Volume 21, No. 2, Art. 19 – Mai 2020

Zugang ist nicht gleich Zugang – Verläufe, Bedingungen und Ebenen des Feldzugangs in ethnografischen Forschungen

Peter Rieker, Giovanna Hartmann Schaelli & Silke Jakob

Zusammenfassung: Der Feldzugang gilt in der empirischen Sozialforschung als wichtiger Schritt im Forschungsprozess und wird vor allem in der ethnografischen Forschung als eine zentrale Herausforderung angesehen. In der Regel werden die damit verbundenen Fragen lediglich allgemein diskutiert, sodass man den verschiedenen Aspekten des Zugangs kaum gerecht wird. Im vorliegenden Beitrag werden Fragen des Feldzugangs auf der Grundlage des Datenmaterials einer ethnografischen Untersuchung zu jugendlichen Peergroups differenzierter untersucht. Dabei kann gezeigt werden, dass der Zugang zu einem Forschungsfeld im gesamten Erhebungsprozess immer wieder gewährleistet werden muss, und dass er sich je nach beteiligten Akteur*innen und in Abhängigkeit vom Status der Forschenden unterschiedlich gestaltet. Zudem lassen sich verschiedene Dimensionen des Zugangs unterscheiden, die jeweils dazu beitragen, Informationen generieren zu können.

Keywords: Feldzugang; Ethnografie; Beobachtung; Forschungsbeziehungen; Grounded-Theory-Methodologie

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Forschungs- und Diskussionsstand

3. Zur empirischen Annäherung an Aspekte des Feldzugangs

4. Zugang zur ethnografischen Erforschung einer Mädchenband – ein Fallbeispiel

4.1 Vorbereitung des Zugangs

4.2 Leibhaftiger Zugang – der Anfang

4.3 Verschiedene Ebenen des Zugangs

4.4 Fortgeschrittene Zugänge im weiteren Verlauf der Beobachtungen

5. Feldzugang als multidimensionale Herausforderung

Anmerkungen

Literatur

Zu dem Autor und den Autorinnen

Zitation

 

1. Einleitung

In der empirischen Sozialforschung gilt der Zugang zu einem Forschungsfeld und zu einer Untersuchungsgruppe als zentrale Herausforderung des jeweiligen Forschungsprozesses, da dieser die Voraussetzung für die Datenerhebung darstellt. Thematisiert und reflektiert werden Fragen des Zugangs vor allem in der qualitativen Sozialforschung. Besonderen Stellenwert haben die damit verbundenen Fragen für die ethnografische Forschung, da man hier darauf angewiesen ist, sich zum Zweck der Datensammlung bzw. Datengenerierung längere Zeit in einem Feld aufhalten zu können. Ungeachtet der großen Bedeutung, die Fragen des Zugangs haben, werden sie in der Fachdiskussion zumeist eher beiläufig und vergleichsweise allgemein behandelt. [1]

Im vorliegenden Beitrag wird der Versuch unternommen, die mit dem Zugang zu einem Forschungsfeld und einer Untersuchungsgruppe verbundenen Herausforderungen umfassend zu skizzieren und in ihrer Bedeutung zu reflektieren. Dafür beziehen wir uns auf das Datenmaterial einer Untersuchung zur peerspezifischen Sozialisation im Jugendalter, bei der Forschende unterschiedliche Peergroups Jugendlicher ethnografisch begleiten. Fokussiert wird dabei auf einen Beobachtungskontext – eine Musikband junger Mädchen – sowie den Prozess und die Dimensionen des Zugangs zu diesem Forschungskontext. Im Folgenden werden zunächst der Forschungs- und Diskussionsstand zu Fragen des Feldzugangs skizziert (Abschnitt 2) und Untersuchungsanlage sowie methodisches Vorgehen der Untersuchung erläutert (Abschnitt 3). Anschließend werden die mit dem Zugang verbundenen Beobachtungen und Ergebnisse vorgestellt, wobei verschiedene Untersuchungsphasen und unterschiedliche Dimensionen des Zugangs berücksichtigt werden (Abschnitt 4). Abschließend werden die Ergebnisse resümiert und in ihrer Bedeutung diskutiert (Abschnitt 5). [2]

2. Forschungs- und Diskussionsstand

Grundsätzlich kann unterschieden werden, ob Forschende Zugang zu einem Feld oder einer Gruppe suchen, zu dem sie eine Untersuchung planen, oder ob sie sich entscheiden, ein Feld zu untersuchen, in dem sie bereits Mitglied sind (BECKER 1981 [1963]; WACQUANT 2010 [2001]). Es ist davon auszugehen, dass sich die besonderen Schwierigkeiten und die Ergebnisse beider Varianten grundsätzlich voneinander unterscheiden. Da bei letzterer nicht die Herausforderungen des Zugangs zu einem Untersuchungsfeld oder einer Untersuchungsgruppe im Vordergrund stehen, sondern eher der Wechsel im Selbst- und Rollenverständnis, beziehen wir uns in diesem Beitrag ausschließlich auf den ersten Fall. Es geht im Folgenden also um den Zugang von Forschenden zu Feldern, denen sie nicht bereits als Mitglieder angehören. [3]

Der Zugang zu einem Forschungsfeld und zu einer Untersuchungsgruppe gilt als besonders wichtige Phase des Forschungsprozesses, da sich hier entscheidet, ob und welches Datenmaterial zur Verfügung steht. Einerseits erscheint der Zugang als besonders schwierige und mitunter auch als unangenehme Phase der Feldforschung (GIRTLER 1984), da Forschende hier mit vielen Unwägbarkeiten und unbekannten Herausforderungen konfrontiert sind. Andererseits gilt er als besonders interessant, schließlich ist man sich im Kontext der qualitativen Methodendiskussion weitgehend einig, dass die Charakteristika des Feldzugangs als Erkenntnisquelle zu nutzen sind, da sie Besonderheiten des Feldes widerspiegeln (AMANN & HIRSCHAUER 1997; BREIDENSTEIN, HIRSCHAUER, KALTHOFF & NIESWAND 2013; LEMPP et al. 2018; LÜDERS 2013; OTT 2012; WOLFF 2013). [4]

In der Fachliteratur wird dieser Zugang zunächst in Form einer einfachen Alternative konzipiert: Entweder der Zugang scheitert oder er gelingt, sodass der Übergang in das Forschungsfeld gewährleistet ist, wobei in diesem Prozess "Weichenstellungen hinsichtlich einer Positionierung im Feld" erfolgen (LÜDERS 2013, S.392). Dementsprechend findet sich in diesem Zusammenhang das Bild einer "Schwelle", die es zu überschreiten gelte, um Zugang zum Feld zu bekommen. Ist diese teilweise unüberwindlich erscheinende Barriere überwunden, werden Forschende mitunter "mit einem völlig überraschenden Tempo in das Innenleben jenseits der Schwelle hineingesogen" (WAHL, HONIG & GRAVENHORST 1982, S.105). Allerdings wird verschiedentlich auch darauf verwiesen, dass beim Zugang zu einem Forschungsfeld weder eine fixe Grenze überschritten werde noch sich das Feld nach Überschreiten solch einer Grenze den Forschenden offen darbiete (WOLFF 2013). Vielmehr sei der Zugang zum Feld ein Dauerzustand (WAHL et al. 1982), eine Anforderung, die den gesamten Forschungsprozess begleite (BREIDENSTEIN et al. 2013) bzw. "eine nie ganz abgeschlossene Arbeitsaufgabe" (WOLFF 2013, S.336), die gemeinsam mit den Beforschten bzw. Forschungssubjekten bewältigt werden müsse. Auch dann, wenn im Verlauf der Forschung aus einem Feld Zugänge zu neuen Feldern erschlossen werden (GOFFMAN 2014), kann sich die Frage des Feldzugangs als Daueraufgabe stellen. [5]

Hervorgehoben wird im Hinblick auf den Zugang zu einem Forschungsfeld das Beziehungsgeschehen, d.h. die Anschlüsse der Forschenden an die Akteur*innen im Feld und ihre soziale Verortung im Feld, die auch mit dem Begriff "Rapport" bezeichnet wird (BREIDENSTEIN et al. 2013, S.60ff.). Diese soziale Komponente des Feldzugangs wird als "getting on" bezeichnet und von der physischen Komponente des Zugangs ("getting in") unterschieden (WOLFF 2013, S.340). Immer wieder zeigt sich dabei, dass Forschende, je nachdem, welcher sozialen Gruppe sie angehören, unterschiedliche Zugänge zu einzelnen Forschungsfeldern realisieren können. Beispielsweise in Pakistan erhalten männliche Forscher keinen Zugang zu Gruppen junger Frauen, die an politischen Protestaktionen teilnehmen (ZAMAN 2015), und auf Spielplätzen in Deutschland können sich ältere Herren nicht als Beobachter von Kindern aufhalten, ohne Verdacht zu erregen (KRAPPMANN & OSWALD 1995). Wie wichtig der soziale Zugang ist, zeigt sich beispielsweise im Kontext der klassischen Untersuchung zur "Street Corner Society", in der William WHYTE (1996 [1943]) schildert, dass er sich trotz räumlichen Zugangs zu einem Stadtteil und zu einigen Wohnungen immer noch als Fremder fühlte und den Eindruck hatte, seine Untersuchung sei ein "totaler Verlust" (S.290f.). Dies änderte sich erst, als er das Gefühl hatte, sozial akzeptiert zu werden und seinen Platz in "Cornerville" zu finden (S.300). In diesem Zusammenhang wird auch diskutiert, inwiefern Forschende zu Mitgliedern der beforschten Gruppe werden und ob sie von den zu Beforschenden für eigene Zwecke funktionalisiert werden. Kompliziert kann sich der Zugang zu einem Untersuchungsfeld dadurch gestalten, dass Forschende von konkurrierenden Interessensgruppen instrumentalisiert werden, z.B. von den Anbieter*innen von Bildungsangeboten für Erwerbslose und von den Erwerbslosen, die an diesen Angeboten teilnehmen müssen (OTT 2012). [6]

