Volume 9, No. 2, Art. 33 – Mai 2008

Die Bürgerausstellung: Eine Kombination sozialwissenschaftlicher, partizipativer und künstlerischer Elemente

Birgit Böhm, Heiner Legewie & Hans-Liudger Dienel

Zusammenfassung: Die "Bürgerausstellung" ist durch ihre Verbindung sozialwissenschaftlicher, partizipativer und künstlerischer Elemente ein Umsetzungsbeispiel angewandter performativer Sozialwissenschaft. Die Methode entstand in den 1990er Jahren bei der Vermittlung qualitativer Methoden und gemeindespsychologischer Ansätze an Studierende der Psychologie. Die Bürgerausstellung kombiniert qualitative Methoden wie Interview und Textinterpretation mit künstlerisch-ästhetischen Methoden wie Fotografie und Film zu einem Gesamtkonzept. In der Tradition der Aktionsforschung stehend wird das Verfahren bei der Erforschung gesellschaftlicher Problemstellungen eingesetzt. Die Bürgerausstellung unterstützt durch die Präsentation unterschiedlicher Sichtweisen den Dialog und weiterführende Kommunikationsprozesse zwischen den Akteuren und Akteurinnen. Die Inszenierung der Ausstellungseröffnung hat dabei besondere Bedeutung. Der vorliegende Beitrag über die Bürgerausstellung stellt in seinem ersten Teil die Entstehungsgeschichte des Verfahrens vor und bietet im zweiten Teil eine Einführung in die einzelnen methodischen Schritte. Im dritten Teil werden zur Veranschaulichung der Methode unterschiedliche Bürgerausstellungen beschrieben. Der letzte Teil diskutiert den Anspruch der Bürgerausstellung, ihre performative Komponente, ihre Stärken und Grenzen, berücksichtigt die Ergebnisse einer bisher vorliegenden Evaluationsstudie und wirft einen Blick auf die zukünftige Nutzung des Verfahrens. Dabei ist die Kombination mit Instrumenten, die einen langfristigeren Partizipationseffekt ermöglichen, die Erweiterung der Beteiligungsmöglichkeiten für die Beforschten und das Experimentieren mit zusätzlichen künstlerischen Methoden besonders zu beachten.

Keywords: Bürgerausstellung, Partizipation, Fotografie, Aktionsforschung, Stadt- und Regionalforschung, Gemeindepsychologie

Inhaltsverzeichnis

1. Entstehungsgeschichte der Bürgerausstellung

2. Einführung in die Methode

2.1 Auswahl und Konkretisierung des Themas

2.2 Auswahl der Interviewpartnerinnen und Interviewpartner

2.3 Interviewführung

2.4 Fotografieren

2.5 Interviewauswertung

2.6 Vorbereitung der Ausstellung

2.7 Ausstellungseröffnung

2.8 Prozessbegleitung

3. Beispiele für unterschiedliche Formen von Bürgerausstellungen

3.1 Eine typische Bürgerausstellung: Wandern und Wiederkommen – Magdeburger Rückkehrgeschichten

3.2 Erweiterung durch Filmmaterial: Die Bürgerausstellung Projekt Zukunft – Familien an der Universität

3.3 Länderübergreifend und zweisprachig: Bürgerausstellungen Historische Stadtzentren im Strudel der Globalisierung: Neapel – Florenz – Berlin

4. Anspruch und Evaluation der Bürgerausstellung

Literatur

Zur Autorin und zu den Autoren

Zitation

 

1. Entstehungsgeschichte der Bürgerausstellung

Die Idee, die Ergebnisse qualitativer Forschung in Ausstellungsform zu präsentieren, entwickelte sich in den 1990er Jahren aus unserer Praxis der Vermittlung qualitativer Methoden und gemeindepsychologischer Ansätze im Hauptstudiengang Psychologie der Technischen Universität Berlin. Die Ausbildung in qualitativer Diagnostik und Forschung erfolgte zu dieser Zeit in einer vorbereitenden theoretischen Vorlesung. Parallel zur Vorlesung wurde ein zweisemestriges Projektseminar angeboten. Im ersten Teil dieses Seminars entwickelten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer anhand einer gemeindepsychologischen, auf Berlin bezogenen Fragestellung einen Interviewleitfaden und setzten sich theoretisch und durch teilnehmende Beobachtung mit der jeweiligen Problemstellung auseinander. Anschließend führte jede/r Studierende ein offenes Interview mit in die jeweilige Problemstellung involvierten Akteur/innen. Im zweiten Teil des Seminars wurden die Interviews in Anlehnung an den Ansatz der Grounded Theory analysiert ("konzeptionelles Ordnen" als Kurzform der Grounded Theory Methodologie entsprechend STRAUSS & CORBIN 1996, S.17f.). [1]

In einem dieser Projektseminare, das sich mit der Großbaustelle am Potsdamer Platz in Berlin beschäftigte, machte der Student Andreas TAGLINGER, der gleichzeitig Dozent für Fotografie an der Universität der Künste Berlin war, den Vorschlag, die Interviewten zu fotografieren. Die Seminargruppe beschloss, nach Abschluss des Seminars die Ergebnisse des Projekts in Form ausgewählter Interviewzitate zusammen mit den Fotoporträts der Interviewten in einer Ausstellung zu präsentieren. Die Interviewpartner und Interviewpartnerinnen (z.B. der für das Projekt verantwortliche Stadtentwicklungssenator, Planer, Bauarbeiter, Caterer oder die Managerin der "Infobox", einer Art Ausstellungsturm, der über die Fortschritte der Bauarbeiten informierte) erklärten ihre Bereitschaft, sich fotografieren zu lassen und für die geplante Ausstellung auf den sonst bei Interviews üblichen Datenschutz zu verzichten. [2]

Die Ausstellung Baustellenmenschen am Potsdamer Platz, die 1997-1998 in der Infobox stattfand, stieß auf ein beachtliches Presseecho und erwies sich auch für die Studierenden als ein hoher Motivationsfaktor. Aufgrund dieser Erfahrung wurde die Ergebnispräsentation in einer Ausstellung mit Fotoporträts und markanten Interviewauszügen in den folgenden Jahren bei mehreren Projektseminaren wiederholt. So entstanden weitere Ausstellungen, unter anderem die Ausstellung Der Zug in die Peripherie Berlins: Gespräche mit Randwanderern (1998) und zwei Ausstellungen zum Thema "soziale Stadt" am Beispiel des Quartiersmanagements in Berlin, einer Maßnahme für Stadtquartiere mit "besonderem Entwicklungsbedarf", also einer besonderen sozialen und räumlichen Problemlage: Wrangelkiez und Magdeburger Platz (1999/2000). Bei der Entstehung der Methode im Rahmen der Vorbereitung der Ausstellung Baustellenmenschen am Potsdamer Platz hatte der Beteiligungsaspekt noch keine besondere Bedeutung. Erst die Bürgerausstellungen zum Quartiersmanagement stellten den Aspekt der Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern stärker heraus. Hier wurde das Konzept mit dem Partizipationsverfahren "Planungszelle" kombiniert. Bei der Planungszelle arbeitet eine repräsentative Zufallsstichprobe aus Bürgerinnen und Bürgern eines Stadtteils für mehrere Tage und mit Aufwandsentschädigung an einer Thematik und fasst ihre Ergebnisse in Form eines "Bürgergutachtens" zusammen (DIENEL 1997). Die Bürgerausstellungen Wrangelkiez und Magdeburger Platz hatten das Ziel, ergänzend zum Bürgergutachten die Sichtweise von Bewohnerinnen und Bewohnern auf ihr Wohnviertel anschaulich zu machen; darüber hinaus sollte die Arbeitsweise der Planungszellen dokumentiert werden. [3]

Das partizipative Element wurde später in zwei Bürgerausstellungen über die temporäre Nutzung urbaner Brachflächen in Berlin-Friedrichshain und in den Campi Flegrei (Golf von Neapel) im Rahmen des europäischen Forschungsprojekts "Urban Catalysts: Strategies for Temporary Uses" vertieft (vgl. MISSELWITZ, OSWALT & OVERMEYER 2007). SCHOPHAUS und DIENEL (2003a, 2003b) integrierten das partizipative Element in das methodische Gesamtkonzept und prägten den Namen "Bürgerausstellung" für das Verfahren. Die Auswirkungen der Bürgerausstellung in den Campi Flegrei wurden von PROCENTESE (2006) in einer Follow-Up-Studie evaluiert (s. Abschnitt 4.). [4]

