Volume 20, No. 2, Art. 20 – Mai 2019



Diskurs- und Subjektivierungstheorie meets Gruppendiskussionen – Methodologische Überlegungen zu einer neuen Verbindung

Karen Geipel

Zusammenfassung: In diesem Beitrag stelle ich Überlegungen zu einer methodologischen Neufundierung von Gruppendiskussionen durch diskurs- und subjektivierungstheoretische Prämissen vor und verdeutliche, worin das Potenzial einer solchen Perspektivierung für poststrukturalistische Diskurs- und Subjektivierungsanalysen besteht. Denn während in der erziehungswissenschaftlichen Diskurs- und Subjektivierungsforschung als Daten zwar zunehmend Äußerungen von Sprecher*innen aus Interviews und ethnografischen Beobachtungen zum Einsatz kommen, stellen Äußerungen aus Gruppendiskussionen eine bislang kaum berücksichtigte Materialsorte in diesem Feld dar. Vielmehr sind Gruppendiskussionen als etablierte Methode der qualitativen Forschung in der Auswertung bis jetzt eng verbunden mit der dokumentarischen Methode, die durch Annahmen der praxeologischen Wissenssoziologie fundiert wird. Demgegenüber steht eine methodologische Begründung des Sprechens in Gruppendiskussionen durch diskurs- und subjektivierungstheoretische Denkfiguren in der deutschsprachigen und internationalen Forschungslandschaft bislang noch aus.

Im vorliegenden Beitrag verbinde ich eine poststrukturalistische Perspektive mit Gruppendiskussionen. Hierzu skizziere ich zum einen methodologische Annahmen, die das Verfahren auf Basis der dokumentarischen Methode bislang fundieren, und führe zum anderen zentrale diskurs- und subjektivierungstheoretische Prämissen einer an den Arbeiten Judith BUTLERs orientierten Perspektive aus. Durch eine anschließende In-Verhältnis-Setzung beider Zugänge zeige ich, inwiefern wesentliche Grundannahmen im Zuge einer poststrukturalisierenden Perspektivierung verschoben werden. Ich schlage vor, Äußerungen in Gruppendiskussionen als Vollzüge situierter diskursiver Praktiken und Ort von Subjektivierungsprozessen zu begreifen.

Keywords: Gruppendiskussion; Subjektivierung; Performativität; Judith Butler; poststrukturalistische Subjektivierungsanalyse; Diskursanalyse; diskursive Praktiken; dokumentarische Methode; Diskursforschung

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Orientierung im Feld diskurs- und subjektivierungsanalytischer Forschung – Poststrukturalistische Perspektivierung von Gruppendiskussionen als Leerstelle

3. Gruppendiskussionen – Spezifika des Sprechzusammenhangs und wesentliche methodologische Grundannahmen auf Basis der Dokumentarischen Methode

3.1 Sprachliche Äußerungen in Gruppendiskussionen

3.2 Gruppendiskussionen und dokumentarische Methode als enges Gespann – Skizze methodologischer Grundlagen

4. Theorie der Subjektivierung: Zentrale Prämissen eines diskurstheoretischen Verständnisses von Subjektbildung

5. Gruppendiskussionen poststrukturalisiert – Zu einer Verschiebung grundlagentheoretischer Prämissen des Verfahrens und der Perspektive auf das Datenmaterial

5.1 Verändertes Verständnis von dem Ort der Sinnkonstitution

5.2 Zur Verschiebung des analytischen Gegenstands und dem Potenzial von Äußerungen aus Gruppendiskussionen in diskurs- und subjektivierungsanalytischer Perspektive

6. Resümee

Anmerkungen

Literatur

Zur Autorin

Zitation

 

1. Einleitung

Steifzüge durch die sozial- und erziehungswissenschaftliche Forschungslandschaft zeigen, dass die Auseinandersetzung mit "dem Subjekt" und der Frage nach dessen Werden gegenwärtig Konjunktur hat. Dies lässt sich an den gerade in jüngerer Zeit erschienenen Sammelbänden ablesen, in denen aktuelle Debatten gebündelt werden (vgl. exemplarisch ALKEMEYER, BUDDE & FREIST 2013; EITLER & ELBERFELD 2015; GEIMER, AMLING & BOSANČIĆ 2018; GELHARD, ALKEMEYER & RICKEN 2013; KELLER, SCHNEIDER & VIEHÖVER 2012a; KLEINER & ROSE 2014; MECHERIL 2014; RICKEN, CASALE & THOMPSON 2019). Begleitet von der rhetorischen Figur des "Diskursbooms" (RICKEN 2013, S.69) mag zuweilen der Eindruck entstehen, es handele sich um ein neues Phänomen, das auf die wissenschaftliche Bühne geholt wird. Bei einem genaueren Blick erweist sich jedoch, dass die Auseinandersetzung mit dem Subjekt eine wechselvolle Geschichte hinter sich hat, in der sich nicht nur unterschiedliche Theoriekonzeptionen abgelöst haben und die Idee einer scheinbar selbstverständlichen Verfasstheit des Menschen als Subjekt durch poststrukturalistische, diskurs- und subjektivierungstheoretische Perspektivierungen in die Kritik geraten ist. Vielmehr hat auch die Beschäftigung mit dem Subjekt und dessen Werden in Form der Diskurs- und Subjektivierungsforschung eine empirische Wendung erfahren. [1]

Insbesondere in der erziehungswissenschaftlichen Diskurs- und Subjektivierungsforschung kommen dabei inzwischen zunehmend Daten zum Einsatz, die mittels "klassischer" Methoden der qualitativen Sozialforschung erhoben werden, wie etwa Interviews und Aufzeichnungen im Rahmen ethnografischer Vorgehensweisen (FEGTER et al. 2015, S.31ff.). Äußerungen aus Gruppendiskussionen stellen in diesem Bereich jedoch eine bislang kaum berücksichtigte Materialsorte dar. Vielmehr sind diese in der Auswertung bis dato eng verbunden mit der dokumentarischen Methode der Interpretation nach Ralf BOHNSACK (vgl. etwa 2010a) und damit sozialtheoretisch im Paradigma der praxeologischen Wissenssoziologie verortet (BOHNSACK 2011a). Eine poststrukturalistische, diskurs- und subjektivierungstheoretische Perspektive auf das Sprechen in Gruppendiskussionen erweist sich dagegen in der deutschsprachigen und internationalen Forschungslandschaft als eine Leerstelle. [2]

Hier setze ich mit dem vorliegenden Beitrag an, in dem ich Überlegungen zu einer neuen Verbindung vorstelle: Im Kern geht es um eine methodologische Fundierung von Gruppendiskussionen durch eine primär an den Arbeiten Judith BUTLERs orientierte poststrukturalistische Perspektive. Dazu werden diskurs- und subjektivierungstheoretische Prämissen mit Gruppendiskussionen zusammen gedacht, sodass diese sozialtheoretisch anders begründet werden als es bisher mit dem engen Gespann von Gruppendiskussionen und dokumentarischer Methode der Fall ist. Der Mehrwert einer solchen Verbindung besteht darin, das Gruppendiskussionsverfahren dadurch methodologisch für diskurs- und subjektivierungsanalytische Forschungen anschlussfähig zu machen. Denn je nach sozialtheoretischer Fundierung der Methode und daraus resultierender Methodologisierung kommen unterschiedliche Analysegegenstände in den Blick. Gruppendiskussionen im Anschluss an diskurs- und subjektivierungstheoretische Annahmen zu konzeptualisieren ermöglicht, Praktiken der Produktion von Diskursivität und Prozesse der Subjektwerdung anhand der empirischen Daten zu erforschen. Diese konnten mit dem Fokus auf eine Rekonstruktion von "kollektiven Orientierungen" (BOHNSACK 2007a, S.123) bislang nicht sichtbar gemacht werden. Ausgehend von einem diskurstheoretischen Verständnis der Subjektkonstitution schlage ich daher vor, die Praxis des Sprechens in ihrer performativen Funktion der Hervorbringung von Subjektivität zu fassen. Mit Gruppendiskussionen in diskurs- und subjektivierungsanalytischer Perspektive können entsprechend machtvolle Prozesse der Konstitution und Verschiebung von Bedeutung(-sordnungen) im Vollzug in den Fokus gerückt sowie damit verbundene Praktiken beschreib- und analysierbar werden, die Individuen als Subjekt hervorbringen. [3]

Im ersten Schritt erfolgt dafür zunächst eine Verortung der hier entwickelten Perspektive im Forschungsfeld (Abschnitt 2). Daran anschließend führe ich Gruppendiskussionen als Methode der qualitativen Forschung ein, indem ich Spezifika sprachlicher Äußerungen in Gruppendiskussionen markiere sowie zentrale methodologische Grundannahmen des Verfahrens auf Basis der dokumentarischen Methode ausführe (Abschnitt 3). Die hier zu Grunde gelegte poststrukturalistische Perspektive konkretisiere ich sodann mittels einer Skizze wesentlicher Prämissen eines diskurstheoretischen Verständnisses von Subjektkonstitution (Abschnitt 4). Diese Ausführungen dienen im Weiteren der In-Verhältnis-Setzung beider methodologischer Zugänge und als Ansatzpunkte dafür, die sozialtheoretischen Annahmen, die das Gruppendiskussionsverfahren bislang begründen zu "poststrukturalisieren" (Abschnitt 5). Damit ist zum einen die Frage verbunden, wie sich Gruppendiskussionen vor dem Hintergrund diskurs- und subjektivierungstheoretischer Denkfiguren konzeptualisieren lassen und wie sich dadurch der analytische Gegenstand verschiebt. Zum anderen geht es darum, worin aus einer solchen Perspektive das Potenzial von Material aus Gruppendiskussionen für Diskurs- und Subjektivierungsforschungen besteht. Ein Resümee schließt meinen Beitrag ab (Abschnitt 6). [4]

2. Orientierung im Feld diskurs- und subjektivierungsanalytischer Forschung – Poststrukturalistische Perspektivierung von Gruppendiskussionen als Leerstelle

Trotz der Ausdifferenzierung und Unübersichtlichkeit von Zugängen im Feld der sozialwissenschaftlichen Diskurs- und Subjektivierungsforschung (vgl. etwa FEGTER et al. 2015; KELLER, SCHNEIDER & VIEHÖVER 2012b; TRAUE, PFAHL & GLOBISCH 2017; WRANA, OTT, JERGUS, LANGER & KOCH 2014), lassen sich diese dennoch holzschnittartig entlang verschiedener Linien systematisieren: Der jeweiligen Diskurs- und Subjektverständnisse sowie deren Verhältnis zueinander, der analytischen Gegenstände, wie auch entlang des Untersuchungsmaterials, welches die Grundlage für diskurs- und subjektivierungsanalytische Auswertungen bildet. [5]

