Volume 12, No. 2, Art. 11 – Mai 2011

"Ich werd für euch nie Soldat!" Zur Bedeutung biografischen Lernens für politisches Handeln

Andrea Neugebauer

Zusammenfassung: Der Artikel thematisiert die biografische Dimension von Politisierungsprozessen und ihre Bedeutung für eine Kontinuität politischen Handelns. Er basiert auf einer Einzelfallstudie, die im Rahmen der Sekundäranalyse von Interviews eines Oral-History-Projekts der 1980er Jahre entstand. Die erneute Rekonstruktion der Fallgeschichte eines Arbeiters, der während des Nationalsozialismus entschied, sich dem Kriegsdienst durch Flucht zu entziehen, zeigt das enge Verwobensein von biografisch entstandenen Veränderungswünschen und institutionalisierten politischen Deutungs- und Handlungsmustern. Phasen äußerst eingeschränkter Handlungsspielräume, wie sie gerade während des Nationalsozialismus entstanden, konnten durch biografische Lernprozesse bearbeitet oder durch biografische Krisenbearbeitung überbrückt werden, solange die Hoffnung zukünftiger Emanzipation und sozialer Integration bestand. In der Nachkriegszeit führte das Wegfallen dieser Perspektive dazu, dass die Gestalt der biografischen Erfahrungen die politische Handlungsfähigkeit begrenzte.

Keywords: Biografie; biografisches Lernen; politisches Handeln; Politisierungsprozesse; Handlungsspielräume; institutionalisierte Wissensbestände; Emanzipation

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung, Vorgehen

2. Politisches Handeln, Politisierungsprozesse und Biografie

3. Die biografische Analyse

3.1 Rekonstruktion der Lebensgeschichte

3.2 Biografische Impulse und Grenzen für politisches Handeln

4. Resümee

Danksagung

Anmerkungen

Literatur

Zur Autorin

Zitation

 

1. Einleitung, Vorgehen

Auslöser für die Sekundäranalyse eines Interviews mit einem Arbeiter, der während des Nationalsozialismus den Wehrdienst verweigert hatte, war die Interpretation dieses Falles im Rahmen eines Oral-History-Projekts in den späten 1980er Jahren.1) Sich auf Elemente der Selbstpräsentation stützend, leitete diese Interpretation die Motive des Akteurs für seine "Fahnenflucht" aus der "politische(n) Tätigkeit für die KPD" her (PFLÜGNER 1989). Darin spiegelt sich ein zeitgenössisches Interesse für die Bedeutung von Institutionen wie Parteien oder Gewerkschaften für das Entstehen politischen Handelns. Die Zerschlagung dieser Institutionen im Nationalsozialismus bot zugleich eine Erklärung für das Fehlen größeren Widerstandes der Arbeiterbewegung gegen das NS-Regime. Die Aufforderung zur Wehrdienstverweigerung gehörte jedoch nicht zur Politik der durch Verfolgung geschwächten Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD); diese unterstützte Versuche, eine Niederlage des NS-Regimes von Innen herbeizuführen (vgl. HERLEMANN 1994, S.39). Zusätzlich ging bei der ersten Interpretation die eigensinnige Ordnung und Synthese biografischer Erfahrungen aus verschiedenen Handlungsfeldern verloren. [1]

Die Sekundäranalyse des Interviews2) zielt darauf, alltagsweltliche Lernprozesse, reflexive biografische Deutungen von Erfahrung und die Bedeutung von institutionalisierten und objektivierten Wissensbeständen (BERGER & LUCKMANN 1961) in ihrer Wechselwirkung zu rekonstruieren. Obgleich die Interviewführung nicht am Vorgehen bei biografisch-narrativen Interviews orientiert war, entstand ein Interview, in dessen Verlauf der Erzähler Gestaltungsaktivitäten entfalten konnte und seine Relevanzsetzungen zum Tragen kamen. Daher kann auf das erzähl- und biografietheoretisch fundierte Auswertungsverfahren Fritz SCHÜTZEs (1978, 1981, 1984) zurückgegriffen werden, um die Prozesshaftigkeit der Erfahrungen und das Gewordensein der Perspektive des Interviewten zu rekonstruieren. Die Bedeutung der Interaktionen im Interview, in denen sich ein spezifisches "Arbeitsbündnis" (RESCH 1998) konstituierte, wurde in die sequenzielle Interpretation einbezogen. [2]

Bevor die erzählte Lebensgeschichte von Friedrich Reiser3) rekonstruiert wird, werden Überlegungen zum Begriff politischen Handelns und zur Entstehung und Aneignung politikrelevanter Orientierungs- und Handlungsmuster aus biografietheoretischer Perspektive vorgestellt. Im Anschluss werden die Entstehung politischer Handlungsmotivationen bei Herrn Reiser und deren Entwicklung im Zusammenhang mit seiner Wehrdienstverweigerung sowie die Einbettung dieser Erfahrungen in seine Lebenserzählung analysiert. Vor diesem Hintergrund wird schließlich die Erstinterpretation noch einmal betrachtet. [3]

2. Politisches Handeln, Politisierungsprozesse und Biografie

Soll politisches Handeln einerseits nicht mit WEBER (1976) als Typ "zweckrationalen", der "Verantwortungsethik" folgenden Handelns verstanden werden, das, im bürokratisch-legal verwalteten Staat idealerweise von abstrakten Regeln geleitet, in der Empirie die Form "der materiellen Interessenverfolgung" annimmt (BERGER 1991, S.250ff., hier 258); soll politisches Handeln andererseits nicht – in berechtigter Kritik an der Sphärentrennung zwischen Staat und Gesellschaft, zwischen "Öffentlichem" und "Privatem" – unter dem Motto "alles ist politisch" in sozialem Handeln überhaupt aufgehen, bietet sich der Vorschlag von BOURDIEU an, die Gestaltungs- und Veränderungsmöglichkeit der sozialen Welt als Ziel politischen Handelns zu begreifen (vgl. 2010, S.11). Die Gestalt der gesellschaftlichen Verhältnisse ist jedoch – in den allermeisten der uns bekannten Fälle – von Herrschaft und Ausbeutung strukturiert. Daher ist von auseinanderlaufenden bzw. konfligierenden Vorstellungen über die soziale Welt auszugehen (SCHULZE, BERGHAHN & WOLF 2006, S.7), also von unterschiedlichen "Konstruktionen von Wirklichkeit" (BERGER & LUCKMANN 1961) und von Konflikten, die in der gesellschaftlichen Praxis entstehen. Politisches Handeln umfasst dann aus dieser historisch-konkreten Praxis hervorgehendes Handeln, das um Thematisierung oder Stilllegung von Konflikten ringt und damit auf die Gestaltung oder Veränderung der sozialen Welt zielt (vgl. SCHULZE et al. 2006, S.10). [4]

Vor diesem Hintergrund werden all diejenigen Prozesse als Politisierung begriffen, in denen Umgangsweisen mit Konflikten angeeignet oder eingeübt werden und die dazu beitragen, dass Konflikte überhaupt zum Gegenstand einer Thematisierung und Auseinandersetzung werden. In ihnen lernen soziale Akteure ihre Vorstellungen, Wünsche oder Gefühle auszudrücken – gleich, ob dies auf verbalem, künstlerischem oder dramatischem Weg geschieht. Nur infolge solcher Prozesse, die formell und informell, gezielt und ungeplant stattfinden, können Akteure auf die Vorstellungen anderer sozialer Akteure Einfluss nehmen und mit ihrem Handeln

"die soziale Welt selbst beeinfluss(en) ... oder, genauer gesagt, soziale Gruppen – und mit ihnen das kollektive Handeln, mit dem diese versuchen könnten, die soziale Welt ihren Interessen gemäß zu verändern – zu schaffen und abzuschaffen, in dem es die Repräsentationen produziert, reproduziert oder zerstört, die diese Gruppen für sich selbst und für andere sichtbar machen" (BOURDIEU 2010, S.11). [5]

Unter bestimmten Umständen, bestimmten Machtkonstellationen, kann auch Sichentziehen bzw. Nicht-Handeln einen solchen Politisierungsprozess beschreiben, da mit ihm überhaupt Handlungsspielräume geschaffen werden, von denen aus eine Thematisierung des Konflikts möglich wird (vgl. MIETHE 2000, S.169). [6]

