Volume 4, No. 2, Art. 41 – Mai 2003

Methode und Subjektivität in der Systematischen Metaphernanalyse

Rudolf Schmitt

Zusammenfassung: Die Spannung zwischen subjektivem Verstehensvermögen und Regeln der Forschung ist nicht abstrakt zu lösen; am Beispiel der "Systematischen Metaphernanalyse" führe ich eine mögliche Form des Wechselspiels zwischen sinnverstehenden Kompetenzen eines forschenden Subjekts und methodischen Regeln vor. Es folgt eine Übersicht über typische Interpretationen, die eine Metaphernanalyse ermöglicht.

Keywords: Metaphernanalyse, Subjektivität, Hermeneutik, qualitative Forschungsmethode

Inhaltsverzeichnis

1. Subjektivität und Methode I: Handwerk

1.1 Identifizieren des Themas der Metaphernanalyse

1.2 Unsystematische breite Sammlung der Hintergrundmetaphern

1.3 Systematische Analyse einer Subgruppe

1.3.1 Metaphernerkennung und dekonstruierende Zergliederung der Texte

1.3.2 Synthese von kollektiven metaphorischen Modellen

1.4 Rekonstruktion individueller Metaphorik

1.5 Methoden-Triangulation

2. Subjektivität und Methode II: Interpretationen

2.1 Der Vergleich metaphorischer Konzepte

2.2 Implizite Gliederungen und Werte

2.3 Metaphorische Ressourcen

2.4 Grenzen einer Metaphorik

2.5 Durch Metaphern motivierte Handlungen

2.6 Konflikte metaphorischer Modelle

2.7 Das Fehlen einzelner metaphorischer Modelle

2.8 Metaphern in der Metakommunikation

2.9 Metaphern als Projektionsfläche

3. Abschließendes zu Subjektivität, Hermeneutik und Metaphernanalyse

Anhang A: Metapherndefinitionen und Beispiele nach LAKOFF und JOHNSON

Anhang B, Anleitung 1: Regeln zur Identifikation von Metaphern

Anhang C, Anleitung 2: Regeln zur Rekonstruktion metaphorischer Modelle

Anmerkungen

Literatur

Zum Autor

Zitation

 

1. Subjektivität und Methode I: Handwerk

Qualitative Forschungen führen das spannungsvolle Verhältnis zwischen Subjektivität, Selbstreflexion und dem Befolgen methodischer Ablaufmuster in einer weit gestreckten Spannbreite vor: Sie reicht von der regelgeleiteten Inhaltsanalyse MAYRINGs (1983), die den subjektiven Anteil in der Kategorienbildung kaum zu reflektieren vermag, bis hin zur Position, dass das forschende Subjekt das Befolgen methodischer Regeln seinem ästhetischem Empfinden unterordnet (HUBER 2001). Der folgende Aufsatz versucht, das wechselseitige Bedingungsverhältnis von Subjektivität und methodischem Handwerkszeug an einer Forschungsmethode, der systematischen Metaphernanalyse, darzustellen. [1]

Die systematische Metaphernanalyse versucht, Muster des Denkens, der Sprache und des Handelns zu rekonstruieren. Sie folgt Hinweisen aus der Geschichtsschreibung der Philosophie, dass metaphorische Muster auch in den abstraktesten Diskursen das Denken bestimmen (BLUMENBERG 1960, 1971, 1988), ebenso wie Indizien aus der therapeutischen Praxis, dass das Sinnverstehen gerade auch unter schwierigen Bedingungen der Metapher in der Kommunikation bedarf (v. KLEIST 1987). Unter völlig anderen forschungslogischen Voraussetzungen hat die experimentelle Psychologie zeigen können, dass Metaphern aufmerksamkeitslenkende und kognitive Prozesse induzieren (MOSER 2001). Die Beiträge der Linguistik zur Rolle und Funktion der Metapher in der geschriebenen und gesprochenen Sprache haben im letzten Jahrzehnt erheblich zugenommen1). Die Beiträge der unterschiedlichen Disziplinen stimmen darin überein, dass Metaphern vorbegriffliche Orientierungen des Denkens und Erlebens bereitstellen, die der rationalen Diskussion kaum oder nur mit analytischen Hilfsmitteln zugänglich sind. In qualitativer Forschung fehlt ein Zugang, der eine systematische Reflexion der Metaphern erlaubt, in denen und durch die wir wahrnehmen, sprechen, denken und handeln. [2]

Die systematische Metaphernanalyse nutzt die Ergebnisse der kognitiven Linguistik von G. LAKOFF und M. JOHNSON (1980, 1987, 1999) und erweitert diese um Ablaufschritte der systematischen Rekonstruktion von metaphorischen Mustern. Beide Autoren haben in nachhaltiger Weise die Diskussion um die Metaphorik in verschiedenen Disziplinen angestoßen (Sammlung der Diskussionen des linguistischen Hintergrunds nach der Rezeption von LAKOFF und JOHNSON in BALDAUF 1997, psychoanalytische Beiträge siehe in BUCHHOLZ 1993, psychologische Diskurse in MOSER 2000, SCHMITT 2001). [3]

Die Forschungsmethode der systematischen Analyse des Bedeutungsgehalts von Metaphern verdankt sich einer Abstoßbewegung: In der bisherigen Literatur finden sich oft hemdsärmelige etymologische Sinnstiftungen und tiefschürfende Überdeutungen einzelner Metaphern, die im abwertenden Sinn oft "bloß subjektiv" sind (z.B. GRAF 1988). Demgegenüber verleiten die Analysen der Kognitiven Linguistik zu der Annahme, dass die metaphorischen Muster, die unser kollektives Denken strukturieren, im Wesentlichen schon in allgemeingültiger Form gefunden sind (LAKOFF & JOHNSON 1999). Beide Positionen übergehen die (oft schwierige) Identifikation von Metaphern wie die Rekonstruktion ihrer kontextabhängigen Bedeutung; beide beschreiben keine nachvollziehbare Methodik zur Gewinnung einer Interpretation. Auch wenn diesem Defizit hier begegnet werden soll: Als hermeneutisches Verfahren ist die systematische Metaphernanalyse ein Kunsthandwerk geblieben. Die Rekonstruktion metaphorischer Muster ist nicht automatisierbar, nur lernbar. Das forschende Verstehen der Sprachbilder einer anderen Person ist durch den Horizont eines historischen Subjekts vermittelt; seine sozialen Prägungen, biographischen Erfahrungen und der Umfang seiner Wissensaneignung ermöglichen und limitieren dieses Verstehen. Handwerkliche Regeln der Sammlung des Materials und die Schritte seiner Bearbeitung beschränken dabei nicht das erkennende Subjekt, sondern laden ein, möglichst viele und unterschiedliche metaphorische Konzepte des Denkens, Fühlens und Handelns zu finden, sie zu dichten Interpretationen zu weben und diese nachvollziehbar und überzeugend zu präsentieren. Trotz dieses Optimismus: Die systematische Metaphernanalyse kann als Auswertungsmethode nur Teil eines gegenstandsangemessenen Forschungsprozederes sein; auf Einschränkungen und notwendige Erweiterungen gehe ich in Abschnitt 1.5 ein. [4]

Der folgende Aufsatz verzichtet auf eine Darstellung der relevanten Thesen der kognitiven Linguistik, diese sind von den genannten AutorInnen und mehrfach vom Autor vorgestellt worden (zuletzt SCHMITT 2001). Der vorgeschlagene Ablauf einer metaphernanalytischen Textauswertung im Rahmen qualitativer Forschungen gliedert sich in fünf Phasen2): [5]

1.1 Identifizieren des Themas der Metaphernanalyse

Diese Stufe findet sich mehr oder minder explizit in allen Anleitungen zu qualitativen Forschungsmethoden: die Bestimmung des Themas, die Präzisierung der Fragestellung und eine erste Planung von Erhebung und Auswertung. Die Metaphernanalyse benötigt die vorherige Benennung eines Themas, für das die meist alltagssprachlichen metaphorischen Füllungen gesucht werden. Ich nenne als Beispiel aus einem noch nicht abgeschlossenen Projekt den Zielbereich "Abstinenz": Wie wird der Begriff, welcher in der Suchtarbeit eine zentrale Rolle spielt, und der von ihm beschriebene Zustand von Betroffenen selbst erlebt und konzeptualisiert? Schon eine erste Analyse von üblichen alltäglichen metaphorischen Formulierungen wie "trocken sein", "nüchtern bleiben" oder "enthaltsam leben" verdeutlichen, dass der Zustand der Abstinenz nicht als attraktiv wahrgenommen wird (SCHMITT 2002b). [6]

Bei der Festlegung eines solchen Zielbereichs lassen sich schon bei Diplomarbeiten die unterschiedlichsten subjektiven Einflüsse feststellen: Welchen Aufwand will jemand auf sich nehmen? Aus welchen biographischen Gründen wird dieses Thema gewählt? Ist die Wahl des Themas ein Beziehungsangebot an AnleiterIn, Außenstehende, mögliche Arbeit- oder Auftragsgeber? Hier sind eine Fülle von subjektiven und situativen Einflüssen denkbar – noch keine für die Metaphernanalyse typischen. Interessanter wäre die Beantwortung der Frage, ob die Bevorzugung der Metaphernanalyse oder einer anderen Methode der Textauswertung auf bestimmtes subjektives (Un-)Vermögen schließen lässt – aber dazu sind mir keine Untersuchungen bekannt. An einem anderen Beispiel hat SCHACHTNER (1999) gezeigt, dass die metaphorischen Muster ärztlichen Handelns durchaus sehr heterogen sein können, aber weitgehend in sich konsistent und in typischer Weise von den einzelnen ÄrztInnen verwendet werden. Eine vergleichende Studie mit qualitativ Forschenden steht noch aus: In welchen metaphorischen Mustern beschreiben sie ihr "verstehendes", "untersuchendes" oder "entdeckendes" Handeln? [7]

