Volume 3, No. 1, Art. 5 – Januar 2002

Sammelbesprechung:

Michael B. Buchholz

Sandor S. Feldman (1959). Mannerisms of Speech and Gestures in Everyday Life. New York: International Universities Press, 301 Seiten (nicht mehr erhältlich), Library of Congress Catalog Card Number: 59-6713

David McNeill (Hrsg.) (2000). Language and Gesture. Cambridge: Cambridge Universities Press, 409 Seiten, ISBN 0-521 77761-5, $ 37.-

Jan Bremmer & Herman Rooddenburg (Hrsg.) (1991). A Cultural History of Gesture. From Antiquity to the Present Day. Cambridge: Polity Press, 268 Seiten, ISBN 0-7456-1101-X (pbk), DM 98.-

Jean-Claude Schmitt (1992). Die Logik der Gesten im europäischen Mittelalter. Stuttgart: Klett-Cotta, 419 Seiten, ISBN 3-608-93167-8, DM 98.-

Zusammenfassung: Sprache und Gestik werden traditionell getrennt gesehen (verbales und averbales Verhalten). Neuere Ansätze jedoch erkennen ihre unauflösliche Verbundenheit an und sehen Sprache und Gestik als "Körpern in Interaktion" hervorgebracht. Das fordert zu einem völlig neuen Verständnis von beidem heraus. Ich versuche an die älteren Arbeiten des Psychoanalytikers Sandor S. FELDMAN zu erinnern, der gestische Manierismen seiner Patienten beobachtete und sie als Zugang zu ihren seelischen Konflikten ansah. Genau diese Absicht verfolgt eine Formulierung des Psycholinguisten McNEILL, dem Herausgeber eines Bandes zum Thema fast ein halbes Jahrhundert später. Gestik aber ist darüber hinaus in kulturelle und historische Kontexte eingebettet, wozu die anderen hier besprochenen Bücher von renommierten Historikern (SCHMITT sowie BREMMER & ROODDENBURG) etwas zu sagen haben.

Keywords: Sprache, Gestik, Körper, Kultur, Geschichte

Inhaltsverzeichnis

1. "Hello, Professor" – Manierismen und Manierlichkeiten in der Sprache

2. Sprache und Kultur

3. Haben Gesten und damit der Körper eine Geschichte?

4. Mittelalter: Die Seele der Geste und die Geste der Seele

5. Chancen einer psychoanalytischen Sozialpsychologie

Anmerkung

Zum Autor

Zitation

 

1. "Hello, Professor" – Manierismen und Manierlichkeiten in der Sprache

Oft lohnt es, die älteren Texte erneut zur Hand zu nehmen und sie mit neueren zu vergleichen. FELDMAN war Professor der Psychiatrie in Rochester und wie es dem damaligen Geist in den USA noch entsprach, grundlegend psychoanalytisch orientiert. Klinische Erfahrung brachte ihn zu der Überzeugung, dass der neurotische Kernkonflikt eines Patienten durch eine besondere, eigenartige Geste in prägnanter Form zur Darstellung gebracht wird und so widmete er dieses Buch den Manierismen. Es ist als Materialsammlung ein vergessener Klassiker. Unterschieden werden Manierismen der Sprache und der Gesten. Das Inhaltsverzeichnis ist hoch interessant. Da findet sich als Überschrift eine Beschreibung wie "Ich will Ihnen nicht zu nahe treten, aber..." oder die Bemerkung "Ich hab' doch nur Spaß gemacht" oder die rhetorische Wendung "Und wissen Sie was dann passiert ist?" Bei den körperlich ausgedrückten Manierismen werden charakteristische Kopfbewegungen, das Streichen durch die Haare, Ausdruck von Ekel oder Missbilligung, Räuspern, Hochziehen der Schultern, das Zusammenlegen der Hände usw. beschrieben. FELDMAN sieht hier persönliche Ausdrucksmomente, die er in Fallbeispielen illustriert – ein Fall ansprechend geschriebener Kasuistiken, die auch heute nichts an Überzeugungskraft eingebüßt haben. Ein Fundus, wenn sich die neuere klinische Aufmerksamkeit dem Ausdrucksverhalten des Körpers zuwendet. [1]

