Volume 9, No. 3, Art. 29 – September 2008

Wilhelm Wundts Interpretationslehre

Jochen Fahrenberg

Zusammenfassung: Wilhelm WUNDT gilt als Pionier der experimentellen und physiologischen Psychologie. Nahezu vergessen ist dagegen seine Interpretationslehre. WUNDT hatte die Psychologie als eine empirische Geisteswissenschaft definiert und hatte sich in seiner Forschung und in seinen Büchern für die beiden fundamentalen Methodentypen eingesetzt: das Experiment (zur kontrollierten Selbstbeobachtung) und die Interpretation geistiger Prozesse und Werke. Er war Experimentalpsychologie und Hermeneutiker zugleich. Er wird vielleicht noch als Autor der umfangreichen Völkerpsychologie gesehen, jedoch ohne seine progressive Epistemologie und Methodologie.

Das spätere Werk, die Logik (1908/1921), enthält auf ca. 120 Seiten eine Interpretationslehre, aus der hier einige Prinzipien zitiert werden. Bemerkenswert sind auch die Absicht, die psychologischen Elemente und die logischen Operationen im hermeneutischen Prozess zu analysieren sowie die Grundsätze der Methodenkritik. Für die Psychologie forderte WUNDT einen Methodenpluralismus und eine als komplementär zu verstehende Betrachtung von Bewusstseinsvorgängen und neurophysiologischen Prozessen.

In diesem Beitrag wird von WUNDTs Wissenschaftskonzeption ein Bogen zur Gegenwart und zur fortdauernden Auseinandersetzung über methodologische Positionen geschlagen. Über die Gründe der einseitigen oder verzerrten Rezeption seiner Methodologie gibt es unterschiedliche Hypothesen. Jedenfalls fehlt in der universitären Grundausbildung der Psychologen und Psychologinnen in Deutschland weithin die Interpretationsmethodik, statt – wie die experimentelle Versuchsplanung, Beobachtungsmethoden und Statistik – zum Pflichtprogramm zu gehören.

Keywords: Hermeneutik; Interpretation; Interpretationslehre; Komplementaritätsprinzip; psychophysischer Parallelismus; Qualitätskontrolle; Studium der Psychologie (Curriculum); Wilhelm Wundt; Wissenschaftskonzeptionen der Psychologie

Inhaltsverzeichnis

1. WUNDTs perspektivische Wissenschaftskonzeption der Psychologie

2. Die Interpretationslehre

3. Die Prinzipienlehre (Prinzipien der psychischen Kausalität)

4. Epistemologie

5. Anwendung

6. Rezeption

7. Gegenwartsbezug

Anmerkung

Literatur

Zum Autor

Zitation

 

1. WUNDTs perspektivische Wissenschaftskonzeption der Psychologie

Vielen Psycholog/innen und auch Sozialwissenschaftler/innen, die von Wilhelm WUNDTs Bedeutung als Experimentalpsychologe und Gründer der eigenständigen Disziplin Psychologie wissen, wird es seltsam vorkommen, Wilhelm WUNDT nun auch als Hermeneutiker zu begegnen. Dieser scheinbare Widerspruch löst sich auf, wenn nachvollzogen wird, dass WUNDT die Psychologie als eine empirische Geisteswissenschaft definierte und einen Methodenpluralismus forderte (vgl. FAHRENBERG 2008a; JÜTTEMANN 2006, 2007a, 2007b; insbesondere MEISCHNER-METGE 2006; SCHMIDT 1995). [1]

Die folgende Darstellung leistet keine Rekonstruktion von WUNDTs herausragender Interpretationslehre oder seiner Prinzipienlehre der Experimentalpsychologie. Dies steht weiterhin aus und ist – im Rahmen der damaligen und der heutigen Wissenschaftstheorie und Methodologie – eine gewiss sehr anspruchsvolle Aufgabe. An dieser Stelle können jedoch Zitate und Hinweise an seine umfassende Sichtweise erinnern, zur Lektüre anregen und auch fragen lassen, weshalb gerade WUNDTs Wissenschaftskonzeption der Psychologie heute weitgehend vergessen ist bzw. einseitig dargestellt oder völlig ausgeklammert wird. [2]

Bereits in seinem ersten Buch zur Psychologie stellte WUNDT (1862) fest:

"Es sind zwei Wissenschaften, die in dieser Hinsicht der allgemeinen Psychologie zu Hülfe kommen müssen: die Entwicklungsgeschichte der Seele und die vergleichende Psychologie. Jene hat die allmälige Ausbildung des Seelenlebens beim Menschen zu verfolgen, diese hat die Verschiedenheiten desselben darzustellen in der Thierreihe und in den Völkerracen des Menschengeschlechts. […] So werden wir, von welcher Seite wir auch eine psychologische Untersuchung in Angriff nehmen mögen, immer wieder auf den Punkt zurückgeführt, von dem wir ausgingen, auf die Verbesserung der Methodik" (S.XVI). [3]

WUNDT überlegte anschließend, wieweit die experimentelle Methodik auch im rein psychologischen Gebiet reichen könnte und glaubte mit Hinweis auf FECHNERs Psychophysik, dass "vorerst die sinnliche Seite des Seelenlebens der experimentellen Untersuchung die weiteste Aussicht gewährt" (S. XXIX). Ein weiteres Vordringen würde sich dann von selbst ergeben, doch müsse die Erfahrung zeigen, wie weit diese experimentelle Methodik reiche. – Hier ist anzumerken, dass Experiment bei WUNDT in der Regel kein physiologisches Experiment und kein Verhaltensexperiment im heutigen Sinne meint, sondern grundsätzlich nur die experimentelle Anordnung, die eine präzise, geschulte und kontrollierte Selbstbeobachtung von Bewusstseinsvorgängen ermöglicht. [4]