2. Einführung in die Methode

Die Bürgerausstellung nutzt die ästhetische und emotionale Kraft von Bildmaterial, also ihr performatives Element, um zwei Ziele zu verfolgen: Sie will erstens, das ist ihr sozialwissenschaftliches Element, die subjektive Sicht von Menschen, die ein bestimmter thematischer Kontext wie die Arbeit auf einer Großbaustelle, das Leben in einem Stadtviertel oder die Abwanderung aus einer ländlichen Region verbindet, erfassen und darstellen. Und sie will zweitens, das ist ihr partizipatives Element, den unterschiedlichen Interessengruppen in diesem thematischen Kontext die Möglichkeit bieten, ihre Einstellungen, Ziele, Wünsche und Aktivitäten offenzulegen, einen Diskussionsprozess zu beginnen und in Dialog mit der Öffentlichkeit zu treten. [5]

Das methodische Vorgehen zur Gestaltung einer Bürgerausstellung lässt sich unterteilen in acht Schritte. [6]

2.1 Auswahl und Konkretisierung des Themas

Am Beginn einer Bürgerausstellung steht die Auswahl eines geeigneten Themas. Ausgangspunkt für diese Themenauswahl sind gesellschaftliche Problemstellungen, z.B. die Verarmung und Verödung eines Wohnviertels oder der Abbau von Verkehrsinfrastruktur in einer ländlichen Region. Im Idealfall erfolgt die Konkretisierung des Ausstellungsthemas gemeinsam mit Vertretern und Vertreterinnen der beteiligten Interessengruppen. [7]

2.2 Auswahl der Interviewpartnerinnen und Interviewpartner

Bei der Auswahl der Interviewpartnerinnen und Interviewpartner für die qualitativen Interviews werden Stichprobentechniken der qualitativen Sozialforschung genutzt (vgl. MERKENS 2000). Nach dem Prinzip des Theoretischen Samplings (STRAUSS & CORBIN 1996, S.148ff.) können im Verlauf der Untersuchung die für die jeweilige Problemlage relevanten Interessen- bzw. Betroffenengruppen identifiziert werden. Ziel ist es, möglichst unterschiedliche Akteure und Akteurinnen auszuwählen und damit die Vielfalt der Sichtweisen zu erfassen. Der Auswahlprozess endet, wenn man sich an der Terminologie der Grounded Theory Methodologie orientiert, mit der theoretischen Sättigung, also dem Punkt, an dem keine weiteren für die Problemlage bedeutsamen Positionen ermittelt werden können. Vorstellbar ist aber auch eine Zufallsauswahl. So können Bürgerausstellungen mit Verfahren kombiniert werden, die einen durch eine repräsentative Stichprobe zusammengestellten Personenkreis beteiligen. Ein Beispiel sind die bereits erwähnten Planungszellen, die als Beteiligungsverfahren mit repräsentativer Zufallsauswahl den Bürgerausstellungen Wrangelkiez und Magdeburger Platz vorausgingen (SENSTADT 2000). Bei der Auswahl der relevanten Personengruppen sind deren Interessen zu beachten. Eine Bürgerausstellung kann genutzt werden, um einer von der Planung vernachlässigten Betroffenengruppe und ihren Positionen Gehör zu verschaffen. Sie wird damit ein Öffentlichkeitsmedium speziell für diese Gruppe. Insbesondere bei konfliktbelasteten Problemfeldern sollten jedoch möglichst viele, im günstigsten Fall alle und damit auch die zahlenmäßig kleineren, am Konflikt beteiligten Gruppen einbezogen werden. Es besteht sonst das Risiko, dass einzelne Gruppen sich benachteiligt fühlen, die Bürgerausstellung boykottieren und bestehende Konflikte oder Konkurrenzen sich verstärken. Die Bürgerausstellung kann in diesem Fall ihr Anliegen, einen Diskussionsprozess zwischen allen Beteiligten zu fördern, nicht erfüllen. [8]

2.3 Interviewführung

Bei der Erarbeitung einer Bürgerausstellung werden in der Regel leitfadengestützte, halbstrukturierte Interviews verwendet. Die Interviews werden aufgenommen und wortwörtlich verschriftet. Ein häufig bei der Erarbeitung einer Bürgerausstellung eingesetztes Interviewverfahren ist das problemzentrierte Interview (WITZEL 1985, 2000). Diese Interviewmethode wurde auf der Basis der Grounded Theory Methodologie entwickelt und ermöglicht das Erfassen individueller Handlungen, subjektiver Wahrnehmungen und Verarbeitungsweisen. Die Orientierung an einer gesellschaftlich relevanten Problemstellung und ein biografischer Einstieg sind für das problemzentrierte Interview kennzeichnend. Es ermöglicht die Reflexion über den interessierenden Problembereich und einen Zugang zu der subjektiven Bedeutung, den dieser Bereich für die interviewte Person hat. Es sind aber auch andere Interviewmethoden bei der Erarbeitung einer Bürgerausstellung einsetzbar. Wichtig ist, dass die Befragten im Rahmen des Interviews genügend Raum erhalten, um ihre subjektive Sichtweise zu schildern, ihre Position darzulegen und über ihr Engagement, über Probleme, Wünsche, Hoffnungen und Aktivitäten zu erzählen. Wenn für die Bürgerausstellung Fotos der Interviewten vorgesehen sind, ist es erforderlich, mündlich oder in Form eines schriftlichen Vertrags mit den Interviewten eine Befreiung vom Datenschutz zu vereinbaren, da sie mit Bild und Interviewzitaten der Öffentlichkeit präsentiert werden sollen und damit identifizierbar sind. [9]

2.4 Fotografieren

Parallel zu den Interviews werden die Interviewten fotografiert. Die Fotos können im Anschluss an das Interview, aber auch an einem anderen Termin entstehen. Um eine hohe Qualität der Fotos zu gewährleisten, empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit einer Fotografin oder einem Fotograf. Je nach Thematik der Bürgerausstellung können auch andere Motive aus dem Lebensumfeld der Interviewten fotografiert werden, im Rahmen der Erarbeitung einer Bürgerausstellung über ein verarmtes Stadtviertel etwa bestimmte Orte im Viertel, die den Befragten wichtig sind oder die Problematik auf besondere Weise symbolisieren. Dabei sollten die Interviewten selbst zusätzliche Motive vorschlagen. Eine alternative oder ergänzende Vorgehensweise überträgt den Interviewten die Rolle des Fotografen/der Fotografin. Sie können mit den Mitteln der Fotodokumentation relevante Aspekte ihrer Umwelt dokumentieren und werden damit selbst zu Forscherin oder Forscher. Diese Art der intensiveren Beteiligung wurde bisher aber erst in wenigen Bürgerausstellungen praktiziert. Das Bildmaterial, das für eine Bürgerausstellung genutzt wird, muss sich nicht auf Fotografien beschränken. Auch Filmmaterial wird bereits genutzt, das Einbeziehen weiterer künstlerischer Elemente ist denkbar. [10]

2.5 Interviewauswertung

Als fünfter Schritt bei der Erarbeitung einer Bürgerausstellung folgt die Auswertung der entstandenen Interviews. Hier geht es darum, die Perspektive der Interviewten möglichst prägnant zusammenzufassen, wobei eine starke Kürzung der meist umfangreichen Interviews erforderlich ist. Ein häufig verwendetes Verfahren ist die dokumentarische Montagetechnik, bei der eine gekürzte Wiedergabe im Wortlaut des Interviews angestrebt wird (s. LEGEWIE 1987). Darüber hinaus können Kodierverfahren wie die qualitative Inhaltsanalyse (MAYRING 1993, 2000) oder das theoretische Kodieren nach der Grounded Theory Methodologie (STRAUSS & CORBIN 1996) eingesetzt werden. Die qualitative Inhaltsanalyse erlaubt die Auswertung von Interviews anhand einer Kategorienliste, die zu Beginn der Auswertung festgelegt und im Verlauf der Auswertung noch erweitert werden kann. Auf diese Weise werden einzelne Textstellen des Interviews relevanten, zuvor entwickelten inhaltlichen Kategorien zugeordnet. Beim theoretischen Kodieren wird nach theoretischen Konzepten für die jeweils interessierenden Textstellen gesucht. [11]

Das Ergebnis der Interviewauswertung ist entweder eine Montage des Interviewtextes in seinen relevanten Passagen oder eine nach Kategorien geordnete Zusammenstellung von Interviewzitaten, die neben dem Bildmaterial als Textbasis für die Ausstellungsexponate dienen. Die Interviewzitate sollten die Perspektiven der Interviewten möglichst prägnant charakterisieren. Bei heiklen bzw. konflikthaften Themen empfiehlt es sich, die Auswahl der Zitate mit den Interviewten abzustimmen. [12]

