Volume 16, No. 1, Art. 9 – Januar 2015

How to do qualitative strukturale Analyse? Die qualitative Interpretation von Netzwerkkarten und erzählgenerierenden Interviews

Andreas Herz, Luisa Peters & Inga Truschkat

Zusammenfassung: Zur Analyse der Einbettung von Akteur/innen in soziale Strukturen werden in der Netzwerkforschung zunehmend offene Forschungszugänge auch in Kombination mit standardisierten methodischen Ansätzen verwendet. Die Entwicklung eines Vorgehens zur qualitativen strukturbezogenen Analyse stellt bislang ein Desiderat dar. Am Beispiel der Analyse einer egozentrierten Netzwerkkarte und eines erzählgenerierenden Interviews entwerfen, explizieren und begründen wir ein methodisches qualitatives Analyseverfahren, das Standards einer strukturalen Analyse – als theoretisch-methodologische Position der sozialen Netzwerkanalyse – Rechnung trägt. Entlang des Beispiels entwerfen wir qualitative Verfahren der Interpretation (Sequenzanalyse, sensibilisierendes Konzept, Memos) für die Auswertung von Netzwerkkarten und des narrativen Materials, für das wir Konzepte der formalen Netzwerkanalyse adaptieren. Unser Vorschlag dieser qualitativen strukturalen Analyse – kurz QSA – stellt damit eine Kombination aus der analytischen Perspektive der strukturalen Analyse mit analytischen Standards der qualitativen Sozialforschung dar.

Keywords: qualitative strukturale Analyse; strukturbezogene Interpretation; egozentrierte Netzwerkkarte; erzählgenerierendes Interview; soziale Netzwerkanalyse; qualitative Netzwerkforschung

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Qualitative Netzwerkanalyse(n) – von dem Erfordernis methodischer Konkretisierung

3. Einbettung von Transferträgern – das empirische Feld und unser Vorgehen bei der Datenerhebung

4. Strukturbezogene Analyse der Netzwerkkarte

5. Strukturbezogene Analyse des Interviews

6. Perspektiven einer qualitativen strukturalen Analyse

Danksagung

Anmerkungen

Literatur

Zum Autor und zu den Autorinnen

Zitation

 

1. Einleitung

Eine zentrale Basisannahme der sozialen Netzwerkanalyse besteht darin, soziales Verhalten von Akteur/innen weniger durch personale Attribute, sondern viel eher durch die Einbettung in spezifische Beziehungen bzw. Beziehungsstrukturen zu erklären (COLEMAN 1958). Vor diesem Hintergrund zielt die soziale Netzwerkanalyse mit ihrem theoretischen und methodischen Repertoire auf die Analyse von Beziehungsstrukturen, weshalb von der sozialen Netzwerkanalyse auch als "strukturale Analyse" (WELLMAN 1988) gesprochen wird. Die Analyseverfahren der sozialen Netzwerkanalyse umfassen vor allem formal-quantitative Verfahren zur Erhebung und Auswertung von relationalen Daten, wobei Visualisierungen in Form von Graphen eine wesentliche Rolle zukommt (FREEMAN 2004). Insbesondere im Laufe der letzten 40 Jahre hat sich eine Reihe analytischer Verfahrenstechniken entwickelt und etabliert (zum Überblick siehe bspw. HENNIG, BRANDES, PFEFFER & MERGEL 2012; JANSEN 2007; SCOTT & CARRINGTON 2011). [1]

Seit den 1990er Jahren lässt sich jedoch eine zunehmende kritische Auseinandersetzung mit den Ausgangspositionen der sozialen Netzwerkanalyse beobachten, in der diesem analytischen Zugang ein "strukturalistischer Determinismus" (EMIRBAYER & GOODWIN 1994) vorgeworfen wird. Dieser kritische Bezug auf die Grundannahmen stellt in Rechnung, dass das soziale Verhalten eben nicht allein durch die vorhandenen Relationen erklärbar sei, sondern dass soziale Akteur/innen immer zugleich in soziale wie kulturelle Strukturen eingebettet seien (vgl. zur kulturellen Öffnung der sozialen Netzwerkanalyse bspw. DIAZ-BONE 2007; FUHSE & MÜTZEL 2010; PACHUCKI & BREIGER 2010). Damit wird auch den interpretativen Leistungen der Akteur/innen eine größere Bedeutung für die (sinnhafte) Konstruktion von Beziehungsstrukturen zugesprochen. [2]

Die größere Aufmerksamkeit für die kulturelle Einbettung der Akteur/innen und deren interpretativer Leistung führt unweigerlich zu einer größeren Bedeutung qualitativer Zugänge der Netzwerkanalyse. Eine erste systematische Auseinandersetzung mit qualitativen Ansätzen der Netzwerkanalyse erfolgte im deutschsprachigen Raum mit dem Sammelband von HOLLSTEIN und STRAUS (2006). Seit dessen Erscheinen folgten analytische Arbeiten, die in je spezifischer Weise einen qualitativen Zugang der Netzwerkanalyse umzusetzen versuchten (siehe bspw. CROSSLEY 2010; GAMPER, SCHÖNHUTH & KRONENWETT 2012; GLÜCKLER & HAMMER 2011). [3]

Unter der Bezeichnung "qualitative Netzwerkanalyse" werden im deutschsprachigen Raum vor allem Visualisierungstechniken, d.h. sogenannte Netzwerkkarten in Kombination mit qualitativen Interviews (auch kommentierte Netzwerkkarten genannt) genutzt und diskutiert. Während die Erhebung dieser Daten bzw. die Visualisierungstechniken deutlich weiterentwickelt und etabliert wurden (SCHÖNHUTH, GAMPER, KRONENWETT & STARK 2013), hat sich bislang jedoch kein qualitatives Auswertungsverfahren in der sozialen Netzwerkanalyse etablieren können. Qualitative Zugänge in der Analyse von Netzwerken stehen damit aktuell noch vor der zentralen Herausforderung, wie sie der strukturalen Perspektive der Netzwerkforschung (weiterhin) gerecht werden, gleichzeitig aber die (sinnhafte) Konstituierung der sozialen Strukturen analytisch einbinden können. So kritisierte DIAZ-BONE (2007) an den bis dahin diskutierten qualitativen Zugängen der Netzwerkanalyse, dass sie sich bei der Auswertung der qualitativ erhobenen Netzwerkkarten letztlich doch an der Grundform der formalen, oftmals quantifizierenden Analyse bedienen: Das "Kerngeschäft der Strukturanalyse – also die Analyse der Netzwerkstruktur selber – [werde] immer noch den standardisierenden Vorgehensweisen und den standardisierten Methoden überantwortet" (§36). Gleichzeitig krankten qualitative Zugänge – so DIAZ-BONEs weitere Diagnose – häufig daran, dass sie einen neuen Subjektivismus heraufbeschwören (könnten), indem die qualitativen Interpretationen die Gestaltungsfähigkeit des Netzwerkes durch die Akteur/innen überproportional herausstellten. Dadurch würde der analytische Ausgangspunkt der sozialen Netzwerkanalyse allerdings vollkommen konterkariert. Eine qualitative Analyse dürfe diese für die formale Analyse so zentrale Perspektive nicht einfach übergehen, sondern müsse sie vielmehr durch einen qualitativen Zugang erweitern. [4]

Diese Diagnose ist aus unserer Sicht bis heute gültig. Deswegen möchten wir im vorliegenden Beitrag vorstellen, wie wir dieser Herausforderung in unseren empirischen Arbeiten begegnen und wie wir versuchen, den oben benannten Fallstricken der qualitativen Netzwerkanalyse entgegenzuwirken. So hat sich im Rahmen unterschiedlicher Drittmittelprojekte und Promotionsarbeiten, die am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim durchgeführt werden, ein Vorgehen entwickelt, das wir hier als qualitative strukturale Analyse (QSA) vorstellen möchten. Die Grundidee dieses Verfahrens ist die Kombination der analytischen Perspektive der strukturalen Analyse mit analytischen Standards der qualitativen Sozialforschung. Dabei beansprucht der Beitrag nicht, ein in sich geschlossenes Verfahren vorzustellen, sondern stellt vielmehr eine Kondensation von Erfahrungen in der Umsetzung qualitativer Netzwerkanalysen dar. Der Beitrag hat deshalb einen starken "How-to"-Charakter, wobei wir die einzelnen Schritte methodisch-methodologisch herleiten werden. [5]

Im Folgenden werden wir in einem ersten Schritt kurz in die Grundlagen der strukturalen Analyse einführen und die aktuellen Herausforderungen eines qualitativen Zugangs deutlich machen (Abschnitt 2). Unser Vorgehen möchten wir dann anhand eines empirischen Beispiels aus einem Drittmittelprojekt erläutern und begründen. Dazu werden wir zunächst sehr kurz in die Themenstellung und Datenerhebung des Projektes einführen (Abschnitt 3). Daran anschließend werden wir unser Vorgehen an einem Beispiel explizieren und dabei zunächst auf die Analyse einer Netzwerkkarte (Abschnitt 4) und anschließend auf die Analyse des zugehörigen Interviews eingehen (Abschnitt 5). In beiden Abschnitten werden wir die Entwicklung von Lesarten anhand eines Beispielsfalls und die ersten Verdichtungen dieser Lesarten darstellen, die durch eine methodische Reflexion des Vorgehens begleitet werden. Um den Unterschied der beiden Perspektiven deutlich zu machen, werden wir die Lesarten und Verdichtungen zu dem vorgestellten Beispiel kursiv von der methodischen Argumentation abheben. Im abschließenden Fazit werden wir die methodischen Überlegungen zusammenbringen und die Kernelemente der QSA vorstellen (Abschnitt 6). Schließlich werden wir einige Überlegungen zur weiteren Entwicklung und Vertiefung des Ansatzes anstellen. [6]

