Volume 4, No. 1, Art. 14 – Januar 2003

Ethnographische Perspektiven der Sportwissenschaft in Deutschland – Status Quo und Entwicklungschancen

Jörg Thiele

Zusammenfassung: Die Frage nach Stellenwert und Bedeutung von ethnographischen Ansätzen innerhalb der deutschsprachigen Sportwissenschaft könnte kurz und knapp mit einer "Fehlanzeige" beantwortet werden, wenn es allein darum ginge, explizit als ethnographisch ausgewiesene Untersuchungen in den Blick zu nehmen. Diese Einschätzung ändert sich, wenn man die Perspektive erweitert und die Idee der "Befremdung der eigenen Kultur" (hier der sportlichen Kultur) als ein mögliches Leitprinzip sportwissenschaftlichen Forschungsinteresses zugrunde legt.

Allein die Dynamik der Entwicklung, Etablierung und Veränderung sogenannter jugendlicher Bewegungskulturen oder auch die Exklusivität und Extremität bestimmter tradierter sportlicher Handlungsfelder (z.B. des Hochleistungssports) enthalten für potentielle Ethnographen Fremdheitserfahrungen in erheblichem Ausmaß, ohne dass mit den genannten Bereichen bereits eine vollständige Gegenstandsbenennung angezielt wäre. In diesem Kontext gibt es in der Tat seit einigen Jahren vermehrte Anstrengungen zur Erschließung derartiger Lebenswelten, die mit dem Begriff der "lebensweltlichen Ethnographie" beschrieben werden können, allerdings ohne dass die jeweiligen Autoren und Autorinnen selbst dies getan haben.

Der Artikel soll vor diesem Hintergrund unterschiedliche Funktionen erfüllen: erstens geht es um die Explikation einer Form ethnographischen Selbstverständnisses, dass für die Sportwissenschaft Anschlussmöglichkeiten eröffnet, zweitens sollen existierende sportwissenschaftliche Untersuchungen exemplarisch auf solche Anschlussmöglichkeiten hin überprüft werden und schließlich soll drittens die Frage nach dem potentiellen Nutzen einer expliziten und systematischen Einbindung ethnographischer Forschung in die Sportwissenschaft diskutiert werden. Im Mittelpunkt der zuletzt genannten Überlegungen sollen dabei dann vor allem die Teildisziplinen der Sportsoziologie und Sportpädagogik stehen.

Keywords: Sportwissenschaft, Ethnographie, Sportsoziologie, Sportpädagogik, Fremdheit

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ethnographie, Sozialwissenschaftliche Ethnographie und Ethnographie des Sports

3. Ethnographie des Sports – Ansatzpunkte

4. Ethnographie des Sports – Entwicklungspotentiale

5. Fazit

Anmerkungen

Literatur

Zum Autor

Zitation

 

1. Einleitung

Wer nach ethnographischen Ansätzen innerhalb der deutschsprachigen Sportwissenschaft1) fragt, wird bald ernüchtert feststellen können, dass er ein Phantom jagt. Ethnographie findet sich dort nicht als explizit behandeltes Thema. Dies ist insofern überraschend, als einerseits etwa innerhalb der Sozialwissenschaften seit einigen Jahren durchaus wieder eine verstärkte Zuwendung zu ethnographisch verfahrenden Ansätzen feststellbar ist und andererseits der Gegenstand "Sport" in seinem postmodernen Facettenreichtum genügend potentielle Anknüpfungspunkte für ethnographische Fragestellungen bieten könnte. [1]

Wer sich in die Welt des Sports begibt und sie mit offenen Augen zu erkunden trachtet, findet zahllose Anlässe zum Staunen, an erster Stelle wohl den, dass es die Welt des Sports offenbar gar nicht mehr zu geben scheint (vorausgesetzt es hat sie überhaupt je gegeben). Neben gewöhnlichen Fußballspielern, die jedes Wochenende ihr Ligaspiel absolvieren und über die Woche ihre regelmäßigen Trainingspensen erfüllen, finden sich bewegungsaktive Menschen, die offenbar nichts Besonderes dabei finden, dass sie in mit Sand gefüllten Hallen der Simulation einer Bewegungsform frönen, die sich Beach-Volleyball nennt, und damit zumindest semantisch auf Sonne, Meer und Wind verweist, während wieder andere offenbar bereitwillig den Kommandos eines so genannten "Drill-Instructors" Folge leisten und erwartungsvoll Übungsformen entgegen sehen, die traditionell eher militärischen Grundausbildungen vorbehalten waren. Die auf ihren Spinning-Rädern verkabelten Fitnesssportler und -sportlerinnen legen derweil virtuell etliche Kilometer vor einer zumindest die Illusion von Fortbewegung vermittelnden Videowand zurück, während der in frischer Waldluft dahinschwebende Feierabendjogger derartige Aktivitäten in meditativer Gelassenheit achselzuckend nur noch hinnimmt. Anscheinend sind die sportlichen Welten mittlerweile Legion und je nach Ausgangsperspektive mit erheblichen Befremdungspotentialen ausgestattet. Dies wiederum spricht dafür, die Frage nach ethnographischen Anschlussofferten nicht allzu vorschnell ad acta zu legen. [2]

Deshalb sollen im folgenden zwei Dimensionen genauer betrachtet werden: zum einen geht es um die aktuelle Situation einer ethnographischen Forschung in der Sportwissenschaft, und zum anderen soll auch nach möglichen, bislang noch zu wenig ausgeschöpften Potenzialen einer ethnographisch verfahrenden Sportwissenschaft gefragt werden. Dazu sind mehrere Schritte notwendig: Der Explikation eines ethnographischen Selbstverständnisses, wie es sich innerhalb der gegenwärtigen Soziologie in der Entwicklung befindet, folgt eine Transformation auf die "eigene Kultur", den Sport. Anhand von Beispielen soll dann aufgezeigt werden, dass es sehr wohl Ansätze zu einer "Befremdung der eigenen Kultur" innerhalb der Sportwissenschaft gibt, wenngleich hier sicher noch nicht von einer existierenden Tradition gesprochen werden kann, zumal die Ansätze in der Regel eher einer "impliziten" Ethnographie folgen. Bezogen auf die Sportwissenschaft sollen dann einige Systematisierungsvorschläge unterbreitet und mögliche Potenziale für die Zukunft diskutiert werden. Hintergrund der gesamten Überlegungen ist die Annahme, dass die Sportwissenschaft von dem ethnographischen Versuch der systematischen Be-Fremdung des vermeintlich Selbstverständlichen durchaus zu Erkenntnisgewinnen eigener Art kommen könnte. [3]

2. Ethnographie, Sozialwissenschaftliche Ethnographie und Ethnographie des Sports

Es kann an dieser Stelle natürlich nicht darum gehen, eine differenzierte historisch-systematische Herleitung aktueller ethnographischer Ansätze vorzunehmen. Andererseits lässt sich aber auf eine zumindest holzschnittartige Darstellung wichtiger Wurzeln und Ursprünge nicht verzichten, da nur auf diesem Weg die notwendigen Fundamente gelegt werden können, die für ein Verständnis des ethnographischen Grundanliegens unabdingbar erscheinen. [4]

Ursprünglich verweist Ethnographie auf ein methodisches Instrument innerhalb der Ethnologie oder Kulturanthropologie. Die Aufzeichnung oder Nachzeichnung fremder, d.h. ursprünglich im Kern außereuropäischer Kulturen stand im Zentrum dieser Untersuchungen. Sie reicht im Prinzip zurück bis zu den Anfängen des Kolonialismus und der damit einhergehenden Entdeckung der "Neuen Welt" (aus der schon sehr bald "Neue Welten" wurden). Andere Deutungen verlagern ethnographische Ansätze auch zurück bis in die klassische Antike (vgl. z.B. HONER 1993, S.34; MÜHLMANN 1986, S.25ff.). Unabhängig von solchen zeitlichen Datierungen steht aber immer die Beschäftigung mit fremden Kulturen, mit dem "Anderen" im Unterschied zum "Eigenem" im Vordergrund. Die Art der Thematisierung war dabei in aller Regel geleitet von einem Überlegenheitsgestus der Forschenden, gegenüber den Forschungsobjekten, den "Barbaren" oder "Primitiven". Trotz dieser häufig einseitigen Betrachtungsweise und der oft damit einhergehenden Legitimation des Anspruchs auf Unterwerfung oder Ausbeutung der "Anderen" war mit dieser Perspektive zugleich auch der Keim für eine eher vergleichende Ethnologie gelegt, die ihr Hauptaugenmerk auf das Verstehen der fremden Kultur und die Perspektivübernahme durch den forschenden Ethnologen legte. Dies setzte die Teilnahme am Leben innerhalb der zu erforschenden Kultur voraus und bedeutete auch so etwas wie die Geburtsstunde moderner Ethnographie. Sie ist häufig verbunden mit den Namen von Franz BOAS und Stanislaw MALINOWSKI. Deren Kritik der Lehnstuhl-Ethnographie verbunden mit dem Vorleben des "being there" markiert einen zentralen Wendepunkt des ethnologischen Paradigmas am beginnenden 20. Jahrhundert. [5]

