Volume 2, No. 2, Art. 1 – Mai 2001

Die Angst des Wissenschaftlers vor der Ästhetik. Zu Jo Reichertz: Zur Gültigkeit von Qualitativer Sozialforschung

Andreas Huber

Zusammenfassung: Gegen Jo REICHERTZ' intelligenten Beitrag "Zur Gültigkeit von Qualitativer Sozialforschung" kann argumentativ nur wenig entgegenhalten werden. Ziel des folgenden Beitrags ist es auch nicht, REICHERTZ' Ausführungen zu widersprechen, sondern sie im Gegenteil mit weiteren Argumenten zu ergänzen. Aus diesen werden freilich andere Schlußfolgerungen gezogen, als es REICHERTZ tut: Nicht rigide "Modelle zur Qualitätssicherung" sind primär in den Sozialwissenschaften gefragt, sondern vielmehr eine Öffnung von der "reinen" Wissenschaft in Richtung Ästhetik, Kunst und Medien. Der Beitrag versteht sich als Plädoyer für ein Ausbrechen aus der bitteren Ernsthaftigkeit sowie für ein Ablegen des einengenden wissenschaftlichen Sprachkorsetts. Mit der Anwendung experimenteller literarischer Techniken und Stilmittel, welche die neuzeitliche Wissenschaftsauffassung radikal vom akademischen Diskurs getrennt hat, versucht die hier vorgestellte postmoderne ethnographische Schreibweise, die soziokulturellen Konstrukte von erzählter Realität explizit zu machen. Im Gegensatz zum letzten tragischen Helden der Moderne, dem Intellektuellen, übernimmt der postmoderne Intellektuelle die Rolle eines Interpreten. Das heißt, er ist Übersetzer, Dolmetscher, Vermittler, Kommunikator. Seine zwar bescheidene, aber anspruchsvolle Aufgabe besteht darin, Aussagen, die einem bestimmten Sinnzusammenhang entstammen, für Menschen verständlich zu machen, die in anderen Traditionen verwurzelt sind. Dazu verwendet er Strategien wie Witz, Ironie, Parodie und Komik. Da diese Vermittlung hauptsächlich für die Öffentlichkeit gemacht werden sollte – und nicht bloß für einen kleinen Zirkel von Spezialisten der gleichen Professionsgruppe –, sind dabei Lesbarkeit- und Unterhaltungskriterien wichtiger als die Einhaltung strenger Validitäts- und Reliabilitätsstandards.

Keywords: Modelle der Qualitätssicherung, Ästhetisierung, ästhetische Erkenntnis, postmoderne Ethnografie und Epistemologie

Inhaltsverzeichnis

1. Mehr Selbstbewusstsein und "Kundenorientierung" anstelle permanenter Selbstzweifel

2. Was ist die Frage? – Gute Frage ...

3. Plädoyer für ästhetische Zugänge in den sozialwissenschaftlichen Forschungsfeldern

4. Beispiel eines ästhetischen Ansatzes aus der Sozialgeographie

5. Grundlinien, Konsequenzen und Chancen einer postmodern orientierten Sozialwissenschaft

Anmerkungen

Literatur

Zum Autor

Zitation

 

"Im liberalen Sinne heißt liberal nicht einfach nur liberal."
– "Können Sie eigentlich auch mal was anderes sagen?"
– "Nein, bevor ich was Falsches sage."

Frei zitiert aus einem Sketch von Loriot

1. Mehr Selbstbewusstsein und "Kundenorientierung" anstelle permanenter Selbstzweifel

Wie Franz BREUER (2000 [1]) schwanke ich bezüglich Jo REICHERTZ' (2000) kompromißloser Analyse der Qualitätsstandards qualitativer Sozialforschung zwischen anerkennender Zustimmung und latentem Widerspruch, aber auch – mit fortschreitender Lektüre – zunehmender Verunsicherung und wachsendem Unbehagen. Dieses Unbehagen dürften wohl noch manche WissenschaftlerInnen beim Lesen von REICHERTZ' Artikel verspüren, die selber mehrheitlich mit qualitativen Methoden arbeiten, sich aber wohl nur selten mit Verfahren der Wissenssoziologie zur Gültigkeitsfundierung ihrer Arbeiten auseinandersetzen, zumindest nicht auf dem von REICHERTZ geforderten Niveau. [1]

Wie REICHERTZ halte ich es für durchaus sinnvoll und nötig, den WissenschaftlerInnen auf die Finger zu schauen, wenn sie ihre Aussagen gegenüber der Öffentlichkeit zu legitimieren versuchen, um von dort (weiteres) ökonomisches Kapital für ihre Forschungen einzuwerben. Doch solange es SozialwissenschaftlerInnen noch gelingt, für ihre Projekte – und seien es "bloß" selbstfinanzierte Qualifikationsarbeiten – Geld zu bekommen, ist dies prinzipiell einmal zu begrüßen (unabhängig davon, ob ihre Arbeiten qualitativ oder quantitativ ausgerichtet sind). Es wäre jedoch naiv anzunehmen, dass bewilligte Forschungsanträge jemals die uneingeschränkte Billigung der gesamten Wissenschaftswelt erhalten werden. Tatsache ist, dass wir es heutzutage mit einer Vielzahl "divergierenden Expertenmeinungen" zu tun haben. Entscheidend ist deshalb nicht, die wissenschaftsinternen "besten" Argumente zu haben, sondern jene wissenschaftlichen, politischen und privatwirtschaftlichen ExpertInnen überzeugen zu können, welche die Mittel vergeben. Und diese lassen sich nun mal in der Regel am einfachsten mit kruden Nützlichkeitskriterien (etwa dem allgemeinen praktischen Nutzen für die Gesellschaft oder dem Potential für die Schaffung von Arbeitsplätzen) gewinnen. Es geht also primär darum, den Umgang mit Wettbewerb und Eigenwerbung zu verbessern oder klarer ausgedrückt: sich besser zu verkaufen, eine Fähigkeit, die viele Sozial- und GeisteswissenschaftlerInnen bislang mehr schlecht als recht beherrschen. [2]

Doch wenn in letzter Zeit anscheinend vermehrt auch qualitativ arbeitende WissenschaftlerInnen unterstützt werden, sollte man sich darüber zunächst einfach mal freuen.1) Dass aus dem "Zu-viel qualitativer Sozialforschung" auch "schlechte" Arbeiten resultieren, liegt weniger daran, dass sich die ForscherInnen zu wenig mit wissenssoziologischen Fragen auseinandersetzen – das ohne Zweifel auch – oder dass die gewählten Methoden nichts taugen – auch daran kann es liegen –, sondern vielmehr ganz einfach daran, dass es eben gute und weniger gute ForscherInnen gibt. Genauso wie es gute und schlechte Manager, geniale und miserable SchriftstellerInnen oder begabte und weniger begabte Hausfrauen (bzw. -männer) gibt.2) [3]