In Hinblick auf den Status von Forschenden werden in der Fachliteratur vor allem zwei Alternativen skizziert: Beobachter*innen können entweder ein "akzeptiertes Mitglied der Gemeinschaft" (LAMNEK 2005, S.601) oder "einfach als Beobachter dabei" (GANS 1962, S.341, zit. nach LAMNEK 2005 S.604) sein – zumeist, so Roland GIRTLER (1984), nähmen Beobachter*innen wohl eine Position zwischen diesen Extremen ein. Die Akzeptanz, die Forschende in einem Feld finden, hängt nach WHYTE (1996 [1943]) vor allem von den persönlichen Beziehungen ab, die sie aufbauen. In Abhängigkeit von den jeweiligen persönlichen Beziehungen und je nach Status haben die Forschenden dann jeweils einen spezifischen Zugang zu Situationen, Gesprächen und Informationen. In Hinblick auf bestimmte Szenen wird der Verdacht formuliert, dass man nur als Teilnehmer*in, nicht jedoch als forschende*r Beobachter*in Zugang erhalte, so z.B. zu einem Boxclub in Chicago (WACQUANT 2010 [2001]). Dementsprechend kann in solchen Fällen der Aspekt der Teilnahme gegenüber dem der Beobachtung im Vordergrund stehen, was vor allem dann wichtig sein dürfte, wenn körperbezogene Wahrnehmungen für eine Untersuchung hohe Relevanz haben. [7]

Besonderer Stellenwert wird "Gatekeepern" zugerechnet, also solchen Kontakt- oder Schlüsselpersonen, die Zugang zu einem Feld gewähren oder verweigern können (WHYTE 1996 [1943]). Dabei wird zwischen informellen und offiziell zuständigen Gatekeepern, die im Kontext von Institutionen für Fragen des Zugangs zuständig und auf dem Dienstweg zu adressieren sind, unterschieden (WOLFF 2013). Forschende müssten jeweils entscheiden, ob sie den Kontakt zum Forschungsfeld über offizielle Stellen oder über informelle Beziehungen etablieren (LAMNEK 2005). Gegenüber den jeweiligen Gatekeepern müssen Forschende vor allem glaubhaft darlegen, dass sie selbst seriös sind, dass sie den Beforschten keinen Schaden zufügen, möglichst wenig stören und sich nur begrenzte Zeit im Feld aufhalten, um Zugang zu erhalten (WOLFF 2013). Außerdem können diese Gatekeeper "ungeheuer nützlich sein, Zugänge zu ansonsten verschlossenen Bereichen eröffnen und Informationen liefern, über die nur Insider verfügen" (FRIEBERTSHÄUSER & PANAGIOTOPOULOU 2010, S.309). Auch dies zeigte sich sehr deutlich in der Untersuchung zur "Street Corner Society", in der WHYTE über seine Kontaktperson nicht nur Zugang zu einer Clique junger Männer erhielt, sondern diese ihn, indem sie ihn als ihren Freund vorstellte, auch als respektabel präsentierte und gegen die Verdächtigung, ein FBI-Agent zu sein, in Schutz nahm (1996 [1943]; vgl. auch GOFFMAN 2014). Ein besonderer Fall liegt dann vor, wenn Kinder als Kontaktpersonen fungieren, die den Forschenden, die sie bereits aus dem schulischen Kontext kennen und schätzen gelernt haben, den Zugang zu ihren Familien ebnen (LAREAU 2011). Der Zugang zu einem schwer zugänglichen Beobachtungsfeld wird dabei also vor allem über eine emotionale Beziehung zu einem Familienmitglied ermöglicht. Allerdings wird auch auf Herausforderungen verwiesen, die mit Gatekeepern verbunden sein können: Einerseits könne die "Informationspolitik der Gatekeeper" (BREIDENSTEIN et al. 2013, S.54) dazu beitragen, dass bestimmte Zugänge versperrt würden, andererseits würden Forschende im Feld mit ihren Gatekeepern assoziiert, sodass sie sich zunächst nur in den von diesen eröffneten Netzwerken bewegen könnten (a.a.O.). [8]

Siegfried LAMNEK vergleicht den Zugang zu einem Forschungsfeld mit einem Sozialisationsprozess, für den er bestimmte Bedingungen formuliert: "Voraussetzung für eine erfolgreiche Sozialisation in der Zugangsphase sind Offenheit, Einfühlungsvermögen und die Achtung vor dem zu Untersuchenden" (2005, S.601). Wichtig sei dabei vor allem, dass Beobachtende als Fremde sich das Vertrauen der zu Untersuchenden erwürben, indem sie ihre Forschungsabsichten offenlegten (a.a.O.). Beispielhaft zeigt er, dass der Zugang in bestimmten Szenen nicht einfach zu erreichen ist, etwa dann, wenn eine entschiedene Abneigung deutlich wird, mit Fremden zu reden (GANS 1962, zit. nach LAMNEK 2005). [9]

Abschließend ist noch darauf hinzuweisen, dass der Zugang zu einem Untersuchungsfeld mitunter auch durch Bedingungen oder Hilfsmittel ermöglicht oder erleichtert wird, die sich von den bisher genannten Aspekten grundlegend unterscheiden. In diesem Zusammenhang sind finanzielle Anreize zu nennen: So hat Annette LAREAU (2011) den Familien, an deren Alltagsleben sie und ihre Kolleginnen teilnahmen, eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 350$ versprochen. Zudem müssen die Besonderheiten eines Feldes und die dafür jeweils notwendigen Hilfsmittel in Rechnung gestellt werden, wenn Forschende Zugang erhalten wollen, was z.B. für Forschung im Internet gilt (GRESCHKE 2007). Solche spezifischen Bedingungen und Hilfsmittel werden noch zu wenig im Zusammenhang und in Hinblick auf ihre Relevanz für den Zugang Forschender zu ihren Untersuchungsfeldern reflektiert, sodass entsprechende Analysen selten sind. [10]

3. Zur empirischen Annäherung an Aspekte des Feldzugangs

Im Folgenden wird mit Bezug auf das empirische Material einer ethnografischen Untersuchung versucht, unterschiedliche Dimensionen des Zugangs zu einem Forschungsfeld auszuleuchten und zu differenzieren. Im Forschungsprojekt "Peerspezifische Sozialisationsprozesse im Jugendalter"1) wird untersucht, wie Jugendliche sich im Rahmen ihrer Peergroups wechselseitig sozialisieren, d.h., wie sie sich in ihrer Entwicklung miteinander, nebeneinander oder gegeneinander z.B. durch Unterstützung, Modellhandeln, Kooperation, Konfliktumgang oder Dominanzausübung beeinflussen. Einbezogen werden unterschiedliche Gruppen Jugendlicher, die mehr oder weniger strukturiert sowie mehr oder weniger durch Erwachsene begleitet miteinander Zeit verbringen. Gewählt wurde ein ethnographischer Untersuchungsansatz, bei dem die Gruppen Jugendlicher über mehrere Wochen bzw. Monate durch teilnehmende Beobachtung und Interviews begleitet werden (BREIDENSTEIN et al. 2013; WITZEL 2000). [11]

Im vorliegenden Beitrag konzentrieren wir uns auf eine ethnografische Untersuchung mit einer Gruppe 12- bis 13-jähriger Mädchen, die in einer Band zusammen Musik machen. An diesem Forschungsprozess lassen sich die Prozesse und Dimensionen des Zugangs exemplarisch nachvollziehen und reflektieren. Grundlage dieser Analyse sind neun Feldprotokolle, welche eine Forscherin2) auf der Grundlage ihrer Beobachtungen jeweils im Abstand von einer Woche angefertigt hat. Im Gegensatz zur üblichen Vorgehensweise, bei der Fragen des Zugangs lediglich zu Beginn der Feldforschung thematisiert werden, werden hier Herausforderungen des Zugangs über die gesamte Dauer der Feldforschung untersucht. [12]

Im Rahmen der Datenanalyse wurden die Protokolle durch die gesamte Projektgruppe in Anlehnung an das Verfahren der Grounded-Theory-Methodologie ausgewertet, zunächst durch offenes Kodieren und anschließend fokussierter und vertiefter in Hinblick auf Fragen des Zugangs (STRAUSS 2007 [1987]). Dabei wurden die Passagen identifiziert, in denen Fragen des Zugangs für die Forscherin relevant waren, z.B. in denen ihr Zugänge gewährt wurden bzw. sie sich einen Zugang verschaffte. Diese erfolgreiche Etablierung von Zugängen war teilweise aber erst zu erkennen, als auch die Passagen berücksichtigt wurden, in denen Zugänge nicht gewährt wurden bzw. Zugangsversuche scheiterten. Mitunter waren die Zugangsbarrieren in den Protokollen expliziter zu erkennen als die erfolgreichen Zugänge. [13]

