Volume 9, No. 1, Art. 50 – Januar 2008

Trauer als Biografiegenerator

Heidemarie Winkel

Zusammenfassung: Der Tod eines Alter Ego erweist sich für Trauernde als gravierende Kontingenzerfahrung. Sie vermag das individuelle Selbstverständnis in umfassender Weise zu erschüttern, wobei sich Trauer als Schmerz von unvergleichlicher Intensität und Tiefe konstituiert. Die emotionale Erfahrung wird hierbei – nach Maßgabe psychologischer und therapeutischer Vorstellungen – zum Ausgangspunkt und zum Maßstab individueller Selbstvergewisserung. Diese Auffassung von Trauer korrespondiert mit einer allgemeinen, im Kontext moderner Gesellschaften entstandenen Zuschreibung von Emotionalität zur Ebene des inneren Erlebens: Ich bin, was meine Gefühle mir sagen. Dass es gelingen kann, Trauer als persönlichen Schmerz zu thematisieren und zum Ausgangspunkt individueller Selbstthematisierung zu machen, setzt systemtheoretisch gesehen semantische Strukturen zur Kommunizierung von individuellem Leid voraus. Im Rahmen einer auf biografischen Interviews basierenden Studie hat sich die symbolische Codierung von Trauer als individuell einzigartige Erfahrung von Schmerz und Leid erwiesen. Unabhängig von kommunikativen Zurechnungen sozialer Systeme können, so zeigt das Material weiterhin, verschiedenste lebensgeschichtliche Brüche und Diskontinuitätserfahrungen thematisiert werden. Trauer eröffnet aber nicht nur punktuell eine Selbstthematisierung: Die zentrale These lautet, dass Trauer als Biografiegenerator fungiert, indem sie eine systematische und umfassende Rekonstruktion der Lebensgeschichte unter den Aspekten von Leid und Schmerz erlaubt.

Keywords: Trauer, Biografiegenerator, Selbstthematisierung, Kommunikationsmedium, Systemtheorie, Emotionen

Inhaltsverzeichnis

1. Trauer, Schmerz und biografische Selbstvergewisserung

2. Individualisierung von Trauer aus differenzierungs- und medientheoretischer Perspektive

3. Zur Psychologisierung von Trauer und ihrer Institutionalisierung in Trauerhilfe und -beratung

4. Trauer als Biografiegenerator: Systemtheoretische Implikationen biografischer Selbstthematisierung

5. Trauer als Biografiegenerator: Ein Fallbeispiel

6. Schlussbemerkungen: Biografische Selbstvergewisserung und Exklusionsindividualität

Anmerkungen

Literatur

Zur Autorin

Zitation

 

1. Trauer, Schmerz und biografische Selbstvergewisserung

"... äh meine Lebensgeschichte, wenn ich Ihnen das alles erzählen würde [...], [...] jetzt wo man praktisch so kurz vorm Ende steht – kann man ja mal sagen, äh wenn man denn mal so zurückblickt und sich dann, also bei mir ist es jedenfalls so ähh, ich bin eigentlich erschrocken über mein Leben wo ich jetzt in Ruhe drüber nachdenke" (1/1-3).1)

Was sich in diesen ersten Sätzen eines biografischen Interviews manifestiert, ist eine tiefe, in Trauer mündende Erschütterung über den Verlauf des gelebten Lebens. Das Erstaunliche an dieser Äußerung besteht nicht darin, dass sie den Ausgangspunkt einer lebensgeschichtlichen Selbstthematisierung bildet. Selbstreflexion vollzieht sich in der Moderne typischerweise in Form biografischer Selbstbetrachtungen. Bemerkenswert ist, dass sich diese lebensgeschichtliche Rekonstruktion aus der Perspektive von Trauer und Leid vollzieht, also unter Rückbindung an ein spezifisches Gefühl des Kummers, wie es sich eigentlich typischerweise mit einem Verlust durch Tod verbindet; so etwa, wenn Marie Luise KASCHNITZ ihr Leben nach dem Tod ihres Ehemannes als Zeit beschreibt, "in der ich stumpf, blind und taub, auch nahezu sprachlos existierte und lediglich den (seltenen) Ausbrüchen wilden Schmerzes entnahm, dass ich noch lebte" (KASCHNITZ & LOHNER 1991, S.9). Die eingangs zitierte Biografin dagegen präsentiert sich unter Verweis auf andere lebensgeschichtliche Krisen als Trauernde. In diesem Zusammenhang spielt der Tod von Bezugspersonen eine untergeordnete Rolle. Die Biografin schließt aus dem von ihr geschilderten Erfahrungsvorrat sogar ausdrücklich den Tod ihres Ehemannes, mit dem sie fast fünfzig Jahre verheiratet war, als Ursache ihrer traurigen Lebensbilanz aus: "nicht= der= Tod= meines= Mannes, der hat mich überhaupt nich bewegt" (7/11-13). [1]

Massive Erfahrungen von Kontingenz verursachen bei beiden Frauen eine Auseinandersetzung mit der Lebensgeschichte und dem darin eingebetteten Selbstbild. Und beide kommunizieren die Erschütterung ihres Selbstverständnisses unter den Aspekten von Kummer und Leid. Ziel des Aufsatzes ist es zu zeigen, dass sich die Thematisierung von Trauer auf semantischer Ebene als individuelles Leid so symbolisch verfestigt hat, dass eine Vielfalt schmerzlicher Erfahrungen und Brüche thematisierbar geworden ist. [2]

Verlusterfahrungen und biografische Krisen können die Selbstwahrnehmung in umfassender, das gesamte bisherige Leben berührende Weise infrage stellen. Dies wird auf der Ebene des emotionalen Erlebens realisiert und manifestiert sich dort als tiefe, gefühlsmäßige Erschütterung. Dabei erweist sich das Erlebte infolge der Verschiedenheit individueller lebensweltlicher Erfahrungen als einzigartig und unvergleichbar. In der Regel betonen Trauernde besonders die Einzigartigkeit ihrer Situation: "The bereaved feel that no one else could suffer such pain, despair, sorrow, remorse, or bewilderment" (CHARMAZ 1980, S.318). Die Differenz im Erleben wird dadurch verstärkt, dass die jeweilige Besonderheit, dass Ausmaß und Intensität der damit verbundenen Gefühle nur bedingt kommunizierbar sind. Mit Verständnis für solchermaßen höchstpersönliche Erlebnisse kann kaum gerechnet werden. Stattdessen werden Trauernde in mehrfacher Hinsicht auf sich selbst zurückgeworfen; zum einen, weil das auf das tote Alter Ego gerichtete Handeln ins Leere greift, und zum anderen, weil ein wirklicher Trost von Dritten nicht zu erwarten ist. Selbstreferenz wird auf schmerzvolle Weise als Handlungsbezugsrahmen erlebt, indem sie eine Retrospektive auf die eigengelebten Erfahrungen aus der Perspektive von Trauer und Leid eröffnet. [3]

Nun kommt es nicht nur im Kontext von Trauer zur Überprüfung des Selbstverständnisses; biografische Brüche und Verlusterfahrungen eröffnen generell die Möglichkeit zur lebensgeschichtlichen Rekonstruktion (FISCHER-ROSENTHAL 1995a, S.44). Dabei wird in der Literatur implizit unterstellt, dass biografische Selbstvergewisserungen ausgehend von einer beliebigen Passage oder Krise in gleichförmiger Weise strukturiert sind, also unabhängig von den jeweiligen sozialen Rahmenbedingungen und den in ihr implementierten Kommunikationsmöglichkeiten generiert werden können. Nach Alois HAHN (1987, S.13) kommt es aber nicht notwendigerweise bei jeder Selbstthematisierung zur Erfassung des Gesamtzusammenhangs einer Lebensgeschichte, weshalb er zwischen punktueller Selbstthematisierung und biografischer Rekonstruktion unterscheidet. HAHN (1990) geht davon aus, dass biografische Selbstthematisierungen an die Existenz institutionalisierter Möglichkeiten der Selbstbeschreibung gebunden sind, namentlich an solche Formen, die eine symbolische Thematisierung des ganzen Lebens unter spezifischen Gesichtspunkten ermöglichen, wie etwa die Beichte oder die Therapie. Dies würde bedeuten, dass eine lebensgeschichtlich bedeutsame Passage oder Krise an sich kein hinreichendes Moment für die Entfaltung einer umfassenden biografischen Rekonstruktion darstellt. [4]