Die Aneignung von Elementen, die zur Entstehung politischen Handelns oder politisch bedeutsamer Orientierungen eines Subjekts führt, wird in der Forschung bereits seit den 1980er Jahren nicht mehr als Abfolge betrachtet, die sich im Durchlaufen von Institutionen oder "Instanzen" im linearen Zeitverlauf herausbildet. An die Stelle traten Vorstellungen von der Auseinandersetzung eines sozialisierten Subjekts mit "Sozialisationsinstanzen" – wenn auch häufig nur als Reaktion auf die "Pluralisierung von Lebensformen und Werten", die zu einem tendenziellen "Verlust klarer Strukturierungen des Lebenslaufs" geführt haben (vgl. RIPPEL 2008, S.447). Zu den "Sozialisationsinstanzen" werden neben Institutionen wie Familie, Schule und Beruf immer weitere Bereiche politischen Lernens hinzugerechnet, so z.B. Krisen der Umwelt oder "besondere Situationen", die dem Subjekt nicht in bestimmter Reihenfolge, sondern parallel, mehrfach, in Substitution oder gegenseitiger Bedingtheit begegnen (vgl. CLAUßEN 1996, S.33). Verschiedenste Ansätze stimmen darin überein, dass in frühen sozialisatorischen Prozessen politikrelevante Haltungen wie Toleranz, Empathie und soziale Kompetenz entstehen, die als Dispositionen späteres politisches Handeln oder Verhalten prägen. Die Frage, ob "fundamentale Muster" (RIPPL 2008, S.448), die eine "geronnene Problemlösung der immer wieder herzustellenden Balance von Autonomie und Ge-/Verbundenheit" darstellen und noch in wechselnden Verhältnissen erhalten bleiben (BUSSE, EHSES & ZECH 1999, S.20, 30), bereits in der Jugend festgelegt werden, oder ob von einer zumindest begrenzten Wandelbarkeit solcher Muster, von "Restrukturierungsprozessen" im Verlauf eines Lebens unter sich wandelnden Bedingungen ausgegangen werden kann (vgl. WITTPOTH 1994, S.104), wird dagegen nicht einheitlich beantwortet. [7]

Eine Möglichkeit, die Prozesse der Aneignung und Verknüpfung von Erfahrungen, die für Politisierungsprozesse relevant sind zu analysieren, stellt das theoretische Konzept der Biografie dar. Biografie knüpft hiernach an eine alltagsweltliche Konstruktion an, mit der Subjekte in "je historisch-konkreten und kulturell spezifischen Formen" ihr Handeln orientieren und durch die dieses Handeln strukturiert wird. "(A)ls Kategorie der Selbstdeutung [wird sie] von den Teilnehmern der Lebenswelt zu einem je individuellen Sinnzusammenhang verarbeitet" (DAUSIEN 2002, S.78). Mit dem theoretischen Konzept Biografie, das eine Konstruktion zweiten Grades im Sinne von Alfred SCHÜTZ (1971, S.6) darstellt, werden diese Prozesse und aus ihnen folgend Formen der Vergesellschaftung rekonstruiert. Dies ermöglicht einen umfassenden Zugang zu politisierungsrelevanten Erfahrungen, gleich in welchen "Instanzen" politischer Sozialisation sie stattfinden und unabhängig davon, in welcher Phase eines Lebensverlaufs sie wirksam werden. Die Verkettung und Bedeutung der verschiedenen Erfahrungen erschließt sich zudem unter Umständen nur vermittels der ganzheitlichen Betrachtung eines Subjekts. Das Konzept Biografie öffnet weiter einen Zugang zu "kollektiven Erfahrungsdimensionen", da es ein "je aktuelles Ergebnis eines Entwicklungsprozesses [darstellt], in dem gesellschaftliche Wirklichkeit und individuelle psychische Struktur in einer komplexen Wechselbeziehung miteinander verbunden sind" (ALHEIT & DAUSIEN 1985, S.48). [8]

Die biografische Konstruktionsarbeit wird jedoch nicht als "subjektive Brechung" von Gesellschaftsstrukturen gesehen, die das "Baumaterial" darstellen, "an welchem biographische Strukturen sich erproben und welches sie für die Reproduktion ihrer Subjektstruktur modellieren" (BUSSE et al. 1999, S.19f.). Biografische Konstruktionen entstehen gleichsam zwischen Außenwelt und Innenwelt (ALHEIT & DAUSIEN 2000, S.276). Ein Individuum betritt eine Situation zwar mit einem Vorrat bereits akkumulierter Erfahrungen, die tatsächlich in einem großen Maß strukturiert sind und eine konkrete "Gestalt" annehmen (ROSENTHAL 1995). Doch ist diese Gestalt nicht als sich zwangsläufig reproduzierende Struktur zu verstehen. [9]

Die Gestalt der im Verlauf einer Biografie aufgeschichteten Erlebnisse und Erfahrungen bezeichnet eine Ordnung, die vom Subjekt nicht bewusst hergestellt wird, sondern sich in komplexen Wechselwirkungen zwischen den durchlaufenen Prozessen, der Perspektive der gegenwärtigen Situation, ihrer Verknüpfung mit der Vergangenheit und den Erwartungen an die Zukunft herausbildet. Diese Ordnung führt dazu, dass ein Subjekt nicht in jeder neuen Situation seines Alltags "von vorn" anfangen muss, sondern durch einen Anschluss an den bereits vorhandenen Erfahrungsvorrat Komplexität reduzieren kann. Dies ermöglicht in vielen Situationen routiniertes Handeln. ALHEIT und DAUSIEN formulieren, dass die Gestalt "außerordentlich plastisch jene ... Verarbeitungsstruktur einer nach außen offenen Selbstreferentialität (verkörpert), die Außeneinflüsse mit der ihr eigenen 'Logik' wahrnimmt, gewichtet, ignoriert und vereinnahmt und sich in diesem Prozess selbst verändert" (2000, S.275). Sie sprechen zudem von der Möglichkeit eines "Driftens" der Gestalt biografischer Konstruktionen, das sich in den Prozessen der Verarbeitung sozialer Erfahrungen unter Wirksamwerden der subjektiven "Logik" als allmähliche Verschiebung vollzieht. Da diese Konstruktion nicht von der jeweils besonderen Abfolge von Außeneinflüssen zu trennen ist, stellt sie eine "biographische Temporalisierung sozialer Strukturen" (S.276) dar. [10]

Die doppelte Anschlussfähigkeit, die Biografien auszeichnet, ist nicht grundsätzlich für jede neue Situation herstellbar. Es gibt Situationen, in denen ein Subjekt seine – durch den Gestaltcharakter des Erfahrungsvorrats entstandenen – Grenzen erfährt, ihm Ressourcen zum Handeln fehlen oder die Bedingungen keinen Handlungsspielraum lassen. Ebenso kann es dazu kommen, "dass sich uns ... völlig neue 'Welten' auftun, dass wir eine qualitativ neue Erfahrung gemacht haben, die unser künftiges Leben verändern wird" (a.a.O.). In solchen Situationen können Erfahrungen neu geordnet werden, mitunter sogar Gestalt-Transformationen stattfinden: "(Ü)berall wo ... lebenszeitliche Kontinuität in Frage steht, ist biographische Arbeit in kommunikativen Prozessen von Bedeutungserteilung und gemeinsamer Bedeutungsvalidierung erforderlich" (FISCHER-ROSENTHAL 1995, S.52). Spielräume biografischer Konstruktionen entstehen jedoch nicht nur in Extremsituationen, wie sie mit dem Infragestehen lebenszeitlicher Kontinuität angesprochen sind. Sie können auch in Alltagssituationen auftreten, in denen etwas problematisch wird und Routinen unterbricht. In solchen Situationen können bis dahin nicht realisierte Chancen aufgegriffen oder biografische Erfahrungen neu verknüpft werden, sodass sich die "Qualität des Selbst- und Weltbezugs" verändert (ALHEIT 2003, S.16). Ein Subjekt verfügt über die "prinzipielle Fähigkeit, Anstöße von außen auf eigensinnige Weise zur Selbstentfaltung zu nutzen, also (in einem ganz und gar 'unpädagogischen' Sinn) zu lernen" (ALHEIT & DAUSIEN 2000, S.277). Es handelt sich in diesen Fällen um "biographisches Lernen" (ALHEIT 2003, S.14ff.). [11]

Dafür, dass Erfahrungen fehlender Passungsfähigkeit nicht immer in Lernerfahrungen umgewandelt werden können, hat BOURDIEU (1987) zahlreiche eindrucksvolle Beispiele geliefert, indem er die Probleme von Auf- oder AbsteigerInnen in einem Milieu beschrieb, das nicht mit den Entstehungsbedingungen ihres Habitus übereinstimmte. Auch die Kompetenzen, die ein Subjekt sich für die Thematisierung und Bearbeitung von Konflikten aneignet, sind in das Geflecht des biografischen Erfahrungsvorrats eingebaut. Die Möglichkeiten der Umsetzung in politisches Handeln sind daher von der doppelten Bindung an die Geschichte der Person und die Veränderungen der Bedingungen für Konfliktaushandlungen auf den jeweiligen Handlungsfeldern betroffen: Die Öffnung oder Schließung von Handlungsspielräumen entsteht in diesem Verhältnis zwischen subjektiven Dispositionen und den gesellschaftlichen Bedingungen. [12]