Der Wechsel von der kulturanthropologischen zu einer sozialwissenschaftlichen Perspektive hängt wiederum eng zusammen mit der grundsätzlichen Einsicht, dass bei genauerem Hinsehen überhaupt nicht klar ist, wo das Eigene aufhört und das Fremde beginnt. In Abwandlung eines bekannten Sprichwortes ließe sich fragen: "warum in die Ferne schweifen, ist das Fremde doch so nah"? "Das Fremde beginnt nämlich 'not merely at the boundaries of our society ... but ... at the boundaries of ourselves'" (GEERTZ zit. nach ELLRICH 1999, S.69). Dieses Zitat des renommierten Kulturanthropologen C. GEERTZ weist in seiner Radikalität deutlich auf den für die Entwicklung einer sozialwissenschaftlichen Ethnographie entscheidenden Punkt, die prinzipielle Verschiebung der Fremdheitsgrenzen. Finden sich Ansatzpunkte für eine Ethnographie der eigenen Kultur bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts z.B. in den berühmten Untersuchungen etwa der "Chicago School", so finden sich im Verlauf der letzten beiden Jahrzehnte im Zuge der veränderten Deutung gesellschaftlicher Grundstrukturen im Rahmen von Modernisierungstheorien auch in der deutschsprachigen Sozialwissenschaft zunehmend ethnographische Ansätze2). Wie lässt sich das erklären? [6]

Zeichneten sich klassische, stratifizierte Gesellschaften noch durch eine relativ einfache Struktur und klare Schichtung aus, die durch eine großflächige und nur ansatzweise ausdifferenzierende Analyse und Darstellung noch zu durchaus plausiblen Abbildungen gesellschaftlicher Strukturen gebracht werden konnten, so scheint dies in modernen und funktional ausdifferenzierten Gesellschaften immer problematischer. Die großflächig ansetzenden Survey-Instrumentarien messen zwar nach wie vor irgendwelche Phänomene, aber es wird zunehmend (d.h. in immer mehr Teilbereichen) fragwürdiger, ob mit diesen Messungen noch gesellschaftliche Wirklichkeiten korrespondieren. Die Optionsvielfalt komplexer Gesellschaften (vgl. z.B. GROSS 1994) und der damit korrespondierende Hang zur Individualisierung führt in der Konsequenz zu einer bunten Vielfalt von Lebensstilen und -entwürfen mit sehr heterogenen Relevanzstrukturen.

"Wenn nun aber, wie Schütz und Luckmann (...) schreiben, 'im Grenzfall der Bereich des gemeinsamen Wissens und der gemeinsamen Relevanzen unter einen kritischen Punkt zusammenschrumpft, ist Kommunikation innerhalb der Gesellschaft kaum noch möglich. Es bilden sich Gesellschaften innerhalb der Gesellschaft heraus'. Und eben dies ist der für die hier postulierte Notwendigkeit einer ethnologischen Gesinnung des Soziologen gegenüber der eigenen Kultur entscheidende Befund, denn er impliziert, daß unter solchen Bedingungen für jedes Gesellschaftsgebilde, für jede Gruppierung, auch innerhalb einer Gesellschaft, andere Arten von Wissen und vor allem andere Hierarchien von Wissensarten relevant sind bzw. zumindest relevant seien können" (HITZLER 1999, S.478)3). [7]

Weil wir es in modernen Gesellschaften immer öfter mit potentiell fremden, d.h. zunächst einmal unverständlichen Phänomenen, Lebensweisen, Bereichen zu tun haben können, ist die Entwicklung eines fremdheitssensiblen und fremdheitsanalysierenden Instrumentariums von entscheidender Wichtigkeit. Die Beschreibung von Szenen, Milieus, Kulturen oder "kleinen Lebenswelten" wird so zur vordringlichen Aufgabe einer sozialwissenschaftlichen Ethnographie4). Sie hat die Aufgabe,

"das, was Menschen tun, für andere Menschen, die das nicht tun, nachvollziehbarer, verständlicher zu machen bzw. Nichtbeteiligten wenigstens ein paar Einblicke und Eindrücke in ihnen mehr oder weniger fremde Welten zu vermitteln – in fremde Welten, die sich keineswegs in größerer räumlicher Entfernung befinden müssen, sondern sich oft auch in der unmittelbaren Nähe auftun können" (HITZLER 2000a, S.28). [8]

Die wohl bekanntesten Beispiele solcher "fremder Kulturen gleich um die Ecke" finden sich in der in den letzten Jahren aus unterschiedlichsten Gründen florierenden Jugendforschung (vgl. stellvertretend für viele andere: HITZLER, BUCHER & NIEDERBACHER 2001). Die Reaktionen "normaler Erwachsener" reichen von barem Unverständnis, über schlichte Unkenntnis bis hin zu meist eher peinlichen Versuchen des Kopierens jugendlicher Lebensstile. Es geht an dieser Stelle aber nicht um eine Bewertung derartiger Rezeptionen, sondern eher darum zu verdeutlichen, was mit dem "Fremdheitspotential" der eigenen Kultur gemeint sein kann. Allein die Ausdifferenzierung der Jugend in zahllose und häufig schnell wechselnde Kulturen, Stämme, Szenen o.ä. zeigt, wie notwendig "Übersetzungsleistungen" sind, damit – wie im obigen Zitat von SCHÜTZ und LUCKMANN angedeutet – Kommunikation eben nicht einfach abbricht, weil keine Form einer gemeinsamen Sprache mehr zu existieren scheint. Leidgeprüfte Eltern wissen, wovon hier die Rede ist, Passanten in skaterdominierten Fußgängerzonen ebenso. Damit eine sozialwissenschaftliche Ethnographie diesen Aufgaben auch nachkommen kann, benötigt sie eines spezifischen Instrumentariums zur Erfassung und Entschlüsselung von Fremdheit und – wie sich gleich zeigen wird – wichtiger noch eines explizierten Selbstverständnisses. [9]

Wer sich methodologischen und methodischen Aspekten der Ethnographie zuwendet, kommt leicht in Schwierigkeiten, insbesondere wenn es darum geht, die Differenzen zur ebenfalls innerhalb der letzten beiden Jahrzehnte stark in den Vordergrund gerückten qualitativen Sozialforschung herauszuarbeiten5). Einigkeit herrscht wohl darüber, dass sozialwissenschaftliche Ethnographie dem Paradigma qualitativer bzw. interpretativer Sozialforschung zuzurechnen und unterzuordnen ist. Dies kann angesichts der bisher angestellten Überlegungen und der – allerdings nur grob angedeuteten – Verweise auf phänomenologische und hermeneutische Ursprünge auch kaum verwundern. Probleme ergeben sich aber in der Bestimmung der Besonderheiten und Unterscheidungsmerkmale. So konstatiert HITZLER, dass "Ethnographen bei ihrer Arbeit prinzipiell das gesamte Methoden-Arsenal empirischer Sozialforschung [verwenden]", wobei allerdings ebenso eine eindeutige Bevorzugung der nicht-standardisierten Verfahren vorherrscht (vgl. HITZLER 2000a, S.21). Dies bestätigt auch SCHÜTZE, wenn er meint, dass "die ethnographische Sichtweise durch alle Verfahrensweisen der interpretativ-qualitativen Sozialforschung realisiert werden" kann (1994, S.190). Es gibt also ganz offensichtlich Methoden innerhalb der ethnographischen Forschung, nicht aber spezifisch ethnographische Methoden. Daher gelangt SCHÜTZE zu folgender Schlussfolgerung: "Ich glaube nicht, dass man beim heutigen Erkenntnisstand von einer spezifisch ethnographischen Methode oder Untersuchungstechnik sprechen kann" (ebd., S.226). [10]

Es macht demnach keinen Sinn, eine künstliche Eigenständigkeit der sozialwissenschaftlichen Ethnographie auf methodischer Ebene zu propagieren. In ihrem prinzipiellen Anliegen den "Sinn" sozialer Wirklichkeiten zu rekonstruieren (vgl. HONER 1993, S.34) bzw. soziale Wirklichkeit zu "verstehen" (vgl. HITZLER 2000, S.461ff.) folgen ethnographische Ansätze im Bereich der Sozialwissenschaften den übergeordneten Leitzielen der interpretativen Sozialforschung. Auch in dem Ansinnen, gleichsam reflexiv auch noch das "Wie" des Verstehensprozesses systematisch zu hinterfragen6), befindet sich die Ethnographie auf vorgegebenen Kurs und dokumentiert damit lediglich ihren Anspruch als Wissenschaft ernst genommen zu werden. Wo könnte dann die "differentia specifica" sozialwissenschaftlicher Ethnographie liegen? "Das entscheidende Qualitätskriterium von Verfahren im Rahmen ethnographischer Forschungsarbeit besteht u.E. darin, ob bzw. in welchem Maße sie geeignet sind, Relevanzen, Wissen und Praktiken der je Untersuchten ihrem typisch gemeinten Sinn nach zu rekonstruieren" (HITZLER 2000a, S.22f.). [11]

