Volume 9, No. 1, Art. 33 – Januar 2008

Tagungsbericht:

Ulrike Loch & Silke-Birgitta Gahleitner

Quo vadis Rekonstruktive Sozialarbeitsforschung? Traditionen – Standortbestimmung – Perspektiven. Berlin, 23.-24. März 2007 an der Alice-Salomon-Fachhochschule Berlin, Organisiert von Ingrid Miethe (EFH Darmstadt), Cornelia Giebeler (FH Bielefeld), Ulrike Loch (Universität Kassel), Heidrun Schulze (FH Wiesbaden), Silke Birgitta Gahleitner und Bettina Völter (ASFH Berlin)

Zusammenfassung: Der Tagungsbericht gibt einen Überblick über die 3. Jahrestagung des Netzwerkes "Rekonstruktive Sozialarbeitsforschung und Biographie" vom 23.-24. März 2007 an der Alice-Salomon-Fachhochschule Berlin. Ziel der diesjährigen Jahrestagung war es, den momentanen Stand der Sozialarbeitsforschung, die aktuelle Forschungssituation an verschiedenen Hochschulen in Deutschland und den Diskurs der Fachdisziplin über rekonstruktive Soziale Arbeit festzuhalten, um in einem nächsten Schritt über einen intensiven Austausch die Vernetzung mit KollegInnen voranzutreiben und konkrete gemeinsame Arbeitsformen und Strategien für die weitere Etablierung der rekonstruktiven Sozialarbeitsforschung in der Bundesrepublik zu entwickeln. Die Vorträge widmeten sich insbesondere dem Status quo, die Workshops arbeiteten zu den Themen internationale Vernetzung, forschendes Lernen, wissenschaftlicher Nachwuchs, Drittmittelförderung und rekonstruktive Soziale Arbeit in den neuen Bachelor- und Masterstudiengängen. Ca. 40 TeilnehmerInnen kamen zusammen und setzten zukunftsweisende Impulse für die qualitative Forschung in der Sozialen Arbeit sowie für die Arbeit und Struktur des Netzwerkes.

Keywords: Soziale Arbeit, qualitative Forschung, Forschungsmethoden, Tagung, Vernetzung.

Inhaltsverzeichnis

1. Überblick

2. Grußwort: Alice-Salomon-Fachhochschule Berlin (Christine LABONTÉ-ROSET)

3. Status quo

3.1 Keynote: Forschung und Soziale Arbeit (Albert MÜHLUM, FH Heidelberg)

3.2 Institutionalisierte Forschung an Hochschulen für angewandte Forschung: Die "Kontaktstelle für Praxisorientierte Forschung"

3.3 Workshops

4. "Visionsphase"

5. "Realisierungsphase"

6. Schlussfolgerungen

Anhang: Tagungsprogramm

Anmerkungen

Literatur

Zu den Autorinnen

Zitation

 

1. Überblick

Das Netzwerk Rekonstruktive Sozialarbeitsforschung und Biographie geht zurück auf die 2002 in Bamberg durchgeführte Jahrestagung der Sektion Biographieforschung in der Deutschen Gesellschaft für Soziologie. Das Thema der damaligen Tagung war "Analyse, (Selbst-) Reflexion und Gestaltung professioneller Arbeit – Beitrag der sozialwissenschaftlichen Biographieforschung und anderer interpretativer Forschungsansätze". Auf Initiative von Cornelia GIEBELER (FH Bielefeld) vernetzten sich Lehrende, Forschende und PraktikerInnen der Sozialen Arbeit. Es bildete sich eine Koordinierungsgruppe, die die ersten Tagungen des neu gegründeten Netzwerkes in Bielefeld (2004) und Darmstadt (2006) durchführte. [1]

Ziel des Netzwerkes ist die weitere Etablierung von qualitativen Methoden und Methodologien in der Lehre, Forschung und Praxis Sozialer Arbeit. Die Chancen qualitativer Verfahren liegen für die Soziale Arbeit (a) in der Qualifizierung für Grundlagenforschung und gegenstandsbezogene, praxisorientierte Forschung; (b) der Weiterentwicklung der Handlungsmethoden der Sozialen Arbeit sowohl in Bezug auf die Einzelfall- und Gruppenarbeit als auch in Bezug auf das Gemeinwesen sowie (c) der Bereitstellung weiterer Methoden zur Selbstreflexion und Selbstevaluation. Der Schwerpunkt des Netzwerkes liegt dabei auf Forschungsaktivitäten, d.h. auf der Entwicklung und Förderung einer breiten Forschungslandschaft in der Sozialen Arbeit und deren Repräsentation in Publikationen sowie auf der dazu notwendigen Öffentlichkeitsarbeit. [2]

Im fünften Jahr des Bestehens des Netzwerkes stand auf der diesjährigen Jahrestagung das Netzwerk selbst im Mittelpunkt. Es ging dabei sowohl um die Reflexion von Vergangenheit und Gegenwart als auch um den Entwurf zukünftiger Entwicklungsmöglichkeiten. Aus diesem Grund wurde das Tagungsprogramm (siehe Anhang) analog der Phasen von Zukunftswerkstätten1) gestaltet, d.h. es fand zunächst eine Phase zur Erhebung des Status quo statt, gefolgt von einer "Fantasiephase" und abschließend einer "Realisierungseinheit". Anliegen der Tagung war es, den Ist-Zustand und die weitere Entwicklung der rekonstruktiven Sozialen Arbeit ausführlich zu beleuchten. Aus diesem Grunde widmeten sich das Grußwort, die Vorträge und sämtliche Workshops ausschließlich der engeren Thematik der Relevanz qualitativer Forschung in der Sozialen Arbeit. [3]