Wenn sich in der Privatwirtschaft in jüngster Zeit immer mehr Qualitätsstandards bzw. Qualitätsmanagementsysteme durchsetzen – etwa die internationale Norm DIN/ISO 9002 –, war es lediglich eine Frage der Zeit, bis dieser Trend auch die Elfenbeintürme erreichen würde. Allerdings ist es aus den von REICHERTZ genannten Gründen einiges komplizierter, solche "Modelle der Qualitätssicherung" auch in der Wissenschaftswelt einzuführen und durchzusetzen. Denn angesichts der Perspektivenvielfalt wird man sich wohl nie auf einen solchen Standard einigen können, weder in der qualitativ noch in der quantitativ ausgerichteten sozialwissenschaftlichen Forschung. Zudem ist von solchen Standards auch gar nicht allzu viel zu erwarten. Es mag zwar sein, dass mit der Einhaltung "normativer" Gütekriterien die von REICHERTZ diagnostizierte tiefe Verunsicherung bei manchen WissenschaftlerInnen beseitigt oder zumindest überdeckt werden kann. Aufheben lässt sich das Dilemma der eigenen Perspektivengebundenheit und dem Gültigkeitsanspruch jedoch nur scheinbar, wie dies auch REICHERTZ richtig erkennt. [4]

Außerdem stellt sich die Frage, warum (Sozial-) WissenschaftlerInnen aufgrund rigider – letztendlich jedoch beliebiger – Standards plötzlich "bessere" Arbeiten produzieren sollten. Die wenigsten WissenschaftlerInnen würden sich überdies an solche Standards halten wollen, da sie dies, wie zu vermuten ist, als Einschränkung ihrer persönlichen Forschungsfreiheit betrachten würden. Keiner gibt freiwillig seinen liebgewordenen individuellen Forschungsstil auf. Von der Mehrheit der – freilich nicht nur etablierten – WissenschaftlerInnen ist auf jeden Fall kaum zu erwarten, dass diese aufgrund von anderen aufgestellten Gütekriterien ihre bis anhin (zumindest bei ihresgleichen) doch so erfolgreichen Forschungsstile ändern und von diesem Zeitpunkt an nur noch "gute" Arbeiten abliefern werden. An der Lernfähigkeit bzw. am Lernwillen mancher WissenschaftlerInnen darf jedenfalls gezweifelt werden. [5]

Ernüchterndes kurzes Fazit vorweg: So sinnvoll und notwendig Standards wissenschaftlicher Güteprüfung prinzipiell sind, werden sie wohl weder die Qualität der sozialwissenschaftlichen Arbeiten erheblich verbessern noch den Wettbewerb um ökonomisches Forschungskapital wesentlich beeinflussen. Nicht schaden könnte hingegen ohne Zweifel etwas mehr Selbstreflexion (auch etwas mehr Selbstironie wäre durchaus wünschenswert). Gleichzeitig – und das ist fast noch wichtiger – wäre es manchen (Sozial- und Geistes-) WissenschaftlerInnen zu wünschen, dass sie einerseits etwas weniger am Sinn ihres Tuns zweifeln, also unbeschwerter und lustvoller arbeiten, andererseits dass sie etwas weniger von ihrem vielfach schlechten Gewissen gegenüber der Öffentlichkeit geplagt würden (ohne allerdings ein Rezept anbieten zu können, wie dies erreicht werden könnte). [6]

An diesem – freilich nicht völlig unbegründeten – schlechten Gewissen, das nicht selten zu einer regelrechten Angst oder gar Depression auswächst und an dem schon manche buchstäblich zugrunde gegangen sind, leiden wohl mehr (Sozial-) WissenschaftlerInnen, als Außenstehende annehmen mögen. Augenscheinlicher Hauptgrund dafür ist, dass ihre vom Staat finanzierten Forschungsarbeiten oft nur für eine sehr kleine Gruppe von Personen – manchmal sogar nur für sie selber – von Interesse bzw. von Nutzen sind. Ein Großteil der sie finanzierenden Öffentlichkeit sieht in der Mehrheit dieser Arbeiten aber wenig bis gar keinen Sinn, geschweige denn einen materiellen Nutzen. Die Folge davon ist ein beinahe permanent spürbarer Druck, die eigene Arbeit rechtfertigen zu müssen. Bisher bestand dieser Rechtfertigungsdruck hauptsächlich gegenüber Kollegen (bzw. Konkurrenten) der gleichen Wissenschaftsdisziplin, allenfalls auch gegenüber Angehörigen. In letzter Zeit wächst jedoch der Druck der brötchenzahlenden Öffentlichkeit. Im Ende November 2000 in der Zeit gestarteten Dossier zur Krise der Geisteswissenschaften konstatiert Martin SPIEWAK, dass die Öffentlichkeit lauter als zuvor nach den Früchten staatlich finanzierter Forschung frage – und damit gerade Geistes- und Gesellschaftswissenschaftler in Bedrängnis bringe. Alle Disziplinen hätten sich in Zukunft die Frage zu stellen, was die Wissenschaft der Gesellschaft zurückgebe, aber den Geistes- und Sozialwissenschaften falle nach Ansicht von SPIEWAK (2000) die Antwort am schwersten. Dem Vertrauen, das bislang Staat und Gesellschaft in die rund 6000 Beamten für geisteswissenschaftliche Angelegenheiten und anderen Disziplinen gehabt hätten, weiche zunehmend "der Wunsch nach Kontrolle, die Gesetze des Marktes verdrängen die inneren Spielregeln des wissenschaftlichen Betriebs. Die Stichworte heißen Evaluation, Kundenorientierung, value for money, Dienstleistungsmentalität".3) [7]

Diesem Rechtfertigungszwang, dem heutzutage notabene beinahe jeder arbeitende Mensch untersteht, ist wohl in der Tat kaum ein anderer Berufszweig dermaßen stark ausgesetzt wie die HumanwissenschaftlerInnen (sieht man mal von den KünstlerInnen ab). Würde man jedoch konsequent jede Arbeit nach ihrem Sinn und Nutzen prüfen, könnten bzw. müssten wohl noch manche Arbeitsplätze – unabhängig ob in staatlichen Institutionen oder in der Privatwirtschaft – wegrationalisiert werden.4) Es steht zu befürchten, dass die Geistes- und Sozialwissenschaften unter dem wachenden Auge der Öffentlichkeit generell eher in die Defensive gedrängt werden und dass dies vermutlich kaum als Chance genutzt wird, neue Wege für die Sozialwissenschaften zu suchen. Die meisten werden es vorziehen, in ihren altbewährten akademischen Schneckenhäusern zu bleiben und lieber das zu sagen bzw. zu schreiben, was schon immer gesagt oder geschrieben wurde (bevor man ihnen nachweisen kann, sie hätten was Falsches gesagt). Es wären jedoch auch andere Wege denkbar und möglich. Davon handeln die folgenden Abschnitte. [8]

2. Was ist die Frage? – Gute Frage ...

Die "wissenssoziologische Frage, ob die Erkenntnisse, die von WissenschaftlerInnen in Ausübung ihres Berufs und in Befolgung ihrer Professionsstandards erlangt wurde, auch beanspruchen können, 'gültig', mithin 'valide' zu sein" (REICHERTZ, 2000 [1]) halte ich aus verschiedenen Gründen nicht für die zentrale Frage. Denn es kann der heutigen Wissenschaft schon längst nicht mehr darum gehen, "gültige", "valide" oder "wahre" Aussagen zu liefern, nicht nur, weil dies schon bezüglich der von REICHERTZ selbst dargelegten Prämissen nicht möglich ist, sondern auch, weil keinE WissenschaftlerIn heute noch ernsthaft den Anspruch haben kann, etwas so darstellen zu wollen, wie es "wirklich ist". Die Begriffe "gültig" und "valid" suggerieren aber nach wie vor, dass man zwischen "richtigen" und "falschen" bzw. "richtigeren" und "falscheren" Aussagen unterscheiden kann. [9]