2. Qualitative Netzwerkanalyse(n) – von dem Erfordernis methodischer Konkretisierung

Um herauszuarbeiten, vor welchen Herausforderungen qualitative Netzwerkanalysen stehen, sollen zunächst die Perspektiven und Verfahrensweisen der formalen und damit bislang zumeist quantitativen Netzwerkanalyse aufgezeigt werden. Wie bereits deutlich wurde, geht die soziale Netzwerkanalyse (SNA) ganz grundlegend davon aus, dass soziale Beziehungen bzw. deren Strukturen als strukturelles Moment auf das soziale Verhalten von konkreten Akteur/innen einwirken. Handlungen sind demnach in soziale Beziehungen eingebettet (GRANOVETTER 1985; HOLZER 2010). Das analytische Interesse der SNA zielt deshalb vor allem auf die Beziehungsstrukturen zwischen Akteur/innen. [7]

Als konkrete Analyseperspektiven der SNA lassen sich zunächst die Analyse von Gesamtnetzwerken und die Analyse von egozentrierten Netzwerken unterscheiden. Die Analyse von Gesamtnetzwerken interessiert sich für die Beziehung zwischen einer abgegrenzten Menge von Akteur/innen eines Systemzusammenhangs (bspw. die Netzwerkstrukturen der Schüler/innen einer Schulklasse). Bei egozentrierten Netzwerkanalysen wird das Netzwerk aus der Sicht eines konkreten Akteurs/einer konkreten Akteurin analysiert; es geht damit um alle Beziehungen, die dieses Ego zu anderen Akteur/innen hat sowie um alle Beziehungen zwischen diesen anderen Akteur/innen (bspw. das Netzwerk der Klassensprecherin). HERZ definiert egozentrierte Netzwerke deswegen auch als "Beziehungen eines fokalen Akteurs (Ego) zu anderen Akteuren (Alteri) der direkten Netzwerkumgebung, sowie den Beziehungen zwischen diesen Akteuren (Alter-Alter-Beziehungen)" (2012, S.133). [8]

Neben dieser Unterscheidung lassen sich die konkreten methodischen Verfahren, die in der Netzwerkanalyse Anwendung finden, weiterhin in zwei unterschiedliche Zugänge differenzieren. Diese Zugänge richten die Aufmerksamkeit zum einen auf Parameter der Kohäsion (relationale Analysen) und zum anderen der Äquivalenz (positionale Analysen, Blockmodellanalyse) (HENNIG et al. 2012; JANSEN 2007; WASSERMAN & FAUST 1999). Mit der Analyseperspektive auf die Kohäsion wird die Beziehungsdichte (also die Dichte der Verkettungen der Akteur/innen) im Netzwerk bzw. in Netzwerkregionen gemessen. Damit können bspw. bestimmte Cluster im Netzwerk identifiziert werden (z.B. die "Mädchenclique" der untersuchten Klasse, wo Beziehungen nur zu den Angehörigen dieser Clique, nicht aber zu anderen Schüler/innen bestehen). Demgegenüber zielt die Äquivalenz auf die Beschreibung von strukturell äquivalenten Positionen im Netzwerk. Von strukturell äquivalenten Positionen wird gesprochen, wenn verschiedene Akteur/innen jeweils dieselben Kontakte haben, ohne zwangsläufig direkt miteinander in Kontakt zu stehen (WHITE, BOORMAN & BREIGER 1976). Äquivalente Positionen im Netzwerk erlauben Rückschlüsse auf gleichartige Rollen im Netzwerk (bspw. könnten die Klassensprecherin und ein "beliebter" Schüler über äquivalente Positionen verfügen), sodass bestimmte "Akteurstypen" oder "Akteursblöcke" gebildet werden können, deren Verhältnis zueinander ebenfalls wieder Gegenstand der Analyse sein kann. Auch wenn insbesondere positionale Analysen verstärkt in der Analyse von Gesamtnetzwerken gegenwärtig sind, so können sowohl positionale als auch relationale Analysen für die Auswertung von Gesamtnetzwerken und von egozentrierten Netzwerken eingesetzt werden. Wie bereits erwähnt, haben sich hierfür vor allem quantitative, standardisierende Analysezugänge etabliert. [9]

Neben diesen etablierten Verfahren zur Analyse der Struktur eines Netzwerks lassen sich in der SNA auch Analyseperspektiven finden, die sich häufig aus spezifischen netzwerkanalytischen Arbeiten ableiten und so im empirischen Programm Eingang in den Theorie- bzw. Methodenkanon gefunden haben. Da diese hier nicht umfassend dargestellt werden können, sollen an dieser Stelle einige Analyseperspektiven herausgegriffen werden, die sich für das Verfahren der qualitativen strukturalen Analyse als besonders nützlich herausgestellt haben. Während relationale und positionale Analysen die Struktur des Netzwerks insgesamt in den Blick nehmen, handelt es sich dabei besonders um Analyseperspektiven, die einzelne Akteur/innen oder einzelne Relationen adressieren. [10]

Eine häufig zu findende Unterscheidung ist die dichotome Einteilung in starke (strong) und schwache (weak) Beziehungen, die auf GRANOVETTERs Artikel "The Strength of Weak Ties" (1973) zurückgeht. Laut GRANOVETTER sind strong ties durch eine hohe Zeitintensivität, ein ausgeprägtes emotionales Engagement, hohe Intimität und Multiplexität und häufig auch durch Reziprozität gekennzeichnet, also beispielsweise Beziehungen zu Freund/innen. Weak ties zeichnen sich demgegenüber durch die Abwesenheit dieser Dimensionen aus, also beispielsweise bei (entfernten) Bekanntschaften. In einer Erweiterung von GRANOVETTERs weak tie-Ansatz entwirft BURT (1992) das Konzept der structural holes. Dabei überträgt BURT in seinem Ansatz die Bedeutung schwacher Verbundenheit von der Beziehungsebene auf die Strukturebene. Kern seiner Annahme ist, dass Akteur/innen, sogenannte broker, davon profitieren können, wenn es ihnen gelingt, "strukturelle Löcher" zu überbrücken. Ressourcen aus dem Netzwerk erschließen sich einer Person hiernach in einer Position, in welcher sie als einzige mehrere Cluster starker Beziehungen miteinander verbinden kann. BURT (2004) zeigt beispielsweise, dass Manager/innen "bessere" Ideen hervorbringen, wenn sie sich im Netzwerk an Positionen befinden, bei denen sie strukturelle Löcher überwinden. Neben brokern lassen sich auch akteur/innenbezogene Positionen als Isolate, im Sinne einer marginalen Einbindung in das Netzwerk, oder aber als Gatekeeper, im Sinne einer Schnittstellenfunktion, benennen (vgl. TICHY, TUSHMAN & FOMBRUN 1979). [11]

Die hier in aller Kürze vorgestellten analytischen Grundpositionen der SNA machen deutlich, dass die strukturale Perspektive eine dominante Rolle in der methodischen Ausdifferenzierung der Netzwerkforschung einnimmt. Vor allem die klassischen Ansätze sind sehr stark dadurch geprägt, dass sie die Beziehungsstrukturen in ihrem "Sosein" in den Blick nehmen und damit "Beziehung als Kommunikations- und Handlungsresultat" (HEPP 2010, S.227) fokussieren, wohingegen die Herstellungs-und Bedeutungskontexte dieser Beziehungen nicht adressiert werden. Wie bereits deutlich wurde, wird diese (frühe) theoretische Positionierung inzwischen deutlich kritisiert. EMIRBAYER und GOODWIN (1994) begründen die Kritik an einem strukturalistischen Determinismus damit, dass dieser

"neglects altogether the potential causal role of actor's beliefs, values, and normative commitments – or, more generally, of the significance of cultural and political discourses in history. It neglects as well those historical configurations of action that shape and transform pregiven social structures in the first place" (S.1425). [12]

Auch PACHUCKI und BREIGER (2010) kommen zu dem Schluss, die Zeit sei "overdue for a conscientious shift beyond cultural explanations for social structure, and structural explanations for cultural outcomes, toward a more integrated vision of social scientific explanation. Social relations are culturally constituted, and shared cultural meanings also shape social structure" (S.219). Und auch WHITE (2008) zufolge sind Netzwerke phänomenologische Wirklichkeiten, welche sinnhaft konstruiert sind. [13]