FELDMAN ist aber nicht nur an der körperlichen Darstellung neurotischer Konflikte interessiert. Seine Beobachtungen lassen ihn den individualisierenden Fokus überschreiten und sowohl Situationen als auch konversationelle features in den Blick nehmen. Etwa, wenn er fast wie Harvey SACKS in seinen Überschriften Dialoge präsentiert: "'You are nervous' – 'I am nervous?'" Das sind wohl vertraute konversationelle Partikel, in denen die Techniken, einen anderen zu stigmatisieren, ihm Kontrollverlust oder Schwäche zu attestieren gelingen, weil schmähende Unterstellungen als Ressource in der sozialen Umwelt verfügbar sind. Ressource bedeutet: es wird die Unschärfe eines Wortes wie "nervös" benutzt, um einen kleinen Vorteil zu erlangen. Denn es ist oft schwer zu unterscheiden, ob jemand nervös ist oder es eilig hat. Erst durch die Zuschreibung wird dann ein soziales Ereignis hervorgebracht, das nicht unbeträchtliche Wirkungen hat. Solche Zuschreibungen bzw. Unterstellungen funktionieren, weil sie vielleicht stimmen und weiter, dass einer sich entlasten kann, indem er die Nervosität auf den anderen projiziert "because it gives him superiority" (FELDMAN, S.124). Hier werden soziale Konversationstechniken mit individuellen Motiven und Konfliktbewältigungen auf eine höchst interessante Weise verbunden. [2]

2. Sprache und Kultur

Der Psycholinguist McNEILL arbeitet in Chicago seit Jahren an der Verbindung von Sprache, Kultur und Kognition; riesige Themengebiete, die nur zugänglich werden, soweit sie empirisch und theoretisch "kleingearbeitet" werden können. Das Buch versammelt die Befunde führender Forscher, die sich auf einer von McNEILL einberufenen Konferenz über "Gestures Compared Cross-Linguistically" getroffen und ausgetauscht haben. [3]

Auch wenn man, wie der Herausgeber einleitend feststellt, nicht zu sagen brauche, was eine Geste sei, muss man das doch abgrenzen. Gesten werden von Pantomimen und von den Handbewegungen unterschieden, wie sie Taubstumme praktizieren. Aber Gesten können auch als begleitende Kontinua des "normalen" Sprechens beschrieben werden und dann eignet ihnen imaginative Qualität. Wir "deuten" auf den "Punkt", "unterstreichen" das Gesagte, akzentuieren Gegen-Sätze mit der rechten oder linken Hand usw. Der Beitrag von Sotaro KITA zeigt, wie solche "repräsentationale Gesten" unverzichtbare Hilfen in der Konversation sind, gerade weil sie keine kontextfreie Bedeutung haben. Embleme hingegen wie der berühmte hochgereckte Mittelfinger, das Winken mit einer halb erhobenen Hand oder das "Vogelzeigen" haben relativ feststehende, klischeeartige Bedeutungen. Aber auch ihre Bedeutung kann ironisch verwandelt oder überspielt werden. Man kann sie mehr oder weniger wohlgeformt ausführen und ihre Konventionalität betonen oder aufsprengen. [4]

Wie werden Gesten also ausgeführt, in welchem Verhältnis stehen sie zur Sprache und wie stellt sich das im interkulturellen Vergleich dar? Der erste Teil mit Beiträgen von HAVILAND, KENDON, GOODWIN u.a., analysiert Gesten als Teil sozialer Interaktion, der zweite Teil schließt an die Beobachtungen von FELDMAN an, ohne ihn allerdings zu erinnern, und sieht Gesten als "window into the mind". Alle Autoren betonen, dass es keinen tiefen Gegensatz zwischen beiden Zugängen geben kann, wenn man Gesten angemessen verstehen will. So setzt sich der "interaktionistische" Ansatz von GOODWIN die interaktive Konstruktion der Kognition zum Thema, verbindet also Seelisches und "Beziehung" – fraglos von nachhaltigem Interesse für psychotherapeutische Leser. So kann man am Beispiel der Interaktion eines Aphasikers mit einer Pflegeperson dazu genau beschrieben finden, wie die äußerst reduzierten kommunikativen Kompetenzen eines Aphasikers dennoch vergleichsweise komplexe Kommunikationen erlauben, wenn der Aphasiker mit seinen geringen Mitteln auf Angebote von Pflegepersonen und anderen "aufbauen" kann. Diese müssen vermuten können, was er möchte und es ihm dann zur Auswahl anbieten. Hier folgen unmittelbar praktische Überlegungen für die Behandlung solcher schwer behinderter Menschen, aber auch für die Theorie: Sprache ist aktualgenetisch zu betrachten; sie entsteht in lokalen Kontexten als Produkt einer interaktiv erzeugten minimalen Lebensform Sozialwissenschaftlich-qualitative und klinische Problemzugänge begegnen sich in fruchtbarer Weise. [5]