Um dieser Forderung Genüge zu tun, bietet es sich an, die ethnographische Vorgehensweise in der besonderen Gewichtung bestimmter Merkmale der Forschungshaltung zu suchen:

  • An erster Stelle ist hier wohl der Versuch der Perspektivenübernahme zu nennen, der bereits für die Entwicklung der modernen Ethnologie eine entscheidende Rolle spielte. Der Versuch des Verstehens einer Kultur "von innen" lässt sich vielleicht am besten beschreiben mit dem Bild, die Welt "mit den Augen des Anderen" zu sehen, auch wenn dies real natürlich immer nur in angenäherter Form geschehen kann, da wir nie die Stelle des Anderen, des Fremden vollständig einnehmen können. Gemeint ist dieses Grundprinzip als eine Art regulative Idee, die reflexiv immer wieder eingeholt werden muss, um alle Formen vorschneller Vereinnahmung der fremden Welten zumindest systematisch zu erschweren. Das permanente Herstellen einer systematischen Fremdheitseinstellung, das andauernde "Befremden der eigenen Kultur" ist dazu das Mittel der Wahl (vgl. HIRSCHAUER & AMANN 1997, S.27ff.). Weil wir uns in unserer eigenen Kultur auf eine selbstverständliche Art und Weise heimisch fühlen, ist das "Befremden" natürlich gerade für Erforschungen vermeintlich vertrauter Lebenswelten von besonderer Wichtigkeit (aber auch Schwierigkeit!). [12]

  • Um dem Wunsch nach möglichst weitgehender Deskription nachkommen zu können, ist der Ethnograph gehalten, sich mit Beurteilungen zurückzuhalten, also in einem phänomenologischen Sinne möglichst vorurteilsfreie Beschreibungen abzugeben. Dazu sollen einerseits systematisch Zweifel in den Verstehensprozess eingebaut werden, "Zweifel an den Vor-Urteilen des Interpreten, Zweifel an subsumptiven Gewissheiten in Alltag und Wissenschaft und Zweifel schließlich auch an reduktionistischen Erklärungen" (HITZLER 2000a, S.27). Andererseits – und auch dies ist der besonderen Erwähnung wert – wird vom sozialwissenschaftlichen Ethnographen eine partielle Amoralität erwartet, die sich in einer neutralen Haltung gegenüber den Handlungsweisen und Praktiken innerhalb des untersuchten Feldes zeigt. Wer das Fremde verstehen will, tut gut daran, auf Moralisierungen, die dem eigenen Wertekosmos entspringen, zu verzichten7). Wer dies nicht möchte, sollte keine Ethnographie betreiben. Wer die Ethnographie zur wissenschaftlichen Bestätigung der eigenen Vorurteile heranziehen möchte, hat das Prinzip ethnographischen Verstehens gründlich missverstanden. Gleichwohl können natürlich auch gerade akribische ethnographische Beschreibungen genau zu diesem Zweck missbraucht werden. [13]

  • Um dem Ideal eines "inneren" Verstehens fremder Welten möglichst nahe zu kommen, wird zumindest in der neueren Ethnographie das Prinzip einer (temporären) Mitgliedschaft im Untersuchungsfeld für unverzichtbar gehalten. Das Hineingehen ins Feld, die beobachtende Teilnahme oder noch etwas anspruchsvoller das "existentielle Engagement" ist daher eine der unverzichtbaren Voraussetzungen sozialwissenschaftlicher Ethnographie. Verstehen von innen lässt sich nur "gewinnen, wenn man sich auf ein Thema (auch) existentiell einläßt, wenn man das Thema wenigstens für eine gewisse Zeit selber (alltags-) praktisch 'bearbeitet'. Das bedeutet forschungspraktisch, daß man am besten versucht, im Feld 'einer zu werden, wie ...'" (HONER 1993, S.46). Sehr unterschiedlich kann dabei die Intensität der Teilnahme sein, sowohl hinsichtlich der Dauer als auch hinsichtlich des "existentiellen Engagements". Eine intime Vertrautheit mit dem Feld ("being there") wird aber in der Regel als Qualitätsmerkmal ethnographischer Untersuchungen angesehen (vgl. ELLRICH 1999, 81f.). [14]

  • Das Prinzip der Teilnahme wäre jedoch unvollständig wiedergegeben, wenn nicht zugleich auch das Gegengewicht der Distanzierung Erwähnung fände. Nur das Wechselspiel von (zeitweiser) existentieller Teilnahme und (zeitweiser) reflexiver Distanzierung ergeben jenes Potential an Erkenntnisgewinn, der ethnographische Untersuchungen so wertvoll machen kann. Das Problem des "going native" oder des "Verkafferns", wo die Distanzierung nicht mehr gelingt, ist der Ethnographie nur zu gut bekannt und führt auf einen letzten Aspekt ethnographischen Vorgehens. [15]

  • Der Ethnograph ist in erster Linie an Beschreibungen interessiert, er nimmt "aktiv" am Leben im Feld teil, aber er ist nicht auf Veränderung, Missionierung oder "Verbesserung" des untersuchten Feldes aus. Dieses – wenn man so will – interesselose Wohlgefallen an der bloßen Deskription fremder Lebenswelten ist der Ethnographie immer wieder auch kritisch vorgehalten worden8). [16]

Nimmt man diese verschiedenen Merkmale einer sozialwissenschaftlichen Ethnographie zusammen, dann lässt sich eine Ausprägungsform identifizieren, die die Rede von einem eigenen "Forschungsprogramm" durchaus plausibel macht (vgl. HITZLER 2000a, S.17). Insgesamt basiert diese Programmatik wie gezeigt mehr auf einer Forschungshaltung als auf einem Kanon eigener Methoden.9) Die Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit einer ethnographischen Sichtweise angesichts der Besonderheiten komplex strukturierter moderner Gesellschaften dürfte ebenfalls unstrittig sein, zumal sozialwissenschaftliche Ethnographie nicht den Anspruch erhebt, nun ihrerseits einen Passepartout zur Lösung aller gesellschaftlichen Probleme zu besitzen. [17]

Lenkt man nach diesen allgemein gehaltenen Überlegungen den Blick nun auf den Bereich des Sports und der Sportwissenschaft, so fallen zunächst zwei Aspekte ins Auge: zum einen die weitgehende Abstinenz ethnographischer Ansätze innerhalb sportwissenschaftlicher Forschung und zum zweiten die Prädestiniertheit des gesellschaftlichen Feldes des Sports für ethnographische Betrachtungen10). Fragt man zunächst nach möglichen Gründen für die Abstinenz, so ist man weitgehend auf Vermutungen angewiesen. Ohne Zweifel bietet sich ein ethnographischer Zugang innerhalb der Querschnittswissenschaft "Sportwissenschaft" von vornherein nur für einige Teildisziplinen an11). Zu denken wäre dabei an die Sportsoziologie, -psychologie und -pädagogik, die zumindest über so etwas wie eine prinzipielle Affinität verfügen. Für diese Kandidaten ergeben sich aber wiederum je spezifische Problemlagen: Die Sportsoziologie als erste Kandidatin verfügt innerhalb der deutschen Sportwissenschaft nur über sehr begrenzte personale Ressourcen, und hinzu kommt, dass im Rahmen dieser begrenzten Ressourcen Vertreter einer i.w.S. qualitativen Forschungstradition eher die Ausnahme bilden. Ähnliches gilt für die Sportpsychologie, die zwar über etwas größere Ressourcen, dafür aber auch über eine stärker an standardisierten Methoden orientierte Forschungstradition verfügt. Zudem ist eine Nähe von Psychologie und Ethnographie schon in der Mutterdisziplin eher der Ausnahmefall. Bleibt die Sportpädagogik als personell immer noch weitaus stärkste Teildisziplin in der Sportwissenschaft. Hier zeigt sich zum einen die traditionelle Orientierung an Problemen des Sportunterrichts und des Schulsports als eine Einengung des Blickfeldes. Zum zweiten gehörte die empirische Erforschung von Sportwirklichkeiten in der Vergangenheit nicht zum Kernbestand sportpädagogischen Selbstverständnisses. Schließlich hat die Sportpädagogik in ihrem weitgehend geteilten Selbstverständnis als "Handlungswissenschaft" immer auch eine Veränderung von existierenden Wirklichkeiten unter bestimmten normativen Leitvorgaben im Auge, ein Anspruch, der mit dem skizzierten ethnographischen Selbstverständnis kaum kompatibel erscheint. Dieser eher ernüchternden Bilanz steht allerdings auch ein innerhalb der genannten sportwissenschaftlichen Teildisziplinen konstatierbarer Trend zur vermehrten Nutzung qualitativer Verfahren gegenüber (vgl. auch HUNGER & THIELE 2000). Damit sind zumindest erste Ansatzpunkte für die weitere Verfolgung möglicher Verbindungspunkte von Sportwissenschaft und Ethnographie gegeben. [18]