Diese Diskussion um eine kulturelle bzw. konstruktivistische Öffnung der Netzwerkforschung geht einher mit dem Aufkeimen des Bedarfs an weniger standardisierten Ansätzen. Nach einer ersten systematischen Auseinandersetzung mit qualitativen Ansätzen der Netzwerkanalyse im deutschsprachigen Raum (HOLLSTEIN & STRAUS 2006; STRAUS 2002) folgten eine ganze Reihe empirischer Arbeiten, die sich in unterschiedlicher Weise qualitativer Ansätze der Netzwerkforschung bzw. qualitativen oder visualisierenden Ansätzen (auch) in Kombination mit standardisiert-strukturalen Zugängen bedienen (z.B. GAMPER, FENECIA & SCHÖNHUTH 2013; GLÜCKLER & HAMMER 2011; HERZ & OLIVIER 2012; HOLLSTEIN 2010; LESER & VOCK 2012; STRAUS & HÖFER 2008; VON DER LIPPE & RÖSLER 2011). Dabei konzentrieren sich die meisten qualitativen Netzwerkstudien bislang wie erwähnt auf egozentrierte Netzwerke und nutzen häufig zur Erhebung qualitativer Daten sogenannte Netzwerkkarten in Kombination mit qualitativen Interviews. Während die Erhebungsvarianten über diese egozentrierten Netzwerkkarten in der Provenienz der Methode der konzentrischen Kreise (hierarchical mapping technique) (KAHN & ANTONUCCI 1980) weitreichend dokumentiert und diskutiert sind (GAMPER et al. 2012; HERZ & GAMPER 2012; HOLLSTEIN 2010; HOLLSTEIN & PFEFFER 2010; OLIVIER 2013; RYAN, MULHOLLAND & AGOSTON 2014), ist jedoch auffällig, dass die Diskussion um eine qualitative Variante der Analyse von sozialen Strukturen – auch über egozentrierte Netzwerke hinaus – oftmals bei der Frage der Datenerhebung stehen bleibt. Eine systematische Diskussion von Möglichkeiten der Auswertung der erhobenen Daten bleibt bislang also aus.1) Und so stehen Studien, die sich eines qualitativen Zugangs zur Erhebung von sozialen Netzwerken bedienen, immer noch vor der Herausforderung, ein konkretes methodisches Vorgehen zur Analyse der Daten zu entwerfen. Diese mangelnde systematische Diskussion zum Verfahren der Datenauswertung im Rahmen einer qualitativen Netzwerkanalyse hat schließlich zur Folge, dass die von DIAZ-BONE (2007) formulierte Kritik an den qualitativen Ansätzen der Netzwerkforschung nach wie vor Bestand hat. [14]

Ausgehend von diesem Desiderat standen wir im Rahmen unseres Forschungsprojekts "RegioTrans – Regionale Vernetzung von Transferträgern"2) ebenso wie andere Forschungsvorhaben vor der Herausforderung, ein qualitatives Auswertungsverfahren für Netzwerkdaten zu entwickeln. D.h., es stellten sich uns – unter methodischer Perspektive – im Projekt und für den vorliegenden Beitrag zwei zentrale Fragen:

  • Wie können wir die offen erhobenen Netzwerkkarten analysieren und interpretieren, ohne dabei einer quantifizierenden Logik zu unterliegen, und zugleich den Gütekriterien eines qualitativen Zugangs gerecht werden?

  • Wie können wir die qualitativen Interviews so auswerten, dass die für die Netzwerkforschung zentrale Strukturperspektive nicht durch eine Überbetonung der Konstruktionsleistungen von Ego überformt wird? [15]

Folgend berichten wir ein methodisches Verfahren, das wir aus der Beantwortung dieser Fragen heraus entwickelten und das den von DIAZ-BONE benannten Kritikpunkten Rechnung tragen sollte. Dieses Verfahren, dass wir im Folgenden als qualitative strukturale Analyse (QSA) vorstellen werden, hat zum Ziel, die strukturale Perspektive in die Auswertung qualitativ erhobener Netzwerkdaten zu übertragen, indem wir Standards qualitativer Sozialforschung nutzen. [16]

3. Einbettung von Transferträgern – das empirische Feld und unser Vorgehen bei der Datenerhebung

Bevor wir die QSA im Detail entlang empirischer Belege und konzeptioneller Überlegungen vorstellen, ist es notwendig, den Projektkontext einzuführen, in welchem sie entstanden ist. In dem genannten Projekt "RegioTrans – Regionale Vernetzung von Transferträgern" interessierten wir uns für die Netzwerkstrukturen jener Organisationen, die als Dienstleister sogenannter Transferleistungen (Transferagentur/Transfergesellschaft nach §110 und §111 Sozialgesetzbuch III, alte Fassung, §216a und b) durchführen, durch die eine sozialverträgliche Freistellung von Mitarbeiter/innen erfolgen soll. Die Grundidee dieser Dienstleistung lässt sich als Vermittlung von Arbeit in Arbeit beschreiben (BACKES 2009; PETERS, TRUSCHKAT & HERZ 2014; TRUSCHKAT, HERZ & PETERS 2014). [17]

Ziel des Projektes war die Analyse des Wechselverhältnisses zwischen den in diesem Feld sehr heterogenen Organisationsformen der Transferträger und den Netzwerkstrukturen dieser Organisationen, um daraus Rückschlüsse für die Umsetzung des Vermittlungsauftrags abzuleiten. Als methodischen Zugang haben wir erzählgenerierende Interviews (vgl. ALHEIT 1994, 2007; SCHÜTZE 1983) mit Geschäftsführer/innen und Mitarbeiter/innen von Transferträgern gewählt, welche mit wenig-strukturierten Netzwerkkarten kombiniert wurden. In den Interviews fassten wir einzelne Transferträger als fokale Akteur/innen auf, deren organisationale Umwelt wir mithilfe der Netzwerkkarten beschreiben und analysieren wollten (SCHAUWECKER 2008). Unser Interesse zielte somit auf Beziehungen der einzelnen Träger zu unterschiedlichen (regionalen) Partnern, bspw. zur Agentur für Arbeit, zu Bildungsträgern oder lokal ansässigen Unternehmen. Von diesen insgesamt 16 Interviews werden wir eines für die Exemplifizierung der Methode in diesem Beitrag verwenden. In der Erhebung verwendeten wir Netzwerkkarten, die anhand von konzentrischen Kreisen strukturiert waren. Die Netzwerkkarten wurden im Interview mit A3-Papierbögen und Klebezetteln erstellt. Bei den Karten waren lediglich vier konzentrische Kreise vorgegeben. Auf die Klebezettel wurden zunächst Namen von Personen oder Organisationen notiert, die in den Erzählungen benannt wurden und für ein beispielhaft erzähltes Transferprojekt von Bedeutung sind oder waren. Diese so gesammelten Akteur/innen wurden von den Interviewpartner/innen auf der Karte nach eigenem Ermessen platziert. Vorgegeben war nur, dass sich das Unternehmen der Befragten in der Mitte der Karte befindet.3) [18]

Abbildung 1 zeigt einen anonymisierten Scan der Netzwerkkarte aus einem Interview mit einer Abteilungsleitung und einer Angestellten eines Bildungsträgers, der als Anbieter von Transferleistungen auftritt. Die Erzählaufforderung zur Karte bzw. zu den Beziehungen fokussierte auf Akteur/innen, die für ein beispielhaft erzähltes Transferprojekt von Bedeutung sind bzw. waren.



Abbildung 1: Netzwerkkarte. Bitte klicken Sie hier oder auf die Abbildung für eine Vergrößerung. [19]

4. Strukturbezogene Analyse der Netzwerkkarte

Für die Interpretation der Netzwerkkarten haben wir uns durch Konzepte aus Auswertungsverfahren der formalen Netzwerkanalyse (sowohl für egozentrierte als auch für Gesamtnetzwerke) leiten lassen, die wir folgend in strukturbezogene, akteur/innenbezogene und relationenbezogene Beschreibungen unterscheiden. Dieses Vorgehen hat sich im Verlauf mehrerer Interpretationssitzungen und unterschiedlicher Karten unterschiedlicher Forschungsprojekte entwickelt und wurde von uns erst nach und nach um mehr "strukturanalytische" Ideen angereichert. Zu benennen ist an dieser Stelle, dass wir die Netzwerkkarten zur Interpretation in ihrer – von den Interviewten konstruierten – Art und Weise der Darstellung und Anordnung belassen haben (siehe hierzu auch Abschnitt 6). [20]

Unter strukturbezogenen Beschreibungen fassen wir Darstellungen zusammen, welche die Komplexität des Netzwerkes in weniger komplexe Beschreibungen überführen. Wir adaptieren hier Analyseperspektiven, die in der formalen Gesamtnetzwerkanalyse unter den Konzepten der Kohäsion und der Äquivalenz gefasst werden (vgl. Abschnitt 2) [21]

Fragen, die sich auf die Kohäsion, also die Dichte der Netzwerke beziehen, sind die Folgenden:

  • Gibt es Regionen im Netzwerk, die stärker vernetzt sind als andere?

  • Zerfällt das Netzwerk in verschiedene Subkomponenten oder Cluster?

  • Gibt es Verbindungen zwischen diesen Clustern?

  • Gibt es strukturelle Löcher?

  • Gibt es Beziehungen zwischen Clustern, die ohne die Beziehung zu Ego "funktionieren"?

  • Wie unterscheiden sich einzelne Cluster hinsichtlich der Attribute der Alteri?

  • Wo zeigen sich Triaden (auch in Verbindung mit Ego), die es weiter zu betrachten gilt? [22]

Fragen, die sich auf die Äquivalenz beziehen (Stichwort: positionale Analysen), zielen auf die Identifikation vergleichbarer Positionen im Netzwerk anhand des Vernetzungsmusters, d.h. "strukturell äquivalente" Positionen. In der Analyse folgten für uns daraus folgende Fragen:

  • Welche Akteur/innen nehmen eine ähnliche Position im Netzwerk anhand von deren Beziehungen ein?