Nach Niklas LUHMANN (1988, S.361f.) bedarf es grundsätzlich eigener kommunikativer Strukturen, um Selbstbeschreibungen evozieren zu können. LUHMANN interessiert sich in diesem Zusammenhang für die Bedingungen der Thematisierung von Individualität.2) Aus kommunikationssoziologischer Perspektive geht es um die Sicherung kommunikativer Anschlussfähigkeit für individuelle Problemlagen durch symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien (LUHMANN 1975): es geht darum, auch in Grenzsituationen wie derjenigen eines Trauerfalls noch mit sozialer Bestätigung für das eigene Erleben rechnen zu können. [5]

Dabei erweist sich Trauerkommunikation nicht nur als semantisches Feld, das eine nach den Gesichtspunkten von Kummer, Leid und Schmerz strukturierte Selbstthematisierung eröffnet. Trauer entfaltet eine biografiegenerierende Funktion, die auf ihrer symbolischen Codierung als individuell einzigartiger Erfahrung basiert. Als symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium ermöglicht Trauer eine sozial legitimierte, also sozial anschlussfähige Thematisierung persönlicher Erlebnisse. In einer auf biografischen Interviews mit Trauernden basierenden Studie (WINKEL 2002) hat sich die Existenz des Trauercodes in zweifacher Hinsicht erwiesen. Innerhalb der lebensgeschichtlichen Selbstbetrachtungen werden nicht nur durch Tod bedingte Verlusterfahrungen, sondern auch andere biografische Krisen und Brüche als individuell einzigartige Erfahrung von Leid und Schmerz thematisiert. Mithilfe des Trauercodes werden verschiedenste lebensgeschichtliche Krisen reflektier- und thematisierbar. Dies vollzieht sich nicht nur punktuell, von Fall zu Fall. Mit Hilfe des Trauercodes können umfassende Selbstvergewisserungen generiert werden, wobei sich erst im Kontext der individuellen Erfahrungsaufschichtung erschließt, welches Ereignis bzw. welche Ereignisfolge in besonderem Maße Kummer und Leid evoziert. Der Code trägt in diesem Zusammenhang zur Aufrechterhaltung eines auch schmerzliche lebensgeschichtliche Erfahrungen integrierenden Selbstverständnisses bei, indem die Einmaligkeit einer Erfahrung bzw. einer subjektiven Erfahrungsaufschichtung behauptet werden kann. [6]

Zur Erläuterung dieser Ergebnisse werden zunächst aus differenzierungs- und medientheoretischer3) Perspektive diejenigen strukturellen Gegebenheiten moderner Gesellschaften skizziert, die die Individualisierung von Trauer bedingen (Abschnitt 2), sodass sie als persönliches Leid kommunizierbar wird. Im nächsten Schritt wird aufgezeigt, dass die Art und Weise der Selbstbezüglichkeit kulturell überformt ist. Psychologisches Wissen und darauf aufbauende Praktiken der Selbstreflexion befördern diesen Vorgang, indem sie den Maßstab hierfür ins eigene Innere verlegen. Infolge der allgemeinen Psychologisierung des Selbst nehmen Selbstbeobachtung und Selbstthematisierung auch im Fall von Trauer von der emotionalen Befindlichkeit ihren Ausgang (Abschnitt 3). Inwiefern Trauer hierbei als Biografiegenerator fungiert, wird im Weiteren aus systemtheoretischer Perspektive erläutert (Abschnitt 4). Anhand einer Fallskizze aus dem der Studie zugrunde liegenden Sample (WINKEL 2002) wird verdeutlicht, wie eine systematische Annäherung an die Vergangenheit vermittels der Kommunizierung von Trauer gelingen kann, auch wenn es sich nicht um einen Trauerfall im engeren Sinne des Wortes handelt (Abschnitt 5). Trauer generiert auch hier infolge ihrer allgemeinen, symbolischen Codierung als individuelles Leid, so die These, eine umfassende Rekonstruktion der Lebensgeschichte unter den Aspekten von Kummer und Schmerz. [7]

2. Individualisierung von Trauer aus differenzierungs- und medientheoretischer Perspektive

Dass Trauer als persönliches Leid erfahrbar und artikulierbar wird, kann im Kontext des Wechsels von stratifikatorischer zu funktionaler Differenzierung gesehen werden. Er markiert aus struktureller Perspektive den Beginn der Moderne. Infolge der Verselbständigung funktionaler Teilbereiche gehen Individuen zum einen funktionale, unpersönliche Beziehungen ein, mit der Konsequenz einer wachsenden Differenz zwischen sozialen und psychischen Systemen. Individuen sind nicht mehr nur einem gesellschaftlichen Subsystem zugeordnet, sondern partizipieren an vielen (LUHMANN 1999, S.16). Mit Blick auf Sinnerleben und Sinndeutung wird Ego sich selbst zum wesentlichen Bezugspunkt, was als Individualisierung bezeichnet wird. [8]

Zum anderen kommt es im Kontext der funktionalen Differenzierung zu einem Zuwachs an Intimität und Exklusivität innerhalb privater Beziehungen. Die Intensivierung resultiert daraus, dass innerhalb dieser Beziehungen in einer nie zuvor da gewesenen Art individuelle Aspekte thematisierbar sind. Nach LUHMANN (1999, S.14) haben grundsätzlich alle Eigenschaften und Belange einer Person in einer privaten Beziehung relevant zu sein. In der Folge wirft kaum ein Ereignis das Individuum so radikal auf sich selbst zurück, nötigt geradezu zu Selbstreferenz wie ein Verlust durch Tod. Die Schwierigkeit, für persönliche Problemlagen soziale Bestätigung finden zu können, verschärft sich. Nach LUHMANN (1999, S.21) werden diese "an sich unwahrscheinlichen Kommunikationen" insbesondere über die Einrichtung eines Kommunikationsmediums kommunikabel. Liebe konstituiert sich in der Medientheorie LUHMANNs als symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium, das allein über den Verweis auf das Vorhandensein einer privaten Beziehung den Ausdruck ihrer individuellen Einzigartigkeit und der in ihr involvierten Personen erlaubt. Der Bedarf an Möglichkeiten zur Thematisierung von Persönlichem wird beim Abbruch einer Intimbeziehung aber nicht mehr durch den Liebescode gedeckt. Bei einem Verlust durch Tod erhält das Problem der sozialen Akzeptanz für persönliche Erfahrungen eine dramatische Wendung, weil Alter Ego, mit dem bisher alle Erlebnisperspektiven geteilt wurden, nicht mehr existiert. Trauer hat in diesem Zusammenhang die Funktion, das Auf-sich-selbst-Zurückgeworfensein, die umfassende Erfahrung von Kontingenz als Folge mangelnder Übereinstimmung im Erleben mit anderen und die daraus resultierende Trostlosigkeit und Einzigartigkeit einer Verlusterfahrung selbst kommunizieren zu können. [9]

Ebenso wie der Liebescode birgt Trauer ein "Verhaltensmodell […], das gespielt werden kann, das einem vor Augen steht […]; das also als Orientierung und als Wissen um die Tragweite" eines Verlustes für alle beteiligten Akteure, für Trauernde wie für Dritte, verfügbar ist (LUHMANN 1999, S.23). Weil der Code vor allem eine Orientierungsfunktion hat, regelt er nicht die thematische Ebene der Kommunikation (LUHMANN 1999, S.25). Infolge dessen kann und muss das Ausmaß des empfundenen Leids selbst nicht thematisiert werden: Trauer spricht für sich selbst.4) Damit ist das Kommunikationsproblem als solches nicht aufgehoben; vielmehr findet es durch den Code ausdrückliche Betonung und Bestätigung: Trauer kennt keinen Trost und jeder Versuch einer Tröstung muss sich als unangemessen erweisen. [10]

