Volume 5, No. 1, Art. 10 – Januar 2004

Über die Dinge hinaus: eine Kulturtheorie der eigensinnigen Praxis

Till Westermayer

Review Essay:

Karl H. Hörning (2001). Experten des Alltags. Die Wiederentdeckung des praktischen Wissens. Velbrück Wissenschaft, 267 Seiten, ISBN 3-934730-33-7, EUR 29,50

Zusammenfassung: In seinem Buch Experten des Alltags verknüpft HÖRNING ältere techniksoziologische Arbeiten mit Überlegungen zu einer Theorie des praktischen Wissens. Schlüsselbegriffe der Theorie sind unter anderem die Konzepte der sozialen Praktiken, des praktischen Wissens und der kulturellen Wissensrepertoires, der Handlungsstile und des Umgangs mit Technik. Ziel der Rezension ist es zum einen, HÖRNINGs Theorie in ihren Schlüsselbegriffen zu rekonstruieren und nachzuzeichnen, wie HÖRNING sich damit von anderen Ansätzen abgrenzt. Dies betrifft sowohl die Abgrenzung innerhalb der Techniksoziologie als auch die Bezugnahmen auf kultur- und praxissoziologische Theorien. Zum anderen wird erörtert, welche Relevanz HÖRNINGs Buch für die allgemeine Soziologie hat und haben kann. In einem Exkurs wird darüber nachgedacht, inwiefern HÖRNINGs Buch als Empfehlung gelesen werden kann, in der soziologischen Technikforschung, aber auch in der Soziologie insgesamt qualitative Methoden einzusetzen.

Keywords: Soziologie, Alltag, Handlung, Praxis, Wissen, Kultur, Technik, Zeit, qualitative Forschung, qualitative Methoden

Inhaltsverzeichnis

1. Erste Annäherungen

2. Wovon handelt das Buch?

3. Theoretische Skizze und Schlüsselbegriffe

3.1 Soziale Praktiken

3.2 Praktisches Wissen und Kultur

3.3 Lebens- und Handlungsstile

3.4 Machtpraktiken

3.5 Und die Dinge?

4. Abgrenzungen

4.1 Techniksoziologische Abgrenzungen

4.2 Kultur- und praxistheoretische Bezüge und Abgrenzungen

5. Exkurs: Soziale Praktiken, praktisches Wissen und qualitative Sozialforschung

6. Würdigung

Anmerkungen

Literatur

Zum Autor

Zitation

 

1. Erste Annäherungen

Karl H. HÖRNING, geboren 1938, ist einer der Begründer und ein wichtiger deutschsprachiger Vertreter einer kulturtheoretischen Techniksoziologie, vom dem eine Vielzahl an techniksoziologischen Arbeiten vorliegen (vgl. etwa HÖRNING 1988; 2001; HÖRNING, GERHARDT & MICHAILOW 1990; HÖRNING, AHRENS & GERHARDT 1997; HÖRNING & DOLLHAUSEN 1997). Zu nennen ist auch der von ihm mitherausgegebene Band Widerspenstige Kulturen (HÖRNING & WINTER 1999), in dem die Cultural Studies auf ihre soziologische Brauchbarkeit hin untersucht werden. HÖRNING hat mit den Experten des Alltags nun ein Buch vorgelegt, das gewissermaßen zwischen zwei Polen changiert: Zum einen ist es eine Suche nach einer Theorie des praktischen Wissens, zum anderen stellt das Buch seine bisherigen Arbeiten in einen Zusammenhang und verwebt sie zu einem theoretischen Konzept. In dieser Rezension möchte ich anhand von Schlüsselbegriffen versuchen, dieses über die Techniksoziologie hinausgehende Konzept einer Soziologie der Praxis zu skizzieren und deutlich zu machen, wie HÖRNING es von anderen techniksoziologischen, kultur- und praxisanalytischen Theorien abgrenzt. In einem Exkurs möchte ich mich dann der Frage widmen, in wieweit sich HÖRNINGs Buch als Plädoyer für die Verwendung qualitativer Methoden in der Techniksoziologie lesen lässt. Abschließend soll versucht werden, die Bedeutung des Buches abzuwägen und zu würdigen.1) [1]

Es gibt – so wichtig HÖRNINGs Buch inhaltlich ist – einige formale Kritikpunkte oder Ärgerlichkeiten, mit denen ich die Rezension beginnen möchte. Das ist auf den ersten Blick verwunderlich, vor allem deswegen, weil die Experten des Alltags ja auf den ersten Blick hin nicht nur bibliophil wirken, sondern vor allem auch neugierig machen und die Lesenden mit auf eine Entdeckungsreise nehmen, an deren Ziel "die Wiederentdeckung des praktischen Wissens liegt, wie es im Untertitel heißt. Die Sprache ist pointiert; immer wieder finden sich Sätze, die das Zeug dazu haben, gerahmt und aufgehängt zu werden. Es fehlt auch nicht an Literaturhinweisen oder, durchaus nicht unwichtig, einem Index. Trotzdem gibt es Ärgerlichkeiten, die zum Teil erst auf den zweiten Blick auffallen. Der wichtigste Kritikpunkt ist vielleicht, dass, wie HÖRNING in der Einleitung (S.16) schreibt, das Buch in mehreren Phasen entstanden ist und einen Entdeckungsprozess dokumentiert. Die Entstehungsphasen spiegeln sich dabei auch darin wieder, dass größere Teile des Buchs dem Leser oder der Leserin bekannt vorkommen: viele Kapitel sind Zusammenfassungen älterer Studien oder entsprechen in ganzen Passagen schon vorher anderswo abgedruckten Aufsätzen. Zudem führt die Prozesshaftigkeit des Buchs – was möglicherweise Programm ist – zu einem gewissen Gefühl der Schwammigkeit und Unsicherheit. Anfänglich gemachte Definitionen werden teilweise später zurückgenommen oder relativiert, andere Aussagen finden sich dagegen vielfach wiederholt und deuten auf Redundanzen hin. Dies alles stört nicht, wenn das Buch als geschliffen formulierte Entdeckungsreise gelesen wird. [2]

Wer HÖRNINGs Aufbruch, seine theoretische "Loslösung aus einem starren soziologischen Gerüst" (S.15) hingegen als soziologische Theorie lesen – oder gar rezensieren – möchte, stößt dabei auf Probleme. Die Experten des Alltags verlangen von Lesenden, die sich theoretisch darauf berufen möchten, ein gerütteltes Maß an Zähigkeit. Manches ist erst auf den dritten Blick zu entdecken. Dazu muss nicht nur der Aufbau des Buches gründlich erforscht werden, denn einige wichtige Aussagen stecken an recht versteckten Stellen oder sind nur zwischen den Zeilen zu lesen. Es ist auch wichtig, sich immer wieder zu vergegenwärtigen, was Kernelemente, was illustrierende Beispiele und was ungewisse Abzweigungen und Exkurse sind. Letztlich bleibt nichts anderes übrig, als den hier in Buchform festgehaltenen Reflexionsprozess soziologisch zu fixieren oder einzufrieren. Anders gesagt: Die Experten des Alltags sind anschlussfähig für relativ viele Interpretationen und erzwingen so geradezu eine Schwerpunktsetzung durch die Lesenden. [3]

2. Wovon handelt das Buch?

Deswegen soll hier, bevor einige Details einer Lesart vorgestellt werden sollen, HÖRNING selbst noch einmal zur Frage zu Wort kommen, wovon das Buch handelt. In der Einleitung schreibt er dazu:

"Es handelt nicht nur von den Dingen, mit denen wir mehr oder weniger geschickt oder ungeschickt umgehen, sondern es handelt vor allem von den fortlaufenden alltäglichen Praktiken, in die wir die Dinge verwickeln und dabei ein praktisches Wissen und Können erlangen, das häufig dort einspringt, wo uns die vorgegebenen Regeln und theoretischen Einsichten nicht so recht weiterhelfen." (S.10). [4]

Das Buch fängt bei den mehr oder weniger technischen Dingen des Alltags an (Kap. 1, 2), geht dann mit dem Umgang mit den Dingen sowohl auf Praktiken als auch auf die "Kultur-Bedeutsamkeit" der Dinge ein (Kap. 3, 4), begibt sich auf einen Exkurs in die "Zeit der Dinge" (Kap. 5, 6), um schließlich von der objektorientierten, ding-bezogenen Praxisperspektive zu einer Perspektive zu wechseln, in der Praxis, Kultur, Macht und Wissen unabhängig von der technischen Vermittlung diskutiert werden (Kap. 7, 8) – ein Perspektivwechsel, auf den HÖRNING in der Einleitung explizit hinweist: "Damit entfernt sich der vorliegende Text im Verlauf seiner Argumentation immer weiter von der konventionellen Subjekt-Objekt-Spaltung, in deren Rahmen auch die Technikforschung so lange argumentierte" (S.13). An die Stelle dieser Spaltung tritt eine praxisorientierte Sicht: hier ist "der einzelne immer schon in die Welt verwickelt: Die Welt der Objekte steht nicht einer anderen, sozialen Welt gegenüber. Gerade in modernen Gesellschaften haben Menschen lange biographische Erfahrungen im Umgang mit der Vielfalt der Dinge" (ebd.). Schließlich folgt ein Resümee (Kap. 9), in dem einzelne Fäden zusammenlaufen. Mit einer ausführlichen Theorie des praktischen Wissens geht HÖRNING dann "über die Dinge hinaus", nicht ohne zuvor die in den Experten des Alltags gefundene Kultur-Praxis-Technik-Theorie in den Rahmen gängiger techniksoziologischer Theorien einzuordnen. [5]