  • Gibt es beispielsweise Alteri, die sowohl zu Ego als auch zu anderen (gleichen) Alteri in Beziehung stehen? [23]

Für diese Beschreibungen ist es notwendig, auch die Relationen zwischen den Alteri in die Betrachtung mit einzubeziehen. [24]

Akteur/innenbezogene Beschreibungen fokussieren die Analyse der strukturellen Einbettung einzelner Akteur/innen. Hier sind wiederum grob zwei Vorgehensweisen zu unterschieden: Erstens sind dies Vorgehensweisen, die in der Beschreibung der Einbettung der Akteur/innen in deren soziale Umgebung auch die Beziehungen zwischen den Alteri mit betrachten. Hierzu zählt bspw. die Analyse der Zentralität von einzelnen Akteur/innen, d.h. wer hat viele und wer keine oder kaum Beziehungen zu anderen Akteur/innen.4) Weitere Fragen sind:

  • Welche Akteur/innen erreichen über Relationen alle anderen Akteur/innen?

  • Welche Akteur/innen verbinden andere Akteur/innen, die sonst unverbunden wären?

  • Welche Akteur/innen verbinden einzelne Netzwerksegmente oder überbrücken sogenannte strukturelle Löcher? [25]

Zweitens adaptierten wir Vorgehensweisen, die auf die Komposition der direkten Netzwerkumgebung anhand der Eigenschaften der Beziehungen oder der Alteri zielen, d.h. es geht um eine aggregierte Darstellung der Zusammensetzung der direkten Umgebung:

  • Welche Eigenschaften sind für Akteur/innen in den Karten aufgeführt? Welche Attribute tauchen auf?

  • Welche Akteur/innen mit welchen Eigenschaften überwiegen?

  • Wie verteilen sich die Knoten auf einzelne Attribute?

  • Ggfs. Attribute oder Beziehungsinhalte überwiegen in welchem Netzwerksegment?5) [26]

Hinzu kommen relationenbezogene Beschreibungen, die sich aus der Interpretation einzelner Beziehungen ggfs. unter Berücksichtigung anderer Relationen ergeben.

  • Welche Beziehungsarten sind aufgeführt?

  • Welche Beziehungen überwiegen? Weisen die Beziehungen eine Richtung auf?

  • In welche Richtung deuten die Beziehungen?

  • Erhalten einzelne Relationen in der Darstellung der Karte mehrere Inhalte, d.h. ist diese Beziehung multiplex?

  • Gibt es Relationen, die das Netzwerk stabilisieren oder bei Wegfall destabilisieren (im Sinne eines relational hole)? [27]

Diese Ableitungen aus der formalen Netzwerkanalyse haben es uns ermöglicht, die Gesamtkarte in Analysesequenzen aufzuschlüsseln, denen wir in Interpretationsgruppen sukzessive nachgegangen sind, und für die wir Lesarten, im Sinne vorläufiger Interpretationshypothesen (vgl. KELLER & TRUSCHKAT 2014), entwickelt haben. Letztere haben wir in schriftlichen Memos festgehalten, wobei wir auch versucht haben, differenzierende Annahmen über die Struktur der Netzwerkkarte und Annahmen darüber zu formulieren, wieso diese Struktur so ist, wie sie ist, und welche Bedeutungen damit für Ego einhergehen. Da wir an dieser Stelle keine Gesamtanalyse einer Karte aufzeigen können, beziehen wir uns in der Darstellung der folgenden Interpretation auf die strukturbezogene Analyse der Netzwerkkarte, die vor allem auf eine kompositionale Analyse und damit auf aggregierte Beschreibungen von Ego-Alter-Relationen oder Alteri zielt (HERZ 2012, S.139). Zur kompositionalen Analyse zählt bspw. die Aufteilung der Beziehungen in der Karte zwischen personalen und organisationalen Alteri oder das Verhältnis von näher an bzw. entfernter zu Ego platzierten Alteri. [28]

Die erste Interpretation der Karte in Abbildung 1 ergab folgende Beschreibungen: Die genannten Beziehungen in den inneren Kreisen bestehen zu einem Arbeitsrechtler, zu einer Geschäftsführung und der Agentur für Arbeit. Diese sind zahlenmäßig geringer als alle außerhalb der Karte platzierten Beziehungen zu Rentenberatung, Beratungsbüros, Kammer, potenziellen Arbeitgeber/innen, Familienberater/innen und Weiterbildungsträger. Damit werden unterschiedliche personale und organisationale bzw. institutionelle Akteur/innen genannt, wobei der personale Akteur "Arbeitsrechtler", der zudem das Attribut "Unternehmensberater" erhält, am nächsten zum Zentrum der Karte geklebt wird. Auch wenn in der Karte keine Beziehungen zwischen den genannten Akteur/innen (Alter-Alter-Relationen) explizit visualisiert wurden, so gibt die Anordnung der Akteur/innen im zweidimensionalen Raum auf der Karte Aufschluss über deren Beziehung.6) Dementsprechend bestehen kleinere Subcluster einerseits der drei Akteure (Arbeitsrechtler, Geschäftsführung und Agentur für Arbeit) und andererseits der peripher genannten anderen Organisationen und Institutionen, die vom Zentrum der Karte etwa gleich weit positioniert sind. Diese peripheren Alteri haben für Ego eine ähnliche Bedeutung. Die Agentur für Arbeit erhält – interpretiert man die Karte als zweidimensionalen Raum – eine Art Scharnierfunktion zwischen innen stehenden Akteur/innen und Alteri, die außerhalb des letzten Kreises platziert wurden. Personen werden im Vergleich zu Organisationen bzw. Institutionen nur im Inneren der Karte benannt, d.h. Beziehungen zu Personen erhalten eine größere Bedeutung. Die Institutionen im "außerhalb" der Karte werden nicht "persönlich" oder über Personen adressiert, sondern eher hinsichtlich deren institutioneller Bezeichnung.7) [29]

Unsere Beschreibungen haben wir dann in Memos (in Form der folgenden Annahmen und Fragen) festgehalten, wobei wir den Begriff "strukturbezogene Beschreibungen/Annahmen" für den Austausch im Forschungsteam gewählt haben. Eine erste Verdichtung auf weiterführende Analyseperspektiven erfolgte in Bezug auf folgende drei Aspekte:

  • Ein personaler Akteur steht dem Zentrum am nächsten. Besondere Bedeutung für das Transferprojekt erhält also eine Beziehung zu einer Person; im entfernteren Bereich werden korporative Akteur/innen genannt? Wieso sind persönliche Beziehungen besonders wichtig?

  • Die Agentur für Arbeit hat eine "ambivalente" Position bzw. Zwischenposition, zwischen Innen und Außen. Handelt es sich hierbei um eine Art Brokerposition?

  • In der Netzwerkkarte wird zwischen innen und außen genannten bzw. platzierten Akteur/innen unterschieden (Zentrum vs. Peripherie). Wieso bilden die drei im Inneren ein engeres Cluster als die Akteur/innen im Außen? Wieso werden zwei Bereiche unterschieden? [30]

Diese Beschreibungen, Annahmen und weiterführenden Fragen in den Memos bildeten die Grundlage für eine "methodenkombinierende" Auseinandersetzung mit dem Interviewmaterial. Indem wir uns methodische Schritte der qualitativen Sozialforschung, also beispielsweise das schrittweise, "sequenzielle" Vorgehen und das Anfertigen von Memos für die Interpretation der Karten zu eigen gemacht haben, bedienten wir mit unserer Analysestrategie grundlegende Anforderungen an die Güte im qualitativen Forschungsprozess (STEINKE 2000): Durch die Ableitung eines kodifizierten Verfahrens aus der formalen Netzwerkanalyse, der Interpretation in Gruppen und die Verschriftlichung der Analyseergebnisse in Memos ist das zentrale Kriterium der intersubjektiven Nachvollziehbarkeit gewährleistet. Darüber hinaus haben wir auf methodischer Ebene durch die Überführung der Karte in Text in Form der Memos ein narratives Relativ (Abbild) der Karte erzeugt. Dadurch haben wir eine analytische Übersetzung vorgenommen, die abweicht von einer quantifizierenden Logik und zugleich die strukturellen Analyseelemente aus der Karte mit den Interpretationen des Interviews innerhalb einer qualitativen Perspektive kombinierbar macht. [31]

5. Strukturbezogene Analyse des Interviews

Bei der Interpretation der Interviews ist zu beachten, dass es sich hierbei um ein strukturell anders gelagertes Datenmaterial handelt. Während die Netzwerkkarte eine Art Momentaufnahme in einer zweidimensionalen Darstellung wiedergibt, besteht die besondere Charakteristik der narrativen Interviews in seinem prozessualen Charakter. So zielt die Erzeugung einer Stegreiferzählung (SCHÜTZE 1984) ja gerade auf die erzählende Rekapitulation, die im Idealfall so in die Erinnerung eintauchen lässt, dass sich Homologien zwischen der Erlebnisgestalt und der Erzählgestalt entfalten (ROSENTHAL 1995). Das Besondere an dieser Interviewform ist damit, dass das "Material unserer empirischen Analyse [...] subjektive Konstruktionen, 'Binnensichten' [sind], in denen 'objektive' Bedingungen in verschiedener Hinsicht gebrochen sind" (DAUSIEN 1996, S.105). Da es sich bei den narrativen Interviews um eine etablierte Erhebungsmethode in der qualitativen Sozialforschung handelt, stehen uns hier im Gegensatz zur qualitativen Auswertung der Netzwerkkarten etablierte methodische Standards der Analyse zur Verfügung, die der besonderen prozessualen Charakteristik der Daten und der Rekonstruktion dieser Binnensichten sowie der darin aufscheinenden "objektiven" Außenaspekte gerecht werden. [32]