Die von REICHERTZ angeführten Argumente gegen eine wie auch immer geartete objektive Fundierung von Gültigkeit sowie für den Konstruktionscharakter wissenschaftlicher Erkenntnis können beinahe beliebig ergänzt werden. Wie beispielsweise der Kulturphilosoph und Medientheoretiker Vilém FLUSSER in einem Artikel über das "Virtuelle" ausführt, ist im Zeitalter der virtuellen Realität die Wirklichkeit längst eine Frage der Quantität geworden (was natürlich nicht heißt, dass man sie nur mit quantitativen Methoden angehen kann). Mit dieser postmodernen Aussage hat FLUSSER (1993, S.63)

die neuzeitliche Überzeugung ad absurdum geführt, dass wahr und falsch Gegensätze sind, dass infolgedessen auch wirklich und fiktiv Gegensätze sind, und dass zwischen diesen zwei Horizonten – entweder etwas ist wahr oder falsch oder nichtssagend; entweder etwas ist wirklich oder fiktiv – kein Kompromiss stattfinden kann. [10]

In der postmodernen Welt ist man plötzlich in einem Denken, in dem alles, was gesagt wird, mehr oder weniger wahrscheinlich ist. Die Wahrheit ist nach FLUSSER kein anstrebbares Ziel. Sie ist leeres Gerede, weil Sätze nur darum völlig wahr sein können, weil sie nichtssagend sind (etwa "eins und eins ist zwei" ist wahr, weil zwei minus eins minus eins null ist). "Wahrheit und Falschheit sind Horizonte, die im normalen Diskurs nie erreicht werden können, die keine Ziele sein können. Weder kann die Wissenschaft nach Wahrheit forschen, noch kann die Kunst nach noch nie dagewesenen Fiktionen suchen. Beides gibt es nicht" (a.a.O., S.68). Auch wenn dem freilich entgegengehalten werden kann, dass die Wissenschaft schon längst nicht mehr nach der Wahrheit suche, sondern nichts anderes als Wahrscheinlichkeitsrechnungen mache – dass man also seit langem den Anspruch aufgegeben habe, die letzte Wahrheit zu finden, sondern sich ihr nur so gut wie möglich anzunähern –, sind mit dem Ende des Wahrheitsanspruchs der Wissenschaft die ForscherInnen auch vom "handfesten Problem der Gültigkeit ihrer Aussagen" befreit worden. Hat man einmal akzeptiert, dass es von jeder Wahrheit verschiedene Versionen gibt (es also keine einzige Wahrheit geben kann), kann es auch keine Gültigkeit oder Validität geben, denn diese müssen sich notwendigerweise auf eine Wahrheit beziehen. In diesem Sinne kann es meines Erachtens nicht bessere und schlechtere Versionen der Wahrheit geben, jedoch zweifellos besser und schlechter erzählte Versionen der Wahrheit. [11]

Das Gleiche schreibt eigentlich auch REICHERTZ über eine reflexiv gewordene Wissenssoziologie, die "für eine (wie auch immer geartete) empirische Forschung nicht mehr einen exklusiven Zugang zu gültigen Aussagen" reserviert, sondern "deren nicht aufhebbare Perspektivität in jeder Beobachtung wie in jeder Äußerung" zeigt (a.a.O. [19]). Von den letzten Konsequenzen einer so verstandenen Wissenschaftsauffassung scheint sich REICHERTZ jedoch zu fürchten, denn obwohl er von der Notwendigkeit von Ungenauigkeiten schreibt, sei eine reflexiv gewordene Wissenssoziologie "keinesfalls ein Vorwand oder gar eine theoretische Begründung für methodische und methodologische Beliebigkeit". Die Einsicht in den Konstruktionscharakter wissenschaftlicher Erkenntnis habe lediglich, "wenn man zu kurz schließe, eine postmoderne Wissenschaft zur Folge, in der statt des besseren Arguments (oft nur) die Pointe" punkte (a.a.O. [20]). Und was, wenn die Pointe das bessere Argument ist? [12]

3. Plädoyer für ästhetische Zugänge in den sozialwissenschaftlichen Forschungsfeldern

Denn auch ohne den Maßstab der Akteurfiktion "Wahrheitsnähe" (a.a.O. [24-25]) kann man ganz brauchbare wissenschaftliche Forschung betreiben. Wobei es dann in der Tat nicht mehr um das bessere oder schlechtere Argument gehen kann, aber vielleicht um die bessere oder schlechtere Pointe. Wenn sich heutzutage Firmen, Privatleute und Stiftungen mehr als je zuvor dafür interessieren, was mit ihren Geldern an den Universitäten passiert, und beispielsweise seit 1991 eine selbst ernannte Jury von Spaßvögeln jährlich parallel zu den offiziellen Nobelpreisen die sogenannten Ig-Nobelpreise für besonders "unehrenhafte" (ignoble) Experimente und – zumindest bislang – übrigens hauptsächlich naturwissenschaftliche Arbeiten verleiht5), muss man diese Zeichen wahrnehmen und auf sie reagieren, außer man wolle selbst einmal für diesen Preis nominiert werden (was durchaus auch erstrebenswert sein kann). Die verstärkte wissenschaftsexterne Nachfrage nach Gültigkeit und dem Verlangen nach Forschungsevaluation ist in diesem Sinne nur begrüßenswert und keineswegs so paradox, wie REICHERTZ glaubt (a.a.O. [38]). Viele SozialwissenschaftlerInnen der sogenannten Moderne werden heutzutage aber mit der für sie unangenehmen Tatsache konfrontiert, dass ihre Arbeiten je länger je weniger gefragt sind. Und zwar sind sie nicht deshalb weniger gefragt, weil sie nicht mehr "gut" sind, sondern weil viele von ihnen die postmodernen Veränderungen der Gesellschaft zu wenig reflektieren und an der aktuellen Gegenwart und Gesellschaft buchstäblich vorbeischreiben. Für die vermehrte Zuwendung der WissenschaftlerInnen zur Gesellschaft spricht nicht nur die Logik der Erlangung symbolischen und der Einwerbung ökonomischen Kapitals, sondern auch die praktisch in allen Bereichen beobachtbare Ästhetisierung der heutigen Gesellschaft. [13]