Arbeiten im Bereich der Gouvernementalitätsforschung gehen im Anschluss an Michel FOUCAULT Wissensordnungen und Subjektformen primär im Sinne diskursiver Formationen nach und untersuchen diese Regelsysteme in ihrer wirklichkeits- und subjektkonstituierenden Funktion. Dabei wird vor allem auf Grundlage von Text-Korpora die Struktur von in medialen, politischen oder wissenschaftlichen Diskursen erzeugtem Wissen und Subjektpositionen in den Blick genommen (FEGTER 2012; ROTHE 2011). Mit einem subjektivierungstheoretischen Forschungs- und Erkenntnisinteresse analysiert etwa Ulrich BRÖCKLING (2007) die Subjektivierungsform des unternehmerischen Selbst, und Andreas RECKWITZ (2006) untersucht Subjektkulturen der Moderne. [6]

Mit dem Fokus auf jene die Subjektkonstitution regulierenden Diskurse kamen jedoch die konkreten Praktiken der Subjektivierung nicht in den Blick. Dies stellt einen bedeutsamen Hintergrund für die gegenwärtige Konjunktur der Auseinandersetzung mit Möglichkeiten einer empirischen Analyse von Subjektivierungsprozessen dar. Und so sind in den vergangenen Jahren Ansätze entstanden, die auf der einen Seite ebenfalls diskursive Subjektformen als relativ stabile, handlungsleitende Regelsysteme theoretisieren und untersuchen sowie auf der anderen Seite Effekten von Diskursen auf und eigensinnigen Aneignungen durch Subjekte selbst nachgehen. Hier ist auf Arbeiten der Subjektivierungsforschung im Anschluss an die wissenssoziologische Diskursanalyse zu verweisen (vgl. exemplarisch BOSANČIĆ 2016, 2017; PFAHL & TRAUE 2013; PFAHL, SCHÜRMANN & TRAUE 2015). Ebenfalls an wissenssoziologische Prämissen anschließend, jedoch mit Bezug auf die dokumentarische Methode nach BOHNSACK stärker praxeologisch orientiert, haben Steffen AMLING und Alexander GEIMER (2016) die sogenannte dokumentarische Subjektivierungsanalyse als einen Forschungszugang ausgearbeitet (siehe auch GEIMER 2017; GEIMER & AMLING 2017). Subjektivierungsanalytische Arbeiten, die an hermeneutische Theorietraditionen anschließen, zeichnen sich in der Tendenz neben einem starken Diskursbegriff durch ein starkes Verständnis des Subjekts aus. Im Anschluss an ein "minimal-anthropologisches Akteurskonzept" (BOSANČIĆ 2016, S.104) werden "Menschen in ihren Bezugnahmen auf Subjektpositionen [als] mehr oder weniger frei" (S.105) vorausgesetzt und als interpretierender und eigensinniger Gegenpol zu der Struktur konzeptualisiert. In der Forschungspraxis wird dieser theoretischen Gegenüberstellung von diskursiven Ordnungen einerseits und Subjektperspektive von Akteur*innen andererseits methodisch mit einer Trennung von Untersuchungsebenen und der Unterscheidung von Datenmaterial begegnet, das einbezogen wird. So wird zunächst eine Analyse der diskursiven Subjektformen und Fremdidentifizierungen durch Diskurse empfohlen, während Äußerungen aus Interviews und Beobachtungen als Selbst- und Weltdeutungen gefasst werden, in denen Bezüge auf Diskurse erfolgen und die mit Blick auf die Subjektperspektive von Akteur*innen in einem zweiten Analyseschritt interpretiert werden (S.111f.). [7]

Davon wiederum lassen sich poststrukturalistisch-praxeologisch orientierte Ansätze unterscheiden, die ihren Blick auf die Ebene performativer diskursiver Praktiken richten und sich für die Produktionsweisen von Diskursivität – das meint u.a. Bedeutungen des Subjektseins und -werdens – und Prozesse der Subjektkonstitution interessieren (vgl. etwa JÄCKLE 2015; JERGUS 2015; WRANA 2015a). Diese Arbeiten kennzeichnet im Vergleich ein schwächeres Diskurs- und Subjektverständnis, insofern weder Diskurse als relativ stabile Struktur noch Subjekte als dynamisierende, mehr oder weniger intentionale Sprech- und Handlungsinstanzen theoretisiert und getrennt voneinander untersucht werden. Vielmehr wird "der Diskurs" als dynamisch und instabil begriffen und die Gleichursprünglichkeit von diskursiven Praktiken und Handlungsfähigkeit des Subjekts betont. "Subjekt und Subjektivität werden von diesem Standpunkt her als Supplement von Strukturierungen begreifbar" (WRANA 2015b, S.35). So werden im Unterschied zu den angesprochenen hermeneutisch-wissenssoziologischen Analysen, Vollzüge sprachlicher Äußerungen selbst als situierte diskursive Praktiken und Ort der Subjektivierung konzeptualisiert und ihrerseits zum Gegenstand der Analyse (vgl. etwa WRANA 2012, 2015c; WRANA & LANGER 2007). Auf dieser Ebene der Analyse situierter Praktiken lassen sich auch die Arbeiten von REH und RICKEN (2012) oder RICKEN, ROSE, KUHLMANN und OTZEN (2017) verorten, die wiederum in ihrer Konzeptualisierung einer "Adressierungsanalyse" als Perspektive der Subjektivationsforschung und "Übersetzung der Frage nach dem praktischen Vollzug von Subjektivierungsprozessen" (ROSE & RICKEN 2018, S.166) stärker an interaktionistische Theorien anschließen. Im Rahmen eines ethnografischen Vorgehens nehmen sie Subjektivationsprozesse im schulunterrichtlichen Geschehen in den Blick (S.169f.). [8]

Mit dieser skizzierten Fokusverschiebung im Feld der Diskurs- und Subjektivierungsforschung ist – wie bereits angedeutet – auch ein Wandel in den herangezogenen Materialsorten verbunden (FEGTER et al. 2015, S.31ff.). Während in Diskursforschungen bislang in der Regel primär Dokumente, Berichte, Zeitungen und Zeitschriften, Protokolle etc. zum Einsatz gekommen sind, werden zunehmend Äußerungen von Sprecher*innen als empirische Daten genutzt, die methodisch erzeugt und im Feld erhoben werden. So bilden Äußerungen aus (narrativ-biografischen) Interviews (JERGUS 2014a; KLEINER 2015; ROSE 2012; SPIES 2015) sowie im Rahmen ethnografischer Forschung hervorgebrachte Beschreibungen und Gesprächsaufzeichnungen (vgl. etwa LANGER 2008; OTT 2011; REH & RICKEN 2012; RICKEN et al. 2017) inzwischen durchaus eine Grundlage für Diskurs- und Subjektivierungsanalysen. Und entsprechend liegen für diese Methoden qualitativer Forschung bereits Überlegungen zu methodologischen Fundierungen durch diskurs- und subjektivierungstheoretische Prämissen sowie zu Heuristiken für diskurs- und subjektivierungsanalytische Auswertungen des empirischen Materials vor (vgl. dazu etwa JERGUS 2014b). [9]

Äußerungen aus Gruppendiskussionen finden dahingegen, sowohl im Feld der Diskursforschung im Allgemeinen als auch der empirischen Subjektivierungsforschung im Speziellen, bislang noch kaum Verwendung. In der Vergangenheit sind im Bereich erziehungswissenschaftlicher Forschung Studien entstanden, die bereits auf der Ebene des Untersuchungsgegenstandes mit poststrukturalistischen, diskurs- und subjektivierungstheoretischen Perspektiven gearbeitet und mittels Gruppendiskussionen empirische Daten erhoben haben (vgl. etwa FRITZSCHE 2003; MICUS-LOOS, PLÖSSER, GEIPEL & SCHMECK 2016). Mit der dokumentarischen Methode wird dabei allerdings in den methodologischen Grundannahmen sowie den Prinzipien der Auswertung sozialtheoretisch an die Wissenssoziologie angeschlossen. [10]

Bislang existieren nur wenige Studien, die Gruppendiskussionen mit anderen Auswertungsverfahren verbinden. In den vergangenen Jahren sind vereinzelt Arbeiten entstanden, die Gruppendiskussionen etwa mit der qualitativen Inhaltsanalyse nach Philipp MAYRING auswerten (WEISS, SCHRAMM & KIEL 2014; WEISS, SYRING & KIEL 2017), ein thematisches Kodieren der Daten vornehmen (WIESLER, WAHL, LUCIUS-HOENE & BERNER 2013) oder eine Verbindung von Memo Writing in Anlehnung an die Grounded-Theory-Methodologie sowie sequenziellem Line-by-line-Vorgehen nach ROSENTHAL erproben (MENZ & THON 2013). Mehrheitlich besteht jedoch bis jetzt die Praxis einer engen Kopplung von Gruppendiskussionen und dokumentarischer Methode. [11]

Eine methodologische Begründung von Gruppendiskussionen durch eine poststrukturalistische Theorieperspektive steht hingegen national sowie in der internationalen Forschungslandschaft noch aus. Erst in jüngster Zeit finden im Feld der erziehungswissenschaftlichen Diskurs- und Subjektivierungsforschung Entwicklungen dahingehend statt, Äußerungen aus Gruppendiskussionen mit Bezug auf diskurs- und subjektivierungstheoretische Denkansätze sozialtheoretisch zu fundieren und diskurs- und subjektivierungsanalytische Auswertungsvorgehen zu entwickeln (FEGTER, HONTSCHIK, KADAR, SABLA & SABOROWSKI 2019; GEIPEL 2017). In diesem Kontext ist der vorliegende Beitrag zu verorten, in dem ich an dort entstandene Überlegungen1) sowie an Prämissen poststrukturalistisch-praxeologischer Forschungsperspektiven der erziehungswissenschaftlichen Diskurs- und Subjektivierungsforschung anschließe (vgl. etwa JERGUS 2014b; WRANA 2012, 2014). Gleichzeitig adressiere ich mit dem Beitrag zu einer methodologischen Neubegründung von Gruppendiskussionen allgemeine Fragen der Methodologie und Methodenentwicklung. Damit sind die Ausführungen auch über die disziplinären Grenzen der Erziehungswissenschaft hinaus anschlussfähig und für Debatten um eine Weiterentwicklung von Gruppendiskussionen innerhalb qualitativer Forschung relevant. [12]

3. Gruppendiskussionen – Spezifika des Sprechzusammenhangs und wesentliche methodologische Grundannahmen auf Basis der Dokumentarischen Methode