Zunächst wurde der aktuelle Stand der (rekonstruktiven bzw. qualitativen) Sozialarbeitsforschung an verschiedenen Hochschulen in der Bundesrepublik Deutschland sowie innerhalb der Fachdisziplin auf der Basis der Veröffentlichungslandschaft zu Forschungen in der Sozialen Arbeit und von Lehrerfahrungen in Forschungswerkstätten "erhoben". Gradmesser waren hierbei die Etablierung von (qualitativen) Forschungsmodulen in den neuen BA- und MA-Studiengängen, laufende Drittmittelprojekte, Publikationen innerhalb und außerhalb des Netzwerks und bereits eingerichtete oder geplante Forschungskolloquien; außerdem diskutiert wurden Fragen der Forschungsförderung. Nach einer Fantasiephase, die durch eine musikalische Einlage und theaterpädagogische Übungen angeregt und unterstützt wurde, standen am Ende der Tagung die Neuorganisation des Netzwerkes sowie Entscheidungen zur weiteren inhaltlichen Ausrichtung und über fachliche Ziele des Netzwerkes. [4]

2. Grußwort: Alice-Salomon-Fachhochschule Berlin (Christine LABONTÉ-ROSET)

In ihrem Grußwort entwarf Christine LABONTÉ-ROSET ein Plädoyer für eine Ausrichtung der Sozialarbeitsforschung an internationalen Standards. Sie plädierte für die weitere Orientierung der Sozialen Arbeit an den Erfahrungen derjenigen Länder, in denen die Akademisierung der Sozialen Arbeit historisch gewachsen ist, Sozialarbeitsforschung einen festen Faktor für die Theoriebildung darstellt und die über ein eigenes selbstverständliches Promotionsrecht für Soziale Arbeit verfügen. Dazu gehören 13 Länder, so zum Beispiel die USA, England, Skandinavien, Australien und Italien. Mit Jane ADAMS und Alice SALOMON benannte sie zwei bedeutende Pionierinnen der Sozialarbeit, die bereits von Beginn an Forschung als ein zentrales Element der Voraussetzungen guter Praxis eingefordert hatten (LABONTÉ-ROSET 2005). [5]

Bisher kann in neun EU-Staaten in Sozialer Arbeit promoviert werden. Als Europa übergreifendes Beispiel wies Christine LABONTÉ-ROSET auf das Kooperationsprojekt der ASFH mit der Universität Ljubljana und einigen anderen europäischen Hochschulen hin, welches die Möglichkeit des Promotionserwerbes in der Sozialen Arbeit für PromovendInnen aus Deutschland eröffnet. In Deutschland finden erste aussichtsreiche Versuche der Einführung des Promotionsrechtes an Fachhochschulen statt, so beispielsweise in Hamburg. Zahlreiche Graduiertenkollegs an verschiedenen Hochschulen Sozialer Arbeit haben hier bereits Pionierarbeit geleistet. [6]

Jedoch fehlt es an den Fachhochschulen bzw. Hochschulen für angewandte Forschung nach wie vor an der angemessenen Bereitstellung von Ressourcen für Forschung und Publikationstätigkeit. Christine LABONTÉ-ROSET betonte entsprechend, dass es neben der strukturellen Förderung auch immer wesentlich des Engagements der einzelnen Hochschulen bedürfe, mehr Ressourcen für Forschung bereitzustellen und so Forschungs- und Publikationstätigkeiten maßgeblich zu unterstützen. Auch wenn die Transdisziplinarität der Sozialen Arbeit ihre Verortung im Kanon der Wissenschaftsdisziplinen nicht einfach macht, stellt sie auch eine Chance dar, auf einer breiten Ebene (praxisnahe) Forschung anzuregen. Der Bologna-Prozess stellt hier neben vielen schwierigen Aspekten auch eine bedeutende Chance dar, Hochschulen für angewandte Forschung in Zukunft besser in der Forschung zu verorten. [7]

Möglich sind Wege der Forschungsförderung durch leistungsbezogene Mittelzuwendungen, die in Berlin z.B. in Abhängigkeit von Drittmitteleinwerbung und Publikationen der Fachbereiche vergeben werden. Dies bedeutet jedoch, dass es in der Konkurrenz der Hochschulen um öffentliche Mittel der vorderen Rankingplätze bedarf, um an Fachhochschulen den Freiraum für Forschungstätigkeiten in der Sozialen Arbeit auf einem breiten Fundament etablieren zu können; denn ein Drittel der Hochschulmittel werden abhängig von den Rankingplätzen vergeben. In EU-geförderten Projekten z. B. werden immer wieder zahlreiche Hochschulen für angewandte Forschung für Forschungskooperationen gesucht. Auch wenn der Status quo nach wie vor zu wünschen übrig lässt – die Entwicklungschancen stehen laut Christine LABONTÉ-ROSET keineswegs schlecht. [8]

3. Status quo

3.1 Keynote: Forschung und Soziale Arbeit (Albert MÜHLUM, FH Heidelberg)

Theorie und Praxis stehen, so MÜHLUM in seiner Keynote, in einer eigentümlichen Wechselbeziehung. Fokussiert auf die Soziale Arbeit ist genauer von Sozialarbeitspraxis (SAP), Sozialarbeitsforschung (SAF), Sozialarbeitslehre (SAL) und Sozialarbeitswissenschaft (SAW) auszugehen und deren Verhältnis zueinander zu bestimmen. In diesem Beziehungsgeflecht gewinnt die Sozialarbeitsforschung – endlich – an Bedeutung. Sie wird geleitet vom Erkenntnisinteresse, von vermuteten Zusammenhängen und vorgängigen Theorien. In jedem Fall hat sie mit Fragen zu tun, mit einem kritischen Hinschauen und Hinhören, mit Interesse am Menschen und dem Antrieb, mehr und genauer wissen und besser verstehen zu wollen. Wer dies nicht will, hat nach Albert MÜHLUM in der Sozialen Arbeit nichts zu suchen (im doppelten Sinne). Wer es aber will, braucht Forschungskompetenz. In dieser Hinsicht habe die Ausbildung schlicht versagt, d.h. viele Fachhochschulen hätten nicht verstanden, dass ihre Nähe zur Praxis Chance und Verpflichtung zugleich ist: z.B. per Forschung Nutzen zu stiften, Profil zu gewinnen, Theorie zu schärfen. Jedenfalls könne die Soziale Arbeit weder auf eigene Theorie, noch auf Forschung verzichten, weil die Nachbardisziplinen ihrer eigenen Logik folgen und den Fokus Sozialer Arbeit leicht verfehlen. [9]