4. Zugang zur ethnografischen Erforschung einer Mädchenband – ein Fallbeispiel

Im vorliegenden Fallbeispiel geht es um den Zugang einer Forscherin zu einer Band, in der fünf Mädchen im Alter zwischen 12 und 13 Jahren (Tanya, Sloan, Netta, Fannie, Melody)3) zusammen Musik machten und sich auf einen öffentlichen Auftritt vorbereiteten. Gecoacht wurde diese Band durch einen erwachsenen Musiker. Die Proben fanden in einem Schulhaus statt, in dem der Gruppe ein Übungsraum und Instrumente zur Verfügung gestellt wurden. Die Forscherin kam zu den wöchentlichen Proben der Band hinzu, nachdem diese schon seit mehreren Monaten für den bevorstehenden Auftritt zusammen geprobt hatten. Sie begleitete die Gruppe über einen Zeitraum von ca. zwei Monaten bis zum dem öffentlichen Auftritt, nach dem die Band sich auflöste. [14]

4.1 Vorbereitung des Zugangs

Erste Informationen zu dieser Mädchenband erhielt die Forscherin, die gerne an den Aktivitäten von Gruppen Jugendlicher als Beobachterin teilnehmen wollte, über den Musiker, Yaron Backstein, der die Mädchenband coachte. Der Kontakt zu ihm wurde über den Organisator eines Wettbewerbs hergestellt, bei dem eine andere vom Musiker gecoachte Band auftrat. Mit dem Coach nahm die Forscherin über E-Mail Kontakt auf und telefonierte auch mit ihm, wobei er einerseits seine Zustimmung zu einer Beobachtung signalisierte: "Er fand das Projekt spannend und meint, dass er nichts dagegen hätte, wenn wir an einigen Proben dabei sein würden" (P1, Z.5)4). Andererseits machte er seine Zustimmung von weiteren Informationen zum Projekt und zum geplanten Vorgehen abhängig. Er wollte wissen, wie oft die Beobachterin vor Ort sei, wie viele Interviews geplant seien, wie lange diese Interviews dauern würden und wie viele Forschende involviert seien. Er begründete seine Nachfragen mit der Sorge um Beeinträchtigungen der Band: "So eine Band ist ein sehr sensibles Gebilde und sie sind gerade in einer Phase, in der sie vor Auftritten stehen" (P1, Z.14). Nachträglich wurde deutlich, dass er auch die Mädchen gefragt hatte, ob sie mit der Anwesenheit der Beobachterin einverstanden wären. Die Jugendlichen hätten zugesagt, auch wenn sie sich nicht so recht vorstellen konnten, was dies konkrete bedeutete. Nach einem Telefongespräch, in dem die Forscherin die Schwerpunkte und das Vorgehen des Forschungsprojekts erläuterte und kritische Nachfragen beantwortete, war es geschafft: Yaron nannte ihr Zeit und Ort der nächsten Probe der Mädchenband und verabredete sich mit ihr 15 Minuten vor Probenbeginn auf dem Pausenplatz – für alle Fälle tauschten sie auch noch ihre Handy-Nummern aus. [15]

Dieses Fallbeispiel zeigt einen verbreiteten Zugang zu einem Beobachtungskontext, in dem Jugendliche durch Forschende angetroffen und adressiert werden können: Vermittelt über eine mehr oder weniger offizielle Ansprechperson, die selbst keinen direkten Zugang zu den Jugendlichen hat, wird zunächst Kontakt zu einer direkt und vor Ort tätigen Person etabliert. Bei beiden "Gatekeepern" handelt es sich um Erwachsene, die unter bestimmten Bedingungen bereit sind, weitere Kontakte herzustellen. Zentrales Kriterium für die Bereitschaft zur weiterführenden Kontaktvermittlung ist die Wahrscheinlichkeit bzw. Zusicherung, die "naturwüchsigen" Prozesse und Abläufe der Jugendgruppe – die häufig als besonders sensibel und schutzbedürftig präsentiert wird – nicht zu beeinträchtigen oder zu gefährden. Sobald Forschende diese Prüfung bestanden haben, z.B. indem sie ihre Anwesenheit im Feld erfolgreich als begrenzt oder besonders wenig invasiv präsentiert haben, werden sie von der erwachsenen Begleitperson eingeladen, zu einem Treffen mit den Jugendlichen mitzukommen – dies ermöglicht es den Forschenden, in die Position der Beobachtenden zu wechseln. [16]

4.2 Leibhaftiger Zugang – der Anfang

Zum vereinbarten Zeitpunkt trafen sich Yaron und die Beobachterin vor dem Schulhaus, begrüßten sich freundlich und sprachen zunächst über Schweizer Dialekte und über die Regionen, in denen diese Dialekte gesprochen werden. Anschließend berichtete Yaron von der Mädchenband, die er als konfliktfreudig und schwer zu motivieren beschrieb. Er fragte außerdem, worauf sich das Forschungsprojekt genau beziehe und stellte interessierte Nachfragen zu den Erläuterungen, die die Beobachterin ihm gab. Das Gespräch wurde unterbrochen, als zwei Mädchen hinzukamen, die gleich berichteten, dass drei andere Mädchen an diesem Tag nicht kommen würden, sodass sie nur zu zweit seien. Yaron stand auf und begrüßte die beiden mit Handschlag, dann stellte er die Beobachterin und die beiden Mädchen einander mit ihren Vornamen vor; die Beobachterin gab den Mädchen ebenfalls die Hand und sie lächelten sich an. Auf Vorschlag Yarons beschlossen sie, trotz der kleinen Besetzung zu proben und dabei ihre Parts nochmals zu üben. Dann bat Yaron die Beobachterin, den Mädchen das Forschungsprojekt und ihr Anliegen kurz vorzustellen:

"Die Mädchen setzen sich mir gegenüber, halb in die Hocke gehend, eng beieinander. Ich stelle mich nochmals mit Namen vor, dass ich von der Universität komme und wir, meine Kollegin und ich, ein Forschungsprojekt durchführen, wobei uns interessiert, was Jugendliche in ihrer Freizeit so machen, was sie unternehmen würden. Dafür möchte ich gerne dabei sein heute, wenn das für sie in Ordnung wäre. Sie hören mir freundlich zu und nicken. Zu Netta und Sloan sage ich, dass ich gerne auch mithelfen oder Ämtlis übernehmen würde, wenn das gewünscht sei. Als ich das Wort Ämtli ausspreche, hakt Yaron gleich ein. Ob ich denn beim Auf- und Abbau der Instrumente helfen würde, fragt er. Ich bejahe und die Mädchen freut es ersichtlich. Sie jubeln kurz auf" (P1, Z.153). [17]

Vor dem Hintergrund eines freundlichen Gesprächs zwischen dem erwachsenen Coach und der Beobachterin, in dem dieser sich am Forschungsprojekt interessiert zeigte, gestaltete sich der Zugang zu den beiden Mädchen, die an diesem Tag anwesend waren. Nachdem der Zugang zu den Jugendlichen zunächst lediglich durch deren "freundliches Zuhören" und "Nicken" bestätigt wurde, löste die Beobachterin mir ihrem Angebot, beim Auf- und Abbau der Instrumente zu helfen, regelrechte Begeisterung aus. Auch der Kontakt zu den Jugendlichen schien damit hergestellt zu sein, zumal die Beobachterin in dieser Situation nicht nur eine entspannte Atmosphäre, sondern sogar so etwas wie Euphorie wahrnahm und notierte. Nachdem beim vorangegangenen Telefongespräch die erste Zugangshürde genommen worden war (der erwachsene "Gatekeeper" gestattete der Beobachterin den Besuch der Bandprobe), wurde beim ersten Kontakt mit zwei Mädchen damit auch die zweite Hürde genommen, in dem diese dem Anliegen der Beobachterin, dabei sein zu wollen, nicht nur nickend zustimmten, sondern sich sichtlich freuten, als diese anbot, auch Pflichten zu übernehmen. [18]

Aber die Zugangsdynamik war damit noch nicht am Ende. "Auf dem Weg zum Mehrzweckraum fragt Yaron, ob ich Schlagzeug spielen kann, und ich verneine lachend. Er zeige es mir, kontert er. Versuchen tue ich es gern, gebe ich zurück. Die Mädchen finden es eine tolle Idee" (P1, Z.166). Die Beobachterin erklärte sich bereit, auch beim Musizieren mitzumachen, was vermutlich auch angesichts der an diesem Tag fehlenden Bandmitglieder eine wichtige Unterstützung der Band darstellte und daher Freude auslöste. In der nun folgenden Phase des Aufbaus der Instrumente war die Beobachterin also nicht mehr nur als Beobachterin, sondern als zumindest provisorische Teilnehmerin beteiligt. [19]