2.6 Vorbereitung der Ausstellung

Die Ausstellung soll Texte und Bildmaterial so zu Exponaten kombinieren, dass Thematik und Perspektive der Beteiligten komplex und plastisch zum Ausdruck kommen. Dafür kann ein mehr oder weniger hoher finanzieller und ästhetischer Aufwand betrieben werden. Im einfachsten Fall bestehen die Exponate aus kostengünstigen Flipcharts oder Kartontafeln, auf die Fotoabzüge bzw. Digitaldrucke und Begleittexte geklebt werden können. Die Digitaltechnik ermöglicht aber auch aufwendig gestaltete Bild-Text-Montagen. Kostspielig sind in diesen Fällen sowohl der Ausdruck der Bild-Text-Tafeln auf Hochleistungsplottern als auch die Kaschierung auf haltbarem und transportablem Trägermaterial. [13]

Wichtig ist, dass die Ausstellung "vor Ort" stattfindet, also im Lebensraum der in der Ausstellung präsentierten Interessen- und Betroffenengruppen. Die Ausstellung sollte räumlich gut erreichbar und ohne finanzielle Kosten für die Betroffenen zugänglich sein. Eine Bürgerausstellung über ein Stadtviertel mit einer besonderen Problemlage sollte also in diesem Stadtviertel an einem möglichst zentralen Ort stattfinden. Zu beachten ist auch die Verständlichkeit der Ausstellung für die unterschiedlichen Betroffenengruppen. Eine Bürgerausstellung in einem Stadtviertel mit vielen Migrantinnen und Migranten sollte die Texte auch in Übersetzung präsentieren. [14]

Die Vorbereitung der Ausstellung schließt auch die Vorbereitung der Eröffnung mit ein, ihrer Inszenierung und Dramaturgie. [15]

2.7 Ausstellungseröffnung

Die Ausstellungseröffnung bildet den Höhepunkt des Verfahrens und spielt als methodischer Schritt eine Schlüsselrolle. Sie muss mit einer hohen Öffentlichkeitswirksamkeit inszeniert werden, damit auch im Anschluss an die Eröffnung möglichst viele Besucher und Besucherinnen angezogen werden. Nur durch die Breitenwirkung kann eine Bürgerausstellung einen Beitrag dazu leisten, dass die Auseinandersetzung mit der Thematik und ein wünschenswerter Veränderungsprozess unter Beteiligung der betroffenen Akteure und Akteurinnen angestoßen oder unterstützt werden. Die in der Ausstellung präsentierten Interviewten folgen in der Regel gern und hoch motiviert der Einladung zur Eröffnung und bringen Angehörige, Freunde und Freundinnen, Bekannte und weitere an der Thematik Interessierte mit. Der Kreis der Einzuladenden sollte aber über diese Gruppe hinaus alle interessierten Bürgerinnen und Bürger ansprechen, ebenso Interessenvertreter/innen, Lobbyist/innen und vor allem die verantwortlichen Lokalpolitiker/innen. Auch die Einladung von Presse und Medien ist zu berücksichtigen, denn das mediale Echo zieht weitere Besucher und Besucherinnen an. [16]

Die Eröffnung einer Bürgerausstellung entspricht äußerlich einer Vernissage, durch ihren partizipativen Anspruch gewinnt sie aber auch den Charakter eines öffentlichen Forums. Als Voraussetzung dazu sollten ein möglichst großer Kreis von beteiligten Bürgerinnen und Bürgern, aber auch Vertreterinnen und Vertreter relevanter Interessengruppen, Bürgerinitiativen sowie politische Entscheidungsträger/innen und Personen des öffentlichen Lebens eingeladen werden. Zur Eröffnung sollten nicht nur Initiator/innen, Auftraggeber/innen, Politiker/innen oder Forscher/innen zu Wort kommen, sondern auch Interviewte und Repräsentant/innen von Interessengruppen und Bürgerinitiativen. Optimal für den partizipativen Aspekt der Bürgerausstellung ist die Verbindung der Eröffnung mit einem moderierten Round-Table-Gespräch, in dem Bürgervertreter und Bürgervertreterinnen die Ergebnisse der Bürgerausstellung mit den politischen Entscheidungsträger/innen diskutieren und ihre Wünsche bzw. Forderungen artikulieren können. [17]

Bei übergreifender Thematik, die nicht auf einen Ort beschränkt, sondern auch für Bürgerinnen und Bürger anderer Orte interessant ist, kann eine Bürgerausstellung auch zur Wanderausstellung werden. So ist die oben erwähnte Thematik der temporären Nutzung urbaner Brachflächen für viele Städte relevant. Daher kann eine Bürgerausstellung, die zu diesem Thema in einer bestimmten Stadt erarbeitet wurde, auch in anderen Städten gezeigt werden. Oder Bürgerausstellungen können zwischen Städten ausgetauscht werden. Auf diese Weise erweitern sie den Aufmerksamkeitshorizont und den Diskussionskreis für die in ihnen dargestellte Problematik und die damit verbundenen unterschiedlichen Positionen. [18]

2.8 Prozessbegleitung

Die Erfahrung hat gezeigt, dass der durch eine Bürgerausstellung gegebene Anstoß zur öffentlichen Diskussion von Missständen in der Regel verpufft, wenn es nicht gelingt, eine Initiativgruppe engagierter Akteure und Akteurinnen zu etablieren. Diese sollten die in der Ausstellung artikulierten Interessen weiterverfolgen und gegebenenfalls für eine Umsetzung von Reformmaßnahmen Sorge tragen. [19]

3. Beispiele für unterschiedliche Formen von Bürgerausstellungen

Seit der Präsentation der ersten Bürgerausstellung Baustellenmenschen am Potsdamer Platz (1997-1998) vor einem Jahrzehnt sind eine ganze Reihe von weiteren Bürgerausstellungen in verschiedenen thematischen Kontexten und Forschungsprojekten entstanden (eine Auswahl bietet http://www.nexus-berlin.com/ba/index2.html). Die folgenden Beispiele sollen den Einsatzbereich der Methode aufzeigen und die oben beschriebenen methodischen Schritte veranschaulichen. Die Auswahl dieser Beispiele richtete sich nach methodischen Besonderheiten wie dem zusätzlichen Einsatz von Videomaterial oder der parallelen Durchführung der Methode in verschiedenen Orten zur gleichen Thematik. [20]

3.1 Eine typische Bürgerausstellung: Wandern und Wiederkommen – Magdeburger Rückkehrgeschichten

Die Bürgerausstellung Wandern und Wiederkommen – Magdeburger Rückkehrgeschichten (2006/2007) ist typisch für das Verfahren, weil sie folgende Merkmale aufweist:



Abbildung 1: Frontseite der Einladungskarte zur Eröffnung der Bürgerausstellung Wandern und Wiederkommen – Magdeburger Rückkehrgeschichten [21]

Den thematischen Hintergrund für die Bürgerausstellung Wandern und Wiederkommen – Magdeburger Rückkehrgeschichten bildet die Abwanderung von jungen Menschen aus dem Osten in den Westen der Bundesrepublik Deutschland. Ostdeutschland hat aufgrund niedriger Geburtenrate, Abwanderung und geringer Rück- und Zuwanderung seit der Wiedervereinigung 1990 durchschnittlich 4,3% seiner Bevölkerung verloren. Hauptgrund für die Abwanderung ist die im Vergleich zu Westdeutschland deutlich schlechtere wirtschaftliche Lage. Viele junge Menschen sehen für sich keine berufliche Perspektive und verlassen ihre ostdeutsche Heimatregion. Die Bevölkerungsstruktur verändert sich. Es gibt immer weniger junge Menschen und immer weniger Frauen. Das Bild vieler Städte ist durch Schrumpfung und Leerstand geprägt. Die Infrastruktur wird nicht weiter ausgebaut. Der Wirtschaft droht ein Fachkräftemangel. Um dieser schwierigen Entwicklung etwas entgegenzusetzen, müssen Maßnahmen zur Verringerung der Abwanderung, aber auch zur Erhöhung der Zuwanderung und der Rückwanderung entwickelt werden. [22]