Konkret haben wir die Inhalte der Interviews für uns dadurch aufgeschlossen, dass wir zunächst sogenannte Verlaufsprotokolle anfertigten. Diese dienten zum einen der Erschließung des Interviews als Ganzes und zum anderen dessen formallogischer Gliederung. So lassen sich in den narrativen Interviews sogenannte "selbstständige Erzählsegmente" (SCHÜTZE 1984, S.89) finden, die sich zum einen durch die formale Erzähldarstellung von Einleitung, Kerndarstellung und Ausleitung begründen und die zum anderen Hinweise auf konturierte Erfahrungszusammenhänge geben. [33]

Diese Aufschlüsselung über die Verlaufsprotokolle hat für die weitere Analyse zwei entscheidende Vorteile. Zum einen ermöglicht sie die Auswahl bestimmter "Kernstellen" des Interviews für die Feinanalyse mit Blick auf interviewspezifische Kriterien, indem bspw. besonders dichte, problematische und/oder wiederkehrende Erfahrungszusammenhänge ausgewählt werden können. Damit sichert das Verfahren eine Orientierung an den Binnensichten des/der Interviewten. Zum anderen ermöglicht dieses Verfahren das gezielte Herausgreifen von Kernstellen, die aufgrund der erfolgten Analyse der Netzwerkkarte naheliegen. [34]

Die Analyse der Netzwerkkarten dient damit der Sensibilisierung für bestimmte Themen, Beziehungen und Konstellationen in den Interviews und ermöglicht ein theoretisches Sampling der Kernstellen (zum theoretischen Sampling siehe auch GLASER 1992; STRAUSS & CORBIN 1996; TRUSCHKAT, KAISER-BELZ & VOLKMANN 2011). Für die weitere Analyse der Interviews nutzten wir Vorgehensweisen der Grounded-Theory-Methodologie. In einem ersten Schritt, dem offenen Kodieren, geht es zunächst um das "Aufbrechen" des Datenmaterials und die Produktion einer Fülle von sogenannten Kodes (vgl. GLASER 1978; STRAUSS & CORBIN 1996): "Open coding connotes just that data are open to multiple simultaneous readings/codes" (CLARKE 2005, S.7f.). Hierfür nutzen wir das in der qualitative Sozialforschung etablierte Prinzip der Sequenzanalyse, d.h. einer Zug-um-Zug vorgehenden Analyse eines Erzählsegmentes:

"Strikte Sequenzanalysen führen dazu, dass alle geltenden oder für uns gültigen Vorurteile, Urteile, Meinungen und Ansichten in der Regel schnell zusammenbrechen. Die Sequenzanalyse dient also gerade nicht dazu, sich an den Gegenstand anzuschmiegen, sondern Sequenzanalyse ist nur ein Verfahren zur Zerstörung unserer gesamten sozialen Vorurteile – auch wenn dies nicht immer gelingt. Ist die Perspektive mittels Sequenzanalyse einmal zerstört, entwirft der Forscher abduktiv Aussagen zu dem untersuchten Gegenstandsbereich" (REICHERTZ 2000, §45). [35]

Ähnlich wie bei der Analyse der Netzwerkkarten haben wir die so entwickelten Lesarten über Audioaufnahmen und schriftlich in Stichworten während der Interpretationssitzungen festgehalten und sukzessive anhand der weiteren Analyse verdichtet. Anschließend haben wir nach der Interpretation einer Sequenz eine kurze Zusammenfassung mündlich und/oder schriftlich in Memos festgehalten. Dieser Prozess entspricht dem axialen Kodieren, indem es um das Herstellen der empirischen Beziehungen zwischen den Verdichtungen, die im Rahmen des offenen Kodierens entwickelt wurden, geht (vgl. STRAUSS & CORBIN 1996; TRUSCHKAT 2013). Und schließlich lassen sich diese Memos zu den einzelnen Sequenzen im Zuge des selektiven Kodierens zu kategorienbezogenen oder fallbezogenen gegenstandsbezogenen Theoretisierungen verdichten (vgl. GLASER 1992; TRUSCHKAT et al. 2011). [36]

Wie bereits angedeutet, stellt ein solches methodisches Vorgehen die Passung zwischen Datenformat des Interviews und Auswertungsmethode sicher, indem es auf die Rekonstruktion der "Binnensichten" und der darin aufscheinenden "Außenaspekte" zielt. Um die Interviewauswertung jedoch an die Netzwerkperspektive anschlussfähig zu machen, muss die Analyse eben auf jene Außenaspekte und deren subjektive Brechung ausgerichtet sein, die unter einer netzwerktheoretischen Perspektive als Struktur, als "Außen" wirken. Um diese Fokussierung in der Analyse zu erreichen und gleichzeitig der Besonderheit des Datenformats gerecht zu bleiben, haben wir die strukturalen Perspektiven der SNA als sensibilisierendes Konzept in die Analyse einbezogen. Während also die Erkenntnisse der Analyse der Netzwerkkarten bereits die Auswahl der Sequenzen angeleitet hatte, dienten die theoretischen Einsichten der SNA als Aufmerksamkeitsmarker in der Analyse. STRAUSS und CORBIN (1996, S.25) fassen die Rolle der theoretischen Sensibilität für den Analyseprozess wie folgt:

"Theoretische Sensibilität bezieht sich auf die Fähigkeit, Einsichten zu haben, den Daten Bedeutung zu verleihen, die Fähigkeit zu verstehen und das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen. All dies wird eher durch konzeptuelle als durch konkrete Begriffe erreicht. Erst die theoretische Sensibilität erlaubt es, eine gegenstandsverankerte, konzeptuell dichte und gut integrierte Theorie zu entwickeln." [37]

Die Herausforderung in der Analyse der narrativen Interviews besteht somit insgesamt darin, eine durch die strukturale Analyse inspirierte Auswertungsperspektive anzulegen, die einen eher konzeptuellen denn vordefinierenden Charakter besitzt und somit deutlich macht, dass diese Perspektive stets neu empirisch und durch die "Binnensicht" des oder der Interviewten zu füllen ist. [38]

Wie dies gestaltet werden kann, zeigen wir am folgenden Praxisbeispiel auf. Dabei greifen wir eine Interviewsequenz heraus, die aufgrund der oben entwickelten Folgefragen der Analyse der Netzwerkkarte gesampelt wurde. Wir konzentrieren uns im Beispiel auf die erste Verdichtung (s.o.). Diese lautete: Ein personaler Akteur steht dem Zentrum am nächsten. Besondere Bedeutung für das Transferprojekt erhält also eine Beziehung zu einer Person; im entfernteren Bereich werden korporative Akteur/innen genannt? Wieso sind persönliche Beziehungen besonders wichtig? [39]

Es handelt sich bei der folgenden Sequenz deshalb um einen Abschnitt des Interviews, in dem die Interviewte (Transferträger 1: TT1) gebeten wurde, alle involvierten Akteur/innen zu benennen, die an einem vergangenen Transferprojekt beteiligt waren, und in dem sie über einen zentralen Akteur berichtet. Im Folgenden werden für diese Sequenz beispielhaft Lesarten entwickelt:

TT1: dann nehmen wir mal unser laufendes projekt

I1: [ja]

TT1: was wa noch haben das ist nämlich ganz spannend da sind wir über einen (.) arbeitsrechtler (1)

I2: [ich schreib einfach mal arbeitsrechtler]

TT1: genau und der ist auch gleichzeitig unternehmensberater (1) und der hat uns da angesprochen und gesagt er hätte da einen fall der müsste äh der hatte mehrere gesellschaften und der müsste eine gesellschaft schließen (...) deshalb fang ich von der reihenfolge so an uns sag der war für mich wenn ich da bin [deutet auf Innenkreis in Karte] der wichtigste ansprechpartner um in dieses projekt zu kommen8) [40]

Die Interviewte beschreibt hier den Ablauf der Kontaktaufnahme für ein aktuelles, von ihrem Unternehmen durchgeführtes Transferprojekt. Diese erfolgte durch einen Arbeitsrechtler, der auf das von uns befragte Unternehmen zuging, da er eine Gesellschaft habe schließen müssen, was von der Interviewten als "ganz spannend" erachtet wurde. Die Spannung resultiert aus der Richtung der Kontaktaufnahme: Während Transferträger im Regelfall auf Unternehmen, die potenziell Personal abbauen wollen/müssen, zugehen und sich für Transferprojekte bewerben, wurde die Dienstleistung in diesem Fall von außen – vermittelt über den Unternehmensberater – angefragt. Weiterhin wird in den Ausführungen deutlich, dass es bereits ein Projekt gab ("um in dieses projekt zu kommen") und es nun galt, dort Fuß zu fassen. Das heißt, dass die Idee, über eine Transfergesellschaft Personal abzubauen, nicht von dem Transferträger entwickelt oder angeboten wurde, sondern bereits bestand und nur noch offen war, welche Akteur/innen an diesem Vorhaben beteiligt werden sollten. [41]