Im weiteren Verlauf des Nachmittags wirkte sie beim Aufbau der Instrumente mit und spielte zunächst Schlagzeug und dann Bass. Als sie Zweifel äußerte, diese Instrumente spielen zu können, erfuhr sie Zuspruch und Ermutigung von einem der Mädchen und notierte im Beobachtungsprotokoll: "Die Mädchen waren anfangs eher zurückhaltend mir gegenüber. An dieser Stelle jedoch spüre ich eine gewisse Solidarität/Unterstützung von ihnen aus" (P1, Z.284). Etwas später bot ihr das andere Mädchen Popcorn an und erkannte sie damit ebenfalls als Teilnehmerin der Band an. Dieser Teilnehmerinnenstatus ermöglichte es ihr dann nicht nur, eine Audioaufnahme von einem Teil der Probe zu machen, sondern auch einen Vorschlag zu äußern, wer während der restlichen Probenzeit welches Instrument spielen sollte, welcher von den Beteiligten akzeptiert wurde. Zum Abschluss der Probe fragte die Beobachterin die beiden Mädchen, "ob es für sie okay wäre, wenn ich wiederkommen würde. Beide sagen mehrfach begeistert 'Ja!'" (P1, Z.557), anschließend verabschiedeten sie sich von der Beobachterin. [20]

Innerhalb kurzer Zeit wurde der Beobachterin durch die Jugendlichen nicht nur die Anwesenheit bei der Bandprobe gestattet, sondern sie wurde auch zur aktiven Teilnehmerin, die die Mühen des Musikmachens mit den Mädchen und dem erwachsenen Coach teilte, aber auch deren Unterstützung erfuhr. Es wirkt daher nur folgerichtig, wenn die Mädchen weiteren Besuchen der Beobachterin zustimmten. [21]

Eine Woche später, zum nächsten Termin einer Probe der Mädchenband, war sie erneut vor Ort, um ihre Beobachtungen fortzusetzen. Als sie vor dem Schulhaus wartete, gingen zwei Mädchen an ihr vorbei, bei denen sie vermutete, dass es sich um Bandmitglieder handelte, die bei der letzten Probe gefehlt hatten. Später im Gebäude wurde sie von Yaron begrüßt, wobei sich ein weiteres Mädchen zu ihnen gesellte:

"Zeitgleich kommt ein weiteres Mädchen zur Tür hinein und gesellt sich zu unserer kleinen Begrüßungsrunde. Yaron stellt sie mir als Melody vor. 'Lustig, dass ich heute alle kennen lerne, die letztes Mal abwesend waren', stelle ich lächelnd fest. Netta und Sloan haben für die heutige Bandprobe abgesagt" (P2, Z.21). [22]

Die Beobachterin konnte zwar noch auf den etablierten Zugang zum erwachsenen Coach zurückgreifen, in Hinblick auf den Zugang zu den Jugendlichen stand sie wegen der Fluktuation der Bandmitglieder aber wieder ganz am Anfang. Dieses Beispiel zeigt ein für das Feld vergleichsweise gering strukturierter Jugendgruppenaktivitäten (wie sie z.B. in der offenen Jugendarbeit anzutreffen sind) typisches Phänomen: Die hohe personelle Fluktuation der Beteiligten kann es erforderlich machen, dass der Zugang nicht nur einmal hergestellt werden muss, sondern immer wieder neu und jeweils unter spezifischen Bedingungen. Eher unerwartet war es, dass die Beobachterin im Kontext einer Musikband, die auf kontinuierliche gemeinsame Arbeit angewiesen ist, mit dieser Fluktuation konfrontiert war – gleichwohl musste sie die damit verbundenen Herausforderungen bewältigen. [23]

4.3 Verschiedene Ebenen des Zugangs

Zudem lassen sich anhand des zweiten Protokolls verschiedene Ebenen des Zugangs differenzieren: räumlicher Zugang, optischer bzw. akustischer Zugang und sozialer Zugang. Auf diesen Ebenen können Zugänge gewährleistet oder Barrieren deutlich werden, die den Zugang zu Informationen ermöglichen oder verhindern. Zu Beginn ihres Protokolls verweist die Beobachterin bei zwei Gelegenheiten auf räumliche Barrieren des Zugangs. Zunächst beschreibt sie die beiden mutmaßlichen Bandmitglieder: "Sie hüpfen über den Platz und gehen die Tür hinein, die ich vorhin nicht aufbekommen habe" (P2, Z.5). Der Beobachterin als Novizin fehlte, wie dann deutlich wird, das spezifische Wissen, wie eine räumliche Zugangshürde, in diesem Fall die Eingangstür, überwunden werden konnte, während die Mädchen als Insiderinnen über dieses Wissen verfügten. Ein ähnliches Erlebnis hatte sie kurze Zeit später, als sie – inzwischen im Gebäude – sowohl den Mehrzweckraum als auch den Instrumentenraum verschlossen vorfand und wieder umkehrte. Während sie den Weg in den Raum, in dem die Bandprobe stattfand, in der Woche zuvor gemeinsam mit anderen zurückgelegt hatte, erfuhr sie nun, da sie den räumlichen Zugang alleine suchte, mehrfach Barrieren. Diese Barrieren konnten erst durch den Coach beseitigt werden, der einen Schlüssel zum Proberaum hatte: "Zwischen Tür und Angel stehend macht Yaron eine Armbewegung und bittet uns hinein" (P2, Z.43). In diesem Fall war der räumliche Zugang also nicht eine Frage des Wissens, sondern des richtigen Schlüssels. [24]

Später zeigte sich, dass der räumliche Zugang auch davon abhängig sein kann, inwiefern es für die Beobachterin den notwendigen Platz im Feld gibt. Die Beobachterin interessierte sich für die Hintergründe des auffälligen und rätselhaften Verhaltens eines der Mädchen, das mehrfach "Es tut so weh" ausrief, aber ständig in ein vertrautes Gespräch mit ihrer Freundin eingebunden und damit auch nach außen abgeschottet war. Schließlich bot sich eine Möglichkeit zur Kontaktaufnahme: "Mir eröffnet sich die Gelegenheit, mich mit Tanya zu unterhalten, da Fannie kurz von ihrer Seite gewichen ist" (P2, Z.211). Erst die kurzzeitige Abwesenheit der Freundin ermöglichte die für ein Gespräch notwendige räumliche Nähe. Wie sich später zeigte, handelte es sich um eine Mischung aus räumlichen und sozialen Barrieren des Zugangs. [25]

Auf einer zweiten Ebene wird die Notwendigkeit deutlich, einen Zugang zum Feld über optische oder akustische Sinneswahrnehmungen zu gewinnen. Im fraglichen Protokoll finden sich verschiedentlich Hinweise darauf, dass die Beobachterin einem Wechselspiel von Sinneswahrnehmungen ausgesetzt war, das mit einer unvollständigen oder unbefriedigenden Informationslage assoziiert zu sein schien. Besonders deutlich wurde dies in Hinblick auf Tanya und Fannie, die beiden Mädchen, die sie zu Beginn noch nicht persönlich kannte.

"Ich erkläre, Tanya und Fannie gesehen zu haben. Nun bin ich mir sicher, dass es sich um die beiden handelt, weil ich Fannie nach Tanya rufen gehört habe. Im selben Augenblick erscheinen die beiden Mädchen im unteren Stock um die Ecke und verschwinden aber sogleich wieder. Ich frage mich, wie sie sich einfach so in Luft aufgelöst haben konnten. Plötzlich sind sie wieder aufgetaucht" (P2, Z18). [26]

In der Folge dieser Episode schilderte die Beobachterin weitere Eindrücke, die demselben Muster folgen: Bruchstückhafte Wahrnehmungen, zumeist auf akustischer Ebene, konnten mit Wahrnehmungen auf optischer Ebene nicht bestätigt oder in Einklang gebracht werden; oder solche Bruchstücke ergaben vor dem Wissenshintergrund der Beobachterin keinen Sinn, sodass sie im Protokoll offene Fragen oder Ratlosigkeit notierte. In einem Fall kam auch die Frage auf, ob die sprachliche Verständigung gewährleistet war: "Tanya beginnt zu rappen auf Englisch und dann verstehe ich sie nicht mehr. Ob sie die Sprache gewechselt hat?" (P2, Z.458). In einigen Fällen konnte das fehlende akustische Verständnis mit einer zu großen Distanz zum Geschehen in Verbindung gebracht werden: "Die Mädchen stecken immer mal wieder die Köpfe zusammen, wobei ich nicht genau mitkriege, was Sache ist. Ich versuche näher an sie ran zu kommen und höre einige Wortfetzen" (P2, Z.198). Verschiedentlich entstand dabei der Eindruck, dass die Akteurinnen im Feld durch lautes oder leises Sprechen steuerten, welche Informationen nach außen dringen und an welcher Stelle Unklarheiten bestehen bleiben sollten. Dies legt den Schluss nahe, dass auch diese akustische bzw. optische Ebene des Zugangs mit der sozialen Ebene verschränkt ist. [27]

Wie bereits angedeutet, kann die soziale Ebene des Zugangs als zentrale Dimension betrachtet werden. Dies wird deutlich, als zu Beginn des Beobachtungsgeschehens zunächst eine Begrüßung und eine Vorstellung der Beobachterin erfolgte, ohne die ihr kein Zugang gewährt worden wäre. Die Begrüßung und persönliche Vorstellung erscheinen dabei als Voraussetzung oder als notwendiger erster Schritt einer Beziehung zwischen Beobachterin und Akteur*innen im Feld. Dementsprechend werden Begrüßungen und Vorstellungen in den Protokollen regelmäßig geschildert. Gleichzeitig lässt sich nachvollziehen, dass der Zugang zu Informationen ohne diese Voraussetzung nicht gewährleistet gewesen wäre. Dies wird anhand von Tanya deutlich, die während der Probe immer wieder durch den Ausruf "Es tut so weh!" auffiel. Wie oben bereits dargestellt, versuchte die Beobachterin den Grund dieser Ausrufe durch die Herstellung räumlicher Nähe zu ergründen.