Gruppendiskussionen stellen im Rahmen der qualitativ-empirischen Sozialforschung eine etablierte Form der Datenerhebung dar, die sich als sozialwissenschaftliche Methode in Abgrenzung zur Tradition der sogenannten Fokusgruppen (focus group)2) entwickelt hat (LIEBIG & NENTWIG-GESEMANN 2009; PRZYBORSKI & RIEGLER 2010). Ralf BOHNSACK, Aglaja PRZYBORSKI und Burkhard SCHÄFFER zufolge ist die Methode der Gruppendiskussion "auf dem besten Wege, sich zu einem Standardverfahren qualitativer Sozialforschung" (2010a, S.7) im Hinblick auf unterschiedliche Gegenstandsbereiche zu entwickeln (vgl. auch BOHNSACK, PRZYBORSKI & SCHÄFFER 2010b; NENTWIG-GESEMANN 2010). [13]

Angesichts der Frage dieses Beitrags, wie sich Gruppendiskussionen vor dem Hintergrund diskurs- und subjektivierungstheoretischer Annahmen konzeptualisieren lassen mit dem Ziel, diese für poststrukturalistische Diskurs- und Subjektivierungsanalysen anschlussfähig zu machen, erfolgt dafür nun zunächst ein Blick auf Gruppendiskussionen. Denn nur so lässt sich im Weiteren aufzeigen, welche sozialtheoretischen Annahmen sich im Zuge einer poststrukturalistisch-praxeologischen Methodologisierung wie verändern. Im Folgenden werden daher erstens Spezifika sprachlicher Äußerungen in Gruppendiskussionen markiert. Und zweitens werden zentrale sozialtheoretische Prämissen und methodische Prinzipien des Gruppendiskussionsverfahrens auf Basis der dokumentarischen Methode dargelegt. [14]

3.1 Sprachliche Äußerungen in Gruppendiskussionen

Die mittels Gruppendiskussionen produzierte Materialsorte charakterisiert im Unterschied zu sogenannten natürlichen Daten, wie etwa Gesprächen, die im Feld z.B. im Kontext von Schule, Berufsberatung oder Psychotherapie erhoben werden, dass das Sprechen in einer forschungsinduzierten Situation stattfindet. Durch die Forschenden wird methodisch ein Sprechzusammenhang hergestellt und strukturiert (vgl. dazu auch LOOS & SCHÄFFER 2001, S.13). Bislang wurden sowohl auf Grundlage der vorherrschenden methodologisch-theoretischen Fundierung durch wissenssoziologische Annahmen zu sog. konjunktiven Erfahrungen, als auch aus der Forschungspraxis heraus, verschiedene Prinzipien hinsichtlich einer Durchführung von Gruppendiskussionen formuliert. Diese sind bereits an anderer Stelle ausführlich dargelegt (BOHNSACK 2010b; LIEBIG & NENTWIG-GESEMANN 2009; LOOS & SCHÄFFER 2001; PRZYBORSKI & WOHLRAB-SAHR 2014). Ein wesentlicher Aspekt besteht dabei in der Herstellung einer Selbstläufigkeit von Diskussionen, um zu gewährleisten, dass sich die Gruppe "in Bezug sowohl auf die für sie zentralen Inhalte als auch auf ihre Sprache weitestgehend in ihrer Eigenstrukturiertheit" (LIEBIG & NENTWIG-GESEMANN 2009, S.104) entfalten kann (vgl. auch BOHNSACK 2005, S.380). Durch einen spezifischen (erzählgenerierenden) Eingangsimpuls und Fragen immanenter sowie exmanenter Art wird ein Sprechen über und Antworten auf bestimmte Themen und Fragen durch die Forschenden initiiert, das möglicherweise in einem selbstinduzierten, alltäglichen Gespräch so nicht erfolgen würde. Dennoch charakterisiert das Verfahren, so die Annahme, dass "in einer Gruppe fremdinitiiert Kommunikationsprozesse angestoßen werden, die sich in ihrem Ablauf und der Struktur zumindest phasenweise einem 'normalen' Gespräch annähern" (LOOS & SCHÄFFER 2001, S.13). [15]

Hier klingt bereits ein zentrales Spezifikum von Gruppendiskussionen an, welches darin besteht, dass die Erhebung nicht a priori auf das einzelne Individuum ausgerichtet ist. Im Vergleich zur monologischen Sprechform in dem für die qualitative Sozialforschung klassischen Verfahren des (narrativen) Einzelinterviews, zeichnet sich die Praxis des Sprechens dadurch aus, dass nicht nur eine Person spricht. Vielmehr wird das Geschehen in Gruppendiskussionen durch die Anwesenheit Anderer und somit durch ein Zusammenspiel von sprachlichen Äußerungen mehrerer Sprechenden konstituiert. Dieses Moment der Äußerungspraxis birgt – wie noch gezeigt wird – aus diskurs- und subjektivierungsanalytischer Perspektive besonderes Potenzial (vgl. Abschnitt 5.2.1). Damit wird eine Sprechsituation produziert, in der miteinander über Bedeutung verhandelt und sich zu einander ins Verhältnis gesetzt wird/werden muss. [16]

Hinsichtlich dieses Aspekts des Sprechens mehrerer besteht durchaus eine Parallele zu Alltagsgesprächen, die in der Regel als dialogische Sprechform durch Rede und Gegenrede strukturiert sind. Zugleich wird durch Gruppendiskussionen eine spezifische Form dialogischen Sprechens produziert, insofern dieses überwiegend nicht zwischen der Forschenden und den Teilnehmenden stattfindet. Die Anwesenden treten sich somit quasi nicht als "gleichberechtigte" Gesprächspartner*innen gegenüber. Vielmehr erfolgt das Sprechen in Gruppendiskussionen innerhalb eines asymmetrischen Verhältnisses, insofern dieses durch die Instanz der Forschenden mittels eines Eingangsimpulses veranlasst und durch Kommentare sowie Nachfragen strukturiert wird. Die Teilnehmenden werden – subjektivierungstheoretisch formuliert – in spezifischer Hinsicht durch die Forschende als Gruppe bzw. Kollektiv angerufen3) (ALTHUSSER 1977; BUTLER 2006 [1997]). Dadurch sind die Teilnehmenden dazu aufgefordert, sich als Gruppe zu positionieren und evoziert wird die performative Hervorbringung als Kollektiv – etwa über Abgrenzungen gegenüber nicht anwesenden Anderen. D.h., mit dieser Adressierung wird zunächst weniger individualisierendes Sprechen angeregt, da die Teilnehmenden nicht, wie in Interviews, primär als einzelne Individuen angesprochen werden. Die Praxis des Sprechens kann dabei durchaus nahezu "monologische Züge" aufweisen, da generalisierend-kollektivierende Äußerungsakte und bestätigende Wiederholungen in den sprachlichen Äußerungen Mehrerer den Eindruck entstehen lassen können, dass es quasi eine "Stimme" ist, die spricht. Gleichzeitig fungiert die Herstellung eines Kollektivs als Referenzrahmen für individualisierende Positionierungen und die Hervorbringung von Individualität, die in Relation zur kollektiven Position sichtbar wird. [17]

3.2 Gruppendiskussionen und dokumentarische Methode als enges Gespann4) – Skizze methodologischer Grundlagen

In der deutschsprachigen Diskussion hat das Gruppendiskussionsverfahren im Laufe der Zeit durch unterschiedliche Theoriemodelle eine methodologische Fundierung erfahren (BOHNSACK 2005). Seit den 1980er Jahren werden Gruppendiskussionen auf Basis der dokumentarischen Methode als Interpretations- und Auswertungsvorgehen bis heute jedoch maßgeblich durch Prämissen der praxeologischen Wissenssoziologie nach Ralf BOHNSACK (2007b, 2011a) begründet. Um im Weiteren (Abschnitt 5) aufzeigen zu können, von welchen sozialtheoretischen Prämissen sich im Zuge eines Zugangs, der an diskurs- und subjektivierungstheoretische Grundannahmen anschließt, gelöst wird, werden nun zunächst wesentliche methodologische Annahmen der dokumentarischen Methode skizziert. Dabei ist der Fokus auch auf das Erkenntnisinteresse gerichtet, das sich gemeinhin mit dem Einsatz von Gruppendiskussionen verbindet, sowie auf die Methodik, die die Datenauswertung bislang charakterisiert. [18]

Die praxeologische Wissenssoziologie als theoretisch-methodologische Begründung des Gruppendiskussionsverfahrens hat BOHNSACK unter Bezugnahme auf wissenssoziologische Arbeiten Karl MANNHEIMs (1964) sowie kultursoziologische Überlegungen Pierre BOURDIEUs (1976) weiterführend entwickelt. Wesentlich für diese Theorieperspektive ist die Differenzierung von Sinnebenen und Wissensformen sowie eine damit verbundene spezifische Konzeption von Sozialität. Hiernach teilen Subjekte, bedingt durch "Gemeinsamkeiten der Handlungspraxis, des biographischen Erlebens, des Schicksals, also der Sozialisationsgeschichte" (BOHNSACK 2005, S.377), sogenannte konjunktive Erfahrungsräume. Der hierbei zentral gestellte Begriff des Kollektiven hebt auf homologe Erfahrungen bspw. generations-, geschlechts- oder milieuspezifischer Art ab (BOHNSACK et al. 2010a, S.13). Aus diesen Erfahrungsräumen geht – so die wissenssoziologische Annahme – ein Orientierungswissen hervor, das mit dem Konzept der kollektiven Orientierungsmuster (BOHNSACK 2011b) gefasst wird. Diese "kollektive[n] Orientierungen" (BOHNSACK et al. 2010a, S.7) werden als inkorporiertes, vornehmlich unbewusst verinnerlichtes Wissen verstanden, welchem eine handlungsleitende, die Alltagspraxis strukturierende Funktion beigemessen wird (NENTWIG-GESEMANN 2010, S.260). Im Anschluss an BOURDIEU wird in dem Zusammenhang auch von Habitus gesprochen. [19]

Dieses "implizit[e], stillschweigend[e] oder atheoretisch[e] Wisse[n]" (BOHNSACK, NENTWIG-GESEMANN & NOHL 2013, S.13) wird auch als "konjunktives Wissen" (BOHNSACK et al. 2010a, S.11) bezeichnet und von einem "kommunikativ-generalisierende[n] Wissen" (S.12) als expliziten, reflexiv verfügbaren, übersubjektiven Wissensordnungen unterschieden, die auf der Ebene der Common-Sense-Theorien verortet werden. Mit der Annahme für Akteur*innen nicht explizierbarer, tiefer liegender Orientierungen, die sich vielmehr als praktisch-performatives Wissen dokumentieren (NENTWIG-GESEMANN 2010, S.261), wird insbesondere in Abgrenzung zu theoretisch-methodologischen Annahmen des interpretativen Paradigmas in der Tradition des symbolischen Interaktionismus eine spezifische, auch "fundamentalere Sozialität" (BOHNSACK 2005, S.377) reklamiert:

"Denn indem ein derart gemeinsam geteiltes atheoretisches Wissen einen konjunktiven Erfahrungsraum konstituiert, ermöglicht es ein unmittelbares Verstehen, wie wir es in den Gruppendiskussionen unter denjenigen beobachten können, die zum selben Milieu, zur selben Generation oder zum selben Geschlecht gehören. Demgegenüber ermöglicht ein Interpretieren, welches auf kommunikativ-generalisierten Wissensbeständen basiert, die Verständigung über die Grenzen unterschiedlicher Erfahrungsräume oder Milieus hinweg. Diejenigen, die einander unmittelbar verstehen, teilen in jenen Bereichen, in denen dies der Fall ist, Gemeinsamkeiten eines Milieus oder eines 'konjunktiven Erfahrungsraums'" (BOHNSACK et al. 2010a, S.12). [20]

Konjunktive, implizite Wissensbestände eröffnen – so die Annahme – die Möglichkeit eines "Einander-Verstehen[s] im Medium des Selbstverständlichen" (GURWITSCH 1977, zit. n. BOHNSACK 2005, S.377), ohne dass zugrundeliegende Orientierungsmuster wörtlich benannt würden, werden könnten oder gar müssten. [21]

Das Ziel, das mit Gruppendiskussionen in dieser Tradition gemeinhin verfolgt wird, besteht darin, geteilte Sinn- und Erfahrungshorizonte zu erforschen. Der dokumentarischen Methode der Interpretation wird dabei das Potenzial zugesprochen, eine Rekonstruktion des Orientierungswissens der Gesprächsbeteiligten zu ermöglichen und damit den Forschenden einen Zugang zu "'übergemeinschaftlichen' konjunktiven Entstehungszusammenhängen kollektiver Orientierungen" (LIEBIG & NENTWIG-GESEMANN 2009, S.103) zu eröffnen. In der Auswertung besteht das analytische Interesse folglich darin, implizites, atheoretisches Wissen und das die Beiträge verbindende kollektive Sinnmuster zu explizieren und damit die "wechselseitigen (intuitiven) Verstehensleistungen der Erforschten" (BOHNSACK 2005, S.375) zu erschließen. Im Fokus stehen damit nicht individuelle Sinnkonstruktionen und Bedeutungszuschreibungen der Akteur*innen sondern kollektiv-strukturelle Muster, die als in konjunktiven Erfahrungszusammenhängen konstituiert und der konkreten Gruppendiskussion vorausgehend angenommen werden (vgl. PRZYBORSKI & RIEGLER 2010, S.439). [22]

Das Sprechen bzw. der sogenannte "Diskurs" (BOHNSACK & SCHÄFFER 2007, S.309) in Gruppendiskussionen gelangt aus dieser theoretischen Perspektive als Ort in den Blick, an dem sich eine Reproduktion und Aktualisierung jener der Handlungspraxis zugrundeliegenden Schemata vollzieht. So gelten in diesem Fall die situierten Äußerungen der konkreten Gruppe5) den grundlagentheoretischen Prämissen entsprechend nicht als "soziale[r] Ort der Genese und Emergenz, sondern [als] derjenige der Artikulation und Repräsentation generationsspezifischer bzw. allgemeiner: kollektiver Erlebnisschichtung" (BOHNSACK 2005, S.378). Damit wird in der dokumentarischen Methode ein Repräsentanzmodell zugrunde gelegt – wiederum in Abgrenzung zu einem Emergenzmodell im Interpretativen Paradigma. [23]

Methodisch6) ist der Fokus im Rahmen eines sequenziell interpretierenden Vorgehens auf die sogenannte formale "Diskursorganisation" (BOHNSACK & SCHÄFFER 2007, S.309) gerichtet, d.h. auf "die Charakterisierung der Art und Weise, wie die Beteiligten interaktiv aufeinander Bezug nehmen" (BOHNSACK et al. 2010a, S.8). Denn "[i]m Diskurs dokumentieren sich nicht nur kollektive Orientierungen, sondern der kollektive Charakter des Diskurses findet seinen Ausdruck auch in der Performanz: in spezifischen Formen oder Modi der Diskursorganisation" (BOHNSACK & SCHÄFFER 2007, S.309). Alles in allem wird dieser analytische Schritt primär als Mittel zum Zweck eines Zugangs zur kollektiven Handlungspraxis begriffen; "lediglich [als] ein Instrument zur Rekonstruktion tiefer liegender semantischer Gehalte" (S.9). Während die dokumentarische Methode mit dem Bezug auf sich dokumentierende kollektive Orientierungen vor allem strukturalistisch argumentiert, schlage ich mit diesem Beitrag vor, Gruppendiskussionen aus poststrukturalistischer Perspektive in den Blick zu nehmen. Hierfür werden im Folgenden zunächst zentrale diskurs- und subjektivierungstheoretische Annahmen skizziert. [24]

4. Theorie der Subjektivierung: Zentrale Prämissen eines diskurstheoretischen Verständnisses von Subjektbildung

In diesem Abschnitt lege ich wesentliche Prämissen einer diskurs- und subjektivierungstheoretischen Perspektive im Anschluss an Arbeiten Judith BUTLERs dar. Diese führe ich als Grundlage für eine methodologische Neubestimmung von Gruppendiskussionen ein. Da in dem hier vorgeschlagenen Zugang Theorie und Methode zusammen gedacht werden, ist folglich die Darstellung der sozialtheoretischen Prämissen essenziell für die anschließende Method(ologie)enentwicklung. [25]

Eine zentrale Annahme dieser Theorieperspektive besteht darin, dass der Mensch nicht immer schon Subjekt ist im Sinne einer bereits existenten, autonomen und sich selbst begründenden Instanz. Vielmehr ist von dem Werden des Subjekts zu sprechen, das fortwährend diskursiv hervorgebracht werden muss. In dieser Prämisse klingt bereits an, dass mit der hier leitenden poststrukturalistischen Perspektive auf Subjekte die Prozesse der Hervorbringung als solche ins Blickfeld gerückt werden. Kennzeichnend für dieses Denken ist ein spezifisches Verständnis von sozialer Wirklichkeit, die in grundlegender Weise als durch Sprache erzeugt gilt. So theoretisiert BUTLER das Subjekt als "die sprachliche Gelegenheit des Individuums, Verständlichkeit zu gewinnen und zu reproduzieren, also die sprachliche Bedingung seiner Existenz und Handlungsfähigkeit" (2013 [1997], S.15). Subjekte sind BUTLER (2006 [1997]) zufolge immer schon durch eine Sprache konstituiert, die nie die eigene ist. Diskurse als Kontexte des Denk- und Sagbaren und in diese eingelassene Normen regulieren nicht allein die Möglichkeit der Produktion sprachlicher Äußerungen, sondern bedingen den menschlichen Zugang zur Welt und damit das Werden als/zum Subjekt überhaupt. D.h. als existenzielle Bedingungen des Subjektseins "befinden [sie darüber], was es heißt, ein achtbares, anerkennenswertes und erhaltenswertes Menschenleben zu sein" (BUTLER 2012 [2004], S.122). [26]

Diese Angewiesenheit auf Normen, um als Subjekt (an-)erkennbar und zu einem handlungsfähigen Subjekt (gemacht) zu werden, ist in dem Begriff der Subjektivation (BUTLER 2013 [1997], S.8) enthalten. Mit diesem fasst BUTLER in Auseinandersetzung mit Überlegungen von Michel FOUCAULT und Louis ALTHUSSER den machtvollen Vorgang der sprachlich-diskursiven Konstitution von Subjekten, der durch die Gleichzeitigkeit von Unterwerfung und ermöglichender Hervorbringung von Handlungsfähigkeit gekennzeichnet ist (BUTLER 2008, S.1302f.; BUTLER 2013 [1997], S.15f.). In ihren Arbeiten konkretisiert BUTLER (1991 [1990], 1997 [1993], 2012 [2004]) ihre Überlegungen dazu konsequent anhand von Geschlecht und markiert die heterosexuelle Matrix als regulierendes Prinzip, das intelligible Subjektpositionen hervorbringt (BUTLER 1991 [1990], S.220). Anerkannte Seins-Weisen sind auf die Produktion und Existenz nicht-anerkennbarer Positionen angewiesen und gerade durch die Abgrenzung von diesen definiert. Der machtvolle Ausschluss anderer stellt somit ein konstitutives Moment in der Produktion normativer Bedeutungen des Subjektseins und von Prozessen der Subjektivierung dar. [27]

Wie es dazu kommt, dass sprachliche Äußerungen Wirklichkeit produzieren, theoretisiert BUTLER mit dem Konzept der Performativität im Anschluss an die Sprechakttheorie John AUSTINs sowie deren Relektüre bei Jacques DERRIDA (BUTLER 2002; 2006 [1997]). Mit ihren Überlegungen zur Performativität von Sprache, die etwas "tut", erfährt diese sprach- und diskurstheoretische Perspektive eine stärker praxeologische Akzentuierung. Äußerungsakte sind performativ, insofern sie Wirklichkeit im praktischen Vollzug produzieren. Um zu klären, wie die Praxis des Sprechens performativ sein kann und somit Sprache "tut" was sie sagt – bzw. anders formuliert – wie Bedeutungen Wirkmächtigkeit erlangen können, greift BUTLER auf das Moment der Iterabilität im Sinne einer Möglichkeit der Zitation im Anschluss an DERRIDA (1999 [1972]) zurück. Demnach müssen Bedeutungen fortlaufend wiederholt bzw. iteriert werden. In diesem Sinne hält BUTLER auch im Hinblick auf Subjektbildung fest, dass "diese Wiederholung [das] ist [...], was ein Subjekt ermöglicht und was die zeitliche Bedingtheit für das Subjekt konstituiert" (1997 [1993], S.139). Ihre performativitätstheoretischen Überlegungen zum Vollzug, wie Individuen durch Diskurse als Subjekte ins Leben gerufen werden, konkretisiert BUTLER (2006 [1997]) genauer unter Rückgriff auf das Konzept der diskursiven Anrufung bzw. Interpellation im ALTHUSSERschen Sinne (S.46). Darin werden zugleich normative Ordnungen des Subjektseins aufgerufen und Subjekte als spezifischer Jemand anerkennbar (S.80). Diesen Prozess der Subjektbildung theoretisiert BUTLER jedoch nicht allein als ein einseitiges, determinierendes Gemacht-Werden durch Anrufungen (1991 [1990], S.213). Vielmehr macht sie darauf aufmerksam, dass es immer auch einer In-Verhältnis-Setzung zu Anrufungen, d.h. der zitierenden Praxis und Anerkennung von Normen und Subjektpositionen bedarf, womit sie in entscheidender Weise über (zumindest frühe) diskurstheoretische Arbeiten von FOUCAULT hinausgeht. [28]