Viele Menschen, die aus Ostdeutschland abgewandert sind, würden gerne in ihre Heimatregion zurückkehren, wenn sie dort eine Zukunft sehen. Deshalb liegt gerade in der Rückwanderung großes Potenzial. Dieses Potenzial hat das Forschungsprojekt "Rückwanderung als dynamischer Faktor für ostdeutsche Städte", in dem die Bürgerausstellung entstanden ist, am Beispiel der Stadt Magdeburg untersucht. Das Projekt wurde von der Hochschule Magdeburg-Stendal (FH), dem nexus Institut für Kooperationsmanagement und interdisziplinäre Forschung GmbH und der Universität Leipzig in den Jahren 2005 bis 2006 durchgeführt (DIENEL et al. 2006a), Auftraggeber war das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Die Untersuchung im Rahmen des Projekts erfolgte mit quantitativen und qualitativen Methoden. Aus der Stichprobe einer standardisierten telefonischen Befragung wurden Rückwanderer und Rückwandererinnen, also Personen, die früher schon in Magdeburg gelebt hatten, für qualitative Interviews ausgewählt. 33 Personen wurden interviewt, 13 waren damit einverstanden, dass ihre Interviews für die Erarbeitung der Bürgerausstellung genutzt wurden. Als Interviewmethode wurde das problemzentrierte Interview (WITZEL 1985, 2000) mit dem episodischen Interview (FLICK 2000, 2002, S.158ff.) kombiniert, weil das episodische Interview die Aufmerksamkeit in besonderer Weise auf die Erfahrungen konzentriert, die der oder die Befragte im Zusammenhang mit der interessierenden Thematik gemacht hat. Das Erzählen der einzelnen Episoden wird mit Argumentationen verbunden, die es ermöglichen, auch das Wissen und die Entscheidungen der Interviewten nachzuvollziehen. Im Mittelpunkt des Interviewleitfadens standen "Rückkehrgeschichten", d.h. Erlebnisse, die mit der Abwanderung und späteren Rückwanderung der Interviewten verbunden waren. Thematisiert wurden außerdem die Motive für die Abwanderung und Rückwanderung, die Rolle der beruflichen und persönlichen Situation, hinderliche und förderliche Faktoren bei der Ab- und Rückwanderung und die Bedeutung von Heimat. Außerdem wurden die Interviewten um Empfehlungen zur Verbesserung der Lebens- und Rückkehrbedingungen in Magdeburg gebeten.



Abbildung 2: Exponat aus der Bürgerausstellung Wandern und Wiederkommen – Magdeburger Rückkehrgeschichten [23]

Ziel der Bürgerausstellung Wandern und Wiederkommen – Magdeburger Rückkehrgeschichten war es, die im Titel bereits angesprochenen Geschichten der Rückkehr zu vermitteln, visuell erlebbar zu machen und einen Dialog über Rückwanderung zwischen Politik und den Bürgerinnen und Bürgern zu ermöglichen. Mittels ihrer Porträtfotos auf den Ausstellungstafeln blicken die Rückkehrer und Rückkehrerinnen Betrachtende an und erzählen in den Textpassagen über die Geschichte ihrer Rückkehr, ihre Beziehung zu Magdeburg, ihre Gründe für den Wegzug und die Rückkehr und ihre heutige Sicht auf die Heimatstadt. Und sie sagen, was Magdeburg tun kann, um Rückkehr zu unterstützen. [24]

Die meisten "Rückkehrgeschichten", die durch die Bürgerausstellung erzählt werden, sind Geschichten erfolgreich abgewanderter Rückkehrerinnen und Rückkehrer. Sie bringen zum Ausdruck, was Rückwanderung für eine Region bedeutet. Durch Rückwanderung gewinnt die Region Menschen zurück, die berufliche Erfahrungen gemacht haben. Diese Menschen leisten einen Beitrag zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung der Region. Damit wird nicht nur der Austausch durch die Bürgerausstellung wichtig, sondern auch der Anstoß zu politischem Handeln. Die Rückkehrgeschichten und die Empfehlungen der Rückkehrer und Rückkehrerinnen zeigen, dass Rückwanderung politisch und durch ganz praktische Maßnahmen wie die Bildung von Abwanderungsnetzwerken und Rückkehragenturen unterstützt werden sollte. [25]

Dieses Beispiel zeigt, dass die Bürgerausstellung als Methode der performativen Sozialforschung sich nicht vorrangig an die Wissenschaft wendet. Im Vordergrund steht die Kommunikation zwischen Menschen, die das Thema der Bürgerausstellung unmittelbar betrifft. Menschen, die zurückgekehrt sind, kommunizieren durch diese Methode mit Menschen, die selbst mit der Entscheidung für oder gegen eine Ab- oder Rückwanderung konfrontiert sind, und mit Menschen, die durch ihre berufliche oder politische Position Maßnahmen zur Förderung der Rückwanderung ergreifen können. [26]

Die dargestellte Problemlage bleibt nicht auf das Beispiel Magdeburg beschränkt. Für viele Städte und Regionen in Ostdeutschland ist das Thema Rückwanderung relevant. Die Bürgerausstellung Wandern und Wiederkommen – Magdeburger Rückkehrgeschichten wurde als Wanderausstellung konzipiert und bereits ausgeliehen. Auf diese Weise kann sie dazu beitragen, dass die Auseinandersetzung mit dem Thema Rückwanderung weitergeführt wird.



Abbildung 3: Ausstellungstafel mit Besucherin der Bürgerausstellung Wandern und Wiederkommen – Magdeburger Rückkehrgeschichten [27]

3.2 Erweiterung durch Filmmaterial: Die Bürgerausstellung Projekt Zukunft – Familien an der Universität

Die Bürgerausstellung Projekt Zukunft – Familien an der Universität (2006) folgt in den meisten Punkten dem typischen methodischen Ablauf, erweitert die visuellen und ästhetischen Elemente aber durch Filme und weist damit eine methodische Besonderheit auf. Exponate und Filmporträts der Ausstellung sind einsehbar unter http://www.familienfreundliche-hochschule.de/portraits.html. Ausstellungstafeln aus den Bürgerausstellungen Wandern und Wiederkommen – Magdeburger Rückkehrgeschichten und Projekt Zukunft – Familien an der Universität sind auch in einem gerade veröffentlichten Praxishandbuch über Engagement gegen Abwanderung und Arbeitslosigkeit enthalten (FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG, RICHTER, FORUM BERLIN 2008). [28]

Auch die Bürgerausstellung Projekt Zukunft – Familien an der Universität steht im Kontext der Abwanderungsproblematik in Ostdeutschland. Sie entstand in dem Forschungsprojekt "Hochschulen als Katalysator regionaler Entwicklung in Ostdeutschland", in dem das nexus Institut für Kooperationsmanagement und interdisziplinäre Forschung GmbH in Zusammenarbeit mit der Hochschule Magdeburg-Stendal (FH) im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung die Familienfreundlichkeit an Hochschulen in ostdeutschen Modellregionen mit stark rückläufiger Bevölkerungszahl untersuchte. Die Erforschung des Zusammenhangs von wirtschaftlicher Entwicklung, vorhandenem Humankapital und Familienförderung und die Ableitung von Maßnahmen zur Verbesserung der Familienfreundlichkeit an Hochschulen war Ziel des Projekts (DIENEL et al. 2006b). [29]

Neben einer Literaturstudie mit internationalem Vergleich wurden in diesem Projekt auch quantitative und qualitative Daten erhoben. 602 Studierende an drei Hochschulen in Ostdeutschland – Universität Greifswald, Universität Magdeburg und Hochschule Magdeburg-Stendal (FH) – nahmen an einer Online-Befragung über Familiengründung im Studium und Haltefaktoren an den Hochschulen und ihren Standorten teil. Mit 37 Hochschulangehörigen verschiedener Statusgruppen, also Studierenden und wissenschaftlichem Personal, wurden Interviews geführt. Alle Interviewten hatten bereits Kinder. Die studierenden und wissenschaftlich tätigen Mütter und Väter wurden in den Interviews zu ihrer Alltagsbewältigung, ihrer Motivation zur Verbindung von Studium und Familiengründung, ihrer Heimatbindung, ihren Gründen, am Hochschulstandort zu bleiben und ihrer Bewertung der Bedingungen am Standort befragt. Ein Teil der Interviewten wurde für die Bürgerausstellung fotografiert, ergänzend wurden Fotografien typischer Orte und Situationen aus ihrem Alltagsleben mit Kindern an der Universität zusammengestellt. Ein weiterer Teil der Interviewten wurde während des Interviews und zusätzlich in typischen Situationen mit den eigenen Kindern oder an der Hochschule gefilmt. [30]

Die Ergebnisse des Projekts zeigen, dass Fachhochschulen und Hochschulen eine besondere Bedeutung als "magnetischer" Haltefaktor und attraktiver Faktor für die Zuwanderung junger Menschen und damit für die wirtschaftliche Entwicklung und die Bevölkerungsstruktur der Region haben. Im Umfeld von Hochschulen siedeln sich Unternehmen an, die auf qualifizierte Absolventen und Absolventinnen zurückgreifen oder von diesen gegründet werden. Diese Unternehmen schaffen wiederum Arbeitsplätze auch für weniger qualifizierte Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen. Der Transfer zwischen Wissenschaft und Praxis erhöht die Innovativität und Wettbewerbsfähigkeit von zukunftsfähigen wissensintensiven Branchen. Die Familiengründung während der Zeit an der Hochschule hat für diese Effekte eine besondere Bedeutung. Von allen Faktoren, die eine Entscheidung der Absolventen und Absolventinnen über das Bleiben in der Hochschulregion beeinflussen, ist die Familiengründung der wichtigste Faktor. 70% der im Rahmen des Projekts befragten Studierenden, die schon vor dem Abschluss eine Familie gegründet hatten, wollten in der Region bleiben, aber nur 30% der Studierenden ohne Kind. Maßnahmen zur Verbesserung der Familienfreundlichkeit der Hochschulen können die Entscheidung zur Familiengründung während des Studiums oder der wissenschaftlichen Tätigkeit wirksam unterstützen. [31]