1.2 Unsystematische breite Sammlung der Hintergrundmetaphern

Der zweite Schritt, die unsystematische breite Sammlung der Hintergrundmetaphern, dient der Forschungsvorbereitung und der Dokumentation des kulturellen Möglichkeitenraums, ein Phänomen zu beschreiben. Vor der späteren und gezielten Materialsammlung sollten Forschende in dieser vorbereitenden Phase möglichst heterogene Materialien, die ihr Thema berühren, nach Metaphern durchsuchen (Lexika, Zeitschriften, populärwissenschaftliche Darstellungen etc.). Auch Forschungsliteratur sollte nach metaphorischen Konzeptualisierungen durchsucht werden. Die dabei entstehende Liste ermöglicht eine erste Übersicht über die kulturell möglichen metaphorischen Konzepte, in denen sich das Thema spiegelt. Dieser methodische Vorschlag hält also die Forschenden an, in angrenzenden fachlichen, aber auch alltäglichen Lebenswelten konkurrierende metaphorische Modelle des Zielbereichs zu notieren. Sie lädt ein, die Sensibilität für phänomenspezifische Sprachbilder auch außerhalb des Forschungsalltags zu trainieren. [8]

Ich habe diesen handwerklichen Abschnitt nach der ersten Publikation (SCHMITT 1995) eingefügt, nachdem ich darauf gestoßen war, dass im Rahmen der sozialpädagogischen Einzelfall- und Familienhilfe bestimmte metaphorische Konzepte des Helfens und Veränderns schwieriger Lebenslagen nicht auftauchten. Zwar konnten neun Modelle rekonstruiert werden, die z.B. das psychosoziale Helfen in Bildern der Schule begriffen ("er muss noch lernen, dass ..."; "muss erst mal seine Aufgaben machen", "habe versucht ihm zu vermitteln, dass ..."). Jedoch war die in der Gesprächspsychotherapie übliche organische Metaphorik des psychischen "Wachstums" (neben anderen, siehe LEIHENER 1997) nicht vertreten. Dieses Defizit hätte zur Beschreibung der Einzelfallhilfe beitragen können, in der solche Prozesse des "Wachstums" offenbar wenig Raum haben. Die unsystematische Suche außerhalb des engeren Forschungskontexts entwirft also eine kulturelle Folie, die vor allem das Fehlen metaphorischer Modelle bemerken lässt (siehe Abschnitt 2.7). [9]

Ein anderes Beispiel für diese zunächst unsystematische Suche lässt sich für die Frage geben, in welchen metaphorischen Mustern qualitative Forschung sich selbst thematisiert. So benennt z.B. RATHMAYR 1991 schon im Titel seines Aufsatzes fünf Metaphern zur Selbstbeschreibung sozialwissenschaftlicher Forschung: "Jäger, Feldherrn, Vogelkundler, Detektive und Wanderer". Diese Sammlungen und Aufsätze helfen, sensibilisierende Konzepte zu gewinnen, welche für die spätere Auswertung von Interviews und anderen Texten genutzt werden können. [10]

1.3 Systematische Analyse einer Subgruppe

Die vorliegenden Regeln gehen davon aus, dass Texte als Material der weiteren Analyse vorliegen. Damit sind Einschränkungen verbunden: Die Beobachtung, dass bildkräftige Gesten oft zur Unterstützung des Sprechens oder zu seinem Ersatz genutzt werden (z.B. eine "wegwerfende" Handbewegung, oder: jemandem "den Vogel zeigen"), hat bisher noch nicht zu einer entsprechenden Methode geführt, den metaphorischen Gehalt von Gesten zu analysieren, ähnliches gilt für den metaphorischen Gehalt von Symbolen und Bildern (vgl. Abschnitt 1.5). [11]

Dieser Schritt umfasst die Analyse der sprachlichen Äußerungen einer Subgruppe3) im Hinblick darauf, in welchen Metaphern der Zielbereich präsentiert wird. Dies geschieht in zwei Durchgängen, einer die Texte zergliedernden Identifikation von Metaphern und dann einer Rekonstruktion metaphorischer Konzepte. [12]

1.3.1 Metaphernerkennung und dekonstruierende Zergliederung der Texte

Die Analyse beginnt mit der Zergliederung des Textes in seine metaphorischen Bestandteile. In Arbeitsgruppen gelingt diese Aufgabe zunächst nur mit Mühe, da das Alltagsverständnis, was als Metapher zu gelten hat, sich mit dem umfassenden Metaphernbegriff von LAKOFF und JOHNSON nur teilweise deckt. [13]

Eine Metapher liegt in diesem Sinn dann vor, wenn

  • ein Wort / eine Redewendung in einem strengen Sinn in dem für die Sprechäußerung relevanten Kontext mehr als nur wörtliche Bedeutung hat; und

  • die wörtliche Bedeutung einem prägnanten Bedeutungsbereich (Quellbereich) entstammt,

  • jedoch auf einen zweiten, oft abstrakteren Bereich (Zielbereich) übertragen wird. [14]

Zur Explikation dieser Begriffe nehme ich ein Beispiel aus einem Interview zum Rolle des Alkohols im Alltag: Die Befragte war nach dem Konsum "den Leuten gegenüber ein bisschen offener". In diesem Kontext ist das Wort "offen" in einem wörtlichen Sinn wenig sinnvoll; es verweist auf einen Quellbereich, der als "Behälter" (oder ähnlich abgeschlossener Gegenstand) beschrieben werden kann, und überträgt einen bestimmten Zustand desselben ("offen" sein) auf die soziale Selbstwahrnehmung der Betroffenen (Zielbereich):Gemeint ist eine verminderte "Abgrenzung" im sozialen Kontakt. – Diese praktische Definition einer Metapher scheint mir bei der Heterogenität des in der Literatur verwendeten Begriffs wichtig zu sein4). [15]

Im praktischen Vorgehen schneidet man die metaphorischen Wendungen, in denen der interessierende Zielbereich erscheint, samt ihres unmittelbaren Text-Kontextes aus und kopiert sie in eine separate Liste. Übrig bleibt ein Texttorso, in dem so lange nach weiteren metaphorischen Beschreibungen des Forschungsgegenstands gesucht wird, bis nur noch Füllworte, nicht den Zielbereich betreffender Text und nicht auf Metaphern zurückführbare Abstrakta übrigbleiben5). [16]

So eindeutig diese Regel zunächst wirkt, und so deutlich subjektive Einflüsse damit "kontrolliert" zu sein scheinen, offenbart sich sowohl bei der Vermittlung der Methode wie beim Rückblick auf zurückliegende eigene Interpretationen ein blinder Fleck: Untersuchende erkennen ihre eigene Metaphorik selten als solche und nehmen sie als "buchstäblich richtige" Beschreibung wahr. So war dem Autor die Erkenntnis erst sehr spät möglich, dass alltäglich wirkende Redewendungen im Kontext des psychosoziale Helfens ("dann habe ich noch ein Gespräch mit ihm gemacht", "ich habe noch mit ihm zu tun", "Beziehungsarbeit" leisten) ebenfalls einen metaphorischen Gehalt haben (Helfen als handwerkliches Arbeiten). SCHULZE (in Vorb.) hat daher in ihrer Untersuchung die Nutzung eines Eigeninterviews vorgeschlagen und durchgeführt: Vor allen anderen lässt sich der / die Untersuchende selbst zum Thema interviewen und arbeitet dann die selbst genutzten Metaphern heraus. – Es scheint einfacher zu sein, auffällige, störende, den eigenen Vormeinungen nicht entsprechende Redewendungen als Metaphern wahrzunehmen. [17]

1.3.2 Synthese von kollektiven metaphorischen Modellen

Bisher habe ich die Worte "metaphorisches Cluster" bzw. "Modell" und "Konzept" noch in einem unspezifischen Sinn genutzt. Hier verbirgt sich eine weitere wesentliche Neuerung des Ansatzes von LAKOFF und JOHNSON in der linguistischen Diskussion: Einzelne metaphorische Redewendungen sind nicht zufällig, sondern in aller Regel auf wenige gemeinsame Konzepte zurückzuführen. Sie teilen dabei den gleichen Quellbereich wie den gleichen Zielbereich. So lassen sich die oben erwähnten Metaphern, "offen" zu sein, mit anderen Metaphern, "verschlossen" zu sein, "zu" zu sein, "dicht gemacht" zu haben, zu einem Konzept zusammenfassen: Der Quellbereich "Behälter" ist ihnen ebenso gemeinsam wie der Zielbereich "soziale Interaktion"6). LAKOFF und JOHNSON fassen solche metaphorische Übertragungen als "metaphorisches Konzept" zusammen: "Die Person ist ein Behälter". Dieses zunächst banal anmutende Konzept einer bisher kaum rekonstruierten Alltagspsychologie wird dann bedeutsam, wenn man nachweisen kann, dass es mit Wertungen verbunden ist: So werden in diesem Modell des Behälters extreme Formen der Verschlossenheit ("zu" sein) ebenso negativ bewertet wie ihr Gegenteil unkontrollierter Offenheit ("nicht ganz dicht sein"). Die metaphorische Logik der Alltagssprache legt in diesem Fall als Lebensmaxime eine Mitte zwischen den Extremen nahe (SCHMITT 1997). – Solche allgemeingültigen metaphorischen Konzepte werden in sozialen Gruppen ebenso wie von einzelnen Subjekten z.T. sehr eigenständig ausdifferenziert. Hier können qualitative Forschungen ansetzen, spezifische metaphorische Muster in biographischen wie in gruppenspezifischen Materialien zu rekonstruieren. [18]