Dennoch ermöglicht es der Code, sich auf die Kommunikationssituation einzustellen (LUHMANN 1999, S.23), indem Wahrnehmung und Ausdruck von Trauer dergestalt codiert werden, dass sie als subjektiv einzigartiges Gefühl erfahrbar und praktizierbar sind. Die Kontingenzformel (LUHMANN 1975, S.184) von Trauer besteht darin, dass nicht mit Verständnis für den erlebten Schmerz gerechnet werden kann. Stattdessen wird von der prinzipiellen Unmöglichkeit seiner Linderung oder Tröstung ausgegangen. Auf diese Weise wird das ungeheuerliche Ausmaß der Kontingenz reflektier- und thematisierbar, ohne dass es – wie im Fall des Verweises auf eine Liebesbeziehung – einer weiteren Begründung bedürfte. Der Verlust spricht für sich. Die Rechtfertigung erfolgt über die im Code festgelegten Präferenzen, in diesem Fall also über die Authentizität und Einzigartigkeit des in der Trauer empfundenen Leids.5) [11]

Die Relevanz des Trauercodes als Verhaltensanweisung hat sich in der diesem Aufsatz zugrunde liegenden Studie zur Kommunizierung von Trauer erwiesen (WINKEL 2002). Sie basiert auf biografischen Interviews mit 15 Trauernden, die in Trauerberatungsstellen und -selbsthilfegruppen rekrutiert wurden. Die Interviewees wurden gebeten, ihre gesamte Lebensgeschichte zu erzählen, von der Kindheit an; die Narrationen konzentrierten sich in der Folge nicht nur auf diejenigen Lebensphasen, die einem Verlust durch Tod folgten, sondern es wurden alle Brüche und Passagen, von dem Verlust der Heimat durch Vertreibung oder Scheidung bis hin zu historischen Transformationsprozessen im weitesten Sinne thematisiert. In der Analyse zeigte sich nicht nur, dass die jeweilige lebensgeschichtliche Aufschichtung kritischer Wendepunkte und Ereignisse einen erheblichen Einfluss auf die Wahrnehmung nachfolgender Brüche wie den Verlust eines geliebten Menschen durch Tod hat, sondern es zeigte sich auch, dass diese Krisen selbst aus der Perspektive von Trauer, d.h. unter Anknüpfung an die Trauersemantik thematisiert wurden. Weiterhin hat sich die Relevanz des Trauercodes darin manifestiert, dass Trauer im Sinne des Codes auch praktiziert wird, obwohl die Hinterbliebenen nicht im engeren Sinn des Wortes trauern, sondern etwa Wut über die gestorbene Person empfinden, oder auch Erleichterung oder Gleichgültigkeit. So etwa im Fall einer Biografin, die um den Tod ihres Vaters nicht trauert, sondern angesichts des Endes einer von Angst und Gewalt dominierten Kindheits- und Familiengeschichte erleichtert ist, mit Blick auf diese Geschichte aber sehr wohl Trauer empfindet. Ein zentrales Ergebnis besteht deshalb darin, dass auch in anderen Situationen von Verlust, Abschied und Trennung als dem Tod nahestehender Menschen getrauert und dabei auf den Trauercode zurückgegriffen wird. Die Trauersemantik ermöglicht ebenso im Falle des Verlustes von Heimat, des Arbeitsplatzes oder anderer institutioneller Sicherheiten die kommunikative Behandlung von Schmerz und Leid als individuell einzigartige Erfahrung. Und schließlich werden immens schwierige, weil traumatische Erfahrungen wie diejenige des sexuellen Missbrauchs oder sexueller Gewalt aus der Perspektive von Trauer thematisiert. [12]

Dass die Erschütterung des individuellen Selbstverständnisses sich vornehmlich emotional manifestiert, dass sich Trauer als persönliches Gefühl von unvergleichlicher Intensität gestaltet, verdankt sich einer spezifisch modernen Vorstellung von Emotionalität als natürlicher Reaktion (McCARTHY 2002). Trauer ist aber keineswegs eine anthropologische Grundkonstante. Diese Wahrnehmung hat sich ausgehend von spezifischen wissenschaftlichen Diskursen in der Psychologie und der Psychoanalyse verallgemeinert (KAPPELER 1994, S.123f.). Teil der konventionellen Auffassung von Trauer ist die Vorstellung, dass sie aus einem "internally generated 'normal course'" bestehe, "which, for the health of the actor, must be ‚worked through‘" (LOFLAND 1978, S.79).6) Im Folgenden wird aufgezeigt, inwiefern sich mit dieser Form der Selbstbezüglichkeit eine spezifische, von der Befindlichkeit ihren Ausgang nehmende Rekonstruktion des Selbstverständnisses verbindet. Sie folgt einer allgemeinen Tendenz der Psychologisierung und Emotionalisierung des Selbst und mündet im Fall von Trauer in eine emotional strukturierte Form der Selbstvergewisserung. [13]

3. Zur Psychologisierung von Trauer und ihrer Institutionalisierung in Trauerhilfe und -beratung

Der Ausdruck von Trauer hat in der Moderne einen Wandel vom allgemein verbindlichen, rituell begründeten Verhaltensrepertoire zum persönlichen Gefühl erfahren. Wesentliches Charakteristikum dieser Entwicklung ist eine hiermit einhergehende Intensivierung des gefühlsmäßigen Erlebens. Aus der Transformation von Trauer kann allerdings nicht geschlossen werden, dass ihr Ausdruck ohne soziale Anleitung und daher den Einzelnen überlassen ist. Während die für das hohe Mittelalter typischen religiösen Riten im 19. Jahrhundert infolge der Säkularisierung zunehmend an Deutungsmacht verlieren, kommt es im Übergang zur Moderne als Folge des strukturellen Wandels in Form der funktionalen Differenzierung parallel zur allmählichen Verlagerung von Trauer auf die Ebene der inneren Befindlichkeit. Eingebettet in die allgemeine Individualisierung des Affektmanagements konstituiert sich Trauer nicht nur als subjektives Gefühl von unvergleichlicher Intensität; durch die Ineinssetzung des Selbst mit seiner emotionalen Befindlichkeit werden Trauerschmerz und Leid – wie andere Emotionen auch – schließlich zum möglichen Ausgangspunkt von Selbsterfahrung und Selbstreflexion, zu "senses of the modern self" (McCARTHY 2002).7) [14]

Dass sich Trauer dann immer mehr vom eingeforderten Gefühlsausdruck zu jener höchstpersönlichen Gefühlslage wandeln konnte, kann nicht allein als Resultat der wachsenden Differenzierung zwischen psychischen und sozialen Systemen gedeutet werden, in deren Konsequenz persönliche Beziehungen erst ihren spezifisch exklusiven und affektiven Charakter entwickelt haben. Damit Trauer als persönlicher Schmerz und als individuell einzigartiges Leid erlebbar wird, bedarf es kultureller Vorgaben, wie sie sich etwa in der seit den 1980er und 1990er Jahren entstandenen Trauerhilfe und -beratung institutionalisiert haben (WINKEL 2004). Sie knüpfen an teils veraltet anmutende, auf spezifischen psychologischen Theorien basierende Auffassungen über Trauer als höchstpersönlicher, subjektiver Befindlichkeit an. Auf diese Weise wird aber bis heute ein Verständnis von Trauer tradiert, das im Kern an der klassischen, psychologischen Konzeptionierung von Trauerarbeit anknüpft. Hiernach besteht Trauer in jener schon benannten expliziten Auseinandersetzung mit der subjektiven Befindlichkeit. Diese hat eine innerliche Loslösung des Selbst von den Toten zum Ziel, um sich neu orientieren und binden zu können, was als Coping bezeichnet wird. Dabei wird in der klassischen Auffassung noch unterstellt, dass der Trauerprozess ansonsten aufgrund der symbiotischen Beziehung mit den Toten zum Stillstand komme, was für die weitere Individuation hinderlich sei.8) Diese, heute im wissenschaftlichen Kontext nicht mehr ungeteilt getragene Auffassung hat ihre Grundlegung in der FREUDschen Konzeption von Trauer als subjektiver Reaktion; sie steht schon bei ihm unter dem "Verdacht einer krankhaften Disposition" (FREUD 1969/1913, S.429). Während FREUD selbst allerdings keine Annahmen über den weiteren Verlauf der Trauer entwickelte (SILVERMAN & KLASS 1996), hat sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Vorstellung eines schrittweisen, sich in Phasen vollziehenden und als "normal" geltenden Trauerprozesses, von dem abweichende, weil in einer Phase verbleibende Trauerverläufe unterschieden werden, verselbständigt. Damit korrespondierend wird nach den Symptomen der Trauer gefragt, um nach Möglichkeiten der Intervention vermittels Therapie und Beratung zu suchen, obwohl es für die Auffassung, Trauer wohne ein pathologischer Charakter inne, auch aus psychologisch-wissenschaftlicher Perspektive keine empirischen Evidenzen gibt (STROEBE & STROEBE 1993, S.175). Auch wenn die Anwendung der Trauerphasen aus wissenschaftlicher Sicht fragwürdig bleibt, hat der hiermit verbundene Diskurs zur Verselbständigung jener Vorstellung von Trauer als subjektiver Befindlichkeit und der damit verbundenen Ineinssetzung des Selbst mit seiner emotionalen Lage beigetragen. Die Zurechnung des Selbst auf die innere Befindlichkeit wird als Psychologisierung bezeichnet (WILLEMS 1994, S.184). Sie ist eine wesentliche Implikation der Zurechnung von Trauer auf das individuelle Selbst. [15]

