Volume 21, No. 2, Art. 1 – Mai 2020



Die Zeit des Lesens. Rekonstruktion ästhetisierter Eigenzeiten und die Frage der Zeitregie bei der (Hör-)Textaneignung

Miklas Schulz

Zusammenfassung: Zeit tritt niemals für sich allein auf, sie ist ein relationales Konstrukt. Zeiten sind immer Zeiten von etwas. Es gilt daher, sie in ihren konstitutiven Verweisungszusammenhängen aufzuspüren. In dem Beitrag wird anhand von Interviewmaterial illustriert, wie Zeitfragen empirisch erhoben und subjektives Zeiterleben rekonstruktiv erfasst werden können. Dies geschieht am Beispiel der Aneignung sprachgebundener (Hör-)Texte. Im Gegensatz zum Buch besitzt das Hörbuch eine eigenqualitative Zeitstruktur. Es hat eine vorherbestimmte Dauer seiner Aneignung, ist schlecht zu beschleunigen und fordert eine Hingabe an seine Eigenzeit. Im Falle genussvoller Hingabe (Abgabe von Agency) kann auf dieser Basis eine ästhetisierte Eigenzeit entstehen. Über die vorgeführte Agency-Analyse lässt sich Aufschluss darüber gewinnen, wie sich die Menschen aneignungspraktisch ins Verhältnis zu gegebenen Zeitordnungen (in- und außerhalb) des (Hör-)Textes setzen bzw. inwieweit sie Zeitlichkeiten selbst im Rahmen eines Mediendispositivs hervorbringen. Solche ästhetisierten Eigenzeiten besitzen mitunter eine wichtige Funktion für die Alltagsbewältigung.

Keywords: rekonstruktive Interviewforschung; Agency-Analyse; praxistheoretisch informierte Soziologie der Sinne; ästhetisierte Eigenzeit

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zeitanalytische Vorüberlegungen

2.1 Methodisches Vorgehen

2.2 Rekonstruktive Interviewauswertung: Agency-Analyse und die Zeitdimension

3. Zeitkonstruktionen als Wechselwirkungen von Phänomen und Deutung

3.1 Hingabe oder Kontrolle: die Frage der Zeitregie

3.2 Zeit als Legierungspraxis

3.3 Die Zeit als knappes Gut

4. Diskussion von Methodologie und Ergebnissen

5. Fazit

Danksagung

Anhang: Interviewleitfaden

Anmerkung

Literatur

Zum Autor

Zitation

 

1. Einleitung

In dem vorliegenden Beitrag wird die Frage nach Zeit am Beispiel der Aneignung von verschiedenen (Hör-)Texten verhandelt. Insbesondere Hörbücher können dabei als ein interessanter Untersuchungsgegenstand gelten, da die Aufzeichnung gesprochener Sprache immer schon über zeitliche Qualitäten verfügt. Noch deutlicher wird dies durch den Rückgriff auf die Ästhesiologie von Helmuth PLESSNER (2003 [1970]), der Sprache allgemein – und gesprochene Sprache im Besonderen – als ein akustisches Phänomen begreift, das immer schon in Zeitlichkeit verwickelt ist. So vollzieht sich auch die auditive Wahrnehmung (von Sprache) notwendig im Medium der Zeit, also in einer Anordnung des Nacheinanders, wodurch sich erst ihre spezifisch eindringliche und Sinn aufbauende Qualität zu entfalten vermag. [1]

Gesprochene Sprache ist somit temporal strukturiert. Diese Feststellung hat im vorliegenden Kontext der Aneignung sprachbasierter Hörtexte Folgen für das subjektive Zeiterleben, welches damit als ästhetisch formbare Größe erkennbar wird. Wenn auch die Untersuchung von eigenzeitlich strukturierten Phänomenen keinen großen Raum in der Forschung einnimmt, so weist doch die Beschäftigung mit der Aneignung von Hörbuch und Hörspiel in bisherigen Diskussionen Bezüge zu Ideen eines double your time (RÜHR 2008, S.100) und somit eine Referenz auf Zeitordnungen auf (RAUTENBERG 2007; SCHWETHELM 2010). Das heißt, das Hörbuch wird im Sinne einer Beobachtung von Beschleunigung diskursiviert als ein probates Mittel, um der quantitativen Steigerung von potenziell interessanten Handlungsoptionen zu begegnen, die dazu führen, dass sich die Zeitspanne verkürzt, die jedem einzelnen Gegenstand gewidmet werden kann (ROSA 2005). [2]

Nicht zuletzt vor einem solchen Hintergrund hat Irene NEVERLA (2007) ihr "Konzept der polychronen Zeit" (S.44) entwickelt, in der sich eine spezifische Zeitordnung – so ihre These – "durch ihre Variabilität in modernen Gesellschaften, auch getragen von digitalen Medien, durchsetzt", wobei diese Zeitordnung "höchst ambivalent sowohl Zeitsouveränität zulässt als auch aktive Zeitgestaltung erfordert" (S.42). Ihre grundlegende Annahme besteht darin, "dass jeder Umgang mit Medien zugleich auch Umgang mit Zeit ist" (a.a.O.), da die Verwendung von Medien immer ein Handeln in und mit der Zeit und gleichermaßen Zeithandeln ist. [3]

Anschließend an die These polychroner Zeit steht im Mittelpunkt des vorliegenden Beitrags die Frage nach Wechselwirkungen zwischen der eigenzeitlichen Struktur medialer Texte mit ihren Aneignungspraktiken und den aus ihnen resultierenden Erlebnisweisen. Dieser Zusammenhang wird anhand von Interviews veranschaulicht, die der Studie "Hören als Praxis" (SCHULZ 2018) entstammen. Dabei wird deutlich, dass der die Bezüge stiftenden Aneignung von skripturalen oder auditiven Sprachzeichen nicht gleichermaßen strukturell eine Zeitlichkeit anhaftet. Während das Phonische in seiner Verfasstheit automatisch eine Zeitdimension mitführt, entsteht selbige beim skripturalen Text immer erst im Rezeptionsprozess selbst. Anders formuliert geht es im Folgenden um den methodisch zu fassenden Zusammenhang aus spezifisch sinnlichen Aneignungsweisen und einer (Un-)Möglichkeit von Zeitregie bei unterschiedlichen Textfassungen. Für eine solche Analyse sind methodische Vorkehrungen zu treffen. Daher werden zeitanalytische Überlegungen eingeführt, um die Entscheidung für die Auswertung der Interviewdaten über die Agency-Analyse zu plausibilisieren und darauf aufbauend das methodische Vorgehen genauer zu schildern (Abschnitt 2). Illustriert werden nachfolgend drei verschiedene Zeitpraktiken, die auf diese Weise im Kontext der Hörtextaneignung systematisiert werden konnten (Abschnitt 3), um nach einer (methodologischen) Diskussion über den Stellenwert der Interviewforschung in der Praxistheorie (Abschnitt 4) mit einem Fazit zu enden (Abschnitt 5). [4]

2. Zeitanalytische Vorüberlegungen

Es ist seit Längerem üblich, Fragen nach der Bedeutung von Zeit mithilfe qualitativer Interviews zu erforschen (DRESSEL & LANGREITER 2008; FISCHER 2018; MÜNCH 2014). Dabei wird in verschiedenen Studien ein Zusammenhang zwischen biografischen Umständen und Typen von Zeitgestaltung angenommen (BURZAN 2002 ; GRAEFE 2013; KÖLLER 2006). GEISSLER (2008) analysiert mithilfe des Konzepts der Zeitsouveränität neue Zeiterfahrungen, Praktiken und Handlungsdilemmata und wie sie durch den (ökonomischen) Wandel von Temporalstrukturen vorangetrieben werden. Zeitsouveränität ist für sie "ein Begriff der Selbstverständigung über Arbeitserfahrungen und -ansprüche" (S.258). Zeitsouveränität im Kontext Arbeit(szeit) wird letztlich als Element einer neuen kapitalistischen Rechtfertigungsordnung erkannt. Ausgangspunkt für diese Forschungen bilden organisationale oder arbeitsbezogene Setzungen, von denen ausgehend dann untersucht wird, wie die einzelnen (davon abfallenden) Bereiche Freizeit und Familie koordiniert werden. Eigensinnigkeiten sowie zeitgestalterische Spielräume sind bisher in der Forschung eher unterrepräsentiert. [5]

Demgegenüber wird im vorliegenden Beitrag über das Beispiel der Aneignung von (Hör-)Texten der Umgang mit der eigenzeitlichen Strukturiertheit von Phänomenen betont. In den Fokus gerückt wird eine in Praxisvollzügen erst (mehr oder weniger souverän) gestiftete Zeitordnung, an der die Menschen unterschiedlich gestalterisch beteiligt sind; je nachdem, ob sie einen Text auditiv oder optisch wahrnehmen. Als weitere Hintergrundfolie für eine Analyse von Zeitpraktiken bei der (Hör-)Textaneignung wird das Konzept ästhetischer Eigenzeit herangezogen (GAMPER & HÜHN 2014). Ursprünglich den Kulturwissenschaften entstammend wird danach gefragt, "wie komplex Artefakte mit der Vielzeitigkeit und der Heterogenität der Zeitvorstellungen umgehen" (S.11). Der vorgeschlagene Artefaktbezug ist konsequent, besteht doch das theoretische wie methodische Problem von Zeit darin, dass sie ein sich der unmittelbaren Anschauung entziehendes Phänomen ist. Somit kann sie nicht "als universalistische Größe oder als eine abstrakte chronometrische Ordnung begriffen werden" (S.10). Das heißt auch, dass sie nur erscheinen kann, insofern sie sich darstellt und an Gegenständen wahrnehmbar wird. [6]