Eine weitere potentielle Anschlussmöglichkeit liegt auf der Gegenstandsebene. Die eben erwähnte Prädestiniertheit des Phänomens Sport ergibt sich aus der dynamischen Entwicklung die "der" Sport in den letzten Jahrzehnten durchlaufen hat und wohl auch zukünftig weiter durchlaufen wird. Bereits ein oberflächlicher Blick genügt, um zu der Erkenntnis zu gelangen, dass der ursprünglich eher monolithisch verfasste Sport zunehmend Züge der Ausdifferenzierung in immer mehr und immer neue Teil-Welten annimmt. Neue Adressatengruppen, neue Sinnzuweisungen, die Kombination bereits existierender Muster zu neuen, patchworkartigen Formen des Sport-Treibens führen zu einer Vervielfältigung der ursprünglich recht überschaubaren und einfach strukturierten Welt des Sports. Die Selbstverständlichkeit, mit der man in der Vergangenheit von dem Sport reden und damit den in Vereinen beheimateten an Sportarten orientierten Wettkampfsport meinen konnte, ist wohl für alle Zeiten vorbei. Wer heute von Sport spricht, kann auch diese "Selbstverständlichkeit" meinen, er kann aber auch eine der zahllosen anderen "losen Kopplungen" von Bewegung, Körperlichkeit und Lebensstil meinen, die unsere Gesellschaft durchziehen. Resultat ist – wie in vielen anderen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens auch – zunehmende Unübersichtlichkeit und Nichtwissen. Das wiederum ist allerdings eine gute Ausgangsbedingung für ethnographisches Forschen: sowohl das Befragen der so selbstverständlichen Welt des (allzu) vertrauten Sports auf Befremdliches, Verwunderliches und Staunenswertes als auch die Erschließung neuer oder "fremder" Bewegungswelten zur Verständlichmachung für all diejenigen, die an diesen Welten nicht direkt partizipieren, bieten geradezu ideale Betätigungsfelder für potentielle sportwissenschaftliche Ethnographen. Denn wenig dürfte für eine reflexive Sportwissenschaft zuträglicher sein, als eine möglichst differenzierte Kenntnis ihres Gegenstandes bzw. Phänomenbereiches. [19]

Die Möglichkeit und auch Sinnhaftigkeit ethnographischen Forschens innerhalb der Sportwissenschaft scheint demnach gegeben, gleichwohl behält die Feststellung einer real existierenden Marginalität dieser Herangehensweise im Feld des Sports ebenso ihre Gültigkeit. Betrachtet man die aktuelle Situation etwas genauer, dann finden sich aber auch Hinweise auf Untersuchungen, die man vielleicht mit dem Begriff einer "impliziten" ethnographischen Sichtweise belegen kann. Diese sollen im Folgenden etwas genauer spezifiziert werden. [20]

3. Ethnographie des Sports – Ansatzpunkte

Versucht man existierende Ansätze einer ethnographischen Betrachtung sportlicher Lebenswelten ein wenig zu systematisieren, so ergeben sich in einem ersten Zugriff zwei deutlich unterscheidbare Ausgangspunkte. [21]

Einerseits besteht die Möglichkeit, den Phänomenbereich sportlicher Lebenswelten aus einer Position außerhalb des Sports zu betrachten. Obwohl an dieser Perspektive zunächst nichts Ungewöhnliches zu sein scheint, handelt es sich doch beim Sport um ein gesellschaftliches Phänomen mit hohem Verbreitungsgrad und offenbar auch zunehmender Bedeutung, so muss man gleichwohl feststellen, dass andere ethnographisch relevante Wissenschaften sich mit einer Thematisierung des Sports eher schwer tun. Diese eher sporadischen Zugriffe können aber auch der sportwissenschaftlichen Diskussion durchaus Impulse geben und Anschlussofferten eröffnen, so dass eine kursorische Auseinandersetzung an dieser Stelle sinnvoll erscheint. [22]

Im Rahmen der Soziologie12) findet eine allerdings zumeist sehr indirekte Thematisierung von Bewegung, Sport und Körper vor allem im Bereich der Jugendforschung statt, da bei einer qualitativ orientierten Darstellung der so genannten "Jugendkulturen" die in Frage stehende Thematik geradezu aufgenötigt wird (vgl. geradezu prototypisch WENZEL 2001). Als ein illustratives Beispiel kann hier die Techno-Szene gelten (vgl. z.B. HITZLER & PFADENHAUER 1998; KLEIN 1999). Nun wird man natürlich fragen dürfen, ob und inwiefern eine ethnographische Analyse der Techno-Kultur mit dem Phänomenbereich Sport in Verbindung gebracht werden kann, aber gerade darin liegt natürlich der Reiz eines Vergleiches von sportiven Lebenswelten und aktuellen Lebenswelten von Jugendlichen, die eine anders strukturierte Verknüpfung von Bewegung und Körperlichkeit zelebrieren. Die "Befremdung" kann für Sportwissenschaftler dann vor allen Dingen in der Einsicht liegen, dass die konkrete Ausgestaltung der Verknüpfung von Jugend – Bewegung – Körperlichkeit durchaus nicht mehr ausschließlich in Modelle tradierten Sports münden muss. Die häufig anzutreffenden detaillierten Beschreibungen der in Frage stehenden Lebenswelten, Szenen oder Kulturen tragen gelegentlich auch explizit ethnographische Züge (z.B. HITZLER & PFADENHAUER 1998), was ganz einfach daran liegt, dass hier ethnographisch orientierte Sozialwissenschaftler einen bewegungsbetonten Phänomenbereich der Jugendkultur mit ihrem genuinen Instrumentarium untersuchen. Auch genuin sozialwissenschaftlich orientiert, aber noch direkter am Phänomenbereich Sport ausgerichtet, sind die Untersuchungen, die HONER zur Lebenswelt der Bodybuilder vorgelegt hat (vgl. 1985; 1995). Auch hier wird mit einem nicht genuin sportwissenschaftlichen – sondern eben soziologischen – Blick der Focus auf ein "Sinnsystem" gerichtet, das durchaus auch in sportiven Kontexten seinen Ort findet, das Bodybuilding. Eine solche Einschätzung mag für traditionelle Sportler oder auch Sportwissenschaftler durchaus mit einem Fragezeichen zu versehen sein, doch versucht HONER deutlich zu machen, dass es gerade darum nicht geht:

"Nun ist Bodybuilding zwar weder eine olympische Disziplin, noch sind etwa Bodybuilding-Verbände (bislang) dem Deutschen Sportbund angeschlossen. Aber dies scheinen mir auch ohnehin durchaus keine zwingenden Kriterien zur Bestimmung des Phänomens Sport zu sein. Weit relevanter finde ich, dass Bodybuilder sich selbst alle als Sportler, zumindest auch als Sportler bezeichnen" (1995, S.53) [23]

Die Selbstdeutung der Beteiligten führt zu einer Gegenüberstellung mit dem "Sinnsystem" Sport, was bei anderen durchaus Verwunderung, Befremden, vielleicht auch Ablehnung hervorrufen mag. Dies alles kann jedoch erst vor dem Hintergrund einer ethnographischen Beschreibung geschehen. Die Arbeiten von HONER zum Bodybuilding sind m.W. die einzigen, die mit einem expliziert formulierten und eingelösten ethnographischen Anspruch eine direkte Verknüpfung zur Welt des Sports herzustellen versuchen13). [24]