3. Die biografische Analyse

Die Rekonstruktion des vorliegenden Falles setzt am Konzept der Biografie als alltagsweltlicher Konstruktion an. Sie baut auf Forschungsergebnisse über die kognitive Organisation selbst erlebter Erfahrungen auf, die "Strukturparallelen" zwischen basalen kognitiven Schemata der Wahrnehmung von Welt und den Ordnungsaktivitäten in autobiografischen Lebenserzählungen aufzeigen (DAUSIEN 1996, S.113; grundlegend SCHÜTZE 1984, S.80f.). Unter Rückgriff auf ein text- und gestalttheoretisch fundiertes Auswertungsverfahren, das an die von SCHÜTZE entwickelte Narrationsanalyse anschließt4), wurden die Prozesse der Aufschichtung und der Bearbeitung von Erfahrungen im vorliegenden Fall rekonstruiert. Zu diesem Zweck wurden eine formale Textanalyse und eine sequenzielle Interpretation des gesamten Interviews durchgeführt. Der kontrastive Vergleich der unterschiedlichen "Darstellungsebenen" überwiegend erzählender und stärker theoretisierender Passagen ermöglichte eine Rekonstruktion der Fallgeschichte, die hier nur stark gekürzt vorgestellt werden kann. [13]

Die Bedeutung der Interaktion im Interview wird bei diesem Vorgehen hinsichtlich jedes Textsegments in die Interpretation einbezogen, um Aktivitätsimpulse der InterviewerIn zu erfassen, die eine Entfaltung der kommunikativen Strukturierung und der Gestaltungsaktivitäten der ErzählerIn behindern (SCHÜTZE 2005, S.218f.). Im Verlauf der Analyse des vorliegenden Interviews, das als Oral History nicht unter der Bedingung bewusster Zurückhaltung des Interviewers entstand, trug dieses Vorgehen dazu bei, dass intersubjektive Erwartungshaltungen der beiden Partner sichtbar wurden und Hinweise für das Verstehen der Erstinterpretation des Interviews (PFLÜGNER 1986) gewonnen werden konnten. Erst im Verlauf der Fallanalyse wurden die Wechselwirkungen zwischen unterschiedlichen Lernprozessen sichtbar und führten zum Aufgreifen der Konzepte der "Thematisierung von Konflikten" und des "biografischen Lernens". [14]

3.1 Rekonstruktion der Lebensgeschichte

Friedrich Reiser wird 1909 in einem kleinen Dorf im Odenwald geboren. Der Vater, von Beruf Steinmetz, arbeitet auch als Maurer außerhalb des Ortes. Dennoch ist er auf Aufträge aus dem Dorf angewiesen. Sein Verdienst reicht für den Unterhalt der sechsköpfigen Familie kaum aus. Im ersten Weltkrieg stirbt Reisers Mutter, die Großmutter übernimmt den Haushalt. Der Vater, als Soldat eingezogen, kehrt geprägt von einer Traumatisierung durch Verschüttung an der Front zurück. Die sozialdemokratische Zeitung, die der Vater nach dem Krieg abonniert, liest der Junge "über die Schulter"5) des Vaters mit. In der Dorfschule realisiert Reiser, nachdem er sitzen bleibt und den Lehrer wechselt, dass er in autoritären Verhältnissen blockiert ist, ohne Angst jedoch problemlos lernen kann. [15]

Nach Abschluss der Schule (1922) findet nur einer seiner Klassenkameraden eine Lehrstelle, viele sind Bauernsöhne, für alle anderen beginnt ein Leben zwischen Gelegenheitsarbeit und Arbeitslosigkeit. Reisers Vater findet zwei Jahre später in einem 15 km weit entfernten Dorf eine Schneiderlehrstelle für seinen Sohn, die sich jedoch als Konfektionsherstellung6) entpuppt. Der Junge wird als billige Arbeitskraft unter unsäglichen hygienischen Bedingungen ausgebeutet. Als Reiser krank wird und daraufhin seine Lehre verlängert werden soll, bricht er sie – gegen den Willen des Vaters – ab. [16]

Dass Reiser seinen Unterhalt selbst zu sichern hat, ist unter den familialen Umständen selbstverständlich. Er beginnt in der dörflichen Ziegelei als Hilfsarbeiter, wechselt nach deren Konkurs auf eine Laufburschenstelle in der Landeshauptstadt, verlässt diese wegen schlechter Arbeitsbedingungen. Er bleibt auch nicht in der zweiten, obwohl diese "sauber" und "vorbildlich" geführt ist, sondern entscheidet sich, "auf die Walz"7) zu gehen. Zu Fuß läuft er durchs Ruhrgebiet bis nach Hamburg; es ist ein "Hungerdasein". Schließlich findet er in Jena in einer Herberge als Hausdiener Arbeit. Konfrontiert mit extremen Arbeitszeiten wendet er sich an eine Gewerkschaft, wird Mitglied, erhält eine formale Aufklärung über seine Rechte und setzt – allein – seinen Achtstundentag vorerst durch. Kontakt findet er nur zu Mitgliedern der "roten Jungfront", einer Jugendorganisation der KPD, doch seine Arbeitszeit verunmöglicht die Teilnahme an Versammlungen. Sie raten ihm, sich wegen weiterer Probleme an die Redaktion einer kommunistischen Zeitung zu wenden. Sein Bericht über "Orgien" von Sozialdemokraten und Gewerkschaftern in seiner Arbeitsstätte, deren Überreste zu beseitigen seine Arbeit ist, wird ein Skandal. In einer Betriebsversammlung gelingt es Reiser nicht, sich erneut durchzusetzen. Er findet keine Unterstützung von anderen, ihm wird gekündigt. So entschließt er sich, nach Hause zurückzukehren. [17]

Zu Hause beginnt Reiser 1928 wieder mit Gelegenheitsarbeiten und begibt sich in politische Auseinandersetzungen:

"meine Tätigkeit als Flugblattverteiler, ach des war eine herrliche Zeit. Warum? Des war die Jagd, also wenn se mir nachsinn, unn ich konnt e Schnippsche drehe. Straße bemalt und Fluchblätter" (12/1-3). [18]

Die Mehrzahl der Bauern im Dorf tritt bereits für nationalsozialistische Ziele ein. Reiser stellt sich dem entgegen und greift mit seinen Handlungen auf Anregungen der KPD zurück, auf Schornsteinen und Wassertürmen rote Fahnen zu hissen und damit Symbole des politischen Widerstands zu setzen. In die organisatorischen Zusammenhänge der KPD ist er jedoch nur lose eingebunden. Er erlebt sein Handeln – das er mit zwei Anderen durchführt – als isoliert: "Ich war vollkomme allein".

Reiser: "... Unn da warn die Nazis da bei uns im Dorf, so etliche, ich kann die Namen noch heute sage, warn da dran unn habe doch wieder eine Fahne [aufgehängt, A.N.]. Unn des war ne hohe Erle. Unn da sinn se hergange unn habe alle Äste rundrum abgesägt. ... unn da habe se unnerum den Stamm mit Stacheldraht unn mit Wageschmiere – des is des schwarze Zeuch – eingeschmiert. Ich bin dann aber trotzdem nauf unn hab die Fahne runnergeholt. Des war natürlich e Abenteuer, des war so nach meim Geschmack."

Interviewer: "Das ist ja auch ein Protest, find ich, gegen die Nazis, der schon Wirkung hat."