Der dritte und vierte Teil des Buches beschäftigen sich mit Fragen der Modellbildung von Gestenproduktion; soweit Kreativität von Sprachproduktion und körperlichem Verhalten angesprochen ist, erwacht das psychotherapeutische Interesse besonders. Die Planung einer sprachlichen Äußerung sieht McNEILL von einem "growth point" ausgehen, einer im Sinne VYGOTSKYs "minimalen psychologischen Einheit", worin "an image and a linguistically codified meaning category" (S.313) verbunden werden. Mentales Bild und sprachliche Kategorie müssen miteinander verknüpft werden. "Growth" wird dabei durchaus im Psychotherapeuten vertrauten Sinn verwandt (wie der Autor betont, S.314) und in aller Detailliertheit die kreative Produktion analysiert. Kontext ist wegen seiner Unvorhersagbarkeit keineswegs umstandslos verfügbar, auf ihn muss zugegriffen und er dadurch konstruiert werden und das tut die körperliche Geste. Diesen Zugriff jeder sprachlichen Äußerung, selbst der unscheinbarsten grammatischen Einheit, auf Inhalte von außerhalb der eigenen Struktur, nennt McNEILL "catching". Gemeint ist etwa, wenn wir im Alltag sagen: "Guck mal hier" und mit dem "hier" auf etwas gestisch verweisen, was sprachlich nicht erscheint. Das hätte ernste Konsequenzen; hier wird erkennbar, dass der Verzicht auf videographiertes Material etwa in der Analyse von Therapiegesprächen Bedeutungsverluste impliziert, deren Umfang gar nicht eingeschätzt werden kann. Und auch in anderer Hinsicht gibt die Beschreibung des "catchments" zu denken: Hermeneutik analysiert schon produziertes Material; dem geht aber eine kreative Produktion voraus, die Verbindung von seelischem Wachstum und Zugriff auf interaktive Ressourcen. [6]

3. Haben Gesten und damit der Körper eine Geschichte?

Während FELDMAN einen inneren Konflikt in gestischer Darstellung beobachtet, die Autoren des McNEILL-Bandes das Wechselspiel von interaktiver Ressourcennutzung, sprachlicher Verfügung und kognitiv-kreativen Potentialen in den Blick nehmen und die übliche "Innen-Außen-Trennung" nachhaltig zu überwinden ansetzen, bringt der Band von BREMMER und ROODENBURG ein weiteres Moment ins Spiel: die historische Verankerung des Körpers und seiner Gesten in seiner Kultur, also einem anderen relevanten Kontext. Wie bei McNEILL wird mit der Frage begonnen, was eine Geste sei, doch fällt die Antwort anders aus: Eine Geste, das ist ein Schlüssel zum kulturellen Code. Das knüpft an Norbert ELIAS an. In Anstandsbüchern wird empfohlen, auf Körperbewegungen zu achten, denn "'You may read their birth on their faces", so William DARRELL zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Man betrachtet Gesichter, nicht aber um Emotionen ("innen und tief") zu erforschen, sondern um etwas über "Geburt", d.h. den sozialen Stand, Abkunft und Herkunft ("Außen und an der Oberfläche"), in Erfahrung zu bringen. Die Differenz beider Sichtweisen macht den Wandel der historischen Zeit sehr prägnant. Wie ungemein einflussreich das "Äußere und Oberflächliche" waren, kann man daran ermessen, dass die Verhandlungen zur Beendigung des Dreißigjährigen Krieges sich zwei Jahre lang mit Protokollfragen beschäftigten: Welcher der Fürsten hat mit welcher Bekleidung und welchem Gefolge das Verhandlungszimmer in welcher Reihenfolge zu betreten und wie tief muss er sich vor anderen verbeugen oder welche Verbeugungstiefe ist er von anderen entgegenzunehmen befugt? Im alten Griechenland schon hatten Körpertätigkeiten wie Stehen, Gehen oder Sitzen Bedeutungen, die sich aus der antiken Kosmologie ergaben und erst im Italien der frühen Neuzeit, so Peter BURKE in diesem Band, beginnt das psychologisierende Interesse an der Sprache der Gesten. Aus dieser Zeit stamme wohl das Stereotyp des "gestikulierenden" Italieners gegenüber dem zurückhaltenden Nordeuropäer. Psychologie, das Interesse am Inneren und an Tiefe, so mag man schließen, ist Produkt einer Moderne, die kosmologische und andere Weltdeutungen verabschiedete. [7]