Die Vorlesungen über die Menschen- und Thierseele im Jahr 1863 enthalten bereits mehr oder minder ausführlich alle inhaltlichen Interessengebiete WUNDTs und die Überlegungen, aus denen in der Folgezeit seine Erkenntnislehre und Methodenlehre entstanden. Durch WUNDTs Werk zieht sich der Grundgedanke, dass der wissenschaftlichen Psychologie zwei einander ergänzende Forschungswege möglich sind: das Experiment und die "völkerpsychologische" Methode: "Demnach verfügt die Psychologie, ähnlich der Naturwissenschaft, über zwei exakte Methoden: die erste, die experimentelle Methode, dient der Analyse der einfacheren psychischen Vorgänge; die zweite, die Beobachtung der allgemeingültigen Geisteserzeugnisse, dient der Untersuchung der höheren psychischen Vorgänge und Entwicklungen" (WUNDT 1920, S.30). [5]

Ein tiefreichender Bruch der Wissenschaftskonzeption der Psychologie – wie im Werk mancher anderer Psycholog/innen – kann für WUNDT nicht behauptet werden, wohl aber ein Wandel der Interessenschwerpunkte. Am deutlichsten ist noch, dass er seine anfänglich sehr optimistische Einschätzung von Experiment und Messung relativierte und schrittweise seine neue Prinzipienlehre und die Interpretationslehre entwickelte. [6]

Wieder und wieder betonte WUNDT: Die Psychologie ist eine empirische Geisteswissenschaft, sie hat eine methodische Grenzstellung und damit auch Vermittlerrolle zwischen Geistes- und Naturwissenschaften. Die Psychologie ist für ihn die allgemeine Grundlagendisziplin aller Geisteswissenschaften (die Philologie ist die spezielle Grundlagendisziplin), denn durch psychologische Analyse und Abstraktion wird die Anwendung der vergleichenden Methode geregelt. Dieser Geltungsanspruch ist bemerkenswert. [7]

WUNDT schilderte zwar die Methodik der experimentellen Psychologie in vielen seiner Bücher, jedoch nicht zusammen mit der Methodik der Interpretation. Dies geschah erst verhältnismäßig spät und hat deswegen wahrscheinlich zu einer oft einseitigen Rezeption geführt. Im Vorwort der 1. Auflage seiner Logik schrieb er 1883 entschuldigend: "Die Entstehungsweise meiner Arbeit brachte es mit sich, daß die allgemeine Methodenlehre, obgleich der systematische Zweck ihren Vortritt verlangte, dennoch fast zuletzt ausgeführt wurde …" (S.VI). Die Erstauflage enthielt nur knapp dreißig Seiten zur Psychologie. Fast als Alterswerk, fügte er 1906-1908 in die 3. Auflage seiner nun dreibändigen Logik (mit dem langen Untertitel Eine Untersuchung der Prinzipien der Erkenntnis und der Methoden Wissenschaftlicher Forschung. Band 3. Logik der Geisteswissenschaften) ca. 120 Seiten über die Prinzipien und Methoden der Geisteswissenschaften und weitere ca. 180 Seiten über die speziellen (experimentellen) Methoden der Psychologie ein.1) [8]

2. Die Interpretationslehre

In seiner allgemeinen Methodenlehre der Geisteswissenschaften erläuterte WUNDT den Begriff Interpretation:

"Als die Hauptaufgabe der Wissenschaften, deren Objekte geistige Vorgänge und geistige Erzeugnisse sind, betrachten wir es, daß sie uns diese Objekte verstehen lehren. Die Methode aber, die ein solches Verständnis vermitteln soll, nennen wir die Interpretation. Nach ihrer ursprünglichen Bedeutung setzt diese, ebenso wie die synonymen Begriffe der Hermeneia und der Exegese, zwei erkennende Subjekte voraus, den Interpreten, der das Verständnis des Objektes besitzt, und den Hörer oder Leser, dem es durch jenen vermittelt wird. Indem die Aufgaben der Interpretation sich erweiterten und vertieften, mußte aber mehr und mehr der Schwerpunkt dieser vermittelnden Tätigkeit in die vorbereitenden Erkenntnisfunktionen des Interpreten verlegt werden, durch die dieser zunächst für sich selbst das Verständnis dessen gewinnt, was er dann nachträglich auch andere verstehen lehrt" (1921, S.78). [9]

WUNDT bezog sich durchaus auf die Tradition der geisteswissenschaftlichen Hermeneutik, wobei er auch Friedrich SCHLEIERMACHER (1838) und dessen Begriff und Einteilung der philologischen Kritik erwähnte. Stärker scheint er sich jedoch an dessen Schüler, den Philologen August BOECKH (1877), sowie den Altertumswissenschaftler Friedrich BLASS (1886) anzulehnen, wie ein Vergleich der Grundbegriffe und der Gliederung anzeigen. – Wenn WUNDT sich methodische Prinzipien der philologischen und historischen Hermeneutik zu eigen machte, vom hermeneutischen Zirkel und von hermeneutischen Problemen schrieb, wollte er zugleich darlegen, dass der Interpretationsprozess in seiner typischen Hin- und Herbewegung außer den logischen und fachspezifischen Elementen grundsätzlich auch psychologische Faktoren enthält. Die "Erkenntnisfunktionen des Interpreten" sind zu analysieren. [10]

In der Interpretation sieht WUNDT (1921, S.78) also die typische Methode der Geisteswissenschaften. "Als Interpretation bezeichnen wir daher allgemein den Inbegriff der Methoden, die uns ein Verständnis geistiger Vorgänge und geistiger Schöpfungen verschaffen sollen." Die Interpretation beginnt induktiv, geht von der psychologischen Analyse der inneren Struktur unserer psychischen Erfahrung aus und schreitet durch Analyse, Subsumtion, Analogie, Abstraktion und Deduktion fort mit dem Ziel des Erklärens und des Verstehens.

"Die Natur wollen wir erklären … […]. Die Erscheinungen aber, die uns entweder unmittelbar als geistige Vorgänge gegeben sind, oder die wir nach bestimmten objektiven Merkmalen auf solche beziehen, wollen wir nicht bloß erklären, sondern auch verstehen. Erklären wollen wir sie nicht weniger wie die Naturerscheinungen. Wir wollen begreifen wie sie untereinander und mit den Naturerscheinungen zusammenhängen" (S.79).