Im Rahmen des Projekts wurden Konzepte für Modellmaßnahmen zur Verbesserung der Familienfreundlichkeit an Hochschulen entwickelt und exemplarisch an zwei Hochschulstandorten (Greifswald und Magdeburg) umgesetzt. Neben Aktivitäten für eine langfristige Vernetzung von Betroffenen und Akteur/innen (z.B. die Vernetzungswebseite http://www.familienfreundliche-hochschule.de/) gehörte zu diesen exemplarischen Maßnahmen auch die Durchführung eines Aktionstages, der an einem der beiden Hochschulstandorte, der Universität Greifswald, am 17.06.2006 stattfand. Die Bürgerausstellung Projekt Zukunft – Familien an der Universität wurde zunächst auf diesem Aktionstag gezeigt. Der Aktionstag verfolgte vier Ziele: positive Besetzung des Themas "Familie und Universität", Vernetzung lokaler und überregionaler Akteure und Akteurinnen, Information sowie Sensibilisierung von Entscheidungsträger/innen und Gremien. Die Bürgerausstellung diente vorrangig dem ersten Ziel. Sie sollte die Thematik "Studieren und Arbeiten an der Universität mit Kind" sichtbar machen und mit einer positiven Ausrichtung vermitteln. Außerdem wurde die Ausstellung am Ende des Projekts während der Abschlusskonferenz am 2.11.2006 gezeigt. [32]

Die Zielrichtung der positiven Besetzung des Themas wird auch an der Auswahl der Textstellen für die Ausstellungstafeln deutlich. Hier finden sich pointierte Sätze aus jedem einzelnen Interview als Überschriften. Sie bringen die positiven Aspekte des Lebens mit Kind zum Ausdruck in Form von Zitaten wie "ohne Kinder hätte ich etwas versäumt im Leben", "man wird sozialer durch Kinder", "das Studium ist die beste Zeit, um Kinder zu bekommen" oder "die Noten gingen steil bergauf". Auf acht Ausstellungstafeln sieht man Porträtfotos der Interviewten, von ihnen allein oder mit ihrer Familie. Sie sind Student, wissenschaftliche Mitarbeiterin oder Professorin. Und sie berichten über ihr Leben und das Glück mit den Kindern, die Verbindung von Studium und Arbeit mit den Aufgaben als Mutter oder Vater und von der Motivation für die Arbeit durch die Kinder. Die Betonung der positiven Seite wurde bewusst gewählt, um der öffentlichen Diskussion, die Kinder häufig als Studien- oder Karrierehindernis oder gar als Armutsrisiko thematisiert, eine positive Sichtweise entgegenzusetzen.



Abbildung 4: Exponat aus der Bürgerausstellung Projekt Zukunft – Familien an der Universität [33]

Die kritischen Aspekte, das, was das Leben mit Kindern an der Hochschule auch schwermachen kann, werden stärker in den Videoporträts thematisiert. Die Filmporträts stellen weitere sechs Studentinnen mit Kindern vor. Sie zeigen Ausschnitte aus den Interviews, aber auch Szenen mit den Kindern oder an der Hochschule. Hier werden die Eindrücke noch lebendiger und facettenreicher, denn die Interviewten schildern ihre positiven Erfahrungen als Studentin mit Kind, aber es wird auch deutlich, was an den Hochschulen noch fehlt, um das Studieren mit Kind zu erleichtern. So entsteht erst durch die Verbindung der beiden Medienformen ein vollständigeres Bild der Lebenswelt dieser Menschen. Denn die familienfreundliche Hochschule als Katalysator regionaler Entwicklung ist noch weit entfernt von der gegenwärtigen Realität, sondern eine Zukunftsvision. Gegenwärtig beendet jede vierte studierende Mutter ihr Studium nicht, und jede dritte Absolventin mit Kind bewältigt den Übergang in den Beruf nicht. Die Bürgerausstellung Projekt Zukunft – Familien an der Universität bringt damit ein Thema in die öffentliche Diskussion, das für die Zukunft hohe Brisanz hat. [34]

Auch das Beispiel dieser Bürgerausstellung zeigt, wie performative Sozialforschung durch ihre ansprechende und kommunikative Weise der Vermittlung von wissenschaftlichem Prozess und Ergebnis die Menschen mit ihren Alltagsproblemen und in ihrem Alltagskontext erreichen kann. [35]

3.3 Länderübergreifend und zweisprachig: Bürgerausstellungen Historische Stadtzentren im Strudel der Globalisierung: Neapel – Florenz – Berlin

Dass die Bürgerausstellung gerade durch ihre Nutzung von Bildmaterial und durch ihre Orientierung an der Alltagssprache der Interviewten in Form der verwendeten Zitate auch geeignet ist, eine länderübergreifende Thematik aufzugreifen und darzustellen, zeigen die Bürgerausstellungen Historische Stadtzentren im Strudel der Globalisierung: Neapel – Florenz – Berlin, einsehbar unter http://www.ztg.tu-berlin.de/buergerausstellungen/Berlin-Firenze-Napoli.html. Die folgende Darstellung orientiert sich an LEGEWIE (2003) und ARCIDIACONO et al. (2006). [36]

In europäischen Großstädten haben historische Stadtzentren, die oft lange im Abseits standen, in den letzten Jahren durch Massentourismus und Gentrifizierung einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt, der zu Investitionen mit kurzfristig gesteigertem Profit und zu einem radikalen Wandel der Sozialstruktur geführt hat. Andere mehr randständige historische Wohnviertel zeigen im Gegensatz dazu eine rückläufige Entwicklung: sozialökonomischer Verfall mit Leerstand und Wegzug ökonomisch besser gestellter Bewohner und Bewohnerinnen. [37]

Vor diesem Hintergrund ergab sich folgende Fragestellung für drei gemeindepsychologische Forschungsprojekte in den Jahren 2001-2002 in historischen Zentren bzw. Stadtquartieren von Neapel, Florenz und Berlin: Welche Auswirkungen haben die Wandlungsprozesse der vergangenen Jahre – insbesondere der Massentourismus und die ökonomische Aufwertung historischer Wohnquartiere – auf die urbane Lebensqualität und das Sozialgefüge europäischer Städte? [38]

Die drei Projekte sind im Zusammenhang einer praxisnahen universitären Ausbildung in gemeindepsychologischer Feld- und Aktionsforschung entstanden. In Neapel war das Antike Zentrum (Centro Antico) Gegenstand der Untersuchung, in Florenz das Historische Zentrum (Centro Storico), in Berlin die historischen Viertel Spandauer Vorstadt und Kollwitzplatz-Viertel. [39]

Die Projektidee geht zurück auf (1) stadtpsychologische Projektseminare am Institut für Psychologie in Zusammenarbeit mit dem Zentrum Technik und Gesellschaft an der Technischen Universität Berlin, (2) ein Gastsemester von einem der Autoren (Heiner LEGEWIE) am Dipartimento di Psicologia der Università degli Studi in Florenz (LEGEWIE 2001) und (3) die Zusammenarbeit mit Catarina ARCIDIACONO (Professorin der Università Federico II Neapel). Für die gemeinsam erarbeiteten Forschungsprojekte und die daraus entwickelten Bürgerausstellungen zeichneten folgende Arbeitsgruppen verantwortlich:

In den drei Städten wurde jeweils eine Serie von problemzentrierten Interviews mit Bewohner/innen, Gewerbetreibenden und Expertinnen und Experten zu folgenden Themen geführt:

Insgesamt wurden 15 Interviews in Neapel, 40 in Florenz und 71 in Berlin durchgeführt. Die Mehrzahl der Interviewten war anlässlich der Interviews bereit, auf Datenschutz zu verzichten und sich in einer Fotodokumentation in ihrem Wohnumfeld porträtieren zu lassen. [42]

Ziel der Forschungen war es, die subjektiven Erfahrungen, Sichtweisen, Kritikpunkte, Wünsche und Vorschläge der befragten Bewohner und Bewohnerinnen in Bezug auf die urbane Lebensqualität in den historischen Zentren angesichts der ablaufenden Veränderungen zu erkunden. Die Auswertung der Interviews erfolgte mit Methoden der qualitativen Datenanalyse, unterstützt durch das Softwaresystem ATLAS.ti (MENZEL 2002; WEYER & STREHL 2003; ARCIDIACONO 2004; NAU 2004). [43]

Gleichzeitig wurde das Forschungsmaterial genutzt, um die Ergebnisse der drei Studien in Bürgerausstellungen für die beteiligten Städte aufzubereiten. Die Ausstellung über Neapel besteht aus 16 Tafeln mit aufgeklebten Farbfotos und Interviewtexten. Die Ausstellungen über Florenz (26 Tafeln) und Berlin (23 Tafeln) wurden demgegenüber einheitlich in einem digitalisieren Schwarz-Weiß-Foto Design mit integrierten Interviewtexten realisiert.



