Volume 3, No. 3, Art. 23 – September 2002

Vom Persönlichen zum Allgemeinen: Diskursivität und Repräsentativität in Interviews

Jens Schneider

Zusammenfassung: Interviews sind in einigen Disziplinen der qualitativen Sozialforschung nicht gern gesehen, weil sie als "künstlich", aufwändig und "wenig repräsentativ" gelten. Der Artikel erörtert die Möglichkeiten, diese Nachteile mit einem konsequent diskursanalytischen Ansatz zu "Tugenden" zu machen: Wie lassen sich Interviewtexte im Hinblick auf übergeordnete Diskurszusammenhänge analysieren und damit zu über das einzelne Interview hinausweisenden Verallgemeinerungen heranziehen? Eine zentrale Rolle spielen dabei die Konzepte "Prototyp" und "Position", mit deren Hilfe die Repräsentativität des Datenmaterials gewährleistet werden kann. Voraussetzung dafür ist allerdings zunächst ein Blick auf die kommunikativen Aspekte in Interviews: Welchen Einfluss hat die Interviewsituation auf das Diskursverhalten der Interviewten? Wie verhalten sich die situativen Faktoren und die kommunikative Situation im Interview zu den übergeordneten Diskurszusammenhängen? Diese Fragen werden einerseits allgemein theoretisch und methodologisch diskutiert, zum anderen aber anhand von Beispielen aus Interviews zum Thema "deutsche Identität" auch in der praktischen Anwendung illustriert. Diese Interviews wurden 1995/96 im Rahmen einer 20-monatigen ethnologischen Feldforschung in Berlin mit führenden Politiker(inne)n, Journalist(inn)en und Kulturschaffenden durchgeführt.

Keywords: Interview, Methoden, Diskurs, Kommunikation, Repräsentativität

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kommunikation im Interview

3. Diskursivität

4. Diskurs und Kognition

5. Diskursivität, Repräsentativität und Prototypizität

6. Schlussfolgerungen

Anhang: Interviewleitfaden

Anmerkungen

Literatur

Zum Autor

Zitation

 

1. Einleitung

Interviews gehören zu den prominentesten Methoden der qualitativen Sozialforschung, allerdings repräsentieren sie auch in besonderer Weise deren Probleme. Interviewanalysen sind ausgesprochen zeitaufwändig und teuer: Für eine sorgfältige Analyse ist eine genaue Transkription der Aufnahmen in der Regel unverzichtbar, hinzu kommt die eigentliche Analyse, die je nach Umfang des Gesamtkorpus weitere Zwischenschritte wie etwa Exzerpte oder Verschlagwortungen notwendig machen kann. Auf diese Weise erreicht der Gesamtaufwand pro Interviewstunde schnell zehn bis fünfzehn Stunden Bearbeitungszeit. [1]

Ein weiterer Nachteil liegt in der mangelnden Repräsentativität der gewonnenen Ergebnisse: Nicht nur, dass die Zahl der für eine Studie verwendbaren Interviews notwendigerweise beschränkt bleiben muss, auch die Interviewsituation als solche gilt – zumindest in der ethnologische Feldforschung – häufig als künstlich und die Äußerungen der Interviewten als durch die Interviewerin1) leicht beeinflussbar. Das ist besonders relevant bei Studien, die Interviews nicht allein zur "Abfrage" spezifischer Informationen verwenden, sondern auch nach Interpretationen und Repräsentationen von sozialen Beziehungen und sozio-kulturellen Deutungsmustern suchen. Trotz der deutlichen Kritik einiger Ethnologen an der häufigen Unreflektiertheit der "ethnografischen Repräsentation", in der z.B. die Untersuchten erst durch den sie beschreibenden Text zu der von der Ethnografin gesuchten "homogenen kulturellen Gruppe" gemacht werden (vgl. BERG & FUCHS 1993), gelten die im Feldtagebuch festgehaltenen Beobachtungen, Gesprächsprotokolle oder Äußerungen von Informanten im allgemeinen als aussagefähiger als in mehr oder weniger formalen Interviewsituationen gewonnene "Interviewtexte". Schon deshalb wird in vielen ethnologischen Studien das Interview zwar als eine unerlässliche Quelle der Informationsgewinnung genutzt, auf eine genaue Analyse der dabei auf beiden Seiten produzierten "Texte" aber verzichtet. Interessanterweise wird die Beeinflussbarkeit von Informanten durch die Ethnografin in Alltagsbegegnungen weniger als Problem gesehen und deshalb auch den Lesern von Monographien nur selten die Möglichkeit gegeben, die Interpretation dieser Begegnungen kritisch zu hinterfragen.2) [2]

Es soll hier unbestritten sein, dass die "Künstlichkeit" der Interviewsituation, die Gefahr der Beeinflussung der Interviewten durch bestimmte Frageformulierungen und die implizite oder explizite Erwartungshaltung der Interviewer sowie die Beschränkung auf eine relativ geringe Zahl von Interviewpartnern ein Problem für die Weiterverarbeitung zu verallgemeinernden Aussagen darstellen können. Auch ist festzustellen, dass möglicherweise einflussnehmende situative Faktoren wie die Kommunikation zwischen den Beteiligten, der weitere diskursive Kontext, die Diskursstrategien der Befragten oder der Erwartungshorizont der Interviewerin häufig zu wenig reflektiert werden – nicht umsonst nehmen diese Aspekte in Lehrbüchern zu Interviewtechniken einen besonderen Raum ein (z.B. BRIGGS 1986; KEATS 2001). Allerdings wollen die folgenden Überlegungen zeigen, dass die genannten Nachteile unter bestimmten Bedingungen auch positiv gewendet und zu "Tugenden" werden können. Voraussetzung dafür ist allerdings die besondere Berücksichtigung der Diskursivität des gewonnenen Datenmaterials und eine genaue Vorstellung dessen, was in Interviewsituationen kommunikativ auf und zwischen beiden Seiten passiert. [3]

Über die Begriffe des "Prototyps" (BORNEMAN) und der "Position im (diskursiven) Feld" (BOURDIEU) kann der diskursive Ansatz zudem dazu beitragen, das Problem der Repräsentativität der schon aus methodischen Gründen in der Regel relativ geringen Zahl von Interviews, die in eine Studie eingehen können, zu lösen. Auf diese drei Aspekte soll im folgenden ausführlicher eingegangen werden – illustriert mit Beispielen aus Interviews, die im Rahmen einer ethnologischen Studie zu Diskurskonstruktionen deutscher Identität in den Jahren 1995/96 in Berlin durchgeführt wurden.3) [4]

2. Kommunikation im Interview

Interviewsituationen sind intersubjektive Begegnungen, die einerseits "normale Umgangsformen" erfordern, andererseits aber auch eine Reihe von speziellen Rollenerwartungen an die beteiligten Seiten stellen. Die eine Seite stellt Fragen oder gibt Impulse und versucht damit, das Interview in seiner Richtung zu bestimmen. In dieser Hinsicht kontrolliert sie die Interviewsituation, gleichzeitig sollte sie sich in der Quantität der eigenen Äußerungen idealerweise zurückhalten. Die andere Seite ist dagegen den unterbreiteten Vorgaben mehr oder weniger stark unterworfen, es ist z.B. im Allgemeinen nicht sie, die die Interviewform bestimmt. Gleichzeitig ist sie diejenige, die im Mittelpunkt steht, ihre Sicht auf die Dinge, ihre Ausdrucksweisen und ihre "Rolle" oder "Funktion" sind für das Interview maßgeblich. Es handelt sich also um eine Ungleichheit der Rollen, die gewissermaßen "symmetrisch" ist: In kommunikativer Hinsicht stellt die Interviewsituation – im Prinzip – keine Hierarchie zugunsten der Interviewerin oder der Interviewten her, es handelt sich um eine Interaktion "auf gleicher Augenhöhe". [5]

Je nach der Interpretation der jeweiligen Rollen, die von beiden Seiten vorgenommen wird, kann in der Interviewsituation auch eine persönliche Kommunikation jenseits der zugeschriebenen oder eingenommenen Rollen möglich sein oder vermieden werden. Auf der Seite der Interviewerin spielt dies in der Vorbereitung des Interviews insofern eine Rolle, als es schon bei der Erarbeitung des Interviewleitfadens (bzw. der Konzeption des Interviews) möglich ist, einen bestimmten Fragestil zu etablieren, der die Interviewpartner z.B. zu eher formalen und persönlich distanzierten Antworten motivieren kann. In gleicher Weise können aber auch sogar in weitgehend durchstrukturierte Interviewleitfäden Elemente integriert werden, die eine eher die "Person" ansprechende offene Gesprächssituation ermöglichen – oder dies zumindest zu tun "suggerieren" (siehe auch MEY 1999, S.145, zum "diskursiv-dialogischen Verfahren"; WITZEL 2000, Paragraph 13). [6]