"Mögen nach den besonderen Bedingungen der Untersuchung die Interpretationsmethoden noch so sehr abweichen, dadurch daß einzelne Bestandteile des allgemeinen Verfahrens ganz gegen andere zurücktreten, oder daß, wie bei der Herbeiziehung statistischer Vergleichungen, Hilfsmethoden erfordert werden: daran ist stets das Objekt als ein den Geisteswissenschaften zugehöriges zu erkennen, daß die Untersuchung schließlich auf eine psychologische Analyse hinausführt, mittels deren allein der Endzweck jeder Interpretation, ein mit der Erklärung sich verbindendes Verstehen des Gegenstandes erreicht werden kann“ (S.94). [11]

Die Aufgabe der Interpretation besteht darin,

"daß sie geistige Vorgänge und geistige Schöpfungen teils durch Subsumtion unter bereits vorhandene Erkenntnisse, teils durch die Ausdehnung dieser letzteren auf neue, ihnen analoge Inhalte zu erklären und zu verstehen versucht. Der Subsumtions- und der Analogieschluss sind so die beiden logischen Fundamentaloperationen des Interpretationsverfahrens" (S.84). [12]

Im Prinzip des hermeneutischen Zirkels sah WUNDT keine eigenständige Denkmethode, sondern die Kombination zweier Aufgaben, d.h. Subsumtion unter Bekanntes sowie Erkenntnis neuer Tatsachen, die sich in der Regel durchkreuzen (S.83). WUNDT bestand darauf, dass erklärende und verstehende Methodik logisch nicht grundverschieden sind, er wies deshalb Wilhelm DILTHEYs Version des methodologischen Dualismus zurück: Es sei falsch, dass Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften eine "total verschiedene logische Grundlage haben" (S.80). Ursprünglich hatte sich DILTHEY (1883, S.136; 1894) bei seiner Abgrenzung von Erklären und Verstehen auch durch WUNDT angeregt gesehen. [13]

Die Interpretationsmethodik der Geisteswissenschaften wird von mehreren Prinzipien geleitet. Dazu gehört das Prinzip der subjektiven Beurteilung, d.h. das bewusste, planmäßige Hineinversetzen des Subjekts in die Objekte, wobei die Fehler einer zu individualistischen Auffassung vermieden werden müssen, also die "Neigung des Beobachters, seine eigene individuelle Persönlichkeit in die Objekte hineinzudeuten" (WUNDT 1921, S.28), und das unhistorische Anlegen von Maßstäben einer anderen Zeit. "Die psychologische Analyse objektiver geistiger Vorgänge und geistiger Erzeugnisse fordert daher neben dem Hinübertragen des eigenen subjektiven Bewusstseins stets zugleich ein Umdenken der eigenen Persönlichkeit nach den dem Beobachter entgegentretenden äußeren Merkmalen" (S.61). Das Prinzip der Abhängigkeit von der geistigen Umgebung verlangt, nach dem geistigen Medium, das die Erzeugnisse bzw. handelnde Persönlichkeit umgibt, zu fragen, um Einflüsse, Geschehen und Handlungen der einzelnen wie der Gemeinschaften verstehen zu lernen. Die Beschäftigung mit Einzelpersönlichkeiten und Biografien demonstriere die mögliche "Vielfalt der Betrachtungsmöglichkeiten" der "geistigen Umgebung" (S.23ff.). [14]

Weder die Unterscheidung der vergleichend-psychologischen und der historisch-psychologischen Interpretationsmethode noch die einzelnen Schritte von den individuellen Vergleichen zu den verallgemeinernden Aussagen können hier referiert werden (siehe WUNDT 1921; vgl. auch MEISCHNER-METGE 2006). [15]

Die Interpretationsmethodik ist, WUNDT zufolge, durch eine eigentümliche Verbindung von induktiven und deduktiven Operationen zu einem einheitlichen Verfahren gekennzeichnet; sie erfordere psychologische Analyse und Synthese. Zum Interpretationsprozess gehören das Hineindenken in das psychische Objekt, die Aufstellung leitender Hypothesen und ein Prozess allmählicher Vervollkommnung der Interpretation durch Kritik. Erst in Verbindung mit dieser Kritik wird die Interpretation zu dem charakteristischen Verfahren der Geisteswissenschaften. Die Kritik ist ein der Interpretation entgegengesetztes Verfahren, den hergestellten Zusammenhang durch psychologische Analyse zu zerlegen. Sie geht äußeren oder inneren Widersprüchen nach, sie soll die Echtheit geistiger Erzeugnisse bewerten und ist außerdem Wertkritik und Kritik der Meinungen. Es gibt mehrere Hinweise, wie eine naive von einer gültigen Interpretation zu unterscheiden ist. Die typischen Irrtümer der intellektualistischen, individualistischen und unhistorischen Interpretation geistiger Vorgänge haben "sämtlich in der gewöhnlich der subjektiven Beurteilung zugrunde liegenden vulgären Psychologie ihre Quelle" (WUNDT 1921, S.297). [16]

Innerhalb dieser Interpretationslehre bewertete WUNDT in fast modern klingender Weise den Nutzen der Statistik:

"Der eigentliche Zweck der statistischen Methode ist diese Elimination der singulären Einflüsse. Die Statistik ist in der Regel überflüssig, wenn die allgemeine Gesetzmäßigkeit schon in den einzelnen Erscheinungen hinreichend deutlich hervortritt, wie z.B. bei den Gesetzen der Sprache; sie ist gegenstandslos, wenn die singulären Einflüsse absolut überwiegen, wie bei den historischen Ereignissen, bei denen zwar gewisse allgemeine Bedingungen, wie Bevölkerungs- und Wirtschaftszustände, nicht aber die historischen Vorgänge selbst einer statistischen Untersuchung zugänglich sind. Sie findet dagegen ihre erfolgreichste Anwendung bei den sozialen Massenerscheinungen, wo eine Menge singulärer Einflüsse, die in verschiedenen Richtungen wirken, und eine kleine Anzahl relativ konstant bleibender Gesetze sich durchkreuzen" (S.137). [17]