Eine Weisheit der Dakotas sagt: "Wenn Du ein totes Pferd reitest, steig ab". Professionelle würden dies, so MÜHLUM, "differenzierter" sehen: MedizinerInnen würden z.B. über den Todeszeitpunkt streiten, die Kriterien für den Tod eines Pferdes ändern, KollegInnen verantwortlich machen oder Pferd und/oder Reiter in die Pathologie oder in die Psychiatrie bringen. SozialpädagogInnen dagegen würden diskutieren, ob ein Pferd so tot sein kann, dass es nicht mehr zu reiten ist, mehrere tote Pferde zusammenschirren, Qualitätsstandards für den Beritt toter Pferde entwickeln, Motivationskurse für tote Pferde und/oder ihre ReiterInnen bieten oder eine Selbsthilfegruppe für Tote-Pferde-ReiterInnen gründen. Wird an die Stelle von Reiter und Pferd "SozialarbeiterIn und soziales Problem" oder "KlientIn und Umfeld" gesetzt, ergeben sich anschauliche und durchaus ernsthafte Forschungsperspektiven. [10]

Die berufliche Praxis der Sozialen Arbeit ist äußerst vielgestaltig, kaum überblickbar und entzieht sich allen Versuchen einer kompletten Beschreibung. Reflektiertes Wissen muss eigenständig, kontextangemessen und kreativ in berufliches Handeln umgesetzt werden: zur Verbesserung des Verhaltens und der Verhältnisse, so Albert MÜHLUM (2005). SozialpraktikerInnen – als ExpertInnen in eigener Sache und für die Entwicklung der Profession und der Disziplin mit verantwortlich – sowie ForscherInnen und Lehrende sollen dazu in fachlicher und ethischer Hinsicht ihren Beitrag leisten. Wie dies gelehrt und gelernt werden kann, ist die Schlüsselfrage der Sozialarbeitslehre. Professionalität setzt voraus, dass PraktikerInnen ihr Handeln "theoretisch" reflektieren und Theorien "praktisch" nutzen. Die Ausbildung leistet auch dies bisher nach Albert MÜHLUM nur bedingt. [11]

Der Bolognaprozess könnte eine Chance sein, das bisherige Patchwork der bezugwissenschaftlichen Beiträge zu überwinden und die Ausbildung auf Soziale Arbeit zu fokussieren. Vielleicht, so Albert MÜHLUM, wurde zu lange der metatheoretische Diskurs gepflegt und über die Notwendigkeit dieser Disziplin debattiert – statt auf Praxisrelevanz zu achten. Und vielleicht wurde sie als klassische Einzelwissenschaft missverstanden, statt die Nutzung und Übersetzung des Wissens aller an der Lehre beteiligten Disziplinen zur Querschnittsaufgabe zu machen. [12]

Transdisziplinarität könnte anstelle eines Mankos als Chance aufgefasst werden und Sozialarbeitswissenschaft zu einem Wissenschaftsmodell der Zukunft werden lassen. Denn: "Sozialarbeit verfügt über einen Fundus an Wissen, das unterschiedlichen Reflexionsgraden und Theorieanforderungen entspricht. 'Praxistheorien' bilden mit ihren Perspektiven und Erkenntnissen den Rahmen der Sozialarbeitslehre, die ... als 'Kunstlehre' für die Ausbildung zuständig ist" (MÜHLUM 2005, S.32). Forschung kommt noch zu kurz, gewinnt aber an Bedeutung – und könnte von der rekonstruktiven Sozialarbeitsforschung und Methodenvielfalt profitieren. [13]

Als Fazit formulierte Albert MÜHLUM: Die Sozialarbeitsforschung ist Erfolg versprechend, (a) weil sie Wissen über und Verständnis für psychosoziale Probleme generiert, (b) weil sie dazu beiträgt, Strategien zu entwickeln und wirksamer – effektiv sowie effizient – zu handeln und dies empirisch zu belegen, (c) weil sie situationsspezifisch und zielgruppengenau in der Lebenswelt ansetzt und (d) weil sie Teil professioneller Praxis ist und vor Ort von SozialarbeiterInnen benötigt und unterstützt wird. [14]

In der Summe war der Beitrag von MÜHLUM also ein Plädoyer für Forschungsinteresse, Forschungsbefähigung und Forschungspraxis, wofür forschendes Lernen und lehrendes Forschen im Studium als ebenso wichtig betrachtet wird wie eine lebendige Scientific Community und eine effektive Forschungsinfrastruktur. [15]

3.2 Institutionalisierte Forschung an Hochschulen für angewandte Forschung: Die "Kontaktstelle für Praxisorientierte Forschung"

Die "Kontaktstelle für praxisorientierte Forschung" in Freiburg besteht seit 22 Jahren und ist das größte Forschungsinstitut im Bereich Sozialer Arbeit an einer Fachhochschule in Deutschland. Sie ist ein Forschungsinstitut, das der Evangelischen Fachhochschule Freiburg angegliedert ist, jedoch in der Rechtsform eines eigenständigen eingetragenen Vereins geführt wird. Unter dem Dach des Instituts sind vielfältige Aktivitäten der Grundlagen- und Anwendungsforschung und der Projektevaluation zusammengefasst. [16]

Das Institut hat mittlerweile 35 hauptamtliche MitarbeiterInnen, die sich etwa 24 Vollzeitstellen teilen und einen Umsatz von etwa 2,5 Millionen pro Jahr "produzieren". Die Projekte sind von unterschiedlichen Kostenträgern finanziert, einige über Stiftungen, andere über Ministerien, Kommunen, Trägerverbände etc. Auch EU-Projekte sind in Planung. Inhaltlich ist die Forschung in relativ locker nebeneinander bestehenden Projekten bzw. "Abteilungen" organisiert, für die jeweils einzelnen ProfessorInnen die Leitung obliegt (z.B. das Zentrum für Kinder- und Jugendforschung unter der Leitung von Klaus FRÖHLICH-GILDHOFF, das Sozialwissenschaftliche Frauenforschungsinstitut unter der Leitung von Cornelia HELFFERICH, das Zentrum für zivilgesellschaftliche Entwicklung und die Arbeitsgemeinschaft Gerontologie und Pflege unter der Leitung von Thomas KLIE und der Bereich Stadt- und Wohnumfeldentwicklung unter der Leitung von Konrad MAIER). Daneben gibt es eine Reihe von Einzelaktivitäten einzelner HochschullehrerInnen. [17]