Auf welche Weise aber können Gefühle derart in den Mittelpunkt einer Selbstbetrachtung gerückt werden? Es sind vornehmlich die Praktiken der Selbstthematisierung, wie sie etwa innerhalb der therapeutischen Arbeit vorfindbar sind, die den Ausdruck von Emotionen an eine bewusste Reflexion der Befindlichkeit anbinden. So wird in Trauerhilfe und Trauerberatung auf spezifische, für Darstellungszwänge und Verstehensprobleme sensibilisierte Kommunikationsformen zurückgegriffen. Hierzu gehören die Praktiken der Emotionsarbeit, der Persönlichkeitsentwicklung oder auch der Biografiearbeit (ARNASON 2000). Als Techniken der Selbstvergewisserung bilden sie zusammen mit der allgemeinen "Psychokultur" die Basis der Institutionalisierung von Trauerarbeit. Sie trägt zur Formung von Selbstvergewisserung als emotional strukturierter Selbsterfahrung bei.9) [16]

Die strukturelle Notwendigkeit zur Selbstreferenz erhält eine spezifische Ausrichtung, für die Psychologie und Therapie kulturelle Vorbilder liefern. Nun besteht allerdings in der Moderne keine institutionell abgesicherte Notwendigkeit mehr, nach einem Verlust durch Tod zu trauern, auch wird kein spezifisches, allgemein verbindliches Handlungsrepertoire zum Ausdruck von Trauer eingefordert. Sogar innerhalb der in den 1980er, vor allem sich seit den 1990er Jahren institutionalisierenden Trauerberatung10) (VOSS-EISER 1992; WALTER 1997, 1999; WINKEL 2004) distanziert man sich zunehmend zugunsten einer Stärkung von Selbstbestimmung und individuellen Interessenlagen von Phasentheorien oder anderen normativen Vorstellungen hinsichtlich des Umgangs mit Trauer (SPIEGEL 1986, S.57-76; JERNEIZIG, LANGENMAYR & SCHUBERT 1991; PARKES 1993; LANGENMAYR 1999; KAST 1982, 2001; WINKEL 2006). Der Autorität der Phasentheorien, die explizit die Entwicklung des inneren Zustands fokussieren (vom Schock über die Kontrolle und die Regression in Verbindung mit einer immensen emotionalen Erschütterung bis hin zur Adaption), wird die Autorität des Individuums selbst entgegengestellt. Statt der Annahmen über den prozessorientierten Verlauf von Trauer wird nun eine andere Regel im Umgang mit Trauer (respektive mit Trauernden) aufgestellt: "Individual difference and respect for personhood must be our principal guides" (FEIFEL, zit. nach WALTER 1997, S.40). [17]

Auch hinter der Öffnung gegenüber individuellen Wünschen verbergen sich spezifische gesellschaftliche Rahmenbedingungen, Diskurse, Praktiken und Erwartungen an den Ausdruck von Trauer. Dies spiegelt sich gerade in den bundesweit etablierten Einrichtungen zur Trauerhilfe wider. Wohl federn sie den Ausdruck von Trauer durch die Eröffnung kommunikativer Freiräume ab, indem sie persönlichen Erfahrungen Raum und Gehör verschaffen. Trauer konstituiert sich dabei nach wie vor als sich in der emotionalen Befindlichkeit gründende Form von Selbstvergewisserung. Dabei wird Individualisierung endgültig zum Programm. [18]

Schärfer lässt sich die Institutionalisierung von Trauer als persönliche Befindlichkeit noch unter Rückgriff auf Michel FOUCAULTs Dispositiv-Begriff fassen. Im Anschluss an FOUCAULT (1977, 1978) lässt sich sagen, der Ausdruck von Trauer ist durch die Existenz spezifischer Wissenssysteme determiniert. Innerhalb dieser Wissenssysteme, und zwar der auf psychoanalytischen und psychologischen Theorien basierenden Trauerarbeit, konstituiert sich eine spezifische Praxis hinsichtlich des Ausdrucks von Trauer. Und es formiert sich ein spezifisches Wissen hinsichtlich der gesellschaftlichen Wahrnehmung von Trauer. Es formiert sich im Kontext eines öffentlichen Diskurses, innerhalb dessen Trauer – entgegen der faktischen Zunahme der öffentlichen Thematisierung von Tod und Trauer auf Kongressen, Workshops und Seminaren – beharrlich als verdrängtes und tabuisiertes Phänomen konstruiert wird (WINKEL 2002, S.69ff.). [19]

Die normative Dimension des Verdrängungsdiskurses oder auch die gesellschaftliche Bedingtheit der Wahrnehmung von Trauer, Tod und Sterben werden in der thanatologischen Diskussion wenig (theoretisch) ausgeleuchtet (WALTER 1997). Faktisch haben wir hinsichtlich des Ausdrucks von Trauer nicht die Freiheit der Wahl. Trauer ist nicht der individuellen Beliebigkeit oder Selbstbestimmung anheim gestellt. Damit erscheint auch das sich auf der alltäglichen Erfahrungsebene einstellende Kommunikationsproblem in einem anderen Licht. Weder ist der Ausdruck von Trauer ohne soziale Anleitung, noch hat er keinen sozialen Ort. Trauer ist zum Spezialfall von Selbstreflexion und Selbsterfahrung geworden. Und als solcher hat Trauer eine spezifisch biografische Relevanz. [20]

4. Trauer als Biografiegenerator: Systemtheoretische Implikationen biografischer Selbstthematisierung

Aus systemtheoretischer Perspektive ist die Ausbildung persönlicher Identität in der Moderne per se unmöglich, weil sich das Individuum in keinem der gesellschaftlichen Subsysteme mehr als einheitliches, ganzes Gebilde thematisieren kann (BOHN & HAHN 1999, S.35; FUCHS 1999, S.285f.). Es lebt "als System eigener Art in der Umwelt der Gesellschaft" (BOHN & HAHN 1999, S.39), d.h. es gehört als psychisches System zur Umwelt sozialer Systeme. Diese bilden eine Vielzahl von Beobachtungsperspektiven bzw. sie beinhalten eine Vielzahl von Möglichkeiten der Zurechenbarkeit von Kommunikation für psychische Systeme, je nach dem, welcher Funktionszusammenhang gerade relevant ist. Dabei könne, so Peter FUCHS (1999, S.289ff.), kein soziales System beanspruchen, in einem umfassenden Sinne Identität zu beschreiben. Identität sei immer relativ, je nach dem, welcher kommunikative Systemzusammenhang gerade dominiert. Dies bedeute für das Individuum, infolge der Zugehörigkeit zu einer Vielheit von Systemen, seine Einzigartigkeit auf verschiedene Weise demonstrieren zu können, entweder durch das, was es gerade nicht ist, oder dadurch, dass Ego jeweils ein anderes ist. Moderne Identität bestehe in diesem Sinne aus einem unüberwindbaren Nebeneinander disparater Identitätszuweisungen, in dessen Folge nie ein totales, einheitliches Bild vom Selbst entwickelt werden könne. Das einzige, was sicher sei, sei seine Uneinheitlichkeit und Brüchigkeit. Selbstthematisierungen knüpfen daher regelmäßig an solchen Wendepunkten an. Peter FUCHS geht sogar davon aus, dass Identität ausschließlich mit Bezug auf Diskontinuität und Unterbrechnungen thematisierbar ist, und zwar entweder als das, was wir nicht haben, als das, was wir erhoffen, wünschen und suchen oder unter dem Aspekt der Unvereinbarkeit von Erfahrungen. Anders formuliert: die Identitätsfrage stellt sich insbesondere im Zusammenhang solcher Ereignisse, die das Selbstbild erschüttern. [21]