WUNDTs Interpretationslehre enthält in der Kombination von Heuristik und Kritik zahlreiche Prinzipien und Einsichten, die auch heute zum Kern einer Darstellung der psychologischen Interpretationslehre gehören (z.B. DANNER 2006; FAHRENBERG 2002; FLICK 2007; JÜTTEMANN 1989; MAYRING 2007). Doch seine Ausführungen bleiben häufig abstrakt, statt eine praktische Interpretationslehre mit prägnanten Strategien, Regeln und Beispielen zu entwickeln. Noch fehlen wichtige Perspektiven, u.a. die Frage der Überzeugungskraft einer Interpretation, die Deutung latenter Sinnzusammenhänge, die möglichen strategischen Kontrollen, die Kommunikation von Interpretationsergebnissen und die wichtige Rolle der Interpretationsgemeinschaft für die Qualitätskontrolle. Für die wissenschaftlich gültige Selbstbeobachtung im Experiment hatte WUNDT geschulte Beobachter/innen gefordert, doch wie steht es mit der Ausbildung der Interpret/innen? Die originelle Idee, experimentell geschulte Selbstbeobachtung und interpretierende Methoden zu kombinieren, wird kaum vertieft oder zu einer Strategie ausgeformt. [18]

3. Die Prinzipienlehre (Prinzipien der psychischen Kausalität)

Bereits vor der Interpretationslehre hatte WUNDT in seinen Lehrbüchern eine Prinzipienlehre für den Bereich der experimentellen (Allgemeinen) Psychologie entwickelt. Die Prinzipienlehre enthält allgemeine theoretische Einsichten bzw. Heuristiken, welche die empirische Psychologie im Gegensatz zur naturwissenschaftlich-physiologischen Forschung charakterisieren (1902-1903, III, S.756ff.; 1921, S.240ff.). [19]

Das Prinzip der schöpferischen Resultanten (Synthese) bedeutet, dass bei der Verbindung psychischer Elementarvorgänge und bei geistigen Leistungen qualitativ neue und reichere Eigenschaften entstehen. Weiterhin erläuterte WUNDT u.a. das Prinzip der beziehenden Relationen, das Prinzip der psychischen Kontraste und das Prinzip der Heterogonie der Zwecke. Die psychologischen Entwicklungsgesetze unterscheiden sich von den Prinzipien der Naturkausalität durch "das schon dem einzelnen geistigen Vorgang und seinen Producten innewohnende Moment der Einordnung in eine geistige Entwicklung" (WUNDT 1902-1903, III, S.792). Hauptbeispiel ist die Sprachentwicklung. Die Entwicklung der einzelnen menschlichen Persönlichkeit gehöre der biologischen Reihe an, zugleich sei sie aber "die einfachste Form geschichtlicher Entwicklung", da natürliches und geistiges Leben "Glieder eines Ganzen sind, das uns auf den unteren Stufen vor allem von seiner objectiven oder Naturseite, auf den oberen von der subjectiven, geistigen Seite aus, die ihre Resonanz in unseren eigenen inneren Erlebnissen findet, erkennbar ist" (S.793-794). [20]

Die Anwendungsbeispiele der Prinzipienlehre wurden von WUNDT nur kurz skizziert, und seine Begrifflichkeit erschwert heute oft den Zugang. Zweifellos hat WUNDT auch Anregungen anderer Autoren aufgenommen, sodass es reizvoll sein könnte, solchen Bezügen genauer nachzugehen. Viele seiner Überlegungen verweisen deutlich auf Konzepte, die auch in der gegenwärtigen Diskussion wichtig sind: u.a. Emergenzprinzip, Gestaltphänomene, spezielle Typen binärer und mehrstelliger Relationen, dialektisches Prinzip, Vielfalt der Mittel-Zweck (Grund-Folge-) Beziehungen, multi-referenzielle theoretische Konstrukte, Wertorientierung, Kontextabhängigkeiten, Einbettung in geistige Entwicklungen (siehe FAHRENBERG 2008a, 2008b). Daniel ROBINSON (1982) stellte – auch mit Blick auf diese Prinzipienlehre – fest: WUNDT "geschah" nicht einfach, sondern er stand in einem geistesgeschichtlichen Kontext der philosophischen Systeme von LEIBNIZ, KANT, FICHTE, HERBART und HEGEL. In einer Sichtweise, die in der deutschen Rezeption von WUNDTs Psychologie kaum anzutreffen ist, machte ROBINSON auf die Nachwirkungen HEGELs aufmerksam. [21]

WUNDTs Prinzipienlehre und Interpretationslehre müssen im Kontext seiner erkenntnistheoretischen Unterscheidung von psychischer Kausalität und Naturkausalität, von Geisteswissenschaften und Naturwissenschaften gesehen werden. Ohne seine Position des Psychophysischen Parallelismus zu kennen, sind seine Erkenntnislehre, seine Methodenlehre und sein Menschenbild nicht zu verstehen. [22]

4. Epistemologie

Nach WUNDTs (1896) Überzeugung sind – nur aus heuristischen und nicht aus metaphysischen Gründen – zwei parallel laufende und nicht reduzierbare Ketten anzunehmen: einerseits Naturkausalität, andererseits psychische Kausalität von Grund und Folge. Wenn psychische Prozesse und Naturvorgänge unterschieden werden, stellt sich die Frage nach dem gesetzmäßigen Zusammenhang innerhalb jeder der beiden parallelen Reihen. Welches sind die charakteristischen Eigenschaften und Prinzipien, "welche die Verbindungen und Beziehungen jener unmittelbaren Erfahrungsinhalte, die wir seelische Vorgänge nennen, kennzeichnen", und "gibt es eine psychische Causalität mit eigenartigen Gesetzen, in denen der Werth und die Bedeutung des seelischen Lebens und der auf ihm ruhenden geistigen Entwicklungen ihren Ausdruck findet, oder gibt es keine?" (WUNDT 1902-1903, III, S.777) Psychische Vorgänge sollen zwar nach Möglichkeit in ihre Elemente zergliedert, doch zugleich aufeinander bezogen werden: "Hauptaufgabe wird es immer bleiben, "den Zusammenhang des geistigen Lebens in allen seinen Theilen verstehen zu lernen". Durch "beziehende Analyse", d.h. "planmäßige logische Analyse unserer inneren Erlebnisse" werden diese "nach Gründen und Folgen, nach Motiven und Zwecken" verbunden (WUNDT 1894, S.120). [23]