Der Begriff der Eigenzeitlichkeit hat jedoch einen genuinen Doppelcharakter: Sie zeigt sich sowohl in den Hörtexten als auch durch sie. Es existiert also eine ästhetische Eigenzeit in den temporalisierten Darstellungsprozessen und eine ästhetisierte Eigenzeit in der erlebten Rezeptionssituation. Nur über diese Differenziertheit ist es in analytischer Hinsicht gewinnbringend, die Dimension der Zeit in sinnlich vermittelten, sprachbezogenen Aneignungsweisen zu reflektieren. Diese Dimensionierung zeigt auf, inwiefern (Hör-)Texte mittels ihrer eigenzeitlichen Struktur den Rezipierenden einen Möglichkeitsraum liefern, der (zeit-)gestalterisch im Alltag verwendet werden kann. Diese Einsatzmöglichkeiten lassen sich dann gut über Interviews erfassen. Im Folgenden geht es vor diesem Hintergrund um die Schilderung des konkreten Forschungsvorgehens und der Auswertungspraxis des Interviewmaterials. [7]

Die Daten entstammen der Studie "Hören als Praxis" (SCHULZ 2018), in der sprachbezogene, sinnliche Aneignungsweisen erforscht wurden. Dafür wurden verschiedene medieninduzierte Hörweisen rekonstruiert, um auf diesem Wege etwas darüber in Erfahrung zu bringen, wie sich Menschen deutend ins Verhältnis zu ihrer eigenen Sinnlichkeit setzen. Neben der Frage nach der Hervorbringung der eigenen Sinnesleistungen spielte auch die Frage nach unterschiedlichen Zeitlichkeiten eine zentrale Rolle. [8]

2.1 Methodisches Vorgehen

Die Interviewpersonen wurden im Zeitraum von November 2011 bis Oktober 2012 mithilfe eines Kurzfragebogens sowohl offline über Aushänge in Bibliotheken verschiedener Klein- und Großstädte im Bereich des Hörbuchverleihs als auch online über einen Aufruf bei Audible (einer Downloadplattform für Hörbücher) rekrutiert. Gebildet wurde so ein heterogenes Untersuchungssample aus prinzipiell höraffinen Menschen, die sich in verschiedenen (Lebens-)Situationen unterschiedliche Varianten von (Hör-)Texten aneignen. Das Sample wurde einerseits nach der Logik der maximalen strukturellen Variation (KELLE & KLUGE 2010), andererseits durch eine sukzessive Weiterentwicklung der Samplestruktur im Sinne der Grounded-Theory-Methodologie nach GLASER und STRAUSS (2005 [1967]) gebildet. Neben der regionalen Selektion nach Groß- und Kleinstadt fanden bei der Auswahl der Interviewpersonen zu Beginn des Samplingprozesses gängige askriptive Strukturkategorien Berücksichtigung, um so die Heterogenität des Feldes abzubilden. Das Geschlecht war weitestgehend ausgewogen (7 von 17 der Befragten waren männlich), das Geburtsjahr umfasst mit Jahrgängen von 1950 bis 1988 ein recht breites Spektrum. Auch bei den Bildungsabschlüssen wurde eine große Vielfalt einbezogen. In einem Fall verfügte die interviewte Person nicht über einen Abschluss, während neben einer Anzahl von Akademiker_innen Hauptschüler_innen ebenso vertreten waren wie Realschüler_innen mit verschiedenen Berufsausbildungen (Fachinformatiker, Buchhändlerin oder Gasinstallateur). Zugleich sollten repräsentationslogische Vorfestlegungen durch die theoretisch gesetzten Strukturkategorien vermieden werden. Daher kamen in Anlehnung an das Theoretical Sampling (GLASER & STRAUSS 2005 [1967]), neben dem Fokus auf die inhaltlichen Vorlieben, die Aneignungspraxen und die Beschaffung des Hörstoffes nach fünf geführten und ausgewerteten Interviews zwei weitere Kriterien für die Auswahl hinzu: Neben beruflich sehr mobilen Menschen (Pendler_innen oder Außendienstler_innen) wurde die Affinität zu (neuen) Medientechnologien berücksichtigt. Dies spiegelte sich auch in der dann begonnenen Online-Rekrutierung wider. [9]

In den Interviews ging es neben Hörbuch und Hörspiel immer auch um das traditionelle Lesen von Schrifttexten. Um eine Durchmischung in den Orientierungen zu gewährleisten, wurde im Kurzfragebogen vorab auch die Häufigkeit des Lesens oder Hörens von Texten erfragt. [10]

Es wurden 17 teilnarrative Interviews (HELFFERICH 2011; KRUSE 2014) ausgewertet. Die Entscheidung für diese Erhebungsmethode hatte praktische Gründe. Es dürfte schwierig sein, mithilfe von ethnografischen Beobachtungen über Hörtexte erwirkte Zeitpraktiken zu untersuchen, da diese sich beiläufig in den Alltag einfügen und es dafür (im Gegensatz zu anderen Untersuchungsgegenständen) keine festen Orte gibt. Teilnarrative Interviews eignen sich außerdem durch ihre Verzahnung von Strukturierung und Fokussierung/Offenheit für heterogene Samples, da so eine gute Vergleichbarkeit mehrerer Interviewfälle gegeben ist. [11]

Bereits im Leitfaden (siehe Anhang) gab es Setzungen, in denen die Relevanz des Zeitthemas aufschien. Nicht nur wurde nach der Dauer der präferierten Hörtexte selbst gefragt, es gerieten auch die gewählten Hörsituationen, deren (möglichst vermiedene) Unterbrechungen sowie die Frage nach dem Gefühl von Zeitknappheit im Alltag in den Fokus eines jeden Interviews. [12]

2.2 Rekonstruktive Interviewauswertung: Agency-Analyse und die Zeitdimension

Um die Interviews auszuwerten, wurde auf das integrative Basisverfahren (KRUSE 2014) zurückgegriffen, mit dem einzelne sprachlich verfasste Phänomene gesondert betrachtet werden können. Den Kern der intendierten methodischen Sensibilisierung für sprachlich-kommunikative Phänomene bildet der Paradigmenwechsel vom Was zum Wie. Der Gegenstand, über den die Zeit im hier vorgestellten Projekt erforschbar wurde, waren demnach die Praktiken der Versprachlichung. Für eine Rekonstruktion von im Interview (implizit) verhandelten Zeitlichkeiten ist die Agency-Analyse gut geeignet, da sie in den Versprachlichungen zu erkennen hilft, wie sich die Menschen über ihre Aneignungspraxen zur – gegebenen oder eigens erschaffenen – Zeitlichkeit des (Hör-)Textes ins Verhältnis setzen. Denn die Menschen sind selbst in verschiedene Zeitlichkeiten verwickelt; einmal in die Eigenzeitlichkeit der Hörtexte, aber auch in die über die Aneignung hervorgebrachte Zeitlichkeit der Rezeption selbst. So können verschiedene Einflüsse differenziert werden: Gefragt werden kann danach, wer die Rezeptionssituation strukturiert – der Text oder die Interviewperson. Deutlich wird so, inwiefern eine Kontrolle über den Textfluss existiert, wo also die Agency im Kontext einer Zeitregie liegt. [13]

In einer Agency-Analyse wird konkret danach gefragt, "wer mit wem was in welcher Weise macht/machen kann, wessen Wirkung wem (dem Individuum, der Gesellschaft, anonymen Mächten etc.) zugerechnet werden kann" (HELFFERICH 2012, S.9). Zentral für eine Agency-Analyse ist es demnach, herauszufinden, was "in der Macht des Einzelnen steht" (a.a.O.), wobei es weniger um Fakten als vielmehr um Vorstellungen geht. Das heißt, es gilt am Interviewmaterial exakt und über die aufmerksame Untersuchung von sprachlichen Formulierungen zu klären, wer oder was über Handlungsmächtigkeit verfügt (KRUSE 2014). [14]