Die Vorstellung von der Einheit des Individuums ist daher eine Fiktion, die über die tatsächliche, aus Brüchen und Diskontinuitäten bestehende Struktur individueller Identität hinweg hergestellt wird (BOHN & HAHN 1999, S.36). Dies vollzieht sich innerhalb der Biografie respektive der biografischen Selbstbeschreibung. Ihr liegt eine Interpretation eigengelebter Erfahrungen nach sachlichen und zeitlichen Gesichtspunkten zugrunde, die als biografische Strukturierung bezeichnet wird (FISCHER-ROSENTHAL 1997; FISCHER-ROSENTHAL & ROSENTHAL 1997). Sie vollzieht sich, so FISCHER-ROSENTHAL (1995b, S.256), "by inventing an interpretative genre for thematizing and describing the self [...] The notion of biography conveys a description which emerges from self-observation and structures the individual’s life both before and after any given events take place". Alois HAHN (1987, 1988) argumentiert, dass die biografische Selbstthematisierung als kommunikativ existierende Realität die Existenz eigener Institutionen voraussetzt, die eine solche kommunikative Selbstbehandlung erst ermöglichen.11) Weil das psychische System per se infolge seiner sozialen Ortlosigkeit von Kommunikationen ausgeschlossen sei, könne es sich in den verschiedenen Funktionszusammenhängen zunächst nicht als solches artikulieren. Zwar fungiere die Identität als typisierendes Schema, mit dessen Hilfe wir uns als spezifische Identitäten behandeln können, wobei das spontane Unterstellen von Einheitlichkeit eine Fremd- und eine Selbstidentifikation des Bewusstseins ermögliche. Die Einbeziehung der Vergangenheit und damit die Entstehung eines symbolischen Daseinszusammenhangs sei aber nicht per se gegeben bzw. nicht immer möglich (HAHN 1987, S.10ff.). [22]

Die Struktur einer biografischen Selbstthematisierung ergibt sich also nicht bereits aus der von einem beliebigen Ereignis ausgehenden Beobachtung des Verlaufs eigenerlebter Erfahrungen, und zwar auch nicht, wenn sich dies unter spezifischen sachlichen Gesichtspunkten vollzieht. Der beispielsweise in einem Vorstellungsgespräch präsentierte berufliche Werdegang oder die für die medizinische Diagnose relevante Krankengeschichte sind Thematisierungen des Selbst, die jeweils nur einen Teilaspekt der Identität erfassen, und zwar nach Maßgabe des Relevanzsystems des gerade dominierenden Funktionszusammenhangs. Eine umfassende Selbstthematisierung setzt die Existenz institutionalisierter Biografiegeneratoren voraus, die systemübergreifend bzw. unabhängig von den kommunikativen Zurechnungen sozialer Systeme verschiedenste lebensgeschichtliche Erfahrungen in einen biografischen Zusammenhang setzen können. Als symbolische Formen der Selbstthematisierung sichern sie die Anschlussfähigkeit für das weitere Erleben, indem durch ein spezifisches Selektionsmuster aus der Vielzahl von Ereignissen, auf die sich Biografien beziehen, eine Auswahl, Vereinfachung oder Ordnung (HAHN 1987, S.13) hergestellt wird. [23]

Zentrale Form eines Biografiegenerators ist nach HAHN (1990) neben der Therapie die kirchliche Beichte. Zunächst als Verhaltenskontrolle konzipiert, bezog sie sich zunehmend auf innere Einstellungen und Absichten. Dies beinhaltet eine Betonung individueller Besonderheiten. Subjektivität folgt quasi der sozialen Kontrolle, die im Verlauf der historischen Veränderung der Beichtform zunehmend von Außen ins Innere der Individuen gelegt wird. Sie folgt aber auch daraus, dass nicht nur einzelne Sünden, sondern die ganze Sündenbiografie in den Blick genommen werden kann. Die Beichte ist eine bereits im Mittelalter übliche Form der Selbstschematisierung, aus der sich in biografischer Hinsicht nach und nach eine Typisierung des Selbst entwickelt. [24]

Trauer weist verschiedene, nicht nur mit dem Biografiegenerator der Beichte, sondern auch mit der Therapie vergleichbare Funktionen auf. Sie knüpft ebenfalls an der Beobachtung der inneren Befindlichkeit und der Überprüfung der inneren Einstellung an. Auch hier steht die Einzigartigkeit des Erlebens bzw. einer Reihe von Erlebnissen im Zentrum. Infolge ihrer symbolischen Codierung als individuell einzigartiges Leid ermöglicht Trauer nämlich nicht nur eine punktuelle Selbstreflexion; der Code stellt ebenso wie die Beichte ein eigenes Selektionsmuster dar, vor dessen Hintergrund lebensgeschichtliche Erfahrungen systematisiert und strukturiert werden können. Ist es im religiösen Kontext das Schuldbekenntnis, so sind es in der Trauer alle Erfahrungen, die sich mit Verlust, Abschied und Trennung, und allgemeiner noch mit verschiedensten Formen biografischer Diskontinuität verbinden. Im Anschluss an Peter FUCHS ließe sich sagen, dass Trauer die Thematisierung all dessen ermöglicht, was wir vergeblich gesucht oder was wir verloren haben oder was uns von anderen trennt. Und, so wäre zu ergänzen, Trauer ermöglicht die Thematisierung all dessen, was uns andere angetan haben. Alle Veränderungen im Leben, alle Passagen, die einen Bruch mit dem bisherigen Selbstverständnis nach sich ziehen, und dazu gehört beispielsweise auch die Verletzung bzw. der Verlust der körperlichen und seelischen Integrität durch jede Form von Gewalt, können unter den Aspekten von Trauer und Leid kommuniziert werden. Auf diese Weise strukturiert Trauer die Lebensgeschichte, ermöglicht eine Rekonstruktion aus der Perspektive von Diskontinuität, Verlust und Trennung. [25]

Weil auf der Ebene der Thematisierung diejenigen Ereignisse im Vordergrund stehen, die die Brüchigkeit und Diskontinuität des Lebens demonstrieren, ermöglicht der Ausdruck von Trauer gleichzeitig ein Nebeneinander verschiedener subsystemspezifischer Identitätszuweisungen und unvereinbarer Erfahrungen. Dies ändert nichts an der Brüchigkeit des Lebens, ob in zeitlicher oder ob in sachlicher Hinsicht, macht sie aber als solche kommunizierbar. Und als Ausdruck der individuellen Einzigartigkeit einer Person werden die Kontingenzerfahrungen der jeweiligen Identität zurechenbar. [26]

Das folgende Fallbeispiel demonstriert, wie es einer Biografin gelingt, eine das Selbstbild in umfassender Weise infrage stellende lebensgeschichtliche Krise durch die Kommunizierung von Trauer zum Ausgangspunkt einer biografischen Rekonstruktion zu machen und dabei ein Selbstverständnis als Trauernde zu entfalten, obwohl das Hauptmoment der Erschütterung ihres Selbstverständnisses nicht im Tod einer Bezugsperson begründet ist. Auf diese Weise können die Verfestigung und die Eigenständigkeit der symbolischen Codierung von Trauer als individuell einzigartiges Leid demonstriert werden. [27]