Wie geschieht diese Rekonstruktion? Dieser zweite Arbeitsauftrag lässt sich so formulieren: Alle metaphorischen Wendungen, die der gleichen Bildquelle entstammen und den gleichen Zielbereich beschreiben, werden zu metaphorischen Konzepten unter der Überschrift "Ziel ist Quelle" geordnet. Als Beispiele verweise ich schon auf die genannten metaphorischen Muster "Psychosoziales Helfen ist Schule" und "Psychosoziales Helfen ist handwerkliches Arbeiten". Diese und ähnliche Konzepte entstehen in ständiger und zirkulärer Verfeinerung am Material während des Sortierens. Sie bündeln oft in erstaunlich geringer Anzahl eine große Menge metaphorischer Redewendungen. [19]

Dieser Prozess des Zuordnens von metaphorischen Redewendungen zu metaphorischen Konzepten wird fortgesetzt, bis alle metaphorischen Formulierungen einem Konzept angehören. Der damit ausgeübte Zwang, alle Metaphern in einen Verweisungszusammenhang zu bringen7), schränkt die Deutungsreichweite von plausiblen metaphorischen Konzepten durch konkurrierende ein. Damit unterscheidet sich die systematische von "wilden" Metaphernanalysen, in denen dieser Prozess nicht zu Ende gebracht wird und die zunächst gefundenen (meist auffälligen) Metaphern überinterpretiert werden. Die Sprache einer Person, einer Gruppe oder einer Epoche umfasst ein Neben- und Gegeneinander unterschiedlicher metaphorischer Konzepte, die sich je nach Thema und Situation verändern und daher ohne Auslassung erhoben werden sollten8). Der Wunsch, eine einzige "zentrale", "tiefe" oder "Wurzel"-Metapher zu entdecken, aus der sich das gesamte Denken und Handeln der befragten Person oder Gruppe oder gar einer Epoche ableiten lässt, entlarvt sich als metaphorisch induzierte Illusion und führt zur Überdeutung auffälliger Sprachbilder9). [20]

Die Formulierung metaphorischer Konzepte verlangt eine kreative, synthetisierende Leistung. Die handwerklichen Regeln fordern das subjektive Vermögen, passende sprachliche Konstrukte zu finden, zu revidieren oder abgrenzbare Subkonzepte zu identifizieren. Ein entsprechendes Training und Ankerbeispiele können helfen10). Dennoch hängt dieses probierende Interpretieren von persönlichen Faktoren wie Übung, Wissensstand um vergleichbare Konzepte, biographischer und kultureller metaphorischer Vorprägungen, Fähigkeit zu Entscheidungen wie zu ihrer Revision, sowie die der üblichen Leidensfähigkeit und Ausdauer in der Arbeit am Material ab. Es ist eine entdeckende, differenzierende, vorhandene Muster revidierende Anstrengung, die im Sinne PIAGETs sowohl Assimilation des Materials an vorhandene Schemata wie ihre Adaptation verlangt und ermöglicht. [21]

Die Rekonstruktion metaphorischer Konzepte, für die LAKOFF und JOHNSON keine Regeln formulieren, ist für subjektive Einflüsse offener als die Identifikation von Metaphern. Dennoch finden sich in der Literatur weitgehend übereinstimmende Konzeptbildungen11). [22]

Das Wechselspiel aus subjektivem Vermögen und dem Befolgen handwerklicher Regeln lässt sich mit einem Seitenblick auf andere Auswertungsverfahren von Texten noch unter dem Aspekt einer notwendigen Verfremdung des Vertrauten diskutieren: Die Zweiteilung in eine strikt sammelnde und eine rekonstruierende Phase unterläuft die Bereitschaft zu schnellen Interpretationen und verhindert das Stehenbleiben bei ersten schlüssigen Sprachbildern. Umfangreiche experimentelle Befunde (für einen Überblick siehe MOSER 2000, 2001) belegen, dass die Aufmerksamkeitslenkung durch Metaphern erheblich ist. Metaphernanalysen kommen daher nicht ohne eine die üblichen Lektüregewohnheiten radikal verfremdende Technik aus. Die Zerstörung der Textstruktur durch das Ausschneiden von metaphorischen Wendungen entfernt die bereits bekannten Metaphern aus dem Text und ermöglicht die Neuwahrnehmung der restlichen Textbestandteile. HITZLERs Beschreibung anderer Hermeneutiken lässt sich daher für die Metaphernanalyse übernehmen:

"Durch 'künstliche Dummheit und Langsamkeit' verfremdet sozialwissenschaftliche Hermeneutik also absichtsvoll das zum größeren Teil kulturell hochgradig routinisierte, auf die pragmatischen Belange des gelebten Lebens abgestellte und ständig vielfältige Vorab-Gewissheiten applizierende Alltags-Verstehen – zum Zwecke nämlich der Aufklärung sozialer Praktiken über sich selber." (HITZLER 2002, Absatz 27)12) [23]

Zu diesen sozialen Praktiken und Ethno-Methoden der Verständigung mit sich und anderen gehört der Gebrauch metaphorischer Muster. [24]

1.4 Rekonstruktion individueller Metaphorik

Biographische Analysen sind auf dem Hintergrund der kollektiven Metaphorik möglich. Hier fallen eigenständige Sprachbilder wie das Fehlen von konventionellen gegenüber der Vergleichsgruppe auf. Die Verfahrensschritte sind die gleichen, damit auch das Wechselspiel von handwerklicher Regel und subjektivem Vermögen. [25]

1.5 Methoden-Triangulation

Um die Wahl der Auswertungsmethode nicht zur ausschließenden zu machen: Die Metaphernanalyse ist nur für bestimmte Fragestellungen und nicht für jedes Material uneingeschränkt tauglich. Metaphernanalysen setzen voraus, dass

  • verschiedene Personen den Gegenstand der Analyse verschieden konzeptualisieren können;

  • die Forschungsfragestellung zumindest in Ausschnitten auf die verschiedenen subjektiven, gruppenspezifischen oder kulturellen Konzeptualisierungen des interessierenden Phänomens zielt. [26]

Diese Voraussetzungen verdeutlichen, dass Metaphernanalysen auf kollektive und subjektive Konstruktionen zielen; so lassen sich umgekehrt Fragen z.B. nach den materiellen Lebensumständen, wie sie in sozialarbeitswissenschaftlichen Untersuchungen eine große Rolle spielen, mit der Metaphernanalyse nur begrenzt und indirekt durch die metaphorischen Deutungsmuster der Lebensumstände beantworten. [27]

Die Metaphernanalyse stellt an die Textsorte nach bisherigen Erfahrungen keine besonderen Anforderungen – bisherige Analysen nutzen von Interviews über Zeitungen (BALDAUF 1997) und theoretischem Material (LEIHENER 1997) bis hin zur Analyse von Gesetzestexten (SCHULZE & SCHMITT 2003) oder Romanen (BARKFELT 2002) sehr unterschiedliche Textsorten. Bisher nicht überschrittene Grenzen des Ansatzes sind, wie bereits erwähnt, Gesten, musikalisches bzw. akustisches Material, Bilder (wobei SCHACHTNER 1997 die Analyse von Zeichnungen einbezogen hat), Architektur und andere "präsentative Symbolik" (LORENZER 1986). [28]

Nachteile des zergliedernden Vorgehens sind bei sehr dialogorientierten Materialien zu bedenken, wenn z.B. die Forschungsfrage auf die Entwicklung von (Miss-) Verstehens-Dynamiken in Gesprächen zielt. Dort bedarf z.B. die Entwicklung von Metaphoriken im Gespräch einer weiteren, separaten Betrachtung, die sequenzanalytische bzw. ethnomethodologische Vorgehensweisen unter Einbezug der inzwischen dokumentierten metaphorischen Muster nahelegt13). Kommt es nur auf die Dokumentation der insgesamt vorhandenen und eingesetzten metaphorischen Muster an, ist der Verlust der Sequenzialität für die Ergebnisse unproblematisch. [29]

Daher ist je nach Forschungsfrage die Triangulation (FLICK 2000) der Metaphernanalyse mit anderen Auswertungsmethoden zu empfehlen. Ich habe Überschneidungen, aber auch Differenzen und Defizite z.B. gegenüber der Inhaltsanalyse nach MAYRING beschrieben (SCHMITT 1995, S.248-258): Die Metaphernanalyse kann propositionale Aussagen und Gehalte nur unvollständig rekonstruieren. Die Analyse von Metaphern im Kontext ethnomethodologischer und psychoanalytischer Herangehensweisen haben BUCHHOLZ und v. KLEIST (1997) vorgestellt; sie beziehen die Sequenzialität metaphorischer Äußerungen ein. In ein Vorgehen im Rahmen der "Grounded Theory" hat SCHACHTNER (1999) die Analyse von Metaphern integriert, um weitere, vorher nicht festzulegende Interviewdetails in die Interpretation einbeziehen zu können. MOSER (2000) hat quantitative Ansätze zur Selbstkonzeptforschung bei der Analyse metaphorischer Sprache genutzt. Es empfiehlt sich, je nach Forschungsfrage Methoden zu kombinieren, welche die von der systematischen Metaphernanalyse nicht erfassten Aspekte fokussieren. [30]