Diskurse besitzen ihre Macht, Subjekte hervorzubringen, insofern nur, wenn sie in nie abschließbaren, wiederholenden (Sprech-) Akten durch Subjekte (die genau genommen paradoxerweise dadurch zugleich fortwährend erst entstehen) immer wieder aufgegriffen werden. Und so lässt sich im Anschluss an BUTLER sagen, dass es die Praxis der fortwährenden Zitation ist, durch die Bedeutungen sedimentieren und sich zu Normen als Kontexte der Subjektivierung verdichten. Diese Wiederholung ist jedoch niemals identisch. Vielmehr impliziert das Theorem der Iterabilität bzw. Iteration die Annahme einer stetigen Verschiebung und Unabgeschlossenheit von Bedeutungen. Und genau in diesen notwendigen Vollzügen von Wiederholungen und zitierenden Anschlüssen sind BUTLERs Überlegungen zufolge Möglichkeiten der Resignifizierung im Sinne eines Veränderungspotenzials zu lokalisieren (BUTLER 2006 [1997], S.76). [29]

BUTLERs Ausführungen bieten durch die performativitätstheoretischen Überlegungen Spielraum dafür, neben einer stärker strukturalistischen Lesart von Normen und Diskursen, diese – wie aufgezeigt – in ihren poststrukturalistisch-praxeologischen Momenten zu lesen. Damit kommt die Gleichursprünglichkeit bzw. Relationalität des Diskursiven und von Prozessen der Subjektivierung auf der Ebene der konkreten Vollzüge sprachlicher Äußerungen in den Blick, insofern BUTLER die notwendigen Akte "des Zitierens oder mimetischen Nachahmens der Norm" (BUTLER 1997 [1993], S.156) als einen Bereich diskursiver Produktion markiert:

"Das 'Geschlecht' wird immer als eine unentwegte Wiederholung vorherrschender Normen hergestellt. Diese produktive Wiederholung kann als eine Art Performativität gedeutet werden. Die diskursive Performativität produziert offenbar das, was sie benennt, um ihren eigenen Referenten zu inszenieren, um zu benennen und zu tun, benennen und zu machen. [...] Als eine diskursive Praxis (performative 'Akte' müssen wiederholt werden, um wirksam zu werden) konstituieren performative Äußerungen einen Locus diskursiver Produktion" (S.154f.). [30]

Festzuhalten ist abschließend, dass ein Moment, welches diese ausgeführten subjektivierungstheoretischen Annahmen wie ein analytischer roter Faden durchzieht, sich mit einer sogenannten Angewiesenheit auf Anderes bzw. Andere auf den Begriff bringen lässt. Dieser Gedanke ist für die weiteren methodologisch-methodischen Ausführungen bedeutsam. [31]

5. Gruppendiskussionen poststrukturalisiert – Zu einer Verschiebung grundlagentheoretischer Prämissen des Verfahrens und der Perspektive auf das Datenmaterial

Die zuvor eingeführte diskurs- und subjektivierungstheoretische Perspektive auf Äußerungen aus Gruppendiskussionen zu beziehen bedeutet konsequenterweise, das Verfahren durch andere sozialtheoretische Prämissen zu begründen, als es bislang der Fall ist. Um aufzeigen zu können, inwiefern sich die methodologischen Grundlagen von Gruppendiskussionen durch eine poststrukturalisierende Reformulierung verschieben, setze ich im Weiteren die beiden dargelegten Theorieperspektiven zueinander ins Verhältnis. Erstens verdeutliche ich hierzu inwiefern sich das Verständnis vom Ort der Sinnkonstitution wandelt, welches mit Unterschieden in den Diskurs-, Subjekt- und Strukturverständnissen sowie einer veränderten Perspektive auf das Datenmaterial einhergeht. Damit verbunden geht es zweitens darum aufzuzeigen, wie sich der analytische Gegenstand im Zuge einer Poststrukturalisierung verändert sowie um das Potential von Äußerungen aus Gruppendiskussionen in diskurs- und subjektivierungsanalytischer Perspektive. [32]

5.1 Verändertes Verständnis von dem Ort der Sinnkonstitution

Gruppendiskussionen mit diskurs- und subjektivierungstheoretischen Denkfiguren zu verbinden bedeutet erstens, die Konstitution und Aufschichtung von Sinn nicht mehr primär in homologen Erfahrungen zu lokalisieren, wie dies im Rahmen des praxeologisch-wissenssoziologischen Paradigmas der Fall ist. Denn wie dargelegt, besteht eine zentrale Prämisse der Methodologie dokumentarischer Interpretation darin, dass atheoretisches Wissen in konjunktiven Erfahrungsräumen entsteht, die durch Ähnlichkeiten der Handlungspraxis bzw. ein "strukturidentisches Erleben" (BOHNSACK et al. 2010a, S.12) bedingt sind. Dieses Wissen – so die Annahme – orientiert "diese Praxis zugleich in habitualisierter Weise" (BOHNSACK 2011a, S.137) und ist nur Angehörigen eines Erfahrungsraumes unmittelbar zugänglich. [33]

Das bedeutet, dass aus dieser Perspektive das Wissen als schon vorher (vor den Gruppendiskussionen) existent und als das Handeln von Menschen strukturierend angenommen wird. Wenngleich also auch in der Methodologie der dokumentarischen Methode nicht ein "starkes" Subjekt in hermeneutischem Sinne angenommen wird, sondern primär die kollektive Handlungspraxis bzw. Erleben als Ort von Sinnoperationen gilt, wird mit diesem methodologischen Zugang dennoch das Subjekt als bereits existent und vergemeinschaftet vorausgesetzt – als Angehörige*r konjunktiver Erfahrungsräume etwa eines selben Milieus, einer selben Generation oder eines selben Geschlechts. Als Subjekt, das sich innerhalb oder außerhalb eines jeweiligen konjunktiven Erfahrungsraums befindet und entsprechend Wissensbestände entweder implizit versteht oder interpretiert. Als Subjekt also, das als bereits Gemachtes in Gruppendiskussionen über sich, Andere und die Welt spricht. [34]

Im Unterschied dazu sind aus poststrukturalistischer diskurs- und subjektivierungstheoretischer Perspektive im Anschluss an BUTLER sowie neuere erziehungswissenschaftliche Arbeiten zur Diskursanalyse (vgl. etwa JERGUS 2014b; WRANA 2014, 2015a) hingegen sprachliche Äußerungsakte als Ort der Sinnkonstitution und entsprechend als diskursive Praktiken zu verstehen. Denn wie mit Bezug auf das Theorem der Performativität dargelegt, werden Gegenstände und Subjektivität fortwährend in situierten Vollzügen performativer Äußerungsakte hervorgebracht. Damit kommt die Praxis des Sprechens über etwas als ein Ort in den Blick, an dem zeitgleich Bedeutungen des Subjektseins produziert werden und sich praktisch Prozesse der Subjektivierung vollziehen. So ist eine "diskursive Praktik [...] nicht eine Praktik des Zeichengebrauchs, sondern eine Praktik der Produktion von Bedeutung, Wahrheit und Subjektivität" (WRANA 2015c, S.129). [35]

Aus dieser Perspektive "ist" das Subjekt nicht immer schon eine bereits existente, implizit verstehende oder interpretierende Instanz. Im Zuge einer Poststrukturalisierung von Gruppendiskussionen werden das Subjekt und Subjektivität vielmehr in relationaler Perspektive als fortlaufend in situierten diskursiven Praktiken konstituiert begriffen und das Werden als/zum Subjekt als unabgeschlossener, nie endender Prozess verstanden (vgl. Abschnitt 4). So ist

"[d]as Subjekt [...] nicht der Ort, der dem Akt vorausgeht und von dem aus er konstruiert wird, denn erst im Äußerungsakt wird dieser Ort, der von ihm bezogen werden kann, um 'es selbst' zu sein, konstruiert. Es ist daher nicht die Struktur, die diese Orte vor jeder Artikulation prägt und bereithält, sondern die Praxis der Artikulation, in der sie immer wieder neu hervorgebracht werden" (WRANA 2015a, S.139). [36]

5.1.1 Verändertes Verständnis von "dem Diskurs" und der Praxis des Sprechens in Gruppendiskussionen

Darin klingt bereits an, dass sich mit einer poststrukturalistischen Perspektivierung entsprechend das Diskursverständnis und die Auffassung davon unterscheidet, als was das Sprechen in Gruppendiskussionen begriffen wird. Denn auch innerhalb der dokumentarischen Methode nimmt der Diskursbegriff eine zentrale Stellung ein. Gleichzeitig wird der Begriff in den methodischen Ausführungen durchaus vielfältig genutzt. So werden sowohl Transkripte als "Diskurstext[e]" (BOHNSACK 2000, S.57) bezeichnet, als auch die Sprache selbst. Denn Aglaja PRZYBORSKI schreibt: "Die Sprache, der Diskurs, ist mithin eines jener sinnhaften Gebilde, welchen ein immanenter, in diesem Fall ein wörtlicher, lexikalischer Sinn innewohnt und ein dokumentarischer Sinn, den wir nun auch als konjunktiven Sinn beschreiben können" (2004, S.25f.; meine Herv.). Nahegelegt wird damit eine Lesart, wonach Diskurs gleichbedeutend mit Sprache und genauer mit Gesprächen und Diskussionen verwendet wird und folglich den Vollzug von Sprache in Form von Äußerungs- Interaktions- oder Kommunikationszügen bezeichnet (S.51). In diesem Fall wird auch von der "Rekonstruktion der Gestaltung des 'Wie' diskursiver Praxis [gesprochen, die] [...] ein Zugang zum konjunktiven, zum dokumentarischen Sinngehalt seitens eines/r dem jeweiligen Erfahrungsraum fremden Interpreten/in [ist]" (S.27). Die Ausführungen zur dokumentarischen Methode deuten entsprechend darauf hin, dass hier ein Diskursbegriff verwendet wird, der vor allem auf die Beschreibung der Art und Weise des Gesprächsgeschehens in Aufbau und Struktur zielt. Mit der "Performativität des Diskurses" (a.a.O.) werden "alle gestalterischen Elemente des Diskurses, wie z.B. und ganz wesentlich die wechselseitige Bezugnahme aufeinander" (a.a.O.) gefasst. Sprache wird in erster Linie als darstellend oder abbildend gedacht, insofern der sogenannte Diskurs in Gruppendiskussionen als "Ausdruck, als Dokument" (S.56) verstanden und damit als Medium der Repräsentation und Aktualisierung jener atheoretischen Wissensbestände konzeptualisiert wird. Denn BOHNSACK zufolge werden "homologe Muster von milieuspezifischen Sinnzuschreibungen und Orientierungen [...] in den Gruppendiskussionen nicht erst produziert; sie emergieren nicht situativ. Vielmehr werden sie im Diskurs repräsentiert und aktualisiert und somit immer wieder reproduziert" (BOHNSACK 2005, S.374). [37]