Es kann nur erfreulich und positiv sein, wenn die Öffentlichkeit der nicht-wissenschaftlichen Mitlesenden ein zunehmendes Interesse für die Arbeiten von Sozial- und GeisteswissenschaftlerInnen zeigt. Dass diese Öffentlichkeit einen ästhetisch ansprechenden Stil einer schwer verständlichen Schreibweise vorzieht, ist naheliegend. Es ist ja auch auffallend, dass die Autoren der von dieser Öffentlichkeit honorierten Texte in der Regel vor allem von jenen Fachgenossen diskreditiert werden, die selber von dieser Öffentlichkeit nicht wahrgenommen werden. Wie Christiane GREFE (2000, S.43) in ihrem Beitrag "Der schon wieder!" in der Zeit diagnostiziert, scheint unter vielen GeisteswissenschaftlerInnen noch immer die Auffassung des Bielefelder Soziologen Peter WEINGART dominant zu sein,

dass 'Prominenz in den Medien ... kein Indikator für wissenschaftliche Exzellenz' sei, ja nicht einmal sein könnte: '... diese Grenze ist unüberschreitbar.' Wenn Wissenschaft und Gesellschaft an der Medienschnittstelle nicht auf Distanz blieben, meint er, sei die Folge 'im schlimmsten Fall Verlust der Verläßlichkeit des Wissens und der Glaubwürdigkeit der Wissenschaft'. [14]

Nach Ansicht des Politologen Claus LEGGEWIE ist es, so GREFE weiter, genau dieses "deutsche Mißverständnis, das die beiden Systeme so rigoros trennt", auf dem die rasche Diskreditierung der von der Öffentlichkeit gefeierten WissenschaftlerInnen beruht. [15]

Das wachsende Interesse des nicht-wissenschaftlichen Publikums für bestimmte sozial- und geisteswissenschaftliche Arbeiten ist übrigens weder themengebunden noch hat es direkt mit einem praktischen Nutzen zu tun (außer man betrachtet Weiterbildung, Unterhaltung, Zeitvertreib und was sonst noch alles mit der Lektüre von Büchern verbunden ist, ebenfalls als Nutzen). Eine faszinierende literaturwissenschaftliche Arbeit über "verkommene Söhne und mißratene Töchter" (MATT, 1995) kann ebensogut seine LeserInnen finden wie eine geistreiche und unterhaltsame soziologische Analyse über das Modethema Globalisierung und Flexibilität (SENNETT, 1998). Die zwar notwendige, aber kaum zu beantwortende Frage6) nach dem Nutzen der Humanwissenschaften sollte also auf keinen Fall mit dem Auskehren der noch verbliebenen Denknischen kurzgeschlossen werden. Ein ästhetisch ansprechender Text über ein sozial- oder geisteswissenschaftliches Randthema kann so nützlich (bzw. nutzlos) sein wie eine naturwissenschaftliche Dissertation über den "Einfluß des Kochwassers auf das Kochverhalten von Teigwaren in Abhängigkeit von der Qualität der Rohteigware". Dazu Wolfgang FRÜHWALD (2000), der seit 1999 als erster Geisteswissenschaftler an der Spitze der Alexander von Humboldt-Stiftung steht:

Der Mut zur energischen Grenzüberschreitung, zum theoretischen und methodischen Risiko in den Geisteswissenschaften, könnte mithelfen, der Menschheit das Schicksal der Langeweile zu ersparen, das Schicksal der von Durs Grünbein so genannten Trübsal am Rande der posthumanen Wüsten, in die eine allein von Experiment und Nützlichkeitsdenken geleitete Wissenschaft uns führen würde. [16]

Ich bin der Ansicht, dass es sich auch ohne die "tiefe Überzeugung, man könne durch 'gute' Forschung mehr Aufklärung erzielen als durch schlechte" (REICHERTZ, 2000 [26]) sehr gut handeln und auch in der Wissenschaft ausgezeichnet leben lässt. Wenn man neue, ästhetische Zugänge zu den bisherigen und den neuen Forschungsfeldern sucht, heißt das zudem noch lange nicht, dass man deswegen den Anspruch aufgeben muss, Wissenschaft zu betreiben. Nur hat, wer nicht mit der Akteurfiktion "Wahrheitsnähe" arbeitet, nicht ausschließlich Aufklärung, sondern auch und in erster Linie "Unterhaltung" im Sinne. Wobei das Ziel und die große Kunst ist, allfällige Aufklärung mit der Unterhaltung mitzuliefern. Es geht dabei freilich nicht bloß um die spritzigere Formulierung, aber sicher erreichen gut formulierte Arbeiten größere Akzeptanz in der Öffentlichkeit als Texte, die oft so "knochentrocken, unbeseelt und einschläfernd" daherkommen wie die "Bibel der Mormonen", von der schon Mark TWAIN sagte, sie wäre "gedrucktes Chloroform". [17]

Folgt man diesen Ideen wird auch die Unterscheidung zwischen "fiktiv" und "fiktional" hinfällig. Denn warum sollten "fiktionale" Deutungen – so wie sie REICHERTZ (a.a.O. [29]) versteht im Sinne von "Entwürfen mit guten ästhetischen Gründen" – weniger wissenschaftlich sein als "fiktive" (im Sinne von "Entwürfen mit besseren Gründen")? Ja, im Grunde haben wir es ausschließlich mit "fiktionalen Deutungen" zu tun: SozialwissenschaftlerInnen produzieren Interpretationen (obendrein solche zweiter und dritter Ordnung). Diese Interpretationen sind, wie dies der bekannte Ethnologe Clifford GEERTZ (1999, S.23) für ethnologische Schriften darlegt, "Fiktionen, und zwar in dem Sinn, daß sie 'etwas Gemachtes' sind, 'etwas Hergestelltes' – die ursprüngliche Bedeutung von fictio –, nicht in dem Sinne, daß sie falsch wären, nicht den Tatsachen entsprächen oder bloße Als-ob-Gedankenexperimente wären." [18]

Mit dem Bekenntnis zur Aufhebung jeglicher Akteurfiktionen bzw. zur scheinbaren Beliebigkeit bewegt man sich in dem von REICHERTZ offensichtlich sehr verschmähten weiten Feld postmoderner Forschungsansätze, denen oft gerade diese Beliebigkeit vorgeworfen wird. Niemand wird die Gefahr der Beliebigkeit verkennen dürfen, gleichwohl sollte auch niemand fahrlässig diese Gefahr der Postmoderne für das Ziel der Postmoderne ausgeben. Der Vorwurf der Beliebigkeit bzw. Gleichgültigkeit an die Adresse der Postmodernen ist deshalb so beliebt, weil der Begriff der Postmoderne längst zu einem alles- und nichtssagenden Etikett verkommen ist und sich deshalb ausgezeichnet zur Stigmatisierung anderer eignet. Mit den eigentlichen Ideen der Postmoderne hat man sich gar nicht erst weiter auseinanderzusetzen. Doch das Feststellen einer pluralistischen Gesellschaft heißt noch lange nicht, dass man gleichzeitig die Gleichgültigkeit zum politischen Programm macht. Die postmodernen Denkerinnen und Denker fürchten sich nicht vor der kritischen Vernunft. Sie haben lediglich ihre Zweifel am Projekt der Moderne und setzen an die Stelle des kritischen Vernunftdenkens als totalitäre Metaerzählung das neue Leitbild der Pluralität, ohne damit jedoch alle Meinungen kritiklos gelten zu lassen. Wer Pluralität mit Gleichgültigkeit, Beliebigkeit und Meinungslosigkeit gleichsetzt, hat den eigentlichen Kern des postmodernen Denkens als Ablösung der modernen despotischen Vernunft nicht verstanden. [19]

