wie EISEWICHT und GRENZ (2018) in Auseinandersetzung mit STRÜBING, HIRSCHAUER, AYASS, KRÄHNKE und SCHEFFER (2018) treffend gezeigt haben. Statt dessen soll eine ansatzübergreifende Praxis der Erlangung von Methodenkompetenz (verstanden als Kunstlehre) vorgeschlagen werden, die den unterschiedlichen Verfahren gerecht wird, da sie nicht für bestimmte Methoden fruchtbar ist, sondern für alle. Diese Praxis kann helfen, den Anspruch der qualitativen/interpretativen Sozialforschung auf Güte ihrer Ergebnisse umzusetzen. [5]

2. Methodenpolizei vs. Gütesicherung

Jeder Modus der Weltzuwendung kann Gegenstand qualitativer Forschung werden, zudem jede Form des Spiels auf Vorderbühnen und Hinterbühnen. Längst wird nicht nur das Spiel für das öffentliche Publikum untersucht, sondern auch das Spiel auf der Hinterbühne. Da es selbst auf der Hinterbühne noch weitere Hinterbühnen gibt, wird ein Vorhang nach dem anderen gelüftet. [6]

Die aus meiner Sicht relevante Fragestellung ist, wann man den letzten Vorhang gelüftet hat, wann alle relevanten Größen und Modalitäten entdeckt und beschrieben wurden, wann endlich die Gesamtheit sozialer Interaktion erfasst, fixiert und analysiert ist oder ob dieser Prozess abschließbar ist. Man kann jedoch auch fragen, ob wirklich immer alle Größen eine Rolle für eine soziologische Analyse spielen oder ob man sich auch beschränken kann, oder besser: beschränken muss, will man sich nicht im Gestrüpp der vielfältigen Bedingungsvariablen verirren und ohne Analyse nach Hause kommen. [7]

Sowohl die Theorie als auch die Praxis qualitativer Sozialforschung hat sich (auch wegen des anhaltenden Erfolgs dieser Art der empirischen Sozialforschung in Wissenschaft, Politik und Wirtschaft) also so stark ausdifferenziert, dass deren gemeinsame theoretische wie methodische Prämissen oft nicht mehr sichtbar werden – weshalb es teils hitzige Debatten darüber gibt, was sich "qualitativ" nennen darf und was nicht. Einige fordern mehr Abgrenzung und Ausgrenzung, andere verurteilen eine solche Monokultur (BOURDIEU bezeichnet dies als einen "methodologischen Monotheismus" [1996 (1992), S.260]) und fordern einen methodischen Multikulturalismus. Das hat der Debatte darüber, was qualitative/interpretative Sozialforschung ausmacht, welche Methoden erlaubt oder zielführend sind, deutlich belebt (EISEWICHT & GRENZ 2018; FLICK 2014, 2016; HITZLER 2016; MEY 2016, 2018; REICHERTZ 2017; STRÜBING 2017; STRÜBING et al. 2018). [8]

Angesichts dieser unübersichtlichen Lage sprechen einige (meist ältere und männliche) Qualitative einigen neuen Methoden die Existenzberechtigung ab. Einige der neuen Methoden seien ohne Fundament, sie begönnen ohne vorab entworfene Grundlagentheorie die Forschungsarbeit, lieferten sich (meist ohne dass es von den Forschenden selbst wahrgenommen wird) den eigenen Alltagstheorien über den Gegenstand aus (vgl. dazu auch BOURDIEU 1996 [1992], S.280ff.). Statt kontrollierter und reflektierter Erkenntnisse lieferten nicht bewusste, meist ad hoc entworfene Vorurteile die relevanten Ansichten über die noch zu untersuchenden Gegenstände und verlängerten sie auf diese Weise (ausführlich dazu REICHERTZ 2007). Im Namen der Gütesicherung von wissenschaftlicher Forschung (zur Diskussion über Standards der Gütesicherung siehe BREUER & REICHERTZ 2001, 2002 und BREUER, REICHERTZ & ROTH 2003) müsse man sich von den neuen Ad-hoc-Methoden fernhalten und die alten Methoden weiter entwickeln. Andere im Feld – meist die so Gelabelten – weisen solche Versuche zurück, bezeichnen die Kritiker*innen als Methodenpolizei3)(siehe u.a. WEYAND 2007, aber auch die umfangreiche Diskussion im Anschluss an REICHERTZ 20074)) und fordern die bedingungslose Anerkennung neuer Methoden. Methoden sollten, so ein oft gehörtes Argument, immer auch zeitgemäß sein, sollten die kulturelle Vielfalt der Forschenden berücksichtigen – und zunehmend: Sie sollten auch dem Wort der Beforschten mehr Gewicht einräumen, sie sollten diese in die Forschung einbeziehen, an ihr beteiligen (VON UNGER 2013)5). [9]