Reiser: "Ja, ja. Aber des war für mich damals mehr Abenteuer. ... Unn mein Kuseng und ich ... bei uns in der Ziegelei, die war ja stillgelegt – unn da habe mir eine große Fahne gemacht, mit Sichel und Hammer drin, unn da simmer in de Nacht durch den Kamin rauf unn ... die hammer oben an den Blitzableiter gemacht" (8/37-9/15). [19]

Reisers "Propaganda gegen die Nazis" führt in der Folge zu einer fühlbaren Kluft zwischen ihm und dem Dorf: "un da war natürlich des ganze Dorf und die SA waren alle natürlich gegen mich". Die Aktivitäten werden für seinen Vater zum Problem: er verliert Aufträge vonseiten der reaktionären Bauern. Auch die KPD des Nachbarorts wird aufmerksam und mit Erreichen "des Alters" wird Reiser Mitglied. Sein Verhältnis zu der Partei bleibt unklar, Narrationen über die Zeit vor dem Faschismus enthalten rudimentäre Elemente der Sozialfaschismus-Deutung der KPD8), doch sie schließen auch an Reisers Arbeitserfahrungen mit den sozialdemokratischen Funktionären in Jena an. [20]

1932 beschließt Reiser mit zwei Freunden, sich auf den bewaffneten Widerstand "der Arbeiter" gegen die Nazis vorzubereiten und beschafft sich "über die Partei" eine Pistole. Diese Narration erfolgt kurz nach Beginn des Interviews und Reiser führt sie damit ein, er sei "linksradikal" gewesen. Der Geschichte, die zunächst einen heroischen Klang hat, ist die Niederlage eingeschrieben: Der Vater bringt selbst gebastelte Handgranaten und die Pistole zum Bürgermeister. Reiser wird verhaftet und zu 16 Monaten Gefängnis verurteilt. Er muss nun Verantwortung für ein Handeln übernehmen, das der Interviewer "Parteiaktivitäten" zuordnet, das in Reisers Erzählung jedoch auch in der Fortsetzung von "Abenteuer" und Selbstbehauptung steht. [21]

Durch das Urteil als Kommunist gebrandmarkt, im Gefängnis während der Etablierung des Nationalsozialismus 1933 zur Handlungsunfähigkeit verdammt, erlebt Reiser die ersten Verhaftungswellen und wird Zeuge der ungezügelten Gewalt gegen politische Häftlinge. Reiser rechnet damit, nach der Verbüßung seiner Haftstrafe nicht freizukommen und ist überrascht, als die neuen Machthaber ihn Ende 1933 "grad so laufen lassen". Trotz seiner Unsicherheit über die zu erwartende Aufnahme kehrt er ins Elternhaus und Dorf zurück und wird zu seinem Erstaunen unkompliziert empfangen. Er erhält sogar wieder Gelegenheitsarbeiten bei Bauern und in der Gemeinde. [22]

Reiser hält an seiner antifaschistischen Haltung fest, nimmt jedoch von seinen zuvor radikalisierten Handlungsplänen Abstand. Er sucht keinen Anschluss an den Widerstand, hält aber klare Distanz zu jeglicher NS-Organisation wie z.B. dem NS-Arbeitsdienst – "ich geh nicht marschiern mit'm Spaten!" – und nimmt diesen als einen von vielen Vorboten für die Kriegsvorbereitung wahr. Zugleich ist seine Aufmerksamkeit für das Leid anderer groß. Sensibel schildert er Bedrohung und Gewalttaten gegen die JüdInnen im Dorf und die Ausweglosigkeit ihrer Lage. Versehen mit Details und Namen wirkt es wie eine Sammlung für eine spätere Anklage. Auch hinsichtlich einer späteren Phase berichtet er detailreich von furchtbaren Strafen für Fluchtversuche Kriegsgefangener in seinem Betrieb, denen er den Weg zu erklären versucht hatte, und von Hunger, Not und Erniedrigung von ZwangsarbeiterInnen. Er reagiert auf die Einschränkung seiner Handlungsspielräume, indem er sein Handeln aus der Gegenwart in die Zukunft verlagert: "Über dich werd ich noch Gericht sitzen" kündet er einem Bekannten an, der Parteimitglied ist. [23]

1935 bemüht Reiser sich – erfolglos – in einem entfernten Industriebetrieb um Arbeit. In den folgenden drei Jahren übernimmt er in dessen Nähe Handlangerarbeiten, besucht aber auch – z.T. selbst finanzierte – Lehrgänge, erwirbt berufliche Fähigkeiten. Ein neuerlicher Konflikt mit dem Vater entzündet sich an Reisers Entscheidung, trotz seiner noch immer prekären Lage für ein Faltboot zu sparen. Sorge und Protest des Vaters zeigen, dass ihr Verhältnis trotz der Auslieferung des Sohnes an die Justiz nicht zerbrach. 1938 wird Reiser, mittlerweile zum Universalschleifer9) umgeschult, als Dreher in dem Großbetrieb eingestellt. Dies eröffnet ihm neue Spielräume, er erlebt sich als "präziser Dreher". Und er entdeckt "Freizeit", die er mit seinem Faltboot, später einem "Kajak", mit "Felsklettern" und Skifahren, gemeinsam mit Anderen verbringt, die er im Betrieb kennenlernt: Zeugen Jehovas, die ihm antifaschistische Literatur weitergeben, andere, die Feindsender hören. Am Rande des Nationalsozialismus hat sich für Reiser ein Auskommen entwickelt, das paradoxerweise einem "guten Leben" näher kommt, als sein gesamtes Leben zuvor, auch, was die sozialen Beziehungen angeht.

"Des war meine Insel, auf die ich mich gerettet hab. Da is mich auch dene ihrn Krieg nix angegange. Also der Krieg, des is euern Krieg, ich hab en ja nit gemacht" (33/18-19). [24]

Doch über diesem Leben hängt ein Schatten. Kurz nach seinem Eintritt in den Betrieb wird von Reiser verlangt, in eine NS-Formation einzutreten. Als der Krieg beginnt und das Werk auf Rüstungsproduktion umgestellt wird, kann er seinen Arbeitsplatz nur sichern, indem er sich – obwohl Mitglieder der KPD ausdrücklich ausgeschlossen werden – für die Arbeit in einem Rüstungsfertigungsbereich meldet. Die Folgezeit schildert Reiser widersprüchlich. Einerseits erzählt er von gemeinsamen Schachspielen mit Kollegen, andererseits erwähnt er, dass dieselben mit ihren Fragen nach seiner Vergangenheit bei ihm Angst vor erneuter Denunziation auslösen. Reiser spricht von "Folter" und sagt: "Damals hab ich immer en Rasiermesser, Tag und Nacht hab ich en Rasiermesser gehabt. Immer." Er fürchtet das Bekanntwerden seiner Gefängnisstrafe und als Folge die Einziehung zur Wehrmacht. Zusätzlich wird seine "Insel" ständig kleiner: Die Kriegs-Siegesmeldungen sind ihm unerträglich, ein Kollege kehrt "ohne Gesicht" im Sarg aus Dachau zurück. Und er schildert Erlebnisse mit zwei Frauen, in die er sich verliebt, die er aber im Eklat verlässt, als sie sich in eine der Organisationen des NS-Systems integrieren. Seine konsequente Haltung in solchen Alltagssituationen führt dazu, dass Reiser im Rückblick sagt: "Das war ein elendes einsames Leben." [25]

Auf einer "Kraft-durch-Freude"10)-Reise, die Reiser bei einer Verlosung im Betrieb 1939 gewinnt, knüpft er Kontakt zu einer jungen Frau, die im Grenzgebiet zur Schweiz lebt. Sie verspricht Unterstützung für eine waghalsige Flucht über die Berge im "Notfall" seiner Einziehung zur Wehrmacht. 1942 beschließt Reiser, dieser Einziehung zuvorzukommen und beantragt Urlaub, um zu fliehen. Statt Urlaub erhält er den "Stellungsbefehl". Sofort fährt er los. Alles verläuft wie geplant, doch Reiser gerät in der Nähe der Grenze mit einem Brief in der Tasche, aus dem seine Fluchtpläne indirekt hervorgehen, in eine Grenzkontrolle. Er wird festgenommen, entgeht knapp der eigenmächtigen Erschießung durch einen der Männer, wird der Gestapo übergeben und wegen "Fahnenflucht" vor ein Sondergericht gestellt. Seine Aussicht, zum Tode verurteilt zu werden, ist realistischer als ein Weiterleben. Um der Todesstrafe zu entgehen, entwirft Reiser in dieser Situation eine Story, die sich auf die Angst vor Aufdeckung seiner Gefängnisstrafe im Betrieb bezieht und die noch im Interview wieder auflebt. In "Panik" vor dem, was ihm als verurteiltem Kommunist in der Wehrmacht blühen werde, sei er geflohen. Drastisch erzählt er im Interview von seinem Plan, nach dem Urteil aus dem Gericht zu fliehen, den "Tod auf der Flucht" einkalkulierend. Zur eigenen Überraschung funktioniert die Story vor Gericht, Reiser wird nicht zum Tod, sondern zu einer langen Zuchthausstrafe verurteilt. [26]

Die Zeit in verschiedenen Zuchthäusern und Lagern, in denen Zwangsarbeit, Misshandlungen, Hunger und Erschießungen Mitgefangener den Alltag prägen, Reiser unendliche Grausamkeit mit ansieht und erleidet, und die schließlich mit dem Transport der "Gehfähigen" nach Osten endet, nimmt den größten Raum in seiner Lebensgeschichte ein. Seine Erzählung über diese Zeit ist von zwei auffallenden Elementen gekennzeichnet: Sie enthält Narrationen, in denen Reiser realisiert, dass seine Kriegsdienstverweigerung große Anerkennung unter den Mitgefangenen hervorruft und er seine Fähigkeiten als "guter Dreher" einbringen kann, um sein und das Überleben anderer zu erleichtern. Weiter verweisen zahlreiche gemeinsame, aber nicht ausgeführte Fluchtpläne auf das Entstehen von Vertrauen unter den Gefangenen. Am Ende gelingt Reiser mit einigen Häftlingen die Flucht aus einem Güterzug. [27]