Im Namen der Postmoderne wurden die Sinnerzeugungsmechanismen der herkömmlichen Hermeneutik, der Auslegungskunst von Texten, in Frage gestellt und alternative Denk- und Lesarten vorgeschlagen. Beim "Nicht-Hermeneutischen" geht es nicht um die Botschaften und deren Sinnangebote, sondern um das Medium, das dem strukturierten Sinn vorgelagert ist. Denn die Form, in der etwas vermittelt wird, ist nicht bloß beiläufiges Zierwerk, sondern wesentlicher Bestandteil des Inhalts. An die Stelle des Inhalts tritt die Ästhetik. Da der Glaube an irgendwelche verbindlichen Ideen zunehmend schwindet, bleibt als Orientierungspunkt in einer immer "sinnloser" werdenden Welt allein die Schönheit. Die Affinität der Postmoderne zu ästhetischen Phänomenen ist äußerlich schon im Alltag festzustellen, vom neuen Styling der Privat- und Konsumsphäre über die neue Rhetorik des Schönen bis hin zu ästhetischen Trends der Freizeitgestaltung. Aber auch in der theoretischen Diskussion war diese Affinität schon von Anfang an deutlich. Die Debatte um die Postmoderne hat ja bekanntlich gerade in den Künsten begonnen und dann über die Architektur allgemeine Resonanz gefunden. Wolfgang WELSCH (1988, S.40ff) – der im deutschsprachigen Bereich wohl bedeutendste Vertreter der Postmoderne, ohne selber auf diese Etikettierung viel Wert zu legen (eines seiner Hauptwerke heißt nicht grundlos "Unser postmoderne Moderne") – meinte schon Ende der achtziger Jahre, dass Ästhetisches der heutigen Sozietät so tief eingeschrieben zu sein scheine, dass ein ästhetischer Zugang die meisten Erkenntnis- und Erfolgsaussichten biete. Selbst im Stammland der Begriffe, in der Philosophie, sei eine bislang unbekannte Dominanz ästhetischer Denkweisen festzustellen. Postmodernes Denken scheine weithin ästhetisches Denken zu sein. Der Grund für die Prominenz ästhetischen Denkens in der Gegenwart dürfte darin liegen, dass heute fast nur noch ästhetisches Denken zum Begreifen der Wirklichkeit in der Lage sei. Es sei zum eigentlich realistischen Denken geworden. Denn in der heutigen Medienwelt sei die Wirklichkeit wesentlich ästhetisch konstituiert. Begriffliches Denken stoße an eine Grenze, seitdem Bilder und Imaginationen leitend geworden seien. Umgekehrt werde ästhetisches Denken kompetent. Der durch die Medien hervorgerufene Wirklichkeitswandel – von einer Wirklichkeit der Konstruktion zu einer der Imagination – verlange den Übergang zu einer anderen Form des Begreifens. Daraus erkläre sich die Dominanz ästhetischen Denkens.7) Wie dieses freilich nicht mehr ganz brandneue Denken auch in den Sozialwissenschaften ein- und umgesetzt worden ist, möchte ich im folgenden Abschnitt an einem Beispiel aus der Geographie kurz illustrieren. [20]

4. Beispiel eines ästhetischen Ansatzes aus der Sozialgeographie

In der (Sozial-) Geographie hat Jürgen HASSE einen ästhetischen Ansatz entwickelt, der ohne Zweifel auch für andere Zweige der Sozialwissenschaften nutzbar gemacht werden könnte. Vor dem Hintergrund der oben skizzierten gesellschaftlichen Entwicklung, in der der "Ästhetisierungsboom" endlich auch wissenschaftlich zur Kenntnis genommen werden müsse, wolle postmoderne Geographie "das Ästhetische" nicht nur zu ihrem Gegenstand machen, also über die beschriebenen Entwicklungen reflektieren und Erklärungen anbieten, sondern über "das Ästhetische" selbst zu einem "Neuen Denken" gelangen. Die Ästhetisierung der Gesellschaft erreiche so das wissenschaftliche Denken und wirke hier folgenreich. HASSE drückt diesen Umstand der Ästhetisierung der Gesellschaft folgendermaßen aus:

Das Ästhetische repräsentiert uns als Paradigma spezifische Aufmerksamkeit gegenüber dem, was an Erwartungen abweicht, was sich einer fertigen Struktur verweigert, was auf Asymmetrie verweist, was für das Andere der Erkenntnis steht. Die Philosophie der Ästhetik spielt heute eine hohe aporetische Rolle, indem sie auf die Notwendigkeit der Erweiterung unserer Erkenntniswege in der Wissenschaft verweist und insbesondere die Wissenschaft mahnt, die Exklusivität der eigenen Welterfassung und -erklärung (...) zu reflektieren (HASSE & ISENBERG, 1993, S.74). [21]

Postmodernes Denken will auf diese Weise rationale Erkenntnis in der Geographie um ein "ästhetisches Erkennen" erweitern. Das "Neue Denken" des ästhetischen Erkennens will die Geographie weniger verändern als um einen neuen Ansatz bereichern. Zum rationalen, logozentrischen Erkennen soll sich die ästhetische Erkenntnis gesellen. Das Ästhetische wird von HASSE umschrieben mit "dem Emotionalen, dem Sinnlichen, dem Künstlerischen und dem Anderen des Verstandes und der Sprache". So gefasst, tangiert es "unser gesamtes Tun (als Handeln wie als Verhalten) auf allen individuellen und gesellschaftlichen Aktionsebenen" (a.a.O., S.11). Ästhetisches Erkennen ist demnach weniger auf das argumentative Herleiten, Belegen und Überzeugen angelegt, sondern vielmehr auf das nachfühlende Verstehen. Es steht für das "Andere der Erkenntnis", für Emotionalität und sinnliche Erfahrung. [22]

Der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn einer solcherart betriebenen Geographie liegt dabei nicht in der Wissensproduktion, das heißt in der Erklärung eines Gegenstandes aus seinem Funktionszusammenhang und seiner inneren Strukturierung. Mit diesem Ansatz ist vielmehr ein "Emanzipationsversprechen" verbunden. So weist HASSE an mehreren Stellen immer wieder auf die Möglichkeit von Emanzipation durch Ästhetik hin. Deshalb ist sein ästhetischer Ansatz auch mit dem Anspruch verknüpft, herauszufinden, "welche Bedeutungsspielräume sich für die Individuen im Prozess der ästhetischen Produktion und Reproduktion (...) aus den Strukturen der Lebenswelt (...) anbieten", so HASSE (1993, S.27) in seinem Buch "Heimat und Landschaft. Über Gartenzwerge, Center Parcs und andere Ästhetisierungen". Darin beschäftigt er sich primär mit der Frage, inwieweit Landschaftserlebnisse trotz des tiefgreifenden Wandels des menschlichen Wahrnehmungsvermögens, den wir bereits mitmachen, heutzutage überhaupt noch möglich sind. [23]