Meine Interviewpartner in Berlin nahmen in der Interviewsituation mindestens zwei verschiedene und für die Analyse relevante Rollen ein: als "Privatperson" und als Repräsentantin einer Institution (Zeitung, Partei usw.), also ihre "öffentliche" Funktion. Die Interviewpartner wurden explizit in ihrer "öffentlichen" Funktion kontaktiert, die Interviews selbst zielten jedoch eher auf die "Privatperson", da es mir in erster Linie um individuelle Herangehensweisen an die Konstruktion deutscher Identität ging. Insofern wurden beide Rollen bzw. beide Diskursformen durch die Verwendung von Schlagworten aus dem politischen oder Mediendiskurs einerseits und "alltagsdiskursive" Elemente oder ungewohnte Formulierungen andererseits bereits im Interviewleitfaden verankert (siehe Anhang). Die Interviewsituation selbst war dadurch nicht einheitlich: weder durchgehend "formalisiert" noch ein "offenes Gespräch" – ein Umstand, der von den Interviewpartnern durchaus bemerkt und von einigen auch als Defizit gesehen wurde: Einige beklagten, dass ein "wirkliches Gespräch" über das Thema nicht stattfand, während andere die fehlende "Präzision" und Zielgerichtetheit mancher Fragen bemängelten. [7]

Dies entsprach jedoch durchaus der Intention des Leitfadens, denn damit war das Feld für die diskursive Kompetenz und Kreativität der Interviewpartner geöffnet. Gleichzeitig haben natürlich auch die Interviewpartner selbst immer beide Rollen strategisch eingesetzt, da sich etwa die "Privatperson", unterstützt von der Zusage der Anonymität, anders – z.B. weniger "politisch korrekt" – äußern kann als die "Repräsentantin" (vgl. BOURDIEU 1992, S.81). Mit beiden Rollen sind spezifische Sprechweisen und Ausdrucksformen verbunden, die in der Regel klar unterschieden werden können: So sind etwa stärkere "Dialekt"-Anteile oder der Rückgriff auf Konstruktionen wie "Also ehrlich gesagt ..." u.ä. typische Erkennungsmerkmale "nicht-öffentlicher" Formulierungen. Sie sind im Übrigen auch deshalb erkennbar unterschiedlich, weil das erfolgreiche Einnehmen verschiedener "Rollen" in kommunikativen Situationen voraussetzt, dass diese für das Gegenüber erkennbar sind. Andernfalls treten möglicherweise Missverständnisse auf, die nicht im Sinne der Sprecherin sind.4) [8]

Dennoch bedeutet die Interviewsituation durch die Zurückhaltung der Interviewerin für die Interviewten immer eine Art "Vabanquespiel": Da sie in der Regel die Interviewerin nicht oder kaum kennen und sich diese in ihrer Fragestellung und ihrem Fragestil idealerweise nicht oder nur in eingeschränktem Maße – z.B. politisch – positioniert (es sei denn, dies gehört zum Konzept!), sind sie in der Wahl ihrer Diskursstrategien u.a. auf ihre "intuitive Menschenkenntnis" angewiesen. An dieser Stelle spielen das Auftreten und die Person der Interviewerin sowie ihre Fähigkeit und Bereitschaft, sich als Person auf die Interviewsituation und ihr Gegenüber einzulassen, eine wichtige Rolle. Auch hierarchische Unterschiede bzw. Respektverhalten, die Frage, ob "geduzt" oder "gesiezt" wird, gegenseitige Sympathie/Antipathie oder Unsicherheiten auf beiden Seiten treten als relevante Faktoren auf, weil sie sich sowohl im Diskurs und den gewählten Ausdrucksformen als auch in der kommunikativen Situation niederschlagen. Ein Grund dafür, dass ich meine Interviews mit einem relativ stark vorformulierten Leitfaden durchführte, war auch der Versuch, Distanz und Nähe in der Interviewsituation besser kontrollieren zu können – es erleichterte mir z.B. die Annäherung an Personen, deren geäußerte politisch-gesellschaftliche Auffassungen ich persönlich völlig ablehne. Diese Kontrolle gelang natürlich nicht vollständig, in den meisten Interviews wurde zwar, um ein Beispiel zu nennen, planmäßig geduzt, in einigen aber auch gesiezt. [9]

Allerdings lassen sich diese Faktoren nur teilweise in die Analyse der Interviews mit einbeziehen. Zwar kann die Interviewerin ihre Sicht auf die Dinge im anschließend an das Interview anzufertigenden Protokoll oder einer Feldtagebuchaufzeichnung festhalten, aber es wird in der Regel die Sicht der anderen Seite fehlen. Das heißt, dass es der Interpretation und der Fähigkeit zur "selbstkritischen Distanz" der Interviewerin überlassen ist, ob und inwieweit diese Faktoren in der Interpretation einer Interviewsituation oder einer Aussage als relevant berücksichtigt werden (dies kann auch nur bedingt durch die Einbindung in Forschergruppen, durch kollegiale Supervision oder externe Validierung ausgeglichen werden, da die Situation selbst – jenseits der Tonband- oder Videoaufzeichnung – nicht reproduzierbar ist). Eine Möglichkeit, sie zumindest anzusprechen, besteht darin, die Reflexion über die Interviewsituation als solche in das Interview zu integrieren. Dies ist auch deshalb empfehlenswert, weil es häufig zu interessanten Ergebnissen führt: z.B. in Form von nachträglichen Gewichtungen oder Ergänzungen. [10]

Zusätzlich besteht das "Vabanquespiel" für die Interviewpartner darin, einen der Situation angemessenen Diskurs zu finden. Um sich in einer beliebigen kommunikativen Situation – also auch in einem formalisierten Interview – "adäquat" ausdrücken zu können, müssen die Personen über ein Repertoire verfügen, das es erlaubt, sich in den Rede- und Ausdrucksweisen auf ihr Gegenüber und die Situation einzustellen. Je weniger dies konkret möglich ist, z.B. weil – wie in einer Interviewsituation – das Gegenüber sich nicht in gleicher Weise in die Gesprächssituation mit einbringt, desto mehr sind sie gezwungen, entweder den "richtigen Ton" zu intuieren, sich einfach nicht darum zu kümmern (was nur selten vorkommt) oder auf Redeweisen und Ausdrucksformen zurückzugreifen, die möglichst unspezifisch und unspezialisiert in der gesellschaftlichen Rede verankert sind. Der folgende Ausschnitt aus dem Interview mit einem freien Drehbuchautor verweist auf diese "Einsamkeit des Respondenten":

Wie war das für dich, diese Fragen?

(lange Pause) Ja, ich meine, es ist interessant. Ich denke, ich werde selten so mal gefragt und hab die Möglichkeit, mich dazu zu äußern, unwidersprochen." [11]

Nicht unterbrochen und nicht widersprochen zu werden bedeutet in diesem Falle auch, kaum eine Reaktion zu erhalten. Man muss schon Spaß am Monolog haben, um dies – wie im obigen Ausschnitt – positiv zu wenden und als im Vergleich zum normalen Gespräch größere Entfaltungsmöglichkeit zu interpretieren. [12]

Für die Interviewpartner geht es in der Regel auch darum, sich gegenüber der Interviewerin und eventuellen imaginären Lesern (oder Hörern) "richtig" zu positionieren. Trotz der eigentlich gegebenen Anonymität ist es unwahrscheinlich, dass Interviewpartner nicht versuchen darauf zu achten, sich möglichst nicht im Ton zu vergreifen, etwas "Falsches" zu sagen oder sich eine wie auch immer geartete "Blöße" zu geben. Selbst provokante Äußerungen oder drastische Formulierungen respektieren in aller Regel den Rahmen möglicher alltagsdiskursiver Ausdrucksformen – selbstverständlich bezogen auf die Diskursregeln des gesellschaftlichen Umfelds der Interviewpartner, zu dem aber im Falle meiner Interviews auch die Diskursregeln des öffentlichen Diskurses bzw. der so genannten "veröffentlichten Meinung" gehören. [13]

Genau an dieser Stelle setzt ein, was oben als "Diskursivität des Datenmaterials" bezeichnet wurde: der indirekte (oder auch direkte) Verweis in den Interviews auf gesellschaftliche Redezusammenhänge bzw. Diskursregeln und -konventionen, die die Bandbreite der individuellen Ausdrucksmöglichkeiten beeinflussen. [14]

3. Diskursivität

Nach einer Definition von Michel FOUCAULT bezeichnet der Diskurs die Menge der Aussagen, die einem gleichen Formationssystem angehören und damit einem gemeinsamen Verbreitungs- und Verteilungsprinzip unterworfen sind (FOUCAULT 1994, S.156). Ein wesentliches Charakteristikum dieser diskursiven Formationen ist, dass sie auch unabhängig von speziellen situativen Zusammenhängen funktionieren: Diskurse stellen immer Beziehungen zwischen Gruppen von Menschen her, die sich auf bestimmte Redeweisen gewissermaßen "verständigt" haben – ohne dass dies als "demokratische Prozedur" wörtlich zu verstehen wäre. Ohne diese übergeordneten Zusammenhänge, die Diskurse repräsentieren, wäre ein gegenseitiges Verstehen in komplexen Gesellschaften – u.a. angesichts der empirischen Erfahrungsvielfalt – kaum möglich. Allerdings zeigt FOUCAULT auch, dass gesellschaftliche Redeweisen genau deshalb ein zentrales Feld für die Auseinandersetzung um Macht und Einfluss darstellen: Nicht alle Mitglieder einer Gesellschaft haben den gleichen aktiven oder passiven Zugang zu diesem Feld, dieses Feld wird vor allem von "Diskurseliten" strukturiert und organisiert. [15]