Mir scheinen nun zwei Wege gangbar, sich dem Inhalt der Experten des Alltags zu nähern. Zum einen möchte ich anhand von Schlüsselbegriffen knapp skizzieren, wie diese sich in die HÖRNINGsche Theorie einordnen lassen. Zum anderen machen einige relativ klare Abgrenzungen seiner Theorie von anderen Theoriegebäuden deutlich, was das Neue an HÖRNINGs Werk ist. [6]

3. Theoretische Skizze und Schlüsselbegriffe

Soziale Wirklichkeit ist komplex, insbesondere, wenn sie nicht als statisch und kausal, sondern als dynamisch, prozesshaft und in Ambivalenzen gefangen verstanden wird. Soziologische Theorien, die versuchen, sich dieser Wirklichkeit zu nähern, weisen oft ähnliche Komplexitätsgrade auf. Trotzdem möchte ich versuchen, die in den Experten des Alltags entwickelte Theorie zu skizzieren. [7]

3.1 Soziale Praktiken

Ein Ausgangspunkt dafür könnte das Handeln sein. Menschen handeln, allerdings nicht isoliert, sondern in Bezug auf andere Menschen, auf Ereignisse oder auf Dinge, auf soziale und außersoziale Umwelten. Vor allem aber ist das Handeln von Menschen zumeist Teil sozialer Praktiken; wichtig ist hierbei, dass Handeln und soziale Praxis nicht gleichgesetzt werden. "Nicht [...] jedes Tun ist schon Praxis." (S.160). Das an soziale Praktiken gebundene Handeln muss im Übrigen nicht intentional sein. Des Weiteren unterscheidet HÖRNING (wie schon in HÖRNING 1988) instrumentelle, ästhetisch-expressive, kognitive und kommunikative Handlungsdimensionen, die sich in einzelnen Handlungen dann wieder finden lassen (S.49ff.). [8]

Handeln verdichtet sich zu sozialen Praktiken. Darunter wird bei HÖRNING

"das In-Gang-Setzen und Ausführen von Handlungsweisen verstanden, die in relativ routinisierten Formen verlaufen. Durch häufiges und regelmäßiges Miteinandertun bilden sich gemeinsame Handlungsgepflogenheiten heraus, die sich zu kollektiven Handlungsmustern und Handlungsstilen verdichten und [...] Handlungszüge sozial erwartbar werden lassen" (ebd.). [9]

Mit dieser grundlegenden Definition bezieht sich HÖRNING auf die Praxistheorien von BOURDIEU und GIDDENS sowie auf Einflüsse WITTGENSTEINs, auf die Ethnomethodologie und den Pragmatismus. Die Grundidee bleibt letztlich, dass sich aus verbundenen Handlungen ein Geflecht von Handlungspraktiken entwickelt, das durch Routinen, Gebrauchswissen und ein geteiltes Verständnis für Mithandelnde und Sachwelt sowie durch sich herausbildende gemeinsame Kriterien und Beurteilungsmaßstäbe geprägt ist. Das Repertoire kollektiv geteilter individueller sozialer Praktiken macht so nicht nur Handlungszüge erwartbar, sondern reproduziert sich und entwickelt sich weiter im Handeln. Einen besonderen Stellenwert nehmen dabei Irritationen, Misserfolge und Fehlschläge ein. "Praktiken sind immer beides: Wiederholung und Neuerschließung. Wenn eine Handlungsreihe überraschend erfolgreich ist oder ein unvorhergesehener Fehlschlag eintritt, dann ist Nachdenken erforderlich, kreatives Handeln gefragt." (S.163, Herv. im Orig.). [10]

3.2 Praktisches Wissen und Kultur

Soziale Praktiken sind das eine, praktisches Wissen ist das andere, beides bedingt sich.

"Indem wir uns in sozialen Praktiken engagieren, die in einer und über eine Welt handeln, ruht auch etliches von unserem Weltverständnis in unseren Praktiken. Dann existiert viel Wissen über die Welt allein dadurch, daß es sich im praktischen Handeln [...] 'vergegenständlicht'; ohne seinen Ausdruck in der Praxis wäre dieses Wissen irrelevant und leer." (S.183). [11]

Einschneidende Lebensereignisse (biographische Brüche, irritierende Technikentwicklungen, das "bohrende Nachfragen der Kinder und Freunde", S.194) bringen Menschen dazu, ihr Handeln einzuordnen und eingelebte Verknüpfungen von Tun, Denken, Fühlen und Sagen offen zu legen. Dann wird der Zusammenhang von Handeln und Sinn, die "innere Geregeltheit" von Handlungsprozeduren und sozialen Praktiken für Außenstehende sichtbar. Zugleich entstehen – hier bezieht HÖRNING sich auf G.H. MEAD – durch derartige Distanzerfahrungen Denken und Reflexion beim einzelnen, "eine kritische Distanz zu den Routinelösungen und Gepflogenheiten kann sich aufbauen" (S.184). Dadurch wird Urteilsvermögen und die Fähigkeit, die Angemessenheit des eigenen Handelns einzuordnen, im praktischen Wissen verankert. Deutlich wird, dass praktisches Wissen sich also nicht nur auf Handlungsprozeduren, sondern auch auf Beurteilungsfähigkeiten und sozial geteilte Maßstäbe erstreckt.2) [12]

Wissen ist wiederum zweifach Teil von Kultur. HÖRNING unterscheidet zwischen Wissensrepertoires und Wissenskompetenzen. Wissensrepertoires werden in vielfältigen Formen "aufgezeichnet", unter anderem in Form von Symbolen, Diskursen, Deutungsmustern, Artefakten und Technologien, und werden "innerhalb und zwischen den Gruppen und Generationen selektiv weitergegeben" (S.185). Sie entsprechen also in etwa dem klassischen Kulturbegriff. Die andere Seite von Kultur bezieht sich auf die gemeinsamen Wissenskompetenzen, auf das in Handeln umgesetzte praktische Wissen. Gemeint sind die "praktisch eingeübte[n] und eingelebte[n] Fähigkeiten und Gepflogenheiten, in einer bestimmten erwartbare und einsichtigen Weise mit Menschen, Dingen und Ereignissen umzugehen" (ebd.). Kultur ist nun beides zugleich. Das Wissensrepertoire hat dabei sowohl einen ermöglichenden als auch einen einschränkenden Charakter. Praktisches Wissen und interpretatives Können finden ihren oftmals impliziten Ausdruck in den alltäglichen Handlungspraktiken. Für eine neue Kultursoziologie relevant ist dabei weniger die Analyse des statischen, aufgezeichneten Wissens, als vielmehr die Suche nach den Produktions- und Reproduktionsprozessen von nicht kognitiv verengten Wissens. Neben den analysierbaren Aufzeichnungen stehen verbale Modelle, "die in einer Vielfalt von Umgangspraktiken materieller, sozialer, räumlicher oder zeitlicher Natur eingesetzt werden" (S.188). [13]

Der kultursoziologische Blick soll dabei auf die

"Konstruktionsgeschichte der Praktiken [gerichtet sein], in die der einzelne Akteur eingeübt ist, in der er seine Erfahrungen gesammelt und sein praktisches Wissen erworben hat und die ihn nun in einem bestimmten Kontext die Dinge in einer bestimmten Weise sehen und entsprechend auf sie achten läßt" (S.189). [14]

Der Zusammenhang zwischen sozialen Praktiken und Kultur liegt also in der Person der sozialen PraktikerIn, die in fortlaufender Teilnahme an den "Dingen der Welt" (S.195) soziale Praktiken produzieren und reproduzieren, was in einem durch Wertvorstellungen und Normen kulturell und historisch strukturierten Raum stattfindet. Dieser wiederum wirkt sich explizit und implizit auf die Erfahrungen der PraktikerIn aus, also etwa auf die Frage, "welche Wünsche und Interessen man haben kann." (ebd.). Kurz gesagt: Menschen leben kulturell; kollektive Wissensrepertoires strukturieren ihre Welt und machen sie vertraut. Dies wird in Form eingeschliffener Verstehensweisen als Sinn- und Deutungsschemata zum Ausdruck gebracht. Wissensrepertoires existieren nicht abgelöst von den kollektiven Handlungsmustern. Vielmehr wird Hintergrundwissen zum Teil des "Umgangswissens ('knowing how'), das oft implizit und informell dazu befähigt, bestimmte Dinge zu tun (statt nur etwas über sie zu wissen: 'knowing that')" (S.196), und das es vor allem erlaubt, möglicherweise unsichere Situationen zu meistern und bei Mithandelnden Akzeptanz zu erhalten. Erst mit dem Einsatz von Know-how-Wissen setzen sich kollektive Wissensschemata in praktisches Handeln um; zugleich setzt Know-how-Wissen komplexe auf Praxiszusammenhänge – wie etwa den Konsum – bezogene kulturelle Wissensrepertoires voraus. Anders gesagt: Zum Wissenstypus des "Gewusst-wie" gehört die Unterscheidungsfähigkeit, "ob die Lösung gelungen ist oder nicht, ob die Handlung paßt oder nicht." (S.227); weiterhin beschränkt sich praktisches Wissen nicht auf das Tun, sondern bezieht auch – implizites – Wissen über Maßstäbe und kontextabhängige Normalitäten ein. [15]