Die Ersten bemühen mit großer Geste die abendländische Geschichte und hier vor allem die Wahrheit und gerieren sich als deren Wächter*innen und Hüter*innen. Diese Wahrheit müsse man sich mühevoll und mit großem Fleiß erkämpfen. Ihren Gegner*innen werfen sie gerne die Aufopferung der Wahrheit vor, qualifizieren deren Ergebnisse als beliebig und belanglos und was noch ärger ist: Oft hört man den Vorwurf, sie diskreditierten mit ihrem Tun die gesamte Zunft der Qualitativen und Interpretativen und machten damit das zunichte, was in den letzten 50 Jahren mühsam erkämpft worden sei. Und in der Tat könnte man Gründe dafür finden, dass der aktuell neu aufflackernde Streit zwischen den Qualitativen und den Quantitativen (Akademien) sich auch der "Buntheit" der Qualitativen und deren neuen Qualitätsstandards verdankt (BAUR & KNOBLAUCH 2018). [10]

Die so Kritisierten reklamieren, wenn sie ihre Kritiker*innen mit Methodenpolizei labeln, dagegen nicht einen alternativen Weg zur Wahrheit, sondern sie arbeiten mit einer Art Verunglimpfung, wenn sie die Gegenseite Methodenpolizei nennen. Damit geben sie sich kämpferisch, antiautoritär und gerne auch mal anarchistisch. Den Alten schreibt man zu, sie seien (typisch deutsch) Polizist*innen, die darauf achteten, dass alle anderen nur die ausgetretenen Pfade betreten und nicht den schönen Rasen, stehe dort doch das Schild: "Bitte nicht betreten". Sie fordern dagegen den fröhlichen Bruch mit den etablierten Regeln und rufen dabei oft, wenn auch zu Unrecht, den scheinbaren Kronzeugen des wissenschaftlichen Anarchismus, Paul FEYERABEND, an. Dies leider zu Unrecht6). [11]

All dies verwundert nicht wirklich. Denn natürlich ist Wissenschaft, zumindest seit sie verberuflicht ist, nicht ein Feld, in dem es nur um die Wahrheit geht und in dem bei der Suche nach der Wahrheit allein das gute Argument zählt. Immer geht es im wissenschaftlichen Feld auch um Kommunikationsmacht und um soziale Macht. Dass dies so ist, liegt daran, dass Wissenschaft immer von Menschen betrieben wird, die Körper und Familien haben, die versorgt werden wollen. Wissenschaft als Beruf zu betreiben (WEBER 2002 [1919], S.474ff.) heißt immer auch, sich in einem Feld zu behaupten, dafür zu sorgen, dass das eigene Wort mehr wiegt als das der anderen, dass man Ressourcen hat und zugleich die Macht, Ressourcen an andere zu verteilen. Alle konkurrieren mit denen, welche bereits über die Macht verfügen, auch mit dem Ziel, ebenfalls Macht zu erlangen. Bei all der Konkurrenz geht es um symbolisches Kapital, um mediales Kapital, um Kommunikationskapital und natürlich letztendlich immer auch um finanzielles Kapital. Es geht in der Regel also immer um die ganze Person der Wissenschaftler*innen, also nicht nur um deren akademische Titel, sondern es geht auch immer um das Feld in dem sie leben, es geht also auch um ihre Familie und Freund*innen. [12]

Wissenschafts- und wissenssoziologisch erkennt man in der Debatte um Methodenpolizei und Gültigkeit also einen rituellen Kampf zweier konkurrierender Gruppen auf dem gleichen Markt – nicht nur um Anerkennung, sondern auch um Gewinne aller Art. Diese Debatte ist aber auch die Aufführung eines alten und sehr verbreiteten Stücks, das in fast allen beruflichen Feldern ausgetragen wird, nämlich das Stück "Etablierte und Außenseiter" (ELIAS & SCOTSON 1993 [1965]). Aber eine solche wissenssoziologische Entlarvung bringt nicht viel – für die Beteiligten lediglich ein Patt, wenn sie in ihren Positionen verharren; für die Wissenschaft bringt es nicht wirklich etwas Produktives – höchstens Material für Wissenssoziolog*innen. [13]

3. Forschen als Kunstlehre

Will man die Debatte fruchtbar machen, dann ist es m.E. sinnvoll, zunächst zurückzutreten und sich dann das gesamte Feld der Qualitativen und Interpretativen noch einmal näher anzuschauen. Natürlich geht es dort immer auch um symbolische Kämpfe, aber nicht nur und oft noch nicht einmal hauptsächlich. Es geht auch um den Willen zum Wissen – also um eine suchende, getriebene und treibende Innerlichkeit, deren Ziel die als Wissen erlebte Einsicht ist. Es geht der Wissenschaft und auch den Wissenschaftler*innen vor allem um die Lösung von Rätseln. [14]