Das wirkt bis in die individuellen Redeweisen hinein. Die diskursiven Anteile sind insbesondere dann groß, wenn es sich um Themen handelt, die eher abstrakt sind und wenig unmittelbaren Bezug zur alltäglichen Lebenswirklichkeit der Individuen haben – wie z.B. bei nationaler Identität und Schlagworten wie der "Multikulturellen Gesellschaft" (siehe unten). Die starke Präsenz dieser Schlagworte in der öffentlichen Debatte, aber auch die "Ritualisierung" der Auseinandersetzung in bestimmten Diskursbereichen, wie etwa um den "Schulddiskurs" im Verhältnis zum Nationalsozialismus und zur Shoah, erschweren individuelle Formulierungen und Positionierungen. [16]

Gleichzeitig ist es damit bei einem konsequent diskursiven Ansatz methodisch nicht mehr von grundsätzlicher Bedeutung, wenn bestimmte Kategorien von der Interviewerin vorgegeben werden und nicht "spontan" im Interview auftauchen – solange dies in der Analyse entsprechend berücksichtigt wird: Wird eine Kategorie von der Interviewerin angesprochen bzw. eingeführt, so sollte dem erstens eine genaue Vorüberlegung zugrunde liegen, was damit bezweckt werden soll. Zweitens darf dann selbstverständlich nicht die Verwendung des Begriffs durch die Interviewpartner als solche als Ergebnis registriert werden. In diesem Fall liegt das Augenmerk auf der Reaktion und Art der Verwendung der Kategorie durch die Interviewpartner. Diese müssen sich durch die Vorgabe der Interviewerin zwar dazu verhalten, sie haben dabei aber durchaus einen Spielraum, den sie diskursstrategisch nutzen können. Im folgenden Beispiel wird die Kategorie "typisch deutsch" vorgegeben, die Interviewpartnerin, eine PDS-Politikerin aus Ostberlin, stellt zunächst die grundsätzliche Gültigkeit der Kategorie infrage, um sie unmittelbar anschließend wieder zu bestätigen. Sie zeigt damit, dass die Kategorie eine diskursive Gültigkeit besitzt, also ein aktueller Bestandteil der gesellschaftlichen Rede ist, auch wenn sie ihre inhaltliche Aussagekraft anzweifelt:

"Bist du typisch deutsch, inwiefern ja, inwiefern nicht?

Ich weiß nicht, was typisch deutsch ist. Was ist denn typisch deutsch? Also normalerweise verbindet man ja mit 'typisch deutsch' negative Begriffe. Wenn man sagt 'typisch deutsch', ist das ja negativ konnotiert, also deswegen kann ich das natürlich nicht mit mir verbinden, ist doch völlig klar (lacht).

Aber man verbindet damit ja auch bestimmte Eigenschaften, die man vielleicht eher negativ findet, aber dennoch ...

Pünktlich, pünktlich.

Zum Beispiel, ja.

Ich bin sehr pünktlich. Aber leider hat sich ja herausgestellt, dass diese Pünktlichkeit doch nicht mehr so typisch deutsch ist. Da haben also die Wessis, insbesondere die Westlinken doch die Preise versaut. Kommen immer zu spät und das hat abgefärbt. Ja, aber Pünktlichkeit zum Beispiel." [17]

Im folgenden Ausschnitt delegitimiert dagegen der Interviewpartner, es handelt sich um einen ostdeutschen Schriftsteller, zwar nicht die vorgegebene Kategorie als solche ("Juden"), aber ihre Verwendung im Interview.

"Wie ist dein Verhältnis zu Juden?

Wozu?

Zu Ju-den.

(ärgerlich) Also das ist auch so 'ne Frage, wo ich das Gefühl habe, egal was du sagst, da sagste das Falsche. Ich habe kein Verhältnis zu Juden." [18]

Der Interviewpartner nimmt vorweg, dass es im weiteren Verlauf eventuell zu "missverständlichen" Ausdrucksweisen kommen könnte, platziert die Verantwortung dafür allerdings auf die Seite des Interviewers, der "solche Fragen" stellt. [19]

Diskursive Formationen können eine außerordentliche "hegemoniale Kraft" besitzen, die in manchen Fällen dazu führt, dass verschiedene Diskurse miteinander in Konkurrenz geraten. Im folgenden Ausschnitt gebraucht der Interviewpartner, ein nationalkonservativer Politiker aus Westdeutschland, einen Diskurs, der prototypisch für eine weit verbreitete westliche Sicht auf die DDR bzw. das heutige Ostdeutschland ist:

"In der DDR gab es einen sehr geregelten Tagesablauf, ich würde es nicht direkt als spießig bezeichnen, obwohl vielleicht auch dieser Begriff der ganzen Sache sehr nah kommt. Böse Zungen würden dann sicherlich jetzt in diesem Zusammenhang sagen, 'typisch deutsch'. Die DDR-Gesellschaft war wesentlich deutscher als die westdeutsche Gesellschaft, in diesem negativen Gebrauch des Wortes, manche benutzen 'deutsch' ja wie ein Schimpfwort." [20]

Der Interviewpartner greift für die Negativdarstellung der DDR auf einen Diskurs zurück, der seinen Ursprung eher in der linken Kulturkritik im Westen hat, im letzten Halbsatz muss er daher die eigene politische Position noch einmal von diesem linken Diskurs absetzen. Aus nationalkonservativer Sicht müsste die Interpretation, dass die DDR "viel deutscher" war als die BRD, eigentlich positiv bewertet werden, denn die Kritik an einem vorgeblich fehlenden "deutschen" Traditions- und Kulturbewusstsein stellt eines der Schlüsselelemente nationalkonservativen Denkens dar (vgl. SCHWILK & SCHACHT 1995) – und wird vom Interviewpartner an anderer Stelle im Interview auch vorgetragen. Dem widerspricht aber erstens die vor allem bei den westdeutschen Konservativen in meiner Untersuchungsgruppe beinahe grundsätzliche Negativsicht auf alles, was mit der DDR assoziiert wird, zweitens die feste gesellschaftliche Verankerung des kulturkritischen Diskurses im Westen sowie drittens seine in der Ost-West-Auseinandersetzung üblich gewordene Anwendung auf Ostdeutschland: Ein wesentlicher Bestandteil dieses Diskurses ist es, Ostdeutschland die modernisierenden Erfahrungen und Veränderungen abzusprechen, die für Westdeutschland die überzeugende Abkehr vom Deutschland der NS- und Vor-NS-Zeit repräsentieren.5) [21]

Die Bedeutung und "hegemoniale Kraft" bestimmter diskursiver Formationen wird noch deutlicher, wenn die im Interview hergestellten diskursiven Bezüge nicht mit der eigentlichen Meinung der interviewten Person oder der Intention des Gesagten übereinstimmen. Unter bestimmten Umständen können der verwendete Diskurs und die persönliche Meinung/Intention sich sogar widersprechen. Ausdruck davon sind vor allem "verbale Hilflosigkeit" (die Schwierigkeit, die eigenen Gedanken in adäquate Worte zu fassen), "intellektuelle Faulheit" (die fehlende Bereitschaft, sich in ein Thema soweit hineinzudenken, dass eine einigermaßen konsistente Position vertreten werden kann), "Diskursverweigerung" (die diverse, auch psychologische Gründe haben kann) und die Diskrepanz zwischen Form und Inhalt. Letztere ist besonders bei politischen Standortbestimmungen zu finden, da diese häufig und vorrangig mit Hilfe von diskursiven Markierungen vorgenommen werden, die unabhängig von der jeweiligen persönlichen Auffassung funktionieren – z.B. die Frage, ob sich jemand für oder gegen die "Multikulturelle Gesellschaft" ausspricht.6) [22]

Als Beispiel für "verbale Hilflosigkeit" (die dadurch, dass das Problem des adäquaten Ausdrucks in der Regel kein individuelles, sondern ein gesellschaftliches ist – siehe unten –, nichts mit "intellektueller Minderleistung" o.ä. zu tun hat) kann der folgende Ausschnitt dienen. Eine linke ostdeutsche Journalistin versucht, die Forderung nach einer nicht allein vom Nationalsozialismus und der deutschen Schuld geprägten Geschichtsdebatte in Worte zu fassen, nach mehreren vergeblichen Anläufen bricht sie das Thema abrupt ab:

"Also wenn du mich jetzt ganz persönlich fragst, ich tu mich damit eigentlich nicht schwer. Nun ist es natürlich für mich ein Leichtes zu sagen, ich habe die Gnade der späten Geburt, also ich persönlich hab da ja, ich will mich damit nicht rausreden, aber ich persönlich habe damit ja nun nichts zu tun, also allein rein von der Altersstruktur her. Was nicht heißt, dass ich mich nicht damit beschäftige oder damit auseinandersetze. Aber ich glaube, dass häufig zuviel auch darauf reduziert wird, also dass die Deutschen darauf reduziert werden und dass immer so vieles damit begründet wird. Heute immer noch und das halt ich auch für falsch. Also man muss schon seine Geschichte aufarbeiten und das sehr kritisch, das ist richtig, und man muss natürlich auch gerade mit dem Nationalsozialismus sehr vorsichtig umgehen, das ist auch alles richtig. Also ich will das überhaupt nicht, das klingt jetzt, als ob ich das alles negieren wollte, so mein ich's aber nicht. Also das deutsche Volk, oder was früher das deutsche Volk war, hat da so seinen Packen zu tragen. [Das ist] alles richtig, aber manchmal hab ich den Eindruck, behindert die Geschichtsdebatte auch Sachen, die irgendwann weiter stattfinden müssen. Ich weiß auch, dass die Zukunft nie ohne Geschichte stattfinden darf, das mein ich damit auch nicht. Wie sag ich's jetzt am besten in zwei Sätzen ...?