Mit der Aussage: "deshalb fang ich von der reihenfolge so an und sag der war für mich wenn ich da bin der wichtigste ansprechpartner um in dieses projekt zu kommen" wird deutlich, dass der Akteur als wichtigster deklariert wird, der das Unternehmen zu dem Auftrag bringt. Hervorzuheben ist, dass es sich um einen Akteur handelt, den die Interviewte als Person ("für mich") in ihrer Bedeutung am höchsten ansieht. Diese Person, der "Arbeitsrechtler", erhält ihre Bedeutung genau dadurch, dass durch die Beziehung zu ihr ein Auftrag möglich wird. Damit kommt eine Prioritätensetzung der Beziehungen zugunsten der Auftragsgenerierung zum Ausdruck. Wenn die Interviewte hier eine Reihenfolge festlegt, so definiert sie die einzelnen Akteur/innen als Gatekeeper oder als Broker, die erst durch ihre Zustimmung den Weg zum nächsten Akteur/zur nächsten Akteurin öffnen und die Interviewte dem Ziel, den Auftrag zu erhalten, näher bringen. [42]

In der weiteren Schilderung wird die Beziehung zu dem Arbeitsrechtler weiter qualifiziert – und verändert dargestellt. So benennt die Interviewte ihn als den "wichtigste[n] ansprechpartner", d.h. sie hebt nochmals die Bedeutung dieses Akteurs hervor, macht damit aber auch deutlich, dass sich die Richtung, in welche gesprochen wird, umgedreht hat: Sie spricht (unter anderem) ihn an, um Zugang zum Projekt zu bekommen. Während der Arbeitsrechtler von außen auf den Transferträger zugekommen ist (Beziehungsrichtung von Arbeitsrechtler zum befragten Unternehmen), so ändert sich im Verlauf die Beziehungsrichtung, da nun die Interviewte den Arbeitsrechtler anspricht. [43]

Dann skizziert sie den weiteren Ablauf der Anbahnung des Transferprojekts:

"... dann ist es so dass man sich dem unternehmen vorstellt und da ist der weg über die geschäftsführung gegangen das unternehmen war=ist allerdings auch so klein dass es da gar keinen betriebsrat gab das gibt's ja auch der war dann=genau wenn wir dabei bleiben mh war der für mich natürlich eigentlich genauso wichtig weil wenn der sagt nein bin ich aus der nummer raus wenn der sagt die frau harms gefällt mir aber nicht das ist so nen sympathiegeschäft (...) der ist aber nen bisschen weiter weg weil der hat mir hier ja die karte eröffnet [deutet auf 'Arbeitsrechtler'] wenn ich das dann mal so mache [hantiert mit den Klebezetteln] (4) könns ja mal so machen das ist unser träger [zeigt auf die Mitte der Karte] so dann kleb ich das da hin (-) mit denen bin ich an den auftrag gekommen hier muss ich mich (...) da muss ich mich präsentieren der muss von mir überzeugt sein." [44]

Sie benennt in der Passage die Aufgaben, die im weiteren Verlauf für die Gewinnung des Auftrags auf sie und ihr Unternehmen zukommen, und führt gleichzeitig einen weiteren Akteur, die Geschäftsführung des personalabgebenden Unternehmens, ein. Sie erläutert: "dann ist es so dass man sich dem unternehmen vorstellt und da ist der weg über die geschäftsführung gegangen". Während sie also ihre Aufgaben benennt (sich vorstellen, sich präsentieren), beschreibt sie den Zugangsweg zum personalabgebenden Unternehmen und die Relation zu diesem bzw. zum Geschäftsführer näher: "[D]er [ist] für mich natürlich eigentlich genauso wichtig", betont sie, denn ohne dessen Zustimmung bekommt sie den Zuschlag nicht ("wenn der sagt nein bin ich aus der nummer raus"). Beide, der Geschäftsführer und der Arbeitsrechtler, sind etwa gleich "wichtig" für die Befragte, und hier zeigt sich deutlich auch die Abhängigkeit der Interviewten bzw. ihres Unternehmens von beiden Akteuren. Insoweit skizziert die Interviewte in dieser Passage eine Triade, bestehend aus ihrem Träger (Ego), dem Arbeitsrechtler und der Geschäftsführung. Der Arbeitsrechtler steht in Beziehung zur Geschäftsführung des abgebenden Unternehmens und zu Ego und kann in dieser Position den Kontakt zwischen dem Transferanbieter (Ego) und einem potenziellen Auftrag (Geschäftsführung) veranlassen. Damit wird der Arbeitsrechtler hier als tertius iungens (OBSTFELD 2005, S.102) eingeführt, d.h. als "Dritter", der andere Akteur/innen zusammenbringt. Ego ist in der Anbahnung des Transferauftrages von beiden Akteuren abhängig: Erst, wenn der Arbeitsrechtler, der in Beziehung zu dem Geschäftsführer steht, Ego anspricht und sagt, "er hätte da einen fall", kann Ego agieren und sich der Geschäftsführung vorstellen. Bei diesem "sympathiegeschäft" geht dem Gewinn von Sympathie (und des Auftrags) die Einbindung in die Beziehung zwischen Arbeitsrechtler und Betrieb (Geschäftsführung) voraus. [45]

Ausgehend von diesen Lesarten lassen sich folgende Verdichtungen vornehmen: Durch die Analyse der Netzwerkkarte und der Interviewsequenz kann aufgezeigt werden, dass die zentrale Anordnung der Akteur/innen mit deren Bedeutung für die Auftragsakquise zusammenhängt.9) Die Relationen haben triadischen Charakter, wobei Ego in von der Konstellierung der Alteri abhängig ist. Innerhalb dieser Triade übernimmt ein Akteur die Brokerfunktion. Dieser muss – so wird aus der Analyse deutlich – deshalb ein personaler Akteur sein, weil der Auftragsmarkt und somit die Relation zwischen Ego, Arbeitsrechtler und Geschäftsführung durch ein personenbezogenes "Sympathiegeschäft" strukturiert wird. Die Analyse der prozessualen Daten aus dem Interview zeigt überdies die Dynamiken in der Beziehungsgestaltung. So wird deutlich, dass der personale Akteur als tertius iungens zwar zunächst Ego anspricht und den Kontakt zur Geschäftsführung herstellt, im Weiteren aber auch selbst Ansprechpartner von Ego wird. Während Ego also zunächst vollkommen von diesem Akteur abhängig ist, kann es im Folgenden aktiv auf diesen Akteur zugehen. Die Beziehung wandelt sich somit von einer unidirektionalen zu einer symmetrischen Relation. [46]

Wie aus dem Beispiel deutlich wird, kann durch die Übersetzung der strukturalen Perspektive in die Interviews, vermittelt als sensibilisierendes Konzept, einerseits der Binnensicht der Interviewten Rechnung getragen und zugleich analytisch aufgezeigt werden, inwiefern Ego von den Beziehungskonstellationen beeinflusst ist bzw. diese beeinflusst. [47]

6. Perspektiven einer qualitativen strukturalen Analyse

Mit dem Analysebeispiel konnten wir aufzeigen, wie wir eine Übersetzung von Standards einer strukturalen Analyse in ein qualitatives Analyseverfahren vornehmen. Diese qualitative strukturale Analyse (QSA) ermöglicht es, qualitativ erhobene Netzwerkkarten und Interviewmaterial nicht quantifizierend, sondern nach qualitativen Standards auszuwerten und gleichzeitig der strukturalen Analyseperspektive zu folgen: QSA ist ein qualitatives Analyseprogramm, das – für Interviews und Netzwerkkarten – eine strukturelle Perspektive umsetzt. [48]

Die QSA bietet sowohl eine methodische Absicherung für die qualitative Analyse der Netzwerkkarten durch die Überführung einer sequenziellen Analyse in die Auswertung von Netzwerkdaten anhand der Beantwortung von struktur-, akteur/innen- und relationenbezogenen Fragen und sensibilisiert für (supra-) dyadische Momente in der Auswertung von Interviews durch die Überführung einer strukturalen Perspektive in die Analyse von Interviewmaterial. [49]

Durch dieses Vorgehen, strukturbezogene Fragen für beide Materialsorten (Netzwerkkarte, Interview) unter einer sequenzanalytischen Betrachtung zu entwerfen, geht eine QSA über eine "bloße" methodenkombinierende Auswertungsvorgehensweise hinaus und integriert den strukturalen Ansatz unter einer qualitativen Perspektive. Methodologisch integriert steht damit ein Handwerkszeug zur Verfügung, welches über sequenzielle Analysen Interpretationen über Kodierungen und Memos festhält und theoretisch verdichtet. [50]

Schematisch lässt sich das Konzept der QSA folgendermaßen festhalten:



Abbildung 2: qualitative strukturale Analyse [51]

Wir haben in unserem Beitrag die Interpretation von egozentrierten Netzwerkkarten und erzählgenerierenden Interviews fokussiert und versucht – im Sinne einer qualitativen Öffnung – einen Vorschlag für eine qualitative Auswertungsstrategie von Netzwerkkarten und Interviews zu machen, welche an Konzeptionen der formalen Netzwerkanalyse orientiert ist und qualitativen Standards entspricht. Die hier vorgestellten Überlegungen können und sollen allerdings nicht als abschließend verstanden werden, sondern eröffnen weitere wichtige Diskussionspunkte zur Weiterentwicklung einer qualitativen Netzwerkanalyse im Sinne der QSA. Einige Desiderata seien abschließend benannt:

  • Reihenfolge: Was kommt wann? Bisher haben wir zunächst die Informationen aus den Netzwerkkarten einer strukturbezogenen Interpretation unterzogen und festgehaltene Annahmen in Memos erst später mit Interpretationen aus dem narrativen Material kombiniert. Dieses Vorgehen in der Materialauswahl ist auch mit dem theoretischen Zuschnitt des hier vorgestellten Forschungsprojektes zu erklären. Es sind aber auch andere Vorgehensweisen denkbar, bei denen der Wechsel zwischen der Interpretation der Karten und des narrativen Materials in anderer Reihenfolge vollzogen wird. Hier schließt sich die Frage an, ob die Varianz der Abfolge der analytischen Schritte maßgebliche Auswirkungen auf die analytischen Ergebnisse haben könnte.