Verwaltung und Abrechnung sind zentralisiert und werden von allen Projekten anteilig übernommen. Regelmäßig finden Vernetzungsaktivitäten zwischen den Abteilungen/Projekten statt, zu denen auch Fortbildungen, Tagungen, Know-how-Transfer gehören. Das Institut machte in der Vorstellung durch Cornelia HELFFERICH einen äußerst lebendigen Eindruck und regt zur Nachahmung für andere Hochschulen an. [18]

3.3 Workshops

Auf der Tagung standen fünf Panels zur Auswahl: "Internationales", "Forschendes Lernen", "Wissenschaftlicher Nachwuchs", "Drittmittelförderung" und "Rekonstruktive Soziale Arbeit im BA und MA". Den Panel "Internationales" moderierten Gaby LENZ (FH Kiel), Christine LABONTÉ-ROSET (ASFH Berlin) und Cornelia GIEBELER (FH Bielefeld) zu den Themen: Chancen des Bologna-Prozesses, Organisationen internationaler Sozialer Arbeit und Auslandserfahrungen als Lehrforschungsprojekt für Studierende am Beispiel Südamerika. [19]

Panel II mit dem Titel "Forschendes Lernen" widmete sich – moderiert von Ulrike LOCH (Universität Kassel) und mit den TeilnehmerInnen Johannes STEHR (EFH Darmstadt), Rudolf SCHMITT (Hochschule Zittau-Görlitz), Jutta MÜLLER (Hochschule Harz) und Hanna BENEKER (FH Bielefeld) – dem Forschenden Lernen und seiner Bedeutung in modularisierten Studiengängen sowie den Potenzialen von Forschungswerkstätten. [20]

Panel III befasste sich – moderiert von Heidrun SCHULZE (FH Wiesbaden) – mit dem wissenschaftlichen Nachwuchs; Beitragende waren Gerhard RIEMANN (Universität Bamberg), Klaus KRAIMER (Kath. Hochschule für Soziale Arbeit Saarbrücken) und Peter CLOOS (Universität Kassel). Im Zentrum des Interesses standen PromovendInnen, Postdoktorand/innen und Kolloquien als fördernde Maßnahmen für junge WissenschaftlerInnen. [21]

Die Drittmittelförderung wurde in Panel IV beleuchtet; Moderatorin war Monika MÜLLER (Universität Bamberg). Ingrid MIETHE (EFH Darmstadt) berichtete über DFG-Forschung an Fachhochschulen und Harry HERMANNS (FH Potsdam) über das Einwerben von Bundesmitteln am Beispiel eines E-Learning-Projektes. [22]

Forschung hat gerade im Bereich Sozialer Arbeit auch immer Auswirkungen auf Methoden der Intervention. In Panel V "Rekonstruktive Soziale Arbeit im BA und MA" diskutierten – moderiert von Regina RÄTZ-HEINISCH (ASFH Berlin) – Elke SCHIMPF (EFH Darmstadt), Hedwig GRIESEHOP (ASFH Berlin), Birgit GRIESE (Universität Mainz) und Andreas HANSES (TU Dresden) die Entwicklungen an den verschiedenen Standorten. [23]

Wie während der früheren Tagungen des Netzwerkes hatten auch 2007 die Arbeitsgruppen besonders großen Zulauf, die sich mit forschendem Lernen, Nachwuchsförderung und mit der Verankerung der rekonstruktiven Sozialen Arbeit in den Studiengängen befassten. Dabei wurde erneut deutlich, welch wesentliche Rolle Forschungswerkstätten bzw. Kolloquien spielen (siehe hierzu die Veröffentlichungen des Netzwerkes: GIEBELER, FISCHER, GOBLIRSCH, MIETHE & RIEMANN 2006 sowie MIETHE, FISCHER, GIEBELER, GOBLIRSCH & RIEMANN 2007). Neuerungen gab es insbesondere in zwei Richtungen: Zum einen wurden die Veränderungen durch die Modularisierung der Studiengänge der Sozialen Arbeit und die hierin liegenden Chancen und Schwierigkeiten an exemplarisch ausgewählten Studienorten diskutiert, für die erste Erfahrungen mit den neueingerichteten BA- und MA-Studiengängen vorliegen (so z.B. Berlin, Kassel, Darmstadt, Potsdam, Mainz) . Zum anderen wurde ein Austausch über laufende Forschungsprojekte angeregt. [24]

Außerdem stand zum ersten Mal die Forschungsförderung in der Promotions- und in der Postdoc-Phase im Mittelpunkt einer AG. Als Status quo lassen sich zwei Entwicklungen skizzieren: Auf der Basis der amtlichen Statistik problematisierte Peter CLOOS die Situation der PostdoktorandInnen der Sozialen Arbeit, da sich deren berufliche Bedingungen infolge der Novellierungen im Hochschulsektor verschlechterten. Pointiert formulierte er: Bei sinkenden ProfessorInnenstellen, einer wachsenden Zahl an Promotionen und stagnierenden Stellen für wissenschaftliche MitarbeiterInnen wachse der Konkurrenzdruck; hierauf gelte es eine adäquate Antwort zu suchen. Im Unterschied dazu bieten die Veränderungen im Hochschulsektor für Promotionsinteressierte Verbesserungen: Zum einen ermöglichen die MA-Studiengänge den HochschulabsolventInnen aller Hochschultypen ohne Umweg den Zugang zur Promotion, zum anderen erlauben die Reformen Kooperationen zwischen Hochschulen für angewandte Forschung und Universitäten in Bezug auf Promotionsbetreuungen. Denkbar wäre – so Klaus KRAIMER – etwa in Zukunft ein Promotionsprogramm "Netzwerk Rekonstruktive Sozialarbeitsforschung und Biographie". [25]