Dabei räumt HASSE ein, dass die postmodernen Ästhetisierungen der Umwelten, Stadträume etc. immer zwei Seiten haben. Auf der einen Seite können sie einschläfern, narkotisieren, das Individuum systemfunktional herrichten. Die Diagnose vom Ästhetisierungsrausch untermauert HASSE mit einigen Beispielen, lässt sie jedoch nicht in ihrem radikalen Kulturpessimismus stehen. Als Fiktionen, die an Umweltstrukturen gebunden sind, die allen zugänglich sind, erwähnt er die Beispiele Gärten, Center-Parks, Euro-Disney und Werbung. Des weiteren beschreibt er zwei futuristische Planungen, die den Bogen historischer Aktualität und individueller Erfahrbarkeit überspannen und zwischen Science-Fiction und dinglich-materieller Welt angesiedelt sind: synthetisch hergestellte Umwelten. Es handelt sich konkret um die beiden in Japan entworfenen Visionen extraterrestrischer Stationen und unterirdischer urbaner Systeme, mit denen HASSE zeigen kann, dass infolge der Anwendung neuer Technologien auch neue Maßstäbe für die "Erreichbarkeit" von Heimat über die technische Reproduktion von Natur gesetzt werden können. [24]

Die postmodernen Ästhetisierungen der Umwelt können auf der anderen Seite aber auch Emanzipation versprechen und diese erst möglich machen. Die Bilder, die im Prozess der Ästhetisierungen produziert werden, bringen ein Eigenleben hervor, ihre Effekte sind nicht mehr vom Bildproduzenten selbst zu steuern. Darin sieht HASSE (a.a.O., S.64) ein Emanzipations- und Subversionspotential des Ästhetischen in der Postmoderne verborgen:

Mit der Aussetzung der Bilder beginnt ein unkontrollierbarer Prozess der Aneignung, beginnt – zumindest der Möglichkeit nach – ein Prozess der mimetischen Gestaltung. Diese Handlungsressource ist ein Potential der Subversion. Wohin ein Bild, ist es erst einmal präsentiert, verwandelt wird, in welche Wirklichkeit seine (Nach-) Bilder eingestreut werden, unterliegt nicht mehr der Herrschaft der Autoren. Mit der Entdeckung der Bildhaftigkeit der Bilder wird jeder zum Autor. [25]

Es ist also einerlei, wer welche Bilder von Landschaften auf den erstellten "Bühnen" (zum Beispiel Center-Parks) findet und inkraftsetzt. Die Codierung der noch so vorstrukturierten Bilder ist formaler Art und inhaltlich völlig leer. Wenn mit Hilfe der Einbildungskraft der Nutzer diese Bilder Türen öffnen können, wäre letztlich auch Mimesis – verstanden als eine nachschaffende und darin zugleich verändernde Kraft, die auf "Verschönerung" und "Verbesserung" abzielt – möglich. Im Medium des Imaginären könnte dann die vorgegebene Bühne neu besetzt werden. [26]

Das Allgemeine, das in den von HASSE beschriebenen Beispielen, auf die hier nicht im Detail eingegangen werden soll, zugrunde liegt, "ist die Einführung einer neuen Distanz zu einer Welt der Erfahrungen und Erlebnisse, die noch in der Gegenwart mit dem Glauben an eine unmittelbar erfahrbare, originale, dinglich-materielle Welt fest verbunden ist" (a.a.O., S.74).8) HASSEs Plädoyer für einen – wie er es nennt – nicht einseitigen, nicht "logozentrischen" Zugang zur Realität, sein Eintreten für das "Andere der Erkenntnis", für die Berücksichtigung von Emotionalität und sinnlicher Erfahrung im Erkenntnisprozess, lässt in der Tat die Grenzen zwischen Wissenschaft und Kunst zum Verschwinden bringen. Gerade dies ist bekanntlich eines der Ziele postmoderner Wissenschaft: Im Vordergrund postmoderner Sozialwissenschaft steht nicht die wissenschaftliche Erklärung von Ausschnitten der Realität, sondern die sinnschaffende Funktion des Interpretierens, um "Schönheit" und "Wahrheit", "gelingende Umweltaneignung", "Emanzipation", "Selbstvergewisserung" usw. zu ermöglichen. [27]

Soweit also ein Beispiel um zu zeigen, wie die allgemein beobachtbare Ästhetisierung der Gesellschaft auch in der Wissenschaft ein neues Denken, neue Zugänge zur "Realität" eröffnen könnte. Dies ist jedoch lediglich die eine Seite der Medaille. Die andere ist – wie bei allen Ansätzen – das Resultat dieses Zugangs. Die nicht minder schwierige Aufgabe besteht darin, wie die Ergebnisse solcher Forschungen dargestellt werden sollen. Deshalb möchte ich abschließend nochmals auf mögliche, meiner Ansicht nach vielversprechende Alternativen zu den gängigen wissenschaftlichen Darstellungsformen und Schreibweisen eingehen. [28]

5. Grundlinien, Konsequenzen und Chancen einer postmodern orientierten Sozialwissenschaft

In einem Beitrag in der Zeitschrift Society and Theory plädiert der Soziologe Michael Peter SMITH (1992) für eine "postmoderne Ethnographie" als sozialwissenschaftliche Methode, welche nicht vorgibt, wissenschaftliche Wahrheit zu finden. Ja, sie ist nicht einmal Teil des Diskurses des separaten Sprachspiels, das "Wissenschaft" genannt wird. Im Gegenteil, in Stil, Methode und Haltung versucht sie auf absichtsvoll provokative Weise, die binären Gegensätze der Moderne von Makro- und Mikroanalyse, Struktur und Handlungsvermögen (agency), Objektivierung und Subjektivierung sowie Wissenschaft und Kunst aufzuheben. In ihrem Bemühen, die Lücke zwischen Kunst und Sozialwissenschaft zu schließen, verwendet die postmoderne ethnographische Schreibweise aus dem Bereich der Literatur expressive Stilmittel wie Rhetorik, Metapher, Subjektivität und Erzählung, welche die neuzeitliche Wissenschaftsauffassung radikal vom akademischen Diskurs getrennt hat. Der postmoderne Ethnograph ist so etwas wie ein Übersetzer bzw. Vermittler zwischen der Welt der sozialen Praxis und der Art, wie dieses soziale Geschehen im Alltag von den Leuten interpretiert und erzählt wird. Ein Hauptanliegen der postmodernen Ethnographie ist es, mit experimentellen literarischen Techniken wie Ironie, Reportage, Collage und Montage die soziokulturellen Konstrukte, wie sie in erzählter Realität zum Ausdruck kommen, explizit zu machen. In postmodernen Texten entzieht die ironische Einklammerung eines Sachverhaltes modernistischen Absolutheitsansprüchen ihre Grundlage. Sie ermöglicht Distanz und bricht Eindeutigkeit zugunsten von Polyvalenz auf. Polyvalenz wird auch durch Intertextualität hergestellt. Damit ist gemeint, dass sich Texte aufeinander beziehen, dass sie Anspielungen machen. Neben dem expliziten Zitieren verweisen postmoderne Texte auch indirekt auf andere Texte, durch Anspielungen, Persiflagen, Imitationen. [29]