"Mir eröffnet sich die Gelegenheit, mich mit Tanya zu unterhalten, da Fannie kurz von ihrer Seite gewichen ist. Ich frage sie, ob sie sich wehgetan habe. Sie schaut mir einige Sekunden in den Augen, wobei sie mir nicht antwortet. Schaut sie wehleidig drein? 'Wo schmerzt es denn?', frage ich weiter. Sie gibt mir keine Antwort" (P2, Z.211). [28]

In diesem Beispiel war die fehlende räumliche Nähe offenbar nicht das zentrale Problem für den Zugang zu Informationen. Tanya machte deutlich, dass sie nicht bereit war, der Beobachterin die Frage nach ihren Schmerzen zu beantworten. Etwas später eröffnete sich eine Möglichkeit, diese unhöflich wirkende Verweigerung einer Antwort zu verstehen.

"Yaron stellt mich ihr vor: 'Das ist Tanya, das ist Giulia5)!' Es sind über 20 Minuten vergangen und Tanya ist die einzige, die mir noch nicht vorgestellt wurde. Ich grüße Tanya, indem ich laut sage 'Hoi Tanya!' und gebe ihr die Hand. Sie schaut mich mit großen Augen an. Wir geben uns kurz die Hand" (P2, Z.303). [29]

Wenn es auch in dieser Szene noch nicht zu einer verbalen Äußerung Tanyas gegenüber der Beobachterin kam, so wurde hier doch die formelle Vorstellung und Begrüßung zwischen den Beiden vollzogen – geraume Zeit nach Beginn dieser Beobachtungssequenz und unter Missachtung der Regel, diese Begrüßung der Beobachtung voranzustellen. An diesem Tag fand bereits die zweite Beobachtungssequenz statt, was die Beteiligten offensichtlich dazu verleitete, nicht erneut die Zustimmung zur Beobachtung einzuholen – obwohl die anwesenden Mädchen nicht in der Weise gefragt worden waren wie Netta und Sloan eine Woche zuvor. Das grundsätzliche Einverständnis, das die betroffenen Mädchen im Vorfeld erklärt hatten, wurde durch die an diesem Tag anwesenden Mädchen nicht aktualisiert bzw. es wurde nicht bestätigt. Vor diesem Hintergrund erscheint die Antwortverweigerung durch Tanya in einem neuen Licht. Die Erklärung dieses Schweigens mit der noch nicht erfolgten Begrüßung erhält durch eine Szene gegen Ende der Beobachtungssequenz zusätzliche Plausibilität. Obwohl sich Tanya und Fannie vorzeitig und überstürzt verabschiedeten, während die restliche Band noch probte, nahm sich Tanya die Zeit, sich explizit von der Beobachterin zu verabschieden:

"Sie reißt Fannie am Arm von der Bühne und beide laufen raus. Während dem Rauslaufen sagt Tanya noch etwas Unverständliches und ruft dann: 'Tschüss Gi-ula!' Sie sind schon aus dem Raum und stehen im Gang. Yaron sagt: 'Giulia heisst sie.' Tanya wiederholt meinen Namen" (P2, Z.487). [30]

Die Beobachterin war nicht nur die einzige, von der sich Tanya bei diesem überstürzten Aufbruch explizit verabschiedete, sondern diese hielt sogar inne, um den zunächst falsch ausgesprochenen Namen der Beobachterin korrekt zu wiederholen. Dies könnte als Versuch gewertet werden, den zuvor zurückgewiesenen Kontaktversuch der Beobachterin nachträglich anzuerkennen und auf diese Weise den sozialen Zugang zu bestätigen. Allerdings kann vermutet werden, dass durch die Begrüßung als ersten notwendigen Schritt eines Zugangs auf sozialer Ebene noch kein Zugang zu intimen Informationen, z.B. über die Hintergründe von Tanyas Schmerzensrufen, gewährleistet werden konnte. So wie auch Yaron auf seine Nachfragen keine Auskunft von Tanya erhielt, bekam auch die Beobachterin keinen Zugang zu diesen intimen Informationen. Während die Beobachterin vermutlich deswegen keinen Zugang erhielt, weil ihre Beziehung zu Tanya noch neu und wenig gefestigt war, bekam Yaron wohl vor allem deswegen keine Antwort, da er als erwachsener Mann von der Kommunikation über "Frauenthemen" ausgeschlossen blieb. [31]

In der Folge wurde deutlich, dass die Beobachterin beim Zugang auf sozialer Ebene weitere Fortschritte machte. Als sie sich zwei Tage nach den zuletzt geschilderten Erlebnissen während der Unterrichtszeiten an der Schule aufhielt, wurde sie sowohl von Tanya und Fannie als auch von Melody eigeninitiativ durch Winken und Lächeln begrüßt, wozu die Beobachterin notierte: "Sie haben sich sehr gefreut, mich zu sehen, und riefen meinen Namen. Immer wieder haben sie sich umgedreht und zu mir rüber geblickt" (P3, Z.4). Dass die Mädchen sich außerhalb des Bandkontextes, in dem sie die Beobachterin kennengelernt hatten, an sie erinnerten und die gemeinsame Bekanntschaft durch erfreutes, expressives Verhalten untermauerten, kann als Bestätigung eines gelungenen sozialen Zugangs gewertet werden. [32]

4.4 Fortgeschrittene Zugänge im weiteren Verlauf der Beobachtungen

Eine vergleichbare Bestätigung zeigte sich auch bei der nächsten Bandprobe, bei der Melody, Sloan und Netta anwesend waren, während Tanya und Fannie fehlten. Es fanden die üblichen Begrüßungszeremonien statt, wobei die Beobachterin bei den Mädchen mehrfach Ausdrücke von Freude über das Wiedersehen mit ihr notierte. Als Yaron nachfragte, ob sie und Sloan sich kennen würden, notierte sie: "Sloan lächelt zu mir rüber, wir nicken und sagen: 'Ja, klar'" (P3, Z.28). Wie selbstverständlich wurde die Beobachterin in ein Gespräch über Ereignisse der letzten Woche einbezogen und erhielt bereitwillig Informationen, als sie zur Band und zu den Instrumenten nachfragte. Zudem zeigte sich eine zumindest punktuelle Vertiefung der wechselseitigen Bezugnahme, da Melody sie nonverbal in eine auf gemeinsame Solidarisierung gegen Yaron gerichtete Kommunikation einbezog. Als Yaron eine Bemerkung zu den Mädchen machte, die diese nicht wirklich witzig fanden, notierte die Beobachterin folgendes: "Melody schaut mich an und verdreht die Augen, womit sie wohl auf Yarons Kommentar anspielt" (P3, Z.87). Durch den Einbezug in eine durch Augenverdrehen markierte Abgrenzung vom erwachsenen Coach wurde ihr der Status einer Gleichrangigen zugeschrieben, die solch eine Solidarisierung nicht nur verstehen kann, sondern der sie auch zukommt. Falls der Kontakt zwischen erwachsener Beobachterin und den Jugendlichen zu Beginn eventuell durch Machtungleichgewichte geprägt war, so scheinen diese im Verlauf der gemeinsamen Aktivitäten an Relevanz verloren zu haben. Auch Sloan wandte sich nicht nur in vertraulicher Manier an die Beobachterin, als sie den Eindruck hatte, sie könne eine bestimmte Bewegung nicht richtig ausführen, sondern sie nahm deren Hinweise bereitwillig an und korrigierte ihren Bewegungsablauf entsprechend. Der Beobachterin wurde, wie diese Passagen verdeutlichen, zum Teil bereits der Status einer vertrauten Insiderin zugeschrieben. [33]

Und etwas später wurde dieser Status sogar explizit bestätigt: Zwischen den Mädchen kommt es zu Spannungen bzw. Verstimmungen, die die Beobachterin nicht einschätzen kann, und sie bietet an, bei Bedarf den Raum zu verlassen, damit die Beteiligten Unklarheiten ungestört ausräumen können. Als sie dann einige Nachrichten auf ihrem Handy sieht, verlässt sie den Raum tatsächlich, um ein Telefonat zu führen. Als sie in den Raum zurückkehren will, kommt es zu folgenden Szenen:

"Mir kommt Melody entgegen und sagt, dass ich nicht rausgehen müsse. Sie scheint zu glauben, ich sei raus gegangen, weil ich zu stören glaubte. [...] Beim Reinkommen versichern mir alle, dass ich nicht stören würde und ich ruhig drin bleiben kann" (P3, Z.294). [34]

Obgleich der Forscherin während dieser Probe der Status einer Teilnehmerin bestätigt und die Erlaubnis erteilt worden war, an der internen Kommunikation teilzunehmen, fanden sich doch auch Hinweise auf fehlenden Zugang zu den sozialen Dimensionen des Geschehens. So fehlte ihr mitunter das Hintergrundwissen, um einer Konversation vollumfänglich folgen zu können: "Sie unterhalten sich über etwas, dessen Bezug mir entgeht" (P3, Z.119). In anderen Passagen zeigt sich die Verwunderung der Beobachterin darüber, wie gut die Mädchen übereinander informiert waren und wie sie aus – für sie selbst – versteckten Hinweisen wichtige Informationen zur Deutung eines bestimmten Geschehens ableiten konnten, das ihr selbst verschlossen blieb. [35]

Im Protokoll zur nächsten Bandprobe zeigt sich eine Herausforderung, der sich Beobachter*innen im Feld immer wieder ausgesetzt sehen und die auch Fragen im Hinblick auf den Zugang aufwirft: Vor Beginn der Probe teilte sich die Gruppe, und die Beobachterin schloss sich der Mehrheit an, wobei sie Tanya und Fannie aus den Augen verlor, die sie dann wieder in den Blick bekommen wollte.