Daran schließt sich, belegt mit Bildern, eine Analyse von SPICER über den Ellbogen in der Renaissance an – ein gewiss vernachlässigter Körperteil. Schon LEONARDO wusste, dass die Absicht des Geistes nicht künstlerisch abzubilden sei, das Innere stellt sich nicht direkt äußerlich dar – deshalb musste eine Formensprache ausgebildet werden, deren Verständnis sich erschließt, wenn man die Kunstwerke nicht mit dem modernen Blick als Photographien anschaut, sondern als narrative Szenen. Das wird hier am Ellbogen vorgeführt. Dem psychotherapeutischen Leser fällt sofort das "szenische Verstehen" ein, das hier über historische Ursprünge und ästhetische Vorläufer auf angenehme Weise belehrt wird. [8]

4. Mittelalter: Die Seele der Geste und die Geste der Seele

Der französische Historiker Jean-Claude SCHMITT geht weiter noch in die Geschichte zurück; er muss den antiken Kontext wiederbeleben, weil im Mittelalter darauf ständig Bezug genommen wird. Hier schon, bei CICERO und QUINTILIAN, findet sich der Gedanke von der Universalität der Gebärdensprache. Worte, so vertrat es CICERO, wirken nur auf diejenigen, die der gleichen Sprachgemeinschaft angehörten, die "actio" hingegen gebe die Regungen der Seele nach außen weiter und könne so jedermann berühren. Wenn der Mensch dann in der mittelalterlichen Anthropologie bestimmt wird als Verbindung eines Körpers mit einer Seele, dann sind es Gesten, die gesellschaftliche Beziehungen knüpfen und die Seele aus dem Gefängnis des Körpers befreien. Denn so wurde das "Fleisch" ja auch gesehen, als Quelle der Sünde und Verfehlung. Wenn die Regungen der Seele erkennbar werden, wirken sie auf andere ein und erheben sie zu Gott. Das erfordert beständige Körperkontrolle; die Darstellung der Reformbewegungen – Vorschriften zur rechten Haltung beim Gebet: auf den Knien? Wie werden die Hände gefaltet, aufrecht oder Finger neben Finger? – machen einen nicht geringen Teil von SCHMITTs Buch aus. In der Geste kommt so eine Vorstellungswelt zur Anschauung, die uns heute überraschen muss: Gesellschaft in horizontaler Verbindung und Theologie in vertikaler Verbindung, sozusagen im Zeichen des Kreuzes, miteinander zu versöhnen. Gesten bestätigen das Weltbild, das sich in ihnen dokumentiert. [9]

Das Negativ dieses kosmogonisch harmonisierten Gesellschaftsbildes, das hier in der "Logik der Gesten" analysiert wird, bildete die Inquisition, die mir bei SCHMITT etwas zu kurz kommt. Handbücher zur Verhörtechnik der Inquisition können als Vorläufer der modernen Affektforschung betrachtet werden. Der vernehmende Richter wird belehrt, beim "peinlichen Verhör" auf die Zeichen des Körpers wie Erröten oder Schwitzen der Hände zu achten, weil sich an ihnen die "Wahrheit" zeige – und das heißt, ob einer lügt. Dieses Bemühen, den Körper und seine Ausdrucksformen als letzte Instanz gegenüber den Verstellungsmöglichkeiten der Sprache in Anspruch zu nehmen, zieht sich – nachdem man bemerkt hatte, dass selbst Authentizität als Pose vor dem Spiegel geübt werden kann – bis in die Diskussionen des 19., ja bis in unser Jahrhundert. Noch moderne Talkshows mit provokativen Interview- und Fragetechniken versuchen den Körper zu einer Darstellung zu bringen, die die Person des Sprechers Lügen straft. Gegenüber dieser Pein und Peinlichkeit bleibt den meisten kaum etwas anderes, als den Interviewer der vollen Aufrichtigkeit zu versichern, was dessen Zweifel nur bestärkt. Produziert wird in solchen Konversationen kommunikative Abwehr mit psychologischer Tiefen-Illusion. Da das zweifellos auch Gesellschaft ist, gäbe es hier und in den Talkshow-Kopien des Alltags für Sozialwissenschaftler und Psychotherapeuten ein Arbeitsfeld, das auch historisch vergleichend verfahren könnte. [10]