Die m.E. zentrale Frage ist, ob qualitative/interpretative Sozialforschung so eine Art geistige Ingenieurwissenschaft ist, eine Art Rechtschreibung, die, wenn auch kompliziert, lehrbar und eingrenzbar ist. Gibt es überhaupt wirklich überprüfbare, erlernbare bzw. lehrbare Methoden, gibt es eine Art methodisch-methodologische Professionalisierung? Von der Sache her scheint mir (fast) jede qualitative/interpretative Methode weder Technik noch Handwerk noch Kunst zu sein. Wegen der prinzipiellen Kontextsensitivität und Fallspezifität des Forschens ist eine Operationalisierung, also die vollständige Angabe der einzelnen Schritte, nicht möglich: Was jeweils wann wie gedeutet werden kann, hängt immer vom Kontext und der Entwicklung des Falles ab. Deshalb kann es auch keine exakte Beschreibung des richtigen Forschens geben7) und jede Art sozialwissenschaftlichen Forschens und Deutens ist eine Art Kunstlehre (siehe hierzu OEVERMANN 2013; REICHERTZ 2016; ROTH 2015)8). [15]

Will man z.B. allein durch die Lektüre entsprechender Methodenbücher eine bestimmte Praktik des Forschens (Daten erheben, fixieren, auswerten/interpretieren) erlernen, so hat man schnell ein massives Problem: Da Methoden nie vollständig (also restlos) beschrieben werden können, ist das Erlernen von Forschungspraktiken zu vergleichen mit dem Erlernen von bestimmten Tänzen. Auch Tänze kann man nicht vom Blatt lernen. Da helfen weder extrem gute Beschreibungen noch auf Papier gedruckte Tanzschritte, die man auf dem Boden auslegen und dann "betanzen" kann. Versucht man es dennoch, folgt notwendigerweise daraus, dass neue Varianten der Interpretationspraktiken wachsen und meist mit der in Anspruch genommenen Methode nichts oder nur wenig zu tun haben. Der zweite Weg, das Interpretieren praktisch zu erlernen, und dies dürfte der Normalfall sein, besteht im wiederholten praktischen Mitmachen – entweder in einer Art Meister*in-Lehrling-Beziehung oder aber in einer Interpretationsgruppe. [16]

In beiden Fällen findet die Unterweisung in der Regel mündlich und meist en passant statt. Insofern ergibt sich das Erlernen einer Forschungspraxis immer aus dem Abgucken bei anderen: Man schaut und hört, wie die anderen Erfahren(er)en es machen, und imitiert anfangs sehr stark. Später erprobt man schrittweise das Beobachtete und wird immer wieder (meist implizit) korrigiert. Diese Sozialisierung des praktischen Tuns im Rahmen einer Denk- und Interpretationsschule wird zwar durch bestimmte explizite Imperative strukturiert ("Bilde möglichst viele Lesarten! Interpretiere Sequenzen! Entwickle alternative Lesarten!" usw.), sie ist aber im Kern nicht systematisierbar. Weil also die Praktiken des Forschens und Interpretierens immer auch auf sozial erworbenen Praktiken beruhen und diese notwendigerweise beinhalten, sollte Forschung nicht nur in einer Gruppe erlernt werden, sondern immer auch in einer Gruppe ausgeübt werden (REICHERTZ 2013). [17]

4. Unstrittige Gemeinsamkeiten

Bei allen Unterschieden, die innerhalb des Methodenarsenals der qualitativen bzw. interpretativen Sozialforschung bestehen, sollte man nicht vergessen, was sie verbindet und was auch den Unterschied zu anderen Methoden ausmacht. Vor diesem Hintergrund, nämlich der Betrachtung der qualitativen Methoden von außen, sieht man sehr viel mehr das Einende als das Trennende. [18]

Erst einmal ganz wesentlich: Bei allen9) Methoden der qualitativen bzw. interpretativen Sozialforschung wird ein grundsätzliches Verständnis von Empirie geteilt, das darin besteht, davon auszugehen, dass es dort draußen eine "wirkliche Wirklichkeit" gibt, die man nicht beliebig konstruieren kann, sondern Besonderheiten aufweist, die man nur dann entdecken kann, wenn man sie mithilfe von Sinnesorganen beobachtet und mithilfe bestimmter Verfahren analysiert und zu theoretischen Sätzen verdichtet. Egal wie konstruktivistisch man auch argumentieren will, sobald man Empirie betreibt, geht man davon aus, dass man zumindest einen Zipfel dieser Wirklichkeit erkennen und mehr oder weniger angemessen in Sätze umwandeln kann. Die Wirklichkeit ist also dort draußen, und wir müssen uns mit unseren Sinnen dieser Wirklichkeit zuwenden und dann mithilfe von Verstandesoperationen Theorien konstruieren. Das ist die erste große Gemeinsamkeit. [19]