"Da Tanya und Fannie auf der Strecke geblieben sind, gehe ich wieder raus und mache mich auf die Suche nach ihnen. Sie sitzen vor dem Zimmer mit dem Klavier und schauen gemeinsam auf das Display eines ihrer Handys. Jede der beiden hat einen Ohrhörer im Ohr. Sie scheinen sehr vertraut und ich traue mich nicht, die Zweisamkeit zu stören. So entscheide ich mich, mich mit etwas Abstand neben sie zu setzen" (P4, Z.41). [36]

In dieser Sequenz zeigt sich nicht nur die besondere Vertrautheit zweier Freundinnen, die bereits an anderer Stelle als Zugangsproblem für die Beobachterin wirksam geworden war. Es wird außerdem deutlich, dass die Entscheidung, den Zugang zu einer Teilgruppe zu suchen, bedeuten kann, den Zugang zu einer anderen Teilgruppe zumindest zwischenzeitlich aufzugeben. Vor allem in komplexen Feldern müssen Beobachter*innen beständig solche Entscheidungen treffen, die mitunter auch langfristige Folgen haben können, dann nämlich, wenn der Kontakt zu bestimmten Personen oder Teilfeldern sich als Hindernis für den Zugang zu anderen Personen erweist, z.B. weil sie sich in Konkurrenz zu diesen sehen. In der hier vorgestellten Beobachtungssequenz sind solche langfristigen Folgen nicht erkennbar, wie zum Ende der Probe deutlich wurde, als Tanya sich von der Beobachterin verabschiedete: "Sie kommt zu mir und umarmt mich zur Verabschiedung (was mich überrascht, aber auch freut)" (P4, Z.518). Auch im Vergleich zu der früheren, eher flüchtigen Verabschiedung Tanyas manifestiert sich an dieser Stelle eine neue Qualität des sozialen Zugangs. [37]

Im fünften Protokoll, wiederum eine Woche später, zeigen sich erneut Hinweise auf verschiedene der bereits skizzierten Dimensionen des Zugangs bzw. der Zugangsbarrieren. Gut ersichtlich wird dabei der Wechsel vom Beobachterinnen- zum Teilnehmerinnenstatus, durch den sich auch die Zugänge veränderten. Bei einigen Stücken, die an diesem Tag geprobt wurden, spielte die Beobachterin den Bass. In diesem Zusammenhang notiert sie folgende Szene:

"Heute bringe ich mich beim Refrain ein und sage, was ich die letzten Male schon gedacht habe, nämlich dass sich Tanya und Fannie eine einfache Choreografie einstudieren könnten, wenn sie singen 'Everybody look to the left – Everybody look to the right'. Mein Einwand stösst auf grosses Interesse und löst Übermut bei den Mädchen aus. Sie jubeln und Fannie bringt sogleich Vorschläge ein, wie sie es machen könnten" (P5, Z.502). [38]

Ihr Status als Teilnehmerin der Bandprobe, den sie an diesem Tag innehatte, ermöglichte es ihr, einen Gestaltungsvorschlag so wirkungsvoll einzubringen, dass er entsprechend umgesetzt wurde, während sie diesen Vorschlag eine Woche zuvor – als sie lediglich Beobachterin der Bandprobe gewesen war – gar nicht erst geäußert hatte. Zudem erfuhr sie in ihrer Rolle als Teilnehmerin Zuspruch und Anteilnahme durch eines der Mädchen. "Die Wechsel sind für mich nicht ganz einfach. Einmal schaut Sloan zu mir rüber und sagt: 'Gell der Bass ist voll schwierig!' Ich antworte ihr: 'Ja, vor allem die Wechsel, gell'" (P5, Z.528). Die Beobachterin als Teilnehmerin erhielt in dieser Szene nicht nur die Anteilnahme einer Leidensgenossin, sondern auch Zugang zur internen Kommunikation zwischen den Bandmitgliedern. Auch hier zeigt sich, dass es weniger ein einmal erreichter Zugang ist, der diesen auch in Zukunft ermöglicht, sondern dass es für den Zugang in jeder Situation jeweils spezifisch Möglichkeiten und Begrenzungen gibt. [39]

Eine Woche später waren wieder nur zwei Mädchen anwesend: Tanya und Fannie. Obwohl die Forscherin bei dieser Probe von Beginn an als Teilnehmerin an der Bandprobe beteiligt war, hatte sie zunächst nicht das Gefühl, wirklich eingebunden zu sein: Als es darum ging, welches Lied geprobt werden sollte, schlug die Forscherin vor, dass die beiden Mädchen erneut ihre Choreografie übten – ein Vorschlag, der eine Woche zuvor zu Interesse, Übermut und Jubel geführt hatte. Im Protokoll wird dazu ausgeführt: "Mein Vorschlag interessiert Tanya nicht. Sie will vielmehr ein neues Lied anfangen" (P6, Z.56). Etwas später notiert sie, dass die Sängerinnen mit ihr als Schlagzeugerin nicht kommunizierten und sie zog den Vergleich zu Proben, bei denen alle anwesend gewesen waren: "Als Bandmitglied fühle ich mich am ehesten, wenn alle dabei sind und ich mich mit den Mädchen, die Klavier oder Bass spielen, mit Gesten und Zeichen verständigen oder auch mal einen Wortwechsel austauschen kann" (P6, Z.309). [40]

Wie schon bei den Proben zuvor zeigte sich hier, dass der Zugang jedes Mal erneut ausgehandelt werden musste. Dabei half es nicht, dass der Forscherin früher bereits ein bestimmter Zugang gewährt worden war, und auch die Mittel, die einmal einen Zugang ermöglicht hatten, führten nicht unbedingt erneut zum Erfolg, wie man am Vorschlag zur Choreografie sieht: Bei der Sitzung konnte die Forscherin mit dem Vorschlag, ein Stück aufzunehmen und zu bearbeiten, den Zugang dann doch noch gewährleisten. Im Protokoll ist notiert: "Die Mädchen sind von meinem Vorschlag begeistert" (P6, Z.369) – und etwas später scheint auch die nonverbale Kommunikation während des Musizierens wieder gewährleistet, wenn es heißt: "Ab und zu lächeln sie mich an" (P6, Z.383). [41]

Ungeachtet des Eindrucks, dass die Forscherin bei dieser Probe sozialen Zugang zu den beiden Mädchen gefunden hatte, manifestierte sich am Ende der Probe, dass dieser Zugang nur begrenzt galt: "Ich frage sie, ob ich mal mit ihnen ins Schwimmbad gehen könne und ob sie bereit wären, an einem Interview teilzunehmen. Fannie stimmt zu. Tanya lenkt ab und beginnt wieder rumzuschreien" (P6, Z.478). Für Tanya schien sich der der Forscherin gewährte Zugang in dieser Situation auf die Kooperation beim gemeinsamen Musizieren zu beschränken, während sie ganz offenbar nicht bereit war, sich auf ein Interview einzulassen. Ein Interview wäre damit verbunden, sich mit der Forscherin in eine exklusive Kommunikationssituation zu begeben und sich auf ein verbindliches Gespräch einzulassen, was nicht nur für Tanya eine besondere Hürde darstellte. Zwei Wochen später reagierte Netta bei der Frage nach einem Interview ebenfalls zurückhaltend.

"Ich hake weiter nach und frage, ob wir einen Interviewtermin ausmachen können. Da Netta auf meine Frage nicht reagiert, frage ich sie, ob sie in den Ferien weg sei. Einsilbig bejaht sie. [...] Ich schlage vor, die Telefonnummern auszutauschen, sodass wir uns nach den Ferien verabreden können. Sie ist damit einverstanden, gibt mir ihre Nummer aber nicht sogleich, sondern erst als ich später während der Probe nochmals bei ihr nachfrage" (P8, Z.5). [42]

Es kann vermutet werden, dass die Aussicht auf ein Interview maßgeblich für die wenig begeisterte Reaktion verantwortlich war, da hierfür in einem vollen Terminkalender Zeit und Gelegenheit hätten gefunden werden müssen. Zudem fand am nächsten Tag das Konzert statt, nachdem die Band sich auflösen würde – möglicherweise ein ungünstiger Tag, um ein Gespräch zu vereinbaren, in dem es vor allem um diese Gruppe gegangen wäre. [43]

Im siebten Protokoll berichtete die Forscherin von neuen Erfahrungen. Nachdem Tanya und Fannie miteinander gestritten hatten, fragte sie Fannie nach diesem Vorfall und notierte dann: "[B]eginnt mir Fannie von einem Streit zu berichten, der sich am Morgen abgespielt hat. Es ist das erste Mal, dass sie mit mir länger spricht, und es überrascht mich, wie ausführlich sie zu erzählen beginnt" (P7, Z.92). Diese Einbindung in vertrauliche Vorgänge kann als Ausdruck der zunehmenden Etablierung der Forscherin als Teilnehmerin bei den Bandproben der Mädchengruppe gewertet werden. Dies brachte offenbar auch eine gewisse Verpflichtung mit sich, Informationen ihrerseits ebenfalls mit den Mädchen zu teilen, wie in folgender Passage deutlich wird.