Ziel der Nutzung dieses heuristischen Auswertungsinstrumentes war es, die vielfältigen Bezüge zu den verschiedenen Ebenen von Zeitlichkeit zu erfassen. Derartige Hinweise geben beispielsweise die "grammatikalische[n] Modi der Aktivität oder des Erleidens ('ich habe ...' oder 'ich wurde ...'), Hilfsverben wie 'müssen', 'wollen' oder Verben wie 'versuchen'" (HELFFERICH 2012, S.12). Interessant erscheinen vor diesem Hintergrund auch Formulierungen, die in der dritten Person getätigt werden oder in denen gar kein Mensch als aktiv handelnder oder gestaltender Part einer Situation auftaucht. Entdeckt werden können über eine Agency-Analyse die subjektiv empfundenen und/oder konstruierten Faktoren, die zu einem Ereignis, einer Empfindung oder Situation beitragen. Es lassen sich in differenzierter Weise die vielfältigen sozialen und subjektiven Vorstellungen der eigenen (Nicht-)Beteiligung offenlegen. Wie im Folgenden zu zeigen sein wird, bildet die Agency-Analyse damit eine erkenntnisreiche Grundlage für die Erforschung der Herstellung und das Erleben von Zeitlichkeiten. [15]

3. Zeitkonstruktionen als Wechselwirkungen von Phänomen und Deutung

So offenkundig wie die Relevanz der Zeitfrage bei der Hörtextaneignung ist, so wenig wurde sie bisher im Falle optischen Lesens diskutiert. Das heißt, dass in lesetheoretischen Forschungen die Dimension der Zeit bisher nicht gesondert berücksichtigt wurde. Zwar hebt Johannes LEHMANN (2012) die Wandlung von Schrift zum (stummen) Laut wie auch die parallele Generierung von Sinn und Bedeutung beim optischen Textentziffern hervor, der konstitutive Zeitaspekt bleibt jedoch unberücksichtigt. Dies gilt auch nach dem Vergleich mit Hörbüchern und einer neu ansetzenden Differenzierung, in der er feststellt, dass der Gegensatz "also nicht einer von Visualität des Lesens und Akustizität des Hörens [ist], sondern der von nicht-artikulierter und artikulierter Stimme sowie von eigener und fremder Stimme" (S.5). Entscheidend ist demnach, ob der Prozess der Verstimmlichung von dem sich den Text aneignenden Subjekt selbst vorgenommen oder ob er als fertiges Resultat einer externen, fremden Verstimmlichung lediglich vernommen wird. Eine ähnlich markante Aussparung findet sich bei Ludwig JÄGER (2014), der auf die mediale Differenz der zeichenhaften Verfasstheit und die Sinnlichkeitsunterschiede bei (Hör-)Texten insistiert. Auch Claus WEIMAR (1999), der Wesentliches zur konzeptionellen Klärung der Lesepraxis beiträgt, spricht bei der Schriftentzifferung von einer Position des Statthalters des fremden Textsinns, reflektiert dabei allerdings nicht den in dieser Stellvertretung mitschwingenden Moment der Zeitregie. Thematisiert wird zwar die Relevanz einer inneren Stimme für das Textverständnis, ihre Zeitlichkeiten gliedernde Funktion bleibt jedoch unterbestimmt. Es entsteht somit der Eindruck, dass man sich in der literaturwissenschaftlich orientierten Forschung mehr für den Zusammenhang von Stimmgebung und Sinngebung interessiert denn für Zeitfragen. Vor dem Hintergrund der Kontrastfolie auditiver Textaneignungsweisen tritt Letztere dafür umso entschiedener hervor. In den folgenden Abschnitten zeige ich, wie sich (nicht) mit Eigenzeitlichkeit ausgestattete Phänomene (hier Hörtexte im Kontrast zu skripturalen Texten) mit anderen Aspekten der Aneignung ins Verhältnis setzen und wie dabei ästhetisierte Zeiterlebnisse hervorgebracht werden. [16]

3.1 Hingabe oder Kontrolle: die Frage der Zeitregie

In welchem Maße nun Zeitlichkeiten mit subjektiven Deutungsweisen zusammenhängen, sollen die ersten nachfolgenden Interviewauszüge verdeutlichen. Sie illustrieren das Spannungsfeld und folgen damit der Logik maximaler Kontrastierung. [17]

Inspiriert durch die Frage nach dem Vergleich zwischen dem Lesen eines Buchs und dem Hörbuchhören äußert Kerstin Klaasen, eine in der PR-Abteilung eines Museums arbeitende Kulturwissenschaftlerin, die nur während der Autofahrt Hörtexte rezipiert, das Empfinden eines intensiveren Wahrnehmens beim Lesen von skripturalen Texten. Auf die Bitte um Konkretisierung führt sie Folgendes aus:

"ja, also ich das is mein EINDRUCK dass_n buch zu LESEN, intensiver is, [mhm] vielleicht weil ich den eigenen rhythmus? bestimmen kann? [mhm mhm] kann sein? also die geSCHWINdigkeit und grade bei komPLEXeren büchern ähm kommt_s ja DOCH mal vor bei MIR zumindest dass ich dann auch_ne pass- passage wiederHOLE, oder noch mal n zwei drei kapitel VORNE [mhm] LESE um: ne ANschlussfähigkeit herzustellen das KANN man natürlich bei hörbüchern so schlecht. [okay] und dadurch dass sie auch in nem relativ monoCHROMEN rhythmus laufen, [mhm] ähm (--) ä: geLINGT es mir dann ganz häufig nich so die e ähm ja diese geSCHICHTE oder die den INHALT so wahrzunehmen [ja] (--) also d- ganz häufig so verKNÜPFungen nich un GRADE bei so komPLEXeren texten find ich das persönlich schwierig. [mhm] und ich FINDE, dass ich nach einem geLESENEN buch, vieLLEICHT auch weil_s wesentlich LANGSAMER geht? [mhm] und ZEITintensiver is, so [ja] ähm dass ich die geschichte besser verINNERLICHT habe oder dass sie mich besser beRÜHRT oder [aha] so" (Kerstin Klaasen).1) [18]

Benannt wird die beim Lesen gegebene Möglichkeit, selbst über den eigenen, textentziffernden Rhythmus bestimmen zu können, was in einer aktiven Formulierung Ausdruck findet. Man bekommt es mit der Frage subjektiver Handlungsmächtigkeit und der Kontrolle über den Fluss der Textaneignung (Zeitregie) zu tun. Es scheint, als verhindere die Unbeeinflussbarkeit des Vorlesetempos im Hörbuch (der monochrome Rhythmus), Verknüpfungen innerhalb der Geschichte herzustellen und damit den Inhalt adäquat wahrzunehmen. Gegenübergestellt findet sich eine Aneignungspraxis des Blätterns in Büchern, durch die vermittels eines unkomplizierten Vor- und Zurückspringens ohne Weiteres ein Anschluss an vorausgegangene Aspekte hergestellt werden kann. Das als zentral vorgestellte Ziel der gelingenden Verinnerlichung einer Geschichte, die persönlich zu berühren vermag, wird dann weiter dem Lesen als zeitintensiverer Praxis zugeschlagen. [19]

Als Referenz für die auditive Wahrnehmung von Texten wird die Praxis des Selbstlesens herangezogen und die Dimension eigenzeitlicher Strukturiertheit eines Hörtextes als Differenzmarkierung gesetzt. Dass eine solche (Konstruktion von) Deutung und Empfindung wiederum nicht selbstverständlich ist und keineswegs immer so dargestellt wird, zeigt ein anderes Beispiel aus dem erhobenen Datenkorpus. Hier kommt eine berufstätige Mutter zu Wort, die als Bankkauffrau arbeitet. Die vom Interviewer (im Folgenden mit "I" abgekürzt) gestellte Nachfrage, die nun präsentiert wird, bezieht sich auf eine vorausgegangene Passage, in der die interviewte Person schilderte, was es für ihr eigenes Erleben bedeutet, sich eine bestimmte spannende Passage aus einem Horror-Thriller einmal über eigenes Lesen und ein anderes Mal über die stimmliche Inszenierung eines Hörbuchs angeeignet zu haben:

I: "hm=hm hm=hm (2,0) was fandest du denn da anders oder besser wie du gerade gesagt hattest?"

B: "wahrscheinlich lag es daran wie ich ihnen am ja am anfang schon sagte einfach wenn ich es mir vorlesen lassen kann [hm=hm] die augen schließe [hmhm] und äh mir meine bilder die im kopf entstehen da kann ich mich drauf konzentrieren [hmhm] und wenn ich dann noch einen guten vorleser habe [ja] der das ganz anders rüberbringt [ja] wenn ich äh lese dann kann ich auch wenn es denn sehr spannend ist schneller lesen [ja] (lacht) weil man ja wissen möchte wie es ausgeht [ja] vielleicht bin ich dann tatsächlich auch so dass ich vielleicht manche wörter manche sätze gar nicht so richtig wahrnehme [hm=hm] weil ich auf den schluss und aufS gute ende hinauswill [hm=hm] dann überfliege ich vielleicht auch [hm=hm] das ist mir ja beim hörbuch hören gar nicht möglich [ja] da muss ich mich hinsetzen ODER möchte ich mir ja auch jeden satz anhören[ja] ehm dadurch nehme ich es einfach intensiver wahr [hm=hm] ehm weil ich es mir vorlesen lassen muss und er ja jeden satz auch bringt und ich wenn ich die augen schließe auch jeden satz wahrnehme deswegen ist es auch viel intensiver gewesen [ja] und auch wesentlich brutaler (lacht) [okay] ja" (Elvira Engels). [20]