Die zweite große Gemeinsamkeit besteht darin, dass wir nicht diese Wirklichkeit auf uns wirken lassen, um dann an uns selbst und in uns selbst diese Wirklichkeit zu erkennen. Viel eher greifen wir aktiv in diese Wirklichkeit ein, suchen sie auf, setzen uns ihr aus, und dieses aktive Tun hilft, die Wirklichkeit zu erkennen. Es geht also keinesfalls darum, wissenschaftliche Forschung als passives Vernehmen der Wirklichkeit durch Kontemplation zu entwerfen, sondern wissenschaftliches Forschen ist aktives Erkennen oder genauer: Wissenschaftliches Forschen ist eine besondere Form der kommunikativen Konstruktion von Wirklichkeit (KELLER, KNOBLAUCH & REICHERTZ 2013; REICHERTZ & TUMA 2017). [20]

Die dritte Gemeinsamkeit besteht darin, dass es nicht mehr darum geht, in irgendeiner Weise dem Wesen der Dinge nahe zu kommen, der Besonderheit des Seins, des Werdens und des Nichts auf die Spur zu kommen; dass es hingegen darum geht, Verhaltensmuster und Regeln zu ermitteln, nach denen die Menschen und ihre Institutionen zumindest für eine gewisse Zeit agieren, und diese Gesetzmäßigkeiten theoretisch zu beschreiben und auch verstehbar zu machen. [21]

Und es gibt noch eine vierte Gemeinsamkeit, wenn ich das richtig sehe: Diese Verhaltensmuster und Regeln gelten nicht universell, sie determinieren nicht den Menschen und sein Handeln, sondern sie öffnen oder schließen Handlungsoptionen. Sie sind von früheren Generationen erzeugt und mit einem Imperativ versehen überliefert, stehen aber in jedem Augenblick immer wieder neu zur Disposition, somit verändern sie sich laufend10). [22]

Qualitative bzw. interpretative Sozialforschung ist also immer Wirklichkeitswissenschaft. Ihre Ergebnisse werden stets damit gerechtfertigt, dass die Wirklichkeit mithilfe der (manchmal auch medial verstärkten) menschlichen Sinnesapparatur untersucht und dann nach bestimmten Standards ausgewertet werden. Die gedanklichen Operationen, die dabei eingesetzt werden, sind Induktion, Deduktion und manchmal auch Abduktion. Wer glaubt, die Sozialwissenschaft und vor allem die interpretativ vorgehende sei prinzipiell beliebig in ihrer Methodenauswahl, benötigt keine Empirie, sondern kann auch Versmaß oder den Endreim als Kriterium für gute Wissenschaft nehmen. Und wer der Ansicht ist, dass Wissenschaft eigentlich nur Wiedererinnern ist, kann sich zurücklehnen und Kontemplation betreiben oder versuchen, sich mithilfe bestimmter Techniken der Sprachverbundenheit zu entledigen. [23]

5. Nicht alles, was neu und originell ist, ist auch fruchtbar und wertvoll

Führen neue Methoden zu wichtigen und wahren Erkenntnissen und führen alte Methoden zu neuen Erkenntnissen? Unstrittig ist, dass nicht nur alte Methoden zu neuen Erkenntnissen führen, sondern auch, und das hat die Wissenschaftsgeschichte deutlich gezeigt (FEYERABEND 1976; KUHN 1976 [1962]), dass man manchmal nur Neues entdecken kann, wenn man neue Methoden entwickelt. Wer z.B. der Meinung ist, dass menschliches Handeln durch das Schicksal bestimmt ist und nicht durch den Willen und das Handeln der Menschen, wird nicht nach deren subjektiven Ansichten fragen, will er oder sie etwas über die Ursachen des Handelns wissen. Hier müsste man Ausschau halten nach neuen Methoden, mit denen das, was als Schicksal gemeint ist, begriffen werden und wie es erfassbar gemacht werden kann. Unstrittig ist also, dass es immer wieder neue Methoden braucht und dass der Einsatz von alten Methoden eigentlich nur das zeigt, was man im Groben schon zu wissen glaubt. Methoden können, völlig unabhängig davon, wie nützlich sie in Hinsicht auf bestimmte Probleme sind, das Aufkommen neuer Ideen verhindern. Darin gleichen sie Theorien und Kulturen. Auch sie neigen dazu, das Bekannte eher zu festigen denn zu zerstören. [24]

Dennoch kann man daraus nicht folgern, dass neue Methoden wirklich neues Wissen, das zugleich fruchtbar ist, generieren können. Eine Schildkröte zu befragen, wer im nächsten Jahr Fußballweltmeister wird, ist vielleicht eine neue Methode, jedoch keine besonders fruchtbare; ebenso wenig, wenn man der Gebärdensprache Taubstummer mit dem Tonbandgerät zu Leibe rückt. Immer kommt es auf die Gegenstandsangemessenheit der Methoden an (JÜTTEMANN 1983; STRÜBING et al. 2018).11) Das ist (soweit ich das sehe) völlig unstrittig. Strittig ist dagegen oft, wann eine Methode denn gegenstandsangemessen ist – denn um das zu beurteilen, bedarf es einer (zumindest vagen) Theorie über den zu untersuchenden Gegenstand. Und dann beginnt die Katze, sich in den Schwanz zu beißen – wenn man unhistorisch denkt. Denkt man jedoch historisch, also rückt man das vorhandene vage Wissen über einen Gegenstand ein in seine Geschichte, dann hilft das vage Wissen dabei, sich seine Vorstellungen von dem Gegenstand weiter klar zu machen. Zu wissen, dass es einen Gegenstand gibt, der einen interessiert, beinhaltet auch (zumindest vages) Wissen über den Gegenstand. Habe ich selbst dieses vage Wissen nicht, habe ich auch keinen Gegenstand, der mich interessiert. [25]