Neben der Soziologie befleißigt sich auch die Pädagogik gelegentlich eines "fremden" Blickes auf den Sport, allerdings wie ich meine mit einem entscheidenden Unterschied, der sozusagen in der pädagogischen Programmatik verankert zu sein scheint. Exemplarisch kann dafür die Betrachtung H. RUMPFs (vgl. 1986) stehen. In seinem pädagogisch begründeten Anliegen, gegen ein neuzeitlich verankertes "mechanistisches Menschen- und Körperbild" zu votieren, versucht sich RUMPF an der Beschreibung der Lebenswelt eines sportwissenschaftlichen Instituts und der dort agierenden Personen (ebd., S.86ff.). Aus der Perspektive eines Sportwissenschaftlers durchaus "mit fremdem Blick" kommt RUMPF zu in der Tat "befremdlichen" Darstellungen von sich gleichsam selbst auf mechanische Körper reduzierende Sporttreibende. Das Interessante an dieser Form der Darstellung ist die ungewohnte Perspektive, die seine differenzierte Beschreibung der Bewegungsabläufe liefert. Auch wenn RUMPF sein eigenes Vorgehen nicht explizit als ethnographisch kennzeichnet, sind deutliche Nähen doch unübersehbar. Die Bezüge zur phänomenologischen Methode und Betitelung des Readers "Mit fremden Blick" lassen sich einem ethnographischen Anliegen leicht zuordnen, doch gibt es auch eine ebenso deutliche Abweichung, indem RUMPF eindeutig Position bezieht und bewertet. Der ethnographischen Beschreibung ist die pädagogische Bewertung eingewoben, die eine "Reduzierung" des menschlichen Leibes auf einen "mechanischen Körper" im Rahmen sportlicher Aktivität nicht gutheißen will. Damit wird eine Problematik pädagogischer Ethnographie angerissen, auf die an späterer Stelle noch zurück zu kommen sein wird. Festzuhalten ist auch hier der Versuch einer Thematisierung des Phänomens Sport aus einer ethnographisch gefärbten, aber außerhalb der Sportwissenschaft liegenden pädagogischen Perspektive. [25]

Sowohl Soziologie wie Pädagogik richten in den exemplarisch vorgeführten Varianten den Blick also auf den im Prinzip "fremden" Phänomenbereich Sport und erschließen damit für eine vergleichende Betrachtung auch "neue" Perspektiven, da sie von einem prinzipiell anderen – außerhalb der Sportwissenschaft angesiedelten – Standort operieren. Eine nochmals andere Situation ist gegeben, wenn die Sportwissenschaft selbst ihren genuinen Phänomenbereich Sport gewissermaßen künstlich zu befremden sucht. Hier geht es im engeren Sinne um das, was mit dem "Befremden der eigenen Kultur" gemeint sein kann (vgl. HIRSCHAUER & AMANN 1997). "Eigen" ist die Sportkultur für viele Sportwissenschaftler insofern, als in der Regel sehr intensive sportliche Sozialisationsprozesse von ihnen durchlaufen wurden, was zu einem hohen Grad an Vereinnahmung führen kann14). Nicht zuletzt diese Distanzlosigkeit kann als zusätzliches Argument für eine innersportwissenschaftliche Etablierung eines ethnographischen Habitus angeführt werden. Wiederum exemplarisch sollen auch für diese Perspektive einige erste Ansätze kurz dargestellt werden. [26]

An der Schnittstelle von Sportsoziologie und Sportpädagogik sind die Arbeiten von SCHWIER (z.B. 1997, 1998, 2000) anzusiedeln. Ähnlich wie bei den bereits erwähnten allgemein soziologischen Zugängen zielen auch SCHWIERs Untersuchungen auf die Darstellung jugendkultureller Szenen, wobei verständlicherweise Weise ein Schwergewicht auf den sportiven Jugendszenen liegt (z.B. Skater, Streetballer). Ergänzt werden derartige Herangehensweisen vor allem durch andere körperbetonte Szenen wie etwa die Raverbewegung. Das sportwissenschaftliche Interesse an diesen neuen bewegungsorientierten Jugendszenen liegt wohl primär in ihrer Neuartigkeit und, bezogen auf den klassischen Sport, ihrer prinzipiellen Distanzierung vom Sport. Insofern ist es sicher nicht verfehlt, diese Szenen im Sinne "(sport-)fremder" – aber interessanter Weise eben zugleich bewegungs- und körperaffiner – Welten zu deuten. SCHWIER ist darauf bedacht, seine Darstellungen der einzelnen Szenen nicht im theorielosen Raum zu belassen, sondern sie auf der Basis von Hintergrundtheorien mit bestimmten Rahmungen zu versehen. Die beiden Säulen bilden dabei einerseits das Habituskonzept BOURDIEUs (vgl. SCHWIER 1998, S.7ff.) und in jüngeren Publikationen auch die wieder stark in die Diskussion geratenen "Cultural Studies" (vgl. 2000). Wenngleich beide Theoriegebäude sicher nicht in direkter Verbindung zur Ethnographie stehen, so sind deutliche Bezüge doch unübersehbar. BOURDIEU selbst hat am Beginn seiner Karriere explizit ethnologische Arbeiten verfasst (vgl. 1976) und sein wohl berühmtestes Werk über die "feinen Unterschiede" (vgl. 1982) kann ohne große Mühen als auch ethnographisch angelegte Arbeit verstanden werden, wenngleich es sich darin sicher nicht erschöpft. Vergleichbares dürfte auch für die Konzeption der "Cultural Studies" gelten, da sie zum einen immer wieder auch in den Selbstbeschreibungen sozialwissenschaftlicher Ethnographie auftauchen, andererseits aber auch eine theoretische Eigenständigkeit für sich reklamieren (vgl. z.B. HÖRNING & WINTER 1999). Der deutlichen und ausgearbeiteten theoretischen Einordnung steht bei SCHWIER eine diffusere methodische Zuordnung gegenüber. Zwar lässt sich ohne Zweifel eine Ausrichtung an qualitativer Forschungsmethodologie konstatieren (vgl. z.B. 1993; 1999), eine explizit formulierte ethnographische Einordnung findet sich aber nicht. Die Nähen zur "Grounded Theory" in Anlehnung an GLASER und STRAUSS führen ihn dazu, dass die Untersuchung interessierender Gegenstände "nicht a priori durch theoriegeleitete Ausgangsfragestellungen begrenzt wird, sondern auf eine gegenstandsadäquate und nur geringfügig distanzierte Thematisierung des beobachtbaren Spiel- und Bewegungsverhaltens und individuellen Erlebens der Subjekte in ihrem konkreten Verhältnis zur sozialen Wirklichkeit gerichtet ist" (1999, S.99f.). Im Nachvollzug der häufig anregenden und interessanten Ausdeutungen seiner Untersuchungen wird jedoch nur schwer erschließbar, welchen genauen Stellenwert die verschiedenen methodischen Zugänge, die theoretischen Einbettungen und die eigene Haltung für die Deutungsarbeit haben (vgl. 1998, S.39ff.).15) Im Sinne der bislang favorisierten Interpretation kann man aber im Hinblick auf den Ansatz von SCHWIER durchaus von implizit ethnographischen Anteilen sprechen. [27]

Das gilt auch für neuere Untersuchungen, die sich einem – je nach Perspektive – etwas oder vollständig anders gelagerten Feld widmen, dem so genannten "Nachwuchsleistungssport". Auch hier handelt es sich um eine Art von Kinder- und Jugendkultur oder eben auch nicht, wenn man z.B. bedenkt, dass dieses Feld im Wesentlichen von Erwachsenen durchstrukturiert wird. Vor allem innerhalb der sportpädagogischen Diskussion ist dieser Bereich immer wieder Gegenstand heftiger Auseinandersetzungen gewesen, da die normativen sportpädagogischen Vorstellungen einer gelungenen Kindheit und Jugend mit den Erfordernissen eines Nachwuchsleistungssports nicht kompatibel schienen. Auffällig an diesen früheren Diskussionen erscheint im Nachhinein vor allem der Verzicht auf eine systematische Erschließung dieses Feldes. Zu selbstverständlich schien der einen Seite der unabweisbare Tatbestand des Kindheitsverlusts, während die andere Seite nicht laut genug das Loblied der charakterbildenden Wirkungen des Turnens am Stufenbarren anstimmen konnte. Vor diesem Hintergrund der sportwissenschaftlich offenbar notwendigen empirischen Erschließung einer für viele "fremden Welt" liegen mittlerweile eine ganze Reihe von häufig qualitativ ausgerichteten Studien vor, die die Lücke zu schließen versuchen. Unter einer ethnographischen Perspektive ist hier die Arbeit von LÜSEBRINK (1997) von Interesse sowie darauf nachfolgende Arbeiten einer Forschungsgruppe, die sich mit dem Feld des weiblichen Kunstturnens auseinandersetzen (THIELE 1999; FREI, LÜSEBRINK, ROTTLÄNDER & THIELE 2000). [28]

Das Eingangsstatement einer – wenn überhaupt dann – impliziten Thematisierung von ethnographischen Perspektiven in bestimmten Teildisziplinen der Sportwissenschaft, hat auch nach einer genaueren Darstellung ethnographie-affiner Ansätze weiter Bestand. Ähnlich marginal ist auch der Stellenwert von vereinzelt existierenden ethnographischen Zugriffen der Mutterwissenschaften auf den Phänomenbereich Sport, insbesondere was die Rezeption solcher externer Ansätze innerhalb des Sports angeht. Neben dieser pessimistischen Feststellung gibt es aber auch Anlass zu optimistischeren Zukunftsdeutungen, denn trotz der Diagnose der Marginalität haben sich doch auch Tendenzen für eine Öffnung und Intensivierung der Zuwendung zu ethnographischen Ansätzen gezeigt. Abschließend soll auf diese Entwicklungspotentiale noch näher eingegangen werden. [29]