Der Fall entstammt dem Sample einer auf vierzehn biografischen Interviews basierenden Studie zur lebensgeschichtlichen Relevanz von Trauer; in ihrem Mittelpunkt steht das Verhalten zum Tod von Bezugspersonen vor dem Hintergrund der jeweiligen Lebensgeschichte einer trauernden Person und aller sich darin ereignenden Brüche und Passagen (WINKEL 2002). Ausgangspunkt war die Annahme, dass ein wesentliches Erklärungsmoment individueller Trauer, und zwar auch in ihrer emotionalen Manifestation, in der jeweiligen gelebten Geschichte und der gemeinsam mit den Verstorbenen geteilten Lebenswelt besteht. Weil sich Trauer als persönliche Erfahrung konstituiert, und infolge dessen als unvergleichbar schmerzvoll erlebt wird, wurde ein Forschungsansatz gewählt, der der Subjektivität der Erfahrung auf eine Weise Rechnung trägt, die die Rekonstruktion der individuellen Erlebnisperspektive erlaubt. Gleichzeitig sollte aber die Existenz struktureller Rahmenbedingungen, wie etwa diejenige des Trauercodes oder des kulturellen Dispositivs der Trauer, nicht vernachlässigt werden. Die objektive Hermeneutik12) unternimmt den Versuch, beide Theorieperspektiven zu integrieren.13) In diesem Sinne wurde die Rekonstruktion subjektiver Erfahrungen also unter der Annahme der Existenz latent vorhandener Sinnstrukturen unternommen, denen unabhängig vom subjektiv präsentierten Sinn eine Existenz und Wirkmächtigkeit zugeschrieben wird. [28]

Weil Sinnkonstitution sich im Rahmen der Konstitution von Subjektivität vollzieht (MAROTZKI 1991, S.409-414), und wesentlicher Orientierungsrahmen der Subjektivität in der Moderne die Biografie ist, wurde zur Erhebung von Daten das biografische Interview gewählt, wie es von Gabriele ROSENTHAL (1995) und Wolfram FISCHER-ROSENTHAL (1996; siehe auch FISCHER-ROSENTHAL & FISCHER 1997, 2000) in Anlehnung an Fritz SCHÜTZEs narratives Interview (1983) und in Auseinandersetzung mit Ulrich OEVERMANN (1979, 1993) weiterentwickelt wurde.14) Es

"erlaubt eine Ad-hoc-Textproduktion in der Interviewsituation, bei der der Autobiograph seine biographische Großerzählung selbst strukturieren kann. Indem die GesprächspartnerInnen zu einer längeren Erzählung von eigenerlebten Ereignissen motiviert werden und sie in einen Erinnerungs- und Erzählstrom gleiten können, wird für die soziologische Analyse eine Datenbasis gewonnen, die es erlaubt, situierte Handlungsabläufe, die darauf hinführende Handlungsgeschichte und Ex-post-Bewertungen zu rekonstruieren" (ROSENTHAL & FISCHER-ROSENTHAL 1997, S.413). [29]

Die BiografInnen wurden mehrheitlich über Trauerberatungsstellen und -selbsthilfegruppen rekrutiert. Die durchschnittlich vier- bis siebenstündigen Interviews wurden nach den von Gabriele ROSENTHAL formulierten "Prinzipien der Gesprächsführung zur Gewinnung einer Lebenserzählung" (1995, S.186) durchgeführt, transkribiert und nach den Prinzipien der rekonstruktiven Fallanalyse unter objektiv-hermeneutischen Gesichtspunkten analysiert. [30]

Zentrales Kriterium der Rekonstruktion ist die Unterscheidung zwischen erlebter und erzählter Geschichte. Hiernach ist davon auszugehen, dass die biografische Selbstpräsentation, so wie sie erinnert wird, nicht mit der tatsächlichen lebensgeschichtlichen Aufschichtung von Erfahrungen übereinstimmt. Zudem verändert sich unter den Vorzeichen der jeweiligen Gegenwart, was erinnert und welche Bedeutung den erinnerten Ereignissen beigemessen wird (ROSENTHAL 1995, S.205). Deshalb wird in der biografischen Analyse zwischen der zeitlich geordneten Abfolge von Lebensereignissen, d.h. den Daten der Lebensgeschichte, die sich vor einem spezifischen historischen Hintergrund ereignen, und der Form der Darstellung dieser Ereignisse aus heutiger Sicht unterschieden. Die in der Einzelfallanalyse erfolgte Gegenüberstellung der chronologischen Aufschichtung der biografischen Erlebnisse in der Vergangenheit und die aktuelle Reproduktion des Erlebten steht aber nicht im Mittelpunkt der folgenden Fallskizze, sondern vielmehr die Relevanz von Trauer als Medium der Kommunizierung von biografischen Krisen, Wendepunkten und Brüchen. [31]

5. Trauer als Biografiegenerator: Ein Fallbeispiel

Die Rentnerin Ilse Schröder15) wurde mir in einer Beratungsstelle für Trauernde als Witwe vorgestellt. Sie spielte damals mit dem Gedanken, eine Selbsthilfegruppe aufzubauen. Zu der Zeit lag der Tod ihres Ehemannes drei Jahre zurück. Dies ist an sich nicht ungewöhnlich. Dennoch schien ihre Geschichte nicht in den Rahmen einer Studie zu Trauer und Tod zu passen. Zu Beginn des Interviews teilte die Biografin mit, dass sie zwar nach dem Tod ihres Mannes zusammengebrochen sei, aber nicht seinetwegen, sondern "über all die Dinge die jetzt die jetzt von mir nich verarbeitet werden konnten= nicht= der= Tod= meines= Mannes, der hat mich überhaupt nich bewegt= der bewegt mich auch heute noch nich" (7/11-13). Die Biografin trauert also nicht im engeren Sinn des Wortes, aber sie ist tief bewegt von einigen anderen lebensgeschichtlichen Ereignissen, die sich mit der Person ihres Mannes verbinden. Hierzu gehört auch der Missbrauch an ihren gemeinsamen Kindern. Drei Jahre nach dem Tod des Vaters, des Täters, kommt es hierüber zu einer Auseinandersetzung zwischen Mutter und Kindern, in deren Zusammenhang Ilse Schröders Verhalten in der Vergangenheit massive Kritik seitens ihrer Kinder erfährt. Dies ist nicht das erste Gespräch zwischen Mutter und Kindern über den Missbrauch. Aber im Zusammenhang dieser Auseinandersetzung sieht sich die Biografin erstmals selbst mit dem Vorwurf des Missbrauchs konfrontiert; darüber hinaus wird ihr allgemeiner Erziehungsstil massiv kritisiert. Der Konflikt spaltet die Familie schließlich: Einige der Kinder unterhalten seitdem keinen Kontakt mehr zu ihrer Mutter. [32]

Ilse Schröder bricht infolge der Ereignisse physisch und psychisch zusammen. Angesichts der Vorwürfe ihrer Kinder sieht die Biografin retrospektiv den gesamten Verlauf ihres Lebens infrage gestellt. Aus ihrer Perspektive lag ihrem Handeln stets das Bemühen zugrunde, den familiären Zusammenhalt zu sichern, und zwar insbesondere im Interesse der Kinder: "für Kinder würd ich mich zerpflücken", äußert sie wiederholt und betont, wie sie sich um ihre Kinder bemüht und für sie engagiert hat. Nicht nur im Zusammenhang ihrer Aufgaben als Ehefrau und Mutter, sondern auch mit Blick auf ihre eigene Kindheit kann Ilse Schröder zudem auf eine Reihe von Entsagungen und Opfer zurückblicken, die sie mit dem Bild kontrastiert, das ihre Kinder von ihr skizzieren. [33]

Es stellt sich die Frage, welche Funktion Trauer in dieser Erzählung hat und weshalb sich die Biografin als Trauernde erlebt, obwohl sie, wie sie mehrfach wiederholt, nicht um den Tod ihres Mannes trauert. Trauer ermöglicht es der Biografin, verschiedenste leidvolle Erfahrungen und Brüche in eine lebensgeschichtliche Selbstvergewisserung zu integrieren. Hierzu gehört neben der eigenen Erfahrung sexueller Gewalt seitens ihres Mannes bereits die frühe Erfahrung eines broken home. Geboren im städtischen Arbeitermilieu der 1920er Jahre, war die Biografin als uneheliches Kind unerwünscht, wurde bereits als Säugling mehrfach ausgesetzt, hat die Erfahrung eines broken home als Teenager nochmals durchlitten; und als sie nach Kriegsende noch immer ohne familiären Rückhalt ist, intendiert sie, mit der Heirat für sich einen stabilen Orientierungs- und Handlungsrahmen herzustellen. Sie bekommt acht Kinder. Innerhalb der Familie ist sie nicht nur für den Reproduktionsbereich zuständig, sondern auch wesentlich an der Sicherung des familiären Einkommens beteiligt, da ihr Mann nach einigen Ehejahren erwerbsunfähig wird. Selbst nach einem häuslichen Unfall, in dessen Folge sie eine lebenslange Gehbehinderung erleidet, hat sich die Aufgabenteilung nicht verändert. Physisch und zunehmend auch psychisch stark beeinträchtigt, lebt die Biografin an der Seite ihres Mannes, erwägt nach eigenem Bekunden, sich von ihm zu trennen, als sie von den schon erwachsenen Töchtern erstmals über den Missbrauch in Kenntnis gesetzt wird, vermag aber nicht, dies umzusetzen. Als ihr Mann schließlich schwer erkrankt, fühlt sie sich verpflichtet, den Sterbenskranken im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu betreuen. [34]