2. Subjektivität und Methode II: Interpretationen

Was haben wir, wenn wir metaphorische Konzepte wie z.B. "Der Mensch ist ein Behälter" rekonstruiert haben? Die metaphorische Wendung, nicht viel mehr als Punkte auf einer Landkarte zu haben, bietet sich an. Die Kenntnis metaphorischer Konzepte nützt erst dann, wenn sie Interpretationen ermöglicht, d.h. ein Schließen von den gefundenen Konzepten auf das in der Lebenswelt stattgefundene Geschehen, Denken und Handeln. Im Folgenden versuche ich eine erste Systematisierung von typischen Interpretationsmustern bisheriger Metaphernanalysen, und nutze sehr unterschiedliche Inhalte. [31]

Für sie gilt, dass

  • Forschende mit entsprechendem Weltwissen,

  • Forschende, die sich in intensiver Weise mit den sprachlichen Materialien beschäftigt haben,

  • Forschende, die sich in den entsprechenden (sub)kulturellen oder fachlichen Kontexten auskennen,

  • diese Schlüsse leichter ziehen können. [32]

Hermeneutisches Verstehen ist der Entwurf eines Subjekts auf die Welt hin, und seine (sprachliche, intellektuelle, praktische) "Welthaltigkeit" ist eine Voraussetzung, weitere Zusammenhänge in der symbolisch strukturierten Welt zu entdecken. Die Stufen des Vorgehens wie die Kenntnis der möglichen Schlüsse sind eine Hilfe, über erste Gestalterlebnisse und eigene kognitive Grenzen hinaus differenzierende Interpretationen zu gewinnen. Dieses Verstehen ist prinzipiell unabgeschlossen; als pragmatisches Kriterium der Beendigung einer Untersuchung bieten sich das Konzept der "theoretischen Sättigung" im Sinne der "Grounded Theory" an. [33]

Welche interpretatorischen Schlussfolgerungen erlaubt nun die systematische Metaphernanalyse – und wie ist das interpretierende Subjekt an diesen Schlüssen beteiligt? [34]

2.1 Der Vergleich metaphorischer Konzepte

Der Vergleich metaphorischer Konzepte verdeutlicht unterschiedliche Handlungs- und Erlebensmöglichkeiten. BARKFELT (2002) arbeitet z.B. in ihrer Studie über Metaphern der Depression in literarischen Selbstzeugnissen heraus, dass einige AutorInnen ihre Erkrankung als Hell-Dunkel-Unterschied wahrnehmen ("die Welt wird zunehmend grau"); andere beschreiben die Depression als "Überfall", der sie unerwartet trifft und "niederwirft". Der Vergleich der beiden metaphorischen Konzepte deutet auf ein unterschiedliches Erleben und eine andere Geschwindigkeit der Manifestation der Erkrankung. Die Hell-Dunkel-Metaphorik ermöglicht die Wahrnehmung von Übergängen mit Handlungsspielräumen, welche Depression als "Überfall" nicht ermöglicht. In letzterer ist dagegen die Erkrankung als personaler und bedrohlicher Feind klarer konturiert als in der ersten Metaphorik. BARKFELT leitet daraus unterschiedliche Optionen für sprachliche bzw. therapeutische Interventionen ab. – Allgemeiner gefasst: Der Vergleich von metaphorischen Konzepten auf die in ihnen enthaltenen Handlungsentwürfe ermöglicht Schlussfolgerungen. Allerdings sind diese Schlussfolgerungen nur möglich bei einem umfassenderen Verstehen des Kontexts: BARKFELT kann solche Schlüsse ziehen, weil sie die unterschiedlichen Implikationen der metaphorischen Depressions-Konzepte aufgrund ihrer Selbst- und Feldkompetenz als Therapeutin erkennen kann – jenseits eines handwerklichen Regelwerks, das diese Schlüsse zwar erleichtern, aber nicht erzeugen kann. [35]

2.2 Implizite Gliederungen und Werte

Bei der Rückübersetzung der metaphorischen Modelle in die Lebenswelt lassen sich implizite Gliederungen und Wertungen derselben erkennen: Die Metaphorik der Bewegung ("Das Leben ist ein Weg") enthält für das Phänomen psychischer Krankheit bzw. Krise eine Dreiteilung:

  • Man kann zu langsam auf dem Lebensweg sein: "langsam im Kopf", geistig "behindert" oder "beschränkt", jemand ist "ein bisschen zurückgeblieben".

  • Man kann zu schnell auf dem Lebensweg sein: "hin und weg" sein, "durch den Wind" sein, einen "Schub" haben.

  • Man kann neben diesem Lebensweg existieren: "nicht in der Spur sein", "neben sich stehen", "neben der Mütze sein", "verstiegen" sein, "abweichendes" Verhalten zeigen.

  • Allenfalls ein mittleres Tempo auf dem Lebensweg gilt als Indikator von psychischer Gesundheit bzw. Normalität: "Wie geht es? – Es geht", auf die Welt "kommen", "Fortschritte" zeigen, einer Person "näher kommen", "mit ihr gehen", bis es wieder auseinander "geht", und am Ende heißt es, jemand sei "von uns gegangen". [36]

In einem einzigen Bild lassen sich in der Alltagssprache also drei Differentialdiagnosen psychischer Extremzustände, eine Beschreibung von psychosozialer Gesundheit bzw. Beziehungsfähigkeit, und schließlich das Leben von Anfang bis Ende unterbringen. Hier zeigt sich ein noch unentdeckter Reichtum der Alltagssprache und ihrer vielfältigen, in unscheinbaren Wendungen versteckten Differenzierungen und natürlichen Klassifikationen. [37]

2.3 Metaphorische Ressourcen

Mit der Frage: "Was ist der differenzierende, ausdruckserweiternde, für die TexproduzentInnen funktionale Gehalt einer Metaphorik?" lassen sich Stärken und Ressourcen eines metaphorischen Konzepts herausarbeiten. Die schon erwähnte Behälter-Metaphorik konzipiert z.B. ein stabiles Ich als relativ gut abgegrenzten Behälter; sie konstruiert zu große Durchlässigkeit ("nicht ganz dicht sein") ebenso wie nicht überwindbare "Verschlossenheit" als psychosoziales Problem; in dieser Metaphorik wird eher gewünscht, "aus sich heraus zu kommen", ohne den Behälter zu beschädigen. Die Behälter-Metaphorik fasst also Abgegrenztheit und Austausch zwischen einer Person und ihrer sozialen Umwelt in einem prägnanten Konzept und bietet daher ein umfangreiches Repertoire umgangs- und fachsprachlicher Redewendungen an. [38]

Als Ressourcen lassen sich bestimmte Metaphoriken auf dem Hintergrund einer ausgedehnten Feldkompetenz (wiederum ein subjektiver Einfluss) erkennen. So findet sich in Interviews zur Rolle des alltäglichen Alkoholkonsums bei Auszubildenden (SCHMITT 2002b), dass traditionelle Klischees der Männlichkeit, Kraft, Stärke, Sportlichkeit und Kampf das Trinken bebildern. Die Rede ist von "Männlichkeitsbeweisen", sich "stark" zu fühlen, augenzwinkernd zu behaupten, kein "Kampftrinker", aber immerhin "trainiert" zu sein, also alles andere als ein "Weichei" zu sein. In dieser Logik ist, wer nicht trinkt, "untrainiert" und "kein Mann" – eine unattraktive Perspektive. Nach einer manifesten Abhängigkeit wird also ein Mann sich das Bild von der Männlichkeit in der Abstinenz erhalten müssen – so jedenfalls ein Interviewter, der nicht mehr trinken will:

"ich will mich nicht vor denen bloß stellen. Das ist, die wissen, daß ich bei der Therapie war, und ich will, in einem gewissen Sinne will ich doch ein bißchen Stärke beweisen. Weil, ich meine jetzt 16 Monate, das kostet Kraft, vor allen Dingen das erste Jahr. Wahnsinnig viel Energie, um auch das Ziel einzuhalten, weil es gibt so viele Gelegenheiten, wo du könntest, wo du würdest" (vgl. SCHMITT 2002b, S.105) [39]

Hier ist eine Veränderung passiert: Die Bloßstellung wäre früher das Nichttrinken gewesen – nun ist es das Trinken, das ihn blamieren würde. Abstinenz heißt nun, männliche "Stärke" zu beweisen, "Kraft", "Energie": Metaphern aus dem Sport werden bemüht, um das männliche Selbstbild zu retten. In ihrer Umwertung wird diese Männlichkeit zur Ressource, zur Möglichkeit, Abstinenz positiv zu besetzen. [40]