Und um den Gegenstand angemessen methodisch erfassen und fixieren zu können, muss man also einerseits viel über die Welt und den zu untersuchenden Gegenstand wissen, also viele Theorien kennen, und man muss viel über Methoden wissen, also sehr viele Methoden kennen12). Die Antwort auf die Frage nach den angemessenen Methoden kann also nicht lauten: "Mach etwas, was neu ist". sondern "Setze dich mit einem Gegenstand auseinander, vermehre dein Wissen um Theorien und Methoden und versuche dann, eine Methode zu finden bzw. eine alte abzuwandeln, sodass sie dem Gegenstand gerecht wird."13) [26]

Es geht nämlich nicht alles, solange man bei der Vorstellung bleibt, dass die Empirie, als die genaue Beobachtung und Vermessung der Wirklichkeit, dabei hilfreich ist, diese Wirklichkeit besser zu verstehen. Wenn man diese Position allerdings aufgibt und in anderen Modi der Weltzuwendung Vorteile sieht (Meditation, Poesie, Kunst), dann öffnet sich ein weiteres Feld für Methoden. Aber auch dieses Feld ist nicht unbegrenzt. Und schlussendlich steht hinter allen Erkenntnissen auch noch die Erprobung, will heißen, das methodisch Produzierte muss seine Fruchtbarkeit in der Handhabung der Wirklichkeit, in der Lösung von Problemen beweisen. Kurz: Es geht nicht um die Neuheit von Methoden, es geht nicht darum, ob Katzen grau, rot, quantitativ, qualitativ oder interpretativ arbeiten, es geht allein darum, ob Methoden Mäuse fangen, also fruchtbare Ergebnisse produzieren. Das allein zählt. Oft ist es sinnvoll, dabei out of the box zu denken, also außerhalb der herrschenden wissenschaftlichen Vorstellungen. Damit verschiebt man jedoch nur die Grenzen, gibt sie jedoch nicht auf. sondern hat danach nur eine andere "Box". [27]

Nicht alles, was neu und originell ist, ist auch fruchtbar und wertvoll. Manchmal ist es gut, die Wurzeln zu vergessen, die einen mit der Vergangenheit des Fachs und der eigenen Vergangenheit verbinden und radikal neu zu denken. Aber um ehrlich zu sein: Das meiste von diesem radikal neu Gedachten ist wenig fruchtbar.. Oder besser: ist in meinen Augen wenig fruchtbar. Der Trick ist nicht, irgendetwas zu erforschen und es auf eine Weise zu tun, die bisher noch niemand versucht hat, der Trick ist, es aus guten Gründen anders zu tun. Und gute Gründe hat man nur, kann man nur haben, wenn man die Leistungen und die Schwächen des Alten sehr gut kennt. Sonst läuft man Gefahr, die Kuckucksuhr neu zu erfinden. Je mehr und je besser man das Alte kennt (also die vorliegenden Theorien zum untersuchten Gegenstand und der eingesetzten Methode), desto besser kann man das Neue finden. [28]

Deshalb macht es Sinn, das Alte nicht nur zu studieren, sondern auch zu beherrschen. Man muss erst, um mit WITTGENSTEIN zu sprechen14), die Leiter hochklettern. Wenn man aber oben ist, sieht man vielleicht, dass man die Leiter (prinzipiell) nicht benötigt, dass die Leiter sogar das eigentliche Problem ist. Dann kann man sie mit guten Gründen wegwerfen. Wer aber erst gar nicht hochklettert, wird auch nicht sehen können, weshalb man die Leiter nicht benötigt. Deshalb sollten wir, gerade weil wir alle an der Entdeckung des Neuen interessiert sind, darauf bestehen, dass auch die alten Methoden zu erlernen und anzuwenden sind. Zugleich sollten wir darauf bestehen, die Methoden nicht zu ernst zu nehmen und die Güte einer Forschung nicht allein von der Güte der Methoden abhängig zu machen. Nimmt man sich die vorgetragenen Überlegungen zu Herzen, dann gilt für die Frage nach den Methoden nicht ein strenges Entweder-oder, sondern ein fröhliches und informiertes Sowohl-als auch, wenn es um die Frage geht: "Welcher Theorie kann man vertrauen?" [29]