Unter der ständigen Gefahr, wieder aufgegriffen zu werden, schlägt sich Reiser mit den Anderen gen Westen durch, erfährt und sieht bei Zusammentreffen mit ebenfalls geflohenen Zwangsarbeitern und italienischen Kriegsgefangenen weiteres Elend. Völlig unterernährt und kaum noch lebendig kommt er erst im Juni 1945 in seinem Dorf an. Bald darauf wird er von der KPD in die Spruchkammer11) entsandt. Dies erfährt er zunächst als Möglichkeit, bei der Umsetzung jener Gerechtigkeit mitzuwirken, auf die er so lange gehofft hatte: Er kann sein Wissen gegen die Akteure des Nationalsozialismus einbringen. "Für uns war die Entnazifizierung etwas, was reinigend wirken sollte". Bald jedoch findet eine Ernüchterung statt, die er darauf zurückführt, dass der Widerstand in der Bevölkerung gegen die Entnazifizierung zu groß ist. Sie erfüllt die angestrebte Aufgabe nicht, führt nicht dahin, "dass dene Opfern ... Gerechtigkeit widerfährt". Er selbst nimmt sich aus dem Opfer-Begriff explizit aus: "nit mein Opfer, das war ja mein Risiko, ich war ja kein Opfer". [28]

Seine Wiedereinstellung in den Betrieb wird vom lokalen Arbeitsamt verweigert: aufgrund seiner "Wehrkraftentziehung". Selbst die Anrufung eines Vermittlungsausschusses mit dem sozialdemokratischen Bürgermeister und einem kommunistischen Beisitzer ändert nichts daran: es sei "Pflicht eines jeden Deutschen, Soldat zu wern". In einer Auseinandersetzung, von der Reiser in wörtlicher Rede berichtet, kann er aufs Äußerste empört das Blatt noch wenden:

"Ich will ihnen mal was sache: ich bin seit 1928 Mitglied der KPD. Hab 1932 für Bewaffnung gesorgt, um dene Nazis da an de Macht zu hindern oder den Versuch zu mache, zu hindern. Bin damals bestraft worn, hab damals 16 Monate im Gefängnis runtergemacht unn dann, damals habe wir uns ausgemacht, wir Kommunisten, wir werden für die Nazis nicht Soldat. Damals schon! Bei der allgemeinen Wehrpflicht hab ich unsre' Nazis im Dorf gesagt: Ich werd für euch nie Soldat! ... Es war Pflicht eines jeden Deutschen, nicht Soldat zu werde!" (64/34-65/4) [29]

Die Perspektive Reisers auf die Zeit des Wiederaufbaus ist außergewöhnlich. Im Unterschied zu den anderen InterviewpartnerInnen des Samples12) fokussiert er nicht Zerstörung und Hunger, sondern Auseinandersetzungen um Rechte, die direkt nach dem Krieg durchgesetzt werden konnten, so z.B. außergewöhnliche Lohnvereinbarungen durch einen KPD-Betriebsrat. Sie gingen jedoch in den 1950er Jahren, nicht zuletzt infolge politischer Grabenkämpfe gegen die Stärke der KPD im Betrieb, wieder verloren. Für eine kurze Phase ist Reiser nicht isoliert, nimmt an Diskussionen zu inner- und außerbetrieblichen Fragen und politischen Demonstrationen teil. Doch der Kampf gegen das "Schreckgespenst Kommunismus", den Reiser als Dethematisierung aller für ihn und seine MitstreiterInnen wichtigen Konflikte erfährt, mündet im Verbot der KPD. Reiser teilt jedoch viele der Forderungen, die er allein von der KPD vertreten sieht, insbesondere hinsichtlich der Verteilungsgerechtigkeit im Wiederaufbau. Mit dem Verbot verliert Reiser seine legalen Handlungszusammenhänge, Bekannte von ihm werden angeklagt, und er selbst wird von mehreren Mitbürgern nicht einmal mehr gegrüßt. Reiser erlebt die Situation als Desaster: "Damals – 'Die Juden sind unser Unglück' – und da war das damals genauso: 'Die Kommunisten sind unser Unglück' also ich will des mal vergleiche." [30]

Erneut flüchtet er auf eine "Insel", die aus "Familie" und Freizeitgestaltung besteht. Auch in den Folgejahren nimmt Reiser seine Umwelt aufmerksam wahr, beendet das Interview mit einem politischen Rundgang, in dem er die Aktionen der RAF mit seiner unzulänglichen Sprengstoff-Aktion vergleicht, die Notwendigkeit der Umweltschutzbewegung und der Grünen betont. Doch wird kein Handlungsfeld sichtbar, auf dem er seine Ressourcen in politische oder soziale Konflikte einbringt. Die Jahre bis zur Verrentung im Betrieb erscheinen als ein passives Getriebenwerden von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz, das seiner Familie ein bescheidenes Auskommen ermöglicht. Im Betrieb macht Reiser nicht einmal seine körperliche Überforderung durch zu schwere Arbeit – wahrscheinlich sogar Spätwirkung der Haft – zum Thema eines Konflikts. [31]

3.2 Biografische Impulse und Grenzen für politisches Handeln

Schon in frühen Jahren seines Lebens entwickelt Reiser im Rahmen problematischer Erfahrungen sukzessive eine Wahrnehmung von Alternativen zum Verfolgen des "wahrscheinlichsten Pfades" (KOHLI 1981, S.167), des passiven Sicheinschickens in einen strukturell organisierten Lebensablauf. Angestoßen von der Rebellion seines Körpers gegen Bedingungen seiner Lehre und deren drohende Verlängerung organisiert Reiser sein Wissen neu. Aufbauend auf Erfahrungen wie die Auflösung seiner Lernblockade nach dem Lehrerwechsel, die väterliche Skepsis gegenüber gesellschaftlichen Pflichten infolge seiner Kriegstraumatisierung oder die rücksichtslose Ausbeutung durch seinen Meister entscheidet Reiser sich, seine Lage durch den – gesellschaftlich verpönten – Abbruch der Lehre zu verändern. Dieses Sichentziehen ist ein erstes eigensinniges Reagieren auf die Situation und markiert den Beginn eines biografischen Lernprozesses. Die Kehrseite seines Handelns ist, dass Reiser als Abbrecher einer Ausbildung eine partielle soziale Desintegration erlebt, die er sich jedoch als Freiraum für eigensinnige Aktivitäten aneignet (S.163ff.). Aus der Erfahrung biografischer Veränderungsmöglichkeit entsteht eine Gestaltungslust, die dazu führt, dass Reiser unkonventionelle Pläne entwirft: z.B., ohne Handwerker-Lehre auf Wanderschaft zu gehen. [32]

Dieser "handlungsschematische Impuls" (SCHÜTZE 1981, S.77) eröffnet Reiser allerdings nur sehr begrenzte Möglichkeiten für die Veränderung seines täglichen Lebens. Deutlich schränken fehlende Ressourcen – in erster Linie die fehlende Ausbildung – seine Handlungsspielräume ein. Dennoch passt sich Reiser nicht den Anforderungen seiner Arbeitsstätten an, sondern beginnt, Konflikte zu thematisieren, statt sich ihnen zu entziehen. Hier zeigt sich eine mit dem Wissen um Alternativen gewachsene Handlungsautonomie. Auch als Reiser sich an die Gewerkschaft wendet, zeigt sich, dass er deren Informationen auf seine Art einsetzt: wie zuvor handelt er spontan und allein. Als er kurz darauf diese Form der Selbstbestimmung verliert, da sein Bericht über seine Arbeitsverhältnisse für andere als von ihm intendierte Zwecke genutzt wird, reagiert er mit Rückzug. Sein biografisch geprägtes Vorgehen der individuellen Thematisierung von Konflikten zieht fehlende Solidarität nach sich und behindert dessen Wirksamkeit. [33]

Reisers Rückkehr ins Dorf verändert seine berufliche Situation nicht. Doch kann er mit dem auf der Wanderschaft hinzugewonnenen Wissen andere Handlungsspielräume nutzen: Elemente der Interpretation sozialer Konflikte der Krisenzeit, die er durch die KPD kennenlernte, lassen sich auf die Auseinandersetzungen im Dorf anwenden. Seine Aktivitäten ermöglichen es Reiser, die kaum gewonnene Handlungsintentionalität aufrechtzuerhalten und damit seine Biografie zu stabilisieren. Seine Beteiligung an einem "symbolischen Kampf" (BOURDIEU 1987, S.391) um die Fahnenhoheit im Dorf ist zugleich ein adoleszenter Versuch, sich gegenüber alten Autoritäten zu behaupten und damit seine Platzierung im sozialen Raum zu verändern. [34]