Eine sich – nicht im Auto – ereignende Vorlesesituation, in der der Text technisch reproduziert wird, bietet eigene Aneignungsspielräume. Die Augen können geschlossen werden, wodurch eine bessere Konzentration auf die von einem guten Sprecher gebotene stimmliche Inszenierung des Textes und die dadurch entstehenden Bilder ermöglicht wird. Formuliert wird dies in einer passiven Agency-Konstruktion (vorlesen lassen und Bilder, die entstehen). Anders als beim vorhergehenden Beispiel, bei dem die Kritik der monochromen Rhythmik der sprecherischen Darbietung im Zentrum stand, wird hier die auditive Aneignungsweise dargestellt als eine, bei der die Zuhörerin über die unveränderliche stimmliche Textinszenierung auf die Wahrnehmung eines jeden einzelnen Wortes verpflichtet wird. Die nicht länger gegebene eigene Wahl einer zeitlichen Gliederung des Textflusses im Sinne der individuellen Bestimmung des Tempos der Textaneignung wird als Vorteil gedeutet, vermag doch die als intensiv empfundene Wahrnehmung des inhaltlichen Geschehens erst auf dieser Basis zu entstehen. Somit erscheint das konträr gelagerte Empfinden intensiver Textwahrnehmung als ein Effekt des angestrebten bzw. hergestellten subjektiven Verhältnisses zum Text und zu seinen intern wie extern gegebenen Zeitlichkeiten selbst. [21]

Bei dieser entschiedenen Kontrastierung geht es nicht um die Frage, welche nun die wahrere, schlüssigere oder weiter verbreitete Deutung und Bewertung des Geschehens und der Qualität auditiv angeeigneter Texte ist. Es soll lediglich das empirisch auffindbare Spannungsfeld exemplarisch illustriert werden. Eine weitere Passage aus dem Interview mit Elvira Engels kann zeigen, wie verwickelt die die Zeit konfigurierenden Möglichkeitsräume sind, die durch die Aneignungspraxen erwirkt werden. Hat die Interviewte eben noch die Freiheiten auditiver Textwahrnehmung gepriesen, legt sie wenig später die Ambivalenz der einzelnen Textwahrnehmungsmodi in ihren Erörterungen offen: Die in der Anbahnung lesender Aneignung vollzogene verbindliche Verfügung über den Körper generiert den Freiraum, der zu einem zum Hörmodus differenten Einstieg in ein Texterlebnis führen kann:

I: "kannst du das versuchen nochmal genauer zu beschreiben was dir das bedeutet so ein buch anfassen zu können?"

B: "dieses buch anfassen also da muss ich wirklich am anfang anfangen [ja] wenn ich mir dieses buch äh kaufe [ja] wenn ich es dann zuhause habe und in den händen halte [ja] ganz entscheidend für mich ist natürlich auch der äußere stil das cover ehm aber wenn ich dieses buch in den händen halte und ich einfach so gar nicht weiß was mich jetzt erwartet natürlich habe ich eine kleine vorstellung aufgrund der kurzbeschreibung [ja] die ich ja gelesen habe hinten auf dem buch aber bevor ich dieses buch aufschlage halte ich echt wirklich gerne so eine minute inne und denke so jetzt lass ich mich auf eine neue geschichte ein ehm ich bin gespannt auf das was mich da erwartet [hm=hm] ich lese tatsächlich auch das impressum (lachend) in dem buch [ja] welche auflage das ist [ja] ehm ehm meistens ist es ja so dass die autoren am anfang dann noch schreiben für wen sie dieses buch jetzt ehm geschrieben haben oder für wen das sein soll [hm=hm] da blättere ich wirklich ganz langsam durch und ähm dann wenn ich dann so diese ersten zeilen lese dann denk ich so jetzt ist es so weit jetzt fängst du damit an und ehm versuche dann auch wenn ich ein buch anfange wirklich im vornherein eine stunde zeit zu nehmen um auch in dieses buch halt eben reinzukommen [okay] und ehm und ich mache da tatsächlich eine kleine zeremonie von [ah=ha] und und damit ich dann tatsächlich schon mal eine stunde gelesen habe und mich dann auch so in dieses buch hineinfinden kann das ist für mich so dieses buch in den händen halten das ist für mich jedes mal wieder was ganz besonderes" (Elvira Engels). [22]

Was hier ausschließlich mit aktiven Formulierungen beschrieben wird (Buch aufschlagen, auf Geschichte einlassen), mag als eine andächtige, rituelle Praxis gelten. Dabei praktiziert sie mit ihrem kurzen Innehalten eine Dehnung der Gegenwärtigkeit, die den zeitlichen Raum schafft für das gespannte und erwartungsvolle Blättern in dem neuen Buch. Dieses Innehalten nährt sich durch die wenigen, in Häppchen auftauchenden Informationen. Sie nimmt sich so die Zeit für ein intensives Erleben des Einstiegs und für das Einlassen auf eine neue Geschichte und deren Entwicklung. Im Kontrast zum Einstieg in ein Hörbuch spielt hier die Möglichkeit der eigenen Zeitregie und der individuellen Souveränität – mit welchen Schritten und Etappen, Unterbrechungen und gedanklichen Einschüben der Weg in die Geschichte genommen wird – eine zentrale Rolle: Der reflexive, sich der eigenen Gegenwärtigkeit der Praxis versichernde Einschub ("wenn ich dann so diese ersten zeilen lese dann denk ich so jetzt ist es so weit jetzt fängst du damit an") ist beim eigenzeitlich strukturierten Hörbuch in dieser Form nicht möglich. Ein solches Innehalten würde gerade wegführen von dem zeitgleich dargebotenen Text und seinem stimmlich inszenierten Fortschreiten. Selbst wenn hier auf eine Pausentaste gedrückt werden würde, wäre das an den Moment gebundene Empfinden einer reflexiven Bewusstwerdung vermutlich nicht mehr zugänglich. Das Aufblitzende wäre bereits wieder der Vergänglichkeit anheimgefallen. Die erforderliche Hingabe an das fremdbestimmte Fortschreiten des Textflusses wird mit dem "reingeschmissen" von Elvira Engels mit einer passiven Agency-Konstruktion belegt:

"beim hörbuch entfällt das natürlich alles da gucke ich mir dann halt kann ich mir ja auf meinem mp3-player auf diesem i-pod halt eben das cover angucken [hm=hm] und dann kommt oft ehm eine stimme und sagt vielen dank für ihren einkauf bei ordibil und dann halt aber so den titel und wer das buch vorliest und dann geht es im prinzip los [ja] und da entfällt dann natürlich diese ganze zeremonie was ich da vorher so habe [ja] ehm und dann werde ich halt gleich so in die geschichte reingeschmissen" (Elvira Engels). [23]

Dieser Schilderung nach fällt der auf eigener Initiative basierende und spannungsgeladene Aufbau eines Erwartung, Inszenierung und Gegebenes iterativ verbindenden Einstiegs in die Geschichte weg. Eine Zeitregie kann nicht länger auf den auditiv wahrzunehmenden Textfluss durchgreifen. Die Spielzeit eines Hörbuches bleibt unbestechlich. Der Hörtext geht dann ohne weiteres eigenes Zutun (passive Agency) einfach los und entfaltet sich vor dem hörenden Ohr. Auch wenn die Kontrolle für einen zeremoniellen Aufbau durch den zeitlich vorgegebenen, strukturierten Textfluss fehlt, bedeutet dies nicht, dass der kumulative Aufbau einer ästhetischen Erfahrung im Hörmodus prinzipiell verstellt ist. Im Gegenteil, Elvira Engels zeigt durch das für das Hörbuch aktualisierte Interesse, sich mit Zeit, Ruhe und Muße in die Geschichte einfinden zu wollen, dass dies ebenso wichtig und möglich ist. [24]

Was beim Hörbuch und seiner auditiven Textaneignung im Vergleich mit dem Buch verkümmert, ist die Möglichkeit der rituellen, durch die Visualitätsgeleitetheit mit subjektiver Zeitregie ausgestattete Eröffnungszeremonie. Diese baut sich haptisch synchronisiert und detailverliebt auf. Demgegenüber wird das statische Moment skripturaler Zeichen im Hörbuch transformiert in einen dynamischen, rhythmisch gegliederten, charakteristisch aus sich heraus im Fluss befindlichen Text. Angeschlossen werden soll im Weiteren mit der Frage danach, wie diese Wechselwirkungen von subjektiver Deutung und der eigenqualitativen Strukturiertheit von Hörtexten verschiedene Spielräume im Alltag offerieren können und wie sich daraus konkrete Konstellationen von Zeitlichkeiten konfigurieren. [25]