Diese Konzeption verlangt offensichtlich weder eine Reduktion von psychischen Phänomenen auf Hirnfunktionen noch eine Reduktion von Theorien, sondern bleibt perspektivisch. Keine dieser Perspektiven auf den einheitlichen Lebensprozess ist überflüssig. Der tiefere methodologische Dualismus besteht zwischen der naturwissenschaftlichen Physiologie und der empirisch-geisteswissenschaftlichen Psychologie. "Jede Erfahrung enthält nur zwei in Wirklichkeit untrennbar verbundene Factoren: die Erfahrungsobjecte und das erfahrende Subject" (WUNDT 1896, S.11). Die Naturwissenschaften sehen vom Subjekt der Erfahrung ab, ihre Erkenntnisweise ist eine abstrakt begriffliche. "Die Psychologie hebt diese von der Naturwissenschaft ausgeführte Abstraktion wieder auf, um die Erfahrung in ihrer unmittelbaren Wirklichkeit zu untersuchen." (WUNDT 1896, S.12) Ihre Erkenntnisweise ist eine unmittelbare und anschauliche. Die Definition der Psychologie als empirische Geisteswissenschaft schließt jedoch die andere Perspektive, d.h. die physiologische Erklärung des psychischen Vorgangs nicht aus (WUNDT 1874, S.393). WUNDT stellte fest, dass "die Psychologie eine der Naturwissenschaft koordinierte Erfahrungswissenschaft ist, und dass sich die Betrachtungsweisen beider in dem Sinne ergänzen, dass sie zusammen erst die uns mögliche Erfahrungserkenntnis erschöpfen" (WUNDT 1896, S.12). [24]

Zusammenfassend lässt sich WUNDTs Epistemologie so kennzeichnen: Der psychophysische Parallelismus ist nicht als metaphysisches, sondern als heuristisches Prinzip bzw. als ein methodologisches Postulat zu verstehen. Psychische Prozesse werden hinsichtlich ihrer psychischen Kausalität, physische Sachverhalte nach ihrer Natur-Kausalität analysiert. – Die Heuristik und die Geltung dieser Auffassung hängen davon ab, inwieweit WUNDTs Prinzipienlehre sowie die Unterscheidung zwischen den Ursache-Wirkungs-Ketten in der Neurophysiologie und den Grund-Folge-Zusammenhängen von Bewusstseinsvorgängen (und anderen geistigen Prozessen) überzeugen können (vgl. auch SCHMIDT 1995 und die Diskussion über Denkstile sowie die aktuelle "Einladung zu einer Debatte", JÜTTEMANN 2007a). – In den wichtigsten Grundzügen entspricht WUNDTs perspektivische Sicht in etwa dem später von Niels BOHR hinsichtlich des Welle-Korpuskel-Dualismus des Lichts entwickelten Komplementaritätsprinzip, das von BOHR dann u.a. auf das Gehirn-Bewusstsein-Problem übertragen wurde: zwei in sich abgeschlossene, einander wechselseitig ergänzende und zum Verständnis des Ganzen unerlässliche Bezugssysteme, metaphysisch neutral, d.h. ohne letzte Aussage über Monismus oder Dualismus (vgl. FAHRENBERG 1979, 2004, 2007, 2008b; HOCHE 2008; WALACH 2005; WALACH & RÖMER 2000). [25]

WUNDTs Plädoyer für eine doppelte Methodik der Psychologie ragt aus den – auch damals verbreiteten – Kontroversen um den idealistischen oder den materialistischen Monismus und den Dualismus heraus. Seine Experimentalpsychologie stand zwar zu Anfang in scharfem Kontrast zu KANTs sehr methodenkritischer Beurteilung der Psychologie, näherte sich jedoch, vor allem durch die Liberalisierung seiner eigenen Methodenlehre, KANTs Position an. Die Wissenschaftskonzeptionen und Einstellungen KANTs und WUNDTs haben viele Gemeinsamkeiten, obwohl WUNDT das wegweisende Programm von KANTs pragmatischer Anthropologie (als empirische Psychologie) nicht explizit aufnahm (siehe FAHRENBERG 2008a, 2008b). WUNDT erreichte eine neue Stufe, indem er beides, Experiment und Interpretation, zu grundlegenden und unverzichtbaren Methoden der wissenschaftlichen Psychologie erklärte. Er war mit beiden Methoden sehr gut vertraut und war beiden Forschungswegen in ausgedehnten Vorhaben gefolgt. Dies ist ohne Vorbild. [26]

WUNDT verbindet einen methodologischen Dualismus (Psychologie gegenüber Physiologie) mit einem Methoden-Pluralismus (innerhalb der Psychologie) und einem perspektivischen Monismus (ein Lebensprozess unter verschiedenen Perspektiven). Die Psychologie ist hiernach eine nach eigenständiger Prinzipienlehre verfahrende empirische Geisteswissenschaft, die sich vor allem auf die kontrollierte Selbstbeobachtung im Experiment und auf die methodenkritische Interpretation geistiger Prozesse und Werke stützt – im Gegensatz zur naturwissenschaftlichen Physiologie. – Demnach war WUNDT Experimentalpsychologe und Hermeneutiker zugleich. [27]

5. Anwendung

Die von WUNDT auf hohem Abstraktionsniveau in der Logik beschriebenen Prinzipien sind dort kaum von Anwendungshinweisen begleitet; es fehlt die lebensnahe und anschauliche Fassung, z.B. als perspektivische Interpretation einer Biografie oder eines individuellen Motivationskonflikts. WUNDT hat kein einheitliches Lehrbuch der Methodik mit Prinzipien, Beispielen und Anwendungsrichtlinien, also keinen Basistext der Methodenlehre für Studierende, für Forschung und Praxis verfasst, wie es aus heutiger Sicht notwendig ist, jedoch damals unüblich war. [28]