Nach dem Tod ihres Mannes versucht Ilse Schröder, sich physisch zu regenerieren und sich neu zu orientieren. Diese Entwicklung wird durch den Konflikt über den Missbrauch unterbrochen. Die Vorwürfe der Kinder gegen ihre Person zwingen Ilse Schröder aber nicht nur dazu, sich mit ihrer Verantwortung hierfür auseinander zu setzen. Ilse Schröder sieht sich, ihr Selbstbild wie auch den Verlauf ihres Lebens grundsätzlich infrage gestellt. Dies bewirkt neben der tiefen Verletzung eine umfassende, lebensgeschichtliche Rekonstruktion. Sie hat ihre Bezugspunkte in den schwierigen Phasen der Familiengeschichte und der problematischen Beziehung zu ihrem Ehemann; nach und nach wird dabei deutlich, warum der Tod ihres Ehemannes für Ilse Schröder in emotionaler Hinsicht ohne Belang ist, während sie sich angesichts des Verlaufs ihres eigenen Lebens, und d.h. der gemeinsam mit dem Ehemann geteilten Lebenswelt sowie der Vorwürfe ihrer Kinder, als Leidtragende versteht. Ihre Trauer bezieht sich vor allem darauf, was man ihr alles abgefordert habe (1/12), "ob von Seiten meines Mannes ob- und was denn och noch ähh noch ganz schlimm is eben [...] von Seiten meiner Kinder" (1/14-16). [35]

Es sind die Vorwürfe und die Kritik ihrer Kinder, die Ilse Schröders Selbstbild in der Retrospektive erschüttern. Sie steht vor dem Problem, ihr Verhalten in der Vergangenheit vor dem Hintergrund des aktuellen Konflikts mit den Kindern neu deuten zu müssen. Ein wesentliches Problem besteht für sie darin, ihre bisherige Selbstwahrnehmung als hingebungsvolle Mutter und sich aufopfernde Ehefrau mit den Anfragen der Kinder nach ihrer Verantwortung und Mitschuld in Einklang bringen zu können. Diese Problematik führt die Biografin in eine Beratungsstelle für Trauernde. Hier kommt ihrer Selbstdarstellung als trauernder Witwe eine Schlüsselfunktion zu. Sie sichert nicht nur den Anschluss an ihre Rolle als Ehefrau – und Mutter; sie ermöglicht auch eine gesellschaftlich legitime Form der Selbstpräsentation als Trauernde. Unter Bezugnahme auf den Trauercode, d.h. auf einen sozial legitimierten Kommunikationszusammenhang, kann sich die Biografin auch anderen Kontingenzerfahrungen wie derjenigen des Missbrauchs oder der eigener Gewalterfahrungen nähern, indem sie hinsichtlich ihrer belastenden Wirkung kommuniziert werden. Dies gilt weiterhin auch für andere Ereignisse, die unabhängig von den gemeinsam mit dem Ehemann geteilten Erfahrungen das Leben der Biografin massiv beeinträchtigten, wie etwa ihre uneheliche Geburt, der Zweite Weltkrieg oder ihre Gehbehinderung. [36]

Der Rückgriff auf das semantische Feld der Trauer bei verschiedensten lebensgeschichtlichen Krisen und Verlusterfahrungen hat sich innerhalb des gesamten Samples bestätigt und wiederholt. Vielfältige Formen von Verlust und Trennung, physische und psychische Verletzungen wurden unter den Aspekten von Trauer und Leid kommuniziert: Krieg und politischer Systemwechsel, die Trennung von der Lebensgefährtin, der besten Freundin und die Scheidung vom Ehemann, der Verlust des Arbeitsplatzes und der Übergang in die Rente, der Verlust der Heimat und Migration, sexuelle Gewalt gegen Frauen und sexueller Missbrauch an Kindern, eine Fülle gravierender Kontingenzerfahrungen wurde vermittels der Kommunizierung von Trauer und Leid benennbar – und in das Selbstbild integrierbar. [37]

6. Schlussbemerkungen: Biografische Selbstvergewisserung und Exklusionsindividualität

Strukturell bedingt wird Selbstreferenz nicht nur im Fall von Trauer und Tod zur wesentlichen Grundlage von Sinndeutung: Individualisierung strukturiert die Wahrnehmung und den Umgang mit allen Arten von Verlust- und Kontingenzerfahrungen. Folglich besteht das herausragende Problem nicht mehr in der Herstellung sozialer Kontinuität auf gesamtgesellschaftlicher, sondern auf individueller Ebene. Biografische Krisen erschüttern das individuelle Selbstverständnis; dies findet seinen Ausdruck auf emotionaler Ebene, wobei sich Trauer als persönliches Gefühl gestaltet. [38]

Es wurde argumentiert, dass die Kommunizierung individuellen Leids durch die Ausbildung entsprechender semantischer Strukturen in Form des symbolisch generalisierten Trauercodes möglich ist. Er hat die Funktion, in Grenz- und Schwellensituationen über Systemgrenzen hinweg die Unwahrscheinlichkeit von Kommunikation über individuelles Leid im Besonderen und über Individualität im Allgemeinen zu reduzieren, indem unter Rückgriff auf den Code symbolisch komplementäre Erwartungsperspektiven ausgebildet werden. Dies beinhaltet nicht die Möglichkeit, aber auch nicht die Notwendigkeit einer inhaltlichen Thematisierung der jeweiligen Empfindung oder ihrer Ursachen. Entsprechend wird der Biografin in dem oben skizzierten Fall immer wieder unterstellt, dass sie vor allem über den Tod ihres Ehemannes trauert, wenn sie sich als Witwe vorstellt. Sie selbst hat es dann in der Hand, diesen Irrtum aufzuklären, indem sie über die eigentlichen Trauer auslösenden Erfahrungen in ihrer Lebensgeschichte berichtet. [39]

Weil eine Vielfalt biografischer Diskontinuitäten und Brüche aus der Perspektive von Kummer und Leid kommunizierbar werden, hat der Ausdruck von Trauer strukturell gesehen eine Entlastungsfunktion. In der Regel wird es allerdings als problematisch empfunden, dass hinsichtlich des Ausdrucks von Trauer wie auch hinsichtlich des Ausdrucks von Beileidsbekundungen keine inhaltlichen Vorgaben existieren. Dies hat wiederum strukturelle Gründe. Der Code zielt nämlich nicht auf die Ermöglichung symbolisch komplementärer Erlebnisperspektiven (LUHMANN 1999, S.41ff.); er lässt sie geradezu überflüssig werden, indem ein Mangel an Übereinstimmung im Erleben explizit vorausgesetzt wird: Die symbolische Codierung von Trauer besteht in der Einzigartigkeit der emotionalen Empfindung und der daraus resultierenden Trostlosigkeit. Weil der Code die Funktion hat, die individuelle Besonderheit des gefühlsmäßigen Empfindens im Rahmen einer Selbstthematisierung behaupten zu können, muss sich jede Bekundung von Mitgefühl als unangebracht erweisen. Und inhaltliche Vorgaben würden der Tiefe und Authentizität des jeweiligen Empfindens nicht gerecht. Auf diese Weise erlaubt der Trauercode die Rekonstruktion und die Aufrechterhaltung der von leidvollen Erfahrungen tangierten Individualität. [40]