3.2 Zeit als Legierungspraxis

In den Interviewdaten finden sich evidente Zusammenhänge von subjektiven Varianten des Zeiterlebens und Weisen eines spezifisch durch Hörpraxen geformten In-der-Welt-Seins. Beim Autofahren, Bügeln, bei der häufig wiederkehrenden Zugfahrt, dem Stricken oder bei anderen Hausarbeiten handelt es sich scheinbar um spezifische Gelegenheitsstrukturen. Ihre Gemeinsamkeit liegt darin, dass das Unliebsame, Langweilige und Lästige an ihnen mithilfe von Hörtexten überblendet werden kann. Gelingen kann dies durch die bereits angedeutete, im auditiven Aneignungsmodus sich vollziehende Verschiebung der Kontrollintention: Während diese beim visuellen Textlesen auf den Entzifferungsvorgang bezogen ist, wandert sie beim Hörbuchhören tendenziell aus der lesenden Aneignungspraxis heraus. Genauer gesagt verlagert sie sich weg vom Textfluss auf externe, sich damit potenziell vervielfältigende Umstände: "also ich=ähm NUTZE das EINfach ähm um ein in ein ähm paraLLELuniversum abzutauchen und ähm zum beispiel DINGE mir damit zu versüßen die ich normalerweise ekelhaft finde wie zum beispiel hausarbeiten (? bügeln ?) und solche sachen" (Frederike Faust). [26]

Frederike Faust ist als Assistenz der Geschäftsführung eine vielbeschäftigte Frau, für die ein hoher Aktivitätsgrad selbstverständlich ist. Dies spiegelt sich auch in ihrer Freizeitorientierung wider, denn die von ihr gewählte Formulierung der Nutzungsintention besitzt deutlich eine aktive Agency-Konstruktion. Letztere zielt dabei nicht auf die Kontrolle des Textflusses. Eine konzentriert gehörte Geschichte kann vielmehr zu einem ganzen Paralleluniversum imaginativ aufgebaut werden. Mit der Metapher des Eintauchens ist jedoch mehr gemeint als die Fantasiewelt der Bilder. Ins Spiel kommt gesprochene Sprache mit ihrer eigenen zeitlichen Dimension und ihrer emergierenden Strukturiertheit. Der Fokus auf den eigenzeitlichen Fortgang der Geschichte unterläuft potenziell den der dadurch ästhetisierten Situation, wofür der Hörtext ein hilfreiches Instrument sein kann. [27]

Mit den Hörpraxen geht folglich in vielen Fällen eine ebenso intendierte wie routinierte Verschiebung des Aufmerksamkeitsfokus einher. Dies geschieht nicht zuletzt, indem das ästhetische Artefakt des Hörtextes Einfluss auf das subjektive Zeiterlebnis nimmt. Praktiziert wird eine Form von Zeitregie, die es vermag, das subjektive Erleben von einer extern gesetzten Zeitordnung zu entkoppeln, der man sich unterwerfen müsste, gäbe es die Ablenkung versprechenden auditiven Inhalte nicht. [28]

Eine Praxis der akustisch-ästhetisierten Legierung "einer so stupiden tätigkeit wie bügeln" über das Hörbuchhören vermag es, diese ungeliebten Tätigkeiten "einfach wirklich interessanter zu machen", sodass "man einfach auch schneller drüber wegkommt" (Elvira Engels). Insofern die Hörbuchaneignung die Tätigkeit des Bügelns begleitet, gelingt es, über ihre Dauer hinwegzukommen, sie tendenziell auszublenden oder, besser noch, sie lustvoll zu überblenden. Bemerkenswerterweise ist eine Eigendynamik der Routine hervorzuheben: "mittlerweile ist es tatsächlich so dass ich mir bügelwäsche anhäufe damit ich tatsächlich dann mal zu zwei drei stunden am stück durch horchen kann und mir das mittlerweile [ahha] fast spaß macht ne [lacht]" (Elvira Engels). [29]

Dabei hilft mit Sicherheit neben einer fesselnden Geschichte und deren ästhetischer Eigenzeit auch die im auditiven Modus zeitlich vorstrukturierte Dimension gesprochener Sprache selbst. Als dritter von ihr angesprochener, für das Zeiterlebnis bzw. die Zeitpraxis interessanter Umstand erweist sich die aus diesen Erfahrungen entstehende gewandelte Umgangsweise mit der Bügelwäsche. Die in diesem Kontext von Elvira Engels gemachte Aussage "damit ich halt solche sachen ehm interessanter gestalten kann" verweist auf einen zentralen Aspekt, der sich jedoch im Hintergrund dieses geschilderten vielschichtigen Settings verbirgt: Getragen ist die Formulierung von einer aktiven, eigens initiierten Agency-Konstruktion. Diese Person ermächtigt sich, die lästige Tätigkeit des Bügelns auf der Ebene subjektiven Empfindens in der Form zu transformieren, dass sie als bereichernd betrachtet werden kann. Mehr noch – die von ihr in dieser Form arrangierte Hörsituation gibt ihr das Recht und die Möglichkeit, sich aus dem familiären Anforderungskatalog freizusetzen: Während sie einerseits der Familie zugutekommende Verpflichtungen verrichtet, widmet sie sich zugleich ihrem Hobby. Mit einer solchen Hörpraxis, die über das Hörbuchhören als eine lustvolle Legierung mit anderen, verpflichtenden Aktivitäten gelten kann, kann die Hörbuchaneignung zur wertvollen Eigenzeit umgedeutet werden: eine Zeit, die sie für sich hat bzw. die sie zurückgewinnt, woraus ganz unmittelbar ihre Zufriedenheit im Alltag ableitbar wird. Durch die auch bei Kopräsenz anderer Familienmitglieder über die "eingestöpselten ohrhörer" hergestellte Abkapselung bildet sie sich ein Refugium im eigenen Haus, denn es ist akzeptiert, dass "das so mein part ist und [ja] das habe ich auch ganz für mich alleine" (Elvira Engels). [30]

Weiter expliziert sind diese Schilderungen mit dem Adjektiv "natürlich", das zusätzlich die Routine anzeigt: Immer wenn sie sich mit den Ohrhörern akustisch der Umwelt entledigt, tut sie dies aus einer Notwendigkeit heraus, die sie in ihrer Mutterrolle in einer vierköpfigen Familie (scheinbar) auf bestimmte Aktivitäten verpflichtet. Dies nimmt sie zum Anlass, sich dem bewussten Erleben dieser Tätigkeit über den Einsatz von Hörbüchern zu entziehen:

"und ICH habe dann auch selber noch so dieses gefühl also die hausarbeit an sich ist ja nicht sinnlos [ja] und umsonst ich sehe ja was ich dabei geschafft habe aber [ja] mit hörbuch im ohr habe ich trotzdem das gefühl ich habe diese zeit sinnvoller noch gestaltet (lacht) [hm=hm] indem ich nicht nur mein zuhause aufgeräumt habe oder im garten tätig war oder sonst was gemacht habe [...] macht mich irgendwie glücklicher [ja] (lacht) [ja] und zufriedener auch es ist nicht so dass ich abends so denke ich bin ja schon berufstätig aber [hm=hm] das ich dann abends so denke auch dieser taCH was hast du denn jetzt gemacht was könntest du jetzt erzählen was hast du großartiges geleistet so für mich muss ich keinem anderen erzählen sondern mir" (Elvira Engels). [31]

Insbesondere das Zufrieden- und Glücklichsein, das durch die Aneignung von Hörbüchern als empfundene Qualität in ihr Leben kommt und es bereichert, ist ein starkes Zeichen für die Transformation des eigenen Bezugs zur Umwelt und zu sich selbst. Damit ist eine Ablenkung von eintönigen Tätigkeiten möglich, denn es kommt keine schlechte Laune darüber auf, dass eventuell hinter den anderen Familienmitgliedern hinterhergeräumt werden muss. Die monotonen, in ihrer Verrichtung nicht geschätzten Tätigkeiten im Haushalt besitzen selbst ihre Zeitlichkeit – eben die Zeit, die ihre Verrichtung dauert. Der konzentrierte Fokus auf das Hörbuch erlaubt ein temporäres Unterwandern eines bewusst simultanen Durchlebens der Aktivität, hier verstanden als leiblich-kognitive Einheit. Entstehen kann so der subjektive, die Zeit – und ihr Fortschreiten – transformierende Eindruck, dass diese wie im Fluge vergeht. Das mittels des Hörbuches ästhetisch legierte subjektive Zeiterlebnis verlagert sich in Richtung der Hörzeit und somit auf den sich vor dem Ohr entfaltenden Fortgang der Geschichte. Die Eigenzeit der (Hausarbeits-)Tätigkeit wird dadurch zurückgedrängt. [32]