Das große Interesse an den Arbeitsgruppen zu diesen Themen kann als Indiz für die zukünftige Entwicklung und für zukünftige Aufgaben des Netzwerkes gewertet werden. Es stellt eine Chance zur Förderung von Promotionen dar, die nicht ungenutzt bleiben sollte, ohne dabei die Notwendigkeit von Veränderungen für die Phase nach der Promotion aus dem Blick zu verlieren. Weniger Engagement wurde bisher – von Einzelpersonen abgesehen – auf die Institutionalisierung der Forschungsförderung durch Netzwerke und auf die Internationalisierung verwandt. Hierfür sind derzeit – obwohl deren Wichtigkeit von vielen Seiten betont wurde – nicht genügend Kapazitäten vorhanden. Im Rahmen dieser, vergangener und zukünftiger Netzwerktagungen ergeben sich jedoch zahlreiche Synergieeffekte, die für zukünftige Projekte nutzbar gemacht werden können. Die Umsetzung von Ideen wie Promotionskolleg/-programm und Forschungsvernetzung brauchen sowohl die oben beschriebene internationale Orientierung als auch netzwerkeigene Strukturen zur Beratung und Förderung bei der Mittelakquise. [26]

4. "Visionsphase"

Auf der Basis des Ist-Zustandes wurden in der "Zukunftsphase" – aufgeteilt in drei Arbeitsgruppen: Forschung, Didaktik, Struktur des Netzwerks – Ideen für die zukünftige Gestaltung des Netzwerkes entwickelt. [27]

In der AG "Forschung" wurden Fragen nach der Aufgabe der Forschung für die Theorieentwicklung Sozialer Arbeit gestellt, wie z.B.: "In welchem (zirkulären) Verhältnis stehen soziale Probleme und die jeweiligen Theoriebildungen?" Noch immer gibt es viel zu wenig Drittmittelprojekte an den angewandten Hochschulen, und bezogen auf Drittelmittelprojekte wäre eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Hochschulen notwendig. Als ein Schwerpunkt der zukünftigen Aufgaben des Netzwerkes "Rekonstruktive Sozialarbeitsforschung" könnte die Theoriebildung Sozialer Arbeit mehr ins Zentrum gestellt werden. Das setzt jedoch auch Grundlagenforschung voraus, die bisher noch sehr wenig an angewandten Hochschulen vertreten ist. In diesem Zusammenhang ist auch die bereits von der Hochschulrektorenkonferenz vorgenommene Einteilung in Forschungsmaster und angewandte Master nicht unkritisch, derzufolge den Fachhochschulen vornehmlich die angewandten Master zugeteilt wurden. Die Einrichtung von Forschungsmastern ist jedoch möglich und müsste stärker vorangetrieben werden. [28]

Die AG "Didaktik" entwickelte Ideen zur Zusammenarbeit von Forschung, Lehre und Praxis in Foren bzw. "Entwicklungswerkstätten". Ein erster konkreter Vorschlag galt der Einrichtung von "Didaktikpools", in denen ausgezeichnete Abschlussarbeiten, Seminarkonzepte etc. eingestellt werden können. Wichtig waren auch Fragen der weitergehenden Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in der Sozialen Arbeit mit dem Ziel der unterstützenden Weiterentwicklung einer eigenen beruflichen Identität der Sozialen Arbeit in Forschung und Praxis. Deutlich wurde in dieser Arbeitsgruppe, dass der Wunsch nach fachlicher Vernetzung über die einzelnen Hochschulen hinaus besteht, um auf diese Weise Forschungskooperationen und Austausch über Didaktik zwischen den Lehrenden zu ermöglichen und den Studierenden Abschlussarbeiten zu eröffnen, die von DozentInnen unterschiedlicher Hochschulen fachlich und methodisch betreut werden. [29]

Die AG "Netzwerk" entwickelte Perspektiven zur zukünftigen Struktur des Netzwerkes und zu dessen Positionierung innerhalb der Disziplin und Profession sowie in gesamtgesellschaftlichen und politischen Kontexten. Die entwickelten Ideen reichten von der Gründung einer ersten Forschungszeitschrift für Soziale Arbeit, über das Hineintragen des Netzwerkes in Hochschulen mit dem Ziel, AbsolventInnen Sozialer Arbeit Forschung als wichtigen Bestandteil Sozialer Arbeit bekannter zu machen, bis hin zu der Idee der Etablierung einer fundierten und vernetzten Forschungslandschaft sowie darauf aufbauend einer anerkannten BeraterInnenfunktion für nationale und internationale Institutionen. Als Annäherung an diese Möglichkeiten könnten regelmäßige Summerschools eingerichtet, Lehrbücher herausgegeben und somit die Buchreihe des Netzwerkes weiter etabliert werden. Auch könnten Schreibwerkstätten für den wissenschaftlichen Nachwuchs angeboten sowie BeraterInnenzirkel zur Unterstützung von Forschungsanträgen initiiert werden. An den Hochschulen wäre die flächendeckende Einrichtung von Forschungsmasters ein Ziel. Es bedürfte des Einmischens des Netzwerkes in Verfahren der Gesetzgebung sowie in gesellschaftliche Diskussionen zu Themen der Sozialen Arbeit. Dies bedeutet u.a. im Netzwerk eine Struktur zu entwickeln, die neben den gewählten VertreterInnen eine lebendige Kultur verantwortlich arbeitender und miteinander kooperierender Fachgruppen ermöglicht. [30]

5. "Realisierungsphase"

Die zuvor skizzierten Ideen bildeten lediglich einen Ausschnitt aus den Ergebnissen der Zukunftswerkstatt rund um die Entwicklungsmöglichkeiten des Netzwerkes. In der abschließenden "Realisierungsphase" wurden einige der Aspekte aufgegriffen. Im Mittelpunkt stand die zukünftige Organisationsform. Beschlossen wurde die Einrichtung eines dreiköpfigen, gewählten SprecherInnenkreises, der die Aktivitäten des Netzwerkes künftig koordinieren, moderieren und weiterentwickeln wird. Gewählt wurden Cornelia GIEBELER (Bielefeld), Ingrid MIETHE (Darmstadt) und Bettina VÖLTER (Berlin), die bis 2009 die SprecherInnenfunktion innehaben. Auf der Tagung wurde vereinbart, dass der SprecherInnenkreis seine Aufgaben insbesondere darin sieht, die Aktivitäten von Angehörigen des Netzwerkes zu fördern, aufzugreifen und deren Umsetzung zu unterstützen – soweit sie im Interesse des Netzwerkes sind. Auf diese Weise kann zukünftig eine Struktur kooperierender Fachgruppen entstehen, die sich mit einzelnen der vorgestellten Ideen beschäftigen werden. [31]