2.4 Grenzen einer Metaphorik

Mit der Frage: "Was ist der ausdrucksverkürzende, erkenntnisverhindernde Gehalt einer rekonstruierten Metaphorik?" lässt sich das "hiding", lassen sich die ideologischen und kognitiven Defizite einer metaphorischen Sicht erkennen: Welche Zusammenhänge blendet diese Metaphorik aus? Wiederum am Behälter-Bild diskutiert: Es vermag nicht, zeitliche Aspekte zu repräsentieren; man ist entweder "dicht" oder "nicht dicht". Der "Verlauf" in der Zeit lässt sich besser in der Weg-Metaphorik beschreiben ("im Leben weiter kommen") – das leistet das Bild vom Behälter nicht. Ein anderes Beispiel: Aus den Medien kennen wir die Bildlichkeit einer wirtschaftlichen Konjunktur als "Großwetterlage" – die Metaphorisierung des Marktgeschehens zur Natur verkennt, dass es sich um von Menschen verursachtes Phänomen handelt. Fast immer lassen sich an der gleichen Metaphorik Vor- und Nachteile diskutieren. [41]

Defizite und Ressourcen eines metaphorischen Konzepts lassen sich für die drei Stufen der individuellen, subkulturellen und kulturell üblichen Metaphorik rekonstruieren. Natürlich erfordert die Wertung, einen Aspekt einer Metapher als "highlighting", einen anderen als "hiding" zu sehen, den subjektiven Rückgriff auf eine gelebte und verstandene Kultur. Sie ist daher von der Differenziertheit des interpretierenden Subjekts abhängig. [42]

2.5 Durch Metaphern motivierte Handlungen

Aus subkulturellen wie individuellen Metaphernanalysen lassen sich weitere Handlungsmotivationen bzw. -optionen rekonstruieren (als schwache Form der Prognose): Wie handelt jemand, der in diesen Bildern denkt? NIERAAD (1977, S.26) führt als Beispiel die der Biologie entlehnte Metaphorik des Faschismus an (Blut, Boden, Rasse etc.), um den Zusammenhang von Metaphorik und Handlung zu zeigen: Menschliche Entwürfe, die nicht in das ideologische Prokrustesbett passten, d.h. nicht "rassisch gesund" waren, wurde einer "biologischen Therapie" unterzogen, d.h. "ausgemerzt, ausgerottet, vertilgt"14). Diese Prognosen aus gebrauchten Metaphern auf zukünftiges Handeln gelingen um so eher, je beherrschender ein einziges metaphorisches Konzept den gesellschaftlichen bzw. persönlichen Diskurs besetzt. [43]

Hier gilt wie bei den bisherigen Schlüssen: Ohne ein durch das forschende Subjekt vermitteltes Wissen von der Welt sind diese Interpretationen nicht zu haben; je "reicher" das Subjekt, desto reicher die Verknüpfungen, welche es zu herzustellen vermag. [44]

2.6 Konflikte metaphorischer Modelle

Konflikte metaphorischer Modelle bei einzelnen Personen oder in Subkulturen offenbaren Handlungsprobleme. Zwar können wir mit POLLIO, BARLOW, FINE & POLLIO (1977, S.90ff) davon ausgehen, dass der vielfältige Gebrauch von Metaphern ein Indikator für psychosoziale Integration ist, und umgekehrt belegt das Beispiel des Faschismus, dass die Dominanz einer einzigen Metaphorik bestimmte Handlungsdispositionen vorhersagbar macht. Die "gesunde" Vielzahl von notwendigen Sprachbildern führt jedoch zu Konflikten zwischen ihren unterschiedlichen Implikationen. So erinnern, wie erwähnt, die Formulierungen "nüchtern", "trocken" und "enthaltsam", mit denen üblicherweise das Ziel gelingender Suchtberatung beschrieben wird, an wenig attraktive Körpererfahrungen. Die gegenteiligen Metaphern, "sich satt zu trinken", "feucht-fröhliche" Feiern und "trainierte", d.h. trinkerprobte Männlichkeit suggerieren angenehme körperliche Erfahrungen. Dieser Konflikt zwischen unattraktiven Bildern der Abstinenz und positiven des Alkoholkonsums führt dazu, dass Betroffene die gängigen Metaphern der Abstinenz kaum auf sich anwenden – oder, wie am Beispiel der Männlichkeits-Metaphorik gezeigt, diese umwerten müssen. Erfolgreich Abstinente wählen eher eigene Bilder zur Beschreibung ihrer jetzigen Lebenssituation (SCHMITT 2002b). [45]

Dieser Schluss folgt den oben vorgestellten Schritten der Metaphernanalyse und wäre ohne diese kaum zustandegekommen. Die Konflikte zwischen metaphorischen Konzepten fallen jedoch erst nach längerer Beschäftigung mit dem Material und einer alkoholgebrauchenden Lebenswelt auf – Auswertungstechnik und Feldkompetenz ergänzen sich. [46]

2.7 Das Fehlen einzelner metaphorischer Modelle

Das Fehlen von einzelnen metaphorischen Modellen fällt im Vergleich zur Subkultur bzw. zum kulturellen Reservoir auf und kann Deutungen herausfordern. V. KLEIST (1987) beschreibt eine Psychotherapie-Klientin, der Bewegungsmetaphern des "Annäherns" an und des "Zugehens" auf andere Menschen fehlen; ihr allgemeines Problem sind soziale Defizite und Prüfungssituationen im Besonderen, in denen sie sich eingesperrt fühlt. Die Autorin verdeutlicht dieses Fehlen u.a. an Stellen des Therapiegespräches, an denen die Klientin die Weg-Metaphorik des Therapeuten missversteht. Dagegen kann sie an anderen Stellen die metaphorische Passung der beiden Interagierenden zeigen. [47]

Während dieses Beispiel das aufschlussreiche Fehlen einer Metaphorik bei einer Einzelperson beschreibt, erinnere ich an das in der ersten Auswertungsregel geschilderte bedeutsame Fehlen der Metaphern vom "Wachstum" in einer bestimmten Subkultur des psychosozialen Helfens (s.o.). [48]

2.8 Metaphern in der Metakommunikation

Die Rekonstruktion von metaphorischen Interaktionsmustern in Gesprächen ergibt Hinweise für Beratung, Therapie oder Prävention. Passungen von Metaphern der Sprechenden, Nichtpassungen und möglicherweise anschließende Reparatur- und Übersetzungsversuche bieten Möglichkeiten zur Intervention (SCHMITT 2000b). Metaphorische Beziehungsbeschreibungen, in denen sich zwei Sprechende über ihr gemeinsames Tun verständigen, bieten eine weitere Ebene der Analyse, z.B. wenn in einem Gespräch zu hören ist: "Damit kommen wir jetzt aber in eine Sackgasse". Solche metakommunikativen Metaphoriken haben BUCHHOLZ und v. KLEIST (1995, 1997) in mehreren Studien beschrieben. In BUCHHOLZ und v. KLEIST (1995) rekonstruieren sie ein "Jagdspiel", in dem der Klient einem Hasen gleich seinen Therapeuten auf immer wieder wechselnde und vielversprechende Themen als "Fährten" lockt. Dem Therapeuten gelingt nur eine eingeschränkte Benennung des sich gemeinsam vollziehenden Spiels. Neben dem Weltwissen der Forschenden lässt sich an diesem Beispiel ihre klinische Erfahrung als subjektive Ressource der Rekonstruktion studieren. [49]

2.9 Metaphern als Projektionsfläche

Das wörtliche "Ausbuchstabieren" von Metaphern in Handlungen und Ritualen eröffnet den Zugang zu Praktiken des Alltags. Diese Möglichkeit interpretatorischen Schließens bezieht sich nicht auf die Rekonstruktion metaphorischer Konzepte, sondern darauf, wie Menschen die ihnen angebotenen Metaphern mit Bedeutung versehen. So gibt Katrin BREUER 1998 in ihren Interviews zum Ge- und Missbrauch von Alkohol in der Frage: "Wo würdest Du eine Grenze setzen, ab der das Trinken zum Problem wird?" die räumliche Metapher der "Grenze" vor. In der Antwort darauf lassen sich vier verschiedene Gruppen alltäglicher Bewältigungsstrategien unterscheiden (SCHMITT 2002a): Einige Befragte nennen zeitliche, räumliche, situative Beschränkungen des Trinkens, andere präsentieren allgemeinere konsumbegrenzende Glaubenssätze und Selbstbilder. Darüber hinaus lassen sich in den Interviews weitere Verhaltensregeln rekonstruieren, z.B. dass man andere nicht zum Trinken animiert und sich nicht verleiten lässt. Eine vierte Gruppe sehr individueller Erfahrungskriterien begründet aus intimer Kenntnis der Wirkungen des Alkohols z.B., bei welchem Ausmaß an Sehstörungen das Trinken eingestellt wird. Allgemeiner gefasst: Nicht nur die Analyse von Metaphern, sondern auch die Reaktionen, die auf Metaphern gegeben werden, bedürfen der Analyse. Das Beispiel zeigt, dass an dieser Stelle die Metaphernanalyse durch inhaltsanalytische Verfahren gut ergänzt werden kann. [50]

3. Abschließendes zu Subjektivität, Hermeneutik und Metaphernanalyse

Die Metaphernanalyse kommt ohne eine vorgängige Sozialisation in der Sprache und der Lebenswelt im Allgemeinen, ohne eine bereits erworbene oder im Laufe der Forschung hinzugewonnene Feldkompetenz im Besonderen nicht aus, und kann damit auf dieses "Vermögen" des forschenden Subjekts nicht verzichten. HABERMAS rekurriert auf diese Kompetenz, wenn er sich in seinem Verständnis von Hermeneutik an GADAMER orientiert: "Hermeneutik bezieht sich auf ein "Vermögen", das wir in dem Maße erwerben, als wir eine natürliche Sprache "beherrschen" lernen: auf die Kunst, sprachlich kommunizierbaren Sinn zu verstehen und, im Falle gestörter Kommunikation, verständlich zu machen." (HABERMAS 1970, S.73) [51]