Abbildung 5: Vergleich des Designs der Bürgerausstellungen Historische Stadtzentren im Strudel der Globalisierung: Neapel – Florenz – Berlin [44]

Durch das Mittel der Fotodokumentation in Kombination mit charakteristischen Interviewzitaten sollten die Bewohner/innen als Akteure und Akteurinnen ihrer Lebenswelt selbst zu Wort kommen. Zu diesem Zweck wurden Kernaussagen aus jedem der wortgetreu transkribierten Interviews zu einem kürzeren Text "zusammengeschnitten" (Montagetechnik). Die Texte wurden ausgewählt nach ihrer Repräsentativität sowohl für die einzelnen Befragten als auch im Hinblick auf die Ausstellung als Ganzes. Es kam darauf an, die Vielfalt der Sichtweisen zu dokumentieren und dabei mehrfache Wiederholungen ein und desselben Standpunkts zu vermeiden. Jeder der so erhaltenen Texte wurde mit einem repräsentativen Titel, dem Namen, Beruf und Alter des oder der Befragten (zum Erhebungszeitpunkt) und einer Kurzbiografie versehen. Diese Texte wurden mit Fotos der Befragten zu "Bewohnerporträts" kombiniert.



Abbildung 6: Porträt aus der Bürgerausstellung Historische Stadtzentren im Strudel der Globalisierung, Waltraut B., 65 Jahre, Bäckermeisterin in der Spandauer Vorstadt in Berlin [45]

Durch die Vielfalt der Stimmen und Perspektiven, die in den Ausstellungen zu Wort kommen, ergibt sich keine einheitliche Botschaft – die Bewohner und Bewohnerinnen beschwören teilweise eine nostalgische Verklärung des "alten Kiezmilieus", teilweise drücken sie auch nuancenreich ihre Zustimmung zu verschiedenen Aspekten des stattfindenden Wandels aus. [46]

Ziel der Ausstellungen war es, durch die anschauliche und persönliche Dokumentation der unterschiedlichen Sichtweisen (1) die Risiken und Chancen der Modernisierung in ihrer ganzen Vielschichtigkeit aus Sicht der Bewohner und Bewohnerinnen anschaulich zu dokumentieren, (2) Denkanstöße zum Erhalt der urbanen Lebensqualität und lokalen Kultur in den historischen Zentren von Neapel, Florenz und Berlin zu liefern und (3) den kulturellen Austausch zwischen den drei Städten zu befördern. [47]

Die Inszenierung und Wirkung der Bürgerausstellungen in den drei Städten war sehr unterschiedlich. [48]

Die erste Ausstellung fand in Neapel im Herbst 2002 in einem ehemaligen Refektorium der Kirche San Domenico Maggiore im Centro Antico von Neapel statt (Fotodokumentation s. http://www.euromedi.org/attivita/foto.asp?idevento=310).



Abbildung 7: Plakatierung und Eröffnung der Bürgerausstellung Historische Stadtzentren im Strudel der Globalisierung im Antiken Zentrum von Neapel [49]

Die Erarbeitung der Ausstellung erfolgte im Rahmen eines Aktionsforschungsprojekts der gemeindepsychologischen Arbeitsgruppe um Caterina ARCIDIACONO unter Einbeziehung zahlreicher Initiativen vor Ort. Die Eröffnung der Ausstellung fand unter Beteiligung von Lokalpolitiker/innen mit ca. 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine breite Öffentlichkeit; ca. 30 Initiativen stellten sich mit ihren Aktionsprogrammen vor, die sich aus Anlass der Ausstellung zu einem Netzwerk "Cento per il centro" ["Hundert Forderungen für das Zentrum"] zusammengeschlossen hatten und nach Abschluss der Bürgerausstellung weiter an der Umsetzung ihrer Forderungen arbeiteten. Die Ausstellung und das Aktionsprogramm fanden auch in der lokalen Presse Beachtung. PROCENTESE (2006) hat über diese Aktivitäten ein Jahr nach der Ausstellung eine Follow-Up-Studie vorgelegt (s. die Diskussion in Abschnitt 4). [50]

Die folgenden Ausstellungen konnten nicht wie in Neapel mit einem begleitenden Aktionsforschungsprogramm unter Beteiligung von Initiativgruppen verbunden werden. In Florenz wurde die inzwischen dreiteilige Ausstellung (Neapel – Florenz – Berlin) organisatorisch vom der Administration des Centro Storico (einer von fünf Bezirken der Kommune Florenz) in Kooperation mit dem Zentrum Technik und Gesellschaft der Technischen Universität Berlin und der Fondazione Mediterraneo Neapel vorbereitet und im September 2003 für zwei Wochen im Kreuzgang von Ammannati im historischen Viertel Santo Spirito gezeigt Die Ausstellungseröffnung war verbunden mit einer Tagung zu Problemen der Stadtentwicklung von Florenz und einem Festessen, zu dem auch die relativ spärlich beteiligten Bürgerinnen und Bürger geladen waren. In Berlin zerschlug sich aus Kostengründen der Plan, die Ausstellung vor Ort (Kulturbrauerei im Kollwitzplatz-Viertel) zu präsentieren. Stattdessen wurde die Ausstellung, vorbereitet vom Zentrum Technik und Gesellschaft, dem Italienischen Kulturinstitut und der Galerie des Willi-Brandt-Hauses an zentralem Ort im Innenhof des Willy-Brandt-Hauses im November bis Dezember 2003 gezeigt. Die Eröffnungsveranstaltung erreichte ca. 150 Besucher und Besucherinnen und eine beachtliche Medienresonanz, u.a. dank intensiver Pressearbeit und durch eine Eröffnungsrede des damaligen Bundestagspräsidenten, Dr. Wolfgang THIERSE, der selbst zu den interviewten Bewohnern des Kollwitzplatz-Viertels gehört hatte. [51]

Kritisch muss angemerkt werden, dass die Ausstellungen in Florenz und Berlin aus verschiedenen Gründen nicht in allen Punkten den Zielen einer Bürgerausstellung gerecht wurden. Sie erreichten, anders als die Bürgerausstellung in Neapel, keinen vergleichbar weitreichenden öffentlichen Diskurs über die Ausstellungsthematik. So verdeutlicht der Städtevergleich, wie sehr die Wirkung einer Bürgerausstellung vom Kontext und von den Prozess begleitenden Initiativen abhängt. [52]

4. Anspruch und Evaluation der Bürgerausstellung

Die Methode der Bürgerausstellung ist im Kontext qualitativer sozialwissenschaftlicher Forschung entstanden, sie ist aber eine interdisziplinäre Methode, denn sie verbindet in ihrem Vorgehen Konzepte verschiedener Disziplinen. Sie ist kein völlig neuartiges Verfahren, sondern ihre Innovativität liegt in der Übertragung von Konzepten aus Kulturwissenschaft, Politikwissenschaft, Architektur, Erziehungswissenschaft und Ausstellungspädagogik in die Sozialwissenschaft. Die Bürgerausstellung kombiniert qualitative Methoden der Sozial- und Aktionsforschung mit partizipativen Methoden, mit Fotografie, Ausstellungskonzeption, -didaktik und -dramaturgie. [53]

Ausgangspunkt und Wurzeln der Bürgerausstellung liegen in der qualitativen Sozialforschung. Bei der Bürgerausstellung wird nicht nur die Datenbasis mit Methoden qualitativer Sozialforschung erarbeitet, etwa dem problemzentrierten Interview (WITZEL 1985, 2000), der Methodologie der Grounded Theory (STRAUSS & CORBIN) und der qualitativen Inhaltsanalyse (MAYRING 1993, 2000). Die Bürgerausstellung steht auch mit ihrer Hinwendung zu Problemen aus der Alltagswelt von Menschen wie z.B. dem Leben in einem touristischen Wohnviertel oder dem Studium mit Kind an einer Universität, mit ihrem Interesse an der subjektiven Sicht der Individuen und der Rekonstruktion sozialer Wirklichkeit in der Tradition klassischer qualitativer Forschungsstile wie Ethnomethodologie, Konstruktivismus und symbolischem Interaktionismus. [54]

Ihren perfomativen Charakter erhält die Bürgerausstellung durch die Kombination mit der Fotografie, mit den Prinzipien der Ausstellungskonzeption, durch die Anwendung dramaturgischer Elemente bei der Inszenierung der Ausstellungseröffnung und durch didaktische Mittel bei der Informationspräsentation und der Interaktion mit den Beteiligten.