3.3 Lebens- und Handlungsstile

Zu nennen ist weiterhin der Lebensstilbegriff, der variiert auch in Form von Handlungsstilen, Konsumstilen, Technikstilen, Gebrauchsstilen etc. in den Experten des Alltags auftaucht. Lebensstile werden als in der miteinander stattfindenden sozialen Praxis geformte raumzeitliche Bündel verknüpfter Handlungs- und Verstehensweisen begriffen (S.194). Anders als etwa bei BOURDIEU, der den Habitus fest an das Habitat koppelt, versteht HÖRNING Lebensstil nicht als Ausfluss von Sozialstruktur; sein Lebensstilkonzept ist strikt nicht-deterministisch. Eine Konsequenz davon ist die Annahme, "daß dieselbe Person auch Träger unterschiedlicher Lebensstile sein kann, daß nicht [...] einer Person bzw. Gruppe oder Klasse von Personen eindeutig eine bestimmte Disposition zu einem bestimmten Lebensstil zugeschrieben werden kann" (S.139, Fn. 8). Lebensstil ist nicht mehr an "vorab festgelegte Sozialstrukturen und Ressourcenausstattungen angebunden" (S.139), sondern interessiert in seiner praktischen Hervorbringung, als "emergierende Form" (ebd.), die sich bedeutungsgeladen in sozialen Praktiken ausformt und "im, mit dem und durch den Lebensstil zu spezifischen Mustern verwoben" (S.140) werden. Mit der kulturell aufgeladenen, auf Wissen bezogenen Praxisperspektive wird es ermöglicht, "die Handlung als Teil einer sinnhaften sozialen Praxis oder eines Lebensstils konstatieren [zu] können, ohne auf eindeutige Anwendungsregeln oder enge Interpretationsgemeinschaften zurückzugreifen" (S.229), also auf die Vorstellung, dass Mitglieder einer Lebensstilgemeinschaft oder einer Kultur explizite gemeinsame Auslegungsregeln teilen. [16]

Mir erscheint es allerdings fragwürdig, ob ein derartiger Lebensstilbegriff ohne Rückgriff auf Sozialstrukturen und soziale Milieus haltbar und tragfähig ist. Möglicherweise wäre es hier sinnvoller, eine striktere Abgrenzung zwischen Handlungs- oder Umgangsstilen einerseits und Lebensstil andererseits vorzunehmen. Während es einleuchtet, dass Umgangsstile durchaus auch bei einer Person situationsabhängig variieren können, bliebe so der Lebensstil als übergreifenderes Konzept erhalten, das nicht nur an soziale Praktiken, sondern auch an sozialstrukturelle Voraussetzungen oder soziale Milieus koppelbar und anschlussfähig wäre. HÖRNING selbst bezieht sich an anderer Stelle auf unterschiedlich verteilte Handlungsressourcen (s.u.). – Warum diese sich nicht auch in soziale Praktiken und deren übergreifende emergente Formen als von situativen Umgangsstilen unterschiedene Lebensstile einschreiben sollen, bleibt mir unverständlich. Auch dabei muss ja nicht von einem eineindeutig determinierenden kausalen Zusammenhang ausgegangen werden, sondern es können durchaus Brüche und Eigensinnigkeiten berücksichtigt werden. Anzumerken ist an dieser Stelle ebenfalls, dass HÖRNING selbst zwar wie oben dargestellt die multiple Zuordnung von Gruppen, Personen und Lebensstilen fordert, dass dieser Anspruch aber mit seiner Beschreibung der von ihm gefundenen Lebensstiltypen "technikfaszinierter Wellenreiter", "kommunikationsbesorgter Skeptiker" und "zeitjonglierender Spieler" schwer zusammenzubringen ist (vgl. S.138 ff.). Dies gilt insbesondere, wenn die Figur des "Spielers" als auf den Spielräumen neuer Technologien basierende, letztlich dann doch gesellschaftliche Leitfunktion übernehmende Lebensweise präsentiert wird (S.152).3) [17]

HÖRNING interessiert sich – nicht nur bezogen auf Lebensstile – insbesondere für den performativen Charakter des Wissens. Gemeint ist damit das "praktisch eingesetzte Wissen, das dem alltäglichen Handeln nicht nur die Richtung weist, sondern Unschärfen vermittelt und einen befähigt, die durch Unsicherheiten und Widersprüche geprägte Praxis besser zu meistern" (S.197). Das als kulturell verortete implizite Wissen wird so nicht als Generator sozialer Zusammenhänge, sondern in seiner instrumentellen Funktion für die alltägliche Lebensführung und ihre Praxis begriffen. Praktisches Wissen wird zumeist jenseits von Ausbildungsinstitutionen erworben. Dies geschieht durch die Teilnahme an fortlaufenden sozialen Praktiken, durch den Umgang mit Menschen, Sachen und Ereignissen. Dabei geht es nicht um das Erlernen eines festen Wissensbestands, eines kognitiv explizierbaren Faktenwissens, sondern um die Aneignung von Fertigkeiten, Fähigkeiten und Beurteilungsmaßstäben, die zum Bestehen in der Praxis gebraucht werden. Kompetenzen werden in Handlungszusammenhängen gelernt (S.198). Erfolgsmaßstab ist dabei die Frage, wie gut jemand mit den Unwägbarkeiten des Lebens zu Rande kommt. Eine so neu orientierte Wissenssoziologie hätte sich

"mit neuen Problemen der Produktion, Artikulation, Institutionalisierung und Verteilung von Wissenselementen zu beschäftigten, um dabei auf praktische Einsichten und Reflexivitäten zu stoßen, die sich heftig an der kulturellen Macht reiben, die so unauffällig und partiell in unsere Alltagspraktiken eingelassen ist" (S.199). [18]

3.4 Machtpraktiken

Kulturelle Macht – gemeint als Abschwächung der totalen Vorstellung hegemonialer Kultur wie etwa bei GRAMSCI – bezieht sich dabei auf die Etablierung von Instrumenten der kulturellen Kontrolle, die die bis Mitte des 20. Jahrhunderts vorherrschenden Form der sozialen Kontrolle zumindest in den Mittelschichten westlicher Demokratien abgelöst habt. Während soziale Kontrolle die Kontrolle von Individuen, Gruppen und sozialen Beziehungen meint, verweist kulturelle Kontrolle auf die Kontrolle von Wissen und Können (S.200). Kulturelle Kontrolle ist die Formulierung von Kategorien, Handlungsmodellen und Deutungsmustern, die etwa via Berufsausbildung so verbreitet werden, dass sie unideologisch, antiideologisch und "natürlich" scheinen. Aber kulturelle Kontrolle ist eben nicht total. Sie hält als unsichtbare Alltäglichkeit des routinierten Umgangs Normalität in Gang, wird aber sichtbar und thematisierbar, wenn unterschiedliche soziale Praktiken und kulturelle Differenzen aufeinander stoßen. Dann kommt es zu Interpretationskonflikten, zu sozialen und kulturelle Spannungen und zur Notwendigkeit von "interpretative work" (GARFINKEL). Wiederum verweist HÖRNING auf Zusammenbrüche, Konflikte und Irritationen – vom Einsatz neuer Technologien bis hin zur Veränderung der Beurteilungsmaßstäbe des Weltmarkts – als Anlass für Reflexion über eingeübte Praktiken. Es müssen neue Kompetenzen erworben werden; zugleich wird durch die Teilnahme am Veränderungsprozess der Normalität auch die Erfahrung gesammelt, dass sich gemeinsame Bezüge verändern: "So kann der Umgang mit den Dingen [...] auch zu einem praktischen Wissen führen, das in seinem Einsatz Einsicht in komplexe Situationen ermöglicht, Umsicht im Handeln nahe legt und Voraussicht auf das Morgen miteinbezieht" (S.201). Eine Situation, in der Regeln und Funktionsversprechen fehlschlagen, wirkt so als Katalysator für neues und neu zusammengesetztes praktisches Wissen und damit auch für Veränderungen der Rahmenbedingungen sozialer Praktiken. [19]

Spezielle soziale Praktiken sich Machtpraktiken. Macht ist in soziale Praktiken eingelassen, aber nicht jede Praxis kann auch als Ausfluss von Machtverhältnissen verstanden werden (S.183). HÖRNING bezieht sich hier auf FOUCAULT, den er allerdings ebenfalls nicht total und determinierend verstanden wissen will: "Foucault neigte immer wieder dazu, sich in Machtverhältnisse einzusperren, obwohl er die Sackgassen der Macht kannte und den der Macht immanenten Widerstand betonte. Erst der späte Foucault unterscheidet deutlich zwischen Macht und umfassender Herrschaft." (S.175). Zur FOUCAULTschen Aussage, dass das Subjekt Widerstand leistet, aber niemals den Machtbeziehungen entkommen kann, merkt HÖRNING an, dass Macht vor allem in den sozialen Alltagspraktiken wirkt, mit lokalen Strategien, die dann wechselnde Formen des Widerstands ermöglichen bzw. erfordern (S.175). Er legt also Wert darauf, nicht blind für die unterschiedliche gesellschaftliche Verteilung von Handlungsressourcen zu sein. Zwischen dem praktischen Wissen und den tatsächlichen sozialen Praktiken gibt es Differenzen, die darauf zurückzuführen sind, welche Handlungsressourcen – als ein sich gegenseitig stützendes Repertoire von Regelwerken, Technologien und Wissensbeständen gedacht – jeweils verfügbar sind, die quasi das Medium darstellen, in dem soziale Praktiken realisiert werden und durch das soziale Macht ausgeübt wird (S.229). Auch Handlungsressourcen werden – in Abgrenzung von GIDDENS und BOURDIEU – nicht als deterministisch verstanden, sondern als kontingent und anfällig für Veränderungen und Ambivalenzen, was Spielräume für eigensinniges Handeln und Kreativität eröffnet. [20]