Er begreift Hermeneutik als praktisches Wissen und Vorverständnis der Welt, welches die Bildung von Standards der Reflexion und ihre Beschreibung überhaupt erst ermöglicht. Hermeneutisches Verstehen sei weder der Theorie noch der Erfahrung zuzuordnen, da es beiden zuvorkomme und die Schemata möglicher Weltauffassung erst bilde (ebd., S.167-172). Die systematische Metaphernanalyse ist auf dieses der Theorie zuvorkommende Verstehen unmittelbar angewiesen – dies haben die Anmerkungen zu Rolle der Forschungssubjekte im zweiten Teil der Ausführungen gezeigt. Andererseits zielt Metaphernanalyse auf die von HABERMAS genannten "Schemata möglicher Weltauffassung". Hier ist nicht der Raum, die Debatte zwischen GADAMER und HABERMAS über das Verhältnis zwischen Verstehen und Methoden der Forschung im Hinblick auf die Metaphernanalyse zu rekonstruieren (vgl. SCHMITT 1995), ich will zur Selbsteinordnung kurz auf das Resultat dieser Debatte verweisen: Spätere Diskutanten stimmten darin überein, dass sich sozialwissenschaftliches Verstehen auf ein Verstehen des Verstehens beziehe. Jenseits des alltäglichen Verstehens unter pragmatischen Zwängen ginge es darum, ein Verstehen zweiter Ordnung zu ermöglichen, welches das Verstehen im Alltag rekonstruiere (BERGOLD & BREUER 1987, S.23f., GRAUMANN, MÉTRAUX & SCHNEIDER 1991, S.67, JÜTTEMANN 1992, S.144ff.). Hier kann die Metaphernanalyse unmittelbar anschließen, indem sie die sprachlichen Muster, durch die hindurch verstanden wird, selbst zur Sprache bringt. [52]

Das Verstehen des Verstehens bedarf der Verlangsamung und Verfremdung. Das rechtfertigt Forschungsmethoden, die diesem Ziel dienen.15) Das Befolgen handwerklicher Regeln im Vorfeld der Interpretation kann verhindern, dass voreilige, mit weiterer Kenntnis anderer metaphorischer Konzepte obsolete Schlüsse gezogen werden. Methodische Regeln erschweren also ein verkürztes Verstehen der Zusammenhänge in der symbolisch strukturierten Welt und ermöglichen nicht-intendierte Lernprozesse. Sie vermindern daher das Risiko von Fehlinterpretationen, aber sie eliminieren es nicht. Heuristische Regeln des Ablaufs einer Metaphernanalyse und Hinweise zur Gewinnung von Interpretationen sind daher keine Einschränkung des forschenden Subjekts, sondern Möglichkeiten seiner Erweiterung.16) [53]

Zur Verringerung von voreiligen Schlüssen trägt das Wissen um Grenzen des Ansatzes bei. Die vorgeschlagene Analyse kann metaphorische Denkstrukturen und davon abgeleitete Handlungsformen identifizieren. Phänomene, welche nicht in metaphorischer Sprache zu erfassen sind, fallen damit aus dem Fokus der Analyse heraus, auch wenn LAKOFF und JOHNSON den Metaphernbegriff sehr weit fassen17). Diese in Abschnitt 1.5 diskutierten Einschränkungen legen nahe, je nach Forschungsfrage die Triangulation mit anderen Formen der Auswertung zu empfehlen. Bei einem solchen Herangehen ist dann die Frage nach den Gütekriterien einer Analyse für jede einzelne Studie zu beantworten. Viele von LAKOFF und JOHNSON inspirierte Studien stellen sich dieser Frage nicht – das hier vorgelegte Regelwerk trägt dazu bei, sie beantworten zu können. [54]

Anhang A:
Metapherndefinitionen und Beispiele nach LAKOFF und JOHNSON

1. Konzeptuelle Metaphern

sind sprachliche Bilder, die aus einem (meist sinnlich-konkreten) gemeinsamen Bereich von Erfahrung auf einen unscharfen und zu strukturierenden Bereich übertragen werden.

Das Leben (und der Alltag) ist ein Weg

Das war eine Gratwanderung, sie kommt nicht voran mit ihrer Arbeit, erfahren, bewandert, auf die schiefe Bahn geraten, Vergangenheit. Wie geht es? Es geht so.

Liebe ist Einheit (und Einverleibung)

Eins werden, ein Herz und eine Seele sein, ich könnte dich fressen, meine bessere Hälfte, Vereinigung.

Liebe ist ein gemeinsamer Weg

Ihre Wege kreuzten sich, sie kamen sich nahe, von da an gingen sie miteinander, dann ging es auseinander und jeder seine Wege, sie ließen sich scheiden (am Scheideweg sein).

2. Orientierende Metaphern

LAKOFF und JOHNSON zählen hierzu alle sprachlichen Hinweise, die auf eine räumliche Strukturierung von Kognitionen und Emotionen schließen lassen (oft Präpositionen und Adjektive); auf der Basis der räumlichen Orientierung lässt sich meistens dann eine konzeptuelle Metapher (s.o.) formulieren, d.h. die räumliche Konzeptualisierung geht der metaphorischen Konzeptualisierung voraus.

Freude und Erfolg ist oben, Trauer und Verlust ist unten

High sein, erhebendes Gefühl, abheben, himmelhoch jauchzend, hohe Motivation, sich aufraffen, niederschmetternd, versumpfen, bedrückt, Depression (lat. deprimere: herunterdrücken, lat. depressus: niedrig gelegen), er ist tief gesunken, down sein.

3. Ontologisierende (vergegenständlichende) Metaphern

LAKOFF und JOHNSON verstehen darunter die Fähigkeit, komplexe Erfahrungen und Begriffe als Ding zu behandeln. Dabei projizieren wir die körperliche Grunderfahrung des abgeschlossenen Körperschemas auf diese Begriffe, um sie handhaben zu können, ohne dass diesen Begriffen eine solche Abgeschlossenheit zukäme (Behälter-Schema). Zweite Möglichkeit: Wir behandeln diese Erfahrungen bzw. Begriffe als (zählbare, messbare) Substanz analog Sand oder Mehl. Auf diese Ontologisierung / Vergegenständlichung baut dann in der Regel eine konzeptuelle Metapher auf. Wie bei den orientierenden Metaphern geht der Konzeptbildung daher ein anderer kognitiver, schemabildender Mechanismus voraus.

Psyche ist ein Gefäß

Er kommt aus sich heraus, verschließt sich, öffnet sich, sie platzt vor Wut, es bricht aus ihm heraus, er hat einen Sprung in der Schüssel, Hohlkopf, sich aufblasen, Dampf ablassen, Gefühlsstau, innere Leere auffüllen.

Zuwendung ist (messbare) Substanz, Helfen ist Geben und Nehmen

Er bekommt mehr Zuwendung, weniger Aufmerksamkeit, Streicheleinheiten, sie kann die Hilfe annehmen, es geht leer aus, es hat nichts gekriegt, Gespräche anbieten, Ratschläge geben.

Hinweis: In späteren Publikationen haben LAKOFF und JOHNSON die orientierende und die ontologisierende Metaphernbildung zusammengefasst zu "kinaesthic image schemas" und einige weitere Schemata hinzugefügt (Teil-Ganzes, Verbindung, Kern-Rand, Ursprung-Pfad-Ziel, Kraft etc. Zusammenfassung in SCHMITT 1995, S.102ff.). Für systematische Metaphernanalysen sind als Ergebnis die konzeptuellen Metaphern wichtig, unabhängig, ob orientierende, ontologisierende oder andere schemabildenden Mechanismen bei der Metaphernbildung beteiligt waren.

Anhang B, Anleitung 1:
Regeln zur Identifikation von Metaphern

Eine Metapher liegt dann vor, wenn

  • ein Wort / eine Redewendung in einem strengen Sinn in dem für die Sprechäußerung relevanten Kontext mehr als nur wörtliche Bedeutung hat; und

  • die wörtliche Bedeutung auf einen prägnanten Bedeutungsbereich (Quellbereich) verweist,

  • der auf einen zweiten, oft abstrakteren Bereich (Zielbereich) übertragen wird.

Beispiel aus einem Interview mit einer Frau zum sozialintegrierten Alkoholkonsum:

"Es hat schon geschmeckt ... Ein bißchen lockerer tritt man da auf, nicht wahr. Als Jugendliche ist man ein bißchen verklemmt, wenn so ein paar Jungs rumgesprungen sind. (lacht) ... da haben wir Bowle getrunken und da bin ich dann auch ein bißchen, nicht mehr so verklemmt, nicht. Den Leuten gegenüber ein bißchen offener. ... Man muß halt mehr aus sich raus kommen. Und das ist bei mir ein bißchen ... Ich bin halt ein ruhiger Typ."

Durchführung der Identifikationsregel:

Es hat schon geschmeckt: Hier kann frau/mann etymologisches Tiefseetauchen veranstalten und auf einen tiefen, tiefen Sinn stoßen; für heutige SprecherInnen gleicht die wörtliche Bedeutung jedoch der im Kontext zu erwartenden, kann also nicht als Metapher rekonstruiert werden.