Im ersten Band der Völkerpsychologie Die Sprache (1900) zeigt sich vielleicht am besten, wie sich WUNDT die perspektivische Ergänzung der methodischen Ansätze zu einem theoretischen System vorstellte. Von den ca. 1.400 Seiten der beiden Halbbände sind ca. 330 Seiten dem Thema der Ausdrucksbewegungen, Gebärden und Sprachlaute gewidmet, bevor in den folgenden Kapiteln Wortbildung, Wortformen, Satzfügung und Bedeutungswandel in einer Kombination philologischer und psychologischer Aspekte dargestellt werden. Vor allem der Zusammenhang von Sprache und Gefühlsausdruck bildet ein vorzügliches Gebiet, elementare Befunde und allgemeinste Regelmäßigkeiten der psychischen Entwicklung zu betrachten. Vielleicht ist hier die programmatisch geforderte Kombination verschiedener Perspektiven und Methoden am ehesten zustande gekommen, d.h. Selbstbeobachtung in experimenteller Anordnung, die typischen Verlaufsformen der Affekte und die Hauptrichtungen der Gefühle, die psychologische Beobachtung der Gebärden, die physiologische Messmethodik zur Objektivierung der körperlichen Ausdruckserscheinungen, die Interpretation des erlebten Zusammenhangs und das Verstehen der kulturellen Formungen. Ein zweites herausragendes Thema ist die Willkürhandlung unter den verschiedensten psychologischen Perspektiven und bis zum Rechtswesen und zur Ethik. Diese Völkerpsychologie ist nach heutigen Begriffen eher eine Kulturpsychologie, denn WUNDT wollte keine Ethnologie bieten, sondern die allgemeinen psychologischen Gesetze der geistigen Entwicklung der Menschen erkennen. [29]

6. Rezeption

Die Psychologie als eigenständige akademische Disziplin entstand in der Sukzession und kreativen Auseinandersetzung zwischen der Königsberger Konstellation der drei Philosophen, Christian WOLFF, Immanuel KANT und Friedrich HERBART und der Leipziger Konstellation der drei Physiker bzw. Physiologen Ernst Heinrich WEBER, Gustav Theodor FECHNER und Wilhelm WUNDT. Mit WUNDTs perspektivischer und doch monistischer Auffassung, mit seinem Methodenpluralismus und seinen Forschungsprogrammen erreichte die Wissenschaftskonzeption der Psychologie einen neuen Rang. (An dieser Stelle können WUNDTs Auffassung und die ideengeschichtlichen Querverbindungen nicht geschildert werden; vgl. die Hinweise in FAHRENBERG 2008a, 2008b). [30]

Weshalb WUNDT bereits zu Lebzeiten deutlich an Einfluss verlor, ist oft diskutiert worden. Mehrere seiner Schüler und Mitarbeiter wurden zu Pionieren der Angewandten Psychologie. Andere Psychologen, wie Georg Elias MÜLLER in Göttingen, forcierten die experimentelle Psychologie als Naturwissenschaft (mit der Gründung der Deutschen Gesellschaft für experimentelle Psychologie 1904). Für viele Psycholog/innen wird WUNDTs Methodenpluralismus zu anspruchsvoll gewesen sein. Wenn vor allem die Interpretationslehre übersehen wurde, könnte das außerdem noch den trivialen Grund haben, dass sie erst spät, nur in der 3. und 4. Auflage der Logik, publiziert wurde, und dass sie erst dort, wo sie nicht unbedingt zu vermuten ist, gefunden werden muss. Außerdem muss geläufig sein, dass er die Psychologie als Geisteswissenschaft ansah und deswegen auch die allgemeinen Kapitel des Buches über die geisteswissenschaftlichen Methoden für die Psychologie grundlegend sind. WUNDTs Interpretationslehre, von der noch kein Reprint existiert, ist umfangreich und abstrakt; sie gehört mit der extrem ausgedehnten Völkerpsychologie/Kulturpsychologie zu seinen späten Hauptwerken. Vielleicht liegen hier zusätzliche Gründe, dass WUNDT für viele Spätere vor allem der Autor der Grundzüge der physiologischen Psychologie und der Gründer des ersten Labors der Experimentalpsychologie blieb. WUNDTs Interpretationslehre ist in der Psychologie zwar ohne Vorbild, doch sie scheint – mit wenigen Ausnahmen – bald in Vergessenheit geraten zu sein. Das gilt auch für sein Bemühen um eine Ergänzung und Zusammenschau der wissenschaftlichen Perspektiven. [31]

In dem repräsentativ gemeinten Rückblick auf 100 Jahre Deutsche Gesellschaft für Psychologie (hrsg. von RAMMSAYER & TROCHE 2005) wird Wilhelm WUNDT zumeist einseitig als Experimentalpsychologe geschildert, oder an anderer Stelle als physiologischer Psychologe missverstanden, der angeblich Bewusstseinsvorgänge physiologisch erklären wollte. – Doch es gibt das "andere Erbe" der Völkerpsychologie bzw. der Kulturpsychologie. Das Gesamtbild erneut zurechtgerückt zu haben, ist das Verdienst einer Autorengruppe (hrsg. von JÜTTEMANN 2006). Die anlässlich der Einführung des B.Sc.-Studiengangs erneut angeregte Kontroverse über die grundsätzliche Orientierung der Psychologie (KANNING et al. 2007) kommentierte JÜTTEMANN (2007b) unter dem Titel: "Wundts Psychologiekonzeption ist nicht die Ursache, sondern die Lösung des Problems." [32]

War eine allgemeine Tendenz zur verstärkten Orientierung an den Naturwissenschaften für das aktive Vergessen jenes anderen Erbes verantwortlich (vgl. FAHRENBERG 2008b; JÜTTEMANN 2006)? Im Hinblick auf das Werk WUNDTs hat diese Hypothese viel für sich, doch ist auch daran zu erinnern, dass die Psychologie durchaus als empirische Geisteswissenschaft weiterexistierte. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg, d.h. noch vor zwei Generationen, waren viele der Lehrstühle an den Universitäten mit Professor/innen besetzt, die eine empirisch-geisteswissenschaftlich, teils auch phänomenologisch oder tiefenpsychologisch bestimmte Auffassung der Psychologie hatten und den experimentalpsychologischen Bereich an ihre Mitarbeiter/innen delegierten. Hier sind die Namen von einflussreichen Ordinarien zu nennen: Curt BONDY (Hamburg), Robert HEISS (Freiburg), Philip LERSCH (München), Erich ROTHACKER und Hans THOMAE (Bonn), Johannes RUDERT (Heidelberg), Udo UNDEUTSCH (Köln), Albert WELLEK (Mainz) u.a. Daneben gab es die Experimentalpsychologen wie Heinrich DÜKER (Marburg) und Edwin RAUSCH (Frankfurt a.M.) und mehrere, die sich wegen unterschiedlicher Interessen nicht leicht einordnen lassen, u.a. Johannes von ALLESCH und Kurt GOTTSCHALDT (Göttingen), Wilhelm ARNOLD (Würzburg), Peter R. HOFSTÄTTER (Hamburg), Wolfgang METZGER (Münster), Friedrich SANDER (Bonn) und Kripal Singh SODHI (Westberlin). – Erst beim folgenden Generationswechsel und in den mehrfachen Studienreformen manifestierte sich der allgemeine Wandel der Wissenschaftskonzeption (vgl. u.a. HERRMANN 2004). [33]