4. Ethnographie des Sports – Entwicklungspotentiale

Potenziale sind vor allem darin zu sehen, dass einerseits der Phänomenbereich Sport sich für ethnographische Studien geradezu aufdrängt. Die Vertrautheit und Selbstverständlichkeit, mit der das Phänomen innerhalb moderner Gesellschaften behandelt und damit in gewisser Weise auch "normalisiert" wird, trifft allenfalls noch einen spezifischen Ausschnitt des Gesamtfeldes von Ligaturen von Körperlichkeit und Bewegung. Wenn Sportwissenschaft daran interessiert ist, auch die Randbereiche, Nischen, Untiefen und weißen Flecken dieses Feldes einer systematischen Analyse zugänglich zu machen, dann wird sie um die weitere Integration fremdheitssensibler Verfahren kaum herum kommen16). Wenn andererseits Teile der "scientific community" sich eher als Sachwalter eines eindeutig bestimmten traditionellen Sports verstehen und damit im Grunde zu Hofwissenschaftlern des organisierten Sports mutieren, dann wird man auf Irritationen durch Fremdheitszumutungen verzichten können bzw. müssen (vgl. auch BETTE 1999, S.278ff.). [30]

Neben den Herausforderungen, den der Gegenstandsbereich bereithält, liegen Potenziale aber möglicherweise auch in einem Generationenwechsel innerhalb der Sportwissenschaft. Wenn die Anzeichen nicht täuschen, zeigt sich die nachwachsende Generation von Sportwissenschaftlern und Sportwissenschaftlerinnen durchaus offener, was die Erforschung der gerade genannten Bereiche angeht17). "Sport" wird in seiner aktuellen Pluralität und Dynamik wahrgenommen und erforscht, was insgesamt zur einer Öffnung der Perspektive führt. Dabei sollte bei aller Faszination des "Exotischen" nicht vergessen werden, dass auch im Sport die "Abenteuer direkt um die Ecke beginnen" können, d.h. der ethnographische Blick auf das Selbstverständliche (z.B. den "ganz normalen" Vereinssport) sollte bei aller Faszination für das Außergewöhnliche nicht verloren gehen. Beide Aspekte kennzeichnen moderne Ethnographien. [31]

Spinnt man diesen optimistischen Faden einmal weiter, dann müsste eine Ethnographie des Sports natürlich über kurz oder lang dahin kommen, so etwas wie ein eigenes Forschungsprogramm zu entwickeln, genau so, wie es innerhalb der Sozialwissenschaften praktiziert wird. Ein derartiges Programm hätte verschiedene Aspekte zu präzisieren:

  • Es kann nicht darum gehen, eine eigene Methodologie und Methodik sportwissenschaftlicher Ethnographie zu entwickeln, weil es aus meiner Sicht eine solche Eigenständigkeit auch nicht gibt. Wichtiger ist hier zunächst einmal die intensive und differenzierte Rezeption des Erkenntnisstandes außerhalb der Sportwissenschaft18). Eine besondere Beachtung sollte dabei allerdings der Aspekt der beobachtenden Teilnahme bzw. des "existentiellen Engagements" finden. HONER spricht in diesem Kontext von "sportspezifischen praktischen Feldproblemen" (vgl. 1995, S.56), die in einer ganzen Reihe von potenziellen sportiven Untersuchungsfeldern eine wirkliche Übernahme der Handlungsperspektive der Akteure nahezu ausschließen. So kann im Feld des Hochleistungssports der Ethnograph nicht "wirklich" in die Haut von Aktiven schlüpfen. Das trifft sicher auch für andere Felder zu, aber durch das im sportiven Bereich häufig essentiell mitgegebene leibliche Engagement treten bei der anzustrebenden "praktischen Mitgliedschaft" wohl eher Probleme besonderer Art auf. So spricht beispielsweise SANDS von besonderen "Risiken": "In sport ethnography, if participation is part of the field work, physical injury is always a possibility ... Exposure to such risks, however, makes the experience of participation more real to the ethnographer" (2002, S.97). Die zu diskutierende Frage ist, wie weit das Engagement im Feld gehen sollte, um ein angemessenes Bild der zu untersuchenden Lebenswelt zu bekommen. Hier wird es sicher keine allgemeingültigen Rezepte geben können, aber z.B. wäre zu prüfen, ob durch ein möglichst breites Spektrum an unterschiedlichen Daten aus dem Feld Defizite, die durch "reduziertes" (d.h. Risiken eher meidendes) Engagement entstehen könnten, zumindest in Teilen kompensierbar sind. [32]

  • Anzustreben wäre in einem weiteren Schritt auch eine Systematisierung des Phänomenbereiches. Nun bleibt es zwar sicher zutreffend, dass prinzipiell jeder lebensweltliche Teilbereich "Befremdliches" bereit hält bzw. "mit fremden Blick" betrachtet werden kann. Auch "der" Sport kann demnach in seiner Ganzheit befremdet werden. Zu fragen ist aber darüber hinaus, ob es wissenschaftlich nicht sinnvoll wäre, die Fremdheitspotenziale des Sports zu systematisieren. Wenn Ethnographen z.B. Kinder und Jugendliche im Sport untersuchen, so entsteht Fremdheit schon allein durch den Generationsunterschied, ähnliches gilt für die Untersuchung von Behinderten durch Nicht-Behinderte. Wenn Kinder und Jugendliche nun noch im Bereich des Hochleistungssports untersucht werden, dann potenziert sich die Fremdheitszumutung nochmals, weil nicht nur die Adressaten, sondern auch noch das Tätigkeitsfeld in den meisten Fällen hochgradig "fremd" anmuten. Ähnliches könnte man von den sich ständig verändernden Feldern des Extremsports sagen. Eine systematische Analyse der Fremdheitspotentiale moderner sportiver Lebenswelten könnte aus wissenschaftlicher Perspektive helfen, Prioritäten für konkrete Forschungsprogramme zu entwickeln, da – wie eingangs erwähnt – die Forschungsressourcen natürlich insgesamt begrenzt sind und Schwerpunktsetzungen damit unumgänglich werden. Damit können und sollen individuelle Vorlieben natürlich nicht ausgeschlossen werden, ein Forschungsprogramm könnte aber im Sinne einer Landkarte des Forschungsfeldes Orientierungshilfen auch für Interessenten und Novizen bieten. [33]

    Zu beachten ist noch ein weiterer Aspekt. Die moderne, aktuelle Gesellschaft ist hochgradig "informiert" und "hineingeformt" in die Gesellschaft sind immer schon (zumindest potenziell, da über alles Mögliche berichtet wird) Anteile auch noch der neuesten, fremdesten und absonderlichsten Teilwelten der Gesellschaft. Medien informieren in aller Regel sehr viel schneller und anschaulicher über zahlreiche Phänomenbereiche, die auch Gegenstand ethnographischer (qualitativer) Forschung sein können. Das gilt auch und vielleicht gerade für den Sport, wenngleich hier einschränkend zu sagen ist, dass die mediale Sportthematisierung hochgradig eindimensional ist und sich eher selten mit Phänomenen außerhalb sehr eingegrenzter Sportarten abgibt. Dennoch gilt auch hier: Trends, Sonderwelten, Absonderlichkeiten werden über Lifestyle-Magazine oder Reportagen immer wieder einmal in Szene gesetzt – und sind somit prinzipiell "bekannt". Selbst die "Naivität" der eigenen Gesellschaft gegenüber ist eine andere als vor 50 Jahren, d.h. vermutlich trifft ethnographische Forschung immer schon zumindest auch partiell sozialwissenschaftlich hergestellte Resonanzräume, entweder bei den Untersuchungsobjekten selbst oder auch bei den möglichen Rezipienten außerhalb der eigentlichen Zielgruppe (sprich: Forscher). Projektionsfläche ethnographischer Forschung ist also nur noch im Ausnahmefall die "tabula rasa", vielmehr finden sich bereits – medial – vorgeprägte Folien, die häufig genug in ernsthafte Konkurrenz zu den wissenschaftlichen Deutungen treten. Das Geschäft wird dadurch wohl schwieriger, denn es geht nicht mehr um die monopolistische Präsentation von Neuen/Fremden, sondern um die Relativierung/Umstrukturierung bereits existierender Muster – und das letzte ist ein schwieriges Geschäft, egal wie fundiert die angeblichen "Kenntnisse" der Rezipienten letztlich tatsächlich sind. Ein Forschungsprogramm der Ethnographie des Sports hätte die Aufgabe, die Tiefenstrukturen ihrer Untersuchungsfelder den Oberflächenstrukturen medialer Präsentationen entgegenzusetzen und damit in gewisser Weise "Befremdlichkeit" auch aufrecht zu erhalten gegen die vorschnellen Vereinnahmungstendenzen massenmedialer Popularisierungen. [34]