Zum Schluss: Bei der hier zur Diskussion stehenden Frage darf man nicht nur die einzelnen Methoden betrachten, sondern man muss die Gesamtbewegung in den Blick nehmen. Dann kann man der Vielfalt der Methoden auch etwas Positives abgewinnen. Gerade weil sie als Ganzes nicht einheitlich, sauber und logisch geordnet ist, sondern vielfältig, oft widersprüchlich, feingesponnen, oft halb intuitiv, mal mehr Kunst, mal mehr Konstruktion, oft auch subjektiv, gerade deshalb sichert sie auch für die Zukunft, dass auch weiterhin Neues entdeckt wird. Und so schlecht ist das nicht. [30]

Anmerkungen

1) Ganz herzlich danken möchte ich Sebastian HARTWIG. Er hat mit großer Sorgfalt den Text durchgesehen und mich auf Fehler und Schwächen hingewiesen. Deshalb bin ich für verbliebene Fehler und Schwächen selbst verantwortlich. Danken möchte ich auch Franz BREUER, Carlos KOELBL und Michael ROTH für ihre konstruktiven Hinweise – und natürlich einmal mehr Katja MRUCK. <zurück>

2) In einem Feld wird allen Akteur*innen zu jedem Zeitpunkt von bestimmten Gruppen ein bestimmter und erkennbarer Wert zugeschrieben – wenn auch nicht von allen der gleiche Wert. Deshalb finden innerhalb dieses Feldes symbolische Kämpfe über die Deutungshoheit und damit über die Vorherrschaft in dem Feld statt (vgl. auch BOURDIEU 2015 [2013]). <zurück>

3) Der pejorative Ausdruck Methodenpolizei findet sich in der methodischen Literatur nur sehr selten, in der oralen Wissenschaftskultur dagegen häufig. In den Augen der Kritiker*innen achtet die Methodenpolizei darauf, dass Forschung "ordentlich", das heißt so wie in der Methodenliteratur vorgeschrieben, betrieben wird. Methodenpolizist*innen definieren also einen bestimmten Rahmen für angemessene Forschung und manchmal auch für den angemessenen Einsatz einer bestimmten Methode, "um dann, gemäß der aufgestellten Kriterien über Zulassung oder Ausschluss richten zu können" (WITTEL 2012, S.76). Haben Methodenpolizist*innen einen Verstoß detektiert, besteht deren Sanktion darin, in Publikationen/Rezensionen das Forschungshandeln der Grenzüberschreiter*innen zu skandalisieren. <zurück>

4) An der Diskussion hatten sich mit eigenen Beiträgen folgende Personen beteiligt: Lars ALLOLIO-NÄCKE und Jürgen VAN OORSCHOT, Georg BREIDENSTEIN, Franz BREUER, Thomas BRÜSEMEISTER, Thomas EBERLE, Hannelore FAULSTICH-WIELAND und Peter FAULSTICH, Uwe FLICK, Jochen GLÄSER und Grit LAUDEL, Detlef GARZ, Heiko GRUNENBERG, Ronald HITZLER, Gerd JÜTTEMANN, Mechthild KIEGELMANN, Dieter KIRCHHÖFER, Jürgen KLÜVER, Hubert KNOBLAUCH, Helmut KROMREY, Thomas LOER, Morus MARKARD, Philipp MAYRING, Wolfgang MERTENS, Günter MEY, Katja MRUCK, Bernt SCHNETTLER, Karin SCHLÜCKER, Johannes TWARDELLA, Werner VOGD, Jan WEYAND und Harald WITT (siehe Erwägen – Wissen – Ethik, 18[2], 2007, 208-275). <zurück>

5) Was mir bei diesen Aussagen Probleme bereitet, ist die Orientierung an der Zeitgemäßheit und der Gegenwartsverbundenheit von Theorien und Methoden. Das erinnert mich ein wenig daran, dass zu einer bestimmten Zeit alles irgendwie modern sein sollte und modern dabei ein grundsätzlich positiv besetzter Begriff war. Ich glaube nicht, dass Methoden modern oder zeitgemäß sein sollten, sondern ich glaube daran, und zwar ganz fest, dass Methoden im Hinblick auf das, was sie leisten, gut sein sollen – was heißt, dass die Ergebnisse nachvollziehbar und überzeugend sind; nachvollziehbar und überzeugend in einem kritischen Diskurs, in dem man die Daten und die Methoden der Auswertung offen legt, und in dem diejenigen mehr Recht haben, die mehr erklären können.

Sicherlich ist es richtig, dass mit neuen Generationen von Forscher*innen auch neue Ideen, neue Theorien und neue Methoden den wissenschaftlichen Diskurs "betreten" und Schritt für Schritt wohl auch übernehmen. Dies sollte aber nur so sein, wenn sie etwas besser machen, also alte Rätsel besser lösen können als die alten Theorien und Methoden. Oder wenn sie neue Rätsel entdecken und vielleicht sogar lösen können (KUHN 1976 [1962]). Getrieben wird der Wandel dabei nicht oder nicht allein von der soziokulturellen Vielfalt der Forschenden, sondern von dem Diskurs darüber, was Probleme sind und was die rechten Wege sind, diese Probleme zu lösen. Oder anders formuliert: Es kann in der Wissenschaft nicht darum gehen zu fordern, möglichst viele Perspektiven und Ansätze blühen zu lassen, sodass Vielfalt und Buntheit entsteht, sondern aus meiner Sicht kann es bei Wissenschaft nur darum gehen, Verfahren zu finden, die alte wie neue Rätsel lösen. <zurück>