3.5 Und die Dinge?

Zentral ist für HÖRNING, wenn es um die Dinge geht, die Kategorie des Umgangs mit Technik. Er spricht technischen Dingen sowohl ab, per se handlungsdeterminierend zu wirken, als auch, per se sozial formbar bzw. beliebig interpretierbar zu sein. Der Umgang mit Dingen ist vielfältig und geht über die bloße textanaloge Betrachtung als etwas Symbolisches weit hinaus:

"Wir bereden sie, wir bedenken sie, aber wir bearbeiten sie auch, transportieren sie, setzen sie in Gang, indem wir unser Vorwissen und Können aktivieren, machen unsere guten und weniger guten Erfahrungen, ärgern uns über ihren Lärm und Gestank, kümmern uns um sie und lassen sie reparieren, verkaufen oder verschenken sie, werden ihrer überdrüssig, legen sie beiseite, entdecken sie wieder in der nächsten Generation und stellen sie zu guter Letzt ins Museum." (S.190) [21]

Wichtig ist also die Einbindung technischer Dinge in soziale Praktiken, wichtig sind die Umgangsstile. Diese bilden sich heraus, wenn innerhalb sozialer Praktiken wiederholt mit Dingen umgegangen wird, wenn so im Umgang mit den Dingen soziale Praktiken reproduziert und auf Dauer gestellt werden. Soziale Praktiken in einer technisierten Gesellschaft sind also umfangreich in den Umgang mit Technik verwickelt.

"Wir leben unser Leben in einer Welt der Dinge, die von Menschen gemacht worden sind. Als Bewohner der Welt verwickelt sich der einzelne durch sein tägliches Handeln in die technische Ausstattung der Welt, ihre Geräte, Artefakte, Anlagen und Regelwerke. Er nimmt sie partiell in seine Praktiken hinein oder bringt auf sie gerichtete Praktiken hervor, er gebraucht sie, organisiert so sein Leben und erschließt sich derart auch die Welt. Somit liegt die Bedeutung der technischen Dinge erst einmal in ihrem Praxiswert, der sich aus den fortlaufenden Geschäften, seien sie betrieblicher, öffentlicher oder privater Natur, ergibt." (S.205) [22]

Neue Techniken können irritierenden und evokativen Charakter haben; es kann ihnen aber auch mit der Weiterführung etablierter Umgangsformen begegnet werden. Die "voraussetzungsvolle[n] Rationalitätsstrukturen" (S.58) von Technik werden durch sekundäre Traditionalisierung entproblematisiert: Die Technik der Eltern und Großeltern erscheint vertraut und einfach, über neue Technik erhitzen wir uns. Das Vertrauen in Technik wächst, je älter und eingeführter sie ist (ohne die Technik deswegen verstehen zu müssen). "Es genügt dem einzelnen, daß er mit den erwartbaren Eigenschaften des technischen Artefakts 'rechnen' kann, dann nimmt er sie in seine Handlungspraxis hinein" (S.60). Technische Dinge sind für HÖRNING auf jeden Fall sozial und kulturell mitverfasst, sie müssen in ihrer Einbindung in Zirkulationen von der Herstellung zur Entsorgung und in Netze und Objektsysteme verstanden und verfolgt werden (S.77ff.), Technik wird in der spiralförmigen Wechselwirkung von intendierten und eigensinnigen Nutzungen, von Herstellung und Weiterentwicklung, Umgang und Verweigerung kulturell modelliert (S.89). Das praktische Wissen in Bezug auf Technik, die Umgangskompetenz mit Technik, bezeichnet HÖRNING als technê und meint damit das technisch gekonnte, auf Nützlichkeit gerichtete Umgangswissen (vgl. S.234ff.), das nur teilweise algorithmisiert und in Maschinen und formale Abläufe eingebunden werden kann (und damit auch mehr ist als formalisiertes Expertenwissen). Allerdings geht praktisches Wissen – auch in Bezug auf Technik – für ihn über die bloße technische Kompetenz hinaus. Dabei misst er der übergeordneten sozialen Praxis die Aufgabe zu, "Kriterien zu gewinnen, um den Umgang mit den technischen Dingen als richtig oder falsch, sinnvoll oder sinnlos, als gut oder schlecht beurteilen zu können, sowohl als involvierter Teilnehmer als auch als involvierter Beobachter der Welt" (S.235). HÖRNING weist im Übrigen darauf hin, dass auch das gerne als rein und explizierbar gesehene wissenschaftliche Wissen an soziale Praktiken, Forschungstraditionen und kulturelle Kontexte angebunden ist (S.240). [23]

4. Abgrenzungen

4.1 Techniksoziologische Abgrenzungen

Wie lässt sich das soeben skizzierte theoretische Programm soziologisch einordnen? Wo liegt Neues, wo unterscheidet es sich von den Theorien, auf die es aufbaut? Da HÖRNING als kulturtheoretischer Techniksoziologe bekannt geworden ist, liegt es nahe, mit einer Abgrenzung zu anderen techniksoziologischen Theorien zu beginnen. Das erste Kapitel seines Buches setzt mit einer kurzen Geschichte der neueren Soziologie ein. In den letzten dreißig Jahren lässt sich dort eine Abwendung vom mit einfachen kausalen Theorien nicht mehr fassbaren Thema Arbeit hin zu vermeintliche härteren und greifbareren "großen" Themen ausmachen. Technik erscheint als ein solches Thema. Von einem einfachen kausalen Blick auf Technik grenzt HÖRNING sich durch einen sozial und kulturell aufgeladenen Technikbegriff ab:

"Dabei ist die Technik nicht nur gesellschaftlich erzeugt, sondern sie wird auch als gesellschaftliche verwendet. Es ist also ihr gemachter, gebrauchter und damit auch ihr sozialer Charakter, der interessiert. Die Frage ist nicht so sehr, was die Technik mit uns anstellt, sondern was 'wir', das heißt die Konstrukteure, Hersteller, Anwender und Nutzer, mit ihr 'anstellen'." (S.22). [24]

Mit diesem kulturell und sozial angereicherten Technikbegriff wird "die konventionelle Technikforschung gesprengt" (ebd.), es kommen Ambivalenzen ins Spiel, im Übrigen ein das Buch durchziehender, in der Argumentation immer wieder auftauchender Punkt. HÖRNING grenzt sich also von technikdeterministischen Theorien ab, von Theorien, die Technik oder Technisierung als zentralen Wirkfaktor gesellschaftlicher Entwicklung ansehen, ohne Spielräume der Einzelnen zu sehen, die Möglichkeit, das Laien angeblich materiell festgelegte Handlungsanweisungen ignorieren und anders ausdeuten. Dabei bestreitet er nicht, dass eine alltägliche Technisierung stattfindet – er sieht bloß deren Folgen als eine empirisch offene Frage. Er weist, auch das ein Strang, der sich durch das Buch hindurchzieht, auf die Gleichzeitigkeit technikbedingter Handlungszwänge und eines Eigensinns im alltäglichen Umgang mit Technik hin (S.35). Dabei wird ein dreistrahliger Technikbegriff verwendet. HÖRNING unterscheidet zwischen Sachtechnik (bzw. technischem Gerät oder Artefakt), Handlungstechniken und der Technologie als "Korpus technischen Wissens" (S.34). [25]

Insbesondere grenzt sich HÖRNING dabei von der auf Jürgen HABERMAS zurückgehenden Vorstellung ab, dass es zwei getrennte Welten eines technisch-rationalen Systems und einer alltäglich-behaglichen Lebenswelt gäbe (siehe Anmerkung 3) Er führt aus, wie diese Spaltung sich in der Verankerung der Soziologiegeschichte in der Industriegesellschaft erklären lässt, nämlich durch die Herausbildung einer "harten", mit Arbeit, Organisation und Technik befassten und einer "weichen", auf Familie, Jugend, Kultur und Freizeit hin orientierten Soziologie, die dann wechselseitige Annäherungen als Übergriffe interpretierten (S.36ff.). Demgegenüber ist aus HÖRNINGs Sicht das Übergreifen von der einen in die anderen Sphären der Normalfall; er macht dies am Beispiel der Hausarbeit und den von der organisatorischen Zweckrationalität nicht erfassten Nischen in Arbeitsorganisationen deutlich. Eine Techniksoziologie, die sich auf diesen "Mythos der getrennten Welten" beruft und Technisierung als Übergriff des Systems in die Lebenswelt konzipiert, lehnt er demgemäß ab; entsprechend wird Alltag nicht als gesonderte Sphäre konzipiert, sondern als dicht am alltäglichen Handeln geführter soziologischer Blick (S.32). Eine weitere Abgrenzung erfolgt in Bezug auf Ausdeutungen von Technik als etwas beliebig interpretierbarem, also einer rein kulturalistischen Perspektive. Hiergegen setzt HÖRNING den Verweis auf "Anpassungszwänge und Folgeketten" einer fortschreitenden Technisierung des Alltags (S.35). [26]