"Wer heute vom Performativen spricht, ist Teil eines sich in Sozialwissenschaften zur Zeit etablierenden Diskurses, der die aus der Sprachwissenschaft stammenden Begriffe 'performativ' und 'Performanz', den kunst- und theaterwissenschaftlichen Begriff 'performance' und den zunächst in der Genderforschung verwendeten Begriff der 'Performativität" zusammenführt. Gemeinsam ist diesen Begriffen, dass sie sich weniger um Tiefer- bzw. Dahinterliegendes als um das phänomenale Geschehen, weniger um die Struktur und die Funktionen als um den Prozess, weniger um Text oder Symbol als eben um die Herstellung von Wirklichkeit bemühen" (WULF & ZIRFAS 2007, S.10). [55]

In dieser Definition werden verschiedene Aspekte des Performativen angesprochen: zum einen der Aspekt der Darstellung im Sinne einer "Performance", also das Künstlerische, der Auftritt, die Inszenierung von Inhalten; zum anderen der Aspekt des Prozesshaften, des Herstellens von Wirklichkeit, bei dem es um Handeln und Veränderung von Realität geht. Auch die Bürgerausstellung verbindet diese verschiedenen Aspekte des Performativen. [56]

Performativ ist die Bürgerausstellung, insofern sie sich anderer Methoden der Ergebnispräsentation bedient, als sie üblicherweise in den Sozialwissenschaften verwendet werden. Sie geht über die Darstellung der Forschungsergebnisse in Form von PowerPoint-Präsentationen für Vorträge oder in Form wissenschaftlicher Artikel hinaus. Die Präsentation von Fotos und Texten auf Ausstellungstafeln und von Videos, die Ausstellungseröffnung als sorgfältig inszenierte Veranstaltung sind "Performance" im besten Sinne wie bei einer Theaterinszenierung. Diese Inszenierung ist ein Ritual, das die Inhalte transportiert und ihnen qua Kontext besondere Bedeutung verleiht. Diese "Performance" ist ein wichtiger Aspekt der Methode. Aber es geht bei der Bürgerausstellung auch um das Performative im Sinne einer Betonung des Prozesses und der Herstellung von Wirklichkeit. Zu handeln und etwas verändern zu wollen, dieser Aspekt der Intention zeigt sich bei der Bürgerausstellung durch ihren reformerischen und partizipativen Anspruch. Das Handeln der beteiligten Akteure und Akteurinnen ist damit nicht nur wissenschaftliches und künstlerisches, sondern auch politisches Handeln in Form einer Beteiligung an politischen Entscheidungen im Sinne des – unterstellten – Gemeinwohls. [57]

Die Bürgerausstellung knüpft an die Tradition der Aktionsforschung an, die Prozesse nicht nur erforschen, sondern auch Veränderungen anstoßen und einen Beitrag zu Reformen in sozialen Kontexten wie z.B. Betrieben oder Wohnvierteln leisten will (HINTE & KARRAS 1989). In dieser Tradition sind Bürgerausstellungen ein Beispiel für anwendungsorientierte und aktivierende Sozialforschung. Mit ihrer Anwendung wird immer auch die Absicht verfolgt, einen Prozess der Kommunikation über ein Problem anzustoßen, die Interaktion zwischen verschiedenen Interessengruppen und politisch Verantwortlichen anzuregen und zur Entwicklung von Lösungen beizutragen. Mit diesem Anspruch geht die Bürgerausstellung über den Anspruch der Beschreibung und des Verstehens sozialer Wirklichkeit hinaus, der in der Regel mit qualitativer Sozialforschung verbunden ist. [58]

Neben ihrem reformatorischen Anspruch zeigt auch der damit einhergehende partizipative Ansatz der Bürgerausstellung, dass bei dieser Methode das Performative im Sinne einer Prozess- und Handlungsorientierung von zentraler Bedeutung ist. Die Entstehung der Bürgerausstellung in den 1990er Jahren war eingebettet in die zunehmende Etablierung von Partizipationsverfahren. Infolge der Diskussion über eine nachhaltige Entwicklung und die Lösung globaler Probleme wurden eine ganze Reihe von neuen Partizipationsverfahren für große Gruppen (KÖNIGSWIESER & KEIL 2000) entwickelt. Diese Verfahren, wie z.B. die "Planungszelle" (DIENEL 1997), die "Open Space Technology" (OWEN 1997) oder "Planning for Real" (NIF 1995) sind sprachlich orientiert und verwenden visuelle Elemente nur in Form von Karten, die sprachliche Ergebnisse visualisieren, oder in Form technischer Modelle. Die Ergebnisse dieser Verfahren werden in der Regel nur an die Beteiligten und die Auftraggeber/innen zurückgemeldet und finden wenig öffentliches Echo. Die Bürgerausstellung geht als Beteiligungsverfahren über diese Vorgehensweise hinaus, indem sie sprachliche und visuelle Elemente verbindet und die Rückmeldung der Ergebnisse an die Öffentlichkeit und den Aufbau eines kontinuierlichen Dialogs zwischen den Beteiligten ermöglicht. [59]

Die Effekte der Methode der Bürgerausstellung sind vielfältig. Die Bürgerausstellung schafft einen Raum für Dialoge und vereinfacht durch ihre Kombination von sprachlichen und visuellen oder auch audiovisuellen Reizen das gegenseitige Verstehen. Durch die Darstellung ihrer kognitiven, emotionalen und partizipativen Komponenten unterstützt sie Empowermentprozesse (RAPPAPORT 1995, S.802). Diese Prozesse werden auch durch das Rollenangebot an die Beteiligten gefördert: Die Interviewten werden befähigt, die eigene Perspektive zum Ausdruck zu bringen, sie fotografisch zu symbolisieren, öffentlich zu präsentieren und im Dialog mit Politikern und Politikerinnen zu vertreten. Den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bietet sich ein Zugang zum Feld, bei dem sie nicht nur Zugang zu Daten für ihre Forschung erhalten, sondern durch die Ausstellung auch eine Plattform für die praxisrelevante und öffentlichkeitswirksame Vermittlung von Forschungsergebnissen, die nicht nur die akademische Welt, sondern auch die Beforschten selbst erreicht. Sie erleben die Beforschten als Beteiligte im Prozess der Bürgerausstellung und damit als praktisch und konkret Handelnde und nicht nur als Erzählende. Für die Fotografinnen und Fotografen bietet die Bürgerausstellung eine Gelegenheit, selbst forschend tätig zu werden und ästhetische, dokumentarische und künstlerische Elemente zu verbinden. Einen weiteren Effekt erreicht die Bürgerausstellung durch ihre Öffentlichkeitswirksamkeit. Sie transportiert die Thematik und das Anliegen der beteiligten Interessengruppen nach außen und erhöht damit die Chancen auf Veränderung. [60]

Auch wenn in den letzten zehn Jahren zahlreiche Bürgerausstellungen gezeigt werden konnten und sich das Verfahren damit zunehmend etabliert hat, gibt es bisher nur eine Evaluationsstudie. PROCENTESE (2006) hat eine Follow-Up-Untersuchung und Evaluation zweier Aktionsforschungsprojekte unter Einsatz der Bürgerausstellung in den Campi Flegrei und im Antiken Zentrum von Neapel vorgelegt. [61]

Die Bürgerausstellung Urban Catalysts – Strategies for Temporary Uses wurde im Rahmen eines Projektes über die temporäre Nutzung von Flächen in den Campi Flegrei (Golf von Neapel) in Italien erarbeitet (PROCENTESE 2001, zum Projekt Urban Catalysts vgl. MISSELWITZ, OSWALT & OVERMEYER 2007). Die Follow-Up-Untersuchung fand fünf Monate nach der Eröffnung anhand von halbstrukturierten Interviews mit neun der an der Ausstellung beteiligten Akteure und Akteurinnen statt. Nach den Ergebnissen konnte die Bürgerausstellung keine mittelfristig aktivierende Wirkung erreichen. Es wurden zwar von der lokalen Administration einige Aktivitäten initiiert, der Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern wurde aber nicht fortgeführt und infolgedessen kam es zu Resignation bei den Beteiligten. Die Bürgerausstellung wurde als isoliertes Ereignis gesehen. Es entstand kein sich selbst organisierender Kommunikationsprozess zwischen den Interessengruppen. [62]