"Tanya kommt zu mir geschlendert und fragt mich, was ich aufschreibe. Ich zeige ihr mein Notizbuch und lasse sie darin lesen. Während sie liest, frage ich mich, ob sie meine Schrift entziffern kann. Sie schaut interessiert auf die vollgeschriebenen Seiten. [...] Mir gegenüber hat sie gelächelt, als sie die Seiten überflogen hat, ansonsten aber nichts dazu gesagt" (P7, Z.200). [44]

Der Zugang, den die Forscherin zum Forschungsfeld erhielt, war offenbar mit einem Zugang verbunden, den sie selbst den Beforschten zu ihrer Verarbeitung ihrer Beobachtungen gewährte. Dies bereitete der Forscherin durchaus Kopfzerbrechen, wie sie etwas später notierte:

"Für mich wird die Stimmung immer komischer. Ich halte kurz inne und überlege mir, was ich tun soll, wenn Tanya oder sonst jemand der Band meine Notizen lesen möchte, in denen ich von der heutigen trüben Stimmung schreibe. Was ist, wenn die Leserin ganz anders empfindet als ich?" (P7, Z.229) [45]

Für die Forscherin schien der Zugang zu ihren Aufzeichnungen dann ein Problem zu sein, wenn es um die – von ihr als heikel eingeschätzte – Beurteilung der Stimmung an diesem Tag ging. Neben dem beschriebenen Motiv – die Möglichkeit, dass ihre Einschätzung nicht mit der einer Leserin übereinstimmt – kann vermutet werden, dass sie befürchtete, durch die Offenlegung ihrer Notizen eventuell zu tiefe Einblicke in eigene Wahrnehmungen und Bewertungen zu geben. Es scheint also so zu sein, dass alle Beteiligten, auch die Forscherin, sich beständig gut überlegen müssen, welche Zugänge sie gewähren und wo sie einen Zugang verweigern. [46]

5. Feldzugang als multidimensionale Herausforderung

Abschließend lässt sich festhalten, dass der Zugang zu einem Forschungsfeld für Forschende, die Beobachter*innen werden wollen, ein komplexer Prozess ist, der durch diverse Bedingungen sowie durch unterschiedlichen Ebenen des Zugangs geprägt ist. Der Zugang zu Jugendlichen als zu Beobachtende führt in der Regel über verschiedene erwachsene "Gatekeeper", die zunächst vom Sinn des Forschungsvorhabens und davon überzeugt werden müssen, dass die Jugendlichen nicht übermäßig beeinträchtigt werden. Während diese Schlüsselpersonen in der ersten Zugangsphase wichtig sind (BREIDENSTEIN et al. 2013; WHYTE 1996 [1943]; WOLFF 2013), verlieren sie mit zunehmender Aufenthaltsdauer im Feld, zumindest im hier untersuchten Kontext, ganz erheblich an Bedeutung. Die Forschenden sind daher zunehmend auf die eigenständige Gestaltung ihrer Beziehungen zum Feld angewiesen. Haben die erwachsenen Gatekeeper eine formelle oder informelle Bewilligung zum Feldzugang erteilt, müssen die Forschenden sich und ihr Vorhaben den Jugendlichen präsentieren und deren Zustimmung erfragen. [47]

Im Verhältnis zwischen erwachsenen Forschenden und Jugendlichen, deren Lebenswelten erforscht werden sollen, sind dabei bestimmte Macht- und Ungleichheitsverhältnisse zu berücksichtigen, die auch den Zugang strukturieren. Einerseits verfügen Jugendliche in einem Feld, das im weitesten Sinn als pädagogisch definiert werden kann, kaum über die Möglichkeit, Erwachsenen den Zugang zum Feld zu verwehren, sobald andere Erwachsene, die als Gatekeeper fungieren, diesem Zugang zugestimmt haben. Andererseits liegt es in der Macht der Jugendlichen, Zugänge für die Forschenden im Feld zu unterbinden, indem sie ihnen keine Informationen geben bzw. keine Einblicke gewähren oder nicht auf ihre Anfragen reagieren. Für Forschende sind die Zugänge zu jugendlichen Lebenswelten damit so wenig selbstverständlich wie die Kooperation von Insass*innen totaler Institutionen und von Schüler*innen vorausgesetzt werden kann, da sie durch widerständige Kommunikation unterlaufen werden kann (GOFFMAN 1973 [1961]; WILLIS 1982 [1977]). [48]

Dabei kann, wie im oben skizzierten Fall, von einer vorgängig erteilten grundsätzlichen Einwilligung und deren Bestätigung bzw. Aktualisierung in einer konkreten Face-to-Face-Situation unterschieden werden, wobei die erstere die letztere noch nicht garantiert. Da sich die Felder, in denen Jugendliche beobachtet werden, mitunter durch hohe personelle Fluktuation auszeichnen, kann außerdem nicht davon ausgegangen werden, dass das einmalige Einholen solch einer Zustimmung ausreicht, sondern dass zuvor Abwesende später ebenfalls ihr Einverständnis erklären müssen. [49]

Vor diesem Hintergrund hat sich bestätigt, dass der Zugang zum Feld und zu seinen Informationen für die Forschenden während ihres Feldaufenthaltes eine ständige Aufgabe bleibt (WAHL et al. 1982; WOLFF 2013), auch weil Bedingungen und Konstellationen sich dauernd verändern und Zugänge daher ständig neu ausgehandelt und hergestellt werden müssen. So wird der Zugang in Abhängigkeit vom Status der Forschenden – z.B. als nicht-teilnehmende Beobachtende, als teilnehmende Beobachtende oder als beobachtende Teilnehmende (LAMNEK 2005) – unterschiedlich gestaltet und mit unterschiedlichen Graden der Informiertheit, Mitwirkung sowie der körperlichen Involviertheit (WACQUANT 2010 [2001]) verbunden. Die Abstufungen sind dabei wesentlich differenzierter und subtiler als in der Fachliteratur beschrieben, d.h., es geht nicht nur um die Unterscheidung zwischen Beobachtenden und akzeptierten Mitgliedern (LAMNEK 2005), sondern um fein abgestufte Zugänge zu Informationen auf verschiedenen Ebenen. Und nicht immer garantiert ein zuvor erteiltes Einverständnis oder ein einmal erreichter Teilnahmestatus einen bestimmten Zugang. In Abhängigkeit von den jeweils relevanten Interessen und Konstellationen variieren die jeweiligen Zugangsmöglichkeiten, und die Beobachtenden sind mitunter mit plötzlich wechselnden Bedingungen konfrontiert, wobei bereits etablierte Zugänge später wieder verschlossen sein können. Zudem ist in Rechnung zu stellen, dass sich im Feld verschiedene Untergruppen entwickeln können, wobei der Zugang zu nur einer dieser Gruppen möglich ist (wenn sie sich z.B. in verschiedenen Räumen aufhalten) bzw. der Zugang zu einer Gruppe den Zugang zu einer anderen verschließt (z.B. weil sie in Konkurrenz zueinander stehen). Zu berücksichtigen ist schließlich die Frage, wozu jeweils Zugang gewährt wird: Die Rekonstruktion der in diesem Fall relevanten Zugangsprozesse hat beispielsweise die Vermutung genährt, dass der Zugang jeweils nur für Beobachtungen in einem Kontext eröffnet wird (z.B. im Probenraum, nicht jedoch in der "Badi", d.h. im Schwimmbad) und dass der Zugang zu einem Interview durch den Zugang zu einer Beobachtungssituation noch nicht gesichert ist. Dies macht deutlich, dass Zugänge jeweils nur für ganz spezifische Kontexte, Zeiträume und Erhebungsmethoden gültig sind. [50]

Außerdem lassen sich unterschiedliche Ebenen unterscheiden, auf denen Zugang gewährt werden kann oder Zugangsbarrieren vorgefunden werden können. Der räumliche Zugang zu einem Feld – in der Fachdiskussion mitunter als "getting in" bezeichnet (WOLFF 2013, S.340) –, Möglichkeiten optischer oder akustischer Zugänge sowie der soziale Zugang zu den Beteiligten – auch "getting on" genannt (a.a.O.) –, sind Dimensionen, die hier relevant erscheinen und die häufig miteinander verbunden sind. In Hinblick auf den sozialen Zugang hat sich angedeutet, dass es neben einer Begrüßung bzw. Vorstellung als Grundvoraussetzung des Informationsaustauschs je nach Qualität der jeweiligen sozialen Beziehungen fein abgestufte Grade der Bereitschaft gibt, intimere Informationen mit Akteur*innen im Feld, u.a. mit der Beobachterin zu teilen. Allerdings stehen auch Beobachter*innen vor der Herausforderung zu entscheiden, inwieweit sie Zugang gewähren z.B. zu ihren Protokollen und Überlegungen. Diesbezüglich stellen sich nicht nur Fragen der Reziprozität, sondern es ist auch zu klären, was solche Zugänge für den Kontext der Beobachtung bedeuten. [51]