  • Fragestellung vs. Perspektive: Eng mit dem vorherigen Punkt verknüpft ist auch die Frage der Bedeutung der strukturellen Perspektive im Verhältnis zur untersuchungsleitenden Fragestellung. In welchem Verhältnis stehen also die Sensibilisierungen, die sich aus der SNA ableiten, zu einer im qualitativ-rekonstruktiven Sinne offen formulierten Fragestellung, die – wie auch im vorgestellten Projekt mit Blick auf die organisationalen Strukturen der Transferträger – über eine explizit netzwerkanalytische Fragestellung hinausreichen kann.

  • Theoretische Verdichtung: Während wir im vorliegenden How-to-Bericht einen Fall, d.h. eine Karte und ein Interview, betrachtet haben, so stellt sich im weiteren Vorgehen die Frage, wie – dem qualitativen Paradigma folgend – eine weitere theoretische Verdichtung vorgenommen werden kann. Diese Verdichtungen können einerseits vom Einzelfall zum Typus (vgl. KELLE & KLUGE 1999) erfolgen, indem man die Kombination aus Netzwerkkarte und Interview als Daten eines Falls begreift und mit anderen Fällen in Beziehung setzt. Andererseits wäre aber auch eine kategoriale Verdichtung denkbar, in der die empirischen Zusammenhänge im Vordergrund stehen, die nicht zwingend an einer Falllogik orientiert sein müssen. Damit würden die Netzwerkkarten und die Interviews in ein anderes Verhältnis gesetzt und nicht mehr fallbezogen aufeinander bezogen. Welche Vor- und Nachteile sich aus welchem Vorgehen ergeben und welche Auswirkungen dies auf die analytischen Ergebnisse hat, gilt es weiter auszudifferenzieren.

  • Strukturperspektive: In der hier vorgelegten Vorstellung der QSA haben wir den Strukturbegriff zunächst der SNA vorbehalten. Diese Sichtweise übergeht jedoch, dass die theoretischen Kernelemente eines interpretativen Paradigmas sehr wohl auch einen Strukturbegriff beinhalten, der einerseits über die Ausrichtung auf Akteur/innenrelationen hinausgeht und zum anderen einen starken sozialkonstruktivistischen Impetus hat. Der Strukturbegriff des interpretativen Paradigmas umfasst also stets die Auseinandersetzung mit der deutenden Bezugnahme auf eben jene Struktur. Auf methodologischer Ebene gilt es demnach, eine eingehende Reflexion der zugrunde liegenden Strukturbegriffe vorzunehmen.

  • Egozentrierte und Gesamtnetzwerke: Qualitative bzw. auch methodenkombinierende Verfahren der sozialen Netzwerkanalyse werden in der Diskussion immer wieder mit egozentrierten Netzwerkkarten in Kombination mit Interviews gleichgesetzt. Auch unser Beitrag mag diesen Eindruck verstärken, da wir die Methodik der QSA an einer egozentrierten Netzwerkkarte, kombiniert mit Ausschnitten eines narrativen Interviews, entwickelt und vorgestellt haben. Es ist jedoch hervorzuheben, dass auch sogenannte Gesamtnetzwerkanalysen (zumindest in Kombination) qualitative Anteile enthalten können (siehe bspw. CROSSLEY 2010; HEIDLER 2011; HEIDLER, GAMPER, HERZ & EßER 2014; SCHIFFER & HAUCK 2010; UZZI 1996) und offene Zugänge nicht auf egozentrierte Netzwerke oder Netzwerkkarten beschränkt sind. Künftige Forschungen können dabei zeigen, ob und wie die QSA auch für Gesamtnetzwerke zu verwenden ist.

  • Qualitative Datenvielfalt: Ähnlich, wie sich qualitative Verfahren der Netzwerkanalyse nicht auf egozentrierte Netzwerkkarten beschränken, können oder müssen qualitative (Netzwerk-) Daten nicht nur über Interviews erhoben werden. So ist in künftigen Arbeiten bspw. auf Grundlage von Beobachtungs- oder Dokumentendaten der Einsatz von QSA zu klären.

  • Digitalisierung: Offen ist aus unserer Sicht auch, wie Computerprogramme in die qualitative Analyse von Netzwerkdaten eingebracht werden können: Bspw. haben wir die erstellten Karten für die Dokumentation und zum Teil zur Ergebnispräsentation in anonymisierter Form mithilfe des Programms Vennmaker digital visualisiert (hier nicht abgebildet). Während wir – wie oben beschrieben – die Interpretationen und die Beantwortung der strukturbezogenen Fragen anhand der "Originalkarte" angefertigt haben, ist uns aufgefallen, dass die digital erstellte Karte ein Abbild darstellt, das z.T. mit Veränderungen der Datenbasis einhergeht. Bspw. ließ sich in der nachträglich zur Dokumentation digitalisierten Karte eines anderen Transferträgers nicht mehr erkennen, ob Klebezettel übereinander geklebt wurden, und sogenannte Marginalien wie kleinere handschriftliche Notizen im oder am Rand der Karte, die aus der Erhebungssituation stammten, konnten nicht übertragen werden. Künftige Arbeiten mögen zudem zeigen, wie digitalisierende Verfahren für Netzwerkbilder in qualitative Analysen zu integrieren und als ein Schritt im "Aufbrechen" der Akteur/innenkonstruktion zu sehen sind. [52]

Danksagung

Der Beitrag ist in Teilen im Projekt "RegioTrans – Regionale Vernetzung von Transferträgern" entstanden, welches durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) (Richtlinie "Innovation durch Hochschulen", Projektnummer 80125165) gefördert wurde. Für die Diskussion einer früheren Version des Beitrags bedanken wir uns herzlich bei Teilnehmer/innen der INSNA Sunbelt-Conference 2013, der EUSN 2014, Veranstaltungen der Sektion "Soziologische Netzwerkforschung" und Veranstaltungen der Kommission Organisationspädagogik. Ebenfalls danken wir den Kolleg/innen rund um das RnnR (Research network network Research) für anregende Diskussionen.

Anmerkungen

1) Ausnahmen unterschiedlicher analytischer Reichweite finden sich bspw. in NOACK und SCHMIDT (2013, S.89), die Hinweise über die Deutung von Netzwerkbildern geben. <zurück>

2) Das Projekt "RegioTrans – Regionale Vernetzung von Transferträgern" wurde durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert (Richtlinie "Innovation durch Hochschulen", Projektnummer 80125165). <zurück>

3) Kritisch zu reflektieren ist, dass die Sammlung von egozentrierten Netzwerkdaten über Netzwerkkarten nicht per se qualitativ ist. So kritisiert DIAZ-BONE (2007), dass eine Netzwerkkarte eine visualisierende Form eines Namensgenerators darstelle und damit den standardisierten Verfahren der formalen Analyse zuzurechnen sei. Damit werden häufig unreflektiert Standardisierungen aus formalen Verfahren in die Erhebung von Netzwerkkarten übernommen. Alternative, d.h. offenere Wege in der Erhebung von Netzwerken in Interviews, in denen bspw. auf geläufige Formen der Netzwerkgenerierung verzichtet wird und nicht nach Namen – und damit nach Akteur/innen –, sondern bspw. nach Beziehungen gefragt wird, sind weiter zu diskutieren (siehe auch NOACK & SCHMIDT 2013). Es bedarf also einer Öffnung vom Namensgenerator zum Relationsgenerator. Ebenfalls ist der Stellenwert bzw. die "Form" der Visualisierung in der Erhebung zu diskutieren (BAGNOLI 2009). <zurück>

4) Zum Teil ergeben sich diese Aspekte auch aus den strukturbezogenen Beschreibungen, die sich (relational) mit akteur/innenbezogenen Beschreibungen für egozentrierte Netzwerke decken können (z.B. die Dichte als strukturbezogene Beschreibung deckt sich bei egozentrierten Netzwerken für Ego mit akteur/innenbezogenen Beschreibungen). Akteur/innenbezogene Beschreibungen richten ihr Augenmerk aber mehr auf die Einbettung einzelner Akteur/innen und weniger auf die Struktur des gesamten Netzwerkes. Aus diesem Grund kann es für die Beschreibung einer Karte sehr ertragreich sein, akteur/innenbezogene Beschreibungen nicht nur für Ego, sondern – insofern Informationen über Alter-Alter-Relationen über die Karte oder das Interview vorliegen – auch für die Alteri durchzuführen. So kann bspw. eine Brokerposition eines Alters identifiziert werden. <zurück>