Während diese Abgrenzungen dem Stand der kulturtheoretischen Techniksoziologie entsprechen (vgl. bereits HÖRNING 1988), diskutiert HÖRNING im Schlusskapitel des Buches die ausformulierte, an Praxis und Kultur orientierte Techniksoziologie im Vergleich zu neueren techniksoziologischen Ansätzen. In einer auf den ersten Blick erstaunlichen Wendung wirft er dabei sozialkonstruktivistischen (und auch realistischen) Ansätzen vor, letztlich ebenfalls von starken technischen Determinismen auszugehen. Die Ansätze Social Construction of Technology (SCOT; Wiebe BIJKER) und Aktor-Netzwerk-Theorie (ANT; Bruno LATOUR) sind aus HÖRNINGs Sicht beide blind für die Nutzungsphase; ihr Schwerpunkt liegt auf den sozialen und politischen Umständen der Konstruktion und Herstellung (S.206). Danach kommt eine Phase der Verfestigung und der sozialen Ignoranz:

"So schickt ein solcher Ansatz die sozial konstruierten Geräte bzw. netzwerkartig verknüpften Artefakte als fertige Gebilde durch die Gesellschaft und kümmert sich nicht mehr um die Einsatz- und Gebrauchsweisen. Technik ist hiernach zwar ein zutiefst sozial hervorgebrachtes Phänomen; doch hat sie sich ab einem bestimmten Punkt verfestigt, objektiviert, materialisiert, dann regelt und strukturiert sie die Handlungsmuster und -abläufe des Nutzers eindeutig, versieht die Artefakte mit einer kollektiven Handlungsanweisung, die die 'richtigen' Bedienungs- und Anschlusshandlungen fixiert." (S.207). [27]

Er kritisiert, dass konstruktivistische Theorien sich darauf konzentrieren, sich um die Vorgeschichte der Technik zu streiten, anstatt die gesellschaftlichen Wechselwirkungen in der Nutzungsphase zu berücksichtigen. Ist das Gerät oder die Maschine erst einmal in der Welt, wird die Sichtweise des Konstruktivismus wie auch realistischer Theorien (Bernward JOERGES) einseitig: es geht nur noch darum, wie technische Artefakte zum Handeln gebracht werden, wie sie dabei soziale Normen funktional äquivalent ersetzen (S.208ff.). Damit dieses technisch substituierte Handeln "richtig" funktioniert, müssen diese Ansätze allerdings eine "bestimmte soziale Ordnung unterstellen, die so mächtig wirkt, daß sie sich nicht nur in der geronnenen Technik auf Dauer stellt, sondern sich auch in den Händen und Köpfen der Techniknutzer spiegelt" (S.211). HÖRNING spricht hier von einem "technizistischen Gesicht des gesamtes Ansatzes" (S.212), das impliziere, dass in die technischen Artefakte Texte eingeschrieben sind, die zu "rationalerweise" zu befolgenden Handlungsnotwendigkeiten für die NutzerInnen werden: Determinismus!4) [28]

Die dritte Abgrenzung, die HÖRNING (S.216ff.) vornimmt, ist eine Positionierung in Bezug auf techniksoziologische Medientheorien (etwa Werner RAMMERT), bei denen Technik gerade nicht in der Materialität der Artefakte gesucht wird, sondern vielmehr auf bestimmte wiederholbare und erwartbare Funktionalitäten eines künstlichen Wirkungszusammenhangs. Technik ist hierbei eine bestimmte Form, die in unterschiedlichen Medien unterschiedlich gut einprägbar ist; letztlich spricht aber nichts dagegen, dass die "Letzteinheiten" physikalisch, chemisch, biologisch sind oder auch aus Handlungen oder Kommunikationen bestehen. Ob ein Stoff eine mediale Funktion für Technik übernehmen kann oder nicht, hängt HÖRNING zufolge vom Verwendungszusammenhang ab. "Damit sind wir überdeutlich auf die Kontexte verwiesen, innerhalb deren Prozesse der Technisierung ablaufen, innerhalb derer sich das Beziehungsgeflecht aufbaut, das die als Medien dienenden 'Stoffe' verknüpft" (S.220, Herv. im Orig.). Während HÖRNING in der sozialkonstruktivistischen Position Technik als zu "fest" erscheint, kritisiert er die medientheoretische Position als eine, in der Technik zu "weich" wird: "der Gegenstand tritt gegenüber einer schier endlosen Formbarkeit der Welt in den Hintergrund" (ebd.), was zum Problem des Kontextualismus führt, der bloßen Aneinanderreihung von Kontexten ohne Berücksichtigung "der Materialität und Historizität von Technik" (ebd.). Die Folge: "Dann werden nur noch Kontexte aneinandergereiht und die Vielfalt gefeiert, mit denen ungewöhnliche Techniknutzungen hervorgebracht werden." (ebd.). Für HÖRNING wird die kontextabhängige Formbarkeit und Funktionalität von Technik erst im Anschluss an den Blick auf das Handeln von PraktikerInnen soziologisch verwertbar. Praktiken werden durch Kontexte geformt und formen dabei Kontexte. [29]

Zusammenfassend positioniert HÖRNING die praxisorientierte kulturtheoretische Techniksoziologie damit in ein Zwischenfeld, das durch die Ablehnung jeglicher Determinismen (großer gesellschaftlicher monokausaler Technisierungen wie der materiellen Einschreibung von Handlungsprogrammen) wie durch die Ablehnung kulturalistischer oder medial-kontextualistischer Beliebigkeiten gekennzeichnet ist. Seine zentrale Kategorie, der Umgang mit Technik in der alltäglichen Praxis, verweist vielmehr auf das Zusammenwirken individuell in der Praxis verankerter kultureller Wissensbestände, auf die Auseinandersetzung mit technischer Materialität sowie auf Spielräume der praktischen Handhabung von Technik, die sich letztlich wiederum in kulturellen Fortschreibungen oder Veränderungen des praktischen Wissens reproduzieren. [30]

Als Kern einer praxis- und kulturtheoretischen Perspektive auf Technik nennt HÖRNING vier Punkte (S.205):

  • Erstens geht es darum, den gemachten und damit den sozialen und kulturellen Charakter von Technik herausstellen; in der Technik der wir im alltäglichen Leben begegnen, steckt schon viel Geschichte technischen und sozialen Handelns und Wissens.

  • Zweitens muss Technik als zentraler Teil der vorherrschenden materiellen Kultur verstanden werden.

  • Drittens darf Technik nicht isoliert, sondern muss in ihren praktischen Einsatzformen betrachtet werden, also im Umgang mit den technischen Dingen.

  • Viertens schließlich wird Praxis durch technische Dinge irritiert und provoziert, was wiederum neue Suchprozesse im Handeln und Verstehen auslöst. [31]

Diese vier Punkte werden weder durch mediale noch durch sozialkonstruktivistische Techniktheorien erfüllt, die der grundlegenden "Verwickeltheit" des Gewebes unseres Handelns und unserer Handlungsbezüge mit der Technik nicht gerecht werden. [32]

4.2 Kultur- und praxistheoretische Bezüge und Abgrenzungen

Damit komme ich zu einer zweiten Reihe an Abgrenzungen, die HÖRNING vornimmt. Er plädiert für eine kulturbezogene Praxistheorie, für eine praxisbezogene Kulturtheorie. In beiden Fällen greift er auf andere Ansätze zurück, ohne diese jedoch vollständig zu übernehmen. [33]

Kulturtheoretisch bezieht sich HÖRNING (spätestens seit HÖRNING 1988) auf Clifford GEERTZ (1983), der Kultur als Bedeutungsgewebe des Menschen sieht und die Bedeutungssysteme erforschen will, die sich in Symbolen materialisieren. Diese haben bei GEERTZ prinzipiell kollektiven Charakter und manifestieren sich in der gemeinsamen sozialen Handlungspraxis (vgl. HÖRNING 2001, S.45). Symbole sind weder ausschließlich Täuschungsmittel, Mittel der Legitimation oder gar Statussymbol, und sie dürfen nicht mit den Dingen selbst verwechselt werden. Als Träger von Symbolen können neben technischen Dingen und Sprache auch "Bilder, Maschinen, Möbel, Gebäude, Städte, elektronische Speichermedien und dergleichen" (S.48) dienen. HÖRNING grenzt sich von Ansätzen ab, die sich auf Kultur auf Sprache oder "Text" reduzieren und er verweigert sich einer Verabsolutierung des Symbolaspekts. Interessanter sind für ihn die Beziehungen zwischen Handeln und Kultur, das gleichzeitige Wirken verschiedenartiger Vergesellschaftungen: "Diese Differenz und Heterogenität ist das kultursoziologische Thema seit Simmel und Weber" (S.48). Immer wieder kritisiert HÖRNING damit die Praxisblindheit der Kulturperspektive. Am Beispiel von GEERTZ macht er deutlich, dass für diesen Kultur ein Gewebe, ein Text (vgl. auch S.189), eine Struktur ist, und nicht der Prozess des Webens, des Lesens und Schreibens, der Geschichte.