Wie sollte das Verhältnis der Deutschen zum Nationalsozialismus sein?

Naja, kritisch. (lacht) Es ist, also ich hab jetzt meine Schwierigkeiten damit, weil das sind so Fragen, da müsste man so viel erzählen, weißte? Und da kann man auch nicht so mit zwei Sätzen antworten. Wie gesagt, ich habe die Befürchtung, dass ich jetzt so Sachen sage, dann verstehst du mich nicht richtig und das kommt dann in so 'ne Schiene, die ich eigentlich nicht meine. Es ist ja schon wieder so spät. Hast du noch viele Fragen, sonst müssen wir mal irgendwann weitermachen, weil ich muss nämlich gleich los." [23]

Das Problem liegt für die Interviewpartnerin darin, eine Ausdrucksweise zu finden, die ihr Argument gut transportiert, aber nicht Gefahr läuft, als "neu-rechts" oder revanchistisch verstanden zu werden. Charakteristisch ist der Ausdruck von der "Gnade der späten Geburt", der ihr Argument eigentlich gut auf den Punkt bringt, der aber in einem bestimmten diskursiven Zusammenhang steht, den sie sich politisch auf keinen Fall zu eigen machen möchte.7) Ich hatte übrigens nicht von ihr verlangt, die Frage "in zwei Sätzen" zu beantworten, insofern war der Stress, unter dem sich die Interviewpartnerin hier offensichtlich fühlte, eher durch das Thema und/oder tatsächliche Terminknappheit bedingt. Deutlich wird aber in jedem Fall, dass zu dem Thema und dem von ihr – als Linke – vorgebrachten Argument offensichtlich keine wohl etablierten, "trainierten" Redeweisen vorliegen (würde sie sich nicht als Linke verstehen, hätte sie diese Schwierigkeit deutlich weniger). [24]

Eng mit dem Problem, bei politisch oder gesellschaftlich "heiklen Themen" als adäquat empfundene Ausdrucksweisen zu finden, hängen auch "sprachliche Entgleisungen" zusammen, also z.B. offen rassistische oder antisemitische Formulierungen, die verwendet werden, obwohl aus dem Zusammenhang des Interviews deutlich hervorgeht, dass der "objektive Sinn" nicht dem "subjektiv realisierten Sinn" (vgl. HITZLER & HONER 1992, S.17f.) bzw. der eigentlichen Sprechintention entspricht. Diese "Entgleisungen" werden häufiger, je sensibler ein Themenbereich ist, das spricht dafür, dass auch in meiner diskursiv geschulten Untersuchungsgruppe für solche Themenbereiche nur wenig "trainierte" Ausdrucksweisen vorhanden sind. Im thematischen Zusammenhang meiner Interviews – die "Untiefen" und "Fallstricke" deutscher Identität – lagen die "sprachlichen Entgleisungen" besonders häufig im Bereich antisemitisch interpretierbarer Äußerungen. Dazu im folgenden zwei Beispiele; sie stammen von je einem ost- und einem westdeutschen Schriftsteller/Journalisten, die sich politisch beide als linksliberal bzw. "mitte-links" bezeichnet haben:

"Mir gehen Juden auf 'n Keks, die so das Jüdische raushängen lassen und da auch immer so mit dem schlechten Gewissen spielen oder das so herausfordern und das so als sichere Bank benutzen. Also ich hab mal im Hotel gearbeitet, da gab's wirklich ganz eklige Szenen auch, ja? Also wie die dann mit irgendso 'ner Judenperformance da – ich kann's nicht anders nennen – sich da um irgend'ne Rechnung drücken wollten, ja?"

"Also die kriegen alle – also ich sag das jetzt wirklich sehr salopp – ihren Rappel ab und zu. Das gehört auch sicher dazu, das hat ja auch mit dem Mythos da zu tun [Auschwitz, J.S.], mit dem sie auch teilweise, nicht Probleme haben, aber das sie immer wieder hinterfragen und definieren müssen und warum. Meistens um die Feiertage rum." [25]

Diese Äußerungen sind zwar antisemitisch, erlauben aber nicht notwendigerweise den Rückschluss auf eine eindeutig antisemitische Grundhaltung der Sprecher, zumal in beiden Fällen der Verlauf der Interviews keine weiteren Anhaltspunkte für eine solche Deutung lieferte. Da das Thema "Juden" in Deutschland politisch und diskursiv hochgradig belastet ist, gibt es weder im öffentlichen noch im Alltagsdiskurs etablierte differenziert-kritische Ausdrucksweisen – dies ist im dominanten Diskurs zum "deutsch-jüdischen Verhältnis" nicht vorgesehen (ein wohl etablierter Begriff, der aber für sich diskursiv schon jüdisches Deutschsein ausschließt!).8) [26]

Der Mangel an etablierten Redeweisen, die das eigene Argument gut transportieren, kann allerdings auch dadurch kompensiert werden, dass die vorhandenen etablierten Redeweisen gewissermaßen "unterlaufen" werden bzw. können auch in scheinbar eindeutigen Diskursen Ambivalenzen verborgen liegen. Im folgenden Ausschnitt beschäftigt sich eine westdeutsche Journalistin mit der Frage, was es bedeuten würde, wenn sie nicht in Deutschland geboren wäre:

"Da hab ich mir noch nie Gedanken drüber gemacht, weil ich mich auch nicht über meine Nationalität identifiziere. Und mir persönlich ist das auch schnurz, von mir aus könnte ich auch, was weiß ich, in London oder Mombasa geboren sein. Ich weiß nicht, vielleicht wäre es ein Unterschied, wenn ich in Mombasa geboren wäre, aber ... also, ich seh das eher als Zufall, dass meine Eltern halt hier in Deutschland gelebt haben und ich hier auch großgeworden bin. Ich denke, das hätte auch irgendwo anders sein können und ... es mag vielleicht naiv sein, aber ich glaube nicht, dass ich als Person dadurch anders wäre." [27]

Nach dem ersten Eindruck beim Lesen dieses Ausschnitts (und der Effekt war noch stärker in der Interviewsituation selbst) sagt die Interviewpartnerin, dass es keine Rolle spiele, wo man geboren ist und wer die Eltern sind. Entscheidend sei dagegen die Persönlichkeit, sie entscheide, mit was oder wem sich die Interviewpartnerin identifiziert – losgelöst vom Zwang nationaler Vergemeinschaftung. Näher betrachtet bleiben einige Fragen offen: Wenn das Entscheidende die Persönlichkeit ist und diese nicht vom Geburtsort abhängt, wovon dann? Oder ist es nur der Geburtsort, der keine Rolle spielt, wohl aber der Ort, an dem man aufwächst und sozialisiert wird? Welche Rolle weist sie überhaupt der Sozialisation oder der kulturellen Prägung zu? Was meint sie damit, dass es vielleicht doch einen Unterschied gemacht hätte, ob sie in London (= "vertrautes Europa"?) oder in Mombasa (= "fremdes Afrika"?) geboren wäre? Denkt sie dabei an ihre Eltern als Deutsche oder als Kenianer? Zu allen diesen Fragen wären sowohl Antworten denkbar, die die Eigendefinition als Deutsche über "Abstammung" vornehmen, als auch solche, die sich gerade vom dominanten Abstammungsdiskurs in der Eigendefinition distanzieren.9) Das Argument ist nicht wirklich kohärent, aber die verwendeten Formulierungen suggerieren Kohärenz, weil sie Versatzstücke verwenden, die jede Eindeutigkeit aus der Eigendefinition herausnehmen: sie hat sich "nie Gedanken gemacht", es ist "Zufall" und "egal", "es hätte auch irgendwo anders sein können". Schon damit ist aber der "diskursive Zweck" erreicht: Es bleibt der Eindruck der Offenheit und Relativierung der nationalen Zugehörigkeit. [28]

An Beispielen wie diesen zeigt sich, dass das Verhältnis der individuellen Redeweisen zum Diskurs (im Sinne FOUCAULTs) situativ bestimmt ist. Je nach diskursiver Kompetenz können sich die Sprecher die jeweiligen diskursiven Vorgaben ganz oder teilweise zueigen machen oder aber "unterlaufen". Selbstverständlich ist dies nicht immer ein bewusster Vorgang. Das liegt vor allem daran, dass es zwischen – individuellen und gesellschaftlichen – Redeweisen und den Denkstrukturen der Individuen einen Zusammenhang gibt, der in der besonderen Beziehung zwischen Sprache und Kognition begründet ist. Bedeutsam ist dies vor allem im Bereich der individuellen Wahrnehmung gesellschaftlicher Vorgänge und ihrer Einordnung in mögliche Interpretationszusammenhänge. [29]

4. Diskurs und Kognition

"Wenn du nach dem Aufwachen nicht gleich deinen Traum erzählst, hast du ihn innerhalb weniger Sekunden vergessen. Was nicht erzählt wird, gibt es nicht ..."