Selbstthematisierung vollzieht sich im Kontext von Trauer entsprechend vor allem in Abgrenzung zu anderen. Cornelia BOHN und Alois HAHN (1999, S.36f.) führen dazu aus, dass Selbstbeschreibung zwei Formen annehmen könne; zum einen über die Zugehörigkeit bzw. über die Inklusion in je verschiedene soziale Kontexte und Kategorien wie Geschlecht, Familienstand, Beruf etc., wobei gleichzeitig durch den Hinweis auf ein Merkmal eine Unterscheidung zu anderen markiert werde. Zum anderen könne Selbstbeschreibung auch von vornherein im Gegensatz zu anderen erfolgen, also mit dem ausdrücklichen Verweis auf Eigenschaften, "von denen die Betroffenen meinen, sie seien ihnen persönlich eigentümlich" (BOHN & HAHN 1999, S.36). Hier stehe die Beziehung des Individuums zu sich selbst im Vordergrund. In beiden Fällen handele es sich nicht um sich gegenseitig ausschließende Prinzipen der Selbstkonstituierung. BOHN und HAHN (1999, S.37f.) verweisen auf die Existenz eines Nebeneinander "von Inklusion und Exklusion als Instrumente der Selbstbeschreibung", auf die "Einheit der Differenz von selbstreferentieller und fremdreferentieller Identität". Dies zeigt sich auch bei der Kommunizierung von Trauer. Individualität konstituiert sich vornehmlich über Selbstbezüglichkeit, Distinktion und Abgrenzung, also als Exklusionsindividualität. Über den Rückgriff auf den Code verschafft sie sich aber soziale Geltung. Trauerkommunikation wird auf diese Weise zu einem "Anschlußzusammenhang" (NASSEHI 2000, S.2). [41]

Nun wird auch deutlich, weshalb gerade schmerzvolle, biografische Erfahrungen besonders geeignete Ausgangspunkte für Selbstthematisierungen sind: Sie lösen die Erfahrung der Selbstentfremdung und eine darauf aufbauende Selbstvergewisserung aus. Die Kommunizierung der damit verbundenen Irritation erfährt aber durch den Trauercode eine soziale Einbindung. [42]

Anmerkungen

1) Diese Passage stammt aus einem Interview, das in der Studie "Trauer ist doch ein großes Gefühl ...". Zur biographiegenerierenden Funktion von Verlusterfahrungen und der Codierung von Trauerkommunikation (WINKEL 2002) ausführlich vorgestellt wird. Diese Arbeit basiert auf biographischen Interviews mit Trauernden, die wesentlich über Trauerberatungsstellen und -selbsthilfegruppen rekrutiert wurden. <zurück>

2) Seine These lautet, dass schon immer gewisse Formen der Selbstthematisierung existierten, was er hinsichtlich der Thematisierung von Individualität – als dem Bewusstsein um sich selbst – historisch nachzeichnet (LUHMANN 1988, S.348ff.). <zurück>

3) Dem liegt die Annahme zugrunde, dass die strukturellen Gegebenheiten der Moderne die Wahrnehmung und den Ausdruck von Trauer als individuelles und emotionales Phänomen bedingen. Stellt man dies in Rechnung, löst sich die subjektive Perspektive der Zerrissenheit und der inneren Erschütterung nicht auf, aber es mag deutlicher werden, dass Trauer infolge einer spezifischen gesellschaftlichen Konstellation zu jener persönlichen, leidvollen Angelegenheit wird, als die wir sie erfahren. <zurück>

4) Gleiches gilt etwa für gut gemeinte Ratschläge, wie mit dem Trauerschmerz umzugehen sei. Schon deshalb ist etwa ein Verweis darauf, dass die Zeit alle Wunden heilt, unpassend. Er nimmt den Schmerz nicht ernst, spielt vielmehr die Besonderheit des Verlustes herunter. Wohl aber wird Akzeptanz dafür erwartet, dass es sich um ein unvergleichliches und einzigartiges Leid handelt. Eine persönliche Erfahrung ist nicht verallgemeinerbar, es sei denn aus struktureller Perspektive. <zurück>

5) Zum Thema Authentizität von Trauer vgl. ARIÈS (1984, S.740). <zurück>

6) Psychologische Theorien der 1990er Jahre, also einer Zeit, in der es im wissenschaftlichen, aber auch im außerwissenschaftlichen Kontext zur Verdichtung eines Diskurses über Trauer gekommen ist, betonen, dass der Trauerschmerz durchlebt werden muss (STROEBE & STROEBE 1991, 1994; STROEBE 1992; STROEBE, STROEBE & HANSSON 1993; STROEBE & SCHUT 1999). Sie stellen auch heute noch den wesentlichen Bezugspunkt der in Trauerberatungsstellen und Selbsthilfegruppen institutionalisierten Trauerarbeit dar (WINKEL 2004), auch wenn sich dies teils mit einer kritischen Lesart verbindet. Gleichwohl hat sich eine bestimmte Vorstellung darüber, wie der Verlauf von Trauer aussieht, verselbständigt. <zurück>

7) Das soziologische Interesse richtet sich auf die soziale Bedingtheit dieser Wahrnehmung von Trauer und des anempfohlenen Umgangs mit ihr. In sozial-konstruktivistischen Ansätzen wird seit den 1980er Jahren verstärkt die Auffassung vertreten, dass soziale Wahrnehmung und Gestalt des emotionalen Ausdrucks je nach historisch-kulturellem Hintergrund variieren (HOCHSCHILD 1983; HOCKEY 1993; STROEBE & STROEBE 1994; McCARTHY 2002; TURNER 2005, 2007). <zurück>

8) Einen Überblick über verschiedene Theorien zur klassischen "working through emotions-Hypothese" geben STROEBE und STROEBE (1987) sowie STROEBE (1992). <zurück>

9) Gefühle werden in diesem Zusammenhang, so Herbert WILLEMS (1994, S.151), vermittels eines sekundären Selbstbezugs ausgebildet. Sie werden "ins Zentrum der Selbstaufmerksamkeit gerückt" und schließlich werden sie durch diesen Vorgang sogar erst "geweckt" und "identifiziert". <zurück>

10) Hierbei handelt es sich um ein heterogenes Ensemble von professionell angeleiteten oder reinen Selbsthilfegruppen, Beratungsstellen mit therapeutischer Einzelfall- oder Gruppenbetreuung, Wochenendseminaren zur Selbsterfahrung, Tagungen bis hin zur reinen Internet-Präsenz, das sich durch ein hohes Maß an Spezialisierung und Professionalisierung auszeichnet. <zurück>

11) Zur Institutionalisierung von Möglichkeiten der Selbstthematisierung vgl. BURKART (2006), und zwar hier insbesondere SCHROER (2006) und WILLEMS und PRANZ (2006). <zurück>

12) Ulrich OEVERMANN, Tilman ALERT, Elisabeth KONAU und Jürgen KRAMBECK (1979). Zu ihrer Entstehungsgeschichte vgl. Jo REICHERTZ (1991, S.223-227) oder Norbert SCHRÖER (1994, S.9-27). Vgl. weiterhin Hans-Georg SOEFFNER (2000) oder Bruno HILDENBRAND (2004). <zurück>

13) Die Frage der Strukturlastigkeit der objektiven Hermeneutik im Vergleich zur interaktionistischen Theorietradition kann an dieser Stelle nicht diskutiert werden. <zurück>

14) Zur produktiven Wirkung lebensgeschichtlicher Selbstpräsentationen vgl. Bettina VÖLTER (2006). <zurück>

15) Der Name sowie alle weiteren Daten zur Person wurden anonymisiert. <zurück>

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Dr. Heidemarie Winkel; Disziplin: Soziologie; Forschungsschwerpunkte: Geschlechtersoziologie, Religionssoziologie, Thanatosoziologie, Biografieforschung

Kontakt:

Dr. Heidemarie Winkel

Universität Erfurt
Staatswissenschaftliche Fakultät
Geschlechtersoziologie
Postfach 900 221
D-99105 Erfurt

Tel.: 0361-7374925
Fax: 0361-7374929

E-Mail: heidemarie.winkel@uni-erfurt.de
URL: http://www.uni-erfurt.de/geschlechtersoziologie/

Zitation

Winkel, Heidemarie (2008). Trauer als Biografiegenerator [42 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 9(1), Art. 50, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs0801501.



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