Dass Reiser seine Handlungsfähigkeit im Feld des Politischen und unter Rückgriff auf Symbole und Handlungsmuster der KPD gewinnt, ist keine beliebige Wahl. Sie knüpft an seine Erfahrungen in den Arbeitskonflikten in Jena an, für die er bei der KPD-Jugendorganisation Erklärungen und Handlungsvorschläge fand. Sein Aufgreifen dieser Erfahrungen ist dennoch eigensinnig geprägt: Er wählt Aktionsformen, die er ohne eine größere Gruppe durchführen kann und die eine enge Verbindung mit seinen körperlichen Fähigkeiten ermöglichen. Es wird sichtbar, dass Reiser mit diesem Handeln zugleich sich selbst gestaltet. Mit seinen Aktivitäten wird er zum Rebellen gegen eingefahrene Wege, schafft sich damit eine Perspektive an seiner drückenden beruflichen und materiellen Situation vorbei und schreibt die Hoffnungen einer Weltveränderung in seine biografischen Erwartungen ein. [35]

Die Zusammenhänge der Festnahme Reisers 1932 verweisen darauf, dass er den Weg der Durchführung spektakulärer antifaschistischer Aktionen weiter verfolgt hat. Mit der Verurteilung wird er seiner Handlungsspielräume total beraubt, die Option eines Anknüpfens an seine Handlungspraxis ist im Gefängnis verstellt. Reiser befindet sich in einer Situation, in der "lebenszeitliche Kontinuität in Frage steht" (Fischer-Rosenthal 1995, S.52) und er sich damit auseinandersetzen muss, wie und in welchen Beziehungen sein Leben weitergehen soll. In einem Prozess biografischer Arbeit (S.53), den Reiser unter den Bedingungen der Haft auf sich zurückgeworfen unternehmen muss, entsteht eine Fokussierung des Handelns in der Zukunft13). Mit ihr knüpft er an Elemente seiner bisherigen Geschichte an, die im Gefängnis "zur Hand" sind: Sein Bezug auf die kommunistische Kritik der Gesellschaft, die Erklärungen für die Verschärfung der Situation nach der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus bietet, verstärkt sich. Damit greift Reiser die Orientierungsfunktion, die kommunistische Deutungen in seinen Alltagskonflikten hatten, für sein zukünftiges Handeln auf. Reisers Begegnung mit der Reaktionsfähigkeit des staatlichen Apparats und der Verschärfung der Konflikte, die zu thematisieren er versucht hatte, scheint auch zu einer Neubewertung seiner Aktivitäten geführt zu haben. Dass er nach der Freilassung wagt, ins Dorf zurückzukehren, weist darauf hin, dass er in der Zwischenzeit eine Kritik an seiner Handlungsgestaltung entwickelt hat, ohne die eine Wiederaufnahme seiner sozialen Beziehungen – insbesondere zu seinem Vater – schwer möglich gewesen wäre. Es kann nur vermutet werden, dass gerade das Anschließen an die kritische Weltsicht Reiser die Kontinuierung seines "Ich" und zugleich den Spielraum für Kritik an seiner vorangegangenen Sorglosigkeit gegenüber dem familialen Handlungskontext eröffnete. [36]

Die kritische Weltsicht spiegelt sich in Folgehandlungen zunehmend als "Einstellung" im Sinne von SCHÜTZ und LUCKMANN (1988, S.264ff.), als Sinnhorizont für die Definition von Situationen. Dies findet in Räumen geringer Reichweite statt: beim Gespräch mit jüdischen NachbarInnen über Auswege aus der Gefahr, bei Hinweisen an französische Kriegsgefangene für ihre Flucht aus dem Betrieb. In diesen "Thematisierungen von Konflikten" wird eine Entwicklung Reisers sichtbar. Sie entsteht durch die Verknüpfung eher theoretischer Wissenselemente mit einer durch seine biografischen Erfahrungen von Exklusion, Randständigkeit und Mangel an sozialen und ökonomischen Ressourcen gewachsenen Offenheit für das Leid der Anderen. Mit den Thematisierungen der Probleme derjenigen, die unter dem nationalsozialistischen Regime leiden, positioniert Reiser auch sich selbst, verleibt sich die Kritik zunehmend ein. [37]

Durch die Aneignung beruflicher Ressourcen und den Aufbau persönlicher Beziehungen zeichnet sich nach 1938 eine Stabilisierung seiner materiellen und sozialen Situation ab. Diese trägt Anzeichen einer Individualisierung oder eines Rückzugs ins Private. Sie könnte daher als Reproduktion eines biografischen Musters gelesen werden, das Reiser zwischen den Polen eines engagierten Nutzens von Selbstentfaltungsräumen auf der einen und eines Rückzugs bei Komplikation auf der anderen Seite agieren lässt. Doch Reiser sucht in seinen Beziehungen die Auseinandersetzung mit verschiedenen kritischen Perspektiven auf die soziale Welt. Diese Beziehungen stellen zugleich Versuche einer Antizipation seiner gesellschaftlichen Veränderungswünsche dar – auch wenn sie mehrfach scheitern. Es ist nicht allein die Drohung des Bekanntwerdens seiner Gefängnisstrafe für antifaschistischen Widerstand, ein "Stigma" (GOFFMAN 1967), das ihn biografisch an seine Vergangenheit bindet. Deutlich sichtbar ist, dass Reiser zwar in dieser Phase des Nationalsozialismus Handlungsmöglichkeiten hinzugewinnt, eine gewisse Autonomie erreicht und in seiner Freizeit lustvolle, leibzentrierte Momente erlebt. Doch neben ihnen verweist das "elende Leben" ständig auf die Grenzen der Handlungsspielräume. Gerade die relative Stabilisierung der materiellen Umstände ermöglicht es ihm, konkretere Konturen des Wünschbaren zu entwerfen. Diese Wünsche stehen jedoch, gemeinsam mit Reisers wachsender Sensibilität für Ungerechtigkeit, neben fehlenden Vorstellungen über Möglichkeiten gesellschaftlicher Veränderung. Unter den Bedingungen des Nationalsozialismus verschiebt Reiser sein Handeln weiter in eine Zukunft, von der ihm nicht klar ist, wie sie entstehen soll. [38]

Reisers Planung einer Flucht vor dem Kriegsdienst trotz Drohung der Todesstrafe verweist auf eine Zuspitzung seiner Situation mit Kriegsbeginn, auf zunehmende Angst und Isolation. Die sofortige Flucht nach dem Rekrutierungsbescheid markiert die Grenze seines Anpassungsvermögens. Seine Entscheidung folgt der biografisch gewachsenen Ablehnung von Krieg, die bereits infolge der Kriegserfahrungen des Vaters entsteht und sich durch die Thematisierung der KPD und in Reisers späteren Diskussionen mit Kriegsgegnern verstärkt. Lebensgeschichtlich gewachsen ist ebenso das Bedürfnis, sich zu schützen, die Definitionsmacht über seinen Körper, die verlässlichste Ressource seiner Handlungsfähigkeit, nicht zu verlieren. Das "Rasiermesser", das in seinen Erzählungen mehrfach auftaucht, steht symbolisch für diesen Unwillen. Reisers Flucht ist selbst von den kleinen, interaktionalen Welten her betrachtet, in denen sie als Zeichen "sitzt" (vgl. STRAUSS 1978), keine schlichte Reproduktion eines biografischen Musters. Unter den Rahmenbedingungen des NS-Systems ist sie eine Widerstandshandlung. [39]

Reiser reagiert auf das Scheitern seines Plans und seine Gefangennahme, auf eine völlige Destabilisierung seiner Situation, das nahezu außer Frage stehende Ende seines Lebens, mit einem von ihm selbst für aussichtslos gehaltenen Versuch einer "Flucht nach vorn". Seinen bisherigen Umgang mit seiner Gefängnisstrafe, die er als "Stigma" zu verbergen suchte, lässt Reiser in dieser Situation fallen. Sichtbar wird eine "Technik" der Bewältigung beschädigter Identitäten, wie GOFFMAN (1967) sie beschrieb: der mehr oder weniger bewusste Versuch, die eigene Identität durch übertriebene Betonung der Ursache einer Diskriminierung zu sichern. Überraschend gelingt es Reiser, sein Leben zu retten. [40]