Margriet de MOOR (1995, S.45)

Die den Menschen umgebende Wirklichkeit ist nur mittelbar zugänglich. Dazu verfügen Menschen über eine kognitive Struktur, die die sinnliche Wahrnehmung der Wirklichkeit interpretiert. Die kulturelle Strukturierung der Wahrnehmung und ihrer Interpretation erwirbt das Individuum in der Sozialisation. In deren Verlauf werden zwei grundlegende Dinge vermittelt: Sprache und ein kultur- bzw. gruppenspezifisches System der Bewertung. Dies macht es möglich, das Wahrgenommene zu interpretieren, neue Erfahrungen mit früheren zu vergleichen und auch komplexe Vorgänge und zunächst Unerklärbares einzuordnen. Gleichzeitig wird die Wahrnehmung der Wirklichkeit durch die Sprache und das Bewertungssystem gewissermaßen vorstrukturiert (vgl. TRUDGILL 1983, S.24; FAIRCLOUGH 1992, S.209f.). Das kann unter Umständen so weit gehen, dass wir nur wahrnehmen, was wir bereits einordnen, d.h. benennen können (CULLER 1988, S.106f.; vgl. BERGER & LUCKMANN 1989). [30]

Diskurse im Sinne der obigen Definition von FOUCAULT sind Teil dieser komplexen, kulturell geprägten kognitiven Struktur, aber sie bilden auch, wie bereits erwähnt, ein "Feld strategischer Möglichkeiten" (FOUCAULT), das den Individuen in der sozialen Praxis eine Variationsbreite möglicher sozialer, politischer oder kultureller Selbstpositionierungen anbietet, die allerdings wiederum mit weiteren Konnotationen oder etwa Rollenerwartungen verknüpft sind (vgl. BOURDIEU 1994, S.50f.). [31]

Nach dieser Definition unterliegt das Sprachverhalten einer Gruppe strukturellen Gemeinsamkeiten, die sich sowohl inhaltlich (in der Auswahl und Gewichtung der Themen) als auch semantisch (in der Zuweisung von Bedeutung) und paradigmatisch (in der Auswahl der Begrifflichkeit und sprachlichen Ausdrucksformen) darstellen können. Deshalb reflektiert das Sprachverhalten der Individuen auch die strukturellen Eigenheiten einer Gruppe (oder Gesellschaft oder Kultur) in den Aspekten Macht, Hierarchien, Zeitströmungen, "öffentliche Meinung", "kollektives Bewusstsein" usw. (vgl. TRUDGILL 1983; FAIRCLOUGH 1992, S.211). Diese strukturellen Eigenheiten der Gruppe (oder Gesellschaft oder Kultur) sind damit aber in ihrer Gesamtheit auch für die sozialwissenschaftliche Analyse zugänglich – wenn diese ihr Augenmerk auf die diskursiven Aspekte des im Interview Gesagten richtet. [32]

5. Diskursivität, Repräsentativität und Prototypizität

Theoretisch sind die diskursiv repräsentierten strukturellen Eigenheiten über jede sprachliche Ausdrucksform zugänglich, also z.B. über jedes teilhabende Individuum. Dennoch ist es sinnvoll und erforderlich, den jeweiligen empirischen Zugang genau zu definieren, weil es einen perspektivischen Unterschied macht, ob man das untersuchte Feld z.B. von seinem Rand her oder in seinem Zentrum untersucht. Deshalb sollte dies schon bei der Auswahl der Interviewpartner berücksichtigt werden. [33]

Der Begriff der "Repräsentativität" ist in der qualitativen Sozialforschung schwierig, da mit ihm quantitative Erhebungen und statistische Auswertung verbunden sind. Dennoch werden sogar in der "klassischen" ethnologischen Feldforschung die Studienobjekte und "Datenquellen" auch nach ihrer "Repräsentativität" ausgesucht: Je nach Vorgehensweise ist der untersuchte Ort "besonders typisch" oder "exemplarisch" für den im Zentrum der Untersuchung stehenden Aspekt, sind die Hauptinformanten in bestimmter Hinsicht "besondere" oder "eindrucksvolle Persönlichkeiten" oder decken ein bestimmtes "Spektrum" ab, das man idealerweise im Laufe der Feldforschung als solches erkennen konnte. [34]

In dem Anspruch, dass das ausgewählte "Objekt" der Untersuchung entweder "für etwas steht" oder "einen besonderen Wert darstellt", ist Repräsentativität gleichermaßen Bestandteil der qualitativen Sozialforschung wie er die Qualität quantitativ erhobener Daten kennzeichnet. Das "repräsentative Sample" der Statistik "vertritt" (mathematisch berechenbar) alle diejenigen, die man nicht befragen konnte, über die man aber Aussagen treffen möchte. Es stellt einen abstrakten, extrapolierten Wert dar, der einer deutlich größeren, vorab definierten Gruppe von Menschen (z.B. dem "Wahlvolk") zugewiesen wird (vgl. BILLETER-FREY & VLACH 1982, S.137ff.). [35]

Auch in der qualitativen Sozialforschung werden nach vorab definierten Kriterien "Vertreter" oder "Phänomene" ausgewählt, die in besonderer Weise für einen größeren Zusammenhang stehen (z.B. eine soziale Schicht, eine Kultur, eine Epoche, einen Diskurs), den man ebenfalls vorab als solchen festgelegt hat.10) Wird in der quantitativen Analyse der "Vertretungsanspruch" des Samples mathematisch begründet, so ist es in der qualitativen Analyse die besondere Position im sozialen Feld, die die Auswahl des "beforschten Objekts" rechtfertigt. Die Hauptfehlerquellen – z.B. das Risiko, nur das zu finden, was man gesucht hat, weil es im Forschungsdesign schon angelegt war – liegen bei beiden Ansätzen in der Regel weniger in der Wahl der Samples oder Informanten, als in den Vorannahmen und Ausgangsthesen, auf denen die Festlegung der Untersuchungsperspektive und der zu untersuchenden Kriterien beruht. Diese kommen aber bei beiden Ansätzen zunächst und im Prinzip gleichermaßen "am Reißbrett" zustande – auch wenn es in beiden Ansätzen Methoden gibt, mögliche Fehlerquellen schon vor der eigentlichen empirischen Phase ausfindig zu machen. [36]

Dennoch ist Repräsentativität in der qualitativen Forschung anders konstruiert. Während in der quantitativen Analyse ein real nicht existenter Ideal- oder Durchschnittstyp entwickelt wird, der möglichst viele Eigenschaften und Eigenheiten miteinander verbindet, orientiert sich zumindest die ethnographische Analyse eher am tatsächlich vorhandenen Typus, bei dem bestimmte Eigenschaften und Eigenheiten in besonderer Weise hervorgehoben sind. John BORNEMAN spricht deshalb im Zusammenhang seiner Forschung über Lebenslaufkonstruktionen in Ost- und Westberlin von Prototypen. Die Auswahl seiner Informanten diente einerseits der Darstellung eines bestimmten Spektrums an sozialen Praxen und andererseits der Einordnung in einen spezifischen historischen Zusammenhang:

"For this study, the individual life is interesting not because of its statistical typicality, but because of its prototypicality for a generation. There are particular individual life constructions that are better examples of the generational category, that is, prototypes, than are others [...]. Two principles informed my selection of individuals for life constructions: (1) to illustrate the range of practices rather than the mean, mode, or ideal-typical practice, and (2) to reveal the historical and cultural specificity of practices rather than to disclose a set of universal timeless, 'necessary and sufficient' conditions for membership in a category." (BORNEMAN 1992, S.47) [37]

BORNEMANs Prototyp ist sozusagen per definitionem unausgewogen und nicht durchschnittlich. Er repräsentiert nicht die zentrale, "typische" Position, sondern wird gelegentlich sogar an der Peripherie des untersuchten Phänomens gesucht. BORNEMAN weiter:

"The dynamic aspects of any set of practices are more apparent on the borders of experience than in the center; thus, in describing the range of practices, I often incorporate what might be statistically peripheral experiences. Yet practices at the edge are the motors for historical change ..." (ibid.) [38]

Dieser Gedanke liegt auch Theodor W. ADORNOs Feststellung über den Unterschied zwischen "typischen" und "wahren Deutschen" zugrunde:

"Ungewiß, ob es etwas wie den Deutschen, oder das Deutsche, oder irgendein Ähnliches in anderen Nationen, überhaupt gibt. Das Wahre und Bessere in jedem Volk ist wohl vielmehr, was dem Kollektivsubjekt nicht sich einfügt, womöglich ihm widersteht." (ADORNO 1977, S.691) [39]

Besonders Definitionen von Zugehörigkeit, wie etwa bei Identitätskonstruktionen, können präzise und in ihrer ganzen Vielfalt nur ermittelt werden, wenn auch die Kriterien des Ausschlusses und die Zweifelsfälle betrachtet werden. Der "Vertretungsanspruch" von Prototypen erwächst demnach nicht aus der Repräsentation einer bestimmten Norm, sondern aus ihrer Position im untersuchten Feld. Diese Position ist das Produkt bestimmter Strukturen, Beziehungen und Bedingungen, die in der Position wiedergefunden werden können:

"The task is that of constructing the space of positions and the space of position-takings (prises de position) in which they are expressed. [...] Every position, even the dominant one, depends form its very existence, and for the determinations it imposes on its occupants, on the other positions constituting the field; [...] the structure of the field, i. e. of the space of positions, is nothing other than the structure of the distribution of the capital of specific properties which governs success in the field ..." (BOURDIEU 1994, S.50f.) [40]

So wird die Beschreibung der Position zu einer in bestimmter Weise gewichteten und perspektivisch ausgerichteten Beschreibung dieser Strukturen, Beziehungen und Bedingungen und damit in gewisser Weise auch des Feldes insgesamt. Die Auswahl der für eine Untersuchung herangezogenen Personen basiert also im Idealfall auf der genauen Definition des Blickwinkels und desjenigen Ausschnitts aus dem Feld, der im Zentrum der Analyse stehen soll. Selbstverständlich darf dies – wie oben bereits festgestellt – nicht dazu führen, dass die Vorauswahl am Ende als Ergebnis hingestellt wird.11) Auch sollte sie im Verlauf der Forschung immer wieder einer kritischen Analyse unterzogen werden. [41]

Eine weitere Variante des Prototyps ist der definitorische Mittelpunkt. Dieser kommt besonders dann zum Tragen, wenn es um die Beschreibung der Auseinandersetzung zwischen mehreren Positionen im Feld geht. Damit Positionen sich erkennbar unterscheiden können, müssen sie die Differenz zueinander inhaltlich und/oder formal "markieren". Das bedeutet, dass jede Position einen "definitorischen Mittelpunkt" hat, an dem sich die Annahme oder Ablehnung der Position ausrichtet. Hier wird der Prototyp zum "Idealtyp", allerdings nicht im statistischen Sinne: Es gibt Personen, die diese Position "ideal-(proto-)typisch" repräsentieren, z.B. ob ihrer Funktion in der Gruppierung, die diese Position im Feld einnimmt oder die sich über diese Position definiert. [42]

Ein Beispiel: Führungsmitglieder der FDP müssen heutzutage einen neoliberal orientierten wirtschafts- und sozialpolitischen Diskurs führen. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie den Diskurs führen, weil sie zu Führungsmitgliedern bestimmt wurden, oder ob sie diese geworden sind, weil sie diesen Diskurs besonders "repräsentativ" führen. Sie werden zu Prototypen einer bestimmten Position im Feld, die das eigene Profil in der Abgrenzung zu anderen politischen Parteien sucht und sie deshalb entsprechend diskursiv "markiert". Im folgenden Ausschnitt aus dem Interview mit einem Führungsmitglied der Berliner FDP gerät dieser Parteidiskurs in Konflikt mit einem in meiner Untersuchungsgruppe klar dominierenden und vermutlich für die Generation des Interviewten prototypischen Diskurs, der gerade die "soziale Bindekraft" der deutschen Gesellschaft als wesentliches – und positives – Unterscheidungsmerkmal etwa zu den USA hervorhebt. Zu dieser "Bindekraft" gehört in diesem Diskurs auch das vom FDP-Parteidiskurs infrage gestellte staatlich garantierte soziale Sicherungssystem:

"Wenn man auf das eigene Land mal guckt von draußen, dann relativiert man vieles. [...] Warum man zum Beispiel in dieser staatlichen Abgrenzung Deutschlands gerne oder ungerne lebt. Also was zum Beispiel positiv ist, ich denke an das Sozialsystem, das ich zwar gerne sehr radikal reformieren möchte und wo auch einiges, was ich für überflüssig oder für schlecht organisiert halten würde, dem Kahlschlag zum Opfer fallen würde, was aber nichts daran ändert, dass ich glaube, dass es Deutschland, oder vielleicht darüber hinaus Mitteleuropa, mit ausmacht, eine stärkere soziale Bindekraft der Gesellschaft haben zu wollen, als das in Amerika der Fall ist." [43]

Der Widerspruch zwischen beiden Diskursen wird besonders im Ausdruck vom "Kahlschlag" deutlich – ein negativ konnotierter Begriff, der zu einem Diskurs gehört, der neoliberale Tendenzen in der Sozialpolitik heftig kritisiert – hier aber unmittelbar neben der Absichtserklärung steht, sich – als Parteirepräsentant – genau dafür einzusetzen. [44]

In der Auswahl der Interviewpartner können beide Varianten des Prototyps zum Tragen kommen, ebenso wie es sinnvoll ist, die Auswahlprinzipien zu berücksichtigen, die BORNEMAN für seine Untersuchung nennt: das Aufzeigen einer bestimmten Bandbreite von (diskursiven) Praxen und die Schwerpunktsetzung auf der historischen und kulturellen Spezifizität dieser Praxen. Die Definition der Prototypen kann sowohl im Vorfeld vorgenommen werden – und damit die Auswahl der Interviewpartner beeinflussen – als auch im Nachhinein ein Ergebnis der Analyse sein. Auch kann die Prototypizität einer Interviewpartnerin bzw. einer eingenommenen Position (im o.g. Sinne BOURDIEUs) kontextuell vorgenommen werden, in dem etwa die interviewten Personen je nach Schwerpunkt und Thema der Analyse gewissermaßen "multiple Funktionen" innehaben. [45]

6. Schlussfolgerungen

Durch die Definition der Prototypizität und die Schwerpunktsetzung auf der Diskursanalyse der Interviewtexte erlaubt auch eine relativ geringe Anzahl von Interviews Beobachtungen, die über den begrenzten Kreis der Interviewpartner hinausweisen. Einen deutlichen Hinweis in diese Richtung liefern die kommunikativen und situativen Aspekte. Meine Interviews fanden z.B. unter sehr unterschiedlichen Umständen statt: im Büro, bei den Interviewten zu Hause oder an einem öffentlichen Ort: Café, Park o.ä.; mit zeitlicher Beschränkung oder ohne; konzentriert oder mit vielen Unterbrechungen; distanziert oder nah, gesiezt oder geduzt, Interviewer und Interviewpartner waren befreundet oder sich gänzlich unbekannt; mit einem gewissen inhaltlichen Vorlauf (z.B. bei der telefonischen Terminabsprache) oder gänzlich ohne Vorbereitungsmöglichkeit für die Interviewpartner. [46]

Selbstverständlich beeinflussen diese und andere Faktoren wie Nähe/Distanz, Sympathie/Antipathie oder die kommunikativen Fähigkeiten auf beiden Seiten die Interviewsituation, im allgemeinen scheint das aber mehr für das Gesprächsklima und die generelle Offenheit oder Bereitschaft der Interviewpartner zu gelten als für die verwendeten diskursiven Formen. Trotz der Diversität der situativen Faktoren und des breiten politischen, "kulturellen" und Tätigkeitsspektrums meiner Interviewpartner war die Variationsbreite der gemachten Äußerungen in den Interviews auffallend gering, besonders im Hinblick auf die diskursiven Elemente. Das könnte als Indiz dafür gewertet werden, dass die Person des Interviewers quer durch das Spektrum sehr ähnlich wahrgenommen wurde und damit die Reaktionen in ähnliche Richtung beeinflusst hat. Wahrscheinlicher erscheint mir aber – u.a. weil auch die situativen Faktoren offensichtlich wenig Einfluss auf den Diskurs hatten –, dass dies eher auf die nur relativ geringe Zahl der zur Verfügung stehenden diskursiven Formationen im Sinne FOUCAULTs zurückzuführen ist. Dafür sprechen auch die oben an einigen Beispielen aufgezeigten diskursiven "fallacies" (vgl. EEMEREN & GROOTENDORST 1992). [47]

Ein Grund für die geringe Variationsbreite könnte darin liegen, dass es in der Regel einfacher ist, auf vertraute und wohl etablierte Ausdrucksweisen zurückzugreifen – auch wenn diese nicht immer adäquat sind bzw. nicht tatsächlich die Bedeutungen vermitteln, die sie in der konkreten Situation transportieren sollen.12) Ein weiterer Grund dürfte aber sein, dass in vielen Themenbereichen auch die Zahl der in der Gesellschaft relevanten diskursstrukturierenden Merkmale nicht sehr groß ist: Im Grundsatz verteilt sich z.B. das politische Spektrum noch immer entlang der rechts-links-Achse – ohne zwischen den beiden Polen eine besonders ausgeprägte Differenzierung vorzuweisen (vgl. SCHNEIDER 2001, S.102ff., 327ff.) –, in anderen Bereichen wird einzig zwischen Ost und West (außen vor bleiben etwa DDR-Übersiedler vor 1989) oder zwischen "Deutschen" und "Ausländern" unterschieden (u.a. unter Ausschluss von Personen mit bi-kulturellem Hintergrund; vgl. SCHNEIDER 2001, S.228ff.). [48]