Dem Gruppendiskussionsverfahren eine poststrukturalistische Perspektive zuzuführen hat demgegenüber zur Konsequenz, den Diskursbegriff in seiner produktiven, wirklichkeitskonstitutiven Funktion zu theoretisieren. Das bedeutet, Diskurse nicht als Repräsentation von Gegenständen zu begreifen, sondern als Praktiken, die in spezifischer Weise "systematisch die Gegenstände bilden, von denen sie sprechen" (FOUCAULT 2015 [1969], S.74). Und so sind sprachliche Äußerungen als mit Macht verbunden zu verstehen, insofern sie Wirklichkeit erzeugen und Subjektivität hervorbringen. Sie stecken ab, wer oder was in welcher Weise existieren kann oder die Existenzberechtigung verliert. So ist – wie BUTLER im Anschluss an FOUCAULTs Überlegungen formuliert – der

"'Diskurs' [...] nicht bloß gesprochene Wörter, sondern ein Begriff der Bedeutung, nicht bloß, wie es kommt, daß bestimmte Signifikanten bedeuten, was sie nun mal bedeuten [...] Ein Diskurs stellt nicht einfach vorhandene Praktiken und Beziehungen dar, sondern er tritt in ihre Ausdrucksformen ein und ist in diesem Sinne produktiv" (1993, S.129; meine Herv.). [38]

Diskursive Praktiken gelten entsprechend als Ort der Produktion von Bedingungen, die Individuen ihre soziale Existenz als Subjekt verleihen. Anhand BUTLERs Überlegungen zu performativen Sprechakten wird deutlich, dass es nicht ausreicht, "den Diskurs" allein als übergeordnetes Gebilde und entsprechend feststehende Wissens- bzw. Subjekt-Ordnung zu konzeptualisieren und empirisch zu untersuchen. Der Begriff des Diskurses als regulierende Matrix im Sinne eines relativ stabilen Regelsystems wird mit der Betonung der performativ-iterativen Dimension verschoben. Und so lässt sich die Produktion von Diskursivität in situierten Vollzügen von sprachlichen und körperlichen Praktiken verorteten, die gebunden sind an Sprecher*innen bzw. menschliche Körper, welche jedoch nicht den "Grund" der Sinn- bzw. Bedeutungskonstitution bilden. [39]

Das bedeutet, dass im Zuge einer poststrukturalistischen diskurs- und subjektivierungstheoretischen Fundierung von Gruppendiskussionen folglich Abstand davon genommen wird, die Relation zwischen Alltagspraxis bzw. Erleben und Äußerungen in Gruppendiskussionen als Entsprechungsverhältnis zu konzeptualisieren. Äußerungen und die spezifische Art und Weise des Sprechens der Teilnehmenden miteinander, werden mit Bezug auf die Performativität von Sprechakten im Anschluss an BUTLER nicht repräsentationslogisch als Dokument für etwas dahinterliegendes anderes verstanden. Gleichwohl werden die Äußerungen auch nicht als eigensinnige Selbst- und Weltdeutungen wie im interpretativen Paradigma begriffen. Vielmehr ist – im Unterschied zu der bislang etablierten Perspektive – das Sprechen in Gruppendiskussionen selbst als konstituierend zu verstehen, d.h. als diskursive, performative Praxis, die Bedeutungen im Vollzug produziert, strukturiert und transformiert. Mit dem besonderen Fokus auf Subjektivierung ist das Sprechen mithin als eine Praxis zu begreifen, die zeitgleich Bedeutungen des Subjektseins hervorbringt und durch die sich Prozesse der Subjektivierung in Relation zum Anderen vollziehen. Um diese Vorgänge empirisch aufschlüsseln zu können bedarf es entsprechender Verfahren der Erhebung bzw. Produktion von Daten. Mit Gruppendiskussionen, die als Methode durch die Anwesenheit Anderer konstituiert sind und auf dem Zusammenspiel von Äußerungsakten basieren (vgl. Abschnitt 3.1 zu Äußerungen in Gruppendiskussionen), lässt sich Subjektivierungen in diskursiven Praktiken in besonderer Weise angemessen nachgehen (siehe auch Abschnitt 5.2). [40]

5.1.2 Abstand von starkem Strukturverständnis und der Idee einer Reproduktion kollektiver Orientierungsmuster

Mit einer Konzeptualisierung von Gruppendiskussionen vor dem Hintergrund diskurs- und subjektivierungstheoretischer Annahmen verschiebt sich entsprechend das Strukturverständnis. Denn im Rahmen der dokumentarischen Methode wird mit der theoretischen Unterscheidung von einer Oberflächen- und Tiefenstruktur des Sinngehalts von Äußerungen und Wissensformen, die mit der Annahme eines inkorporierten, impliziten Wissens verknüpft ist, das im Anschluss an BOURDIEUs Konzept des Habitus als handlungsleitendes Regelwerk fungiert, eine Stabilität des Wissens betont. Eine Veränderung jener Wissensbestände wird im Rahmen des Paradigmas der praxeologischen Wissenssoziologie zwar nicht ausgeschlossen. Mit der Frage nach kollektiven Orientierungen und dahinter liegenden Erlebniszusammenhänge, die sich in den Erzählungen und Interaktionsweisen der Teilnehmenden in Gruppendiskussionen dokumentieren, akzentuiert diese Perspektive in der Analyse jedoch stärker übersubjektive Ordnungen, Homologien der Handlungspraxis und die Persistenz daraus resultierender Wissensbestände. In diesem Zugang werden die Äußerungen insofern auf den Zusammenhang "des gemeinsamen Erlebens und damit der Kollektivität" (BOHNSACK 2007a, S.42) zurückgeführt, was auf die Annahme einer starken Struktur verweist. [41]

Auch aus einer poststrukturalistischen Theorieperspektive wird die Existenz und Bedeutsamkeit von Wissen und Normen, die durch ständig wiederholende und zitierende Praktiken als machtvolle Ordnungen sedimentieren und Subjekte anerkennbar werden lassen, nicht negiert. Denn auch diese Perspektive basiert auf dem Gedanken einer Wiederholung in Praktiken, insofern Äußerungsakte nie als unabhängig und singulär gedacht werden. Jedoch wird hier ein anderes Verständnis der Wiederholung akzentuiert, als es die Begriffe der Repräsentation, Objektivation, Aktualisierung und sich dokumentierender Orientierungsmuster im Rahmen der dokumentarischen Methode nahelegen. [42]

Aus poststrukturalistischer Perspektive müssen Bedeutungen in ihrer Geltung stets hervorgebracht werden und existieren nur in der Performativität, d.h. einem wiederholten (sprachlichen) Tun und nicht jenseits des Vollzugs (JERGUS 2014b, S.56). Mit Bezug auf das Performativitätstheorem und die Figur der Iterabilität bzw. Iteration wird dabei nicht von einer identischen Abbildung der Struktur als unmittelbare Reproduktion eines Regelsystems ausgegangen, sondern einer immer bereits differenten Wiederholung in performativen Akten. Die "poststrukturalistische Praxeologie unterstellt mit der Iterabilität eine Form der wiederholenden Reproduktion, in der jede Wiederholung zwar die Praxis reproduziert und in ihrer Dignität bestätigt, zugleich aber notwendig verkennt und transformiert" (WRANA 2015a, S.35f.; meine Herv.). D.h. Zitationen müssen dadurch paradoxerweise zwar als wiederholend, jedoch zugleich als anders und neu gedacht werden (WRANA 2015c, S.133). Mit diesen Prämissen wird aus poststrukturalistischer Perspektive entsprechend eine durch Wiederholungen bedingte Unabgeschlossenheit, Instabilität und Veränderung von Bedeutungen sowie die Möglichkeit potenzieller Brüche betont. Denn "Strukturen werden nicht als Gitter von fixen Orten begriffen, die die Positionen vorgeben, sondern als dynamische Strukturierung, die in den Akten der Positionierung einer permanenten Produktion und einer gleichzeitigen Stabilisierung und Destabilisierung unterliegt" (WRANA 2015a, S.127). Das hat zur Folge, dass im Unterschied zu einer tendenziell strukturalistischen Praxeologie im Anschluss an BOURDIEUs Konzept des Habitus, "die Struktur" in poststrukturalistischer Perspektive stärker dynamisiert wird. [43]

5.2 Zur Verschiebung des analytischen Gegenstands und dem Potenzial von Äußerungen aus Gruppendiskussionen in diskurs- und subjektivierungsanalytischer Perspektive

Im Zuge einer poststrukturalistischen Perspektivierung von Gruppendiskussionen verschiebt sich entsprechend der Gegenstand empirischer Analysen. Denn mit der dokumentarischen Methode auf Grundlage der praxeologischen Wissenssoziologie gilt das Interesse an den Äußerungen der Sprechenden – wie dargelegt – primär kollektiven Orientierungen, d.h. der Frage danach, "auf welchen übersituativen und fallübergreifenden allgemeinen Mustern Handlungspraxis beruht, für was bzw. für welche Erfahrungsdimensionen oder Milieus sie als 'Dokument' gelesen werden kann" (NENTWIG-GESEMANN 2010, S.259; meine Herv.). Das Potenzial einer dokumentarischen Interpretation von Gruppendiskussionen wird darin gesehen, diese regelgeleiteten impliziten Wissensbestände im Nachgang freizulegen. Die sog. Diskursanalyse als Analyse formaler Regeln des Kommunikationsgeschehens dient den Forschenden dabei insofern als "Zugang zur Handlungspraxis" (BOHNSACK et al. 2010a, S.7). [44]

Bei der Fundierung von Gruppendiskussionen durch diskurs- und subjektivierungstheoretische Annahmen geht es hingegen nicht darum, welches implizite konjunktive Wissen und welche dahinterliegenden Erfahrungen die Äußerungen und das gegenseitige Verstehen der Diskussionsteilnehmer*innen bedingen. Denn wenn sich aus poststrukturalistischer Perspektive in Äußerungen nicht Homologes dokumentiert, dann kann auch nicht davon ausgegangen werden, dass sich "in Interviewartikulationen [oder Artikulationen im Rahmen von Gruppendiskussionen; meine Anmerk.] ein einheitlicher Zusammenhang – des Wissens, des Subjekts oder des Sozialen – entäußern bzw. ausdrücken würde" (JERGUS 2014b, S.57). Vielmehr geht es darum, dass die Vollzüge von Äußerungen etwas produzieren und entsprechend wird auch der analytische Gegenstand anders konstituiert. [45]