Erste Anstöße wurden bereits gegeben. So besteht eine Koordinationsgruppe, die die Herausgabe der Buchreihe des Netzwerkes verantwortet, in der regelmäßig Arbeiten aus dem Netzwerk sowie zu Themen der rekonstruktiven Forschung Sozialer Arbeit publiziert werden. Mit der Reihe ist – wie mit den ersten fünf vorliegenden Veröffentlichungen erkennbar2) – beabsichtigt, theoretische Grundlagen, Forschungsergebnisse und Praxisreflexionen zu publizieren sowie die Möglichkeiten der Einbeziehung von Forschung in der Ausbildung von SozialarbeiterInnen und PädagogInnen und in anderen professionsorientierten sozialwissenschaftlichen Studiengängen zu erkunden. [32]

Ferner existiert eine Arbeitsgruppe, die den ersten Methodenworkshop des Netzwerkes vorbereitete, der vom 30. August bis zum 1. September 2007 in Hephata stattfand. Er diente zum einen der weiteren Qualifizierung des wissenschaftlichen Nachwuchses und zum anderen dem kollegialen Austausch über Forschung Sozialer Arbeit und ihre Methoden. Im Anschluss an den Methodenworkshop ist die Herausgabe eines gemeinsamen Methodenhand- und/oder -lehrbuches durch das Netzwerk geplant. Der Workshop könnte zum Vorläufer für weitere zukünftige Forschungsworkshops sowie von Vernetzungsmöglichkeiten mit Forschungswerkstätten, Promotionszirkeln etc. in anderen Bereichen qualitativer Forschung werden. [33]

Weitere inhaltliche (und strukturelle) Entscheidungen auf der Basis der Analyse der aktuellen Situation der Forschung in der Sozialen Arbeit und der in Berlin entwickelten Zukunftsideen werden auf den nächsten Tagungen des Netzwerkes in Abstimmung mit dem SprecherInnenkreis getroffen. An der Mitarbeit im Netzwerk oder der Aufnahme in die Mailingliste des Netzwerkes Interessierte können sich an Hanna BENEKER (Bielefeld) wenden. [34]

6. Schlussfolgerungen

In allen Disziplinen ist Forschung aufgerufen, Grundlagen für die Weiterentwicklung der Theoriebildung sowie für konkrete Praxiskonzepte und -abläufe zu schaffen. Bei der Herausbildung praxisnaher Konzepte sind Forschung und Praxis ganz besonders stark auf eine enge wechselseitige Beziehung zueinander angewiesen. Häufig stoßen die entwickelten Konzepte auf Grenzen in der Anwendbarkeit, die als neue Fragestellungen zurück in Forschung und Theoriebildung kommuniziert werden müssen. In der Sozialen Arbeit als einer komplexen und angewandten Disziplin mit dem doppelten Mandat, psychosoziale Lebensweisen und Lebenslagen mittels professioneller Methoden zu verstehen und zu verändern, ist es von besonderer Bedeutung, Forschung auf Individuen und Gruppen in ihren jeweiligen sozialen Kontexten – Institutionen, Organisationen, Gemeinwesen etc. – auszurichten. Soziale Phänomene sind an (soziale) Erfahrungen von Menschen gebunden und haben für diese eine jeweils spezifische Bedeutung. Die qualitative rekonstruktive Forschung mit ihrer Perspektive auf das Subjekt in seiner Eingebundenheit in die Struktur bzw. auf die Struktur in ihrer Wechselwirkung mit Subjekten kann hier zentrale Wege neuer Verständnishorizonte und Interventionsmöglichkeiten bereitstellen. Hier ist auch der Bereich der in der Sozialen Arbeit bisher stark vernachlässigten Grundlagenforschung gefragt, um die Basis der Theoriebildung kreativ zu unterstützen und zu fundieren. [35]

Sozialarbeitswissenschaft in Deutschland hat darüber hinaus durch ihre spezifische historische Entwicklung die Aufgabe, die Wechselbeziehung verschiedener Bezugswissenschaften in einer eigenen Wissenschaft der Sozialen Arbeit fruchtbar zu machen. Die vorherrschende Vielfalt der einzelnen Fächer, die noch bis vor wenigen Jahren oft unverbunden nebeneinander standen, führte zu einer "im doppelten Wortsinne disziplinlosen Ausbildung" (MÜHLUM 2004, S.126). Studieninhalte angehender SozialarbeiterInnen bezogen sich nur bedingt auf die Lebenswelt der KlientInnen und stellten infolgedessen eine nur mangelnde Vorbereitung auf den sozialarbeiterischen Alltag dar. In den letzten Jahren hat sich dieser Sachverhalt zwar bereits stark verändert, Anwendungsorientierung ist jedoch noch immer keine Selbstverständlichkeit. Im Bereich der Forschung hat die Vereinzelung der Disziplinen unter dem Dach der Sozialarbeit tiefe Gräben hinterlassen, die erst langsam durch immer mehr Initiativen eine Veränderung erfährt. So erlebte die Tagung der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGS) im letzten Jahr ein unerwartet großes Interesse. Die Ansiedlung des Netzwerkes als Arbeitskreis "Rekonstruktive Sozialarbeitsforschung" am Fachbereichstag Soziale Arbeit3) möchte – angeregt durch die Erfahrungen von Gaby LENZ (FH Kiel) aus dem Arbeitskreis "Geschlechterverhältnisse" – an diese Entwicklung anknüpfen. [36]