Obwohl also Interviewsituationen immer und unvermeidbar in hohem Maße kontextuell und intersubjektiv sind, weisen Interviewäußerungen dennoch in der Regel drei diskursive Referenzpunkte auf: den Erfahrungshintergrund der Interviewten, den aktuellen weiteren politisch-gesellschaftlichen und diskursiven Kontext sowie die Strategie der diskursiven Selbstpositionierung. Sprachgebrauch, Legitimierung oder Delegitimierung der sprachlich-diskursiven Vorgaben der Interviewerin und die diskursiven Strategien verweisen damit immer auch auf einen größeren diskursiv-gesellschaftlichen Zusammenhang, in ihnen sind sowohl allgemeine Diskurskonventionen und -regeln als auch wesentliche Strukturmerkmale der Gesellschaft abgebildet. [49]

In diesem Sinne können die "Nachteile" von Interviews zu "Tugenden" werden: Durch das Augenmerk auf den diskursiven Elementen und Verweisen in den "Interviewtexten" lassen sich diese zu über das einzelne Interview hinausweisenden Verallgemeinerungen heranziehen. Da die Interviewpartner praktisch "gezwungen" sind, sich gegenüber der Interviewerin auf die eine oder andere Weise im gesellschaftlichen Diskurs zu positionieren, wird dieser als Referenz in den Äußerungen der Interviewpartner erkennbar. Durch den oben dargelegten speziellen kommunikativen Charakter der Interviewsituation sind diskursive Verweise in Interviews vermutlich sogar stärker ausgeprägt als in weniger "künstlichen" Alltagsgesprächen.13) [50]

Selbstverständlich lassen sich die dem sozialen Leben zugrunde liegenden Regeln und Strukturmerkmale nicht auf Diskurse reduzieren, allerdings besitzen viele strukturierende Merkmale der Gesellschaft – wie etwa ethnische oder nationale Identitätskonstruktionen mit ihren Ein- und Ausschlussmechanismen – hohe diskursive Anteile, die es offensichtlich, obwohl sie in "normalen Alltagssituationen" im allgemeinen eher abstrakt bleiben, in speziellen Momenten (z.B. Kriegen oder Fußballweltmeisterschaften) problemlos schaffen, eine große Zahl von Individuen zu "mobilisieren". Die diskurszentrierte Interviewanalyse ist eine Möglichkeit, diesen Mechanismen besser auf die Spur zu kommen. Dazu gehört auch die häufig beobachtbare Divergenz zwischen "Rede" und "Verhalten" der Individuen. [51]

Anhang: Interviewleitfaden

Informationen / vorab

  • Was fällt dir spontan zu Deutschland ein?

  • Würdest Du dich als Deutsche/n bezeichnen? – Warum? [Anmerkung: Gedankenstriche markieren standardisierte Nachfragen!]

  • Bist Du Berliner/in? (Wo bist Du geboren und aufgewachsen? – Seit wann lebst Du in Berlin? – Was hast Du sonst noch so gemacht?)

  • Warst Du mal länger im Ausland? – Hast Du viel mit Nichtdeutschen zu tun? – Inwiefern?

  • Bist Du ein politischer Mensch? – Welche Themen interessieren Dich am meisten?

  • nur Osten: Wenn Du die DDR-Geschichte nach dem Mauerbau in Phasen einteilen müsstest, wie würdest du das tun? – Was hat dich politisch am meisten geprägt?

Generation

  • Wie hast Du dich politisch mit deinen Eltern verstanden?

  • Wo siehst Du hauptsächlich die Unterschiede zwischen Deiner Generation und der Deiner Eltern?

  • War die Nazi-Zeit bei Euch Zuhause ein Thema?

West – Ost

  • Was unterscheidet "Wessis" und "Ossis" noch voneinander?

  • Wie ist dein persönliches Verhältnis zum Westen/Osten? – Kennst Du viele Westler/Ostler? – Bist Du gerne dort? – Fällt Dir eine typische Geschichte ein, die Du mit Wessis/Ossis erlebt hast?

  • Wie ist zahlenmäßig das Verhältnis zwischen Westlern und Ostlern bei Euch auf der Arbeit? – Wieviele Nichtdeutsche arbeiten bei Euch? – Wie ist die Altersstruktur?

Heimat

Was verbindest Du mit "Heimat"? Was ist deine Heimat?

deutsch

  • Bist Du typisch deutsch? Inwiefern ja, inwiefern nicht?

  • Was findest Du positiv am Deutschsein?

  • optional: Hat sich dein Verhältnis zum Deutschsein oder zu Deutschland verändert durch die Zeit im Ausland/die Beziehung mit .../...? Ist dein Verhältnis anders durch deine Herkunft?

  • Laut einer SPIEGEL-Umfrage findet fast die Hälfte, 45%, der 15-30-jährigen, dass die Deutschen einigen Völkern überlegen sind – besonders Polen, Russen und Türken. Was meinst Du dazu?

  • Warum, glaubst Du, trifft dies gerade Polen, Russen und Türken?

Nationalsozialismus

  • Was bedeutet der Nationalsozialismus für das deutsche Bild von sich selbst?

  • Wie sollte das Verhältnis der Deutschen zum NS sein?

  • Wie ist Dein Verhältnis zu Juden?

Nation

  • Fehlt es den Deutschen an nationalem Selbstbewusstsein?

  • Und wie findest Du das? (Wie sollte es sein?)

  • Hast Du auch eine europäische Identität? – Wie äußert sich das?

Multikulturelle Gesellschaft

  • Was hältst Du von der "Multikulturellen Gesellschaft"?

  • Mit welchen hier lebenden Gruppen kannst Du am wenigsten anfangen oder welche Gruppen sind Dir persönlich besonders fremd?

  • Worin besteht deiner Meinung nach das sogenannte "Ausländerproblem"?

  • Was glaubst Du, ist das Heimatgefühl eines hier geborenen "Ausländers"?

Berlin

  • Was gefällt Dir an Berlin?

    • Was ist das Besondere an Berlin?

    • Wo bist Du am häufigsten, wo hältst Du dich am meisten auf?

    • Gibt es Stadtteile, wo Du nie hingehst?

    • Welche kulturellen Veranstaltungen hast Du in den letzten vier Wochen besucht?

    • Gibt es etwas, was Dir an Berlin überhaupt nicht gefällt?

    • Fühlst Du dich einer bestimmten Szene zugehörig? – Mit was für Leuten hast Du hauptsächlich zu tun?

  • Wenn Du im Ausland gefragt wirst, wo Du herkommst, was sagst Du dann? – Warum?

Abschluss

Wie fandest du das Interview?

Anmerkungen

1) Ich verwende in diesem Text im Plural die einfacheren, geschlechtlich nicht differenzierten Formen. Dafür steht im Singular ausschließlich die weibliche Form – es sei denn, ich spreche tatsächlich von mir selbst als Interviewer oder Autor. Dennoch sind selbstverständlich die Männer auch bei den weiblichen Formen immer mit gemeint, es geht allein darum, die infolge ihrer Geschichte doch sehr patriarchal klingende männliche Pauschalform im Singular zu vermeiden. <zurück>

2) Eine Ausnahme bildet hier allerdings die Ethnopsychoanalyse, die die wechselseitige Beeinflussung in der Interaktion zwischen Forscherin und Beforschten ins Zentrum der Analyse rückt (vgl. z.B. NADIG 1986). BRIGGS (1986, S.xiiif., 39-60) verwendet die Gegenüberstellung der im Interview zum Tragen kommenden unterschiedlichen Kommunikationsrepertoires des Forschers und der "Natives", um zu speziellen Erkenntnissen über die Kultur der Beforschten zu gelangen. Die hier gemachten Feststellungen sollen keine Gegenrede zur teilnehmenden Beobachtung sein, sie sind vielmehr als ein Appell zum genaueren Nachdenken über die "epistemologischen Eigenschaften" bevorzugter Forschungsmethoden zu verstehen (siehe auch Anmerkung 13). <zurück>

3) Siehe SCHNEIDER 2001. Zielgruppe der Interviews waren "Produzenten" öffentlicher Diskurse, also vor allem Journalisten, Politiker und Kulturschaffende – eingeschränkt auf die Altersgruppe der deutschen "Babyboomer" (Jahrgänge '57 bis '67). Das Gesamtkorpus umfasste 35 Interviews, dabei wurde auf eine einigermaßen ausgeglichene Repräsentation von Frauen und Männern, Ost- und Westdeutschen sowie des politischen Spektrums (national-konservativ bis linksradikal) geachtet. Der Gruppe gehörten neben "deutschen" Deutschen, auch drei Personen mit einem nichtdeutschen Elternteil sowie zwei Migrantinnen an. <zurück>