5. Chancen einer psychoanalytischen Sozialpsychologie

Der Reichtum des Materials und der gebildeten Analysen in den beiden historischen Büchern kann hier en detail natürlich nicht ausgebreitet werden. Kann man eine Brücke schlagen zu den klinischen Analysen von FELDMAN, etwa seinen Analysen der aufeinander gelegten Hände und dem Ursprung in der Gebetshaltung? Das mag im Einzelfall entschieden werden. Mich hat die Lektüre dieser Bücher über manches belehrt: Eine Affekt- und Ausdrucksforschung, die die Ursprünge körperlicher Darstellungen stets nur immer tiefer ins Individuum verlegen würde, müsste sich eine historisierende Relativierung gefallen lassen, deren methodische Konsequenz wäre, dass sie die psychologisierende Illusionsbildung nicht angemessen in den Blick nehmen könnte; gerade dazu wären die an Sozialität interessierten Forscher aber in der Lage. Sie sind ihrerseits bereit, wie die Beiträge bei McNEILL zeigen, die Distanz zur Psychologie zu verringern und "Motive" als Analysekategorie, als "window to the mind" gelten zu lassen. [11]

Der Anschluss an sozialwissenschaftliche und historische Forschungen, die Verknüpfung mit klinischen Erfahrungen ist nicht leicht. Hier würde sich ein empirisches Arbeitsfeld für eine psychoanalytische Sozialpsychologie öffnen. Kürzlich sind in der Zeitschrift "Psyche" Aufsätze erschienen, die die Annahme eines gesellschaftlichen Unbewussten nachhaltig destruieren. Der resignierte Schluss schien, das Spiel einer psychoanalytischen Sozialpsychologie aufzugeben. Doch!, möchte man jetzt ausrufen, hier können die historischen, interaktionstheoretischen und psychologischen Karten neu gemischt werden. Empirische Forschung und Arbeit an Details ist möglich, wenn man sich von großtheoretischen Entwürfen und den mit ihnen verbundenen Vor-Urteilen lösen kann. Dann werden sich aufregende Dinge finden und theoretisch auf eine neue und interessante Weise verknüpfen lassen. [12]

Anmerkung

Dies ist die leicht modifizierte Version einer Rezension, die in Psychotherapie & Sozialwissenschaft, 2001, Heft 4 (Vandenhoeck & Ruprecht) erscheinen wird. Wir danken den Herausgebern für die Erlaubnis eines Vorabdrucks.

Zum Autor

Michael B. BUCHHOLZ, Dipl.-Psych., Dr. phil., apl. Prof. am Fachbereich Sozialwissenschaften der Universität Göttingen, arbeitet als Psychoanalytiker in privater Praxis. Arbeitsschwerpunkte: Qualitative Sozialforschung, besonders Metapherntheorie. Letzte Veröffentlichungen: Metaphern der Kur – Qualitative Studien zum therapeutischen Prozeß (Westdeutscher Verlag, Opladen 1996); Psychotherapie als Profession (Psychosozial-Verlag, Giessen 1999)

Kontakt:

Prof. Dr. Michael B. Buchholz

Schlesierring 60
D-37085 Göttingen

E-Mail: buchholz.mbb@t-online.de

Zitation

Buchholz, Michael B. (2001). Sammelbesprechung: Sandor S. Feldman (1959). Mannerisms of Speech and Gestures in Everyday Life; David McNeill (Hrsg.) (2000). Language and Gesture; Jan Bremmer & Herman Rooddenburg (Hrsg.) (1991). A Cultural History of Gesture. From Antiquity to the Present Day; Jean-Claude Schmitt (1992). Die Logik der Gesten im europäischen Mittelalter [12 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 3(1), Art. 5, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs020155.

Revised 2/2007



Copyright (c) 2002 Michael B. Buchholz

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