"Um zu verstehen, warum Menschen das tun, was sie tun, reicht es aber nicht aus, die vorherrschenden kulturellen Konstrukte einer Gesellschaft zu erkennen, sondern genauso wichtig ist es, die Wege und Weisen zu analysieren, wie diese [...] in die sozialen Handlungspraktiken der Menschen Eingang finden" (S.158). [34]

Er plädiert daher für eine Kulturanalyse, die Macht- und Konfliktverhältnisse und die historischen sozial strukturierten Kontexte berücksichtigt, um sodann auch die Konflikte und Widersprüche in Kulturverhältnissen zu erfassen, also für eine "kulturtheoretisch informierte Praxisperspektive" (S.160). [35]

Generell unterscheidet HÖRNING zwischen zwei verschiedenen Kulturkonzepten: einer normativistischen und einer praxisbezogenen Kulturanalyse. "Die normativistische Auffassung setzt gemeinsame Sinnstrukturen, gemeinsame Regeln, ein gemeinsames kulturelles Wissen und ein entsprechendes Einverständnis unter den Mitgliedern einer Kultur voraus" (S.221); daraus ergibt sich dann sogleich auch eine Spaltung der Welt in die, die das kulturelle Wissen teilen und die, die es nicht teilen. Dieser Sichtweise setzt HÖRNING die praxisbezogene gegenüber, die u.a. auf den Arbeiten der Cultural Studies aufbaut (vgl. APPADURAI 1996; HÖRNING & WINTER 1999). Zur Begründung für den Wechsel von der normativistisch-kulturalistischen Perspektive hin zur einer auf Kultur bezogenen Praxisperspektive schreibt er: "Doch 'Kultur' ist nicht in vollständiger Form zu haben; zu offen, zu unabgeschlossen ist die Welt, als daß wir uns auf homogene Auslegungsregeln stützen könnten. Zu ungleich sind die Zugangsvoraussetzungen, zu divergent die Hervorbringungen, zu vielfältig die kulturellen Formen und Praktiken" (ebd.). Ebenso lehnt HÖRNING Kulturkonzepte ab, die Kultur nur als Ausfluss von Sozialstrukturen begreifen. [36]

Trotz der positiven Bezugnahme auf die Cultural Studies hält HÖRNING diese nicht für ausreichend, um damit auf die kulturellen Elemente des praktischen Handelns einzugehen. Positiv hebt er hervor, dass die Cultural Studies in ihrer Untersuchung populärkultureller Praktiken den Blick auf Formen geöffnet haben, mit denen kulturelle Kompetenzen hervorgebracht werden, und mit denen – oft implizites – Wissen Selbstverständlichkeiten im Alltag produziert. Dies geschieht allerdings einseitig: der Blick auf die non-konformistischen Nischen und Subkulturen führt zwar zur "Suche nach potentieller Abweichung von vorherrschenden Wissensformen und nach deren Einsatz als kulturellen Schemata im sozialen Leben" (S.197), diese werden aber schnell wieder als eindeutig konstitutiv für das soziale Handeln und die sozialen Beziehungen in der Subkultur angesehen. Aus der "romantische[n] Feier der Populärkultur als prinzipiell subversiver Kultur" (S.187) wurde so schnell Enttäuschung über das Wirken der "Hegemonialkräfte" der Konsumindustrie. In einer letztlich strukturalistischen Fixierung auf Kultur zu Lasten des Sozialen erweisen sich nach HÖRNING die Cultural Studies damit als ahistorisch und blind gegenüber dem Prozesscharakter kultureller Praxen, gegenüber der "Kunst des Handelns" (DE CERTEAU) sowohl der Mächtigen und Dominanten wie auch der Widerspenstigen. [37]

Kennzeichnend für eine kulturtheoretisch informierten Praxisperspektive ist es hingegen, dass die Vorstellung aufgegeben wird, dass Unterschiede in Lebensformen anhand gemeinsam geteilter Überzeugungen größerer Gruppen erklärt werden können. Diese Individualisierung von Kultur geschieht anhand eines Blicks auf Wissen, das als zentrale Modalität von Kultur verstanden wird. Wissen bezieht sich dabei auf "Wissen- und Interpretationsschemata, die die Menschen heranziehen, um in ihrer Welt zu handeln und diese für sich handhabbar und einsichtig zu machen" (S.222). An die Stelle eines abstrakten Kulturbegriffs wird die Frage danach gesetzt, "welche Formen und Arten von Wissen auf welche Weise erworben, praktisch eingesetzt und reproduziert und innerhalb und zwischen den Gruppen verallgemeinert und überliefert werden" (ebd.). Dementsprechend unterscheiden sich Kulturen durch spezifische Ensembles von ein- und ausgeübten Wissensrepertoires und -routinen. HÖRNING geht jedoch davon aus, dass es sinnvoller ist, Kultur heute als global vernetzt abzusehen statt abgesonderte und säuberlich geschieden Einzelkulturen vorauszusetzen. Schließlich sind ihm die informellen und impliziten kulturellen Formen, der "latente Sinn der Praxis" (S.223) wichtiger als "offizielle" Bedeutungen. Damit ist eine Abkehr sowohl von einer auf Hoch-Kultur spezialisierten Kultursoziologie wie von einer auf die expliziten Wissenssysteme von Experten bezogenen Wissenssoziologie verbunden. Statt extern angesetzten Regeln und Normen zu trauen, soll eine kulturtheoretische Praxisperspektive immer danach fragen, welche Praktiken tatsächlich ausgeübt werden. Dabei wird von einer Vielfalt koexistierender Praxisstile ausgegangen. [38]

Als Ansatzpunkt, um die inneren Regelwerke alltäglichen Praktiken erkennen zu können, greift HÖRNING auf den Pragmatismus (DEWEY und MEAD) zurück, der "die Antwort in der Störung [sucht], im Zusammenbruch selbstverständlicher Gegebenheiten, in der Unterbrechung des 'Normallaufs'. Er sieht die Irritation im Handlungsfluß als reflexionsförderndes Element." (S.224). Aus Krisen, aus dem Scheitern am sozialen wie materiellen Widerstand erwächst kreatives Potenzial (vgl. JOAS 1992) und eine gesteigerte praktische Intelligenz. Dementsprechend ist der Maßstab für Handeln nicht ein normativ gesetztes richtig oder falsch, sondern Stimmigkeit und Angemessenheit in Bezug auf einen Kontext. Dies gilt insbesondere für die Reflexion und Explikation nach einer Krisenerfahrung. [39]

Spiegelbildlich zur Anreicherung der Kulturtheorie durch den Bezug auf die Praxis besteht HÖRNINGs Weiterentwicklung und Abgrenzung zu den Praxistheorien von BOURDIEU und GIDDENS, auf denen er aufbaut, darin, diesen eine zu starre Kopplung von Sozialstruktur und soziokultureller Praxis (im Fall von BOURDIEU) und einen "Regelnormativismus" (im Fall von GIDDENS) vorzuwerfen. [40]

Dies gilt, wenn bei BOURDIEU Klassen oder Gruppen eindeutig eine bestimmte Lebensstildisposition zugeschrieben, wenn dort Habitus und Habitat reduktionistisch verkettet werden und wenn das Feld von Wirkungszusammenhängen geschlossen bleibt: "Eine Sozial- und Kulturanalyse der Gegenwart sollte nicht so sehr daran interessiert sein, die Nähe bzw. Identität von Prädispositionen und Strukturen aufzuweisen, sondern vielmehr die vielfältigen, konfliktreichen Interaktionsformen beider Geschichten in der Gegenwart zu untersuchen" (S.169). Habitat und Habitus sollten nicht als starr gekoppelt verstanden werden; vielmehr muss die mögliche Problematik und Uneindeutigkeit des Habitats ernst genommen werden. Habitusveränderungen sind an biographische Brüche, an Individualisierungsschübe und Kontingenzsteigerungen durch soziale Differenzierung und Entstandardisierungen gekoppelt, also an den Zerfall kollektiver Räume und Zeiten. Diese Spielräume fehlen; BOURDIEUs Konzept erscheint hier als zu sicher und fest. Auch sozialer Wandel und Innovation innerhalb von Strukturen lassen sich mit BOURDIEU nur schwer erklären. HÖRNING sieht hier ein machttheoretisches Defizit. "Zwar läßt der Bourdieusche Habitus dem Individuum einen Freiraum der strukturierten Improvisation, doch die Möglichkeit des Widerstands gegenüber den Machtstrukturen ist nicht wirklich vorgesehen" (S.171). An dieser Stelle ergänzt HÖRNING das BOURDIEUsche Praxiskonzept durch die Hinzunahme einer Perspektive auf Macht, die diese nach FOUCAULT als ambivalent, verästelt und an soziale Praktiken gebunden versteht. [41]

Mit Regelnormativismus (vgl. S.230) ist gemeint, dass GIDDENS' Theorie der Moderne von einer Ausdehnung von Expertenwissen und "Expertensystemen" als "notwendige Folge der fortschreitenden Enttraditionalisierung" (S.238) ausgeht. Expertenwissen wird überbetont, "das Wissen und die Urteilskraft der alltäglichen Praxis" (ebd.) werden hingegen vernachlässigt, wenn GIDDENS' Praxis auf das Gebrauchswissen für den Umgang mit technischen Artefakten verkürzt. Für HÖRNING macht dieses nur einen Teilbereich des praktischen Wissens aus und ist zudem an kulturelle Rahmenbedingungen geknüpft. Im Begriff des praktischen Wissens, der an Kultur gekoppelt ist, geht HÖRNING hier also über GIDDENS hinaus. [42]