Ausgehend von der theoretischen Prämisse einer Hervorbringung von Diskursivität und Subjektivität in situierten Praktiken, gilt das Interesse aus dieser Perspektive den machtvollen Praktiken der Produktion von Wirklichkeit und damit verbundenen Subjektivierungen auf der Ebene des Vollzugs von Äußerungen. Entsprechend zielt die Analyse darauf, die Konstitution von Bedeutungsordnungen in performativen Sprechakten analytisch im Hinblick auf ihre Hervorbringungslogiken bzw. Erzeugungsweisen aufzuschlüsseln. Das bedeutet, sichtbar zu machen, wie in Äußerungen die Geltung von Konstruktionen produziert wird und wie diese sich im Vollzug der Äußerungen zu legitimen Ordnungen des Denk- und Sagbaren verdichten. Damit interessieren aus diskursanalytischer Perspektive mit dem Fokus auf Subjektivierung einerseits machtvolle Praktiken des Ordnens von Bedeutungen, die Individuen als (bestimmte) Subjekte an-erkennbar werden lassen. Andererseits gilt die Aufmerksamkeit – im Unterschied zur dokumentarischen Analyserichtung – gerade jenen Prozessen, welche die normativen Zonen des Denk- und Sagbaren destabilisieren, erweitern, veruneindeutigen und transformieren. Die Analyse diskursiver Praktiken wird insofern aus einer poststrukturalistisch-praxeologischen Perspektive nicht nur als Mittel zum Zweck begriffen. [46]

5.2.1 Zum Potenzial von Äußerungen aus Gruppendiskussionen

Äußerungen aus Gruppendiskussionen als Materialsorte bergen dabei aus folgenden Gründen ein besonderes Potenzial für poststrukturalistische Diskurs- und Subjektivierungsanalysen – und andersherum formuliert birgt eine diskurs- und subjektivierungsanalytische Perspektive auf Gruppendiskussionen einen besonderen Gewinn. Das mittels Gruppendiskussionen erzeugte Untersuchungsmaterial zeichnet sich dadurch aus, dass die Erhebung nicht auf Äußerungen einzelner Individuen ausgerichtet ist (vgl. Abschnitt 3.1). Im Unterschied zur monologischen Sprechform in klassischen Einzelinterviews ist die diskursive Praxis in Gruppendiskussionen vielmehr dadurch gekennzeichnet, dass Äußerungen auf andere Äußerungsakte folgen, an diese anschließen und auf diese antworten. Weshalb dieses Material nun ein besonderes Potenzial für die vorgeschlagene poststrukturalistische Analyserichtung bietet, begründet sich aus dem dargelegten diskurs- und subjektivierungstheoretischen Vorverständnis. Denn die Spezifik des Materials aus Gruppendiskussionen ermöglicht, analytisch der Relationalität des Subjektivierungsdenkens Rechnung zu tragen. Im Zuge der empirischen Erkundung von Subjektivierungsprozessen lässt sich damit die grundlegende Verbundenheit mit und existenzielle Angewiesenheit auf Andere/s (eine bereits diskursiv hervorgebrachte und be-deutete Welt mit einer Sprache, die vorher da ist sowie Anrufungen und Anerkennung als spezifischer jemand durch Andere) in der Auswertung berücksichtigen. Denn insofern mit BUTLER "Sprechakte stets adressierende Anerkennungspraktiken" (JERGUS 2014b, S.64) darstellen, können die sprachlichen Anschlüsse als Bezugnahmen aufeinander analysiert werden, anhand derer sichtbar werden kann, inwiefern Be-Deutungen Anerkennung erfahren. [47]

Gerade vor dem Hintergrund einer Sensibilität für Macht(-verhältnisse), die sich mit den dargelegten diskurs- und subjektivierungstheoretischen Annahmen verbindet, sind Gruppendiskussionen durch das Zusammenspiel von Äußerungsakten mehrerer für Analysen diskursiver Praktiken interessant. Denn im Unterschied zu Interviews ist die Bedeutungsproduktion dadurch bedingt, dass Konstruktionen jederzeit durch anschließende Äußerungsakte zur Disposition gestellt werden können. Die Äußerungen Anderer können als eine Art "Korrektiv" fungieren, an denen sich aus diskurs- und subjektivierungsanalytischer Perspektive aufschlüsseln lässt, inwiefern Äußerungen als "intelligibel" (BUTLER 1991 [1990], S.37) gelten und Anerkennung finden oder aber in anschließenden Äußerungen normalisierende Manöver im Ringen um Bedeutung vollzogen werden (z.B. durch Ausschlüsse, spezifische Zuschreibungen oder Bewertungen). Das Potenzial von Gruppendiskussionen in diskurs- und subjektivierungsanalytischer Perspektive liegt entsprechend darin, analytisch die Machtförmigkeit diskursiver Praktiken und damit verbundener Subjektivierung heraus zu präparieren. Das bedeutet sichtbar zu machen, auf welche Weise im Vollzug der Äußerungsakte Subjektivität und damit verbunden Ordnungen des Subjektseins hervorgebracht werden (z.B. durch Zuschreibungen, Abgrenzungen, Bewertungen, Wahr-Sprechen) – oder wie BUTLER es formuliert "die Grausamkeiten, durch die Subjekte produziert und differenziert werden" (1993, S.131f.). Die Anschlüsse sind dabei analytisch hinsichtlich ihrer iterativen Implikationen zu befragen. Denn damit kann in den Blick kommen, wie Bedeutungen im Vollzug anschließender Äußerungsakte bestätigend wiederholt sowie weitergeführt werden und sich zu geltenden Ordnungen verdichten, aber auch, wie Ordnungen durch differenzierende Positionierungen infrage gestellt und zurückgewiesen werden (z.B. über Bestätigungen, Ablehnungen, Widerspruch) oder auch wie über machtvolle Ausschlüsse Räume des Denk- und Sagbaren wieder eingeschränkt werden. Methodisch erweist sich dafür ein sequenzielles Vorgehen als sinnvoll. Denn dies ermöglicht es feinanalytisch schrittweise den Praktiken der Produktion von Bedeutungen sowie damit einhergehenden Subjektivierungen in den Vollzügen von Äußerungen und Anschlussäußerungen mehrerer Sprecher*innen nachzugehen und das Zusammenspiel der Äußerungsakte in seiner produktiven, machtvollen Funktion zu untersuchen und entsprechend so auch (Dis-)Kontinuierungen und Verschiebungen im Vollzug aneinander anschließenden Äußerungsakte sichtbar zu machen. [48]

5.2.2 Verändertes Interesse an "der Gruppe"

Darin klingt bereits an, dass dementsprechend auch das Interesse an der Gruppe bzw. dem Kollektiven aus einer poststrukturalistischen Perspektive anders gelagert ist, als im Rahmen einer dokumentarischen Gruppendiskussionsforschung mit wissenssoziologischer Fundierung: Denn während in der dokumentarischen Methode die "Gruppe [...] somit lediglich ein 'Epi-Phänomen' für die Analyse milieuspezifischer Erfahrungsräume" (BOHNSACK 2007a, S.63) darstellt und zwischen in der konkreten Situation gegebenen bzw. nicht gegebenen kollektiven Erfahrungshintergründen unterschieden wird, die sich in Form und Inhalt der Diskussionen repräsentieren, besteht aus poststrukturalistischer Perspektive vielmehr eine Skepsis gegenüber der "Überzeugung [...] [dass] sich die Gruppe als eigenständiges und eigensinniges Setting der Datenproduktion konzeptionell und praktisch soweit neutralisieren [ließe], dass sie als virtuelles Fenster zu Erfahrungen und Meinungen von Kollektiven oder Personengruppen genutzt werden kann" (WOLFF & PUCHTA 2007, S.216). [49]

Vielmehr regt ein diskurs- und subjektivierungsanalytischer Zugang dazu an, sowohl den Prozess der Gruppenzusammenstellung selbst als auch die Konstitution als Gruppe während/in der Gruppendiskussion methodologisch als Praxis der Re-Produktion subjektbezogener Normen zu reflektieren. An dieser Stelle geht es daher weniger darum, Vorgaben hinsichtlich der konkreten Gruppenzusammensetzung zu machen (ob Realgruppen oder "künstlich" gebildete Gruppen, vgl. auch Anmerkung 5), als vielmehr darum, auf die grundlegende Ambivalenz zu verweisen, die aus poststrukturalistischer Perspektive mit diesem Prozess verbunden ist. Denn einerseits kommt auch ein diskurs- und subjektivierungsanalytischer Zugang, der z.B. im Anschluss an macht- und ungleichheitstheoretische Perspektiven der Geschlechter- und Rassismusforschung Differenz- und Machtverhältnisse berücksichtigen möchte, in der Gruppenzusammenstellung nicht um das unhintergehbare Differenz-Dilemma einer Wiederholung und vorläufigen Setzung von Kategorien (wie z.B. Geschlecht) umhin, die gegenüber anderen Dimensionen als relevant betont werden. D.h. die Zusammenstellung einer Gruppe entlang bestimmter Kategorien und Zuschreibungen kann insofern auch als Vorstellung existenter Strukturen (Differenzordnungen in Bezug auf gender, race, class usw.) gelesen werden. Andererseits fordert eine poststrukturalistische diskurs- und subjektivierungsanalytische Perspektive gerade dazu heraus, diese Positionierungen im Analyseprozess gewissermaßen vorläufig wieder "zu vergessen". Damit ist gemeint, in den Analysen nicht von den Sprecher*innenzuordnungen auf die Äußerungen zu schließen oder Äußerungen mit den Sprecher*innenzuordnungen zu erklären. Vielmehr lenkt ein diskurs- und subjektivierungsanalytischer Zugang die Aufmerksamkeit auf die Praktiken und Logiken der Hervorbringung von Homologien ohne diese als vorgängig gegeben zu setzen. Denn angesichts der Prämisse der diskursiven Performativität und einer konstitutiven Unabgeschlossenheit von Bedeutungen sind auch kollektive Positionen (des Subjekt-Seins) und die Hervorbringung als Gruppe während der Diskussion als Effekte machtförmiger, performativer Prozesse zu begreifen. [50]

6. Resümee

Den Startpunkt der vorliegenden Ausführungen bildete zum einen die Markierung des Desiderats methodisch erzeugter Äußerungen aus Gruppendiskussionen als Materialsorte im Feld diskurs- und subjektivierungsanalytischer Forschungen. Präzisiert wurde diese Leerstelle mit dem Verweis darauf, dass zwar in jüngerer Zeit im erziehungswissenschaftlichen Forschungsfeld vereinzelt Studien entstanden sind, die Gruppendiskussionen nutzen und auf der Ebene des empirischen Gegenstands bereits mit diskurs- und subjektivierungstheoretischen Annahmen arbeiten. Eine poststrukturalistische diskurs- und subjektivierungsanalytische Perspektivierung der Methodologie von Gruppendiskussionen als Forschungsinstrument stand jedoch noch aus. Zum anderen haben die dargelegten Überlegungen zu einer Verbindung von Gruppendiskussionen mit poststrukturalistischen Denkfiguren ihren Ausgang von der bislang etablierten Forschungspraxis genommen – nämlich der engen Verbindung von Gruppendiskussionen und dokumentarischer Methode sowie deren sozialtheoretischer Verortung im Paradigma der praxeologischen Wissenssoziologie. [51]