Gemäß der Grundannahme postmoderner Analyse, daß es alle Arten von Ordnungen und Systemen in unserer Welt gibt, die wir zudem alle selber schaffen und die nicht "außerhalb" für sich bestehen, gegeben, unveränderlich, universal und ewig sind, ist die postmoderne Ethnographie ein ausdrücklich oppositionelles Projekt. Es nimmt Abschied von der "Fiktion der Objektivität", indem es die Ansicht verneint, dass die Forschenden einen objektiven, wissenschaftlichen Standpunkt außerhalb soziokultureller Prozesse einnehmen können. Objektivität bzw. Eindeutigkeit wird als eine zementierte Beliebigkeit betrachtet. Und dennoch besteht es paradoxerweise darauf, dass die ForscherInnen die gelebten Widersprüche von größeren sozialen Systemen intersubjektiv erfahren können, da diese in den sozialen Beziehungen und der Alltagspraxis des ethnographischen Subjekts enthalten sind. In diesem Sinne ist die Ethnographie so "objektiv" wie jede andere Wissenschaft auch.9) Es handelt sich einfach um eine andere "wissenschaftliche" Sprache, denn Wissenschaft war schon immer "eine bestimmte Art zu denken" und nie einfach nur eine Technik, um Daten zu gewinnen. [30]

Wie Bernd VAASSEN (1996, S.224ff.) in seinem Buch "Die narrative Gestalt(ung) der Wirklichkeit. Grundlinien einer postmodern orientierten Epistemologie der Sozialwissenschaften", auf das ich mich im folgenden beziehe, ausführt, ist sich eine postmodern orientierte Sozialwissenschaft bewusst, dass sie ausschließlich in sprachlichen Bedeutungszusammenhängen operiert und diese nicht überschreiten kann. Gestalten, Denken und Handeln sind untrennbar und finden unhintergehbar in der Sprache statt. Wissen ist von sprachlicher Ausdrucksmöglichkeit nicht zu trennen. Dies gilt für den berühmten "Mann auf der Straße" ebenso wie für den Wissenschaftler. Eine postmodern orientierte Sozialwissenschaft ist sich bewusst, dass sie keinen privilegierten Zugang zu Wissen besitzt, sondern in die Bewegung der narrativen Transformation eingebunden ist. Auch sie erzählt Geschichten über Geschichten, ohne sich auf einen Ursprung berufen zu können. Das bedeutet auch, dass SozialwissenschaftlerInnen keine Kontrolle über die Bedeutung ihrer Theorien und Forschungen beanspruchen können. Die Sinngebung ist im wesentlichen ein soziales Produkt und findet in der Sprache statt. [31]

Wenn das postmoderne Denken als Freiraum verstanden wird, in dem viele mögliche Geschichten erzählt werden können, dann ist eine Einschränkung der Zulässigkeit a priori dessen, was als Wissen oder Argument gelten darf, nicht akzeptabel. In einer postmodern orientierten Sozialwissenschaft ist Gültigkeit keine methodologische Frage, sondern das lokale Produkt einer Gemeinschaft von Wahrheitssuchern. Postmodernes Denken mit seiner Betonung des Dissenses zielt darauf ab, den narrativen Charakter von Wissen, seine historische und kulturelle Bedingtheit, deutlich zu machen und alternative Sichtweisen anzuregen. Wobei der Erfolg solcher Darstellungen weniger auf Wahrheitskriterien beruht, sondern hauptsächlich von der Fähigkeit des Schreibenden abhängt, ob dieser seine LeserInnen dazu animieren kann, seinen Gedanken zu folgen und zu eigenen Reflexionen zu kommen. Dies bedeutet keine grundsätzliche Zurückweisung wissenschaftlicher Methoden. Jede Methode kann angewendet werden, solange sie der ForscherIn ermöglicht, mit der Untersuchung in die gewünschte Richtung weiterzukommen. [32]

Da das postmoderne Denken die Möglichkeit positiven Wissens grundsätzlich ausschließt, nimmt es dem wissenschaftlichen Wissen seinen absoluten Charakter und betrachtet es auf neue Weise in seinen narrativen Bezügen. Ziel dieser neuen Betrachtungsweise ist eine Stimulation der Diskussion alternativer Sichtweisen. Dies bedeutet aber nicht, dass das bestehende Wissen irrelevant würde. Darin unterscheidet sich gemäß VAASSEN das postmoderne Denken grundsätzlich von der Wissensphilosophie der Moderne. Der Anspruch der WissenschaftlerInnen auf einen überlegeneren Zugang zum Wissen über die Wirklichkeit erscheint kaum noch begründbar. Wirklichkeit ist ein Produkt einer epistemologischen Gemeinschaft. Die Ausschließung der "Praktiker" und ihrer Geschichten durch die Gemeinschaft der professionell "Wissen-Schaffenden" hat im Bewusstsein der Postmoderne keine Legitimation mehr. [33]

Daraus lassen sich zwei mögliche Aufgaben für SozialwissenschaftlerInnen ableiten. Eine erste besteht darin, den "Untersuchungsobjekten" die Möglichkeit zu geben, in ihren eigenen Worten ausführlich von ihrer eigenen Geschichte, über Zusammenhänge in ihrer spezifischen sozialen Wirklichkeit zu erzählen – ihnen also sozusagen ein Forum zu bieten.10) Zweitens sollten sie versuchen, dieses Wissen und diese Geschichten auf möglichst leserfreundliche Weise darzustellen und weiterzuvermitteln (und durchaus auch kritisch zu hinterfragen). Damit kann meiner Meinung nach interessierten wissenschaftlichen und nicht-wissenschaftlichen Lesenden einen leichteren und meist auch unterhaltsameren Zugang in den sozialen Bereich einer beschriebenen Gruppe ermöglicht werden als mit den üblicherweise zum Zuge kommenden, meist eher trockenen und nüchternen Darstellungsformen wissenschaftlicher Ergebnisse. Wie oben erwähnt sind so arbeitende WissenschaftlerInnen so etwas wie VermittlerInnen zwischen der Welt der sozialen Praxis und der Art, wie diese soziale Praxis von den Leuten gedeutet und erzählt wird. Da die Allgemeinheit ein Recht hat, über Aufgabe, Sinn und Erfolg der von ihr finanzierten Forschungen informiert zu werden, müssen WissenschaftlerInnen Wege finden, mit ihren Resultaten an die Öffentlichkeit zu kommen.11) Das Wissen muss popularisiert werden (etwa in Form journalistischer Beiträge). JedeR WissenschaftlerIn sollte sich ohne schlechtes Gewissen der Öffentlichkeit stellen können. Damit soll nichts gegen die zentrale Forderung nach Qualitätssicherung gesagt sein. Die Qualität jeder wissenschaftlichen Arbeit sollte benennbar sein. Es ist jedoch fraglich, ob dies mit einem nach "harten" Kriterien definierten Vergleichssystem zu erreichen ist. [34]

Anmerkungen

1) In der Schweiz ist allerdings ein dieser Entwicklung diametral völlig entgegengesetzter Trend feststellbar: Von den Ende 2000 von Bund bewilligten zehn Nationalen Forschungsschwerpunkten (NFS) in der Höhe von 126 Millionen Franken kommen fünf aus dem Bereich der Life Sciences, also Projekte aus der medizinischen Forschung und der Biotechnologie, und kein einziges aus dem Bereich der Sozial- und Geisteswissenschaften. Der Forschungsrat begründete den Entscheid mit der angeblichen Rückständigkeit der Geisteswissenschaften in der Schweiz, womit gemeint ist, dass sie zu wenig leisten und international nicht konkurrenzfähig sind. In der Zwischenzeit (Februar 2001) hat der Bundesrat dem Parlament allerdings eine Aufstockung der NFS-Gelder um 35 Millionen auf 161 Millionen Franken beantragt. Die Zahl der NFS soll auf 14 erhöht werden. Unter den neu bewilligten NFS befindet sich nun eines aus den Sozialwissenschaften. Immer noch leer gehen jedoch die Geisteswissenschaften aus. <zurück>