In der Folge erlebt Reiser im Zuchthaus, dass sein Handeln mehr Sinn hatte als intendiert: Seine Weigerung, an diesem Krieg teilzunehmen, wird von den Mitgefangenen aus mehreren von der Wehrmacht annektierten Ländern und von Teilen des elsässischen Personals als Ausdruck radikaler Solidarität mit den Überfallenen gedeutet. Indem Reiser diesen nicht bewusst angestrebten, aber mit Vollzug seiner Verweigerung manifestierten Sinn seines Handelns realisiert, öffnen sich neue Handlungsspielräume: Anerkannt und integriert kann Reiser die Ressourcen, die ihm aus der Zuschreibung des "kommunistischen Kriegsdienstverweigerers" zufallen, nutzen und sie gemeinsam mit seinen Fertigkeiten als "guter Dreher" in eine solidarische Handlungspraxis einbringen. In wechselnden Solidargruppen beteiligt er sich daran, die minimalen Spielräume auszuschöpfen, mit denen die Definitionen der sozialen Welt durch die Schergen der NS-Verwaltung zwar nicht verändert, aber unterlaufen werden können. Die in der biografischen Konstruktion auffällige Präsenz einer Vielzahl von Fluchtplänen spiegelt die Bedeutung imaginierter Handlungsfähigkeit und einer Zukunftshoffnung, die beide eng mit der Erfahrung gemeinsamen Handelns und Vertrauens verbunden sind. Mit dem letztendlichen Gelingen der Flucht wird die Bedeutung solidarischen Handelns bestärkt. [41]

Nach seiner Rückkehr im Frühsommer 1945 ist die Beteiligung an der Entstehung kollektiver politischer Handlungspraxis Bestandteil von Reisers Handeln geworden. Er setzt sich in Auseinandersetzungen nicht nur um seiner selbst willen, sondern insbesondere für andere ein. Seine Eingliederung in die KPD eröffnet ihm Gestaltungsspielräume, in denen er umsetzen kann, was er über Jahre in die Zukunft verschoben hatte: die Thematisierung der nationalsozialistischen Verbrechen und die Mitwirkung an der (Neu-) Gestaltung der Gesellschaft. Mit dem Aufgreifen dieser Möglichkeit bindet Reiser sein Handeln zum ersten Mal an die Kommunistische Partei. [42]

Erst in der Folge entsteht eine Parallelisierung seiner Handlungsorientierungen der Vergangenheit mit der Organisationsgeschichte (vgl. SCHIEBEL 2008, Abs.66), die sich auch in der Vereindeutigung seiner Kriegsdienstverweigerung spiegelt, von der Reiser im Zusammenhang mit der zunächst verweigerten Wiedereinstellung im Betrieb erzählt. Diese Reinterpretation seiner Vergangenheit entsteht auf einem umkämpften Feld, auf dem die Bewertung des Verhaltens im Nationalsozialismus ausgehandelt wird. Verbreitete Positionen, die das blinde Erfüllen jedweder staatlichen "Pflicht" verfechten, selbst wenn es sich um Pflichten im Rahmen des NS-Staates handelt, stellen Reisers Weltsicht infrage. Sie sind ebenso ein Angriff auf seine Biografie und seine politischen Perspektiven. Konfrontiert mit diesen Positionen charakterisiert er die "Fahnenflucht" als bereits vor dem Nationalsozialismus im kommunistischen Widerstand kollektiv getroffene politische Entscheidung. Diese rückwirkende "Entdeckung" Reisers ist als Folge der Suche nach "ersten Spuren" eines biografisch relevanten Veränderungsprozesses (ROSENTHAL 1995, S.142) zu sehen, in dessen Verlauf sich mit der lebensgeschichtlichen Verfestigung der KPD-Zugehörigkeit unerwartete Spielräume für sein politisches Handeln öffneten. Die Parallelisierung dokumentiert eine Einschreibung des organisierten Handelns in seine Biografie, die noch in der Selbstpräsentation 1986 die Perspektive Reisers prägt. [43]

Aus dieser engen Bindung entsteht ein Dilemma. Zunächst ermöglicht das Wechselverhältnis zwischen den sich im Rahmen der Partei öffnenden Handlungsmöglichkeiten und biografisch gewachsenen Handlungswünschen eine subjektive Entfaltung Reisers. Er erfährt eine Aufhebung seiner Isolation hinsichtlich der zentralen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen, die Effektivierung seines Handelns durch die kollektive Einbindung und damit die Gleichzeitigkeit von gesellschaftlicher Integration und persönlicher Emanzipation. Die Zurückdrängung der KPD und schließlich ihr Verbot ziehen einen umfassenden Verlust von Artikulationsräumen und Handlungszusammenhängen für Reiser nach sich. Das Verbot der Partei führt zu einer erneuten Stigmatisierung, die seine soziale Positionierung verändert und nicht nur die aktuellen politischen Handlungsspielräume Reisers zerstört. Die Stigmatisierung erschwert fortan, dass er seine Veränderungswünsche und Gestaltungsvorstellungen im Bezug auf seinen beruflichen Alltag einbringt. Die Gestalt seiner Lebensgeschichte, die mit ihr entstandenen Erwartungen und sein Selbstbild setzen Reiser Grenzen, sich auf Interaktionen einzulassen, in denen seine Biografie und Elemente seiner Emanzipation infrage gestellt werden. Gerade die Thematisierung seiner körperlichen Überforderung durch schwere Arbeit im Betrieb – Spätfolge der Zuchthaushaft – ist im Rahmen sozialer Beziehungen, in denen seine Wehrdienstverweigerung als Straftat oder "Pflichtentzug" behandelt wird, kaum möglich. [44]

Eine zentrale Rolle für Reisers umfassenden Rückzug aus den Feldern, auf denen er an der Thematisierung von Konflikten beteiligt war, spielt seine verlorene Zukunftshoffnung. Sie entsteht nicht allein mit dem Verlust des Kollektivs, in dem er sich entfalten konnte. Sie geht mit der umfassenden Zurückweisung seiner biografisch angeeigneten Vorstellungen von gesellschaftlicher und persönlicher Emanzipation verloren, die Reiser nach dem Ende des Nationalsozialismus nicht erneut überbrücken kann. [45]

4. Resümee

Die Prozesse der Politisierung von Friedrich Reiser finden nicht ausschließlich und nicht einmal vorrangig durch seine Eingliederung in die KPD, Diskussionen und Kontakte mit anderen KommunistInnen oder eine Identifikation mit den Zielen dieser Partei statt. Die Rekonstruktion seiner Lebensgeschichte zeigt, dass sich sein politisches Handeln in einem Wechselprozess zwischen alltäglichen Konflikterfahrungen und institutionalisierten Interpretationen und Bearbeitungsweisen von Konflikten entwickelt. Der Auslöser für diesen Prozess sind Veränderungswünsche, die in alltäglichen Konflikten entstehen. Diese Konflikte enthalten mehrfach Hinweise auf eine Veränder- und Gestaltbarkeit von Welt, die für Reiser in einer Krisensituation relevant werden, indem sie ihn ermutigen, entgegen der bestehenden Ordnung zu handeln. In der Folge erfährt er, dass es Alternativen zum Verfolgen des "wahrscheinlichsten Pfades" gibt. In diesem biografischen Lernprozess verändert sich Reisers Selbst- und Weltverhältnis; die Grundlage für die Wahrnehmung von Gestaltungsmöglichkeiten konflikthafter Situationen entsteht. Auslöser für die Suche nach Artikulationsformen und institutionalisierten Wissensvorräten sind jedoch biografische Veränderungswünsche, sie bestimmen zugleich deren Auswahl. [46]

Die institutionalisierten Wissensbestände und Handlungsformen der Organisationen, auf die Reiser zugreift, sind in einem weiten Sinn an seine Erfahrungen anschlussfähig. Sie liefern nicht allein Erklärungen und vermitteln Thematisierungskompetenzen, sie "passen" auch zur leibzentrierten Kernsituation seines Alltagslebens: Politisches Handeln hat nicht nur einen Inhalt, es vermittelt auch eine Praxis. In dieser Praxis werden Wissensbestände und Handlungsformen angeeignet und eigensinnig geprägt; in ihr entwickelt Reiser auch sich selbst. Im Zusammenspiel biografischer Veränderungswünsche und institutionalisierter Deutungsmuster entsteht eine zunehmend selbstverständliche Wahrnehmung von Konflikten, realisiert Reiser Elemente von Selbstentfaltung und konstituieren sich seine Vorstellungen von Emanzipation. Die einschneidenden Grenzen, auf die seine Praxis immer wieder stößt, kann Reiser mehrfach durch die "Verlegung" der zentralen Lebensperspektive in die Zukunft überbrücken. Mit dieser biografischen Krisenbearbeitung (ROSENTHAL 1987) gelingt es ihm, seine Handlungsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Das inhaltliche Anschließen dieser Krisenbearbeitung an die Deutungen sozialer Welt der KPD antizipiert die Überwindung sozialer Isolation und stützt die Hoffnung auf zukünftige Handlungsfähigkeit durch Selbstintegration in eine größere Gruppe. [47]