Im Diplom-Studiengang Psychologe wurde an vielen Instituten noch in den 1950er und 1960er Jahren sehr intensiv im "hermeneutischen Handwerk" der Interpretationsmethodik ausgebildet, vor allem in der psychologischen Diagnostik und Fallarbeit. Diese praktische Ausbildung in zahlreichen Übungen und mit vielen Leistungsnachweisen erforderte einen großen Zeitaufwand und bildete damit an einigen Instituten sogar den Schwerpunkt des Studiums. Ein beträchtlicher Teil der Forschung in der differenziellen, der diagnostischen und der angewandten Psychologie befasste sich – unter dem zunehmenden Einfluss der angloamerikanischen Testmethodik – mit der Überprüfung der interpretativen Verfahren, insbesondere der projektiven Tests, der inhaltsanalytischen Techniken und der Grafologie. Diese Validierungsstudien waren durchweg enttäuschend, lehrten jedoch auch, dass die Qualitätskontrolle methodisch sehr schwierig war, denn für jene interpretativen Methoden waren in jahrzehntelanger Arbeit wichtige Strategien und hochdifferenzierte Regelwerke aufgebaut worden (siehe FAHRENBERG 2002). Diese wurden in der Ausbildung durch die Übungsgruppe (als Interpretationsgemeinschaft) tradiert und konnten nicht in simplen Versuchsplänen oder einfachen Korrelationsstudien mit fragwürdigen Kriterien nachgebildet werden. Die methodologischen Erfahrungen aus diesen unzähligen Versuchen und dem Streben nach adäquater Prüfmethodik sind wohl nie dokumentiert und in einer Quintessenz zusammengefasst worden. Am Ende verschwanden diese diagnostischen Verfahren fast völlig, und die interpretative Methodik wurde zumeist auf das psychologische Interview und die Fallarbeit in der Klinischen Psychologie eingeengt. [34]

7. Gegenwartsbezug

In Deutschland sind für die Studierenden der Psychologie zum B.Sc. nur die experimentalpsychologischen, beobachtungsmethodischen und statistischen Pflichtveranstaltungen übrig geblieben. Gelegentlich werden diese vielleicht ergänzt durch ein übersichtsartiges Methodenpraktikum, das über Demonstrationen hinaus kaum einen Kompetenzerwerb in den allgemeinen Prinzipien, Strategien und Qualitätskontrollen der psychologischen Interpretation vermitteln kann. Die heutigen Studienpläne haben in der Regel die Methodik der Interpretation, zumindest aus der B.Sc.-Ausbildung, eliminiert. [35]

Eine andere Frage ist, weshalb der Begriff "psychologische Interpretation" durch das so missverständliche Wort "qualitativ" verdrängt wurde. Aus Sicht der allgemeinen Methodologie der Psychologie scheint "qualitativ" nicht selten der Immunisierung gegen die Forderung nach Qualitätskontrolle zu dienen. Steht nicht "qualitativ" oft für Subjektivität und auch Subjektivierung, ohne jedoch den Gegenbegriff der intersubjektiven Prüfung zu provozieren und ausdrücklich am Prinzip der (adäquaten) Überprüfbarkeit aller wissenschaftlich gemeinten psychologischen Aussagen festzuhalten? Hinzu kommt oft die irritierende, a-historische Betrachtung, wenn primär die sozialwissenschaftliche Tradition dieser Methoden hervorgehoben wird, ohne die vielen Ursprünge und die weite Verbreitung innerhalb der Psychologie, in der Forschung und im Studium zu erinnern. Aber können auf diese Weise die bitteren Erfahrungen der ausgedehnten Validierungsversuche und das oft deutliche Missverhältnis zwischen dem Aufwand für Training und Auswertung und dem Ertrag bzw. dem psychologischen Entscheidungsnutzen im Vergleich zu anderen Methoden verdrängt werden? (Vgl. die Beiträge in zwei FQS-Debatten: FAHRENBERG 2003; BREUER 2003; sowie BREUER & SCHREIER 2007.) [36]

Der geringe Fortschritt der "qualitativen" Verfahren auf dem Wege zu einer konsistenten und allgemein akzeptierten Methodologie ist verschiedentlich dargelegt worden. GROEBEN (2006) hat erneut die institutionellen, sozialpsychologischen und wissenschaftstheoretischen Hindernisse geschildert. Er hofft auf integrativen Theorienpluralismus und fruchtbare Kombinationen von qualitativ/quantitativ orientierten Ansätzen. – Es könnte sein, dass jetzt mehr in Bewegung kommt: mit dem wichtigen Memorandum für eine fundierte Methodenausbildung in den Human- und Sozialwissenschaften (2008) und generell mit den Berliner Methodentreffen seit dem Jahr 2005. [37]

Die meisten der heutigen Diskussionsbeiträge wirken jedoch in ihren erkenntnis- und wissenschaftstheoretischen Ausführungen immer noch sehr abstrakt, als ob die empirischen Verfahren zur Prüfung der Ansprüche und der Erkenntnisleistungen fehlten. Falls überhaupt Begriffe wie Auswertungs- und Interpretations-Übereinstimmung angesprochen werden, fehlen meist die wesentlichen Details. Ergebnisse tatsächlicher Überprüfungen werden sehr selten mitgeteilt. Es mangelt weiterhin an konzertierten Projekten, an der Entwicklung von Prüfstrategien, an unabhängigen Auswertungen und Kontrollstudien; es fehlen differenzierte Entwürfe von Richtlinien zur Annäherung an notwendige Standards. Besonders auffällig ist die noch unzureichende Auseinandersetzung mit konkreten didaktischen und berufsethischen Anforderungen. [38]