  • Ethnographische Untersuchungen sind in der Regel sehr aufwändig und zeitintensiv, zudem verfügen sie in aller Regel über kein explizites "Anwendungsinteresse". Dies steigert in Zeiten von Drittmittelforschung und Interventionsansprüchen nicht gerade ihre Attraktivität. Ethnographie insgesamt und sicher auch eine Ethnographie des Sports wird sich solchen Herausforderungen auch stellen müssen. Gerade die Sportwissenschaft als eine in ihrem Selbstverständnis anwendungsorientierte Handlungswissenschaft wird sich ethnographischen Forschungen vermutlich dann mehr zuwenden, wenn es gelingen sollte, deren Effizienz und Nutzen auch jenseits "ganz netter Geschichten" dokumentieren zu können. Ansätze dazu existieren etwa innerhalb der Organisationsforschung (vgl. z.B. SZABO 1998), wo etwa Beratungsangebote mittlerweile durchaus zum Repertoire ethnographischer Tätigkeiten gehören. Das Verstehen der untersuchten Lebenswelten wird also durch konkrete Interventions- und Steuerungsangebote ergänzt, eine Situation die auch für das ethnographische Selbstverständnis durchaus nicht umstandslos zu verkraften ist. Methodisch werden solche Veränderungen der Grundkoordinaten auch um methodische Variationen ergänzt, die z.B. in Form der so genannten "fokussierten Ethnographie" zielgenaue, gewissermaßen mikroskopische Betrachtungen bestimmter Teilbereiche ausgesuchter Untersuchungsfelder, die schnellere und direktere Rückmeldungen an "Klienten" ermöglichen (vgl. KNOBLAUCH 2001). Das Forschungsprogramm einer Ethnographie des Sports sollte auf diese Entwicklungstendenzen und Notwendigkeiten reagieren, auch wenn innerhalb der sozialwissenschaftlichen Ethnographie selbst noch wenig Einigkeit hinsichtlich der Bewertung solcher doch recht durchgreifender Änderungen ethnographischen Selbstverständnisses herrscht. Eine Akzeptanzsteigerung innerhalb der Sportwissenschaft wird nur über Relevanzsteigerung möglich sein. [35]

  • Eine Ethnographie des Sports müsste sich auch den spezifischen, traditionell eher problematischen Verhältnis von Pädagogik und Ethnographie stellen (vgl. dazu KELLE & BREIDENSTEIN 1996; ZINNECKER 1995; 2000), da der sportpädagogische Bereich immer noch eine zentrale Dimension des sportwissenschaftlichen Selbstverständnisses charakterisiert. Die von ZINNECKER konstatierte "nachhaltige ethnographische Hemmung in der Erziehungswissenschaft" (2000, S. 387), die viele Ursachen hat, die hier nicht im Detail erörtert werden können, bedarf dringend der Thematisierung. Die Pädagogik im allgemeinen und die Sportpädagogik im besonderen verzichten unter den Vorzeichen ausdifferenzierter moderner Gesellschaften auf eine wichtige Erkenntnisquelle, wenn sie aufgrund eines latenten und weitgehend unartikulierten Unbehagens in Isolation verharren. Dass Bezugnahmen auch in der Sportpädagogik durchaus möglich sind, zeigen erste Annäherungsversuche in der Diskussion um den Nachwuchsleistungssport (vgl. THIELE 1999). Wichtig wäre die Ausarbeitung von Anschlussmöglichkeiten jedoch vor allem auch in dem so bedeutsamen Feld des Schulsports. Die aktuelle Tendenz zur Schulentwicklung und Einzelschulforschung könnte sich auch bezogen auf den Sport als "ethnographiefreundlich" (ZINNECKER 2000, S. 386) erweisen, da die spezifischen Erfordernisse mit ihrer Konzentration auf der Entwicklung und Förderung spezifischer Lehr- und Lernprofile für den Einsatz ethnographischer Verfahren geradezu prädestiniert sind. Die Sportpädagogik müsste sich dazu aber auch entschließen, den aktuellen Tendenzen der allgemeinen Schulentwicklung die entsprechende Priorität einzuräumen, was bislang noch nicht in ausreichendem Maße geschieht. [36]

5. Fazit

Bisher ist die Rede von einer Ethnographie des Sports eher Wunsch als Realität. Die bisherigen Überlegungen sollten deutlich machen, dass eine intensivere Einbeziehung ethnographischer Perspektiven in die sportwissenschaftliche Forschung durchaus profitabel sein könnte. Dazu müssten sicher Modifikationen an einigen ethnographischen Leitideen vorgenommen werden, vor allem aber müsste die Sportwissenschaft in der "Befremdung der eigenen Kultur" auch die Chance der Selbstreflexion und den Gewinn, der durch Relativierung liebgewonnener Perspektiven entstehen kann, zur Kenntnis nehmen. Das ist notwendiger Weise immer mit Verunsicherung verbunden. Ob die Sportwissenschaft oder Teile von ihr dazu bereit und in der Lage sind, bleibt abzuwarten. "Dem schauenden Auge das Wort lassen" – das klingt anspruchslos und fällt doch gerade im Bereich der Wissenschaft häufig sehr schwer. [37]

Anmerkungen

1) Es ist notwendig, diesen Rahmen von Beginn an einzugrenzen. Es kann kein Überblick über die gesamte Sportwissenschaft geliefert werden. Das scheint aber auch nicht zwingend notwendig, da bestimmte Teildisziplinen der Sportwissenschaft ohnehin keinen Bezug zur Ethnographie besitzen. Da in den letzten Jahren die Anregungen für ethnographisches Forschen im wesentlichen aus der Soziologie stammen und partiell auch in einige pädagogische Felder Einzug gehalten haben, wird auch der folgende Beitrag sein Hauptaugenmerk im Kern auf die Sportsoziologie und Sportpädagogik richten. <zurück>

2) Für eine differenziertere Darstellung der hier noch ganz knapp angerissenen Entwicklungen vgl. z.B. HONER 1989; 1993; HITZLER 1999; 2000, S.469f.; HIRSCHAUER & AMANN 1997, S.7ff. In diesen Abhandlungen lassen sich zudem auch die Auseinandersetzungen der sozialwissenschaftlichen Ethnographie mit konkurrierenden sozialwissenschaftlichen Ansätzen nachvollziehen, wie auch die mittlerweile innerhalb des eigenen Paradigmas aufgebrochenen Unterschiede. Illustrierend dazu HITZLER: "Jeder versucht jedem einzureden, worüber schon immer, jetzt aber endlich wirklich einmal – und zwar ernsthaft – geredet werden müsse. Keiner versteht, wie der andere überhaupt tun kann, was er tut, ohne das geklärt zu haben, was längst hätte geklärt werden müssen. Die einen pochen auf die Notwendigkeit einer Grundlagendebatte. Die anderen plädieren für die Verfeinerung des Methodenarsenals. Andere wollen zurück zu den empirischen Gegenständen. Andere konstatieren, dass gerade diese endlich theoretisch zu verorten seien. Andere kommen kaum noch aus dem Feld heraus. Wiederum andere kommen kaum noch ins Feld hinein. Viele erfinden manches neu. Manche monieren, dass vieles Neue altbekannt sei. Niemand begreift, warum niemand ihm folge auf dem richtigen Weg zu verlässlichen Daten, zu den gültigen Deutungen, zu den relevanten Erkenntnissen. Fast alle reden über Regeln. Fast keiner hält sich an die, die andere geltend zu machen versuchen. Alle reden 'pro domo'. Und alle reden durcheinander. Kurz: Es geht zu wie bei anderen 'familiären Tischgesprächen' (...) – und vor allem wie in den Diskussionen um die 'richtigen' Theorien erklärender Soziologie und um die richtigen Methodologien und Methoden standardisierter Sozialforschung" (2000, S.464). <zurück>

3) Das Zitat verweist auch auf die deutlichen Bezüge sozialwissenschaftlicher Ethnographie zur Phänomenologie wie auch zur Wissenssoziologie. Diese Verweisungszusammenhänge können hier nur erwähnt nicht aber weiter interpretiert werden. <zurück>

4) Um möglichen Missverständnissen vorzubeugen, sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass mit der hier vorgenommenen Eingrenzung auf eine "lebensweltliche Ethnographie" nicht der Anspruch erhoben wird, für die gesamte Variationsbreite sozialwissenschaftlicher Ethnographie zu sprechen. Im Hinblick auf die sportwissenschaftliche Perspektive bietet sich diese Eingrenzung jedoch an, da hier die deutlichsten Anknüpfungspunkte existieren (vgl. auch Kap. 3). <zurück>

5) Diese Problematik, das sei vorweg genommen, gilt im Übrigen in vergleichbarem Maße auch für den Bereich der Sportwissenschaft. Insofern können die nachfolgenden Überlegungen auch für die Sportwissenschaft Gültigkeit beanspruchen. <zurück>