6) "Ich sage, dass alle Regeln ihre Grenzen haben und dass es selbst innerhalb der Wissenschaften keine umfassende Rationalität gibt; ich sage nicht, daß wir nunmehr ohne Regeln und Maßstäbe leben sollen" (FEYERABEND 1980, S.81). Und später im Buch heißt es: "Die Bemerkungen bedeuten nicht, daß die Forschung nun willkürlich und ohne Führung ist. Es gibt Maßstäbe, aber sie kommen vom Forschungsprozess selbst, nicht von abstrakten Rationalitätstheorien. Man braucht Einfallskraft, Takt, Kenntnis von Einzelheiten, um zu einer sachkundigen Beurteilung existierender Maßstäbe zu kommen und um neue Maßstäbe zu erfinden, genauso wie man Einfallskraft, Takt, Kenntnis von Einzelheiten braucht, um zu einer sachkundigen Beurteilung von existierenden Theorien zu kommen und neue Theorien erfinden zu können" (S.197). Wichtig sind also für FEYERABEND: Einfallskraft, Takt und Kenntnis von Einzelheiten. <zurück>

7) Aus gutem Grund hat die hermeneutische Wissenssoziologie (HITZLER, REICHERTZ & SCHROER 1999; SCHRÖER 1994; SOEFFNER 2004) keine exakte Methode und klaren Regeln entwickelt, sondern nur eine Art Fragerichtung und Haltung, die viele Methoden (Sequenzanalyse, Grounded Theory, Diskursanalyse, Inhaltsanalyse etc.) zulässt. <zurück>

8) Der Begriff der Kunstlehre, der Aspekte des Handwerks und der Kunst miteinander verbindet, ergibt sich aus folgenden Überlegungen: Beim Handwerk wird sehr stark die Tätigkeit der Hand, also das praktische Tun akzentuiert. Denn die Beherrschung eines Handwerks setzt in der Regel eine mehrjährige Lehrzeit voraus, in welcher Lehrlinge und später Gesell*innen von Meister*innen das Handwerk lernen, indem sie ihnen zuschauen, etwas selbst versuchen und von den Meister*innen so lange verbessert werden, bis die Lernenden es den Lehrenden gleichtun können. Die handwerkliche Kunst – auch hier spricht man von Kunst – kann nur annähernd operationalisiert werden, sie kann aber erlernt, nämlich durch langes Mitagieren inkorporiert werden.

Kunst impliziert dagegen das genialische Tun eines oder einer Einzelnen, durch das Neues in die Welt gebracht wird. Kunst ist an die Künstler*innen und deren Einzigartigkeit gebunden. Das Werk ergibt sich aus der Besonderheit ihrer Person. Diese ist weder übertragbar noch erklär- und beschreibbar. Kunst ist nicht wiederholbar, weshalb es keine Kunst ist, Meister*innen vollendet zu kopieren.

Von der Sache her kann Forschen weder Handwerk noch Kunst sein. Wegen der prinzipiellen Kontextsensitivität und Fallspezifität des Forschens ist die vollständige Angabe der einzelnen Schritte nicht möglich: Was jeweils wann wie getan werden kann und soll, das hängt vom Kontext und der Entwicklung der Forschungsarbeit ab. Forschen ist kein Handwerk, weil es weniger die Handfertigkeit benötigt und vor allem mentale und kommunikative Fähigkeiten erfordert, und Forschen ist keine Kunst, weil Forschen nicht auf den unwiederholbaren genialen Einfall eines oder einer Einzelnen setzt, sondern auf Beschreibbarkeit und Wiederholbarkeit. Lässt es sich nicht wiederholen, ist es keine Wissenschaft. Deshalb scheint mir der Begriff "Kunstlehre" angebracht, weil in ihm Aspekte des Handwerks (Erlernbarkeit einer Handlungslehre durch Mitagieren) und Kunst (Schaffung von Neuem) miteinander verbunden sind. <zurück>

9) Das glaube ich zumindest, da mir keine empirisch arbeitenden Forschungsprojekte bekannt sind, die dies bezweifeln. Und würden sie bezweifeln, dass es dort draußen eine "wirkliche Wirklichkeit" gibt, dann wäre diese Forschung ein Widerspruch in sich. <zurück>

10) FEYERABEND (1976, 1980) kritisiert die Philosophie und die Rationalist*innen, die keine Forschung betreiben, und die meinen, die Forschung müsse sich nach der Vernunft richten. Wie auch WITTGENSTEIN (1976 [1959]) macht er darauf aufmerksam, dass die Natur nicht zwanghaft einem bestimmten Gesetz folgt, sondern dass (wenn überhaupt) allein die Logik zwingend ist. Die (soziale) Wirklichkeit produziert immer wieder Ausnahmen und Neues. Deshalb kann es für sie keine Regeln geben, die ausnahmslos gelten. <zurück>