Für die Ausbildung in der Interpretationsmethodik während des Grundstudiums der Psychologie und Sozialwissenschaften existiert bisher kein einführendes Lehrbuch, das hinreichend breit und mit praxisnahen Beispielen und Übungsaufgaben angelegt ist. Deshalb werden die bereits vor vielen Jahren (FAHRENBERG 2002, 2003) dargelegten Argumente wiederholt. Das vorgeschlagene Projekt ist sicher nur als eine Gemeinschaftsarbeit sinnvoll: Interpretationslehre für Psychologen, Pädagogen und Sozialwissenschaftler (FAHRENBERG 2008c). Ein geeigneter Basistext könnte wesentlich dazu beitragen, dem interpretativen Paradigma den gebührenden und gleichberechtigten Platz bereits im Grundstudium (wieder) zu gewinnen, d.h. sich dem früher an vielen Psychologischen Instituten üblichen Ausbildungsniveau wieder anzunähern. Was bedeutet das Fehlen eines zweckmäßigen Lehr- und Übungsbuchs der Interpretationsmethodik – angesichts der Vielzahl von Einführungen in die statistischen und experimentellen Methoden? Wäre es nicht überhaupt der erste Schritt zu einer Verankerung im Curriculum? [39]

Drei Leitgedanken sind wichtig. Die praktische Lehr- und Lernbarkeit der Interpretationsmethodik soll mit typischen Aufgaben und mit Übungsmaterial für das individuelle Training und die Interpretationsgemeinschaft gefördert werden. Ein zweiter Leitgedanke ist die adäquate Qualitätskontrolle angesichts der strukturellen Subjektivität der Verfahren. Wie können Interpretationstiefe und hermeneutische Vielfalt mit den Forderungen nach innerer Konsistenz und intersubjektiver Überzeugungskraft vereint werden? Ein dritter Leitgedanke bezieht sich auf den Kontext der Berufspraxis. Die psychologische Interpretation hat in methodologischer und in professioneller Hinsicht eine Sonderstellung gegenüber der geisteswissenschaftlichen Hermeneutik, auch gegenüber den meisten sozialwissenschaftlichen Untersuchungsansätzen oder den Inhaltsanalysen von Textsammlungen. Wegen möglicher schädigender Konsequenzen einer vorschnellen, unkritischen Interpretation, z.B. in der Personalpsychologie oder Klinischen Psychologie, hat die Qualitätssicherung der Methodik ein noch größeres Gewicht. [40]

Gerade das Fach Psychologie mit seiner unklaren Identität im Grenzgebiet vieler Fakultäten kann der überdauernden Frage nach der eigenen Wissenschaftskonzeption auch in der Zukunft nicht ausweichen. Damit sind nicht allein abstrakte wissenschaftstheoretische Kontroversen gemeint, sondern auch die möglichen Konsequenzen der individuellen, philosophisch-religiösen Grundüberzeugungen für die Berufspraxis. Welche differenziellen Effekte könnten unterschiedliche Menschenbilder haben? (Vgl. FAHRENBERG 2006a, 2006b, 2008d.) Dass es heterogene Auffassungen gibt, ist bekannt, doch es ist kaum einzuschätzen, wie viel Zustimmung das quasi-naturwissenschaftliche Wissenschaftsverständnis der Psychologie bei den Professor/innen und den Studierenden findet. Akzeptieren zumindest die praktisch tätigen Diplom-Psychologinnen und -Psychologen nicht viel eher die Strategie und Denkweise der Interpretation, die in der pflichtgemäßen formalen Methodenlehre-Ausbildung an der Universität kaum noch eine Rolle spielt? Auf den schlichten Gegensatz universitärer Grundlagenforschung gegenüber alltäglicher Berufspraxis lässt sich dieses Problem gewiss nicht bringen. Werden sich die künftigen B.Sc.-Psycholog/innen wirklich mit der Science in der Bedeutung von Naturwissenschaft identifizieren können? [41]

Wenn in der heutigen Diskussion über Wissenschaftskonzepte der Psychologie in wiederkehrender Weise eine adäquate Gewichtung des "experimentellen Paradigmas" und des "interpretativen Paradigmas" verlangt wird, dann führt dies zu WUNDTs Konzeption der beiden Methodentypen zurück. Welche Wirkungen hätten doch WUNDTs methodologischer Pluralismus und die Erinnerung an sein "anderes Erbe" auf die heutige Wissenschaftskonzeption der Psychologie und auf die Studienpläne ausüben können! [42]

Persönliche Anmerkung

Bei diesem kritischen Rückblick auf die unzureichende Rezeption von Wilhelm WUNDTs Interpretationslehre schließe ich mich durchaus ein. Als ich mein Lehrbuch über Psychologische Interpretation (2002) verfasste, war mir zwar WUNDTs Experimentalpsychologie geläufig und ich wusste auch von seiner großen Kulturpsychologie (Völkerpsychologie), nicht aber von der Interpretationslehre in den letzten beiden Auflagen der Logik. [43]

Anmerkung

1) Frau Dr. A. MEISCHNER-METGE, Gustav-Theodor-Fechner-Gesellschaft e.V., Leipzig, hat dankenswerter Weise eine Digitalisierung dieses Buches ermöglicht. Bestellungen an: gustav@rz.uni-leipzig.de (CD, 5 €uro zuzüglich Versandkosten). <zurück>

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Zum Autor

Jochen FAHRENBERG ist em. Professor für Psychologie an der Universität Freiburg. Arbeitsgebiete: Differentielle Psychologie und Persönlichkeitsforschung, Psychophysiologie, Methodenlehre der Psychologie, Psychologische Anthropologie.

Kontakt:

Prof. Dr. Jochen Fahrenberg

Waldhofstrasse 42
D-79117 Freiburg

Tel.: 0761 65144

E-Mail: jochen.fahrenberg@psychologie.uni-freiburg.de
URL: http://www.jochen-fahrenberg.de/

Zitation

Fahrenberg, Jochen (2008). Wilhelm Wundts Interpretationslehre [43 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 9(3), Art. 29, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs0803291.

Revised: 7/2010



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