Die mit Kriegsbeginn drohende Rekrutierung zur Wehrmacht wird für Reiser im Zusammenspiel zwischen politischen Vorstellungen und biografischen Erfahrungen zum Problem, für dessen Lösung die KPD keine Orientierung bietet. Reiser handelt unter Rückgriff auf biografische Ressourcen, sein Wissen um die Möglichkeit eines Bruchs mit gesellschaftlichen Pflichten und das Vertrauen auf seine körperlichen Fähigkeiten. Dennoch bildet der kritische Diskurs, der ein Handeln nach dem Nationalsozialismus vorwegnahm, und der in Reisers Umfeld auch von kommunistischen Kollegen getragen wurde, einen Horizont für sein Handeln. [48]

Reisers Charakterisierung seiner Kriegsdienstverweigerung als im Parteizusammenhang getroffene Entscheidung spiegelt somit einen tatsächlich vorhandenen, handlungsrelevanten Rahmen, stellt dennoch eine Reinterpretation dar. Diese verweist auf eine biografische Restrukturierung, die nach einem allmählichen Driften der Gestalt von Reisers Lebensgeschichte erfolgte: Ein zunehmend intentionales Handeln entwickelte sich in einem Wechselspiel zwischen biografischen Handlungswünschen und der Aneignung einer Weltsicht, die sich nicht der herrschenden Ordnung unterwirft. Die Handlungsspielräume, die sich in diesem Prozess eröffneten, "versteht" Reiser im Rückblick als Folge seiner Orientierung an der kommunistischen Weltsicht. [49]

Im Interview entwirft Reiser seine Lebensgeschichte von der Perspektive der Phase her, in der er diese Handlungschancen nutzen, große Handlungsaktivität entfalten konnte und überdies soziale Integration erlebte. Mit dem Verbot der KPD 1956 verloren seine Wünsche und Vorstellungen einer Gestaltung von Welt plötzlich ihre Anschlussfähigkeit an die gegenwärtige Praxis und ihren Zukunftshorizont. Es ist dennoch nicht allein die Außenwelt, sondern auch seine Innenwelt, die Gestalt seiner Biografie, die Reiser in dieser Situation zum "Nicht-Handeln" drängt, um seine Emanzipationsgewinne und sein Selbstbild zu verteidigen oder aufrechtzuerhalten. [50]

Im Interview markiert dieser Einschnitt eine "Gegenwartsschwelle" (ROSENTHAL 1995, S.143), die die Zeit politischer Aktivität im organisatorischen Rahmen der KPD von der Zeit des umfassenden Rückzugs aus Feldern der Konfliktthematisierung trennt und zugleich das Arbeitsbündnis mit dem Interviewer bestimmt. Reiser greift das Interview als Chance auf, unter erneut veränderten Bedingungen seine Vorstellungen von einer Veränderung der Welt noch einmal einzubringen. Er entwirft seine Lebensgeschichte als die eines aktiven, politisch agierenden Subjekts und versucht damit, die biografisch erfahrene Aberkennung der politischen Dimension seines Handelns, insbesondere seiner Wehrdienstverweigerung zu verändern. Seine Erzählung ist zugleich der Versuch, mit der Repräsentation seiner biografischen Erfahrungen auf die Vorstellungen des jüngeren Interviewers Einfluss zu nehmen. Dass dieser die Wehrdienstverweigerung als Handeln interpretiert, das aus der Parteiaktivität Reisers folgt, erklärt sich aus der Restrukturierung der Lebensgeschichte ebenso wie aus dieser interaktiven Delegation. [51]

Danksagung

Ich danke dem mittlerweile verstorbenen Interviewpartner für sein Einverständnis, seine Lebenserzählung in meine Arbeit einzubeziehen, den TrägerInnen des Projekts für die Überlassung der Interviews an das Stadtarchiv Rüsselsheim und insbesondere der Hans-Böckler-Stiftung für die großzügige Unterstützung meiner Dissertation, in deren Rahmen die Forschung durchgeführt wurde.

Anmerkungen

1) Das Interview war Teil eines lokalgeschichtlichen Projekts, das beabsichtigte, das hinter Fabrikmauern verborgene (Er-) Leben und Arbeiten der Beschäftigten eines Industriebetriebes im Wandel des 20. Jahrhunderts für die "Öffentlichkeit" zugänglich zu machen (SCHIRMBECK 1988, S.14ff.). Das Interview wurde aufgrund seiner Besonderheit in einer weiteren Veröffentlichung ausführlich dargestellt und interpretiert (PFLÜGNER 1989). <zurück>

2) Ein Teil der 46 Interviews des genannten Projekts werden in meinem Dissertationsvorhaben "Erinnerungen an den Nationalsozialismus vor dem Erfahrungshintergrund Betrieb" erneut analysiert. Die in diesem Aufsatz gestellte Frage wurde dort jedoch nicht bearbeitet. <zurück>

3) Der Name wurde anonymisiert. <zurück>

4) SCHÜTZEs Vorgehen (bes. 1984), bei dem die Rekonstruktion der Erzähleinheiten einer autobiografischen Erzählung im Vordergrund stand, ist mittlerweile variiert worden. Jüngere Verfahren beziehen eigentheoretischen und argumentativen Darstellungsschemata folgende Passagen systematisch in die Auswertung ein (so z.B. ROSENTHAL 1995) und kontrastieren diese mit narrativen Passagen. Mein Vorgehen orientiert sich an den Interpretationsschritten von Bettina DAUSIEN (1996), deren Arbeit ebenfalls die Sekundäranalyse eines Interviews dokumentiert, das nicht uneingeschränkt als "narrativ" gelten kann (S.136). <zurück>

5) Friedrich Reiser im Interview mit Klaus PFLÜGNER (1986). Alle Zitate werden im Folgenden kursiv wiedergegeben, Quellenangaben (Seite/Zeile) bei längeren Zitaten verweisen auf das von mir für die Narrationsanalyse überarbeitete Interviewtranskript (Transkript im Archiv der Stadt Rüsselsheim). <zurück>

6) Serienmäßige Herstellung von Kleidungsstücken. <zurück>

7) Umgangssprachlicher Ausdruck für die Wanderschaft von Handwerksgesellen nach der Lehre, auf der berufliche Erfahrungen gesammelt wurden. <zurück>

8) Die KPD warf der Sozialdemokratischen Partei vor, ihre Politik trage zur Stärkung faschistischer Kräfte bei. Vgl. die zuerst 1942 veröffentlichte Analyse von Franz NEUMANN (1984, S.40-58, insbes. S.43f.). <zurück>

9) Beruf, der die maschinelle Oberflächenbearbeitung von Werkstücken umfasst, die zu jener Zeit eine Schlüsselkompetenz für die Beschäftigung in der Metallindustrie darstellte. <zurück>

10) NS-Organisation der Deutschen Arbeitsfront, einer Zusammenführung "aller arbeitenden Deutschen" im Sinne der NS-"Volksgemeinschaft". In ihrem Rahmen entstand ein umfangreiches Kultur- und Freizeitprogramm, das auf Erholung und "körperliche Ertüchtigung" ausgerichtet war und nicht zuletzt die Steigerung der Produktionsleistungen zum Ziel hatte. <zurück>

11) Spruchkammern waren Laiengerichte mit öffentlichen KlägerInnen, die von August 1946 an die Entnazifizierung nach dem "Gesetz zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus" in der US-amerikanischen Zone unter Aufsicht der Militärregierung übernahmen. <zurück>

12) Vgl. Anmerkung 1; Auswertung der Interviews zur "Nachkriegszeit" (SCHIRMBECK 1988, S.240ff.). <zurück>

13) Rosenthal spricht hinsichtlich solcher Aktivitäten von "Reparaturstrategien", mit denen ein Akteur oder eine Akteurin einer Bedrohung durch alternative temporale Fokussierungen zu entgehen versucht (1987, S.97). <zurück>

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Zur Autorin

Andrea NEUGEBAUER (Mag.art.), Studium der Germanistik, Politikwissenschaften und Soziologie in Frankfurt/M., Promovendin im Fach Soziologie, Arbeitsschwerpunkte: Biografieforschung, Kulturanalyse, Nationalsozialismus, Arbeit, Migration.

Kontakt:

Andrea Neugebauer

Johann-Wolfgang-Goethe-Universität
Fachbereich 03 Soziologie/Politologie
Institut für Grundlagen der Gesellschaftswissenschaften
Robert-Meyer-Straße 5
D-60054 Frankfurt/M.

Tel.: +49 / (0) 69 / 798-23787

E-Mail: andreaneugebauer@gmx.net

Zitation

Neugebauer, Andrea (2011). "Ich werd für euch nie Soldat!" Zur Bedeutung biografischen Lernens für politisches Handeln [51 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 12(2), Art. 11, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs1102118.

Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research (FQS)

ISSN 1438-5627

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