5) Für die Interpretation von Netzwerkkarten, bei denen auch Alter-Alter-Relationen enthalten sind, bietet sich an, strukturbezogene und akteur/innenbezogene Beschreibungen sowohl mit als auch ohne Berücksichtigung der Ego-Alter-Relationen anzufertigen. Die Ego-Alter-Relationen sind bei egozentrierten Netzwerken durch die Erhebungssituation gegeben, da Ego nur Alteri nennen kann, zu denen Beziehungen in der erfragten Form bestehen. Durch "Ausblenden" der Ego-Alter-Relationen können so Aspekte zum Vorschein kommen (z.B. strukturell wichtige Akteur/innen oder Relationen, stärkere Verdichtung von Subeinheiten des Netzwerkes etc.), die unter Berücksichtigung dieser Beziehungen verborgen bleiben, d.h. dass eine Struktur des Netzwerks gewissermaßen im Dickicht der Ego-Alter-Relationen verloren geht. <zurück>

6) Ginge man davon aus, dass sich Alter-Alter-Relationen nur über eine bestimmte Visualisierung (bspw. durch Verbindungslinien) abbilden ließen, so würde man die Techniken der Visualisierung einer formalen Analyse adaptieren (vgl. DIAZ-BONE 2007) und damit eine starke Präjustierung der qualitativen Netzwerkkarten vornehmen. Die (Nicht-) Sichtbarkeit der Alter-Alter-Relationen in konkreten Visualisierungen sollte in der qualitativen Analyse der Netzwerkkarte vielmehr als analytisches Moment genutzt werden, das in der weiteren Analyse z.B. Aufschluss über die Bedeutung der Alter-Alter-Relationen für Ego oder aber auch über Strukturmuster des Feldes geben kann. <zurück>

7) Interessant ist auch die Beobachtung, dass anders als in anderen Karten keiner der Alteri im ersten Kreis platziert wurde. In den Rekonstruktionen des Interviews (kombiniert mit den Karten) zeigte sich hierin auch eine unterschiedliche Konstruktion/Definition von organisationalem "Innen" und "Außen" der befragten Akteur/innen. <zurück>

8) Die Transkriptionsnotation orientiert sich an dem Basistranskript des Gesprächsanalytischen Transkriptionssystems (GAT) (vgl. SELTING et al. 1998). Namen von genannten Akteur/innen wurden anonymisiert. <zurück>

9) Worauf wir im Beitrag nicht ausführlich eingehen, sind Fragen, die sich durch einen stärker vergleichenden Zugang in der Methodenkombination bei der Auswertung der Netzwerkkarten und Interviews ergeben, da sich dies am gewählten Beispiel nur bedingt aufzeigen lässt. So haben wir in der weiteren Analyse auch erfahren, dass sich die Teilergebnisse in den Memos zwischen den einzelnen Zugängen überlappen und ergänzen, zum Teil unterschiedliche Aussagen erlauben oder widersprüchlich sein können. Ausgangspunkt divergierender Aussagen von Netzwerkkarten und Interviews ist, dass beide Datenformate gleichwertig in die Analyse eingehen können. Damit dienen die Interviews nicht nur dem Erzeugen der "eigentlichen" Netzwerkkarte, diese ist umgekehrt nicht "nur" als Narrationsgenerator zu verstehen, der der Erhebung der eigentlichen Datenbasis, nämlich der Interviews, zuträglich ist. In der Analyse erhalten wir bspw. nur aus dem Interview Informationen über die Beziehungsrichtung oder die Bedeutung des Arbeitsrechtlers im Zugang zu Auftrag (s.o.). In ähnlicher Weise erfahren wir nur über die Netzwerkkarte mehr über die peripheren Akteur/innen bzw. allgemein über ein Zentrum-Peripherie-Verhältnis zwischen Alteri. Gerade über die peripheren Beziehungen erfahren wir auch im weiteren Verlauf des Interviews nur wenig, weil die einzelnen Akteur/innen im Interview nur schnell nacheinander eingeführt wurden, ohne die Beziehungen genauer zu qualifizieren. Hier sehen wir also nur aus der Betrachtung der Karte, dass diese peripheren Beziehungen zu organisationalen Akteur/innen weniger Bedeutung haben. Insgesamt stellen gerade abweichende Aussagen die Möglichkeit dar, sich den aus dem jeweiligen Material generierten "blinden Fleck" im methodischen Vorgehen deutlich zu machen. <zurück>

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Zum Autor und zu den Autorinnen

Andreas HERZ, Dr. phil., M.A. Pädagogik, 2002 bis 2008 Studium der Pädagogik, Soziologie, Psychologie (LMU München, University of Edinburgh, Universiteit Maastricht), von 2008 bis 2011 Promotionsstipendiat im DFG-Graduiertenkolleg 1474 "Transnationale Soziale Unterstützung", von 2011 bis 2013 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik (Stiftung Universität Hildesheim). Andreas HERZ ist seit Mai 2013 Postdoc im DFG-Graduiertenkolleg 1474 "Transnationale Soziale Unterstützung" (Hildesheim/Mainz). Forschungsschwerpunkte: Organisationsforschung, soziale Netzwerkforschung, soziale Unterstützung, Transnationalisierung und Migration, Methoden der empirischen Sozialforschung, Hochschulforschung. Ausgewählte Veröffentlichungen: "Forgotten and future connections between social network research and educational research" (2014, in Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 17[5], 241-256 und "Relational constitution of social support in migrants' transnational personal communities" (2015, in Social Networks, 40[1], 64-74).

Kontakt:

Dr. phil. Andreas Herz

DFG-Graduiertenkolleg 1474 "Transnationale Soziale Unterstützung"
Institut für Sozial- und Organisationspädagogik
Universität Hildesheim
Marienburger Platz 22
31141 Hildesheim

Tel.: +49 (0)5121 / 883-11742

E-Mail: andreas.herz@uni-hildesheim.de
URL: http://andreasys.wordpress.com/

 

Luisa PETERS, Master Sozial- und Organisationspädagogik, 2007 bis 2012 Studium der Sozial- und Organisationspädagogik (Universität Hildesheim). Luisa PETERS ist seit 2012 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim und arbeitete u.a. in dem hier thematisierten Projekt "RegioTrans – Regionale Vernetzung von Transferträgern". Forschungsschwerpunkte: Arbeitsmarkt und Arbeitsmarktpolitik, Instrumente der Arbeitsförderung, Prekarisierung von Arbeit, qualitative Methoden der empirischen Sozialforschung. Ausgewählte Veröffentlichungen: "Die Entwicklung arbeitsmarktpolitischer Übergangsgestaltung am Beispiel von Transfergesellschaften" (gemeinsam mit I. TRUSCHKAT und A. HERZ in U. KARL, Rationalitäten des Übergangs in Erwerbsarbeit, Weinheim, 2014) und "Das Postulat des Neuen im ewig Gleichen – Empirische Einsichten in Legitimationsmechanismen im Beschäftigtentransfer" (gemeinsam mit I. TRUSCHKAT und A. HERZ in WEBER et al.. Organisation und das Neue, Wiesbaden, 2014).

Kontakt:

Luisa Peters

Institut für Sozial- und Organisationspädagogik
Universität Hildesheim
Marienburger Platz 22
31141 Hildesheim

Tel.: + 49 (0)5121 / 883-11726

E-Mail: luisa.peters@uni-hildesheim.de
URL: http://www.uni-hildesheim.de/index.php?id=8369

 

Inga TRUSCHKAT, Professorin am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik an der Universität Hildesheim, studierte von 1994 – 2000 Allgemeine Pädagogik an der Georg-August-Universität Göttingen. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Übergangsforschung, Arbeits- und Beschäftigungsförderung, Organisationspädagogik, Bildungs- und Kompetenzforschung, Grounded-Theory-Methodologie, Methoden der qualitativen Sozialforschung. Ausgewählte Veröffentlichungen im Bereich der qualitativen Sozialforschung: "Methodologie und Praxis der Wissenssoziologischen Diskursanalyse. Band 1: Interdisziplinäre Perspektiven" (gemeinsam mit R. KELLER 2013, Wiesbaden), "Theoretisches Sampling in Qualifikationsarbeiten. Die Grounded-Theory-Methodologie zwischen Programmatik und Forschungspraxis" (gemeinsam mit V. VOLKMANN u. M. KAISER-BELZ in MEY & MRUCK, Grounded Theory Reader, 2011, Wiesbaden).

Kontakt:

Prof. Dr. Inga Truschkat

Institut für Sozial- und Organisationspädagogik
Universität Hildesheim
Marienburger Platz 22
31141 Hildesheim

Tel.: + 49 (0)5121 / 883-11706

E-Mail: truschka@uni-hildesheim.de
URL: http://www.uni-hildesheim.de/index.php?id=3282

Zitation

Herz, Andreas; Peters, Luisa & Truschkat, Inga (2015). How to do qualitative strukturale Analyse? Die qualitative Interpretation von Netzwerkkarten und erzählgenerierenden Interviews [52 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 16(1), Art. 9,
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs150190.



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