5. Exkurs: Soziale Praktiken, praktisches Wissen und qualitative Sozialforschung

Die Experten des Alltags lassen sich nun nicht nur als theoretisch wie empirisch fundiertes Argument für eine kulturtheoretisch angereicherte Praxisperspektive lesen, sondern auch als ein Plädoyer für den Einsatz qualitativer Methoden in der empirischen Sozialforschung, insbesondere für die Techniksoziologie. Zwar ist dieses Plädoyer in HÖRNINGs nicht direkt enthalten, doch sprechen zwei Punkte für eine solche Interpretation der Experten des Alltags. Erstens hat HÖRNING selbst für seine eigenen Studien, auf denen das Buch ja zu einem großen Teil aufbaut, qualitative Methoden verwendet. Zweitens plädiert er immer wieder für einen Blick auf die tatsächlichen sozialen Praktiken, für ein Nachverfolgen der Handelnden. [43]

In den Experten des Alltags selbst geht HÖRNING kaum explizit auf die seinen Forschungen zugrunde liegende Methodologie ein. Die einzige Stelle, an der ausführlicher über Methoden berichtet wird, ist eine Fußnote am Beginn des Kapitels "Bearbeitungen des Computers: Technik als kommunikative Praxis" (S.99). Hier beschreibt er einen recht komplexen Beobachtungsaufbau, der es ermöglichen sollte, Kommunikationssequenzen aufzuzeichnen – die dann in Anlehnung an SOEFFNER (1989) in Bezug auf die Rolle des Computers bei der Wirklichkeitsgeneration in einer Arbeitsorganisation ausgewertet wurden:

"Um der Prozeßhaftigkeit sozialer Wirklichkeitsproduktion Rechnung zu tragen, erfolgte in zwei Konstruktions- und zwei Industriedesignabteilungen eine jeweils mehrtägige Beobachtungsphase, bei der das alltägliche, die Computernutzung begleitende Arbeits- bzw. Kommunikationsgeschehen mittels Videokamera aufgezeichnet wurde. Aus dem so gewonnenen Datenmaterial wurden solche Sequenzen herausgeschnitten, in denen der Computer als expliziter Gegenstand des Alltagshandelns in Erscheinung trat. Bei der Analyse dieser Sequenzen ging es speziell um die Art und Weise, wie die Kommunikation Wirklichkeit erzeugt, indem sie in ihrem Verlauf aufeinanderfolgende, momenthafte Ereignisse zu identifizierbaren Sinnprozessen verknüpft. Entsprechend erfolgte die Analyse ohne Zuhilfenahme weiterer Beschreibungen und Komplementierungen: Sie folgte der Ablaufstruktur des jeweiligen Geschehens und zeichnete die sich von Ereignis zu Ereignis aufbauende Sinnstruktur bis zu dem Punkt nach, an dem [...] die das Geschehen treibende Sinnfigur des Computers kenntlich wurde." (S.99, Fn. 9). [44]

Obwohl HÖRNINGs Buch nicht nur hier auf ältere Untersuchungen von ihm bzw. von seiner Arbeitsgruppe zurückgreift, findet sich nur an dieser Stelle ein ausführlicherer, Hinweis auf die tatsächliche empirische Methodik; ansonsten wird auf die jeweiligen Originaluntersuchungen verwiesen; die Experten des Alltags sind definitiv nicht als Methodenlehrbuch gedacht. Folgen wir den Verweisungen, so findet sich in HÖRNING, AHRENS & GERHARDT (1997, S.77ff.) die Bemerkung, dass zur Untersuchung von Zeitpraktiken bewusst eine qualitative Methode der Datenerhebung (das thematisch strukturierte Interview mit narrativen Phasen nach SCHÜTZE) gewählt wurde, um so auf die "alltagsweltlich vertraute Kommunikationsform des Gesprächs" (HÖRNING et al. 1997, S.77) zurückgreifen zu können, um möglichst nah an der Handlungsrealität der Befragten zu liegen und diesen die Chance zu bieten, "sich über das Maß des alltäglich Kommunizierten hinaus in ihrer Komplexität vorzuführen" (HÖRNING et al. 1997, S.78). Daneben wurde mit vertiefenden Gruppengesprächen gearbeitet, bei denen die soziale Bezugsgruppe der Interviewten miteinbezogen wurde. In der Auswertung griffen HÖRNING et al. auf die Grounded Theory (STRAUSS & CORBIN 1995) zurück, ohne diese jedoch orthodox durchzuführen. Vielmehr wurde in der Auswertung eine "operationsorientierte Perspektive" (HÖRNING et al. 1997, S.80) an die Stelle der akteursorientierten Perspektive gesetzt, es folgte also ein Wechsel vom Blick auf die Handelnden hin zum Blick auf das, was HÖRNING als Lebensstile bezeichnet. Eine an qualitativen Methoden orientierte Empirie zieht sich durch HÖRNINGs Werk hindurch; als ein weiteres Beispiel sei auf die Zeitpioniere (HÖRNING, GERHARDT & MICHAILOW 1990, S.54ff.) verwiesen, wo als Erhebungsmethode wiederum narrative Interviews und als Auswertungsmethode eine Kombination aus formaler textanalytischer Sequenzierung und eine sozialwissenschaftlich-hermeneutischen Auslegung verwendet wurden. [45]

Es soll jetzt aber nicht darum gehen, eine Untersuchung über die Verwendung qualitativer Methoden in HÖRNINGs Werk durchzuführen. Vielmehr sollte damit deutlich gemacht werden, dass das überwiegend theoretisch angelegte Buch Experten des Alltags im Datenmaterial empirischer Erhebungen verwurzelt ist, die mit qualitativen Methoden durchgeführt wurden. Dies allein könnte schon als Indiz dafür gelten, dass hiermit für einen Einsatz qualitativer Methoden plädiert wird. Werden nun die durch die Experten des Alltags hindurch immer wieder zu findenden Hinweise dazu genommen, dass die Soziologie sich doch bitte den sozialen Praktiken, dem praktischen Wissen der Handelnden zuwenden soll, so kann HÖRNINGs Buch wohl auf jeden Fall als ein solches Plädoyer gelesen werden. [46]

So beginnt das Buch mit einem an die Nutzungsperspektive gekoppelten Alltagsbegriff (vgl. S.32). Alltag wird als Kurzformel dafür verwendet, die soziale Praxis des einzelnen, sein übliches Tun, sein wechselseitiges Handeln mit anderen und die ständig ablaufenden Prozesse gemeinsamer Sinnkonstitution in den Mittelpunkt auch des Forschens zu stellen. Auch der Verweis darauf, dass der Blick auf die Konstruktionsgeschichte der Praktiken und der damit verbundenen Kategoriensysteme (S.189) gelenkt werden sollte, lässt sich – wie natürlich generell der ständige Verweis auf die hohe Relevanz der Praxis, der sozialen Praktiken und des praktischen Wissens – als Aufforderung für ein qualitatives Methodenverständnis lesen. [47]

Als Möglichkeit, an die impliziten Sinnstrukturen sozialer Praktiken, also an das praktische Wissen als BeobachterIn heranzukommen, erwähnt HÖRNING – vergleichbar zu den Krisenexperimenten der Ethnomethodologie – die Funktion einschneidender und irritierender Ereignisse, Misserfolge und Krisenerfahrungen, die dazu führen, eingelebte Verknüpfungen und innere Regelwerke offen zu legen und der expliziten Reflektion zu öffnen. Daraus ein Methodenprogramm herzuleiten, mag gewagt erscheinen; es ließe sich aber durchaus darüber spekulieren, ob nicht länger andauernde narrative Interviewsituationen durch ihre Herausgehobenheit und die damit verbundene Reflexionsnotwendigkeit diesen Krisenerfahrungen ähneln. Aber auch die kleinen Gesten sind als Manifestation des praktischen Wissens von Interesse: wenig komplexe und leicht übersehbare Praktiken der Begrüßung, des Konsums, des Essens, Praktiken des Fragens und Antwortens, des Hausbaus, der Verhandlung, der Entscheidungsfindung usw. (S.193). Hier ist eher die Beobachtung als die Befragung angesprochen; wie sich generell in den Experten des Alltags vielfach eine positive Bezugnahme auf ethnographische Blicke finden lässt. [48]

In Bezug auf den Umgang mit den Dingen rät HÖRNING, diesen nachzueilen und sie in ihren Zirkulationen und dem jeweils im Umgang konkret werdenden Gang durch Hände und Köpfe zu verfolgen (S.77). Er exemplifiziert dies an den Diffusions-, Gebrauchs- und Re-Interpretationsphasen technischer Dinge in Marktgesellschaften, doch lässt sich dies meines Erachtens stimmig auch als Argument dafür lesen, bei der soziologischen Bearbeitung von Technik das Ding als Gegenstand zu nehmen, um den herum sich in verschiedenen Phasen seines Lebensweges unterschiedliche und jeweils konkret erforschbare soziale Praktiken und Umgangsformen verknüpfen – vergleichbar etwa den Life-Cycle-Analysen der naturwissenschaftlichen Nachhaltigkeitsforschung. [49]