Eine ähnliche Idee verfolgt ein junger Fachinformatiker, für den es naheliegend erscheint, sich Hörbücher ausschließlich online bei Audible zu organisieren. Die damit erwirkte ständige Verfügbarkeit schreibt sich auch in Aneignungsweisen ein. Er kann es sich kaum vorstellen, Bus oder Zug zu fahren, ohne ein Hörbuch zu hören, was hieße, "STUMPF aus em fern- fenster zu gucken" (Dennis Duder). Die Hörbuchaneignung wird für ihn unterwegs zu einem Mittel, "zeit totschlagen" zu können, worin eine aktive Handlungsmächtigkeit aufscheint. Solche Schilderungen finden sich regelmäßig bei den Interviewten, die es sich zur Gewohnheit haben werden lassen, im Auto oder in anderen Verkehrsmitteln Hörbücher zu nutzen. Demnach wäre es sehr schade, dies nicht tun zu können, etwa bedingt durch ein Vergessen des Abspielgeräts o.Ä. – "das WÄre – ja – LANGweilig [mhm mhm] UND ich würde halt wild werden ähm zeit würd LANGsam vergehen [ja] ja? Und LANG?) herbrauchen" (Dennis Duder). Letztere Formulierung legt demgegenüber ein Ausgeliefertsein nahe, das als Ohnmacht erlebt wird. Die Unfreiheit, sich Situationen unabgelenkt in ihrem zeitlichen Verlauf hingeben zu müssen, kann demnach Grund für große Unzufriedenheit sein. Gesteigert wird dieses Empfinden oft noch durch das Bewusstsein, dass dies ja so gerade nicht sein müsste. Zugleich ist dieses Bewusstsein gepaart mit dem eingelagerten Wissen um das Empfinden der möglichen Gelassenheit durch die akustische Überspielung, wodurch die Unzufriedenheit weiter geschürt wird. [33]

Ein Ausgangspunkt für zeitsouveräne Hörpraktiken kann es also sein, die über die Hingabe an den Hörmodus gewonnene Handlungsmächtigkeit dafür einzusetzen, sich der Zeitlichkeit von Tätigkeiten nicht unterwerfen zu müssen. Doch es finden sich in den Interviews nicht nur Hinweise auf eine Dimension der Zeit als Form einer Dauer. Erkennbar wird Zeit außerdem in ihrer möglichen Qualität einer Begrenzung von Optionen, auf die über Hörpraxen reagiert werden kann. [34]

3.3 Die Zeit als knappes Gut

Wie gezeigt begründet sich für Dennis Duder die Unzufriedenheit in einer unerfüllten Vorstellung. Ihm geht es in der geschilderten Situation darum, einer faszinierenden Geschichte nicht weiter folgen zu können. Daraus erst ergibt sich die Empfindung von als unangenehm gedehnt wahrgenommener Zeit, die er als Langeweile kennzeichnet, da die Zeit langsam vergehe. Dabei kann der ein Ärgernis begründende Fokus durchaus anders gelagert sein, wie das folgende Beispiel illustriert: [35]

Eine selbstständige Onlinemarketing-Beraterin, die im beruflichen Alltag regelmäßig zwei- bis dreistündige Autofahrten macht, merkt zum Fehlen von Hörbüchern auf derartigen Fahrten an: "ja weil für mich das die optimale kombination is von zeit AUS- nutzn für was SCHÖnes" (Leonie Landes). Sie wählt eine aktive Agency-Konstruktion, indem sie vom gezielten Ausnutzen der gegebenen Zeit spricht. Besteht für Dennis Duder noch die Gefahr, dass er "wild" wird, da die Zeit so langsam vergeht und keine Möglichkeit existiert, sich diesem langsamen Verrinnen auf habitualisierte Weise zu entziehen, ist die Ausgangsbasis bei Leonie Landes eine konträre: nicht zu viel Zeit, sondern zu wenig. Hier wird die Aneignung von Hörbüchern tatsächlich im Sinne eines double your time (RÜHR 2008, S.100) zu einer Praxis der Zeitverdichtung. Getrieben ist ein solches Interesse am Hören durch das Bewusstsein, dass Zeit ein knappes Gut ist, das möglichst sinnvoll genutzt werden sollte. Die gedoppelte Tätigkeit von Autofahren und dem Hören einer schönen Geschichte wird zur sinnvoll gedeuteten Nutzung der Zeit. Gelingt dies nicht, führt es mitunter zu Unzufriedenheit. Dass Zeit im zweiten Beispiel tatsächlich explizit als knappe Ressource gedeutet wird, lässt sich mit einem anderen Zitat aus dem Interview belegen. Auf die Frage, welche Rolle Zeitknappheit in ihrem Alltag spiele, antwortet Leonie Landes:

"zeitknappheit also des stell ich SCHON fest jetz weiß ich net ob des jetz INSgesamt an unsrer zeit liegt mit sicherheit spielt das ne rolle, hm hm es liegt aber mit SIcherheit auch n zum an TEIL dazu wie MEIN leben persönlich jetz aussieht" (Leonie Landes). [36]

Die empfundene Herausforderung liege darin, den Tag zu gestalten "mit job kindern sonstige intressen [...] ja und da sind die ebooks zum beispiel KEIne richtige lösung. is nur n andres medium" (Leonie Landes). In den Fokus wird in diesem Fall gerade nicht die eigenzeitliche Strukturiertheit eines Hörbuches gestellt, die helfen soll, unliebsame Betätigungen zu überspielen. Auch die Dauer der Autofahrt zwischen zwei Geschäftsterminen wird nicht als unangenehm bemängelt. Vielmehr wird der zeitliche Spielraum für eine geschätzte Auseinandersetzung mit Literatur genutzt und somit umgedeutet. Die angesprochenen E-Books sind keine vernünftige Lösung, weil sie auch optisch und ohne die Option auf begleitende Tätigkeiten angeeignet werden müssen. Leonie Landes verweist also auf ein Bedürfnis zur Zeitverdichtung. Diese Praxen sind das Gegenstück zu der im Alltag empfundenen Zeitknappheit. Das Thema Zeitknappheit,

"also des spielt mit sicherheit auch natürlich in richtung HÖRbücher hm hm weil ich ähm hab VIEle intressn ich mach vieles gern, jaha, und tu mich SCHWER auf dinge zu verzichtn ZUM beispiel auf bücher, hm hm in dem fall und dann war die hörbücher natürlich DIE lösung schlechtHIN ja" (Leonie Landes). [37]

Expliziert wird eine über auditive Textaneignung gewährleistete Praxis der Zeitverdichtung, die praktikabel und reizvoll erscheint, weil sie als Alternative zum Bücherlesen andere Tätigkeiten begleiten kann. Als Gewinn erscheint eine solche Form des Umgangs mit akustischen Büchern, da sie sich gut in den Alltag integrieren lässt. In anderen Fällen finden sich Hinweise, dass solche Praxen der Zeitverdichtung selbst eine gewisse Eigendynamik entfalten können. Zu diesem Thema hält Frederike Faust fest, dass sie "INSgesamt nen ziemlich voll- ge- bestickten TAG und nen stressigen job" hat. Sie führt zu der Bedeutung von Hörbüchern in ihrem Alltag weiter aus:

"ich bin ? ähm so ziemlich in dieser MÜHLE drin das is wie so ne TRETmühle ? und ähm ich DENKE MAL das hält auch so mein STRESSlevel auf nem normalen niveau ? wenn ich alle meine LÜCKEN fülle ? weil ich dann das gefühl hab ich hab meinen TAG gut ausgefüllt und ähm (1.2) JA das is denk ICH so en ähm JA en FÜLLEN von (1.5) von ZEITEN die ich sonst als verGEUDET ansehen würde AUSSER ich hätte jetzt das gefühl ich möchte jetzt wie gesacht im garten liegen und die geDANKEN baumeln lassen" (Frederike Faust). [38]

Trotz des empfundenen Stresslevels scheint ein Bemühen darum zu existieren, noch möglichst die kleinste Zeiteinheit sinnvoll auszunutzen. Dabei verhält es sich der Schilderung nach so, dass das Stresslevel sinkt, "wenn ich alle meine LÜCKEN fülle" (Frederike Faust). Dies ist eher kontraintuitiv – ließe sich doch vielmehr annehmen, dass Stress entstehen kann, wenn das Gefühl existiert, alle Lücken des Alltags möglichst effizient nutzen zu müssen. Entstehen kann das mit etwas Stress, aber auch mit Zufriedenheit verbundene Gefühl, keine Zeit vergeudet zu haben. Verbunden wird von ihr damit die Vorstellung, in der "Tretmühle" extern gesetzter Zeitordnungen wieder einen Tag lang gut funktioniert zu haben. Vermutet werden könnte, dass die aktive Handlungsmächtigkeit des Lückenfüllens hier den Unterschied und somit Zufriedenheit möglich macht. Im gleichen Interview findet sich an einer anderen Stelle ein Beleg dafür, wie sehr die Vereinigung von bestimmten Tätigkeiten mit der Aneignung von Hörbüchern zur Gewohnheit werden kann: Manchmal "LES ich auch en BUCH aber ich FINDE das immer ähm (2.0) ja eigentlich en bisschen [lachend] schade weil ich da was anderes GLEICHzeitig machen könnte" (Frederike Faust). [39]

Aus diesen Gedanken heraus entsteht ein Gefühl von Unzufriedenheit. Es erwächst aus der Überzeugung, sich überzogenem Luxus hinzugeben, indem man sich nur noch einer singulären Tätigkeit wie dem Lesen widmet. Genährt wird die Unzufriedenheit durch die Vorstellung des Verzichts, in der Frederike Faust sich gerade nicht als handlungsmächtig entwirft. Eine andere Folge von Zeitknappheit ist, dass durch Hörpraxen eigensinnige Zeit-Räume entstehen, die nicht unbedingt kompatibel sind mit der dann als ein Außen konstituierten Umwelt. [40]