Die Inhalte des Qualifikationsrahmens für Deutsche Hochschulabschlüsse (Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 21.04.2005) erwarten als Voraussetzung für die Erteilung eines Abschlusses Fähigkeiten zu wissenschaftlich fundierten Entscheidungen unter Einbezug gesellschaftlicher und ethischer Perspektiven, Wissensintegration, den Umgang mit Komplexität sowie multidisziplinäre Problemlösungskompetenzen. Praxisorientierte Forschung war in der Vergangenheit die spezifische Aufgabe der Fachhochschulen und wird schwerpunktmäßig auch nach der Hochschulreform den sog. Hochschulen für angewandte Forschung zugewiesen. Hochschulen der Sozialen Arbeit mit ihrer Nähe zur Praxis und dem Potenzial ihrer AbsolventInnen, den Sozialarbeitsfokus "Person-in-der-Situation" einzulösen, haben hier eine besonders zentrale Aufgabe. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Grundlagenforschung vernachlässigt bzw. in diesem Fokus auf Grundlagenforschung verzichtet werden kann. [37]

Das Voranschreiten der Implementierung von Forschungsmethoden in die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge, von Forschungs- und Promotionskolloquien sowie der Einsatz für ein eigenes Promotionsrecht an den Hochschulen für angewandte Forschung in Deutschland sind sehr zu begrüßen. Dies gilt ebenso für Kooperationsprojekte innerhalb Europas und darüber hinaus. Obwohl es im Zuge der Profilschärfung auch um die Einrichtung spezifischer Arbeitsgruppen und Projekte in der Sozialen Arbeit gehen muss, sollte eine Vernetzung zu anderen sozialwissenschaftlichen und qualitativen Forschungszusammenschlüssen dabei nicht aus den Augen verloren werden. Diese und viele weitere Aufgabenbereiche angemessen wahrzunehmen, ist eine der Herausforderungen der nächsten Jahre, der sich das Netzwerk stellen wird. [38]

Anhang A: Tagungsprogramm

Freitag, 23.03.2007

13.00 – 14.30

Eröffnung der Tagung

Moderation: Prof. Dr. Silke Birgitta Gahleitner (ASFH Berlin)

Prof. Dr. Christine Labonté-Roset, Präsidentin der ASFH Berlin: Grußwort

Prof. Dr. Albert Mühlum (FH Heidelberg): Keynote – Forschung und Soziale Arbeit

14.30 – 14.45 Pause

14.45 – 16.15

Panel I – Internationales

Moderation: Prof. Dr. Gaby Lenz (FH Kiel)

Prof. Dr. Piotr Salustowicz (FH Bielefeld): Internationale Soziale Arbeit – Organisationen

Prof. Dr. Christine Labonté-Roset (ASFH Berlin): Bologna-Prozess

Prof. Dr. Cornelia Giebeler (FH Bielefeld): Auslandserfahrung in der Sozialen Arbeit

Panel II – Forschendes Lernen

Moderation: Dr. Ulrike Loch (Universität Kassel)

Prof. Dr. Johannes Stehr (EFH Darmstadt): Forschendes Lernen in modularisierten Studiengängen

Prof. Dr. Rudolf Schmitt (Hochschule Zittau-Görlitz): Qualitative Forschung – ein Nebenschauplatz in Studiengängen der Sozialen Arbeit?

Dipl.-Soz. Hanna Beneker (FH Bielefeld): Zeit und Raum für eigene Forschungsprojekte. Potenziale einer Forschungswerkstatt

Dr. Jutta Müller (Hochschule Harz): Erfahrungen mit dem Forschenden Lernen im Vergleich: BA an der Hochschule Harz (FH) und im Aufbaustudiengang Supervision an der Universität Kassel

Panel III – Wissenschaftlicher Nachwuchs

Moderation: Dr. Heidrun Schulze (FH Wiesbaden)

Prof. Dr. Gerhard Riemann (Universität Bamberg): Promotionen in der Sozialen Arbeit

Prof. Dr. Klaus Kraimer (Kath. Hochschule für Soziale Arbeit Saarbrücken): Promotionen und Forschungen an Fachhochschulen

Dr. Peter Cloos (Universität Kassel): Nachwuchsförderung nach der Promotion

16.15 – 16.45 Pause

16.45 – 17.45

Panel IV – Drittmittelförderung

Moderation: Dr. Monika Müller (Universität Bamberg)

Prof. Dr. Ingrid Miethe (EFH Darmstadt): DFG-Forschung an Fachhochschulen

Prof. Dr. Harry Hermanns (FH Potsdam): Bundesmittel am Beispiel eines E-Learning-Projektes

Prof. Dr. Michael May (FH Wiesbaden): Auftragsforschung zwischen Legitimationsproduktion und Reflexionsgewinnen

Panel V – Rekonstruktive Soziale Arbeit im BA und MA

Moderation: Prof. Dr. Regina Rätz-Heinisch (ASFH Berlin)

Prof. Dr. Elke Schimpf (EFH Darmstadt): Forschungsmodule im BA und MA: Das Beispiel der EFH Darmstadt

Prof. Dr. Hedwig Griesehop (ASFH Berlin): Das Beispiel der Alice-Salomon-Fachschule Berlin

Prof. Dr. Andreas Hanses (TU Dresden): (Rekonstruktive) Sozialpädagogik an der TU Dresden: zwischen Verweilen im Diplom und ruhigem Aufbruch zu Neuem (BA/MA)

Dr. Birgit Griese (Universität Mainz): Bedeutung der Rekonstruktiven Forschung in den neuen BA/MA-Studiengängen in Mainz

17.45 – 18.15Pause

18.15 – 19.30

Rekonstruktive Sozialarbeitsforschung: Kritik und Reflexion

Gemeinsame Themenfindung für Arbeitsgruppen der Zukunftswerkstatt am Samstag

Samstag, 24.03.2007

9.00 – 9.45

Plenum

Moderation: Prof. Dr. Ingrid Miethe (EFH Darmstadt)

Prof. Dr. Cornelia Helfferich (EFH Freiburg): Institutionalisierte Forschung

9.45 – 10.30

Theaterpädagogische Werkstatt im AUDIMAX

10.30 – 13.00

Wie sieht rekonstruktive Soziale Arbeit im Jahr 2050 aus? Visionen und Utopien – Arbeit in Arbeitsgruppen

13.00 – 14.00Mittagspause

14.00 – 14.30

Ergebnissicherung aus der Utopiephase

14.30 – 15.15

Networking. Was brauchen wir jetzt?