Wenn man den Zugang zu einem Forschungsfeld nicht als einmalige Aufgabe, sondern als ständige Herausforderung ansieht, die immer wieder zu bewältigen ist, dann stellt sich die Frage, welche Bedingungen dazu beitragen, diesen Zugang zu gewährleisten. Die skizzierten Zugangsprozesse geben Hinweise zu solchen Bedingungen. Die Beobachterin hat sich einerseits um einen persönlichen Zugang zu den Akteur*innen im Feld bemüht und sich auf die Beteiligten und ihre Situation eingelassen. Andererseits hat sie Ressourcen und Anregungen beigetragen, und sie hat die Bandproben durch ihre Mitwirkung ganz konkret und wirkungsvoll unterstützt. Auf diese Weise waren zwei Aspekte gewährleistet, die auch im Kontext der Untersuchung von WAHL et al. (1982) als Bedingungen der Forschungsinteraktion genannt werden: Im Verlauf der Forschungsinteraktion hat sich eine persönliche Beziehung zwischen den Beteiligten entwickelt, und für die Beforschten hatten die Beiträge der Forschenden einen konkreten Gebrauchswert. Die Funktionalität der Forschenden in einem Feld geht zumindest tendenziell mit einem Wechsel in die Rolle von Teilnehmenden einher, was für die Forschung mit zusätzlichen Erkenntnismöglichkeiten verbunden ist. Allerdings stellt dieser Statuswechsel insofern eine Herausforderung für die Forschung dar, als die damit verbundenen Eingrenzungen des Blickwinkels und die sich dabei möglicherweise entwickelnden Alltagsinteressen – im hier diskutierten Fall z.B. das Interesse an einer guten Performance der Band – offengelegt und reflektiert werden sollten. [52]

Vor diesem Hintergrund erscheint es notwendig, sich diese verschiedenen Schritte, Bedingungen und Ebenen des Zugangs zu einem Beobachtungsfeld bewusst zu machen, um den Forschungsprozess planen sowie Potenziale und Hindernisse erkennen und reflektieren zu können. Darüber hinaus kann durch solch eine Reflexion die Qualität der generierten Erkenntnisse in den Blick genommen werden. Angesichts der komplexen Prozesse, in denen Feldzugänge auf verschiedenen Ebenen hergestellt, ständig aktualisiert und dabei in Abhängigkeit vom Status der Forschenden und vom jeweiligen Kontext variiert werden müssen, ergeben sich erkenntnistheoretische Schlussfolgerungen. Ethnografisch generierte Erkenntnisse sind in verschiedener Hinsicht fragil, da Ethnograf*innen nicht nur über vergleichsweise große Beweglichkeit und Freiheit im Zugang zu einem Feld verfügen (AMANN & HIRSCHAUER 1997), sondern durch die Möglichkeit verwehrter Zugänge auch in ganz eigener Weise verletzlich sind. Hinzu kommt, dass Erkenntnisse in jeder Situation unter ganz spezifischen Bedingungen generiert werden, die sich immer wieder ändern: in Abhängigkeit von den jeweils Anwesenden und in Abhängigkeit von ihrem aktuellen Verhältnis zueinander sowie von dem, wozu Forschenden jeweils gerade Zugang gewährt wird. Auf diese Weise erhalten wir keine einfachen und eindeutigen Erkenntnisse, aber solche, die vielfältige und facettenreiche Perspektiven auf komplexe soziale Zusammenhänge ermöglichen. [53]

Dadurch wird das hohe Erkenntnispotenzial deutlich, das Feldzugänge bergen (vgl. u.a. LEMPP et al. 2018; WOLFF 2013): Erkenntnisse, so könnte man sagen, werden nicht nur im Feld generiert, sondern auch auf dem Weg ins Feld (und vermutlich auch auf dem Weg aus dem Feld heraus). Dies hängt damit zusammen, dass Versuche des Feldzugangs durch Forschende im Feld Fragen, Irritationen und Krisen auslösen können, die zur Explizierung von Regeln beitragen, die sonst implizit bleiben – ganz im Sinne eines ethnomethodologischen Krisenexperimentes (GARFINKEL 1967). Und auch die Forschenden erleben bei Zugangsversuchen Irritationen bzw. kleine Krisen, denen im ethnografischen Erkenntnisprozess besonderes Potenzial zugerechnet wird (BREIDENSTEIN et al. 2013). Man könnte das Geschehen im Zusammenhang des Feldzugangs damit auch als Teil des Hintergrundwissens (a.a.O.) der Forschenden verstehen, das den Erkenntnisprozess mitbestimmt, aber oft unerkannt bleibt (MRUCK & BREUER 2003). Die Reflexion des Feldzugangs bietet demnach die Chance, dieses Hintergrundwissen für die Analyse fruchtbar zu machen. [54]

Anschlussfähig erscheinen diese Überlegungen zum Feldzugang an Konzepte der Alltagssoziologie, in der man eher auf eine Befremdung des Vertrauten setzt (AMANN & HIRSCHAUER 1997). Die Reflexion der vielfältigen Aspekte, die mit Feldzugängen verbunden sind, stellt eine Möglichkeit zur Infragestellung des scheinbar Selbstverständlichen dar und kann in diesem Sinne als Erkenntnismittel eingesetzt werden. Demgegenüber erscheint ein Verstehen fremder Lebenswelten, wie es durch ethnologische Kulturanalysen angestrebt (vgl. MALINOWSKI 1979 [1922]) wird, angesichts dieser Ergebnisse kaum möglich. Weder können Forschende einfach zum Bestandteil der erforschten Lebenswelten werden, noch können sie auf diese Weise mit dem Fremden vertraut werden, wenn sie sich ihr beständiges Ringen mit Zugangsfragen bewusst machen. [55]

Anmerkungen

1) Das Projekt wird seit 2018 am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Zürich durchgeführt und durch den Schweizerischen Nationalfonds (SNF) finanziell unterstützt. In dem Projekt sind Giovanna HARTMANN SCHAELLI und Silke JAKOB als wissenschaftliche Mitarbeiterinnen tätig, die Projektleitung liegt bei Peter RIEKER. <zurück>

2) Wir schreiben in diesem Beitrag nur von "der Forscherin", d.h. wir nennen nicht ihren Namen. Wir haben so entschieden, da sich ethnografisch Forschende als Personen besonders exponieren und wir dazu beitragen möchten, dass sich Diskussionen nicht auf die Person, sondern auf das Agieren als Forschende beziehen. <zurück>

3) Bei allen Namen aus dem Untersuchungsfeld handelt es sich um Pseudonyme. <zurück>

4) Im Folgenden werden Zitate und Verweise aus unserer Untersuchung präsentiert, wobei in Klammern jeweils angegeben wird, auf welches Protokoll Bezug genommen wird. Die Angaben beziehen sich auf die Protokollnummer sowie die Zeilennummer im jeweiligen Protokoll. <zurück>

5) Pseudonymisierter Name der Forscherin. <zurück>

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Zu dem Autor und den Autorinnen

Peter RIEKER leitet den Lehrstuhl für Ausserschulische Bildung und Erziehung am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Zürich. Er forscht zu Kindheit und Jugend, zu abweichendem Verhalten und Extremismus sowie zu politischer Partizipation, Migration und interethnische Beziehungen. Zudem arbeitet er zu Methoden der qualitativen Sozialforschung und zu multimethodischer Forschung.

Kontakt:

Prof. Dr. Peter Rieker

Institut für Erziehungswissenschaft
Universität Zürich
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CH-8032 Zürich

Tel.: +41 44 634 45 61

E-Mail: prieker@ife.uzh.ch
URL: https://www.ife.uzh.ch/de/research/abe/mitarbeitende2/riekerpeter.html

 

Giovanna HARTMANN SCHAELLI, Doktorandin und Projektmitarbeiterin, arbeitet im SNF-Projekt "Peerspezifische Sozialisationsprozesse im Jugendalter" am Lehrstuhl für Ausserschulische Bildung und Erziehung am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Zürich. Ihre Forschungsinteressen liegen in den Bereichen Jugend-, Sozialisations-, Peer- und Freundschaftsforschung sowie der qualitativen Sozialforschung und der sozialen Netzwerkforschung.

Kontakt:

Giovanna Hartmann Schaelli

Institut für Erziehungswissenschaft
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E-Mail: giovanna.schaelli@ife.uzh.ch
URL: https://www.ife.uzh.ch/de/research/abe/mitarbeitende2/schaelligiovanna.html

Silke JAKOB, Dr. phil., Projektmitarbeiterin im SNF-Projekt "Peerspezifische Sozialisationsprozesse im Jugendalter" am Lehrstuhl für Ausserschulische Bildung und Erziehung am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Zürich. Ihre bisherigen Forschungstätigkeiten sind in den Bereichen der Partizipations- und Engagementforschung, der Kinderrechte, Jugendforschung und der Peerforschung verortet. Weitere Forschungsinteressen sind zudem Forschungsethik, Inklusion und Diversity sowie international vergleichende Forschung.

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Dr. Silke Jakob

Institut für Erziehungswissenschaft
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URL: https://www.ife.uzh.ch/de/research/abe/mitarbeitende2/jakobsilke.html

Zitation

Rieker, Peter; Hartmann Schaelli, Giovanna & Jakob, Silke (2020). Zugang ist nicht gleich Zugang – Verläufe, Bedingungen und Ebenen des Feldzugangs in ethnografischen Forschungen [55 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 21(2), Art. 19, http://dx.doi.org/10.17169/fqs-21.2.3353.



Copyright (c) 2020 Peter Rieker, Giovanna Hartmann Schaelli, Silke Jakob

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