4) Es ist sicherlich ein spezielles Charakteristikum meiner "Klientel" ("Produzenten öffentlicher Diskurse"), dass der strategische Umgang mit solchen Elementen und der Wechsel zwischen Alltags- und öffentlichem Diskurs ihr "tägliches Brot" darstellt und daher im Allgemeinen routiniert vorgenommen und diskursstrategisch differenziert eingesetzt werden kann. In besonderer Weise ist dieser Personenkreis zudem "interviewgeschult", wenn auch in erster Linie als Teilnehmer journalistischer Interviews (sei es als Interviewte oder als Interviewer). Das macht diese Klientel einerseits für die Analyse diskursstrategischer Aspekte besonders interessant, andererseits wird – so meine Erfahrung aus den Interviews – die "Professionalität" der Interviewpartner durch die gezielte Einbeziehung alltagsdiskursiver Elemente gewissermaßen "umgangen". Es ergaben sich in diesen Elementen keine wesentlichen Unterschiede zu den nicht "öffentlichen" Personen, die ich besonders in der Anfangsphase interviewt habe. <zurück>

5) Dieser West-Diskurs verläuft ebenfalls quer durch die politischen Lager. Ein weiteres Beispiel aus einem Interview mit einer links-alternativen, ebenfalls westdeutschen Interviewpartnerin: "Wenn man hier 'n echten Deutschen untersuchen wollte, sollte man in 'n Dorf in der DDR gehen. Da wird man ein Deutschland finden, so wie es hier war, bevor in Westdeutschland die amerikanischen, italienischen Einflüsse und so was alles kamen. Also das ist alles sehr viel authentischer. Und spießiger." <zurück>

6) Es ist eines der Ergebnisse meiner Interviewanalyse, dass der Begriff "Multikulturelle Gesellschaft" vor allem der politischen Standortbestimmung dient und dabei weitgehend losgelöst von konkreten Inhalten fungiert: Konservative und (radikale) Linke sind dagegen, gemäßigt Linke sind dafür. Unabhängig von der Befürwortung oder Ablehnung der "Multikulturellen Gesellschaft" vertrat kein Interviewpartner z.B. offensiv das Prinzip der kulturellen Homogenität. Selbst nationalkonservative Interviewpartner wollten nicht als Gegner kultureller Vielfalt und Offenheit gelten: Sie kritisierten "ausländerfeindliche Tendenzen" und hoben die "multikulturelle Toleranz" Berlins als ein positives Charakteristikum der Stadt hervor. Umgekehrt ist aber auch das Konzept der "kulturellen Vielfalt" quer durch das politische Spektrum in erster Linie als kulturelles Nebeneinander zu verstehen – basierend auf einem Kulturrelativismus, der "Kulturen" als quasi abgeschlossene, selbstgenügsame Einheiten betrachtet. Die mit dem Begriff gekennzeichneten politischen Positionen unterscheiden sich inhaltlich bei weitem nicht so sehr, wie die über den Begriff geführte Debatte suggeriert – zumindest in meiner Interviewgruppe. Obwohl der Begriff also eine bestimmte Lebenswirklichkeit zu beschreiben scheint, ist seine Verwendung im politischen Diskurs weniger von Inhalten als von der Funktion der politischen Distinktion bestimmt (SCHNEIDER 2001, S.223ff., 273). <zurück>

7) In seinem Ursprung wird der Ausdruck im allgemeinen dem Altbundeskanzler Helmut Kohl zugesprochen, inzwischen steht er allgemeiner für die besonders auf der rechten Seite des politischen Spektrums verbreitete Weigerung, die weitere Aufarbeitung des "Dritten Reiches" als gesellschaftliche Notwendigkeit auch für die Generationen zu akzeptieren, die zu spät geboren sind, um für die NS-Verbrechen unmittelbar verantwortlich gemacht zu werden (vgl. zum politischen Gebrauch des Begriffes z.B. das Interview der Jüdischen Wochenschau mit dem zum Zeitpunkt des Interviews noch Kanzlerkandidaten Gerhard Schröder; abrufbar unter http://www.hagalil.com/schweiz/rundschau/inhalt/schroeder.htm). <zurück>

8) Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich kritisiere hier nicht, dass es nicht möglich sei, Juden zu kritisieren, sondern eher eine gewisse Hypokrisie, die darin liegt, dass das Thema generell mit einem "Diskurstabu" belegt ist, wodurch u.a. klare antisemitische Tendenzen auch im "liberalen" öffentlichen Diskurs nur selten thematisiert werden. Dazu gehört vor allem die diskursive Weigerung, die im "Dritten Reich" ermordeten deutschen Juden als jüdische Deutsche zu sehen. Würden die Juden diskursiv als Deutsche akzeptiert, wäre ihre Ermordung nach dem Prinzip der "Nation als Familie" (vgl. ANDERSON 1991, S.143f.) ein "Geschwistermord" gewesen. In den Diskurs der angestrebten "Normalität" des deutschen Nationalgefühls – längst fester Bestandteil auch sozialdemokratischer und linksliberaler Positionen – ist ein solcher Tabubruch praktisch nicht integrierbar, zumal der Massenmord nationalistisch begründet wurde. Die Diskurskonstruktion der Juden als Nichtdeutsche macht es dagegen möglich, dass die Shoah im Prinzip als ein Kriegsverbrechen unter vielen betrachtet werden kann – selbst wenn dies direkt "so nicht gesagt" sein möchte. <zurück>

9) Die vorrangige Definition in meiner Untersuchungsgruppe war in der Tat die Abstammung von deutschen Eltern, die allerdings vor allem dann zum Tragen kam, wenn die Interviewpartner gefragt wurden, was ihre Identität wäre, wenn sie nicht in Deutschland geboren wären. Direkt gefragt, zogen sich die meisten Interviewpartner auf die "Zufälligkeit" der deutschen Staatsangehörigkeit zurück – die man nach dem bisherigen deutschen Staatsangehörigkeitsrecht allerdings auch eher aufgrund der "Abstammung" als der "Herkunft" erhalten hat. Deutlich wurde das Abstammungsprinzip auch bei der Definition derjenigen, die nicht deutsch sind: Kinder nichtdeutscher Eltern werden z.B. eigentlich immer als "Ausländer" betrachtet – auch wenn sie in Deutschland geboren und aufgewachsen sind und die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. <zurück>

10) Ein geschichtswissenschaftliches Paradebeispiel für einen solchen Zugang bildet Norbert ELIAS' Analyse des Duells, das ihm als "Vehikel" zur Beschreibung der Entwicklung der deutschen Gesellschaft im 19. Jahrhundert dient (ELIAS 1989). <zurück>

11) Siehe z.B. meine Kritik an der gelegentlichen Heranziehung von quantitativen jugendsoziologischen Studien für die Definition von Generationsabfolgen, in der die methodisch begründete Eingrenzung der befragten Alterskohorten zum Endergebnis wird, weil die Feststellung der Generationengrenzen nicht innerhalb des Samples vorgenommen wird (SCHNEIDER 2001, S.281f.). <zurück>

12) Vgl. dazu den Begriff vom "kognitiven Geizhals" (LAU & SEARS 1986, S.348) in der Sozialpsychologie, nach dem die meisten Individuen über die schema-orientierte Verarbeitung neuer Erfahrungen oder Informationen den Weg des geringeren Aufwands bevorzugen, auch wenn das Ergebnis unter Umständen wenig kohärent ist. <zurück>

13) Idealerweise sind diskurszentrierte Interviews deshalb von einer längeren Phase der "teilnehmenden Beobachtung" begleitet. Sie hilft nicht nur, durch den Vergleich mit Alltagsgesprächen und Samples öffentlicher Diskurse die diskursive Bedeutung einzelner Elemente im Interview leichter zu erkennen, sondern auch ein Augenmerk auf mögliche Divergenzen zwischen Diskursen (öffentlich oder alltäglich) und den (beobachteten) sozialen Praxen der Individuen zu richten. <zurück>

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Zum Autor

Jens SCHNEIDER, Dr. phil., Jahrgang '62, ist Ethnologe, Musikwissenschaftler und Linguist. Er hat in Düsseldorf, Hamburg, Amsterdam und Tübingen studiert und beschäftigt sich u.a. mit Konstruktionen nationaler und ethnischer Identität sowie Migration und Rassismus in unterschiedlichen nationalstaatlichen Gesellschaften. Er hat Feldforschungen in Chile und Deutschland durchgeführt und arbeitet zur Zeit als Postdoktorand am Nationalmuseum in Rio de Janeiro an einem Forschungsprojekt zur brasilianischen Nationalidentität.

Kontakt:

Jens Schneider

Rua Felipe de Oliveira 36/601
22011-030 Rio de Janeiro
Brasilien

E-Mail: sfager@gmx.de

Zitation

Schneider, Jens (2002). Vom Persönlichen zum Allgemeinen: Diskursivität und Repräsentativität in Interviews [51 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 3(3), Art. 23, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs0203233.

Revised 6/2008



Copyright (c) 2002 Jens Schneider

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