Vor diesem Hintergrund bestand das Anliegen mit diesem Beitrag darin, aufzuzeigen, was es demgegenüber heißen kann, Gruppendiskussionen mit diskurs- und subjektivierungstheoretischen Prämissen zusammen zu denken. Mit den vorliegenden Ausführungen habe ich eine vor allem an den Arbeiten Judith BUTLERs orientierte methodologische Neufundierung von Gruppendiskussionen vorgeschlagen. Eine In-Verhältnis-Setzung beider Perspektiven ermöglichte es zu markieren, wie sich ein poststrukturalistischer diskurs- und subjektivierungsanalytischer Zugang von einer dokumentarisch ausgerichteten Gruppendiskussionsforschung im Hinblick auf grundlagentheoretische Annahmen, den Diskursbegriff, das Verständnis vom Datenmaterial bzw. dem "Status" der Äußerungen in Gruppendiskussionen sowie das Forschungsanliegen und die jeweilige Analyserichtung unterscheidet (vgl. Abschnitt 5). Zugleich war es mein Anliegen, mit jenen Verschiebungen das Potenzial einer Verkopplung von Diskurs- und Subjektivierungstheorie mit Gruppendiskussionen aufzuzeigen, d.h. zu markieren worin aus diskurs- und subjektivierungstheoretischer wie -analytischer Perspektive genau der Gewinn einer Forschung mit Äußerungen aus Gruppendiskussionen besteht. Ganz grundlegend sollte deutlich geworden sein, dass eine entsprechende Neufundierung von Gruppendiskussionen das Verfahren für poststrukturalistische Diskurs- und Subjektivierungsforschungen fruchtbar macht, so dass Gruppendiskussionen nicht mehr nur – wie bislang – primär "die Methode der Wahl [sind], wenn ein rekonstruktiver, hypothesengenerierender, empirischer Zugriff auf das Kollektive im Sinne der Erfassung kollektiver Orientierungsmuster und ihrer Soziogenese gesucht wird" (NENTWIG-GESEMANN 2010, S.264; meine Herv.). [52]

Zusammengefasst liegt der Gewinn einer "Poststrukturalisierung" von Gruppendiskussionen maßgeblich darin, diese Materialsorte auch für die Untersuchung diskursiver Praktiken nutzen zu können. So kann mit Äußerungen aus Gruppendiskussionen gearbeitet werden, ohne diese als Fenster zu konzeptualisieren, "durch das hindurch man auf den 'eigentlichen' Gegenstand blickt" (WOLFF & PUCHTA 2007, S.58f.) und somit das Gesprächsgeschehen auf implizite davor- oder dahinterliegende kollektive Wissensbestände rückzuführen. Denn durch den Bezug auf die diskursive Performativität und Iterabilität von Sprache, wurden bisherige Annahmen über den primären Ort der Konstitution und Aufschichtung von Sinn abgelöst und ein poststrukturalistisch-praxeologisches Verständnis von "dem Diskurs" eingeführt, der sich in diskursiven Praktiken realisiert und (re-)produziert und wonach situierte Äußerungsakte als ein Ort der Erzeugung von Bedeutung und damit einhergehenden Subjektivierungen gefasst werden. Entsprechend kann durch die vorgeschlagene Konzeptualisierung machtsensibilisiert den Mechanismen und Logiken der Hervorbringung von Bedeutung und damit verbundenen Subjektivierungen in konkreten, situierten Vollzügen von (Sprech-)Akten nachgegangen werden. Der Zugang bietet die Möglichkeit anhand der spezifischen Praxis des Sprechens, in der Andere an Äußerungen anschließen und Äußerungsakte im Vollzug aufeinander antworten und darin Bedeutungen fortlaufend iterieren, Prozesse des Ausweitens und Differenzierens von Kontexten des Denk- und Sagbaren sowie machtvolle Eingrenzungs- und Ausschließungsbewegungen sichtbar zu machen. Angesichts der subjektivierungstheoretischen Prämisse einer existenziellen Angewiesenheit auf und Anerkennung durch Andere erweisen sich Gruppendiskussionen für eine Subjektivierungsforschung als Analyse diskursiver Praktiken, die Individuen Anerkennung als spezifische Subjekte ermöglichen als besonders angemessen. Denn dieses Material ermöglicht es der relationalen Dimension des Diskursiven und von Prozessen der Subjektivierung auch analytisch in der Auswertung Rechnung zu tragen. [53]

Insbesondere ist dieser vorgeschlagene Zugang für eine erziehungswissenschaftliche Diskurs- und Subjektivierungsforschung geeignet, die an der Untersuchung einer (Re-)Produktion von Macht- und Ungleichheitsverhältnissen in pädagogischen Kontexten und Praktiken interessiert ist und z.B. Fragen der Differenzierung in Bezug auf gender, race, class nachgeht. Erziehungswissenschaftliche Forschung, die seit jeher mit der Frage danach befasst ist, wie sich Individuen im Verhältnis zu sich, Anderen und der Welt bilden, kann so im Anschluss an Annahmen der Geschlechterforschung und postkoloniale Theorieperspektiven bspw. Prozesse der vergeschlechtlichenden Subjektivierung analysieren und Ausweitungen von Normen als Zonen des Denk-, Sag- und Lebbaren in den Blick bekommen. Das heißt, dass diese methodologischen Überlegungen zu einer Verbindung von Diskurs- und Subjektivierungstheorie mit Gruppendiskussionen für eine Forschung zuträglich sind, die von dem Anliegen getragen wird, die subjektivierende Macht diskursiver Praktiken im Kontext gesellschaftlicher Differenzverhältnisse (gender, race, class usw.) analysieren zu wollen und der Frage nach Spielräumen der Veränderung von begrenzenden, herabsetzenden Bedingungen des Subjektseins nachgeht. Aufbauend auf diese Überlegungen zur methodologischen Neufundierung ist die systematische Ausarbeitung und Erprobung entsprechender Auswertungsvorgehen für eine poststrukturalistische Diskurs- und Subjektivierungsforschung mit Gruppendiskussionen ein Feld, das sich zukünftig weiter zu beackern lohnt. [54]

Anmerkungen

1) Die vorliegenden Ausführungen schließen an Überlegungen im Rahmen meiner Dissertation (GEIPEL 2017) an. Darin habe ich eine poststrukturalistische Perspektive auf Gruppendiskussionen entwickelt und mittels einer sequenziellen Positionierungsanalyse vergeschlechtlichende Subjektivierungsprozesse anhand zukunftsbezogener Äußerungen untersucht. <zurück>

2) Ausführungen zur Entwicklungsgeschichte des Gruppendiskussionsverfahrens finden sich in einschlägigen Schriften, vgl. etwa BOHNSACK (2005, S.372ff.); LAMNEK (2005, S.18ff.) und LOOS und SCHÄFFER (2001, S.15ff.). <zurück>

3) Die Sprechenden werden jedoch nicht allein durch den Impuls zu Beginn der Diskussion als Gruppe adressiert. Vielmehr setzt eine Konstitution und Strukturierung des Forschungskontextes bereits im Vorfeld ein, durch Adressierungen bspw. auf Flyern, in Anschreiben o.ä. <zurück>

4) Dass Gruppendiskussionen und dokumentarische Methode ein enges Gespann bilden, lässt sich u.a. daran ablesen, dass im deutschsprachigen Raum einführende Texte zu der Erhebungsmethode i.d.R. von Vertreter*innen der dokumentarischen Methode selbst verfasst sind. Dies zeigen auch die verwendeten Quellen innerhalb dieses Abschnitts. Die dokumentarische Interpretation wird darin durchaus offensiv als die Methode der Auswertung für Gruppendiskussionen reklamiert. Exemplarisch wird dies an folgender Anmerkung deutlich: "So ist die Methode der Gruppendiskussion nur zu verstehen, wenn der wesentliche methodologische Kristallisationspunkt der dokumentarischen Interpretation mitgedacht wird: Die Rekonstruktion von handlungsleitenden Orientierungen und impliziten Wissensbeständen von Gruppen zielt letztlich auf den empirischen Zugriff auf soziale Kontexte, auf gemeinschaftliche und vor allem übergemeinschaftliche konjunktive Erfahrungszusammenhänge, auf die Milieubindung und die Soziogenese von Orientierungen und ihrem handlungsleitenden Potenzial" (NENTWIG-GESEMANN 2010, S.259). <zurück>

5) Von Gruppen wird in der wissenssoziologischen Tradition gesprochen, sofern ein "gemeinsamer Erlebniszusammenhang gegeben ist" (BOHNSACK 2005, S.379). Unterschieden wird zwischen Gruppen mit Mitgliedern, die eine gemeinsame Handlungspraxis teilen, sogenannte Realgruppen, und "künstlich gebildeten Gruppen" (LIEBIG & NENTWIG-GESEMANN 2009, S.105), in denen die Mitglieder kein unmittelbares Erleben teilen, aber über einen "strukturidentischen Erfahrungszusammenhang" (NENTWIG-GESEMANN 2010, S.261; vgl. auch LIEBIG & NENTWIG-GESEMANN 2009, S.105) verfügen können. <zurück>

6) Detaillierte Ausführungen zum methodischen Vorgehen finden sich in einschlägigen, anschaulichen Lehrbüchern, vgl. dazu etwa BOHNSACK (2010b); PRZYBORSKI (2004) und PRZYBORSKI und WOHLRAB-SAHR (2014). <zurück>

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Zur Autorin

Karen GEIPEL ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Erziehungswissenschaft der Technischen Universität Berlin. Arbeitsschwerpunkte: Subjektivierungs-, Diskurs- und Bildungstheorien/-forschung; Differenz und soziale Ungleichheit mit dem Fokus auf gender und race; Zukunftsentwürfe und Übergang Schule/Beruf; Methodologie und Methoden qualitativer Forschung.

Kontakt:

Dr. Karen Geipel

Technische Universität Berlin
Fakultät I – Geistes- und Bildungswissenschaften
Institut für Erziehungswissenschaft
Marchstraße 23
D-10587 Berlin

Telefon: +49 30 314 73744

E-Mail: karen.geipel@tu-berlin.de
URL: https://www.ah-ewi.tu-berlin.de/menue/team/wissenschaftliche_mitarbeiterinnen/dr_karen_geipel/

Zitation

Geipel, Karen (2019). Diskurs- und Subjektivierungstheorie meets Gruppendiskussionen – Methodologische Überlegungen zu einer neuen Verbindung [54 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 20(2), Art. 20, http://dx.doi.org/10.17169/fqs-20.2.3195.



Copyright (c) 2019 Karen Geipel

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