Die Bürgerausstellung Historische Stadtzentren im Strudel der Globalisierung: Neapel – Florenz – Berlin (s. Abschnitt 3.3) war Teil eines gemeindepsychologischen Aktionsforschungsprojekts über das historische Zentrum von Neapel (ARCIDIACONO 2004; ARCIDIACONO & PROCENTESE 2005). Sie wurde nach einem Jahr in einer Follow-Up-Untersuchung mit Hilfe von fünf Fokusgruppen mit insgesamt 15 an der Ausstellung beteiligten Akteur/innen und 5 Interviews mit Schlüsselpersonen und Bewohner/innen im Antiken Zentrum evaluiert. [63]

Die Ausstellung in Neapel hatte eine längerfristige Wirkung. Über ein Jahr lang wurden Treffen zwischen Vertreterinnen und Vertretern der Interessengruppen organisiert, ein Workshop wurde durchgeführt, und es bildete sich ein Aktionskomitee aus Mitgliedern der kommunalen Verwaltung, Bürgerinnen und Bürgern, Interviewten, Forscherinnen und Forschern und Beteiligten aus weiteren Institutionen. Gemeinsam erarbeitete Maßnahmen für die Entwicklung des Antiken Zentrums wie z.B. die Verbesserung der öffentlichen Sicherheit wurden in einem Dokument veröffentlicht und auf den Weg gebracht. [64]

PROCENTESE (2006) leitet aus ihren Untersuchungen eine Reihe förderlicher und hinderlicher Faktoren für den Beteiligungsprozess im Rahmen einer Bürgerausstellung ab. Es geht um die Frage, wieweit durch die Bürgerausstellung das Ziel erreicht werden kann, Bürgerinnen und Bürger zur Beteiligung zu befähigen und ihnen eine aktive Rolle in der Kommune zu eröffnen. Zu den als förderlich identifizierten Faktoren gehören Visualisierung, Austausch, Rückmeldung und Information. Zu den hinderlichen Faktoren gehören das Ausbleiben weiterer Treffen, das Fehlen erreichbarer Kommunikationskanäle, Informationsdefizite und ein unterbrochener, lang andauernder Forschungsprozess mit wenigen aktionsfördernden und finanziellen Mitteln. Anhand dieser Evaluationsergebnisse wird deutlich, dass die Bürgerausstellung in einen kontinuierlichen, aktivierenden Forschungsprozess eingebettet sein muss, um als Beteiligungsinstrument Erfolg zu haben. [65]

Die Ergebnisse der Evaluationsstudie stimmen mit SCHOPHAUS (2001) überein, der bereits auf die Grenzen der Bürgerausstellung als Beteiligungsmethode hingewiesen hatte. Demnach kann die Methode zwar die Notwendigkeit der Erweiterung von Entscheidungsmacht oder von Protesten vermitteln, diese aber nicht ersetzen. Sie kann Positionen deutlich machen, einen Dialog anregen und zum gegenseitigen Verstehen beitragen. Die Weiterführung des Dialogs erfordert aber zusätzliche Aktivitäten wie die Organisation von Workshops oder Treffen und einen regelmäßigen Informationsaustausch und die Etablierung einer Initiativgruppe zur Steuerung des partizipativen Prozesses und zur Umsetzung seiner Ergebnisse. Welche Verfahren sich hier an eine Bürgerausstellung anschließen sollten, muss von Fall zu Fall entschieden werden und bedarf weiterer Forschung. Faktoren, die einen langfristigen Partizipationseffekt verstärken, sollten also bei der zukünftigen Anwendung der Bürgerausstellung in Forschungsprojekten besonders beachtet werden. [66]

Auch die erweiterte Beteiligung der Interviewten an der Herstellung der Bürgerausstellung ist ein noch entwicklungsfähiger Aspekt. Die Interviewten sollten selbst noch häufiger zur Kamera greifen und dabei auch unterstützt werden, z.B. durch ein Training im Umgang mit der Technik bzw. einen Fotografierworkshop. Durch die Übernahme dieser Rolle des Fotografen oder der Fotografin wird die Bürgerausstellung nicht nur eine Ausstellung über, sondern von Bürgerinnen und Bürgern und damit ihr eigenes Werk. [67]

Schließlich sollte auch im künstlerisch-ästhetischen Bereich der Bürgerausstellung noch mutiger experimentiert werden. Nicht nur Filme, sondern auch andere Darstellungsformen wie Skulpturen, Collagen und Installationen, aber auch Rollenspiele, Sketche und Performances sind hier vorstellbar. Wieweit dabei professionelle Künstlerinnen und Künstler – allein oder in Zusammenarbeit mit den Bürgerinnen und Bürgern – tätig werden, sollte je nach Interesse der Beteiligten und nach Ausstattung des Projekts entschieden werden. [68]

Die Schwierigkeit, mit einem Ausstellungskonzept als Sozialforscherin oder Sozialforscher anerkannt zu werden in der wissenschaftlichen Gemeinschaft, die gerade in Deutschland noch immer von einer klassischen akademischen Präsentation wissenschaftlicher Ergebnisse geprägt ist, sei hier ebenfalls erwähnt. Performative, künstlerische und ästhetische Ansätze haben sich im Bereich der Sozialwissenschaften in Deutschland noch nicht ausreichend durchgesetzt. Ursache dafür könnte auch eine nach wie vor bestehende akademische Skepsis gegenüber Aktionsforschungsansätzen sein (vgl. VON UNGER, BLOCK & WRIGHT 2007), die nach einem Boom in den 1970er und Anfang der 1980er Jahre in Deutschland zwischenzeitlich nur noch selten verfolgt und publiziert wurden, in letzter Zeit jedoch in der angewandten Sozialforschung für die Auftraggeber zu einer Selbstverständlichkeit geworden sind. [69]

Insgesamt sehen wir für die Bürgerausstellung als performative sozialwissenschaftliche Methode gute Chancen einer erfolgreichen Weiterentwicklung durch Verstärkung ihrer partizipativen Komponente, durch Einbettung in einen längerfristigen Aktionsforschungsansatz und durch kreative Erweiterung um zusätzliche ästhetische und künstlerische Formen. [70]

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Zur Autorin und zu den Autoren

Birgit BÖHM ist Psychologin und arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am nexus Institut für Kooperationsmanagement und interdisziplinäre Forschung GmbH in Berlin. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten gehören kooperative und partizipative Verfahren, Beratung, Projekt-, Organisations- und Gemeinwesenentwicklung sowie qualitative Methoden.

Kontakt:

Dr. Birgit Böhm

nexus Institut für Kooperationsmanagement und interdisziplinäre Forschung GmbH
nexus Akademie für Partizipative Methoden
Otto-Suhr-Allee 59
D-10585 Berlin

Tel.: +49 30 3185476
Fax: +49 30 3185460

E-Mail: boehm@nexus.tu-berlin.de
URL: http://www.nexus-berlin.com/Nexus/Institut/mitarbeiter_boehm.html, http://www.partizipative-methoden.de/

 

Heiner LEGEWIE ist als Wissenschaftler am Zentrum Technik und Gesellschaft beratend tätig. Seine Arbeitsschwerpunkte sind qualitative und partizipative Methoden in der Gesundheitsförderung, Organisations- und Gemeinwesenentwicklung.

Kontakt:

Prof. em. Dr.med. Dr.phil. Heiner Legewie

Zentrum Technik und Gesellschaft
Technische Universität Berlin
Hardenbergstr. 36 A
D-10623 Berlin

Tel.: +49 30 314 25187
Fax: +49 30 314 26917

E-Mail: legewie@ztg.tu-berlin.de
URL: http://www.ztg.tu-berlin.de/Heiner_Legewie.html

 

Hans-Liudger DIENEL leitet das Zentrum Technik und Gesellschaft der Technischen Universität Berlin und das nexus Institut für Kooperationsmanagement und interdisziplinäre Forschung GmbH in Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte sind kooperative und partizipative Verfahren in Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft.

Kontakt:

Dr. Hans-Liudger Dienel

Wissenschaftlicher Geschäftsführer
Zentrum Technik und Gesellschaft
Technische Universität Berlin
Hardenbergstr. 36A
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nexus Institut für Kooperationsmanagement und interdisziplinäre Forschung GmbH
Otto-Suhr-Allee 59
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E-Mail: dienel@ztg.tu-berlin.de
URL: http://www.ztg.tu-berlin.de/Hans-Liudger_Dienel.html, http://www.nexus-berlin.com/Nexus/Leitung/HLDienel.html

Zitation

Böhm, Birgit; Legewie, Heiner & Dienel, Hans-Liudger (2008). Die Bürgerausstellung: Eine Kombination sozialwissenschaftlicher, partizipativer und künstlerischer Elemente [70 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 9(2), Art. 33, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs0802337.

Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research (FQS)

ISSN 1438-5627

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