Ein bißchen lockerer tritt man da auf: "lockerer" kann verschiedene Quellen haben: Seile, aber auch Muskeln. Der Zielbereich der Formulierung ist die Wirkung von Alkohol auf die soziale Interaktion: also eine Metapher. Dass der Quellbereich noch nicht eindeutig bestimmt werden kann (was im Vergleich mit anderen Metaphern dieser Sprecherin besser gelingt), ist kein Hindernis, diese Metapher in die erste Sammlung aufzunehmen.

Als Jugendliche ist man ein bißchen verklemmt: Was kann "verklemmt" sein? In der Regel eine mechanische Apparatur, aber auch andere physikalische Gegenstände, deren Bewegung gehemmt ist. Der Quellbereich ist also zunächst ebenfalls nur vorläufig bestimmbar, aber die Übertragung auf Beschreibung einer Person und ihres (nüchternen) Verhaltens gegenüber dem anderen Geschlecht (Folgezeile) ist deutlich: also eine Metapher.

wenn so ein paar Jungs rumgesprungen sind: Nun können die Jungs tatsächlich "rumgesprungen" sein. Aber im Kontext des Interviews geht es eher um die schlichte Anwesenheit (in mäßiger Bewegung), also handelt es sich um ein Bild – für welches Ziel? Noch schwer zu fassen, es geht um "lose" Kontakte zwischen den Geschlechtern, und es ist in völligem Gegensatz zu ihrem Gefühl, "verklemmt" zu sein, formuliert. Der Quellbereich "Körperliche Bewegung" ist deutlich, der Zielbereich (noch) undeutlich, die Übertragung aber offensichtlich: eine Metapher.

Den Leuten gegenüber ein bißchen offener: "Offen" oder "zu" sein: Die Person ist nach dem Behälter-Schema gedacht, Ziel der Metaphorisierung ist das Selbsterleben in sozialer Interaktion unter Alkoholgenuss.

Man muß halt mehr aus sich raus kommen: Wiederum das Behälterschema, wiederum der gleiche Zielbereich der Metaphorisierung.

Ich bin halt ein ruhiger Typ: "Ruhig" und sein Gegenteil "laut" sind Beschreibungen, die auf auditive Wahrnehmung verweisen (Quelle also ist das (An-)Hören von Personen), das Ziel der Beschreibung ist eine Selbst-Beschreibung (visuelle, kinästhetische etc. Beschreibungen wären kontrastierend möglich), daher eine Metapher.

Hinweis: Manche Formulierung wird nicht im ersten Durchgang als Metapher erkannt werden, weil sich Quelle oder Ziel der metaphorischen Übertragung erst im Vergleich mit anderen eigentümlichen Formulierungen des Textes erkennen lassen. Beispiel aus einem Interview zum Alkoholkonsum in einer Äußerung über Abhängige: "Man kann solchen Leuten als Normalsterblicher nicht helfen". "Normalsterblicher" ist im oben beschriebenen Sinn zunächst kaum als Metapher zu erkennen. Auf dem Hintergrund, dass Alkoholismus als fernes Schicksal begriffen wird, das einem "erwischt" oder das ohne eigenes Zutun "passiert", und dass Hilfe nur bei den "Göttern in Weiß" in einer fernen psychiatrischen Klinik vermutet wird, ist das eine Metapher.

Anhang C, Anleitung 2:
Regeln zur Rekonstruktion metaphorischer Modelle

Stellen Sie metaphorische Wendungen zusammen, die den gleichen (konkret-sinnlichen) Quellbereich und den gleichen (abstrakten) Zielbereich beschreiben, und geben Sie ihnen eine Überschrift, die das metaphorische Modell in der Gleichung {Zielbereich} = {Quellbereich} zusammenfasst.

Beispiel 1:

Du empfindest die Probleme bloß nicht so, als gewichtig, wenn du betrunken bist

man kommt mit Leuten leichter ins Gespräch, wenn man nicht mehr nüchtern ist

Es war einfach unbeschwerter nach dem zweiten Bier

Alle drei Zitate beziehen sich auf Zustände der Angetrunkenheit, die auch Zielbereich einer laufenden Untersuchung sind: Welche Erfahrungen und Erwartungen sind mit Alkoholgenuss verknüpft? Der gemeinsame Quellbereich lässt sich als "Last", "Anstrengung", "Gewicht" formulieren – welche Formulierung besser geeignet ist, würden weitere Metaphern zeigen. So schlage ich als Formulierung des metaphorischen Konzepts zunächst vor: "Betrunkenheit macht Schweres leichter".

Beispiel 2:

Die haben sich da getroffen und gestritten

er versucht einen Zugang zu ihm zu finden

Was ist der gemeinsame Quellbereich? Man könnte argumentieren: "Treffen" und "Finden" brauchen einen Raum, um zu passieren ... Das ist in diesem Fall aber eine sehr angestrengte Konstruktion eines Quellbereichs, die den "Raum" in seiner abstraktesten Qualität, nämlich irgendwie vorhanden zu sein, nutzt; metaphorisch gesprochen: Das war ein Versuch, auf einer Glatze Locken zu drehen. Also: Kein gemeinsamer Quellbereich, kein metaphorisches Modell, auch wenn der Zielbereich (Interaktion) gemeinsam ist.

Beispiel 3:

er ist ihm aus dem Weg gegangen

er macht Fortschritte in seiner Therapie

Hier lässt sich der gleiche Quellbereich (Weg-Metaphorik) finden, aber kein gemeinsamer Zielbereich: Im ersten Beispiel wird eine Interaktion beschrieben, das zweite Beispiel benennt individuelle Entwicklung: Es lässt sich also nicht zu einem gemeinsamen Modell zusammenstellen.

Beispiel 4:

die hat gesprudelt vor Leben

die hat gesprüht und erzählt

da sind bei ihr dann alle Dämme gebrochen, und sie hat erzählt und geweint

Wir können den Metaphern den gleichen Quellbereich (bewegte Flüssigkeit) und den gleichen Zielbereich (emotionaler Austausch) zuschreiben. Die entsprechenden Überschriften könnten lauten:

  • Emotionale Lebendigkeit ist fließendes Wasser.

  • Emotionale Lebendigkeit ist Wasser, das über seine Grenzen geht.

  • Emotionale Lebendigkeit ist Flüssigkeit unter Druck.

Zwischen diesen Überschriften ist noch nicht zu entscheiden; es sind vorläufige Konstruktionen. Die Erfahrung zeigt, dass es auch zu früh ist, nach drei Metaphern schon eine Überschrift zu formulieren. Es kann uns passieren, dass wir noch weitere Metaphern finden, die das Bild der brechenden Dämme um andere ergänzen:

Beispiel 5:

das ist aus ihr herausgebrochen

ich fand, dass sie da zu offen war

im Dorf hieß es, dass sie seit damals nicht mehr ganz dicht war

Von einer Flüssigkeit ist jetzt nicht mehr die Rede. Der konkrete Quellbereich könnte formuliert werden als Behälter, der abstrakte Zielbereich als Psyche, und eine Überschrift könnte lauten: "Die Psyche von Y ist ein tendenziell brüchiger Behälter".

Nun haben wir zwei metaphorische Modelle, die sich berührende Sachverhalte beschreiben, und das Bild der brechenden Dämme passt in beide Modelle. Was tun?

  • Weitere Metaphern einordnen. Bei zweimal drei Metaphern sind Entscheidungen über das zugrundeliegende Modell nicht ausreichend fundiert.

  • Falls man viele Metaphern hat: Sofern es nur einzelne Metaphern sind, die in zwei Modellen auftauchen, kann man sie in beiden Modellen belassen; es gibt komplexere Metaphern, die auf mehreren Verbildlichungen aufbauen (vgl. "auf die schiefe Bahn geraten", sowohl die Weg-Metapher wie das metaphorische Schema von "oben" und "unten" werden hier genutzt).

  • Man kann versuchen, ein gemeinsames Modell zu formulieren; in diesem Fall: "Y wird erlebt als brüchiger Behälter, der unter dem Druck von als Flüssigkeit gedachter Emotionen bricht." Dieses ist nun schon eine sehr komplexe Interpretation, mit der Wahrnehmung und soziale Interaktion beschrieben wird; fast schon ein Teil des Endergebnisses einer Fallstudie.

Hinweise

Es finden sich metaphorische Wendungen, die in mehrere metaphorische Konzepte passen: So werden Psychologen in Gefängnissen von den Inhaftierten als "Dachdecker" beschrieben: Hier spielt die räumliche Metaphorisierung des Geistes in der Höhe eine Rolle (räumlich-orientierendes Schema), dann kann der Mensch als Haus metaphorisiert werden (Sonderform der Behälter-Metaphorik, vgl. "nicht ganz richtig im Oberstübchen sein"). Schließlich ist bereits das metaphorische Konzept rekonstruiert worden: "Psychosoziale Arbeit ist handwerkliche Arbeit" (vgl. "Psychoklempner"). Die Einordnung von Redewendungen wie "Dachdecker" bereitet daher Probleme. Eventuell sind sie in mehrere Konzepte einzuordnen, oder es ergibt sich aus der Sammlung zwanglos ein "starkes" metaphorisches Konzept, in das diese Formulierung passt.