Moderation: Dr. Ulrike Loch (Universität Kassel)

Prof. Dr. Burkhard Hill (FH München): Netzwerke ohne Vorstand: Ein Beispiel

Prof. Dr. Gaby Lenz (FH Kiel): Erfahrungen aus dem AK Geschlechterverhältnisse in der Sozialen Arbeit, Fachbereichstag Soziale Arbeit

15.15 – 15.30Pause

15.30 – 17.00

Zukünftige Strukturen des Netzwerkes: Strukturfindung und Strukturentscheidung

Organisationsform, Jahrestagungen, Buchreihe und Sonstiges

17.00 Ende der Tagung

Anmerkungen

1) Zur Methode der Forschungswerkstatt siehe Robert JUNGK und Norbert R. MÜLLERT (1989). <zurück>

2) GIEBELER, Cornelia; FISCHER, Wolfram; GOBLIRSCH, Martina; MIETHE, Ingrid & RIEMANN, Gerhard (Hrsg.) (2006). Fallverstehen und Fallstudien. Interdisziplinäre Beitrage zur rekonstruktiven Sozialarbeitsforschung / LOCH, Ulrike (2006). Sexualisierte Gewalt in Kriegs- und Nachkriegskindheiten. Lebens- und familiengeschichtliche Verläufe / MÜLLER, Jutta (2006). Coaching, Biographie und Interaktion. Eine qualitative Studie zum Coach in Ausbildung / MIETHE, Ingrid; FISCHER, Wolfram; GIEBELER, Cornelia; GOBLIRSCH, Martina & RIEMANN, Gerhard (Hrsg.) (2007). Rekonstruktion und Intervention. Interdisziplinäre Beiträge zur rekonstruktiven Sozialarbeitsforschung / SAUER, Stefanie (2007). Die Zusammenarbeit von Pflegefamilien und Herkunftsfamilien in dauerhaften Pflegeverhältnissen. Widersprüche und Bewältigungsstrategien doppelter Elternschaft. <zurück>

3) Der Fachbereichstag Soziale Arbeit (FBTS) ist die nationale Repräsentanz der Fachbereiche bzw. Fakultäten Soziale Arbeit der staatlichen und kirchlichen Hochschulen in der Bundesrepublik Deutschland. Neben den regelmäßig stattfindenden Plenartreffen diskutieren und erarbeiten mehrere Arbeitskreise wie beispielsweise der Arbeitskreis Geschlechterverhältnisse themenspezifische Entwicklungen in Lehre und Forschung. <zurück>

Literatur

Giebeler, Cornelia; Fischer, Wolfram; Goblirsch, Martina; Miethe, Ingrid & Riemann, Gerhard (Hrsg.) (2006). Fallverstehen und Fallstudien. Interdisziplinäre Beitrage zur rekonstruktiven Sozialarbeitsforschung. Leverkusen: Budrich.

Jungk, Robert & Müllert, Norbert R. (1989). Zukunftswerkstätten. Mit Phantasie gegen Routine und Resignation. München: Heyne.

Labonté-Roset, Christine (2005). The European higher education area and research-oriented social work education. European Journal of Social Work, 3, 285-296

Miethe, Ingrid; Fischer, Wolfram, Giebeler, Cornelia, Goblirsch, Martina & Riemann, Gerhard (Hrsg.) (2007). Rekonstruktion und Intervention. Interdisziplinäre Beiträge zur rekonstruktiven Sozialarbeitsforschung. Leverkusen: Budrich.

Mühlum, Albert (2004). Zur Notwendigkeit und Programmatik einer Sozialarbeitswissenschaft. In Albert Mühlum (Hrsg.), Sozialarbeitswissenschaft. Wissenschaft der Sozialen Arbeit (S.121-156). Freiburg: Lambertus.

Mühlum, Albert (2005). Sozialarbeitswissenschaft – Voraussetzung professioneller Praxis. Klinische Sozialarbeit. Zeitschrift für Psychosoziale Praxis und Forschung, 2, 32-37, http://www.klinische-sozialarbeit.de/KlinSa_Sonderausgabe%20Tagung_05.pdf [02.08.07].

Zu den Autorinnen

Ulrike LOCH, Dipl. Sozialarbeiterin/-pädagogin, Promotion in Sozialer Arbeit. Universität Kassel, Fachbereich Sozialwesen. Schwerpunkte in Lehre, Forschung und Praxis: Methoden und Methodologien qualitativer Forschung mit Schwerpunkt Biografieforschung, mehrgenerationelle Familien- und Traumaforschung, professionelles Handeln, Methoden Sozialer Arbeit.

Kontakt:

Dr. Ulrike Loch

Fachbereich Sozialwesen
Universität Kassel, 34109 Kassel

Tel.: +49/+30/804-2931

E-Mail: uloch@uni-kassel.de

 

Silke Birgitta GAHLEITNER, Studium der Sozialen Arbeit, Promotion in Klinischer Psychologie, Fachsozialarbeiterin für Klinische Sozialarbeit (ZKS) und Psychotherapeutin (A). Seit 2006 Professorin für Klinische Psychologie und Sozialarbeit mit dem Schwerpunktbereich Psychotherapie und Beratung an der Alice-Salomon-Fachhochschule Berlin. Schwerpunkte in Lehre, Praxis und Forschung: qualitative Forschungsmethoden und Genderforschung, Klinische Sozialarbeit, Psychosoziale Arbeit, Psychotherapie und Beratung.

Kontakt:

Prof. Dr. Silke Birgitta Gahleitner

Arbeitsbereich: Psychotherapie und Beratung
Klinische Psychologie und Sozialarbeit
Alice-Salomon-Fachhochschule Berlin, Alice-Salomon-Platz 5, D-12627 Berlin

Tel.: +49/+30/99245-506
Fax: +49/+179/7657309

E-Mail: sb@gahleitner.net
URL: http://www.gahleitner.net/

Zitation

Loch, Ulrike & Gahleitner, Silke-Birgitta (2008). Tagungsbericht: Quo vadis Rekonstruktive Sozialarbeitsforschung? Traditionen – Standortbestimmung – Perspektiven [38 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 9(1), Art. 33, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs0801338.



Copyright (c) 2008 Ulrike Loch, Silke-Birgitta Gahleitner

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