Für den beruflich sehr mobilen Gasinstallateur Hendrik Hummel besteht aufgrund der familiären Situation mit kleinen Kindern zu Hause kaum die Möglichkeit, sich auf Hörbücher "EINzulassen". Wie auch andere Interviewte zeigt er sich in seiner Aneignungspraxis erfinderisch. Ziel ist, sich aktiv Freiräume zu nehmen, in denen er in Ruhe hören kann. Hin und wieder ist eine solche Situation von einer gerade fesselnden Stelle und einem Unwillen zur Unterbrechung bestimmt:

"ich HAB auch schon im auto gesessn irgendwie komm von der arbeit nach hause steh aufm parkplatz und steh dann noch ne stunde aufm PARKplatz weil ich irgendwie da das UNbedingt noch hören will wat da jetzt gleich passiert und irgendwie der kommt dann nischt zum PUNKT erzählt etwas LANGatmiger oder so hm hm ähm da wird isch denn teilweise auch schon ANgerufn sach ich hab doch gesehn dass du vorgefahren bist" (Hendrik Hummel). [41]

In diesem Beispiel kommt nach dem Empfinden von Hendrik Hummel der Sprecher im Hörbuch nicht zum Punkt. Gewählt für die Schilderung wird dafür eine passive Agency-Konstruktion, in der der Zuhörer dieser zeitlich vorgegebenen Verlaufsform gewissermaßen ausgeliefert ist. Will er wissen, wie es weitergeht, muss er sich unterordnen. Schneller hören geht nicht – wie es im Gegensatz dazu beim Lesen denkbar wäre. Diese Situation lässt sich auch als ein Aufeinanderprallen divergierender Zeitordnungen lesen: Einer durch die situative Hingabe an das spannende Hörbuch ästhetisierten Eigenzeit steht eine andere, durch familiäre Verpflichtungen und Erwartungen strukturierte Zeitordnung gegenüber. Von dieser Warte aus offenbart sich das eigenwillige und zwecks eines ungestörten Hörens praktizierte Ausharren auf dem Parkplatz als eine subjektiv als naheliegend wahrgenommene Form von Zeitregie. Diese zielt nicht auf den Textfluss, sondern verleitet dazu, die Gegenwärtigkeit ästhetisch zu dehnen, und animiert zum Sitzenbleiben. Eben dieses subjektive, via Hörbuch ästhetisierte Erleben von Zeit ist nicht ohne Weiteres intersubjektiv anschlussfähig, worauf der getätigte Anruf als Ausdruck von Unverständnis hindeutet. Versucht wird damit womöglich, die familienzeitliche Synchronizität wiederherzustellen. Deutlich wird, inwieweit dem Hörbuch via Aneignungspraxen Zeiten und Räume gegeben sind, in denen es seine beruhigende, entspannende und zuweilen mitreißende bis fesselnd-affizierende Qualität entfalten kann. [42]

Zu betonen ist abschließend die analytische Unterscheidung, die in der Darstellung vorgenommen wurde. Das letzte Beispiel ließe sich gleichfalls der Dimension ästhetisierter Zeitlegierung unterordnen, findet sich hier jedoch der Relevanz des Interviewten folgend unter dem Aspekt der Zeitknappheit verhandelt. Es scheint somit in der analytischen Zuordnung eine gewisse Kontingenz auf, die der je angelegten Perspektive geschuldet ist. Aus diesem Grund werden die methodologischen Annahmen und (Vor-)Überlegungen im Folgenden noch kurz diskutiert. [43]

4. Diskussion von Methodologie und Ergebnissen

In praxistheoretischen Arbeiten gehört es zu den weitverbreiteten Vorstellungen, dass die Methode des Interviews für die Erforschung von Praxiszusammenhängen nicht besonders gut geeignet sei (siehe exemplarisch SCHMIDT 2012). Eine Möglichkeit, die hier vorgestellte Forschung zu erweitern, wäre sicher die Ergänzung durch Hörtagebücher, die von den Rezipierenden zu führen wären, oder durch (nicht-)teilnehmende Beobachtungen. Letzteres hieße, Hörpraktiken in actu zu erforschen. Dies brächte vermutlich weitere Erkenntnisse über das Hören und Lesen begleitende Körperpraktiken mit sich. [44]

Zugleich sollte es für die Erforschung des Zusammenhangs von Zeitregime und Körperpraxis sicher keine Engführung auf teilnehmende Beobachtungen geben. Deutlich wird dies an einer aktuellen, historisch orientierten soziologischen Studie, bei der es um die Untersuchung der transformatorischen Wirkung der Rockmusik der 1970er Jahre geht (HOKLAS & SCHWETTER 2019). Mit einer Fixierung auf ethnografische Methoden würde sich eine praxistheoretisch informierte Forschung um die durchaus bedeutsame Analyse vergangener Praxiszusammenhänge bringen. [45]

Im vorliegenden Fall sind die Aneignungspraktiken von den Interviewpersonen durch die Versprachlichungen domestiziert. Gleichzeitig dürfte es sich als schwierig erweisen, Hörsituationen über teilnehmende Beobachtungen so umfänglich wie in der hier vorgestellten Arbeit zu analysieren. Vorgenommen werden müsste eine Begrenzung – etwa auf öffentliche Hörpraktiken oder ausgewählte Settings. Nun ist mir aufgrund meiner Blindheit die beobachtende Methode nicht so ohne Weiteres zugänglich. Nicht zuletzt deswegen existiert eine Autoethnografie, in der ich die Ergebnisse der Interviewanalyse erweitert kontextualisiere (SCHULZ 2018). [46]

An der Interviewforschung wird kritisiert, dass man versuche, über das Herausarbeiten innerer Handlungsmotive einen Zugang zu sozialen Phänomenen zu entwickeln (SCHMIDT 2012). Dem liegt eine womöglich überkommene, methodologisch naive Idee zugrunde: Das Interview wird nicht zwangsläufig als ein Instrument entworfen, das authentische Erfahrungen der befragten Menschen einfängt, geschweige denn die Wirklichkeit des Untersuchungskontextes erfassen kann. In meiner Studie habe ich das Interview als eine komplexe soziale Situation verstanden, in der im Rekurs auf diskursives Wissen möglichst anschlussfähige Bedeutungszusammenhänge entfaltet werden (DEPPERMANN 2013). Folglich stellt auch die Künstlichkeit der Interviewsituation keinen Nachteil dar, ging es doch in der dispositivanalytischen Forschungsperspektive meiner Studie – die in einem solchen Auszug naturgemäß zu kurz kommt – vielmehr darum zu erkunden, welche Praxiszusammenhänge wie welche Wirklichkeiten (auch der eigenen Sinnlichkeit) hervorbringen. Da diese Vorstellungen spätestens durch die Schilderungen immer schon in gesellschaftliche Machtverhältnisse verstrickt sind, ließen sich die vermeintlichen Selbstverständlichkeiten im Feld der Sinnesleistungen rekonstruieren (SCHULZ 2018). Es zeigen sich im Interviewmaterial also weniger die individuellen Standpunkte der Personen als vielmehr die Regeln der Artikulation legitim erscheinender sinnlicher Rezeptionsweisen sprachbezogener Textinhalte. [47]

Elvira Engels möchte sich wie oben (Abschnitt 3.1) skizziert genussvoll dem dargebotenen Fluss der gesprochenen Worte hingeben. Sie deutet diese Aneignungsweise als Gewinn; nimmt sie so doch jedes Wort bewusst wahr. Sie ist sogar bereit, sich ihrer körperlichen Aktivität zu unterwerfen, und lässt sich zum Hinsetzen verleiten. Ganz anders bei Kerstin Klaasen, die ihre Hörpraxis einem gegebenen Setting der Autofahrt unterordnet. Sie spricht von gebundener Zeit, die sonst nutzlos bliebe. Zudem ist für sie die Unveränderlichkeit des zeitlich und rhythmisch gegliederten Textflusses Grund für ein Gefühl der Bevormundung, welches besonders bei komplexeren Werken zum Tragen kommt. [48]

Erkennbar wird über den Kontrast die Besonderheit auditiver Textaneignung: Sie bildet eine temporäre und lustvolle Entzweiung eines körperlichen Tuns der Hände von der Aktivität des Geistes. Möglich ist diese Entzweiung aufgrund der beim Hören im Vergleich zum Sehen different gelagerten Verbindung zwischen einer initiativen, den Textaneignungsprozess konstituierenden Aktivität: Das Auge steuert über die Schriftentzifferung den Aneignungsprozess in seinem Fortgang unmittelbar. Es übernimmt eine Rolle der Führung und der Kontrolle über den eigens in seiner Zeitlichkeit generierten Textfluss. Dies stellt sich bei der auditiven Aneignung anders dar: Das Ohr folgt dem akustisch Dargebotenen und schließt erst an das Wahrgenommene seine imaginativ-schöpferische Aktivität des Textverstehens an. Folglich setzen sich die beiden sinnlichen Aneignungsweisen auf unterschiedliche Weise ins Verhältnis zu der für die Rezeption zentralen Dimension der Zeit. In dem einen Fall wird der in Hörtexten vorgegebene Rhythmus gesprochener Sprache als Verlust eigener Gestaltungsmächtigkeit in der Textaneignung gedeutet und konstruiert, während auf der anderen Seite genau Gegenteiliges geschieht: Indem sich dem Tempo und der Rhythmik des gesprochenen Wortes gleichsam körperlich verschrieben wird, kommt es zu der ermächtigten Zuwendung zur eigenen, durch das konzentrierte Hören ausgelösten Fantasie und auf dieser Basis zu einer intensiven Textwahrnehmung. [49]