2) In der Regel kann davon ausgegangen werden, dass jedeR seine Arbeit so gut macht, wie er sie eben kann. Ein – nicht nur in der Wissenschaftswelt, aber vielleicht dort noch etwas häufiger als anderswo – beobachtetes Phänomen ist jedoch, dass sich viele über alle Maßen wichtig nehmen und der Ansicht sind, niemand könne ihre Arbeit so gut machen wie sie selber. Was natürlich ein Irrtum ist. Die Wahrheit ist, dass sich wohl die meisten Arbeiten besser machen ließen. <zurück>

3) Der Bielefelder Konfliktforscher Wilhelm HEITMEYER spricht Klartext: Wenn sich die Sozialwissenschaften nicht häufiger in die Öffentlichkeit hinauswagten, "dann geht es ihnen an den Kragen". – Über die Krise der Humanwissenschaften vgl. auch die Zeit-Beiträge von BÖHME (2000), GREFE (2000), aus dem auch das Zitat von HEITMEYER stammt, THADDEN (2000), FRÜHWALD (2000) und ASSHEUER (2000). <zurück>

4) In der Regel sind die zugesprochenen Forschungsgelder ja selten sehr üppig, was das schlechte Gewissen bei fehlenden Erfolgen ebenfalls schmälern sollte. Abgesehen davon: Ist schon jemals ein hoch dotierter Manager tatsächlich zur Rechenschaft gezogen worden, selbst wenn er eine Firma in den Ruin gewirtschaftet hat? In der Regel erhalten diese ja oft noch eine meist mehr als fürstliche Abfindung. <zurück>

5) 1997 beispielsweise ging dieser Preis in der Meteorologie an Bernard Vonnegut mit seiner Forschungsarbeit "Der Rupfzustand von Hühnern als Bestimmungsmaßstab für Tornado-Winde". Der Ig-Nobelpreis für Medizin ging denkbar knapp an die Amerikaner Carl Charnetski und Francis Brennan mit ihrer Studie über die verstopfte Nase. Darin proklamierten sie, dass die Rieselmusik in Fahrstühlen und Kaufhäusern den Schnupfen kuriere, weil das Klanggedudel die Produktion von Immunglobulin A stimuliere. Zwei britische Forscher, die sich mit den Folgen von "elektrischen Stimulationen des Analmuskels bei Einläufen" beschäftigt hatten, gingen leer aus. Den Ig-Nobelpreis für Biologie schließlich erhielt ein japanischer Professor für seine "Hirnstrom-Messungen an Kaugummikauern beim Wechsel zu Kaugummis anderer Geschmacksrichtung". Für die wissenschaftlichen Studien über die Flatus-Frequenz beim asiatischen Wasserbüffel (hoch), das Pilzwachstum am mitteleuropäischen Männerfuß (sehr hoch) oder den Wurmbefall von Grottenolmen (gottlob niedrig) gab es keine Preise. <zurück>

6) Lässt sich eine undankbare Position vorstellen als darüber zu entscheiden, welche Arbeit von Nutzen ist und welche nicht? <zurück>

7) Auf diese Ideen haben viele Intellektuelle, die sich einen ideologischen und sprachlichen Deutungspanzer zugelegt haben, mit größter Abwehr reagiert. Sie haben Angst vor der Dekonstruktion als Destruktion. Andererseits ist die insbesondere von linken Denkerinnen und Denkern an der postmodernen Tendenz zur politischen Beliebigkeit angebrachte Kritik sicher nicht ganz ungerechtfertigt. In der Tat scheint nach dem Ende aller Ideologien Widerstand nur noch durch ästhetische oder diskursive Subversion möglich, nicht mehr aber durch politisches Handeln. <zurück>

8) Neben HASSE setzte sich in der deutschsprachigen Geographie auch Jürgen STRASSEL für das Neue Denken des ästhetischen Erkennens ein. Ohne die Mittel und Intentionen der Raumgestaltung zu verstehen, so STRASSEL (1994, S.244), "lassen sich die durch sie beeinflußten Stadtentwicklungsmaßnahmen nicht mehr befriedigend erklären. Die sozialgeographische Analyse ist um die Dimension der ästhetischen Erkenntnis zu erweitern." Sowohl HASSE als auch STRASSEL sehen in der Produktion, Funktion und Rezeption postmoderner Architektur den wesentlichen Schwerpunkt einer räumlichen Wirkungsweise des Ästhetischen, in dem die räumliche Umwelt "semantisch völlig neu aufgeladen" wird. STRASSEL beschreibt dieses Phänomen am Beispiel von vier neu gestalteten Plätzen in Barcelona und zwar aus der Sicht eines Beobachters, der die vorhandenen oder vermeintlichen ästhetischen Qualitäten eines städtischen Platzes auf sich wirken lässt und in der Reflexion zu systematisieren sucht. Unabdingbare Voraussetzung des ästhetischen Erkennens ist nach STRASSEL das Erlernen des absoluten Geltenlassens von Subjektivität als alleiniger Erkenntnishaltung. Nur so lasse sich das ästhetische Gefühl jenseits von Klischees und Gemeinplätzen als "Empfinden individueller Gewissheit" erleben. <zurück>

9) Diese Form von Ethnographie hat selbstverständlich nur noch den Namen gemein mit der bereits im 18. Jahrhundert in Deutschland entwickelten Disziplin, die sich ohne ausgeprägte theoretische Erkenntnisinteressen der Beschreibung primitiver Gesellschaften widmete. <zurück>

10) Wozu sich selbstverständlich ausschließlich qualitative Methoden wie beispielsweise das Life-Story-Interview anbieten. <zurück>

11) Andererseits hat, wie der Literaturprofessor und Schriftsteller Peter von MATT kürzlich in einem Interview zu Recht bemerkt hat, "die Wissenschaft auch ein Recht, von der Gesellschaft und von der Politik differenziert wahrgenommen zu werden" (MATT & HAERLE, 2001, S.2). <zurück>

Literatur

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Zum Autor

Andreas HUBER

Disziplin: Geographie

Forschungsschwerpunkte:

  • Altersmigration von der Schweiz nach Spanien

  • Identität, Natur und Landschaft in postmodernen Gesellschaften

  • Öffentlicher Raum und virtuelle Realitäten

Kontakt:

Dr. Andreas Huber

Universität Zürich
Geographisches Institut
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Zur Zeit tätig in:

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E-Mail: A.Huber@ua.es

Zitation

Huber, Andreas (2001). Die Angst des Wissenschaftlers vor der Ästhetik. Zu Jo Reichertz: Zur Gültigkeit von Qualitativer Sozialforschung [34 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum Qualitative Social Research, 2(2), Art. 1, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs010210.

Revised 3/2007



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