6) Dies kann an dieser Stelle nicht weiter ausgeführt werden. Das Stichwort der "Krise der Repräsentation" steht für diesen etwa seit Beginn der 90er Jahre auch im deutschen Sprachraum zunehmend rezipierten Aspekt ethnographischer Selbstreflexion (vgl. z.B. BERG & FUCHS 1993; GEERTZ 1997). Aus meiner Sicht täte auch eine Ethnographie des Sports gut daran, die dort diskutierten Problematiken von Anbeginn mit in ihre Überlegungen einzubeziehen. <zurück>

7) Dieser Aspekt wird natürlich immer wieder lebhaft diskutiert, insbesondere wenn es um Tolerierung von illegalen oder auch illegitimen Handlungsweisen geht. Auch diese Diskussion kann hier nicht nachgezeichnet werden, im Sinne einer puristisch verfahrenden Ethnographie sollte man sich aber gerade über die möglichen Zumutungen, die ein solcher Anspruch an potenzielle Ethnographen stellt, von vorn herein im klaren sein. <zurück>

8) Dies gilt zumindest für die "klassischen" Formen auch der modernen sozialwissenschaftlichen Ethnographie. Diese Grundeinstellung gerät allerdings in den letzten Jahren ins Wanken, da ethnographische Ansätze z.B. auch innerhalb von Organisationsentwicklungen als Instrument der Beratung verstärkt zum Einsatz kommen. Hier werden von den (ethnographischen) Beratern ganz konkrete Hinweise auf Veränderungen der aktuellen Situation erwartet. Ethnographie wird damit vor bislang unbekannte Probleme gestellt. Insbesondere in Zeiten einer anwendungsorientierten Forschungspolitik wird die Frage virulent, ob sich Ethnographie eine 'Veränderungsabstinenz' länger leisten kann. Auch dies wäre differenzierter zu diskutieren. <zurück>

9) Ob im Hinblick auf ausgewählte Forschungsgebiete, wie z.B. Leiblichkeit/Körperlichkeit, nicht doch spezifische Forschungsmethoden vonnöten sind, darauf soll an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden. M.E. erfordert zwar die Bearbeitung die o.g. Thematik eine spezielle qualitativ-ethnographische Annäherung, fraglich ist jedoch, ob "gegenstandsadäquater(e)" Methoden tatsächlich dem Anspruch einer gewissen "Eigenständigkeit" gerecht werden können oder die entwickelten Herangehensweisen "nur" eine weitere Modifikation bestehender methodischer Verfahren darstellen. <zurück>

10) Diese Diagnose gilt bezogen auf den deutschen Sprachraum. Innerhalb der angloamerikanischen Tradition der Sportwissenschaft gibt es zumindest einige explizite Bezugnahmen auf ethnographische Ansätze, wenn gleich sicher auch hier zu konstatieren ist, dass sie nicht den Hauptstrom gesellschaftswissenschaftlicher Analysen ausmachen. Erklärbar ist diese größere Nähe zur Ethnographie vermutlich durch stärkere sozialwissenschaftliche Traditionen in diesem Forschungsfeld. Als bislang wohl elaboriertester Ausdruck sportwissenschaftlicher Ethnographie innerhalb des angloamerikanischen Sprachraums kann das jüngst erschienende Grundlagenwerk von SANDS (2002) mit dem ebenso schlichten wie aussagekräftigen Titel "Sport Ethnography" angesehen werden. Getragen vom Selbstverständnis einer "emerging discipline" (vgl. Klappentext) trägt das Buch alle Züge eines Einführungswerkes, basierend auf einer durchaus beachtlichen Anzahl an Vorarbeiten. Davon scheint eine Ethnographie des Sports im deutschen Sprachraum noch weit entfernt. <zurück>

11) Insbesondere die eher medizinisch-naturwissenschaftlich ausgerichteten Teildisziplinen der Sportwissenschaft wie Sportmedizin, Biomechanik oder Trainingswissenschaft können aufgrund ihres methodologischen Selbstverständnisses ethnographischen Ansätzen wenig abgewinnen. <zurück>

12) Die Darstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie möchte vielmehr prinzipielle Zugangsweisen eines ethnographischen Zugriffs exemplarisch verdeutlichen. Trotz dieser Einschränkung sei auch vermerkt, dass eine vollständige Darstellung nicht auf wesentlich mehr Quellen zurückgreifen könnte. <zurück>

13) Dies zeigt sich im Übrigen auch an den Publikationsorten. Eine Arbeit erschien in der Zeitschrift "Sportwissenschaft" (1985), eine andere eher methodologisch ausgerichtete in einem Reader mit dem Titel "Soziologie des Sports – Theorieansätze, Forschungsergebnisse, Forschungsperspektiven" (1995). Gerade letztere Platzierung weckt einige Erwartungen, doch muss man konstatieren, dass die Anregungen HONERs innerhalb der Sportsoziologie nicht systematisch weiter entfaltet worden sind. Über Ansätze und Perspektiven für Perspektiven ist die Diskussion nicht hinaus gelangt. Eine solche Entwicklung wäre indes auch von der Sportsoziologie selbst zu leisten und nicht von sporadisch dem Sport zugeneigten Vertretern der Allgemeinen Soziologie. <zurück>

14) Die Voraussetzungen für "existentielles Engagement" im Sinne der beobachtenden Teilnahme wie für "Verkafferung" im Sinne eines dem Sport gegenüber distanzlosen Verfallensein sind damit gleichermaßen gegeben. <zurück>

15) Ohne diesen Aspekt überinterpretieren zu wollen, scheint mir allerdings schon interessant, dass die Ausdeutung der Skaterkulturen (vgl. 1998, S.44ff.) durch umfangreiches Bildmaterial unterstützt wird. Nur: die Bilder sagen eigentlich wenig mehr aus als: "ich bin da gewesen". Insofern übernehmen sie aus einer ethnographischen Perspektive die Funktion des Nachweises für eine intensive Teilnahme im Feld. Vergleichbares lässt sich auch für immer wieder verstreut auffindbare Hinweise feststellen, die auf die Bedeutsamkeit der häufigen Präsenz im Feld, die informellen Gespräche etc. verweisen. Der Stellenwert dieser "heimlichen Methodik" bleibt aber unklar. <zurück>

16) Hier wäre auch auf eine Arbeit von SCHIERZ (1995) hinzuweisen, die in ihrem Kern auch als ein ethnographischer Zugriff auf die Bedeutungsvielfalt der Bewegungskultur verstanden werden kann. SCHIERZ forciert diese Deutung durch den expliziten Rückgriff auf die Idee "dichter Beschreibungen", wie sie durch C. GEERTZ bei uns bekannt geworden ist (ebd., S.101f.). Im Hinblick auf die Fremdheitsdimension ist dieser Ansatz auch deshalb interessant, weil man hier im Grunde sehr schön sehen kann, welche Fremdheitspotentiale schon innerhalb der Sportwissenschaften entfaltet werden können, wenn z.B. – wie in diesem Fall – ein Sportpädagoge sich auf das angestammte Feld der Bewegungslehre begibt. Resonanz hat aber dieser ethnographische Ansatz m.W. kaum erzeugt, wohl vor allem deshalb, weil innerhalb der naturwissenschaftlich orientierten Bewegungslehre kein Raum für Irritationen vorgesehen ist. <zurück>

17) Die zuvor vorgestellten Arbeiten "impliziter" Ethnographie innerhalb der Sportwissenschaft bestätigen diesen Eindruck. Sie stammen ausnahmslos von jüngeren deutschen Nachwuchswissenschaftlern und Nachwuchswissenschaftlerinnen. <zurück>

18) Diese Einschätzung zeigt sich auch in dem schon erwähnten Werk zur Ethnographie des Sports von SANDS (2002). Über weite Strecken des Buches werden Erkenntnisse aus Anthropologie und Ethnographie dargestellt, die dann anhand von Beispielen aus dem Phänomenbereich Sport ergänzt werden. Wenn auf Besonderheiten hingewiesen wird, dann liegen sie auf anderer Ebene. <zurück>

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Zum Autor

Prof. Dr. Jörg THIELE (geb. 1960)
Arbeitsbereiche Sportpädagogik/Sportsoziologie
Arbeitsschwerpunkte: Schulsportforschung, Nachwuchsleistungssport, Qualitative Forschungsmethoden in der Sportwissenschaft, Fallarbeit

Kontakt:

Prof. Dr. J. Thiele

Institut für Sport und seine Didaktik, Universität Dortmund
Otto-Hahn-Str. 3
D-44229 Dortmund

E-Mail: thiele@sport.uni-dortmund.de
URL: http://www.uni-dortmund.de/FB16/sport/index.html

Zitation

Thiele, Jörg (2003). Ethnographischen Perspektiven der Sportwissenschaft in Deutschland – Status Quo und Entwicklungschancen [37 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 4(1), Art. 14, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs0301147.



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