11) Ohne Zweifel formuliert dieser Satz einen allgemeinen Grundsatz, vor deren Aufstellung ist weiter unten (Anmerkung 13) warne. Ich bleibe dennoch dabei, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass die Abschwächung oder die Negation dieses Satzes, also: "Es kommt manchmal oder nie auf die Gegenstandsangemessenheit der Methode an", sinnvoll oder fruchtbar ist. <zurück>

12) Wer der Meinung ist, dass die Rechtschreibfähigkeit des Menschen in seinen Füßen und nicht in seinem Gehirn lokalisiert ist, wird sich deshalb die Füße genauer ansehen. Und wer auch noch der Ansicht ist, dass diese Fähigkeit nicht nur einen Ort, sondern auch Platz braucht, wird vermuten, dass Menschen mit großen Füßen auch eine bessere Rechtschreibfähigkeit aufweisen. Und wenn man diese beiden Punkte hat, kann man überlegen, wie man messen kann, dass Fußgröße und Rechtschreibfähigkeit in einem signifikanten Verhältnis zueinander stehen und dann eine Hypothese formulieren, die da lautet: Je größer der Fuß, desto besser die Rechtschreibfähigkeit. <zurück>

13) Ähnlich auch FEYERABEND: "Man zieht seine Fähigkeiten, sein Gedächtnis heran, beschäftigt sich mit den Vorschlägen anderer, aber nicht zu viel (das könnte Verwirrung stiften) und auch nicht zu wenig, man betrachtet allgemeine Regeln, aber nur als Faustregeln, die in einem Falle nützlich sein können, in einem anderen vielleicht gar nicht anwendbar, und schließlich kommt man zu einer Entscheidung. (...) Fügen wir hinzu, dass Verfahrensregeln wie die Regeln der Methodologie oder der Logik nur vorläufige Anweisungen sind, die sich als abwegig herausstellen können" (1976, S.45). Allgemeine Grundsätze, die verbindlich sein sollen, schaden meist. Manchmal oder oft sind sie eher hinderlich als produktiv. Will man wissen, wie man bestimmte Daten im Hinblick auf eine bestimmte Fragestellung auswerten soll, dann kann man etwa so vorgehen: Die besonderen Umstände der Forschung sind zu berücksichtigen, die Besonderheit der Untersuchten und die der Untersuchenden, die aktuelle Lage der Literatur zum Gegenstand, aber auch zur Methode und Methodologie – ansonsten hat man seine Skepsis zu bewahren, selbst oder besser: gerade dann, wenn man eine Lösung gefunden hat, die verspricht, ein allgemeiner Grundsatz zu sein. <zurück>

14) "Meine Sätze erläutern dadurch, daß sie der, welcher mich versteht, am Ende als unsinnig erkennt, wenn er durch sie – auf ihnen – über sie hinweggestiegen ist. (Er muß sozusagen die Leiter wegwerfen, nachdem er auf ihr hinaufgestiegen ist)" (WITTGENSTEIN 1976 [1959], 6.54, S.115). <zurück>

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Zum Autor

Prof. em. Dr. Jo REICHERTZ; Jahrgang 1949, Studium der Germanistik, Mathematik, Soziologie und Kommunikationswissenschaft. Promotion zur Entwicklung der "Objektiven Hermeneutik", Habilitation mit einer soziologischen Feldstudie zur Arbeit der Kriminalpolizei; von 1993 bis 2015 Professor für Kommunikationswissenschaft an der Universität Duisburg-Essen, Campus Essen – zuständig für die Bereiche "Strategische Kommunikation", "Qualitative Methoden", "Kommunikation in Institutionen" und "Neue Medien". Arbeitsschwerpunkte: qualitative Sozialforschung, wissenssoziologische Text- und Bildhermeneutik, Kultursoziologie, Religionssoziologie, Medienanalyse, Mediennutzung, empirische Polizeiforschung, Werbe- und Unternehmenskommunikation. Seit 2015 Senior-Fellow am Kulturwissenschaftlichen Institut (KWI) Essen und Mitglied des Vorstands. Zudem Leiter des Projektbereichs "Kulturen der Kommunikation".

Kontakt:

Prof. em. Dr. Jo Reichertz

Kulturwissenschaftlichen Institut (KWI) Essen
Goethestraße 31
D-45128 Essen

Tel.: +49 (0)201 7204-103

E-Mail: jo.reichertz@KWI-nrw.de
URL: http://www.kulturwissenschaften.de/home/profil-jreichertz.html

Zitation

Reichertz, Jo (2019). Methodenpolizei oder Gütesicherung? Zwei Deutungsmuster im Kampf um die Vorherrschaft in der qualitativen Sozialforschung [30 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 20(1), Art. 3, http://dx.doi.org/10.17169/fqs-20.1.3205.



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