Unterschiede zwischen wortsemantischen und pragmasemantischen Ansätzen:

Beispiel: "da geht 'ne Entwicklung vonstatten"

Eine wortsemantische Zuordnung wird "ent-wickeln" eher auf das Hantieren mit Band oder Faden beziehen. Eine pragmasemantische Zuordnung, die den weiteren Verwendungsbereich des Wortes umfasst, wird "Entwicklung" eher im biologischen Bereich der "Entwicklung" von Lebewesen sehen. Beide werden im Zielbereich wieder übereinstimmen und sich fragen, auf welchen sozialen Tatbestand dieses Bild übertragen wird.

Es scheint mir sinnvoll, die Entscheidung, ob nun der Quellbereich als "Faden, Band" oder als "biologische Entwicklung" gedeutet wird, am Text zu fällen, ob dort weitere Metaphern im Kontext von Faden / Band oder weitere Beispiele für die Biologisierung sozialer Entwicklungen zu finden sind. Eventuell trifft beides zu – dann sind beide metaphorische Konzepte zu bilden und "Entwicklung" unter beiden zu kodieren.

Anmerkungen

1) Ich verweise neben später genannten AutorInnen auf das Portal http://www.metaphorik.de, das mit einer gut sortierten Linkliste den derzeitigen (nicht nur deutschsprachigen) Stand der linguistischen Diskussion repräsentiert. <zurück>

2) Ich habe den Ablauf einer systematischen Metaphernanalyse bereits in längerer (1995, 1997) und kurzer Form (SCHMITT 2000a) vorgestellt. Gegenüber den letzten Publikationen zum Thema haben sich die Durchführung erleichternde Veränderungen des methodischen Vorgehens ergeben. Völlig neu ist die Übersicht über die mit der Metaphernanalyse möglichen Interpretationen im zweiten Teil des Aufsatzes. Ich bin Judith BARKFELT und Heike SCHULZE für Kritik und Hinweise sehr dankbar. <zurück>

3) Auf Sampling-Strategien gehe ich hier nicht ein. Auch wenn die systematische Metaphernanalyse einen geringeren Arbeitsaufwand als z.B. die Objektive Hermeneutik nach OEVERMANN (OEVERMANN, ALLERT, KONAU & KRAMBECK 1979) fordert, so sind doch der zu bewältigenden Zahl von Texten bzw. Interviews Grenzen gesetzt. Der Grundsatz einer "maximalen Variation der Perspektive" in der Tradition der "grounded theory" scheint mir für viele Untersuchungen der sinnvollste zu sein (STRAUSS & CORBIN 1996). <zurück>

4) Ankerbeispiele werden zeitgleich mit diesem Aufsatz bereitgestellt (siehe die angehängten Materialien). Mit ähnlich eindeutigen Operationalisierungen hat POLLIO (POLLIO et al. 1977, S.71f) recht hohe Übereinstimmungen zwischen verschiedenen Ratern herstellen können, auch er verweist auf die Notwendigkeit eines Trainings. <zurück>

5) Gegenüber älteren Versionen der Metaphernanalyse ist hier eine arbeitserleichternde Einsparung eingeführt worden. Nur für experimentierende Zwecke der Methodenentwicklung war es sinnvoll, alle Metaphern eines Textes, unabhängig von der Berührung mit dem Zielbereich, zu analysieren; ihre Kenntnis brachte sehr wenig, was den Analysen hinzuzufügen gewesen wäre. <zurück>

6) Das ist natürlich eine sehr weite Bestimmung des möglichen Zielbereichs – in konkreten Untersuchungen werden diese Zielbereiche enger gefasst. <zurück>

7) Diese Regel hat das Ziel, der Aufmerksamkeitslenkung durch bereits erkannte Konzepte zu entgehen. Natürlich bleiben einzelne Redewendungen übrig, die nicht zu Clustern mit gleichem Ziel und gleicher Quelle der Metaphorisierung geordnet werden können und oft persönlich-idiosynkratische, subkulturelle oder historische bzw. nicht mehr gebräuchliche Formulierungen darstellen. Hier wäre einzeln zu explizieren, ob sie nicht doch auf ein zu entdeckendes metaphorisches Konzept verweisen (als "Spitze eines unentdeckten Eisbergs"), und eine Erweiterung der Textbasis nach sich ziehen sollten. <zurück>

8) Eine Ähnlichkeit zu der von KLEINING 1995 formulierten "100%-Regel", alle (und vor allem die nicht passenden!) Daten einzubeziehen, ist unvermeidbar (ebd., S.272). <zurück>

9) In diese Gefahr geraten STRAUB und SEITZ (1998) ein wenig durch ihre exemplarische Darstellungsweise, wenn in ihrer historisch-psychologischen Analyse z.B. der "Anschluss" Österreichs an das nationalsozialistische "Großdeutschland" im Jahr 1938 durch eine Interviewte metaphorisch (nur) als "Einverleibung" und als "Aufspringen auf einen fahrenden Zug" rekonstruiert wird – es dürfte weitere metaphorische Konzepte dieses Ereignisses gegeben haben. <zurück>

10) Ankerbeispiele zur zweiten Regel siehe Anhang. <zurück>

11) ... und interpretationsgenerierende Diskussionen bei Nichtübereinstimmungen, vgl. meine Anmerkungen zur Darstellung von BUCHHOLZ in SCHMITT 2002c. <zurück>

12) HITZLER sieht jedoch nicht, dass auch methodische Prozeduren diesem Zweck der Verlangsamung des Verstehens dienlich sein können, und schreibt pauschal abwertend von "schematisch arbeitenden 'qualitativen' Analysekonzepten" (ebd., Absatz 24). Darüber hinaus sitzt er einer naiven Metaphorik auf, wenn er schreibt, dass die von ihm dargestellten hermeneutischen Ansätze im Gegensatz dazu versuchten, "methodisch kontrolliert durch den oberflächlichen Informationsgehalt des Textes hindurchzustoßen zu 'tieferliegenden' Sinn- und Bedeutungsschichten" (ebd., Kursivierung R.S.). Zumindest an dieser Stelle ist es ihm nicht gelungen, hinter / unter / über das kulturelle metaphorische Stereotyp von der uninteressanten Oberfläche und dem tiefen, tiefen Sinn zu gelangen. Die räumlich-metaphorische Konstruktion, dass Sinn "hinter" oder "unter" den Texten lauert, beschränkt die Möglichkeiten, Sinn zu bedenken und zu erfahren. – Die Entgegensetzung von Sinnverstehen und Methode hat in der Debatte zwischen GADAMER und HABERMAS ihren Vorläufer, vgl. HABERMAS 1970. <zurück>

13) BUCHHOLZ und v. KLEIST (1995) haben ein metaphernanalytisches Vorgehen vorgestellt, das die Metaphern ohne vorbereitenden Schritt in ihrer Sequenzialität untersucht. Sie riskieren damit m. A. nach ein Übersehen alltäglicher und damit latent wirkender Metaphern, ebenso können Widersprüche im metaphorischen System einer Person bzw. eines Textes aus dem Blick geraten, da die Erkennung von Metaphern als unproblematisch vorausgesetzt wird. <zurück>

14) Für weitere Beispiele siehe SCHMITT 2000c, in "Exkurs 3. Körper, Psyche und Faschismus". <zurück>

15) DEVEREUX (1984) hat zu Recht darauf aufmerksam gemacht, dass Forschungsmethoden auch der Abwehr und Distanzierung von unangenehmen Inhalten dienen können. Der sich auf ihn zuweilen berufende Pauschalverdacht gegenüber Forschungsmethoden wird jedoch der abwehr-behindernden, weil verlangsamenden und ent-ängstigenden Funktion von Forschungsmethoden nicht gerecht. <zurück>

16) Subjektives "Vermögen", "Erweiterung" und "Lernen": Damit metaphorisiere ich selbst Subjektivität im Rahmen einer "ressourcenorientierten" Sichtweise, nicht als defizitäre Einschränkung oder Störung. <zurück>

17) Wobei SURMANN 2002 am Beispiel von Menschen mit einer Epilepsie zeigen kann, dass gerade bei der Versprachlichung eines bewusstseinsüberfordernden Erlebens Metaphern eine wichtige Rolle spielen. – Eine kurze Übersicht über Probleme des Ansatzes von LAKOFF und JOHNSON siehe SCHMITT 2001. <zurück>

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Zum Autor

Rudolf Schmitt, Studium von Psychologie und Germanistik in Marburg und Berlin, jeweils mehrere Jahre in Einzelfall- und Familienhilfe und Psychiatrie beschäftigt, seit 1997 Professur für Psychologie am FB Sozialwesen der HTWS Zittau-Görlitz, wissenschaftlicher Schwerpunkt: Metaphernanalyse als sozialwissenschaftliches Forschungsverfahren; siehe seinen Beitrag in FQS: Skizzen zur Metaphernanalyse. Rudolf SCHMITT hat in zurückliegenden Ausgaben von FQS eine Besprechung zu Qualitative Forschung. Ein Handbuch und ein Rezensionsaufsatz Von der Schwierigkeit, Verstehen zu verstehen zu "Sozialwissenschaftliche Hermeneutik. Eine Einführung" verfasst.

Kontakt:

Prof. Dr. Rudolf Schmitt

Hochschule Zittau/Görlitz (FH)
Fachbereich Sozialwesen
Brückenstr. 1
D-02826 Görlitz

E-Mail: r.schmitt@hs-zigr.de
URL: http://www.hs-zigr.de/~schmitt/

Zitation

Schmitt, Rudolf (2003). Methode und Subjektivität in der Systematischen Metaphernanalyse [54 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 4(2), Art. 41, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs0302415.

Revised 6/2008



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