Schließlich plädiert HÖRNING am Schluss seines Buches nicht nur für eine Wertschätzung praktischen Wissens als eigenständiger Wissensform, sondern auch dafür, die Sprache des praktischen Wissens, die Alltagssprache, ernst zu nehmen. Im Vergleich zur durchorganisierten Sprache der ExpertInnen ist diese oft "unscharf, 'unordentlich', nicht vertextet, oft fragmentarisch" (S.243) – aber trifft dafür dennoch oft den Punkt sozialer Situationen. "Sie greift gerne auf Beispiele zurück, auf Analogien, auf Erfahrungen aus vergleichbaren Situationen, mit ähnlichen Problemen" (ebd.). HÖRNING verweist auf den (auf-) klärenden und erkenntnisgewinnenden Charakter des Sprechens über Beispiele, das immer auch ein Vergleichen ist.5) "So vermag sich aus praktischer Erkenntnis auch ein kritisches Vermögen auszubilden, das nicht am Tropf der Theorie hängt. Gute Kritik gibt es auch ohne Theorie, genauso wie es schlechte Kritik auf der Basis schöner Theorien gibt. Praktisches Wissen ist somit eine Quelle kritischer Vernunft und sollte als solche unser Interesse gewinnen" (S.243). – Hinzuzufügen wäre nur noch: nicht nur als abstrakter Untersuchungsgegenstand, sondern auch als ganz konkreter Zugang zu den sozialen Praktiken, zum praktischen Wissen. [50]

6. Würdigung

Immer wieder gibt es soziologische Bücher, die über das übliche hinausgehen, die einem das Gefühl vermitteln, dass einem hier die Augen geöffnet worden sind, dass etwas, dessen Fehlen schon immer bemängelt wurde, jetzt endlich schwarz auf weiß gefasst zu lesen ist. In diese Kategorie von Büchern würde ich beispielsweise Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit (BERGER & LUCKMANN 1977) oder die Entdeckung der Grounded Theory (GLASER & STRAUSS 1998) einordnen. Gehören die Experten des Alltags auch dazu? [51]

Ich würde diese Frage eher verneinen. HÖRNINGs Werk kommt auf jeden Fall nahe an diese Kategorie heran, deren Kern vielleicht damit beschrieben werden könnte, dass hier neue soziologische Selbstverständlichkeiten begründet werden. Warum ich es dennoch nicht in diese Kategorie einordnen möchte, liegt zum einen am Prozesscharakter des Buches, der Unschärfen und Unentschiedenheiten mit sich bringt, die auf dieser Ebene auch theoretisch nicht notwendig sind. Es geht dabei nicht um das sinnvolle Zulassen von Ambivalenzen, sondern um eine gewisse Unentschlossenheit, auch um Wiederholungen und Redundanzen, am deutlichsten vielleicht im Schwanken zwischen praxistheoretisch fundierter techniksoziologischer Arbeit und dem Anspruch, an den Fundamenten der Soziologie über die Dinge hinaus zu rütteln. Manchmal versteckt sich das wirklich Neue zwischen den Zeilen. Aber auch der Ansatz, auf ältere (oder vorweg veröffentlichte) Arbeiten zurückzugreifen und diese dann doch relativ lose miteinander zu verbinden, trägt – wie der Verzicht auf ein einprägsames Label für das hier in die Welt gesetzte Theorieprojekt – dazu bei, letztlich bei dieser Einschätzung zu bleiben. Spielt es den überhaupt eine Rolle, ob die Experten des Alltags als innovativ gelten können oder nicht? [52]

Wenn sie als Zusammenschau älterer Arbeiten in einem gemeinsamen Kontext gelesen werden, oder als Dokumentation eines Suchprozesses verstanden werden, der nach dem Zusammenhängen zwischen dem Handeln, den Dingen, der Praxis und der Kultur forscht, dann sicherlich nicht. Ich befürchte aber, dass in diesen Lesarten schnell untergeht, dass HÖRNING ausgehend von der Technik – sich dann aber davon ablösend – eine Fusion von Kulturtheorie und Praxistheorie entwickelt. Diese hätte aus ihrer unbequemen Mittelposition heraus durchaus das Zeug dazu, die Kultur und das Soziale, individuelles Handeln und übergreifende soziale Formationen in der Soziologie zusammenzubringen und so die zwei Welten der "harten" und der "weichen" Soziologie zu überbrücken. Um nicht missverstanden zu werden: HÖRNING ist natürlich nicht der erste, der soziale Praktiken als wichtiges strukturierendes Kernelement der Soziologie fokussiert. Er ist auch nicht der erste, der Handeln und Kultur zusammenbringt, auch nicht in der Techniksoziologie. Das Neue an den Experten des Alltags ist jedoch – neben der durchgängigen Betonung von Kontingenzen, Ambivalenzen und der Bedeutung, die dem praktischen Wissen zukommt – der Versuch, eine auf soziale Praktiken aufbauende Strukturierungstheorie mit Kulturtheorie anzureichern und dabei en passant die technischen Dinge in die Soziologie einzugemeinden: nicht als Mitspieler, wohl aber als Material, mit dem in den alltäglichen sozialen Praktiken genauso wie mit Menschen oder Ereignissen umgegangen wird. [53]

HÖRNING liefert mit den Experten des Alltags Ansatzpunkte für dieses Projekt. Was letztlich anderen überlassen bleibt, was die Experten des Alltags nicht leisten können, ist es, diese Ansatzpunkte aufzugreifen, sie im Wechselspiel von theoretischer Leitlinie und Empirie schließlich ein Echo in der Soziologie finden zu lassen, und damit dann auch die Soziologie selbst zu verändern, sie näher an die Alltagspraxis zu bringen, ihr ihre offenen und heimlichen Determinismen zu entreißen, ohne sie damit blind für soziale und kulturelle Einflüsse zu machen. Ein derartiges Projekt muss prozesshaft und auf Dauer angelegt sein, und es kann nur von einer Vielzahl von Menschen auf den Weg gebracht werden. Der Verdienst von HÖRNING ist es, einige wichtige Bausteine und Baupläne dafür gefunden und zusammengebracht zu haben: als Material, an dem sich soziologische Praxis reiben kann, aber auch als Material, anhand dessen begründete Theorien konstruiert werden können. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Impetus in der Soziologie ankommt und dass sich einige seiner Kernbegriffe dort verankern und festsetzen werden. [54]

Anmerkungen

1) Für einige wichtige und hilfreiche Hinweise danke ich den Mitgliedern des Kolloquiums Techniksoziologie am Institut für Soziologie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br. <zurück>

2) Nur am Rande erwähnt seien drei weitere Schlüsselbegriffe, bei denen HÖRNING sich auf G. H. MEAD bezieht: das Wechselspiel von sozialer Zeit und Sozialität in aufeinander bezogenen Handlungsanschlüssen (zu nennen ist hier auch die Rolle permanenter und mit kulturellen Zeitprogrammen versehenen technischen Objekten) und schließlich die Herausbildung von Bewusstsein in der Notwendigkeit, in einer komplexen und von Irritationen heimgesuchten Welt den Überblick über zeitlich verteilte Handlungsanschlüsse behalten zu können (vgl. S.118ff.). <zurück>

3) Auch wenn HÖRNING sich davon abgrenzt (s.u.): die Parallelität zwischen dem Dualismus aus zweckrational-instrumenteller Technikpräferenz ("System") und wertrational-kommunikativer Technikabneigung ("Lebenswelt") zu den Lebensstilfiguren "technikfaszinierter Wellenreiter" und "kommunikationsbesorgter Skeptiker" ist frappierend, insbesondere, wenn dann die dritte Lebensstilfigur "Spieler" als tief im gesellschaftlichen Wandel verankerte Synthese aus den beiden anderen Figuren dargestellt wird. <zurück>

4) HÖRNING (S.212) unterstellt sozialkonstruktivistischen Ansätzen (und den von ihm ebenfalls diesen Lager zugeordneten postkonstruktivistischen Ansätzen wie ANT; vgl. zu einer anderen Einordnung DEGELE 2002) ferner, dass diese sich, um diesem Determinismusvorwurf zu entgehen, mit ihren Beispielen in Bereiche bewegen, die entweder der stärker an "richtige" Nutzungsweisen gewöhnten Expertenschicht zukommen (z.B. Labors), oder aber auf rein körperlich-materielle Einschreibungen des "richtigen Handelns" ausweichen (z.B. Hotelschlüsselanhänger). <zurück>

5) Hier scheint es mir nahe zu liegen, an die Methode des ständigen Vergleichens, an den engen Datenbezug der Grounded Theory zu denken. <zurück>

Literatur

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Zum Autor

Till WESTERMAYER (Jg. 1975) hat in Freiburg Soziologie, Informatik und Psychologie studiert und sein Studium mit einer qualitativ orientierten Magisterarbeit über soziologische Zugänge zum "Virtuellen Parteitag" von Bündnis 90/Die Grünen Baden-Württemberg abgeschlossen. Er ist zurzeit wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Forstbenutzung und Forstliche Arbeitswissenschaft der Universität Freiburg und beschäftigt sich dort im Rahmen eines vom BMBF geförderten Forschungsprojektes mit den Arbeits- und Lebensumständen von forstlichen Dienstleistern. Parallel dazu arbeitet er im Rahmen seines Promotionsvorhabens "Technik und Alltagskultur" und im Netzwerk Neue Medien e.V. an techniksoziologischen Fragestellungen.

In FQS findet sich eine weitere Besprechung von Till WESTERMAYER zu Computer und Weltbild. Habitualisierte Konzepte von der Welt der Computer.

Kontakt:

Till Westermayer, M.A.

Universität Freiburg
Institut für Forstbenutzung und Forstliche Arbeitswissenschaft
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Zitation

Westermayer, Till (2003). Über die Dinge hinaus: eine Kulturtheorie der eigensinnigen Praxis. Review Essay: Karl H. Hörning (2001). Experten des Alltags. Die Wiederentdeckung des praktischen Wissens [54 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research], 5(1), Art. 10, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs0401101.



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