Auch wenn bei der Aneignung von Romanen und Erzählungen eine Beliebigkeit der sinnlichen Wahrnehmungsweise zu existieren scheint, ist im Sinne einer machtkritischen Einordnung ein knapper Verweis zu platzieren. Die Offenheit von Elvira Engels gegenüber auditiver Textaneignung kippt nämlich an einer ganz bestimmten Stelle – und zwar dort, wo es um die zuweilen erwünschte Kontrolle über den Textfluss statt über das Erleben einer Situation geht. Es handelt sich um ein fallübergreifendes Muster: Sobald die Aneignung fachlicher Inhalte zum Thema in den Interviews wurde, wollten alle Befragten lieber den Text optisch lesen statt hören. Bemerkenswert ist das besonders bei denjenigen, die zuvor noch begeistert über Hörtexte sprachen. Verwiesen wird auf den visuellen Effekt beim gängigen Lesen, der mit einem gewissen Aktivitätsgrad einhergehe, was wiederum Kontrolle verspricht. Aus technischen Gründen der Abspielmodalitäten und aus solchen der mangelnden Routine wird diese Intensität in der textbezogenen Auseinandersetzung allerdings mit dem Ohr nicht eingeübt. Dennoch wird davon ausgegangen, dass der Hörsinn zur Wissensaneignung nicht in gleicher Weise taugt, was sich als einen auf den Hörmodus zielenden Ableismus kritisieren lässt, der Alternativen (Einübende) disqualifiziert (SCHULZ 2020). Aus der Perspektive des machtvollen Okularzentrismus gilt das Texthören weiterhin als vergleichsweise unkontrolliert affizierend und gefährlich – auch für das Gelingen von ernsthaften (Weiter-)Bildungsbestrebungen. [50]

5. Fazit

Im vorliegenden Beitrag wurde eine rekonstruktive Analyse vorgeführt, mit der illustriert werden sollte, wie sich die Fragen nach Zeitsouveränität und Zeitregie in eine Agency-Analyse überführen lassen. Am Beispiel der Aneignung sprachbasierter (Hör-)Texte lässt sich zeigen, wie sich die diese Medien rezipierenden Menschen in und durch ihre Praxisvollzüge zu verschiedenen Zeitlichkeiten ins Verhältnis setzen; aber auch, wie sie diese mediatisierten Zeitlichkeiten im Sinne von NEVERLA (2007) mitunter selbst generieren. Deutlich wurde, inwieweit es die auditive Textaneignung des Hörbuches gerade aufgrund ihrer eigenzeitlichen Strukturiertheit so gut vermag, andere Tätigkeiten und deren empfundene Dauer zu überspielen. Hörpraxen können unterschiedliche, potenziell auch divergierende Ebenen von Zeitlichkeiten konfigurieren. Zutage tritt dann eine eigenwillige Paradoxie: Erst durch eine Unterwerfung unter die gegebene Eigenzeitlichkeit des Hörtextes entstehen Freiräume. Grob schematisierend zeigen sich dann zwei Formen von Zeitregie: Sie kann wie beim optischen Lesen vornehmlich auf den Fortgang des Textflusses gerichtet sein, oder sie konfiguriert gerade über die Hingabe an die eigenzeitliche Struktur des Hörtextes spezifische Erlebnisweisen von Tätigkeiten und deren Dauer. Im letzteren Fall kann es zur ästhetisierten Legierung anderer Zusammenhänge kommen. Die Herstellung einer solchen Situation wird dann gerade nicht als der eigenen Agency zuwiderlaufend empfunden und versprachlicht. [51]

Aus der rekonstruierten Paradoxie ist die Idee ableitbar, dass es perspektivisch gewinnbringend sein kann, eben solchen Verwicklungen in der Forschung weiter nachzuspüren: Zu fragen wäre dann, wann welche existenten – und von wem wie (mit-)hervorgebrachten oder vorgegebenen – Zeitlichkeiten für welchen situativen Zusammenhang als beschränkend oder ermöglichend empfunden werden können. Freiheit – auch im Umgang mit gesetzten Zeitordnungen – verweist immer auf ein Bedingungsgefüge, aus und von dem sich erst befreit werden kann. [52]

Abgesehen von der Vertiefung der Kenntnis um mediatisierte Zeitpraktiken und deren Einsatzmöglichkeiten im Alltag leisten die Ergebnisse darüber hinaus einen Beitrag zu allgemeineren Fragen der Zeitsoziologie, indem die Perspektive eines doing time (GERDING 2009) über arbeitssoziologische Bezüge hinausgetrieben wird. Zwar ist es nicht so, dass die (mitunter vergeschlechtlichte) Zeitordnung Arbeit/Freizeit in der gesamten Studie ohne Relevanz wäre; insbesondere aus einer praxistheoretischen Perspektive wäre es jedoch vielversprechend, in diese Dualität konzeptionell ein drittes Element aufzunehmen: nämlich die dieses Spannungsfeld mit konfigurierende Eigenzeitlichkeit von Phänomenen bzw. Dingen. Über die performativen Syntheseleistungen im Umgang mit eigenzeitlich strukturierten Phänomenen lässt sich nicht nur das kulturalistische Moment der Zeit aufzeigen, sondern deutlich wird auch ihr Potenzial, mittels subjektiver Immunisierungsstrategien bestehende Ordnungen zu subvertieren. Wann dies (nicht) gelingt, ist und bleibt jedoch eine offene und nur empirisch zu klärende Frage. Zeit ist eben nicht vorkulturell existent, sondern wird erst in selbstläufigen und Ordnung stiftenden Handlungen hervorgebracht. Für deren Analyse ist es wünschenswert, im Weiteren auf klassisch ethnografische Beobachtungsverfahren zurückzugreifen. Vermehrt in den Fokus geraten können dann hier unberücksichtigt gebliebene Fragen nach routinisierten vorsprachlichen Praxisvollzügen und nach deren unbekannten Eigenlogiken sowie den dafür konstitutiven Materialitäten. [53]

Danksagung

Gedankt sei an dieser Stelle den Herausgeberinnen für ihre immer zugewandte Form der Kommunikation. Aber auch die beiden Gutachter_innen haben mit ihrer wertschätzenden und konstruktiven Kritik einen überaus dankenswerten Teil zur Vervollkommnung des Manuskripts beigetragen.

Anhang: Interviewleitfaden

Der Leitfaden ist online als PDF-Datei verfügbar.

Anmerkung

1) Bei den Namen der Interviewten handelt es sich um von mir gewählte Anonymisierungen. Die fiktiven Vor- und Nachnamen mit identischen Anfangsbuchstaben kamen willkürlich zustande. Die Interviews wurden nach dem Basistranskriptionssystem GAT (SELTING et al. 1998) verschriftet. Die Großschreibung zeigt Betonungen an, Zahlen in Klammern stehen für Pausen über eine Länge von 1 Sekunde, Unterstriche stehen für kurze Pausen und Gleichheitszeichen für lang gezogene Worte. <zurück>

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Weimar, Klaus (1999). Lesen. Zu sich selbst sprechen in fremdem Namen. In Heinrich Bosse & Ursula Renner (Hrsg.), Literaturwissenschaft. Einführung in ein Sprachspiel (S.49-62). Freiburg: Rombach.

Zum Autor

Dr. phil. Miklas SCHULZ vertritt seit dem Sommersemester 2019 die Professur Inklusive Pädagogik und Diversität an der Universität Duisburg-Essen. Er ist promovierter Soziologe, Medien- u. Kommunikationswissenschaftler und arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter (Postdoc) am Institut für Sonderpädagogik an der Leibniz Universität Hannover (beurlaubt). Die Forschungsschwerpunkte sind: Medien-, Körper-, Kultursoziologie, Disability/Critical Blindness Studies und qualitative Methoden der Sozialforschung sowie Dispositivanalyse.

Kontakt:

Dr. phil. Miklas Schulz

Vertretung der Professur Inklusive Pädagogik und Diversität
Universität Duisburg-Essen
Fakultät für Bildungswissenschaften, Institut für Erziehungswissenschaft
Universitätsstraße 2 I
45127 Essen

E-Mail: miklas.schulz@uni-due.de
URL: https://www.uni-due.de/biwi/inklusive_paedagogik/team

Zitation

Schulz, Miklas (2020). Die Zeit des Lesens. Rekonstruktion ästhetisierter Eigenzeiten und die Frage der Zeitregie bei der (Hör-)Textaneignung [53 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 21(2), Art. 1, http://dx.doi.org/10.17169/fqs-21.2.3247.



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